Journal Mittwoch, 1. Juli 2026 – Ein sehr lautes Kleid und mehr aus der Kartoffelkombinat-Generalversammlung

Donnerstag, 2. Juli 2026 um 6:24

Zu spät eingeschlafen, zu früh aufgewacht: Ich fürchtete mich bereits beim Aufstehen vor Müdikeitsanfällen in der Arbeit.

Das Draußen düster und kühl, ich versuchte so viel von der Kühle wie möglich in die Wohnung zu bringen.

Kleiderwahl. Ich assoziierte: The queen deliberately chose bright colours in one tone, worn from head to toe, to stand out in large crowds.

(Foto aufgenommen am Abend.)

In diesem Fall keine Absicht sondern Nebeneffekt: Während ich gewohnt bin, dass Kleidung in Echt deutlich unauffälliger wirkt als auf den Verkaufsfotos, stellte sich dieser Impulskauf (stark reduzierter Preis) beim Auspacken als mindestens so laut heraus wie abgebildet. Doch bei allen sonstigen Veränderungen meiner Persönlichkeit in den vergangenen Jahrzehnten: Ich habe immer noch überhaupt kein Problem damit, in der Öffentlichkeit mit schöner Kleidung sehr sichtbar zu sein.
(Bei der Rocklänge bin ich noch unschlüssig, ob sie so bleiben soll.)

Auf dem Weg in die Arbeit (ab jetzt und für die kommenden fünf Monate Oktoberfest-bedingt wieder außen um die Theresienwiese herum) machten mir zweimal fremde Frauen ein Kompliment für das Kleid.
Gegen den angekündigten Regen hatte ich einen Schirm in der Hand: Er wirkte, ich blieb unberegnet.

Arbeitsstart am Schreibtisch eher durcheinander, doch das mag sich auf der Basis meiner Grundgereiztheit nur so angefühlt haben. ABER! Eine Arbeitsaufgabe, die am Donnerstag fällig war, belastete mich seit Tagen, und JETZT, als ich ein neues Textdokument für Materialsammlung öffnete, hatte ich eine Idee für die Lösung. Große Erleichterung, ab jetzt war es nur noch Emsigkeit und Zeitaufwand.

Währenddessen begann es zu regnen, immer heftiger.

Um die Mittagszeit beschloss ich, dass der Regen abgenommen hatte und ging unterm Schirm raus auf einen Mittagscappuccino – auch jetzt über zwei U-Bahnhöfe zum großen Teil unterirdisch.

Umständehalber spätes Mittagessen: eingeweichtes Muesli mit Joghurt, Flachpfirsiche.

Nachmittags noch ordentlich etwas weggeschafft. Zu Feierabend hatte der Regen aufgehört, er hinterließ auf 19 Grad abgekühlte Luft – ich empfand das als wohltuend. U-Bahnen brachten mich zu Espressokauf im Caffe Fausto. Auf dem Rückweg von dort zum U-Bahnhof begegnete ich einem Arbeitskollegen – genauer: Ex-Kollegen, wir hatten ihn vor wenigen Wochen in den Wohlverdientenruhestand verabschiedet. Ein nettes Treffen.

Beim Sendlinger Tor noch Lebensmitteleinkäufe. Daheim Häuslichkeiten, für Yoga war es mir zu spät.

Als ein klassisches Sommerabendessen servierte Herr Kaltmamsell Wurstsalat mit Brot, ich aß dazu die Salzgürkchen auf. Nachtisch Schokolade.

Jetzt schloss ich dann doch die Balkontür: Mir wurde zu kalt.

Früh ins Bett zum Lesen – bei 22 Grad Raumtemperatur unter einer richtigen Bettdecke! Überraschend las ich Anna Maschik, Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten aus: Der ohnehin schmale und mit viel Weißraum gesetzte Roman endete bereits bei 70 Prozent – das ist ein neuer Rekord.

§

Zurück zur Generalversammlung Kartoffelkombinat am Dienstagabend (Mit-Gründer Simon war da, ich freute mich SO, ihn zu sehen).
Zusammenfassung: Es geht uns gut!

