Journal Mittwoch, 11. Februar 2026 – Druckbetankung zur Wahlhilfe als Vorsteherin

Donnerstag, 12. Februar 2026 um 6:31

Tiefer Schlaf bis kurz vor vier, danach leider nicht mehr so richtig. Aber! Ich hörte draußen eindeutiges Vogelfrühlingsgezwitscher.

Beim Marsch über die Theresienwiese sah ich eine Vierergruppe Bachstelzen in und um die Pfützen und freute mich sehr.

Gestern streikten die Öffentlichen Verkehrsbetriebe wieder. Auch wenn ich diesmal auf die Sperrung des U-Bahnhofs Heimeranplatz gefasst war, steuert ich automatisch auf den Abgang zu, erlebte das “Hä?”, bog erst dann ab.

Der Himmel wurde erfreulich freundlich.

Schöner Spaziergang zum Mittagscappuccino, jetzt spürte ich deutlich ein Ende des Winters in der Luft. Auf dem Rückweg machte ich eine Extraschleife und ließ mich vom Wind anpusten.

Zu Mittag gab es Apfel sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt – extra spät in der Hoffnung, dass das bis durch die Wahlhilfeschulung von vier bis acht allzu schlimmen Hunger fernhalten würde. Ich nehme vorweg: Das klappte. Allerdings eher wegen hohem Adrenalinspiegel, der bei mir ja Hunger und Appetit verdrängt.

Ohne Öffis machte ich noch früher Feierabend als eh wegen der Schulung im Schulungszentrum des KVR, ich musste ja zu Fuß hingehen (nicht mal eine halbe Stunde). Wir waren zu zwölft Wahlvorstehende und bekamen vier Stunden Druckbetankung. Ich merkte, dass ich zum einen von Wahlhilfeerfahrung profitierte, aber auch von den vielen Einsätzen als Schriftführerin. Doch wie man es auch drehte und wendete: Das wird am 8. und 9. März heftige und komplexe Arbeit – vor allem das Auszählen der Stadtratswahltapete sowie der Bezirksratwahl.

Wir bekamen einen wirklich guten Prozess vorgegeben, doch die Grundkomplexität des Kumulierens und Panachierens, das beim Auszählen rückgewickelt werden muss, lässt sich halt nicht wegprozessieren. Eine Folge: Besondere Parameter bei der Beurteilung, ob ein Stimmzettel gültig, teilgültig oder ungültig ist, Merksatz: Einzelstimmen zuerst.
Dieser Prozess ist übrigens, wie mir die Trainerin in der Pause erzählte, Ergebnis der Vorschläge und Feedbacks der Wahlhelfenden in den Wahllokalen – das erklärt, warum ich bei allen meinen Einsätzen den Eindruck hatte, dass er immer besser funktionierte.

Und dann ist die Wahl ja auch noch fast vier Wochen weg: Bis dahin habe ich den Großteil der Schulung trotz allem Mitschreiben der Tipps wieder vergessen. Am besten lade ich so bald wie möglich die Schulungs-Präsentation aus dem Wahlhilfe-Portal der Stadt München runter und und drucke sie aus zum Pauken. Zumal ich, und das wird mich noch so richtig Nachtschlaf kosten, als Vorstehende FÜR DAS ALLES ZUSTÄNDIG BIN.

Um acht marschierte ich zackig nach Hause, mit Herrn Kaltmamsell war ausgemacht, dass er Sushi bestellen würde.

Allso geschah es.
Es passte nur noch wenig Schokolade hinterher.

Unruhiges Einschlafen, weil voller Bauch plus Aufgekratztheit.

§

Alt, aber lustig:
“Caffeinated Owls, A Chart Illustrating Different Types of Coffee With Cute Owls”.

via @katzentratschen

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 10. Februar 2026 – Längere Tageshelle

Mittwoch, 11. Februar 2026 um 6:25

Nach einer Nacht mit freier Nase auf Montag wachte ich in der Nacht auf gestern wieder mit zugeschwollenen Schleimhäuten auf und brauchte Spray. Im Bad legte ich mir die Nasendusche raus: Vielleicht hilft es, wenn ich sie vor dem Schlafengehen nutze.

Marsch ins Büro durch eisigen Nebel, doch schon beim Start am Schreibtisch zeigte sich vorm Fenster durch den Nebel blauer Himmel, bald leuchtete er nebelfrei.

