Journal Donnerstag, 27. August 2026 – Endlich Hirschgarten

Freitag, 28. August 2026 um 6:10

Herr Kaltmamsell und ich führen ja seit einiger Zeit eine Liste (er auch physisch) von Unternehmungen, die nur bei Sommerwetter funktionieren, und auf der sind dieses Jahr erstaunlich viele noch nicht unternommen, wenn man die bisherige Länge und Intensität des Sommers bedenkt.

Okaye Nacht, ich fühlte mich aber nicht ausgeschlafen. Freude allerdings über die frische Zimmertemperatur, die mir Einmummeln in die (ganz leichte) Sommerdecke erlaubte.

Die Morgenröte rutscht langsam zurück hinter St. Matthäus; im Höchstsommer findet sie einige Wochen links außerhalb meines Blickfelds statt.

Trotz Morgenfrische marschierte ich jackenlos ins Büro; es waren 30 Grad für den Tag angekündigt, die wollte ich nicht durch Jackenrumschleppen belasten.

Emsiger Vormittag, ich war trotz Augustruhe nützlich.

Mittagscappuccino unweit vom Markt am Georg-Freundorfer-Platz, anschließend aber wieder kein Käsekauf auf dem Markt, weil der Stand immer noch urlaubsabwesend war. Die Luft war bereits deutlich sommerlich, zu unangenehme Sonne aber durch Schleierwolkenfilter verhindert.

Mein Mittagessen bestand aus Nektarinen, Aprikosen, Renekloden, außerdem Skyjolei.

Nachmittag Online-Seminar mit einigen Erkenntnissen, kurz vor Feierabend kratzte ich nochmal meine Konzentration für einen Querschuss zusammen.

Direkter Weg nach Hause in schwülwarmer Luft unter dichten Wolken: Ich war mit Herrn Kaltmamsell zum Abendessen im Hirschgarten verabredet, diesen Punkt von unserer Sommerunternehmungsliste hatten wir noch nicht durchgenommen. Trotz der Schwüle zeigte der Regenradar weder Gewitter noch Niederschlagsgefahr an, ich verließ mich darauf.

Wir nahmen eine Tram raus zum Hirschgarten, und zu meiner großen Freude wurde sogar Steckerlfisch angeboten – hatte ich unter der Woche wirklich nicht erwartet. Die Makrele war auch noch frisch gegrillt und saftig!

Ausschenker an der Bierschänke auf die Frage eines Herrn, ob es auch Halbe gebe: “Naa. Mir san a Biergarten, koa Kindergarten.” (Gibt es im Hirschgarten natürlich schon, aber an Ausgaben, wo man auch andere Getränke bekommt.)

Hirsch bei der Arbeit.

Blasmusik gab es auch, sogar besonders gute und leicht unkonventionelle (Blas & Band, gleichmal notiert, man weiß ja nie, wann man mal eine anständige Musi braucht) – ein Stück nur knapp am Pasodoble vorbei.

Medienmix auf den Notenständern.

Sehr satt von der Tram nach Hause geschaukelt worden. Dort wirbelte ich noch ein einige Zeit Vorbereitungen für Freitag, ich wollte ein weiteres Mal vor der Arbeit Schwimmen.

Ein wenig Süßigkeiten als Dessert.

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Nochmal Dolly Parton – und ich freue mich sehr darüber, wie viele Menschen jetzt überrascht merken, dass sie großartig war.

1977 interviewte Barbara Walters Dolly Parton – zwei Welten trafen aufeinander. Und es war nicht etwa die toughe und erfahrene Reporterin, die dabei gut wegkam. Communication Coach Alexander Lyon analysiert, warum das so ausging und was man hier von Dolly Parton lernen kann.

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https://youtu.be/dwtzw0s-5BI?si=im7ZZi78VnvB9Qr6

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Auch Tim Curry ist mit 80 Jahren gestorben (für mich weniger überraschend, ich wusste um seinen Schlaganfall 2012 und seinen schlechten Zustand).

Sein Dr. Frank N. Furter in der Rocky Horror Picture Show hat mich als Teenager tief geprägt: Dass ich Tim Currys ganz konkrete Darstellung nicht im geringsten als unmännlich empfand, wird mir erst jetzt bewusst (RRRRRRRrrrrr). Extra Applaus für das Make-up von Pierre La Roche (und für Costume Designer Sue Blane).

