Archiv für Januar 2017

Journal Sonntag, 22. Januar 2017 – verschobener Sport

Montag, 23. Januar 2017

Ausgeschlafen. Sport hatte ich auf Nachmittag umgeplant, denn meine Eltern hatten sich angekündigt: Sie brachten vormittags die Trittleiter vorbei, die sie uns zu Weihnachten für die Küche geschenkt hatten – und ich konnte ihnen die Mitbringsel aus Mallorca geben. Meine Mutter hatte morgens Strauben gebacken, ich tauschte ein Schüsselchen davon gegen Bagels, die wiederum ich morgens gebacken hatte.

Ich spazierte also nachmittags zum Ostbahnhof, zwischen vielen Sonntagsspazierenden – man hat sich offensichtlich an die Kälte gewöhnt.

Nach zwei Stunden Hopsen und Heben spazierte ich im letzten Tageslicht zurück, musste höllisch aufpassen, nicht auf eisglatten Stellen auszurutschen. Zweimal ertönte der Familienjuchzer, weil ich fast auf die Schnauze gefallen wäre.

Zum Abendessen bereitete ich Sellerielasagne aus Ernteanteil.

Auf arte lief Der Pate – eine peinliche Lücke in meiner Filmbildung. Ich bilde mir ein, dass ich mich an die Berichterstattung zum Film im Fernsehen erinnern kann, aber da er schon 1972 herauskam, ist das unwahrscheinlich (vielleicht war es Berichterstattung zum dritten Teil?). Jetzt habe ich zumindest die ersten zwei Drittel des Films gesehen, dann war ich müde und ging ins Bett, und war sehr beeindruckt. All die berühmten Schauspielerinnen und Schauspieler hätte ich vor lauter Jugend fast nicht erkannt (das war der Moment, als ich das Entstehungsjahr nachschlug).

Journal Samstag, 21. Januar 2017 – Ruhiger Samstag

Sonntag, 22. Januar 2017

Vom Wecker geweckt, weil Herr Kaltmamsell zu einem Berufstermin musste.
Den Morgen mit Bloggen und Küchenkruscheln verbracht, ein kurzer Schritt auf den Balkon (eine Amsel hat uns wieder dazu dressiert, sie mit Rosinen zu füttern, außerdem füllte ich das Schälchen mit Fettfutter) machte mir klar, dass es deutlich zu kalt für den ersehnten Isarlauf war. Zu einer Radfahrt ins Schwimmbad hatte ich trotz Sonnenschein keine Lust, also nutzte ich den heimischen Crosstrainer für eine gute Stunde Bewegung. Erstmals hörte ich dabei Musik aus dem Smartphone: Ich sah vorher, dass die Scheiben des Wintergartens beschlagen würden und fürchtete, dass mir mangels Ausblick auf Wiese und Bäume mit Vögeln und Eichhörnchen beim Strampeln langweilig werden würde.

Nebenher Teig für Bagels angesetzt.

Einkaufsrunde für Körperpflegeprodukte und Lebensmittel. Nach dem mittäglichen Frühstück eine Stunde Siesta.

Internet und Buch gelesen, noch bei Tageslicht kam Herr Kaltmamsell nach Hause. Ein wenig Kraft geschöpft aus den Berichten über die vielen #WomensMarch weltweit, aber vor allem in den USA, die gegen die Haltung und Politik Trumps protestierten.

Vor dem Nachtmahl machte ich uns als Aperitif Bombay Crushed aus den Kumquats der Kibbuz-Kiste, die ich mal wieder bestellt hatte, nur halt mit Münchner Duke-Gin.

Zu Essen gab es die restlichen Schaschlik vom Vorabend.

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Sie deklarieren es als „10 Best Uses of Color of All Time“, doch tatsächlich bekommt man aus diesen 13 Minuten von CineFix einen kleinen Einblick, was man beim Erzählen mit Bewegtbildern durch Farben so alles transportieren kann – fand ich hochinteressant.

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https://youtu.be/tILIeNjbH1E

via @kinderdok

Journal Freitag, 20. Januar 2017 – Mir fällt zu Trump nichts ein

Samstag, 21. Januar 2017

Gestern Abend hatte Herr Kaltmamsell Gäste geladen. Der angeregte Abend mit ihnen hielt mich von akuter Verzweiflung über den Machtwechsel in Washington ab.

