Journal Samstag, 9. August 2025 – Jenny Erpenbeck, Heimsuchung

Sonntag, 10. August 2025 um 7:41

BEVOR MIR NOCH MEHR ALS DIE BISHERIGEN FÜNF ERST-KOMMENTATOR*INNEN DEN TIPP GEBEN, DASS MAN KI-ERGEBNISSE BEI GOOGLE MIT “-AI” AUSSCHALTEN KANN: DAS HATTE ICH BEREITS VOR WOCHEN HIER IM BLOG EMPFOHLEN. VERSUCHEN SIE BITTE HINZUNEHMEN, DASS ICH EINFACH DAS PHÄNOMEN KI-BLINDNESS BESCHRIEB. SIE SCHAFFEN DAS.
(*macht Fettung rückgängig*)

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Jenny Erpenbeck, Heimsuchung von 2008.

Ein Stück Land im Osten Deutschlands und sein Schicksal im 20. Jahrhundert, inklusive Vorgeschichte, inklusive beteiligten Menschen, inklusive seiner Bearbeitung und Bebauung, vor allem mit einem markanten Haus – so die geniale Grundidee für diesen Roman. Und dann der geniale Titel, der die großen Themen vorgibt: Heimsuchung sowohl aus Gesuchten-, als auch aus Heimsuchenden-Perspektive, dazu das grundmenschliche Suchen eines Heims.

Erzählt wird chronologisch in Kapiteln um je eine Protagonistin, einen Protagonisten. Die historischen Ereignisse im Osten Deutschlands des 20. Jahrhunderts stehen mal angedeutet im Hintergrund, mal weit vorne. Wir erfahren die Geschichte der einstigen Besitzerin dieses Grundstücks am See, dann die des Architekten, der es mit einem sehr besonderen Haus bebaut, ganz nach den kreativen Wünschen seiner deutlich jüngeren Frau. Diese Frau steht im Mittelpunkt eines Kapitels, das die Einladungen und Feste dieses Paars in den 1930ern schildert, ich war sofort drin. Auch das Haus samt seinem sich wandelnden Garten und Ufer wird im Fortlauf der Erzählung immer deutlicher und lebendiger.

Immer wieder war ich sehr angerührt, am meisten von dem Kapitel “Die Besucherin”, das die Gedanken einer alten Frau wiedergibt, Flüchtling, die sich unter anderem ums Fremdsein drehen.

Nur eine Figur kehrt als Kapitelzentrum immer wieder: Der Gärtner, der dadurch immer mehr eine mythologische Figur wird. Als ich mich schon fragte, ob er wohl nie alterte, brach er sich ein Bein und wurde fast schlagartig ein alter Mann.

Die Sprache ist vordergründig einfach. Viele Kapitel enthalten Wortschleifen, sich wiederholende Formulierungen – doch die haben in jedem Kapitel eine andere Funktion: mal imitieren sie Rituale und Gewohnheiten, mal spiegeln sie realistsch Gedankenschleifen, mal lesen sie sich formelhaft und Litanei-artig wie alte Epen.

Immer wieder wechseln die Kapitel fein ihre Erzählmittel, immer aber in Begleitung einer starken impliziten Erzählstimme bei personaler Perspektive. Nur den Gärtner lernen wir nie von innen kennen, konsequenterweise verschwindet er auch irgendwann einfach.

Ich fände interessant, den Interpretationsansatz durchzuspielen, ob wir Deutschen nicht vielleicht gesamt seit der zivilisatorischen Komplettkatastrophe des Dritten Reichs auf der Suche nach einem Heim sind – geografisch (Reisenation Nr. 1), in unserer Zusammensetzung mit vielen Migrant*innen aus unterschiedlichsten Beweggründen, in unserer Selbstdefinition. (Gut möglich, dass das Ergbenis ist: Nee, funktioniert nicht.)

Heimsuchung ist seit 2024 Pflichtlektüre in der gymnasialen Oberstufe (in allen Bundesländern, die am länderübergreifenden Abitur teilnehmen). Ich halte den Roman für ausgesprochen geeignet dafür – doch da in Deutschland unverhandelbar gesetzt ist, dass man jedes literarische Werk hasst, das man in der Schule lesen musste, bedaure ich das auch.

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Neun Stunden guter Nachtschlaf, ein wertvolles Geschenk. Draußen der angekündigte Sommermorgen, noch recht frisch. Die nassen Wochen davor waren so kalt, dass ich mich jetzt energisch ermahnen musste, die aufziehende Hitze mit Rollladen und geschlossenen Fenstern auszusperren, noch löste sie in erster Line wohliges Schnurren aus.

Balkonkaffee! Mit wiedererwachender Hakenlilie und Miniermotten-zerfressenen Kastanien.

