Journal Donnerstag, 18. Juni 2026 – Hitzeeinbruch

Freitag, 19. Juni 2026 um 6:27

Bis drei sehr gut, dann nur noch unruhig geschlafen.

Noch kam es vom sonnigen Draußen frisch rein: Ich öffnete viele Fenster und Türen, machte die Wohnung erst kurz vor Aufbruch hitzefest mit Rollläden und geschlossenen Fenstern – denn heiß sollte es auf jeden Fall werden.

Auf dem Weg in die Arbeit genoss ich erstmal das Hochsommerlicht.

Doch schon bei einem Dienstgang kurz vor zehn wogte die Hitzewelle an.

Verabredung mit meinen Eltern fürs Sonntagmittagessen: Sie sind zurück von ihrer Reise und ich habe große Sehnsucht nach ihnen.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, später spazierte ich eine Runde um die Blöcke. Obwohl ich in der jetzt nicht mehr anders zu nennenden Hitze lieber nicht schnell ging, war mir am Ende kreislaufwacklig schwindlig. In der Gollierstraße hatte ich beobachtet, wie ein recht großer, angeleinter Hund sich neben seiner stehengebliebenen Besitzerin einfach rücklings auf den schattigen Gehweg legte, Beine mit abgeknickten Pfoten in die Luft. Vielleicht hätte ich nicht nur laut “Vorbild!” scherzen sollen, sondern es ihm exakt nachmachen.

Zu Mittag gab es eingeweichtes Muesli mit Joghurt, außerdem Aprikosen und Nektarinen. Ruhig wegzuarbeitender Nachmittag. Während es draußen wie angekündigt richtig heiß wurde, hielt ich mein Büro angenehm temperiert – was bei meinem Kreislauf nicht recht ankam, er wackelte dennoch wie in Hitze.

Direkter Heimweg – gemessenen Schrittes.

Die dreireihigen Linden um die Theresienwiese in Blüte und Duft.

Daheim riss ich mir wieder die Beinhaare aus, dann turnte ich eine neue Folge Pilates von Gabi Fastner – wieder mit neuen unbekannten Übungen, spannend.

Der Ernteanteil hatte keinen Salat gebracht, also bereitete Herr Kaltmamsell die chinesische Keule aus Ernteanteil als Nachtmahl zu und servierte sie mit Bratkartoffeln und Spiegeleiern. Gut! Zum Nachtisch schlossen wir die Erdbeer-Saison ab, dann gab’s noch Schokolade.

Auffallend dieses Jahr: Wie sehr sich immer weiter von der Standard-Erdbeerschachtel entfernt wird.

Sehr früh ins Bett zum Lesen, ich amüsiere mich weiterhin, wie Vicki Baum in Zwischenfall in Lohwinckel einen Landarzt erschafft, so gar nicht das Zeug zum TV-Serienhelden hat, grantig und fachlig untermittelmäßig (er ist aber nicht die dominierende Figur).

§

Die herzzereißende Geschichte eines offenen Port 22 und wen Arman Hossain damit anlockte.
“I Left Port 22 Open on the Internet for 54 Days.
Here’s Who Showed Up.”

via @herr_rau

Ich verstehe die Technik fast gar nicht, nur genug, um die Geschichte zu erfassen und super zu finden.
Hat denn niemand ein IoT-Maschinchen, das 3245gs5662d34 und 345gs5662d34 eine Heimat geben könnte?!

Together, they account for over 11,000 attempts.

§

Jemand mit beruflicher Expertise in diesen Dingen schreibt:

Autonomie ist in jedem Alter wichtig. Noch wichtiger ist es, Hilfe annehmen zu können, damit die Helfenden nicht aufgeben und man selbst nicht in seiner Angst versinkt und damit dann schon jede Autonomie verloren hat.

Hier der zugehörige Blogpost, oben der Anlass des Hinweises:
“Posthornschnecken”.

Puh. Bislang berücksichtige ich als Vorbereitung für ein möglichst Leid-armes Alter bereits:
– Bewegung (das ist das Einfachste für mich, weil eh ein Bedürfnis, etwas Aufmerksamkeit erfordert lediglich, alle Bereiche Kraft, Cardio, Mobilität abzudecken)
– Aktive Pflege menschlicher Kontakte inklusive Nachschubsicherung (wofür ich mein starkes Eigenbrötlertum überwinden muss, aber Wirkung wissenschaftlich erwiesen)

Jetzt wird mir klar, dass ich rechtzeitig lernen muss, Hilfe einzukalkulieren. Das ist für mich, die mit SELBER! praktisch geboren wurde, ausgesprochen schwer. (Bislang so: No man is an island? Das wollen wir doch mal sehen.)

§

Where you’ll see a rare bird.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 17. Juni 2026 – David Hockney und wenn ich malen könnte

Donnerstag, 18. Juni 2026 um 6:31

Der Wecker klingelte extrafrüh, ich plante einen Lerchenlauf. Für den verließ ich kurz nach sechs das Haus, lief angenehm leicht in feuchten Sommermorgendüften (es hatte nachts geregnet), bekam endlich mal wieder den Laufgenuss, wegen dem ich das doch eigentlich mache.

