Journal Donnerstag, 19. März 2026 – Schöner erster Lerchenlauf

Freitag, 20. März 2026 um 6:19

Vor dem besonders frühen Weckerklingeln einen besonders schönen Traum geträumt, der in England spielte und in dem Herr Kaltmamsell eine zentrale Rolle hatte.

Wie fast immer war ich bereits weit in meinem Morgenhandlungen, bevor in meinem Bewusstsein ankam: Früh! Zu wenig Schlaf! Doch wie berechnet war es beim Verlassen des Hauses um Viertel nach sechs hell genug fürs Stolperrisiko-arme Laufen. UND KALT! Über der Isar hing eisiger Nebel.

Doch mit angemessener Kleidung (Handschuhe!) und Bewegung war mir warm genug, der Körper spielte gut mit (nach Kreuz- und Achillessehnenschmerzen beim Aufstehen allerdings mit präventiver Ibu), ich bekam so richtig was geboten.
Unter anderem sehr viele Eichkätzchen auf dem Alten Südfriedhof.

Vor der Haustür.

Von der Wittelsbacherbrücke aus.

Unter der Wittelsbacherbrücke.

Nach disziplinierten 70 Minuten war ich zurück daheim.

Zum Vergleich: Der erste Lerchenlauf 2025, dieser am 18. März.
(Warum so ein Tagebuchblog praktisch sein kann.)

Nach dem Frischmachen: Auftritt neue Bürobluse.

In der Arbeit stempelte ich 35 Minuten später als sonstiger Durchschnitt ein, Öffnen des E-Mail-Postfachs zeigte: Ich hatte nichts verpasst.

Unzufrieden war ich mit dem Wetter: Seit Tagen hatte man mir strahlenden Sonnenschein angekündigt, doch jetzt sah ich vorm Büro nur Wolkenhimmel.

Mittagscappuccino im Westend, auf dem Weg fühlte ich mich sehr müde. Hatte aber die endlich schlüssige Idee fürs Freitagabendessen, zu dem Herr Kaltmamsell und ich einen sehr angefreuten Gast haben werden.

Zu Mittag gab es eine überraschend gut Birne (ich LIEBE überraschend gutes Obst), dann eingeweichtes Muesli mit Joghurt. Aber Kopfweh und müde – hoffentlich nur wegen des arg frühen Aufstehens.

Gut machbarer Arbeitsnachmittag. Auf dem Heimweg Einkäufe für Freitagabend, das Wetter weiterhin eher kühl, aber deutlich trocken. Zu Hause nochmal die stretchige Yoga-Folge vom Mittwochabend, diesmal konnte ich sie wirklich genießen.

Als Nachtmahl kombinierte Herr Kaltmamsell einige Bestandteile des eben geholten Ernteanteils:

Von oben im Uhrzeigersinn: Kohlröschen, Ruccola, Einkorn (Ernteanteil der vergangenen Woche), Steckrübenpüree – ganz erstaunlich gut, weil fruchtig. Nachtisch Schokolade.

E-Mail vom Wahlamt mit Entschuldigung, dass die Wahlhilfe-Berufungschreiben für Sonntag so spät rausgegangen sind. Wenn man am gestrigen Donnerstag noch keines bekommen habe, solle man sich telefonisch oder per E-Mail für eine digitale Zusendung melden. Netterweise stand gleich drin, dass die Zusammensetzung der Teams NICHT auf dem Wahlhilfeportal stehe, sondern nur in dem Berufungsschreiben – das ersparte mir das geplante ultra-komplizierte Einloggen am Abend, mit dem ich mich über genau dieses hatte informieren wollen. Statt dessen antwortete ich dem Wahlamt mit Bitte um Berufung per E-Mail: Sie war nicht in der Post gewesen.

Endlich eine Wander-Anfrage zur diesjährigen Oktoberfestflucht losgeschickt – dann doch Wandern im Schwarzwald statt Sprachurlaub in Italien (oder Istanbul? der Theaterabend in Ingolstadt hatte mir mal wieder unter die Nase gerieben, wie super es wäre, das viele Türkisch in München wenigsten ein bisserl zu verstehen), aus purer Recherche-Faulheit.

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Münchens grüner Bürgermeisterkandidat Dominik Krause wird sehr konkret, was er machen will, wenn er gewinnt:
“7 Punkte, die ich als OB anders machen werde”.