Ich möchte Obama nicht idealisieren, aber gerade angesichts seines Nachfolgers ist das mühsam. Zumindest versuche ich das Detailgeschrei über die Machtübergabe skeptisch zu betrachten: Zwei Tage vor Amtsantritt haben nur ein Drittel des neuen politischen Personals security clearance? Vielleicht ist das immer so, ich kann die Information nicht einordnen. Der neue Energieminister wusste beim Annehmen des Jobangebots nicht, dass er für die Wartung des Atomwaffenarsenals zuständig sein würde? Vielleicht ging es dem einen oder anderen Vorgänger auch so; bevor ich über dieses Detail Haare raufe, möchte ich das erst mal geklärt haben.

Doch ich merke, dass ich schon lange nicht mehr über Trump-Witze lache. Zum einen ist es zu einfach, über eine komplette Witzfigur Witze zu machen. Zum anderen dominiert in meiner Wahrnehmung seit den US-Wahlen die Erkenntnis: Es ist egal. Seine Wählerinnen und Wähler haben eine so andere Weltsicht, dass er ihnen nicht als Witzfigur erscheint. (Hatten wir uns nicht immer gewundert, warum die Massen im Dritten Reich die Lächerlichkeit des Führungspersonals nicht sahen? Obwohl sie doch so offensichtlich war, dass man sie fast ohne Übertreibung zur Hollywood-Komödie machen konnte?)

Mir ist zudem bewusst, wie viele seiner Wahlversprechen Obama nicht eingehalten hat (wenn auch sehr oft durch die Blockade der Republikaner-Mehrheit im Kongress) und dass er die digitale Bespitzelung in ungeahnte Höhen getrieben hat.

Doch dann kommt halt wieder sowas:
„To Obama With Love, and Hate, and Desperation
Over eight years, through millions of letters, the staff of the White House mailroom read the unfiltered story of a nation.“

Zu Beginn seiner Amstzeit legte Obama fest, er würde jeden Tag zehn Briefe lesen, die US-Bürger an den Präsidenten der Vereinigten Staaten schreiben. Jeanne Marie Laskas berichtet für die New York Times über den personellen und bürokratischen Aufwand hinter dem Mailroom des Weißen Hauses, zitiert viele Beispiele, beschreibt den Prozess von Posteingang bis in die Mappe mit den zehn Briefen für den Präsidenten und hat sich mit ihm darüber unterhalten. Alles weist darauf hin, dass Obama wirklich wissen wollte, was die Menschen da draußen umtreibt. Schon wird die Aussicht auf die Zukunft ohne ihn als US-Präsidenten sehr trübe.

Aber: Den Mailroom wird es auch unter Trump geben. Hoffentlich mit ebenso empathischem Personal.

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Welche Blüten PokémonGO auch treiben kann: In einem Facebook-Thread (Aufklappen von Einzelschritten nicht vergessen) wird in in verschiedenen klassischen Formen der internationalen Weltliteratur darüber gedichtet.

Journal Donnerstag, 19. Januar 2017 – Pas de deux mit der Migräne

Freitag, 20. Januar 2017

Wieder wachte ich mit mittelleichten Kopfschmerzen auf, die Migränesymptome mitbrachten (Hackebeil im Auge, Niedergeschlagenheit, Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Sehschwierigkeiten) – hatte aber die beiden Tage davor keinen Tropfen Alkohol getrunken. Ich ging trotzdem in die Arbeit, am Nachmittag war endlich alles weg, die davon ausgelöste Euphorie ein weiteres Migränesymptom.

Wetter weiter eisig, aber auch sonnig, der Schnee sieht nicht mehr schön aus.

Abends Tiramisu für die Freitagabendgäste zubereitet.

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Ein bemerkenswertes Foto-Essay über das Leben einer Gruppe alter Menschen:

In the late 90s, Canadian photographer Naomi Harris checked into Haddon Hall Hotel in South Beach during her trip to Miami, Florida. Fascinated by the people and the community living in the hotel year-round, Naomi started to capture their daily routines for her series titled “Haddon Hall”.

