Journal Sonntag, 8. September 2019 – Drinnentag bei Regen mit Brotbacken und Sport

Montag, 9. September 2019 um 6:07

Ausgeschlafen. Der Blick nach draußen fiel auf Regen, der den ganzen Tag in verschiedenen Stärken anhielt. Ich tat keinen einzigen Schritt vor die Tür.

Nach dem Bloggen machte ich mich ans Brotbacken: Häusemer Bauerekrume, die Vorteige hatte ich Samstagabend angesetzt. Im Gegensatz zum Kuchen von Samstag klappte diesmal alles hervorragend, der Anschnitt abends nach dem Abkühlen ergab: Gelungen!

Zwischen den Schritten der Broterstellung (Falten, Formen, Ofen anschalten, Brot einschießen, Temperatur senken) bewegte ich mich sportlich. Plan war: Faszienrolle, ein Stündchen auf dem Crosstrainer, halbe Stunde Bauch- und Rückenkräftigung mit Fitnessblender. Aber dann hatte ich auf dem Crosstrainer so viel Spaß durch die Musik auf den Ohren, dass ich nach einer Stunde nicht aufhören wollte. Ich sprang immer wieder vom Gerät, wenn die Ofentemperatur verändert werden musste, und strampelte, bis das Brot fertiggebacken war. Danach nur noch ein paar Bauchübungen auf dem Boden.

Nach dem Duschen musste ich bei der Kleidungswahl eingestehen: Herbst.

Also Strumpfhosen und lange Ärmel.

Zum Frühstück (Risotto vom Samstag, Pfirsiche und Banane mit Joghurt, Kirschkuchenfragmente) las ich die Wochenend-Süddeutsche.

Familientelefonat, alle wieder da, Bruderfamilie einen großartigen Urlaub in Spanien gehabt habend.

Eine Runde Bügeln, dabei hörte ich Holger Kleins WRINT: Holgi hat sich mit Benjamin Hammer unterhalten, dem ARD-Korrespondenten in Tel Aviv.
“Israel”.

Hammer spricht über das Leben in Tel Aviv, den täglichen Raketenbeschuss in Israel aus dem Gazastreifen, über das Leben der palästinensischen Zivilbevölkerung, die politische Lage und ihre Hintergründe, aber auch über seinen Kampf um ausgeglichene Berichterstattung in einer extrem polarisierten Wahrnehmung und als Subjekt in ständiger Selbstüberprüfung.
(Endlich schob ich auch mal ein wenig Geld zu WRINT rüber.)

Zum Nachtmahl gab es von Herrn Kaltmamsell hergestellten Kochkäs, auf luxemburger Art (mit Gürkchen und Senf) serviert.

Außerdem Linsen-Mangold-Gemüse.

§

Ich kenne nicht nur eine Wissenschaftsjournalistin, die sich die Zähne am Thema Quantenphysik ausgebissen hat – spätestens in der letzten Abstimmmungsrunde mit Quantenphysikern und -physikerinnen, die ihr Fachgebiet nicht akkurat genug dargestellt sehen. Umso mehr Hochachtung vor Anja Conzett, die das für republik.ch durchgestanden hat. (“Wer behauptet, Quantenphysik verstanden zu haben, hat sie nicht verstanden,” soll Richard Feynman gesagt haben. Vielleicht hilft das.)
“Die Physiker”.

Ein verschlafenes Nest in den Pyrenäen ist der Treffpunkt für eine Gruppe hoch spezialisierter Physiker. Verhandelt wird eine Realität jenseits dessen, was der Mensch erfahren kann – mit dem Potenzial, die Welt zu verändern.

Und das geht dann so:

Wenn ein Laie auf einen Physiker trifft, kann das so ausgehen:

«Woran arbeitest du genau?»

«Ich beschäftige mich mit Tensor­netzwerken. Konkret versuche ich, durch Matrix­multiplikationen riesige Quanten­zustände effizient darzustellen.»

«Kannst du mir das noch mal erklären, aber so, als wäre ich sechs Jahre alt?»

«Äh … das habe ich gerade versucht?»

