Wandern

Journal Samstag, 19. September 2026 – Verschiedene Oktoberfestwunder, vor allem aber Wandern am Tegernsee

Sonntag, 20. September 2026

Ausgeschlafen, parallel zum Bloggen Kuchen gebacken, nämlich Zwetschgenkuchen aus den sauren Früchten vom Markt.

Dem Oktoberfest-Start wollte ich sehr gern durch eine Wanderung ausweichen, und zwar den Tegernseer Höhenweg ab Gmund und über Galaun, wie beim letzten Mal. Doch diesmal wanderte ich die Tour ohne Herrn Kaltmamsell, der weiterhin orthopädisch unpässlich ist.

Mit den festeren, neuen Wanderstiefeln: Zum einen, um sie weiter einzulaufen, zum anderen stellte ich mir gerade für steile Passagen harte Sohlen nützlich vor. (Für Wanderstöcke bin ich ja leider zu blöd.) Es war herrliches Wetter mit Höchsttemperaturen wenig über 20 Grad angekündigt. An sich hatte ich ja kalten Regensturm fürs erste Oktoberfest-Wochenende bestellt, aber wenn ich den nicht kriegte, war perfektes September-Wanderwetter das Nächstbeste.

Allerdings hing bis gestern morgen in der Luft, ob ich statt Wandern nicht eine Kaffee-Verabredung mit einer Durchreisenden haben würde. Doch als WhatsApp still blieb, machte ich mich fertig – sogar besonders zackig, weil ich nach dem Kuchenbacken die Chance sah, einen früheren Zug zu erwischen. Schminken ließ ich einfach weg; nicht dass ich mich ungeschminkt unansehnlich fühle oder so, es gehört lediglich zu meinem Draußen-Ich. (Gerade bei Gesprächen über plastische Chirurgie oder weniger invasive Eingriffe mit Ziel Verjüngung des Äußeren merke ich: Ich bin dermaßen einverstanden damit, wie ich aussehe und dass man mir mein Alter ansieht, dass ich zu zweifeln beginne, ob ich mich in unserer Gesellschaft überhaupt als Frau bezeichnen darf.)

Überraschung über ein weiteres Oktoberfestwunder auf dem Weg zu meinem Zug am Starnberger Flügelbahnhof: Die breite Passage in der Bahnhofshalle wurde wiedereröffnet. Jetzt sorge ich mich weniger um die Oktoberfest-Menschenmassen dort.

Der Zug war voll, aber nicht übervoll, im Zugteil zum Tegernsee musste niemand stehen. Ich bekam eine Auseinandersetzung mit, weil Passagiere Sitze reservierten für Leute, die auf der Strecke zusteigen würden; ein anderer Passagier akzeptierte das nicht und setzte sich auf einen dieser Plätze: In der Regionalbahn gebe es keine Reservierungsmöglichkeit, wer zuerst komme, habe halt einen Sitzplatz. (Ich schwanke in meiner Meinung dazu.)

Ankunft im Idyll Gmund.

So lang vom Bruckerl geschaut, bis ich eine Forelle entdeckte – und was für eine mächtige!

Gelassenes Loswandern, tiefe Atemzüge in herrlicher Luft. Für die Strecke brauche ich inzwischen keine Beschreibung oder Schilder. Es waren viele weitere Wanderer unterwegs, ganze Familien, außerdem reichlich Elektro-Radler*innen.

Hinter Gmund lautes Muhen: Die Rinder rechts von der Straße muhten laut zu den kleineren Rindern links – die allerdings völlig ungerührt waren.

Erstes Ziel: Der Käseautomat. Ich kaufte einen Camembert und ein Stück – *checks Kühlschrank* – Hirschberger.

Mittagscappucino und Klobesuch am Bahnhof Tegernsee.

In ruhigem Tempo wanderte ich weiter, zweigte vom Höhenweg nach links hoch Richtung Galaun.

Dieser Weg war sehr ruhig: Über eine halbe Stunde davon sah und hörte ich keinen anderen Menschen. Jetzt kam ich richtig zur Ruhe und intensiven Wanderfreude, war tief dankbar für die Körpertüchtigkeit, die mir das ermöglichte – ich werde sie nie als selbstverständlich empfinden.

Kleine Eintrübung: In den festen Wanderstiefeln wurden meine Zehen immer wieder taub, fühlten sich beengt an, schmerzten dann auch. Was mir ein Rätsel ist, nachdem ich sie doch vor dem Kauf doch so gründlich getestet hatte.

Das Berggasthaus Riederstein am Galaun war gut besucht, beim Abstieg zurück zum Tegernseer Höhenweg begegnete ich auch regelmäßig anderen Wandersleuten.

Die markante Silhouette des Wallbergs. Zu weit oben, um auf dem Foto sichtbar zu sein: Zwei Dutzend Paraglider, die wie ein Stubenfliegeschwarm den Gipfel umkreisten.

Kurz vor halb drei setzte ich mich auf ein Bankerl zur Brotzeit: ein riesiger, köstlicher Apfel, ein Stück von Herrn Kaltmamsells Geburtstags-Marmorkuchen.

Dooferweise endet diese Wanderung mit einer Stunde die viel befahrene Uferstraße entlang (darauf eine Protzauto-Dichte wie auf der Münchner Leopoldstraße), vor dem nächsten Mal suche ich intensiver nach einer alternativen Strecke. Zwar gibt es außer im Winter auch eine Wasserverbindung per Fähre von Rottach-Egern nach Tegernsee, doch ich wollte halt gehen.

