Journal Freitag, 13. Februar 2026 – Anreise nach Wien mit Jugendbuchlektüre

Samstag, 14. Februar 2026 um 9:01

Aufgewacht mit verschattetem Gemüt, das sich bereits in den Tagen davor angekündigt hatte.

Arbeitsmarsch im Wind, auf der Theresienwiese Blick in den bunten Himmel mit jagenden Wolken verschiedenen Graus – und Nachdenken, ob dieser Anblick wirklich so unsommerlich ist, wie ich behaupten würde. Aber nein, im richtigen Sommer hat es das nie. Im Gegenteil, diese Erscheinung ist klares Indiz für den anschließenden Herbst.

Das eigentlich Besondere aber war ich: In der Hand schwenkte ich nämlich unseren geräumigen Kulturbeutel für den Faschingsurlaub in Wien am Henkel. Herr Kaltmamsell hatte den Koffertransport übernommen (wir kamen beide zwischen Arbeit und Abreise nicht nochmal heim), musste aber von daheim los, bevor ich ins Bad ging.

Emsiger Vormittag, dazwischen ruhte ich meine Augen am namibischen Wasserloch aus (Gnu-Kälbchen! glucksende Zebras!).

Schneller Mittagscappuccino aus der Cafeteria, erträglich. Zum Durchlüften eine Runde um den Block in angenehmer Luft – noch war die angekündigte Rückkehr der Eiseskälte nicht spürbar. Zu Mittag gab es Mango (meh) sowie Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Soll mir niemand nachsagen, ich würde den aufdringlichen Büro-LLMs keine Chance geben! Gestern öffnete ich aus MS Teams eine Excel-Tabelle, wollte Leerzeilen einfügen – und hatte das nicht mehr unter den Funktionen, die sich über den Klick mit rechter Mouse-Taste öffnen. Ha! Das war doch genau die richtige Aufgabe für Karl Klammer 2.0, verkauft als Copilot. Ich bat also im Eingabefeld: “Bitte nach Zeile 115 zehn Leerzeilen einfügen.” Nach einigen Sekunden (deutlich mehr als ich sonst über rechten Mouseklick brauchte) erschien die Antwort: “Ich habe zehn Leerzeilen eingefügt.” (ungefähr, habe nicht mitgeschrieben). Nur: Da war nichts. Ich versuchte Widerspruch: “Nein, da sind keine Leerzeilen.” Wieder ein paar Sekunden Copilot-Arbeit: “Jetzt habe ich die Leerzeilen eingefügt.” Sie ahnen: Da war nichts.
Geschafft habe ich es dann über das Suchfenster in der Browser-Version Excel: Auf die Suche “Leerzeilen einfügen” erschien unter anderem ein Symbol in der Liste, mit dessen Anklicken eine Leerzeile erschien. Damit juckelte ich mich durch. Aber wieder kein Aufhänger für mehr Verwendung von Copilot in meinem Arbeitsalltag. (Eine Kollegin, die vor allem in Excel Copilot ausprobiert, spricht von “Mustern einer toxischen Beziehung”, weil das System ständig Falsches behauptet oder Input in anstrengender Form einfordert, um beim Eingeben zu antworten, dass es den Input in dieser Form nicht verwenden kann.)

Kurz vor drei fuhr ich den Rechner runter, Aufbruch zum Hauptbahnhof. Am Bahnsteig wartete Herr Kaltmamsell mit unserem Koffer, in dem wir den Kulturbeutel verstauten. Abfahrt nach Wien mit nur fünf Minuten Verspätung – die wir über die vier Stunden Fahrt wieder reinholten.

Zu meiner Überraschung zog sich die Anreise, ich bin eigentlich gewohnt, dass die ersten Stunden schnell verfliegen – zumal es ja zunächst hell genug war für Blick in die verschneiten Alpen, auf Traunstein und Salzburg. Herrn Kaltmamsell ging es ähnlich, wir führten das auf große Grunderschöpfung zurück.

