Archiv für Mai 2019

Lieblingstweets Mai 2019

Freitag, 31. Mai 2019

Wieder für jede Art von Niveau was dabei!

Journal Donnerstag, 30. Mai 2019 – Innermünchner Ausflug an Christi Himmelfahrt

Freitag, 31. Mai 2019

Ausgeschlafen, doch das vergangene Wochenende steckte mir immer noch in den Knochen und machte mich müde.

Bloggen und Internetlesen, ich holte uns Semmeln zum Frühstück ud stellte fest, dass es unter gemischtwolkigem Himmel mit einzelnen Sonnenfetzen ziemlich kühl war.

Nachmittags hatte ich mich mit zwei Gästen des großen Fests, die aus Hamburg und Berlin angereist waren und eine Woche Münchenurlaub angehängt hatten, zu einem Spaziergang verabredet: München von hinten entlang dem Auer Mühlbach, also diese Route.

Wir waren am U-Bahnhof Thalkirchen verabredet, meine kurze Wartezeit wurde von Niedlichkeit auf dem Isarkanal versüßt.

Die nächsten zweieinhalb Stunden spazierten wir durchs Grüne, immer nur höchstens 100 Meter vom tobenden Großstadtleben entfernt. Ich hatte die Tour dem Besuch anbieten können, weil die beiden München schon ziemlich gut kennen – wer zum ersten Mal in München ist, will nachvollziehbarerweise erst mal die großen Sehenswürdigkeiten kennenlernen.

Der Auer Mühlbach und die Isar standen sehr hoch, die Isar war an vielen Stellen der Innenstadt sogar über die Ufer getreten; jetzt sah man von den Kiesbänken wirklich nichts mehr.

Im Mühlbachviertel.

Die größte Veränderung seit ich das ersten Mal den Auer Mühlbach entlangegangen bin: Die Paulanerbrauerei steht nicht mehr in Giesing, dort stießen wir auf Rohbauten von Wohnblöcken. Und das alte Zuchthaus war nur zu erahnen: Es wird gerade zu einem Wohngebäude umgewandelt und ist verhüllt (mein letzter Stand war noch gewesen, dass ein Hotel daraus werden sollte).

Nach etwa zweieinhalb Stunden kehrten wir im Biergarten der Muffathalle ein, bevor wir die Isar entlang zu unserer Abendverabredung mit Herr Kaltmamsell spazierten: Die Herren Besuch hatten das Wirtshaus Maximilian empfohlen bekommen, das mir sehr gut gefiel und in dem wir gut aßen.

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Der Juramama ist mal wieder der Kragen geplatzt, diesmal über die Lästereien von Frauenzeitschriften über unperfekte Körper:
„Die ultimative Speck-Show“.

Noch heute kenne ich mehr Frauen, die nach 18 Uhr nichts mehr essen als Frauen, die nach 18 Uhr keine E-Mail ihrer Arbeitgeber*innen beantworten. Ich sehe hier einen Zusammenhang. Wir haben ein fettes Problem, liebe Kosument*innen. Wir haben eine eigene Agentur in Deutschland, die sich alle Filme und Computerspiele anschaut, um sicherzustellen, dass junge Menschen nicht zu früh Eindrücke bekommen, die ihrer Seele schaden. Freiwillige Selbstkontrolle. Gut so. Nebenbei macht jeder Bahnhofskiosk ungerührt, ungesühnt und von jeglichem Presserat unbeanstandet aus weiblichen Körpern eine Leinwand der Niedertracht. Der puren Bosheit. Wir erlauben, dass junge Mädchen Worte wie „Schenkelschande“ kennen, bevor sie überhaupt Schamhaare haben.

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Wie sehr ich sie mag, die Collagen (Mosaike?) von Goncourt:
„bandiera d’oro“.
„Herz“.

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Im Techniktagebuch-Chat wurde auf höchstem Niveau gealbert, unter anderem kam die Idee einer Retro-Version des Techniktagebuchs auf:
„Auffchreyben, allef auffchreyben“.

