Archiv für Februar 2021

Journal Sonntag, 21. Februar 2021 – Familien-Update mit scharfem Ostwind

Montag, 22. Februar 2021

Wecker auf sieben, damit noch Zeit für Sport war. Denn ich fuhr gestern nach zweieinhalb Monaten mal wieder Zug, und zwar um meine Eltern zu besuchen. (Ich hoffe sehr, dass das kein Pandemie-Leichtsinn war.)

Sport war dann Crosstrainer-Aufwärmen mit Blick in einen weiteren sonnigen Tag und eine Runde Reha-orientiertes Krafttraining.

Wenn gewohnt technische Handgriffe plötzlich nicht funktionieren, ärgert mich das immer sehr. Gestriges Beispiel: Der Handy-Kauf eines Bayerntickets für die Bahnfahrt scheiterte, weil der Zahlungsschritt überraschend eine Verifizierung erforderte, die ich bei meiner Bank einholen müsse – dafür (oder für die Suche nach einem anderen Zahlungsweg) war in diesem Moment natürlich keine Zeit. Ich brach früher zum Bahnhof auf (warme Sonne, milde Luft) und holte mir ein Ticket am Automaten – der zum Glück ohne Überraschungen funktionierte.

Auf der Zugfahrt nach Ingolstadt wurde es in der Holledau immer nebliger, das hielt in Ingolstadt an – und dieser Nebel stellte sich als überraschend kalt heraus. Auf dem Fußweg zu meinen Eltern hätte ich Mütze und Handschuhe gut brauchen können, die mir im sonnigen München nicht in den Sinn gekommen waren. Aber ich war ja gut bepackt (nach der langen Zeit ohne Begegnung hatte sich einiges angesammelt, von ausgemusterter Kleidung über leere Plätzchendosen und Flaschen bis zu selbst gebackenem Brot und ein paar Bio-Avocados), richtig kalt war mir nicht.

Große Freude über das Wiedersehen mit meinen Eltern, beide wohlauf und mit pragmatischem Umgang mit der Pandemie-Situation (allerdings traurig über die fehlenden Reisemöglichkeiten, weil “uns läuft die Zeit davon”). Ich versuchte vergeblich, ein Computerproblem meines Vaters zu lösen (gemeinsames Weihnachten war ja ausgefallen): Er möchte seinen Laptop auf dem Fernseher spiegeln, wie es mit seinem Handy ganz einfach funktioniert, doch wenn ich dieselben Schritte über den Rechner mache, erkennen die beiden Geräte zwar einander, doch wenn ich am Smart-TV die Erlaubnis zum Verbinden anklicke, rödeln beide Seiten eine Weile, dann kommt die Fehlermeldung “Verbindung nicht möglich” – Herr Kaltmamsell wusste abends auch keinen Rat.

Meine Mutter hatte polnisch gekocht: Es gab Steinpilzcremesuppe, dann Kaninchenschenkel, Kopytka (allerdings nach einem anderen Rezept als meinem, ihres erzeugte deutlich flaumigere) und Rote-Bete-Gemüse – alles köstlich.

Mittlerweile war auch hier die Sonne rausgekommen, die gesamte Bruderfamilie (maskiert) holte uns ab zu einem Spaziergang Richtung Osten – in mittelbösem Ostwind. Über industriell bewirtschaftete Felder (an einem frisch gepflügte Feld sahen wir von fern einen Storch und einen Silberreiher) mit Industrieschloten im Hintergrund führten meine Eltern uns zum Himmelreich – jetzt habe ich das auch mal gesehen, liegt gleich vorm Fußballplatz des TSV Mailing-Feldkirchen, ich glaube ich schaue mir vor einer Entscheidung fürs Leben nach dem Tod doch erst nochmal die Hölle an (oder vielleicht ist das ja nur das Himmelreich für Ingolstädter und ich als Münchnerin bekäme im Fall des Falls ein anderes?). Wir begegneten vielen Radlern und Radlerinnen, 90% mit Elektromotor, doch Gegend und Wetter waren nicht verlockend genug für unangenehme Menschenmassen. In den knapp anderthalb Stunden wechselte ich zu Gesprächen mit jedem und jeder mal durch, ich habe jetzt wieder einen kleinen Einblick in das Leben meiner Eltern und der Bruderfamilie (und rede mir fest ein, dass im scharfen Ostwind und mit Abstand kein Aerosol eine Chance gehabt hätte).