Ich las Ingrid Nolls aktuellen Roman Nachteule aus der Stadtbibliothek – das sich als schlichtes Jugendbuch erwies. Es schreibt eine zeitgenössische 15-jährige, altkluge Ich-Erzählerin im Stil eines Erlebnisaufsatzes: Polizisten sind “Ordnungshüter”, mit Einschüben wie “gesagt, getan”, Charakterzeichnungen aus der Perspektive einer alterstypisch sebstgefangenen 15-jährigen ohne weiteren Ebenen. Na ja, las sich schnell weg.

Wien empfing uns mild, von Meidling bis Westbahnhof brachte uns eine U-Bahn, von dort rollkofferten wir ins angenehme Hotel. Mir fiel gleich mal auf, wie viel schwieriger Gesamtorientierung im Dunklen war, vergangenen August hatte ich mich umgehend zurechtgefunden. Auf dem Weg waren wir an einer urig aussehenden Eck-Wirtschaft vorbeigekommen, die (in vielen Sprachen – klar, Stadtzentrum) wiener Küche anbot. In dieses Pulkautaler Weinhaus kehrten wir zum Abendessen ein, teilten uns gegrillte Fleischberge mit hervorragenden Pommes, außerdem Krautrouladen mit Kraut und Bratkartoffeln für Herrn Kaltmamsell.

Und ich freute mich über zwei Achtel heimischen Gelben Muskateller, zum Abschluss ein Stamperl Himbeergeist (die handgeschriebenen Getränke-Tafeln über der Theke hatten mich draufgebracht). Auf dem großen Fernsehbildschirm über uns wurde der Wiener Opernball übertragen.

Schon lang keine Rechnung mehr in dieser Form bekommen (man konnte aber elektronisch zahlen).

Zurück im Hotelzimmer skizzierten wir noch kurz Pläne für den Samstag (Käse-Einkauf, Mittagessen in Liweis Kitchen, Albertina), schliefen dann früh erschöpft ein.

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In meiner Mastodon-Timeline wird viel Olympische Winterspiele geguckt, ich bekomme die Sensationen aus dem Augenwinkel mit. Den Jahrhundert-Eiskunstläufer Ilia Malinin kannte ich ja schon, in ihrem Blog weist Hotel Mama auf eine Analyse in der New York Times hin, die seinen vierfachen Axel auseinandernimmt (den nur Malinin kann) – mit Filmchen in Zeitlupe, die seine Technik dafür seinem dreifachen Lutz gegenüberstellen:
“The Impossible Jump, for All but One”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 12. Februar 2026 – Entsättigter Februar

Freitag, 13. Februar 2026 um 6:18

Nach eigentlich guter Nacht sehr müde geweckt worden.

Auf dem Marsch in die Arbeit bekam ich ein paar Regentropfen entgegengeweht.

Emsiger Vormittag.

Mittagscappuccino im Westend mit komplett entsättigten Farben, als nächstes kommt Schwarz-Weiß.

Mittagessen war eine Wiederholung des Vortags: Apfel, eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Nachmittags setzte heftiger Regen ein, doch ich hatte Glück: Zu (sehr erschöpftem) Feierabend hatte er aufgehört.

Nach Lebensmittel-Einkäufen beim Vollcorner (auch schon für den Dienstag unserer Rückkehr von Wien, wenn die Läden nachmittags Faschingsferien machen) Umweg über einen DPD-Pickup-Laden: Nachdem bei DPD angeblich Abgestelltes verschwand und Zustellung praktisch nie klappte, weil trotz Anwesenheit ja dann doch in irgendeinen, nur sehr umständlich zu recherchierenden Laden geliefert wurde, hatte ich mich für einen Test dieser Variante entschieden und gleich Lieferung in einen Laden angeklickt. Und das klappte! Mein Päckchen wurde schnell gefunden und ausgehändigt, das merke ich mir für die Zukunft.

Daheim eine zackig-sportliche Folge Yoga, dann Brotzeitvorbereitung, das Nachtmahl war Gemeinschaftsarbeit: Herr Kaltmamsell bereitet aus den Ernteanteil-Karotten Ofenfritten sowie aus Crowdfarming-Avocados inklusive Ernteanteil-Kresse Guacamole, den Ernteanteil-Schnittsalat machte ich mit Mandarinen-Tahini-Dressing an – gutes Abendessen. Nachtisch Schokolade.