Die David-Hockney-Doku ging mir weiter durch den Kopf. Meine Gedanken kreisten um die zentrale Funktion, die Umsetzung von Wahrnehmung für Hockney hatte (darauf wies in der Doku Kurator Andrew Wilson von Tate Britain hin, im Gegensatz zum anderen Geschwurbel auf der Basis von Hockneys eigenen Aussagen). Hockneys Bilder versuchen seine Wahrnehmung wiederzugeben, vor allem seine visuelle Wahrnehmung – und nein: Das ist keineswegs Anliegen aller Künstler*innen. Manche setzen etwas um, was sie vor ihrem inneren Auge, in ihrer Vorstellung haben. Manche arbeiten eher prozesshaft und wissen selbst nicht, was das Ergebnis sein wird. Wieder andere starten mit Einzelelementen, Gegegenständen, Material, das sie zu einem Ergebnis kombinieren. Plus unzählige andere Ansätze als das Ziel, Wahrnehmung wiederzugeben.

Zum Beispiel die Linien des Sonnenlichts im Wasser gebrochen auf dem Boden eines Swimming Pools. Hockneys Pool-Bilder waren seine ersten Werke, die ich kennenlernte. Herr Kaltmamsell und ich arbeiteten Anfang der 1990er beide als Hiwis an der Augsburger Uni am Lehrstuhl für Englische Literaturwissenschaft. Wir waren noch kein Paar, als der heutige Herr Kaltmamsell mich während eines gemeinsamen Hiwi-Dienstes in die Uni-Bibliothek bat, nur zwei Büro-Gänge vom Lehrstuhl entfernt: Er wolle mir etwas zeigen. Dieses etwas stellte sich als Bildbände von David Hockney heraus, er wollte mich auf die Pool-Bilder hinweisen (hier eines der berühmtesten, “Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)”). Ich war sofort gefangen (und sehr beeindruckt von Herrn Kaltmamsell), vor allem von den Linien, die das Sonnenlicht auf den Boden des Pools warf: Erst durch die Wahrnehmung ihrer unvergleichlichen Schönheit und deren Abbildung sah auch ich sie – und denke jetzt bei jedem Schwumm mit sonnenglitzerndem Schwimmbeckenboden an Hockney.

Oder wie Andrew Wilson bemerkte: Als er zum ersten Mal nach Los Angeles und diese Gegend Kaliforniens reiste, habe er das Gefühl gehabt, durch Bilder von David Hockney zu fahren. Hockney hatte die Essenz dieser Anblicke wahrgenommen und in seinen Kalifornien-Bildern umgesetzt.

Das Umwerfende dabei: Mit seiner Kunst geht David Hockney weit darüber hinaus, was Fotografie einfangen kann. Am besten sieht man das an seinen Kunstwerken, die er aus Fotos zusammengebaut hat, zum Beispiel an diesem Portrait von Billy Wilder, das die Wahrnehmung des Menschen deutlich präziser einfängt, als das ein konventionelles Foto von ihm könnte. Obwohl Hockney im Zweidimensionalen bleibt, hält das Porträt auch Bewegung fest.
Ähnliches gilt für Hockneys Doppel-Porträts, zum Beispiel dieses von Christopher Isherwood and Don Bachardy: Neben visuellen Wahrnehmungen transportieren sie auch die Wahrnehmung von Gefühlen, der Beziehung zwischen den beiden Portraitierten (die allerdings wiederum bei der Betrachterin andere sein könnten als beim Maler).

Und als ich so in den Isarauen vor mich hin trabte und darüber nachdachte, begann ich mir nach Jahrzehnten wieder zu wünschen, ich könnte malen. Denn das Wahrnehmen samt Bedürfnis, dieses festzuhalten und anderen zu zeigen – das kenne ich sehr gut. Ich versuche es halt mit unbeholfenen Handy-Fotos. Jetzt wurde mir bewusst, wie vieles von meiner Wahrnehmung ich beim Fotografieren weglassen muss oder ich nie die Chance habe festzuhalten, weil es bis zum Zücken des Handy längst vorbei ist. Oder wie oft das Foto überhaupt nicht wiedergibt, was ich eigentlich sah. Bislang fand ich mich halt damit ab, dass sich manches nicht einfangen lässt – oder machte mir Vorwürfe, weil ich immer zu faul war, mich ernsthaft mit Fotografie zu beschäftigen.

Malerei gäbe mir die Chance, das innerlich festgehaltene Bild zu äußern oder den Schwerpunkt meiner Wahrnehmung, das, was mich hinsehen ließ, in den Vordergrund zu stellen – viel mehr als jedes Foto. Zum Beispiel beim Wandern vergangenen Samstag der Sonnen-beschienene Mückenschwarm im Wald vor einem Stück blauem Himmel mit Wolken (der mich umgehend stehenbleiben und nach dem Mückenspray kramen ließ): Keine Chance, das in ein Foto zu bannen. Aber malen könnte man das, ich dachte an David Hockneys Yorkshire-Bilder (hier ein Beispiel aus seinem Sketch Book).