Sehr voller Vormittag, Zeit und Gelegenheit für einen Mittagscappuccino rauschten unnutzbar durch. Zumindest riss ich mich für einen Marsch um den Block los: Der Himmel jetzt wieder düsterer, aber die Luft atmete sich angenehm.

Nach einigem weiteren Wirbeln Mittagessen: Apfel, außerdem Mango mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot.

Der Nachmittag zog sich, doch als ich endlich Feierabend machte, war es noch nicht dunkel: Es wird mit den längeren Tagen. Zum Lüften ein Umweg über die Post am ehemaligen Hauptbahnhof, das ist mittlerweile die am nächsten gelegene. Ich holte Nachschub an Briefmarken.

Zu Hause Yoga, tat sehr gut. Das Nachtmahl war inspiriert von Sauerkraut und Kartoffeln im aktuellen Ernteanteil: Beides gab es mit Blut- und Leberwurst. Und dem Restl Apfelmus vom Sonntag, weil wir kulinarisch offen sind. Schmeckte sehr gut, doch ich merkte, dass ich nach vielen Jahren mal wieder Lust auf so richtig bayerische Schlachtschüssel mit allem habe – weiß jemand ein Münchner Gasthaus, wo ich das gut (!) bekomme?
Nachtisch Schokolade.

Wäsche aufgehängt (diesmal hatte die Maschine nicht gelogen), Schreibblock und Wasserflasche für Mittwoch in den Arbeitsrucksack gesteckt: Ich bin nach frühem Feierabend für vier Stunden Wahlhilfeschulung als Vorsitzende angemeldet. Hoffentlich fürchte ich mich danach nicht mehr so sehr vor dem Einsatz.

§

Vanessa postet nebenbei ein Foto von ihrer Küche, weil sie sich über den Sonnenschein darin freut – und mir geht das Herz über: So wünsche ich (!) mir eine Küche! Für mich ist sie nämlich ein Wohn- und kein Arbeitsraum, hier soll gelebt werden können. Dazu gehört auf dem Foto:
– Eine Kochzeile AN DER FENSTERFRONT! Man kann beim Vorbereiten und Kochen rausschauen! Selbst so genannte Wohnküchen platzieren die Küchenzeilen sonst an die Wand, wie schade. (Dass diese Küche gleich zwei Seiten mit Fenstern hat, begeistert mich besonders, meine Küchen lagen viele Jahre lang in völlig fensterlosen Räumen.)
– KEINE EINBAUKÜCHE! Das eine Mal, dass ich mich mit einer neuen Küche befasste, nämlich vor zwölf Jahren, stieß mich praktisch das gesamte Ausstattungsangebot ab: Es sah nach Arbeitsbedarf aus, nicht nach Möbeln. Am ehesten liebäugelte ich noch mit Koch-Inseln, weil man daran zu mehreren gleichzeitig Kochspaß haben kann (funktioniert allerdings in den wenigsten Grundrissen). Aber sonst: Bitte Küchenbuffet und Regale statt Hängeschränke. Nein: Es muss für mich in der heimischen Küche NICHT alles “praktisch” sein, ich verbringe hier Freizeit.
– PLATZ! Unter anderem für einen großzügigen Esstisch. Werkelnde und Bekochte werden nicht getrennt; die Nebenerscheinung, dass bei Einladungen das benutzte Koch- und Essgeschirr sichtbar bleibt, kenne ich – egal, wir sind unter Freunden.
– HOLZBODEN! Wieder mehr Wohnen als Arbeiten. Und was die Klecker- und Verschütt-Empfindlichkeit angeht: Meiner Erfahrung nach sind die ersten Flecken die schlimmsten, mit der Zeit verbinden sich alle zu Patina. Und wie meine Mutter gerne sagte: Nein, bei uns kann man nicht vom Boden essen. Dafür haben wir Teller.

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Maximilian Buddenbohm erwähnt abseitige Musik, die ich kenne, nämlich von Malediva. Die muss ich vor Jahrzehnten mal live gesehen haben – keine Erinnerung daran, auch nicht, wie es dazu kam.
Sie gefielen mir damals so gut, dass ich gleich dort die CD kaufte, und davon am stärksten hängen blieb mir dieses Lied.

