Journal Mittwoch, 4. März 2026 – Nebel, Beifang aus dem Internetz

Donnerstag, 5. März 2026 um 6:26

Wieder durchgeschlafen, aber wieder nur bis kurz vor fünf – und dann ging nichts mehr. Hörte ich halt den Brüllamseln vorm Fenster zu.

Draußen hatte sich der dicke Nebel vom Abend zuvor gehalten, auf dem Weg in die Arbeit sah ich vor allem weiße Luft.

Das blieb auch so auf einem beruflichen Marsch am Vormittag: Ich ging zu einer aushäusigen Info-Veranstaltung, für die das Backstage genutzt wurde (Umbau in weitester Ferne; für die schier endlose Dauer von Bauvorhaben brauchen wir hier in München gar keine Bürokratie, sondern nur Menschen). Zwei Stunden später auf dem Rückweg war der Nebel mit Sich-Lichten beschäftigt, erste fahle Sonnenstrahlen.

Hurtig Arbeit nachgeholt, zu Mittag gab’s dann die letzten Birnchen, außerdem Hüttenkäse mit Leinsamenschrot.

Über den sonnigen Nachmittag weiter Sachen weggeschafft. Nach Feierabend marschierte ich in schöner, aber sehr kühler Luft in die Innenstadt für Besorgungen.

Herr Kaltmamsell machte den Ernteanteil-Kohlrabi zu einem Curry mit Kokosmilch, das gab es mit Reis und schmeckte gut. Nachtisch Schokolade, wieder vor Bauchweh aufgehört – ich nehme mir die Erfolgserlebnisse, wie ich sie kriege.

Nachmittags hatte ich die letzte Person in meinem Wahlhilfeteam kontaktiert (Ersatz für den Beisitzer, der dann doch nicht konnte) – sofortige Sympathie, ich bedauere, dass wir nicht dieselbe Schicht haben, denn während des Auszählens ist keine Gelegenheit für Ratsch und Kuscheln.

Ich ging ins Bett zu neuem dicken Nebel.

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Alles Gute zum 20. Online-Bühnen-Jubiläum, Frau Klugscheißer! Die deutsche Bloggeschichte wäre ohne dich und die Bloglesungen nur halb so schön.
“Glamour Girl”.

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Dabei trug ich das Täschchen aus Robbenfell, das ich im Oktober in Grönland kaufte. Das Täschchen passt leider zu keinem meiner Outfits, ich stand nicht sehr stilsicher in der Halle herum. Aber das war mir heute egal. Wenn ich schon ein Täschchen aus Robbenfell besitze, dann müssen eben die Leute ihren Geschmack anpassen.

Ich mag den Mode-Ansatz von Mek, das ist auch meiner, ich ergänze: Lustig ist wichtiger als hübsch.

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Gestern las ich das aktuelle Granta 174, Therapy aus und fand es nur so mittel: Die Einleitung des Herausgebers las sich wieder, als fände er das ganze Thema doof, die Auswahl der Texte ließ erst in Gesamtschau erkennen, dass es nicht um Psychotherapie insgesamt ging, sondern um ganz klassische Freud’sche Psychoanalyse und ihren Stand heute (die ich für recht überholt und veraltet gehalten hatte). Vereinzelte Texte und eine Fotoserie drehten sich dann aber doch wieder um Gesprächstherapie im Allgemeinen. Doch ein Text fiel in meinen Augen heraus: Er ließ mich sofort an Parfum-Begeisterte wie Joël denken – der allerdings meines Wissens noch nicht bis zu Serien-Musterbestellungen geraten ist:
“Secondhand smoke”.

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Nein, Sie bilden sich nicht nur ein, dass die Dinge immer schlechter funktionieren:
“A Day in the Life of an Ensh*ttificator”.