Quelle

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https://youtu.be/DRPfudNNd8Y

via swissmiss

Journal Mittwoch, 18. Januar 2017 – Krähentreffen über der Theresienwiese

Donnerstag, 19. Januar 2017

Im Morgendämmer überquere ich die endlose Eiswüste der Theresienwiese – zumindest ist sie das, wenn ich in meinen dicken Schneestiefeln und schräg gegen den Wind gestemmt spiele, dass ich mit Hundeschlitten auf dem Weg zur Polarstation bin, um sechs kranke Polarforscherinnen und Polarforscher vor dem sicheren Tod zu retten, vielleicht auch bei dieser Gelegenheit ein ebenso krankes niedliches Pinguinbaby. Wieder zieht ein großer Krähenschwarm über mir Richtung Westen. Im Gehen sehe ich zu ihm hoch, lächle, lausche den Rufen. (Die wohl in erster Linie aus „sind wir schon daha?“, „ich hab Hunger!“, „ich hab Durst!“ bestehen. „Ich muss mal“ ist für Krähen im Flug ja kein Problem.)

Doch heute folgt gleich darauf der nächste Krähenschwarm, noch dichter als der davor – ein gutes Dutzend vorweg, dann ein kleine Lücke, etwas verstreut noch zweimal so viele. Von weiter nördlich eine dritte Gruppe, dann noch eine von Osten. Im bläulich fahlen Morgenlicht sehe ich, dass diese Schwärme nicht über die Bavaria weiterziehen, sondern sich drehen, und zwar wirklich, nicht nur abdrehen: Sie sammeln sich zu einem einzigen Kreisel, schwärmen als riesiger Trichter immer höher, bis ich sie im wenigen Licht nicht mehr sehen kann.

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Die Turnschuhe mit Leuchtesohle waren die Schau. Allerdings hielt der Akku nur sechs Stunden, den restlichen Arbeitstag ging ich ungeleuchtet.

Es war nochmal ein wenig kälter geworden, daheim fror ich trotz überall hochgedrehter Heizung. Damit ich doch noch beim Schlafen das Fenster kippen kann, verdoppelte ich die Decke und wärmte das Bett mit Wärmflasche vor.

Journal Dienstag, 17. Januar 2017 – neue Schuhe

Mittwoch, 18. Januar 2017

Den köstlichen Crémant bezahlte ich mit einer nächtlichen Migräneattacke, Marke Hackebeil im Auge. Zum Glück früh genug in der Nacht, dass ich bis zum Weckerklingeln Zeit für Triptan und Komaschlaf hatte. An Frühsport war dann allerdings nicht zu denken.

Ich ertappte mich dabei, wie ich beim Internetlesen über anderer Leut‘ Hobby dachte: „Die hat offensichtlich wirklich nicht genug zu tun.“
Das nur als Beweis für meine tatsächliche Schlechtigkeit, die mühsam zurückgehalten wird durch ein Großhirn, das diesen Gedanken beobachtete und kopfschüttelnd darauf hinwies, dass er lediglich bedeutet: Ich verstehe nicht, wie man sich für dieses Hobby begeistern kann. Was keinerlei Berechtigung ist, es gering zu schätzen, denn: Jede bringt ihr Leben mit den Dingen rum, die sie aus welchem Grund auch immer anziehen bis begeistern. Solange das andere Menschen nicht einschränkt oder schädigt, ist genau das das Fundament einer freien Gesellschaft.
(So wie das Bloggen von Gardinenpredigten zu meinen Freizeitbeschäftigungen gehört.)

Auf dem Heimweg blies über die Theresienwiese ein scharfer Wind, es war kälter geworden.

Daheim wartete ein Schatz auf mich:

Impulskauf vor zwei Wochen: Ich hatte einen Hinweis bekommen, dass es diese Turnschuhe, deren Sohlen bei jedem Schritt leuchten und um die ich im Park von Palma de Mallorca Kinder beneidet hatte, AUCH FÜR ERWACHSENE GIBT! Und dann kosteten sie auch noch weniger als 20 Euro…
KLICK!
Am Mittwoch trage ich sie in der Arbeit und mache alle, alle neidisch.