Da ist die Zahl der Ernteanteile, die weiter wächst, die Finanzen sind superstabil (2025 Pflichtprüfung des Genossenschaftsverbands -> anstandslos / 87 Prozent Eigenkapitalquote / unsere Genossenschaft hat 3611 Mitglieder
-> dieses Projekt wird von vielen Schultern getragen), der Vorstand ist sich der Risiken wie komplexere Prozesse (auch digital) bei Wachstum oder Auswirkungen des Klimawandels mit neuen Schädlingen und Krankheiten bewusst, merkt zwar die Normalisierung des Konzepts Solidarische Landwirtschaft, doch wir sind weiterhin Pioniere.

Vorstand Daniel und Jana sowie der Aufsichtsrat wurden komplett problemlos entlastet (mittlerweile vor einer PPT-Folie, die kurz erklärt, was “Entlastung” bedeutet, nämlich Verzicht auf rückwirkende Schadensersatzansprüche – in den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Verwirrung gegeben).

Nach der Pause erfuhr ich weniger Formelles über unsere Genossenschaft und die Gärtnerei. Zum Beispiel berichteten die Logistik-Verantwortlichen Anna und Almut (sie managen 140 Verteilerpunkte) vom erfolgreichen Test eines Super-Lastenrads: Bald wird es vier von 16 wöchentlichen Touren übernehmen, E-Bike statt Diesel-Lieferwagen – das ganz andere Wege nehmen kann, allerdings nicht so viele Kisten fasst und eine andere Logik hinter der Logistik benötigt.

Die Gärtnerinnen, die den Gewächshausanbau verantworten, Sophie und Agnes, berichteten Status – und ich lernte unter anderem etwas über Gewächshaus-Systeme aus den 1960ern, die nicht wie damals gedacht funktionieren.

Regelmäßig wird aus dem Publikum nach dem Saatgut gefragt, das wir in unserer Gärtnerei verwenden, bislang noch jedes Mal mit der Prämisse, dass samenfestes Saatgut und “alte Sorten” vorzuziehen seien. Wie so viele andere ist das ein komplexes Thema und in einer Gärnerei, die 2.500 Haushalte versorgt, noch viel komplexer. Ich freute mich deshalb sehr, dass unsere Fachleute vergangenes Jahr die Haltung des Kartoffelkombinats dazu gut verständlich zusammenfassten, die Erklärung steht mittlerweile auch auf der Kartoffelkombinat-Website:
“Saatgut und Jungpflanzen”.
Denn bei uns ist das einfach eine ganz andere Nummer als Selbstversorgung im Schrebergarten.

Gestern lernte ich über einen aktuellen Test unterschiedlicher Kürbissorten im Vergleich, aus einer Mischung von samenfesten und Hybrid-Sorten. Denn wie Freilandgärnter Felix erklärte: In der Literatur findet man viele Informationen, aber es ist nochmal was anderes, wenn man die Sorten selbst unter den wirklich eigenen Bedingungen anbaut.

Felix berichtete auch über Maschinenanschaffungen, darunter eine GPS-gesteuerte Lenkung, die die Arbeit der Freiland-Gärtner enorm erleichtert, zudem Boden und Pflanzen schont. Ohnehin freute ich mich sehr, fast das gesamte Team aus der Gärtnerei zu sehen, das die eigentliche Arbeit im Kartoffelkombinat macht. Wichtig: Wir sorgen für ein Gehalt über Tarif, beschäftigen sie das ganze Jahr durch, und wir kommen ohne Saisonarbeiter*innen aus.

Natürlich war ich hochgespannt, wie es dem Regenwasserüberlaufbecken geht, an dem ich mitgebaut habe. Es gab seit meinem Einsatz durchaus Überraschungen, doch alles ist im Griff, derzeit werden Zu- und Ableitungen verlegt, um das Gesamtsystem in Betrieb nehmen zu können. Bis dahin füllt sich das Becken nur durch Regen direkt von oben – und den gab es nicht, auch der erholsame Regenguss von Montagnacht hat es nicht bis hinaus nach Spielberg in unsere Gärtnerei geschafft. Wird also noch dauern, bis man die Umsetzbarkeit der zahllosen Swimmingpool-Scherze testen kann.

Was ich auch lernte: Kommunikationsplattformen wie instagram werden inzwischen sehr gezielt eingesetzt, inklusive Messung vom Reichweite und Interaktionen.
Wenn Sie mit dem Gedanken spielen, sich dem Kartoffelkombinat anzuschließen, ist der instagram-Account eine gute Möglichkeit für einen Einblick: Unter anderem wird der wöchentliche Ernteanteil gepostet und Sie können ein Bild bekommen, ob er etwas für Sie wäre.
Auch auf Mastodon ist das Kartoffelkombinat zu finden.

