Journal Donnerstag, 19. Dezember 2024 – Weihnachtsbasteln

Freitag, 20. Dezember 2024 um 6:24

Immer wieder musste ich mir vorsagen, dass erst DONNERSTAG! war. Was für eine Woche.

Nach mittelguter Nacht wurde der Morgen klar. Auf dem Weg in die Arbeit merkte ich deutlich, dass der Sonnenaufgang bereits nach früher gerutscht war (längere Tage brauchen aber noch). Gerade als ich die Theresienwiese betrat, flog ein riesiger, lauter Krähenschwarm über mich hinweg Richtung Tollwood-Zelte. Ich blieb zum Gucken stehen – so schön!

Unter blauem Himmel mit Mond ein Hallengebäude mit großen Fenstern, in denen sich Morgenrosa und kahle Bäume spiegeln, davor ein gepflasterter Platz, übder den gerade ein Radler kommt

Verkehrsmuseum, in dem sich die Bäume um die Theresienwiese spiegeln.

Die Luft knapp über Null atmete sich herrlich.

Der Tag machte allerdings nicht weiter mit dem schönen Wetter: Bald bedeckte sich der Himmel.

Endlich wieder ein Bürotag mit ruhigem Abarbeiten, ich hatte sogar Zeit, dazwischen inne zu halten und nachzudenken.

Mittagscappuccino in der Nachbar-Cafeteria, danach am Schreibtisch leider ein Schwall unkoordinierter Querschüsse.

Über die eigentliche Mittagspause stempelte ich aus für einen Termin bei meiner Beine-Enthaarerin: Zackiger Marsch hin, konzentriertes Beine-Enthaaren (mir fielen auf die Frage noch meinem Weihnachtsbefinden leider keine gnädigen Lügen ein, die arme Frau bekam die volle Wucht Arbeits-Hadern ab), zackiger Marsch zurück.

Am Schreibtisch Mittagessen: Mango (recht gut) mit Sojajoghurt.

Ich disziplinierte mich zu nicht zu spätem Feierabend, denn ich hatte Pläne: Weihnachtsgeschenke einpacken. (Herr Kaltmamsell weihnachtsfeierte aushäusig.) Auf dem Heimweg war es weiterhin nicht kalt.

Zu Hause machte ich mich gleich an den Bastelteil der Weihnachtsgeschenke.

9 Päckchen in Weihnachtspapier und mit Schleifen auf Riemchenparkett vor Bücherschrank

Nach einer guten Stunde war ich durch, ohne Verletzungen oder Ärger.

Nachtmahl: Feldsalat aus Ernteanteil, Pumpernickel mit Crowdfarming-Avocado.
Merke: Wer zu faul für schwimmendes Waschen des Feldsalats ist, muss sehr vorsichtig kauen und sich einreden, dass Sand und Erde super für die Verdauung sind.

Glasteller auf grünem Platzset, auf dem Teller zwei Scheiben schwarzes Brot, darauf aufgeschnitten je eine Avocado-Hälfte, darauf Balsamico-Streifen, daneben Besteck, dahinter ein aufgeklappter Laptop

Währenddessen war Unwetter ausgebrochen: Heftiger Wind blies heftigen Regen gegen die Fenster.

Nachtisch: Panettone, Plätzchen. Warten auf Erleichterung und Ferienvorfreude, weil jetzt eigentlich Weihnachten abgehakt war.

Früh völlig erledigt ins Bett. Zu erledigt zum Lesen (das will was heißen!), aber noch nicht müde genug zum Schlafen: Ich hörte ein wenig Musik und sah aus dem Fenster in die hellgrauen Wolken, aus denen es schneeregnete.

§

HAHAHA! Das nenne ich aber mal Leser*innen-Service.
“Das große ABC der Klassik-Rechtschreibfehler”.

Von A capella bis Zarathrusta – Personen, Werke und Fachwörter, die besonders oft falsch geschrieben werden

via Kritische Masse

(Leider muss ich aber die Überschrift korrigieren: Das Alphabet heißt Abc, ABC ist die Abkürzung für Atomar-Biologisch-Chemisch. Weshalb mich das hartnäckig falsch geschriebene “ABC-Schütze” so gruselt.)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 18. Dezember 2024 – Weihnachtsgeschenkevollzug

Donnerstag, 19. Dezember 2024 um 6:20

Dass ich immer wieder ein Freitagsgefühl hatte, lag nicht nur an den brutalen Arbeitstagen Anfang der Woche: In der Münchner Innenstadt machte sich bereits weihnachtliche Leere breit, es begannen die Tage ohne Parkplatzprobleme.

