Journal Sonntag, 2. Januar 2022 – Schlumpftag mit Brotbacken

Montag, 3. Januar 2022 um 8:14

Endlich mal wieder lang geschlafen. Zum Anblick des Morgenrosas aufgewacht – und gleich mal gehadert, weil ich somit bereits so viel Tag verschlafen hatte (es war dreiviertel acht).

Vor allem anderen Teig für Pane Vallemaggia abgewogen und losgeknetet. Angepeilt hatte ich das Brotbacken schon für Silvester, doch der alte Weizensauerteig rührte sich auch nach dem dritten Auffrischen nicht so, dass ich ihm vertraut hätte. Nach dem vierten Auffrischen verwendete ich ihn erst gestern (und setzte die Hefemenge vorsichtshalber als Booster rauf). (“Booster” hat sich als ausgesprochen praktisches Wort erwiesen, nicht wahr?)

Dann erst sah ich nach Herrn Kaltmamsell und kochte uns Milchkaffee (derzeit wieder mit Hafermilch, die mir als Grundlage dafür immer noch besser schmeckt).

Oben im Bild sehen Sie das schöne und hochwillkommene Kundengeschenk zu 100 Jahren Hofbräuhaus-Mühle: eine große Teigkarte. Ich bekam sie, als ich dort u.a. bayerisches Manitoba-Mehl für eben dieses Brot kaufte. Sie misst 145×98 mm, das Material ist flexibler als das Hartplastik, das ich von den kleineren Teigschabern kenne; damit ist einem so weichen Teig wie dem für italienische Weißbrote (oder in diesem Fall Schweizer) deutlich besser beizukommen.

Das Brotbacken dauerte ziemlich lang, draußen schien nochmal Sonne – in der Küche kämpfte ich wieder damit, dass sie winterschräg auf alle Arbeitsflächen vordrang, diesmal ließ ich den Rolladen herunter. Ich schlumpfte im Nicki-Anzug rum (die beiden in meinem Besitz zerfallen langsam, hoffentlich bietet Tchibo nächsten Herbst Ersatz an – bitte wieder in Nicki), ging erst in die Dusche, als der zweite Laib im Ofen war.

Um halb drei gab’s Frühstück vom ersten Laib mit florentiner Olivenöl – köstlich und der Anlass des Backens. Den zweiten Laib brachte ich mit dem Radl der Ölschenkerin nach Neuhausen. Mittlerweile war die Sonne verschwunden, doch auch unter düsterem Himmel wehte die Luft geradezu lau.

Bei meiner Rückkehr bestand Herr Kaltmamsell darauf, gelüftet zu werden: Wir machten uns auf einen Spaziergang um die Theresienwiese, tauschten Neues aus, das wir aus unserer Internetlektüre der vorhergehenden Tage gelernt hatten.

Daheim bügelte ich alles weg, hörte dazu laut die vertraute Musik zur West Side Story-Verfilmung von 1961. Zwar hatte ich sie entgegen meiner Erinnerung nicht auf CD oder Festplatte, doch jetzt nützte der Pro-Zugriff auf Spotify.

Nachtmahl aus der Hand von Herrn Kaltmamsell: Kürbis-Lasagne. Ich war für den Aperitiv zuständig.

Endlich eine Aufnahme meines 4.-Welle-Drinks Whiskey Sour (mit Meyer-Zitronen-Saft), die ihn nicht nach Spülwasser aussehen lässt.

Nachtisch Schokolade, dem anschließenden Bauchdrücken nach schon wieder zu viel.

Ins Bett mit der freudigen Aussicht, am Montag NICHT arbeiten zu müssen.

