Journal Freitag, 28. Juni 2019 – Rückreise von Utrecht in die Hitze und Hektik

Samstag, 29. Juni 2019 um 9:53

Noch vor dem Wecker aufgewacht, Wasser getrunken, geduscht, gepackt, vorbereiteten Blogpost nochmal geprüft und veröffentlicht.

Ich hatte mich für die in München angekündigte Hitze gekleidet (kurze Hose, kurze Ärmel), in Utrecht war mir damit kalt, ich zerrte ein zusätzliches T-Shirt aus dem Koffer. Am Bahnhof Kaffee bei Starbucks, weil das hier der einzige Kaffeeladen war, der wenigstens fürs Trinken im Lokal keine Pappbecher verwendete. Brotzeit geholt bei Pret A Manger (Zimtschnecke und ein ein belegtes Vollkornbaguette, dass sich als besonders köstlich herausstellte: Avocado, angeschmorte Tomaten, geröstete Pinienkerne, etwas Tapenade, ein wenig Ruccola, Babyspinat, frischer Basilikum).

Der ICE nach Frankfurt fuhr mit nur einem statt zwei Zugeteilen ein, Menschen und Gepäck pressten sich in alle Gänge. Doch diesmal war die Stimmung entspannt (ich war sofort bereit, das auf den hohen Anteil Niederländer und Niederländerinnen zurückzuführen), man half mir und meinem Koffer zum reservierten Platz – und beglückwünschte mich freundlich zu meiner Reservierung.

Der Zug fuhr Stop-and-go, die durchsagende Schaffnerin betonte ein ums andere Mal, das sei plangemäß und liege an den Baustellen auf der Strecke. Ich hatte keine Gelegenheit sie zu fragen, woher dann die wachsende Verspätung kam, die schon bald ein Erreichen meines Anschlusszugs in Frankfurt unmöglich machte.

Statt mit 25 Minuten Umsteigezeit erreichten wir Frankfurt zehn Minuten nach Abfahrt meines Anschlusszugs, der den Bahnhof laut DB-App pünktlich verlassen hatte. Da ich jetzt fast eine Stunde bis zur nächsten Verbindung Zeit hatte, sah ich erst mal am geplanten Abfahrtgleis vorbei – und jetzt profitierte ich vom Unglück anderer: Der Anschlusszug stand noch am Gleis. Weil auch er nur halb so lang war wie geplant und auch er dadurch völlig überfüllt, versuchte der Zugchef Passagiere bis zum nächsten Halt Aschaffenburg zum Wechsel in alternative Züge dorthin zu überreden. Mein Glück: Der Wagon mit meiner Reservierung war da, ich kam an einen Platz.

Als wir endlich fuhren, wünschte ein hörbar erschöpfter Zugchef: „So weit es geht, wünsche ich eine angenehme Reise. Ich kann Ihren Unmut zu 100 Prozent verstehen.“ Und er appellierte, den Unmut nicht am Team auszulassen, sie seien ebenfalls Opfer und nicht Verursacher der Umstände. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie sehr die Unbillen, über die wir Reisende maulen, bei den Bahnbeschäftigten ankommen, die als Personal jeden Tag ICE fahren – als wüsste ich an keinem Arbeitstag, ob mein Büro überhaupt steht, in welchen Zustand es sein wird, wie lange ich im Einsatz sein werde. Und das mit der Aussicht, es nur mit verärgerten und übel gelaunten Kunden zu tun zu haben. Doch auch gestern war die Schaffnerin, die unsere Tickets kontrollierte, sichtlich verschwitzt und angestrengt, freundlich und geduldig, lächelte sogar. Meine Bewunderung.

Tausch von drei Wochen PMS-Brustschmerzen gegen Uteruskrämpfe. Plus Springflutmenstruation – in Kombination mit schwankendem ICE kann das dazu führen, dass jemand ein eh nicht mehr besonders appetitliches Zugklo mit angefeuchteten Papiertüchern von Blutspritzern befreien muss. (Too much information? Stellen Sie sich mal vor, wie viel ungewollte Information der Mensch in der Kloschlange nach mir bekommen hätte, hätte ich nicht mit zusammengebissenen Zähnen geputzt.)

Ich las für unsere Leserunde Jakob Arjouni, Kismet, fühlte mich 20 Jahre in die Vergangenheit transportiert.

Endlich Heimatanblick.

In München war es heiß, doch Herr Kaltmamsell hatte durch Verdunkelung und geschicktes Lüften für angenehme Wohnungstemperatur gesorgt.

Für Ausruhen war keine Zeit: Am nächsten Tag zwischen 8 und 18 Uhr würde mein Gepäck für die Reha abgeholt, ich musste also alles zusammenstellen, was ich bereits abschicken konnte (und vorher in den Unterlagen nachlesen, was ich mitbringen sollte). Das war vor allem Sportausstattung, aber auch der erste Schwung Kleidung. Den Rest bringe ich selbst nächsten Dienstag mit.

Abends kam Herr Kaltmamsell von der Abiturfeier seiner Schule zurück und kochte uns Abendessen (Orecchiette mit Tomaten-Gemüse-Sugo, von mir kam der Salat mit Orangensaft-Tahini-Knoblauch-Dressing).