Kopfschmerzen und Inferioritäts­gefühle sind natürliche Begleit­erscheinungen, wenn man sich als Normal­sterblicher unter Quanten­physiker wagt. Doch Durchhalten lohnt sich.

§

Verkehrte Welt, in der die Konservativen am meisten das Ende der Freiheit fürchten. Thomas Assheuer macht sich in der Zeit dazu grundsätzliche Gedanken:
“Der Teufel trägt Öko”.

Auch ein psychologisches Moment befeuert den Alarmismus des Konservativen: Im grünen Politiker begegnet er seinem verdrängten Erbe, er begegnet Überzeugungen, die er früher selbst vertreten hat. Früher, als Konservative noch von Schöpfung sprachen und nicht von Ressourcen. Von der Weisheit des göttlichen Weltbaumeisters und der Unantastbarkeit seines Werks. Von Maß und Mitte, von Verzicht und Selbstbescheidung, kurz: von der Limitierung der Freiheit.

(…)

Man darf sich nichts vormachen. Der Zwang, alles Staatshandeln auf die Stabilisierung des Erdsystems auszurichten, beleidigt die Freiheit, die sich, was denn sonst, ihre Ziele gefälligst selbst aussuchen und sie frei wählen will. Es kränkt die liberale Autonomie, wenn sie nur noch über die Mittel entscheiden darf, nur noch darüber, wie sie ihr ökologisches Hauptziel erreicht. Verbunden übrigens mit der Drohung, dass bei Zuwiderhandeln die künftigen Freiheitseinschränkungen noch viel massiver ausfallen, während es eine Rückkehr zu einer unzweideutig natürlichen Natur nicht mehr geben wird.

Allerdings wies @mspro auf Twitter zurecht darauf hin: “konservativismus war nie eine kohärente ideologie, sondern immer nur verteidigung des status quo.”

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 7. September 2019 – Schwimmen, Kuchenfiasko, Late Night

Sonntag, 8. September 2019 um 8:51

Ausgeschlafen aufgewacht, mit Plänen und Energie, der sanfte Landregen draußen war dabei bereits einkalkuliert.

Unter anderem war mir im Aufwachen eingefallen, welchen Kuchen ich backen wollte: einen Kirschsandkuchen in der Napfform, Rezept noch aus Kaffeekränzchenzeiten meiner Mutter von einer Freundin, in meinem handgeschriebenen Kochbuch festgehalten, seit Jahrzehnten nicht mehr gemacht. Als besonders reizvoll hatte ich in Erinnerung, dass der Kuchen mit etwas Kirschwasser beträufelt und mit einem Kirschwasser-Zuckerguss überzogen wurde.

Erst mal bloggte ich zum Morgenkaffee den Vortag weg und las die Twittertimeline der Nacht hinterher (inzwischen nur noch über die Listenfunktion von Twitter – dass diese Threads nicht am Stück darstellt und keine Filter anwendet, ist ein geringer Preis für das Wegfallen von Werbung und den ge-like-ten Tweets irgendwelcher anderer Leute).

Der Regen hatte nicht aufgehört, und ich plante doch eine Schwimmrunde im Olympiabad. Die U-Bahn wollte ich sehr nicht nehmen, also beschloss ich, dass der Regen schon nicht zu schlimm fürs Radeln war. Statt des umständlichen Fahrradumhangs schlüpfte ich in eine alte Wanderjacke mit Kapuze, die sich als das genau richtige Kleidungsstück herausstellte: Ich kam mit lediglich leicht feuchten Jeans am Schwimmbad an. (Und nachdem ich dann doch eine Fahrradfahrerin ein bisschen anbrüllen musste, die mir auf einer mehrspurigen Straße ohne Fahrradweg auf meiner korrekten Fahrseite entgegenkam.)

Ich schwamm mit Vergnügen und ungestört 3.300 Meter, war lediglich anfangs irritiert, dass es derzeit in der großen Schwimmhalle keine einzige Uhr zu geben scheint. Unter der Dusche rubbelte ich mir die Sommersonne der vergangenen Wochen mit einem Peelinghandschuh vom Körper, cremte und pflegte mich anschließend.