Wallberg, Rottach-Egern, Tegernsee, Kaltmamsell.

Durchaus verstörend diesmal oben auf dem Höhenweg: Zweimal musste ich meine Ohren wegen LALÜ! zuhalten. Auch das der Verkehrssituation zwischen Rottach-Egern und Tegernsee geschuldet: Da gibt es nur die eine Straße, die gerade mal so Platz hat zwischen Berg und See.

Sehr auffällig: Meine LWS muckte überhaupt nicht, an keiner Stelle, bei keiner Bewegung. Gehen -> gut. Aber halt auch Sitzen -> schlecht: Schon nach einer halben Stunde im Zug (wunderbares Timing, er fuhr elf Minuten nach meiner Ankunft am Bahnhof ab, genug Zeit, um noch bequem einen Sitzplatz zu bekommen) stach es wieder böse vom Kreuz bis ins Bein. Hin und wieder muss ich aber sitzen!

Strecken-Statistik: Gut fünf Stunden mit zwei Pausen, laut Schrittzähler gut 17 Kilometer und mehr als 100 Stockwerke.

Angenehme Zugfahrt zurück, gegenüber saßen eine Frau und ein Mann in Wanderkleidung, nur wenig älter als ich, und unterhielten sich freundlich, zugewandt, interessiert, tief und lang verbunden, waren aber ganz klar kein Paar – so dass mir zum einen das Herz aufging, ich sie zum anderen als liebende Geschwister einsortierte. Und gern gewusst hätte, ob ich richtig lag, doch eine Nachfrage wäre viel zu aufdringlich gewesen.

Nächstes Oktoberfestwunder: Die Baustellen-Unterbrechung der U6 war aufgehoben. Ich konnte schon am Harras aussteigen und eine U-Bahn heim zum Sendlinger Tor nehmen (darin überraschend wenig Oktoberfest-Cosplayer*innen, vielleicht hat sich die Wiedereröffnung der U-Bahn-Linie noch nicht rumgesprochen). Ich kam streichfähig entspannt zurück, Ausruhen auf dem sonnigen Balkon.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den Spaghettikürbis aus Ernteanteil, er testete ein Rezept mit Speck-Sahne-Sauce (das ich nie “Carbonara” nennen würde, drohendes Einreiseverbot nach Italien).

Und siehe da: Damit hat der geschmacksneutrale, lediglich als Textur interessante Kürbis meiner Ansicht nach seine Bestimmung gefunden, er ist das perfekte Gegengewicht zur schweren Sauce. Künftig also kein Augenrollen mehr, wenn der Ernteanteil Spaghettikürbis bringt. Als Wein öffnete ich den letzten Rosé im Bestand, Pittnauer Dogma – weiterhin ein ein Liebling.

Beim Lesen im Bett ließ ich das Fenster noch offen, ließ die Geräusche von Oktoberfest-Passant*innen herein, die Musik-Bedudelung der Rikschas. Zum Schlafen musste ich das Fenster natürlich schließen. Dieses Jahr kann ich ja dann herausfinden, ob Oktoberfest die Brüllerei im Park verstärkt oder mindert. All for science.

Journal Sonntag, 13. September 2026 – Wandern über die Ratzinger Höhe

Montag, 14. September 2026

Weckergeweckt, denn ich hatte Pläne: Wandern mit Freundin auf dem Obst- und Kulturwanderweg Ratzinger Höhe. Und vorher wollte ich gebloggt haben.

Das dauerte dann doch etwas länger als geschätzt, was zu ausgesprochen zackigem Tempo beim Vorbereiten auf die Wanderung führte.

Draußen war es bewölkt, aber halbwegs mild. Schon beim Marsch zum Zug stellte sich heraus, dass ich so genau richtig gekleidet war.

Der Rest in Fotos – weniger als sonst, denn die nächsten Stunden war ich mit anregendsten Gesprächen mit der Freundin beschäftigt: Familie, Lektüren, Kunst, Reisen, Berlin, Erwerbsarbeit, Körper, Altern, Kleidung, Kulinarik in Düsseldorf und München, Aussicht, Neurodivergenz – unter anderem. Tiersichtungen unter anderem: Kühe in Ställen, Kühe auf Weiden, Falken, Bussarde, Gänse, Hühner, Schwalben.

Prien

Einer von vielen, vielen reich behangenen Apfelbäumen (dazu kamen Birnenbäume und Zwetschgenbäume, ein Quittenbaum).

Links der Priener Weinberg.

Inzwischen ja eigentlich eine Serie: Fotos von weggen Dingen. Heute: wegges Wegkreuz.

Blick von der Ratzinger Höhe auf den Chiemsee. Hier machten wir um halb eins Brotzeit; ich hatte Apfel und Zwetschgen dabei.

Diese Apfelsorte sollte Aurora heißen.

Körper völlig problemlos, nach gut viereinhalb Stunden waren wir zurück am Priener Bahnhof. In der Wartezeit auf den Zug zurück wurde ich noch auf einen Cappuccino eingeladen (die Bäckerei am Bahnhof ist auch am Sonntag geöffnet!). Auch diesmal wirkte der Trick, sich in Prien ganz ganz hinten an den Bahnsteig zu stellen: Die letzten Wagen des langen, langen und überfüllten Zugs aus Salzburg hatten noch freie Plätze – nebeneinander!

