Journal Freitag, 11. Februar 2022 – Tag der kleinen Aufregungen und Freuden

Samstag, 12. Februar 2022 um 8:04

Schlaf ok und nur zweimal unterbrochen, aber um fünf war Ende. Ich schloss das Schlafzimmerfenster zu einem verregneten Morgen.

Gemütlicher Tagesanfang. Herr Kaltmamsell arbeitet freitags ganz von daheim aus, ich bin gewohnt, dass er ‒ spät für seine Verhältnisse ‒ gegen sechs aufsteht. Doch gestern blieb sein Zimmer dunkel. Ich freute mich für ihn, dass er so lang und tief schlafen konnte, versuchte leise zu sein, hängte im Nebenzimmer die Wäsche der programmierten Waschmaschine möglichst geräuschlos auf. Doch als es nach meinem Duschen und Anziehen auf halb acht zuging und ich immer noch nichts von ihm hörte oder sah, begann ich mir Sorgen zu machen, denn das war noch nie, nie vorgekommen. Bevor ich das Haus verließ, sah ich also nach ihm; als ich mich auf sein Bett setzte, kam in den regungslosen (!) Körper in der Deckenwurst Bewegung und ein völlig desorientiertes Gesicht sah mich an. Also keine Umplanung des Tages nötig.

In greislichem Regen ging ich unter meinem großen Schirm in die Arbeit.

Das Wetter kriegte sich schnell ein, schon am Vormittag brauchte ich Rollos gegen Sonnenlicht.

Zu Mittag gab es Sahnequark mit Joghurt, außerdem Orange. Die Lendenwirbelsäule deutete Zicken an, ich merkte es an hoher Frequenz des Impulses, am Schreibtisch zwischen Stehen und Sitzen zu wechseln.

Den Heimweg trat ich noch bei Tag und in echtem Sonnenschein an, legte ihn über Einkäufe bei Vollcorner. Als ich die golden beleuchtete Kirche St. Paul passierte, sah ich hoch, ob ich die dort beheimateten Falken sehen würde. Nichts, wäre auch ein zu großer Zufall gewesen. Doch beim Weitergehen hörte ich deutlich “WIWIWIW!!” und drehte nochmal um: Da waren sie, zwei Stück an den Türmen, am Himmel! Ich freute mich sehr. (Und war irritiert, als sich der dritte dazwischen schwebende Vogel als Drohne herausstellte.)

Und dann sah ich in den Vorgärten um die Theresienwiese auch noch Schneeglöckchen, abendgeschlossene Krokanten, einen Märzenbecher – ich kam sehr fröhlich nach Hause.

Daheim räumte ich erst ein wenig, steckte die neuen Hand-und Badetücher, die am Vortag eingetroffen waren, zur Erstwäsche in die Maschine; ihre Vorgänger, die uns fast 20 Jahre abgetrocknet haben, sind dann doch fast durchscheinend und an manchen Stellen löchrig.

Eine Folge Yoga, machbar und mit fast durchwegs vertrauten Bewegungsabläufen.

Luftschlösser gebaut: Ich tat so, als würde ich übers verlängerte Faschingswochenende nach Brighton fliegen und recherchierte alles dafür bis kurz vorm Klick auf “Buchen”. SEUFZ.

Herr Kaltmamsell hatte das Nachtmahl vorbereitet. Ich steuerte Cocktails bei, es hab nach sehr Langem mal wieder klassische Martinis.

Abendessen waren geschmorte Short Ribs mit cremiger Polenta, dazu machte ich Salatherzen mit Aioli. Als Wein öffnete ich eine Flasche nordspanischen Albariño Marisa (passte nicht ganz, bekam in dieser Kombination eine süße Note).

Ich erzählte von meinen Arbeitsabenteuern der Woche, Nachtisch Süßigkeiten.

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Im Literaturmagazin Granta 157, Should we have stayed at home? New travel writing, stieß ich in der Geschichte “Primitive Child” von Jason Allen-Paisant über seine Kindheit auf Jamaica auf eine kluge Erkenntnis.

Learning a language is the closest thing to becoming somebody else.

Die Erzählung ist ohnehin lesenswert und steht gesamt online zur Verfügung.

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Emma Thompson reflektiert über ihre Körperlichkeit als Frau um die 60 – zwischen einer 22-jährigen Tochter und einer 89-jährigen Mutter:
“Emma Thompson on living in a woman’s body: my daughter thrums with life, my mother is frail – and I’m balanced between”.

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Die tatsächliche Spaltung der Gesellschaft, über die niemand spricht: Schuhanlass- und Schuhausziehwohnungen. Hier die Polemik einer Anlasserin.
“Here’s Why I’ll Be Keeping My Shoes on in Your Shoeless Home”.

(In dieses Wespennest hatte ich ja vor zehn Jahren auch schon mal gestochen: “Schuhausziehwohnungen”. Allerdings käme ich nicht auf die Idee, mich der Bitte um Schuhausziehen zu widersetzen.)

die Kaltmamsell

3 Kommentare zu „Journal Freitag, 11. Februar 2022 – Tag der kleinen Aufregungen und Freuden“

  1. Sonni meint:

    Was spricht gegen eine Reise nach Brighton? Halb Europa wird an dem Wochenende beim Skifahren sein, wenn ich nur könnte, würde ich Brighton wählen.

  2. Neeva meint:

    Also nach einer Weile gehe ich auch nachgucken, ob mein Mannsvolk noch atmet/nicht zu krank zum aufstehen ist.
    Ich fühle mich von den Comics sehr verstanden.

  3. FrauZimt meint:

    Hihi, jetzt habe ich den halben Vormittag mit interessiertem Lesen der 10 Jahre alten Schuhausziehdebatte zugebracht, das Thema spaltet ja offenbar noch heftiger als Rosenkohl.

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