Der Tagesanbruch zeigte noch heiteren Himmel, aber es zog immer weiter zu. Im Büro arbeitete ich zackig auf die Freiheit eines Mittagscappuccinos im Westend hin, das klappte auch.

Mittagessen erst kurz vor zwei, weil Besprechungen um die Mittagszeit: Joghurt mit Sahnequark.

Den Nachmittag durchgeackert. Recht erledigt nur wenig spät Feierabend gemacht, denn ich hatte Pläne: Letzte Weihnachtsgeschenkbesorgungen in der Innenstadt. Der Marsch dorthin war schön, die lediglich kühle Luft erinnerte mich an das eine Kindheits-Weihnachten bei der Tante im italienischen Latio, die Luft roch auch ein wenig so.

Vor schwarzer Nacht ein paar beleuchtete Buden und ein leuchtende Kinderkarussel, Silhouetten von Mensche

Kinder-Christkindlmarkt auf der Theresienhöhe vorm Verkehrsmuseum.

In der Innenstadt arbeitete ich meine Liste zügig ab, war in allen Punkten erfolgreich und kann Vollzug melden: Alle Geschenke rechtzeitig für Christkindl im Haus, es müssen nicht die reyes bemüht werden – der spanische Migrationshintergrund lässt ja die Hintertür, dass Geschenke erst an Heilig drei König kommen. Jetzt fehlt nur noch das Einpacken. (“NUR”, HAHAHAHAHA!)

Zu Hause war ich spät, wir hatten uns die Option Christkindlmarkt für Abendessen offen gehalten. Doch die Entscheidung fiel dann doch zugunsten heimischen Nudeln mit Tomatensauce, davor hatte ich noch Zeit für Häuslichkeiten.

Auf einem grünen Tisch-Set ein weißer Teller mit Spaghetti, darauf Tomatensauce, darauf geriebener Käse, rechts vom Teller eine rote Stoffserviette, darauf Gabel und Löffel

Danach erstmal Saucenspritzer aus der weißen Bluse handwaschen.
(Die Tomatensauce war leicht scharf und enthielt Kapern – hervorragend.)

Nachtisch Früchtebrot mit Butter, Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre: Edna O’Brien, The Little Red Chairs nahm mich mit nach Irland.

§

Letzthin fiel mir eine Geschichte aus meiner eigenen Vergangenheit ein, die illustriert, wie das World Wide Web einmal war, vor über 20 Jahren. Zum Glück hatte ich sie schon 2004 in meinem Blog aufgeschrieben, einige Details waren mir entfallen.

Und dieses Web werde ich wohl nie aus meinem leicht naiven Blick aufs Internet rauskriegen (was aber auch damit zusammenhängt, dass mir aus dieser Zeit so viele Menschen-Kontakte geblieben sind).
“Anruf aus Hollywood”.

(Harlan Ellison ist jetzt auch schon über sechs Jahre tot, seufz.)

§

Hazel Brugger kennt sich im Trend moderne Hausfrau voll aus.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 17. Dezember 2024 – Hochleistungstag und Annette Hess, Deutsches Haus

Mittwoch, 18. Dezember 2024 um 6:37

Vor Wecker aufgewacht, aus eigentlich gutem Schlaf war ich nachts mehrfach wegen Schmerzen im linken Fuß aufgewacht. Vielleicht als Gute-Nacht-Snack doch hin und wieder eine Ibu.

Früher als sonst das Haus verlassen. Das war mir recht, denn gestern war der letzte Großkampftag vor den Weihnachtsferien.

Während ich durch die Gänge und Treppenhäuser peste, rauslief zum Einkaufen, weiter wuselte, schien draußen die Sonne, die Luft wurde mild. Die 15.000-Schritt-Marke riss ich noch vor 12 Uhr. Dann war aber das Heftigste rum, ab jetzt konnte ich verhältnismäßig geordnet weiterarbeiten.