Wir erzählten einander ein wenig von unseren vergangenen Tagen. (Das hätte besser geklappt, wenn wir auswärts Essen gegangen wären, doch wir waren beide zu erschöpft, um das Haus nochmal verlassen zu wollen.)

§

Die taz hat sich mit der legendären Gerichtsreporterin Gisela Friedrichsen unterhalten:
„’Ich war die einzige Frau’“.

Fragwürdige Überschrift, hochinteressantes Gespräch. Unter anderem unterstreicht Friedrichsen, was für mich zu den wichtigsten Erkenntnissen meiner wenigen Schöffinneneinsätze gehört, selbst wenn es nur um kleine Amtsgerichtsfälle ging:1

Vor Gericht spielt sich ein Theaterstück ab, dessen Ausgang niemand kennt. Eingebettet in ein Zeremoniell, werden eine Vorgeschichte, die Tat als Höhepunkt und die Geschichte danach erzählt und dann ist da ja auch noch der Prozess selbst, der ein äußerst dynamisches Geschehen ist. Vor Gericht entfaltet sich ein Entwicklungsroman mit realen Personen, der Einblick in Milieus bietet, zu denen man normalerweise keinen Zugang hat, von der Deutschen Bank bis zum obdachlosen Junkie.

Warum lesen Sie nicht einfach einen spannenden Krimi?

Was mich immer fasziniert hat: Das Recht ist ein scheinbar starres Gebilde aus Paragrafen, Regeln und geregelten Ausnahmen. Und dann erleben Sie die Geschichten der Angeklagten, Zeugen und Opfer und denken: Dafür kann es doch gar keinen Paragrafen geben. Aber das Recht ist in der Lage, das alles so zu sezieren und zu analysieren, dass am Ende meist ein Urteil ergeht, das gar nicht so verkehrt ist.

Geht es vor Gericht um Gerechtigkeit?

Jeder versteht darunter etwas anderes. Wenn es um das Urteil geht, sollte man besser von Verhältnismäßigkeit oder Angemessenheit sprechen.

  1. In Torbergs Tante Jolesch kommt der Begriff „Bassenaprozess“ vor, an den ich oft denken musste. []
die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 27. Juni 2019 – Verschiedene Seiten von Utrecht

Freitag, 28. Juni 2019 um 7:48

Das mit den Wettervorhersagen müssen wir hier aber erst noch üben: Die angekündigten 26 Grad für Mittwoch wurden niemals erreicht, dafür war der gestrige als dauerbewölkt und höchstens 21 Grad frisch angekündigte Donnerstag von morgens an sonnig und wurde immer wärmer bis heiß.

Resultat: Am Mittwoch fröstelte ich im Sommerkleidchen, gestern waren die langen Ärmel zu warm, außerdem verbrannte mich die Sonne ein wenig (ausgerechnet der welke Ausschnitt).

Früh ausgeschlafen aufgewacht. Bloggen dauerte ein Weilchen wegen all der Bilder.
Verabredung auf Morgenkaffee, existenzielle Gesprächsthemen. Ach, ich wünschte, manche hätten es einfacher.

Diesmal hatte ich früher Frühstückshunger: Schon um halb zwölf holte ich mir bei Stach ein Stück Carrot Cake und einen Haferkeks mit Cranberrys, nach ein paar Mitbringseleinkäufen aß ich beides im Hotelzimmer – eher enttäuscht, weil die Gebäcke abgestanden schmeckten (und noch ein paar Stunden aufstießen).

Mein Plan war, das Rietveld Schröderhuis zu besichtigen, das mir die Gastgeber als Klapphaus mit vielen Überraschungen beschrieben hatten. Man kann nur mit einer Führung hinein, die Karten dafür holt man sich im Centraal Museum.

Wieder genoss ich den Spaziergang entlang der Oudegracht.

Im Centraal Museum allerdings die Enttäuschung: Die gestrigen Führungen waren bereits alle ausgebucht. Man bot mir eine für Freitag an, aber da bin ich ja schon wieder weg.

Ich beschloss, trotzdem zum Haus zu wandern, damit ich es wenigstens von außen sehen konnte.

So sind weite Teile des Utrechter Altstadtrings angelegt: Zwei Spuren für Fahrräder, ein Auto breit Autostraße.

Das Rietveld Schröderhuis von 1924, gebaut im Geist von De Stijl (von Rietveld kennt man diesen Stuhl):

Die Klappfunktionen und anderes kann man sich schön auf der Website zum Haus zeigen lassen.

Auf dem Rückweg sah ich noch mehr interessante Architektur:

Kurze Pause am Stadtwall, ich las mein Granta aus. Ich hatte die Jubiläumszusammenstellung aus Geschichten von 40 Jahren interessiert und angeregt gelesen, vermisste aber den einen oder anderen Favoriten. Eine Geschichte, an die ich bis heute immer wieder denke, ist „Alive, Alive-Oh!“ von Diana Athill aus Granta 85 aus dem Jahr 2010. Netterweise steht sie online zur Verfügung, beim Wiederlesen bemerkte ich, wie viel ich ganz anders im Gedächtnis hatte. (Vielleicht denke ich nur so oft an die Geschichte, weil ich das Lied dazu sofort im Ohr habe.)