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Da schau her: Man kann aus Fifty Shades of verkrampftes Wortspiel doch noch Spaß rausholen:
„Fifty shades of socialist feminism“.

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Endlich bin ich auf eine Besprechung von La La Land gestoßen, die meinen Eindruck wiedergibt und die Worte findet, die mir dafür fehlten, nämlich von Richard Brody im New Yorker.
„The empty exertions of ‚La La Land'“.

I saw “La La Land” in a theatre, sitting up close to a big bright screen, and couldn’t tell whether it was filmed on location or in a studio in front of a green screen. (…) [Chazelle’s] big production numbers—a gruff-to-gentle pas de deux for Mia and Seb beneath the streetlights and a splashily colorful jazz ballet in front of a conspicuously painted and lighted and silhouette-shaded theatrical backdrop—are studious, effortful, rehearsed to death, personality-free, and lacking in the essential factor: wonder. Chazelle strives to impress, to wow, to dazzle—but not to inspire; his musical ideas and visual sensibility are jolting neither in their surfaces nor in their substance, neither in their action nor in their images; they close off the imagination rather than opening it.

Genau: Die großen alten Filmmusicals hatten eben diesen Effekt – „Ui! Wie haben sie das bloß gemacht?!“ La La Land dagegen war Musicalspielen-Darstellung.

Und so sehr ich die Musik des Films mochte, wunderte ich mich doch hierüber:

“I don’t wanna hear the free jazz,” the boss tells him. But, when Seb nonetheless takes matters into his own hands, what he plays sounds nothing like free jazz—it’s a maudlin little waltz that he then turns bombastic, much closer to Eddy Duchin or Liberace than to Cecil Taylor or, for that matter, Art Tatum, who’d have had no trouble making great jazz from Christmas carols.

Und schließlich über die Ästhetik:

Chazelle’s classics skip a few generations; he films as if nothing of importance has happened since the nineteen-sixties—the age when artists overturned conventions and shattered the bonds of classicism. He venerates and celebrates bygone methods and mannerisms because he applies them like formulas—and those formulas take the place of original creation, of a spontaneous sense of style and a natural, personal sense of beauty.

§

Die Fernsehsendungen Kunst und Krempel, Bares für Rares lasse ich ja ganz gern nebenher laufen. In der Hoffnung, dass dort mal etwas passiert wie bei dieser der BBC Antiques Roadshow.
Interessant finde ich unter anderem, dass dieses Kleid (im Gegensatz zu den im Fashion Museum in Bath gezeigten) nicht für eine sehr dünne Frau geschneidert scheint.

Journal Montag, 16. Januar 2017 – Schnee statt Licht

Dienstag, 17. Januar 2017

Ein weiterer Tag mit viel Schnee, aber was soll ich sagen: Ich fange an, mich zu gewöhnen. Nach der Rückkehr von Mallorca fand ich das Winterding abscheulich, doch jetzt, in Weiß und bei Temperaturen knapp unter dem Gefrierpunkt, finde ich es ganz ok. Weiterhin bevorzuge ich, schnell und ohne lange Anziehgymnastik aus dem Haus gehen zu können, warme Sonne auf der Haut zu spüren, Blüten und Laub zu sehen. Aber der Schnee macht tatsächlich die Dunkelheit ein wenig wett.

Arbeitsweg.

Arbeitstag.

Abends stellte Herr Kaltmamsell Asiatisches zusammen, inklusive mit Krabben gebratenem Hackfleisch, Korianderblättern, Karotten- und Lauchstiften, dazu asiatische Sößchen aus der Flasche, was wir zum einen zu Reispapierröllchen falteten, zum anderen mit Glasnudeln zu Salat vermischten.

Dazu und einfach zur Feier des Tages öffneten wir das Mitbringsel des Luxemburger Gasts von Dezember:

Den Luxemburger Crémant Alice Hartmann, der uns beiden tatsächlich so sensationell schmeckte wie angekündigt, sanfte Blüten und Früchte, nicht knochen-, sondern lediglich trocken. Wir recherchierten sofort eine Bezugsquelle und bestellten ein Kistchen.

§

Der beste Carrie Fisher-Nachruf, den ich gelesen habe, stammt von der Blogess:
„Stay afraid. But do it anyway.“


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