Die Gesprächsthemen reichten locker noch für die Fahrt nach München – und darüber hinaus.

In München setzte gerade Regen ein, doch ich kam lediglich etwas angefeuchtelt daheim an. Überraschung beim Ausziehen: nach Langem mal wieder Wanderkrätze an den Unterschenkeln.

Telefonat mit meiner Mutter, eine Runde Yoga – die ruhige Folge mit hauptsächlich Dehnungen war gestern genau das Richtige. Vorbereitung des Arbeitsmontags mit vorheriger Schwimmrunde.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell wie angekündigt Ernteanteil-Mangold mit Linsen und Nudeln (aus Familientradition reichte ich eingelegte Peperoni zu den Linsen an). Nachtisch Schokolade.

Journal Samstag, 29. August 2026 – Wie man einmal am Viktualienmarkt richtig nett zu mir war / Wandern von Gauting über Starnberg nach Possenhofen

Sonntag, 30. August 2026

Okaye Nacht, aber müde aufgestanden – zumindest zum versprochenen wolkenlosen Sonnenschein mit kühler Luft, zu kühl für Morgenkaffee auf dem Balkon. Was wiederum wunderbar zu meinen Wanderplänen passte (Herr Kaltmamsell musste wegen doofer körperlicher Unpässlichkeit passen).

Erstmal kümmerte ich mich ums Brotbacken. Der Teig fürs Roggenmischbrot 70/30 entwickelte mords Aktivität, ich befürchtete bereits Übergare und Flachbrote mit Wasserrand.

Ging im Ofen aber nochmal auf –

und erwies sich beim Anschnitt am Abend als sogar besonders fluffig.

Vor Aufbruch zum Wandern ging ich auf eine kurze Einkaufsrunde zum Viktualienmarkt: Ich wünschte mir nach dem Wandern zum Abendessen eine Brettlbrotzeit, dann halt daheim, und für Exotisches wie Presssack zwingt mich das Metzgersterben der vergangenen Jahre in der Innenstadt zur Metzgerzeile.

Aufstieg ans Sendlinger Tor.

In der Metzgerzeile konnte ich meine Einkaufsliste leerkaufen, und wenn ich schonmal da war, schaute ich auch nach einem Gartenblumenstrauß.

Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich kein gutes Verhältnis zum Münchner Viktualienmarkt habe: In meinen ersten München-Jahren hat man mich einmal zu oft ‘pratzelt (Hochdeutsch: übers Ohr gehauen), und in den vergangenen Jahren gibt es immer weniger interessante Stände, der Markt wird wie seine internationalen Pendants Boqueria in Barcelona und Borough Market in London von der Quelle für gute und saisonale Zutaten immer mehr zur Snackeria für Touristen. Und das zu den legendär absurden Preisen, die auf dem Viktualienmarkt aufgerufen werden (gestern kam ich an Renekloden mit Preisschild 16,99 Euro fürs Kilo vorbei).

Doch ich fand das Standl einer lokalen Gärtnerei (auf der Freifläche ohne hölzerne Hütten – dorthin gehe ich eh noch am ehesten auf der Suche nach saisonalem Obst und Gemüse), daran viele Kübel mit frischen Astern in Rosa- und Lilatönen, hier stellte ich mich hinter die eh nur zwei Kunden vor mir. Und bekam ein so charmantes Viktualienmarkt-Erlebnis wie noch nie. Nach mir kam erstmal niemand, Herr Standler und Frau Standlerin konzentrierten sich ganz auf mich.

Gebunden war erst ein Asternstrauß, weil ich doppelt so viele wollte, band mir Frau Standlerin meinen frisch: “I tua Eana des ganze Grüne glei weg, des is doch sonst immer so a Sauerei in da Küch.” Und wir plauderten, über ihre Freude, hier mit ihrem Onkel zu arbeiten, über die schönen Astern, die dieses Jahr wegen der Hitze nicht so hoch wuchsen wie sonst, über Anbau und Wetter. Während mein Asternstrauß sorgfältig und mit Hingabe gebunden wurde, kam eine greise Kundin hinzu und schaltete sich ein, fragte nach Details der Standl-Arbeit seit Jahrzehnten, bekam gutmütge Antworten, es wurde mit einem Passanten über die Schönheit von Standler*innen und Kundschaft gescherzt.

Resultat: Ich bekam einen mächtigen, wunderschönen Strauß Astern, in den Herr Standler noch eine Karotte steckte, ein paar beim Binden abgefallene Asternköpfe (“Kenna’S in ara Schale tua.”) eigens in Zeitung eingewickelt und den Abschiedsgruß “Beehren’S uns bald wieder!”, der von Herzen klang. Ich war völlig verwirrt. (Und plane tatsächlich einen baldigen gezielten Einkauf dort.)

Als Wanderziel wünschte ich mir die Strecke Gauting-Starnberg, die ich noch nicht aus dem Hochsommer kannte, mit Erweiterung Prinzenweg nach Possenhofen. Zur passenden S-Bahn nach Gauting schaffte ich es nach Abladen meiner Einkäufe nur durch zackigen Marsch; die paar Minuten Verpätung kamen mir grad recht. Merke: Wenn in der MVG-App “München Hauptbahnhof, Gleis 2” angegeben ist, handelt es sich um den S-Bahnhof im Untergeschoß; die Gleise des südlichen Flügels Holzkirchner Bahnhof starten bei Nummer 5.