Meiner Ansicht nach liest sich darin sehr deutlich die Erfahrung von Dominik Krause aus seinen Jahren als 2. Bürgermeister Münchens: Er ist in keiner Weise naiv, sondern kennt die ganz konkreten Stellschrauben.
(Womit ich als Grünen-Parteimitglied endlich etwas zum Wahlkampf beigesteuert habe.)

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Vielleicht mögen Sie auch zur re:publica? Und haben noch kein Ticket?
Joël hat eines zum Early-Bird-Preis abzugeben.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 18. März 2026 – Zumindest mit Wiedersehen der Alten Kongresshalle

Donnerstag, 19. März 2026 um 5:48

Endlich wieder gut geschlafen, nur wenig vor Weckerklingeln aufgewacht mit erholtem Gefühl.

Fein gemacht für Berufseinsatz.

Der Weg in die Arbeit führte nochmal über frostige Oberflächen.

Erstmal im Büro einiges weggeschafft, solange ich Ruhe hatte. Dann zweistündiger Einsatz auf einer internen Konferenz (die Projektleitung war meinem Wunsch nachgekommen, mir eine kleine Aufgabe zu übertragen, damit ich wenigstens kurz dabeisein konnte), sehr bereichernd.

Und ich sog wieder die Schönheit der Altens Kongresshalle auf.

Auf dem Rückweg Mittagscappucino, der damit verbundene Marsch war allerdings weniger angenehm als erhofft, weil ein scharfer und wirklich eisiger Wind blies.

Zurück im Büro gleichmal Betriebsrat gewählt, wir finden Betriebsräte super. Später Mittagessen am Schreibtisch: Apfel, Halbtrockenpflaumen, außerdem Mango mit Sojajoghurt.

Sehr konzentrierter Nachmittag – was ich nur schaffte, indem ich aus meinem Büro in ein ungenutztes Einzelbüro auszog. Eine langfristige Lösung ist bereits geplant, bis dahin beweise ich halt sowas wie Flexibilität.

Langsam vielleicht doch beunruhigend: Die LWS-Schmerzen, die immer stärker pieksen und Hüfte sowie Bein bis Knie mitnehmen, mal die eine Seite, mal die andere. Wie’s halt so ist bei Jahrzehnte langen Schmerzen: Zum einen schwer abzuschätzen, wann ein Arztbesuch sinnvoll wäre – zum anderen aus Erfahrung wenig Hoffnung auf Linderung. Ich sehnte mich sehr nach meinem Feierabend-Yoga: Auch wenn es nichts reparieren würde, stellte ich mir die angesagte Folge mit 35 Minuten Streching himmlisch vor.

Auf dem direkten Heimweg biss mich wieder heftiger Wind, wenn auch nicht mehr ganz so kalt.

Zu Hause chop-chop: Yoga (mittel angenehm, weil ich all die weiteren Tätigkeiten nicht aus dem Kopf bekam), trockene Wäsche abhängen, frisch gewaschene Wäsche aufhängen, Pflanzen gießen, Brotzeit vorbereiten, Teebeutel für Arbeit füllen.

Aber dann gab es ja Abendessen! Herr Kaltmammsell hatte schon vor Tagen Penne mit Käsesauce angekündigt, und zwar aus mindestens drei Käsesorten. Und genau die gab es, sogar mit vier Käsen, sehr gut. Als Gemüse aß ich fast alle restlichen bulgarischen Essiggurken. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, Wecker auf noch früher, weil ich die erste Laufrunde vor Arbeit der Saison plante.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 17. März 2026 – Berlin-Orga für Mai

Mittwoch, 18. März 2026 um 6:24

Schwer eingeschlafen, zu früh aufgewacht, unerholt aufgestanden. Das Draußen weiter kalt und greislich, zumindest kam ich trocken in die Arbeit.

Dort spürte ich den Schlafmangel, Konzentration fiel mir schwer.

Urlaubsantrag für Mai gestellt, auf die Nicht-Existenz einer Urlaubsvertretung hingewiesen.

Trotz Müdigkeit bekam ich einiges weggearbeitet; es half, dass sich ein anstrengender Termin von selbst zerschlug.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, da das Mittagessen spät werden würde, ausnahmsweise einen großen. Zu meiner Draußenrunde kam ich gestern sogar aus beruflichen Gründen: Ich hatte einen Termin in der Alten Kongresshalle.