UND! Man lieferte mir endlich einen verständlichen Einstieg in die mir bisher komplett verschlossene Szene der Youtube-Schminktutorials:
„IF BEAUTY YOUTUBERS EXISTED IN 1999“.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/pw4o4inWhnM

„If it doesn’t hurt, you’re doing it wrong.“

(Wenn jetzt noch jemand ein Schminktutorial aus dem Jahr 1986 nachstellen könnte, würde ich’s vielleicht wirklich begreifen.)

Weiblichkeiten

Donnerstag, 30. Mai 2019

Else Buschheuer hat im SZ-Magazin einen epochalen Text veröffentlicht:
„Kriegerin“.

Früh entschließt sie sich zu einer Brust-Operation, die fürchterlich schiefgeht. Von da an kämpft sie – um ihren Körper, ihre Sexualität und ihre Identität. Eine Selbstentblößung.

Nicht nur ist das ausgezeichnet geschrieben, es geht mir in vielerlei Hinsicht nach. Was exakt Else Buschheuers Absicht war.

Eigentlich bin ich in sehr vielem sehr leicht zu verunsichern: Unterstellt man mir Faulheit, Schlamperei, mangelndes Feingefühl, Dummheit, Bigotterie, Unaufrichtigkeit – schäme ich mich erst mal und glaube es.

Aber als vor vielen Jahren eine Freundin der Familie mich fragte, warum ich mit meinen kurzen Haaren meine Weiblichkeit verleugnen würde, lachte ich schallend und tief aus dem Bauch heraus. Denn ich bin mit jeder Faser der Überzeugung: Wo ich bin, ist weiblich. Aus.

Zwar räume ich ein, dass Erinnerungen unzuverlässig sind, doch glaube ich, dass das schon immer so war, dass ich mir noch nie vorschreiben ließ, wie meine Weiblichkeit auszusehen hatte.

Mich befremdet, dass Weiblichkeit etwas sein soll, das man sich anziehen, anmalen, frisieren, im schlimmsten Fall hinoperieren muss. Wenn ich morgens nackig aufstehe, bin ich eine Frau. Und nicht erst, nachdem ich mir einen Spitzen-BH, einen Rock, ein tief ausgeschnittenes Oberteil und Pumps angezogen habe, alle grauen Haare entfernt sind und ich geschminkt bin.

Diesen Text hatte ich so ähnlich bereits ins Eingabefenster meines Blogs geschrieben – und dann wieder gelöscht. Ich fürchtete, er könnte wie eine anmaßende Aufforderung gelesen werden: Macht’s doch einfach so wie ich. Was sehr dumm wäre, denn ich bin mir bewusst: Meine Haltung ist ein Geschenk, für das ich überhaupt nichts kann. Sie ist vermutlich beeinflusst von der Erziehung durch eine Mutter, die sich in jedem Fall von „ein Mädchen macht sowas nicht“ energisch vor mich stellte und bellte: „Und warum nicht?!“ (Die mich dennoch irgendwann anwies, mich im Rock mit geschlossen Knien zu setzen und kleinere Schritte zu machen, aber gut.) Vermutlich wurde dieses Selbstbewusstsein als Frau auch dadurch erleichtert, dass ich seit der Pubertät sichtbar Busen hatte (auch wenn ich ihn die meiste Zeit in erster Linie als hinderlich empfand). Doch bin ich ziemlich sicher, dass ich schon so auf die Welt kam – das ist ein Privileg.

Ich bin überzeugt, dass Gendergrenzen nicht scharf sind, sondern Gender ein Spektrum darstellt. Auf diesem fühlte ich mich immer weit auf der Seite weiblich. Aber halt zu meinen Bedingungen. (Was um Himmels Willen nicht heißt, dass Frauen, die mit ihrer Weiblichkeit hadern, doof, rückständig oder sonstwie minder sind!)