Als ich nach Bloggen mit Milchkaffee, Wasserfiltertausch, Kanne Schwarztee, Aufhängen frisch gewaschene Bettwäsche, Morgentoilette spezial fertig war für meine Schwimmrunde im Dantebad, entschied ich mich für Öffis statt Rad: Mittlerweile fürchte ich mich richtig vor den losplärrenden Martinshörnern im Stadtverkehr (zur Sicherheit: Das Problem bin ich, irgendeine Verdrahtung ist in meinem Gehör verrutscht, so heftig reagiert sonst fast niemand darauf; ich kenne nur eine Person, die Ähnliches beschreibt – und das interessanterweise auf Wechseljahre zurückführt), die mich bis ins Mark erschrecken, vom Rad fegen, ruckartig Ohren zuhalten und aufschreien lassen.

Ausgang U-Bahnhof Westfriedhof.

Sehr angenehmes Schwimmen, alle vertrugen sich auf der Bahn, ich fühlte mich stark und zog 3.300 Meter schmerzfrei durch.

Nach Abbrausen, Bikiniwechsel, neu Sonnencremen legte ich mich auf die jetzt wieder saftig grüne Liegewiese. Allerdings ohne Musik auf den Ohren: Meine Kopfhörer zeigten wieder den Trick Spontanentladung-nach-Aufladen-über Nacht. Machte nichts. Zum einen wollte ich eh nicht zu lange in der Sonne bleiben, zum anderen lauschte ich dösend in leisem Wind den Gesprächen um mich herum. Und erfuhr: dass weiter in Torremolinos Urlaub gemacht wird / dass unter manchen jungen Frauen die Tiefe der Bräune noch als Qualitätskriterium eines Urlaubs gilt wie in den 1980ern / dass hispano-hablante Müncher*innen vom Dantebad “en pleno invierno”, also mitten im Winter schwärmen.

Heimfahrt über Semmelkauf, das Thermometer der Marien-Apotheke am Sendlinger Torplatz zeigte im Schatten deutlich über 30 Grad an.

Kurz vor drei gab es als Frühstück eine Dinkelseele mit Butter und Tomate, eine Körnersemmel mit Butter und Hagebuttenmark, Schrumpelpfirsiche (Trocknen statt Nachreifen, es bleibt Glücksspiel).

Herr Kaltmamsell kam seiner erbetenen Pflicht nach, mich an zwei Dinge zu erinnern: Tischreservierung in der Wiener Meierei Ende August (check), ETA für Wanderurlaub in England. Mein erster ETA-Versuch (Electronic Travel Authorisation, nicht etwa Euskadi Ta Askatasuna) war am Scan meines Ausweises gescheitert, diesmal nahm ich wie angewiesen (LESEN!) meinen Reisepass. Fisselig war hier das Einlesen des Chips im Reisepass, nach sechs Versuchen schaffte ich gemeinsam mit Herrn Kaltmamsell auch das. Antrag durchgestanden (Bayern-ID härtet ab), die ETA bekam ich innerhalb von Sekunden per Mail. Und brauche jetzt nichts weiter als meinen Reisepass, alles andere ist laut dieser Mail hinterlegt. In der auch stand “To help us improve the ETA application process, tell us what you thought at: $URL”
“Bloody idiots! You Brexit morons!”, wäre ehrlich, aber unhöflich gewesen und hätte vermutlich nicht als konstruktives Feedback gegolten.

Nachmittag in der angenehm kühlen Wohnung (ab jetzt ist das Hitze-Aussperren wieder organisch – allerdings klemmt seit gestern der Rolladen von Herrn Kaltmamsells Zimmer nach Westen; ich befürchte ein schlimmes Hitze-Einfallstor) mit Zeitunglesen. Besonder gut gefielen mir das Buch zwei über eine Reisegruppe, die in Berlin ihre Bundestagsabgeordnete besucht (“‘Huhu, wie is et?'” – €) und auf der Medienseite das Interview mit ARD-Vorsitzendem Florian Hager über ein Thema, das auch mich seit einigen Jahren umtreibt: Wie die Öffentlich-rechtlichen Medien ihrem Auftrag in einer sich existenziell verändernden Medienwelt nachkommen können (auf der re:publica schon lange eine Dauerbrenner) – “‘Was wir sehen, ist das Ende der Massenmedien'” (€).

Als Zwischenspiel vor dem nächsten 30-Tage-Programm Yoga begann ich wieder eine Pilates-Woche – die gestrige Folge leider beeinträchtigt durch Kreislauf-Turbulenzen inklusive Schweißausbruch.

Besoners köstliches Nachtmahl: Herr Kaltmamsell seriverte die Ernteanteil-Zucchini auf Ricotta mit Haselnüssen. Dazu tranken wir Gin Tonics. Nachtisch Schokolade.

Im Bett die nächste Lektüre: T. Kingfisher, Nettle and Bone – was komplett Anderes, eine nicht-realistische Geschichte in einer magischen Welt.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 8. August 2025 – Sommerlicher Wochenabschluss

Samstag, 9. August 2025 um 9:02

Unruhige Nacht – wie vorhergesehen. Die Stunde vor Weckerklingeln war nur noch Dösen drin, ich stand völlig benommen auf. Anders als gewohnt legte sich diese Benommenheit nicht, selbst auf meinem Marsch in die Arbeit durch Sonne und herrlich frische Sommermorgendüfte torkelte ich fast, richtig verkatert inklusive brennenden Augen (kein Tropfen Alkohol seit Sonntag). Die Luft war aber eindeutig auf der gekippte Seite des Sommers und enthielt Alterungsnoten.

