Journal Montag, 30. März 2026 – Aprilige Wetterturbulenzen

Dienstag, 31. März 2026 um 6:16

Eher unruhiger Schlaf, zudem zu früh aufgewacht. Es tagte zu Düster und Grau, mein Weg in die Arbeit war begleitet von schneidend eisigem Wind und ein paar Schneeflocken. Dabei als Ohrwurm “Sign of the times” von Harry Styles, das Sandra Hüller in Project Hail Mary singt – der Song ist so schlicht und eingängig, dass einmal Hören reichte. (Ich bekämpfte den Wurm, indem ich mir das Original anhörte – vergeblich, er blieb.)

Seit ein paar Tagen plagt mich wieder verstärktes Zahnleiden: Der Temperaturkorridor für Getränke, die die zwei bis drei Übelzähne oben nicht zum Jaulen bringen, ist derzeit wieder sehr schmal. Weniger Stress, jaja, hahaha.

Im Büro konnte ich in Ruhe Dinge wegarbeiten, die Flure und Zimmer lagen einsam (für mich Idealzustand).

Gegen Mittag schneeregnete es waagrecht, ich gab jede Hoffnung auf einen Draußenmarsch auf und holte mir Mittagscappuccino in der Cafeteria.

Zu Mittag gab es später Birne und Brot.

Während ich drinnen plante, abarbeitete, gegencheckte, koordinierte, spielte das Wetter draußen April.

Kurz nach dieser Aufnahme gab es heftige Graupel- und Schneeschauer.

Nach Feierabend ging ich (kalt!) zu einer bewährten Änderungsschneiderei: Meine 501-Jeans hatte bereits nach zweieinhalb Jahren gelegentlichem Tragen löchrig gescheuerte Innenseiten – so schnell will ich sie aber nicht aussortieren. Dann noch Lebensmitteleinkäufe im Vollcorner.

Daheim eine sportliche Folge Yoga, währenddessen wechselte das Licht im Wohnzimmer von Sonnendurchflutet zu nahezu Nachtdunkel, dann gewitterte es mit Schnee.

Köstliches Abendessen: Der Ernteanteil aus unserer Gärtnerei mit unbeheizten Gewächshäusern ist in seiner magersten Phase und war bereits weggegessen, auf meinen Wunsch kochte Herr Kaltmamsell Belugalinsen mit Blattspinat und roter Paprika – alles zugekauft. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, Siri Hustvedts The Summer Without Men liest sich überraschend süffig.

§

Mit Wolfgang Niedeckens Musik und vor allem Texten bin ich in prägbaren Jahren auch politisch groß geworden. Deshalb interessiert mich seine Haltung als 75-Jähriger in diesem Interview:
“Niedecken über Jahrzehnte in der Musik
‘Ich würde weiterhin verweigern“'”.

Wenn es einen BAP-Song von früher(TM) gibt, den ich besonders empfehle (trotz zitiertem N-Wort), dann wohl “Jupp” – inklusive Hintergrund, den meine Generation damals sofort erfasste, den jüngere aber wahrscheinlich erst recherchieren müssten. Eher poetisch als direkt politisch oder gar aktivistisch.

Und als Kernsatz von Niedeckens Texten identifiziere ich mich am meisten mit “Plant mich bloß nicht bei euch ein.” (Was man mir durchaus als Commitment-Problem auslegen darf.)

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 29. März 2026 – Genervtes Schwimmen und Project Hail Mary

Montag, 30. März 2026 um 6:24

Gut und lang geschlafen, den Rollladen des Schlafzimmers zu Schneefall hochgezogen.

Auch diesmal startete ich die Sommerzeit mit manuellem Verstellen der Uhren im Haushalt. Mein Tipp für die Uhren an Microwelle und Backofen: Regelmäßig für rausfliegende Sicherungen sorgen, dann bleibt man in Übung und muss bei Sommerzeit-/Winterzeitumstellungen nicht lange nachdenken.

Ich freute mich auf endlich mal wieder Gelegenheit zum Schwimmen. Bei diesem Wetter war klar, dass ich die U-Bahn zum Olympiabad nahm.