§

Es ist wohl wieder die Jahrezeit der Abnehmtipps, denn alle scheinen zu wissen: Dünner ist besser, immer.
Außer halt, dass das Blödsinn ist. Deswegen zur Erinnerung:
– Man kann dick UND gesund sein.
– Man kann dick UND sportlich sein.
– Abnehmen macht nicht automatisch gesünder.
– Bewegung hat laut allen empirischen Studien positiven Einfluss auf die Gesundheit (es gibt Ausnahmen wie Erschöpfungssyndrom).
– Diskriminierung wegen Dicksein ist schädlicher als das Dicksein. Und hält zum Beispiel von Bewegung ab: Ein Dicke kostet es deutlich mehr Überwindung ins Schwimmbad zu gehen oder zum Laufen als eine Dünne.
– Die Körperformen anderer Leute gehen dich nichts an.

die Kaltmamsell

Fotorückblick 2021

Sonntag, 2. Januar 2022 um 13:53

Auf Anregung von Joël – und weil das eine gute Idee ist!

Januar

Schneespaziergang mit Herrn Kaltmamsell im Forstenrieder Park.

Februar

Die erste Bestellung bei und Lieferung von Crowdfarming.

Die Vormieter der neuen Wohnung sind ausgezogen.

März

Ausräumen alte Wohnung.

Ausblick Küche neue Wohnung – wir sind umgezogen.

April

Torrijas-Backen für Ostern.

Osterspaziergang mit Papa.

Mehr Schnee.

Angewandert von Pasing aus die Würm entlang.

Mai

Eine von vielen Aufnahmen aus der neuen Wohnung Richtung St. Matthäus.

Heirat vor 25 Jahren.

Corona-Frise.

Mein neuer Wandschrank.

Juni

Wiederaufnahme des Joggens.

Erstes auswärtiges Essen nach Ende der pandemischen Gastronomieschließung: Alte Utting.

Das zweite dann gleich fein in der Acetaia zur Sommersonnwende.

Zweitimpfung gegen Corona, riesige Erleichterung.

Juli

Den Buschbohnen gefällt es sehr gut auf dem Balkon und an dem vorhandenen Klettergitter, meine Mutter hatte vorgepflanzt.

Hochwasser zerstört ganze Dörfer in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Die Isar schäumt, richtet aber keinen Schaden an.

Der neue Balkon wird mit Teppich sehr wohnlich.

Wiederaufnahme des Schwimmens im Schyrenbad nach Wiedereröffnung der Freibäder.

August

Im zweiten Jahr ohne Oktoberfest wird die Theresienwiese richtig wiesig.

Besuch aus Berlin, Besichtigung des neuen Volkstheater-Baus.

Wiederaufnahme des Crosstrainer-Strampelns in der renovierten Halle des MTV.

Besuch aus Luxemburg, gemeinsam am Chiemsee.

Wanderurlaub im Bayerischen Wald (Foto: Herr Kaltmamsell, mit den rudernden Armen ein Lieblingsfoto des Jahres).

September

Urlaub in Berlin: Neu gestaltete Ausstellung im jüdischen Museum.

Untergebracht sind wir wieder im Oderberger, diesmal nutze ich auch das Schwimmbad.

Ausblick beim ersten Kabarett-Abend seit Pandemie-Beginn: Hazel Brugger im Hof des Deutschen TheatersMuseums, mit dabei die größten Teile der Bruderfamilie.

Ausflug nach Riedenburg zum Geburtstag des Herrn Kaltmamsell.

Ausblick beim Wahlhelfen zur Bundestagswahl.

Oktober

Ausflug mit Schwiegers nach Bad Mergentheim.

Zurück über DinkelscherbenDinkelsbühl.

Feines Essen beim Dantler.

Abwandern bei Fürstenfeldbruck.

Die vierte Welle beweist die Prognosen der Experten: Die zu niedrige Impfquote kann die Ausbreitung der Virus-Mutation Delta nicht stark genug bremsen.

November

November-Wanderung nach Wolfratshausen.

Nochmal Kabarett, erstmals im Lustspielhaus: Pigor & Eichhorn.

Erste Käselieferung von Crowdfarming.

Seltenes Homeoffice – an provisorischem Tisch, den alten haben wir samt Stühlen weggegeben.

Erster Schnee.

Nach Langem mal wieder Adventskranz.

Dezember

Joggen geht mittlerweile wieder sehr gut.

Adventspaziergang nach Schambach.

Einer von mehreren Einsätzen als Schöffin am Amtsgericht.

Heilig Abend mit Spaziergang

und zu Weihnachten Christmas Pudding.

