Journal Sonntag, 7. Mai 2017 – Berliner Frühling

Montag, 8. Mai 2017 um 8:12

Und da war er wieder, der Grund, aus dem ich Ferienwohnungen Hotelzimmern vorziehe: Zimmerpersonal und Kaffeeabhängigkeit.

Ich machte mich morgens nach dem Duschen und Anziehen am schönen Schreibtischplatz in meinem Hotelzimmer ans Bloggen, als es klopfte: Jemand wollte aufräumen. Auf meinen Morgengruß hörte ich zwar: “Ich komme später wieder.” Aber jetzt fühlte ich mich unwohl. Ich konnte ja geradesogut im Café überm Morgenkaffee tippen, nahm also meinen Laptop und ging hinunter. Um im Hotelcafé vor durchreservierten Tischchen zu stehen: Sonntagsbrunch. Also raus und nach einem Kettencafé gesucht, dieses und Cappuccino gefunden, auch ins WLAN gekommen – aber das Internet funktionierte nicht.

Zurück im Zimmer stellte ich fest, dass noch nicht aufgeräumt worden war. Die Stunde bis Aufbruch verbrachte ich zwar mit funktionierendem WLAN aber mit gespitzten Ohren, ob das Personal wiederkommt.

Der zunächst graue Tag klarte auf, ich spazierte in der Sonne zu meiner Mittagsverabredung am Prenzlauer Berg. Meine ersten Mauersegler des Jahres gehört und gesehen.

Nach ausführlichem Mittagessen (Empfehlung) mit großartigen Frauen aus dem Internet spazierte ich durch einen echten Frühlingstag wie im Mai erhoffbar zurück.

In Berlin blühen noch manche Kirschbäume, und mehrfach duftete mir Flieder entgegen.

Zu meiner Abendverabredung im Jolesch ließ ich mich dann aber mit der U-Bahn fahren, ich lernte eine weitere Frau aus dem Internet endlich auch mal persönlich kennen und freute mich sehr.

Nachts zurück im Hotel angstvoller Blick auf die Wahlergebnisse in Frankreich: Erleichterung, weil diesmal die Katastrophe einer nationalistischen Entscheidung nicht passiert war.

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Wie eine US-Amerikanerin das deutsche Gesundheitssystem erlebt:
“My First Experience with German Public Healthcare”.

via @ingeborch

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Ehrlich gesagt freue ich mich ja schon sehr, wenn heutzutage jemand Hanns Dieter Hüsch überhaupt kennt (auch wenn mir klar ist, dass seine Texte und sein Humor nicht allzu zugänglich waren und sind). Umso schöner, wenn er im Freitag über ihn schreibt:
“Verzweifelt freundlich”.

Hüsch für Einsteiger:

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https://youtu.be/ZAUZkQyKukQ

Hüsch für Fortgeschrittene:

https://youtu.be/z89UeNmQBzM

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 6. Mai 2017 – Berlin Tierpark

Sonntag, 7. Mai 2017 um 10:42

Gestern war ich mit zwei Berlinerinnen aus dem Internet im Tierpark Friedrichsfelde verabredet. Den hatte ich vor fünf Jahren schon mal mit Herrn Kaltmamsell angesehen und in ausgezeichneter Erinnerung.

Nachdem ich morgens gebloggt, im Café des Hotels Morgenkaffee getrunken und mir ein wenig Proviant für die nächsten Tage eingekauft hatte (Äpfel, Mandeln, Trockenpflaumen), fuhr ich mit der U-Bahn zum Tierpark.

Tierpark-U-Bahnhof-Deko ist sicher ein eigenes Genre der Kunstgeschichte.

Der Eingang an der U-Bahn sah so gar nicht aus wie ich ihn Erinnerung hatte, also spazierte ich mit meinem Frühstück (Streuselschnecke!) zum Eingang Schloss. Die Verabredung wartete aber am anderen Eingang. Wir fanden natürlich zusammen und verbrachten ein paar Stunden in Parklandschaft, mit lustigen Tieren und mit Austausch von aktuellem Lebensstatus.

Zurück in die Unterkunft, ein wenig Ausruhen mit Romanlektüre. Abends war ich in Neukölln zum Essen verabredet: Winziges Bistro, gutes Essen, besonders gutes Brot.

Spätnachts im Bett noch Le Guins Left Hand of Darkness ausgelesen, ich war bis zuletzt sehr angetan.

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Witziger Vorbericht zur re:publica im Tagesspiegel:
“Mit den Trollen tanzen”.

