Archive for 2025

Journal Dienstag, 2. September 2025 – Highlight Friseurbesuch

Mittwoch, 3. September 2025

Unterbrochene Nacht: Mehrstimmiges Streitgebrüll aus dem Nußbaumpark weckte mich in den frühen Morgenstunden trotz Ohrstöpseln, ich schloss das Fenster, konnte aber nicht mehr richtig einschlafen und beendete das ganze deutlich vor Weckerklingeln. So stand ich zu stockfinsterer Nacht auf und zu Regenrauschen. Ein Blick auf den Regenradar bewahrte mich vor Gummistiefeln für den Marsch in die Arbeit: Genau zu dieser Zeit fielen die vorerst letzten Tropfen eines Regengebiets, ich traf nahezu trocken im Büro ein.

Arbeitsvormittag mit Unannehmlichkeiten, Mal wieder Dank an die Vergangenheits-Kaltmamsell, die der Heute-Kaltmamsell alle Dokumente und Infos für eine anstehende Aufgabe hinterlegt hatte (keinerlei Erinnerung daran).

Das Wetter weiter unwirtlich, die Zeit knapp, also Mittagscappuccino nur bei Nachbars mit anschließender Obsteinkaufsrunde.

Als Mittagessen gab es eine Banane, Hüttenkäse und viele Zwetschgen: Herr Kaltmamsell hatte einen Ferienmontag genutzt, um zu meinen Eltern zu fahren und von deren Baum die besten Zwetschgen zu ernten, die ich kenne. Auch diesmal war ich völlig umgehauen vom Aromareichtum, der durchaus mit der Frische der Früchte zusammenhängen mag – Zwetschgen schmecken einfach wie kein andere Obst (am ehesten noch wie Pflaumen, ok). Und nur eine war wurmig! Vielleicht werden die wurmigen schneller reif, meine Mutter hatte von den vorher geernteten zwei Drittel wegwerfen müssen.

Unruhiger Arbeitsnachmittag, aber es wurde draußen wieder heller. Früherer Feierabend als im Durchschnitt, ich hatte einen Haarschneidetermin (diesmal gleich beim vorherigen Friseurtermin gebucht, das war eine gute Idee) und wollte in dem jetzt wieder trockenen Wetter und unter blauen Flecken am Himmel zu Fuß hingehen. Ein wenig verkalkulierte ich mich, ich musste ein ausgesprochen zackiges Tempo vorlegen und kam auf die Minute pünktlich, aber reichlich verschwitzt an. Auf dem Heimweg noch kurzer Stopp in der Änderungsschneiderei, in der ich den Riss einer sehr gemochten Tunika hatte reparieren lassen.

Dem Mann, der sich mir auf dem letzten Stück meines Heimwegs am Nußbaumpark schwankend in den Weg stellte, “Haben Sie 80 Cent für mich für was zum Essen” (?), hielt ich NICHT entgegen: “In der Zeitung is gstandn, dass es Sie gar nicht GIBT!”

Zu Hause eine Runde Yoga, erst sportlich, dann eine Atem-Einheit mit Armen, so mag ich sie besonders gern.

Haarschnitt festgehalten: Ich war zufrieden.

Fürs Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell eingefrorene Spitzkrautblätter aufgetaut und verarbeitete sie zu ausgesprochen schmackhaften Krautwickerln (ich zwinge ihn immer noch, der Version meiner polnischen Großmutter, also mit Hackfleisch-Reis-Füllung und in Tomatensauce, so nah wie möglich zu kommen).

Die Küche klebte ein wenig: Herr Kaltmamsell hatte den Tag dort verbracht und die vielen Kilo Zwetschgen vom Baum meiner Eltern verarbeitet in Latwerge, Armagnac-Zwetschgen, Einfrieren.

Nachtisch Kekse und Schokolade, Abendunterhaltung eine Folge Mad Men. Früh ins Bett zum Lesen.

Journal Montag, 1. September 2025 – Arbeitsalltagserdrückung

Dienstag, 2. September 2025

Frühmorgens beim Finalisieren des Blogposts gemerkt, dass ich am 31. August das Sammeln meiner Lieblings-Microblogging-Posts des Monats vergessen hatte. Erst Schmerz, dann Erleichterung: Rechtzeitiges Drandenken hätte mich am Sonntagabend vor erstem Arbeitstag noch mehr gestresst.