Deswegen empfehle ich auch Ihnen den intensiven Genuss hiervon:

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https://youtu.be/ZCZDWZFtyWY?si=9alJBhwFJK6VHwa0

(Warum war ich eigentlich nur einmal bei einer Vorführung in den Münchner Museum Lichtspielen? Und das vor 40 Jahren? Wobei ich die Musik zu dieser Zeit bereits komplett auswendig konnte, der Soundtrack hatte es über meine damalige Freundin Andrea längst in mein Jung-Mädchen-Zimmer geschafft. Und wie viele Altersgenoss*innen habe auch ich eine Schul-Geschichte: Wie wir unsere – feine, elegante frankophile – LK-Englisch-Leistungskursleiterin dazu brachten, den Film mit uns anzuschauen, ca. 1985. Uns an ihrer kompletten Entgeisterung ergötzend.)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 26. August 2026 – National treasure Dolly Parton

Donnerstag, 27. August 2026 um 6:22

Endlich mal wieder eine gute Nacht mit spürbar tiefen und langen Schlafphasen.

Aufgestanden zu Regentröpfeln und Kühle, doch bereits auf dem Weg in die Arbeit (in Turnschuhen, nicht Sandalen) wurde die Luft zwischen den vereinzelten Regentropfen langsam wärmer.

Emsiger Arbeitsvormittag, ich konnte mein Gehalt wert sein.

Mittags zum Sanitätshaus gehuscht, um endlich mein Rezept für neue orthopädische Einlagen einzulösen. Jetzt brauchte ich schon keine Jacke mehr. Bei dieser Gelegenheit zum Mittagscappucino abgebogen: Wegen langer Schlange weitergebogen zu einer selten genutzten Quelle.

Was mich freute: Es wachsen mir Ideen für den Bloglesungstext.

Zu Mittag gab es Banane, Zuckeraprikosen, rote Aprikosen, Renekloden (so gut!), außerdem Skyjolei.

Geordneter Arbeitsnachmittag, auf dem Heimweg war es fast schon sommerlich warm.

Zu Hause Yoga, wieder sportlich. Vor dem Abendessen war noch Zeit, ich setzte mich auf den Balkon zum Lesen.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell einen Quiche-Teig aus der Gefriere aufgebraucht für eine Gemüse-Quiche.

Sehr gut! Nachtisch Süßigkeiten, Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, beschienen durchs offene Fenster vom Vollmond am Sommernachthimmel.

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Dolly Parton war eine Jahrhundert-Begabung, sowohl als Musikerin als auch als echter Mensch.
Die Social-Media-Kanäle, in denen ich lese, waren und sind voll von Trauerbekundungen – in einem Maß und einer Breite, wie ich es noch nie erlebt habe. Niemand in den USA kam dem Status national treasure wohl näher als Dolly Parton – und hatte es sich verdient.

Mir ist am stärksten in Erinnerung geblieben, wie sie in einem Interview die Frage beantwortete, woher ihr Look eigentlich kam. Da erzählte sie, dass es in der verlassenen und bitterarmen Gegend Pittman Center, Tennessee, in der sie groß wurde, eine Frau gab, deren auffallende Aufmachung sie als kleines Mädchen unendlich bewunderte: Laute Farben, Glitzer, kurze Röcke, hohe Schuhe, riesige Haare. Dass man ihr erklärte, das sei die town tramp, die Dorf-Nutte, hinterließ genau gar keinen Eindruck: Genau so wollte sie einmal aussehen, fertig.
Diese Offenheit und diese selbstgewisse Subversivität bewunderte wiederum ich an Dolly Parton bis zuletzt.

Deshalb als meine Verneigung:

Dolly Parton Breaks Down 11 Looks From 1975 to Now | Life in Looks | Vogue

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https://youtu.be/ohvN75BaY1I?si=RX0YhyiFJMQmM_cp

Zudem ein ausführlicher Nachruf auf die Musikerin Dolly Parton im Guardian:
“Dolly Parton’s peerless career turned country music cliches inside out”.

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Künstlerin Katja Kelm hat in Hamburg einen Vortrag über ihre vier letzten Arbeitsgruppen gehalten und wie sie entstanden sind. Freundlicherweise hat sie ihn zusätzlich aufgenommen.

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https://youtu.be/z9VNJjaLRCU?si=lpg9WEoSuKwL5G7G

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 25. August 2026 – Unterschätzte Regenkühle

Mittwoch, 26. August 2026 um 6:24

Von keinem der vielen Zwischenaufwachen fühlte ich mich wirklich gestört, freute mich sogar beim Blick auf die Uhr, wie viel Zeit noch bis Weckerklingeln vor mir lag. Doch als er klingelte, war ich unterschlafen und gerädert.