Ein Beispiel von meinem gestrigen Lauf:

Könnte ich malen, stellte ich die Beziehung zwischen den Pastelltönen an der jungen Frau und den Fassaden heraus, verschöbe die Frau ein wenig nach links. (Nein, sowas mit Prompts eine Maschine machen zu lassen, ist nicht dasselbe.)

Hier würde ich die Elemente verdichten, die Stadt-Silhouette und den Badenden zusammenrücken – weil DAS meine eigentliche Wahrnehmung war: Mitten in der Stadt, von einer Brücke sichtbar und vor einer sehr städtischen Kulissen ein nackter Männeroberkörper im Fluss.

Ein Element meiner Wahrnehmung bei beiden Motiven: Ich finde sie lustig! Und Humor ist etwas, was ich auch in Hockney Werk sehe – was meiner Meinung nach in den Nachrufen auf ihn viel zu wenig Raum einnimmt.1

Weitere Wahrnehmungen auf meiner Runde, nicht alle sah ich automatisch mit David-Hockney-Filter (so wie ich vor einem Jahr nach Besuch der Ausstellung japanischer Holzschnitte alles mit Holzschnitt-Filter sah).

Ich beendete meine Laufrunde inspiriert und fröhlich. Schnelles Duschen und Fertigmachen, Arbeitsweg mit U-Bahn-Unterstützung.

Im Büro geordnetes Wegarbeiten, das war eine schöne Abwechslung. Mittagscappuccino im Westend, sehr komisches Wetter: Die Hitzewelle kündigte sich bereits an, doch noch waren die Temperaturen angenehm, lediglich drückte die Luft bereits wie in Hitze.

Wie schon am Montag ein Kompliment für mein Outfit bekommen – von einer völlig fremden entgegenkommenden Passantin. Das freute mich – und bestärkte mich darin, das auch weiterhin selbst zu tun.

Zu Mittag gab es Hüttenkäse mit Leinsamenschrot, außerdem Aprikosen und Nektarinen: Am Montag unreif eingekauft, jetzt waren sie perfekt nachgereift.

Arbeitsamer Nachmittag, das Fenster nach draußen schloss ich lieber gegen dieses seltsame Drücken. Ich fühlte mich müde und konzentrierte mich nur schwer; da bei meinen gestrigen Aufgaben Fehler sehr peinlich wären, checkte ich alles dreimal.

Nach Feierabend holte ich ein UPS-Paket in einem kleinen Laden an der Landwehrstraße ab, in dem ich vor lauter auf dem Boden verstreuter und überall wild gestapelter Ware nicht mal bis an die Theke kam. Aber hey! Das Paket wurde nach einer Weile gefunden.

Zum Nachtmahl war ich mit Herrn Kaltmamsell zu einem weiteren Versuch Schnitzelgarten verabredet. Und wir hatten Glück: Es gab genug freie Tische, niemand stand Schlange.

Zu einem alkoholfreien Weißbier gab es hervorragende Pommes, sehr gutes Cordonbleu mit Gorgonzola-Füllung. Und es blieb genug übrig für ein reichliches Frühstück für Herrn Kaltmamsell.

Zurück daheim zum Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, bei noch hellem Himmel zum Schlafen gelegt.

  1. Es ist hoffentlich klar, dass ich nicht versuche, mich mit David Hockney zu vergleichen? []
die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 16. Juni 2026 – Wirklich kurze Haare!

Mittwoch, 17. Juni 2026 um 5:38

Die Arbeitssorgen, die mich beim Zu-Bett-gehen gehörig umgetrieben hatten, störten meinen Schlaf glücklicherweise erst in der letzten Phase. Ab dann aber durchgehend bis zur Verzweiflung auch auf dem Arbeitsweg (kühl, gemischtwolkig, aber eher freundlich) und bei Arbeitsanfang. Am Schreibtisch bestärkte mich ein neues Detail dazu in meinem Postfach zumindest darin, mich auf meine (wirklich echt ehrliche) Nicht-Zuständigkeit zu konzentrieren: Aus Verzweiflung wurde zumindest lediglich Unglück. Meinen komisch turbulenten Bauch konnte ich allerdings nicht so einfach damit erklären, den hatte ich vor einer Woche auch schon ohne dieses Schlamassel.

Und ich hielt mich daran fest, dass ich meinen schönsten Rock mit meinen schönsten Schuhen trug.

Mittagscappuccino inklusive Marschrunde im Westend.

Nachmittag mit mühsamer Arbeit und einem kleinen Ausrutscher in meiner Servicehaltung. (Daran gelernt: Selbst ich habe eine Trivialitätsgrenze bei Aufgaben, nämlich wenn sie sich zu weit unter sogar Kaffeekochen anfühlen.)

Große Freude auf das Wochen-Highlight: Endlich ein Haarschnitt.

Vorher nochmal die Mähne festgehalten. Auf dem Weg aus dem Bürohaus kam ich an einem Besprechungsraum vorbei, in dem Chor gesungen wurde (ca. sechs bis acht Leute) – das war unerwartet.

Der vertraute Familienfriseur hatte wieder Spaß mit meinem dicken Haar (und mit meinem Vergleich, dass ich mich fühlte wie dieses eine Schaf, das für ein paar Jahre in den Bergen verschwunden war und völlig von seiner Wolle eingewachsen gefunden wurde).