Auch mal loben: Die Urlaubspause meines Süddeutschen-Abos funktionierte diesmal problemlos. Ich konnte die Online-Wochenend-Ausgabe sogar noch am Sonntagabend lesen (bislang war ich gewohnt, dass der Zugriff Samstagabend endete), und am Montagmorgen war wie bestellt wieder die Papier-Ausgabe im Briefkasten.

Am Schreibtisch verabschiedete ich mich gleich mal von der Illusion, mit voller Kraft loszulegen: In EINER WOCHE Abwesenheit hatten sich so viele Computer-Updates angestaut, dass ich erstmal 45 Minuten dem “Installieren”-Rädchen von zehn Programmen und einem Neustart zusah.
Die nächste Illusion platzte beim Öffnen meines E-Mail-Postfachs: Am Vorabend war mir nur ca. die Hälfte des Posteingangs angezeigt worden, ich sah mich vor einigen Überraschungen, mir war gleich mal schlecht. Zumal in den ersten beiden Stunden immer neue E-Mails aus der Vorwoche erschienen.
Dazu passte gut, dass die Telefon-Software mehrere ausgehende Anrufe am Morgen behauptete, die ich nie getätigt hatte.
(Vielleicht wurde ich ja im Urlaub durch ein Computer-Progamm ersetzt und man hat es mir nur noch nicht gesagt?)

Was soll’s, von sowas zahle ich meine Miete. Auf meinen Mittagscappuccino ging ich nur schnell zu Nachbars – doch die sonnige Luft war unter gemischtwolkigem Himmel so herrlich Wander-perfekt, dass ich mich bereits am ersten Arbeitstag eingesperrt fühlte (noch sieben Jahre).

All die Unruhe trieb mich aber nochmal raus: Mittags marschierte ich einmal um den Block. Mittagessen später am Schreibtisch: Harte, vom Schimmelstellen befreite Flachpfirsiche, außerdem Mango mit Sojajoghurt.

Emsiger Nachmittag, ich kam voran. Zu Feierabend hatte der Himmel zugezogen, es war kühl geworden. Auf dem Heimweg Lebensmitteleinkäufe, zu Hause Yoga.

Das Nachtmahl bereiteten wir gemeinsam zu: Herr Kaltmamsell briet knusprige Panisse und schmorte Tomaten aus Elterns Garten an (nach Vorbild Rosebar in Wien), ich machte Salatherzen mit Knoblauchjoghurt und roter Paprika an.

Nachtisch Schokolade, Abendunterhaltung Einstieg in die zweite Staffel Mad Men.

§

Mit gewisser Entgeisterung las ich den gestrigen Lokal-Aufmacher der Süddeutschen Zeitung:
“Erfolgsprojekt in der Innenstadt
Der Nußbaumpark ist wieder ein Ort für alle”.

Verträgliches Miteinander statt sozialer Brennpunkt: Die Grünanlage in der Innenstadt hat sich zum Positiven verändert.

Anscheinend hat sich in der Woche unserer Urlaubsabwesenheit ein Wunder ereignet (wogegen allerdings der nächtliche laute Streit und das Gebrüll bis in die Morgenstunden sprechen). Oder ich missdeute seit vielen Monaten die wachsenden Gruppen krawallierender und offensichtlich zugedröhnter Menschen, denen ich täglich um meinen Wohnort am Nußbaumpark begegne. Werden vielleicht die Leute auf den Stufen von St. Matthäus, vor der Marien-Apotheke, um den Brunnen der Tram-Schleife Sendlinger Tor nicht mitgezählt, weil das nicht Nußbaumpark im eigentlichen Sinn ist? Sie sehen mich ratlos.

(Der Spielplatz wurde übrigens all die Jahre durchgehend rege genutzt. Das neue Klohäusl allerdings leuchtet immer rot und außer Betrieb, wenn ich daran vorbeikomme.)

§

Hunde-Tanz-Show, sehr niedlich.

via @kid37

Ich bin ganz bei Kommentatorin @shouserrr: “Nobody told me this was an option at career day.”