Zu Mittag gab es Mandarine, Apfel sowie Mango mit Sojajoghurt.

Sehr emsiger Nachmittag, vor Feierabend nochmal Hochdruck. Gestern arbeitete ich definitiv wieder für zwei, das will ich doch gar nicht.

Eher spät verließ ich beladen das Büro (Tablett, Obstkorb – gibt es vor Ort halt genauso wenig wie einen Catering-Dienst) – und merkte vorm Haus, dass ich überhaupt keine Lust hatte, so nach Hause zu laufen, zumal mir die Füße vom reichlichen Rumrennen über den Arbeitstag weh taten. Also wollte ich mich vom 62er-Bus gemütlich heimschaukeln lassen.

War dann nicht so gemütlich, weil ich erst ungewöhnlich lange auf den Bus warten musste (eigentlich 7-Minuten-Takt), der dann ziemlich voll war. Egal. Jetzt war mir endlich alles egal (fast).

Völlig durch daheim. Yoga-Gymnastik tat aber gut. Und ich bekam Gutes zu essen:

Aufsicht aus gedeckten Tisch: links eine Schüssel mit lila Kartoffel- und orangen Karottensticks, in der Mitte ein Schüsselchen Kräuterquark, recht ein Teller mit einem gelben Fladen, darauf Käseschnitze

Karotten und lila Süßkartoffeln als Ofen-Fritten (ein paar Frühlingszwiebeln waren auch noch da), dazu Kräuterquark, außerdem eine Farinata aus Maismehl mit Käse. Nachtisch Süßigkeiten.

Fassungslosigkeit, als mir klar wurde, dass erst Dienstagabend war.

Früh ins Bett zum Lesen, Annette Hess, Deutsches Haus ausgelesen.

Die Geschichte aus den 1960ern um den Frankfurter Auschwitzprozess aus der Perspektive einer einheimischen Dolmetscherin (meist, wir bekommen hin und wieder auch die personale Perspektive anderer Figuren) versucht die gesellschaftliche Atmosphäre der Zeit zu vermitteln. Wie es für jemanden aus der Generation meiner Eltern gewesen sein muss, Anfang bis Mitte der 1940er geboren, die Abgründe der Gräuel vom Auschwitz zu entdecken. Und die Rolle, die die eigenen Eltern dabei spielten. Wie unterschiedlich der Umgang mit dieser Entdeckung war, von hartnäckiger Leugnung bis zu tiefem Bedürfnis nach Wiedergutmachung. Auch die Opferseite wird differenziert und vielfältig geschildert, als Zeugen treten Individuen auf und ihr unterschiedlicher Umgang mit unvorstellbaren Erlebnissen.

Gleichzeitig zeigt der Roman anhand der Hauptfigur Eva Bruhns (auch an ihrer Schwester), wie sich die Rolle und die Ansprüche von Frauen in Deutschland in dieser Zeit änderten, gerade in Abgrenzung zu ihrer Mutter. Am Rande tauchen Entwicklungen wie die Einwanderung von Gastarbeitern auf (die soweit ich weiß damals und bis in die späten 70er eher “Fremdarbeiter” genannt wurden, das kannte man aus dem Dritten Reich so für ausländische Arbeitskräfte – die allerdings Zwangsarbeiter*innen gewesen waren), inklusive rassistischer Ablehnung.

Der beste erzählerische Kniff: Missverständnis weil Fremdsprache. An einigen Schlüsselstellen übersetzt die Hauptfigur Eva Bruhns aus dem Polnischen falsch – anfangs weil sie als eigentlich Fachübersetzerin für Technisches die Wörter nicht kennt, später weil sie sich verhört (ich gehe mal davon aus, dass die sprachlichen Ähnlichkeiten sauber recherchiert sind, leider spreche ich nicht das Polnisch dieser meiner Familienseite). Das hätte man ausbauen können.