Schöne Zukunftsaussichten 1: Es wird dieses Jahr Artischocken geben!
Schöne Zukunftsaussichten 2: Eine AG Bildung erstellt derzeit ein Konzept für die Vorstellung von Kartoffelkombinat speziell und Solidarischer Landwirtschaft allgemein in Form von Workshops, um den vielen Anfragen aus Bildungseinrichtungen und Unternehmen entgegenzukommen.
Schöne Zukunftsaussichten überhaupt: Die Existenz vom und Mitgliedschaft beim Kartoffelkombinat ist ein kleines Lichtlein in meinem Leben, vielleicht doch nicht alles falsch gemacht zu haben.
Aktueller Slogan: Sei Teil der Lösung statt des Problems.

§

Außerdem erzählte mir Herr Kaltmamsell am Ende der Generalversammlung von neuen beruflichen Plänen, die mich komplett überraschten. Und die ich sensationell großartig finde.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 30. Juni 2026 – Blick durch Laim, Generalversammlung Kartoffelkombinat

Mittwoch, 1. Juli 2026 um 6:43

Wie herrlich kühl es durch die offenen Fenster und Türen in die Wohnung wehte! Bis zum Verlassen des Hauses (10 Minuten früher als sonst, um bei einer Veranstaltung rechtzeitig für Spontanhilfe parat zu stehen) stand das Thermometer in meinem Schlafzimmer bereits bei unter 24 Grad.

Jetzt machte der Oktoberfestaufbau trotz weiterhin aktiver Baustellen ernst: Die Querung war gesperrt, ich ging einen Umweg.

Nach dem Gewitter:

So eine große Wasserfläche steht dem vollverpflasterten Platz zwischen Verkehrsmuseum und Bavariapark eigentlich gut.

Im Büro öffete ich endlich mal wieder das Fenster völlig, herein kam frische Luft, die dieses Attribut zurecht trug.

Emiger Vormitteg, Cappuccino aus der Cafeteria.

Für meinen Mittagsmarsch fand ich diesmal eine berufliche Rechtfertigung: Ein fußläufig zu erreichendes Hotel hatte bei mehreren Versuchen keine formal korrekte Rechnung zuwege gebracht, telefonisch erreichte ich nur einen Chatbot, dem menschliches Verständnis fehlte – da ging ich doch einfach persönlich hin.

Das wurde ein schöner Marsch durch eine bislang fremde Gegend Münchens, nämlich Laim, doch gleich zum Mitnehmen bekam ich die Rechnung durch persönliches Auftauchen nicht: Man schrieb alle nötigen Angaben mit, vertröstete mich aber auf Lieferung per E-Mail: Nicht nur am Telefon ist offensichtlich in dieser Hotelkette menschliches Personal rar.

Zurück am Schreibtisch gab es zu Mittag Salzgürkchen, Apfel, Flachpfirsich, Hüttenkäse. Am besten schmeckte das Knoblauch-Zehlein, mit dem die Salzgürkchen eingelegt werden und das ich mitgenommen hatte.

Kurz darauf zog der Himmel zu, es wurde klebrig schwül.

Nahezu pünktlicher Feierabend, weil Abendtermin: jährliche Generalversammlung des Kartoffelkombinats. Nachdem die eh schon übersichtliche Zahl an teilnehmenden Genossenschaftler*innen in den vergangenen Jahren auch noch sank, verlegte der Vorstand sie auf einen Werktag-Abend – vielleicht wollten die Mitglieder ja nur nicht einen Sonntag dafür opfern? Für mich war ein Werktagabend erheblich umständlicher als ein Sonntag, doch ich konnte ja die Ausnahme sein.

Ich nahm einen direkten Bus zum Leonrodplatz, wir trafen uns wieder in der Mucca-Halle, dieses Jahr war auch Herr Kaltmamsell dabei und hatte fürs vegetarische Buffet Empanada mitgebracht. Abendessen in der Pause der Versammlung von diesem Buffet, es gab reichlich.

Die Generalversammlung war wieder hochinformativ und teilnehmenswert – Details im nächsten Blogpost. Die Verschiebung des Termins hatte zu erheblich mehr Anmeldungen geführt (190), tatsächlich gekommen waren aber nur eine Hand voll mehr als vergangenes Jahr: 94. Ich lerne, wie viele Menschen ein komplett anderes Verständnis von Anmeldung haben und wie viele entweder nicht wissen, welche Auswirkungen das auf das Orga-Team hat, oder wie vielen das egal ist.