Hello again – ich finde sie immer noch die schönste Veranstaltungs-Location in München. Und ich kann immer noch nicht glauben, dass wir meinen Traum, darin zu feiern, wirklich ganz echt ehrlich wahr gemacht haben.

Brotzeit zurück am Schreibtisch um halb zwei: Apfel, Hüttenkäse mit Leinsamenschrot.

Unruhiger Arbeitsnachmittag, unter anderem wegen fast durchgehender Telefonate in meinem Büro, bei Dauerbeschallung fällt mir Konzentration inzwischen wirklich schwer – ich werde dann doch ernsthaft Dienstag als Homeoffice-Tag angehen. Doch ich beendete ihn nicht allzu spät.

Auf dem Heimweg Einkäufe im Vollcorner und im Drogeriemarkt.

Noch war der Himmel winterlich – auch die Lufttemperatur.

Zu Hause Yoga, Wäscheaufhängen, Brotzeitvorbereiten.

Das Abendessen war um das Glas Essiggurken von bulgarischer Kolleginnengroßmutter herumgebaut: Wurst, Käse, Brot.

Herr Kaltmamsell hatte drei Sorten Leberwurst gekauft – von denen sich zu unserer Überraschung die feine als die interessanteste erwies. Außerdem zwei Sorten getrocknete Blutwurst, die ich besser in Erinnerung hatte. Doch der Knaller waren erwartungsgemäß die Gurken – und das, wo die davor ebenfalls verwandtschaftlich waren, von der fränkischen Schwester eines Freundes. Nie unterschätzen, WIE gut Essiggurken sein können.

Nachtisch Schokolade.

Unterkunft zur re:publica gebucht: Zwar in einem Winkel Kreuzbergs, in dem ich eventuell das letzte Bisschen Gottverlassenheit Berlins finde, aber es ist a) ein gewerblich vermietetes Apartment mit Küchenzeile in einem Apartment-Neubau, b) wirklich günstig – in einer Stadt, in der Übernachten so teuer geworden ist, dass selbst das Bundesreisekostengesetz für mit öffentlichen Geldern bezahlte Menschen 125 Euro pro Nacht inklusive Frühstück springen lässt (für München sind es nur 109 Euro), c) sehr nah an der Spree, vielleicht bekomme ich eine Laufrunde (allerdings heißt hier nix -ufer – ach, das werde ich halt rausfinden). Und nach tiefem In-mich-Gehen stellte ich fest, dass ich derzeit beim Alleinreisen lieber günstig, und nicht so hübsch wohne, das Geld statt dessen für schönes Essen- und Trinkengehen mit Freundinnen verprasse. Weite Wege stören mich auch nicht, nehme ich alles als Sight-Seeing, ich hab ja Urlaub, und die (reichlichen) Öffentlichen Verkehrsmittel in Berlin deckt mein Deutschlandticket ab.

Bahnfahrt zur re:publica gebucht, hin und zurück inklusive Platzreservierung unter 70 Euro – gleich noch ein Schnäppchen. Die erste Freundin in Berlin habe ich auch schon kontaktierte: Sie ist da und nimmt sich Zeit für mich!

Trüge ich beschriftete T-Shirts, würde ich mir für das re:publica-Panel “Mythos Blogosphäre” diesen Tweet auf eines drucken lassen – gegen die vorherrschende Prämisse, jede*r wünsche sich, weniger Zeit am Smartphone zu verbringen.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 16. März 2026 – Papa-Geburtstag und dann doch Reiseplanung re:publica

Dienstag, 17. März 2026 um 6:33

Mittelgut geschlafen, weil meine Nase immer wieder zuzog (trotz Salz-Nasenspray), zu früh aufgewacht, müde aufgestanden.

Beim Klogang entdeckt: Die Spinne war weg. Mit dem Beschriebenwerden im Internet sah sie ihren Auftritt wohl als abgeschlossen an.

Das Draußen war weiterhin kalt, schenkte mir aber zum Marsch in die Arbeit Sonne. Am Schreibtisch dichtes, aber geordnetes Losarbeiten, während der Himmel düster zuzog und es heftig regnete.

Keine Lust auf Mittagscappuccino, doch ich nutzte eine Regenpause, um das Haus zu einem Marsch zu verlassen. Zahlreiche Veilchensichtungen; richtig: die kommen noch vor Schlüsselblumen.

Zu Mittag gab es ein Äpfelchen, zwei getrockntete Feigen, außerdem Quark mit Leinsamenschrot.