Leider muss ich gestehen, dass ich lange mit dem Begriff „echte Frau“ gearbeitet habe und damit Frauen mit üppigen Formen markierte. Auch wenn ich das seinerzeit als Protest gegen Geschlechterstereotype und Schönheitsideale meinte, grenzte ich dadurch eine ganze Reihe Frauen aus der Kategorie weiblich aus. Das war falsch und tut mir leid. Denn: Jede, die sich als Frau definiert, ist weiblich, egal wie sie aussieht und was sie anhat. Weiblichkeit hat unendlich viele Formen.

Journal Mittwoch, 29. Mai 2019 – Ausflug nach Augsburg

Donnerstag, 30. Mai 2019

Für diese Urlaubswoche habe ich mir zwar in erster Linie Nichtstun und Nachklingenlassen des großen Fests vorgenommen, aber ein Ausflug, den ich mir praktisch seit Jahren wünsche, steht dem ja nicht entgegen: Ich wollte mich mal wieder in Augsburg umsehen, wo ich studiert und nach dem Wegzug nach München ein paar Jahre gearbeitet habe. Zwar nehme ich regelmäßig einen Zug nach Augsburg, doch immer für den Besuch der lieben Schwiegereltern; das bedeutet, dass ich schon in Augsburg Haunstetter Straße aussteige und von dort nach Haunstetten fahre – von Augsburg selbst habe ich schon seit vielen Jahren nichts mehr mitbekommen.

Gestern schlief ich ein wenig länger, um den Preis, dass ich Herrn Kaltmamsell keinen Morgenkaffee servieren konnte. Doch der hat gerade eh schlimm Abitur und war gestern schon um fünf aufgestanden – komplett inkompatibel mit meinem Urlaubstag. Also alleiniger Kaffee zum Bloggen, dann legte ich noch eine Sportrunde ein, Zeit war’s: schweißtreibendes Rumpftraining, damit die Bauchmuskeln nicht vergessen, was ihr Job ist.

Erst am späten Vormittag nahm ich einen Zug nach Augsburg, diesmal durch bis zum Hauptbahnhof. Den ich gleich mal nicht wiedererkannte: Da in der umfassenden Renovierung derzeit der Mittelteil dran ist, war die Wegführung völlig ungewohnt.

Erste Besuchsstation: Die Synagoge, wenige Fußminuten vom Bahnhof entfernt. In den acht Jahren, in denen Augsburg mein Zuhause war, hatte ich es nicht geschafft, sie und das angeschlossene Museum zu besichtigen.

Allein schon der Innenhof und der Eingangsbereich mit Kassentheke waren sehenswert, das kleine Museum erzählte die Geschichte der Juden in Schwaben und beschrieb jüdische Riten. Wirklich atmenberaubend aber war die Synagoge selbst, zwischen 1913 und 1917 nach den Plänen von Fritz Landauer und Heinrich Lämpel errichtet.

Zumal sie eine lebendige Synagoge mit jüdischer Gemeinde ist. Ich setzte mich lange an verschiedene Stellen der Frauengallerie und stellte mir einen Shabbat darin vor (es gibt Hörstationen für die Liturgie).

Draußen regnete es immer wieder ein paar Tropfen, außerdem war Mittagszeit. Ich hatte bei meiner Orientierung auf Google Maps ein interessant aussehendes Lokal im Färbergässchen gesehen (das ich immer als „Taschenbuchladen im Färbergässchen“ denke, weil der zu meinen Studienzeiten eine Institution war): Die Färberei.

Dort kehrte ich ein, war von den Räumlichkeiten sehr angetan, aß Linsensuppe und einen Portobello-Mönchsbart-Salat. Dazu las ich Zeitungsreste aus meiner Tasche statt Internet auf meinem Telefon: Es gab absolut null Empfang.

Mein Plan ging auf: Ab jetzt blieb es trocken.

Die nächsten zwei Stunden ging ich die damaligen Wohnungen meiner Studienfreunde und meine ab: Lisa, Andrea, Gisi, Barbara-Ann, Mercedes, Frank. (Annes Allgäu-WG in der Lindenstraße 16 1/3 war mir zu weit draußen.)