Das Wanderwetter war perfekt mit Sonne und lediglich milder Temperatur. Dennoch suchte ich auch gut sonnengecremt den Schatten. Der Körper beschwerdefrei, die Landschaft sonnenbunt. Dennoch dauerte es diesmal sehr lange, bis mir das Wandern half runterzukommen, eigentlich spürte ich erst in der letzten Stunde ab Starnberg die ersehnte Leichtig- und Fröhlichkeit.

Dieser GPS-Track führt ja erstmal eine ganze Weile durch Gauting selbst, hat mir ganz bezaubernde Schleichwege verraten.

Man kreuzt ein paarmal die Würm auf Holzbruckerln. Auf einem blieb ich stehen und suchte in der Würm nach Fischen (erfolgreich), als eine andere Bruckerl-Guckerin mir zurief: “Da sitzt ein Eisvogel!” Ich folgte ihrer ausgestreckten Hand und sah ihn von einem Ast auffliegen. Wie wunderbar! Ich dankte herzlich – so macht man das nämlich, man gibt besondere Sichtungen weiter (ich war verunsichert gewesen, weil ich schon mehrfach irritierte Blicke darauf geerntet hatte).

Reismühle

Verzauberter Weg entlang der Würm. Ich sah eine Weile einer Wasseramsel zu, die an einem bemoosten Ast herumpickte, dabei entzückend knickste.

Weg von der Würm Richtung Leutstetten, erster Blick auf den Starnberger See, einst Würmsee.

Nach gut zwei Stunden erstes Ausruhen auf einem Bankerl an der Villa rustica; Appetit hatte ich noch keinen. Über den Wiesen hörte ich erst und sah dann zwei Bussarde Thermik-kreisen.

Unterführung nach Perchta, am Uferweg nach Starnberg.

Hier war reger Besucherverkehr, aber noch weit vor Überlaufenheit. Dennoch bekam ich für meinen verspäteten Mittagscappuccino keinen Platz am Tisch (zugegeben: weil ich mich nirgends dazusetzen wollte).

Hoch zum Prinzenweg, Blick zurück auf Starnberger See im Sommerlicht.

Brotzeitblick, kurz nach drei setzte ich mich zur großen Pause. Die geschenkte Karotte hatte ich gleich eingesteckt; eigentlich vertrage ich seit einiger Zeit rohe Karotten nicht und bekomme Bauchweg davon, doch in meinem Grant beschloss ich, es einfach nochmal zu probieren. Wenn ich davon Bauchweh bekam, geschah es mir gerade recht, und der Hunger wäre trotzdem weg, und wenn nicht – umso besser. Ich greife vor: kein Bauchweh, ich könnte es also mal wieder versuchen. Außerdem aß ich mitgebrachte Mango mit Sojajoghurt.

Prinzenweg

Nach den Birkengeschwistern, die mir vor vielen Jahren beim ersten Vorbeiwandern von der Maisinger Schlucht aufgefallen waren, hielt ich gezielt Ausschau: Sie wirkten sehr krank, wie so viele Birken dieses Jahr. Dabei wirkte die Landschaft, durch die ich gestern wanderte, gar nicht ausgedörrt.

Nach knapp fünf Stunden Wanderung kam ich am S-Bahnhof Possenhofen an. Einige durchgesagte Zug-Ausfälle (Weiche, Stellwerk, Diesdas), doch nach einer halben Stunde Warten fuhr mich eine zurück nach München. Ich fühlte mich gut durchbewegt und angemessen körpermüde.

Zu Hause Räumen, Körperpflege, bis Herr Kaltmamsell von letzten Einkäufen zurück kam. Wir einigten uns als Alkohol des Abends auf Cuba libre, der mich wieder beim ersten Schluck in mein Jugend-Spanien beamte.

Den Abendessenstisch deckte ich mit einem Teller verschiedener Käsen, einem Teller Pressack rot und weiß, Schweinskopfsülze, schwarzgeräuchertem Schinken, frischem Brot, Butter, Tomaten. Sehr gutes German Abendbrot.

Abendunterhaltung: Die Dolly-Parton Doku “Everybody’s Darling” in der arte-Mediathek.

Journal Samstag, 8. August 2026 – Brighton 8 mit Southdowns-Wanderung und Ginger Pig

Sonntag, 9. August 2026

Ein weiteres Mal gut und lang geschlafen (nur einmal Klogang), davon verspreche ich mir am meisten Erholung in diesem Urlaub. Wieder zu ausgesprochen frischer Luft aufgestanden.

Tagesplan war eine Wanderung in den Southdowns, davor Wäschewaschen, abends feines Essen im örtlichen Restaurant Ginger Pig – für das wir bei den vorherigen Versuchen nie einen Tisch bekommen hatten.

Herr Kaltmamsell hatte aus dem von vieler Nutzung bereits zerfledderten Wanderbüchl, das unsere Southdowns-Wanderungen inspiriert hatte, die Strecke vorgeschlagen, die meiner (höchst unzuverlässigen) Erinnerung nach vor gut 20 Jahren unsere allererste gewesen ist: Von Falmer über Stanmer, ein Stück Southdowns Way bis Ditchling Beacon und die Runde zurück. Das machten wir.