Parallel richtete ich den Inhalt des Reiskoffers raus (es wird uns laut Vorhersage in Wien mindestens ein tief eisiger Tag erwischen), dann wurde gepackt. Weitere Wien-Vorbereitung: 7-Tage-Zeitkarte für die Öffis gekauft.

Im Bett Fatima Daas, Sina de Malafosse (Übers.), Die jüngste Tochter ausgelesen. Fragmentarisches Erzählen über ein Aufwachsen als jüngste von drei Töchtern algerischer Eltern in Paris, als gläubige Muslimin und Lesbe, viele Absätze eingeleitet durch “Ich heiße Fatima Daas.” “Ich heiße Fatima.” Aus den Fragmenten über Schule, Studium, lesbisches Ausgehen, Gottesdienste, Familie, raren Algerien-Besuchen setzt sich das Schillern zusammen, aus dem so viele Einwandererleben bestehen. Und das Buch ist angenehm kurz, ein expressionistisches Schlaglicht. Wirklich Neues hat es mir aber nicht erzählt.

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Lustig: Krankenhaus-Winterspiele.

via @kid37

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 11. Februar 2026 – Druckbetankung zur Wahlhilfe als Vorsteherin

Donnerstag, 12. Februar 2026 um 6:31

Tiefer Schlaf bis kurz vor vier, danach leider nicht mehr so richtig. Aber! Ich hörte draußen eindeutiges Vogelfrühlingsgezwitscher.

Beim Marsch über die Theresienwiese sah ich eine Vierergruppe Bachstelzen in und um die Pfützen und freute mich sehr.

Gestern streikten die Öffentlichen Verkehrsbetriebe wieder. Auch wenn ich diesmal auf die Sperrung des U-Bahnhofs Heimeranplatz gefasst war, steuert ich automatisch auf den Abgang zu, erlebte das “Hä?”, bog erst dann ab.

Der Himmel wurde erfreulich freundlich.

Schöner Spaziergang zum Mittagscappuccino, jetzt spürte ich deutlich ein Ende des Winters in der Luft. Auf dem Rückweg machte ich eine Extraschleife und ließ mich vom Wind anpusten.

Zu Mittag gab es Apfel sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt – extra spät in der Hoffnung, dass das bis durch die Wahlhilfeschulung von vier bis acht allzu schlimmen Hunger fernhalten würde. Ich nehme vorweg: Das klappte. Allerdings eher wegen hohem Adrenalinspiegel, der bei mir ja Hunger und Appetit verdrängt.

Ohne Öffis machte ich noch früher Feierabend als eh wegen der Schulung im Schulungszentrum des KVR, ich musste ja zu Fuß hingehen (nicht mal eine halbe Stunde). Wir waren zu zwölft Wahlvorstehende und bekamen vier Stunden Druckbetankung. Ich merkte, dass ich zum einen von Wahlhilfeerfahrung profitierte, aber auch von den vielen Einsätzen als Schriftführerin. Doch wie man es auch drehte und wendete: Das wird am 8. und 9. März heftige und komplexe Arbeit – vor allem das Auszählen der Stadtratswahltapete sowie der Bezirksratwahl.

Wir bekamen einen wirklich guten Prozess vorgegeben, doch die Grundkomplexität des Kumulierens und Panachierens, das beim Auszählen rückgewickelt werden muss, lässt sich halt nicht wegprozessieren. Eine Folge: Besondere Parameter bei der Beurteilung, ob ein Stimmzettel gültig, teilgültig oder ungültig ist, Merksatz: Einzelstimmen zuerst.
Dieser Prozess ist übrigens, wie mir die Trainerin in der Pause erzählte, Ergebnis der Vorschläge und Feedbacks der Wahlhelfenden in den Wahllokalen – das erklärt, warum ich bei allen meinen Einsätzen den Eindruck hatte, dass er immer besser funktionierte.

