Journal Donnerstag, 1. Juni 2023 – Frühling zu Sommer

Freitag, 2. Juni 2023 um 6:30

Gut geschlafen bis auf eine Krampf-Attacke, diesmal überraschend im rechten hinteren Oberschenkel. Körper! Immer für eine Überraschung gut! Aktuell mit Körper-Komik: Ich spüre immer wieder Schmerzen an der operierten Hüfte, was immer noch erstmal Sorge auslöst – bis mir einfällt, dass ich mich kürzlich heftig an der Hüfte gestoßen habe (Spitze des Fahrradsattels, fragen Sie nicht), dort ein blauer Fleck prangt und die Schmerzen sehr wahrscheinlich keine besorgniserregende Ursache haben.

Auf dem Weg in die Arbeit bemerkte ich das Ansteigen der Temperatur: Unter leicht diesigem Himmel und ohne Wind fehlte die Morgenfrische.

Die Robinien am Heimeranplatz blühen – aber gerochen habe ich ihren Duft noch nicht.

Im Büro Vollpower-Vormittag mit Wind von vorn, außerdem planmäßig neue Menschen. Von den verschiedenen Erzeugern des Trubels war nur einer vor Ort – 60 Prozent mobiles Arbeiten der Abteilung bedeutet auch, dass die Leute keinen Eindruck vom Gesamttrubel bekommen.

Kurz vor zwölf legte sich der Trubel, ich konnte raushuschen auf einen Mittagscappuccino. Und betrat beim Verlassen des Bürogebäudes Sommer: Fast eine Woche hatte ich mich über den sonnigen und frischen Frühling gefreut, gestern wurde es in langen Ärmeln in der Sonne bereits unangenehm – ich bin doch noch nicht durch mit meiner Frühlingskleidung!

Spätes Mittagessen, es gab Mango mit Sojajoghurt.

Der Nachmittag war nochmal… abwechslungsreich, ab vier schleppte ich mich nur noch erschöpft durch.

Auf dem Heimweg unter wieder verschleiertem Himmel Supermarkt-Einkäufe. Daheim fand ich den ja immer noch Sabbatical genießenden Herrn Kaltmamsell auf dem Balkon lesend vor, beleuchtet von Blätter-gefilterter Sonne, und freute mich an diesem Anblick. Eine Einheit Yoga-Gymnastik, dann durfte ich Abendessen zubereiten: Den Ernteanteil-Salat und die wunderbar frischen -Radieserlblätter sowie den -Schnittknoblauch machte ich mit zugekauften Tomaten und harten Eiern zu einer Schüssel Salat. Angemacht mit Joghurt-Dressing, das ich mir zu Studienzeiten ausdachte und bis heute so mache: viel Joghurt sowie je ein Teelöffel Meerrettich, Senf, Majo außerdem Salz und Pfeffer. Weil ich aber seither dazugelernt habe, ergänze ich mittlerweile einen Teelöffel Ahornsirup. Schmeckte sehr gut. Dann gab es noch ordentlich Käse, Nachtisch Schokolade.

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In der gestrigen Süddeutschen Zeitung ein ausgewogener und für mich nachvollziehbarer Kommentar von Ronen Steinke zur Verurteilung der mutmaßlichen Linksextremistin Lina E. zu fünf Jahren Haft (leider wieder €):
“Es gibt keine gute Selbstjustiz – auch nicht gegen Nazis”.

Es gibt keine “berechtigte” Knochenbrecherei im Morgengrauen, selbst wenn sie sich gegen tatsächlich gefährliche Neonazis richtet. Das Gewaltmonopol hat der Staat – und wie er keine Körperstrafen verhängen und vollstrecken darf, so dürfen das erst recht und selbstverständlich keine Privatleute.

Aber:

Übeltaten, die aus der linken Szene kommen, nach allen Regeln der Kunst auszuleuchten und rasch und strikt vor Gericht zu bringen, das ist ein Lieblingsprojekt einer sächsischen Landespolitik gewesen, die währenddessen gegen rechte Hetzer und Gewalttäter noch immer oft eher lasch vorgeht. Die Linken seien ja genauso schlimm – das ist nicht nur ein zynischer Whataboutism, mit dem die Behörden von eigener, schlechter Arbeit ablenken.

