Journal Montag, 26. Januar 2026 – Wintermatsch

Dienstag, 27. Januar 2026 um 6:24

Steigende Temperaturen hatten über Nacht aus der Schneedecke Matsch gemacht. Ich marschierte unwillig in leichtem Regen in die Arbeit, die pampige Scheußlichkeit des Wetters konnte nicht durch den Umstand ausgeglichen werden, dass es um diese Zeit nicht mehr finster war.

Auch dieses Jahr fühlt sich der Januar endlos an, einen ganzen Winter lang. Interessanterweise bleibt das auch dann so, wenn ich mir das bereits am Anfang des Monats vor Augen halte und mich nicht mehr davon überraschen lasse.

Im Büro stellte ich fest, dass die Schneestiefel, mit denen ich noch nie richtig glücklich war, auch noch Wasser reinlassen: Meine Strumpfhosenspitzen waren nass. Obwohl sie noch tiptop aussehen, nehme ich das vier Jahre nach Kauf als Erlaubnis für Wegwerfen und Ersetzen.

Geordneter Arbeitsbeginn, nichts Schlimmes unter den E-Mails im Postfach.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, in dieses greisliche, dunkelgraue Gematsche wollte ich nicht raus.

Zu Mittag gab es Rote-Bete-Salat und eine doppelt dicke Scheibe selbstgebackenes Brot (für Weizenmischbrot auch am dritten Tag überraschend saftig).

Mühsamer Nachmittag, meine Laune wollte sich einfach nicht aufhellen.

Nach Feierabend nahm ich eine U-Bahn zum Odeonsplatz, die wärmeren Temperaturen hatten den Schneematsch weitgehend weggeschmolzen. Erster Programmpunkt: Mehlkauf im Hofbräuhausmühlenladen, Weizenmehl 00 und 405, Roggenmehl 1370. Zweiter Programmpunkt: Eine durch Erstwäsche untragbar gewordene Jeans zu COS zurückbringen. Ich erwartete nicht etwa Entschädigung (Kauf am 14.1.2025 und eh keinen Kassenzettel aufgehoben), sondern wollte in erster Linie den Hersteller informieren sowie die Hose entsorgen. Mir wurde aber gleich Erstattung angeboten – allerdings gab das System nur den Sonderangebotspreis her, zu dem die Jeans im Moment verkauft wird. Betrug immer noch mehr als die Hälfte des Kaufpreises, ich war sehr einverstanden und sehe den nicht erstatteten Teil als Miete fürs Tragen bis zur ersten, verheerenden Wäsche.

Auf dem Heimweg kaufte ich im Kaufhaus noch Strumpfhose und bunte Sonderangebotssocken.

Daheim eine längere Yoga-Folge, anstrengend und in großen Teilen für mich nicht mal ansatzweise machbar: Zum Beispiel werden beim Z-Sitz meine Sitzbeinhöcker in diesem Leben nie beide den Boden berühren. Oder werde ich dabei aufrecht sitzen können. Vielleicht kamen diese Haltungen absichtlich gerade in der Folge “self love” vor – weil Leute wie ich dabei so schön mit dem Kampf gegen self hate beschäftigt sind.

Als Nachtmahl gab’s gesammelte Reste: Kopytka mit Sauce vom Sonntag, Quiche vom Samstag, außerdem Käse, Oliven, Essiggurken. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

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Warum es wichtig bleibt, Nachrichten aus unterschiedlichen Medien zu holen: Dass ein Zyklon Harry vor einer Woche an der italienischen Mittelmeerküste gewütet und zerstört hat, “schlimmster Wintersturm seit Beginn dieses Jahrhunderts”, war mir über all dem Davos-Geschrei komplett durchgerutscht. Erst in der taz las ich:
“Ein zweitrangiges Klimadesaster”.

Der Zyklon zog eine 100 Kilometer lange Spur der Verwüstung an der Ostküste Siziliens von Messina über Catania bis nach Syrakus, und er schlug auch an der Küste des Ionischen Meers in Kalabrien ebenso wie in Sardinien zu.

Die am Meer entlanglaufenden Eisenbahnlinien sowohl Kalabriens als auch Siziliens sind unterbrochen, an diversen Orten schweben die Gleise in der Luft, da das Meer den tragenden Damm unter ihnen weggerissen hatte. Weggerissen fanden sich auch Straßen ebenso wie jene Häuser, die zum Meer hin in der ersten Reihe standen.

§

Die Verfilmung von Helen Macdonalds besonders wundervollem Buch H is for Hawk kommt gerade in die Kinos. Im New Statesman schreibt sie über:
“What it’s like to be played by Claire Foy”.