Lieblings-Breviloquia* August 2025

Montag, 1. September 2025

Ja mei, sorry, ich hab sie gestern vergessen und war deshalb ein bissl weniger gestresst vor erstem Arbeitstag nach Urlaub.

Ernte auf Mastodon:

Und Bluesky:

*siehe

Journal Sonntag, 31. August 2025 – Sommermorgenlauf und Besuch aus Florida

Montag, 1. September 2025

Eine Nacht mit geschlossenem Fenster: Menschenlärm im Park und auf der Straße vor meinem Schlafzimmer hätte mich sonst auch mit Ohrenstöpseln wach gehalten.

Weckerwecken: Um bei den Plänen des Tages zu meiner ersehnten Laufrunde zu kommen, musste ich den Morgen durchgetaktet nutzen – der herrlich wolkenlos sonnig begann.

Es war noch ausgesprochen frisch, als ich um acht das Haus verließ, aber allein schon die Sommerfarben wärmten mich. Ich lief gut und leicht, nur mein Bauch schmerzte immer wieder: Ich war sehr froh um das schicke Klohäusl am Marienklausensteg.

Immer wieder verdächtig bunte Flecken in den Laubbäumen und -büschen: Es ist Spätsommer, der Herbst rückt uns auf die Pelle.

Daheim zackige Körperpflege, kurz vor elf saß ich in Sommerkleid und Sandalen im Zug nach Augsburg. Dort trafen wir bei den lieben Schwiegers nämlich auf Besuch: Die befreundete Verwandtschaft aus Florida beehrt Europa wie in so manchem August (wenn nämlich Flaute/Pause ist im eigenen Catering-Unternehmen), ich freute mich sehr über die Möglichkeit für ein Treffen in bei Augsburg.

Da die beiden Herren am Vortag in der Augsburger Innenstadt vergeblich nach einem Weißwurstfrühstück gesucht hatten, boten ihnen die Gastgeber eines.

Auch ich genoss es: Ich mag Weißwürscht eigentlich, es ergeben sich nur nie welche. Außerdem auf der Wunschliste des Besuchs: deutsche Torte. Dafür fuhren wir nach Königsbrunn ins Café Müller, eine Legende.

Hier bekam ich Flockentorte mit Preiselbeeren – selten im Repertoire von Konditoreien, und diese war wirklich ganz besonders gut. Der Nachmittag verging schnell über Austausch von Erinnerungen und Berichten aus Trump-USA: Trotz Beteuerungen, man versuche positiv zu bleiben und es werde schon wieder besser werden, war allen die Dramatik einer weiteren Großmacht auf dem Weg in die Autokratie klar.

Zurück nach München fuhren wir nicht allzu spät: Ich wollte vor dem ersten Arbeitstag meine Arbeits-E-Mail checken, in der Hoffnung auf ruhigeren Nachtschlaf. Auf unserem milden, sonnigen Balkon loggte ich mich also ein – und mühte mich arg mit der Fernversion von Outlook, weil unglaublich unübersichtlich. Aber ich konnte mich schonmal auf einen Querschläger am Montag einstellen.

Abendbrothunger hatte ich auch: Herr Kaltmamsell nutzte den Linsenrest vom Vorabend für ein Spaghettigericht mit frischen Tomaten. Nachtisch Zwetschgenkuchen und Schokolade.

Im Bett neue Lektüre: Das vorgemerkte Ein anderes Leben von Caroline Peters stand in der Münchner Stadtbibliothek bereit. Ich war sofort drin, die Schauspielerin Peters kann so schreiben, dass ich sie verstehe, zum Beispiel:

Beide Schwestern waren plötzlich wütend auf mich. Mein Gesicht war anscheinend mal wieder in Großbuchstaben unterwegs gewesen.

Journal Samstag, 30. August 2025 – Zurück zu Routine-Samstag

Sonntag, 31. August 2025

Gut geschlafen, nur einmal von einem Rumbrüller vorm Schlafzimmerfenster rausgerissen worden.