Doch das Schwimmen wurde leider sehr unentspannt. Als ich an den Beckenrand trat, freute ich mich zunächst über eine Neuerung: Zwei Bahnen waren für “Schnellschwimmen”, “Fast Lane” reserviert – ich hoffte dort auf Konzentration der Spielzeugschwimmer*innen und Wildsäue. Doch mit der gestrigen Besetzung meiner Normal Lane kam ich nicht zurecht (allerdings war ich gestern auch bereit mich zu ärgern). Obwohl mein Schwimmtempo dem Durchschnitt ensprach, dotzten mehrfach hinter mir schwimmend in meine Füße, bis ich zweimal abrupt stoppte und die Herrschaften vorbei bat. Wurde Unterwegsüberholen abgeschafft? Bei einem weiteren Dotzen strampelte ich heftig mit den Beinen in der Hoffnung auf Zurückdotzen. Doch auch sonst fühlte sich das Schwimmen als Belastung an statt wie Erleichterung. Dass der Blick durch die Glaswand auf dunkeldüsteres Draußen fiel, half nicht.

Immerhin! Lernte ich durch das Umkleidengespräch anderer Leute, was „stille Reserve“ betriebswirtschaftlich bedeutet. Sport macht nicht nur schön, sondern auch schlau!

Erstes Essen des Tages um halb drei: Birnen, außerdem selbstgebackenes Brot mit Butter und Zuckerrübensirup/Orangenmarmelade. Dass ich wirklich eine zweite Scheibe wollte und nicht nur gerade nicht mit Essen aufhören konnte, fand ich heraus, indem ich nach die erste Scheibe zwei Flickarbeiten legte: 1) Zehenloch schließen in grauer, sehr gemochter Wollstrumpfhose, 2) U-Boot-Ausschnitt des Chartreuse-gelben Baumwollpullis verkleinern, den ich bereits zweimal verkleinert hatte, der aber schon wieder so weit geworden war, dass er beide Schultern durchließ. Danach wusste ich, dass ich noch nicht satt war und strich eine zweite Scheibe Brot.

Sonntagsunterhaltung: Project Hail Mary im Cinema. An sich hatte ich einen Spaziergang zum Kino geplant, aber das düstergraue kalte Wetter mit wiederholten Schneeschauern trieb mir den Gedanken aus. Also nahm ich mit Herrn Kaltmamsell eine U-Bahn zum Stieglmeyerplatz. Beim Warten auf den Start des Vorporgramms (hier nur Trailer, keine Werbung) sah ich mich um: Seit 35 Jahren schaue ich Filme in diesem Kino an, ich weiß nicht auf den wievielten ausgewechselten Sitzen. Und ich freue mich noch immer wie beim ersten Mal, wenn sie durch Vorführen mit ihrem Dolby-Sound-System der jeweils neues Generation angeben. (Noch länger gehe ich allerdings in die Museum Lichtspiele, ich erinnere mich ans erste Mal kurz vorm Abitur und angereist aus Ingolstadt, also seit 40 Jahren.)

Der Film selbst gefiel mir, ich war gut unterhalten und versuchte erst gar nicht, die wissenschaftlichen Prämissen und Argumentationen mitzudenken. Das Drehbuch mochte ich unter anderem, weil der Held nicht als Genie geschildert wird, wegen der trockenen projektleitenden Figur, die von der wundervollen Sandra Hüller gespielt wird (allerdings Verwunderung über die Maske, die ihr dieses wächserne Make-up und diese superkünstlich aussehenden Haare verpasste), wegen des Fehlens einer Liebesgeschichte. Im Set Design fielen mir die Tiffany-Lampen-Behausungen des Aliens positiv auf. Aber zu lang war der Film, von den mehreren Enden hätte man zwei weglassen können.
Joël verlinkt hier ein kurzes Interview mit Hüller auf NBC. (Und ja: Sie singt sehr gut.)

Daheim gab’s als Abendessen Kartoffelsuppe: Herr Kaltmamsell hatte Samstagabend Müllsuppe auf den gesammelten Gemüseresten gekocht, darin Kartoffeln – aber etwas zu wenig, sodass ich gestern früh noch ein paar weiße Bohnen dazu kochte. Nachtisch reichlich Schokolade. Gezielt ins Bett zur üblichen Zeit und unter Unterdrückung aller Umrechnungen.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 28. März 2026 – Angewandert im Ampertal

Sonntag, 29. März 2026 um 9:30

Richtig gut und lang geschlafen, das war sehr schön.