Ich habe keinerlei Interesse den Film zu sehen, dazu lebt Helen Macdonalds Buch für mich zu sehr von Buchstaben, und ich möchte meine Version in Kopf und Herz behalten. Aber mich interessiert sehr der Prozess, ein Buch in einen Film zu transformieren.

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Bislang kalkulierte ich die Möglichkeit ein, dass das Lustigmachen in der englischsprachigen Welt über unser1 Durchlüften im Grunde ein Scherz ist, weil: Hin und wieder frische Luft in Zimmer zu lassen, ist ja wohl ein no brainer? Stellt sich heraus: Die meinen das Lustigmachen ernst.
“House burping: should we all adopt this German habit?”

  1. Ich bin nicht sicher, wen das alles einschließt – hat jemand eine schöne geografische Darstellung der Lüft-Regionen weltweit? []
die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 25. Januar 2026 – Erneute Winterrunde, Beifang aus dem Internetz

Montag, 26. Januar 2026 um 6:23

An diesem Wochenende bekam ich kein Ausschlafen geschenkt: Auch gestern wachte ich viel zu früh auf, noch vor fünf, und konnte dann nicht mehr recht einschlafen. Kurz nach sechs gab ich auf.

Sowas wie Tag wurde es zu eisigem Nebel, und es war schon wieder schwer, das Wohnzimmer warm zu bekommen, beide großen Heizkörper auf volle Pulle und sorgfältig geschlossene Zimmertüren halfen nicht.

“In Bayern bleibt es weiterhin frostig kalt.” Ach meia.

Lust auf einen Isarlauf hatte ich dennoch. Diesmal fuhr die Tramlinie 16, die mich Richtung Tivoli brachte, ich stieg an der Paradiesstraße aus.

Körperlich passte alles während der folgenden eindreiviertel Stunden, die Bewegung tat gut, auf den Wegen nur vereinzelt eisige Stellen. Aber zu sehen gab es bei diesem eisigen Nebel halt wenig.

Hier hatte eben noch ein Kormoran das Motiv interessanter gemacht. Aber bis ich das Handy hob, war er abgetaucht.

Zurück daheim wärmte ich mich mit heißer Dusche auf. Doch zum Frühstücken kurz nach eins musste ich wieder im lauwarmen Wohnzimmer frösteln. Es gab zwei dicke Scheiben Brot vom Samstag, eine mit restlicher Guacamole, eine mit Butter und Orangenmarmelade.

Für den Nachmittag hatte ich vage Kino-Pläne, nach einer Runde Bügeln am Fenster im fahlen Winterlicht aber doch keine Lust. Statt dessen las ich herum und ärgerte mich über die nicht wirklich warm zu kriegende Wohnzimmer-Temperatur – die wohl wieder auf unbeheizte, weil unbewohnte Wohnungen über und unter uns zurückzuführen war.

Dafür freute ich mich an den Lilien, die ich mir gegönnt hatte.

Freunde brachten zwei Bergamotten aus Direktimport vorbei, ich freue mich schon sehr auf die Verarbeitung. Draußen begann es zu schneien.

Es fällt mir schwer, bis nach Fasching mit dem Winter-Maulen zu warten.

Fürs Sonntagsessen hatte ich zwei dicke Scheiben Schweinenacken besorgt, Herr Kaltmamsell übernahm die Zubereitung nach Art meiner polnischen Oma. Sogar für Kopytka aus Ernteanteil-Kartoffeln sorgte er, während ich eine Runde Yoga turnte.

Ich steuerte Salat aus den Ernteanteil-Ringelbete bei. Richtiges Sonntagsessen. Nachtisch Schokolade. Draußen schneite es weiter.

Im Bett begann ich neue Lektüre: Sigrid Nunez, For Rouenna.

§

Die protestantische Arbeitsethik erreicht Stellen im Hirn, da kommt bloße Motivation gar nicht hin.

Schreibt Maximilian Buddenbohm. Und es ist ganz erstaunlich, was sie sich unterwegs alles unter den Nagel reißt, was irgendwann mal eigentlich als Vergnügen begonnen hat.

§

Solidarisches Preppen – ich versuche mich in jüngster Zeit zu zwingen, über Katastrophenvorsorge nachzudenken. Nicht weil ich mich um mich fürchte (obwohl ich wirklich sehr, sehr ungern in Winterfrost tagelang ohne Strom auskommen müsste wie die Berliner Verwandtschaft von Herrn Kaltmamsell), sondern um hilfsbereit sein zu können. Für Krautreporter hat Nicole Kauer recherchiert:
“In der Katastrophe retten dich Nachbarn, nicht die Dosensuppe”.