Düsterer Himmel, kalte Luft. Ich schlüpfte dennoch in ein kurzärmliges Kleid und in Sandalen. Letzeres erwies sich über den Tag als zu gewagt, für obenrum hatte ich wenigstens meine Jeansjacke.

Der Arbeitsvormittag war ausreichend geschäftig, doch ich merkte die ruhige Ferienzeit. Draußen setzte Regen ein und blieb fast bis Feierabend, vor allem wärmte der Tag nie über 17 Grad.

Ärger mit Online-Kauf: Ein Pulli sollte am Montag von DHL geliefert werden, ich hatte den Lieferweg ab Bestellung mitverfolgt und um Ablegen vor der Tür gebeten. Doch auf die Nachricht “Sendung kommt heute” folgte “wird zurückgesendet”: Angeblich war ich unter der Lieferadresse (an der ich seit 27 Jahren wohne, an die DHL erst am Freitag zuvor ein Paket geliefert hatte) nicht zu finden. Also hatte ich am Montag eine Alarm-Mail an den Versender geschrieben, vereinbarte gestern erneute Zusendung – die hoffentlich klappt. Zum einen kann ich diesen Pulli wirklich gut brauchen, zum anderen will ich nicht schon wieder auf den bereits bezahlten Lieferkosten sitzen bleiben.

Die Last des Seins: Gestern war ich gereizt UND missgünstig gestimmt, was zu (inneren) gehässigen Reaktionen auf praktisch alles an den Menschen um mich herum führte – logische Konsequenz verstärkter Selbsthass, denn so will ich wirklich nicht sein, eigentlich sollte überhaupt niemand so sein.

Die Mittagszeit nutzte ich für eine U-Bahn-Fahrt zum Café Fausto: Espressobohnenkauf plus Mittagscappuccino. Unterm Regenschirm waren die Fußwege deutlich weniger idyllisch als auch schonmal, und weil ich dreimal 10 Minuten auf U-Bahnen/Anschlüsse warten musste, dauerte meine Abwesenheit deutlich länger als geplant; nächster Einkauf lieber wieder nach Feierabend. Zumal ich keine Zeitung dabei hatte, gestern war mein Exemplar nicht zugestellt worden, ich musste irgendwas im Internet lesen. Und hatte in meinen Sandalen kalte Zehen.

Aber ich bekam meinen Mittagscappuccino aus einer besonders schönen Tasse.

Mittagessen Banane, Zuckeraprikosen, rote Aprikosen, überreife Renekloden, außerdem Skyjolei. Das Loch vom ehemaligen Backenzahn fühlt sich bereits fast völlig verheilt an, doch ist mir beim Kauen seine Abwesenheit sehr bewusst: Sein unterer Gegenpart mahlt ins Leere. Ich bin immer noch nicht darüber hinweg. Zumal ich jetzt sogar einen Zahn weniger als Herr Kaltmamsell im Mund habe, wo er doch der mit den legendär schlechten Zähnen ist und ich die mit den guten bin!

Auf dem Heimweg kam ich auf den Gedanken, mir vielleicht doch ein Implantat für diesen Zahn zu leisten: Er könnte durch seine Unkaputtbarkeit eine Art Poller für die andere Zähne darstellen. Wenn ich den Backenzahn kaputtgeknirscht habe, liegt er auf der Knirsch-Betroffenheit ganz weit vorn. Wenn an dieser Stelle etwas weniger Empfindliches sitzt, kommt nicht gleich der nächste dran?

Der Regen hatte jetzt aufgehört, die Kälte war geblieben. Ich marschierte zügig, um in meinen Sandalen nicht zu frieren, besorgte unterwegs Milchprodukte beim Vollcorner.

Zu Hause Yoga, wieder angenehm anstrengend: Das 30-Tage-Programm “Move” von Adriene ist derzeit genau das richtige.

Der frische Ernteanteil war aufgegessen, Herr Kaltmamsell bereitete aus getrockneten Schwarzen Bohnen eines länger zurückliegenden Ernteanteils mit zugekauften Auberginen (immer ein Liebling) Abendessen. Sehr gut.

Das wichtigste aber: Herr Kaltmamsell probierte Dutch Baby aus, also Yorkshire Pudding in Süß mit Tahini-Sahne und Beeren.

Frisch gebacken und ungefüllt.

Gefüllt. Hatte deutlich mehr von Mehlspeise als von Dessert, schmeckte aber gut – ich mag aber auch Yorkshire Pudding.

