Journal Donnerstag, 5. März 2026 – Unter Epilierern

Freitag, 6. März 2026 um 6:27

Die eine Unterbrechung meines sonst guten Nachtschlafs wurde von einem Draußenbrüller verursacht, danach schlief ich aber trotz Anbranden von Angstwellen schnell wieder ein. Aufgestanden zu Nebel.

Selbsterheiterung per Styling – wieder funktionierte das.

Der Nebel verzog sich bereits auf meinem Weg ins Büro.
Ich arbeitete beherzt los und schaffte erste Dinge weg – wurde dann aber durch technische Probleme ausgebremst. Es dauerte ein paar Stunden, bis sie gelöst waren.

So kommen Retouren gerne mal bei mir an. Auch diesmal fand ich letztendlich heraus, an welche Anschrift das Paket ursprünglich gegangen war.

Der Himmel wolkenlos, die Sonne strahlend, ich freute mich auf einen Marsch zum Mittagscappuccino ins Westend. Den Umweg, mit dem ich liebäugelt hatte, strich ich allerdings nach dem Verlassen des Hauses: Es war zapfig kalt.

Sonnige Gollierstraße mal ganz ohne Blätter und Blüten.

Später gab es zu Mittag Apfel sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt – ich hatte aus praktischen Gründen zu einem anderen als meinem Lieblingsjoghurt von Andechser gegriffen, was sich als gut fürs Nacheichen herausstellte, weil er mir deutlich weniger schmeckte (schon ok, aber halt bei weitem nicht so erfreulich).

Nach Feierabend direkter Heimweg, denn auf mich wartete ein Gerätetest: Ich wollte mir ordentlich weh tun. Das Beinerasieren hatte mich nämlich auf die Dauer doch wieder genervt, ich hatte die Haare bereits wieder ein paar Wochen für andere Methoden der Entfernung wachsen lassen. Zwar hatte ich weitere Warmwachs-Enthaarungsorte in der Innenstadt gefunden (die mehrjährige Enthaarerin hatte mich verprellt, weil sie mich immer wieder trotz Termin lange warten ließ), doch der Zeitaufwand schreckte mich inzwischen ab. Da erinnerte ich mich, dass es doch Epiliermaschinchen gibt. Ein solches hatte ich vor vielen Jahrzehnten ausprobiert, erinnerte mich an viel Schmerz für wenig Haarentfernung – doch ich hielt es für ausgesprochen wahrscheinlich, dass sich die Technik weiterentwickelt hatte.

Testberichtlektüre brachte mich zur Geräteauswahl des Herstellers Braun, und am Mittwochabend war ich zum Angucken zum Saturn gegangen (wenn ich schon ein Geschäft in Laufweite habe!). Wieder fand ich die Gammligkeit des Ladens unangenehm und die Präsentation der Ware unübersichtlich: Beschreibungsschilder für nicht vorhandene Geräte, keine Infos zu den angebotenen, Preise standen auf keinem Produkt, kein Personal für Beratung zu sehen. Ich nahm mir ein Exemplar, das die gewünschten Funktionen auf der Schachtel aufführte und fragte an einer Theke nach dem Preis; den Scanner, mit dem der Angestellte ihn auslas, könnte man ja auch einfach der Kundschaft hinstellen. Der Preis war in Ordnung, ich kaufte einen Braun Silk-épil 7.

Gestern Morgen lud ich das Gerät auf, nach Heimkehr probierte ich es aus: Den Zupf-Schmerz kenne ich ja inzwischen von Jahrzehnten Wachsenthaarung, der machte mir also nichts mehr aus. Und das Zupf-Ergebnis überzeugte mich völlig, glatte Beine sogar an den schwierigen Knien: Ab sofort bin ich Epiliererin.

Eine halbe Stunde Pilates tat gut, als Abendessen hatte ich mir den frisch geholten Ernteanteil-Lauch als Linsengericht gewünscht. Das bekam ich und genoss es. Zum Nachtisch hatte Herr Kaltmamsell Kokosmilch als Milchreis aufgebraucht, servierte ihn mit restlichem polnischen Apfelkompott. Schokolade passte noch gut hinterher.