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https://youtu.be/EA7U-UDWtPg?si=bYCJDUGLiOoQP84W

Drunter steht, dass das Album 2004 erschien, der Konzertbesuch muss also um diesen Dreh gewesen sein.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 9. Februar 2026 – Dunkelgrau und klamm

Dienstag, 10. Februar 2026 um 6:19

Eine gute Nacht, aber zu früh aufgewacht.

Arbeitsweg unter bleigrauem Regenhimmel, zumindest blieb ich trocken.

Mittagscappuccino bei den Coffee Bro’s im Westend, die Luft unangenehm kaltklamm. Mittagessen Äpfel und selbstgebackenes Brot.

Die berufliche Leistung des Tages: Kolbenfüller mit schwarzer Tinte nachgefüllt – Hände danach komplett fleckenfrei!

Schmerzen aktuell (das Praktische am Altwerden ist ja, dass das Thema Gesundheit immer was hergibt): Rechter Vorderfuß brennt um den Mittelzeh beim Gehen, der Hüftgürtel jammert beim Aufstehen vom Sitzen und den ersten Meter Gehen, das dunkelrote Auge kommt zwei Tage nach Verrötung ebenfalls auf die Idee zu schmerzen.

Schöne Entdeckung des Tages: Mit dem Faschingsurlaub in Wien kommen wir dieses Jahr auch um die Innenstadt-Unbillen der Sicherheitskonferenz herum, die sich nicht zum ersten Mal mit der praktisch einzigen Zeit des Faschings deckt, in der man ihn auf Münchner Straßen sieht. Wir verpassen also das Nachdenken bei Ansammlungen bemalter Menschen: Demo oder karnevaleske Gaudi?

Auf dem Heimweg nach Feierabend Lebensmitteleinkäufe im Vollcorner, nach der leeren Regalstelle in der Vorwoche gab es wieder Lindenblütentee. Gezielter Abstecher zu dem einen Vorgarten am Bavariaring, in dem es IMMER Schneeglöckchen gibt – wenn sie überhaupt blühen. Bingo, hiermit Schneeglöckchen in München gesichtet.

Zu Hause sportliches Yoga; beim 30-Tage-Programm “True” von Adriene 2018 ist immer wieder ein Blick zum Bildschirm nötig, weil ihre Cues nicht eindeutig sind. Cues sind ja auch eine hohe Kunst, Adriene wurde über die Jahre immer besser darin.

Nachtmahl größtenteils aus Ernteanteil:

Sellerieschnitzel, und da ich große Lust auf Salat hatte, machte ich zugekauften Chiccoree mit Kresse-Joghurt an. (Und ich genieße es immer noch, Sie mit Glasteller-Foodfotos zu nerven, so klein bin ich.)
Nachtisch Schokolade.

Nicht ganz so früh ins Bett zum Lesen wie ersehnt, weil ich das Durchlaufen der Waschmaschine abwartete und Wäsche aufhängte ( oder wie man im Nordosten der Republik sagt: “aufhing”). Diesmal brauchte der Durchgang statt der angekündigten 2:11 Stunden deutlich über drei, ich saß lesend daneben.

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Die aktuelle Bosetti Late Night enthielt eine sehr bereichernde Unterhaltung über den neuen Faschismus vor allem in den USA mit Hedwig Richter (Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität der Bundeswehr München – der ich immer gern zuhöre) und Klaus Brinkbäumer (ehemaliger Chefredakteur des Spiegel).

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https://youtu.be/xAm97HT7Ctc?si=YINuagMLR6BasYZa&t=1053

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 8. Februar 2026 – Langsames Milderwerden, endlich mal wieder Kino

Montag, 9. Februar 2026 um 6:27

Mit Unterstützung herabgelassener Rollläden lang geschlafen, aber ich war lange nicht eingeschlafen (der wunderbare Espresso bei der Samstagabend-Einladung war das wert gewesen) und brauchte nachts gegen zugeschwollene Nasenschleimhäute wieder Spray.

Draußen war es weiter mild, für meine mittägliche Laufrunde reichten Lauf-Hoody und Weste – leichte Mütze und Handschuhe waren aber recht.

U-Bahn zum Odeonsplatz, von dort ab an die Isar.

Ich gönnte mir den Ausblick vom Monopteros.

Recht versunkenes Laufen fast ohne Fotografieren.