Zum Glück schaffte ich am Schreibtisch genug Zusammenreißen für die letzten anspruchsvollen Lektorat-Jobs, aber dann war die Luft raus: Alles Weitere kostete mich enorm Mühe und Zeit.

Auf einen Mittagscappuccino ins Westend, der herrliche Sonnenschein kündigte bereits Hitze an.

St. Rupprecht hinter Baustelle.

Später gab es zu Mittag Nüsse, Flachpfirsiche, Mango mit Sojajoghurt.

Nachmittags ging es mir langsam ein wenig besser, die Benommenheit nahm ab. Zu meiner Erleichterung erwies sich, dass ich am Vorabend im Biergarten doch nicht von Mücken gefressen worden war (das kann ich meist erst 12 bis 24 Stunden nach Stich beurteilen).

Pünktlicher Feierabend, denn ich war mit Herrn Kaltmamsell verabredet: Wir setzten endlich unser Vorhaben um, gemeinsam das Frischeparadies im Schlachthof gründlich zu erkunden, gestern mit dem Ziel, Abendessen einzukaufen.

Auf dem Weg dorthin (jetzt war es heiß) wurde ich aufgehalten: Eine Radlerin sprach mich an, die sofort richtig einschätzte, dass ich sie nicht würde einordnen können – ich sah zwar, dass ich sie kannte, doch dass wir vor 25 Jahren als Kolleginnen in einer PR-Agentur zusammengearbeitet hatten, musste sie mir sagen. Kurzer Abgleich, was seither geschah, es erwies sich, dass wir seit Jahren nur 200 Meter Luftlinie voneinander entfernt arbeiten.

Im (stark gekühlten) Frischeparadies besichtigte ich mit Herrn Kaltmamsell ausführlich den Inhalte von Regalen, Theken, Kühlschränken (eingemerkt unter anderem die große Auswahl Sobrasada und abgepacktes Fleisch inlusive Wachteln, Fasan, Stubenküken, außerdem gibt es auch hier galicischen Käse Tetilla). Wir waren ausgesprochen diszipliniert und nahmen neben einem Einkaufslisteneintrag tatsächlich nur Abendessen mit: ein mächtiges Côte de Boeuf.

Jenny Erpenbeck, Heimsuchung ausgelesen – mindestens eine Stunde früher als erwartet, denn die letzten 18 Prozent des E-Books stellten sich mal wieder als Vorschau auf einen anderen Roman heraus. Der (also wirklich kurze) Roman hatte mir sehr gut gefallen, ich muss noch eine Weile darüber nachdenken.

Aperitif auf dem Balkon (hurra!), erst zum zweiten Mal in diesem Sommer Aperol Spritz. Gesprächsthema dabei, auf das ich mich sehr gefreut hatte: Erpenbecks Heimsuchung, das Herr Kaltmamsell vor einer kleinen Weile beruflich gelesen und bedacht hatte; wir verglichen unsere Beobachtungen. Nur selten überschneiden sich unsere Lektüren, weil halt sehr unterschiedlicher Lesegeschmack, umso mehr freute mich diese Gelegenheit.

Der Herr kümmerte sich ums Fleisch, ich hatte den Ernteanteil-Salat mit einem Zitronensaft-Knoblauch-Dressing angemacht. Dazu Brot vom Frischemarkt.

(Vor dem Teilen des Fleisches.) Sehr gutes und festliches Abendessen.

Als Nachtisch hatte ich um Vanillepudding gebeten, um das letzte Glas Zwetschgenröster 2024 dazu aufbrauchen zu können – es hat ja bereits die Ernte 2025 begonnen.

Abendunterhaltung eine weitere Folge Mad Men.

Am Vorabend hatte mir auf dem Heimweg ein riesiger aufgehender Mond entgegengeleuchtet, ich freute mich bereits auf seine Beleuchtung meines Schlafzimmers in der wolkenlosen Nacht.

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Schlaglicht im Guardian auf einen Ausschnitt der Welt, über den ich mir bislang keine großen Gedanken gemacht habe: Das Leben alter Frauen in Westafrika.
“‘Well, no, you don’t have to have children’: what African women over the age of 60 have learned about life”.

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Unbeachtete Heldinnen, Teil ganz viel: Edythe Eyde gab 1947 als 25-jährige Sekretärin bei RKO Radio Pictures in Los Angeles heimlich Vice Versa heraus, eines der ersten Lesben-Magazine.
“Meet the 1940s secretary who used office time to produce the first lesbian magazine”.

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“Da Sta” ist nicht der einzige.
“Warsteiner forscht zu Obelisk mit NS- und Zwangsarbeiter-Geschichte”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 7. August 2025 – Sonnenschein macht alles besser

Freitag, 8. August 2025 um 6:36

Zu früh aufgewacht, aber den Tag über nicht darunter gelitten.