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https://youtu.be/T4Upf_B9RLQ?si=AYy29IZz3zi9gEyP

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 3. März 2026 – Schwimm-Enttäuschung

Mittwoch, 4. März 2026 um 6:11

Trotz Aufgekratztheit schnell eingeschlafen, bis halb sechs durchgeschlafen, das war schön.

Aufgestanden zu Vollmond.

Zackiges Finalisieren des Blogposts, sonst lese ich ja morgens nur noch gegen. Optimistisch packte ich Schwimmzeug ein: Die umliegenden Wochenenden sind so verplant, dass ich darin keine Zeit zum Schwimmen finde, doch ich sehnte mich sehr danach – ich hoffte auf eine Runde gestern nach Feierabend.

Im Büro ebenfalls zackiges Wegarbeiten, bevor mich die dienstags immer hohe Präsenzbesetzung der Büros daran hindern würde. (Allgemeines Seufzen, zu wie viel weniger Arbeit man in Präsenz komme im Vergleich zu Homeoffice, doch wenn ich dann empfehle, die entvölkerten Mon- und Freitage für Präsenzarbeit zu nutzen, um auch vor Ort viel zu schaffen, heißt es: Aber da treffen man doch niemanden.) Gestern war der Trubel sogar so hoch, dass ich dann doch mal mit künftig Homeoffice an Dienstagen liebäugle.

Veränderungen sind ja so eine Sache: Manche oder zu viele lösen bei mir Gereiztheit aus, weil sie Energie und Umstellungen erfordern, die sich unnötig anfühlen. Zu wenige können aber Langeweile verursachen. Gerade richtig finde ich Veränderungen wie Bürowechsel oder aktuell, dass die Abteilungspost, für die ich zuständig bin, in mein Büro gebracht wird und nicht wie die Jahre zuvor ins Azubi-Büro (wenn sie da ist, erledigt die Azubi für Büromanagement die Post unter meiner Anleitung). Noch muss ich jedesmal umdenken, und ich stelle fest, dass mich das munter macht.

Mittagscappuccino im Westend, auf dem Weg lief ich gegen einen dichten Strom fröhlicher Schüler*innen: Feueralarm der Mittelschule Ridlerstraße, der Sammelort scheint ein wenig außerhalb zu liegen (als ich mich dem Schulgebäude näherte, hörte ich etwas Alarm-ähnliches). Die Luft kühl, das Licht seltsam fahl – da erinnerte ich mich an die Ankündigung von Saharastaub, er war tatsächlich angekommen.

Spätes Mittagessen wegen einer Besprechung um die Zeit: Birnchen (jetzt waren alle nachgereift), Quark mit Leinsamenschrot.

Der Arbeitsnachmittag gestaltete sich bei aller Emsigkeit so, dass die erhoffte Schwimmrunde tatsächlich wahrscheinlich wurde. Und so machte ich ganz pünktlich Feierabend und fuhr mit der U-Bahn zum Dantebad.

Ich kam sogar noch zu Sonnenschein ins Becken. Leider war ich gar nicht fit, das Kraulen fühlte sich sehr anstrengend an. Doch wenn ich es schon bis dahin geschafft hatte, schaufelte ich meine 3.000 Meter auch durch – zumal ich nur einmal den winzigsten Ansatz von Krampf hatte (linke große Zehe).

Daheim war Herr Kaltmamsell schon mit der Zubereitung des Abendessens beschäftigt.

Aus restlichen Ernteanteil-Kartoffeln gab es Reiberdatschi, dazu das gewürzte polnische Apfelkompott aus Wien (gut!). Nachtisch Schokolade. Weiterer Versuch, einen sehr geschätzten Kulinarik-Newsletter auf Bezahl-Version umzustellen – mal sehen, ob das geklappt hat.