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Ich wusste nicht, dass die Sängerin Karen Carpenter auch das Schlagzeug spielte bei den Carpenters – so schön.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/-XYBj0J99i8

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Kakadu führt Traumleben vor.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 31. Mai 2023 – Lerchenprivileg

Donnerstag, 1. Juni 2023 um 6:20

(Ein Entwurf-Fragment dieses Posts ging bereits gestern Morgen versehentlich online, ich musste lernen, dass Zurückstellen auf “Entwurf” nicht die Veröffentlichung zurücknimmt, gnarf.)

Wir Lerchen kennen nicht den kreativen Zauber von Nachtstunden, stellen unsere Stühle beim Ausgehen nicht selbst auf die Tische, kennen überhaupt “Nachtleben” und seine vielfältige Welt nur aus Erzählungen, müssen uns in die uncoole Streber- und Spießerrolle einfinden, sitzen vor acht im Büro, weil wir morgens am produktivsten sind. Aber. Wir können zwischen Mitte Mai und Ende Juli den Wecker auf Fabrik-Frühschicht stellen (keine exakte Uhrzeit, um die Eulen nicht völlig zu verschrecken) und bei entsprechender Neigung noch vor dem Arbeitstag eine Laufrunde an der Isar einlegen, selbst diejenigen unter uns Lerchen, die unter einer Stunde gar nicht erst mit dem Laufen anfangen.

Auf den gestrigen Morgen als Gelegenheit war ich gekommen, weil ich für eine Besorgung nach Feierabend ohnehin mit dem Rad in die Arbeit fahren würde – und ein für mich akzeptabler Arbeitsbeginn nach Laufrunde nur damit zu schaffen war. Und wegen schönem Wetter, das herrliches Licht und wunderbare Luft versprach.

Mein Viertelstunden-genauer Plan für den Morgen klappte. Nach tiefem, guten Schlaf wachte ich eine Minute vor Wecker auf, trank sogar noch café con leche, putzte mir die Zähne und radelte zur Wittelsbacherbrücke. Dort startete ich meinen Lauf Richtung Thalkirchen und um den Hinterbrühler See zurück. Es war vom ersten Schritt an großartig, ich hätte jodeln mögen. Die Windjacke über kürzärmligem Laufshirt war genau die richtige Kleidung für die Morgenfrische.

Kunst unter der Brudermühlbrücke:

Mir kam eine große Gruppe creatures of the night entgegen: Durchgefeierte verträumte Goths mit leiser Musik.

Sonnengruß:

Wunderschöner Anblick zum Abschluss: Ein mächtiger Kormoran, der sein Gefieder in der Morgensonne trocknete, auf einem Felsen mitten in der Isar vor der Wittelsbacherbrücke (zu weit weg für Foto).

Gelernt unter anderem auf diesem Lauf: Enten stehen keineswegs mit den Hühnern auf, die meisten, denen ich begegnete, hatten den Schnabel noch unterm Flügel und pennten.

Ein Uhrencheck ergab in der zweiten Hälfte des Laufs leichte Verzögerung, ich holte sie mit höherem Lauftempo ein – sonst laufe ich ja immer nur so schnell, wie es sich gemütlich anfühlt, aber nach nur einer Stunde geht auch Tempo. Nach insgesamt 75 Minuten war ich zurück an meinem Radl, schwänzte das Dehnen (einmal wird schon nichts ausmachen) und fuhr heim.

Glas Wasser, duschen, schminken, anziehen, gepackten Arbeitsrucksack aufgeschnallt, in die Arbeit geradelt. Ich startete den Bürotag nur 20 Minuten später als sonst und hatte bereits ein wunderschönes Erlebnis hinter mir.

Gut zu schaffende Arbeit, wenig Haareraufen.

Zu Mittag gab es Lagerapfel, den letzten Kanten selbst gebackenes Walnussbrot, Hüttenkäse.