Solidarisch wird das Preppen für Gerriet auch durch eine einfache Tatsache: Wer Wasser oder Lebensmittel hat, benötigt keine Hilfe und bindet keine Rettungskräfte. „Die eigene Vorbereitung bedeutet sogar, im Fall der Fälle selbst helfen zu können.“

Meine ersten Schritte: Aus diesen Tipps von Thomas Wiegold im Techniktagebuch habe ich eine Einkaufsliste erstellt. Mal sehen, wann ich mich dazu bringe, sie auch abzuarbeiten.

§

Eine Liebeserklärung ans Zugreisen:
“Warum wir mit dem Zug reisen”.

Bei mir fängt es mit zwei Zielen beim Verreisen an: 1. möglichst nicht fliegen, 2. nicht autofahren. Und bei der resultierenden Wahl zwischen Fernbussen und Bahn ist mir Zugfahren erheblich lieber. Allerdings profitiere ich davon, dass mich europäische Länder mehr interessieren als weit entfernte. Tagesaktuelle Wunschliste (zufällig gereiht):
– Sizilien
– Bulgarien (eng abgestimmt mit meiner bulgarischen Kollegin)
– Georgien
– Straßburg
– Marseille
– Paris
– Neapel
– Rom
– Kopenhagen
– Belgien (vielleicht angefangen mit Brügge)
– Slowenien
– Steiermark

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Vanessa Giese schreibt über “die Jugend von heute” (Anführungszeichen im Original):
“‘Wie erlebst du die Jugend von heute?'”

Ich schließe mich ihren Beobachtungen komplett an und freue mich über ihre schlüssige Erklärung dafür. Und auch das erlebe ich und lasse mich manchmal davon verunsichern.

Die Jugendlichen, die heute 16 und 17 sind, haben gesellschaftlich bereits Einiges vollbracht: Sie haben Tausende minderjährige Geflüchtete in ihre Schulklassen und Sportvereine integriert, haben eine Pandemie mit zwei Jahren Unterrichtseinschränkungen, Sorgen und Unsicherheiten kompensiert, waren mit einem Kriegsausbruch in Europa konfrontiert, haben erneut Tausende Geflüchtete integriert – und nebenbei mit einiger Wahrscheinlichkeit die Scheidung ihrer Eltern erlebt und eine neue Form von Familie aufgebaut. Über diese Leistungen spricht niemand.

Zumindest widerspreche ich bei manchem Bashing von Älteren: “Die Jugend” ist mit der Lektüre von Lessing überfordert? Das halte ich für keinen Grund zu lästern, denn ich bin sicher, dass “die Jugend” sehr vieles kann und weiß, von dem die bashenden Älteren mindestens so überfordert sind, show some respect!

§

Ziviler Widerstand in Minneapolis: Drummers against ICE. Meine tiefe Bewunderung.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 24. Januar 2026 – Winterkalte Wochenend-Häuslichkeit

Sonntag, 25. Januar 2026 um 7:39

Nicht so lang geschlafen wie ersehnt: Als ich beim Aufwachen einen Ängste-Angriff bemerkte, stand ich lieber früh auf. Zudem hatte ich eh Pläne: Erstmal füllte ich die Waschmaschine mit Handtüchern und sonstigem Weißen. Dann knetete ich Brotteig, es sollte Altsauerteig-Weizenmischbrot geben. Neben eingeweichtem Leinsamenschrot warf ich auch ein Restl Kürbiskerne sowie den Bodensatz einer Packung Mohn in die Schüssel (das ist mein Sautrog-Brotrezept) – beim Mohn hätte ich wohl besser bis zur letzten Knetphase gewartet, die Zutaten wollten sich nicht recht mischen.

Jetzt Standardprogramm Milchkaffee und Bloggen, draußen wurde es fast richtig hell mit etwas kaltem Nebel.

Brot fertig, Wäsche aufgehängt.

Mein Sportplan für gestern: Endlich wieder schwimmen, ich nahm eine U-Bahn zum Olympiabad. Sobald ich mich vom Beckenrand abdrückte, fühlte sich die Bewegung im Wasser wundervoll und elegant an. Es war nicht zu viel los, ich kraulte nahezu ungestört meine 3.100 Meter (nahezu, weil zweimal ausdauernde Beckenrandsteher*innen ein Wenden erschwerten).