Das kurze Stück rauf nach Falmer ließen wir uns vom Zug bringen, Bus hätte es auch gegeben. Dort wollte sich Herr Kaltmamsell erstmal umsehen: In Falmer liegt die University of Sussex – nicht zu verwechseln mit der University of Brighton -, in der er 1990/91 sein Auslandsstudienjahr verbracht hatte. Natürlich hatte sich viel verändert, unter anderem hat jetzt auch die University of Brighton in Falmer Gebäude, allerdings auf der anderen Seite der Bahnlinie. Aber Herr Kaltmamsell erkannte Vieles wieder.

Alumnus mit Alma Mater.
“Red Brick” University ernst genommen.

Jetzt wanderten wir rüber nach Stanmer durch Stanmer Park – wie auch den Rest des Tages in perfektem Wanderwetter mit Sonne, frischem Wind, keinerlei Hitze. Und ich merkte schnell, wie gut mir Wandern tut, auf einer richtigen Wanderstrecke mit Auf und Ab, Aussichten und Abwechslung.

In Stanmer, einem hübschen und touristisch gut erschlossenen Örtchen, nutzten wir die Gelegenheit für Mittagscappuccino.

Das mittlere Drittel der Strecke führte den Southdowns Way entlang – und erinnerte mich an meine Wanderung vergangenen September, als das die (geistig) eher ermüdenden Abschnitte waren.

Ab Ditchling Beacon wurden die Ansichten und Aussichten wieder reizvoller.

Die Brombeerbüsche hingen voller reifer Früchte, nach zwei Stunden hatte ich auch Appetit darauf.

Auf einem kruden Bankerl (lehnenlose Holzplatte) mit dieser Aussicht machten wir nach zweieinhalb Stunden Brotzeitpause, ich aß gemischte Röstnüsse und eine Nektarine.

Nach gut dreieinhalb Stunden Wanderung erreichten wir den Bahnhof von Falmer, wo wenige Minuten später ein Zug nach Brighton eintraf.

Bei Rückkehr in die Ferienwohnung trank ich erstmal ein großes Glas Wasser – und sah beim Schuhe-Ausziehen, wie dreckig ich auf der Wanderung geworden war. Also zog ich das Frischmachen fürs abendliche Ausgehen vor, duschte und zog mich um – seltener Fall von Ganzkörper-Einseifen.

Gemütlicher Lesenachmittag, bis wir uns auf den längeren Fußweg raus nach Hove und zum Abendessen machten.

Im Ginger Pig verbrachten wir einen schönen Abend mit angenehmen Speisen und Getränken.

Aperitif ein Kirsch-Manhattan und ein Yuzu-Wodka-Drink, beide sehr gut.

Vorspeisen: Für mich eine Schnitte Panisse mit Babaghanoush, Tahini, Chillis (schon gut, nur schmeckte ich leider nichts vom Panisse), Herr Kaltmamsell hatte eine ausgezeichnet abgeschmeckte Makrelen-Paté.

Als Wein wählte ich aus der interessanten Karte mit vielen glasweisen Angeboten einen ungarischen Furmint (die Rebsorte habe ich mehrfach im Münchner Broeding getrunken):

Voll und kräftig, leicht animalisch und mineralisch, ein guter Begleiter.

Hauptspeisen: Für mich Meerbrasse (wunderbar) mit gebratenen Trauben und Gnocchi (letztere hätten für meinen Geschmack lieber frisch gekochte Frühkartoffeln sein dürfen), für Herrn Kaltmamsell ein Pie mit Füllung aus Pökelschwein und Räucherkäse, er schmeckte ihm sehr gut.

Als Dessert teilten wir uns eine frisch gemachte Tarte tatin.

Satt und angetrunken schlenderten wir durch die warme Samstagnacht und viel Ausgeh-Volk auf den Straßen, in der Außengastronomie und in den Lokalen die Dreiviertelstunde zurück in die Ferienwohnung.

Journal Donnerstag, 6. August 2026 – Brighton 6 mit Wanderung nach Worthing und Food for friends

Freitag, 7. August 2026

Lang geschlafen, das war schön.

Das Programm für gestern: Brightons Nachbarstadt Worthing kennenlernen, und da ich gesehen hatte, dass es dorthin nur 16 Kilometer sind, es sogar einen ausgeschilderten Wanderweg “England Coast Path” gibt, gingen wir zu Fuß.

Der Tag begann ausgesprochen frisch, ich bloggte mit Jacke. Doch die angekündigten Sonne und Wolken bei 21 Grad Höchsttemperatur versprachen ideales Wanderwetter, wir starteten fröhlich um zehn mit der ersten Teilstrecke hinunter ans Meer, ich trug auch hier gegen die Frische unter 20 Grad Jeansjacke. Unsere Recherchen hatten bereits ergeben, dass wir ein gutes Stück stark befahrene Straßen entlang gehen würden – egal, Abenteuer.