Mein Körper machte mittel mit, störte mal mit Fußschmerz rechts, mal mit Schmerzen um den Hüftgürtel und die Lendenwirbel, meldete auch die letzte halbe Stunde Erschöpfung, doch mein Geist hatte noch nicht genug.

Heimweg ab Tivoli mit Bus bis Giselastraße und von dort U-Bahn.

Frühstück kurz nach zwei: Apfel und zwei dicke Scheiben selbstgebackenes Roggenbrot mit Butter und Zuckerrübensirup/ Lemon Curd. In Köln hat’s bereits Brutalstfrühling, in München nicht mal grüne Spitzen von Schneeglöckchen.

Nachmittags ging ich endlich mal wieder ins KINO! (Punkte auf dem Kultur-Tracker.) Im City-Kino ums Eck sah ich Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (und fand es mal wieder cool so zu wohnen, dass ich fast im Bademantel ins Kino gehen könnte; außerdem kaufte ich nach Langem mal wieder die Eintrittskarte vor Ort an der Kinokasse – hatte mich allerdings vorher auf der Website versichert, dass noch reichlich Plätze frei waren). Eine wirklich schöne filmische Umsetzung des Romans, der mir ja gefallen hatte. Senta Berger hinreißend, Bruno Alexander als Hauptdarsteller bezaubernd. Und das Drehbuch ist mehr als in Ordnung: Nachdem ich mich zunächst an sprachlichen historischen Ungenauigkeiten wie “Hey!” als Begrüßung oder “genau” gestoßen hatte, weil man das in den 1980ern ganz sicher nicht sagte, beschloss ich, dass der Film sich ja zeitlich gar nicht explizit festlegt (ein wenig in der Technik mit Telefon und Fernseher, doch Münchner Außenaufnahmen wurden in der Jetztzeit gelassen) und dass das nicht so wichtig ist.

Eine ruhige, kurze Folge Yoga. Zum Abendessen briet Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil-Karoffeln Reiberdatschi.

Klassisch bei uns mit Apfelmus – aber im Ruhrgebiet hatten wir vor anderthalb Jahren gelernt, dass sie dort mit Zuckerrübensirup gegessen werden. Wir kommen beide aus kulinarisch überdurchschnittlich aufgeschlossenen Familien, haben ja bereits vorbehaltlos Exoten wie Grie Soß oder Himmel und Äd in unseren Speiseplan integriert: Wir testeten Zuckerrübensirup, er stellte sich als echte Bereicherung heraus und passt super.

Im Bett die nächste Lektüre: Fatima Daas, Sina de Malafosse (Übers.), Die jüngste Tochter – fragmentarische Schlaglichter auf das Leben einer jungen Einwanderertochter in Paris.

§

Für mich aus persönlichen Gründen interessant (mein Vater, also nicht himmlischer, sondern biologischer Vater, heißt Jesús – und obwohl mit einer gehörigen Portion Schabernack auf die Welt gekommen, scheut er sich meist, auch damit Schabernack zu treiben):
“Warum (fast) niemand Jesus heißt – außer in spanischsprachigen Ländern”.

via @wolfseule

Familien-Details: Außerdem heißt einer meiner spanischen Kusins Jesús, wurde aber in Abgrenzung zu meinem Vater, also seinem Onkel, von Klein auf “Jesusito” gerufen, mit Diminutiv. Was zeitweilig bis zu “Susi” (bitte mit zwei scharfen, also stimmlosen S) verballhornt wurde.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 7. Februar 2026 – Wie ich lernte, dass auch Schwimmbrillen sich auflösen können

Sonntag, 8. Februar 2026 um 9:35

Recht lang geschlafen, ich fühlte mich aber nicht ganz ausgeruht.

Meine ersten Handgriffe galten dem Brotteig, für den ich am Vorabend den Sauerteig angesetzt hatte: Es sollte dieses Roggenmischbrot 79/30 geben. Das verzögerte mein Bloggen, der Post über den Vortag ging erst deutlich nach neun online.

Verwunderung beim Nachlesen meiner Mastodon-Timeline: Darin interessierten sich deutlich mehr Menschen für die frisch gestarteten olympischen Winterspiele, als ich prognostiziert hätte. Schnittmenge mit Menschen, die sich für den European Song Contest interessieren? Weil irgendeine Art große, internationale Show?

Wohl geraten.