Ich war hochzufrieden mit dem Haarschnitt. Auf dem Heimweg noch eine Runde Milchprodukteinkäufe beim Alnatura.

Daheim eine Einheit Yoga mit ein wenig Anstrengung. Zum Nachtmahl setzte Herr Kaltmamsell eine Abmachung um: Nach unserem Besuch im Mix Market mit seinen osteuropäischen Produkten hatten wir ein Abendessen mit verschiedenen gefüllten Teigwaren von dort geplant. Und gestern servierte er: Vareniki (Sauerkrautfüllung) in Brühe, dann Pierogi (Hackfleischfüllung) und Khinkali (Spinat/Mozzarella) mit Butter. Gut und sättigend.

Nachtisch erst der Rest Apricot Crisp, dann Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen. Am Montagabend hatte ich das Granta mit skandinavischer Literatur beendet (interessant, unter anderem: auch woanders gibt es alte weiße Theatermacher mit Entitlement-Problem), die neue Lektüre, Vicki Baums Zwischenfall in Lohwinckel, nahm mich mit in die deutschen 1920er in Form des Haushalts eines nicht mehr jungen Provinz-/Landarztes mit junger Frau, kleiner Tochter und Problemen – deutlicher Gegensatz zum Fernseh-Landarzt-Idyll mit nostalgischer Note.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 15. Juni 2026 – Beifang aus dem Internetz

Dienstag, 16. Juni 2026 um 6:32

Woche 7 bis Urlaub.

Der Tag startete sehr kühl, aber sonnig, für den Weg in die Arbeit schlüpfte ich in eine warme Jacke.

Auf der Theresienwiese wird immer noch sehr viel baugearbeitet. Das nährt meine Hoffnung, dass sie nicht wieder bereits Ende Juni für den Oktoberfestaufbau gesperrt wird – weil die Bauarbeiten dann noch nicht abgeschlossen sind.

Am Schreibtisch emsig losgearbeitet, übers Wochenende hatten sich Pläne und Wünsche geändert.

Mitten am Vormittag massiver Querschuss in Form von großem Durcheinander, das ich klären musste. Oder zumindest erklären, ich hatte schnell den begründeten Verdacht, dass jemand entgegen meinen umfangreichen und fundierten Warnungen massiven Mist gebaut hatte. Es folgte das Abwägen, wie stark ich mich für Rettung ins Zeug werfen würde: Einander gegenüber standen Lerneffekt für Mistbauende durch Gegen-die-Wand-fahren-lassen und das Schlamassel, in das Unschuldige ohne meine Rettung geraten würden. Sie kennen das.

Diese Aufregung, die bereits nach ersten Recherchen in Abgründe führte, versuchte ich mit einem Marsch um die Blöcke wegzulaufen. In herrlichem Sonnenlicht ohne Hitze sorgte sie für so viel Antrieb, dass ich Treppenstufen nach oben geradezu flog.

Zu Mittag gab es Quark mit Joghurt, Leinsamenschrot, Nektarinen.

Arbeitsnachmittag mit Fortsetzung des Vormittags-Durcheinanders, ich fühlte mich sehr unwohl.

Heimweg ohne Umwege in herrlicher Luft und Sonne mit Wind ohne Hitze.

Daheim setzte ich eine Idee um: Apple Crisp mit Steinobst statt Äpfeln, und zwar mit (absichtlich) recht harten Aprikosen und Nektarinen. Und wenn ich schon am Experimentieren war, nahm ich Herrn Kaltmamsells Hinweis auf den Rest Mohnzucker von den Kartoffelnudeln auf, den ich unter das Crisp mischte.

Während der Nachtisch im Ofen garte, turnte ich eine kurze Dehn-Folge Yoga.

Herr Kaltmamsell hatte den ersten Ernteanteil-Blumenkohl seit langem auf meinen Wunsch als Aloo Gobi zubereitet, mindestens so großartig wie erinnert. Dann war der Apricot Crisp genug abgekühlt, um als Dessert serviert zu werden.

Gut!

Als Abendunterhaltung sahen wir eine arte-Doku über den eben verstorbenen David Hockney (dessen Werk in Herrn Kaltmamsells und meiner Beziehung eine Rolle spielt und das wir beide sehr mögen).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/xt0llOfXP6c?si=Z8PMkKq4W3KitfnJ

Ich erfuhr einiges, musste aber mehrfach Augen rollen bei den wilden Interpretationen des französischen Kurators (ich finde nachträglich nicht heraus, wie der hieß, alle Suchmaschinen kaputt) – die er fast nie an irgendwas in den Bildern festmachen konnte. Und warum eine Doku “Der Maler des Pop” heißt, um von Anfang an und konsequent zu betonen, dass David Hockney nicht zu Pop Art gehört, will mir auch nicht eingehen.

Nachtrag: Auf Mastodon half jemand, der französische Schwurbel-Kurator ist Didier Ottinger vom Centre Pompidou.