Den ganzen Tag blieb ich schwindelfrei, das war schön. Draußen krachten die Farben im Sonnenlicht, und die Luft, die durchs gekippte Bürofenster hereinkam, war angenehm frisch.

Nach Feierabend radelte ich nach Schwabing: Bestellte Unterwäsche war eingetroffen, ich holte sie ab. Der Radlverkehr in die Stadtmitte nach Hause war nicht ganz so schlimm wie befürchtet, ich reihte mich in den Strom ein (hätte aber kurz vor der Haustür fast noch eine alte Dame angefahren, die beim Queren der Straße umdrehte und sich in die andere Richtung bewegte – gerade als ich sie überholte).

Auf den Straßen viele Menschen in Hochsommerkleidung, also Hotpants, Strandkleidchen – diese Eskalationsstufe behalte ich mir für Hitze vor, gestern war immer noch Frühling mit 23 Grad und frischem Wind.

Zu Hause nochmal die Yoga-Gymnastik vom Vorabend. Herr Kaltmamsell servierte zum Nachtmahl Orecchiette mit Kirschtomaten und Ruccola, sehr gut. Dann gab’s die ersten richtig guten Erdbeeren der Saison mit ein wenig Pistazien-Baklava, außerdem Schokolade (zu viel, hmpf).

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Die Seite Drei der Süddeutschen thematisierte, wie es nach den Razzien um die Aktivistinnen und Aktivisten der Letzten Generation steht, laut Vorspann “Zeit zu fragen, was das eigentlich bringt” (€):
“Auf die Fresse”.

Die Frage, ob die Protestformen der Letzten Generation “was bringen”, halte ich für durchaus berechtigt. Doch nützlich ist sie nur, wenn auch alle anderen Protestformen daraufhin geprüft werden und man dann vergleicht. Das wäre doch mal ein schönes Buch zwei am Wochenende.

Mir geht halt schon sehr im Kopf rum, dass Fahrradparadise wie Amsterdam, Kopenhagen oder Utrecht keineswegs nur durch wohlwollende Politiker*innen entstanden, sondern durch massiven Protest, siehe:
“‘Brauchte fast Straßenkämpfe’: Wie Amsterdam und Co. zu Fahrradstädten wurden”.
Und denen saß noch nicht mal der Klimawandel als existenzielle Bedrohung im Nacken.

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Formschub erinnert sich an die Medienlandschaft seiner (und meiner) Kindheit in den 70ern – und in welch abgrundtiefem Sexismus wir damit aufwuchsen (den meine Mutter allerdings schon damals kritisierte):
“Ganz normal”.

die Kaltmamsell

Lieblingstweets und -tröts Mai 2023

Mittwoch, 31. Mai 2023 um 16:39

Diesmal rechtzeitig dran gedacht, hurra!

Erst mal die Twitter-Ausbeute (sie wird immer leichter).

Und dann die von Mastodon.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 30. Mai 2023 – Andere Straßenkunst

Mittwoch, 31. Mai 2023 um 5:37

Trotz gutem Schlaf müde aufgewacht. Muntermachung durch Geschirrspüler-Ausräumen und Blumengießen (nach Umzug der Balkonpflanzen raus wieder morgens statt abends).

Der Himmel war verschleiert, die Luft kühl.

Überraschungen auf dem Weg in die Arbeit:

Erst auf dem Foto sah ich den Kabelbinder, der Buzz Lightspeedyear und Woody zusammenhält. Weitere Besonderheit: Dieser Biertruck vom Giesinger Bräu stand vor der Edith-Haberland-Wagner-Stiftung, Mehrheitseignerin der Augustiner-Brauerei.

Und dann bemerkte ich aus dem Augenwinkel eine Skulptur in der Geroltstraße, die mir in all den Jahren, die ich diesen Weg gehe, entgangen war.

Eine kräftige Schwimmerin, die gerade ihre Sportkappe überstreift, ich hatte sofort Bezug zu ihr.