Schön war beim Aufstehen auch das Wetter, wie vorhergesagt: Das traf sich gut, denn schon seit Langem war der gestrige Tag fürs Anwandern gebucht, auf Initiative von Herrn Kaltmamsell. Dass der Sonnenschein auf niedrige Temperaturen traf, konnten wir ja durch Kleidung ausgleichen. Wir hatten uns auf eine Strecke entlang der Amper hinter Fürstenfeldbruck geeinigt, die wir bereits kannten, aber schon viele Jahre nicht mehr gegangen waren. Gut 14 Kilometer einen Fluss entlang sollten ein guter Einstieg sein.

Interessant übrigens: Wenn ich oder Herr Kaltmamsell gegenüber Kolleg*innen unser Wandern erwähnen, wird nahezu immer von Bergwandern ausgegangen. So erstaunte ich im Wochenendplan-Smalltalk eine Kollegin: Es liege doch überall noch Schnee? Ist das vielleicht eine speziell Münchner (und Autobesitz-)Erscheinung?

Die Entscheidung für diese eher kurze Strecke ließ uns reichlich Zeit für den Aufbruch. Erstmal kochte ich aus Ernteanteil für den Abend Karottensalat mit Koriander, dann ging ich eine Runde Einkaufen, vor allem Schokolade.

Erst gegen elf machten wir uns wanderfertig, unter die superduper, aber ungefütterten Wanderjacken mehrere Schichten Langärmliges. Ich trug die im Vorjahr erworbenen neuen Wanderschuhe, obwohl die für komplizierteres Gelände gebaut sind, um sie weiter einzulaufen. Irritierenderweise verlor ich beim Gehen diesmal zunächst das Gefühl in den Zehen des linkes Fußes, hatte insgesamt ein Engegefühl bei den Zehen – obwohl ich schon mehrfach sehr bequem in den Stiefeln gelaufen war.

Wir spazierten zur S-Bahn am Stachus, ich holte mir unterwegs einen Mittagscappuccino. Durch sonnige, aber winterkahle Landschaft ließen wir uns nach Schöngeising fahren. Dieser S-Bahn-Halt liegt recht weit außerhalb des Orts, den wir erstmal durchquerten, um dann die Amper entlang rechtsseitig nach Fürstenfeldbruck zu gehen. Die Temperaturen waren gnädig mit uns, wir brauchten weder Mütze noch Handschuhe.

Wir sahen Frühlingsblümelein von Traubenhyazinthen über Veilchen und Buschwindröschen bis Schlüsselblumen, waren uns letztendlich aber einig, dass diese Route als Wanderung uns nicht reizvoll genug war, sich eher als Jogging-Strecke eignete.

Altes Forsthaus Schöngeising.

Auf einem Bankerl beim Kloster Fürstenfeld gab es kurz nach zwei Brotzeit: Birne und selbstgebackenes Brot aus der Gefriere.

Zurück wanderten wir auf der anderen Seite der Amper.

Beide waren wir nicht wirklich auf der Fitness-Höhe: Nicht mal vier Stunden Wanderung einen Fluss entlang machten uns so fertig wie sonst nur Ganztagestouren mit viel Auf und Ab. Wir erreichten den Bahnhalt Schöngeising ordentlich erledigt und mit schweren Füßen.

Zurück in München entschieden wir uns auf dem Heimweg dennoch für ein kleines Abenteuer: Wir gingen endlich mal in der Sonnenstraße in einen Mix Markt. Die Supermärkte dieser Kette fallen mir seit einigen Jahren auf, scheinen auf den ersten Blick osteuropäischen Lebensmittelvorlieben entgegen zu kommen. Aber richtig umgesehen hatte ich mich in noch keinem. Das holten wir gestern nach.

Ergebnis: Ja, sehr interessant, ja, osteurpäische Produkte, vor allem russische und polnische. Hier bekommen wir unter anderem künftig Kwas für Okroschka (mindestens zehn verschiedene im Angebot), außerdem wird Herr Kaltmamsell mindestens ein Abendessen aus dem reichhaltigen Sortiment gefrorener Teigtaschen zusammenstellen, von georgischen Chinkali bis russischen Pelmeni. Auch die Metzgertheke wirkte attraktiv, bereits überwältigend das meterlange Angebot an geräuchertem Fisch. Zudem werde ich dringend die offen und einzelnen bunt eingewickelten Süßigkeiten probieren wollen, gestern nahm ich nur eine Packung gefülltes Kleingebäck mit.

Zu Hause ruhten wir uns ein wenig aus, bevor ich eine Folge Yoga turnte: Gestern war eine halbe Stunde ruhiges Dehnen dran, das passte perfekt. Wir hatten beide sehr große Lust auf Alkohol, ich öffnete eine Flasche roten Côtes du Rhône, sehr entspannend.