Sollte die falsche Verbform für die indirekte Rede (taucht noch an einer einzigen weiteren Stelle um die Figur Jürgen auf) in der Absicht verwendet worden sein, eine Lüge zu markieren (bis zum Schluss bleibt die Erzählinstanz abstrakt) – hinkt das Stilmittel auf beiden Beinen. Hätte man schon machen können, aber dann hätten auch alle Lügen der Angeklagten im Gerichtsprozess so geschrieben werden müssen und alle weiteren Lügen – aus denen der Roman ja im Grunde gewoben ist, aus Lügen und Selbstlügen. Wäre halt unlesbar geworden.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 16. Dezember 2024 – Meine Montage geben selten was her

Dienstag, 17. Dezember 2024 um 6:25

Gut geschlafen, im Stockfinsteren und milderer Luft in die Arbeit marschiert.

Neuer, zeitraubender Überfall im Arbeits-Postfach, zu erschöpft für Panik.

Über den Tag wurden die Wolken am Himmel immer weniger, kurz nach drei sah ich komplett wolkenfreies Blau in sinkendem Sonnenlicht.
Allerdings nur aus dem Augenwinkel, weil – oh mei.

Mittagscappuccino bei Nachbars zwischen Draußenbesorgungen für die Arbeit. Mittagessen nach halb zwei (kein Appetit plus Bedürfnis, erstmal den Überfall-Job vom Morgen zu mindestens der Hälfte abzuarbeiten): Apfel, Avocado mit Grapefruit – alles sehr schmackhaft.

Arbeitsnachmittag mit viel Rumlaufen, aber das ist mir die liebste Art von Unruhe. Auf eine unerwartete Weise beeinflusste die gestrige Vertrauensfrage im Bundestag, mit der voraussichtlich der Bundestag aufgelöst wird, meinen Arbeitsrhythmus.

Mittelspäter Feierabend – da ich wusste, dass Herr Kaltmamsell den Abend aushäusig war, riss ich mich nicht so am Riemen. Auf dem Heimweg Lebensmitteleinkäufe. Es war mild genug für Weglassen von Mütze und Handschuhen. Und ich sah nach sehr Langem mal wieder Sterne am Himmel.

Daheim Weihnachtskarten, Teil 1 (eigentlich Teil 3, denn Herr Kaltmamsell hatte am Wochenende ordentlich vorgelegt), Yoga-Gymnastik (wieder eine wirklich interessante und wohltuende Folge mit Jessica Richberg), ausführliche Brotzeit-Vorbereitung für die Arbeit.

Abendessen war der Großteil des Rests vom sonntäglichen Rehgulasch mit Semmelnknödeln, ich dachte an die Mikrowelle als Erwärmungsgerät. Nachtisch Mango mit Joghurt (die Brotzeit-Mango war zu riesig für das große Schraubglas gewesen), Schwiegermutters Früchtebrot mit Butter. Weihnachtskarten, Teil 2.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Der Anlass für diesen Artikel ist bereits eine Weile her, dennoch lesenwert: Der Guardian-Nachruf auf Computer-Programmierin Mary Lee Berners-Lee, die Mutter von Tim Berners-Lee – und damit die Großmutter des World Wide Webs:
“Mary Lee Berners-Lee obituary”.

Tim recalled that his mother had a strong sense of the potential of computers right from the start. “It was obvious to us growing up how incredibly exciting it was,” he said, “not just that you had a new device, but the sense that what you could do was limited only by your imagination.”

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 15. Dezember 2024 – Ehre der Wicked Witch

Montag, 16. Dezember 2024 um 6:25

Gute Nacht, auch mit längerem Schlaf als an Arbeitstagen.

Gegen zehn, als ich mich gerade für meinen Isarlauf fertigmachte, veränderte sich das bislang graue Licht vorm Fenster. Es würde doch nicht…? Doch: Da ein bisschen blauer Himmel, dort ein Fleck silberne Wintersonne.

Ich lief von Haustür zu Haustür: Alter Südfriedhof, Wittelsbacherbrücke, Thalkirchen, Maria Einsiedel und über den Flaucher (an dem sich gerade Eisbader*innen nach ihrem Eintauchen wieder anzogen) zurück. Sonne gab es nur ganz wenig, auf dem Hinweg blies ein schneidender Gegenwind, aber zumindest bekam ich gemischten Himmel statt dem Einheitsgrau über München der vergangenen beiden Wochen. Mein Körper spielte gut mit, fast keine Extraschmerzen.