Beim Notar letzte Dinge der Eltern geregelt.

Mit Bruder die Osterseen erkundet.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 1. Januar 2022 – Verkürzter Neujahrslauf und West Side Story (2021)

Sonntag, 2. Januar 2022 um 10:15

Erste Leistung des neuen Jahres: In die Überschrift zu diesem Blogpost die korrekte Jahreszahl einzutragen. Könnte ich mich eigentlich wieder hinlegen.

Nach einem sensationellen Sonnenaufgang in Rosa freute ich mich besonders auf meinen Lauf ins Neue Jahr, ich wollte die Runde vom 1. Weihnachtsfeiertag wiederholen, aber halt im Sonnenlicht. Also schlüpfte ich in die nicht ganz warme Herbst-Laufkleidung und nahm kurz vor zehn eine U-Bahn zum Odeonsplatz.

Leider wurde dieser Neujahrslauf deutlich kürzer als geplant: Meine Waden, vor allem die linke, knüllten sich bereits nach 45 Minuten schmerzhaft; nach einer Stunde hörte ich auf mit Joggen und spazierte die restliche Strecke. Das war schon auch schön. Aber auch der Handy-Akku machte mal wieder auf halber Strecke schlapp (von 60 Prozent auf Null), und ich wurde gleich beim ersten Lauf des Jahres um die Hälfte meiner Tagesschritte gebracht. (Und über die Hälfte der Fotos wurden unscharf – ich folge einem Tipp und habe einen Reparatur-Termin im Apple Schtore geholt.)

Erfreulich: Vogelzirkus. Im Englischen Garten grasten Gänse auf den Wiesen, und es landeten immer wieder weitere Gänse zu zweit oder dritt darin – mit sehr lautem Quaken, das ja wohl nur “AUS DER BAHN!” heißen konnte. Ich sah fliegende Schwäne über den Isarauen, Zwergtaucher auf/in Isarkanal und der Isar selbst, Süßwassermöven, viele Kohl- und Blaumeisen, hörte Amseln zetern und Bienen summen, letztere sah ich auch fliegen – das kann doch nicht gut sein im Januar?

Blick vom Monopteros; dem Müll nach zu schließen war hier ausführlich Silvester gefeiert worden.

Unter der Kennedy-Brücke (das Schild “Fußgängerweg” ist seit Monaten verschwunden – wurde eh von Radler*innen ignoriert). Die Isarauen waren nicht so leer wie an Weihnachten, aber immer noch menschenarm.

Vom Tivoli nahm ich eine Tram zurück nach Hause, dort ausführliche Körperpflege.

Frühstück: Viel Country Paté vom Silvestermenü, Obstsalat aus Dosenpfirsich, Birne, der letzten Orange vom adoptierten Baum (jetzt ist aber erst mal gut, die dritte Lieferung habe ich lieber erst für April terminiert).

Ich stellte fest, dass ich mich überraschend sehr am neuen Barschrank freue, den ich am Vorabend eingeräumt hatte: Oben die Gläser, im unteren Teil die Spirituosen.

Auf instagram brach wieder Begeisterung für die Chaiselongue im Hintergrund aus: Ja, sie ist wirklich sehr schön, aber leider nur zur Deko (und für die Ablage von Bügelwäsche, rechts nicht sichtbar) nutzbar. Die Sitzfläche ist zu hoch und zu hart für angemessen bequemes Langliegen, außerdem viel zu wenig tief für eine Ausstattung mit weichen Kissen – entweder Kissen oder Sitzen/Liegen. Aber hier macht sie sich sehr gut und wird nun doch vorerst nicht verkauft.

In einem Sessel im sonnigen Wohnzimmer las ich Zeitungen und SZ-Magazine restlos auf, das fühlte sich schön ordentlich an. Für den frühen Abend hatte ich ein Kinoticket gekauft: Ich spazierte ins Neue Arena, um die Neuverfilmung Steven Spielbergs von West Side Story zu sehen (Herr Kaltmamsell schätzt alte Musicals ohnehin, auch die Musik von diesem, wollte aber keines sehen, das so schlecht ausgeht).