Zurück daheim schnitt ich um zwei das Brot für Frühstück (plus einer gelben Kiwi) an, aß dicke Scheiben mit Käse, Butter und Orangenmarmelade.

War gelungen, schmeckte gut – den Mohn merkte ich aber nicht.

Angenehm versandelter Nachmittag mit Lesen (Wochenend-Süddeutsche, Internet), draußen kämpfte sich die Sonne ein wenig durch den Nebel.

Abendessen war wieder meine Sache, aus der zweiten Hälfte der gewürzten, ofengebackenen Kürbisschnitze bereitete ich Kürbis-Ricotta-Quiche zu; den Teig hatte ich gleich nach meinem Frühstück geknetet.

Kulinarisches Abenteuer des Abends: Aus dem Uhudler-Paket, das Herr Kaltmamsell bei Mirth bestellt hatte, probierten wir den Frizzante. Den unverkennbaren Uhudler-Geschmack muss man halt mögen, doch mir schien er besonders gut zum Sprudligen zu passen; würde ich als Kuriosität auch Gästen servieren (mit Alternative in der Hinterhand).

Am Dienstag war ein Kistlein Crowdfarming-Avocados eingetroffen; gestern waren genügend davon reif, dass Herr Kaltmamsell als Vorspeise seine legendäre Guacamole batzen konnte (waren aber auch besonders gute Avocados). Dazu gab es wunderbares Knabbergebäck vom Mainbäcker Heinrich.

Auch die Quiche war geraten und schmeckte gut, es passte nur noch wenig Schokolade hinterher.

Früh ins Bett zum Lesen, ich beendete Nora Gomringers Am Meerschwein übt das Kind den Tod. Gefiel mir gut in seiner Vorläufigkeit und Fragmentiertheit: So erinnert man sich, bevor aus größerem Abstand die Erinnerungen an die verstorbenen Eltern rund-gedacht und -erzählt sind, die eigenen Position darin beschlossen. Auch enthielt die Erzählung viele praktische Details des letzten Lebensabschnitts greiser Eltern, des Umgangs mit wachsender Hilfsbedürftigkeit – sie gingen mir nahe.

§

Große Enttäuschung: Ich darf immer noch kein Blut spenden. Nachdem Kommentatorin Beate von einer Änderung der Regeln geschrieben hatte, die das künftig auch Menschen ermöglichen, die wie ich zwischen 1980 und 1996 länger in Großbritannien lebten, hatten meine ersten Recherchen mich Hoffnung schöpfen lassen. Aber gestern stieß ich im Fragebogen des Bayerischen Roten Kreuzes dann doch wieder darauf:

Es gibt also immer noch genug Blut- und Knochenmarkspender*innen, dass kein Test wie in UK eingeführt wurde.

§

Natürlich war das absehbar. Dennoch bleibt es schlimm:
“Science Is Drowning in AI Slop”.

via @aleks

The editors and unpaid reviewers who act as guardians of the scientific literature are newly besieged. Almost immediately after large language models went mainstream, manuscripts started pouring into journal inboxes in unprecedented numbers. Some portion of this effect can be chalked up to AI’s ability to juice productivity, especially among non-English-speaking scientists who need help presenting their research. But ChatGPT and its ilk are also being used to give fraudulent or shoddy work a new veneer of plausibility, according to Mandy Hill, the managing director of academic publishing at Cambridge University Press & Assessment. That makes the task of sorting wheat from chaff much more time-consuming for editors and referees, and also more technically difficult. “From here on, it’s going to be a constant arms race,” Hill told me.

(…)

Conference proceedings are the main publishing venue for articles in AI and other computer sciences, and in recent years they’ve been overrun with submissions. NeurIPS, one of the top AI conferences, has seen them double in five years. ICLR, the leading conference for deep learning, has also experienced an increase, and it appears to include a fair amount of slop: An LLM-detection start-up analyzed submissions for its upcoming meeting in Brazil and found more than 50 that included hallucinated citations. Most had not been caught during peer review.

That might be because many of the peer reviews were themselves done by AI. Pangram Labs recently analyzed thousands of peer reviews that were submitted to ICLR, and found that more than half of them were written with help from an LLM, and about a fifth of them were wholly AI-generated. Across the academic sciences, paper authors have even started using tiny white fonts to embed secret messages to LLM reviewers. They urge the AIs to rave about the paper they’re reading, to describe it as “groundbreaking” and “transformative,” and to save them the trouble of a tough revision by suggesting only easy fixes.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 23. Januar 2026 – Kartoffelsackiges

Samstag, 24. Januar 2026 um 8:21

Morgens hatte ich um 8 Uhr einen Arzttermin in der Nähe, ich gönnte mir 15 Minuten Weckervorstellen – und wurde nach einer guten Nacht dennoch vom Klingeln aus tiefem Schlaf geholt.

