Journal Mittwoch, 3. Juni 2026 – Ende der Drei-Tage-Arbeitswoche mit Regen

Donnerstag, 4. Juni 2026 um 8:04

Ein Mittwoch mit Aussicht auf langes Wochenende, also ein Freitag ehrenhalber – ich wurde in Unwilligkeit geweckt und freute mich auf die Aussicht Ausschlafen am Folgetag.

Das Draußen stimmte jetzt mit der Vorhersage überein: Es war sehr kühl, und der gemischt dunkelgraue Himmel machte die angekündigten Regenschauer wahrscheinlich. In die Arbeit kam ich fast trocken, erst auf den letzten 50 Metern erwischten mich Tropfen.

Sehr emsiges, aber geordnetes Losarbeiten – bis ein Querschuss mich in Hektik versetzte. Scharfsinn, Festbeißen und freigebige Kolleginnenhilfe führten unerwartet zügig zu einer Lösung: tiefe Erleichterung, zu oft brauche ich sowas echt nicht.

Marsch zu Mittagscappuccino in einer Regenpause – fast: Auf dem Hinweg bewarf mich der Himmel mit einigen dicken Regentropfen, auf dem Rückweg wurde ich kurz angesprüht.

Eher spätes Mittagessen: Apfel, Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot – von mehreren Querschüssen unterbrochen, zum Glück erst, als ich schon beim Skyr war, der sich schnell runterschlucken ließ, um ans Telefon zu gehen (ja, ich habe einen Job mit Telefonieren – und mich mittlerweile daran gewöhnt). Der Arbeitsnachmittag zog sich unangenehm.

Eher früher Heimweg, auf dem ich zunächst einen Regenschirm benötigte. Erstmal machte ich an der Änderungsschneiderei Halt: Man hatte einen Weg gefunden, den zu engen neuen Rock passend zu machen.

Ganz wunderbar, jetzt kann ich ihn endlich tragen – den jetzt besonders teuren Rock, der mich hoffentlich lehrt, im Zweifel immer eine Nummer größer zu bestellen (nein: gleich eine Auswahl an Größen zu bestellen und immer eine Rücksendung zu verursachen, ist für mich aus Umstands- und Umweltgründen keine Option).

Dann Einkauf im Weinladen (wieder eine Empfehlung eingefangen und umgesetzt – aber wenn sie doch bislang immer so super waren!) und in der Balkanbäckerei. Jetzt war die Regenphase wirklich vorbei, ich steckte den Schirm ein.

Daheim Yoga-Turnen, dann machte ich mich an die Zubereitung des Abendessens zur Feier des langen Wochenendes. Herr Kaltmamsell reichte als Aperitif Pimm’s an, dessen Existenz wir vorübergehend vergessen hatten, während ich zwei große Crowdfarming-Artischocken fürs Kochen zurichtete, Knoblauch-Majo anrichtete, Ernteanteil-Salat wusch, für den zweiten Gang damit ein Orangen-Haselnussmusdressing rührte.

Zur Artischocke öffnete ich unsere letzte Flasche Pouilly Fumé Elisa Jonathan Didier Pabiot 2022 – der mit seiner Mineralizität und Unblumigkeit ganz hervorragend zu den legendär schwer zu kombinierenden Artischocken passte. Auch der Salat schmeckte gut. Ich schaffte sogar noch Schokolade zum Nachtisch, war dann aber überfressen.

Ins Bett mit großer Freude auf Feiertag und Ausschlafen.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 2. Juni 2026 – Arbeitsdienstag mit “KI”-Komik

Mittwoch, 3. Juni 2026 um 6:20

Guter Nachtschlaf, ich hatte halt die Fenster geschlossen gegen Lärmstörungen.

Kühler Morgen, erstmal Wäsche aus der programmierten Maschine aufgehängt.

Für den Marsch in die Arbeit weiterhin nur leichte Jacke notwendig.

Emsiges, aber geordnetes Losarbeiten. Allerdings machen meine Haare mich derzeit wahnsinnig, ich bin wieder kurz vor Corona-Frise und kramte nach Haarklammern in meiner Büroschublade (noch zwei Wochen bis Schnitt).

Interne Pflicht-Schulung zu “KI” (aufgezeichnet), natürlich mit (weiblicher) KI-Stimme erklärt. Die “KI” meist wie “Kai” aussprach (“Kai lässt sich nicht ignorieren”). Kai wird sich für viel verantworten müssen.
Sie sagte auch: “Maßstäbe für eine essenziehle Zukunftstechnologie” – tihihihi.
Einerseits: Damit wird transparent gemacht, dass hier kein echter Mensch spricht.
Andererseits: Ich war völlig abgelenkt vom Schulungsinhalt, weil ich auf weitere Fehler lauerte.