Ich verbrachte einen vergnüglichen Abend: Da die Musik zur Verfilmung von 1961 eine der wenigen Schallplatten im Haus meiner Eltern war, kenne ich sie bis zum letzten Triangel-Schlag und konnte unter der Maske schön Lip-Synchen. Die Verfilmung ist eine nur behutsame Aktualisierung (u.a. liefert das Drehbuch eine Motivation der Situation mit dem bereits fortgeschrittenen Abbruch des Stadtviertels, das Platz für das Lincoln Center machen soll / die weiblichen Figuren bekommen back stories und Tiefe / Doc’s Drug Store wird von seiner Frau Valentina geführt – gespielt von der greisen Rita Moreno, der Anita aus der Verfilmung von 1961, die auch in Abwandlung zur 1961er-Version den Song “Somewhere” bekommt), vor allem aber eine Homage an die alte Version, inklusive der künstlichen Ausleuchtung mit mehreren Lichtquellen und bei Nahaufnahmen Spots auf die Augenpartien, mit fast identischer Farbigkeit und Kostüm. Doch die Besetzung ist erheblich diverser, unter anderem sind die Protagonist*innen nicht so hübsch, wie ich es von Hollywood und vor allem von Musicals gewöhnt bin, statt dessen Charakterköpfe. Auf jeden Fall sehenswert (durch die Nähe zum 60 Jahre älteren Vorbild möglicherweise für die Nachwelt dereinst verwirrend).

Sehr spätes Abendessen, da der Film über zweieinhalb Stunden dauert: Kasha von Silvester, Früchtebrot mit Butter, Schokolade (zu viel, ich ging mit Bauchdrücken ins Bett).

§

RIP Betty White – hier ein wunderschöner Schnippsel aus den Golden Girls.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 31. Dezember 2021 – Silvester mit Weinabenteuer

Samstag, 1. Januar 2022 um 9:01

Gestern sollte der Teil meiner zweieinhalb Wochen Urlaub beginnen, in dem mir idealerweise langweilig wurde: Keine Pläne, nur vage Ideen, also bitteschön Ruhe und Frieden – bis man aus Planmangel auf Einfälle wie Puzzle oder Topflappenhäkeln kommt.

Der Tag war sehr mild und wunderbar sonnig. Nach Bloggen, Jahresendfragebogen und einer kleinen Runde Yoga erledigte ich kleinere Tüchtigkeiten: Neue Schneestiefel imprägniert (wäre ich nicht selbst draufgekommen, weil sie ganz aus Plastik sind, doch die Verkäuferin fragte: “Imprägnierspray dafür haben Sie?”), die alten weggeworfen, Wanderstiefel mir Bürste vom Vortagesmatsch befreit, Loch in grobem Strickpulli geflickt.

Der Weizensauerteig war auch beim zweiten Auffrischen nicht aktiv genug geworden, also verschob ich das Brotbacken auf Sonntag. Fürs Abendessen würde Herr Kaltmamsell sorgen.

Frühstück um eins waren Granatapfelkerne, Orangen, Apfel mit Mohn und Joghurt.

Das herrliche Wetter zog mich trotz der Aussicht auf Menschenmassen raus auf den Südfriedhof und ans Ufer der Isar; Mütze oder Handschuhe waren in Temperaturen um die 14 Grad unnötig.

Die Isar floss recht munter, die milchige Farbe des Wassers wies auf Schneeschmelze hin. Unter der Wittelsbacherbrücke versuchte sich ein Neopren-Mensch in Surfen einer Miniwelle.

Daheim finalisierte ich den Post mit Lieblingstweets von November und Dezember, jetzt war auch das Blogjahr abgeschlossen.

Für den Abend hatten wir uns ein Weinabenteuer vorgenommen:

Wir hatten schon vor Längerem von Herrn Schwieger diesen alten Wein geschenkt bekommen, Pommard Rossignol Jeanniard 1979, und wollen ihn jetzt probieren. Ich bat meine Twitter-Timeline um Tipps für dieses Vorhaben: Korken reindrücken (weil sicher zu bröslig zum Rausziehen), gleich durch ein feinmaschiges Sieb dekantieren, nicht zu lange an der Luft lassen.

