Journal Sonntag, 19. Januar 2025 – Guter Standardsonntag

Montag, 20. Januar 2025 um 6:14

Zu früh aufgewacht. Beim Versuch wieder einzuschlafen bearbeitete mein Hirn ängstlich Arbeitsthemen, mit durchaus produktiven Ergebnissen, dann fiel mir ein, dass mir das nicht als Arbeitszeit bezahlt wird und ich stand lieber auf.

Das Draußen hielt sich an die Wettervorhersage, es tagte zu klarem Himmel und Frost.

Erhöhter Blick in einen sonnigen Park mit kahlen Bäumen, auf dem Boden ein wenig Schnee, im Vordergrund eine Straße mit parkenden Autos

Nach gemütlichem Morgen machte ich mich fertig für einen Isarlauf, gestern war nördlicher Englischer Garten geplant.

Angeschnitten ein moderner Kirchenbau, davor ein breiter Gehweg, an dessen vorderer Rand ein Flughafen-Gepäckwagen mit oranger Vorderwand mit Schrift zug "Genussfahrer"

Fett Respekt für den kleinen Gepäckwagen, der es vom Flughafen Erding bis an den Sendlinger-Tor-Platz geschafft hat! (Kinderbuch in the making?)

In der Tram zum Tivoli stellte ich fest, dass ich den Wechsel zur Sonnenbrille vergessen hatte. Besonders clever plante ich meine Strecke um, so dass ich auf den Abschnitten direkt am spiegelnden Wasser die Sonne im Rücken haben würde. Womit Cleverle sich verschätzt hatte: Im Gegensatz zur schneefreien Innenstadt waren die Wege fast durchgehend von festgetretenem Schnee bedeckt, dadurch nicht nur glatt (Schnaufen nicht vergessen), sondern auch Schnee-blendend.

Blick von Brücke auf sonnige Flussauen mit kahlen Bäumen, weißeisigen Wegen, darauf Spaziergänger*innen

Weg rechts neben Fluss im Gegenlicht, gesäumt von kahlen Bäumen, auf dem Weg festgetretener weißer Schnee

Schmaler, sonniger Pfad zwischen kahlen Bäumen, links scheint ein Fluss durch

Statt fast zehn Minuten auf die Tram nach Hause zu warten, lief ich die Tramgleise entlang bis zum nächsten Bäcker Wimmer – und stieg dann zwei Stationen weiter bereits mit Semmeltüte ein.

Frühstück kurz nach zwei: Zwei Körnersemmeln mit je einer halben Avocado (den Umpf! finde ich durchaus vergleichbar mit Leberkassemmel), die vorerst allerletzten Orangen – wieder so knallsüß, dass ich danach ein paar Schluck Wasser brauchte, zum Verdünnen.

Verhandlungen mit dem chinesischen Kleidungsversender Wagner Moden München: Ich habe 65 Euro für diesen Fetzen in Kindergröße gezahlt (bei einem auffallend niedrigen Preis wäre ich ja misstrauisch geworden), davon möchte ich so viel wie möglich wiederhaben.

Ein Stündchen Bügeln mit Musik. In diesem Haushalt existieren T-Shirts, bei denen ich mittlerweile etwas mühsam um Löcher herumbügle.

Aus zwei Roten Beten aus Ernteanteil machte ich mir Salat für Brotzeit am Montag – und lernte bei dieser Gelegenheit, dass es auch richtig holzige Rote Bete gibt.

Über den Nachmittag viermal die Wasserschale auf dem Balkonsims aufgefüllt, weil sie immer wieder von Meisen leergebadet war.

Fürs Abendessen durfte ich sorgen: Ich machte Schwäbischen Salzkuchen (war mir als Ersatz für Zwiebelkuchen angeboten worden, den ich leider wegen der Zwiebelsüße nicht besonders mag). Während Gehen des Hefeteigs Yoga-Gymnastik. Allerdings mündete das Gesamtwerk in eine völlig neue Art von Sauerei, denn der Rand meiner 30-cm-Form war zu niedrig.

Blick in einen beleuchteten Backofen: Auf einem Blech eine große, runde Backform mit niedrigem Rand, gebräunter Teigrand, helle Füllung, die an zwei Stellen auf das Backblech ausgelaufen ist

Schmeckte aber wirklich gut, überraschend leicht und fluffig. Dazu Endiviensalat mit Tahini-Dressing. Nachtisch Schokolade und Fruchtgummi.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 18. Januar 2025 – A real pain, Wäscheständer als innenarchitektonische Herausforderung

Sonntag, 19. Januar 2025 um 8:14

Gut geschlafen, auch genug.