Nach Bloggen mit Milchkaffee und Ingwertee wirbelte ich noch eine Weile haushaltlich, bevor ich zu meinem Tagessport loskam: Schwimmen im Dantebad. Das Wetter war als durchwachsen angekündigt, es sollte auch regnen – ich ließ das Fahrrad lieber stehen und nahm die U-Bahn.

Semmelkauf beim Stiglmaierplatz diesmal auf dem Hinweg noch vor elf, um mir etwas größere Auswahl als nach eins auf dem Rückweg zu sichern.

Die Sammelumkleide im Dantebad war schonmal vielversprechend wenig genutzt. Schwimmen ähnlich wenig gestört unter wechselndem Himmel, ich bekam also auch immer wieder Sonne auf meinen 3.300 Metern.

Schon am Freitag hatte sich abgezeichnet, dass Feldhamster und Eichhörnchen auf dem Wiener Zentralfriedhof nicht die einzigen Viecher waren, mit denen ich zu tun hatte: Auf meiner Haut blühten Mückenstiche, und nicht zu knapp. Gestern zeigten sie sich in ihrer ganzer Juckigkeit an Armen, Beinen, Hals.

Frühstück um halb drei: Semmeln, Zwetschgenkuchen, Trauben.

Wenigstens die Münchenteile der Süddeutschen der Woche las ich nach: Diese Infos finden mich im Gegensatz zu Deutschland- und Weltpolitik nicht so einfach auf anderen Kanälen.

Mehr Häuslichkeiten: Ich bügelte alle, was sich bügeln ließ, und sei es noch sehr feucht vom Wäscheständer (um das Kleidungsstück dann nur wenig weniger feucht zurückzuhängen).

Mehr Lesen, jetzt aber Roman und mit oft sonniger Aussicht.

Parallel bat ich auf Mastodon um Hilfe bei Recherche um das einzige Foto, das wir vom biologischen Vater meiner Mutter haben. Ich bekam tatsächlich Informationen, denen ich nachgehen kann. (Nach einer Weile, in der ich mich wieder beruhigt habe.)

Die Reportage im SZ-Magazin über Zwangsarbeiterinnenkinder hatte mir klargemacht: Dadurch dass meine polnische Oma sich weigerte, einen Antrag auf Entschädigung zu stellen (“Leck mi am Oasch, will i nix zu tun haben” als meine Mutter sie seinerzeit darauf ansprach), wurde sie nicht offiziell erfasst. Das erschwert jede Recherche nochmal.

Schöne Runde Yoga, eine anstrengende Folge.

Zum Nachtmahl bekam ich Linsen (!): Herr Kaltmamsell baute die im Meiselmarkt erworbenen geselchten Schweineripperl ein, das machte sich sehr gut. Nachtisch Zwetschgenkuchen und Schokolade.

Wir sahen die letzte Folge Mad Men der ersten Staffel an, mit wirklich überraschendem Knaller am Ende (wenn auch rückblickend genügend Hinweise dagewesen waren).

Im Bett las ich endlich (in Wien war ich kaum zum Lesen gekommen) Ottessa Moshfegh, Eileen von 2015 aus. Na ja, ein erzähltechnisch interessanter Versuch, mit der Schilderung eines zentralen Ereignisses durch geballtes Foreshadowing die Jahrzehnte Leben danach zu berichten, mit der Perspektive der alten Frau auf ihr Leben als 24-Jährige. Doch in meinen Augen las sich das arg angestrengt (da nach über einem Drittel das zentrale Ereignis noch nicht mal ansatzweise eingetreten war, kalkulierte ich sogar ein, dass außer Foreshadowing gar nichts passieren würde), die Details, vor allem die äußeren, wiederholten sich irgendwann.

Journal Freitag, 29. August 2025 – Unwillige Heimkehr nach München

Samstag, 30. August 2025

Schon am Vorabend spürte ich heftigen Abschiedsschmerz, ich wollte wirklich nicht weg aus Wien. Zum einen wegen heftiger Wienverliebtheit. Zum anderen war es SO großartig gewesen, sechs Tage voller Input zu bekommen: Anblicke, Wetter, Wind, Menschen, Gespräche, Informationen, Zusammenhänge – Verarbeitungsfutter für viele Wochen. Das mit der Erholung und Entspannung durch einfaches Blödschaun muss ich woanders lernen, meine Aufmerksamkeit springt einfach immer auf Spannendes an.