Schon Herr Schwieger hatte keine große Hoffnung gehabt, dass der Wein noch gut sein würde – und so war es dann auch: Er roch verdorben und schmeckte nur sauer. Wir ließen ihn mal stehen, vielleicht würde Luft etwas Gutes damit machen.

Zum Silvestermenü machten wir statt dessen einen Pouilly Fumé auf, der ein bisschen Luft brauchte und sehr gut dazu schmeckte. Aperitif waren Manhattans gewesen.


Foto: Herr Kaltmamsell.

Country paté nach Delia Smith, bread sticks mit Kräutern drin, Jakobsmuscheln auf Rosmarin gespießt, Buchweizengemüse mit Entenleber. Zum Nachtisch gab es Dosenpfirsiche mit Eiscreme, edlen spanischen Brandy (beides hatten wir ja an Heilig Abend nicht mehr geschafft).

Ins Bett noch vor elf, ein bisschen gelesen.

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Ein Pfleger erzählt in einem Twitter-Thread von typischem Silvester in der Notaufnahme und warum Böller nicht das Problem sind.

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Noch ein Jahresrückblick – aber gleich für 2022.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/tPLDhVIDEDc

die Kaltmamsell

Lieblingstweets November/Dezember 2021

Freitag, 31. Dezember 2021 um 17:36

die Kaltmamsell

Jahresrückblick 2021

Freitag, 31. Dezember 2021 um 9:41

Die am häufigsten geherzten Fotos auf instagram:

Wenig Abwechslung. Gemocht wurden: Impfen, Haare, Plätzchen.

Zugenommen oder abgenommen?
Abgenommen, fast zwei Kleidergrößen. Mein Körper wurde mir damit noch fremder als eh schon. Nicht nur dotze ich beim Anziehen oder beim Yoga an unerwarteten Stellen auf Knochen, nicht nur hat sich das Bindegewebe um einige Zentimeter der Schwerkraft ergeben: Die meiste meiner Kleidung passt nicht mehr, bis hin zur echten Untragbarkeit (wer hätte gedacht, dass Hemden und Kleider nicht nur zu weit werden, sondern auch deren Ärmel zu lang?). Tatsächlich bereue ich jetzt, seit Jahren konsequent Kleidung aussortiert zu haben, die ich wegen zu eng nicht mehr trug. Mein schmaleres Gesicht gefällt mir aber, und ich versuche mir einzureden, dass ich leichter (haha) jogge.

Haare länger oder kürzer?
Gleich lang.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Sowohl als auch: Das Jahr 2021 war das Jahr der ersten Gleitsichtbrille. Wahrscheinlich wäre eine zusätzliche Bildschirmbrille optimal, aber vorerst genieße ich es zu sehr, nach vielen Jahren nicht mehr ständig die Brille ab- und aufsetzen zu müssen, als dass ständiger Brillenwechsel attraktiv wäre.

Mehr bewegt oder weniger?
Deutlich mehr, denn das künstliche Hüftgelenk heilte komplett vorschriftsmäßig ein. So konnte ich wieder zu Fuß in die Arbeit gehen, konnte wandern, konnte ab Frühsommer wieder joggen, ab Wiedereröffnung der Bäder wieder schwimmen. Yoga nahm ich auch wieder auf, hin und wieder Krafttrainig. Nur das Strampeln auf dem Crosstrainer hörte auf: Unser eigenes Gerät ging irreparabel kaputt, ob es einen Nachfolger bekommt (ist halt doch ein riesiges, hässliches Trumm), ist noch offen.

Mehr Kohle oder weniger.
Müsste etwas mehr gewesen sein, weil kein Monat mit reduziertem Krankengeld.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Vermutlich etwa gleich: Die Ausgaben für Umzug und neue Möbel schlugen sich langfristig nicht auf meinen Kontostand.

Der hirnrissigste Plan?
Überhaupt auch nur mittelfristig zu planen, erwies sich im zweiten Corona-Jahr meist schnell als hinrissig. Darunter fällt mir kein besonders schlimmer Ausreißer ein.