Aus Termingründen Mittagscappuccino aus der Cafeteria, später nahm ich mir aber die Zeit für einen Marsch um die Blöcke – entgegen der Vorhersage war es wieder deutlich über 20 Grad warm geworden.

Mittagessen: Apfel, Mango mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot.

Mittel unruhiger Arbeitsnachmittag.

Heimweg unter immer dunklerem Himmel, nur wenige Besorgungen.

Daheim eine neue Folge Pilates mit Gabi Fastner geturnt: Anstrengend (aber anders anstrengend als Kraftübungs-Wiederholungen – eher wie körperliche Betätigung), wieder interessante neue Übungen. Kurz darauf begann es zu regnen, hurra! Hielt aber wieder nicht lange an.

Ernteanteilreste zum Nachtmahl: Kartoffelbrei, Karottensticks aus dem Ofen, dazu Kräuterdip – und dazu hatte ich mir Lamm gewünscht, das ich in Form von gebratenen Lammbeinscheiben bekam. Gut! Nachtisch Lidl-Eiscreme.

Früh ins Bett zum Lesen.

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Schöner Artikel über unser Kartoffelkombinat, der die Genossenschaft auch in die Bewegung Solidarische Landwirtschaft einordnet – bei dieser Gelegenheit habe ich gelernt, dass wir die größte in Deutschland sind und dass sie in Japan heute Millionen Menschen mit ökologischem Obst und Gemüse versorgt.
“Großer Betrieb, große Visionen”.

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Der Berliner Fotograf Rainer Christian Kurzeder porträtiert queere Söhne und ihre Väter. Die taz hat mit ihm über sein Projekt gesprochen:
“‘Sollen wir uns umarmen?'”

Ich glaube, dass die Themen Intimität und Männlichkeit bei queeren Söhnen noch einmal eine andere Dimension haben. Natürlich gibt es Nähe und Distanz in vielen Vater-Sohn-Beziehungen. Aber wenn ein Sohn sich outet, stellen sich oft zusätzliche Fragen. Manche Väter fragen sich vielleicht, ob sie ihr eigenes Verständnis von Männlichkeit oder ihre Erwartungen an einen Sohn neu betrachten müssen.

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100. Geburtstag von Marilyn Monroe, der ikonischsten weiblichen Ikone direkt nach Maria Muttergottes.
Mir imponiert sie, seit ich von ihrem Bürgerrechts-Engagement lernte (das auf Wirkung zielte, nicht auf PR).
Erst in Artikeln zu ihrem 100. Geburtstag erfuhr ich, dass Monroe es auch mit dem Hollywood-Studiosystem aufnahm, genauer: mit Twentieth Century Fox.
“Marilyn Monroe, the Hollywood studio system, and the law of contract”.

This exercise in autonomy and agency does not accord with common views of Monroe as not being in control, but it does accord with the facts of 1953-56.

After her victory, Monroe went about setting up her own production company and entering into negotiations with the likes of Laurence Olivier and Terrence Rattigan.

In diesem Blogpost auch die Geschichte, wie sie Ella Fitzgerald den Rücken stärkte. (Und der Hinweis, dass Marilyn Monroe derselbe Jahrgang ist wie Mel Brooks – ab sofort stelle ich mir die beiden in einem Film vor.)
Mit ihrer speziellen Art von Artifizialität kann ich allerdings immer noch nichts anfangen – auch wenn ich Monroes Kreativität daran bewundere.

via @daszeiserl

die Kaltmamsell

Journal Montag, 1. Juni 2026 – Abgekühlter Arbeitsmontag

Dienstag, 2. Juni 2026 um 6:17

Eigentlich tief geschlafen, rausgerissen worden von Gebrüll im Park, zu erfreulichem Regenrauschen aber schnell wieder eingeschlafen.

Beim Aufstehen war es draußen sehr frisch, endlich wieder Jäckchen über Frühlingskleid für den Weg in die Arbeit. Schirm brauchte ich keinen, aber der nächtliche Regen war noch gut auf den Wegen und Straßen zu sehen. Erste Ahnungen von Lindenblütenduft, GO! GO! GO!