Gestern war der Wecker auf früh gestellt, unser Zug fuhr um halb neun vom Wiener Hauptbahnhof ab. Wir verließen die Ferienwohnung rechtzeitig für einen gemütlichen Morgenkaffee im Bahnhof, rollkofferten zur U-Bahn in überraschend warmer Luft: Schon vor acht brauchte es keine Jacke.

Pünktliche Abfahrt, ich machte mich an den Blogpost über vorgestern (in meist stabilem WLAN). Vor uns saß eine Vierergruppe junger Spanierinnen, die viel Spaß miteinander hatten – ich hätte mich mehr mitgefreut, wenn sich die beiden mit Rückenlehnen zu mir beim Lachen nicht immer in ihre Sessel geworfen hätten.

Vorm Fenster verabschiedete sich bald der Sommer.

Auf der Fahrt sahen wir aber auch Sonne und blauen Himmel. Außerdem große Vogel-Show: Auf einer Wiese vier Störche, auf einer anderen mindestens ein halbes Dutzend Silberreiher, in der Luft Falken, Bussarde, Milane.

Beim Ausstieg in München war es wärmer als erwartet, und wir kamen trocken heim.

Kurze Einkaufsrunde in München und noch ein Punkt auf der Liste #Wienliebe: In der Wiener Innensstadt gibt’s schon auch Ladenleerstand. Aber dort leben nicht in 80 Prozent der Türbuchten dieser Läden Obdachlose – die Stadt scheint sich besser um sie zu kümmern.

Frühstück um halb drei: Körnersemmeln mit Butter/Tomate, Butter/Hagebuttenmarmelade, außerdem Pfirsichrettungsessen. Mit der jüngsten Crowdfarming-Bestellung einer Kiste Flachpfirsiche hatten wir nämlich Pech: Erst wurde der Liefertermin um vier Wochen in unseren Urlaub verschoben, zum Glück war meine Mutter da. Doch dann stellten sich die Früchte bei Ankunft als hart, unreif und angeschimmelt heraus. Ich bat meine Mutter um Lagerung im Kühlschrank, mal sehen, wie viel davon wir essen können.

Gleich danach eine Backrunde. Wenn ich Croco schon dazu terrorisiert hatte, das beschwärmte Zwetschgenkuchen-Rezept ihrer Mutter zu bloggen, musste ich es natürlich umgehend ausprobieren:
Zwetschgenkuchen mit Marzipan nach dem Rezept von Mama Croco.

Ich hatte weniger Zwetschgen benötigt (mit ca. 1,2 Kilo war die Form voll), der Kuchen duftete köstlich.

Lesen auf dem Balkon, dessen Bepflanzung meine Mutter verschönert hatten. Dann endlich wieder Yoga, ich startete das 30-Tage-Programm “Move” von Adriene.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Shakshuka mit Knoblauch von der spanischen Familie. Dazu öffneten wir die Flasche abenteuerlichen Uhudler aus Wien:

Schmeckt uns beiden! Ein trockener Wein, und die spezielle Note, vor der man uns gewarnt hatte, ist durchaus zugänglich. Da hatten wir schon schwerer vermittelbares im Glas. Als Erdbeer würde ich den Geschmack allerdings nicht beschreiben. Jetzt würden wir gerne weitere Uhudlers probieren, um Typisches von Speziellem unterscheiden zu können. Inzwischen weiß ich auch aus Kommentaren im Internet, dass es sowohl Uhudler Wermut gibt (die verlinkte Website erzählt die besondere Geschichte der Rebsorte) als auch Uhudler Frizzante.

Nachtisch Zwetschgenkuchen (der beim Abkühlen viel Wasser gezogen hatte und instabil geworden war, lag wahrscheinlich an den sehr reifen Früchten), schmeckte gut. Dann Schokolade aus Wien.

Abendunterhaltung zwei Folgen Mad Men.