Erschütterung beim Tagesschau-Gucken: Nachricht vom Tod Dolly Partons – es gibt niemand Vergleichbares, wie ungeheuer traurig. Die Welt brauchte sie doch im Moment ganz besonders.

Früh ins Bett zum Lesen.

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Eine besondere Anekdote von Gaga zur angeblichen Unsichtbarkeit nicht mehr junger Frauen.
“30. Juli 2026”.

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Den instagram @womaninstreet bespielt gerade eine bemerkenswerte Fotografin: Corna Fean, @cornafeanlynam. Sie erfasst besonders intensiv Spiegelungen (die mich sonst in Street Photography ehrlich gestanden mittlerweile als manieristisch nerven), hier ihre erste Serie aus Dublin, im Text dazu erklärt Conra auch ihre Faszination mit Spiegelungen und Überlagerungen.

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Ein zeitgenössischer Loriot-Jünger (“Das Bild hängt schief”).

die Kaltmamsell

Journal Montag, 24. August 2026 – Aber Lerchenschwumm

Dienstag, 25. August 2026 um 6:26

Nach guter Nacht (ich fürchte, Ohrstöpsel plus geschlossene Fenster sind mittlerweile Voraussetzung für Ruhe) etwas früherer Wecker: Schwimmpläne vor der Arbeit. Allerdings fühlte ich mich überraschend müde.

Doch Schwimmen im Dantebad war so glorios wie erhofft: Die Sonne stieg am wolkenlosen Himmel langsam über das Wirtschaftsgebäude (Thermometer über Sprudelschnecke hatte bei Schwimmstart 16 Grad angezeigt) und verglitzerte immer größere Teile des Beckens, die Bahnen wurden zunächst mittelrege genutzt, auf den letzten 1.000 meiner 3.000 Meter hatte sich selbst dieser Verkehr gelichtet. Ich schwamm leicht und flüssig, verließ das Wasser hoch erfrischt. Gut gelaunte Körperpflege, nahtlos passende U-Bahnen verhalfen mir zu einem Einstempeln um 09:22 Uhr.

Im Büro erstmal alles bis dahin angefallene weggewirbelt. Dann Längerfristiges geordnet angegangen – Schwimmbeseeltheit führte zum Gefühl: So lange ich noch nicht mit Kolleg*innen gesprochen habe, ist das Wochenende noch nicht ganz vorbei. Was leider geblieben war: die Müdigkeit.

Das Wetter war herrlich: sonnig ohne Hitze. Mittags genoss ich das Draußen bei einem Marsch um die Blöcke.

Zum späten Mittagessen gab es Ernteanteil-Gurke, Hüttenkäse, Birnen (die auch eine Woche nach Kauf nicht nachgereift waren).

Auf dem Heimweg war das Wetter immer noch sehr angenehm; ich ging über Obsteinkäufe beim Süpermarket Verdi.

Zu Hause eine längere Folge Yoga.

Fürs Nachtmahl hatte sich Herr Kaltmamsell davon inspirieren lassen, dass Ernteanteil-Kartoffeln übrig waren, es noch einen Rest Frischkäse gab und er beides zu Kartoffelpü kombinieren wollte (plus Kräuter, da gibt es wohl einige Rezepte). Dazu brauchte es natürlich etwas als Hauptsache: Herr Kaltmamsell entschied sich für Hackbraten, und dabei für ein englisches Rezept mit eingearbeitetem Spinat. Das Ergebnis war rundum wohlschmeckend, frischer Thymian und Basilikum machten sich ausgezeichnet im Pü, der Spinat sehr gut im würzigen Hackbraten.

Nachtisch einige überreife Renekloden mit Buttermilcheis. Und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, das neue Granta 176: American Berserk war eingetroffen – mal sehen, was ein Literaturmagazin aus dem aktuellen Elephant-im-Porzellanladen-tum herausholt.

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Hier gab es schon viel zu lange nichts mehr vom Gott des Hula Hoop, Daniel Middel – er kann auch Klassik!

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 23. August 2026 – Rückreise vom Westerwald / Amal El-Mohtar, Max Gladstone, This Is How You Lose the Time War

Montag, 24. August 2026 um 5:57

Auf dem sehr komfortablen Gästebett der Freunde im Westerwald nicht so lange geschlafen, wie ich hätte können. Dafür mit viel Zeit für Morgentoilette und Vorbereitung des Blogposts.

Überraschender Nebelblick, laut Gastgebern der erste solche der Saison.