Bepackung für meine Heimfahrt war eine Seite heimische geräucherte Lachsforelle von Frau Schwägerin und ein Flasche spanischer Brandy Carlos I. von meinem Vater, die schon so lange auf Einsatz gewartet hatte, dass sie noch in Peseten bepreist war. Mit einem Glas davon stoßen wir in zwei Wochen auf erfolgreichen Umzug an (oder beruhigen uns nach Katastrophen).

Zu Hause half ich Herrn Kaltmamsell, den seit Jahren ungeputzten geerbten Kronleuchter in unserem Bad abzunehmen, damit Herr Putzmann ihn bei seinem Einsatz am Montag vor Umzug ins neue Bad reinigen kann. Ich machte noch eine Runde Yoga, bis ich als Begleitung des Lauch-Flammkuchens aus der Hand von Herrn Kaltmamsell zum Abendessen einen weiteren Avocadosalat mit Grapefruit und diesmal auch einer Blutorange zubereitete.

Journal Samstag, 20. Februar 2021 – Wärmeeinbruch mit Folgen, völlig neuer Brotfehler

Sonntag, 21. Februar 2021

Ausgeschlafen, und das auch noch gut. In zwei Wochen wäre ich schon in der neuen Wohnung aufgewacht.

Draußen entfaltete sich ein herrlicher Sonnentag. Vormittags buk ich Brot (es wurde wieder eine Häusemer Bauerekrume) und strampelte Crosstrainer.

Beim Einschießen des Brots in den heißen Ofen passierte mir ein Missgeschick: Der Teigling rutschte vom Brotschieber auf die offene Ofentür. Ich wurschtelte ihn mithilfe des Schiebers irgendwie auf Backstein mit Backpapier. Das Ergebnis war – denkwürdig. (Und verdient ganz sicher einen eigenen Eintrag unter den Brotfehlern im Plötzblog.)

Von oben.

Von unten.
Aber hey! essbares Brot. (Das Backpapier ließ sich vorsichtig am Stück entfernen.)

Die Kochpläne des Wochenendes machten eine kurz Einkaufsrunde nötig. Das Draußen überraschte mich mit einem Wärmeeinbruch, statt des Ledermantels hätte ein Pulli genügt. Anblicke auf der Runde:
– Krokanten in allen verfügbaren Farben
– Spaghettiträger um nackte Schultern
– nackte Füße in Badelatschen
(Bonus: Wintergoldhähnchen im Nußbaumpark)

Als ich dieses Foto aufnahm, sah ich aus dem rechten Augenwinkel etwas Winziges heranflattern: Ein Wintergoldhähnchen, das ich dann noch ein wenig beim Turnen auf Tannenzweigen beobachten konnte.

Die Straßen und Wege des Glockenbachviertels waren so bevölkert (Eisdielen ZACK! offen), dass ich die FFP2-Maske lieber durchgehend trug, Abstand war praktisch unmöglich.

Frühstück um halb drei: Frische Semmeln.

Jetzt war aber Schluss mit lustig, es gab ja einen Umzug vorzubereiten. Gestern sortierte ich Geschirr und Gläser aus: Es wurden zwei Umzugskisten mit sorgsam in Zeitungspapier eingeschlagenen Dingen – vielleicht mal Teil des ersten eigenen Hausstands der nächsten Generation. Wegzuwerfen gab es auch wieder einiges (ich möchte gerne wissen, wer derart viele leere Schraubgläser für aufhebenswert hielt). Ich genoss es, dass ich während des gesamten Räumens, Sortierens und Hin- und Herlaufens die Balkontür offen lassen konnte.

Abendessen machte ich: Aus dem kleinen Kopf Weißkraut aus Ernteanteil wurden Krautfleckerl nach Österreich vegetarisch (sechste Auflage schon!), diesmal nach Langem mit selbst gemachten Fleckerl. Allerdings hätte ich mal besser meinen eigenen Notizen vertraut, die die “2-3 Esslöffel Wasser” für den Nudelteig eingeklammert hatten. So vertraute ich dem eigentlichen Rezept – und bekam (wahrscheinlich wieder) zu weichen Nudelteig. Auch wenn ich Mehl nachknetete, war der Teig zu klebrig für die Nudelmaschine, ich walkte ihn mit dem Nudelholz auf viel Mehl aus. (Diesmal strich ich die Wasserzugabe im Kochbuch mit Kuli energisch durch).