Laut Signatur also von Martin Mayer. (Und wer eine Bronze an eine Schule stellt, in diesem Fall an die Ridlerschule, wird ja wohl Ergänzungen des Publikums einkalkuliert haben.)

Recherche ergab abends: Von diesem Martin Mayer stammt auch die Isarnixe (“Bukolika”) an der Ludwigsbrücke, an der ich früher regelmäßig vorbei-joggte, außerdem der vor allem Kindern vertraute Keiler vorm Jagd- und Fischereimuseum an der Fußgängerzone Neuhauser Straße. Mayer starb im Januar 2022, hier der Nachruf aus der Süddeutschen Zeitung.

In der Arbeit litt meine Emsigkeit unter anhaltendem Schwindel verbunden mit Schwäche. Dennoch zog es mich bei mittlerweile wieder richtig sonnigem Wetter und milder Luft raus.

Mittagscappuccino mit kurzer Aufregung: Als ich fürs Bezahlen die App auf meinem Smartphone startete (ich finde es SO praktisch, nicht immer meinen Geldbeutel mitnehmen zu müssen), loggte ich mich versehentlich aus – das sollte nicht so einfach passieren können. Zum Glück wurde mir zum einen beschieden, dass ich auch beim nächsten Mal zahlen könne (<3), zum anderen schaffte ich es ohne Fehlversuche, mich neu einzuloggen, inklusive neuer Passwortvergabe.1

Mittagessen zurück am Schreibtisch: Apfel und eine dicke Scheibe Walnussbrot.

Schwindel und Wackeligkeit wurden am Nachmittag nicht wirklich besser, aber ich kann ja im eigenen Blog nachlesen, dass ich das regelmäßig habe. Ist halt so, gibt Schlimmeres.

Späterer Feierabend als geplant, ich war aufgehalten worden – und das, wo ich es doch eilig hatte, vor der Abendverabredung mit Berliner Verwandtschaft von Herrn Kaltmamsell hatte ich noch Einkäufe zu erledigen. Doch wie ich da so aus dem Bürohaus hetzte, im Kampf mit Schwindel und allgemeiner Blödigkeit, hielt ich an und ging in mich: Ich musste da heute Abend nicht hin, die Berliner Verwandtschaft würde ich dieses Jahr auf eine Einladung hin eh nochmal besuchen.

Also schickte ich Herrn Kaltmamsell den Bescheid, er möge ohne mich zur Verabredung gehen und bremste runter. Gemächlich besorgte ich im Vollcorner Abendessen, Milch und Brotzeit für die nächsten Tage, holte im Stachus-Untergeschoß beim Bodyshop Körperlotion (und war hoffentlich freundlich zu der Verkäuferin, die mich Kundenkarte Rabatten Angeboten Pröbchen Gutscheinen aufhielt – ICH WOLLTE EINFACH NUR EINE TUBE AVOCADO-KÖRPERLOTION).

Daheim machte ich mich in aller Ruhe (Schwindel!) bereit für eine Runde Yoga-Gymnastik: Ich hatte bereits sichergestellt, dass das eine ruhige Folge werden würde. Ich probierte meine kürzlich eingetroffene Reise-Yogamatte aus.

Funktionierte gut (ist allerdings schwerer als erwartet, das sollen nur 1,1 Kilo sein?), die Gymnastik tat mir gut.

Als Nachtmahl machte ich Tomaten mit Büffelmozzarella und Ruccola an. Danach Schokolade.

  1. Kurzes Selbstlob: Meine Sicherheitsfrage ist ziemlich genial. []
die Kaltmamsell

Journal Pfingstmontag, 29. Mai 2023 – Echt Freibad

Dienstag, 30. Mai 2023 um 6:28

Über den zusätzlichen freien Tag wegen Pfingsten1 war ich sehr froh, feierte ihn mit ordentlich Ausschlafen.

Den Rollladen meines Schlafzimmers zog ich zu blauem Himmel und wundervollem Licht hoch, angekündigt war ein weiterer Sonnentag mit 23 Grad Höchsttemperatur – der Jahreszeit perfekt angemessen.