Emsiger Nachmittag, superpünktlicher Feierabend: Ich war in Ingolstadt zum Geburtstagessen meines Vater eingeladen.

Kurz vor Abfahrt des Zugs (mit weniger Verzögerung, als es zwischendrin „wegen einer technischen Störung“ angekündigt war) erreichte mich die Nachricht, dass auf der re:publica eine Session-Einreichung mit mir drin angenommen worden war: Alexander Matzkeit, den ich aus der Techniktagebuch-Redaktion kenne, hatte mich gefragt, ob ich bei einem Panel zur seinerzeitigen Blogosphäre dabei wäre und ich hatte zugesagt. Ich werde also doch nach Berlin zur re:publica reisen, und weil mir derzeit ein in Berlin lebender Neffe zu einem besonderen Abenteuer verhelfen kann, sogar für eine ganze Woche.

Von dieser Reise hatte im Grunde die restliche Urlaubsplanung des Jahres abgehängt, heute werde ich losorganisieren und Urlaubsanträge stellen.

Die Bahnhfahrt wurde immer wieder durch Stehenbleiben unterbrochen, ich traf mit über 20 Minuten Verspätung ein (was 30 Prozent der gesamten Fahrtzeit bedeutet). Doch ich erwischte eine Regenpause und wurde auf dem Weg zu meinem Elternhaus lediglich angenieselt.

Papa geherzt und geküsst, zum mittlerweile deutlich über 80. Geburtstag gratuliert. Es kam auch die Bruderfamilie in unerwartet hoher Kopfzahl, das war besonders schön. Meine Mutter hatte nach gemüslichen Vorspeisen eine Kochherd-Paella zubereitet, dazu gab es unter anderem Erzählungen von einem kürzlichen Marokko-Urlaub inklusive Wüstenerlebnissen und Kennenlernen von Einheimischen.

Früher, als mir lieb war, musste ich aufbrechen, um nicht zu spät ins Bett zu kommen. Was dann doch später war als berechnet, weil auch diese Fahrt mit einer langen Verzögerung in München endete.

§

Jede Entdeckung einer Bombe aus dem 2. Weltkrieg, meist verbunden mit aufwändiger Entschärfung und Evakuierung von Bevölkerung, beweist in meinen Augen, wie gegenwärtig die Auswirkungen dieser Menschheitskatastrophe sind, geht mir weg mit: “Man muss auch mal vergessen können!”
Gleichzeitig (sagt mein innerer Spock) ist das Thema Kampfmittelbeseitigung superinteressant, vielleicht mögen Sie diese Folge ARD Wissen von vergangenem Jahr gucken:
“Explosives Erbe · Lena Ganschow und die Weltkriegsbomben”.

Offenlegung: Eine wichtige Rolle in dieser Doku spielt ein Forschungsinstitut meines Arbeitgebers.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 15. März 2026 – Heimische und häusliche Flora und Fauna

Montag, 16. März 2026 um 6:25

Wecker gestellt, weil ich verabredet war und vorher noch Laufen gehen wollte.

Geordnetes Bloggen, Wäscheabhängen, Katzenwaschen…

Wie wunderbar diese Socken aus Freundinnenhand zu meinem aktuellen Lieblings-Schlumpfanzug passen!
… Sportkleidunganziehen (bei angesagten 3 Grad griff ich doch lieber zu leichter Mütze und Handschuhen – erwies sich als gute Idee), dann noch Morgengymnastik, und um halb neun war ich auf der Laufpiste ab Haustür Richtung Thalkirchen.

Der Körper spielte gut mit, ich hoffe, dass mein Formtief nun hinter mir liegt. 1 Stunde 50 Minuten waren nur ca. 15 Minuten zu viel, aber voraussichtlich komme ich erst in zwei Wochen wieder zu einer Runde.

Am Flaucher.

Hinter Maria Einsiedel. Düster war es und kalt, aber ohne Eisschicht auf dem Weg läuft es sich hier SO viel beschwingter als mit!

Wenn sie einer die Fotomotive schon direkt an die Laufstrecke stellen (Seidelbast).

Stockente auf – Stock?

Auf dem Alten Südfriedhof dominierten die Blausterne, aber der Bärlauch ist schon ganz stark im Kommen.