Abendunterhaltung: Hail Caesar auf 3sat – ich schmiss mich auch bei der synchronisierten Fassung weg. Ich mag den Blödsinn der Brüder Coen schon arg gern, vor allem mit George Clooney als Volltrottel.

§

Das Buch Wir Kinder vom Bahnhof Zoo war in meiner Kindheit und Jugend sehr dominant. Ich entnehme den Medien, dass es als Serie neu verfilmt wurde und derzeit gezeigt wird. Ich bin ziemlich sicher, dass ich es damals las, wohl auf selbst hatte, erinnere mich allerdings nur an wenige Fragmente der Lektüre. Till Raether ist etwa in meinem Alter und lebte als Kind und Jugendlicher an genau den Orten, an denen die Handlung spielt. Er schrieb vergangenes Jahr auf, was eine erneute Lektüre mit ihm machte – und weckte viele Erinnerungen bei mir, obwohl ein Aufwachsen in Westberlin und Ingolstadt sehr, sehr unterschiedlich ist:
“Die große Schwester – Wiederbegegnung mit ‘Wir Kinder vom Bahnhof Zoo'”.

Unter anderem hatte ich vergessen, wie zentral damals die Angst vor den Abrutschen der Kinder in Drogensucht war, das Mitzählen von Drogentoten auf den Titelseiten der Zeitungen. Und wie noch selbstverständlicher Rassismus.

§

Zufall, dass ich auch gestern über eine eigene alte Bloggeschichte stolperte, die mich selbst ans Erinnern erinnerte – an meine Vergangenheit als Handleserin:
“Handlinien”.

Journal Freitag, 19. Februar 2021 – Von Bauchweh bis Freitagabend-Tomahawk

Samstag, 20. Februar 2021

Eigentlich gut aufgestanden, doch als es an den täglichen Bank- und Seitstütz ging, wehrte sich alles in mir (mache ich immer ungern, aber mei). Jetzt erst registrierte ich: Zu den Rückenschmerzen war auch noch Bauweh gekommen, der gesamte Rumpf zwischen Hals, Armen, Beinen fühlte sich wund an. Ein Tag Pause würde meine Muskulatur sehr wahrscheinlich nicht schockschrumpfen lassen, also keine Stützerei.

Das blöde Bauchweh hielt an, vermieste mir den Fußweg in die Arbeit (mild, leichtes Regentröpfeln), im Büro hielt ich mich an Kräutertee fest. Irgendwann im Lauf des Vormittags konnte ich nicht mehr einschätzen, ob das noch Bauchweh oder eher Hungerzwicken war und aß ein paar getrocknete Aprikosen. Zu Mittag traute ich mich an die mitgebrachte rote Paprika (guilty pleasure im Februar, ich weiß) und ein Töpfchen Linsensalat – schien beides dem Bauch gut zu tun.

Pünktlicher Feierabend, ich hatte Einkäufe zu tätigen. Dazu nahm ich eine mittel-leere U-Bahn zum Odeonsplatz (dort Demo mit Abstand gegen Rassismus, gestern jährte sich der rassistische Terroranschlag in Hanau mit neun Toten), spazierte zum Hofbräuhausmühlenladen und besorgte Mehle für Brot. Fürs Abendessen kaufte ich am Viktualienmarkt in der Metzgerzeile (die heißt wirklich so) ein mächtiges Tomahawk-Steak fürs Abendessen.

Kurz vorm Wohnhaus kam mir ein unbekannter Mann entgegen, der mich schon von Weitem anlächelte und dann herzlich grüßte – mit FFP2-Maske schaue ich offensichtlich irgendeiner anderen Frau ähnlich. (Habe natürlich herzlich zurückgegrüßt, ich will ja nicht den Ruf der anderen schädigen.)

Daheim setzte ich erst mal Vorteige fürs Brotbacken am Samstag an, dann war noch Zeit für eine Runde Yoga – wieder anstrengend, nach dem Schweiß der Vortage hatte ich mit etwas Entspannendem zur Abwechslung gerechnet.