Zum Abschluss des Tages und gegen Wahlhilfe-Unruhe nochmal schnell ins Wahlhelfer-Portal geschaut (“schnell” – HAHAHA, so schnell halt, wie eine Anmeldung über Bayern-ID mit zwei Geräten, drei Oberflächen und dem Personalausweise geht; mich wundert, dass sich überhaupt jemand zur Wahlhilfe meldet): Zu meiner Erleichterung wurde der Beisitzer ersetzt, der plötzlich doch keine Zeit hatte.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 2. März 2026 – Tiefenverspannt

Dienstag, 3. März 2026 um 6:32

Beim Aufstehen (nach eher guter Nacht) fühlte sich mein Körper so zerschlagen an, als wäre ich am Sonntag einen Marathon gelaufen (was ich eh nie tun werde, aber so stelle ich mir die Folgen vor – einer der Gründe, warum ich das nie tun werde): Kreuz, Hüften, Beinrückseiten, Achillessehnen, Füße waren anscheinend alle in verklebte Faszien gewickelt und schmerzten. Ich sah einen Bürotag mit viel Tisch-hoch und Tisch-runter vor mir.

Es tagte viel freundlicher als am Sonntag, die Luft beim Marsch in die Arbeit allerdings knackig frisch.

Im Arbeits-Postfach lediglich eine größere Überraschung, die war problemlos und flott weggearbeitet.

Launeaufhellung hatte ich per Strumpfhose sichergestellt (und neue Turnschuhe, ich hatte mir nach zwei Jahren Zögern dann doch silberne bestellt).

Geordneter Vormittag, Platz für Mittagscappuccino an einem Ort im Westend, an dem die Betreiber gewechselt hatten: Aus Fika war das vegane A Littel West geworden.

Cappuccino also mit Hafermilch, für meinen Geschmack zu Milch-lastig. Sehr angenehm aber der Marsch hin und zurück.

Zu Mittag gab es Birnchen, Nüsse, restlichen Gelbe-Bete-Salat vom Sonntag. Und einen Schreck, als es rechts in der Oberlippe bitzelte: umgehender Griff zur frischen Tube Herpes-Salbe in der Büroschublade.

Die regelmäßige Beteuerung in meinem Arbeitsumfeld, etwas sei “kein Hexenwerk” setzt doch eigentlich voraus, dass es hier auch Hexenwerke gibt; die sähe ich jetzt gerne endlich mal, welche sind das denn? Suchen im Intranet und auf verschiedenen Laufwerken blieb erfolglos, ich fand nicht mal eine Ansprechperson fürs Thema Hexenwerk.

Neues altes Goldkettchen an Handgelenk im Einsatz: Bislang nicht unangehm, vielleicht ist es einfach zierlich genug. Die Rücken- und Hüftgürtelprobleme waren gut erträglich, ich fühlte mich lediglich tiefenverspannt. (Inklusive Geist mit seiner Panik vor der Wahlhilfe am Sonntag und Montag.)

Nach Feierabend spazierte ich zu einer Abendessen-Verabredung in die Maxvorstadt, ich traf mich mit Freundin im Café Puck (ganz selten, dass ich da abends hinging). Den einstündigen Weg genoss ich in nicht allzu milder Luft (Handschuhe!) und dem Vollmond am klaren Himmel entgegen ganz besonders – was auch bedeutet, dass Schuhe, die mir solche Strecken nicht ermöglichen, immer weiter nach hinten im Schrank rücken und neu gar nicht mehr gekauft werden.

Ich aß einen Teller voll Falaffel, Hummus, Krautsalat mit Pitta, trank dazu zwei alkoholfreie Weißbiere, vor allem aber tauschte ich mich aus über Leben im Privaten und in der Welt. Wir endeten mit den Aussichten auf unsere Urlaube dieses Jahr und einer noch undatierten Verabredung zum Wandern.

U-Bahn nach Hause, schnelle Vorbereitungen für den nächsten Arbeitstag.