Kurz vor der Haustür sah ich eine Plakat, das Auftritte von Josef Hader in München ankündigte. Ich notierte sie, checkte daheim Kartenverfügbarkeit, fragte Herrn Kaltmamsell nach Begleitlust – und jetzt haben wir Tickets für sein Programm “Hader on Ice” am 8. Mai in den Kammerspielen. Bis dahin fließt viel Wasser die Isar hinab, und die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich kurz vorher frage, warum ich mir bitte einen der kostbaren Freitagabende mit sowas verplane, ist nicht gering. Aber jetzt freute ich mich erstmal darauf.

Eine große Tasse Zitrone-Ingwer-Pfeffer-Tee gekocht, um damit die kristallinen Reste in einem Honigglas zu lösen. War dann mehr Honigrest als erwartet, und spätestens jetzt weiß ich, dass ich Tee derzeit wirklich am liebsten ungesüßt mag (Ausnahme Englischer Schwarztee mit Milch).

Die mittägliche Verabredung war ein Kurzbesuch meiner Eltern: Sie brachten das Feigenbäumchen, das mir das Christkind geschenkt hatte, aber erst jetzt in einer Gärtnerei zu haben war. Und trafen deutlich später als geplant ein, weil sie wegen der PRÜF-Demo große Umwege fahren mussten.

Neue Mitbewohnerin unseres Küchenbalkons nach Süden: Violetta, die Bayernfeige.

Frühstück um halb zwei: Apfel, Roggenvollkornbrot mit Käse.

Internet gelesen. Nachmittags holte ich den Film Perfect Days von Wim Wenders nach, die ARD-Mediathek machte es möglich (ein Hoch auf die Öffentlich-Rechtlichen).

Wirklich schöner Film, ich mochte ihn von Anfang bis Ende. Zunächst störte ich mich daran, dass ich keine Originalversion mit Untertiteln auswählen konnte (keine Untertitel im Angebot), denn je weiter weg vom Deutschen, desto alberner empfinde ich Synchronisierung. Doch der Film enthält so wenig gesprochenen Text, dass das nichts ausmachte.

Typisch Wim Wenders waren für mich der fehlende Spannungsbogen, der Mensch im Mittelpunkt, der deutsche Blick auf Exotik, ohne zu Exotisieren – all das mochte ich wieder sehr. Wundervoller Hauptdarsteller Kōji Yakusho (beim Rumrecherchieren um den Film entdeckt, dass ich ihn aus Shall we dansu? von 1996 kenne).

Guter Sonntagnachmittag mit Wenigtun, erkennbar an der Länge meiner Blicke aus dem Fenster: Die Kastanien vor Herrn Kaltmamsells Fenster fangen JETZT an mit Pfötchengeben, aber noch sieht man beleuchtete Fenster jenseits des Parks, weil die Bäume kahl sind.

Ich startete nochmal das 30-Tage-Programm “True” von Adriene, ich freue mich schon darauf.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell das Ernteanteil-Blaukraut als Ofen-Steaks nach Herrn Grün. Schmeckte gut, aber als Beilagen-Blaukraut oder Salat mag ich es lieber. Nachtisch Schokolade.

Seit fast einer Woche wohnt eine zarte, langbeinige Spinne auf unserer Klotüre, unteres Fünftel, Seite zum Gang, nah an der Türkante. Wenn man die Tür nutzt, wackelt sie ein bisschen mit mindestens zwei Beinen, sitzt ansonsten ruhig. Uns fällt wirklich nicht ein, warum sie a) so ausdauernd, b) genau da sitzt. Aber wir bemerken sie, öffnen und schließen die Tür etwas sachter als sonst. Möglicherweise eine Zitterspinne.

Früh ins Bett zum Lesen, die Oscarverleihung würde ich verpassen und nachlesen müssen – doch vom vergangenen Filmjahr habe ich eh so gut wie nichts mitbekommen.

§

Alterserscheinung: Früher trug ich in Gesprächen unbefangen eigene Erlebnisse bei, flink herbeiassoziiert. Mittlerweile schlucke ich sie immer öfter unerzählt: Zweifel an Interessantheit, weil wahrscheinlich zu weit weg / Bewusstsein, wie viel Hintergrund ich erklären müsste.
(Zum Glück habe ich ein Blog.)

§

Wer die Fotos von Lisette Model sehen will, muss gar nicht wie ich in Wien in die Albertina:
Ab 18. März sind sie im Münchner Kunstfoyer ausgestellt.