Vorsorge-Untersuchung bei meiner Gynäkologin, der erste Termin nach der Myom-Untersuchung im Klinikum Neuperlach. Mittlerweile ist die Praxis in der Übergabephase Richung Rente, zwei weitere Gynäkologinnen stehen auf dem Schild, aber ich wurde von der mir seit 2022 vertrauten untersucht. Währenddessen besprachen wir die Myom-Situation und meine Optionen, es lief wieder darauf hinaus: Ist der Leidensdruck hoch genug, um einen massiven operativen Eingriff in meinen Körper zu rechtfertigen? Diese Bewertung und Entscheidung liegen bei mir – Nachtrag, weil wichtig: Das betonte die Ärztin mehrfach. (Meine Hauptbedenken zugegebenermaßen: Dieser Eingriff würde mich sehr wahrscheinlich je nach Methode zu monatelanger Sportpause zwingen.)

Auf Rat der Gynäkologin hole ich mir jetzt eine zweite OP-Einschätzung bei einem ihrer Gyn-Kollegen, der auf laparoskopische Methoden spezialisiert sei, ich vereinbarte mit der Überweisung gleich einen Termin nächste Woche. Großstädterinnen-Privileg, nehme ich an: Ich hatte mit monatelanger Wartezeit gerechnet.

Laut meiner Dr. Gyn in der Nähe von Rentenalter nannten “früher” alte Professoren eine Gebärmutter wie meine “Kartoffelsack”. Jetzt muss nicht nur ich mit diesem Wissen leben, danke Blog.
Und ich wurde wieder mal “kritische Patientin” genannt. Empfinden Ärzt*innen mein Bedürfnis nach detaillierter Information bis zum laienhaften Kapieren wirklich als “kritisch”? Ich widerspreche doch gar nicht oder äußere gar Kritik?

Eine U-Bahn brachte mich möglichst schnell an meinen Schreibtisch im Büro – wo ich erstmal nicht checken konnte, ob während meiner Verspätung was war, sondern ich meinem Computer 30 Minuten bei Updates sowie Hängenbleiben derselben zusehen musste. Dann legte ich endlich los.

Keine Lust auf Mittagscappuccino, ich nutzte die immer deutlichere Sonne durch eisigen Hochnebel für eine Einkaufsrunde um den Block. Zu Mittag gab es eine Birne, ein paar Nüsse, außerdem Linsensalat vom Vorabend.

Auf dem Heimweg, um fünf war noch eindeutlig Tageslicht am Himmel zu sehen, die restlichen Lebensmitteleinkäufe fürs Wochenende – Herr Kaltmamsell war krank daheim geblieben, ich übernahm.

Wie schon am Donnerstag litt ich unter meinen vielen Aussetzern physischer (Stolpern, Dagegendotzen, Verschütten, Fallenlassen -> blaue Flecken coming up) und geistiger Art – wieder eine Phase, in der ich die Absicht kleiner Tätigkeiten laut vor mich hin murmeln muss, “Eier checken, Eier checken, Eier checken”, um sie nicht bei geringster Ablenkung (“ah, Rucksack noch nicht von Küche in Diele gestellt”) zu vergessen. Bei der derzeitigen Grundgereiztheit rege ich mich auch noch über mein eigenes Trampeltum (mit dem ich ja 24/7 leben muss) ungeheuer auf.

Nach Auspacken der Einkäufe eine sehr ruhige Einheit Yoga, in der Adriene durchgehend derart eindringlich betonte, wie wichtig solche Übungen in stillness zwischen den aktiveren sind, dass mir fast die stillness abhanden kam. Dann sorgte ich für Abendessen: Ich garte den ganzen Hokaido-Kürbis aus Ernteanteil in gewürzten Spalten, die eine Hälfte wird am Samstag zu Quiche, die andere Hälfte gab es als Freitagabendmahl. Außerdem mit ein wenig Gorgonzola Radicchio aus Ernteanteil – der so viel mehr Geschmack und Frische mitbrachte als der gekaufte Radicchio eine Woche zuvor.

Dazu hatte ich eine Flasche roten Kalk und Kiesel von Claus Preisinger aus dem Burgenland aufgemacht: War mir, weil spontanvergoren, als deutlich gewöhnungsbedürftiger in Erinnerung, diesmal fand ich ihn einfach nur pflaumig und hell gut, der ist gar nicht so unkonventionell. Meine Gereiztheit bekam er aber nicht ganz weg, fast hätte ich Dinge nach mir geworfen.