Und dann ist die Wahl ja auch noch fast vier Wochen weg: Bis dahin habe ich den Großteil der Schulung trotz allem Mitschreiben der Tipps wieder vergessen. Am besten lade ich so bald wie möglich die Schulungs-Präsentation aus dem Wahlhilfe-Portal der Stadt München runter und und drucke sie aus zum Pauken. Zumal ich, und das wird mich noch so richtig Nachtschlaf kosten, als Vorstehende FÜR DAS ALLES ZUSTÄNDIG BIN.

Um acht marschierte ich zackig nach Hause, mit Herrn Kaltmamsell war ausgemacht, dass er Sushi bestellen würde.

Allso geschah es.
Es passte nur noch wenig Schokolade hinterher.

Unruhiges Einschlafen, weil voller Bauch plus Aufgekratztheit.

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Alt, aber lustig:
“Caffeinated Owls, A Chart Illustrating Different Types of Coffee With Cute Owls”.

via @katzentratschen

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 10. Februar 2026 – Längere Tageshelle

Mittwoch, 11. Februar 2026 um 6:25

Nach einer Nacht mit freier Nase auf Montag wachte ich in der Nacht auf gestern wieder mit zugeschwollenen Schleimhäuten auf und brauchte Spray. Im Bad legte ich mir die Nasendusche raus: Vielleicht hilft es, wenn ich sie vor dem Schlafengehen nutze.

Marsch ins Büro durch eisigen Nebel, doch schon beim Start am Schreibtisch zeigte sich vorm Fenster durch den Nebel blauer Himmel, bald leuchtete er nebelfrei.

Sehr voller Vormittag, Zeit und Gelegenheit für einen Mittagscappuccino rauschten unnutzbar durch. Zumindest riss ich mich für einen Marsch um den Block los: Der Himmel jetzt wieder düsterer, aber die Luft atmete sich angenehm.

Nach einigem weiteren Wirbeln Mittagessen: Apfel, außerdem Mango mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot.

Der Nachmittag zog sich, doch als ich endlich Feierabend machte, war es noch nicht dunkel: Es wird mit den längeren Tagen. Zum Lüften ein Umweg über die Post am ehemaligen Hauptbahnhof, das ist mittlerweile die am nächsten gelegene. Ich holte Nachschub an Briefmarken.

Zu Hause Yoga, tat sehr gut. Das Nachtmahl war inspiriert von Sauerkraut und Kartoffeln im aktuellen Ernteanteil: Beides gab es mit Blut- und Leberwurst. Und dem Restl Apfelmus vom Sonntag, weil wir kulinarisch offen sind. Schmeckte sehr gut, doch ich merkte, dass ich nach vielen Jahren mal wieder Lust auf so richtig bayerische Schlachtschüssel mit allem habe – weiß jemand ein Münchner Gasthaus, wo ich das gut (!) bekomme?
Nachtisch Schokolade.

Wäsche aufgehängt (diesmal hatte die Maschine nicht gelogen), Schreibblock und Wasserflasche für Mittwoch in den Arbeitsrucksack gesteckt: Ich bin nach frühem Feierabend für vier Stunden Wahlhilfeschulung als Vorsitzende angemeldet. Hoffentlich fürchte ich mich danach nicht mehr so sehr vor dem Einsatz.