Im Fernsehen ließen wir wie eigentlich immer donnerstags quer im Bayerischen Rundfunk laufen – und zu meiner Freude tauchte in einer Augsburger Straßenumfrage einer meiner besten damaligen Studienfreunde auf: Das Altern und die Falten stehen ihm gut! (Hat wie ich auch mal beim Lokalradio gearbeitet, aus selbst erlebtem Leid wahrscheinlich denselben Eid geleistet wie ich: Bei Straßenumfragen immer mitmachen, wenn man angesprochen wird.)

Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre: Helga Schubert, Luft zum Leben.

§

Amanda Böhm über eine spezielle Art der Überforderung:
“Wenn der Vater stirbt
Die Trauer in der Nudelpackung”.

Die Trauer fängt an, sich wie eine Zeitbombe anzufühlen. Wir wissen: Trauer ist etwas, was man möglichst schnell überwindet. Der Sonderurlaub, der nahen Angehörigen bei einem Todesfall zusteht, beträgt in der Regel zwei Tage. Weil wir Angst haben, das Zeitfenster, in dem wir trauern dürfen, zu verpassen, geben wir uns also Mühe, schnell traurig zu sein. Aber es gelingt uns nicht.

§

Laurie Penny kommentiert die Schlüsse aus den Epstein Files:
“Temporarily Embarrassed Sex Criminals”.
Ich brauchte eine Weile, bis ich mich zum Lesen überwinden konnte; mittlerweile schaue ich aus Selbstschutz über die Berichterstattung hinweg, doch schließlich wollte ich ihre Gedanken wissen. Und provokanterweise beginnt sie mit

Almost every man on earth has more in common with Jeffrey Epstein’s victims than he does with any of the guests.

Meine Übersetzung: Fast jeder Mann auf dieser Erde hat mehr mit den Opfern von Jeffrey Epstein gemeinsam als mit irgendeinem seiner Gäste.
Denn Laurie Penny ist überzeugt: Nein, so sind nicht die Männer.

What larks! What naughty fellows we are! That sad spasms of sycophancy, the pathetic glee at their own daring. Wink, wink, nudge, nudge, bring your girls. Reassuring themselves that this is what all men would do if they were only rich and brilliant like them.

Enough money and power to solve the world’s problems and they choose to solve the apparently primal injustice of having to pretend women are people.

What I find most pernicious is the notion that this sort of repulsive behaviour makes all men brothers. I’m watching men in my own networks talking about the Epstein Files and feeling disgusted with themselves- as if their masculinity makes them somehow complicit. As if they too, but for an accident of wealth, might find themselves frolicing with underage sex slaves on a private jet, as if there is an untameable animal inside every man, an animal that is fundamentally dangerous and fundamentally blameless. He can’t help himself. He’s hungry and scared. It’s in his nature. Let’s just get a girl in to scrub the blood off the sectional.

This is the logic of modern patriarchy. And it’s wrong.

(…)

Accurately describing patriarchy means admitting that most men aren’t patriarchs and never will be. A mumbling white boy with ratty dreadlocks on TikTok spaffing out dire reggae dirges about the holiness of patriarchy by a rock in bumblefuck nowhere was never supposed to be one of the system’s winners. If he was, he would have more clean shirts.

Patriarchy does not mean the rule of men.

It does not mean all men and boys in charge of all women and girls, forever. It doesn’t even imply a binary system. Patriarchy means the rule of fathers.

Of patriarchs. Of a small number of rich old men with a monopoly on violence, in charge of absolutely everyone else.

§

Wie entsetzlich langweilig der Job des Münchner Oberbürgermeisters ist – aus dem Singspiel im diesjährigen Nockherberg-Starkbieranstich:
“Das blöde Glockenspiel”.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 4. März 2026 – Nebel, Beifang aus dem Internetz

Donnerstag, 5. März 2026 um 6:26

Wieder durchgeschlafen, aber wieder nur bis kurz vor fünf – und dann ging nichts mehr. Hörte ich halt den Brüllamseln vorm Fenster zu.

Draußen hatte sich der dicke Nebel vom Abend zuvor gehalten, auf dem Weg in die Arbeit sah ich vor allem weiße Luft.

Das blieb auch so auf einem beruflichen Marsch am Vormittag: Ich ging zu einer aushäusigen Info-Veranstaltung, für die das Backstage genutzt wurde (Umbau in weitester Ferne; für die schier endlose Dauer von Bauvorhaben brauchen wir hier in München gar keine Bürokratie, sondern nur Menschen). Zwei Stunden später auf dem Rückweg war der Nebel mit Sich-Lichten beschäftigt, erste fahle Sonnenstrahlen.