§

Verheerungen der “KI”: Ich glaube gute Fotos nicht mehr, die ich online sehe. Als fotografisch präsentierte Bilder, die mir positiv auffallen, lösen zwar als Erstes immer noch ein “Boah, gutes Foto!” aus, mittlerweile aber sofort gefolgt von Misstrauen: Ist das wirklich ein Foto oder ein Maschinen-erzeugtes Bild? In meinen Social-Media-Quellen hängt das stark vom absendenen Konto ab: Nur wenn darauf NIE künstlich generierte Bilder auftauchen, vertraue ich der Aufnahme. Wenn jemand bereits Maschinen-erzeugte Bilder veröffentlicht hat, halte ich Verfälschung bei allen für möglich. Das fühlt sich nicht schön an.

§

Vielleicht wird das auf meine alten Tage doch noch was mit mir und Lyrik. Kürzlich frage ich Herrn Kaltmamsell, woher die zu Tode zitierte Goethe-Zeile “Edel sei der Mensch, hilfreich und gut” eigentlich komme, erwischte den Deutschlehrer und Studiendirektor damit derart mittemang in seiner Kernkompetenz, mit der er, wie sich erwies, das Gesamtgedicht regelmäßig im Unterricht bespricht, dass er vor lauter Nicht-wissen-wo-anfangen noch Luft holte, als ich das Gedicht “Das Göttliche” von Johann Wolfgang von Goethe bereits selbst gefunden hatte.

Woraufhin zunächst der gewohnte Ablauf begann: Ich las, kapierte nichts, war unwillig, was das alles bitteschön sollte, begriff passagenweise nicht mal die grammatische Struktur der Sätze. Doch dann las ich von Anfang an nochmal laut, machte ebenfalls laut “Hä? Wer ist jetzt auf einmal ‘Sein’?” – und allein schon das Aussprechen setzte in meinem Lyrik-blockierenden Gehirn Erkenntnisprozesse in Gang. Bis ich Stück für Stück und weiter laut lesend den Eindruck bekam, das Gedicht zu erfassen – wobei der anwesende Deutschlehrer lediglich auf das entsprechende “Hä?” Bemerkungen zur wackligen Religiosität der deutschen Klassik beisteuerte. Das war schön.

Was schon immer eher ging, war zugängliche Kleinkunst-Lyrik, also zum Beispiel Robert Gernhard, Erich Kästner – oder Hanns Dieter Hüsch. Gestern stieß mich @goncourt auf sein Gedicht “Bedenkt”, dass Hüsch hier 1979 vorträgt:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/4EWZPQ6VF3A?si=ozUe_rxJkeeTbU4d

(War der mal jung!)

§

Wie ich einmal etwas über Penis-Tätowierungen lernte.

§

Botaniker Michael Rzanny vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie gehört seit der Gründung zum Team von “Flora Incognita”, der beliebtesten App zur Pflanzenbestimmung im deutschsprachigen Raum. Christian Schwägerl hat ihn für Riffreporter besucht:
“Pflanzenbestimmung per App: Wie genau funktioniert eigentlich Flora Incognita?”

§

Am Sonntagabend stolperten wir im Bayerischen Fernsehen in eine ältere Folge von Unter unserem Himmel:
“Erdäpfelsterz und Baunkerl · Einfache Kartoffelspeisen”.

Und blieben wie so oft bei diesen Heimat-Dokus hochinteressiert hängen. Vorgeblich geht es um Kartoffelgerichte in Niederbayern, die sind durchaus interessant und inspirierend. Doch die eigentliche Faszination liegt in dem Miterzählten, in der Kittelschürze, der Hotelübernahme der beiden Töchter, dem gar nicht alten Forstarbeiter, der im Bauwagen wohnt ohne Elektrizität und fließend Wasser, nur Bioprodukte für seinen Kartoffel-Sterz verwendet (und so tief Dialekt spricht, dass ich ihn gerademal so verstand, aber begeistert viele Aussprachen wiederholte, zum Beisiel “Ähpfl” für Erdäpfel). Eine sanfte Doku, in der die Filmenden sichtbar sind (so mag ich das), die dennoch in erster Linie ihren sehr unterschiedlichen Protagonist*innen Raum gibt. Ich hätte sie älter geschätzt als Erstsendung 2021, aber – hier bitte selbst einen Scherz über die Vorgestrigkeit Niederbayerns einfügen.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 14. Juni 2026 – Zu kühl für Sonnenbad nach Schwimmrunde

Montag, 15. Juni 2026 um 6:19

Morgens eher versehentlich die Spülmaschine geputzt: Mir fiel in einer Ecke des inneren Rahmens eine Ansammlung von Dreck auf – das kannte ich bereits, darum kümmere ich mich hin und wieder. Doch bei deren Beseitigung sah ich diesmal den Schmutz auf der Türdichtung, entdeckte beim Putzen eine weitere schmutzige Rahmendichtung und darin eine dreckige Falte. Wie bei vorherigen Reinigungsversuchen landete ich bei den Türscharnieren der Spülmaschine mit ihren zahlreichen verdreckten Spalten – in die ich beim besten Willen mit keinem Putzgerät reinkomme. Geht der Hersteller davon aus, dass in jeder Küche dafür ein Dampfstrahler bereit steht?