Dieses Jahr schaffe ich es wohl nicht zu einer Oktoberfestflucht. Nach einer ersten Rechercherunde Wandern im Schwarzwald (vielen Dank für Ihre Tipps!) konnte ich mich zu keiner Feinrecherche aufraffen und merkte: Dieser Sommer ist so voll, dass sich eine weitere Reise Ende September / Anfang Oktober wie Anstrengung anfühlt. Die Urlaubstage, so die derzeitige Idee, verwende lieber für einen Ausflug mit Herrn Kaltmamsell in den Allerheiligenferien und für die Weihnachtsferien. Freuen Sie sich also schon auf wiederholtes und detailliertes Fluchen über den alles überlagernden Oktoberfest-Scheiß in meiner Ecke Münchens.

Wieder mal so viel Unbehagen in Hüfte, LWS, Unterleib, dass ich häufig zwischen sitzendem und stehendem Arbeiten wechselte, ohne wirklich Erleichterung dadurch zu erzielen. Emsiger Arbeitsvormittag.

Marsch zu Mittagscappuccino in frischer Luft, ich wäre gerne viel weiter gegangen.

Spätes Mittagessen, verschoben wegen einer Besprechung: Ein Lagerapfel aus Ernteanteil – der immer noch mehr Geschmack lieferte als die bisherigen Aprikosen und Pfirsiche. Außerdem Rote-Bete-Salat, dem der untergemischte frische Majoran (war halt auch im Ernteanteil) ausgezeichnet stand.

Emsiger Nachmittag, aber auch der hatte ein Ende. Suchmaschine in Arbeit und daheim auf DuckDuckGo umgestellt, denn ich brauche eine WEB! SEARCH!, nicht die sprachliche Höchstwahrscheinlichkeit von Assoziation mit meinen Suchbegriffen, auf die Google umgestellt hat. (Und wenn man das in Zukunft trennte? Hier Suchmaschine, dort Antwortmaschine?)

Auf dem milden Heimweg ohne Jacke und mit stellenweise Lindenblütenduft kaufte ich gründlich Schokolade nach (darauf hatte ich mich seit Stunden gefreut), dann unverarbeitete Lebensmittel beim Vollcorner.

Daheim eine Runde Yoga – viel Schnaufens war gestern durchaus passend. Aber ich ließ mir von Herrn Kaltmamsell eine ganze Reihe Gabi-Fastner-Pilates runterladen, ich möchte häufiger wechseln.

Für Nachtmahl nahm sich Herr Kaltmamsell die beiden großen Pakchoi aus Ernteanteil vor und servierte sie mit asiatischen Kräutern, Ingwer, restlichem Kimchi, Udon-Nudeln, Räuchertofu, Ernüssen – und weiterem Zeuch.

Großer Genuss. Nachtisch Nr. 1 Erdbeeren (sie werden immer besser), Nachtisch 2 Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen. In Louise Erdrich The Sentence bricht Mitte des Romans die Corona-Pandemie herein, mit all dem Nicht-Wissen, der Unsicherheit, dem Rumprobieren und der Mögliches-Weltende-Stimmung, nur halt in den USA. Einerseits ganz nah, ich war schließlich dabei, andererseits ganz weit weg, eine andere Welt.

§

Weil der Inhalt ja nicht von mir ist, verlinke ich mich mal selbts:
Die Twitter-Lieblinge von vor zehn Jahren waren wirklich gut.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 31. Mai 2026 – Sommerhitze unvermutet

Montag, 1. Juni 2026 um 6:22

Ok geschlafen, nur leicht verkatert nach der Feier eines 60. Geburtstags am Vorabend aufgewacht.

Der Morgen draußen sonniger und wärmer als angekündigt, auch ein Gewitter und Regen hatte es nachts nicht gegeben.

Balkonkaffee, die beiden neuen Wasserschüsselchen auf der Brüstung wurden zumindest von einer Amsel und einem Amslerich bereits besucht – beide besonders hübsch und mit einer besonders gekrümmten Oberschnabelspitze, ich bildete mir ein, sie individuell zu erkennen.

Ein Isarlauf würde in Hitze stattfinden, aber ich hatte großen Bedarf an Kopffreikriegen nach dem Vorabend mit Reizüberflutung und innerer Blockade. Schon beim Radeln zum Friedensengel fühlte sich jeder Sonnenstrahl wie ein Fausthieb an, ich nutzte beim Laufen alles, was ich an Schatten kriegen konnte. Ohnehin lief ich so benebelt, dass ich erst nach über einer Stunde den ersten fotografierenswerten Anblick wahrnahm.