Das Wetter richtete sich nach der Vorhersage, zu meiner Freude konnte ich mein neues Kleid tragen (sehr schlecht fotografierbar, weil dunkelstes Blau). Auf dem Marsch in die Arbeit bekam ich blauen Himmel und Sonnenschein – sowie kalte Zehen in den Sandalen, auch die 12 Grad Morgentemperatur entsprachen der Vorhersage.

Im Büro legte ich noch zackiger los als erwartet, Menschen hatten nachts gearbeitet und mir Jobs geschickt. Dann geplante Arbeit, weiter im lehrreichen Lektoratsprojekt: Atomfallen-Quantencomputer! Gattergüten! Optische Pinzetten! Großapertur-Pockelszellen! Ich kapierte NICHTS, war aber von ALLEM begeistert! Gleichzeit musste ich allerdings Querschüsse auffangen, war deshalb sehr erleichtert, dass mir mehr Luft im Korrektoratsprojekt angekündigt wurde als zunächst bemessen.

Also setzte ich fröhlich mein Mittagspausenprojekt um: Espressobohnenkaufen plus Cappuccinotrinken im Caffe Fausto. U-Bahn zum Candidplatz, Spaziergang nach Süden.

Guter Cappuccino, der Auer Mühlbach rauschte dazu.

Zurück im Büro ackerte ich erst den nächsten Brocken weg, bevor ich zu meinem Mittagessen griff: Renekloden und Mirabellen, Muesli mit Joghurt. (Und keine Gurke, weil ich die schon wieder daheim vergessen hatte.)

Nach Jahrzehnte-lang geübter Banner Blindness entwickle ich jetzt KI-Blindness: Bei schneller Google-Suche sehe ich den ersten Absatz gar nicht.
(Wohl lediglich eine Erweiterung der “Gesponsert”-Blindness. Bald klicke ich automatisch auf die zweite Seite Suchergebnisse.)1

Der ausgesprochen produktive Arbeitstag machte mich froh, doch an seinem Ende fühlt ich mich auch ganz schön durch. Dass ich seit Weihanchten lediglich zweimal eine Woche Urlaub hatte, von denen nur eine als Erholungsurlaub durchgeht (die zweite war re:publica), mag dann doch Auswirkungen haben. Für Wien Ende August habe ich bislang eine lange Liste Ideen und Wünsche, aber noch kein Programm – vielleicht kriege ich das mit Jeden-Tag-nur-eine-Sache (Erholungsrat von Herrn Kaltmamsell) doch mal hin? Im Moment bin ich allerdings wieder an dem Punkt, an dem ich mich weder auf Wochenenden noch auf Urlaube wirklich freue: Danach muss ich ja doch zurück in die Arbeit.

Partyprogramm der Woche (Lerchenlauf und gestriger Mittagsausflug zählen auch dazu): Gestern traf ich mich nach Feierabend mit einer früheren Mitschülerin (loser Kontakt seit ein paar Jahren) im Biergarten, und zwar in dem am Bavariapark.

Guter Schweizer Wurstsalat, dazu alkoholfreie Radler.

Wir kamen länger und tiefer ins Gespräch, als ich vorhergesehen hatte (eine ganz eigene Art Verbindung, da wir viel gemeinsame Basis hatten, aber dazu ein paar Jahrzehnte völlig unterschiedliche Lebenswege), während durch die Kastanienblätter die Abendsonne immer dunkler gold wurde – und ich nach einer Weile merkte, dass ich nicht nur Abendbrot aß, sondern auch war (der viele Regen und jetzt plötzlich Sonne und Wärme auf die Pfützen): Ich werde heute wahrscheinlich wieder zur Großpackung Mückenstichgel greifen müssen.

Nach Hause spazierte ich ein Stück zusammen mit meiner Verabredung, wir wohnen nahe beieinander. Daheim traf ich auf einen noch wachen Herrn Kaltmamsell, bereitete noch schnell meine Brotzeit für den Freitag vor. Und machte mich nach den vielen menschlichen Eindrücken des Abends auf eine unruhige Nacht gefasst.

  1. Mal sehen ob ich jetzt hier auch wie auf Mastodon Tipps für Suchmaschinen-Alternativen bekomme – von Menschen, die sich offensichtlich keine Arbeitsumgebung vorstellen können, in der sowas nicht frei wählbar ist, schon gar nicht auf die Schnelle. Weil das alles mit Linux nicht passiert wäre und man selbst schuld ist, wenn man eine andere Textformatierungssoftware benutzt als LaTeX. []
die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 6. August 2025 – Pfützenlauf

Donnerstag, 7. August 2025 um 6:17

Schon vor fünf aufgewacht, aber das nach tiefem Schlaf, außerdem wollte ich eh den angekündigten wolkenarmen und hellen Morgen für einen Isarlauf vor der Arbeit nutzen.
Verdutzung, als ich die Augen aufschlug: Das große Isolierglasfenster meines Schlafzimmers war blind mit Kondenswasser (später stellte sich heraus: auch zwei Fenster im Wohnzimmer).