§

Ich würde ja gerne LLMs ausprobieren, doch ich finde einfach keine Anwendungen (und meine wenigen, etwas an den Haaren herbeigezogenen Versuche gingen schlecht aus). Für Chat-Bots fallen mir noch weniger Einsätze ein. Bis gestern, als ich GRÜNESCHULD entdeckte.

Grüneschuld ist ein satirischer KI-Chatbot, der die beliebte deutsche Politikstrategie parodiert, für jedes erdenkliche Problem die Grünen verantwortlich zu machen.

Er funktioniert wirklich! Nenn ein beliebiges Problem und erfahre die wahre Ursache!

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 14. März 2026 – Endlich wieder gut geschwommen

Sonntag, 15. März 2026 um 7:45

Mittelgute Nacht, die zu früh endete, mittendrinn nach Langem mal wieder von einem Krampf im Bein geweckt worden: Aufstehen und Yoga-Vorbeuge halfen.

Aufgestanden mit der schönen Aussicht, den ganzen Samstag nichts zu müssen (außer Nusszopfbacken und Schwimmen, weil mein Hirn das geplant hatte) – das brauchte ich so dringend, dass ich dafür sogar die Geburtstagsfeier eines lieben Menschen drangegeben hatte. Das Wetter sah gemischt aus, morgens Tendenz zu Sonne.

Erstmal kümmerte ich mich um den Nusszopf. Da ich eine faule Einkäuferin bin, hatte ich statt gemahlenen Haselnüssen gehackte verwendet – es hatte am einen Einkaufsort weder ganze, noch gemahlene Haselnüsse gegeben, selbst die eine Packung gehackter fand ich nur durch Zufall. Stellte sich als keine ideale Wahl heraus: Die Flüssigkeit der Füllung trat beim Backen aus.

Ansonsten gelang er aber gut.

Nach dem frühen Aufstehen war ich besonders früh startklar für meine Schwimmrunde. Mein Fahrrad ist immer noch platt, also nahm ich trotz attraktivem Wetter die U-Bahn zum Olympiabad.

Nach der vorherigen Schwimmschwäche und dem nächtlichen Krampf war ich etwas angespannt, wie es diesmal laufen würde. Doch ich wurde beschenkt: Der Körper machte problemlos mit, schon nach einigen Bahnen war klar, dass ich eine Freude haben würde. Meine gut 3.000 Meter waren schön und besänftigten mich, zumal ich immer wieder begleitet von Sonnenschein schwamm. Die innere Schwärze lichtete sich deutlich.

Zurück daheim gab es kurz nach eins nach einem Äpfelchen zum Frühstück reichlich Nusszopf.

Wenn man vernünftig rechtzeitig mit Essen aufhören könnte, wäre er ja nicht gelungen.

Ich spazierte nochmal raus: In der Innenstadt wollte ich nach einer Bürobluse suchen – in diesen Übergangswochen ohne Kälte oder Hitze mag ich in der Arbeit Baumwoll- oder Seidenblusen. Wichtiges Kriterium, das ein Anprobieren erforderte: Sie sollte Abnäher haben, um gut zu sitzen. Gerade geschnittene Hemden mag ich an mir nicht besonders, sie sehen leider nicht lässig, sondern unförmig aus, ich habe vorne unlässige Anatomie.

Nach einigem Umsehen in Einzelhersteller-Läden ohne Erfolg landete ich im Kaufhaus, im Kaufhof am Marienplatz. Hier konnte ich mir das Angebot zahlreicher Hersteller an einem Ort ansehen (Kaufhaus-Liebe), und tatsächlich fand ich eine Bluse, die mir gefiel und die passte. Auf dem Heimweg Lebensmittel-Einkäufe fürs Wochenende. Der Himmel war immer dunkler geworden, bei ersten Regentropfen kam ich nach Hause.

Nachmittag mit Zeitung- und Internetlesen, Blogger-Bücher-Übergabe an Besuch, eine letzte Folge Pilates.

Zum Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell nach einigem Hin- und Herplanen aus Ernteanteil-Karotten und -Kartoffeln eine Gemüsepfanne plus Zwiebel und Champignons, dazu gab es Dinkelkörner. Vorher gab es Jamón vom ganzen Bein, und ich holte das Glas Weißwein vom Freitagabend nach, einen verlässlichen Verdejo.

Nachtisch Schokolade, Herr Kaltmamsell taufte die Schachtel mit Süßigkeiten unsere “E-Kiste” – nach dem dort vorherrschenden Nutri-Score.

Im frühen Bett Start der Manuskript-Lektüre.