Hurtig Arbeit nachgeholt, zu Mittag gab’s dann die letzten Birnchen, außerdem Hüttenkäse mit Leinsamenschrot.

Über den sonnigen Nachmittag weiter Sachen weggeschafft. Nach Feierabend marschierte ich in schöner, aber sehr kühler Luft in die Innenstadt für Besorgungen.

Herr Kaltmamsell machte den Ernteanteil-Kohlrabi zu einem Curry mit Kokosmilch, das gab es mit Reis und schmeckte gut. Nachtisch Schokolade, wieder vor Bauchweh aufgehört – ich nehme mir die Erfolgserlebnisse, wie ich sie kriege.

Nachmittags hatte ich die letzte Person in meinem Wahlhilfeteam kontaktiert (Ersatz für den Beisitzer, der dann doch nicht konnte) – sofortige Sympathie, ich bedauere, dass wir nicht dieselbe Schicht haben, denn während des Auszählens ist keine Gelegenheit für Ratsch und Kuscheln.

Ich ging ins Bett zu neuem dicken Nebel.

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Alles Gute zum 20. Online-Bühnen-Jubiläum, Frau Klugscheißer! Die deutsche Bloggeschichte wäre ohne dich und die Bloglesungen nur halb so schön.
“Glamour Girl”.

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Dabei trug ich das Täschchen aus Robbenfell, das ich im Oktober in Grönland kaufte. Das Täschchen passt leider zu keinem meiner Outfits, ich stand nicht sehr stilsicher in der Halle herum. Aber das war mir heute egal. Wenn ich schon ein Täschchen aus Robbenfell besitze, dann müssen eben die Leute ihren Geschmack anpassen.

Ich mag den Mode-Ansatz von Mek, das ist auch meiner, ich ergänze: Lustig ist wichtiger als hübsch.

§

Gestern las ich das aktuelle Granta 174, Therapy aus und fand es nur so mittel: Die Einleitung des Herausgebers las sich wieder, als fände er das ganze Thema doof, die Auswahl der Texte ließ erst in Gesamtschau erkennen, dass es nicht um Psychotherapie insgesamt ging, sondern um ganz klassische Freud’sche Psychoanalyse und ihren Stand heute (die ich für recht überholt und veraltet gehalten hatte). Vereinzelte Texte und eine Fotoserie drehten sich dann aber doch wieder um Gesprächstherapie im Allgemeinen. Doch ein Text fiel in meinen Augen heraus: Er ließ mich sofort an Parfum-Begeisterte wie Joël denken – der allerdings meines Wissens noch nicht bis zu Serien-Musterbestellungen geraten ist:
“Secondhand smoke”.

§

Nein, Sie bilden sich nicht nur ein, dass die Dinge immer schlechter funktionieren:
“A Day in the Life of an Ensh*ttificator”.

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https://youtu.be/T4Upf_B9RLQ?si=AYy29IZz3zi9gEyP

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 3. März 2026 – Schwimm-Enttäuschung

Mittwoch, 4. März 2026 um 6:11

Trotz Aufgekratztheit schnell eingeschlafen, bis halb sechs durchgeschlafen, das war schön.

Aufgestanden zu Vollmond.

Zackiges Finalisieren des Blogposts, sonst lese ich ja morgens nur noch gegen. Optimistisch packte ich Schwimmzeug ein: Die umliegenden Wochenenden sind so verplant, dass ich darin keine Zeit zum Schwimmen finde, doch ich sehnte mich sehr danach – ich hoffte auf eine Runde gestern nach Feierabend.

Im Büro ebenfalls zackiges Wegarbeiten, bevor mich die dienstags immer hohe Präsenzbesetzung der Büros daran hindern würde. (Allgemeines Seufzen, zu wie viel weniger Arbeit man in Präsenz komme im Vergleich zu Homeoffice, doch wenn ich dann empfehle, die entvölkerten Mon- und Freitage für Präsenzarbeit zu nutzen, um auch vor Ort viel zu schaffen, heißt es: Aber da treffen man doch niemanden.) Gestern war der Trubel sogar so hoch, dass ich dann doch mal mit künftig Homeoffice an Dienstagen liebäugle.