Spaziergang entlang der Nieuwegracht (schmaler, fast keine Läden oder Cafés, aber auch hier werden die Kellergewölbe genutzt).

An einer Stelle wurde die Nieuwegracht gerade renoviert: Hier sah man die Struktur des Untergrunds.

Der Stadtgraben wurde rege bepaddelt.

Zurück ging ich wieder an der Oudegracht. Mittlerweile hatte ich Hunger, im Supermarkt holte ich mir Joghurt, Nektarinen, Salznüsse und machte im Zimmer Brotzeit.

Im Lauf des Tages hatte ich festgestellt, dass ich nachts für ein paar Mücken ein Festmahl war – dabei hatte ich sogar Autan dabei gehabt, allerdings nicht angewendet.

Den ganzen Tag hatte ich schon Visionen von Salat gehabt, genauer: von griechischem Salat. Zum Abendessen ging ich dann auch zum nächstgelegenen.

Der Wirt kümmerte sich rührend darum, mir einen schönen Platz zu verschaffen. Die studentische Bedienung war nicht so ganz fit und hatte meine Bestellung „with pita bread“ wohl nicht verstanden. War trotzdem ok. Wahrscheinlich Zufall: Die Lokale, in denen ich während meiner drei Tage hier aß, boten keine Salate an (selbst die fleischlastigste bayerische Boaz führt inzwischen mindestens „Salat mit Putenbruststreifen“ auf der Speisenkarte). Allerdings stelle ich immer wieder fest, dass es mir auf Reisen schwer fällt, meinen Gemüsebedarf zu decken, wenn ich keine Ferienwohnung mit Küche habe.

Zum Nachtisch noch ein Steckerleis aus dem Supermarkt (an der automatischen Kasse musste mir ein junger Mann helfen, die Maestrokarte richtig einzustecken, ich fühlte mich hundertausend Jahre alt).

Domtoren auch mal in Postkartenformat und von außen.

Grachthund.

§

„Mordfall Lübcke: Diese Menschen machen die Arbeit, die der Verfassungsschutz nicht macht“.

Sie heißen „Exif“, „Recherche Nord“, „der rechte rand“ oder „NSU-Watch“. Zusammen bilden diese Plattformen so etwas wie das Gedächtnis der Antifa. Und dieses Gedächtnis ist ziemlich gut: Mittlerweile haben sie so viel Wissen über die rechtsextreme Szene in Deutschland gesammelt, dass sogar der Verfassungsschutz bei ihnen abschreibt. Und das, obwohl praktisch alle, die diese Informationen zusammentragen, das auf freiwilliger Basis tun.

§

Mit dem Theodor-Wolff-Preis des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) ausgezeichnet, in der Kategorie „Reportage lokal“:
Maris Hubschmid, „Die Trinker vom Kreuzberger Herrenwohnheim“.

Weil Alkoholismus nunmal eine Krankheit ist. Manchmal unheilbar.
Der Haken: Alkohol wird in unserer Gesellschaft mit Genuss, Geselligkeit und Freizeit verbunden. Ich kann gut nachvollziehen, wenn Menschen auf ein Projekt wie das beschriebene mit Bitterkeit reagieren – weil es sich für sie wie bezahltes Feiern anfühlt.

§

„Meet the young tailor who dresses like a Regency gentleman, every day“.

Ich habe den Herrn gleich mal auf instagram gesucht; hier beantwortet er ein paar häufige Fragen („No, I’m not hot in this“).

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 26. Juni 2019 – Oratie in Utrecht

Donnerstag, 27. Juni 2019 um 9:10

1A Urlaubstag, jederzeit wieder. Vor allem weil die Hitze weg war und den ganzen Tag nicht wiederkam.

Das komplette Öffnen der Fenster und schweren Vorhänge, um die Nachtkühle hereinzulassen, hatte den Preis frühen Tageslichts im Zimmer gehabt. Dennoch schlief ich fast bis acht, unruhig und mit Kopfschmerzen.

Duschen im Bad, das ich mir mit dem Nebenzimmer teilte (von dem ich aber nichts mitbekam).

Nach dem Bloggen machte ich mich auf den Weg zu einem empfohlenen Morgenkaffee.

Der Gang zum Obergeschoß mit den Zimmern.

Da ich mir gestern eh Utrechtgucken vorgenommen hatte, machte ich Umwege zum Café, anschließend spazierte ich den Stadtgraben drei Viertel um die Stadt, wechselte immer wieder die Seite – je nach dem, wo gerade keine Bauarbeiten waren oder überhaupt ein Gehweg. Mir fielen die verschiedenen Stile der Brüstungen auf den Brücken auf.

Ich kam auch an einem der Utrechter Wassertürme vorbei.

An der Mündung der Oudegracht bog ich ab:

Jetzt am Mittag hatte ich Frühstückshunger.

Klo im Kellergewölbe der Oudegracht.

Der Utrechter Bahnhhof und ich hatten noch eine Rechnung offen, also spazierte ich nochmal dorthin.

Durch den Hinweis von Kommentatorin „Andere Franziska“ fand ich im Obergeschoß die Stelle mit den Schaukeln – allerdings abgeräumt.

