Journal Mittwoch, 21. August 2019 – Bitte noch kein Herbst
Donnerstag, 22. August 2019 um 7:00Morgens versuchte ich es wieder mit Schmerzmedikation – und in den darauffolgenden Stunden verschwand mein Hinken ganz, ich ging wieder mit Elan. Wenn das reproduzierbar wäre und ich die Angelegenheit mit 600 mg Ibu alle fünf Tage im Griff behalte – wäre das für die nächste Zeit wirklich klasse.
Emsiger Arbeitstag unter gemischtwolkigem Himmel, aus dem es auch mal regnete. Ich löste ein technisches Problem systematisch und konnte zu meiner Freude Kolleginnen damit weiterhelfen. Mich allerdings auch zum Vollhorst gemacht, weil ich die IAA in Hannover verortete statt in Frankfurt (das MAN-Girl ist immer noch stark in mir).
Mittags aß ich ein Laugenzöpferl sowie Latwerge mit Quark – ich werde mit etwas mehr Einsatz die eingekochten Zwetschgen 2018 wegfuttern müssen, bevor der Jahrgang 2019 anrückt.
Auf dem Heimweg Einkaufsabstecher in der neuen Mall auf der Theresienhöhe. Ich bin weiterhin gespannt, ob sich Kundschaft für all die Bekleidungs- Süßigkeiten- und Schnickeldi-Läden dort findet. Selbst kaufte ich in der Drogerie und im Vollcorner ein, die hier für mich wirklich praktisch liegen.
In meinem Internet werden seit Tagen Herbstanzeichen (Geruch, Licht) gesucht und gefeiert. Bei aller Liebe zum Herbst: Ich bin noch nicht so weit! Mir fehlen noch unter anderem: Maria Einsiedel, Hirschgarten, tinto de verano, mindestens fünf Balkonkaffees, mindestens zwei Eisdielen, Wassermelone mit Minze und Feta, etliche Sandalentage, Rosé auf dem Balkon, mehrere Wochen ganztägig offene Fenster.
Die Herbsterwartung mag hier in Bayern schon deshalb deutlich in den September verschoben sein, weil die Sommerferien bis dahin reichen.
Herr Kaltmamsell empfing mich wieder mit einem Festmahl.
Hähnchenbrust a la Kim mit gebratenen Pilzen und cremiger Polenta – köstlich. Dazu im Glas ein spanischer Sauvignon Blanc Saxum aus Rueda mit schönen Noten von Waldmeister und weißem Campino-Bonbon.
Kofferpacken für Luxemburg. Es ist durchgehend schönes Wetter angekündigt, ich beschränkte mich also auf Sommersachen.
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Nochmal von vorne und die ganze Geschichte. Mit – das ist fast das beste daran – sinnlichen Autorenfotos.
“Wir schafften es bis nach Amerika! So wurde #dichterdran zum Twitter-Phänomen”.
Auch lesenswert ist der Verlinkte Artikel im Atlantic zum Thema Feuiletonbewertungen von Schriftstellerinnen:
“The Hazards of Writing While Female”.
Ich musst sehr an The Power von Naomi Alderman denken, in dem ein fiktiver Schriftwechsel zwischen einem männlichen Autor und einer weiblichen Herausgeberin vorkommt – mit umgedrehtem Machtverhältnis, was sich deutlich auf die Tonalität auswirkt.
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Wir dürfen nicht aufhören, das Gebaren von Donald Trump als komplett unakzeptabel anzusehen. Doch die Gefahr besteht, absurd Lächerliches auf dieselbe Stufe zu stellen wie Schädliches und Bösartiges. Dieser Tage hat Trump Dänemark öffentlich angeboten, ihnen Grönland abzukaufen. Und als die Regierungschefin öffentlich ablehnte, seinen Staatsbesuch dort im September abgesagt. Doch wenige Tage vorher musste ihm ein Bundesgericht untersagen, weiterhin internierten (!) Kindern (!) von illegal Eingewanderten Seife, Zahnbürsten und saubere Betten zu verweigern.
Sascha Lobo untersucht, was Trumps unablässige Grässlichkeiten in der Wahrnehmung anrichten können:
“Wir verlieren den Kampf um unsere Köpfe”.
Das Spektakuläre sticht das Schlimme. Keine neue Erkenntnis, dass Trump einen wahren Monstrositätenhagel niederprasseln lässt, in dem die einzelne Großmonstrosität in der Masse untergeht. Es handelt sich um eine erprobte, rechtsextreme Kommunikationsstrategie, weiter zu eskalieren, bis die schiere Menge der Monstrositäten unbewältigbar wird.
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Doch nochmal Brexit. Schon ein bisschen her, aber immer noch schön: Die Geschichte der Rentnerin, die in England beim Beschreiben von Wänden mit Parolen gefilmt wurde.
“Pensioner worried about ‘wronged’ grandchildren sprawls anti-Brexit graffiti around town”.
She said: ‘Had I known I was being filmed I would have dressed up a bit more.’
Gute Öffentlichkeitsarbeit hat sie gleich mal für Außenwerbung genutzt.

