§

Mal wieder ein Selfie-Rückblick.

Vor zehn Jahren:

Ich vermisse diese Brille.
Vor 20 Jahren:

Hier ging es mir vor allem um den lustigen Pony, den ich mir vom Friseur genau so gewünscht hatte.

§

Der Wiener Oberarzt Wolfgang Hagen erinnert sich:
“Am 13. März 2020 wurde der erste COVID-Kranke auf meiner Station aufgenommen.
Drei Tage später ging Österreich in den Lockdown.”

Gefragt wurde niemand von uns, ob wir überhaupt bereit wären, in einer Zeit, als das öffentliche Leben durch Panik und Lockdowns zum Stillstand kam, uns dem Virus beruflich auszusetzen. Trotzdem erschienen alle weiterhin zum Dienst. Vom medizinischen Personal und der Pflege bis zur Reinigungsbrigade machten alle einfach weiter, nur eben unter völlig anderen Bedingungen als zuvor. Der Weg ins Spital führte durch menschenleere Straßen, den Nachweis der „systemerhaltenden Tätigkeit“ in der Tasche.

Und vor allem, was mir am meisten bei der so genannten “Aufarbeitung” der Pandemie fehlt: Er gedenkt einiger der Tausende Toten.

Erst vergangenen Sonntag erfuhr ich, dass eine Mitwahlhelferin der Kommunalwahl 2020 am 15. März 2020 und damit am Anfang der Pandemie in den Tagen darauf an Corona erkrankte, Wahrscheinlichkeit der Ansteckung beim Wahlhelfen sehr hoch. Wir erinnern uns, dass es keine Masken gab? Dass noch nicht mal der Nutzen von Masken entdeckt war? Zum Glück kam diese Kollegin ohne schwere Symptome durch die Erkrankung und leidet unter keinen Folgen.

§

Ein wunderschönes Interview mit Siri Hustvedt über den Tod ihres Manns Paul Auster und ihre Trauer (€):
“Das Paradoxe an Trauer ist, dass man weiterhin liebt”.

Sie sagt darin so viele kluge Dinge, dass ich jetzt mehr von ihr lesen möchte (bislang nur einen ihrer Romane), eher sogar ihre Sachbücher.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 13. März 2026 – Im Schwarzen

Samstag, 14. März 2026 um 7:30

Kurz vor Wecker nach eigentlich reichlich Schlaf erschlagen aufgewacht. Wunderschöne Mondsichel hinter den kahlen Bäumen des benachbarten Parks, es tagte zu klarem Himmel.

Deshalb eigentlich schöner Marsch in die Arbeit durch überraschend kalte Luft: Am Boden glitzerte Frost.

Kaiser-Ludwig-Platz.

Ein Blick nach oben erwies: Einige Kastanienknospen sind schon ziemlich weit.

Doch ich fühlte mich erschöpft, elend und müde, außerdem lagen mir die Sardinen vom Vorabend immer noch quer im Magen.

Die Blüten im Büro-Atrium, morgens noch stumm, doch im Lauf des Nachmittags immer lauter.

Im Büro entdeckte ich die Morgenaufgaben, die ich mir am Vortag-Feierabend zurecht gelegt hatte – und sofort vergessen.

Ausufernde Korrekturarbeiten – wer nicht weiß, auf wie viele Details auch in Typografie bei Publikationen (dazu gehört auch PPT) zu achten ist, kann auch nicht den Aufwand des Überprüfens einschätzen. Wahrscheinlich (eigentlich hoffentlich) stirbt mit meiner Generation dieser Aufwand aus – weil’s eh niemand mehr merkt.

Die innere Schwärze so dominant, dass ich auf beiläufige Befindensfragen ehrlich “mir geht’s grad nicht so gut” antwortete – dafür muss erfahrungsgmäß einiges zusammenkommen (sagt der innere Beobachter, der nicht immer praktisch ist).

Kurzer Schwärze-Exkurs: Beim Postwestfalen sah ich kürzlich ein Stöckchen (“Blogparade”) zum eigenen Vornamen – und ich merkte, dass ich derzeit nicht mal so weit in mich schauen will. (Kurzantwort: Inés passt schon. Konnte ja niemand die polnische Oma auf dem Schirm haben, die daraus “de Jinnes” machen würde.)
Eine üblicher Reflex auf Klage über dominante Düsternis ohne nachvollziehbaren Anlass ist ja: “Nimm dich halt selbst nicht so wichtig.” Glauben Sie mir: Nichts täte unsereine lieber, als sich selbst nicht so wichtig nehmen zu müssen, als sich endlich unbeschwert von sich selbst um alles andere zu kümmern zu können.