Auf dem Rückweg zum Zimmer entschloss ich mich spontan, eines der Wahrzeichen Utrechts zu besichtigen: Den Domtoren (Domturm). Das Ticket für die Besteigung mit Führung verkaufte mir in der Tourist Information ein Surferboy, die Führung selbst machte eine freundliche junge Frau.

Ich sah ein Glockenspiel:

Teil 1, die manuelle Bespielung.

Teil 2, die Glocken des Glockenspiels und die Spieluhrrolle zum automatischen Betrieb.

Mächtige Glocken:

Die Glocken von 1505 sind an den Apfelbutzen-förmigen Schwengeln erkennbar,

die aus den 1980ern haben Lutscher-förmige.

Und dann guckte ich runter:

Hier sieht man rechts den Bahnhof.

Und hier unten die Universität.

Genau dorthin in die Aula ging ich nach einem kurzen Frischmachen und Umziehen: Zur Antrittsvorlesung „‚Bridging the Gap‘, or: How to become a Modernist“1 von Prof. Dr. Eva-Maria Troelenberg. Beeindruckende Talare, lustige Hüte (was man beides als Professorin, wie ich erfuhr, gegen Geld auf Lebenszeit ausleiht), hochspannende Vorlesung (und anrührende Einleitung, in der Eva ihren akademischen Weg bis zu diesem Moment skizzierte).

Gratulation, Häppchen (Bitterballen!) und Getränke im angeschlossenen Kreuzgang des Doms.

Es war mittlerweile sonnig geworden, aber lediglich angenehm mild – keine Spur von Hitze.

Abends trafen sich einige von Evas Gästen noch in einem Restaurant an der Oudegracht, angenehmstes Plaudern mit Evas Familie.

Neben den hier omnipräsenten Dohlen (die auf Englisch hooded crows heißen und die ich deshalb vielleicht künftig Kapuzenkrähen nenne) hatte mich morgens durchs Zimmerfenster ein Rotkehlchen angesungen, ich sah und hörte viele Mauersegler, auf den Gewässern gab es Nilgänse und Enten, in der Luft darüber schweigende Seemöven.

  1. Hier stand als Verschreiber ursprünglich ‚Bridging the Gag‘ – was ich wegen BRUAHAHA! fast stehengelassen hätte, dann überwog aber doch der Respekt vor dem Vortrag. Danke an Birgit für den Hinweis! []
die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 25. Juni 2019 – Reise nach Utrecht

Mittwoch, 26. Juni 2019 um 9:48

Gut sieben Stunden Bahnfahrt sind dann doch eine ganze Menge, ich war sehr froh, als ich endlich am riesigen Bahnhof in Utrecht ankam.

Hopfencheck in der Holledau.

Begleitung waren nur mindere DB-Unbillen, also ausgefallene ICE-Teile, die dann doch nicht ausgefallen waren, beide Speisewagen funktionsunfähig (ich hatte eine belegte Semmel vom Bäcker und Cherry Pie von Herrn Kaltmamsell dabei, außerdem zweimal 0,7 Liter Wasser in eigenen Flaschen), ebenso das WLAN, Anschlusszug in Frankfurt mit 20 Minuten Verspätung (ich nutzte sie für ein wenig Herumlaufen und kaufte mir noch eine Cola) und zwei wegen ausgefallener Klimaanlage gesperrten Waggons, versagende Klimaanlage dann auch in dem Waggon, in dem ich saß, auch in diesem Zug kein WLAN. Aber hey: Alle gebuchten Züge fuhren, ich hatte reservierte sowie existierende Sitzplätze, kam mit wenig Verspätung an und musste nicht selbst fahren. Eine Autofahrt hätte mich deutlich mehr gestresst.

Schon in München war es vormittags heiß gewesen, Utrecht empfing mich mit Saharawind. Google Maps leitete mich zum B&B (auch auf diese Kulturtechnik bin ich fortan stolz, denn sie scheint nicht selbstverständlich zu sein: In München hatte mich auf meinem Weg zum Bahnhof kurz vor der Wohnung eine Frau nach dem Weg zur Prielmeyerstraße gefragt. Ich war in meiner Hektik ratlos, die Frau hielt mir ihr Smartphone hin, dessen Display den Weg dorthin anzeigte und 17 Minuten Fußweg zur Adresse berechnet hatte. Sonst helfe ich wirklich gern mit meiner Ortskenntnis und Orientierung, doch ich musste zum Zug und konnte die Frau mit Entschuldigung nur darauf hinweisen, dass die Adresse sicher nicht hier in der Nähe war.), ich kam mit fließendem Schweiß an.

Utrecht charmierte gleich mal auf dem Weg zur Unterkunft.

Oudegracht in die eine Richtung.

Oudegracht in die andere Richtung.

Universität.

Es waren sehr viele Radlerinnen und Radler unterwegs, in Bahnhofsnähe kam ich an einer gigantischen Fahrradparkanlage vorbei, die Straßen und Wege waren ganz deutlich am Radverkehr orientiert – super. Winziger Haken: Als Fußgängerin wusste ich oft nicht wohin mit mir, zu Fuß wird hier eher nicht gegangen. Dummerweise kannte Google Maps die aktuellen großflächigen Baustellen nicht, deren Umleitungen ganz auf den Fahrradverkehr ausgerichtet waren – ich ging einige Mal auf der Straße, weil ich zu Fuß keine Alternative sah.