§

Vanessa postet nebenbei ein Foto von ihrer Küche, weil sie sich über den Sonnenschein darin freut – und mir geht das Herz über: So wünsche ich (!) mir eine Küche! Für mich ist sie nämlich ein Wohn- und kein Arbeitsraum, hier soll gelebt werden können. Dazu gehört auf dem Foto:
– Eine Kochzeile AN DER FENSTERFRONT! Man kann beim Vorbereiten und Kochen rausschauen! Selbst so genannte Wohnküchen platzieren die Küchenzeilen sonst an die Wand, wie schade. (Dass diese Küche gleich zwei Seiten mit Fenstern hat, begeistert mich besonders, meine Küchen lagen viele Jahre lang in völlig fensterlosen Räumen.)
– KEINE EINBAUKÜCHE! Das eine Mal, dass ich mich mit einer neuen Küche befasste, nämlich vor zwölf Jahren, stieß mich praktisch das gesamte Ausstattungsangebot ab: Es sah nach Arbeitsbedarf aus, nicht nach Möbeln. Am ehesten liebäugelte ich noch mit Koch-Inseln, weil man daran zu mehreren gleichzeitig Kochspaß haben kann (funktioniert allerdings in den wenigsten Grundrissen). Aber sonst: Bitte Küchenbuffet und Regale statt Hängeschränke. Nein: Es muss für mich in der heimischen Küche NICHT alles “praktisch” sein, ich verbringe hier Freizeit.
– PLATZ! Unter anderem für einen großzügigen Esstisch. Werkelnde und Bekochte werden nicht getrennt; die Nebenerscheinung, dass bei Einladungen das benutzte Koch- und Essgeschirr sichtbar bleibt, kenne ich – egal, wir sind unter Freunden.
– HOLZBODEN! Wieder mehr Wohnen als Arbeiten. Und was die Klecker- und Verschütt-Empfindlichkeit angeht: Meiner Erfahrung nach sind die ersten Flecken die schlimmsten, mit der Zeit verbinden sich alle zu Patina. Und wie meine Mutter gerne sagte: Nein, bei uns kann man nicht vom Boden essen. Dafür haben wir Teller.

§

Maximilian Buddenbohm erwähnt abseitige Musik, die ich kenne, nämlich von Malediva. Die muss ich vor Jahrzehnten mal live gesehen haben – keine Erinnerung daran, auch nicht, wie es dazu kam.
Sie gefielen mir damals so gut, dass ich gleich dort die CD kaufte, und davon am stärksten hängen blieb mir dieses Lied.

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https://youtu.be/EA7U-UDWtPg?si=bYCJDUGLiOoQP84W

Drunter steht, dass das Album 2004 erschien, der Konzertbesuch muss also um diesen Dreh gewesen sein.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 9. Februar 2026 – Dunkelgrau und klamm

Dienstag, 10. Februar 2026 um 6:19

Eine gute Nacht, aber zu früh aufgewacht.

Arbeitsweg unter bleigrauem Regenhimmel, zumindest blieb ich trocken.

Mittagscappuccino bei den Coffee Bro’s im Westend, die Luft unangenehm kaltklamm. Mittagessen Äpfel und selbstgebackenes Brot.

Die berufliche Leistung des Tages: Kolbenfüller mit schwarzer Tinte nachgefüllt – Hände danach komplett fleckenfrei!

Schmerzen aktuell (das Praktische am Altwerden ist ja, dass das Thema Gesundheit immer was hergibt): Rechter Vorderfuß brennt um den Mittelzeh beim Gehen, der Hüftgürtel jammert beim Aufstehen vom Sitzen und den ersten Meter Gehen, das dunkelrote Auge kommt zwei Tage nach Verrötung ebenfalls auf die Idee zu schmerzen.

Schöne Entdeckung des Tages: Mit dem Faschingsurlaub in Wien kommen wir dieses Jahr auch um die Innenstadt-Unbillen der Sicherheitskonferenz herum, die sich nicht zum ersten Mal mit der praktisch einzigen Zeit des Faschings deckt, in der man ihn auf Münchner Straßen sieht. Wir verpassen also das Nachdenken bei Ansammlungen bemalter Menschen: Demo oder karnevaleske Gaudi?

Auf dem Heimweg nach Feierabend Lebensmitteleinkäufe im Vollcorner, nach der leeren Regalstelle in der Vorwoche gab es wieder Lindenblütentee. Gezielter Abstecher zu dem einen Vorgarten am Bavariaring, in dem es IMMER Schneeglöckchen gibt – wenn sie überhaupt blühen. Bingo, hiermit Schneeglöckchen in München gesichtet.

Zu Hause sportliches Yoga; beim 30-Tage-Programm “True” von Adriene 2018 ist immer wieder ein Blick zum Bildschirm nötig, weil ihre Cues nicht eindeutig sind. Cues sind ja auch eine hohe Kunst, Adriene wurde über die Jahre immer besser darin.