Zu Abend gab es neben dem Karottensalat Ingolstädter Bauernwürscht aus der Gefriere mit selbstgebackenem Brot. Nachtisch Schokolade – eventuell ein bisschen zu viel.

Sehr früh ins Bett zum Lesen, frühes Lichtaus wegen Erledigtsein.

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Die ganz alte Blogwelt trauert um einen weiteren der ihren: Chris Kurbjuhn ist gestorben, die angekündigte Blogpause und raren Posts ließen bereits befürchten, dass seine Krebserkrankung zurückgekehrt war. Ich profitierte immer wieder von seinen Kulinarik-Tipps, und einmal ganz handfest von einem Päckchen Ahle Wurst, das er mir nach Rücksprache zu Demonstrationszwecken schickte, um mich die Bandbreite dieser Spezialität schmecken zu lassen.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 27. März 2026 – Wochenausklang mit Aprilwetter

Samstag, 28. März 2026 um 8:26

Sehr gut geschlafen, hätte aber trotz zeitigem Lichtaus länger als bis Weckerklingeln sein dürfen.

Das Draußen trocken, doch der Weg in die Arbeit bitter kalt; ich hatte mit dem Griff zum Wintermantel richtig gelegen, darunter trug ich nochmal ein winterliches Wollkleid. In der Luft vereinzelte Schneeflocken. (Ist ja auch erst März!)

In den ersten Job am Schreibtisch war ich gleich mal so vertieft, dass meine erste große Tasse Tee abkühlte.

Gestern hatten wir sehr laute Handwerker im Haus – laut wirklich die Handwerker, ihr Rufen/Gespräch hallte nahezu pausenlos durchs Atrium, an dem mein Büro liegt; das eigentliche Handwerk hörte man am eher dezentem Klopfen, Akkuschrauber-Surren, Ratschenratschen.

Ich wagte mich auf einen Mittagscappuccino raus, bekam lediglich auf dem Rückweg ein paar Schneeflocken ab.
Der Minimal-Schneefall hielt noch eine ganze Weile an.

Dazwischen aber immer wieder Sonne, der April übte schonmal.

Zu Mittag gab es eine Birne sowie Hüttenkäse mit Leinsamenschrot. Langsam ist selbst mir mit meinen appetitarmen Arbeitstagen nach Abwechslung, ich sollte mir wieder mal angemachtes Gemüse zur Brotzeit mitnehmen.

Superpünktlicher Feierabend, weil ich wirklich durch war. Ich nahm U-Bahnen zum Candidplatz, um zur Kraemer’schen Kunstmühle zu spazieren und im Caffe Fausto Espresso einzukaufen – ich mag diesen Ort. Von dort setzte ich mich in einen Bus Richtung Viktualienmarkt: Auf der Suche nach Spumante von Ferrari hatte ich einen Hinweis auf Eataly entdeckt. Allerdings führten die nur Spezialausgaben dieser Kellerei im Trentinto und nicht den Brot-und-Butter-Spumante. Wenn ich schonmal bei Eataly war – entdeckte ich, dass es auch den früher großen Bereich mit Venchi-Schokolade nicht mehr gibt.

Daheim eine Folge Yoga mit Adriene, bevor ernsthaft ins Wochenende gerutscht wurde. Als Aperitif wünschte ich mir seit Tagen Calvados-Tonic, nachmittags hatte Herr Kaltmamsell (der gestern auch in die Osterferien rutschte) Käse-Crispy-Chilli-Kekse gebacken (Rezept aus geheimer Quelle): Hervorragend.

Als Nachtmahl gab es Kuh auf Wiese:

Sehr gutes Entrecôte mit wunderbarem Ernteanteil-Spinat, dazu öffnete ich eine Flasche Weißwein aus der Pfalz: Pflüger Vom Lebensturm, eine Cuvée 75% Riesling, 25% Gewürztraminer, letzterer dominierte überraschenderweise. Nachtisch Schokolade – die Kiste lichtet sich besorgniserregend, es braucht Nachschub noch vor Ostern.

Im Bett neue Lektüre: Siri Hustvedt, The Summer Without Men.

§

Vanessa schildert eine Anmache am Bahnhof und wie sie der Angemachten zur Seite stand. (In solchen Fällen können das nur wir Frauen.)