Nach Bloggen, Morgenkaffee und einer großen Tasse Tee war es mir noch zu früh (also zu kalt) für meine geplante Schwimmrunde im Dantebad. Also bat ich Herrn Kaltmamsell erst mal, mit mir den Balkon wohnfertig zu machen (den er bereits vor Wochen grundgereinigt hatte, vergangene Woche nochmal nachgeputzt).

Die rechte Hakenlilie sah mir zu kümmerlich aus, abends stutzte ich sie für einen Neuanfang.

Dann aber ließ ich mir von Herrn Kaltmamsell den Rücken sonnencremen und radelte mit Jäckchen los ins Dantebad. Ich nahm die längere, aber schönere Route über Nymphenburger Straße und Villenkolonie Gern.

Die beiden Sportbahnen waren gut beschwommen, doch die doppelte Breite machte Überholen leicht, alle arrangierten sich problemlos. Ich schwamm mit Genuss und ohne Frösteln 3.200 Meter (einzige Beeinträchtigung war der widerliche Geruch nach altem Pommes-Fett, der immer wieder von der gleichnamigen Bude übers Wasser zog). Mir fiel ein, dass ich in der Nacht zuvor geträumt hatte, ich beherrschte die Rollwende. Fühlte sich toll an, vielleicht klemme ich mich doch nochmal dahinter.

Nach Duschen und Ganzkörper-Sonnencremen sowie Wechsel in einen trockenen Bikini breitete ich mich auf der Liegewiese aus. Es war warm genug für ein Sonnenbad, dabei hörte ich das neue Album von Peter Fox, Love Songs – das erste Durchhören gefiel mir schon mal.

Das Dantebad füllte sich nach und nach so richtig freibadlich, mir reichte eine Stunde in der Sonne und ich radelte heim.

Frühstück um drei: Apfel und selbstgebackenes Walnussbrot mit Butter und Orangenmarmelade.

Nachmittag auf dem Balkon mit Zeitung- und Internetlesen. Abends statt Yoga-Gymnastik Kreislaufkapriolen mit Schwindel, Schweißausbruch, Frieren: Ich legte mich hin bis zum Abendessen. Herr Kaltmamsell hatte einen Eintopf aus Ernteanteil-Kartoffeln, Kichererbsen, bayerischem Quinoa und Gemüsebrühe gemacht.

Optisch nicht zu retten (ein Sträußerl krause Petersilie vielleicht?), schmeckte aber gut, und es war noch kühl genug dafür. Für Nachtisch gingen wir mit vorgekühlten Schälchen zum Nachbarschafts-Eisdieler und holten uns je drei Kugeln MIT SAHNE!

Im Bett las ich Francis Kirps, Die Mutationen, eine Geschichtensammlung des luxemburger Autors, die uns Joël aus Luxemburg schon vor einer Weile geschickt hatte – mit Autorenwidmung!

§

Eine Doku in der ZDF-Reihe planet-e:
“Kampf ums Klima
Fakten und Fiktionen”.

Schöner Rahmen der Doku: Ausschnitte aus ZDF-Sendungen mit Hoimar von Ditfurth über Klimawandel aus dem Jahr 1978.

  1. Ja, ich weiß, was da ursprünglich gefeiert wurde, meine katholische Erziehung hat Bildungsspuren hinterlassen. []
die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 28. Mai 2023 – Heimkehr aus Nierstein, Martin Arz, Street Art München

Montag, 29. Mai 2023 um 8:02

Nachts weniger Kampf mit dem dicken, riesigen Hotel-Kopfkissen, doch beim Aufwachen fühlte sich meine Wirbelsäule an mehreren Stellen gebrochen an.

Draußen herrlichster Frühsommer, ich hörte vorm Hotelbalkon Entengeschnatter (für meine Ohren ein angenehmes, friedliches Geräusch, wie ich schon am Vortag im Garten von Frau Mutti anhand ihrer Asylenten lernte) und wie schon am Vorabend deutliche Falkenrufe.