Pläne für den Tag nach Brotbacken:
– Radeln (!!!) zur
– Schwimmrunde
– Kauf von Kochschinken auf dem Rückweg fürs Frühstück
– aushäusiges Abendessen bei privater Einladung

Nachdem ich mein Radl seit September nicht mehr genutzt hatte, checkte ich es erstmal. Ergebnis: Es wurde nichts mit dem Radeln, denn mein Aufpumpversuch scheiterte, der Vorderreifen ist platt. Also
– U-Bahn zur Schwimmrunde
Die Luft gestern angenehm mild, noch aber ohne Frühling in den Düften.

Geduscht und mit Schwimmbrille in der Hand trat ich an ein sensationell dicht beschwommenes Becken. Ein Grund war vermutlich, dass die äußersten beiden Bahnen für Vereine gesperrt waren – das hatte ich am Wochenende noch nie erlebt. Hier, aber auch an allen anderen Bahnen war der Rand unpassierbar vollgestellt mit Schwimmspielzeug aller Art, ich balancierte dazwischen ins Becken.

Gleich nach dem Abdrücken hatte ich Wasser in der rechten Seite der Schwimmbrille, nach der ersten Bahn setzte ich sie schnell neu an. Doch auch jetzt stand diese rechte Seite voller Wasser. Nach der zweiten Bahn stellte ich mich also fest hin und nahm sie ab – um zu entdecken, dass sich der Dichtungsgummi halb vom der Plastikschale gelöst hatte.

(Foto nach Schwimmrunde)

Völlig entgeistert hielt ich die Brille den fremden beiden Frauen am Rand der Nebenbahn hin (gestern wurde viel am Rand gestanden): “Was mach ich jetzt?!” Sie lachten und wussten natürlich keine Antwort. Außerhalb der Bezahlschranke hätte ich am Kiosk eine Schwimmbrille kaufen können, aber nicht hier.

Also versuchte ich, so zu schwimmen: linkes Auge geschützt, rechtes verkrampft zugekniffen. So schaffte ich 2.000 Meter, die eigentlich sehr gut taten, doch dann sorgte ich mich um mein Auge und brach ab.

Dass ich mit dem armen Auge nur verschwommen sah, legte sich zum Glück bald.

Vor der BMW-Welt wurde fotografiert, eine Gruppe aus fast ausschließlich Frauen. (?)

Eher enttäuscht als verärgert saß ich in der U-Bahn nach Hause. Ich guckte nach E-Mails – und jetzt machte mich traurig, dass ich auf eine künstlich generierte alte Frau reingefallen war. In meinen Augen ist das aktiver Betrug: Der Text unterm Video behauptet zunächst lange und detailreich, es handle sich um einen ganz konkreten Menschen und “Real takeaways. No pretending.” Erst ganz weit unten steht dann: “The person in this video is AI-generated, not a real individual.” Die Kommentare unter dem Video zeigen, dass niemand davon so weit gelesen hat.

Am Sendlinger Tor kaufte ich noch im Alnatura ein, ich wünschte mir aufs frischgebackene Roggenbrot dick Butter und gekochten Schinken. Dieses Frühstück gab es nach einem Apfel um kurz nach zwei.

Nachmittag mit Lesen: Zum einen die Wochenend-Süddeutsche, zum anderen las ich Ursula K. Le Guin: Tehanu: The Fourth Book of Earthsea aus. Es gefiel mir bis zum Ende gut, ich ließ mich in dieser klugen Variante in eine Märchen-Zeit und -Welt mitnehmen mit Zauberern, Hexen, Machtkämpfen. Und mir fiel auf, wie viel dieser 1990 veröffentlichte Roman der sieben Jahre später erschienenen Harry-Potter-Welt vorweg nimmt: Es gibt eine Zauberer-Schule (die in diesem Band allerdings nicht gezeigt, sondern nur erwähnt wird), konstruktive und zerstörerische Zauber-Menschen, eine magische Sprache (allerdings nicht mit Schlangen, sondern Drachen), magische Wesen, und der Graben zwischen verschiedenen Zaubermensch-Herkünften verläuft nicht zwischen Witches und Muggles, sondern zwischen Männern und Frauen.

Vor der Abendeinladung turnte ich noch Yoga: Ich nahm die übernächste, sportliche Folge vorweg, weil ich gestern bei weitem nicht ausgepowert war; die ruhige nächste Folge hob ich für Sonntagabend auf, wenn ich nach einer geplanten Laufrunde dankbar dafür sein würde (für diese Einblicke klicke ich die Folgen vorher durch).