Veränderungen sind ja so eine Sache: Manche oder zu viele lösen bei mir Gereiztheit aus, weil sie Energie und Umstellungen erfordern, die sich unnötig anfühlen. Zu wenige können aber Langeweile verursachen. Gerade richtig finde ich Veränderungen wie Bürowechsel oder aktuell, dass die Abteilungspost, für die ich zuständig bin, in mein Büro gebracht wird und nicht wie die Jahre zuvor ins Azubi-Büro (wenn sie da ist, erledigt die Azubi für Büromanagement die Post unter meiner Anleitung). Noch muss ich jedesmal umdenken, und ich stelle fest, dass mich das munter macht.

Mittagscappuccino im Westend, auf dem Weg lief ich gegen einen dichten Strom fröhlicher Schüler*innen: Feueralarm der Mittelschule Ridlerstraße, der Sammelort scheint ein wenig außerhalb zu liegen (als ich mich dem Schulgebäude näherte, hörte ich etwas Alarm-ähnliches). Die Luft kühl, das Licht seltsam fahl – da erinnerte ich mich an die Ankündigung von Saharastaub, er war tatsächlich angekommen.

Spätes Mittagessen wegen einer Besprechung um die Zeit: Birnchen (jetzt waren alle nachgereift), Quark mit Leinsamenschrot.

Der Arbeitsnachmittag gestaltete sich bei aller Emsigkeit so, dass die erhoffte Schwimmrunde tatsächlich wahrscheinlich wurde. Und so machte ich ganz pünktlich Feierabend und fuhr mit der U-Bahn zum Dantebad.

Ich kam sogar noch zu Sonnenschein ins Becken. Leider war ich gar nicht fit, das Kraulen fühlte sich sehr anstrengend an. Doch wenn ich es schon bis dahin geschafft hatte, schaufelte ich meine 3.000 Meter auch durch – zumal ich nur einmal den winzigsten Ansatz von Krampf hatte (linke große Zehe).

Daheim war Herr Kaltmamsell schon mit der Zubereitung des Abendessens beschäftigt.

Aus restlichen Ernteanteil-Kartoffeln gab es Reiberdatschi, dazu das gewürzte polnische Apfelkompott aus Wien (gut!). Nachtisch Schokolade. Weiterer Versuch, einen sehr geschätzten Kulinarik-Newsletter auf Bezahl-Version umzustellen – mal sehen, ob das geklappt hat.

Zum Abschluss des Tages und gegen Wahlhilfe-Unruhe nochmal schnell ins Wahlhelfer-Portal geschaut (“schnell” – HAHAHA, so schnell halt, wie eine Anmeldung über Bayern-ID mit zwei Geräten, drei Oberflächen und dem Personalausweise geht; mich wundert, dass sich überhaupt jemand zur Wahlhilfe meldet): Zu meiner Erleichterung wurde der Beisitzer ersetzt, der plötzlich doch keine Zeit hatte.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 2. März 2026 – Tiefenverspannt

Dienstag, 3. März 2026 um 6:32

Beim Aufstehen (nach eher guter Nacht) fühlte sich mein Körper so zerschlagen an, als wäre ich am Sonntag einen Marathon gelaufen (was ich eh nie tun werde, aber so stelle ich mir die Folgen vor – einer der Gründe, warum ich das nie tun werde): Kreuz, Hüften, Beinrückseiten, Achillessehnen, Füße waren anscheinend alle in verklebte Faszien gewickelt und schmerzten. Ich sah einen Bürotag mit viel Tisch-hoch und Tisch-runter vor mir.

Es tagte viel freundlicher als am Sonntag, die Luft beim Marsch in die Arbeit allerdings knackig frisch.

Im Arbeits-Postfach lediglich eine größere Überraschung, die war problemlos und flott weggearbeitet.

Launeaufhellung hatte ich per Strumpfhose sichergestellt (und neue Turnschuhe, ich hatte mir nach zwei Jahren Zögern dann doch silberne bestellt).

Geordneter Vormittag, Platz für Mittagscappuccino an einem Ort im Westend, an dem die Betreiber gewechselt hatten: Aus Fika war das vegane A Littel West geworden.

Cappuccino also mit Hafermilch, für meinen Geschmack zu Milch-lastig. Sehr angenehm aber der Marsch hin und zurück.

Zu Mittag gab es Birnchen, Nüsse, restlichen Gelbe-Bete-Salat vom Sonntag. Und einen Schreck, als es rechts in der Oberlippe bitzelte: umgehender Griff zur frischen Tube Herpes-Salbe in der Büroschublade.