Gemütliches Bloggen, gestern begleitete ich Herrn Kaltmamsell zum Frühstück und genoss zwei Cappuccinos (für Vollautomat ausgesprochen gut – vielleicht eine Frage der Automaten-Einstellung).

Flüssige Rückfahrt mit zweimal Umsteigen, die beide problemlos klappten. Wenig Aussicht aufs sonnige Maien-Draußen, durch das der ICE brauste, denn der Fensterplatz war wieder mal einer mit Mittelstrebenwand.

Bei Heimkehr musste ich nach drei dann doch mal was essen: Partyreste, also Tomätchen und Pumpernickel, gestern mit dick Butter. Dann Geschäftigkeiten in der Wohnung, Zeitunglesen auf dem Balkon (!), eine Runde Yoga-Gymnastik.

Wenn das Wetter schon endlich schön ist, wollte ich zum Nachtmahl in einen Biergarten – zumal ja sogar noch die Kastanien blühen! Das Wetter stellte sich auf unserem Spaziergang zum Flaucher sogar als traumhaft heraus: Nur so warm, dass es in der Sonne angenehm war, eine leichte Brise.

Ich aß eine halbe Schweinshaxe (auf das halbe Hendl, das mir lieber gewesen wäre, hätte ich 40 Minuten warten müssen, denn es war noch nicht gar), trank dazu ein alkoholfreies Weißbier. (Die Halbe Bier oder Radler im Biergarten mittlerweile bei 5,20 Euro – ich wünsche mir sehr, dass die Preiserhöhung in die Gehälter des Personals fließt.)

Auch der Heimweg war wunderbar – allerdings bereits recht frisch, ein Jäckchen wäre angenehm gewesen.

Westermühlbach.

Alter Südfriedhof.

Daheim noch eine Runde Schokolade. Dazu Fernsehen: Auf 3sat lief Wie angle ich mir einen Millionär. Ich sah den Film zum ersten Mal synchronisiert – und als im eleganten Restaurant auf einer Tür die Beschriftung “Powder Room” auftaucht, übersetzt der Untertitel tapfer: “Pulverraum”.

Mich im letzten Abendlicht auf den Balkon gestellt, bis ich Fledermäuse sah (dauerte nicht lang).

§

Auf der Rückreise las ich Martin Arz, Street Art München. Ich scherze ja gerne, dass in München selbst Graffiti sauber und hübsch ist – ich ahnte ja nicht, dass es sich um eine Folge von Vorreitertum handelt:

Kaum noch jemand schien sich daran zu erinnern, dass die deutsche Graffiti-Szene einst größtenteils von München ausging und über Jahrzehnte wichtige Impulse bekam.

(…)

Die Münchner Szene feierte einige Premieren: Der Güterwagon, den Ray 1984 bemalte, gilt als erster seiner Art in Deutschland, Don M. Zaza besprühte den ersten Intercity der DB und Cheech H verewigte in Herrsching erstmals ein Graffito auf einer deutschen S-Bahn.
Im März 1985 dann gestalteten sieben blutjunge Burschen eine S-Bahn der Linie S4, die im Bahnhof Geltendorf für die Nacht abgestellt war. Der sogenannte Geltendorf Train galt als der erste Wholetrain – ein von vorne bis hinten besprühter Zug, in diesem Fall bis zur Fensterhöhe – in Europa.

Und München gehörte demnach früh zu den wenigen Städten, die Streetart offiziell förderten. Seit 1996 sind die Flächen unter der Brudermühlbrücke legalisiert, 1999 eröffnete der Kreisjugendring München-Stadt die Färberei unter der Leitung von Astrid Weindl, seitdem eine Anlaufstelle für Graffiti und Streetart in München. Mittlerweile vergibt das Kulturreferat Geld für Streetart-Projekte.

Zudem wurden diese schon früh dokumentiert:

Nicht zuletzt wegen des Geltendorf Trains gründete die Bahnpolizei die Sonderkommission Graffiti. Der Bahnpolizist Hans Schluttenhofer, beruflich Graffiti-Jäger, privat passionierter Graffiti-Liebhaber, war der Münchner Szene immer dicht auf den Fersen. “Schlutti” erstellte ein umfassendes Archiv mit Tausenden Fotos aus der Münchern Frühzeit.