Das Wetter gemischtwolkig und kühl, die Vorhersage war vage und legte sich lediglich auf Regenfreiheit fest, viel wärmer als 20 Grad sollte es nicht werden. Ich freute mich auf eine Schwimmrunde – bei ausreichend Sonne würde ich mich danach auf die Freibadwiese legen können.

Angenehmes Radeln über Neuhausen und Gern zum Dantebad.

Schwimmen war sehr schön, Lindenblütenduft bis ins Becken. Während der Hälfte der Zeit schien die Sonne volle Pulle, und ich freute mich bereits auf ein wärmendes Sonnenbad. Doch als ich das Becken verließ (das des Dantebads hat einen flachen Überlaufrand, aus dem ich mich rückwärts nur mit Trizepskraft hebe – und mich dabei superelegant und lässig fühle), wurde sofort klar, dass die Lufttemperatur von der anderen Hälfte der Zeit bestimmt wurde: Wolken und Wind. Deutlich zu kühl für ein Sonnenbad. Ach meia.

Also gleich Körperpflege komplett, Heimradeln (nur T-Shirt war zu frisch, ich schlüpfte wieder in den Pulli) über Semmelkauf.

Frühstück kurz nach zwei: Nektarinen, Orange, außerdem zwei Körnersemmeln mit Butter und Honig/Marmelade. Vielleicht ein bisschen zu viel Butter, mir war leicht übel.

Nachmittag mit Internet- und Zeitunglesen, Maniküre, schließlich war es auch warm genug für Balkonsitzen im Lindenblütenduft. Eine Folge Yoga mit Adriene, bevor Herr Kaltmamsell zum Nachtmahl Kartoffeln aus Ernteanteil mit zugekauften breiten Bohnen auf spanische Art servierte. Hervorragend, gab es viel zu lang nicht mehr (vor allem weil wir eh schon viel Gemüse durch Ernteanteil haben, nie aber breite Bohnen). Dann noch Eiscreme und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, früh verschwammen mir vor lauter Müdigkeit die Buchstaben vor Augen.

§

Shoutout an Mireille Silcoff für ihren New-York-Times-Essay
“I’m a 53-Year-Old Woman. Stop Telling Me I’m Invisible.”

Nicht nur widerspricht sie dem Klischee auf Basis ihrer eigenen Erfahrungen (wie auch ich es tue). Silcoff schaut sich auch genauer an, woher dieses offensichtlich so gut verkäufliche Stereotyp eigentlich kommt.

No, all this talk of invisibility is referring to one thing: the passing of youth. A middle-aged woman in 2026 may be many things — accomplished, desirable, indispensable — but she is definitely not young, or still seen as young. So a tired, male-gaze-informed trope is applied: If youth is no longer visible, then the woman must be invisible.

This youth centrism is tone deaf and outdated. Kamala Harris ran for president in 2024 when she was turning 60, and the whole vibe of her campaign was that she was bursting with optimistic energy. (It helped that she was running to succeed an 81-year-old man and campaigning against a 78-year-old man.) Women occupy nearly 30 percent of C-suite jobs, up from 17 percent just a decade ago, and the average age of these executives is roughly 55.

These numbers still can improve, and should, but they point to both an increase in influence and visibility for older women. So what are we talking about here? Fewer catcalls?

§

Über den aus Bluesky nach Mastodon gebrückten Account @womensart1 (immer eine Labsal, zumal deren Posts als Dutzend im Schwall in meiner Timeline auftauchen) stieß ich auf die britische Keramikkünstlerin Kitty Shepherd, suchte nach ihrer Website – und bin schockverliebt in ihre Arbeiten.

§

Das Lied gefällt mir. Und der Tanz.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/0UClZa3AaVg?si=hOibW_w7Xq_r4qt5

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 13. Juni 2026 – Wanderung ab Geltendorf, Sankt Ottilien mit Missions- und jüdischer Geschichte

Sonntag, 14. Juni 2026 um 9:25

Gut und ausgeschlafen, aufgestanden zu gemischten Wolken, aber deutlichem Temperaturanstieg. Alles wies darauf hin, dass das ein hervorragender Wandertag würde, das stellte sich später auch als richtig heraus.

Zu dieser Wanderung war ich um zehn am Münchner Gleisende verabredete, genug Zeit für einen gemütlichen Morgen mit Bloggen und Mastodon-Lesen. Länger als bei jeder Wanderung zuvor dachte ich über angemessene Wanderkleidung nach: Zwar war der sichtbare Wetterumschwung angekündigt gewesen, doch die vorherigen sehr kalten und dann auch noch regnerischen Tage musste ich erstmal aus dem Kopf bringen. Schließlich entschied ich mich für kurze Wanderhose und kurzärmliges Oberteil, schlüpfte aber in meinen leichten Windbreaker.

Münchner Nicht-Hauptbahnhof.

Die Windjacke zog ich gleich bei Ankunft am Gleis aus: Es war viel zu warm dafür.