Elias-Holl-Platz, der (derzeit?) als Parkplatz fungiert.

Die beiden Fenster über Eck waren acht Jahre lang meine; ich entdeckte, dass sie jetzt ein äußeres Zweitfenster bekommen haben.

Der ehemalige Waschsalon. (Erst jetzt fällt mir auf, dass ich das heisere „Grüß Gooooooott“ der lieben Frau Karkosch bis heute manchmal beim Heimkommen sage.)

Kapuzinergasse – auf der linken Straßenseite erhob sich zu meinen Studienzeiten die hohe Mauer von Hasenbräu.

Zuletzt mäanderte ich zum Stadtmarkt, ich wollte an einem bestimmten Stand in der Feinkosthalle Abendessen besorgen. Zu meiner großen Freude existierte dieser Stand noch, dahinter erkannte ich den (wie ich deutlich gealterten) Besitzer, der mich schon als Studentin zu besonderen Gelegenheiten (also für Gäste) mit Kräuterfrischkäse, sonstigen Aufstrichen, Oliven versorgt hatte. Auch sein Sortiment erkannte ich wieder und kaufte völlig enthemmt ein.

Zurück nach München fuhr gleich ein passender Zug, an einem Obststandl beim Hauptbahnhof holte ich noch Obst.

Für den Abend war ich mit Herrn Kaltmamsell verabredet.

Neben dem Abendessen packten wir weiter Geschenke vom großen Fest aus, waren ungemein gerührt, freuten uns, schrieben Dankesnachrichten.

Doch es gab auch traurige Nachrichten: Die Mutter eines der Studienfreunde, die zum Fest angereist waren, war im Hessischen verstorben. Geplänkel mit ihm per SMS, ob ich zur Beerdigung fahre (ich möchte sehr gerne, er verwies auf die bereits geplante Kürze der Angelegenheit).

§

Es gibt einige gute und sachkundige politische Einordnungen der etablierten Parteien im Zusammenhang mit dem Rezo-Video. Aber am besten zu lesen ist mal wieder die (nicht minder sachkundige) von Sascha Lobo, der nachvollzieht, was in den vergangenen zehn Jahren digitalpolitisch alles verkackt wurde:
„Digitalpolitik der Volksparteien
Marathon im Fettnapf“.

Was der Bund im Digitalen anfasst, wird zu Stuhl. Wenn man sich über das ungelenke Vorgehen der Union in Sachen Social Media aufregt, dann ist das nachvollziehbar, aber im Vergleich so, als würde man sich nach dem Sprung vom Hochhaus sorgen, ob man vom Luftzug vielleicht einen steifen Nacken bekommt.

(…)

Wenn man jedoch genauer hinschaut, war das Problem der CDU nicht, dass sie keine Ahnung von Social Media hat. Sondern – fast im Gegenteil – dass via Social Media klar wurde, wie wenig Ahnung sie von allem anderen hat, was die Jugend interessiert. Es geht nicht um das Medium, sondern um politische Inhalte, um das Fortbestehen des Planeten etwa.

Journal Dienstag, 28. Mai 2019 – Zweiter Einsatz als Schöffin mit viel Fußball

Mittwoch, 29. Mai 2019

Urlaubstag hin oder her: Gestern war ich um 9 Uhr zum zweiten Mal als Schöffin geladen. Nachdem ich beim ersten Einsatz etwa zwei Stunden beschäftigt gewesen war, plante ich im Anschluss an den Prozess ums Eck Frühstücken zu gehen, nachmittags vielleicht ins Kino – es war ein regnerischer Tag.
Little did she know…

Als Schöffin weiß man vor der Verhandlung nicht, worum es geht: Das erklärt der hauptamtliche Richter den Schöffinnen direkt vor der Verhandlung. Auf dem Aushang am verschlossenen Sitzungssaal las ich, dass das der Richter sein würde, den ich am Einführungstag für Schöffinen und Schöffen kennengelernt hatte. Kurz nach mir traf eine Frau ein und warf eine Robe über einen der angeschraubten Stühle im Wartebereich. Ich riet: „Sind Sie eine der Anwältinnen?“ „Staatsanwältin!“ Wir plauderten ein wenig und ich erfuhr, dass es Fußballanwälte gibt und eine Staatsanwaltschaft, die unter anderem auf Delikte im Umfeld von Fußball spezialisiert ist. (Später daheim beim Recherchieren fand ich die Website Fananwälte.)