Nachtisch reichlich Schokolade, früh ins Bett zum Lesen.

§

The news has been so overwhelming for so long that I’ve forgotten what it feels like to be simply whelmed.

Same here, Laurie Penny.

Ich empfehle die Lektüre der Einleitung zu ihrem aktuellen Newsletter mit klugen Beobachtungen wie:

Attention can feel like action when one is otherwise helpless; it can feel dangerous to taking your eye off these gangsters of the attention economy.

§

Produkte des italienischen Gutshofs La Vialla lernte ich schon vor Jahren als Geschenke kennen. Seit ich dort selbst mal bestellte, werde ich von Marketing-Material geflutet – das mich mit seinem Idyll- und Heile-Welt-Branding in erster Linie misstrauisch machte: Genau so stellt sich seit Jahrzehnten die gesamte Landliebe-Seite der Lebensmittel-Industrie dar, Heuchelei Hilfsausdruck. Doch dann berichtete ein Freund vergangenes Jahr von einem Besuch auf der Fattoria La Vialla, dort wurde eine Hochzeit gefeiert, auf der er Gast war. Und er versicherte: Das geht dort genau so zu, wie in den Katalogen geschildert (inklusive vergrabender Rinderhörner).

Solches beschreibt auch ein Reporter der Financial Times, Adam Weymouth, der von London mit dem Zug in die Toskana reiste und einige Tage auf dem ausgedehnten Anwesen verbrachte. Hier das PDF des Artikels:
“A taste of the good life on the Tuscan farm where guests can stay”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 22. Januar 2026 – Fortgesetzte Saukälte

Freitag, 23. Januar 2026 um 6:34

Aufgestanden zu tiefer Kälte, gestern brachte sie eisigen Nebel mit. Der Marsch in die Arbeit darin wenig froh, zumal die Kälte bis auf Weiteres so bleiben soll.

Emsiger Vormittag, in dessen Verlauf sich der Nebel lichtete, fast sonniger Marsch zum Mittagscappuccino im Westend.

Geplantes und Quergeschossenes, zu Mittag gab es eine Birne, außerdem Mango mit Joghurt und Leinsamenschrot – ich freue mich sehr, dass ich kein Bauchweh mehr vom Schrot bekomme, ich beiße doch so gern Körndln, und das Untermischen bremst mein Esstempo angenehm.

Eine längere Besprechung, weiteres Abarbeiten, weitere Querschüsse.

Auf dem Heimweg war es wieder scheißekalt, ich ging mit hängenden Flügeln (bei hochgezogenen Schultern sicher nicht gesund). Unterwegs Einkäufe fürs Abendbrot – das ich ein wenig umplanen musste: Herr Kaltmamsell wollte eigentlich aushäusig sein, sagte diese Verabredung aber wegen Mega-Erkältung ab (ich werde ihn doch nicht angsteckt haben). Ich hatte Linsen (vorgekocht aus der Dose), rote Spitzpaprika und Ruccola besorgt, daraus machte ich einen Salat – für zwei halt dann mehr. Davor aber eine Runde Yoga.

Zum Linsensalat gab es Crowdfarming-Manchego. Nachtisch Süßigkeiten.

Früh ins Bett zum Lesen, Nora Gomringer erinnert sich an das sehr unkonventionelle und nicht gerade glückliche Familienleben ihrer Kindheit.

§

In Davos gab es nicht nur das irrlichternde Mäandern der Trump-Rede. (Mir fällt auf, dass zumindest die 20-Uhr-Tagesschau am Mittwoch das Irrlichtern mit 90 Prozent Falschbehauptungen gar nicht erst thematisierte. Mir tun ja die Simultanübersetzer*innen besonders leid.) Sondern auch kluge, klare Worte. Kanadas Premierminister Mark Carney hielt eine Rede im wirklich klassischen Sinn, ordnete die Lage ein, fasste die Reaktion Kanadas darauf zusammen und appellierte, diesem Beispiel zu folgen. Bei der FAZ gibt’s die deutsche Übersetzung:
“‘Wir befinden uns in einem Bruch, nicht im Übergang'”.

tagesschau.de machte sich aber die Mühe, gewichtigere Behauptungen aus Trumps Irrlichtern zu extrahieren und einem Faktencheck zu unterziehen:
“Die Trump-Rede im Faktencheck”.
(Das wird niemanden von seinen Fans umstimmen, aber ich finde es beruhigend, mein “Watt? Nein!” in konkreten Angaben umgesetzt zu sehen.)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 21. Januar 2026 – New Chinese kid on the block

Donnerstag, 22. Januar 2026 um 6:22

Nach guter Nacht eine Stunde zu früh aufgewacht. Unruhig liegengeblieben, wild entschlossen, das als “Ausruhen” einzuordnen.