Der Himmel war nicht ganz so frei wie erhofft, doch als ich um sechs startete, bekam ich genug Tageslicht – was umgehend die Hoffnung auf einen weiteren Lerchenlauf nächste Woche weckte.

Ich lief gut und froh, der Körper spielte mit. Der besondere Anblick gestern: Dunstfetzen über den Wiesen, Spiegelungen in den großen Pfützen.

Der Morgen wurde immer schöner, ich marschierte unter strahlend blauem Himmel und in kühler Luft in die Arbeit. Die Wettervorhersage verspricht ab jetzt mindestes eine Woche Sommer.

Alles muss man selber machen. (Dank an @giardino für den Hinweis!)

Emsigkeit am Schreibtisch, ich lernte beim Korrekturlesen viel.

Mittagscappuccino mit Kollegin bei Nachbars (von ihr lernte ich eine Menge über Wacken): Nachdem es am Vortag überraschend warm geworden war, blieb es gestern kühl.

Später gab es als Mittagessen Banane, sehr reife Renekloden (die Herr Kaltmamsell auf meine Bitte gesucht und gekauft hatte), Quark mit Joghurt.

Nachmittag mit mehr Korrekturlesen, das hohe Konzentration erforderte. Doch ich hatte genug Energie, um mich über das Sonnenlicht draußen zu freuen.

Mittelspäter Feierabend, über Lebensmitteleinkäufe beim Vollcorner nach Hause. Dort stellte ich fest, dass ich keine Lust auf die recherchierte Folge Pilates hatte; statt dessen Wäscheaufhängen, Blumengießen (und Wegwerfen einer über die Monate immer hässlicheren Weißlilie), Brotzeitvorbereiten.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell LINSEN!

Und zwar mit selbstgemachtem Pesto (Ernteanteil-Basilikum), spanischen Familienzwiebeln, Knoblauch (Ernteanteil), Champignons, gebratener Ziegenrolle – super.

Nachtisch erstmal Obst: Herr Kaltmamsell hatte es ungeplant vom Viktualienmarkt heimgebracht – man hatte ihm einfach was zum Probieren hingehalten, und das schmeckte SENsationell (Renekloden, Mirabellen, Rosé-Trauben) – wie bei so Schulhof-Dealern. Dann noch Schokolade.

Abendunterhaltung: Die zweite Folge Mad Men auf Arte.

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Nachgespielt: Wie jemand Social Media leider kennenlernte, der erst in den vergangenen zehn Jahren dazugekommen ist.

via @nicolediekmann (die sich schon so lang im Web rumtreibt, dass sie es auch noch anders kennt)

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It’s not coming, it’s here. … We do now live in a country that has an authoritarian leader in charge. We have a consolidating dictatorship in our country.

Rachel Maddows melodramatischer Aufruf, es nicht als Melodramatik abzutun.

Ein Effekt von Trumps Taktik “Flood the zone with shit” ist ja, dass man (ich) dazu neigt, all den bescheuerten Blödsinn, den er täglich von sich gibt, als – bescheuerten Blödsinn abzutun. Aber Rachel Maddows belegt, dass die USA sich tatsächlich immer weiter auf diesen autoritären Anführer ausrichten.

This is not going to fix itself.

via @niggi

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 5. August 2025 – #WMDEDGT

Mittwoch, 6. August 2025 um 5:41

Fünfter der Monats, Frau Brüllen fragt wieder “WMDEDGT?” (“Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?”). Und hier sammelt sie die Antworten.

Nach gutem Schlaf so richtig vom Wecker geweckt worden. Beim Finalisieren des gestrigen Blogposts über Milchkaffee und Wasser sah ich den (recht willkürlich gewählten) Ausschnitt aus “Mortadelo y Filemón en Alemania” genauer an: Dass die Geschichte reichlich nationale bis rassistische Stereotype enthalten würde, war mit von vornherein klar gewesen, doch diese konkrete Darstellung der türkischen Einwanderer in Berlin wunderte mich erstmal. Bis mir einfiel: Hätte man das deutsche Stereotyp für türkische Gastarbeiter gezeichnet, wäre es für die spanische Leserschaft nicht erkennbar gewesen. Die Figuren hätten auf sie am ehesten wie stereotype gitanos gewirkt. Nationale Stereotypen in verschiedenen Kulturen unter besonderer Berücksichtigung ihrer Cartoonifizierung – schönes Forschungsgebiet.

Übliche Arbeitsmorgenroutine: Reinigung Cafetera, Bettmachen, Kleidung rauslegen, Zeitung aus dem Briefkasten holen, Bank- und Seitstütz, Zähneputzen, Duschen, Cremen, Schminken, Anziehen, Abschied von Herrn Kaltmamsell (der gerade Ferien hat und um diese Zeit noch daheim war, sonst hätte er sich bereits während meiner Bankstützerei verabschiedet).

Kleidung abgestimmt auf kalte Sommertage, für den Weg zusätzlich eine Jeansjacke.

Auf meinem Marsch in die Arbeit schien die Sonne und produzierte angemessene Augustfarben.

