Journal Donnerstag, 1. August 2019 – Schwimmrunde nach der Arbeit

Freitag, 2. August 2019 um 6:27

Wacklig und mit Kopfweh aufgewacht.

Für den Tag war freundlicheres Wetter angekündigt. Ich plante frühen Feierabend und eine Schwimmrunde im Schyrenbad, die erste nacharbeitliche dieses Jahr, nahm deshalb das Fahrrad.

Missverständnis über meinen Blogpost vom Donnerstag: Ich halte es für ausgesprochen unwahrscheinlich, dass der gruslige Anstieg an Blog-Zugriffen ab Samstag um über 10.000 von lieben besorgten Leserinnen und Lesern generiert wurde.

Mittags rote Paprika, eine Scheibe selbstgebackenes Brot, Quark mit Nektarinen.

Nachmittags hätte ich fast meine Schwimmpläne abgeblasen, weil ich keine rechte Lust hatte. Doch dann fürchtete ich, ich könnte mich darüber ärgern. Und wir wollen alle nicht, dass ich mich ärgere. Also ab ins Schyrenbad.

Die Schwimmrunde tat mir wirklich gut. Die Bahnen waren mittelstark besetzt (5-6), man kam gut miteinander zurecht, hin und wieder schien Sonne aus dem gemischtwolkigen Himmel auf den Metallboden des Beckens.

Ich nutzte die warmen Innenduschen, radelte nach Hause. Dort kehrte gerade Herr Kaltmamsell von vielfältigen Ferienterminen zurück. Wir verarbeiteten Ernteanteilsalat und -oregano zu Abendessen (Joghurtdressing), der frische Oregano machte sich ausgezeichnet. Dann gab’s noch ein wenig Käse und viel Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 31. Juli 2019 – Ein trauriger Tag

Donnerstag, 1. August 2019 um 6:45

Ekel in Zeiten des Internets: Seit der Nachricht von Sophies Tod haben sich die Zugriffszahlen auf dieses Blogs verdreifacht – obwohl ich außer dem Link zur Irish Times nichts veröffentlicht hatte. Irgendetwas oder irgendjemand kreist über diesem Blog.

Gestern wurde Sophie in ihrer Geburtsstadt Wittenberg bestattet, ich dachte viel an sie. Das taten auch viele andere, die sie gern hatten – es war tröstlich, dass es in meinem Internet eine kleine Welle von Menschen gab, die gestern ein Stück Nussschokolade auf sie aßen, weil Sophie die doch so mochte. Danke auch für Ihre tröstenden Worte per E-Mail.

Düsterer Himmel gestern über München, vormittags regnete es. Die Temperaturen aber blieben mild.

Nach Feierabend spazierte ich beim Hertie am Hauptbahnhof vorbei und kaufte zum Abendbrot Käse (Sophie liebte Käse) und gesalzene Butter. Ich hatte in Utrecht in einem Spezialgeschäft an der Oudegracht niederländischen Käse besorgt, den ich damit zur Käseplatte machte.

Ich hatte große Lust auf ein Glas Weißwein und beschloss, dass gestern Abend der passende Anlass für die Flasche Pouilly-Fumé war, den wir zum Rosenfest geschenkt bekommen hatten.

Mein Favorit mit Abstand, auch weil er am besten zum wunderbaren Wein passte, war der niederländische alte Ziegenkäse von Henri Willig: Unglaublich vielfältig aromatisch, mürbe mit Salzkristallen. (Der andere Willig war der Räucherkäse, der wie eine braune Wurst aussieht.)

Zum Nachtisch gab es nochmal Rote Grütze mit Custard, beides von Herrn Kaltmamsell zubereitet.

Abendprogramm: Die berühmte Folge Grey’s Anatomy, zurecht viel beachtet.

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Meiner mittäglichen SZ-Lektüre entnahm ich, dass mein Verein MTV noch bis mindestens April 2020 auf Sparflamme kochen muss:
“Kampf mit der Korrosion”.

Geplant war, die Sanierung in drei bis vier Monaten durchzuziehen. Doch der Verein hatte nicht mit den Schäden gerechnet, die sich während des Umbaus zeigten. Inzwischen geht niemand mehr davon aus, dass die Halle vor April 2020 fertig wird. So lange, beinahe zwei Jahre, fehlt Tausenden Mitgliedern ein Großteil der Trainingsräume.