Unter der Leinthalerbrücke.

Der Trampelpfad unten an der Isar versprach mehr Schatten als der Schotterweg weiter oben.

Und tatsächlich hatte sich hier sogar Matsch gehalten. Das Laufen strengte mich an und ich war sehr durstig, genehmigte mir ein paar Handvoll Wasser von einem sprudelnden und eingefassten Zufluss. Das waren am Ende ein paar mehr als die geplanten 100 Minuten, doch das Wechseln zum Gehen, das ich meinem Körper mehrfach angeboten hatte, wurde nicht angenommen. Heimradeln in Hitze mit heimischem Wasserhahn vor Augen, es waren gar nicht mal so viele Leute unterwegs (verreist wegen Pfingstferien?).

Die Müncher Robinien sind allen Ernstes duftlos verblüht, in mir regt sich leichte Empörung. Jetzt müssen die Linden aber echt hinmachen.

Zu Hause Wassertrinken, Körperpflege inklusive Pediküre, auch eine große Tasse lösliche Gemüsebrühe trank ich für Salznachschub. Frühstück um halb drei: Etwas Rote-Bete-Salat aus Ernteanteil mit frischem Ernteanteil-Majoran (was halt nicht in das Schraubglas für die Montagsbrotzeit passte), überreife Mango (überraschend, denn die Schale war grün geblieben) mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot. Der Himmel hatte zugezogen, donnernd gegrollt, aber nur ein paar Tropfen Regen gespendet.

Ausführliches Brudertelefonat. Beim anschließenden Internetlesen fühlte ich mich so abgrundtief müde, dass ich mich trotz fortgeschrittenem Nachmittag ein wenig hinlegte.

Eine Yoga-Folge 6, nach einem sonnigen Abschnitt war es draußen wieder düster geworden, erneute Hoffnung auf Regen.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Agretti aus Ernteanteil als Pastagericht, ganz wunderbar. Nachtisch Marzipan und Schokolade. Jetzt regnete es wirklich, Hoffnung auf Ausdauer.

Früh ins Bett zum Lesen. Die Aussicht auf eine Drei-Tage-Woche deutlich weniger belastend als auf fünf Tage, schau an.

§

Manches ist immer noch wie früher. Leider GANZ früher.
Im österreichischen Bezirk Neusiedl warnte die Polizei ganz offiziell vor “fahrendem Volk”.

“Schließen Sie keine ‘Haustürgeschäfte’ ab”, heißt es darin: “Lassen Sie keine fremden Personen in ihr Haus oder ihre Wohnung. Notieren Sie sich, wenn möglich, eventuelle Fahrzeugkennzeichen und Personenbeschreibungen!”

Irene Brickner im Standard:
“Besuch bei durchreisenden Roma in Parndorf: Sie sind zu Recht misstrauisch”.

via crocodylus

Beim selber Hinschauen und Nachhaken (wie sich das für Journalismus gehört) stellt sich dann sogar sehr Interessantes heraus:

Die Gruppe gehöre zum Umfeld der Evangelischen Mission “Vie et Lumière”, die in der 1950er-Jahren in Frankreich entstanden ist, sagt er: einer evangelikalen, stark an der Bibel orientierten Glaubensgemeinschaft, deren Mitglieder nicht nur Sinti und Roma sind, sondern auch Menschen aus vielen anderen Gruppen: Kalderasch, Lovara, Kalé und andere. Allein in Frankreich haben sich rund 100.000 Personen diesem Glauben angeschlossen.

(…)

Evangelikale Glaubensrichtungen ziehen derzeit europaweit auch unter Roma und Sinti viele Menschen an. Das habe wohl mit den weniger hierarchischen Strukturen der Freikirchen zu tun, die das Predigen in der eigenen Sprache und das Singen traditioneller Volkslieder erleichtern, sagt Mirjam Karoly, Politologin und Mitglied des Volksgruppenbeirats für Roma und Sinti in Österreich. In der Regel haben Roma und Sinti die Religionen ihrer Heimatländer übernommen: katholisch in Österreich, orthodox in Serbien, muslimisch in der Türkei. Der Trend zu den Freikirchen sei insofern etwas anderes, auch wenn es dazu keine Forschungsdaten gebe.