Alter, parkähnlicher Friedhof mit kahlen Bäumen, Sonne bescheint zwei alte Grabsteine

Blick über einen Brückenrand auf einen FLuss, in dem sich blauern Himmel spiegelt; im Hintergrund eine Insel mit Bäumen, links am Ufer eine Kirche mit zwei Türmen

Blick auf einen Fluss, am diesseitigen Ufer ein Marterl, am gegenüberliegenden eine sonnenbeschienene Hütte

Blick einen schmalen Wasserlauf entlang, an beiden Seiten gesäumt von kahlen Bäumen, im Hintergrund ein altes Wehrgebäude, davor klein ein Kanufahrer

Frühstück kurz vor eins: Avocado auf Pumpernickel mit Crema di Balsamico, wunderbar. Dann war es schon Zeit für den Aufbruch mit Herrn Kaltmamsell zur Nachtmittagskultur, und zwar:

Manche Menschen erkennen das Vorbild meiner wundervollen roten Glitzer-Mary-Janes und rufen: “Dorothy!” Das freut mich, denn hierzulande ist Wizard of Oz von 1939 wirklich nicht Allgemeinbildung, und auch ich bin für Details auf das fundierte Wissen von Herrn Kaltmamsell angewiesen. Doch eigentlich, das füge ich inzwischen immer hinzu, bin ich Team Wicked Witch (genauer Wicked Witch of the East, auf die ich mich mit diesem Outfit bezog).

Doch erst die Rezension vergangenen Donnerstag in der Süddeutschen Zeitung informierte mich, dass es 1.) über die Wicked Witch ein Musical gibt, Wicked, das 2.) jetzt als Film in den Kinos läuft. Ich schimpfte Herrn Kaltmamsell, dass ich sowas aus der Zeitung erfahren muss, und gestern Nachmittag sahen wir ihn in den Museum Lichtspielen.

Schöner Film, sensationelle Kostüme (ich hatte auf Iris van Herpen getippt, aber nein: Paul Tazewell, der sich doch aber von ihr inspirieren hat lassen!) , wundervolle Cynthia Erivo, überraschend interessanter Charakter Glinda, Göttin Michelle Yeoh, beste Make-over-Szene ever, beeindruckender Gesang der beiden Hauptdarstellerinnen (allerdings ertappte ich mich bei dem Verdacht, da könnte heutzutage technisch nachgeholfen worden sein) – allerdings können weder Herr Kaltmamsell noch ich mit der Musical-Musik der vergangenen 20 bis 30 Jahre etwas anfangen (Andrew Lloyd Webber hat alles kaputt gemacht): Alles Hymnen, nichts könnte außerhalb dieser Musicals geschehen, fast keine eingängigen Melodien. Der eine Schlager in Wicked: “Defying Gravity”. Mir sind halt die Musicals lieber, vor allem Filmmusicals nach dem Muster: Handlung, Song, Handlung, Song. Gesungene Handlung finde ich ja auch in Opern albern. War auf jeden Fall den Sonntagnachmittag wert, wenn auch nicht 2 Stunden 40 Minuten, ächz.1

Elend beim Gedanken an die nächste Arbeitswoche. Eigentlich hatte ich als Karotte vor Augen, dass nach dem Dienstag mit Hochdruck-Einsatz (der meine Teilnahme an zwei Weihnachtsfeiern blockiert, es ist nicht alles schlecht) erstmal alles rum ist, doch jetzt sitzt mir die viel komplexere neue Sache Ende Januar im Nacken.

ABER! Es gab echtes Sonntagsessen zum Nachtmahl: Rehgulasch von Herrn Kaltmamsell, und ich durfte Semmelnknödeln dazu machen (für die ich am Freitag beim Bäcker eigens Weißbrot zum Altwerdenlassen kaufte, das fühlt sich immer irre dekadent an) (nein, es gab kein Knödelbrot). Schmeckte beides hervorragend, allerdings waren meine Knödel ein wenig desintegriert – das Wasser hatte in einem unachtsamen Moment stark gekocht (die ersten 10 Minuten hatte ich aufgepasst, die zweiten 10 Minuten bei gleichbleibender Hitzezufuhr nicht).

Vorbereiten der letzten Arbeitswoche vor Weihnachtsferien, früh ins Bett zum Lesen.