Kurz nach neun waren wir durch, eine Tram brachte Herrn Kaltmamsell und mich nach Hause. Ich war überhaupt nicht müde, nutzte meine Aufgekratztheit für viel zu langes Lesen im Bett.

die Kaltmamsell

Lieblings-Breviloquia* Juni 2026

Dienstag, 30. Juni 2026 um 15:49

Wir starten wieder mit Mastodon:

Und hier ein bisschen Bluesky:

*siehe

die Kaltmamsell

Journal Montag, 29. Juni 2026 – Endlich Gewitter

Dienstag, 30. Juni 2026 um 6:10

Das Beste kam am Ende des Tages: Gewitter mit ordentlich Regen. Bis dahin:

Start in Arbeitswoche 5 vor Urlaub. Diese enthält drei Abendtermine, das ist für mich zwar willkommene Ablenkung von der Arbeit, aber bereits an der Grenze zu Zusatzbelastung.

Düsterer Himmel beim Aufstehen, aber kaum Abkühlung. Erste Handgriffe des Tages: Hefeteig für Empanada.

Ich überwand mich, die sonst eisern täglichen Bank- und Seitzstütz-Übungen nochmal ausfallen zu lassen: Der Rippenschmerz war wieder stärker geworden, womöglich hatte ich die Pilates-Einheit am Vorabend verfrüht genossen.

Sonniger Weg in die Arbeit (immer noch über die Theresienwiese, die Baustellen dauern an), geordnetes Losarbeiten.

Das Wetter schöpfte die Möglichkeit von Gewittern nicht aus, dennoch wagte ich mich mittags raus auf eine Spazierrunde – und wurde von angenehmen Schattentemperaturen überrascht, der Wind fühlte sich nicht mehr wie aus einem Haarföhn an, sondern erfrischte.

Mittagessen: Apfel, Aprikosen, außerdem Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Der Arbeitsnachmittag wurde noch richtig emsig, weil ich endlich die für einen Job nötigen Informationen hatte.

Nach Feierabend war die Temperatur halbwegs erträglich, aber immer noch weit entfernt von angenehm, ich nutzte jede Schattenmöglichkeit des Heimwegs.

Zu Hause eine Runde Yoga (Rippenschmerz immer noch hinderlich) – dass ich dabei ins Schwitzen kam, lag aber allein an der Zimmertemperatur über 27 Grad. Zumindest war ich nicht die in der Küche mit dem heißen Backofen, in dem gerade die Empanada zum Mitbringen für die Generalversammlung des Kartoffelkombinats Dienstagabend buk, das hatte Herr Kaltmamsell übernommen. Der dann auch noch das Abendessen servierte: Orecchiette mit Ernteanteil-Brokkoli. Vor denen ich bereits Salzgürkchen gesnackt hatte.

Schon seit einer Weile grollte Donner, und zur Tagesschau um acht kam endlich, endlich der Regen. Und dann bei Gewitter natürlich in großem Schwall.

Das herrliche Regenrauschen wurde unmittelbar gefolgt von LALÜ.

Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen – voll Vorfreude auf eine Nacht mit Zudeckenbedarf. Die neue Lektüre, Anna Maschik, Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten, nahm mich mit in eine bäuerliche Zeit und Welt, die ich ein wenig aus der Rumplhanni von Lena Christ kannte, diese aber am nördlichen Ende Deutschlands und sehr viel kultivierter erzählt (der Titel des Romans stellte sich bereits als ausgesprochen doof und heischend heraus).

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 28. Juni 2026 – Kocherl-Wandern

Montag, 29. Juni 2026 um 6:16

Nein, “Kocherl-” passt eigentlich gar nicht, war nur das erste, was mir gleichzeitig mit der Idee für diesen Sonntag einfiel. Die Idee: Um die Zeit, um die im Juli der Münchner Kocherball beginnt, eine Wanderung zu beginnen. Nur halt nicht, weil die Kocherl (= Hausangestellten) nur um diese Zeit frei hatten zum Tanzen, also vor der Arbeit, sondern weil es nur um diese Zeit kühl genug für eine Wanderung sein würde.

Also Wecker auf fünf, der mich nach recht guter Nacht aus tiefem Schlaf riss.