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Sichtbares Altern und der Umgang damit sind gerade bei Frauen ein heikles Thema.
Hier ein Plädoyer, “sie sieht 20 Jahre jünger aus!” als Kompliment zu hinterfragen.
Selbst gehöre ich ja auch zu den Frauen, die ganz echt ehrlich nicht schlimm finden, so alt auszusehen, wie sie sind (Körpertüchtigkeit anderes Thema, siehe oben).
Aber ich stelle mich auch vor die Frauen, denen jugendliches Aussehen weit nach jeglicher Jugend wichtig ist: Ja, einerseits sind sie wahrscheinlich vom schädlichen Jugend-Kult unserer Gesellschaft geprägt, aber ich möchte bittegerne, dass sie ihr Aussehen selbst entscheiden dürften. Wie die Dame in dem Reel ja selbst sagt: Wir altern sehr unterschiedlich – das gehört für mich zu den Unterschieden, es lebe die Vielfalt.
Das Interview mit Ildikó von Kürthy über das Altern in der Wochenend-Süddeutschen (€) brach ich ab, als sie ihr eigenes Jugendlich-Ich mit Partys, teurem und aufwändigem Styling, sexueller Attraktivität als allgemeingültig prämittierte.1 Nein, cariño, die ersten Jahrzehnte als erwachsene Frau können auch ganz andere Schwerpunkte haben.

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Niemand, der oder die hier liest, sollen sagen können, das hätten sie nicht gewusst (dieser Volkskultur-Newsletter ist definitv mein Liebling): Das Kulturrefarat München lädt ein zu einem Maultrommelworkshop am 14. März, hier der Link zur Anmeldung.
(Mit Jean-Jacques Rammerl an der Tenorsaubladern, nehme ich an.)

  1. WOHL gibt’s dieses Wort! []
die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 1. März 2026 – Häuslicher Sonntag im Trüben

Montag, 2. März 2026 um 6:25

Gut geschlafen, aber einmal zu oft durch Aufwachen unterbrochen und zu früh zu Ende.

Ein trüber Tag, doch ich freute mich sehr auf eine Laufrunde. Aber erstmal bloggte ich, las die Mastodon-Timeline nach und wartete ab, bis die morgens eingeschaltete Waschmaschinenladung durchgelaufen war.

Die Luft fühlte sich nur wenig mild an, ich nahm eine U-Bahn nach Thalkirchen. Schon bald nach Loslaufen Richtung Süden merkte ich, dass es kühler war als erwartet und dass Handschuhe eine gute Idee gewesen wären. Der Körper machte gut mit, ich hatte ausführlich vorgedehnt und mobilisiert (vor allem weil ich recht lang auf die U-Bahn warten musste). Das endete allerdings vor Ende meiner Laufrunde, dann wurde es anstrengend. Und ich musste über den Rest des Tages mit Schmerzen und Steifigkeit zahlen.

Ein wenig haben Regen und Schnee der jüngsten Zeit die Isar aufgefüllt.

Da hat jemand Fledermäuse aber wirklich sehr lieb: Auf diesem kleinen Abschnitt am Isarhochufer vor Pullach sah ich mindestens zwei Dutzend solcher Häuschen.

Bei diesem trüben Wetter wurde das Alpenpanorama gar nicht erst aufgebaut.

Floßlände.

Thalkirchen kurz vor der U-Bahn.

Daheim ausführliche Körperpflege, kurz nach zwei gab es zum Frühstück Birnchen (eine ohne und eine mit Geschmack) und zwei Körnersemmeln mit Butter und Marmelade.

Ich wurde steinmüde, und weil Sonntag war, ich zudem erwachsen bin und meine Zeit frei einteilen kann – legte ich mich zu einer Siesta hin. Ich schlief sofort ein.

Unspektakulärer restlicher Sonntag: Gelbe Bete aus Ernteanteil gekocht und Salat daraus bereitet, Wochenend-Süddeutsche gelesen (weite Teile hatten sich durch den kriegerischen Angriff am Samstag von USA und Israel auf Iran und die Gegenschläge auf Israel und Golfstaaten sensationell überholt), gebügelt – mehr als erwartet, es nervte mich wie schon lang nicht mehr. Vor dem Abendessen war gerade noch Zeit für Briefwahl.