Nachtmahl größtenteils aus Ernteanteil:

Sellerieschnitzel, und da ich große Lust auf Salat hatte, machte ich zugekauften Chiccoree mit Kresse-Joghurt an. (Und ich genieße es immer noch, Sie mit Glasteller-Foodfotos zu nerven, so klein bin ich.)
Nachtisch Schokolade.

Nicht ganz so früh ins Bett zum Lesen wie ersehnt, weil ich das Durchlaufen der Waschmaschine abwartete und Wäsche aufhängte ( oder wie man im Nordosten der Republik sagt: “aufhing”). Diesmal brauchte der Durchgang statt der angekündigten 2:11 Stunden deutlich über drei, ich saß lesend daneben.

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Die aktuelle Bosetti Late Night enthielt eine sehr bereichernde Unterhaltung über den neuen Faschismus vor allem in den USA mit Hedwig Richter (Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität der Bundeswehr München – der ich immer gern zuhöre) und Klaus Brinkbäumer (ehemaliger Chefredakteur des Spiegel).

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https://youtu.be/xAm97HT7Ctc?si=YINuagMLR6BasYZa&t=1053

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 8. Februar 2026 – Langsames Milderwerden, endlich mal wieder Kino

Montag, 9. Februar 2026 um 6:27

Mit Unterstützung herabgelassener Rollläden lang geschlafen, aber ich war lange nicht eingeschlafen (der wunderbare Espresso bei der Samstagabend-Einladung war das wert gewesen) und brauchte nachts gegen zugeschwollene Nasenschleimhäute wieder Spray.

Draußen war es weiter mild, für meine mittägliche Laufrunde reichten Lauf-Hoody und Weste – leichte Mütze und Handschuhe waren aber recht.

U-Bahn zum Odeonsplatz, von dort ab an die Isar.

Ich gönnte mir den Ausblick vom Monopteros.

Recht versunkenes Laufen fast ohne Fotografieren.

Mein Körper machte mittel mit, störte mal mit Fußschmerz rechts, mal mit Schmerzen um den Hüftgürtel und die Lendenwirbel, meldete auch die letzte halbe Stunde Erschöpfung, doch mein Geist hatte noch nicht genug.

Heimweg ab Tivoli mit Bus bis Giselastraße und von dort U-Bahn.

Frühstück kurz nach zwei: Apfel und zwei dicke Scheiben selbstgebackenes Roggenbrot mit Butter und Zuckerrübensirup/ Lemon Curd. In Köln hat’s bereits Brutalstfrühling, in München nicht mal grüne Spitzen von Schneeglöckchen.

Nachmittags ging ich endlich mal wieder ins KINO! (Punkte auf dem Kultur-Tracker.) Im City-Kino ums Eck sah ich Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (und fand es mal wieder cool so zu wohnen, dass ich fast im Bademantel ins Kino gehen könnte; außerdem kaufte ich nach Langem mal wieder die Eintrittskarte vor Ort an der Kinokasse – hatte mich allerdings vorher auf der Website versichert, dass noch reichlich Plätze frei waren). Eine wirklich schöne filmische Umsetzung des Romans, der mir ja gefallen hatte. Senta Berger hinreißend, Bruno Alexander als Hauptdarsteller bezaubernd. Und das Drehbuch ist mehr als in Ordnung: Nachdem ich mich zunächst an sprachlichen historischen Ungenauigkeiten wie “Hey!” als Begrüßung oder “genau” gestoßen hatte, weil man das in den 1980ern ganz sicher nicht sagte, beschloss ich, dass der Film sich ja zeitlich gar nicht explizit festlegt (ein wenig in der Technik mit Telefon und Fernseher, doch Münchner Außenaufnahmen wurden in der Jetztzeit gelassen) und dass das nicht so wichtig ist.

Eine ruhige, kurze Folge Yoga. Zum Abendessen briet Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil-Karoffeln Reiberdatschi.

Klassisch bei uns mit Apfelmus – aber im Ruhrgebiet hatten wir vor anderthalb Jahren gelernt, dass sie dort mit Zuckerrübensirup gegessen werden. Wir kommen beide aus kulinarisch überdurchschnittlich aufgeschlossenen Familien, haben ja bereits vorbehaltlos Exoten wie Grie Soß oder Himmel und Äd in unseren Speiseplan integriert: Wir testeten Zuckerrübensirup, er stellte sich als echte Bereicherung heraus und passt super.