Wir wunderten uns nach einer Weile, dass außer uns niemand auftauchte, bis die Protokollantin ums Eck bog und uns holte: Die Verhandlung war in einen anderen Saal verlegt worden.

Der Prozess drehte sich um eine Raub-Anklage im Fußballfan-Zusammenhang, und ich lernte eine Menge. Dazu gehörte die Abkürzung SV für Stadionverbot, die Abkürzung TOA für Täter-Opfer-Ausgleich, dass eine medizinische Gutachterin auch dafür eingesetzt wird, einen Arztbericht verständlich zu machen, das schöne Wort „Zueignungsabsicht“. Ich tauchte wie schon in meiner ersten Verhandlung in eine fremde Welt ein, nahm das Taktieren von Staatsanwältin und Verteidigern wahr, die Interaktion von Beschuldigten und Geschädigten (so hieß das bei Gericht).

Zudem interessant: Technik im Gerichtssaal.

Aber: Das Ganze dauerte sechs Stunden. Als es auf Mittag zuging, überlegte ich mit einer kleinen Ebene meiner Aufmerksamkeit (schließlich hörte ich mit der größeren zu), wo ich mittagessen könnte. Als es noch später wurde, träumte ich vor allem von einem Getränk (fürs nächste Mal merken: Wasserflasche mitnehmen, um wenigstens bei Beratung im kleinen Kreis im Richterzimmer einen Schluck nehmen zu können). Der Richter fragte zwar an einer Stelle, ob wir eine Pause machen wollten, doch uns allen war es ein Anliegen, die Verhandlung zu Ende zu bringen.

Raus kam ich also erst um 15 Uhr. Unterm Regenschirm marschierte ich zum Café Lotti, das morgens noch Ziel meiner Frühstückspläne gewesen war. Nach zwei Apfelschorlen und einem Bagel mit Avocado und Tomate war ich wiederhergestellt.

Auf dem Heimweg Besorgungen, den Nachmittag verbrachte ich mit einer weiteren Einkaufsrunde und dem Nachlesen von Zeitung sowie Internet. Fürs Nachtmahl (Herr Kaltmamsell war aushäusig) hatte ich Zutaten für eine Brokkoli-Frittata besorgt.

§

Die Rückkehr der Vorlesung – eine interessante Analyse des viel beachteten YouTube-Films von Rezo.

Ich kenne ja einen Lehrer näher (ahem), der schon lange darauf verweist, dass der oft bepöbelte Frontalunterricht mit Vortrag in bestimmten Fällen seine Berechtigung hat, der sogar zur Markierung dieser Unterrichtsphasen ein Rednerpult verwendet: Jetzt gibt’s Info von vorn.

§

Gülay Türkmen, PhD, ist Soziologin. Vor zweieinhalb Jahren führte ihr Berufsweg sie an den Soziologielehrstuhl der Uni Göttingen, nachdem sie zuvor in den USA, in UK und in den Niederlanden gelebt hatte. Und zum ersten Mal in ihrem Leben hörte sie ständig: “But you don’t look Turkish!”