Ächz jetzt beim Stadtratwählen (80 Sitze, also 80 Stimmen), viel, viel Ächz nächstes Wochenende beim Auszählen.

Zum Nachtmahl schmorte Herr Kaltmamsell die Ingolstädter Beinscheiben und kochte die einzig passenden Nudeln dazu.

Das Fleisch hatte noch etwas zu viel Biss (hatte aber zwei Stunden geschmort), schmeckte aber gut, auch die Gelben Bete. Nachtisch Schokolade, während die Tagessschau aufzählte, welche Golfstaaten Teil dieser nächsten kriegerischen Eskalation geworden waren.

Im Bett las ich noch Granta 174, Therapy, eine sehr unentschlossene Bearbeitung des Themas (u.a. werden Psychotherapie und Psychoanalyse gleichgesetzt – meistens), möglicherweise wieder eines, das Herausgeber Thomas Meany eigentlich doof findet.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 28. Februar 2026 – Familie in Schön

Sonntag, 1. März 2026 um 8:42

Gutes Bett im Gästezimmer meiner Eltern, trotz ein paar Mal Aufwachen schlief ich darin gut und lang.

Na also: Echt Ingolstädter Nebel – der sich allerdings schon bald auflöste und Platz machte für einen sonnigen und milden Tag.

Meine Eltern waren bereits emsig mit Vorbereitungen beschäftigt: Um zehn sollte die Bruderfamilie eintreffen für ein Gesamtfamilienfrühstück, wobei Frühstück als Einladung in den Kreisen meiner Eltern schon seit vielen Jahren immer “Brunch” genannt wird.

Selfie im schönen Gästezimmer meiner Eltern, das einst das Zimmer meines Bruders war (aus meinem wurde Mutters Näh- und Bügelzimmer, bietet aber eine weitere Schlafgelegenheit).

Ich nutzte die Zeit vor dem großen Frühstück für einen Abstecher zur nahe gelegenen Metzgerei, um fürs Sonntagessen Rinderbeinscheiben einzukaufen, an den Ingolstädter Ausfallstraßen gibt es noch mehr Metzgereien als in der Münchner Innenstadt (dort aber geballt am Viktualienmarkt).

Kurz nach zehn klingelte die Bruderfamilie, und jetzt gab es reichlich Gelegenheit für Austausch über Wurst, Semmeln und Brezen, Blätterteigsternen, Lachs, Fleischsalat, weichen und harten Eiern, Hummus, frischem Obst und Gemüse (ich bedauerte sehr, dass es meinem Appetit ein paar Stunden zu früh für all das war). Die liebe Schwägerin testete eine neue Hörgerättechnik mit Extra-Aufnahmekästchen auf dem von ihr entfernten Teil des Tisches (funktionierte nur mittel), von den Nifften weiß ich jetzt unter anderem Details von Umzugsplänen nach Würzburg, Auszugsplänen in Ingolstadt, mittelfristigen Berufsplänen in Berlin, langfristigen Ausbildungsplänen in Berlin, aktueller Berufstätigkeit. Außerdem leidenschaftliche Diskussion, ob die aktuelle Tyopgrafie-Verwendung des Stadttheaters Ingolstadt besonders geschickt oder besonders furchtbar ist, es gab MEINUNGEN.

Mein Vater wiederum erzählte aufgehängt am vorhergehenden Theaterabend ein weiteres Bisschen aus seiner ersten Zeit als Gastarbeiter in Nürnberg und Ingolstadt, nahm auch das Fotoalbum mit Bildern davon in die Hand.

Der fast skulpturale Treppenturm des elterlichen Reihenhauses.