Balkonkaffee für Herrn Kaltmamsell und mich, danach genügte mir Katzenwäsche: Ausgiebiges Duschen samt Körperpflege verschob ich auf den späteren Tag. Als Wanderstrecke hatte ich mal wieder den Auer Mühlbach gewählt, erweitert um Anmarsch von daheim nach Thalkirchen, also die Heilig-Abend-Wanderstrecke. Um sechs Uhr verließen wir das Haus.

Die Morgen-Abkühlung nutzten nicht nur wir: Es waren viele Jogger*innen und Hundespazierende unterwegs, nach sieben umgaben uns schlagartig auch Sportradler*innen. Es wurde ein schönes Gehen in Morgenluft. Das mitgeführte Wasser reichte, zu wenig waren aber überraschen die Toiletten am Weg: Dass das Klohäusl bei Maria Einsiedel außer Betrieb war, brachte mich in Umstände.

An vielen Stellen sahen wir Badende, auch schon hier kurz nach sechs an der Wittelsbacherbrücke.

Wir passierten zahlreiche Flaschensammlungen – am Vorabend und in der Vornacht war offensichtlich reichlich gefeiert worden.

In Thalkirchen ging’s hoch.

In Siebenbrunn bei den Schrebergärten wurde reichlich im Auer Mühlbach gebadet.

Streetart in Giesing

Unterm Nockherberg

An Untergiesinger Altbauten auffallend viele Fenster mit Tüchern verhängt oder gleich mit Rettungsfolie versiegelt: keine Rollläden vorhanden.

Nach ein wenig Warten an der Haltestelle Deutsches Museum brachte uns eine klimatisierte Tram kurz nach neun nach Hause. Dort schnelles Versperren und Abdunkeln der Wohnung, ich ging nochmal raus für Frühstückssemmeln.

Das Feigenbäumchen (Foto vom Samstag) auf unserem Südbalkon hat nicht funktioniert: Das ärmste verbrennt dort, in den vergangenen Tagen warf es immer mehr Blätter ab. Ich rettete es auf den Westbalkon. Nächster Versuch Olivenbäumchen?

Eine weitere Hitzeanpassung: Ich muss Obst im Kühlschrank lagern, wie in Spanien, sonst verdirbt es innerhalb eines Tages.

Kurz nach 11 Uhr wurde ich schlagartig sehr, sehr müde – ich legte mich einfach hin und schlief über eine Stunde. So richtig munter wurde ich danach nicht mehr, das mag aber auch an der Hitze gelegen haben.

Zum Frühstück gab es kurz nach eins Salzgürkchen und zwei Körnersemmeln.

Nachmittag mit Lesen von allem möglichen, unter anderem nach Langem mal wieder einige Stunden am Stück Roman: Ich las Vivian Gornick, Fierce Attachments aus – durchaus interessiert, aber der dominante Duktus einer Psychoanalyse-Sitzung befremdete mich. Draußen zog der Himmel mit Wolken zu, im Westen sogar so dunkel, dass ich auf abkühlendes Gewitter zu hoffen begann. Vergeblich.

Die schmerzenden Rippen waren viel besser geworden, ich gab meinem Bewegungsdrang nach und turnte eine Folge Pilates – große Freude.

Zum Nachtmahl taute Herr Kaltmamsell die eingfrorenen restlichen Rinderippen vom Montag auf, rührte dazu Polenta – richtiges Sonntagsessen. Nachtisch Schokolade.

Eher spät ins Bett, weil ich nicht müde war, zudem weil das zu warme Schlafzimmer mit geschlossenen Fenstern nicht recht lockte.

§

Catatonic schreibt über das japanische Konzept/Werkzeug/Zeichen
“Sekimori Ishi”.

Und tut das so abgewägt, dass eine Zusammenfassung oder ein Ausschnitt das Ergebnis verfälschten, lesen Sie bitte selbst. (Mein Erwerbsleben besteht mittlerweile zu 80 Prozent aus solchen Zeichen; ich muss aufpassen, dass sie in meinem echten Leben nicht überhand nehmen.)