Im Bett die nächste Lektüre: Fatima Daas, Sina de Malafosse (Übers.), Die jüngste Tochter – fragmentarische Schlaglichter auf das Leben einer jungen Einwanderertochter in Paris.

§

Für mich aus persönlichen Gründen interessant (mein Vater, also nicht himmlischer, sondern biologischer Vater, heißt Jesús – und obwohl mit einer gehörigen Portion Schabernack auf die Welt gekommen, scheut er sich meist, auch damit Schabernack zu treiben):
“Warum (fast) niemand Jesus heißt – außer in spanischsprachigen Ländern”.

via @wolfseule

Familien-Details: Außerdem heißt einer meiner spanischen Kusins Jesús, wurde aber in Abgrenzung zu meinem Vater, also seinem Onkel, von Klein auf “Jesusito” gerufen, mit Diminutiv. Was zeitweilig bis zu “Susi” (bitte mit zwei scharfen, also stimmlosen S) verballhornt wurde.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 7. Februar 2026 – Wie ich lernte, dass auch Schwimmbrillen sich auflösen können

Sonntag, 8. Februar 2026 um 9:35

Recht lang geschlafen, ich fühlte mich aber nicht ganz ausgeruht.

Meine ersten Handgriffe galten dem Brotteig, für den ich am Vorabend den Sauerteig angesetzt hatte: Es sollte dieses Roggenmischbrot 79/30 geben. Das verzögerte mein Bloggen, der Post über den Vortag ging erst deutlich nach neun online.

Verwunderung beim Nachlesen meiner Mastodon-Timeline: Darin interessierten sich deutlich mehr Menschen für die frisch gestarteten olympischen Winterspiele, als ich prognostiziert hätte. Schnittmenge mit Menschen, die sich für den European Song Contest interessieren? Weil irgendeine Art große, internationale Show?

Wohl geraten.

Pläne für den Tag nach Brotbacken:
– Radeln (!!!) zur
– Schwimmrunde
– Kauf von Kochschinken auf dem Rückweg fürs Frühstück
– aushäusiges Abendessen bei privater Einladung

Nachdem ich mein Radl seit September nicht mehr genutzt hatte, checkte ich es erstmal. Ergebnis: Es wurde nichts mit dem Radeln, denn mein Aufpumpversuch scheiterte, der Vorderreifen ist platt. Also
– U-Bahn zur Schwimmrunde
Die Luft gestern angenehm mild, noch aber ohne Frühling in den Düften.

Geduscht und mit Schwimmbrille in der Hand trat ich an ein sensationell dicht beschwommenes Becken. Ein Grund war vermutlich, dass die äußersten beiden Bahnen für Vereine gesperrt waren – das hatte ich am Wochenende noch nie erlebt. Hier, aber auch an allen anderen Bahnen war der Rand unpassierbar vollgestellt mit Schwimmspielzeug aller Art, ich balancierte dazwischen ins Becken.

Gleich nach dem Abdrücken hatte ich Wasser in der rechten Seite der Schwimmbrille, nach der ersten Bahn setzte ich sie schnell neu an. Doch auch jetzt stand diese rechte Seite voller Wasser. Nach der zweiten Bahn stellte ich mich also fest hin und nahm sie ab – um zu entdecken, dass sich der Dichtungsgummi halb vom der Plastikschale gelöst hatte.

(Foto nach Schwimmrunde)

Völlig entgeistert hielt ich die Brille den fremden beiden Frauen am Rand der Nebenbahn hin (gestern wurde viel am Rand gestanden): “Was mach ich jetzt?!” Sie lachten und wussten natürlich keine Antwort. Außerhalb der Bezahlschranke hätte ich am Kiosk eine Schwimmbrille kaufen können, aber nicht hier.

Also versuchte ich, so zu schwimmen: linkes Auge geschützt, rechtes verkrampft zugekniffen. So schaffte ich 2.000 Meter, die eigentlich sehr gut taten, doch dann sorgte ich mich um mein Auge und brach ab.