Die Mitwanderin hatte als Ziel unserer Tour Sankt Ottilien bei Geltendorf vorgeschlagen, dessen ungewöhnliche Geschichte im 20. Jahrhundert ich bereits von ihr kannte: In der Nachkriegszeit diente das Benediktinerkloster als Krankenhaus für jüdische Häftlinge aus dem KZ Dachau. Außerdem interessierten wir uns für das dortige Missionsmuseum. Ich fand eine Wanderung drumrum, die uns einige Stunden in Bewegung halten sollte.

Es wurden schöne Stunden, auch wenn die erste Hälfte über Kaltenberg fast ausschließlich auf asphaltierten Wegen führte. Doch es ging ein angenehmer Wind, meist schien die Sonne, mit kurzen Ärmeln und Sonnenkappe war ich genau richtig ausgestattet.

Zwischen Geltendorf und Kaltenberg bewunderten wir die Wellen, die der Wind in die grünen Kornfelder blies: Nur in dieser Phase zeigten sie ihren ganzen Zauber, weil die Blätter der Halme verschiedene Grüntöne trugen; bei weiterer Reife der Pflanzen ins Gelbe verschwindet der Effekt.

Bilderbuch-Bayern

Zwar wird es auch dieses Jahr das Kaltenberger Ritterturnier geben (das ich vor 38 Jahren auch mal besuchte – das erste Mal wurde es schon 1980 veranstaltet), doch jetzt lagen die Anlagen noch ruhig da.

Ebenfalls Bilderbuch – mit starkem Verdacht, dass erst das Bilderbuch da war, und die Anlagen diesem Wunschbild angepasst wurden. Diesmal hatte ich sogar eine Kunsthistorikerin bei der Hand, die das bestätigen konnte.

Nach einer Schleife zurück und hinter dem Ort Kaltenberg ging es endlich auf Feldwege und in den Wald. Wo ich bereits nach wenigen Metern zum Mückenspray griff, das seinen festen Wohnsitz in meinem Wanderrucksack hat: Das malerische Sonnenlicht durchs Grün der Bäume machte Mückenschwärme sichtbar, mit denen ich nichts Engeres zu tun haben wollte. Ansonsten waren die Wege aber nach den Regenfällen der Vortage überraschend wenig matschig.

Nach etwa zweieinhalb Stunden Gehen setzten wir uns auf ein passendes Bankerl und machten Pause, ich frühstückte Apfel und Hüttenkäse. Vor uns mal ein Falke, mal ein Rotmilan (den wir noch an zwei weiteren Stellen am Himmel sahen – vielleicht waren es natürlich auch drei verschiedene). Vorher hatten wir bereits recht nah zwei Hirschtiere im Wald gesehen, die ich früher Rehe genannt hätte, bevor ich lernte, dass Rehe genau genommen nur eine ganz kleine und eher seltene Gruppe Hirsch bilden. (Noch verbinde ich mit “Hirsch” zu sehr Geweih, als dass ich die Bezeichnung unbefangen verwenden könnte.)

In einem großen Bogen (und zwei Extra-Abstechern, weil der GPS-Pfad auf meinem Handy-Display nicht ganz mit der Gegend übereinstimmte) gingen wir nach Eresing, das wir in diesem Bogen immer im Blick hatten. Auf die dortige Kirche war ich gespannt, denn je näher wir kamen, desto mehr sah sie in Details untypisch für eine Bilderbuch-Barockdorfkirche aus.

Der Eingang zu dieser Kirche St. Ulrich lag erhöht auf der Rückseite. Innen schöne Rokoko-Gestaltung mit überraschend gut gemalten Fresken (erst vor wenigen Jahren renoviert), der Hauptbau sichtlich von einem ursprünglichen gotischen Bau übernommen. Wir fanden auch die Treppe hinunter ins Erdgeschoß mit einer Kapelle.

Nicht viel später gelangten wir bereits nach Sankt Ottilien – ich war überrascht, wie weitläufig die Anlage ist.

Eingang zum Missionsmuseum.

In dem mir wie immer beim Thema christliche Mission ausgesprochen unwohl war (Kolonialismus, Machtmissbrauch, Gewalt, Unterdrückung, Rassismus). Diese Ausstellung ist allerdings in vielerlei Hinsicht vorbildlich in Reflexion und Transparenz, unter anderem zieht sich der Aspekt Restitution der Exponate durch die gesamte Ausstellung.

Wir durchstreiften das Gelände, meine Begleiterin kaufte im Automatenladen der Gärtnerei Gemüse, wir besuchten den jüdischen Friedhof als einen Teil des Rundgangs zur jüdischen Geschichte Sankt Ottiliens.

Mit dem ich mich bei einem eigenen Besuch ausführlich beschäftigen möchte, jetzt weiß ich ja, wie schnell ich vom Bahnhof Geltendorf hier bin.

Zu diesem spazierten wir abschließend und ließen uns von einer Regionalbahn mit Umstieg in Pasing zurück nach München fahren. Das waren gut 20 Kilometer in knapp fünf Stunden gewesen, die immer wieder schöne Aussichten geboten hatten.