Herr Kaltmamsell war von seiner Arbeitswoche fix und fertig (sonst murmelt er in dieser Situation immer das “Die übermenschlichen Anstrengungen der letzten Tage” aus Schtonk vor sich hin – jetzt war er bereits jenseits), ich reichte Negronis an. Während er dann das Tomahawk-Steak briet (er musste den hübschen Knochen absäbeln, damit das Teil in unsere größte Pfanne passte), bereitete ich das zweite Gericht mit den Bio-Avocados aus Málaga zu: Salat mit Grapefruit, den ORF-Anweisungen von Katharina Seiser nach nur mit Salz, Pfeffer, Olivenöl – plus Kresse aus Ernteanteil. (Ich hatte auch gleich die von ihr gezeigte Schälmethode angewendet, funktioniert tatsächlich bei reifen Avocados, wenn auch nicht immer am Stück.)

Dazu gab’s einen Hipster-Wein aus der Bodega Winery On, die nach eigenen Aussagen “Creations” anbieten, nicht etwa Wein (hatte jemand schon “Trauben-Konzepte”?).

Ich hatte das Etikett bei unserem montäglichen Einkauf im Mitte Meer gesehen und im Sinne der Wein-nach-Etikett-Käuferin Frau Brüllen eine Flasche Demuerte mitgenommen. Yecla, so fand ich heraus, ist das kleinste und nördlichste Weinanbaugebiet der spanischen Provinz Múrcia. Der Wein ist eine Cuvée mit 50% der autochtonen Traube Monastrell und erwies sich als gefälliger Spanier mit schönen Beeren und sanften Tanninen. Wir genossen sowohl ihn also auch Fleisch (nein, nicht mal wir schafften das Monster ganz) und Salat.

Nachtrag: Als Abendunterhaltung füllte ich eine weitere Lücke meiner Filmbildung und guckte den Bruce-Lee-Film Enter the Dragon von 1973, deutsch Der Mann mit der Todeskralle – ausgesprochen unterhaltsam, filmerisch durchaus kreativ, ich hatte deutlich Schlimmeres befürchtet.

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Der beste Twitter-Thread zur Rover-Landung auf dem Mars stammt von der Berliner Verkehrsgesellschaft BVG.

(Traurigster Cartoon zum Vorgänger-Rover Spirit von xkcd.)

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Gestern gelernt: Die bildliche Darstellung von Eisbergen auf Stockfotos ist komplett falsch.
Korrekte Bezeichnung wäre also statt “nur die Spitze des Eisbergs” “nur die Seite des Eisbergs”?

Nachtrag 2: Jemand bietet einen Test an – zeichnen Sie hier eine beliebige Eisbergform, wir zeigen Ihnen, wie sie schwimmen wird.

Journal Donnerstag, 18. Februar 2021 – Pandemie killt Oscar-Vorbereitung

Freitag, 19. Februar 2021

Kurz nach fünf von lautem Gespräch unter meinem Schlafzimmerfenster geweckt worden – trotz Ohrstöpsel.

Das Vogelgezwitscher wird ein wenig dichter, aber immer noch hörte ich nur eine Amsel. Dafür sah ich auf dem Weg in die Arbeit (mild!) eine erste Krokusknospe.

Morgens von Arbeitgeber organisierte Teilnahme an einer Studie, die großflächig IgG Antikörper gegen SARS-CoV-2 testet: Abgabe von Blut und einem ausgefüllten Fragebogen.

Mittags gab es ein Stückchen Gurke, Tomaten, Käse und ein Laugenzöpferl, nachmittags eine Orange und Nüsse.

In vor-pandemischen Zeiten waren diese Wochen vor der Oscar-Verleihung meist die, in denen ich viel ins Kino ging, um möglichst viele nominierte (und für mich interessante) Filme zu sehen. Die Academy Awards 2021 wurden auf April verschoben, die Nominierungen werden erst am 15. März bekannt gegeben – und die Filme laufen statt in den geschlossenen Kinos auf Streaming-Plattformen im Fernsehen. Allerdings auf lauter verschiedenen, was meine ohnehin hohe Schwelle für eine Mitgliedschaft weiter erhöht. Ich werde dieses Kino- und Oscarjahr wohl komplett auslassen.

Ohne erkennbaren Anlass fühlte ich mich im Büro gereizt, war über den Feierabend froh.