Ich wurde beim Lesen mal wieder sturzwütend: WIE KANN IRGENDJEMAND ANNEHMEN, DASS DIESE ANMACHE ANGEBRACHT SEIN KÖNNTE?!
mAN DarF jA NIcHt mAL MEhR KOmPliMEnTe mACheN?!
Eine Frau steht wartend in der Öffentlichkeit rum. Sie möchten Kontakt aufnehmen? Wie würden Sie das bei einem ganz normalen Menschen tun? Vermutlich mit Danebenstellen, irgendwann seufzen und eine Bemerkung machen in Richtung “Dauert heute aber wieder lang…” An der Reaktion sehen Sie dann schon, ob der Kontakt erwünscht wird.
ABER MIT DER BEMERKUNG, SIE SEI SEXY??!! WIE KOMPLETT HIRNVERBRANNT UND ENTKOPPELT VON ALLEM MENSCHLICHEN MUSS EIN MANN DAFÜR SEIN?!
Das ist keine Kontaktaufnahme, sondern Grenzüberschreitung und Bedrohung, eine reine, brutale Machtgeste, einfach weil er kann.
iST DOcH niX PAssIeRt?!
In einer Welt, in der viele Frauen jederzeit auf solche Bedrohung gefasst sein müssen, können sie sich nie unbefangen bewegen.

(Zur Erleichterung schildert Vanessa in diesem Blogpost auch eine herzerwärmende Begegnung.)

§

Eine Folge Maithink X über Long Covid und ME / CFS, die auch von Betroffenen empfohlen wird:
“Long Covid & ME/CFS – Blackbox der Pandemie”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 26. März 2026 – Schnee und Graupel, sonst halt Arbeit

Freitag, 27. März 2026 um 6:13

Tief geschlafen bis kurz nach vier, dann nicht mehr so recht. Müde aufgestanden.

Als es deutlicher dämmerte, meinte Herr Kaltmamsell: “Oh, heute fahre ich wohl nicht mit dem Rad” und deutete nach draußen – wo gerade ein energischer Graupelschauer niederging.

Selbst hatte ich Glück: Ich kam trocken in die Arbeit.

Dort hielt mich der derzeit bei mir liegende wechselnde Jour-Dienst in Aufregung (subjektiv) und Bewegung. So endete eine Riesenwelle aber auch mit “ah, war wohl einfach eine Fehlinformation”.

Immer wieder Schnee- und Graupelschauer, das und die Kälte nahmen mir die Lust auf Marsch zum Mittagscappuccino: Ich holte mir einen in der hauseigenen Cafeteria und huschte raus nur schnell in einer Niederschlagpause zum Briefkasten.

Frickelige Arbeit, dazwischen gab es zu Mittag eine Birne sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

FAST hätte ich die flauschige Strickjacke gekauft, um die ich seit Monaten schleiche – eine Werbeeinblendung hatte sie im richtigen Moment in Erinnerung gerufen. Also mich am Handy durch den Einkaufsprozess gefrickelt: Jacke in den Warenkorb gelegt, ein Kundenkonto mit Passwort eingerichtet (gab es nicht mal eine EU-Vorgabe, dass Online-Einkauf auch ohne ermöglicht werden muss, über einen Gast-Zugang?), dabei darauf geachtet, die Newsletter-Sendeberechtigung auszustellen, als Lieferart Sendung an einen Paketshop gewählt (die sicherere Option bei Versendern, die eh nie klingeln oder weisungsgemäß vor die Tür legen), passenden Paketshop gesucht, mich ans Bezahlen gemacht – doch dann rödelte das Verarbeitungsrädchen im letzten Schritt Minute um Minute und kam zu keinem Abschluss. Ich nahm das als Zeichen, den Kauf doch bleiben zu lassen. So hatte ich mir die Online-Zukunft nicht vorgestellt.

Sehr emsiger Arbeitsnachmittag, während das Wetter lustig rumaprilte. In Konzentrationslücken Kinokarten gekauft (ich hoffe, dass ich über den Brillen-Unrealismus hinwegsehen kann, ich weiß, dass mich Musikinstrument-Blödsinn immer komplett rausreißt – wie viel Zeit kann es kosten jemandem zu zeigen, wie eine Geige/Querflöte/Oboe korrekt gehalten wird, man muss sie ja nicht mal spielen können dafür!), nochmal einen Strickjacken-Anlauf genommen, weil mir einfiel, dass ich mittlerweile sogar faktisch einen Ersatz für den gammligen Fetzen brauche, der mir daheim als Strickjacke dient – Erfolg!