Auf dem Heimweg in der U-Bahn-Station am Josephsplatz endlich mal wieder Automatenfotos (die jüngsten waren von Ende März). Da die U-Bahn-Station Sendlinger Tor derzeit und noch die nächsten Jahre umgebaut wird, bin ich auf weiter entfernte Automaten angewiesen.

Leider belichtet dieser Automat über.

Beim Wimmer Handsemmeln zum Frühstück geholt, daheim aber erst mal den geplanten Kuchen zubereitet (fehlende Zutaten hatte in meiner Abwesenheit Herr Kaltmamsell besorgt – obwohl ich angeboten hatte, sie auf dem Heimweg vom Schwimmen einzukaufen): Mein Tagesplan sah auch eine bestimmte Kinovorstellung am Nachmittag vor, ich wollte davor nicht unter Zeitdruck geraten. Während der Kuchen im Ofen war, frühstückte ich.

Als ich den Kuchen rezeptgemäß gleich nach dem Fertigbacken stürzte: Fiasko.

Obwohl die Form gebuttert und gebröselt war, klebte das obere Drittel des Inhalts fest. Also kein Beträufeln mit Kirschwasser, ich pappte die Fragmente so gut es ging mit Zuckerguss zusammen.

Kino: Im City an der Sonnenstraße lief Late Night, der kleine Vorführsaal war gut voll – mit vor allem älteren und alten Frauen (die elegante Dame neben mir, die – wie die meisten – allein gekommen war, merkte das auch an).

Die leichte Komödie um eine seit Jahrzehnten erfolgreiche weiblich Late-Night-Show-Protagonistin (also Science Fiction, wie Hauptdarstellerin Emma Thompson in einem Late-Night-Show-Interview anmerkte) unterhielt mich gut, Thompson kann eh nichts falsch machen, Mindy Kaling, die auch das Drehbuch geschrieben hat, ist herzerfrischend.

John Lithgow spielt den Mann von Emma Thompson. Ich bin gerührt, Roberta altern zu sehen – er ist immer noch bezaubernd.

Ansonsten stimme ich Susan Vahabzadeh in der Süddeutschen zu:

Komische Frauen unter sich, eine Hauptdarstellerin über fünfzig, ein Plot, in dem es dann irgendwann darum gehen wird, Menopausen-Gags salonfähig zu machen – “Late Night” ist für Hollywood-Verhältnisse ein riskantes Projekt. Daran mag es liegen, dass Kaling im letzten Akt ihres Drehbuchs ein paar Zugeständnisse zu viel an die Konventionen der leichten Komödie macht.

Nach dem Kino noch ein paar Supermarkteinkäufe, Umweg über den Blumenladen am Stephansplatz: Ich wollte besondere Blumen für eine besondere Vase.

Abends kochte Herr Kaltmamsell groß auf. Ich hatte vor Wochen als Wunsch Kalbskoteletts auf seine Liste setzen lassen, die servierte er mit Kräutern paniert, dazu Risotto a la milanese.

Im Glas ein fränkischer Rotling, der mir dann doch einen Tick zu pferdefurzig war.

Als Dessert gab es den Kirschkuchen. Schmeckte schon gut, aber diese Sauerei geht halt gar nicht.

§

Junge Ostdeutsche nach der Landtagswahl vom vergangenen Wochenende auf Zeit Campus:
“Ich fühle mich, als ob ich einer riesigen Bedrohung gegenüberstehe”.

Wir wollten mit denen sprechen, die der Hass, die Vorurteile und Politik der AfD trifft: People of Color, Kinder von Migrantinnen, Geflüchtete. ZEIT Campus ONLINE hat mit zehn jungen Ostdeutschen über den Erfolg der AfD gesprochen. Wir wollten wissen: Wie geht es euch? Das sind ihre Antworten.

(…)

Ich möchte mich nicht verdrängen lassen, aber ich will auch nicht die ganze Zeit kämpfen müssen. Ich will nicht rausgehen und mir jedes Mal Gedanken über meine Sicherheit machen. Ich will mich nicht vorbereiten müssen auf einen einfachen Einkauf.