Die gefährlichste Unternehmung?
Ich führe auch weiterhin ein ausgesprochen Risiko-armes Leben – Sie sehen ja selbst an diesem Blog, welche Lappalien als aufschreibenswerte Geschichten herhalten müssen. Gefährlich war vermutlich der Restaurantbesuch in einem gesteckt vollen Raum mit laxer 3G-Kontrolle und Personal mit Masken unter der Nase.

Die teuerste Anschaffung?
Der Wandschrank für mein Schlafzimmer.

Das leckerste Essen?
Die Foie gras an Heilig Abend war schon ein Highlight, an Restaurant-Essen genoss ich wohl am meisten den Abend im Berliner Tisk.

Das beeindruckendste Buch?
Markus Ostermair, Der Sandler

Das enttäuschendste Buch?
Nora Bossong, Schutzzone

Der ergreifendste Film?
Nomadland.
(Erinnert mich daran, dass ich so kleine goldene Creolen haben wollte, wie sie die Hauptfigur in dem Film trägt.)

Die beste Musik?
Ja! Durch den Zugriff auf den Spotify-Family-Mix der Bruderfamilie lernte ich endlich mal wieder spannende Musik kennen.

Das beste Theater?
Ja. Nee. Corona.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Hadern.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
Nicht-Hadern, sondern Sinneswahrnehmungen, vor allem im Draußen.

Vorherrschendes Gefühl 2021?
Bitte lass es zu Ende gehen.

2021 zum ersten Mal getan?
Impfung gegen SARS-CoV-2, Urlaub im Bayerischen Wald, mit einer Schreinerei ein Möbelstück entworfen und anfertigen lassen, eine Tanzrevue gesehen.

2021 nach langer Zeit wieder getan?
Umgezogen, Löcher in die Wand gebohrt, einen Freundeskreis verloren.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Dass ein Teil der Gesellschaft, in der ich lebe, komplett den Anschluss an die Realität verliert und sich eine eigene konstruiert.
Dass sich Covid-19 als noch tückischer erweist als prognostiziert und wir in ein drittes Corona-Jahr starten.
Zwei große zwischenmenschliche Krisen im Frühjahr.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Lass dich impfen.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Möglicherweise ein schlichter selbstgebackener Geburtstagskuchen.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Begleitung und Zuwendung.

2021 war mit 1 Wort…?
Kräftezehrend.

Vorsätze für 2022?
Auch jetzt habe ich es nicht mit Vorsätzen. Für Verhaltensänderungen, die ich als notwendig erkenne, warte ich nicht bis zum Jahreswechsel.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 30. Dezember 2021 – Wandern um die Osterseen mit Herrn Bruder

Freitag, 31. Dezember 2021 um 8:00

Bis fünf durchgeschlafen – aber dann halt nicht mehr.

Gestern hatte ich eine Wanderverabredung – und musste mich schon sehr am Vertrauen auf die moderne Meteorologie festhalten, die für das Gebiet um Starnberg ab Mittag trockenes Wetter vorhergesagt hatte: In München regnete es vormittags aus konsequent grauem Himmel mit Wind.

Das frühe Aufwachen ermöglichte mir noch ein bisschen Yoga, bevor ich fürs Wandern den Rucksack packte: War ja mein Weihnachtsgeschenk für Herrn Bruder gewesen, also sorgte ich für Brotzeit. Heißer Tee in Thermoskanne (sogar eigens besorgt, weil im Nichtwinter beim Wandern nie Sehnsucht nach einem heißen Getränk aufgekommen war; beim Einkaufen hatte ich gelernt, dass Thermoskannen heute ganz anders aussehen als vor 30 Jahren), am Vorabend gebratene Fleischpflanzerl, Scheiben vom letzten selbstgebackenen Brot aus der Gefriere. (Wasser eh, aber das hat jede*r selbst dabei.) Auf dem Weg zum Bahnhof kaufte ich noch Tomätchen (als Ersatz fürs Ketchup zu den Fleischpflanzerln), Schokonüsse und Fruchtgummi.