Ich kam später aus dem Büro als geplant, erwischte dadurch aber wieder eine Niederschlagpause. Einkäufe beim Vollcorner, zu Hause Yoga (eine Folge 6), Beineenthaaren (merken: dauert länger als gedacht).

Mein Beitrag zum Nachtmahl war das Anmachen des Ernteanteil-Pflücksalats mit Tahini-Dressing, Herr Kaltmamsell briet dazu Bratkartoffeln (in ausgelassenem Jamón-Fett) und Spiegeleier.

Gutes, anständiges Abendessen. Nachtisch Schokolade. Früh ins Bett zum Auslesen des Roman-Manuskripts.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 25. März 2026 – Wetterumschwung weg vom Frühling, kluge Überlegungen zu sexualisierter Gewalt

Donnerstag, 26. März 2026 um 6:22

Eigentlich gut geschlafen, kurz vor Wecken aber im Traum noch sehr geweint und deshalb traurig aufgewacht: Ich war beim Wandern im Voralpenland an einem jüdischen Friedhof irgendwo auf einem Hügel vorbeigekommen und hatte mich gewundert, dass es ausgerechnet hier einen gab – bis mir einfiel, dass ich von einem Massaker an Juden hier in der Gegend im Zweiten Weltkrieg gelesen hatte. Da setzte ich mich im Traum auf einen Stein und weinte.

Doch gleich nach dem Aufstehen erheiterte mich Herr Kaltmamsell mit dem Bericht, was er eben geträumt hatte (dass er erzählbar träumt, kommt sehr selten vor): Er habe ein Galloway-Kälbchen geschenkt bekommen, “schon sehr niedlich, aber ich dachte mir sofort, oh je, was wird Inés dazu sagen”.

Ich bekam nochmal einen sonnigen Arbeitsweg in lediglich kühler Luft, alle Vorhersagen lauten ab Donnerstag auf eisige Temperaturen, die App zeigt sogar Sternchen an. Vorher begrüßten mich am Bavariapark aber die ordnungsgemäßen präpascualen1 Schlüsselblumen.

Am Arbeitsplatz sofort Überfälle per Telefon und im E-Mail-Postfach, ich startete mir Wirbeln. Nur bei Bedarf an Hochkonzentration irritierte mich der auch gestern überraschend große Trubel, ich behalf mich vorerst mit Ohrenzuhalten.

Bis Zeit für Mittagscappuccino war, hatte ich das Eiligste durch, ich ging raus ins Westend. Hier erwischte ich die letzten Sonnenstrahlen des Tages und ein wenig Milde, bevor der Himmel energisch zuzog und die Temperaturen sanken.

Zu Mittag gab es später Hüttenkäse mit Leinsamenschrot und zwei Bananen.

Den Nachmittag verbrachte ich tief in einer Adressdatenbank. Gegen halb vier setzte Regen ein, ab vier peitschte er in einer Wucht gegen das Bürofenster, als sei das ein Wettbewerb.

Zum Glück hatte sich das Wetter zu meinem Feierabend beruhigt, ich kam sogar trocken nach Hause, den geschlossenen Regenschirm in der Hand. Aber scheißkalt war es geworden. Daheim nach Aufdrehen der Heizung Häuslichkeiten, dann ging ich zum Bahnhof, um Herrn Kaltmamsell von einem Freundesbesuch abzuholen: Wir wollten aushäusig zu Abend essen. Auf meinen Wunsch wurde es das nahe gelegene Lokal für Baukastensuppen Slurp, denn bei der Kälte wollte ich nicht weit gehen.

Ich hatte Ente, Weizeneiernudeln, scharfe Brühe, Herr Kaltmamsell eine Suppe mit Rindfleisch. Gut und reichlich.

Nachtisch gab es nach Marsch durch die Kälte daheim: Schokolade. Früh ins Bett zum Lesen.

§

Es gibt seit Tagen viele Statements zu den Enthüllungen von Collien Fernandes, die meisten habe ich nicht gelesen im Sinne von: nicht an mich herangelassen. Doch Jasmin Schreibers Überlegungen zu einigen Aspekten finde ich lesenwert:
“Die Schuldvermutung”.