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https://youtu.be/GocPFyyPGLQ

Na gut, La La Land hat ein Gutes: Massenhaft Hintergrundmaterial. Es ist wirklich spannend, wie die Choreografin Mandy Moore die Anfangsszene aufschlüsselt.

via @alexmatzkeit

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 5. Mai 2017 – WMDEDGT Berlinreise

Samstag, 6. Mai 2017 um 9:00

Was ist WMDEDGT?

Noch vor dem 7-Uhr-Wecker aufgewacht, mich über den neben mir schlafenden Herrn Kaltmamsell gefreut.

Die am Vorabend vorbereitete Cafetera erhitzt, Spargeltopf und Weingläser vom Vorabend gespült. Neben Milchkaffee und Wasser gebloggt. An sich hätte ich dann vor Reisestart noch gut Zeit zum Nachlesen der nächtlichen Twittertimeline gehabt, doch ich war unruhig. Also duschte ich und packte in aller Ruhe – dann doch den großen Koffer, obwohl er zu einem Drittel leer blieb. Im kleinen Koffer wäre meine Kleidung zu gequetscht gewesen, mal wieder wünschte ich mir eine Zwischengröße. (Aber kein Mensch braucht drei Koffer.) Da ich wusste, dass ich auf der Fahrt Brotzeithunger bekommen würde, aber die Preise am Flughafen überhaupt nicht einsehe, bereitete ich mir ein Schinkenbrot zum Mitnehmen.
Dann blieb mir immer noch ein wenig Zeit zum Twitterlesen, bevor ich die S-Bahn hinaus zum Flughafen nahm.

Mein Gepäck zum Airberlin-Schalter gebracht (lange Schlange, wegen flotter Abwicklung dennoch nur wenige Minuten gewartet), mit der Angestellten über unsere undeutschen Namen gescherzt, Sicherheitscheck unauffällig, zum Gate gegangen, auf dem Klo meine Wasserflasche gefüllt, Brotzeit gemacht, die Süddeutsche vom Freitag gelesen.

Boarding pünktlich, Flug ereignislos und pünktlich. Ich bedauerte lediglich die Wolkendecke, da ich nach Langem mal wieder einen Fensterplatz zugewiesen bekommen hatte (Aussuchen beim Online-Einchecken kosten heutzutage ja ebenso extra wie Gepäckaufgeben – ich fasse es immer noch nicht).

In Tegel war es düster und kühl, aber nicht kalt. Menschentrauben am Gepäckband, da hier auch Reisende aus Izmir auf ihre Koffer warteten, doch ich hatte meinen nach wenigen Minuten. BVG-Ticket gekauft, Bus und U-Bahn brachten mich in einer guten halben Stunde problemlos nach Kreuzberg. Flottes Einchecken im Hotel.

Den Haken an dieser wirklich gemütlichen Sofaecke fand ich erst abends: Kein Licht zum Lesen.

Ich packte meinen Koffer aus und setzte mich mit Laptop zum Lesen aufs Sofa. Eigentlich hatte ich jetzt am Nachmittag Hunger, doch ich wollte noch Essen gehen, und zwar frühes Abendessen, ich wusste auch schon, bei welchem Italiener ums Eck. Also hielt ich den Hunger aus, zu einer Planänderung war ich nicht in der Lage.

Um dreiviertel sechs musste es spät genug für ein Abendessen sein, ich spazierte zu besagtem Italiener.

Dazu ein Glas Trebbiano d’Abruzzo und Freude an der spanisch-italienischen Mischung der Kellner-Bedienfloskeln.

Ich las Le Guin, hörte am Nebentisch die gebildet formulierten Ausführungen einer Dame zu ihren Entdeckungen über ihre Vorleben und Wiedergeburt, was welcher Hellseher dazu gesagt habe, und dass es in ihren vorgeburtlichen Erfahrungen wahrscheinlich einen Zwilling gegeben habe. Besonders fiel mir der sachliche Tonfall auf, es hätte durchaus ein Gespräch über Mobilfunktarife sein können (das Thema der späteren Gäste an diesem Tisch). Ich geriet wieder mal ins Grübeln über die Informationsverarbeitung von Esoterik-gläubigen und religiösen Menschen: Wo ziehen sie die Grenze, ab wann sie Faktenbasis für Informationen einfordern? Wer daran glaubt, in einem früheren Leben den Holocaust durchgemacht zu haben – kommt der überhaupt auf die Idee, sich zu Aussagen über den Klimawandel erst mal die Datenlage anzusehen? (Übrigens ein Grund, warum mir bei Berufsreligiösen in der Spitzenpolitik so unwohl ist, ob Joachim Gauck oder Katrin Göring-Eckardt.)