Früh losmarschiert in die Arbeit, Himmel weiterhin klar, Luft weiterhin frostig. Der Revier-Amslerich war deutlich zu hören. Am Schreibtisch arbeitete ich geordnet los.

In einer Pause Basteln an der Wien-Reise über Fasching. Eine Erkenntnis: Dass du selbst ziemlich immun gegen Marketing-Aktionen bist, hilft halt nicht, wenn du für Samstagabend, 14. Februar, einen Restauranttisch buchen möchtest.

Zum späten Mittagscappuccino marschierte ich durch Sonne (schön!) und Kälte (hmpf) ins Westend, Highlight des Arbeitstags.

Zu Mittag gab es Birnen sowie Hüttenkäse mit Leinsamenschrot.

Am frühem Nachmittag begann ich Präventiv-Dehnen meiner Beinrückseite: Nach Erkältungspause hatte ich Schwimmzeug dabei und wollte nach pünktlichem Feierabend ins Dantebad. Doch schon in der Mitte dieses Nachmittags merkte ich unter anderem an paar Ganzkörper-Niesern, dass das zu früh nach Erkältung war, das Schwimmen ließ ich lieber bleiben. Dann halt am Samstag.
(Merke: Wenn mich das Aufgeben von Sportplänen fröhlich macht und nicht traurig, war das die richtige Entscheidung.)

Also ging ich zu gewohnter Feierabendzeit nach Hause, unterwegs nur kurze Drogeriemarkt- und Blumeneinkäufe.

Ernteanteil war aufgegessen, ich ging mit Herrn Kaltmamsell fürs Abendessen außer Haus: Ums Eck in der Müllerstraße hatte ich einen Ramen-Laden entdeckt, Honghong Ramen, den probierten wir aus. Interessante Karte, ich bestellte nach scharfem Gurkensalat sehr breite hausgemachte Ramen-Nudeln mit Auberginen und Tomate (sehr gut!), Herr Kaltmamsell pickte das exotischste Gericht heraus: Entenblut und Kutteln. Die freundliche Bedienung musste erst in der Küche fragen, ob es das gestern überhaupt gab (wir hatten bereits damit gerechnet, dass es das nicht immer geben würde).

In duftig-scharf gewürzter Brühe und Öl (werden nicht mitgegessen) schwammen Scheiben Entenblut, Spam, Rindfleisch, dünne Streifen Kutteln, außerdem Champignons und Sprossen, frittierte Chillis, Sechuanpfeffer – ein sehr wohlschmeckendes Textur-Festival (ich durfte probieren). Wir kommen wieder.

§

Alan Rickman ist jetzt auch schon wieder zehn Jahre tot. Der Guardian hat Erinnerungen berühmter Leute an ihn gesammelt.
“‘I fell in love with him on the spot’: Alan Rickman remembered, 10 years after his death”.

And when he received an award for his performance as the Sheriff of Nottingham, he remarked that every time he looked at it he would realise “subtlety isn’t everything”.

Seltsamerweise wird auch hier einer meiner Lieblingsfilme mit Alan Rickman ausgelassen: Blow Dry von 2001. (Der nicht mal in seinem englischsprachigen Wikipedia-Eintrag auftaucht? Im deutschsprachigen schon.) Darin spielt er ganz hinreißend einen extrem kompetitiven Friseur (der in Wettbewerben barfuß arbeitet, rrrrrr). Dabei spielen darin auch noch Natasha Richardson, Bill Nighy und Heidi Klum (!) mit! Herr Kaltmamsell wies darauf hin, dass Blow Dry im Grunde ein Sportfilm ist – wir haben ihn, muss ich dringen nochmal gucken.

§

Eine besondere Ausgabe der Reihe Meisterstunde. Als ich das Thema “Birkenrinden-Kanubauer” las, hätte ich fast nicht draufgeklickt, klang langweilig. Ein Irrtum, denn der Werdegang von Artem Lemberg aus Sibirien ist sehr besonders:
“Birkenrinden-Kanubauer Artem Lemberg über Autodidaktik: ‘Im Machen verbessert sich die Qualität deiner Gedanken'”.

Wie viele Menschen in Deutschland bauen solche Kanus?
Ich bin, glaube ich, der einzige in ganz Eurasien. Gut drei Kollegen kenne ich, die in den USA und Kanada ähnliche Kanus bauen.