Ich war ja gerade mal ein halbes Jahr Vereinsmitglied, als die Halle Mitte 2018 wegen Umbaus schloss. Dieses Jahr nahm ich bislang nur wenige Male ein Sportangebot wahr. Zusammen mit den Umständen, dass es am Wochenende und in den Ferien praktisch nichts Interessantes für mich gibt, mein Ausdauersport jetzt aus Laufen und Schwimmen besteht, ich zudem für die Zukunft eher Gesundheitssport plane – wäre eine Kündigung zum nächsten Termin naheliegend (Mitgliedsgebühr fürs 2. Halbjahr wurde gerade erst abgebucht). Aber in dem Artikel steht blöderweise, dass dem MTV natürlich die Mitglieder reihenweise davonrennen, was die finanziell eh schon enge Situation verschärft. Ich überlege noch, ob ich die Gebühren einfach als Spende in die Denkmalpflege verbuche und passives Mitglied bleibe.

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“The Enduring Feminist Vision of ‘The Silence of the Lambs'”.

via @ineshaeufler

Unter anderem interessant, weil Nahaufnahmen von Dialogpartnern analysiert werden: Welche Wirkung hat es, ob jemand in die Kamera sieht oder leicht zur Seite.

The brilliance of The Silence of the Lambs is that the movie not only subverts the male gaze but reflects that gaze back on the viewer instead of letting them contribute to it.

Den Film habe ich mir seinerzeit (1991!) hart erarbeitet. Damals las ich noch Kinomagazine und wusste viel über den Film, doch damit wusste ich auch, dass er von der Sorte ist, die ich wegen zu spannend nicht ertrage. Ich wollte ihn aber unbedingt sehen. Also ließ ich ihn mir vor dem Kinobesuch von jemandem erzählen, der ihn schon gesehen hatte, so war die Spannung erträglich reduziert. Ich halte ihn immer noch für exzellent.

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Und wenn wir schon mal beim Thema sind: Margrith Bigler-Eggenberger, heute 86, war die erste Bundesrichterin der Schweiz. “Nach ihrer Wahl wurde sie als Mörderin beschimpft, ein Richterkollege weigerte sich gar fünf Jahre lang, mit ihr zu sprechen.”
“Justitias Kämpferin – Besuch bei einer Pionierin der Gleichstellung von Mann und Frau”.

Bigler-Eggenberger spricht ruhig und gewählt, das Wort «Karriere» nimmt sie ungern in den Mund. «Ich habe das gemacht, was mir gefällt und was jeder Mann mit meiner Ausbildung auch getan hätte.»

Ich wurde erst durch den Frauenstreik jüngst darauf aufmerksam, wie weit zurück Frauenrechte in der Schweiz sind.

die Kaltmamsell

Elemente einer Tragödie

Mittwoch, 31. Juli 2019 um 6:16

Ein sehr kranker Mensch, der nicht zwischen ausgedachtem Leben und der Wirklichkeit unterscheiden kann.

Eine glitzernd intelligente, kreative und umfassend belesene Frau.

Eine Autorin, die sehr gut erzählen und berührend schreiben kann.

Abenteuergeschichten aus der ganzen Welt, aus indischen Kliniken, von Berliner Straßen, aus nordafrikanischer Jugend, aus kleinen irischen Dörfern, aus Jerusalemer Wohnungen, über harte Schicksale, menschliche Begegnungen, oft über sonst Übersehene, aber auch Geschichten über sentimentalische Literatur vergangener Epochen, Beschreibungen von Jahreszeiten mit ihren Blüten, Düften, Farben. Das beherrschende Thema dieses ausgedachten Lebens: Die Abstammung von einer jüdischen Familie, die zum größten Teil im Holocaust umgebracht wurde.

Ein öffentliches Schreiben und Erzählen, im Internet, in großen Zeitungen, bis hin zu Vorträgen in Konferenzen.

Zuwendung, Bewunderung und Anerkennung für diese Geschichten, sie ernten Preise.

Nur eine Frage der Zeit, bis aufgedeckt wird, dass diese Geschichten nicht der Wirklichkeit entsprechen. Und weil das Thema Holocaust und Judentum so heikel, belastet und sensibel ist, geschieht die Aufdeckung sehr laut und sehr öffentlich.