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 27. Juni 2026 – Hitzebedingter Drinnen-Samstag mit Musik-Tipps

Sonntag, 28. Juni 2026 um 5:39

Eine sehr schlechte Nacht: Wach hielten mich Rippenschmerzen (bei Bewegung, irgendwann aber auch beim einfachen Daliegen auf dem Rücken), Geschrei im Park, in den frühesten Morgenstunden klingelte jemand bei uns (ich lauschte kurz: war unten am Tor, nicht an der Wohnungstür, also wohl keine Nachbarin – ich sah keinen Anlass aufzustehen, auch nicht Herr Kaltmamsell). Am erholsamsten fühlten sich die anderhalb Stunden Schlaf nach fünf an, und ich träumte auch noch von Kindheitsspanien, schön.

Was mir durch diese Nacht klar wurde: Schwimmengehen ließ ich besser bleiben. Vielleicht würden sich die blöden Rippen durch dieses “Schonen” und “Ruhe” wieder einkriegen, von denen man in alten Romanen hin und wieder liest. Also gemütliche Häuslichkeiten, Kruschen, Bloggen auf dem Balkon an Milchkaffee.

Noch vor neun fühlte sich die Luft von draußen warm statt kühlend an, ich sperrte sie und das Sonnenlicht aus.

Zu einer Einkaufsrunde wollte ich mich aber doch aufraffen, schon im Vorgriff auf Montag: Dienstagabend nehmen Herr Kaltmamsell und ich an der Generalversammlung unseres Kartoffelkombinats teil (verlegt vom bisherigen Sonntag in der Hoffnung auf mehr Interesse der Genossenschaftler*innen), wenn wir uns am Buffet beteiligen wollten, musste die Vorbereitung bei zwei Vollzeit-Arbeitstätigen langfristig durchgeplant werden. (Wir wollen vegetarische Empanada mitbringen, den Teig setze Montagmorgen ich an, die Fertigstellung übernimmt Montag nach der Schule Herr Kaltmamsell.)

Wie angekündigt und erwartet war es bereits vormittags brüllend heiß, besorgt sah ich auf meiner Einkaufsrunde die vielen Vorbereitungen des gestrigen CSD. Eine Folge der aktuellen Extremhitze: auffallend viele Menschen mit Regenschirmen als Sonnenschutz.

Wieder fühlten sich das Aufschließen der Haustür und das Betreten des kühlen Treppenhauses beim Heimkommen wie Rettung an. Das war’s definitiv mit draußen für den Tag. Ich verdunkelte die Wohnung gründlich.

Ab Mittagszeit unablässiger Hubschrauberlärm über Münchens Zentrum. Ich hoffe, die filmten den CSD nicht nur, sondern sprühten Wasser auf die armen Mäuse.

Zu Mittag gab’s Apfel, Orange, Aprikosen, Flachpfirsich mit Joghurt – obwohl mein Hunger-Bauchweh fast von Müdigkeit übertrumpft wurde, aber ich wusste, dass ich hungrig nicht schlafen kann. Zu einer ausgiebigen Siesta legte ich mich danach hin.

Im immer noch komplett abgedunkelten Wohnzimmer die Wochenendzeitung gelesen, halt mit Deckenlicht. Dann probierte ich Bügeln – ging überraschend gut, ich schwitzte nur wenig mehr als untätig sitzend.

Zum Nachtmahl wieder vor allem Gemüslichkeiten:

Frische Salzgürkchen sowie Kimchi aus Herrn Kaltmamsells Produktion, restlicher Fenchelsalat, außerdem Sardinen-Aufstrich mit Brot. Dazu den spritzigen Rosé by nature von Pittnauer aus Gols.
Nachtisch Eiscreme und Schokolade.

Die ARD sendete einen Brennpunkt (ja: haha) nach der Tagesschau zur Brutalhitze mit neuen deutschen Höchstwerten in der Allzeit-Temperaturmessung: Wissenschaftliche Experten (Mobilität, Gesundheit) gaben ihre Einschätzung, was dringend getan werden muss zum Schutz der Bevölkerung. Ich konnte schier die Tausenden Klimaaktivist*innen seit vielen Jahren fuchteln und “HABEN WIR DOCH GESAGT!” fluchen hören. Selbst amüsierte ich mich ehrlich darüber, dass platzende Autobahnbeläge ein Tempolimit erreichten, mit dem vernünftige Stimmen bislang nie durchkamen.

Später als sonst, aber an diesen langen Tagen immer noch bei mittelhellem Himmel ins Bett zum Lesenn, ich sah den sich füllenden Mond aus den Baumwipfeln des Parks vorm Schlafzimmerfenster steigen.