§

Warum ich Blogs von Anfang an mochte: Weil sie mir Einblicke in das Alltagsleben von Menschen ermöglichten, das sich in fast allem von meinem unterschied. Hin und wieder bekomme ich das heute noch. Zum Beispiel wenn ein Astrophysiker erzählt, wie er seinen Unterricht und sich dabei organisiert:
“Survival strategies for lecturers”.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 6. September 2019 – Zumindest die Füße schön

Samstag, 7. September 2019 um 8:58

(Außerdem langweilen mich meine Schmerzen.)

Also dann halt warme Jeans. Es war kühl und regnerisch, ich kam aber ohne Schirm durch meine Wege.

Der Arbeitstag war durchgeplant, doch das Dasein entschied sich, gestern eine Runde Wahnwitz einzulegen. Dummerweise gehörte auch Unlösbares dazu, das erzeugte ein ungutes Grundgefühl.

Für Mittag hatte ich mir beim Bäcker einen Laugenzopf und ein Stück Sandgebäck (“Kakaozunge”) mitgenommen, auf die ich mich freute. Gemeinerweise stellte sich die Kakaostange aber nicht nur an den Enden Schokolade-los heraus (vor einem Jahr waren sie knackig-dick mit Schokolade überzogen), sondern auch noch vorgestrig: Ich rülpste nach dem Verzehr noch eine ganze Weile leicht angeranzelte Butter.

Pünktlicher Freitagsfeierabend, ein paar Biosupermarkt-Einkäufe auf dem Weg heim.

Zuhause verabscheidete ich Herrn Kaltmamsell zu seiner Abendverabredung und bereitete mein Nachtmahl vor: Salat aus Ernteanteil waschen (er brauchte ein Vollbad, weil arg dreckig), Tahinidressing erstellen. Dann verließ ich das Haus nochmal: Ich hatte einen späten Pediküre-Termin, zu dem ich radelte. Der war sehr angenehm, vor allem hatte ich anschließend schöne Füße.

Ich hatte mich für einen Lack entschieden, der möglichst weit entfernt von denen war, die ich daheim habe.

Eine große Schüssel Salat mit Tomaten ganz allein für mich, dann noch ordentlich Schokolade.

Post vom Finanzamt: Eine Erinnerung, ich müsse noch die “Einnahmenüberschussrechnung” für das Jahr 2018 nachreichen. WAS? WIE? WER? WAS IST DAS? Zum einen ist unsere Einkommensteuererklärung für 2018 längst durch (Herr Kaltmamsell ist da sehr pünktlich, wir machen sie uns auch so einfach wie möglich, indem wir nicht nach Absetzbarem suchen – u.a. weil wir beide Steuern völlig in Ordnung finden) und wir haben bereits nachgezahlt. Zum anderen hatte ich das noch nie. Erste Recherchen haben ergeben, dass das irgendwie mit der erzwungenen Mitgliedschaft bei der VG Wort zu tun haben muss, ohne die es seit vergangenem Jahr keine Ausschüttung für meine Blogtexte hier gibt. Denn damit gelte ich wohl auch als Freiberuflerin und muss eine zweite Steuererklärung abgeben – selbst wenn ich die VG Wort-Ausschüttung bereits in der Einkommenssteuerklärung angegeben habe. Es wird kompliziert, zefix.

§

Georg Diez diagnostiziert nach dem Wahlergebnis des vergangenen Wochenendes eine Abkehr von der Demokratie – nicht nur in Deutschland, sondern in der westlichen Welt. Im Gegensatz zu mir bleibt er aber optimistisch.
“Was Deutschland schaffen muss”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 5. September 2019 – Regentag

Freitag, 6. September 2019 um 6:46

Jetzt ernsthafter Wetterumschwung, es war kühl und grau. Aber ich kam trocken in die Arbeit, der Regen setzte erst 30 Minuten später ein. Noch hatte ich nackte Beine unterm Sommerrock und T-Shirt, doch in der Arbeit sah ich bereits Tweed und hochschaftige Stiefel: Verräterinnen!