An dieser Stelle musste ich schon lachen.

Martin Arz sortiert seine Foto-Beispiele mal thematisch, mal nach Projekten, mal nach Örtlichkeit. So zeigt er auch typisch Münchner und typische bayerische Motive – aber mein Liebling darunter ist nicht dabei:

Brudermühlbrücke 2008 (so systematisiert Arz seine Fotos, ergänzt um den Hinweis, dass die Jahreszahl die Aufnahme datiert, nicht die Entstehung) – doch auch wenn ich durch das Buch jetzt einige Namen mir vertrauten Streetart-Stilen zuordnen kann (z.B. Flin und Beastystylez), kann ich nicht sagen, von wem das ist.

Mehr ist in der Munich-Abteilung von streetartcities.com gesammelt.

§

Der Solinger Glumm hat seine persönlichen Erinnerungen an den Brandanschlag in Solingen aufgeschrieben, der sich am 29. Mai zum 30. Mal jährt – aus denen hauptsächlich Ratlosigkeit spricht, auch Hilflosigkeit, auch gegenüber der persönlichen Farbe der Erinnerungen.
“30 Jahre Solinger Brandanschlag: ‘Unser Türkenhaus brennt'”.

Selbst war ich damals in Wales im Urlaub – und erfuhr von all dem erst nachträglich (Internet war damals noch keine Nachrichtenquelle).

§

Einem Hinweis auf einen Artikel in der taz gefolgt – und gleich wieder vergessen, vom wem er kam: Vielen Dank ins Blaue!
“Armut in Deutschland:
Ein Erdbeben, und niemand schaut hin”.

Ein Fünftel aller Menschen in Deutschland ist von Armut bedroht. Mindestens. Doch selbst die Betroffenen, die am lautesten sind, werden kaum gehört.

Mich schmerzt immer wieder, wie wenig diejenigen Menschen, die in unserer Gesellschaft in Wohlstand leben, sich Leben in Armut vorstellen können oder auch nur mögen. Ein Leben, in dem es nur einmal im Monat für den Cappuccino im Café reicht, nie einfach so nebenher, in dem solche Kurzausflüge mit Hotelübernachtung, wie ich ihn gerade nach Nierstein hatte, komplett unerreichbar sind. In dem Pfennigfuchsereien wie Museumsbesuche an Eintritts-freien Tagen oder Vorratseinkäufe bei Lebensmittel-Sonderangeboten kein Sport sind, sondern bittere Notwendigkeit. Nur zum Beispiel.

Mich schmerzt noch viel mehr eine implizite Grundhaltung vieler Menschen ohne Geldsorgen, dass Armut meist Folge eines Fehlverhaltens sei, eigene Schuld, weil “wenn ich arm wäre, wäre ich nicht lange arm”.

Was ich selbst gegen diesen Missstand tue? Da es sich um ein strukturellen Problem handelt: Zumindest vor Wahlen die Wahlprogramme der Parteien daraufhin abklopfen, ob sie zur Lösung des Problems beitragen oder es verschärfen, siehe “Every billionaire is a policy failure” (übersetzt: Jeder Milliardär bedeutet ein politisches Versagen.)

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 27. Mai 2023 – Nierstein: Laufstrecken aus aller Welt, kaputter Wanderweg, Gartyparty

Sonntag, 28. Mai 2023 um 7:54

Mittelgute Nacht, weil ich kein passendes Kopfkissen hatte: Eines war riesig und dick, widerstand jedem Versuch des Zusammenpressens – es knickte meinen Seitenschläferinnenhals in einem schmerzhaften Winkel ab. Das andere war nur 30×30 Zentimeter groß und dünn – bei jedem Umdrehen lag ich ohne Kissen unter dem Kopf da. Ich wechselte in der Nacht mehrmals.