Wir hatten noch Frühstückszeit, bekamen mehr vom spannenden Haus gezeigt und aus seiner Geschichte erzählt. Es gehört sogar ein Poolhaus dazu! (Ich kenne Leute mit Poolhaus.) (Auch wenn ich ihnen die Bezeichnung erst beibringen musste.)

Zeit für Abschied, wir wurden zum Bahnhof Au (Sieg) chauffiert.

Mit Legende-tauglicher Gleisnummerierung. Abschied mit vielen Umarmungen und mit vollem Herzen.

Unsere Rückfahrt enthielt einen zusätzlichen Umstieg – zusätzliches Risiko, doch wir waren beide gelassen, hatten gestern eh nichts mehr vor und genug Beschäftigung bei uns.

Der Abschnitt Siegburg-Frankfurt wurde spannend: Würde die Verspätung den Anschlusszug noch erreichbar machen? Auch wenn die App der Meinung war: nein, und auch wenn die Zugbindung bereits aufgehoben war, befolgten wir eine der erprobten Regeln des Bahn-Fernverkehrs: Es immer drauf ankommen lassen und ans Anschlussgleis eilen. Voilà! Der ICE nach München stand noch da.

Die Sitze dicht gepackt, wir mussten leider zwei bereits sehr eingerichtete Menschen von unseren reservierten Plätzen bitten (alles in aller Freundlichkeit allerseits). Mittagscappucino bekam ich aber nicht, der Speisewagen war zurückgeworfen auf nur Filterkaffee (auffallenderweise lud auch niemand per Durchsage dorthin ein, kein “sie gerne erwartet”).

Zur Brotzeit um eins hatte ich mir vom Frühstückstisch eine Schinkensemmel mitgebracht und eine Birne, genoss beides (immer noch mit kleinen Bissen und eher vorsichtigem Kauen auf der Seite ohne Loch von rausgerissenem Backenzahn).

München empfing uns mit Sonne und milder Luft, nach einer Runde Räumen und einem halben Stündchen Siesta setzte ich mich zum Lesen auf den Balkon.

Eine Folge Yoga, zum Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell den Erntanteil-Mangold zu einem Nudelgericht mit Linsen.

Sehr gut! Dazu Ernteanteil-Tomaten mit Basilikum, Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, This Is How You Lose the Time War von Amal El-Mohtar und Max Gladstone ausgelesen. Startet mit einem Wirbelwind an indirektem Erzählen, aus dem der Hintergrund zweier sehr unterschiedlicher Gemeinschaften an Zeitreisenden hervorgeht, die die Zeitläufte im Sinne ihrer sehr unterschiedlichen Interessen beeinflussen. Eine Kriegerin (“agent”) nimmt aus einem Impuls heraus den Kontakt mit ihrem Gegenpart der anderen auf; es entsteht ein Austausch, dessen Medienformen allein schon super-kreativ abgefahren sind, innerweltlich aber herrlich stringent. Die Handlung wird sehr spannend, ist jedoch so dicht erzählt, dass ich mein Lesetempo immer wieder bremsen musste, weil meist jeder Satz zählt, Passagen-weise jedes Wort. Ein echter Ritt, der sich für mich sehr lohnte – ich hatte dringend mal wieder nicht-realistisches Erzählen gebraucht.

§

Ein Nachruf – nicht nur auf eine liebe Nachbarin, sondern auch auf eine ländliche oberbayerische Ära.
“Briefe an die nahe Ferne ( 27 )
Die Schmiedrosi ist heimgegangen.”

Sie konnte unglaublich gut mähen, sehr ruhig und gleichmäßig, Schnitt für Schnitt und ich seh sie noch, wie sie früher bei uns vorbeigegangen ist, mit dem Häuerl (übersetzt: sowas ähnliches wie eine Harke) über der Schulter, hinaus aufs Feld, da hatte sie am unteren Ende des Kartoffelackers einen Krautgarten. Weißkraut, Blaukraut, Ranner(Rote Beete) waren angebaut und mußten behäuerlt werden.

(Aufschreiben, alles aufschreiben!)

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 22. August 2026 – Reise im Bullerbü-ICE zum Westerwald

Sonntag, 23. August 2026 um 10:27

Eine recht gute Nacht – morgens erinnerte ich mich an keine bemerkenswerten Erlebnisse.

Angenehm früh zu sehr zapfig frischer Luft von draußen aufgestanden, für die Reise nach Wochen erstmals an sowas wie eine Jacke gedacht.

Schon auf dem Weg zum Zug war ich froh um diese Jacke. Wir bestiegen den ICE mit Ziel Köln, fuhren pünktlich ab – und ahnten da noch nicht, dass wir einen verzauberten Bullerbü-ICE erwischt hatten, mit dem Bahnfahrende vermutlich nur einmal in ihrem Reiseleben beschenkt werden.