Eine Frau, die berührbar ist, umgehend zu Hilfe eilt, wenn sie Not spürt.

Ein überdurchschnittlich emphatischer Mensch, der Leid tief mitempfindet.

Ich weiß nicht, wie viele außer mir von ihr kleine und große Aufmunterungspakete bekamen, hier ein Zeitungsartikel, dort irische Süßigkeiten. Sie organisiert spontane Hilfsaktionen, für eine fliegt sie eigens ein, sie reißt andere zum Helfen mit.

Die letzten Worte, die ich von Sophie lese, am 31. Mai: “Ich bin nicht mehr.”

Eine Frau, die nicht zwischen Erfundenem und der Wirklichkeit unterscheiden kann, muss durch Entzug ihrer Wirklichkeiten ins Bodenlose fallen: Menschen, die helfende Hände ausstrecken, können ihr plötzlich genauso unwirklich erscheinen wie die Geschichten, die gerade zerschmettert wurden.

Und jetzt ist ein Mensch tot. Was für eine furchtbare Verschwendung.

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die Kaltmamsell

Sophie ist tot

Samstag, 27. Juli 2019 um 10:04

Marie Sophie Hingst wurde am 17. Juli 2019 in Dublin tot aufgefunden.
“The life and tragic death of Trinity graduate and writer Sophie Hingst”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 25. Juli 2019 – Hitzeprügel und Jakob Arjouni, Kismet

Freitag, 26. Juli 2019 um 7:05

Noch größere Hitze, jetzt wurde es unangenehm.

Dass ich schlecht geschlafen hatte, lag aber nicht daran, mein Schlafzimmer hat angenehme 24 Grad. Und der Morgenkaffee auf dem Balkon war von einer sanften Brise umweht.

Unangenehm war die Hitze auch, weil in der Arbeit irgendwas ist in der Tat anders geworden war: Selbst in den sehr heißen Sommern der vergangenen Jahre war mir nie im Büro beim reinen Rumsitzen der Schweiß über die Schläfen und den Rücken hinunter gelaufen. Gestern schon. Zudem protestierte meine LWS gegen das Sitzen, ich humple schon wieder deutlich weniger souverän als direkt nach der Reha.

Mich telefonisch um Nach-Reha und Faszienmassage gekümmert. Noch trägt der Schwung der guten Vorsätze, der mich auch morgens fünf Minuten früher aufstehen lässt, damit ich den Tag mit ein paar Gymnastikübungen zur Mobilisierung beginnen kann.

Wieder eine große Arbeitsfeier ausgelassen. Es ist ein so schönes Gefühl von Freiheit, einfach nicht hinzugehen.

Auf dem Heimweg fühlte sich die Sonne wie eine Tracht Prügel an. Da ich Richtung Osten ging, kam ich einige Male durch völlig schattenfreie Straßen – es fühlte sich an wie im Madrid meiner Kinderferiensommer.

Ich radelte mit Herrn Kaltmamsell rauf nach Obergiesing zu unserer Leserunde: Wir sprachen über Jakob Arjouni, Kismet. Als Zeitzeugnis ganz niedlich, schön erkennbare Topoi des hard boiled Detektivromans, aber der vierte Krimi um Detektiv Kemal Kayankaya ist schwach. Zum einen schon mal eher ein Actionfilm mit seinen vielen Explosionen und spektakulären Todesfällen, zum anderen mochte ich so manche Milieubeschreibung einfach nicht glauben, z.B. die des Museumspersonals. Bedrückend zeitlos allerdings alles, was unter den Flüchtlingen und in Flüchtlingsunterkünften spielte, damals halt mit Menschen aus dem Bürgerkriegs-gebeutelten Ex-Jugoslawien.

Heimradeln im letzten Abendrot und durch immer noch unangenehm warme Luft, vorsichtig ob der Radel- und Elektrorollermassen, die die Straßenverkehrsordnung nicht auf sich bezogen.

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Das hatte ich mich ja schon gefragt, nachdem in Madrid die Kommunalwahl im Mai ein konservativ-rechtes Ergebnis gehabt hatte: Was jetzt wohl aus dem Autofahrverbot in einigen Innenstadtgebieten wird. Und siehe da: Das Versprechen der neuen Entscheider, das Fahrverbot aufzuheben, stieß auf massive Bürgerproteste.
“In Madrid, a Car Ban Proves Stronger Than Partisan Politics”.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 24. Juli 2019 – Zurück in der Ereignislosigkeit

Donnerstag, 25. Juli 2019 um 6:36

Herzlich willkommen zurück in den langweiligen Arbeitstagen – und Blogposts.