Die regelmäßige Beteuerung in meinem Arbeitsumfeld, etwas sei “kein Hexenwerk” setzt doch eigentlich voraus, dass es hier auch Hexenwerke gibt; die sähe ich jetzt gerne endlich mal, welche sind das denn? Suchen im Intranet und auf verschiedenen Laufwerken blieb erfolglos, ich fand nicht mal eine Ansprechperson fürs Thema Hexenwerk.

Neues altes Goldkettchen an Handgelenk im Einsatz: Bislang nicht unangehm, vielleicht ist es einfach zierlich genug. Die Rücken- und Hüftgürtelprobleme waren gut erträglich, ich fühlte mich lediglich tiefenverspannt. (Inklusive Geist mit seiner Panik vor der Wahlhilfe am Sonntag und Montag.)

Nach Feierabend spazierte ich zu einer Abendessen-Verabredung in die Maxvorstadt, ich traf mich mit Freundin im Café Puck (ganz selten, dass ich da abends hinging). Den einstündigen Weg genoss ich in nicht allzu milder Luft (Handschuhe!) und dem Vollmond am klaren Himmel entgegen ganz besonders – was auch bedeutet, dass Schuhe, die mir solche Strecken nicht ermöglichen, immer weiter nach hinten im Schrank rücken und neu gar nicht mehr gekauft werden.

Ich aß einen Teller voll Falaffel, Hummus, Krautsalat mit Pitta, trank dazu zwei alkoholfreie Weißbiere, vor allem aber tauschte ich mich aus über Leben im Privaten und in der Welt. Wir endeten mit den Aussichten auf unsere Urlaube dieses Jahr und einer noch undatierten Verabredung zum Wandern.

U-Bahn nach Hause, schnelle Vorbereitungen für den nächsten Arbeitstag.

§

Sichtbares Altern und der Umgang damit sind gerade bei Frauen ein heikles Thema.
Hier ein Plädoyer, “sie sieht 20 Jahre jünger aus!” als Kompliment zu hinterfragen.
Selbst gehöre ich ja auch zu den Frauen, die ganz echt ehrlich nicht schlimm finden, so alt auszusehen, wie sie sind (Körpertüchtigkeit anderes Thema, siehe oben).
Aber ich stelle mich auch vor die Frauen, denen jugendliches Aussehen weit nach jeglicher Jugend wichtig ist: Ja, einerseits sind sie wahrscheinlich vom schädlichen Jugend-Kult unserer Gesellschaft geprägt, aber ich möchte bittegerne, dass sie ihr Aussehen selbst entscheiden dürften. Wie die Dame in dem Reel ja selbst sagt: Wir altern sehr unterschiedlich – das gehört für mich zu den Unterschieden, es lebe die Vielfalt.
Das Interview mit Ildikó von Kürthy über das Altern in der Wochenend-Süddeutschen (€) brach ich ab, als sie ihr eigenes Jugendlich-Ich mit Partys, teurem und aufwändigem Styling, sexueller Attraktivität als allgemeingültig prämittierte.1 Nein, cariño, die ersten Jahrzehnte als erwachsene Frau können auch ganz andere Schwerpunkte haben.

§

Niemand, der oder die hier liest, sollen sagen können, das hätten sie nicht gewusst (dieser Volkskultur-Newsletter ist definitv mein Liebling): Das Kulturrefarat München lädt ein zu einem Maultrommelworkshop am 14. März, hier der Link zur Anmeldung.
(Mit Jean-Jacques Rammerl an der Tenorsaubladern, nehme ich an.)

  1. WOHL gibt’s dieses Wort! []
die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 1. März 2026 – Häuslicher Sonntag im Trüben

Montag, 2. März 2026 um 6:25

Gut geschlafen, aber einmal zu oft durch Aufwachen unterbrochen und zu früh zu Ende.

Ein trüber Tag, doch ich freute mich sehr auf eine Laufrunde. Aber erstmal bloggte ich, las die Mastodon-Timeline nach und wartete ab, bis die morgens eingeschaltete Waschmaschinenladung durchgelaufen war.

Die Luft fühlte sich nur wenig mild an, ich nahm eine U-Bahn nach Thalkirchen. Schon bald nach Loslaufen Richtung Süden merkte ich, dass es kühler war als erwartet und dass Handschuhe eine gute Idee gewesen wären. Der Körper machte gut mit, ich hatte ausführlich vorgedehnt und mobilisiert (vor allem weil ich recht lang auf die U-Bahn warten musste). Das endete allerdings vor Ende meiner Laufrunde, dann wurde es anstrengend. Und ich musste über den Rest des Tages mit Schmerzen und Steifigkeit zahlen.