Das begann damit, dass ich mich über die Sitz-Ausstattung freute, bei der sich jemand wirklich Gast-orientierte Gedanken gemachte hatte (und diese vor allem eine vermutlich byzantinische Entscheidungskette tatsächlich durchbrachte).

Eindeutig zivilisatorischer Fortschritt: Ein Jackenhaken, mit dem das Hänggut nicht die Aussicht verdeckt; ein Miniregal für Tablet/Handy mit Haltklammer zum Bewegtbildgucken während der Fahrt. (Kannte ich in einer edlen Holz-Ausführung schon an einem anderen ICE-Modell, diese Version ließ mich auf Serien-Einrichtung hoffen.)

Es ging weiter mit dem Personal dieses Zugs, das von einer Liebenswürdigkeit, Zuvorkommenheit und Eleganz war, dass damit mindestens ein schief laufendes Infrastrukturprojekt der Deutschen Bahn ausgeglichen wurde:
– Zweimal kamen Speisewagen-Mitarbeiterinnen durch und verkauften frische Kaffee-Getränke, beim zweiten Mal trug die Dame eine Haar-Schur in drei Ebenen, verschieden gefärbt, die ein abstraktes Landschaftsbild ergab – sensationell.
– Als ich im Bord-Bistro selbst für Herrn Kaltmamsell und mich Mittagscappuccino holte, erlebte ich beim Anstehen einen Barista, der das Kleinstkind auf dem Arm seiner Mutter aufs Charmanteste umgarnte (und die erbetene Milch aus frisch geöffneter Packung erstmal selbst testete, ob sie auch bestimmt in Ordnung war), beim Cappuccino-Zubereiten mit dem US-amerikanischen Gast vor mir plauderte und sicherstellte, dass er sich wohl fühlte. Auch der Austausch mit mir machte den ganzen Speisewagen gleich ein Stückchen heller.
– Schaffner 1 im perfekt sitzenden weinroten Uniform-Dreiteiler: freundlich und souverän, hilfsbereit bei der Suche nach einem nicht reservierten Platz.
– Dann kündigte eine Durchsage eine Runde Steckerleis für alle an, im pünktlichen Zug, einfach so – das auch wirklich verteilt wurde.
– Schaffner 2 jackenlos, die Ärmel des weißen Hemds ungemein elegant hochgekrempelt, der durch den Wagen schlenderte, Blick wechselnd zwischen Passagieren und Display – „Eingecheckt, schon eingecheckt, eingecheckt – ein Traum.“ – auch er hatte ein Steckerleis in der Hand.

Insgesamt wirkte diese Fahrt dann doch wie eine Fernseh-Inszenierung. Aber eine gute.

Dazwischen Holledau.

Pünktlich stiegen wir in Siegburg aus, die 45 Minuten Aufenthalt nutzten wir für ein wenig Umsehen in dem Städtchen – an einem Samstag-Frühnachmittag ausgesprochen quirlig und sympathisch, es wurde gehochzeitet, in Außengastronomie gesessen, eingekauft.

Letzter Abschnitt in den Westerwald mit der Regionalbahn entlang lauter Orten mit “(Sieg)” und entlang dem gleichnamigen Fluss, der aufs Malerischste durch Idyll mäanderte.

Ab Ankunft und Aussteigen genossen wir den Zweck der Reise: Zeit mit Freunden. Sie war gefüllt mit:
– Sightseeing-Autofahrt
– Kaffeeundkuchen (Apfelkuchen aus Frühäpfeln des eigenen Gartens)
– Gartenbesichtigung

Aussicht von selbigem aus.

Fallapfelbuntheit wie Schatzhöhle.

– Dorfbesichtigung mit viel Hintergrund zu gesellschaftlichen Mechanismen (und Kühen, Kälbern, Pferden, wunderschönen Bressehühnern)
– Sightseeing-Autofahrt zu den beruflichen Wirkstätten der Freunde
– Abendessen beim freundlichen und köstlichen Lieblingsitaliener (bei mir Fettuccine mit Birne und Käse, dazu ein frischer Pinot grigio)
– Spaziergang durch die abendliche Fußgängerzone mit viel historischer Information
– viele Stunden Zusammensitzen über mehr Weißwein mit Gesprächen bis weit jenseits Mitternacht

Was insgesamt bedeutete: Austausch, Nähe, Verbindung mit so wunderbaren Menschen – überlaufendes Herz.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 21. August 2026 – Return of ze Zahnfee

Samstag, 22. August 2026 um 7:02

TW: Angstpatient*innen lieber NICHT weiterlesen!