U-Bahn nach Bogenhausen, wo ich mit Herrn Kaltmamsell einen sehr schönen Abend mit zwei interessanten Frauen verbrachte (beruflicher Kontakt über den Herrn), von einer der beiden köstlich italienisch bekocht: Zu einem Glas Ferrari Spumante gab es Antipasti in Form von Wurst, Schinken, Käse, gegrilltem Gemüse, dann als Primo Pasta mit selbstgemachtem Pesto, Wein ab jetzt ein eleganter Roter aus der Maremma, als Secondo Hühnchen cacciatore, und nach einem richtig guten Espresso als abschließende Sensation Mandelkuchen mit Vanille-Orangencreme und karamellisierten Pinienkernen.

Dazu angeregte Unterhaltung, unter anderem über den Alltag einer Orchestermusikerin.

U-Bahn nach Hause, es war immer noch mild. Gegen Mitternacht im Bett.

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Alle medizinischen Diagnosen und Tipps zu meinem Fuß unter dem Post zum Freitag habe ich dann doch gelöscht.

(Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

steht über dem Kommentarfeld (Serviceblog mit betreutem Lesen).

Sollte mein Hausarzt hier in den Kommentaren damit auftauchen, überlege ich, ob ich eine Ausnahme mache.

§

Bei geschichtlichen Meilensteinen lohnt sich immer wieder der feministische Blick. Dieser ist von Barbara Vorsamer:
“Unsichtbare Erfinderinnen: Wie Frauen die Medizin revolutionierten”

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 6. Februar 2026 – Abenteuer Körper

Samstag, 7. Februar 2026 um 9:22

Unruhiger Schlaf (wirbelnde Party-Eindrücke), eine Stunde vor Wecker aufgewacht.

Körper sind seltsam, neue Runde: Donnerstagabend hatte mein rechter Vorderfuß auf dem Heimweg von der Party beim Gehen stark geschmerzt, ich hinkte. (Dabei ist schmerzender Vorderfuß eigentlich linke Sache, der rechte ist für Fersen-/Plantarfaszien-Gezicke zuständig.) Morgens hinkte ich immer noch und sah diesen blauen Fleck prangen.

Zwar bekomme ich viele Rempler und Dotzer nicht mit, bin aber sicher, dass mir nichts auf den Fuß gefallen war. Auch gestern auf dem Fußmarsch in die Arbeit hinkte ich zunächst, zwang mich aber zu symetrischem Gang, um meine LWS-Probleme nicht zu verstärken. Das in Kombination mit der Kälte beseitigte den Fußschmerz erstmal. Über den Tag Schmerzen nur beim Gehen, die aber deutlich und unangenehm. Wenn die Anwort eines der vielen Orthopäden in meiner Vergangenheit, woran ich bei Körperschmerzen denn erkenne, ob etwas kaputt ist, nämlich “Ruheschmerz”, korrekt war, war nichts kaputt, denn in Ruhe schmerzte da gar nichts.

Der Winter besann sich auf sein Hauptthema in dieser Münchner Runde: eisiger Nebel. Beim Einstempeln im Bürohaus Fehlermeldung: Angeblich fehlende Zeitmeldung (ich bin sehr sicher, dass ich am Vorabend korrekt ausgestempelt hatte, inklusive Ziffern der Uhrzeit 17:23 vor meinem inneren Auge – weil mir noch zum wiederholten Mal aufgefallen war, wie viel Zeit zwischen “heute gehe ich Viertel nach” und tatsächlichem Verlassen des Hauses lag).

Diese Woche hatte ich gelernt, dass Menschen, die wegen Jugend mit der Vorläufertechnik “Stempeln” keine Berührung hatten, das Wort “einlesen” für den Vorgang verwenden. Na ja: Zumindest ein Mensch. Selbst kenne ich echtes Zeitstempeln auf Papierkarten ja auch nur aus Filmaufnahmen, dokumentarisch oder fiktiv: Nach Angestelltenverhältnissen ohne Arbeitszeiterfassung bei Zeitung, Radio, in der Uni funktionierte meine erste solche 2003 bereits mit elektronischem Einlesen.
Moment: 1986 bei Audi, als ich nach dem Abi einige Wochen lang einen Brotzeitkiosk in der Produktion führte, müsste ich eigentlich auch gestempelt haben. Daran erinnere ich mich aber nicht mehr – ich freue mich schon aufs hohe Alter, wenn mir solche Details hoffentlich wieder einfallen.