Auf dem Heimweg holte ich mir noch ein wenig Eis zum Nachtisch. Die Preise in Kreuzberg haben ganz schön angezogen; für Abendessen und Eis zahlte ich so viel wie in Münchens Stadtmitte.

Zurück im Hotelzimmer Tagesschau, Recherche meiner samstäglichen Wege zu Verabredungen, Internet- und Romanlesen.

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Morgens spülte es mir diesen Münchengrant von Max Scharnigg in die Timeline.
“Grant. Oder: Keine Stadt, nirgends”.

Ich lege besser mal offen, dass ich Max Scharnigg zum ersten Mal 2010 als Teilnehmer am Bachmannpreis wahrnahm, er mir mit seinem doofen (Fachausdruck) Text damals bereits das Kraut zum Teil ausschüttete, den Rest seither mit Texten in der Süddeutschen und im SZ-Magazin. An seine Ausführungen ging ich also ohne jedes Wohlwollen heran. Denn jedes Mal, wenn er in den vergangenen Jahren über München schrieb, fragte ich mich, wo um Himmels Willen er sich bloß herumtreibt und mit was für komischen Leute er sich umgibt. Auch beim oben verlinkten Text war mein erster Gedanke: Das passiert, wenn man die falschen Leute in München kennt. Nämlich keine Blumentandlerin, keinen Friedhofsführer, keine Wirtin, keine Kartoffelkombinatler, keine Tochter eines Musikers des Rundfunkorchesters, keinen Koch, keine Postangestellte, keinen skateboardenden FOS-Schüler, keine Süpermarketangestellte. Sondern:

München ist eine Theaterkulisse auf den Schultern von sechs DAX-Konzernen. Die Schleuser hierher nennen sich Headhunter. Sie haben eine Karriere- und Schlafstadt geschaffen, in die unentwegt Menschen kommen, um Geld zu verdienen und am Wochenende wandern zu gehen. Mit dem Geld kaufen sie sich erst eine Portion Stadtstolz, dann eine bayerische Tracht, dann eines der Autos von hier und dann eine Wohnung und daneben ist eigentlich keine Zeit für irgendwas anders, höchstens mit dem Hund in den Park, weil was anderes kannst du in den Münchner Parks auch nicht machen. Das sind dunkle Reinkackparks, die nicht bespielt werden, wo es kaum Sportplätze oder Fußballkäfige gibt und selbst wenn du kicken willst, musst du dich anstellen oder hoffen, dass das Gras mal gemäht ist.

Einerseits weiß ich von den beschriebenen Neu-Münchnern (persönlich habe ich ca. einen kennengelernt), für die unter anderem die “Nacht der Tracht” erfunden wurde (eine wunderbare Idee, operettisierte Bayernfasching-Energie zu kanalisieren, so sind diese Menschen aufgeräumt, ohne dass sie jemanden stören). Andererseits möchte ich Scharnigg an die Hand nehmen und ihm all die Bolzplätze und Wiesen an der Isar und im Englischen Garten zeigen, an denen ich regelmäßig vorbeilaufe und die durchaus genutzt werden. Zum Beispiel von Menschen, deren Hautfarbe und Kleidung vermuten lassen, dass sie bei Thomas de Maizière einen allergischen Leitkulturanfall auslösen würden. Zählt Max Scharnigg die am End’ nicht zu Münchnern?

Scharniggs Pointe:

München ist eigentlich keine funktionierende Stadt, sondern eher ein Übungsplatz für Hausmeister.

Wobei ich wegen oben den Verdacht habe, dass auch tatsächliche Hausmeister nicht zu seinem persönlichen Umgang gehören (die sehr wahrscheinlich nie vor dem Problem stehen, dass sie in München nach 20 Uhr für plötzlich aufkreuzenden Besuch eine gute Flasche Wein kaufen wollen, weil sie nämlich gastfreundlich sind und immer eine gute Flasche Wein im Haus haben, sollte mal unvermutet Besuch kommen).