Nach dem Bloggen mit ordentlich Wassertrinken ging Herr Kaltmamsell zum Frühstück und ich auf eine Laufrunde. Am Vorabend waren wir an einem Wander-Wegweiser “Nie2” vorbeigekommen, Recherche hatte eine 10-Kilometer-Rundwanderung ergeben, die sehr schön aussah und die ich joggen wollte.

Gleich der erste Abschnitt verlief wunderschön einen Weinberg hoch und eröffnete Blicke über Nierstein und den Rhein.

Im Folgenden lief ich ein paar Extrarunden wegen vermeintlichem oder tatsächlichem Verlaufen – die Wanderung war nicht ideal ausgeschildert.

Ein Weinstock-Kindergarten!

Illustration, warum einige Weine hier “vom Rotliegenden” heißen.

Die Robinien blühen! Ich sah den ganzen Weg über Unmengen Dohlen, Saatkrähen, Schwalben, Tauben und Greifvögel in der Luft, von denen ich nur Falken und Milane identifizieren konnte, helle mächtige Mäusebussarde lediglich vermutete. Vor mir flüchteten zwei mutmaßliche Fasane in einen Wingert, die ich auch zu hören glaubte. Und einmal schreckte ich ein Kaninchen auf, dass sich vom Weg ins Gebüsch schlug. Allerdings fiel mir auf, wie wenig hier summte und flog, ich sah nur zwei Schmetterlinge.

Und dann hörte der Wanderweg einfach auf. Als ich auf der Hälfte der Route an eine Gabelung ohne Wegweiser kam, war mir klar, dass ich zuvor falsch abgebogen sein musste und kehrte um. Doch der letzte Wegweiser war nicht völlig klar. Ich lud die GPS-Karte der Wanderroute auf mein Smartphone und probierte alle Wege ab Wegweiser aus: Keiner war der auf der Karte. Wenn ich den Pfeil auf dem Wegweiser ganz ernst nahm, hätte ich hier links durchgehen müssen.

Hinter einer befestigten Erdaufschüttung mochte mal ein Weg gewesen sein, jetzt sicher nicht mehr. Nicht schlimm, ich lief einfach denselben Weg zurück.

Es war herrlich.

Nach Duschen und Anziehen ging ich mit Herrn Kaltmamsell auf einen Morgen-Cappuccino zu einem Café am Marktplatz. Dann besorgten wir in einem Supermarkt restlichen Proviant für den Tag und machten uns auf zum Treffen: Zur Gartyparty, organisiert von Frau Mutti, die auch Location und Getränke spendierte.

Zwischen Gesprächen mit neuen und alten Bekanntschaften und in herrlichstem Sonnenschein aß ich Tomaten (ich hatte wieder zu denen mit grün-roter Schale gegriffen, die mir in Spanien so gut geschmeckt hatten – Volltreffer), Paprikaschoten, Pumpernickel. Gegen acht verabschiedeten wir uns, jetzt wurde es langsam kühler.

Später Tagesschau hinterhergeguckt: Acht von 15 Minuten über deutschen Männerbundesliga-Fußball. Das halte ich für sehr falsch: Menschen, die sich für dieses Thema interessieren, haben sicher genügend andere, auch öffentlich-rechtliche Quellen dafür.

Im Bett las ich Granta 136, Best of Young British Novelists 5 aus. Diesmal war ich bei Weitem nicht so angetan und bereichert wie vor zehn Jahren. Ich las hauptsächlich leise Geschichten, bekam wenige neue Einblicke, sei es erzähltechnisch, sprachlich oder inhaltlich. Daraus hervorstechend in meinen Augen; Tom Creeve, “The Room-Service Waiter”, die Geschichte eines älteren Manns in Paris, der einst einem jetzt berühmten Maler Modell gestanden hat. Außerdem Anna Marcalfe, “Circles”, ein entstehendes Paar, das sich über eine Online-Plattform findet. Ich begrüßte auch einige Ansätze nicht-realistischen Erzählens. Auffallend und bemerkenswert: Das wiederkehrende Thema Armut.

die Kaltmamsell