Auch über München blauer Himmel, darin Wind und angenehme Temperaturen. Ich ruhte mich ein wenig auf dem Balkon aus, bevor ich meinen Anteil zum Abendessen aus Resten beitrug: Kohlrabigemüse aus Ernteanteil, restlichen Salat angemacht. Dazu servierte Herr Kaltmamsell ein wenig Fleisch und Kartoffelbrei vom Vorabend. Ich bekam das restliche Glas Rosé.

Nachtisch Vin Santo (hervorragend) und Cantuccini, außerdem Schokolade. Wieder sehr früh ins Bett zum Lesen, ich war dann doch vom Wandern müde.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 12. Juni 2026 – Außer Atem über die Wochen-Ziellinie

Samstag, 13. Juni 2026 um 7:54

Ich hatte mich so oft morgens erinnert “noch NICHT Freitag”, dass ich gestern bei Weckerklingeln erstmal überlegen musste bis “FREITAG!”.

Das kalte Regenwetter ging in die Verlängerung, allerdings erwischte ich für meinen Marsch in die Arbeit (Woll-Janker, Schal) eine Regenpause. Gleich danach setzte wieder heftiger und windiger Regen ein.

Aber bis dahin bekam ich auf der Theresienwiese nicht nur Lindenblütenduft, sondern auch die Kamillenblüte in die Nase.

Am Schreibtisch überfielen mich gleich mal besonders unangenehme Aufträge, die mich von den eigentlich geplanten Arbeiten abhielten. Weil ich mit ihnen aber eh nicht vorankam (was sie noch unangenehmer machte), arbeitete ich Geplantes ab, immer mit einem Auge auf eine mögliche erlösende Information auf welchem Kanal auch immer, maximal unentspannt. Für Mittagscappuccino traute ich mich nicht weiter weg von meinem Schreibtisch als Cafeteria.

Sommer, aber in greislich.

Um die Mittagszeit endlich Erlösung, ich schnappte mir einen Schirm, um die Aufregung mit einer Runde im Regen um die Blöcke wegzulaufen.

Als ich zurückkam, ging’s grad so crazy weiter, was ist bloß aus Freitag geworden? Ich war sehr versucht, den nächsten Anruf mit “WER STÖRT?” entgegenzunehmen. (Was der technische Fortschritt AUCH kaputt gemacht hat, die Antwort steht ja heutzutage bereits auf Display/Bildschirm.)
Und dann schon wieder ein erzwungener Neustart für Updates! Wohin sind die Zeiten, in denen die Nacht für Software-Updates genutzt wurde?!

Parallel letzte Abstimmungen mit Freundin zu Samstag: Wir sind seit Monaten zum Wandern verabredet, das Wetter soll sich akkrat dafür einkriegen.

Mittagessen Flachpfirsiche und Aprikosen, außerdem Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Eine Besprechung am Nachmittag spülte dann eine weitere Welle Zeugs über mich. Ich arbeitete auf dem Zahnfleisch weg, war eigentlich zu erschöpft für Heimgehen, machte in erster Linie aus Angst vor weiteren Auftragswellen Feierabend, Montag musste dafür auch noch reichen.

Auf dem Heimweg (ohne Bedarf für Schirm, vielleicht war’s das tatsächlich erstmal mit Regen, außerdem war es milder geworden) die geplanten Lebensmitteleinkäufe – ich bin sicher, dass andere Leute auch solche gemeinsamen Einkaufslisten haben.

Zu Hause erstmal dramatisch mit dem Gesicht nach unten auf das Bett von Herrn Kaltmamsell gekippt. (Er legte sich zu mir, das war sehr schön.) Dann eine Folge Pilates “Kraft und Balance / Für Fortgeschrittene”, MIPFLEISS! Überforderung riskierend. Innere Logik: Wenn ich die trotzdem schaffe, habe ich an diesem Tag zumindest irgendwas geleistet. Wenn ich sie nicht schaffe, kann ich wenigstens meinen Selbsthass rechtfertigen. WIN WIN!

Resultat: Nur eine Übung funktionierte auf einer Seite nicht befriedigend – vor allem aber taten sowohl Gabi Fastner als auch die Übungen wirklich gut.

Jetzt von Herzen Wochenende gefeiert, ich schüttelte Cosmopolitans.

Alkohol! So nützlich!

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell Rinderippe geschmort.

Es gab sie mit Ernteanteil-Brokkoli und Kartoffelstampf, köstlich. Dazu hatte ich einen empfohlenen Rosé aufgemacht: den unfiltrierten Rosza libre von Claus Preisinger aus Gols. Schmeckte fruchtig, frisch und gut – aber in jüngster Zeit hatte ich Rosés im Glas, die mir noch besser schmeckten.

Nachtisch Schokolade, früh und völlig erledigt ins Bett zum Lesen.

§

Nebenwirkung von Papierpost: Eine liebe Urlaubspostkarte bescherte mir den ersten Anblick einer britischen Briefmarke, auf der NICHT die Queen abgebildet war! (Starkes Störgefühl bis ich begriff: Sie zeigte ihren Sohn.)

Außerdem bemerkenswert: König Karl trägt auf dem Briefmarkenbild, anders als seine Mutter, keine Krone (er hat vermutlich nur die offizielle, während die Königin ihre mit einem Diadem andeuten konnte).

die Kaltmamsell