Mittags Nektarinen, Maracuja, Manouri und eine Breze. Als Nachmittagssnack reichte mir ein wenig Schokolade, so konnte ich den Nachreha-Sport mit angenehm leeren Magen antreten. Diesmal wieder eine Trainerin bei der Gruppengymnastik, die die teils massiven körperlichen Einschränkungen von Teilnehmern und Teilnehmerinnen übersah – mit Bankstütz kann ich vielleicht in einem Fitnessstudio in eine Übungseineinheit einsteigen, aber doch nicht mit teils frisch Operierten kurz vor der Rente.

Langweilige Geräterunde, vielleicht nehme ich mir doch mal Musik oder einen Podcast mit. Dafür brauche ich aber eine Handyhalterung für den Oberarm oder Ähnliches – haben Sie, werte Leserinnen und Leser, mit solchen Sport-begleitenden Acessoires Erfahrungen und einen Tipp?

Auf dem Heimweg regnete es gleichmäßig; ich hatte keinen Schirm dabei und wurde langsam und missmutig feucht. Außerdem hinkte ich wieder stärker, die Treppen zur Wohnung waren die eigentliche sportliche Leistung des Tages.

Herr Kaltmamsell hatte Teile des frisch geholten Ernteanteils und gelaugten Mais zu einem Abendbrot verarbeitet:

Scharfe Auberginen mit Hominy.

§

Mittags war ich in der Süddeutschen auf zwei weitergebenswerte (u.a. weil kostenlos lesbare) Artikel gestoßen:

Bildungsexperte Matthias Drobinski kommentiert 100 Jahre Waldorfschule:
“Erfolg in Pastell”.

Irgendwie anders und doch bürgerlich: Diese Schulen passen bestens in das wachsende schwarz-grüne Milieu. Ihre Beliebtheit ist auch eine Absage an das staatliche Bildungssystem.

Und Neues aus München:
“Bald gibt es eine neue echt Münchner Brauerei”.

“Echt Münchner”, so lernte ich aus dem Artikel, ist eine Brauerei nämlich nur, wenn sie mit Münchner Wasser braut – also einen eigenen Brunnen auf dem Stadtgebiet hat. Das (besonders gute) Trinkwasser aus der Wasserleitung kommt ja aus dem Mangfalltal.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 4. September 2019 – Abendessen im Sommerkleid

Donnerstag, 5. September 2019 um 6:29

Durchgeschlafen.

Sonniger Tag: Ich konnte nochmal ein Sommerkleid tragen, mich zudem für den Feierabend mit Herrn Kaltmamsell auf ein Abendessen im Draußen verabreden.

Aber erst mal Orthopädentermin. Die Schilderung meiner immer stärkeren Beschwerden beendete ich vorsichtshalber mit: “Ich stell mich wirklich nicht einfach nur an!” Darauf Dr. Orth. so: “Wer behauptet das denn?” Ich so: “ICH denke das immer als Erstes!”

Das Röntgenbild ergab lediglich leichte Arthrose in der schmerzenden Hüfte. Als ich also abwinken wollte, wies Dr. Orth. darauf hin, dass Röntgenbild das eine, meine Schmerzen aber das andere seien. Er schickte mich nochmal zum MRT, um weiter nach der Ursache der Verschlechterung zu forschen.

U-Bahn in die Arbeit. Mittags Pfirsiche mit frischem Thymian (Rest aus Ernteanteil) und Manouri: Sehr passende Kombination.

Nach Feierabend traf ich mich mit Herrn Kaltmamsell im Westend in der empfohlenen Osteria Bianchi. Wir setzten uns an der Gollierstraße in die Sonne.

Amalfi Spritz (mit Limoncello – arg süß) und Campari Vino.

Es gab gemischte Vorspeisen (in der Mitte des Tellers, von Salat verdeckt: Thunfisch-Tartar).

Dann zweimal Pasta: Carbonara für ihn (seine selbst zubereitete ist besser), Ravioli mit Kürbisfüllung für mich (ein wenig blass).

Zur Tagesschau waren wir wieder daheim (die Soap Opera Brexit hat neue Ebenen der Absurdität gefunden, keine Lösung in Sicht).

Teure edle Winterkleidung bestellt. Ich muss wirklich ein paar abgetragene Kleidungsstücke wegwerfen (seit zwei Jahren rede ich mir ein, dass sie zumindest als Schlumpfklamotten für daheim noch gehen, habe sie dann aber tatsächlich nur zweimal pro Saison getragen). Wenn die bestellten Sachen passen (Kleid, Hose, Pulli, Schuhe), sollten sie wie ihre Vorgänger wieder mehr als zehn Jahre halten.