  1. Ich kann mich an Zeiten erinnern, in denen Filme “mit Überlänge” mehr Eintritt kosteten. Heute wäre ich bereit, für Filme unter 120 Minuten mehr zu zahlen. []
die Kaltmamsell

Journal Samstag, 14. Dezember 2024 – Ein wenig Sonnenschein ausgerechnet in Ingolstadt

Sonntag, 15. Dezember 2024 um 8:13

Mittelguter Schlaf und der bloß bis Werktags-Weckerklingelzeit. Der Wiedereinschlafversuch schubste mich lediglich ins Angstkarussell, ich stand lieber auf.

Bett abgezogen, Waschmaschine gefüllt. Dank zu frühem Aufwachem drappierte ich Laken und Bettüberzug schon vor neun über die Türen. Der Tag wurde nur wenig heller als Freitag, der Hochnebel ließ dem Licht wenig Chance.

Ich brach zeitiger als sonst zu meiner Schwimmrunde auf, denn für Nachmittag hatte ich Pläne. U-Bahn zum Olympiapark, dort im Grünen gegenüber der Olympiahalle eine niedliche Entdeckung: Ein Kaninchen hoppelte und saß unter den Büschen, hier hatte ich noch nie eines gesehen.

Das Schwimmen lief gut auf der mittel frequentierten Bahn, ich fühlte mich schnell und elegant. Gemein war allerdings, dass mein Hirn sich die neue Berufs-Aufgabe von Freitagabend als Beschäftigung aussuchte, Alternativen abwog, Ideen entwickelte. Ohne dass damit der Umstand verschwand, dass ich das alles eigentlich nicht unterkriege. Bekomme ich wieder nicht bezahlt. Dabei hätte ich die kreative Energie sehr gut für ein paar letzte Weihnachtsgeschenk-Ideen brauchen können. Doch in den gut 80 Minuten, die ich für meine 3.000 Meter brauchte, stiegen auch schöne Erinnerungen an den Tel-Aviv-Urlaub über Weihnachten und Neujahr vor elf Jahren auf, die genoss ich sehr.

Zurück daheim flinke Häuslichkeiten, zum Frühstück kurz nach eins machte ich mir eine Crowdfarming-Avocado mit Grapefruit.

Ausicht auf eine weiße Schüssel mit Stücken rosa Grapefruit und angematschten Avocado-Stücken, die sich auch über die Grapefruit und die Schüsselwand verteilt haben

Das kann man sicher appetitlicher anrichten. Ich nicht.

Plan für den Nachtmittag: Fahrt zu meiner Mutter nach Ingolstadt zwengs Weihnachtsgebäck-Austausch. Der Zug nach Nürnberg war ziemlich voll, ich hörte vielerlei Sprachen – wahrscheinlich waren die meisten Passagiere auf dem Weg zum dortigen Christkindlmarkt.

Zu meiner Überraschung riss kurz vor der Holledau einmal der Himmel auf. Zu meiner größeren Überraschung schien in Ingolstadt, DEM Nebelloch im Donautal, so richtig die Sonne. Mir ging auf dem Weg vom Nordbahnhof zu meiner Mutter das Herz durch und durch auf – ich hatte seit zwei Wochen keine Sonne mehr gesehen.

Aus München brachte ich Stollen (zum Teilen mit Bruderfamilie) und Schneeflocken, außerdem ein Hutzelbrot von der lieben Frau Schwieger, meine Mutter hatte für uns Dosen mit Plätzchen aus ihrer eigenen Produktion gefüllt. Wir saßen eine Weile über Tee zusammen und erzählten einander, das war schön.

Rückfahrt in einer wieder sehr vollen Regionalbahn; diese Herrschaften sahen aber nicht nach Christkindlmarkbesucher*innen aus. Zu Hause machte ich uns saisonale Drinks: Tee mit Rumtopf (dem schrecklichen Trockenfrüchte-Rumtopf, der einfach nicht alle gehen will).

Herr Kaltmamsell verwandelte den Großteil der Ernteanteil-Süßkartoffeln (ja: die dunklen Röhren waren ebenfalls Süßkartoffeln, und zwar lila-fleischige; die Exemplare in erwarteter Form erwiesen sich dafür als weiß-fleischig – ?) in Mac’n’Cheese mit starker Süßkartoffel-Betonung.