Mein B&B-Zimmer lag in einem alten Haus über einem Restaurant und war ein Backofen: Man hatte zwar einen Ventilator hinein- und angestellt, aber das Fenster offensichtlich den ganzen Tag weit offen gelassen. Ich setzte mich erst mal vor den Ventilator.

So schwitze ich sonst nur beim Sport – weswegen ich mich vor Sport ja immer abschminke.

Bei der Ankunft hatte ich im Bahnhof keine Schaukeln zum Handyaufladen gesehen. Nach einer Runde Ausruhen und Lesen spazierte ich nochmal dorthin und sah mich ein wenig genauer um (holte mir außerdem eine Tüte Pommes mit Majo zum Abendbrot). Keine Schaukeln. Ich werde fragen müssen.

Abends wurde in der Oudegracht auch geschwommen.

Verabredung mit dem Anlass meiner Reise. Wir saßen wunderschön und in leichter Brise im Hof von De Rechtbank.

Nachts hatte es draußen angenehm abgekühlt, aber mein Zimmer war weiterhin ein Backofen. Ich ließ zum Schlafen den Ventilator erst mal an und hoffte, dass er den Transport kühler Luft durchs Fenster beschleunigen würde.

§

Irgendwo las ich letzthin ein Listicle: 101 Dinge aus dem Internet, die einem den Glauben an die Menschen zurückgeben. Ich hätte hier das 102.
„24. Juni 2019 – was vom Tage übrig bleibt …“

die Kaltmamsell

Journal Montag, 24. Juni 2019 – Gerichtssaal statt Freibad

Dienstag, 25. Juni 2019 um 7:26

Den gestrigen Urlaubstag hatte ich mir ganz anders vorgestellt. Es war ein heißer Tag angekündigt (nachdem ich am Vortag im elterlichen Garten schlagartige Hitze erlebt hatte, zweifelte ich trotz kühlem Morgen – zu kühl für Balkonkaffee – nicht daran), ich wollte im Schyrenbad eine Schwimmrunde absolvieren, mich ein Stündchen sonnen und Musik hören, dann in einem Café am Beginn der Rosenheimer Straße, das beim Vorbeiradeln interessant ausgesehen hatte, frühstücken.

Früh aufgestanden war ich, um Herrn Kaltmamsell vor seinem ersten Arbeitstag nach Ferien guten Milchkaffee zu servieren und mir von ihm den Rücken sonnencremen zu lassen. Bis dahin lief alles nach Plan, auch gemütliches Bloggen, Duschen, Schwimmzeug anziehen und packen hatte ich schon getan, war bereit zum Aufbruch – als das Telefon in meiner Hosentasche vibrierte: Anruf des Amtsgerichts, ihnen war ein Schöffe ausgefallen, ob ich als Hilfsschöffin einspringen könne.

Konnte ich wegen Urlaubs problemlos. Da ich in der Nähe wohne, konnte ich sogar mein Eintreffen in 30 bis 40 Minuten zusagen. Ich zog mich flugs um, schminkte mich, legte Ohrringe an, die ungewaschenen Haare würden wir halt alle aushalten müssen, und radelte an den Stiglmaierplatz zum Amtsgericht. Am Eingang hatte die Anruferin meine Ladung hinterlegt, so kam ich nach Vorzeigen meines Peronalausweises (angestrengter Blick zweier Polizeibeamten, die nicht auf meinen Standardwitz „echt fälschungssicherer Name, was?“ reagierten) ins Gebäude und zum Gerichtssaal. Seit dem Anruf waren tatsächlich nicht mal 30 Minuten vergangen.

Beim Kennenlernen des Falls wähnte ich mich endgültig im Königlich Bayerischen Amtsgericht, an das ich auch vorher hin und wieder hatte denken müssen:1 Er hatte sich auf dem Oktoberfest zwischen zwei Kellnern und einem Gast zugetragen. Diesmal lernte ich unter anderem, dass das Oktoberfest auch in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft und in der Verhandlung „Wiesn“ heißt (die Anklageschrift konnte ich diesmal mitnehmen und archivieren, auch sie erinnerte mich in ihrer völlig alltagsfremden Verquastheit an das Königlich Bayerische Amtsgericht).

Die Verhandlung wurde aus Gründen für 45 Minuten unterbrochen, in denen ich mich mit dem anderen Schöffen in der Kantine ein wenig über unsere bisherigen Erfahrungen austauschte – sehr interessant.

Noch vor ein Uhr waren wir fertig, ich überlegte, wo ich jetzt was essen wollte. Es war tatsächlich sehr heiß geworden, zum Schwimmen war es mir zu spät. Ich begann Hunger zu spüren, nach Hause wollte ich nicht, weil dort noch der Putzmann werkelte. Meine Wahl fiel auf den Liebling Café Puck, innen war es angenehm kühl. Die Kellnerin begrüßte mich wiedererkennend, ich hatte mehr Lust auf Salat denn auf Frühstück.