§

Der Podcast, an dem auch Anke Gröner mitwirkt, wird von der Süddeutschen in der Serie “Kultur-Podcasts aus München” vorgestellt:
“Kulturverkostung”.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 3. September 2019 – Gemüseklau, spanischer Salat, englischer Sekt

Mittwoch, 4. September 2019 um 7:05

Gut geschlafen, hätte ich auch noch länger haben können.

Genau in dem Moment nach der Zeitung vor die Tür geschaut, als der Zeitungsbote aus dem Aufzug kam. Er freute sich offensichtlich über die Begegnung so sehr wie ich, wir strahlten einander an, wünschten einen guten Morgen und einen weiteren schönen Tag – ganz schlecht konnte dieser Tag schon nicht mehr werden.

Mühsamer Gang in die Arbeit, zusätzlich erschwert durch einen Sack Münzen (Urlaubskasse aus dem Topf, in den wir jeden Abend alles Kleingeld aus der Geldbörse leeren), der sich allerdings im stabilen Rucksack deutlich leichter trägt als in einer Schultertasche.

Sonnentag mit wunderbarer Luft, der Herbst erst weit entfernt erahnbar.

Vormittagssnack wegen überraschenden Mörderhungers eine ordentliche Portion Nüsse, mittags Pfirsiche mit Dickmilch und eine Breze.

Verhältnismäßig pünktlicher Feierabend, um noch zu Schalterzeiten zur Bank zu kommen und meine Münzen einzuzahlen. Der Weg durchs Westend in goldener Sonne war besonders schön.

Nach den Bankgeschäften (ich musste zum ersten Mal am Schalter Schlange stehen) ging ich noch beim Lieblings-Süpermarket vorbei. Und sprach dann doch den Mann an, der sich durch die Kirsch- und Datteltomaten futterte: Ob er die nicht erst mal zahlen wolle? Er probiere nur, welche am besten seien, das mache er immer so. Wir gerieten in Streit, weil ich das unakzeptabel und Diebstahl fand, er argumentierte, er kaufe hier schon seit drei Jahren ein und es habe sich noch niemand an seinem Verhalten gestört. Nun, das seien hier halt höfliche Leute, sagte ich, er bezeichnete meine Reaktion als “deutsch”. Ich machte mich davon, weil ich sehr aufgebracht war und bereits zu zweifeln begann, ob ich mich überhaupt hätte einmischen sollen.

(Doch, auch nach längeren Nachdenken finde ich meine Intervention korrekt, die ja deutlich niederschwelliger ist als für die Besitzer des Familiengeschäfts. Zudem hatte der Mann bei den teuren Kleintomaten sicher gerade Brotzeit im Wert von ein paar Euro gestohlen. Wenn ich mich beim Einmischen nur nicht immer so aufregen müsste.)

Daheim gab es zum einen selbst gemachte gefüllte Nudeln (die Reste des Nudelteigs für Lasagne vor ein paar Wochen hatte Herr Kaltmamsell mit Feta und frischer Minze gefüllt) mit Butter, dazu hatte ich Zutaten für den spanischen Salat meiner Kindheit besorgt: Romanasalat (lechuga), milde Metzgerzwiebel (cebolla), Tomaten (tomate – korrekt wären allerdings riesige Fleischtomaten gewesen, die leider heutzutage nach nichts mehr schmecken), angemacht mit Salz, Pfeffer, schlichtem Essig und Öl. Ich glaube mich zu erinnern, dass das in den Spanienurlauben meiner Kindheit keineswegs Olivenöl war, das wäre zu teuer gewesen, sondern irgendein billiges Pflanzenmischöl – muss ich aber erst noch durch meine Eltern verifizieren. Gestern verwendete ich köstliches griechisches Bio-Olivenöl.