Ich freute mich sehr auf das Ende der Arbeitswoche, spürte bereits vormittags Anspannung abfallen, konnte nur hoffen, dass Querschüsse sie nicht wieder anziehen würden. Nächste Folge der abfallenden Anspannung: aufsteigende Müdigkeit, na super.

Mittagscappuccino im Westend, Mittagessen später am Schreibtisch Apfel sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Auch der Nachmittag verschonte mich mit Querschüssen, ich konnte ruhig abarbeiten. Zudem legten sich die Fußschmerzen beim Gehen auf ein Maß, bei dem ich nicht mehr zum Hinken neigte, es blieb seltsam.

Heimweg über Lebensmitteleinkäufe beim Vollcorner. Zu Hause eine Runde Yoga. Beim Umziehenn zeigte sich, dass der blaue Fleck auf dem rechte Fuß deutlich größer geworden war.

Körper! Doch der Schmerz behinderte mich beim Yoga nicht, auch nicht bei Balance- oder Zehenspitzen-Übungen.

Zum Anstoßen auf das Wochenende schenkte ich Herrn Kaltmamsell und mir Calvados-Tonic ein, apfliger kenne ich Calvados in keinem Drink. Dazu arabische Nüsschen, die auf dem Heimweg in der Landwehrstraße gekauft hatte.

Knollen aus Ernteanteil (rote Bete, Karotte, Pastinake) verwendete Herr Kaltmamsell für ein Rezept, das ich ihm zugeworfen hatte: Eine Art Toad in the Hole. Als Vorspeise gab es aber erst mal nachgereifte Crowdfarming-Avocados.

Das Rüben-Gericht war ok, der Teig deutlich herzhafter als im klassischen Toad in the Hole, der ja eigentlich leichter Yorkshire Pudding ist. Wissen wir das also. In der Weinbegleitung hatte ich mich geirrt: Zu den durchwegs süßlichen Lager-Rüben hatte ich als Gegensatz einen mineralischen Gallo aus Sizilien gewählt – doch der schmeckte in dieser Kombination vor allem bitter.

Abschluss des Freitagabend-Festmenüs war Grießflammerie mit Armagnac-Zwetschgen aus eigener Produktion, sehr gut.

Früh ins Bett, wir waren beide von der Woche erledigt. Zumindest ich war noch wach genug für eine Runde Lesen.

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Die US-Amerikanerin Lorraine ist 92 und gibt in diesen 20 Minuten sehr persönlich und sehr nachvollziehbar weiter, was sie sich wünscht, schon in ihren 50ern und 60ern gewusst zu haben.

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https://youtu.be/vVk2rfkaD5w?si=o0TfvL0lgBf74TRT

via HotelMama

Nicht alles davon wird für jede passen, doch vor allem den Nutzen, gerade jetzt aktiv neue Freundschaften zu knüpfen und zu pflegen, sehe ich und möchte ich beherzigen. (Andere Erkenntnisse wie die Kürze des restlichen Lebens kommen allerdings bei mir völlig anders an als beabsichtigt, Zwinkersmiley.)

Nachträgliche Warnung: “The person in this video is AI-generated, not a real individual.” steht sehr weit unten im Text unter dem Filmchen. Nun bin also auch ich auf eine künstlich erzeugte Figur hereingefallen. Es gibt keine Lorraine, nichts an den 20 Minuten ist persönlich. Sondern im Gegenteil der Durchschnitt von allen Äußerungen alter weißer US-Amerikanerinnen zu dem Thema (ich nehme an, so ungefähr lautete der Prompt), die sich im Internet finden ließen. Was auch interessant ist, aber auf eine komplett andere Art und Weise, als ich das zunächst wahrnahm.

§

Apropos:

Weil ich grundsätzlich keine Kontakte aus meinem Adressbuch lösche, tauchen in Signal und WhatsApp viele Leute auf, an die ich mich nur noch vage erinnern kann. Das lasse ich wegen der Apokalypse so. Sollte ich mal alleine auf diesem Planeten sein, wird dieser Tag kommen, an dem ich mein komplettes Adressbuch durchpingen werde. Hallo, bist du noch da? Wenn dann niemand antwortet, sieht es wirklich düster aus.