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Mek ist jetzt deutscher Staatsangehöriger!

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 20. Januar 2026 – Frost, Beifang aus dem Internetz

Mittwoch, 21. Januar 2026 um 6:14

Nachts zog nochmal meine Nase zu, ich griff 36 Stunden nach dem eigentlich letzten Mal zum Nasenspray, um nicht durch den Mund atmen zu müssen – was bei mir erfahrungsgemäß umgehend auf die Bronchien gehen würde.

Schöner Marsch in die Arbeit, gerade bei klarem Himmel ist deutlich der bereits frühere Tagesanbruch zu bemerken.

Theresienwiese.

Das Wetter blieb den ganzen Tag sonnig, aber auch knackig frostig. (Frostkalt soll es bis auf Weiteres bleiben. Ich erlaube mir erst nach Fasching Maulen.)

Meine Mastodon-Timeline war voller Polarlicht-Fotos aus ganz Deutschland – so schön! (“Zu viele Polarlichtfotos” gibt’s nicht.)

Mittagscappuccino aus Termingründen wieder in Halbscharig aus der Cafeteria. Nach zwölf ging ich aber auf eine Runde um den Block in den Sonnenschein.

Zu Mittag gab es Apfel, Clementine, außerdem Mango mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot.

Nachmittags war ich sehr, sehr müde, wie ich es an Arbeitstagen eigentlich nicht kenne.

Heimweg über Lebensmitteleinkäufe und unter weiterhin klarem Frosthimmel.

Als Abendessen sollte es Mohnnudeln geben, die wollte ich zusammen mit Herrn Kaltmamsell zubereiten. Bei meiner Ankunft kochten die Kartoffeln gerade, Herr Kaltmamsell schickte mich zum Yoga-Turnen. Als ich damit durch war, war auch der Nudelteig bereit zum Wuzeln, es wurden gute Mohnnudeln. Dahinter passte aber noch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

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Eine bloggende Zugbegleiterin, wie großartig!
“Der neue Giruno im Alltag – Eine Zugbegleiterin erzählt”.

via iberty.de

Uschi erzählt nicht nur aus ihrem Berufsalltag, sondern teilt auch technische und sonstige Hintergründe – superinteressant für freudige Bahnreisende wie mich.

Was wirklich neu war, war der Einsatz in Doppeltraktion bis Hamburg: zwei Giruno-Einheiten, die wie ein einziger Zug gefahren werden. Technisch komplex – und in der Anfangszeit leider auch fehleranfällig. Es gab zahlreiche Störungen, die sich später als Softwareproblem herausstellten. Nach mehreren Tagen mit ICE-Ersatzzügen kam ein Update – und danach wurde es spürbar ruhiger.

Von außen sah man Chaos. Von innen sah man einen neuen Zug, der erwachsen wurde. Für Laien mag das unprofessionell wirken, das sowas nicht vorher ausgetestet wird. Aber das ist im internationalen Fernverkehr gar nicht möglich, man kann nicht einfach einen leeren Zug durch Deutschland oder halb Europa schicken. Es lässt sich nicht vermeiden das manche Fehler und Probleme erst im normalen Betrieb entdeckt werden.

Und Uschis Jahresrückblick 2025 entnehme ich, dass wir sehr unterschiedlich sind – eine umso größere Bereicherung meiner Blogroll.

§

Einblicke im Newsletter Arbeit in der Wissenschaft:
“Lebensglück nur mit Professur? Gegen die Verklärung eines kaum erreichbaren Ziels”.

Da ich mit einer Professorin befreundet bin, kenne ich so ein Arbeitsleben seit vielen Jahren. Und ich weiß vor allem: Es ist bei weitem fremdgesteuerter, als ich das gedacht hätte – und als es noch meine Professoren (damals keine einzige -in dabei) hatten.

Dabei ist ein Detail dieser Karriere nicht mal erwähnte: Dass man sich den Arbeitsort praktisch nicht aussuchen kann. Wenn die einzige freie Stelle für dein Fachgebiet 600 Kilometer von deinem jetzigen Wohnort (evtl. mit Familie) entfernt liegt, ziehst du halt hin.

§

Breaking: Die neue Horst Evers beim Kabarettistischen Jahresrückblick in Berlin heißt Kirsten Fuchs! Hier liest sie ihr Bewerbungsschreiben, ihre Abschiedsrede und ihre Antrittrede vor.
Ich halte sie für eine ausgezeichnete Wahl.

die Kaltmamsell