Um halb zwei nahm ich mit Herrn Kaltmamsell eine Regionalbahn zurück nach München, aus dem Frühstücksangebot hatte ich mir eine Semmel mit Schinken belegt und einen Apfel eingesteckt, denn jetzt hatte ich Hunger und Appetit: Brotzeit auf der Zugfahrt. Nach Ankunft erledigt ich noch ein paar Lebebensmittel-Einkäufe.

Erst um vier schloss ich den Blogpost über Freitag ab und veröffentlichte ihn: Bitte nicht verpassen, denn ich empfehle darin ein sehr superes Theaterstück. Beim Schreiben und später beim Zusammenstellen der Lieblings-Microblogging-Posts vom Februar ließ ich die Musik von Sezen Aksu dazu laufen und freute mich sehr daran.

Familienmysterien: Die Nichte hielt mir gestern ein goldenes Armkettchen hin und fragte, ob ich es wiederhaben wolle. Meine Mutter, also ihre Großmutter, habe es ihr gegeben mit der Erklärung, mein italienischer Onkel habe es mir geschenkt, ich hätte es aber nicht gewollt.

Ich htte das Kettchen noch nie im Leben gesehen, der italienische Onkel ist vor mindestens 15 Jahren gestorben. Es gefällt mir, nur macht mich Handgelenksschmuck eigentlich wahnsinnig. Der gestrige Test über mehrere Stunden funktionierte allerdings ganz gut.

Schließlich rief ich meine Mutter doch an und fragte sie nach dem Hintergrund: Den Schmuck hatte mir mein italienischer Onkel (die Schwester meiner Mutter hatte sehr jung nach Italien geheiratet) über meine Eltern geschenkt, als ich im Grundschulalter war. Meine Mutter fand ihn unpassend für ein kleines Mädchen und hielt den Schmuck ohnehin nicht für echt (ist aber gestempelt), hatte ihn dann wohl gut 50 Jahre vergessen und erst kürzlich wiederentdeckt. Ich merkte, wie ich mir umgehend eine Erinnerung dazu baute – die unwahrscheinlich ist: Meine Mutter erwähnte ein zweites Goldkettchen von diesem Onkel, zart und aus Gold und Süßwasserperlen, das ich in sehr wohl in meiner Schmuckschatulle habe. Allerdings hätte ich nicht sagen können, woher es stammt, nur dass ich es als Kind bekommen hatte.

Vor dem Abendessen eine halbe Stunde Pilates, tat sehr gut.

Herr Kaltmamsell bereitete zum Nachtmahl aus Ernteanteil-Kartoffeln spanische Tortilla und schnitt den ganzen edlen Jamón Pata negra an, den er von meinen Eltern zu Weihnachten bekommen hatte, ich schüttelte als Aperitif Cosmopolitans und öffnete zur Tortilla eine Flasche unseres Lieblings-Tempranillos Dehesa La Granja aus Castilla y León. Nachtisch Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir den Klassiker Das Wirtshaus im Spessart laufen.

Und jetzt leben wir wieder mit einem Tier in der Küche.

die Kaltmamsell

Lieblings-Breviloquia* vom Februar 2026

Samstag, 28. Februar 2026 um 17:04

Los geht’s mit daheim: Mastodon.

Seit dem Posten dieses Tröts sind wir allerdings einen Schritt weitergerückt.

Schönes von Bluesky (ich kann nichts dafür, dass @kirsten-fuchs einen nach dem anderen raushaut) (keine Sorge, sie IST schon auf der Bühne).

Auch Threads erfreute mich:

*siehe

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 27. Februar 2026 – Was Theater kann, Teil 2 dieser Woche: Selen Kara, Torsten Kindermann und Akın Emanuel Şipal, Istanbul am Ingolstädter Stadttheater

Samstag, 28. Februar 2026 um 15:58

Nach dem zweiten Aufwachen kurz vor vier mit Verzögerung nochmal eingeschlafen, nur so tief, dass ich mich von Herzen darüber freuen konnte, im Traum der superschlauen und entzückenden Laurie Penny zu begegnen und mich mit ihr zu unterhalten.