Die Reha scheint mich dann doch entspannt zu haben: Ich habe Dienstagabend nicht in meine Arbeitsmails geguckt und dennoch recht gut geschlafen.

Endlich wieder Balkonkaffee (mit zwei dunkelbraunen Eichhörnchen in Jagd umeinander auf den Kastanien davor), endlich wieder guter Morgenkaffee.

Der Tag wurde prügelheiß, mein Büro ließ sich nicht so gut temperieren, wie ich es gewohnt war. Viel Arbeit, aber machbar und selbst nach drei Wochen Abwesenheit ohne Stressanfälle abzuarbeiten. Ich merkte schon gestern, dass ich die viele Bewegung über den ganzen Tag vermisste, die mir der Rhythmus der drei Wochen zuvor möglich gemacht hatte.

Heimweg über die Theresienwiese, in noch größerem Bogen um den wuchernden Oktoberfestaufbau als im vergangenen Jahr: Das Oktoberfest beansprucht heuer ein noch größeres Stück der Fläche für über fünf Monate – in der sengenden Sonne hasste ich es inbrünstig (und werde dieses Jahr wohl während der zweieinhalb Wochen Oktoberfestarmageddon keine Möglichkeit zur Flucht haben).

Brotzeiteinkäufe beim Basitsch für die nächsten beiden Arbeitstage. In der gekühlten Gemüseabteilung hätte ich mich am liebsten mit einem Buch niedergelassen.

Die Wohnung war zum Glück angenehm temperiert, Herr Kaltmamsell und ich hatten keine Lust, sie für ein Abendessen zu verlassen. Der Herr servierte gebratenen Haloumi mit Kapern und Cedri-Zitrone, außerdem gehackter Salzzitrone, die er vor einigen Wochen angesetzt hatte (und der übrigen Ernteanteil-Paprika).

Beim Zu-Bett-Gehen war es draußen noch zu warm, als dass ich die Fenster hätte öffnen können.

die Kaltmamsell

Alles über orthopädische Reha heutzutage

Donnerstag, 25. Juli 2019 um 6:29

Ein echtes Fazit der drei Reha-Wochen ist ja erst in einigen weiteren Wochen sinnvoll. Hier aber ein paar Dinge, die ich dort gelernt habe:

  • Medizinisches Personal trägt keine Birkenstocks mehr, sondern Croqus.
  • Die Patienten und Patientinnen in solch einer Reha sind sehr divers: In Alter (natürlich tendenziell eher ältere), in Körperform, in Herkunft. Sie verbindet wirklich nur, dass sie Mitglieder der Deutschen Rentenversicherung sind.
  • Ob und wie sportlich fit sie sind, sieht man an keinem der obigen Faktoren, sondern erst, wenn sie sporteln (wie halt im sonstigen Leben auch).
  • Rehas sind auf einen angenommenen Durchschnittpatienten ausgerichtet, der zum ersten Mal im Leben mit sportlicher Bewegung Bekanntschaft macht und Hintergründe zu Ernährung erfährt. Wer nicht diesem Profil entspricht, geht unter.
  • Reha-Verpflegung mag zwar nicht lukullisch sein, ist aber wunderbar gemüselastig.
  • Bayern 1 klingt heute wie Bayern 3 vor 15 Jahren – inklusive teilweise interessanter Wortbeiträge, Bayern 3 klingt wie Antenne Bayern vor zehn Jahren – inklusive tödlich launiger Mehrfachmoderation. (In fast allen Räumen außer den Einzelzimmern dudelte einer dieser beiden Sender.)

Was ich gerne vorher gewusst hätte: Als Reha-Patientin oder -Patient braucht man eine kleine Tasche, in der man Therapieplan, Handtuch, Zimmerschlüssel, Wasserflasche, Telefon bei sich führt und von Termin zu Termin trägt. Da ich mir nicht eigens eine zulegen wollten (bitte nicht mehr Zeug!), war ich mit meiner riesigen Standardtasche unterwegs, die auch ein paar Kilo Einkäufe fasst.

die Kaltmamsell