Das brachte sie zum Nachdenken über ihre türkische Herkunft. Und weil sie Soziologin ist, dachte sie mit den Mitteln der Soziologie darüber nach, hier eine Zusammenfassung inklusive historischem Abriss der türkischen Einwanderung nach Deutschland:
„‚But you don’t look Turkish!‘: The Changing Face of Turkish Immigration to Germany“.

via @vinoroma

Journal Montag, 27. Mai 2019 – Münchenurlaubstag mit Schwimmen

Dienstag, 28. Mai 2019

Früh aufgestanden, um mit Herrn Kaltmamsell vor seinem Aufbruch in die Arbeit Milchkaffee trinken zu können. (Und mir den Rücken fürs Schwimmen eincremen zu lassen.)

Ausführlich gebloggt, dabei schon wieder vor Rührung Tränen in den Augen gehabt. Zumal mein Blick immer wieder dorthin fiel, wo sich die vielen Geschenke all der lieben Menschen türmten (die wir nach und nach auspacken und bejubeln, um uns emotional nicht zu überfordern).

Wie angekündigt war es bewölkt und warm, ich plante eine Schwimmrunde (viel lieber wäre ich Laufen gegangen, doch das traue ich mich mit den Bandscheiben-induzierten Schmerzen nicht – ist ja schon mein Gehen ausgesprochen unrund und sieht 30 Jahre älter aus als der Rest). Erst mal brachte ich den Frack zurück, mussste aber nochmal heim, weil ich Badekappe und Schwimmbrille vergessen hatte.

Das Schyrenbad war erwartungsgemäß leer, auf den Schwimmbahnen nur vereinzelte Menschen. Ich zog meine Bahnen gemütlich, brauchte dafür wieder sehr lang. Nur einmal kam die Sonne durch, ich genoss die heiße Dusche nach dem Schwimmen.

Für mein Frühstück steuerte ich das Café Hüller an, in dem ich mich immer sehr wohl fühle. Auf die signature-Pfannkuchen hatte ich keine rechte Lust, fühlte mich aber untersalatiert: Es wurde der Tagessalat mit gebratenem Ziegenkäse in Sesam-Honig-Kruste – hervorragend.

Dazu las ich die Süddeutsche des Tages mit viel EU-Wahlberichterstattung und -analysen: Massive Gewinne für die Grünen, die SPD musste bitter dafür zahlen, dass sie ein eigenes Profil aufgegeben hat, zwei Bundesländer (Sachsen und Brandenburg) sehen die Zukunft in der mittlerweise rechtsextremen AfD und werden für ganze Bevölkerungsgruppen lebensbedrohlich.

Das Heimgehen (zu Hause räumte und reinigte noch Herr Putzmann) zögerte ich mit einer Spazierrunde hinaus.

An der Isar entlang zur Ludwigsbrücke,

Besorgungen im Drogeriemarkt, weiter zum Viktualienmarkt.

Sehnsucht nach einer Waffenscheinpflicht für Interpunktion.

Nachdem Herr Kaltmamsell wochenlang vergeblich Orecchiette in Supermärkten aller Art gesucht hatte, ging ich zu Eataly – und suchte sehr lang. Zunächst fand ich nur eine Vollkornversion, nach noch gründlicherer Suche eine einzige Packung normaler. Hat man Orecchiette derzeit nicht? Werden die eher frisch verkauft?

Den Resttag verbrachte ich mit Häuslichkeiten wie Wäschewaschen und Abendessenkochen (Herr Kaltmamsell ist derzeit so ins Abitur eingespannt, dass er mich sogar ums Kochen bat – Alarmstufe ROT), es gab Kartoffeln, Kohlrabi, Pastinaken aus Ernteanteil mit Einbrenn, zum Nachtisch die letzten Tortenreste. Schon am späten Nachmittag setzte Regen ein, es wurde deutlich kühler.

Journal Samstag/Sonntag, 25./26. Mai 2019 – Das Rosenfest und Open House

Montag, 27. Mai 2019

Die großen Gefühle ums große Fest warfen mich weiter umher: Nun musste ich Absagen in letzter Minute und deshalb aus traurigen Gründen verarbeiten.

Samstagvormittag holte ich das Outfit fürs Fest ab, spazierte damit durch einen sonnigen Tag. Während dessen hatten unsere formidablen Festorganisatorinnen unser Sofa abgeholt, es spielte auf dem Fest eine Rolle.