Für Sonntag hatte ich eine Unternehmungs-Idee, Herr Kaltmamsell war bereits darauf angesprungen. Freuen Sie sich schon auf den Bericht über: Kocherl-Wandern.

§

Eva Wolfsangel ist eine respektierte und erfolgreiche Journalistin mit Fachgebiet IT. Sie belegt leider mit Beispielen aus eigener Erfahrung, wenn Sie schreibt:
“KI und das Ende des Journalismus”.

Manche Medien und Journalist:innen nutzen KI, um Informationen aus dem Netz zu scrapen, maschinell daraus Beiträge zu verfassen und als eigene auszugeben. Damit schaufelt sich die Branche ihr eigenes Grab.

(Ich würde wirklich echt ehrlich viel lieber schöne Geschichten über “KI”-Anwendungen verlinken – zum Beispiel diese über einen “Anrufmanager”. Schon wieder für mich nicht relevant, Telefonieren ist eine sehr seltene Anwendung meines Handys.)

§

Beim Bügeln hörte ich wieder die Playlist mit aktueller deutschsprachiger Musik, die eine sehr bewanderte Freundin unter dem schönen Titel “Grundsolide Schlager” zusammengestellt hatte (schon ihre Mixtape-Titel vor 30 Jahren waren so schön). Besonders gefallen haben mir und seien deshalb weitergegeben:

1. Mine: Unfall

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https://youtu.be/68YHpI1-mN0?si=VLwVkjlG7jC7IS5j

Vor allem wegen des besonderen Schlagzeugs (die Texte von Mine mochte ich aber eh durchwegs).

2. Sorry3000: Hinterm Kreisel

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https://youtu.be/WFWNBcbplnA?si=xv8zxLJRKFanOmVk

Mich faszinieren am Text und seiner Erzählhaltung die scheinbare Naivität der Beschreibung, die Betonung von Respekt für Unterschiede (“Ich find’s schön, dass ihr euch damit wohlfühlt”), aber dann halt doch das Stehen zu nicht verhandelbaren Werten (“aber ihr wisst schon”).

3. Anna Buchegger: Wos i nit bin

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https://youtu.be/PwhBZfUH-EE?si=ChGkJvi8w6smcTbg

Wieder ein fasnizierender Text (an eine Schwester gerichtet?) – und wie schön, auf welchem Niveau es Musik in Dialekt gibt.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 26. Juni 2026 – Lindenblütenkleben und Too darn hot!

Samstag, 27. Juni 2026 um 8:42

In dieser Nacht störten die Sturzfolgen dann doch meinen Schlaf – allerdings schwer abzugrenzen vom zwickenden und bis ins rechte Knie stechenden LWS-Schmerz (KÖRPER!).

Die Lindenblüte ist fast vorbei, nur an der Nordwest-Ecke der Theresienwiese rieche ich sie noch.
Von den abgeworfenen Blüten auf dem Foto nahmen die Sohlen meiner Sandalen etwa ein Drittel mit: fest angepappt von Blattlauskleber.

Die Theresienwiese weiter verbaustellt und mit Absperrgittern versehen, diese aber an den wichtigsten Passagen noch nicht verschlossen.

Das Büro erleichternd temperiert, Arbeit vorhanden, aber machbar.

Irgendwas ritt mich mittags und ließ mich das Haus für einen Mittagscappuccino im Westend verlassen (ich verdächtige den Schrittzähler, aber ich wollte auch eine Postkarte einwerfen). Und siehe da: Jetzt fühlte sich der leichte Wind sogar noch erfrischend an. Im Schatten.

Total gestelltes Foto, so sitze ich nie beim Cappuccino-Trinken.

Zu Mittag gab es die erste Minigurke aus der Kartoffelkombinat-Gärtnerei (mit Salz, weil bei all dem Trinken Salz nicht vergessen!), Ernteanteil-Apfel (langsam nimmt der Geschmack der letztjährigen Ernte trotz phänomenaler Lagertechnik ab), Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Am Nachmittag erreichte mich ein Arbeitsauftrag, den ich sehr gern erfüllte: Erbeten war eine Aufstellung von Daten zu einem Thema, bei dem ich mich immer wieder lächerlich überstrukturiert fühle, weil das doch eh niemanden interessiert, solange alles läuft. Fast hätte ich Fanfaren geschmettert beim Rausziehen der Ordner.
Ich war mehrere Stunden konzentriert und sehr fröhlich beschäftigt. Auch hatte ich viele Ideen, wie man diese Daten zielführend nutzen könnte, aber das gehört bereits nicht mehr zu meiner Rolle als nur die Sekretärin.