Stress-Kopfweh vom schieren Existierenmüssen. Weitergeackert, allerdings plus Angst, in diesem Zustand Fehler zu machen.

Wenn Sie sich vielleicht solche Schwarzstimmungsattacken vorstellen wie eine aufziehende schwere Erkältung: Ich spüre die massiven Symptome, bin aber nahezu hilflos. Raus an die Sonne? Schlafen? Fotos von niedlichen Tieren anschauen? (Also die Entsprechung zu Vitamin-C-Tabletten, Echinacea-Tropfen, Hühnerbrühe.)

Mittags ging ich auf einen echten Spaziergang raus in die weiterhin wolkenlose Frühlingssonne, also nicht auf einen Marsch um die Blöcke, sondern mit Zeit zum Gucken und Schnaufen. Ich steuerte den Bavariapark an. Das war schön und kam tatsächlich ein wenig an mich ran.

Die Bezeichnung “Brüllwürfel” kenne ich seit den 1990ern (hat tip zur legendären Wortschöpferin Gisi), doch in Wahrheit hat das Wort auf das Baustellenradio von Makita gewartet. Daraus ertönte auch ordnungsgemäß Speed Metal.

Mittagessen klappte: Äpfelchen aus Ernteanteil, geradezu Konfekt-artig köstlich, außerdem Mango mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot.

Nachmittags musste ich mich zu Konzentration zwingen, um nicht nächste Woche von zu viel Liegengebliebenem überschwemmt zu werden. Zum Glück beruhigte sich die schwarze Flut ein wenig. Was blieb, war eine ungeheure Müdigkeit.

Nahezu pünktlicher Feierabend. Auf dem Heimweg wollte ich eigentlich noch Blumen einkaufen (Entsprechung Zinktabletten), doch ich war zu erschöpft, schaffte kein Aufraffen mehr. Eher stellte ich mir vor, wie ich mich einfach auf den Boden setzen würde und da bleiben. Daheim nach kurzer Begrüßung Herrn Kaltmamsells (der bereits fürs Abendessen in der Küche stand) und Erklärung (einen lieben Menschen mit der Schwärze belasten zu müssen, hilft auch nicht) ging ich einfach ins Bett.

Ein wenig konnte ich schlafen (blöd halt, dass genau zwischen halb sechs und halb sieben die Glocken der Kirche St. Matthäus ihre große Show haben), beim Aufstehen nach einer Stunde ging es mir besser.

Genug Energie für Freitagabendfeiern: Ich mixte uns Drinks (Rosita, Herr Kaltmamsell hatte etwas mit Campari bestellt), säbelt dazu am spanischen Schinken herum, holte die restlichen Antep-Pistazien aus dem Schrank. Erstmal gab es französische halbgetrocknete Pflaumen mit Speck gebraten (meine Bestellung), dann aus Ernteanteil-Kartoffeln Gnocchi (wieder wunderbar flaumig) mit Tomatensauce – sehr gut. Eine schlechte Überraschung war der Weißwein, den ich dazu rausgesucht hatt: Der Les Cigales blanc vom Château Duvivier schmeckte chemisch sprittig mit Lakritznoten, keine Spur von der Ankündigung “Bukett nach gelben, exotischen Früchten, grüne Banane, florale Noten nach Apfelblüten”. War er vielleicht einfach verdorben? Ich ließ ihn stehen.

Mehr Alkohol gab es zum Dessert: Gekaufter Schokopudding mit selbst eingemachten Armagnac-Zwetschgen. Dann noch ein Rollgriff in die Schokoladenkiste. Früh ins Bett zum Lesen, ich beendete Helga Schubert, Luft zum Leben (hm, hm).

§

Eine seltene Meldung von Lila aus Israel mit einem kleinen Ausschnitt Kriegs-Alltag:
“Die abenteuerliche Fahrt eines Landeis in die Großstadt und zurück”.

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Interview aus der Serie Meisterstunde, geführt im Münchner Stadtteil Nymphenburg:
“Vergolderin Elke Gleim über’s Loslegen:
»Und dann fängst du an und merkst: Die Probleme, vor denen du Angst hattest, sind keine«”.

die Kaltmamsell