Auf dem Heimweg war es so mild, dass ich selbst bei meinen empfindlichen Öhrchen keine Mütze brauchte. Im Vollcorner einige Einkäufe, daheim frischte ich meine Sauerteige für wochenendliches Brotbacken auf.

Die Yoga-Einheit entspannte mich nicht ausreichend, ich griff zu Drogen und machte uns Martinis – schon besser.

Herr Kaltmamsell hatte den Ernteanteil geholt, den Rosenkohl darin garte er mit Chillibutter (das Rezept geht seit Wochen durch mein Internet): Schmeckte sehr gut, ich kann mir aber vorstellen, dass die Zubereitung mit dem Blumenkohl des Originalrezepts noch besser schmeckt. Nur das Schüsselchen Rosekohl war uns allerdigs zu wenig, es brauchte Eiscreme und Schokolade zum Sattwerden.

§

Das Techniktagebuch gibt es nun seit sieben Jahren, es steht wieder gesamt zum Download bereit:
“Absolut reibungsloses Nichtfunktionieren: Sieben Jahre Techniktagebuch”.

§

Stimmungsaufheller gefällig?

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/_zdv23bAINM

via @gerdbrunzema

Journal Mittwoch. 17. Februar 2021 – Fastenzeit ohne Fasten-Attraktion

Donnerstag, 18. Februar 2021

Nachdem während der Faschingstage nichts vom Fasching zu sehen war, fühlt sich der Aschermittwoch auch nicht nach Bußtag an. Ebenfalls auffallend abwesend in diesem Seuchenjahr II: Das Thema Fasten, das seit einigen Jahren ein Synonym für Verzicht in den Wochen vor Ostern geworden ist. Nur wenige scheint es nach den Monaten des erzwungenen Verzichts auf so viel Lebensverschönerndes zu drängen, sich das Leben durch freiwilligen Verzicht auf Genüsse schwerer zu machen. Auffallend ja auch der Mangel an Essays von Fasten-Fans, wie Bewusstsein-schaffend die vielen Verzichte der Pandemie-Zeit bislang wirkten, sei es das Party-Fasten, das Theater-Fasten, das Reise-Fasten, das Büro-Fasten, das Restaurant-Fasten oder das Konzert-Fasten.

Ich wachte nach gutem Schlaf kurz vor Weckerklingeln auf, recht frisch.

Der Fußweg in die Arbeit war mild, der Tag zeigte viel Wolkendrama mit überwiegend Grau.

In der Arbeit ging’s rund, um überhaupt zu einer Mittagspause zu kommen, musste ich energisch Telefone auf Anrufbeantworter schalten und die Bürotür schließen.

Über den Vormittag spürte ich den langsam aufsteigenden Muskelkater in Po und hinterem Oberschenkel – wie prognostiziert, aber bei Weitem nicht so schlimm wie befürchtet.

Mittags gab es Hüttenkäse und Granatapfel, nachmittags Nüsse und getrocknete Aprikosen (Eisen!).

Ich sah an der gemeinsam genutzten Einkaufslisten-App, dass Herr Kaltmamsell alles besorgt hatte, nach Feierabend ging ich also direkt nach Hause.

Während Herr Kaltmamsell das erste Gericht aus den direkt gelieferten Bio-Avocados zubereitete, machte ich Yoga.

Nachtmahl dann die beste Guacamole, die ich kenne. Wenn ich mich recht erinnere, war Guacamole das erste, was Herr Kaltmamsell mir je servierte, damals bei dem legendären Poker-Abend vor 28 Jahren – zuvor wusste ich nicht, dass sie stückig gehört und Knoblauch nichts darin zu suchen hat. (Mein Guacamolero!) Dazu teilten wir uns eine Omelett-gefüllte Weizen-Tortilla.

Früh ins Bett, um in Peter Ustinovs Krumnagel zu lesen – arg ausufernd geschrieben, aber mit genügend Tempo gelesen durchaus unterhaltend.