Zeitung gelesen, Wasser getrunken, den schönen Café-Raum genossen.

Mein Rad stelle ich anschließend in Wohnungsnähe ab, ging für Besorgungen in die Fußgängerzone. Einen Städteführer Utrecht für die Reise ab Dienstag bekam ich auf die Schnelle nicht, hätte ich besser planen müssen. Aber beim Blättern in verschiedenen Niederlande-Reiseführer las ich, glaube ich, schon mal das Wichtigste.
Abends sah ich auf Twitter, dass die sehenswürdigste Sehenswürdigkeit ohnehin nicht in den Reiseführern steht. (Ich werde selbstverständlich fürs Techniktagebuch berichten.)

Daheim erneute Sorge um meinen Rechner: Morgens hatte ich ihn ausgeschaltet vorgefunden, obwohl ich ihn am Vorabend sicher nicht ausgeschaltet hatte. Zudem musste ich den An-Knopf mehrfach lange drücken, bis der Rechner hochfuhr. Jetzt zeigte er mir beim Aufklappen einen schwarzen Bildschirm mit der Meldung in vielen Sprachen, der Rechner müsse wegen „eines Problems“ neugestartet werden. Das wurde er, bevor ich diese Meldung irgendwie sichern konnte, und sei es durch abfotografieren – sie hatte so gar nicht nach Apple ausgesehen. Ein Back-up mit Time Machine hatte ich gerade erst gemacht, dennoch ist mir ausgesprochen unwohl.

Ich begann das Packen für Utrecht (angekündigt ist Hochsommerhitze), unter anderem auf Verdacht Tampons: Ich bin in Tag 47 meines Zyklus‘, hege aber diesmal keine Hoffnung auf Menopause, weil ich seit zwei Wochen wieder höchst unangenehme prämenstruelle Brustschmerzen habe (oder könnte sowas nach Menopause plötzlich Dauereinrichtung bleiben?!).

Herr Kaltmamsell hatte den Nachmittag auf eigenen Wunsch in der Küche verbracht und dort erst eine Blumenkohllasagne zubereitet:

Gerösteter Blumenkohlhack.

Blumenkohllasagne.

Außerdem stundenlang Kirschen aus dem Elterngarten entkernt und zwei Cherry Pies gebacken. Davon gab es ein Stück zum Nachtisch.

Wir konnten Fenster und Türen schon um neun wieder öffnen; da die Hitze noch nicht alle Mauern und Häuser getränkt hatte, sanken die Temperaturen am Abend merklich.

  1. Jaha, ich weiß: Diese Assoziation macht mich älter als es meine grauen Haare je könnten. []
die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 23. Juni 2019 – Grillen bei Elterns

Montag, 24. Juni 2019 um 8:03

Gestern hatten meine Eltern zum Grillen eingeladen (genauer: Sie hatten schon lange darauf hingewiesen, dass wir gerne mal zum Grillen kommen könnten und ich hatte den gestrigen Sonntag ausgesucht), auch die lieben Schwiegers waren angekündigt.

Ich schlief wohlig aus, blickte beim Hochziehen der Rollläden am Schlafzimmer auf nassen Boden und wolkigen Himmel. Für einen Morgenkaffee auf dem Balkon war es deutlich zu kühl. Doch die Wettervorhersage hatte für den nördlicheren Teil Bayerns Sonne und Hitze angekündigt, also kleidete ich mich (zu Herrn Kaltmamsells Verwunderung) entsprechend. Das vage geplante Krafttraining ließ ich bleiben und brachte dadurch Ruhe in die Stunden vor Abfahrt um elf. Statt dessen Wäschewaschen, Körperpflege, Internetlesen.

Der elterliche Garten empfing uns mit Sonne und Rosenpracht.

Die Eltern reichten ein Glas Sekt mit selbst gemachtem Limoncello – eine gefährlich gut schmeckende Kombination.

Bald glühte die Grillkohle, es wurde gegrillt und serviert.

Garnelen mit Knoblauchmajo, Lammkoteletts, dazu eingelegte Auberginen, mit Zwiebeln angemachte geröstete Paprika, Kartoffelsalat, Knoblauchbrot (die letzteren beiden rührte ich aus Furcht vor Überfressung nicht an).

Schweinebauch, Entrecote, Hähnchenflügel – alles köstlich.

Die Kirschen waren reif, ich half beim Pflücken, hier im Baum mit den gelben Kirschen.

(Foto: Papa)
Mein Vater erntete währenddessen im Baum mit den roten. Dieses Jahr hängen die Früchte in unglaublich dichten Büscheln im Baum, sind aber sehr klein (und schmecken, wie wir abends feststellten, nicht so gut wie sonst).

Im Verlauf des Nachmittags, es war schlagartig heiß geworden, kam die Bruderfamilie vorbei, großes Hallo. Meine Mutter hatte eine aufwändige Erdbeertorte vorbereitet, mit einzeln gebackenen Rührteigböden, gehackten Mandeln, Erdbeersahnecreme.

Diesem Prachtstück war nur mit einem elektrischen Messer beizukommen, es schmeckte großartig.