Auf Holzplatte im Vordergrund ein großer Glasteller mit Nudeln in dicker weißer Creme, darauf frische Kesse, im Hintergrund eine gläserne Auflaufform mit dem restlichen Auflauf, die Oberflche gebräunt, eine Hand nimmt gerade mit einem Servierlöffel daraus

Schmeckte ausgezeichnet (Kresse aus Ernteanteil). Nachtisch Schokolade.

Im Bett las ich weiter in Annette Hess, Deutsches Haus: Verdutzung und leise Empörung über eine lange Passage mit falschen Verbformen in indirekter Rede.

Die Geschichte von ihm und seinem großen Bruder. Sie wären zusammen aus Berlin ins Lager deportiert worden. Sein Bruder wäre im Widerstand gewesen und in die politische Abteilung gekommen. Dort wäre er bei einem Verhör so gefoltert worden, dass er daran gestorben wäre. Und man hätte ihn gerufen, den kleinen Bruder, der ihn wegschaffen musste. Er hätte ihn nicht wiedererkannt.

Und so weiter. Das ist Konjunktiv II für Irrealis statt Konjunktiv I, ich bin mit einem Studiendirektor verheiratet, ich muss sowas anprangern.

§

Hauck & Bauer haben den Deutschen Karikaturenpreis bekommen.

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https://youtu.be/FPxTl7m48uc?si=MD7MWuuS57PsQUdT

Lustig. (Allein das “Büro”!)

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 13. Dezember 2024 – Die Geschichte meines Nudelholzes

Samstag, 14. Dezember 2024 um 7:24

Einen eigenen Haushalt führe ich, seit ich gerade 19 geworden war. Zu meinen ersten Anschaffungen dafür gehörte ein Handrührgerät (KRUPPSCH – besitze ich noch heute, riecht bei Einsatz manchmal ein wenig nach verbranntem Gummi, tut aber eisern seinen Dienst) sowie ein Bügeleisen samt Bügelbrett (ich komme aus einer Bügelfamilie, it’s cultural). Zu den am längsten genutzten Gegenständen in meinem Haushalt gehört fast 40 Jahre später auch dieses Nudelholz.

Auf einer hellen Arbeitsfläche in Kunstlich ein Nudelholz mit roten Griffen, das Holz der Rolle hat an einem Ende einen dunklen Einschluss

Erst neulich fiel mir seine Geschichte ein, nämlich als ich es zum Stollenbacken benutzte (meiner wird gefaltet und nicht etwas in einer Form gebacken): Es ist das Geschenk meines damaligen Freundes, als ich 20/21 war. Wir hatten uns als Volontär/Volontärin derselben Regionalzeitung kennengelernt, und der Herr war sensationell unpünktlich. Als er mal wieder Stunden später als vereinbart bei mir klingelte, öffnete ich die Tür, und er hielt mir vorsichtig ein eigens dafür gekauftes Nudelholz hin: Damit ich bei der nächsten solchen Gelegenheit dieses drohend erhoben hinter der Tür stehen konnte. Ich musste sehr lachen, es hatte seinen Zweck erfüllt.

Auch fiel mir ein, dass man diesen Scherz vermutlich heute nicht mehr machen könnte, weil die Witzbildchen von der Ehefrau, die hinter der Wohnungstür mit erhobenem Nudelholz auf ihren (betrunkenen?) Ehemann wartet, ausgestorben sind. Hurra.

Den Fehler im Holz enteckte ich erst beim Abstreifen der Papp-Umhüllung – ich finde ihn sehr schön.

§

Mittelguter Schlaf, bei Weckerklingeln wäre ich gerne noch liegen geblieben.

Der Morgen hielt sich nicht lang mit Hellwerden auf: Auf halber Strecke blieb es bei düsterem Grau. So neblig-hochneblig blieb es, in dieser Woche ein weiterer Düsterkeitsrekord.

Ich war den Vormittag über fleißig – wie viel mehr sich das so anfühlt, wenn ich geordnet Dinge abarbeiten kann, als wenn ich Querschüssen hinterher hechte.