Es tagte zu einem weiteren angesagten sonnigen Frühlingstag. Kurz überlegte ich, ob ich bei den auch weiterhin angekündigten milden Temperaturen auf den leichten Janker zurückgreifen sollte, merkte aber, dass ich innerlich noch bei offenen Mantelschößen bin. Es blieb beim Ledermantel. Ich genieße diese milden Frühlingstage wirklich sehr – es soll aber bitte nochmal kalt werden. Wegen Natur und so. Ansonsten ist die Wahl meiner Tops derzeit leider wieder von einer erneuten Stinkephase geprägt, ich greife bevorzugt zu locker Sitzendem.

Auf dem Weg hörte ich erst den Technologie-offenen Specht auf einer Peitschenlampe, sah dann diese Krokantenwiese in den Startlöchern.

Emsiger Arbeitsvormittag, bald hatte ich eigentlich keine Lust mehr. Musste ja.

Mittagscappuccino im Westend, ein Jogger kam mir in kurzen Hosen und mit nacktem Oberkörper entgegen – das ging mir nun wirklich zu schnell. Selbst beschränkte ich mich auf die geplanten wehenden Rockschöße und auf tiefe Atemzüge begleitet von Altfrauenseufzern.

Zu Mittag gab es eine Weile später Birnchen (überraschend schmackhaft), Apfel, außerdem Quark mit Leinsamenschrot.

Emsiger Nachmittag, zu dem ich immer wieder das Bürofenster öffnete, um sonnengewärmte Außenluft reinzulassen.

Pünktlicher Feierabend, ich spazierte zum Bahnhof, um dort Brotzeit einzukaufen und Herrn Kaltmamsell am Zug nach Ingolstadt zu treffen. Apfel und Käsesemmel gab es im Zug als Abendessen, dazu wachsende Unruhe, weil die Ankunft sich nach „verzögerter Bereitstellung“ immer weiter verzögerte. Doch wir erreichten Ingolstadt Hauptbahnhof dann doch rechtzeitig, um die 25 Minuten zum Theater zu Fuß zu gehen, unter anderem über die zeitweise legendäre dritte Donaubrücke.

Im Ingolstädter Stadttheater war ich seit vielen Jahren nicht mehr, möglicherweise seit Jahrzehnten. Doch das markante Brutalismus-Gebäude (hier schöne historische Fotos), mit dem ich groß wurde, das ich mit seinen vielen vor allem Innendetails liebe und das meinen Architekturgeschmack geprägt hat, ist gar nicht mehr die Spielstätte: Es muss dringend generalsaniert werden, und da die Stadt Ingolstadt das in derzeit angespannter Haushaltslage nicht priorisiert, ist völlig offen, ob und wann es je wieder bespielt wird.
In einem Bürgerentscheid hatten sich die Ingolstädter*innen zudem 2022 gegen den Bau eines Ausweichtheaters entschieden, das nach der Generalsanierung weiter genutzt worden wäre – in meinen Augen ein typisches Symptom der kleingeistigen Wohlstandsverwahrlosung, die ich mit Ingolstadt verbinde (not all Ingolstädters, schon klar). Denn die Geschichte zeigt: In schlimmen Zeiten echter Entbehrung hielten sich die Menschen seit jeher an Kunst und Kultur fest, nicht umgekehrt, fragen sie mal die Leute in Kiew.

Gestern erlebte ich in Ingolstadt also eine der Ausweich-Spielstätten und war sehr gespannt darauf, nämlich das Theater am Glacis (sogar die Grammatik ist nicht mehr dieselbe wie zu meiner Ingolstädter Kindheit und Jugend, damals war das die Glacis, “d’Glasí”).

Verortung in meiner persönlichen Geografie: Alter Volksfestplatz, wo das Hallenbad stand (das jetzige steht nebenan, wo das Eisstadion war – sehr verwirrend).