Und so wurden das auch vier anregende Stunden Wanderung – ja, darunter eine Stunde durch das Hafenindustrieviertel von Shoreham und seine Hauptstraße entlang, aber hey, alles anders als bei uns in Bayern. Danach gingen wir noch anderser, nämlich einen Uferweg vorbei an wunderbar vielfältigen Ferienhäusern und Strandhütten. Wir blickten immer wieder hinter uns, und schnell war klar, warum diese Wanderung im Web fast ausschließlich in die Gegenrichtung Worthing-Brighton auftaucht: Dabei hat man die ganze Zeit das malerische Brighton und die markanten Kreidefelsen der Küste östlich davon im Blick, inklusive Seven Sisters.

Startfoto muss immer der West Pier sein.

Hove.

Auch Industrieviertel bieten Fotomotive.

Am Ende der Hafenanlage von Shoreham-by-Sea führte der Fußweg über zahlreiche Schleusen.

An einem Trockendock vorbei.

Das lange Stück die Straße entlang endete an einer viel genutzten Fußgängerbrücke zum Kiesstrand:

Selfie Time! (Ich vermisse meine Sonnenbrille sehr, und weil fehlsichtig, kann ich mir nicht einfach eine kaufen.)

Nach gut zwei Stunden machten wir Pause auf einem Bankerl, ich aß ein paar Aprikosen.

An einem Eiswagen holte sich Herr Kaltmamsell ein 99 Flake – seit Jahren Gegenstand von Diskussionen über steigende Preise, in der Juli-Hitzewelle berichtete die Daily Mail von 6 Pfund für ein Softeis mit kleinem Schokoriegel. Herr Kaltmamsell kam mit 3,50 Pfund noch gut weg.

Ankunft in Worthing nach vier Stunden, andere Städte haben auch Amusement Piers! Dieser hier sogar besonders gut gepflegt.

Blick zurück nach Brighton.

Jetzt brauchte ich aber doch etwas zu essen. In den hübschen Sträßchen von Worthing setzten wir uns kurz vor drei in ein Café.

Vor mir ein ausgezeichneter Mushroom Melt, in der weichen Käseschicht aromatische Senfkörner.

Zurück nach Brighton nahmen wir einen Bummelzug, der uns mit einer Vielzahl von Zwischenhalten überraschte – die Strecke kam uns viel länger vor als zu Fuß.

Ausruhen und lesen in der Ferienwohnung, bis wir uns fürs Abendessen fertig machten: Ich hatte in unserem Lieblingsrestaurant Food for friends reserviert.

Wir aßen wieder sehr gut, gestern gab es nur ein Durcheinander im Service – wir vermuteten Personalknappheit (Vorspeisen serviert vor dem Aperitif, lange Wartezeiten, Dessert-Karte angeboten vor dem Hauptgang, andere Gäste mussten Besteck von Nebentischen mopsen, weil sie zum nächsten Gang keines bekamen). Da wir sonst alles unverändert vorfanden, inklusive der Freundlichkeit, war das sicher eine Ausnahme.

Vorspeisen: Herr Kaltmamsell hatte Preserved Lemon Butterbeans (mit einer Salzzitronen-Pinien-Sauce), ich gegrillte Feigen auf Ziegenfrischkäse und Sauerteigtoast, zwischen uns der Favorit knuspriger Tofu mit einem sensationellen Dip. Dazu trank Herr Kaltmamsell einen Cocktail mit Rum, Campari, Ananassaft, ich hatte einen Sussex Spritz, der sich nur durch Ingwer von unserem Hugo unterschied.

Hauptspeisen zu einem Glas leichten italienischen Chardonnay: Bei Herrn Kaltmamsell gefüllte Champignons mit Kartoffelgratin und Brokkoli, ich hatte eine Auberginen-Parmigiana.

Als Nachtisch Ananas-Tarte-tatin gegenüber, für mich baskischer Käsekuchen mit Pistaziensauce.

Und trotz der Wartezeiten wurde uns nicht langweilig: Von unserem Fensterplatz aus sahen wir reichlich Menschen in immer abendlicherem Outfit.

§

In Brighton spazierte ich dieser Tage an einer Frau vorbei, die einen Kinderwagen schob, darin ein Kind von ungefähr einem Jahr. Das Besondere: Diese Frau interagierte intensiv mit dem Kind, das zu ihr gerichtet in dem Wagen saß. Sie sang ihm ein Lied vor, animierte es zum Mitsingen, stellte ihm Fragen (in normalem, interessierten Tonfall, nicht in singender Mit-kleinen-Kindern-sprech-Stimme), erklärte ihm Dinge. Das war für mich so ungewohnt, dass mir nur einfiel: Muss eine Kinderbetreuerin sein, die sowas von Berufs wegen macht, eine Nanny. Denn ich kenne Kinderschiebfrauen, die ich für Mütter des geschobenen Kindes halte, nur entweder schweigend in Gedanken versunken, oder meistens telefonierend respektive bei anderer Beschäftigung mit ihrem Handy.

§

Es weist alles darauf hin, dass es nach 20 Jahren nochmal eine Bloglesung in München geben wird:
“It Ain’t Over Till it’s Over”.

Also dann: 24. Oktober im Münchner Boxwerk.
(Gerüchte besagen, dass Frau Klugscheißer diese Cyd-Charisse-Nummer nachtanzen wird – WENN sie genug sangesfreudige Boxer zusammenkriegt.)

Journal Sonntag, 19. Juli 2026 – Tatsächlich gewandert von Kirchseeon nach Ebersberg

Montag, 20. Juli 2026

Genügend und recht gut geschlafen, früh aufgewacht.