Beim Holen der Wanderstiefel aus dem Keller, Teekochen und Wanderanziehen (ich hatte mich fürs Winterwandern für dicken Pulli unter superduper Wanderjacke und für wärmende Strumpfhose unter gewohnter Wanderhose entschieden) kam ich dann doch ins Hetzen und wunderte mich ein wenig, weil ich den Vormittag eigentlich sehr gut durchgeplant hatte. Am Bahnhof, an dem ich mit dem anreisenden Herrn Bruder zur gemeinsamen Weiterfahrt verabredet war, kam ich auf die Ursache: Ich war eine Stunde zu früh dran. (Check des Online-Fahrplans, denn am recherchierten Gleis war ein anderer Zug angekündigt, Blick auf die Handy-Uhrzeit, Gegencheck auf Bahnhofsuhr: Ja, tatsächlich, es war nicht 10.46 Uhr, sondern erst 9.46.) Ging ich halt nochmal heim und wechselte schwitzend von dickem Wollpulli in leichteren Baumwollpulli unter der Wanderjacke.

Eine Stunde später klappte alles wie verabredet, wir fuhren zusammen nach Iffeldorf für eine Wanderung um die Osterseen, ab der ersten Minute in regem Gespräch, über das ich mich in den folgenden Stunden sehr freute.

Die Osterseen waren mir in den vergangenen Jahren immer wieder als Ausflugsziel empfohlen worden, ich hatte eine gemütliche Strecke drumrum gefunden, erweitert um den Spaziergang vom Bahnhof dorthin. Gleich beim Parkplatz stießen wir auf die Schautafeln der Limnologischen Station des Lehrstuhls für Aquatische Systembiologie an der TU München und stellten fest, dass die Osterseen tatsächlich etwas sehr Besonderes sind mit ihren unterseeischen Quellen und als Eiszerfallslandschaft. An dem Quelltopf Blaue Gumpe (so viele schöne neue Wörter!) machten wir Rast für Brotzeit.

Das Wetter hatte das Briefing bekommen: Es war sehr warm (Mütze, Schal und Handschuhe hatte ich gleich bei Ankunft im Rucksack verstaut), regnete gar nicht, wurde immer heller und wir sahen sogar Sonne.

Auch einen Seidenreiher sahen wir, immer wieder großartige Ausblicke auf die leicht verschneite Alpenkette, Schilflandschaft, auch der Ort Iffeldorf war sehr malerisch.

Iffeldorf.

Steg über die Blaue Gumpe.

Blick in die Blaue Gumpe.

Es waren wenige Menschen unterwegs (nur EIN Radler), aber doch etwas mehr, als ich an einem düsteren Tag im Winter erwartet hätte – ich stelle mir ungern vor, wie viel Betrieb hier an einem Sonnentag ist.

Den angepeilten Zug zurück kurz nach vier verpassten wir um wenige Minuten – egal, wir hatten einander genug zu erzählen, sahen die Sonne hinter den Bergen verschwinden, brotzeiteten nochmal auf der Bank am Gleis. Mit einer Extraschleife wegen falscher Abzweigung waren das etwa zwölf Kilometer in knapp vier Stunden mit langer Pause gewesen.

Rückfahrt im Dunklen, die Anzeige im Zug informierte über 14 Grad Außentemperatur. Kurzer Abschied am Münchner Hauptbahnhof mit Silvesterwünschen, die Luft in München auf dem Heimweg (mit Abstecher zu Obstkauf beim Süpermarket Verdi) bacherlwarm.

Herr Kaltmamsell servierte zum Nachtmahl mit Käse gefüllte Weizentortillas, Guacamole und Käse, Nachtisch Pralinen aus Königsbrunn – ganz besonders gut und deshalb ein hochwillkommenes Weihnachtsgeschenk der lieben Schwiegers.

Im Bett las ich weiter in Blai Bonet, Frank Henseleit (Übers.), Das Meer – und stieß nochmal gehäuft auf falsch gesetzte Kommas, auf Bezugsfehler und Vertipper (“Steinmetzte”); das war dann doch keine Kunstgriff, sondern fehlendes Lektorat/Korrektorat im Kupido-Verlag und damit sehr ärgerlich.

die Kaltmamsell