Nachricht vom Tod eines meiner früheren Mathe-/Physiklehrer (der meinen Jahrgang unter anderem auf der Griechenland-Studienfahrt begleitete), sie machte mich traurig. (Spitzname Charly – 2010 bloggte ich über den Umstand, dass Lehrer an meinem Gymnasium Spitznamen hatten, das aber anscheinend nicht allgemein üblich war und ist – ich empfehle dringend die Lektüre der vielen Kommentare mit Lehrerspitznamen und ihren Geschichten.)

Zwischen zwei Terminen huschte ich zur nächstgelegenen Apotheke, um die Rezeptmedikamente vom Vorabend abzuholen. Ich brauchte in kurzen Ärmeln bereits keine Jacke mehr.

Auch der Weg zu Mittagscappuccino und Obsteinkauf anderthalb Stunden später war herrlich sonnig und warm.
Mittagessen: Banane, Pfirsich, Muesli mit Joghurt.

Nachmittags zog der Arbeitsdruck an und der Himmel zu, aber es blieb freundlich. Neben Arbeitsdingen eine Verabredung für Donnerstagfeierabend glattgezogen.

Als ich das Bürohaus zu Feierabend verließ, schien gerade wieder die Sonne. Es war überraschend warm, meine Jeans fühlte sich viel zu dick an.

Doch schon auf meinem Heimweg ohne Umwege dräuten Wolken dunkelst. Zu Hause räumte ich, bügelte zwei Kleidungsstücke für die angekündigten Sommertage – und jetzt goss der Regen mit voller Kraft los. Das tat er auch während meiner Yoga-Gymnastik (diesmal turnte ich die Abschlussfolge des 30-Tage-Programms von Adriene mal, doch das lasse ich künftig wieder, ist sehr unbefriedigend).

Herr Kaltmamsell war einer Postsendung nachgegangen, die mich nicht erreicht hatte und die abgeholt werden musste: Die Unterlagen zu meiner Oktoberfestflucht-Wanderung in Südengland. Die organisierende Agentur in UK hatte mich bereits darauf vorbereitet und so war es dann auch: Der Großbrief nur mit Papier kostete Zoll, Herr Kaltmamsell löste ihn für 12,22 Euro aus. Danke für nichts, Brexit.

Das Nachtmahl, das Herr Kaltmamsell servierte, räumte den Ernteanteil auf: Zuchini gebraten und eingelegt als Antipasto, Fenchel als Schiffchen gefüllt und überbacken, Lauch nach Jamie Oliver ungefähr so. Alles sehr unterschiedlich, alles köstlich. Nachtisch Kekse und Schokolade.

Es regnete immer noch heftig.

Abendunterhaltung: Arte bietet die Epoche-machende TV-Serie Mad Men über die Werberszene in New York in den 1960er in der Mediathek an, sogar im Original! Wir guckten die erste Folge, ich war angetan.

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Nina Sternburg in der Zeit, warum uns das Kaputtgehen von Dingen zu besseren Menschen macht.
“Dieser Txt ist kaputtt”.

Gehring ist Professorin für Philosophie an der Technischen Universität Darmstadt und beschäftigt sich unter anderem mit dem Verschleiß, der Zerstörung und Transformation von Körpern und Dingen im technischen Zeitalter. Mit dem Kaputten kennt sie sich also aus. In der Philosophie des Kaputten unterscheidet sie zwischen alter (Heideggers Türklinke) und neuer Technologie. “Technikphilosophisch betrachtet ist das Kaputte interessant, weil daran das Wesen der Technik deutlich wird. Optimale Technik nehmen wir gar nicht mehr als solche wahr, sie wird zur Infrastruktur. Unspürbar soll sie leisten, was wir wollen. Neue Technologien verhalten sich hingegen anders. Sie exponieren sich selbst. Das Kaputte entlarvt beides. Die Wowigkeit der neuen Technologien und die Unauffälligkeit der Alten.”

(…)

Kaputte Fassaden haben den Vorteil, dass man hinter sie blicken kann. Das gilt für eigene ebenso wie für jene der Außenwelt. Schon der persische Gelehrte und Dichter Rumi soll im 13. Jahrhundert gesagt haben: Durch den Riss dringt das Licht ein. “Ja, das kann man so sehen”, meint Professorin Gehring. “Aber manchmal ist so ein Riss auch einfach Mist.”

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Weil’s mich überraschte – und weil es für die Einschätzung von Zukunft der Raumfahrt relevant ist:
Wie weit der Mond von der Erde entfernt ist.

via hmbl.blog

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Heutige Herzerwärmung:
“Engineer restores pay phones for free public use”.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 3. August 2025 – Montagshighlight Einkäufe

Dienstag, 5. August 2025 um 6:31

Aufgewacht ein wenig pässlicher als am Vorabend, aber immer noch etwas wacklig. Keineswegs zu wacklig für Arbeitsfähgkeit, also packte ich die letzte von sieben erbarmungslosen 5-Tage-Wochen in Folge an. Mein Bauch fühlte sich immer noch komisch an, er gluggerte und rauschte, ich erklärte meine gewohnte Appetitlosigkeit bis Mittag für ideal passend.