Im Glas englischer Schaumwein, den wir aus Brighton mitgebracht hatten: Plumpton Estate Brut Classic aus Sussex, der trocken und säuerlich frisch war, mir sehr gut schmeckte.1

§

Unsere Medien ebnen Neonazis in unserem Land den Weg, und Mely Kiyak muss zurecht über die Berichterstattung nach den Landtagswahlen vom Sonntag kotzen:
“Der Faschismus hat keinen moderaten Flügel”.

Jede Stimme für die AfD ist ein Einspruch gegen die westdeutsch geprägte Demokratie mit ihrem Pluralismus und ihrem Streben nach Minderheitenrechten. AfD-Wähler wollen Macht über alle diejenigen, die sie als Zumutung empfinden.

Ich bin mir sehr bewusst, dass einem nationalistischen Regime völlig schnurz wäre, welchen Pass ich habe, wo ich seit 30 Jahren Steuern zahle oder wo ich geboren wurde – wegen meiner Herkunft würde ich nicht als Deutsche angesehen.

Wenn man von der AfD nicht gemeint ist, ist es sicher leichter, die Ruhe wegzuhaben.

  1. Und Plumpton Estate, finde ich gerade heraus, ist ein College! “The award-winning Plumpton Estate sparkling and still wines are produced by our enthusiastic and talented students, working alongside a team of vinegrowing and winemaking experts.” Es scheint sich um eine Landwirtschaftsschule zu handeln – ich bin allerdings irritiert, weil nirgends der Begriff agriculture auftaucht, sondern überall von “land-based education” geschrieben wird. Hat das damit zu tun, dass Landwirtschaft in England einer anderen und hierarchisch deutlich höheren Gesellschaftsschicht zugeordnet wird als in Deutschland, nämlich der gentry? Deshalb auch keine Bilder von Menschen im Arbeitsoverall an Maschinenpark, sonder von hübschen Frauen mit Pferden? []
die Kaltmamsell

Journal Montag, 2. September 2019 – Hinkkünstlerin

Dienstag, 3. September 2019 um 6:35

Unangenehm, einen Montag mit Aussicht auf eine unangenehme Arbeitswoche zu beginnen.

Das Wetter hatte wie angekündigt umgeschlagen, ich radelte in Jeansjacke und leicht angetröpfelt ins Büro.

Schmerzen und Hinken waren gestern besonders schlimm, ich versuchte es Reha-anweisungsgemäß mit Ignorieren. Und siehe da: Im Lauf des Tages konnte ich sogar den einen oder anderen Schritt wie ein Mensch ohne LWS- und Hüftprobleme machen.

Berufliche Erfolge: Kolbenfüller nachgetankt, ohne eine Sauerei zu verursachen, ohne auch nur ein bisschen bekleckst zu werden.

Nach frühem Feierabend Termin bei der Anfasserin. Nachdem ich auf ihre Frage nach meinem Befinden “schlecht” antworten musste und das mit vielen hochkomischen Details illustrierte, bewunderte sie meinen unverwüstlichen Humor und bot eine Gesamtlockerungsmassage an. Angenommen. Als sie mich auf den Rücken legte, schob sie mir zudem Wärmekissen unter – allein die taten schon gut. Und eine Stunde später ging ich tatsächlich aufrechter und mit deutlich weniger Schmerzen.

Herr Kaltmamsell hatte einen großen Zucchino aus Ernteanteil mit einem Gerät zu Spaghetti-artigen Streifen geschnitten, servierte sie mit zweierlei Sößchen. Gut! Allerdings nicht sehr sättigend, es brauchte noch viel Schokolade und weitere Süßigkeiten.

Montagabend kommt nichts im Fernsehen, was bei Nebenbeilaufenlassen nicht stört – ich ging besonders früh ins Bett, um zu lesen und weil ich auch noch sehr müde war.

§

Katja Berlin schreibt übers Sprachenlernen in Berlin:
“Multikulti in der Hauptstadt
Berlin ersetzt jede Sprachlern-App”.

Ich habe ihr angeboten, sie mal in Olympiabad mitzunehmen, wo eine echte Bissgurk’n an der Kasse Kommunikation nur auf Bayerisch akzeptiert und sich bei Menschen mit ausländischem Akzent komplett dumm stellt. Noch eine Fremdsprache!

die Kaltmamsell