Schreibt Mek, und ich verstehe ihn völlig.

Aus Anlass mal wieder darüber nachgedacht, dass es immer noch für Überraschung sorgt, wenn die Antwort auf die Frage, woher man Freundin X oder Freund Y kennt, “aus dem Internet” lautet.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 5. Februar 2026 – Neuhausen alpin

Freitag, 6. Februar 2026 um 6:35

Sehr gut und tief geschlafen, der Wecker holte mich gemeinerweise aus einem besonders interessanten Traum, in dem mal wieder das Haus mit der einst schönsten Wohnung der Welt eine Rolle spielte (meine Wohnung während des Studiums in Augsburg): Sie war wieder frei, jetzt mehr als doppelt so groß, in erbärmlich baufälligem Zustand (ein paar Bodenbretter weggebrochen), doch die Besitzer planten gründliche Instandsetzung und sagten mir die Wohnung zu. Ich war gerade dabei, Herrn Kaltmamsells Einwilligung zu erbitten, mit ihm dort einzuziehen.

Es tagte zu fahlem Licht und kalter, aber nicht allzu kalter Luft.

In der Arbeit Arbeit. Zu einem grundproblematischen Thema zeichnet sich grundlegende Verbesserung ab, das ist eine große Erleichterung.

Auf Mastodon wurden weiter #HerzSoliSneaker gesammelt: Frau Herzbruch steht vor ihrer hoffentlich letzten (zwölften) OP, viele Menschen sorgen sich und wollen irgendwas tun.

Meinen Mittagscappuccino holte ich in der Cafeteria (lauwarm, ich verliere langsam die Geduld), Bewegung in aufkommendem Sonnenschein holte ich mir mit einer Einkaufsrunde auf dem Markt. Das Draußen roch immer noch leer nach Winter, ich kaufte Pinowa-Äpfel vom Bodensee.

Später gab es als Mittagessen Mango mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot.

Emsiger Nachmittag, nach Feierabend marschierte ich direkt nach Hause: Abends war ich mit Herr Kaltmamsell eingeladen, davor sollte noch eine Einheit Yoga passen (ging gut, sogar eine Balance-Übung).

Eingeladen waren wir zu einer Geburtstagsfeier unter dem Motto “Alpin”. Dazu waren mir als Allererstes Hüttenschuhe eingefallen, und zwar die aus meiner Kindheit: dick gestrickt, vor meinem inneren Auge unbedingt in Blau, Rot und Weiß, als Sohle Kunstleder aufgenäht – Nachbarskinder trugen die in den frühen 1970ern, selbst hatte ich als Kind aber richtige Hausschuhe und neidete sie lediglich (ich glaube, meine Mutter wies zurecht darauf hin, wie rutschig und unpraktisch Hüttenschuhe waren). Doch meine Online-Suche hatte nichts gefunden, selbstverständlich gab es auch im Hüttenschuh-Sektor in den vergangenen 50 Jahren enorme Entwicklungen. Am Styling Hütten-Look hielt ich gestern dennoch fest:

Mit Schüttelbrot und Alpenveilchen als Gastgeschenke machte ich mich mit Herr Kaltmamsell auf den Weg ins alpine Neuhausen. Und es gab durchaus Gäste, die das Party-Thema gründlich durchzogen und mit umfassender Kletterausstattung aufkreuzten. Zu Essen gab es unter anderem nepalesischen Sherpa-Eintopf (köstlich!) und Alpenspeisen von herzhaft bis süß, ich unterhielt mich unter anderem mit lebender Münchner Geschichte ab den 1970ern. Ein Thema auch: Die unterschiedliche Wirkung von Hochgebirge. Ein gebürtiger Garmischer war so früh wie möglich weggezogen, weil er sich sich (wie ich tendenziell) von den umgebenden Felsmassiven bedrängt und eingesperrt fühlte, seine Geschwister, so erzählte er, empfinden die Berge (wie Frau Brüllen) “beruhigend und beschützend”.

Herr Kaltmamsell und ich brachen schweren Herzens als erste auf, während neue Gäste gerade erst eintrafen: Wir müssen halt am heutigen Freitag früh in die Arbeit.

§

The kids are alright.
“Skelette an Schulen
Woher stammen die Menschenknochen?”

via @jens2go

die Kaltmamsell