Das Wetter gab nochmal Balkonkaffee her (warm angezogen), aber der Himmel dräute sichtlich. Die Aussichten für unsere Wanderung waren entsprechend durchwachsen, aber wir hielten an unseren Plänen fest. Und wenn es wieder so schüttete wie vor einem Jahr am Starnberger See – würden wir halt wieder die Wanderung abbrechen.

Die Routenwahl fiel in Anbetracht von Wetteraussichten und einem leicht angeschlagenen Herrn Kaltmamsell (am Freitag Fuß umgeknickt) auf die kurze Strecke Kirchseeon-Ebersberg mit Option auf Erweiterung über Aussichtsturm zurück nach Kirchseeon. Lange Wanderhose, Schirmmütze, die Superduper-Wanderregenjacke gleich angezogen.

Der Regen setzte wenige Sekunden vor unserer Ankunft am S-Bahnhof Kirchseeon ein. Und prasselte erstmal so abschreckend, dass wir unterm Bahnsteigdach warteten. Doch zum Glück ging’s dann: Während der ersten Stunde regnete es immer wieder, aber nichts, was Schirmmütze und Wanderjacke nicht in den Griff bekommen hätten. Danach riss der Himmel sogar auf, kein Abbruch nötig.

Sie sehen vor allem altbekannten Motive, hier waren wir (und ich allein) schön öfter.

St. Coloman am Rand von Kirchseeon.

Entdeckung auf dem Spielplatz neben dem Kirchseeoner Feuerwehrhaus: Ein Spielzeug-Feuerwehrauto!

Wie absolut großartig! Ich dachte sofort an die Dampflokomotive auf einem nahen Spielplatz meiner Kindheit, die uns zu zahllosen Spielen inspirierte. Es handelte sich um eine ausrangierte echte Lokomotive, die lediglich ein wenig verletzungsgesichert worden und bunt angemalt worden war. Abgesehen davon, dass sie heutigen Sicherheitsstandards als Spielgerät ganz gewiss nicht genügen würde (zurecht): Ihre Originalgröße schränkte unsere Spielmöglichkeiten auch ein, wir waren zu klein für das Riesending.

Ganz anders dieses runterdimensionierte Feuerwehrauto: Es muss sensationell sein, damit Feuerwehr zu spielen!

Hinter Forstseeon regnete es wieder ein wenig. Aussicht hätte es eh nicht gegeben, weil Mais-Monokultur.

Egglburger See mit viel Wassergeflügel.

Weiherkette Ebersberg

Herr Kaltmamsell fand eine kurze Alternative zur großen Erweiterung: Lediglich Abstecher zum Aussichtsturm Ebersberg, auch die Allee mit Gedenkplaketten für örtliche Gefallene im Ersten Weltkrieg konnte ich ihm so zeigen.

Er entdeckte ein Radfahr-Bataillon.

Ich eine Eisenbahnbetriebs-Kompanie.

Im Aussichtsturm.

Blick vom Aussichtsturm nach Ebersberg.

In Ebersberg kehrten wir wie geplant im Eiscafé am Marktplatz ein um zu frühstücken.

Um halb drei gab es den legendären Mozartbecher (links mit geviertelten Mozartkugeln und Rohmarzipanwürfeln), mittlerweile neumodisch in einer Schüssel statt im angemessenen Glaspokal. Und einmal drei Kugeln mit Sahne. Gut und sättigend (und sicher voller Eiweiß sowie Vitaminen).

Die Rückfahrt verzögerte sich wegen S-Bahn-Problemen (von Ebersberg aus nicht zum ersten Mal), aber wir kamen dann doch nicht zu spät zurück nach München.

Blumen-Ausbeute des Tages, bestimmt wieder dank der App Flora Incognita.

Von links oben im Uhrzeigersinn: Arznei-Thymian, Kohl-Kratzdistel, Mittlerer Wegerich, Vogel-Wicke.

Gewöhnliches Leinkraut (nicht zu verwechseln, wie ich es verwirrt zunächst beim Lesen getan hatte, mit LeiMkraut), Ästige Graslilie, Gewöhnlicher Hornklee, Acker-Kratzdistel.

Zurück daheim bügelte ich (letzte bequeme Gelegenheit vor Urlaub) bei offener Balkontür, durch die es gerade mal nicht zu kühl hereinkam. Dann eine wohltuende Runde Yoga.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Pasta mit Pesto, das er aus dem Grün der jungen Ernteanteil-Karotten hergestellt hatte – sehr gut. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Von Nils Markwardt in der Zeit interessante Gedanken zur Causa Jens Spahn und warum nach all den Schweinereien, die er angerichtet hat, ausgerechnet die Leihmutterschaft seines Kinds wirksamen Protest selbst in der CDU/CSU auslöste:
“Es ging nicht nur um Doppelmoral”.

Dass die Reaktionen im Falle der Leihmutterschaftsdebatte anders ausfielen, markiert einen zentralen Unterschied zwischen konservativen und rechtspopulistischen Parteien. An letztere werden nämlich kaum noch moralische Konsistenzerwartungen gestellt. Die permanente Produktion von politischen Widersprüchen sowie der kaum verhohlene Gebrauch von Doppelstandards erscheint vielen Wählern der Rechtspopulisten nicht als Makel, sondern firmiert als probates Mittel zur Grenzübertretung. Geht es vielen Maga- und AfD-Anhängern um eine lustvolle Zerstörung des Bestehenden, wird die Doppelmoral als eine Art des analogen Trollings begriffen. Und selbst den Gegnern der AfD fällt es schwer, deren Widersprüche zu skandalisieren. Denn dort, wo man überhaupt keine Moral mehr erwartet, lässt sich keine Doppelmoral attestieren.