Treffen mit der Fotografin des großen Fests. Wie ich es bei ersten physischen Treffen mit Bloggerinnen gewohnt bin, waren wir innerhalb von drei Sätzen beim Eingemachten. Und ich erfuhr, dass Smilla bald unter neuer Adresse weiterbloggen wird, hurra!

Daheim Frühstück und Zeitunglesen in verhältnismäßiger innerer Ruhe.

Ab 16 Uhr machte ich mich fertig.

Das Outfit meiner Träume seit vielen Jahren: Ich wusste, dass mir ein Frack ausgezeichnet stehen würde (nein, das ist nicht hochnäsig, sondern nüchtern) – doch zu welcher Gelegenheit kann man bitte Frack tragen? Nicht mal bei den Oscars trägt man White Tie, und meine Aussichten auf einen Nobelpreis sind, seien wir realistisch, verschwindend gering. DAS war die Gelegenheit. Jacke, Hose, Weste hatte ich geliehen; ein Damenmodell fand ich nicht, doch hatte ich bereits mehrfach gute Erfahrungen mit Herrenkleidung gemacht. Man vermaß mich und orderte die am nächsten kommenden Herrengrößen (jeden Bestandteil einzeln), Jackenärmel und Hosenbeine wurden auf die passende Länge hochgesteckt. Das Frackhemd ließ ich mir maßschneidern: Das gedenke ich durchaus im Alltag zu tragen.

Wie ich es mir seit Jahren vorgestellt hatte, feierten wir im Foyer der Alten Kongresshalle und ließen uns jetzt mit einem Taxi hinbringen. Die Zeit bis zum Eintreffen der ersten Gäste (eingeladen hatten wir für 18 Uhr, die ersten waren schon eine halbe Stunde vorher da) nutzten wir, um uns umzusehen, uns mit den hilfreichen Menschen hinter den Kulissen bekannt zu machen, uns von den Organisatorinnen beruhigen zu lassen – und Smilla erste Fotos machen zu lassen:

Fotos oben (zwei): Smilla Dankert.

Ab 18 Uhr kamen sie dann: All die wundervollen Menschen aus den vergangenen 25 Jahren, die wir zusammenbringen wollten und die die folgenden Stunden zum Ereignis machten – ein Saal voller Ehrengäste, die mit uns feierten, dass wir seit über 25 Jahren ein Paar sind.

(Und jetzt die große Enthüllung: In Wirklichkeit war das der 26. Rosentag. Vergangenes Jahr, zum 25. Jahrestag, hatte es einfach nicht gepasst: Es wurde viele andere große Familienfeste gefeiert, die Alte Kongresshalle war zu keinem der Wunschtermine frei – da beschlossen wir, dass man das 25. auch ein Jahr später feiern kann.)

Erst wurde gegessen. Wir hatten unsere Gäste nach Themen gruppiert, manche davon waren als Gesprächsanlässe gedacht. Auf Twitter wurde verglichen.

Ich sprach mit Menschen, die ich viel zu lang nicht mehr gesehen hatte, nahm vertraute Menschen in die Arme, sah, wie Menschen einander kennenlernten, sorgte dafür, dass Menschen sich trafen, deren Treffen ich mir lange gewünscht hatte.

Ich ließ mir versichern, dass Speisen und Getränke schmeckten (die Pasta aus dem Parmesanleib war die erhoffte Sensation, ebenso der live aufgeschnittene Serranoschinken) – selbst hatte ich an sich gar keinen Appetit, aß aber vernünftigerweise: ein paar sehr gute Vorspeisen, einen Teller Spargel mit Butter (die mit Zitronenschale aromatisiert war – sehr gute Idee), freute mich darüber, dass die ausgesuchten Speisen auch in der größeren Dimension so gut schmeckten, wie wir es beim Probeessen erlebt hatten. Mit Alkohol hielt ich mich bis auf Begrüßungssekt und einem Gin Tonic weit nach Mitternacht zurück.