Ein wenig haben Regen und Schnee der jüngsten Zeit die Isar aufgefüllt.

Da hat jemand Fledermäuse aber wirklich sehr lieb: Auf diesem kleinen Abschnitt am Isarhochufer vor Pullach sah ich mindestens zwei Dutzend solcher Häuschen.

Bei diesem trüben Wetter wurde das Alpenpanorama gar nicht erst aufgebaut.

Floßlände.

Thalkirchen kurz vor der U-Bahn.

Daheim ausführliche Körperpflege, kurz nach zwei gab es zum Frühstück Birnchen (eine ohne und eine mit Geschmack) und zwei Körnersemmeln mit Butter und Marmelade.

Ich wurde steinmüde, und weil Sonntag war, ich zudem erwachsen bin und meine Zeit frei einteilen kann – legte ich mich zu einer Siesta hin. Ich schlief sofort ein.

Unspektakulärer restlicher Sonntag: Gelbe Bete aus Ernteanteil gekocht und Salat daraus bereitet, Wochenend-Süddeutsche gelesen (weite Teile hatten sich durch den kriegerischen Angriff am Samstag von USA und Israel auf Iran und die Gegenschläge auf Israel und Golfstaaten sensationell überholt), gebügelt – mehr als erwartet, es nervte mich wie schon lang nicht mehr. Vor dem Abendessen war gerade noch Zeit für Briefwahl.

Ächz jetzt beim Stadtratwählen (80 Sitze, also 80 Stimmen), viel, viel Ächz nächstes Wochenende beim Auszählen.

Zum Nachtmahl schmorte Herr Kaltmamsell die Ingolstädter Beinscheiben und kochte die einzig passenden Nudeln dazu.

Das Fleisch hatte noch etwas zu viel Biss (hatte aber zwei Stunden geschmort), schmeckte aber gut, auch die Gelben Bete. Nachtisch Schokolade, während die Tagessschau aufzählte, welche Golfstaaten Teil dieser nächsten kriegerischen Eskalation geworden waren.

Im Bett las ich noch Granta 174, Therapy, eine sehr unentschlossene Bearbeitung des Themas (u.a. werden Psychotherapie und Psychoanalyse gleichgesetzt – meistens), möglicherweise wieder eines, das Herausgeber Thomas Meany eigentlich doof findet.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 28. Februar 2026 – Familie in Schön

Sonntag, 1. März 2026 um 8:42

Gutes Bett im Gästezimmer meiner Eltern, trotz ein paar Mal Aufwachen schlief ich darin gut und lang.

Na also: Echt Ingolstädter Nebel – der sich allerdings schon bald auflöste und Platz machte für einen sonnigen und milden Tag.

Meine Eltern waren bereits emsig mit Vorbereitungen beschäftigt: Um zehn sollte die Bruderfamilie eintreffen für ein Gesamtfamilienfrühstück, wobei Frühstück als Einladung in den Kreisen meiner Eltern schon seit vielen Jahren immer “Brunch” genannt wird.

Selfie im schönen Gästezimmer meiner Eltern, das einst das Zimmer meines Bruders war (aus meinem wurde Mutters Näh- und Bügelzimmer, bietet aber eine weitere Schlafgelegenheit).

Ich nutzte die Zeit vor dem großen Frühstück für einen Abstecher zur nahe gelegenen Metzgerei, um fürs Sonntagessen Rinderbeinscheiben einzukaufen, an den Ingolstädter Ausfallstraßen gibt es noch mehr Metzgereien als in der Münchner Innenstadt (dort aber geballt am Viktualienmarkt).

Kurz nach zehn klingelte die Bruderfamilie, und jetzt gab es reichlich Gelegenheit für Austausch über Wurst, Semmeln und Brezen, Blätterteigsternen, Lachs, Fleischsalat, weichen und harten Eiern, Hummus, frischem Obst und Gemüse (ich bedauerte sehr, dass es meinem Appetit ein paar Stunden zu früh für all das war). Die liebe Schwägerin testete eine neue Hörgerättechnik mit Extra-Aufnahmekästchen auf dem von ihr entfernten Teil des Tisches (funktionierte nur mittel), von den Nifften weiß ich jetzt unter anderem Details von Umzugsplänen nach Würzburg, Auszugsplänen in Ingolstadt, mittelfristigen Berufsplänen in Berlin, langfristigen Ausbildungsplänen in Berlin, aktueller Berufstätigkeit. Außerdem leidenschaftliche Diskussion, ob die aktuelle Tyopgrafie-Verwendung des Stadttheaters Ingolstadt besonders geschickt oder besonders furchtbar ist, es gab MEINUNGEN.