Das Wetter machte mit Grau bis Dunkelgrau weiter, das nahm mir die Lust auf Radeln zum Schwimmen. Also fuhr ich mit U-Bahn ins Olympiabad, schwamm dort zwischen vielen Geräteschwimmer*innen meine 3.000 Meter, zwar mit guter Kondition und nur wenig Kreuzzwicken, aber bei so viel Verkehr unentspannt. Auf dem Rückweg stieg ich an der Münchner Freiheit aus, kaufte Espressobohnen-Nachschub und Frühstücksemmeln.

Zu Hause Wäscheaufhängen, zum Frühstück kurz nach zwei gab es Semmeln mit Butter und Marmelade, Orangen (bald sind wir durch diese zehn Kilo durch).

Für Nachmittag war Sonne angekündigt, ab drei wurde es tatsächlich heller. Das freute mich, weil ich mit Herrn Kaltmamsell eine Kino-Verabredung hatte: Wir gingen zu Fuß in schönem Winterwetter zu den Museum Lichtspielen.

Blick einen Fluss eintlang im Abendlicht; im Hintergrund ein Schornstein, in dessen Wolke sich rasagold das letzte Sonnenlich fängt

Blick von der Reichenbachbrücke nach Süden.

Ausgesucht hatte ich A real pain von und mit Jesse Eisenberg. Das waren gut genutzte 90 (!) Minuten: Ein schöner, kleiner Film über zwei US-amerikanische Cousins, die zusammen nach Polen reisen, um in einer begleiteten Heritage Tour die Schauplätze der Vergangengeit ihrer jüdischen Großmutter kennenzulernen. Richtig gutes Drehbuch (da hätte man viel falsch machen können), hervorragende Darsteller (ich mochte besonders Will Sharpe als nordenglischen Tour Guide), kann ich mir auch auf einer Theaterbühne vorstellen.

Das Thema Schmerz und Nervigkeit, mit dem der englische Filmtitel wortspielt, war nachvollziehbar gezeigt, mir gefiel die unverkünstelte Bildsprache, die dennoch visuelle Besonderheiten des heutigen Polens unterstreicht (durchaus aus der Perspektive einer Touristin, mir waren auf meiner Polenreise vor 19 Jahren ähnliche Ansichten aufgefallen, siehe blitzblank geschniegelte geometrische Wohnblockästhetik). Der Nachspann (ich lese Bücher bis zum letzten Buchstaben, ich gucke Filme bis zum letzten Buchstaben oder Bild) verriet, dass viel von der Finanzierung des Films aus Polen gekommen war.

Nach Hause nahmen wir eine Tram vom Isartor (die Ludwigsbrücke wir langsam abgerüstet, aber die Tramgleise sind noch nicht wieder nutzbar). Daheim wartete der schon vor Kinobesuch geputzte Ernteanteil-Rosenkohl, ich verwandelte ihn in Rosenkohl-Zitronen-Pasta. Ein schlichtere Variante als die mit Sahne und Frischkäse, die Herr Kaltmamsell bereits mehrfach serviert hatte, schmeckte aber auch gut. Dazu ein kräftiger italienischer Weißwein (Pecorino), danach reichlich Schokolade.

§

Wenn man nur lange genug wartet, werden alle Fragen beantwortet. Vor 18 Jahren bloggte ich über das ästhetische Problem Wäscheständer:
“Die härteste Nuss des Wohnstylings”.

Und vergangenen Freitag ging sie das Süddeutsche Magazin als Titelthema an:

Aufsicht auf SZ-Magazin auf Tischplatte, darauf Titelfoto eines schwarzen figürlichen Metallgestells in einem Wohnzimmer, an dem ein paar Wäschestücke hängen

“We will trock you”.

Na ja: Meiner Ansicht nach erfüllt kein einziger Designer-Vorschlag die Anforderung, eine Maschine Wäsche trocknen zu lassen und gleichzeitig gut auszusehen, nur entweder oder. Ich warte weiter.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 17. Januar 2025 – Die schwarze Cordhose, Tante Martl von Ursula März

Samstag, 18. Januar 2025 um 8:25

Gut geschlafen, das ist zu einer angenehmen Gewohnheit geworden. In weniger tiefen Schlafphasen freute ich mich aufs Freitagsfleisch, stellte mir große Stücke gebratenes Rind vor, kam auf die Idee, morgens dazu Knoblauchbutter zu kneten (damit sie bis abends fest wurde), legte fest, welche beiden Rotweine ich Herrn Kaltmamsell zur Auswahl anbieten würde.

