Journal Samstag, 19. Januar 2019 – Nur Tagesbruchteile
Sonntag, 20. Januar 2019 um 8:00Mein Selbstbild als Starker, gesunder, belastbarer und autarker Mensch leidet: Gestern zog mich schon wieder Tante Migräne aus dem Verkehr. Die Nacht war unruhig gewesen, Kopfschmerzen weckten mich immer wieder. Nach dem Aufwachen um halb acht machte ich Kaffee und bloggte, fühlte mich aber sterbensmüde und elend. Also ging ich zurück ins Bett, während draußen ein sonniger Tag strahlte. Versuchte mir die Umstände schön zu reden: Wenigstens war kein Arbeitstag, an dem ich in diesem ja nicht wirklich furchtbaren Zustand ins Büro gegangen wäre.
Ich schlief stückchenweise bis eins. Also die Stunden, die ich eigentlich für Gruppensport, Semmelnholen, Duschen eingeplant hatte. Mit deutlich weniger Kopfschmerzen und fast frei von Elend stand ich auf und machte mich mit den am Vorabend angesetzten Vorteigen ans Brotbacken.
Jedesmal, wenn ich wegen Migräne bis zum Nachmittag schlafe, fürchte ich, dass ich dann in der nächsten Nacht nicht schlafen kann. Und jedesmal werde ich müde wie immer.
Duschen: Erstmals wusch ich meine Haare mit Haarseife (Projekt Plastikvermeidung), die uns die Nichte zu Weihnachten geschenkt hatte – ging ganz wunderbar.
Brot wurde nach Jahren mal wieder eine Schwarzwälder Kruste.
Ging gut auf, hatte aber im Ofen schon mal mehr Trieb gehabt. Der aktuelle Sauerteig scheint weniger Wums (Fachausdruck) zu haben als sein Vorgänger, auch wenn er beim Auffrischen im Glas ordentlich Blasen wirft.
Mit Ende des Nachmittags war ich gesundheitlich wieder hergestellt, also bei Sonnenuntergang. Zumindest nutzte ich den Tag noch zu Wäschewaschen und zum Wegbringen von Plastikmüll und Flaschen.
Als Nachtmahl bereitete Herr Kaltmamsell einen Auflauf aus Lauch, Ernteanteil-Rosenkohl, Schinken und Käse zu, überbacken mit salzigem crumble.
Schmeckte gut, auch wenn die Bechamelsauce das Gericht recht schwer machte. Der crumble gefiel mir besonders.
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Gestern hat die CSU Markus Söder zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Nicht mehr im Spiel der Landespolitik ist eine der wenigen Frauen, die in den vergangenen Jahren sichtbar geworden waren, Christine Haderthauer. Die Zeit hat ein erhellendes Interview mit ihr (doofe Überschrift):
“‘Männer haben Spaß daran'”.
via @miriam_vollmer
Ich musste die Währungen verstehen, die in einer männerdominierten Partei wie der CSU gelten. Und das ist – entgegen meiner anfänglichen Erwartung – eben nicht in erster Linie die Sacharbeit, sondern vor allem Präsenz, Redeanteil, Status, Seilschaften. Sieh zu, dass du dich in Sitzungen immer zu Wort meldest, möglichst zu Beginn. Du solltest eine tragende Stimme haben und nicht zu kurz reden. Ein Meister deines Fachs bist du, wenn du möglichst den Vorsitzenden zitierst, den einen oder anderen deiner Gefolgsleute lobst und dann am besten noch die Ehefrau erwähnst, die dir am Frühstückstisch dies oder das mitgegeben hat, als Beleg dafür, dass du dein Ohr am Volk hast, obwohl du eigentlich lebst wie ein Zombie und gar nicht mehr weißt, was Alltag ist. Diese Statusspielchen habe ich völlig unterschätzt. Nachdem ich in den ersten Sitzungen als Generalsekretärin nicht viel gesagt hatte, nahm mich sogar mein damaliger Parteichef Erwin Huber einmal zur Seite und sagte: Das geht so nicht.

