Nach dem Essen gab es im Erdgeschoß Cocktails und Tanz. Dass ich im Frack ziemlich schwitzen würde, hatte ich eingerechnet – ein Frack hat keine ablegbaren Teile.

Bilder, wie das Fest von draußen aussah:
von @tommdidomm
von @joel_lux
von @dentaku

Über die Stunden erwies sich, dass meine Idee aufgegangen war, mein Wunsch sich erfüllte: All diese Menschen zusammenzubringen, an einem Ort, ihnen einen Rahmen und einen Raum dafür zu bieten, einander zu finden.

Es war schon drei Uhr durch, und hinter uns wurde bereits seit einer Weile zusammengeräumt, als sich die letzten Gäste verabschiedeten (manche hatten das in den Stunden davor mehrfach erfolglos versucht und wurden von der geschickten Musikauswahl des DJs immer wieder zurück auf die Tanzfläche gezogen oder von einem anderen Gast in ein doch noch zu interessantes Gespräch verwickelt).

Organisatorin Franziska fuhr uns nach Hause, mit dem ersten Korb Geschenke – denn zwar hatten wir in der Einladung beteuert, dass das Kommen der Gäste Geschenk genug war, aber unterschätzt, welch großartige Geschenkideen und -wünsche großartige Gäste nunmal haben. Was uns dann halt doch unerwartet sehr freute. Um einen guten Wunsch von @hakansurat abzuwandeln: Möge jeder so wunderbare Gäste haben, wie sie uns beschert wurden.

Kurz vor vier im Bett. Nicht viel geschlafen, weil aufgekratzt mit Adrenalin bis zum Anschlag, zudem Schmerzen von hohen Schuhen und Tanz.

Am Sonntag hatten wir eh den Wecker gestellt: Zum einen wurden uns morgens Sofa und die restlichen Geschenke sowie von uns gestellte Deko gebracht (überlegen Sie sich gut, ob Sie ins Eventmanagement gehen wollen: geschlafen wird da offensichtlich eher nicht). Zum anderen hatten wir beim Abschied die Gäste zu uns eingeladen: Open House.

Und wieder kamen sie, angereiste Familie und sonstige Gäste, bis zum späten Nachmittag. Wir hatten restlichen Käse vom Fest eingepackt, außerdem war unter den Geschenken eine entzückende personalisierte Buttercremetorte gewesen, die wir servieren konnten.

Das kannte ich von Familienfeiern des Herrn Kaltmamsell: Das Fest am nächsten Tag ausschleichen lassen. Eine hervorragend Sache, so konnte ich langsam herunterkommen, sah Leute wieder, konnte das eine oder andere Gespräch nachholen, für das auf dem Fest keine Gelegenheit war.

Gegen vier wurde das letzte Gastkind aus dem Mittagsschlaf geholt, es leerte sich die Wohnung.

Europagewählt hatte ich schon per Brief, also räumte ich ein wenig, las das große Fest und seine Folgen im Internet nach. (Ein weiteres schönes Detail: Internetmenschen hatten Internet-ferneren erklärt, was es mit diesem Bloggen auf sich hatte.)

Unter anderem entdeckte ich, dass eine der Gastgeschenkrosen auf große Fahrt gegangen war.

Wattig benebelt im Kopf, wuschig im Herzen von all der Liebe gingen Herr Kaltmamsell und ich noch ein wenig raus in die frische Luft, von der man so viel Gutes hört, vor allem im gestrigen schönen Wetter.

Ach guck, die Robinienblüte ist kurz vorm Duften.
Auf dem Südfriedhof sahen wir schönes Licht, Eichkätzchen, dazu Amseln und Buchfinken beim Baden, eine Mönchsgrasmücke beim Singen (die sind LAUT).

Daheim noch ein Snack, Mauersegler und Fledermäuse beobachten, Ergebnisse der Europawahl gucken – dann doch recht früh ins Bett.


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