Journal Dienstag, 16. Februar 2021 – Umzugs-vorbereitendes Räumen, nahöstlicher Abend

Mittwoch, 17. Februar 2021

Gut geschlafen, früher als gewollt aufgewacht. Das verschaffte mir aber wieder Gemütlichkeit: Ich hatte Sport vor. Halbes Stündchen Crosstrainer, ein paar Reha-Übungen, dann wagte ich mich mal wieder an ein halbstündiges Rundum-Kraftprogramm mit Hanteln bei Fitnessblender. Ich konnte es bis zuletzt durchturnen, hatte mit Rumpfkraft gar kein Problem, musste aber bei Squats und Ausfallschritten ein wenig langsamer machen. Das wird sehr wahrscheinlich einen monumentalen Muskelkater ergeben.

Besuch! Ich wusste schon gar nicht mehr wie das ist! Na gut, es war eine Wohnungsbesichtigung unserer potenziellen Wunsch-Nachmieter (Freunde, deswegen große Freude über das kurze Wiedersehen – natürlich vollmaskiert).

Gestern ließ ich das Frühstück aus und aß gleich zu Mittag: Kartoffelsuppe vom Vorabend.

Zeitunglesen, dann drängte es mich zu weiterer Umzugs-vorbereitenden Räumerei. Ich entdeckte, dass ich auch lang nach Start dieses Blogs weiter in meinem Tagebuch geschrieben hatte – keinerlei Erinnerung daran. Alte Tagebücher wurden weiter aufbewahrt, alte Taschenkalender 1991-2010 warf ich weg (ich bin recht spät auf elektronischen Kalender umgestiegen).

Weiteres Räumen im Keller. Das Resultat waren zwei Hand voll Wegzuwerfendes, aber auch eine sortierte Kiste mit Renovier- und Umzugsmaterial, darunter zahlreiche Glühbirnenfassungen mit Lüsterklemmen, inklusive altmodischer Glühbirnen, essenziell für die Übergangstage zwischen den Wohnungen.

Die Post brachte einen Tag vor angekündigtem Termin und mit erstaunlich wenig Verpackung ein Kistlein mit Bio-Avocados, das ich bei Crowdfarming bestellt hatte.

Zwei, drei waren essreif, der Rest braucht noch – also genau richtig. Als Nachmittagssnack gab es aber Granatapfelkerne und ein köstliches geschenktes Punschkrapferl.

Internet- und Buchlesen, Telefonate mit meinen Eltern, die ich am Wochenende besuchen möchte.

Eine Yoga-Runde, bevor ich uns das Abendessen holte (Wetter gestern: grau, manchmal ein wenig Regen, sehr mild). Das Servus Habibi ist nicht nur derzeit Foodie-Stadtgespräch, sondern auch gleich ums Eck (mit nahöstlicher Küche im südlichen Bahnhofsviertel praktisch eine Eule in Athen), außerdem sah die Speisekarte verlockend aus.

Ich bestellte erst vor Ort, musste dann natürlich ein wenig warten (und bekam zu meiner Bestellung Getränke geschenkt).

Wir hatten Dukkah Chicken (oben) und Einmal satt bitte! – schmeckte ganz hervorragend und frisch. Die arabischen Brotfladen dazu sind eh ein Renner, es gibt inzwischen in unserem Viertel zahlreiche darauf spezialisierte Kleinst-Bäckereien.

Journal Montag, 15. Februar 2021 – Münchner Innenstadt ohne Fasching

Dienstag, 16. Februar 2021

Nochmal gut geschlafen, früh aufgewacht, dadurch mehr vom Vormittag gehabt.

Während Herr Kaltmamsell rumpelte, werkelte, Buchregale abbaute und koordinierte, recherchierte ich zumindest schon mal ein bisschen nach einem Nachfolgemodell: Zunächst für die eine (!) (\o/) verbliebene Bücherwand im Wohnzimmer wollen wir weiße Bücherregale mit Glastüren, bitteschön so flexibel wie das Paschen-Regal im Flur. Schon am Sonntagabend hatte ich endlich herausgefunden, warum ich keine Paschen-Regale im Web finde: Den Hersteller gibt es seit 2016 nicht mehr. Auf mein Seufzen bei Twitter bekam ich zahlreiche Hinweise auf Anbieter von Buchregalsystemen, manche davon halbwegs flexibel. Doch das Paschen-Paradies, das ganz auf echte Privatbibliotheken ausgerichtet war, ist bislang keiner. Ich erinnere mich von meiner letzten Paschen-Recherche, dass es dort sogar Doppelregale voreinander gab, die vorderen Regale wie Türen schiebbar, um an die hinteren Bücher ranzukommen. Und dann rede ich mir möglichst überzeugend ein, dass wir uns die bei der neuen Miethöhe eh nicht hätten leisten können.