Dass ich mit dem armen Auge nur verschwommen sah, legte sich zum Glück bald.

Vor der BMW-Welt wurde fotografiert, eine Gruppe aus fast ausschließlich Frauen. (?)

Eher enttäuscht als verärgert saß ich in der U-Bahn nach Hause. Ich guckte nach E-Mails – und jetzt machte mich traurig, dass ich auf eine künstlich generierte alte Frau reingefallen war. In meinen Augen ist das aktiver Betrug: Der Text unterm Video behauptet zunächst lange und detailreich, es handle sich um einen ganz konkreten Menschen und “Real takeaways. No pretending.” Erst ganz weit unten steht dann: “The person in this video is AI-generated, not a real individual.” Die Kommentare unter dem Video zeigen, dass niemand davon so weit gelesen hat.

Am Sendlinger Tor kaufte ich noch im Alnatura ein, ich wünschte mir aufs frischgebackene Roggenbrot dick Butter und gekochten Schinken. Dieses Frühstück gab es nach einem Apfel um kurz nach zwei.

Nachmittag mit Lesen: Zum einen die Wochenend-Süddeutsche, zum anderen las ich Ursula K. Le Guin: Tehanu: The Fourth Book of Earthsea aus. Es gefiel mir bis zum Ende gut, ich ließ mich in dieser klugen Variante in eine Märchen-Zeit und -Welt mitnehmen mit Zauberern, Hexen, Machtkämpfen. Und mir fiel auf, wie viel dieser 1990 veröffentlichte Roman der sieben Jahre später erschienenen Harry-Potter-Welt vorweg nimmt: Es gibt eine Zauberer-Schule (die in diesem Band allerdings nicht gezeigt, sondern nur erwähnt wird), konstruktive und zerstörerische Zauber-Menschen, eine magische Sprache (allerdings nicht mit Schlangen, sondern Drachen), magische Wesen, und der Graben zwischen verschiedenen Zaubermensch-Herkünften verläuft nicht zwischen Witches und Muggles, sondern zwischen Männern und Frauen.

Vor der Abendeinladung turnte ich noch Yoga: Ich nahm die übernächste, sportliche Folge vorweg, weil ich gestern bei weitem nicht ausgepowert war; die ruhige nächste Folge hob ich für Sonntagabend auf, wenn ich nach einer geplanten Laufrunde dankbar dafür sein würde (für diese Einblicke klicke ich die Folgen vorher durch).

U-Bahn nach Bogenhausen, wo ich mit Herrn Kaltmamsell einen sehr schönen Abend mit zwei interessanten Frauen verbrachte (beruflicher Kontakt über den Herrn), von einer der beiden köstlich italienisch bekocht: Zu einem Glas Ferrari Spumante gab es Antipasti in Form von Wurst, Schinken, Käse, gegrilltem Gemüse, dann als Primo Pasta mit selbstgemachtem Pesto, Wein ab jetzt ein eleganter Roter aus der Maremma, als Secondo Hühnchen cacciatore, und nach einem richtig guten Espresso als abschließende Sensation Mandelkuchen mit Vanille-Orangencreme und karamellisierten Pinienkernen.

Dazu angeregte Unterhaltung, unter anderem über den Alltag einer Orchestermusikerin.

U-Bahn nach Hause, es war immer noch mild. Gegen Mitternacht im Bett.

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Alle medizinischen Diagnosen und Tipps zu meinem Fuß unter dem Post zum Freitag habe ich dann doch gelöscht.

(Unterlassen Sie bitte Gesundheitstipps. Ich werde sonst sehr böse.)

steht über dem Kommentarfeld (Serviceblog mit betreutem Lesen).

Sollte mein Hausarzt hier in den Kommentaren damit auftauchen, überlege ich, ob ich eine Ausnahme mache.

§

Bei geschichtlichen Meilensteinen lohnt sich immer wieder der feministische Blick. Dieser ist von Barbara Vorsamer:
“Unsichtbare Erfinderinnen: Wie Frauen die Medizin revolutionierten”

die Kaltmamsell