Das Draußen startete gestern mitteldüster und kalt, ich marschierte in warmen Schuhen, dicker Hose, langen Ärmeln und Jacke in die Arbeit. Allerdings leichtsinnigerweise ohne Schirm: Diese Regenpause hielt nur auf der ersten Hälfte meines Arbeitswegs, dann wurde ich feuchtgetröpfelt. Ab dann regnete es friedlich und mit wenigen Unterbrechungen bis zum Nachmittag durch.

Urlaubszeit Schmurlaubszeit: Wenn Leben und Arbeit eh deckungsgleich sind, macht das keinen Unterschied, ich musste also wieder erstmal mein freies Wochenende nachholen. Das Ganze den Vormittag über begleitet vom Warnsirenen-Jodeln, das von den S- und Regionalbahngleisen hinter dem Bürogebäude hertönte: Es wurde wohl gebaut, gewartet (also im Sinne von Pflege, nicht von herumstehenden Passagieren wie sonst bei der Bahn erwartbar, hahaha) und repariert.

Trotz aller Bauch-Samba ging ich auf einen Mittagscappuccino ins Westend, hatte auch richtig Lust darauf.

Später hatte ich Hunger und aß Quark mit Joghurt sowie überreife Nektarinen und Flachpfirsiche. Der Bauch kam damit zurecht.

Am Nachmittag überraschte mich ein Arbeitsproblem. Ich schaffte es, nicht meinen ersten Lösungsimpulsen zu folgen, sondern erst zu recherchieren und eine E-Mail an die eigentlich zuständige Stelle mit Bitte um Rat aufzusetzen (abgeschickt wird am nächsten Morgen, damit mein Hirn Zeit für weiteres Durchdenken und Verarbeiten im Hintergrund hat).

Nach Feierabend U-Bahn-Fahrt zum Odeonsplatz, um in einer Arztpraxis ein Rezept zu bekommen. Die Website dieser Praxis bot in den vergangenen drei Jahren nach und nach immer weniger (!) Information, mittlerweile stehen dort neben Anschrift nur noch die Zeiten telefonischer Erreichbarkeit – und während diesen war gestern bei neun Anrufen jedesmal besetzt. Also sah ich selbst nach, ob die Praxis offen war. War sie, meine Rezepte wurden zum Abruf in der Apotheke hochgeladen.

Anschließend kaufte ich in der touristischsten Innenstadt noch ein vorher recherchiertes Geschenk für Herrn Kaltmamsell: Er trinkt seinen Kaffee ja vor allem tassenweise aufgebrüht, und um Filterpapier zu sparen und damit nicht so viele ätherischen Öle des Kaffeepulvers im Papier hängenbleiben, besorgte ich einen Dauerfilter aus Metall. Ursprünglich war das meine Idee für ein Geburtstagsgeschenk gewesen – aber da er doch die nächsten Wochen Ferien hat und sich daheim sicher täglich mindestens eine Tasse Kaffee aufbrühen wird, sein Geburtstag aber erst nach den Ferien ist, entschied ich mich zum sofortigen Schenken.

Jetzt bog ich noch in den Bekleidungsladen COS ab, um nach einem Kleid zu sehen, das mir vor Wochen in der Werbung gut gefallen hatte. Gefiel mir auch in Echt, stellte sich als 100 Prozent Baumwolle heraus (gut!), doch beim Anprobieren saß es nicht richtig. Eine andere Kundin in der Umkleide bewunderte das Kleid an mir, riet aber zu einer kleineren Größe – und hatte recht. Kleid gekauft.

Daheim stellte sich heraus, dass auch Herr Kaltmamsell ein Geschenk für mich hatte:

Er hatte einen Sammelband Mortadelo y Filemón aufgetrieben, der unter anderem “Mortadelo y Filemón en Alemania” enthielt (ich reiche ihn nach dem Lesen weiter, lieber Papá, lieber Bruder). Das Schild “Pellejen Platz” auf dem Foto ist ein schönes Beispiel: Im Spanischen imitiert man Deutsch, indem man spanische Wörter mit der Endung -en versieht, also zum Beispiel “beberen”, “comeren”, “pagaren”. Brüller.
(Und pellejo heißt Trunkenbold.)

Eine Runde Yoga-Gymnastik, zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell aus den Hühnerinnereien vom Samstag eine Sauce gekocht, er servierte Nudel damit. Ich machte dazu den restlichen Ernteaneil-Salat mit Haselnussmus-Dressing an, sehr gut. Nachtisch Käsekuchen und Schokolade.

Neue Lektüre aus der Münchner Stadtbibliothek: Jenny Erpenbeck, Heimsuchung. Fing gut an, nämlich mit einem Prolog, bei dem ich mich gleichmal bremsen musste: Ich hatte mit Lesetempo auf Handlung begonnen, doch hier ging es um jeden Satz – in einer guten Art! (Bin immer noch sauer, dass ein ungelenker Mist wie der von Jasmin Schreiber einen Verlag findet und viel bessere Manuskripte nicht, weil sie halt gerade nicht ins Programm passen oder Lektor*innen keinen Markt sehen.)