Darin auch hilfreiche Informationen zur Entwicklung des deutschen Nachkriegskonservatismus.

Journal Sonntag, 28. Juni 2026 – Kocherl-Wandern

Montag, 29. Juni 2026

Nein, “Kocherl-” passt eigentlich gar nicht, war nur das erste, was mir gleichzeitig mit der Idee für diesen Sonntag einfiel. Die Idee: Um die Zeit, um die im Juli der Münchner Kocherball beginnt, eine Wanderung zu beginnen. Nur halt nicht, weil die Kocherl (= Hausangestellten) nur um diese Zeit frei hatten zum Tanzen, also vor der Arbeit, sondern weil es nur um diese Zeit kühl genug für eine Wanderung sein würde.

Also Wecker auf fünf, der mich nach recht guter Nacht aus tiefem Schlaf riss.

Balkonkaffee für Herrn Kaltmamsell und mich, danach genügte mir Katzenwäsche: Ausgiebiges Duschen samt Körperpflege verschob ich auf den späteren Tag. Als Wanderstrecke hatte ich mal wieder den Auer Mühlbach gewählt, erweitert um Anmarsch von daheim nach Thalkirchen, also die Heilig-Abend-Wanderstrecke. Um sechs Uhr verließen wir das Haus.

Die Morgen-Abkühlung nutzten nicht nur wir: Es waren viele Jogger*innen und Hundespazierende unterwegs, nach sieben umgaben uns schlagartig auch Sportradler*innen. Es wurde ein schönes Gehen in Morgenluft. Das mitgeführte Wasser reichte, zu wenig waren aber überraschen die Toiletten am Weg: Dass das Klohäusl bei Maria Einsiedel außer Betrieb war, brachte mich in Umstände.

An vielen Stellen sahen wir Badende, auch schon hier kurz nach sechs an der Wittelsbacherbrücke.

Wir passierten zahlreiche Flaschensammlungen – am Vorabend und in der Vornacht war offensichtlich reichlich gefeiert worden.

In Thalkirchen ging’s hoch.

In Siebenbrunn bei den Schrebergärten wurde reichlich im Auer Mühlbach gebadet.

Streetart in Giesing

Unterm Nockherberg

An Untergiesinger Altbauten auffallend viele Fenster mit Tüchern verhängt oder gleich mit Rettungsfolie versiegelt: keine Rollläden vorhanden.

Nach ein wenig Warten an der Haltestelle Deutsches Museum brachte uns eine klimatisierte Tram kurz nach neun nach Hause. Dort schnelles Versperren und Abdunkeln der Wohnung, ich ging nochmal raus für Frühstückssemmeln.

Das Feigenbäumchen (Foto vom Samstag) auf unserem Südbalkon hat nicht funktioniert: Das ärmste verbrennt dort, in den vergangenen Tagen warf es immer mehr Blätter ab. Ich rettete es auf den Westbalkon. Nächster Versuch Olivenbäumchen?

Eine weitere Hitzeanpassung: Ich muss Obst im Kühlschrank lagern, wie in Spanien, sonst verdirbt es innerhalb eines Tages.

Kurz nach 11 Uhr wurde ich schlagartig sehr, sehr müde – ich legte mich einfach hin und schlief über eine Stunde. So richtig munter wurde ich danach nicht mehr, das mag aber auch an der Hitze gelegen haben.

Zum Frühstück gab es kurz nach eins Salzgürkchen und zwei Körnersemmeln.

Nachmittag mit Lesen von allem möglichen, unter anderem nach Langem mal wieder einige Stunden am Stück Roman: Ich las Vivian Gornick, Fierce Attachments aus – durchaus interessiert, aber der dominante Duktus einer Psychoanalyse-Sitzung befremdete mich. Draußen zog der Himmel mit Wolken zu, im Westen sogar so dunkel, dass ich auf abkühlendes Gewitter zu hoffen begann. Vergeblich.

Die schmerzenden Rippen waren viel besser geworden, ich gab meinem Bewegungsdrang nach und turnte eine Folge Pilates – große Freude.

Zum Nachtmahl taute Herr Kaltmamsell die eingfrorenen restlichen Rinderippen vom Montag auf, rührte dazu Polenta – richtiges Sonntagsessen. Nachtisch Schokolade.

Eher spät ins Bett, weil ich nicht müde war, zudem weil das zu warme Schlafzimmer mit geschlossenen Fenstern nicht recht lockte.

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Catatonic schreibt über das japanische Konzept/Werkzeug/Zeichen
“Sekimori Ishi”.

Und tut das so abgewägt, dass eine Zusammenfassung oder ein Ausschnitt das Ergebnis verfälschten, lesen Sie bitte selbst. (Mein Erwerbsleben besteht mittlerweile zu 80 Prozent aus solchen Zeichen; ich muss aufpassen, dass sie in meinem echten Leben nicht überhand nehmen.)