Die Fotoidee sah umgesetzt nicht so gut aus wie in meinem Kopf, das Bild soll hier nur Platz zwischen Lesewarnung und Text schaffen.

Gestern Morgen lernte ich, wie sehr ich nicht mag,
– wenn die geschätzte Zahnärztin beim Anblick der Problemstelle aufstöhnt,
– dass ich meine liebe Zahnärztin trösten muss, weil sie am letzten Tag vor ihrem Urlaub einen sonst rundum gesunden Backenzahn ziehen muss, der mittendurch in zwei Teile gespalten ist.

Beim Verlassen des Hauses für den 8-Uhr-Termin in Schwabing hatte ich mich noch von Herrn Kaltmamsell damit verabschiedet, dass ich ungefähr so sehr fürchtete, von der Zahnärztin wieder ausgelacht zu werden (nicht dass sie das je getan hätte, statt dessen hatte sie erklärend beruhigt), wie dass es etwas Schlimmes ist.

Nach dem ersten Blick zeigte mit die Ärztin den Grund ihres Stöhnens per Zahnfernsehen (winzige Kamera, die Aufnahmen aus meinem Mund auf den Bildschirm über dem Behandlungsstuhl überträgt): Der hinterste Backenzahn rechts oben hatte einen großen Spalt mittendurch. Es war sofort klar, dass er raus musste. Die Röntgenaufnahme von vergangenem Dezember, die ebenfalls auf dem Bildschirm vor mir zugeschaltet war, ließ mich zumindest hoffen, dass das einfach gehen würde (drei gerade Wurzeln).

Ich war natürlich völlig übertöpelt, doch da gab’s nichts zu diskutieren oder zu erläutern. Während wir die Wirkung der Spritze abwarteten, sprach ich Ersatz/Implantat an: Nein, beim hintersten Zahn sei das nicht üblich. Aber ich solle mal sehen, wie ich zurechtkomme.

Unerwarteter Zwischenschritt nach (tatsächlich schnellem) Zahnziehen: Nase zuhalten und mit geschlossenem Mund pusten – um auszuschließen, dass es eine Verbindung zu den Nebenhöhlen gab.

Als die Wunde genäht war, besah ich die beiden Zahnhälften auf dem Tablett vor mir: sauber gespalten, sonst tadellos. Ich dankte dem Zahn für all die Jahre Unterstützung und verabschiedete mich. (Bis zu welchem Alter sind Zahnfeen zuständig?)

Keine halbe Stunde nach Termin war ich bereits auf dem Weg in die Arbeit, tief erschüttert.

Zahnärztlich vermutete Ursache: Mein brutales nächtliches Knirschen (ich habe seit vielen Jahren eine Schiene, trage sie jede Nacht), das einen Sprung im Zahn hinterließ. Und auf der Heimreise von England gab ihm wohl das Beißen auf eine (sehr gute!) Salznuss, dessen Krachen mir aufgefallen war, den Rest.

Mittlerweile frage ich mich, ob der eine Problemzahn meines Lebens (denn an sich habe ich echt gute Zähne), der ja vor 13 Jahren ebenfalls an einem Sprung verendete, durch den Bakterien eindrangen (und durch ein Implantat ersetzt wurde), vielleicht prä-Knirschschiene ebenfalls schlicht kaputtgeknirscht war.

Die Zahnärztin gab mir ein Blatt “Verhaltensregeln nach einem operativen Eingriff” mit. Diese stellten mich vor ein paar Probleme.
– “Zur Verminderung einer Schwellung nach dem Eingriff sind häufige kühle Umschläge bis zur Folgenacht sehr hilfreich.” Eine Angestellte hatte mir zwar ein Scheckkarten-großes Kühl-Pack mitgegeben, aber das war bereits beim Erreichen des Bürohauses körperwarm. Ich legte es in den Teeküchen-Kühlschrank und sah mich um: In der nächsten Stunde legte ich abwechselnd ein leeres Wasserglas und eine leere Tasse auf die schwell-gefährdete Stelle. Wenn ich meine Hände gerade nicht auf der Tastatur hatte.
– “In den nächsten 24 Stunden sollten Sie weder Alkohol, Bohnenkaffee, Cola oder schwarzen Tee trinken.” 12 Stunden waren ja wohl hoffentlich sowas Ähnliches wie 24 Stunden, wenn ich abends Lust auf meinen Freitags-Alkohol hatte?
– “Für die nächsten Tage weiche, nicht zu heiße Kost”. Nichts an der Essensplanung der nächsten Tage passte dazu. Na, ich würde an den eingesteckte Feigen, Tomaten, Nektarinen zum Mittagessen testen, was ging. “Schonen Sie beim Kauen möglichst die behandelte Seite” hatte ich ja schon über eine Woche geübt.