Dabei gibt’s an München weiß Gott genug zu verbessern. Verklären braucht’s überhaupt nichts nirgends (wer nochmal tut das?). Wir haben hier bergeweise Probleme und verkacken viele davon: Kein Verkehrskonzept, zudem kein Entwicklungskonzept, das den rapiden Zuzug bewältigt und sowieso die Bewohner berücksichtigt, die nicht von einem der ansässigen DAX-Konzerne leben, sondern von der Hand in den Mund. Kein Plan, dafür Vetterngemauschel. Vom Hauptproblem Oktoberfest erst gar nicht zu reden!1

Aus Scharniggs Grant spricht genau das elitäre Münchnertum, das München da draußen so leicht angreifbar macht. Und wenn er Rom sehnsüchtig beseufzt, stelle ich ihm gerne mal ein paar Menschen vor, die dort leben und versuchen, etwas auf die Beine zu stellen. (Erinnere ihn außerdem an die völlige Abwesenheit von Leberkässemmeln dortselbst.)

Vielleicht ist Max Scharnigg wirklich aus Versehen in die falsche Stadt geboren worden, das gibt’s ja oft genug, ist mir mit Ingolstadt passiert. Und wo wohne ich deshalb nicht mehr? Eben.

Nachmittags fand ich beim Lesen im Hotel die Widerrede eines SZ-Journalisten, der Scharniggs Texte sonst mag – also nicht so vorbelastet ist wie ich.
“Verfluchtes, geliebtes München”.

Der Kern:

Ich glaube, jede Stadt ist für zwei Tage, zwei Wochen oder sogar zwei Monate cool. Und ja, ich habe ein Jahr in London gelebt, eine Woche in Oslo gefeiert, mich in Porto verliebt und in jede zweite italienische Stadt. Ich glaube nur, dass es überall nach zwei Jahren irgendwie öde wird und man motzt. Zeig mir bitte einer den Italiener, der jeden Abend auf der Piazza leckeren Wein an langen Holztischen mit Wildfremden trinkt, dabei singt, flirtet, Pasta con irgendwas fantastico isst und frühmorgens nach Hause tanzt.

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Wie das mit der Informationsaufnahme funktioniert, wenn die Neuigkeit Glaubensgrundsätzen widerspricht – großartige grafische Darstellung:
“You’re not going to believe what I’m about to tell you”.

  1. Na ja, wenn ich schon dabei bin. []
die Kaltmamsell

Journal Dienstag/Mittwoch, 3./4. Mai 2017 – Emsige Urlaubsvorbereitungen

Freitag, 5. Mai 2017 um 8:25

Mittwoch geackert wie ein Viech, um vor dem Urlaub noch alles wegzuschaffen. Gerade genug Mittagspause gemacht, um Hunger zu stillen (mitgebrachter Graupensalat vom Vorabend) und die Zeitung durchzublättern. Abends nur noch in der Lage, die weiße Wand anzustarren. Daran gedacht, wie ich jahrelang nur in dieser Schlagzahl gearbeitet habe – daran kaputt ging und gleichzeitig ein schlechtes Gewissen hatte, weil die Arbeit doch an sich so großartig war.

Arbeitsweg hin: Westendidyll.

Arbeitsweg zurück, Abendlicht genossen.

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Während die Waschmaschine lief, stellte ich Donnerstagmorgen mein re:publica-Programm zusammen – wieder in einer Word-Tabelle alles Sessions, die mich interessieren; bei parallel laufenden entscheide ich vor Ort, welche ich sehen möchte (finde ich immer noch übersichtlicher als alle bisherigen Apps). Neuerliches Erstaunen, wer sich in der Speaker-Biografie so als “Bloggerin von Anfang an dabei” bezeichnet. Der Anfang des Bloggens wird anscheinend immer mehr auf den Beginn des kommerziellen Bloggens datiert. Doch die einzige PR-Bloggerin, die schon zu Antville-Zeiten angefangen hat, ist ja wohl Zorra.

Ist Ihnen aufgefallen, dass seit einiger Zeit (drei Jahren?) niemand mehr von “Netzgemeinde” spricht? Weil jetzt jeder im Netz ist, werden wir nicht mehr als separate Gruppe gesehen. Im persönlichen Gespräch (z.B. wenn ich erzähle, dass ich zur re:publica fahre) höre ich eher den Hinweis: “Ich bin ja gar nicht so im Internet” – weil davon ausgegangen wird, dass das die Ausnahme ist. Zeiten, in denen sich ein Bundestagsabgeordneter im Publikum einer re:publica-Session zu Wort meldete und forderte, “die Netzgemeinde” solle sich endlich mal einig werden, was sie eigentlich wolle, scheinen lächerlich überholt. Seit etwa derselben Vergangenheit muss sich wohl auch niemand mehr in den Traditionsmedien dadurch hervortun, wie doof er Veranstaltungen (“Nabelschau”, “Selbstfeier”, “Klassentreffen”) wie die re:publica findet. Sie ist etwa so etabliert wie die Hannover Messe Industrie.