§

Bald wird die liberale Synagoge in der Münchner Reichenbachstraße nach aufwändiger Restaurierung wiedereröffnet. In der taz beschreibt Dominik Baur ausführlich den Weg dorthin und die eng mit München verbundene Geschichte des Bauwerks sowie der Menschen hinter der Restaurierung:
“Licht im Hinterhof”.

§

Zum Zeitunglesen kam ich in dieser Urlaubswoche gar nicht. Doch der Mastodon-Kanal des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit wies auf einen Artikel im gestrigen SZ-Magazin hin, der mich sehr interessierte (€):
“Das dunkle Erbe der Zwangsarbeiter”.

Millionen Menschen wurden im Zweiten Weltkrieg zur Zwangsarbeit aus ganz Europa nach Deutschland verschleppt. Ihre Geschichten waren lange vergessen, dabei hat sich ihr Schicksal tief eingegraben: ins Land und in das Leben der nächsten Generation. Eine Spurensuche.

(Ich behielt beim Lesen halbwegs die Contenance. Den Boden unter den Füßen zog mir dann allerdings der Titel des Projekts “Trotzdem da” weg: Meine Mutter ist als Kind einer Zwangsarbeiterin aus der verbotenen Beziehung zu einem Zwangsarbeiter nur deshalb trotzdem da, weil der Überlieferung nach eine Einheimische sie als ihr Kind ausgab; es gibt ein Foto, von dem meine Mutter vermutet, dass es diese “Pflegemutter” zeigt.)

Journal Donnerstag, 28. August 2025 – Wien 7 mit restlichem Wien Museum, WürstelWurstelprater, Zentralfriedhof

Freitag, 29. August 2025

Ein wenig unruhiger Schlaf, der Alkohol. Wir standen auf zu einem echten Hochsommertag, der nicht nur sonnig war, sondern auch bis zum frühen Nachmittag mit über 30 Grad richtig heiß werden sollte – zwar wirklich nicht meine liebste Temperatur, aber da ich wusste, dass es in München zur gleichen Zeit 19 Grad hatte und regnete, wir am Freitag sehr wahrscheinlich ins Herbsteln heimfahren würden, sog ich alles Sommerliche an diesem Tag auf, als Vorrat bis nächstes Jahr.

Vielstündiges Bloggen (die VG-Wort-Ausschüttung bringt mich nicht mal in Sichtweite von Mindestlohn), dann starteten wir den eigentlichen Urlaubstag. Plan war ein Fertiggucken des Wien Museums: aus Ordentlichkeitsgefühl, aus Interesse an der Geschichte Wiens von 1900 bis heute – und weil der Eintritt nichts kostet.

Wieder spazierten wir zu Fuß hin und erlebten unterwegs Wien-Dinge.

Rustensteg über die Gleise zum Westbahnhof.

Herr Kaltmamsell führte zum Frühstück einen kleinen Punschkrapferltest durch, allerdings nur mit zwei Exemplaren (Josef Schrott, Aida).

Unseren Weg legten wir diesmal über den Naschmarkt, um wenigstens durchgegangen zu sein: Tatsächlich ohne samstäglichen Bauernmarkt so wenig attraktiv wie inzwischen bekannt.

Der empfohlene Urbanek sah aber wirklich einladend aus – nehmen wir uns beim nächsten Wien-Urlaub vor.

Das Wien Museum starteten wir auch diesmal mit Ausblick von der Terrasse und Mittagscappuccino, dann gab’s viel Spannendes zu Wien im 20. und 21. Jahrhundert.

Auch dieser Teil der Dauerausstellung gefiel mir sehr gut: Stadtgeschichte wurde in Verbindung mit Nationalgeschichte und Weltgeschichte gesetzt, hervorragende Quellen illustrierten Entscheidungen, Auswirkungen, Verlauf. Methodisch besonders interessant fand ich den Raum zur Gegenwart: Hier gab es Bildschirme, auf denen Wiener Fachleute Entwicklungen wie EU-Osterweiterung, Einwanderung, Klimawandel in Wien erklärten, außerdem standen auf Schienen an der Wand herausnehmbare Täfelchen mit Fotos, deren Rückseiten Schlaglichter auf Themen wie Wohnsituation oder sich verändernen Arbeitsmarkt warfen: Hier kamen Wienerinnen und Wiener zu Wort.