Am einfachsten konnte ich die auch mündlich mitgegebene Anweisung einhalten, erst drei Stunden nach dem Eingriff etwas zu trinken. Bei einer vorherigen zahnärztlichen Betäubung vor vielen, vielen Jahren hatte ich erfragt, dass der Hintergrund die Verletzungsgefahr bei gefühllosen Stellen im und um den Mund ist. Und auch diesmal erwies sich, dass meine Zahnärztin das Anästhetikum hervorragend dosiert hatte, schon nach einer Stunde war nichts mehr taub. Ich hielt mich brav dennoch an die Drei-Stunden-Frist. Durst hätte ich allerdings deutlich früher gehabt.

– “In der ersten Woche nach dem Eingriff sollten Sie körperliche Anstrengungen vermeiden.” Na komm, nach ein paar Tagen probieren kann ich’s doch?

Fettnapf: Der einzige gestern anwesende Kollege, an den ich meine Erschütterung einfach hinreden MUSSTE, stellte sich als Angstpatient heraus und als eigentlich genau vor solchen Geschichten zu schützen. /o\

Meine Durch-den-Windigkeit trübte die Arbeitsfähigkeit erheblich, zum Glück stand nur wenig Dringendes an. (Mit Vorbereitung auf den Eingriff hätte ich wahrscheinlich um Krankschreibung gebeten, aber nun war ich schon mal da.)

Mittags nahm ich mir die Zeit für einen Marsch um die Blöcke, der vor allem meinem durchgewirbelten Gemüt gut tat. Mittagessen Feigen, Tomaten, Nektarinen – alles problemlos auf der Gegenseite der Wunde zu kauen, danach spülte ich gründlich mit Wasser. Essenspläne der nächsten Tage also nur geringfügig betroffen.

Nachmittags beruhigte sich meine Gemütsaufruhr, ich konnte mich wieder konzentrieren und bekam noch einiges weggearbeitet. Draußen setzte der dringend notwendige Flächenregen ein und blieb auch erstmal. Schmerzen vom Zahnziehen blieben auch weit nach Ende der Betäubung ebenso aus wie jegliche Schwellung, sehr erleichternd (aber verstehen tue ich meinen Körper so echt nicht). Abfallende Anspannung hieß aber auch steigende Müdigkeit.

Als es auf meinen Feierabend zu ging, zog der Regen an Heftigkeit an. Ich blieb noch ein bisschen, bis die Tropfen an der Fensterscheibe nicht mehr wie eine Maschinengewehrsalve klangen, und nahm dann die U-Bahn nach Hause.

Dort warf ich mich Herrn Kaltmamsell an die Brust und ließ mich nochmal ein paar Sekunden in die Jämmerlichkeit fallen, ging dann aber die Wochenend-Abstimmung an.

Beim Alkohol (OH DOCH – vielleicht wäre eine wirksame abendliche Entspannung gegen Zähneknirschen im Schlaf ein Glasl Wein?) entschieden wir uns für den Rotwein, den uns die kastilische Familie mitgegeben hatte, natürlich aus der dortigen Region, ein Ribera del Duero.

Ein junger Roter mit reichlich Tannin, der sich mit der Luft interessant entwickelte.

Vorher aber noch Yoga: Ich wusste, dass eine reine Schnauf-, Dehn- und Ruhefolge dran war. Mal wieder hatte Adrienes “Notice how you feel” seinen Effekt: Ich bemerkte dann doch Schmerzen in der Zahnlücke und nahm anschließend lieber Ibu.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell vereinbarungsgemäß Salade niçoise und erfreute mich sehr.

Aus Ernteanteil: Grüner Salat, Tomaten, Kartoffeln.

Kauen war kein Problem, gutes Essen hellte mich mal wieder auf. Und der Wein entspannte mich aufs Angenehmste. Nachtisch Eiscreme, dann weitere Süßigkeiten.

Früh ins Bett wegen sehr müde und Wochenendplänen, ich schaffte nicht mal mehr Lesen – aber das hole ich Samstag und Sonntag auf vielen Stunden Bahnfahrt nach.

die Kaltmamsell