Nachdem ich von zwei weiteren Mitgliedern der Techniktagebuchredaktion versehentliche Absagen ihrer Talk-Einreichungen gehört habe, fragte ich mich beim Programmzusammenstellen, welche interessanten Themen wohl noch so wegen dieser Versehen nicht auftauchen. Nachdem ich das gesamte Programm kenne, weiß ich nämlich, dass unsere Einreichung sehr gut gepasst und eine Lücke gefüllt hätte.

Durch einen Tweet wurde ich an eines meiner Lieblingslieder aus Hollywoodstarkehle erinnert:
“Let’s do something cheap and superficial” von Burt Reynolds aus Smokey and the bandit 2. (Ist ja im Grunde die Country-Version von Shakespeares Sonett 73, gell.)

Abstecher zur Hausärztin, um ein Rezept für weitere Dosen Migränemedikament zu holen – Bloggerin auf der Straße getroffen (München ist dann doch überschaubar).

Rausgeradelt zum Olympiabad für eine Schwimmrunde – ich fühlte mich schwächlich (Folgen den Muskelkaters vom Dienstag?), hielt aber meine 3.000 Meter durch.

In der Maxvorstadt ein bestelltes Buch abgeholt, durch erste Regentropfen zum Mittagessen bei Marietta geradelt.

Für meine Bestellung reichte der Hinweis: “Ich hab’s schon gerochen, als ich reingekommen bin.”
Am Nebentisch zwei Herren aus der Gastro, mindestens einer davon Koch (ich konnte das Gespräch trotz Zeitunglesen nicht nicht mithören, weil zum einen die Tische eng stehen und ich zum anderen immer wahrnehme; deswegen kann ich ja auch keine Musik beim Lesen haben): Ich nehme es als weiteren Qualitätsbeweis fürs Lokal, wenn Leute vom Fach dort essen.

Einkaufsrunde fürs Abendessen, gestern durfte ausnahmsweise ich Herrn Kaltmamsell bekochen und nicht umgekehrt. Nachmittags aber erst mal gebügelt, dann eine Luxusversion von Apple Crumble gebacken (verfeinert mit gemahlenen Haselnüssen und Blaubeeren). Ich habe wohl endlich meinen idealen Backapfel gefunden: Idared. Während in der deutschen Küche ein Apfel gewünscht wird, der auch nach zwei Stunden im Backofen bissfest ist, war ich ja auf der Suche nach dem britischen Ideal des cooking apple: Leicht säuerlich, aber schnell weich, ohne gleich Mus zu werden. Dieses Ergebnis hatte ich jetzt zum zweiten Mal mit der Sorte Idared.

Zum Nachtmahl schälte ich uns zwei Kilo Spargel, den ich mit lediglich ein wenig Butter und etwas Kochschinken servierte.

§

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https://youtu.be/jCwYve87iKA

die Kaltmamsell

Journal Montag, 2. Mai 2017 – Endspurt von Uralub

Mittwoch, 3. Mai 2017 um 6:24

Als ich extrafrüh vom Wecker geweckt wurde, weil ich zum Langhanteltraining wollte, zählte mir mein Angstzentrum die ungefähren Inhalte meines Arbeitstags auf – ich war versucht, den Sport ausfallen zu lassen, um nicht erst die daraus resultierende Stunde später all diese Inhalte angehen zu können. Doch ich schaffte zum Glück, mich mit der Illusion, ich könnte ja abends länger arbeiten, darüber hinweg zu setzen: Das Heben und Stemmen war anstrengend, tat mir aber sehr gut.

Der Arbeitstag zahlte es mir heim, ich kam völlig erschöpft nach Hause. Noch einen solchen Tag bis 10 Tage Uralub (nur mit diesem Buchstabendreher zählt er bekanntlich).

Dafür war nur der Morgen regnerisch, tagsüber gemischtes Wolkendrama, immer wieder Sonne. Ich spazierte in kalter, aber angenehmer Luft nach Hause.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 1. Mai 2017 – Frühlingsende, Urlaubspläne

Dienstag, 2. Mai 2017 um 6:07

Ich war sehr froh, dass ich mich am 1. Mai dieses Jahr nicht re:publica-bedingt in Berlin aufhielt. Dort waren ja keine Planung und kein Durchkommen möglich. So sehr ich das Berliner Nicht-Geschniegelte als Pendant zur Münchner Supersauberkeit mag: Gestern war ich an der Isar entspannter.