Mein Vater wiederum erzählte aufgehängt am vorhergehenden Theaterabend ein weiteres Bisschen aus seiner ersten Zeit als Gastarbeiter in Nürnberg und Ingolstadt, nahm auch das Fotoalbum mit Bildern davon in die Hand.

Der fast skulpturale Treppenturm des elterlichen Reihenhauses.

Um halb zwei nahm ich mit Herrn Kaltmamsell eine Regionalbahn zurück nach München, aus dem Frühstücksangebot hatte ich mir eine Semmel mit Schinken belegt und einen Apfel eingesteckt, denn jetzt hatte ich Hunger und Appetit: Brotzeit auf der Zugfahrt. Nach Ankunft erledigt ich noch ein paar Lebebensmittel-Einkäufe.

Erst um vier schloss ich den Blogpost über Freitag ab und veröffentlichte ihn: Bitte nicht verpassen, denn ich empfehle darin ein sehr superes Theaterstück. Beim Schreiben und später beim Zusammenstellen der Lieblings-Microblogging-Posts vom Februar ließ ich die Musik von Sezen Aksu dazu laufen und freute mich sehr daran.

Familienmysterien: Die Nichte hielt mir gestern ein goldenes Armkettchen hin und fragte, ob ich es wiederhaben wolle. Meine Mutter, also ihre Großmutter, habe es ihr gegeben mit der Erklärung, mein italienischer Onkel habe es mir geschenkt, ich hätte es aber nicht gewollt.

Ich htte das Kettchen noch nie im Leben gesehen, der italienische Onkel ist vor mindestens 15 Jahren gestorben. Es gefällt mir, nur macht mich Handgelenksschmuck eigentlich wahnsinnig. Der gestrige Test über mehrere Stunden funktionierte allerdings ganz gut.

Schließlich rief ich meine Mutter doch an und fragte sie nach dem Hintergrund: Den Schmuck hatte mir mein italienischer Onkel (die Schwester meiner Mutter hatte sehr jung nach Italien geheiratet) über meine Eltern geschenkt, als ich im Grundschulalter war. Meine Mutter fand ihn unpassend für ein kleines Mädchen und hielt den Schmuck ohnehin nicht für echt (ist aber gestempelt), hatte ihn dann wohl gut 50 Jahre vergessen und erst kürzlich wiederentdeckt. Ich merkte, wie ich mir umgehend eine Erinnerung dazu baute – die unwahrscheinlich ist: Meine Mutter erwähnte ein zweites Goldkettchen von diesem Onkel, zart und aus Gold und Süßwasserperlen, das ich in sehr wohl in meiner Schmuckschatulle habe. Allerdings hätte ich nicht sagen können, woher es stammt, nur dass ich es als Kind bekommen hatte.

Vor dem Abendessen eine halbe Stunde Pilates, tat sehr gut.

Herr Kaltmamsell bereitete zum Nachtmahl aus Ernteanteil-Kartoffeln spanische Tortilla und schnitt den ganzen edlen Jamón Pata negra an, den er von meinen Eltern zu Weihnachten bekommen hatte, ich schüttelte als Aperitif Cosmopolitans und öffnete zur Tortilla eine Flasche unseres Lieblings-Tempranillos Dehesa La Granja aus Castilla y León. Nachtisch Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir den Klassiker Das Wirtshaus im Spessart laufen.

Und jetzt leben wir wieder mit einem Tier in der Küche.

die Kaltmamsell

Lieblings-Breviloquia* vom Februar 2026

Samstag, 28. Februar 2026 um 17:04

Los geht’s mit daheim: Mastodon.

Seit dem Posten dieses Tröts sind wir allerdings einen Schritt weitergerückt.

Schönes von Bluesky (ich kann nichts dafür, dass @kirsten-fuchs einen nach dem anderen raushaut) (keine Sorge, sie IST schon auf der Bühne).

Auch Threads erfreute mich:

*siehe

die Kaltmamsell