Der Tag begann mit Sonne, in die ich bei einer Stunde Crosstrainer-Strampeln guckte. Ich bekam sogar zwei Eichhörnchen geboten. Dabei hörte ich endlich eine BBC-Show von vergangenem Sommer:
“Michael Spicer: Before Next Door”.
Zu meiner Überraschung war das nicht etwa ein Interview, sondern ein halbstündiges Hörspiel mit allen Schikanen. Und der Schikane, dass die Schikanen thematisiert wurden. Sehr meta das Ganze, aber Spicer hat offensichtlich verstanden, wie man das Niederreißen der vierten Wand für Komik verwenden kann. (Gibt es bei Hörspielen eine spezielle Bezeichnung für die “vierte Wand”?)

Dann zog der Himmel allerdings zu. Zum Frühstück gabe es würzige Kichererbsen vom Vorabend und ein Stück Käse, dann machte ich mich mit Herrn Kaltmamsell auf Putzmann-Flucht (wir hatten ihn noch abgepasst und mit ihm unsere Putzwünsche vor und nach dem Umzug abgesprochen): Wir spazierten in Plusgraden zum Ostbahnhof, um bei Mitte Meer Spanisches einzukaufen. Zentraler Punkt der Einkaufsliste: Pimentón de la vera dulce. Denn mittlerweile bekommt man in vielen Münchner Feinkostläden spanischen Pimentón de la vera, also das typische geräucherte Paprikapulver, allerdins nur das scharfe; wir verwenden aber auch oft das milde.

Rückweg über Pariser Platz, Gasteig, die komplett verbaustellte Ludwigsbrücke. Auf dem leeren Viktualienmarkt besorgte ich Regensburger fürs Abendessen, sie sollten Teil einer Kartoffelsuppe werden. Weil noch Zeit war, spazierten wir durch die fast menschenleere Fußgängerzone weiter zum Stachus.

Typoliebe.

In der Neuhauser Straße vier schreiend laut kostümierte Maschkera, die vergnügt sprangen und riefen – ohne den davor knienden Fotografen hätte das ganze tatsächlich nach Fasching und Rosenmontag ausgesehen.

Eisiges Brunnenbuberl.

Daheim gab’s als Snack ein Laugenzöpferl und Orangen. Auf dem Bett mit Füßehoch (das war dann doch ein fast dreistündiger Gang gewesen), schaute ich mir endlich in der arte-Mediathek eine lange vorgemerkte Doku über Ton und Tonschnitt im Film an:
“Making Waves: The Art of Cinematic Sound”.
Sehr interessanter historischer Überblick mit Statements namhafter Stars (Regiegrößen wie George Lucas, Steven Spielberg, David Lynch, Barbra Streisand, Ang Lee, Christopher Nolan, Sofia Coppola und Ryan Coogler) und Meistern des Sounddesigns wie Walter Murch (Apocalypse Now), Ben Burtt (Star Wars) und Gary Rydstrom (Der Soldat James Ryan). Mich hätten durchaus noch weitere konkrete Beispiele interessiert, doch aber solche Erklärfilmchen mit erstaunlicher Expertise gibt es ja auf YouTube.

Eine Yoga-Runde, dann kochte ich Abendessen: Nach dem elaborierten Rezept des Herrn Kaltmamsell vom Vorabend nun das Kontrastprogramm schlichte Kartoffelsuppe (Kartoffeln und Karotten aus Ernteanteil, statt Gemüsebrühe “Würzel” aus der Kartoffelkombinatsküche).

§

Die Soziologin Agnès de Féo hat für eine Langzeitstudie 200 Musliminnen in Frankreich befragt, warum sie trotz des Verbots von Vollverschleierung seit 2010 Gesichtsschleier tragen. Mit für mich unerwarteten Ergebnissen:
“Rebellinnen hinter dem Schleier”.

§

Die niederländische Eiskunstläuferin Linden van Bemmel, die in Amsterdam auf der geforenen Gracht vor ihrem Haus eiskunstlief – ein Foto von ihr auf instagram, und eine Zuschauerin hat das auch auf Film festgehalten.


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