Es gibt einen Moment, den viele Frauen kennen, die Opfer geworden sind: Die Tat liegt hinter ihnen, wenngleich man das von den Auswirkungen noch nicht sagen kann. Die Entscheidung, ob sie sprechen, liegt jetzt jedoch vor ihnen. Gerade haben wir durch eine SPIEGEL-Recherche erfahren, dass Collien Fernandes sich entschieden hat, endlich zu sprechen.

Voraus ging vermutlich auch bei ihr eine Gedankenspirale, die nichts mit dem zu tun hat, was ihr passiert ist, und alles damit, was ihr noch passieren könnte. Wir wissen: Wenn man über Dinge spricht, kann das helfen, sie zu verarbeiten. Doch wie spricht man darüber, Opfer beispielsweise sexueller oder häuslicher Gewalt geworden zu sein? Denn diese Frauen müssen sich fragen, ob ihre Aussage juristisch haltbar ist. Ob sie glaubwürdig klingen werden. Ob ihre Vergangenheit gegen sie verwendet werden kann. Ob sie sich eine:n Anwält:in leisten können. Ob ihr Arbeitgeber sie danach anders behandelt. Ob ihre Familie das aushält. Ob sie selbst das aushält.

Schreiber relativiert angemessen Hinweise, auch Männer würden Opfer sexualisierter Gewalt – was korrekt und schlimm ist, aber.

Ich halte an dieser Stelle mal fest, was eigentlich offensichtlich ist, aber trotzdem jedes Mal ausgesprochen werden muss, da das viele zu vergessen scheinen:

Es gibt kein weibliches Pendant zu diesen Netzwerken.

Es gibt keine Telegram-Gruppen, in denen Zehntausende Frauen besprechen, wie sie ihre Ehemänner narkotisieren und vergewaltigen.

Es gibt keine Plattformen, auf denen Frauen einander die Körper ihrer Männer zur Benutzung anbieten.

Es gibt keine riesigen Kinderporno-Netzwerke, die ausgehoben werden und bei denen sich rausstellt, dass fast alle Mitglieder Frauen, viele davon Mütter und Großmütter sind.

Schreiber verweist auf das Buch Mit Männern leben von Manon Garcia, Philosophin an der FU Berlin, zum Pelicot-Prozess.

Garcia trifft in ihrem Buch eine Unterscheidung, die mich für den deutschen Kontext besonders beschäftigt. Sie schreibt, kein Strafrecht der Welt werde ausreichen, damit Männer aufhören zu vergewaltigen, und ich glaube das auch. Das Strafrecht könne bestrafen, so steht da noch, es könne Einzelne aus der Gesellschaft entfernen, aber es könne die Normen der Männlichkeit, die diese Gewalt tragen, nicht ändern. Es seien soziale Bewegungen und gesellschaftlicher Wandel, die das vielleicht eines Tages erreichen, keine Gesetzestexte, und genau das ist das, was in die Köpfe rein muss. Ja, Unschuldsvermutung, bla bla, aber kein Gericht der Welt wird diesen strukturellen Gewaltrausch stoppen können.

§

Antje Schrupp ordnet aus ihrer Sicht die Initiative ein, Gesetze zu schaffen, die das überhaupt unter Strafe stellen, was Collien Fernandes angetan wurde.
“Unschuldsvermutung”.

Es ist in unserer Kultur nun einmal so, dass wir über moralische Fragen von Gut und Böse in Form von Gesetzen sprechen. Ich beiße immer wieder auf Granit, wenn ich versuche, zu plädieren, dass man nicht für alles, was man schlecht findet, ein staatliches Verbot braucht, und nicht für alles, was man gut findet, eine staatliche Förderung.

Inzwischen glaube ich, dass Gesetze bei uns in gewisser Weise eine säkulare Form von Bekenntnissen geworden sind. Das heißt, wenn irgendwo ein Gesetz gemacht wird, dann hat das weniger den Zweck, tatsächlich Verbrechen zu verhindern (dazu müsste man in der Regel ganz andere Sachen machen), sondern es hat den Zweck, dass wir als Gesellschaft uns dazu zu bekennen, diese oder jene Sache moralisch zu verurteilen.

Und genau das wäre in diesem Fall mal notwendig. Tatsächlich ist es nämlich momentan noch so, dass das Anfertigen von Deepfakes und von sexualisierter Gewalt, die „nur“ im Internet stattfindet, nicht gesetzlich verboten ist. Und deshalb glauben viele Menschen immer noch, dass diese Art von Gewalt nicht so besonders schlimm ist. Denn das ist die Logik hinter der Gesetzesfixierung unserer Kultur: Wenn es nicht verboten ist, dann kann es ja nicht so schlimm sein. Genau so wie es bei der Vergewaltigung in der Ehe war: Bevor sie verboten wurde, waren viele Menschen der Ansicht, dass es doch „nicht so schlimm ist“.