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 3. August 2025 – Wintergrillen im Hochsommer

Montag, 4. August 2025 um 6:28

Erholsame Nacht, beim Aufstehen regnete es gerade nicht mit fast schon hellem Himmel.

Ich war mit Herrn Kaltmamsell zu Familiengrillen bei meinen Eltern in Ingolstadt eingeladen, meine Mutter hatte das als sicher angesagte Scheißwetter für irrelevant erklärt. Gestartet wurde ein wenig später (die Bruderfamilie hatte sich nach einer großen Hochzeit am Samstag Ausschlafen erbeten), das verschaffte mir Zeit für einen Isarlauf, zur Zeitersparnis die Strecke direkt ab Haustür über Alten Südfriedhof nach Thalkirchen und zurück. Da der Regenradar in diesem Zeitraum kein Regengebiet vorhersagte, verließ ich das Haus barhäuptig und ohne Regenjacke. Ich war offensichtlich nicht die einzige, die sich an dieser Wetterprognose festhielt, das Läufer*innenaufkommen war überraschend hoch.

Stephansplatz

Übergang von altem zu neuem Teil des Alten Südfriedhofs.

Die Isar hatte sich trotz anhaltendem Regen beruhigt, kein Hochwasser mehr.

Das Laufen strengte mich an, weil mein gesamtes Becken schmerzte, inklusive daran aufgehängter Lendenwirbelsäule (nicht aber die Hüftgelenke, verstehe jemand diesen Körper!). Aber ich freute mich an Luft, Licht und Bewegung.

Erst im letzten Drittel erwischte mich ein Regenduscher zwischen Flecken blauem Himmel.

Nach dem Heimkommen zeigte der Regenradar den Hintergrund des kurz getakteten Wechsels zwischen Regen und Sonne an.

Screenshot von Wetter online.

Mir fielen immer mehr Aspekte an Grete Weils Tramhalte Beethovenstraat ein, die den Roman kunstfertig und lesenswert machten – vor allem unglaublich dicht auf gerade mal 240 Seiten. Ich plapperte sie an Herrn Kaltmamsell hin, er lieh sich das E-Book schließlich von mir aus.

Unter Regenschirm zum Hauptbahnhof, wir erreichten Ingolstadt mit Verspätung. Dort freudiges Wiedersehen, alle drei Nifften waren nach ihrem Urlaub in Kastilien noch da und nicht an ihre neuen Wohnorte gezogen. Meine Eltern hatten die Grillerei auf der Terrasse aufgebaut, den Tisch aber im warmen, trockenen Drinnen gedeckt: Wintergrillen im Hochsommer.

Es gab köstliches Essen (bei mir vom Grill Seehecht, Maiskolben, Hähnchenflügel, fränkische Bratwurst, aus dem Ofen Lammschulter, dazu Kartoffelsalat und eingelegte rote Paprika) mit Aperol Spritz vorher, Rotwein dazu, Espresso und Melone danach. Dazu erfuhr ich unter anderem Details des Spanien-Urlaubs (inklusive herzerwärmende Fotos), Details aus der Kantine des Deutschen Bundestags, Berichte über die Familienhochzeit am Vortag.

Die Familie auf dem kastilischen Dorf hatte uns Naturalien mitgeschickt: Aus eigenem Anbau Zwiebeln und Knoblauch, außerdem süßes und scharfes Paprikapulver sowie Safran. Und einen lieben Brief. <3

Zum Bahnhof für unsere Heimfahrt kamen wir sogar trocken, wirkliche Wetterbesserung ist aber erst für Mitte der Woche angekündigt.

Auf der Hin- und Rückfahrt las ich in meiner nächsten Lektüre: Jasmin Schreiber, Marianengraber. Doch dieser Roman in Form einer Ansprache von Paula an ihren verstorbenen kleinen Bruder erwies sich als Missgriff: Eine Aneinanderreihung von Floskeln (“mir schlug das Herz bis zum Hals”) Klischees und Allgemeinplätzen, Flughöhe deutscher Fernsehfilm. Ich glaubte fast nichts und niemand davon, und definitiv nichts und niemand interessierten mich. Nach einem Drittel brach ich ab – meine Wunschleseliste ist zu lang, als dass ich mich mit uninteressanten Büchern aufhalte (selbst wenn ich einrechne, dass es jeder Roman nach Grete Weil schwer hat). Es hätte mich misstrauisch machen müssen, dass in der Münchner Stadtbibliothek beide vorhandenen Exemplare verfügbar waren.

Zu Hause war ich immer noch sehr satt, das Abendessen ließ ich ausfallen, eigentlich war mir sogar nicht gut. Auf Arte kam der herrliche Grand Budapest Hotel von 2014: SO viele liebevolle Details, sensationelles Schauspieler*innenaufgebot, großartige Musik. Dennoch ging ich leicht unpässlich früh ins Bett, um mich pässlich zu schlafen.

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Herzerwärmung gefällig? Ich empfehle diese Bio-Achterbahn.

die Kaltmamsell