§

Mit dem Werk von James Krüss bin ich groß geworden: Sein Buch der sieben Sachen zum Staunen und zum Lachen hat bislang alle Aussortieraktionen überstanden, und die Verfilmung von Tim Thaler hat mich tief geprägt. Auch über den Autor hatte ich einiges gelesen – doch ein zentrales Detail seines Lebens ging auch in den Artikeln zu seinem 100. Geburtstag unter: James Krüss liebte Männer und musste mit den gesellschaftlichen Folgen kämpfen.
“James Krüss zum Hundertsten: Queerness zwischen den Zeilen”.

(Allein schon, dass sein langjähriger Lebenspartner verschwiegen wird, zeigt in meinen Augen, dass Krüss’ Schwulsein sehr wohl relevant ist.)

die Kaltmamsell

Lieblings-Breviloquia* Mai 2026

Sonntag, 31. Mai 2026 um 17:28

Durch meine Berlin-Reise habe ich möglicherweise nicht alle Leckerbissen mitbekommen, aber hier sind schonmal die gefundenen auf Mastodon:

Mein Favorit der Mai-Favoriten:

Immer wieder SO! große taz-Überschriften-Liebe:

Auch auf Bluesky gab’s was:

*siehe

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 30. Mai 2026 – Einmal aussetzen

Sonntag, 31. Mai 2026 um 9:24

Heute kein Blogpost.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 29. Mai 2026 – Brieferinnerungen

Samstag, 30. Mai 2026 um 8:24

Guter Nachtschlaf, ich hätte gern mehr gehabt als bis Weckerklingeln.

Aus den in der ganzen Wohnung geöffneten Fenstern kam es bei wolkenlosem Himmel sehr kühl herein, zu kühl für Balkonkaffee. (Die Nächte mit niedrigen Temperaturen begrüße ich sehr, so können wir die Wohnung angenehm temperieren.)

Sommer-Theresienwiese mit Morgenschatten und Infrastruktur-Bauarbeiten fürs Oktoberfest.

Geordnetes Losarbeiten, erst kurz vor meinem Mittagscappuccino wurde es von mehreren Seiten komplex. Zu dem marschierte ich ins Westend.

Mittägliche Brotzeit: Plattpfirsiche, Aprikosen und Buttermilch – Sommer ist, wenn ich überhaupt auf die Idee komme, Buttermilch zu trinken und sie mir dann auch noch hervorragend schmeckt. (Neben Quark die zweite Speise, die ich aus den bösen Assoziationen meiner Diät-Kindheit befreien konnte und heute genieße. Knäckebrot hingegen mag ich einfach wirklich nicht.)

Am Nachmittag noch einiges weggeschafft, während es von draußen dann doch so warm hereinkam, dass ich das gekippte Bürofenster wieder schloss.

Nun aber endlich: Feierabend, Wochenende. Auf dem gemütlichen Heimweg noch Einkäufe beim Vollcorner, daheim schob ich in mein Yoga-Programm eine Folge Pilates, ich hatte das Bedürfnis nach etwas Sportlichem – wobei sich derzeit diese Art Pilates für “sportlich” am besten anfühlt, keine Sehnsucht nach Muskelausreizen und Schwitzen, lieber was Leichteres, dafür täglich.

Nächstes großes Bedürfnis: Alkohol. Schon seit Tagen freute ich mich auf Aperol Spritz.

Anstrengende Selbstauslöser-Akrobatik, dann halt ein extra-geselltes Foto (immer noch echter als KI-Kitsch).
Mein Glas war nach nicht mal 15 Minuten leer, ich genoss die Wirkung enorm.

Zum Nachtmahl erfüllte mir Herr Kaltmamsell den Wunsch nach Glasnudelsalat mit Shrimps, Sojahack und frischen asiatischen Kräutern, ein weiterer Genuss.

Zum Nachtisch hatte er Eton Mess vorbereitet, endlich kam ein Teil der eingefrorenen Eiweiße weg. Dann noch Schokolade.

Endlich dachte ich mal wieder daran, in der Dämmerung nach Fledermäusen Ausschau zu halten: Ich sah reichlich und freute mich daran.

§

Aktuelle Botanik nach Flora Incognita:

In der Anglerstraße wuchs an einem Verkehrsschild die Knäuel-Glockenblume; ähnlich wie bei vielen anderen auffallenden Blümchen im Rinnstein und in sonstigen Weges-Ritzen der Anglerstraße halte ich sie für einen Gefangenschaftsflüchtling aus den darüberliegenden Balkonen.

Der Anblick des Natternkopfs ist mir vertraut, wächst viel in der Stadt; jetzt weiß ich auch, wie er heißt.