Wir nahmen einen Zug kurz nach sechs zurück nach München – wie viele, viele andere Menschen auch. Ich saß mittelunbequem auf dem Boden in der Tür (Stufe für Füße!), die eine Stunde Fahrt ging das schon. Allerdings begannen jetzt die Stellen zu jucken und schmerzen, an denen mich am Vortag beim Spaziergang die Schnacken erwischt hatten, Stich für Stich.

Hopfencheck in der Holledau.

Dazu Zeitungslektüre: Alex Rühle hatte in der Wochenend-SZ einen ausgezeichneten ganzseitigen Beitrag zur Debatte um das andauernde Primat von Autos in der Verkehrsplanung deutscher Städte abgegeben, leider nur gegen 1,99 Euro zu lesen. Unter anderem spielt er durch, wie es wäre, gäbe es heutzutage als Transportmittel nur Bahn, Schiff, Fahrrad, und man wollte private Autos neu einführen: Bekäme man nie durch, weil komplett bescheuert. Und es war der erste Artikel, den ich in deutscher Sprache gesehen habe, der endlich mal bei Schwärmen vom Modell Kopenhagen die enorme Besteuerung des Neuwagenkaufs erwähnt.

Daheim bügelte ich noch schnell das frisch Gewaschene des Wochenendes weg, dann Tagesschau und Internetlesen mit Kirschen.

§

In ihrer Reihe „Nerds retten die Welt“ hat Sibylle Berg mit Wilhelm Heitmeyer gesprochen, Forschungs­professor, Gründer und ehemaliger Direktor des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewalt­forschung der Universität Bielefeld.

Heitmeyer hat seit 1987 empirische Untersuchungen zu rechts­extremistischen Orientierungen veröffentlicht und wurde seither dafür angefeindet.

Haben Ihre vor dreissig Jahren begonnenen Studien zu irgendeiner Reaktion der Regierung geführt?

In der Regel kann ich sagen, dass die Reich­weite von Wissenschaft doch sehr gering ist. Das gilt vor allem für missliebige Themen, die zeigen, was schiefläuft. Das liegt zum grössten Teil daran, dass alles, was eine Regierung tut, als Erfolg dargestellt werden muss. Da waren meine Forschungen, insbesondere bei konservativen Parteien, immer störend. Also, am besten: ignorieren, zurück­weisen und diffamieren. Damit haben wir reichliche Erfahrungen gemacht.
(…)
Ich kann nicht verhehlen, dass es auch zermürbend sein kann, dass die inzwischen jahrzehnte­langen, empirisch belegten Warnungen vor den politischen Entwicklungen nach rechts in ihren unterschiedlichen brutalen Formen bis hinein in die vornehme «rohe Bürgerlichkeit» immer wieder aggressiv als «Nestbeschmutzung» der deutschen Gesellschaft zurück­gewiesen werden.

Der Sozialforscher beschreibt die menschenfeindlichen Einstellungen in unserer heutige Gesellschaft mit einem Zwiebelmodell.

Die äussere, grösste Schale stellen Bevölkerungs­gruppen mit gruppen­bezogener Menschen­feindlichkeit in ihren Einstellungen dar. Diese liefern Legitimationen für den «autoritären National­radikalismus» wie die AfD. Auch diese liefern wiederum Legitimationen für die system­feindlichen Milieus wie die Parteien Die Rechte, NPD etc., die bereits mit Gewalt hantieren. Dann gibt es die neonazistischen Unter­stützungs­netzwerke wie die gewalt­tätigen «Kameradschaften», die nahe an rechts­terroristischen Zellen platziert sind.

Die neue, größte Gefahr laut Heitmeyer:

Vor allem der «autoritäre National­radikalismus» ist es, der auf der Erfolgsspur wandelt, weil er die «rohe Bürgerlichkeit» hinter sich versammelt und – das ist wichtig und soll hier absichtsvoll insistierend wiederholt werden – auf die zentralen Institutionen dieser Gesellschaft zielt, also Schulen, Parlamente, Justiz, auch Theater, Gedenk­stätten, politische Bildung und Erinnerungs­kultur, Polizei, Medien etc. Das Ziel ist es, sie zu destabilisieren, um mit Hilfe eines autoritären Kontroll­paradigmas gegen die offene Gesellschaft und die liberale Demokratie vorzugehen.

Einfache Gegengifte gibt es nicht mehr.

§

Ein weiterer Grund, warum ich Freunde und Familie in den USA leider nicht besuchen kann: Der US-amerikanische Journalist Seth Harp wollte bei seiner Wiedereinreise in Austin nicht preisgeben, worüber er gerade recherchiert – und wurde deshalb von der Grenzpolizei total auseinandergenommen.
„I’m a Journalist but I Didn’t Fully Realize the Terrible Power of U.S. Border Officials Until They Violated My Rights and Privacy“.

(Lesen Sie gerne mal die Posten eines Einreiseantrags in die USA durch, vor allem die Verzichtserklärung am Ende. Zwar bin ich alt genug, mich an die Schikanen bei einer Einreise in die DDR zu erinnern, aber selbst die verlangten keine Offenlegung von Aliassen/Pseudonymen.)