Es ging auf halb drei zu, wir setzten uns wieder in den Park für mein Frühstück: Joghurt und Zwetschgen. Selbst im Schatten war es jetzt heiß, der deutliche Wind brachte mit seiner Wärme kaum Kühlung.

Abends waren wir verabredet, aber bis dahin hatten wir noch Zeit, mal im Prater vorbeizuschauen: Wir versprachen uns nicht viel davon, wollten ihn aber mal gesehen haben. Und um möglichst viel Wien mitzunehmen, gingen wir zu Fuß hin.

Badeschiff auf dem Donaukanal.

Der WürstelpraterWurstelprater war durchaus besucht, er klimperte und dudelte, in der Soundkulisse immer wieder die Juchzer von Menschen in Fahrgeschäften.

Herr Kaltmamsell lud mich auf eine Riesenradfahrt ein.

Unsere Verabredung mit zwei vertrauten Wienern war am Zentralfriedhof, dorthin brachten uns die angenehm verlässlichen Wiener Öffis (Regionalbahn, U-Bahn, Bim). Große Wiedersehensfreude, es war viel Herzens und Küssens. Die beiden zeigten uns einen Abschnitt des jüdischen Friedhofs (Grüße an die Torbergs), ich konnte einem der beiden, Experte für zeitgenössische Stadtplanung Wiens, manche Frage stellen, die in den Tagen zuvor aufgekommen war.

Besuch auch bei diesem Bau der Familie Ephrussi. Wir spazierten zum Bereich mit den Ehrengräbern.

Dieses von Hedy Lamarr gefiel mir (hinter mir die Peinlichkeit des Grabes von Udo Jürgens).

Die eigentliche Attraktion war allerdings das aufziehende Friedhofsfest (Open-Air-Konzert Nachklang), das bereits aufgebaut war und dessen Sound-Probe von einer beeindruckend großen Bühne weite Teile des Friedhofs mit Austro-Pop aus verschiedenen Epochen beschallte.

Mir fiel ein, dass auf dem lang nicht mehr betriebenen Alten Südfriedhof in München selbst Picknicks aus Gründen der Pietät untersagt sind, Wien hat dafür offensichtlich eine völlig andere Definition.

Eine weitere Überraschung: Hamster, und nicht nur einer (genauer: Feldhamster), unglaublich niedlich.

Zweiter Teil der Verabredung: Die Wiener hatten einen Tisch im Gasthaus Stern reserviert, dorthin brachte uns die Bim.

Im Innenhof eines alten Wohnhauses saßen wir in sehr warmer Luft und aßen ausgezeichnet.

Diese Vorspeise hatte als “Alpencalamari fritti” auf der Karte gestanden, und sie meinten diese Servierform von Kalbskutteln genau so.

Als Hauptspeise bekam ich zu meinem Gemischten Satz (diesmal einer vom Weingut Kroiss und eher leichter) Kärntner Kasnudeln, wunderbar. (Vorsatz aber für den nächsten Besuch dort: Wild, der Wirt erlegt es selbst.) Als Nachtisch bestellte ich eine Cremeschnitte – hatte mir eigentlich etwas anderes vorgestellt:

Doch dieser saftige Blätterteig mit Sahne und etwas Vanillecreme gefiel mir sehr gut.

Das eigentliche Unterhaltungsprogramm aber die Gespräche mit den beiden Herren. Wir konnten sie auch nach dem Essen fortsetzen, in der U3 zurück in die Innenstadt saßen wir fast die gesamte Strecke zusammen.

Als Letztes vor dem Zu-Bett-Gehen erreichte mich die Nachricht vom Tod einer Mitabiturientin: Mit ihr hatte ich alle 13 Jahre meines Schullebens verbracht, sie kam aus demselben Stadtviertel Ingolstadts. Auch wenn wir nie eng befreundet waren, kannte ich ihre Eltern, deren Wohnung mit Porzellanfigürchen, deren Fragilität mit durchbrochenen Ballettröckchen mich sehr faszinierte, ihren Wellensittich. Auch wenn ihr Tod nach vieljähriger, brutaler Krebserkrankung absehbar war, machte mich die Nachricht traurig.