Den Morgen verbrachte ich mit Brotbacken, und zwar bereitete ich dieses Roggenmischbrot zu. Wie bei anderen Kommentatorinnen und Kommentatoren ergaben 520 ml Wasser bei mir die Konsistenz von Spätzleteig. Ich tat das streng Verbotene und kippte 100 Gramm Roggen- und 100 Gramm Weizenmehl nach; jetzt passte die Konsistenz. Beim nächsten Versuch lasse ich die angegebene Mehlmenge, reduziere aber das Wasser auf 350 ml.

Schmeckte sehr gut, vor allem mochte ich die ordentlich saure Note (ich weiß, das gilt eigentlich als Fehler, aber ich arbeitete seit Jahren darauf hin).

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Ab zum Isarlauf – im letzten Moment entschied ich mich trotz Sonne für lange Ärmel: Gute Idee, es war kühl.

Und am Ende meiner Runde hatten die Wolken den Himmel bereits wieder verdunkelt,

Neuerliches Staunen darüber, wie verschieden Menschen sind. So gibt es welche, die sich offenriechlich vor einem Frühlingsspaziergang in eine dichte Wolke Parfüm sprühen; ich halte sie für komplett nasenblind, sie verstehen wahrscheinlich nicht, was daran verbesserbar sein könnte.

Als mich auf einem Waldweg zwei kleinere Kinder auf Fahrrädern überholten, freute ich mich kurz: Auch heute gab es also noch Kinder, die sich unbegleitet im Draußen herumtrieben. Wenige Minuten später erkannte ich meinen Irrtum: 20 Meter dahinter trabte der Papa in Joggingkleidung.

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Nachmittags setzte ausdauernder Regen ein, um drei musste ich bereits Licht zum Lesen einschalten. Das war’s schon wieder mit Frühling.

Twitterlieblinge zusammengestellt kuratiert.

Endlich den vor Monaten geplanten Sommerurlaub gebucht: Wandern in Galicien, im nördlichsten Nordspanien, ein Stück Küste entlang. Auch diesmal die Memmenversion mit Gepäcktransport. Nachdem wir vergangenes Jahr in England so schönes Wetter hatten, müsste es der kosmischen Gerechtigkeit halber diesmal durchregnen.

Oh, ich freue mich schon auf den Atlantikduft! In Galicien (meine angeheiratete Tante Rosi kommt von dort) war ich zuletzt mit knapp 15. Ich erinnere mich an die weißen Tonschalen, in denen der Weißwein serviert wurde, an Pulpo a la gallega, an Kopfsprünge von Felsen in den Atlantik, der dort nur bei Flut tief genug dafür war. (Und an den Blödmann, der hoffentlich nicht wusste, dass ich Spanisch verstand, und mich seinem Kumpel gegenüber als “buen jamonada” bezeichnete.) (Und an Familienspannungen, gut verdrängt.)

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Kai Biermanns Kommentar bei Zeit online stellt die richtigen Fragen:
“Antreten zum Integrieren!”

In der Bild am Sonntag schreibt der Bundesinnenminister einen Beitrag mit zehn Thesen “über eine Leitkultur für Deutschland”. Warum tut er das? Will er den vielen Neuangekommenen helfen, Deutschland zu verstehen? Will er ihnen zeigen, dass sie hier willkommen sind, dass sie sich und ihre kulturellen Erfahrungen hier einbringen können? Will er ihnen Mut machen, dass sie sich hier ein Leben aufbauen können? Schrieb er den Text vielleicht, weil er darüber diskutieren möchte, welche Werte anderer Kulturen auch Deutschland und den Deutschen gut zu Gesicht stehen würden? Will er debattieren, was die deutsche Kultur überhaupt ausmacht?

Nein, das will er nicht.

die Kaltmamsell

Twitterlieblinge April 2017

Montag, 1. Mai 2017 um 17:19

Ja, es sind ein paar sehr flache dabei. Aber wenn ich beim Wiederlesen lachen musste, kommen sie rein, das sind nunmal die Regeln.

Nachtrag: Ganz viele Lieblingstweets in Blogs hat wieder Anne Schüßler gesammelt.

die Kaltmamsell