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 22. Juni 2019 – Egglburger Spaziergang

Sonntag, 23. Juni 2019 um 9:00

Von wegen Urlaubsanfang: Tatsächlich bin ich deutlich weniger erleichtert und euphorisch als sonst. Das hat vor allem damit zu tun, dass Urlaub nur die erste Woche der vier ist und ich dann in die Reha einrücke. Die Aussicht auf die Reha freut mich nicht wirklich, ich sehe sie als eine Aufgabe an – zwar eine deutlich erfreulichere als Arbeitsaufgaben, doch der Tag wird voller Pflichten sein, inklusive der Pflicht zum Umgang mit haufenweise neuen Menschen. Zumindest erhoffe ich mir Zeit zum Lesen und wäge seit Wochen ab, welche Bücher ich mitnehme.

Gestern früh aufgewacht, zu grauem Himmel und Kühle, für den geplanten Wandertag ein gutes Sommerwetter. Die Erkältung schien ein bisschen besser zu sein. Doch als ich Herrn Kaltmamsell die Tour von Kirchseeon nach Aying vorschlug, wurde er vernünftig: 23 Kilometer und fast fünf Stunden seien zu lang, ich sei doch krank. Ich hatte ein Einsehen und schwenkte um von Wanderung auf Spaziergang: Dann halt nur die zehn Kilometerchen von Kirchseeon über den Egglburger See nach Ebersberg.

Vorher eine kleine Einkaufsrunde mit Herrn Kaltmamsell: Ich wollte in einem Möbelladen eine Stehlampe ansehen, die ich online entdeckt hatte, ein Laden in der Nähe stand auf der Liste der ausstellenden. Dort erfuhr ich allerdings, dass ich an der Schriftfarbe der aufgelisteten Läden hätte sehen müssen, dass genau diese das Produkt nicht haben. Also Abzug unverrichteter Dinge aber Grübeln über Informationsvermittlung und Userführung. Einkäufe bei Bäcker und Biosupermarkt, daheim Frühstück.

Kurz nach Mittag nahmen wir eine S-Bahn nach Kirchseeon, als Talisman hatten wir Regenschirme eingesteckt.

Als wir an das Kircherl St. Colomann kamen, flog gerade ein Falke auf den Kirchturm zu und ließ sich darauf nieder.

St. Michael, das über den Egglburger See schaut, war vollständig eingerüstet und -gehüllt, wird gerade saniert.

Auf der anderen Seite des Sees ließen wir uns kurz nieder – nur kurz, weil gestern die Luft voller Stechmücken war (bei mir daheim heißen sie Schnacken), die uns zu ständigem Wedeln und Schlagen zwangen.

Lieblingshaus in Ebersberg („Wurftwaren“, hihi).

Wandern endet auch im Sommer mit einer Brotzeit, ein Spaziergang hingegen mit einem Eisbecher.

Der am Ebersberger Marktplatz war wirklich eine ganze Mahlzeit: Malaga-Caribic-Becher. Das Malaga waren gewürzte Rumrosinen und Rohmarzipanbrocken, auf das Caribic kam ich irgendwie nicht. Danach war ich sehr satt und wollte bitte erstmal eine Weile nichts Süßes mehr.

Marktplatz Ebersberg.

Zurück brauchten wir erst mal Schienenersatzverkehr nach Grafing, von dort S-Bahn zurück nach München.

Abends wieder Gewitter und Regen. Herr Kaltmamsell hatte zum Nachtmahl Kichererbsenbrei für Panisse vorbereitet, das ungemein fluffig und köstlich wurde.

Dazu Mangold mit Haselnüssen aus der Pfanne. Nachtisch waren spanische Kirschen, die ich auf dem Heimweg bei einem Standl an der Sonnenstraße gekauft hatte.

§

E. Jean Carroll, US-amerikanische Journalistin, zieht mit ihren 75 Jahren lakonisch Bilanz der sexuellen Übergriffe bis zu Vergewaltigungen, die sie seit Kindertagen durchmachte:
„Hideous Men“.

By now, Silent Generation aside, the question has occurred to you: Why does this woman seem so unfazed by all this horrible crap? Well, I am shallower than most people. I do not dwell on the past. I feel greater empathy for others than for myself. I do not try to control everything. But mainly, I think it is because I have done the thing no Indiana University football team has ever done in history — I have won a national championship: Miss Cheerleader USA.

(…)

I’m up there, perpetually, eternally, forever in mid-leap, urging the crowd to never lose hope. I was a cheerleader in grade school. I was a cheerleader in high school. My sisters, Cande and Barbie, were cheerleaders; my brother, Tom, was a pole vaulter, so he jumped too. Today I open a letter for my column, I read the question, and what do I do? I start shouting and yelling and cheering at the correspondent to pick herself up and go on. And, by God! The correspondent does pick herself up and does go on! Because if she doesn’t, I keep yelling at her. And every now and then I shout at myself, “Get the hell up, E. Jean! You half-wit! My God! Get on with it!”

Ich könnte kotzen vor Empörung darüber, was für so viele Frauen Alltag war und ist. (Nur zur Sicherheit: Sie sind eine ältere Frau und Ihnen ist sowas – wie mir – nie oder fast nie passiert? Unterstehen Sie sich, das als Ihr Verdienst anzusehen. Sie hatten – wie ich – einfach riesengroßes Glück.)

die Kaltmamsell

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