Draußen war es wie angekündigt prügelheiß, aber ich musste ja nach Hause kommen. Wieder nutzte ich U-Bahnhöfe für ein geschätztes Fünftel meines Heimwegs, ging langsam, absolvierte Lebensmitteleinkäufe im Vollcorner und der Balkanbäckerei, schlug lieber einen Umweg, wenn ich dadurch Schatten abgreifen konnte. Auf dem letzten Viertel des Wegs erinnerte ich mich dennoch intensiv an die kleinen Kinder, die sich einfach auf den Gehweg setzen und sich weigern, auch nur einen Schritt weiter zu gehen – ich konnte diesen Impuls sehr stark fühlen.

Daheim musste ich mich erstmal sammeln. Fürs Abendessen hatte ich mich zuständig erklärt, hobelte Ernteanteil-Fenchel zu einem Salat mit Orangen, Kichererbsen, Zitronensaft, Olivenöl. Während dieser durchzog, turne ich Yoga – die blöden Rippenschmerzen vom Sturz waren dann doch stärker statt schwächer beworden und beeinträchtigten mich. Restliche Anrichtung des Abendessens:

Bei geschlossenen Fenstern und nach Westen herabgelassenen Rollläden gab es Netzmelone mit Jamón ibérico, Balkanbrot, Fenchelsalat – und vor allem dazu tinto de verano: Schon der erste Schluck transportierte mich ins Kastilien meiner Kindheits-Familienurlaube. Nachtisch Schokolade, die eine oder andere waren Kühlschrank-gekühlt.

Meine Pläne fürs Wochenende kalkulieren die Stunden nach Sonnenaufgang ein, zu anderen Zeiten habe ich nicht vor, die Wohnung zu verlassen. Irgendwelche Vorteile muss meine Lerchennatur ja haben, wenn ich schon nie Geschichten aus dem Nachtleben erzählen konnte und kann (kurze Ausnahmen bei Hochverliebtheit und zu Studienzeiten für Poker-Nächte).

Lesen im Bett (Schlafzimmertemperatur trotz aller Prävention über 26 Grad): Vivian Gornicks Fierce Attachments nahm mich mit in die 1980er Jahre und zu den jüdischen New-York-Bewohnerinnen, deren Mütter noch den Zweiten Weltkrieg erlebt hatten, in eine Wohnblock-Frauengemeinschaft mit sehr eigenen Regeln.

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Auf Mastodon sah ich über die Kommentare dazu die Lesungen zum Bachmannpreis vorbeifließen. Die Kommentare zu und Zitate aus Lena Schättes Text ließen mich aufhorchen, denn es geht ums extreme Dicksein. Ist dann auch ein sehr lesenwerter Text, hier das PDF:
“Was wir tragen”.

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UI! Die aktuelle Meisterstunde portraitiert den Mann, der meinen Bräter (den schönsten der Welt) gefertigt hat:
“Künstler Berthold Hoffmann über seine gusseisernen Kochgeräte:
“Die einfache Form bündelt Energie'”

Zusätzlich gibt es Fotos aus der Gießerei – und aus einem vergangenen Beruflseben weiß ich: Gießerei-Fotos sind immer Schmankerl; eines von damals habe ich drucken und rahmen lassen, es hängt in unserem Wohnungsflur.

(Ich hatte ganz vergessen, dass Berthold Hoffmann seinerzeit meinen verlinkten Original-Blogpost von 2008 sogar selbst kommentiert hatte. Achja – andere Blog- und andere Kommentierzeiten.)

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Der Film war nicht gut, aber interessant mittelmäßig.

Mit solchen Filmkritiken kann ich etwas anfangen, diese von Southpark über den Horrofilm Backrooms.

§

Gardenwithjohnny goes Celeste Barber. Manche “Influencerinnen” sind ja bereits ihre eigene Parodie – danke! (Das nächste Mal aber im Kleidchen, bitte.)

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Um es mit der großen Naturphilosophin Ann Miller zu sagen (die meiner Erinnerung nach damit in diesem Blog bereits auftrat):
TOO! DARN! HOT!

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/WS_YAKZH3lw?si=pjAuowD9JHB6xEJ2

die Kaltmamsell