Im Foyer trafen wir auf Bruderfamilie (minus Nichte), meine Eltern, Freunde der Bruderfamilie, einige hatten das Stück, Istanbul von Selen Kara, Torsten Kindermann und Akın Emanuel Şipal, bereits in der vorherigen Spielzeit auf der kleinen Bühne gesehen.

Mein Bruder wies uns auf die erste Überraschung hin: Stellwände im Foyer zeigten Fotos von Gastarbeitern in Ingolstadt, darunter einige von meinem Vater und seinem besten spanischen Freund.

Fotomotiv Bruder zeigt (auf meine Bitte) auf Zeitungsartikel über meinen Vater.

Auch vor anderen Stellwänden wurde fotografiert, eine Gruppe hatte den Vater aus der Türkei entdeckt.

Freie Platzwahl, doch wir schafften es ohne Kampf alle in dieselbe Reihe.

Und dann sahen wir zwei Stunden wundervolles Theater. In viel Musik (mehr, als ich erwartet hatte) war die Geschichte von Klaus Gruber aus Ingolstadt eingebettet, der Anfang der 1960er das Angebot der Türkei annimmt, als Gastarbeiter der heimischen wirtschaftlichen Not zu entkommen und in Istanbul auf dem Bau Geld zu verdienen. In dieser alternative history werden der Schmerz des Abschieds von Frau und Kind erzählt, die Erniedrigung der ärztlichen Untersuchungen, die Einsamkeit in einer fremden Kultur und Sprache. Doch wie schon in Play Auerbach! am Mittwoch zuvor schafft die nicht-realistische Form einen Rahmen, in der die (ohnehin großartige) Grundidee funktioniert: Auf der Bühne werden zur Illustration von Gefühlen und Umständen die Lieder von Sezen Aksu, einer sehr populären türkischen Pop-Sängerin und Komponistin, gespielt und vor allem gesungen. Allein die extreme Exotik, dass deutsche Schauspieler*innen (ganz wunderbar Ralf Lichtenberg und Sarah Horak) auf Türkisch singen, führte mehr über den Stand der deutschen Gesellschaft vor, als es jedes Essay hätte transportieren können. Dazu kam in der gestrigen Vorstellung als besondere Herzerfrischung: Teile des Publikums sangen mit! (Und lachten an Stellen, die ich nicht verstand.) In den weiteren Hauptrollen sehenswert: Berna Celebi, Okan Cömert, Manuel Karadeniz.

Das Nationaltheater Mannheim hat die Lieder als Playlist auf Spotify gestellt – was mich sehr freut, mir gefielen sie fast durchgängig. Stehend jubelnder Beifall am Ende, eine große Theaterfreude. Das Stück wird wohl auf einigen Bühnen gespielt, lässt sich ja problemlos auf viele westdeutsche Städte übertragen, ich empfehle einen Besuch blind überall. In der Ingolstädter Version mochte ich besonders einige klamaukige Einfälle der Requisite.

Anschließend im Foyer noch Austausch von Eindrücken, bei meinem Vater hatte das Stück durchaus Erinnerungen wachgerufen. Meine Eltern nahmen uns zur Übernachtung mit, Lichtaus nicht zu spät.

§

Sehen Sie: DAS ist die Art Connections, um die ich Leute beneide. Wenn man mit U-Bahn-Piloten befreundet ist, bekommt man auch mal eine
“Exklusive Ansage”.
(Erinnerung an den Neffen der markanten Frauenstimme, die zu meiner Augsburger Studienzeit die Straßenbahn-Ansagen einsprach, mit deutlichem lokalen Akzent. Und der sie dazu brachte, für Freund*innen Anrufbeantworter-Ansagen aufzunehmen.)

§

Niemand wundert sich weniger als ich: Es gibt Therapie-Meerschweine.

die Kaltmamsell