§

Maximilian Buddenbohm erinnert ans Briefeschreiben:
“Anmerkungen zum Briefzeitalter”.

Und tritt damit eine Erinnterungsflut los: Ich war viele Jahre lang eine rege Briefeschreiberin. (Und gehörte schon damals zu einer leicht exzentrischen Randgruppe.) (Wie später als Bloggerin.)

Bereits Briefe, vermute ich nachträglich, waren für mich wie später Blogs ein Blick in die Welt anderer Menschen. So begann mein Briefeschreiben auch Generations-typisch im frühen Teenager-Alter mit zwei Brieffreundschaften über Kontaktanzeigen in der Jugendzeitschrift Stafette (DIE GIBT’S NOCH!), eine mit einem Buben in Ägypten (auf Englisch?), eine mit einem Mädchen in der DDR, ähnlicher Grad der Exotik. Das war aber erstmal die Sorte Austausch, bei der praktisch jeder Brief mit der Entschuldigung fürs lange Nichtschreiben begann.

Richtig los ging’s nach dem Abitur, als meine Freundin Veronika für ein Jahr nach England zog, als Au-pair nach Manchester. Sie bastelte die Briefumgschläge meist selbst aus Hochglanzseiten der dortigen Modemagazine. Ich erinnere mich auch an den regen Briefwechsel mit der ersten großen Liebe. Und dann zu Studienzeiten mit den Freundinnen an anderen Studienorten, am intensivsten war der Briefverkehr zwischen meinem Wohnort Augsburg und Regensburg. Hätten wir nicht auch telefonieren können? Taten wir schon auch (wobei Telefonieren teuer war), doch das Schreiben, das Briefeschreiben war einfach eine eigene Kommunikationsform. Oft lagen andere Papiere bei, Zeitungsauschnitte zum Beispiel.

Finanzielle Vorteile standen sicher im Vordergrund, wenn ein Freund, eine Freundin zum Auslandsstudienjahr weit weg war: Wir hielten Kontakt mit Briefen, wussten ganz genau, wie viele Seiten welchen Papiers innerhalb der günstigsten Portoklasse lagen. Ohne dieses Kriterium war die Wahl des Briefpapiers immer eine eigene Überlegung, ich müsste jetzt noch Bestände von damals haben.

Aber das dauerte! Mit meinem Uni-Freund Frank in Augsburg eröffnete ich während meines Studienjahrs in Wales (1991/92) eine zweite Brieflinie, denn jeder Brief brauchte eine Woche in eine Richtung, und nur alle zwei Wochen etwas von ihm lesen zu bekommen, war mir zu wenig. Es entstand eine eigene literarische Form, denn die beiden Linien trennten wir sauber inhaltlich. Wahrscheinlich schrieb ich in diesem Auslandsjahr wöchentlich vier bis fünf Briefe, auch den Kontakt zu meiner Familie hielt ich ja brieflich. Später mit Herrn Kaltmamsell: Wenn wir nicht am selben Ort wohnten (Reisen, Ferienjobs), schrieben wir einander Briefe.

Ich kann mir vorstellen, dass ich meine Fertigkeiten im schriftlichen Ausdruck mindestens so viel durch Briefeschreiben erworben habe wie durchs journalistische Schreiben – zumal ich unter anderem mit Sprachkünstler*innen korrespondierte, von denen ich lernte. Zu Weihnachten 1992 ließ ich mir eine eigene Kiste für erhaltene Briefe schenken (Foto hier rechts oben). Erst vor wenigen Jahren sortierte ich diese gesammelten Briefe (ungelesen) und lagerte sie gebündelt im Keller ab.

So war die neue Technik E-Mail, die ich gleich bei meiner Rückkehr nach Deutschland 1992 entdeckte (Mail-Programm auf Floppy Disk, mit der ich für jedes Senden und Empfangen an die Internetrechner drüben an der Augsburger Mathe-Fakultät ging), hochwillkommen: Damit kamen Briefe SOFORT an! In den ersten Jahren druckte ich noch alle aus und legte sie ab, Briefe waren richtig nur auf Papier.

Sicher bin ich, dass ich mein jüngstes Briefpapier im Mai 2012 in Venedig gekauft habe. Wann ich den letzten handschriftlichen Brief verfasste, weiß ich nicht; wahrscheinlich ist das länger als die Buddenbohm’schen 20 Jahre her.

In meinem Keller steht eine eigene, gut verklebebandelte Kiste mit Liebesbriefen.

die Kaltmamsell