Schöne Nachrichten aus dem Freundeskreis, ein Wiedersehen wurde in die Wege geleitet.

Mittagscappuccino beim Nachbarn.

Wieder spätes Mittagessen – aber diesmal, weil ich einen Job vorher abschließen wollte (und eh keinen Appetit hatte): Apfel aus Ernteanteil (köstlich), Pumpernickel mit Butter.

Emsiger Nachmittag. Da ich es nicht zu spät werden lassen wollte, nahm ich mich zusammen und machte Tempo. Als ich gerade guten Mut gewann, erwischte mich noch ein Auftrag – zwar mit Deadline erst in ein paar Wochen, doch zufällig in genau der Woche, die ich mir eigentlich frei nehmen wollte (einfach so mal für reines Nichtstun), und mit beträchtlichem Arbeitsumfang, den ich leider sofort absehen konnte. Andere gewinnen aus Berufserfahrung Gelassenheit, bei mir führt sie zu einem reflexartigen Blick für die involvierten Tasks und Unter-Tasks, die eine Aufgabe für mich bedeutet; und die fast immer deutlich mehr sind, als die Auftraggebenden denken. Nein: Ich kann nicht delegieren, ich bin bereits das letzte Glied der Delegier-Kette.

Es trat der Dementoren-Effekt meines Arbeitslebens ein, ohne Lebenswillen machte ich mich auf den Heimweg. Vorm Bürohaus wieder der Amslerich mit Revier-Koloraturgesang – der spinnt. Kurze Drogerie-Einkäufe.

Daheim bellte ich Herrn Kaltmamsell nur kurz an, der mir dann erstmal auswich. Plätzchenbacken (die Schneeflocken), zum Glück machte ich nichts richtig kaputt in meiner Laune. Aber der Teig war zu weich und klebte (ich wusste, dass er direkt aus dem Kühlschrank zu hart sein würde und hatte ihn bereits morgens rausgestellt, das war falsch), die Plätzchen wurden zu flach.

Yoga-Gymnastik brachte zwar keine innere Entspannung, stoppte aber zumindest das Rutschen in immer düstereres Befinden. Nächstes Mittel: Alkohol.

Auf einer vollgestellten Küchenarbeitsfläche vier Flaschen - Noilly Prat, Canadian Club, Angostura, Martini rosso - davor zwei Süßweingläser mit Bernstein-farbener Flüssigkeit und einer Cocktail-Kirsche mit Stiel

Dieser Manhattan perfect hatte eine große Verantwortung: Er musste eine Dementoren-Woche in der Arbeit gutmachen. Funktionierte ein wenig.

Das Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell zweigängig: Zunächst Jalapeños mit Frischkäse-Füllung aus dem Ofen (super und gerade nicht zu scharf), dann Ernteanteil-Spinat mit Entrecôte.

Dazu öffnete ich einen Würtemberger Lemberger/Merlot Weinkonvent Dürrenzimmern, schmeckte mir immer noch so gut, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Nachtisch Schokolade.

Schließlich machten wir die Küche ein bisschen kaputt: Der schwere Bräter, der auf dem Abtropfgitter neben der Spüle lag (unterschiedliche Auffassungen: für manche – Herrn Kaltmamsell – ist das ein Abtrockengitter, für mich ein Abtropfgitter), rutschte lärmend auf den Boden. Sprung im Bräter, Schramme im Boden. Vielleicht ist noch ein Slot im Brief ans Christkindl frei.

§

Diese Woche kam mal wieder die Idee eines Altersheims für Blogschaffende auf, in diesem Fall eine Villa Buddenbohm nach dem Vorbild der Villa Verdi. Auf Mastodon wurde die Idee weitergesponnen: Die einen beantragten Aufnahme, die anderen träumten von guter Gesellschaft, Leseabenden, gemeinsamen Essen.

Oh ja, die Vorstellung eines Bloghauses gefällt mir. Ich wiederum beantrage einen eigenen Flügel für die vielen Menschenscheuen unter uns, der nur mit expliziter Einladung betreten werden darf, und von dessen Einwohnerschaft Abwesenheit bei Geselligkeiten vorausgesetzt wird (manchmal schaffen sie es ja doch).

die Kaltmamsell