  1. Mal sehen, ob ich damit durchkomme. []
die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 24. März 2026 – Graue Lerche und Arbeit von daheim

Mittwoch, 25. März 2026 um 6:28

Der Wecker klingelte Lerchenlauf-früh, Schlaf war davor nicht sehr tief gewesen. Zackiges Morgenprogramm, ich schaffte sogar die tägliche Gymnastik, bevor ich das Haus verließ. Und als ich wirklich zu Bewusstsein kam, bereits die Isar entlang trabte, freute ich mich sehr, dass ich das nochmal geschafft hatte, bevor es durch Umstellung auf Sommerzeit nächsten Sonntag erst in einigen Wochen morgens wieder hell genug ist.

Unterm Strich war der Lauf allerdings nicht der schönste: Das Licht eher grau und düster, der Körper angespannt statt geschmeidig, ich fühlte mich hüftsteif bis hüftschmerzhaft. Diesmal war ich über das Ende meiner 70 Minuten sogar erleichtert.

Nach Morgentoilette und Anziehen mit Prio 1 Homeoffice-Kälte-Abwehr (Thermorolli plus dicker Wollpulli, zwei paar dicke Wollsocken, Wollpuschen, dicke Jeans) Arbeitsstart am (höhenverstellbaren!) Schreibtisch von Herrn Kaltmamsell – es ist dann doch praktisch, dass Lehrer vormittags woanders arbeiten. Dazwischen Handgriffe fürs Brotbacken, es wurde eine Häusemer Bauerekrume.

Brot gelungen.

Der Homeoffice-Arbeitsplatz war vormittags mittelbequem, Hüfte und Kreuz plagten mich. Zumindest hatte ich einen Blick auf die Kastanien, die gerade heftig Pfötchen geben, und der Tag wurde fast sonnig.

Insgesamt fühlte ich mich sehr erschöpft und müde. Aber guter Mittagscappuccino aus der eigenen Cafetera.

Mittagessen zur gewohnten Bürozeit: Kiwi, Banane, Birne, außerdem Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot. Insgesamt zu viel, ich wurde noch viel müder.

Geordneter Arbeitsnachmittag, die Jobs, für die ich Unterlagen in meinem Büro brauche, konnten bis Mittwoch warten.

Dazwischen folgte ich endlich dem Impuls, den ich seit Monaten zur Seite schiebe, ein paar Sommerturnschuhe in der Waschmaschine zu waschen.

Herr Kaltmamsell kam erst um vier aus der Arbeit, da zog ich ohnehin gerade ins Wohnzimmer um: Auf seinen Schreibtisch am Fenster schien die Sonne, locker herabgelassener Rollladen überzog mich in Video-Anrufen mit hart kontrastierten Streifen, ganz herabgelassener Rollladen erforderte für dieselbe Situation umständliche künstliche Ausleuchtung. Die Lichtsituation am Esstisch war viel besser.

Nicht zu später Feierabend, dann ging ich raus in die Sonne auf Erledigungen und Einkäufe: Bluse und Hemden zur Reinigung am Goetheplatz, Spaziergang zum Vollcorner auf der Schwanthalerhöhe für Lebensmitteleinkäufe. Unterwegs freute ich mich sehr über Frühlingsblühen.

Daheim eine Einheit Yoga, dann richtete ich das Abendessen auf Basis des frischen Brots her.

Wacholderschinken, Pastrami, Speckwurst, Butter, rote Paprika, Essiggurken (gekaufte, kein Vergleich zu den bulgarischen selbst eingelegten). Gutes Abendbrot. Nachtisch Schokolade.

Seltsamer Tag durchs Arbeiten daheim: Abends fühlte sich der Morgenlauf bereits Tage her an.

§

Auf Mastodon schreibt jemand unter diesem Filmchen, dass eine Orgel im Grunde ja auch nichts anderes ist als in Reihe geschaltete Blockflöten, und jetzt muss ich nachdenken.

§

Meiner Ansicht nach müssen noch viel mehr Wechseljahrwitze gemacht werden – weil das auch eine Art und Weise ist, das Thema sichtbar zu machen. Zum Beispiel mit dieser Menopause Hotline.

die Kaltmamsell