Auf dem Marsch in die Arbeit Knacken und Knirschen unter den Schuhen, ein frostiger Morgen. Noch dazu neblig und bedeckt, ich marschierte im Stockdunklen.

Im Büro geordnetes Wegarbeiten, dazwischen allerdings ein paar Schrecken wegen Fehlern (meinen) und Missverständnissen.

Der Tag hielt sich dann gar nicht erst mit Hellwerden auf, es blieb neblig düster, bis es gegen vier wieder ganz dunkel wurde. Dennoch Marsch ins Westend für Mittagscappuccino, ich genoss die Bewegung.

Innen auf einem hölzernen Fesnterbrett vor einem Ladenfenster eine Tasse Cappuccino, vor dem Fenster unscharf eine städtische Altbau-Wohnstraße mit geparkten Autos, es radelt gerade jemand vorüber

Beim Kaffeetrinken das Gespräch hinter mir: Zwei Leute diskutierten Mathematisches, es fielen die Wörter “Unendlichkeit”, “Operationen” und “Konsistenz”. Cooler Laden.

Am Schreibtisch gab es zu Mittag Orangen und Hüttenkäse.

Geschäftiger Nachmittag, wieso arbeiteten so viele Leute Freitagnachmittag? (Kernzeit endet freitags um 12 Uhr.)

Fast pünktlicher Feierabend, auf dem Heimweg umfassende Wochenend-Einkäufe im Vollcorner.

Zu Hause empfing mich das Paket mit der online gekauften schwarzen Cordhose – zwei Wochen nach Bestellung, denn es hatte sich herausgestellt, dass es sich um eine Lieferung aus China handelte. Gemerkt hatte ich das erst an der ersten Versandankündigung: Das Tracking führte mich zu einem chinesischen Versandunternehmen. Das hätte ich auf jeden Fall vermieden, doch man hatte mir mit den Shop-Namen “Wagner Mode München” und dem Hinweis, die Ware werde mit DHL geliefert, erfolgreich vorgegaukelt, es handle sich um einen inländischen Absender. Hier auch für Sie zum Merken: “Wagner Mode München” ist ein Anbieter in China.

Und dann passte die Hose nicht, vor allem war sie 10 Zentimeter zu kurz. Ich werde mich also in den Spaß der Rücksendung stürzen, für die ich erstmal per E-Mail Anweisungen anfordern musste.

Aber JETZT ging das Wochenende los: Eine Runde Yoga-Gymnastik, dann das Freitagabend-Line-up.

Eine vollgestellte Küchen-Arbeitsfläche, im Vordergrund zwei Tumbler mit Negronis, dahinter Flaschen Gin, Campari, Vermouth, Rotwei, ganz hinten zwei gefüllte Rotweingläser, rechts eine Küchenmaschine

Aperitiv Negroni, zum Essen einen apulischen Primitivo.

Blick auf die schwarze Fläche eines Induktionsherds, darauf im Vordergrund auf weißem Wachspapier ein großes, marmoriertes Rinderkotelett, dahinter eine große gusseiserne Pfanne mit zwei Henkeln und roter Außenfläche

Kuh-Kotelett, erster Test der neuen gusseisernen Pfanne, die ich Herrn Kaltmamsell als Ersatz für die durch Sturz kaputte geschenkt hatte.

Aufsicht auf gedeckten Tisch, im Zentrum die gusseiserne Pfanne mit jetzt diúnkel gebratenem Rinderkotelett, rechts daneben ein Glasteller mit Streifen hellem und dunklem gebackenem Gemüse

Hervorragend inklusive Karotten und Petersilienwurzeln aus Ernteanteil zur Beilage. Nachtisch reichlich Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich beendete Tante Martl von Ursula März, bis zuletzt sehr angetan.

Zwar verstehe ich weiterhin nicht, warum das Buch als “Roman” verkauft wird und würde Verlag wie Autorin gerne nach den Gründen fragen: Ursula März ist erfolgreiche Journalistin und Feuilletonistin, und sie kann gut schreiben, da darf die Geschichte ihrer Tante doch einfach ein gut erzählter Sachtext sein. Denn der Inhalt ist die wirklich gut erzählte Lebensgeschichte einer merk-würdigen Person, Ursula März’ Tante. Noch im Krieg geboren als letzte von drei Töchtern, und natürlich wird auch die Geschichte der Zeit, der Gegend (Pfalz, Franken), der anderen Familienmitglieder miterzählt. März transportiert die Widersprüche in der Persönlichkeit ihrer Tante hervorragend: Einerseits die eigenständigste der drei Töchter mit eigenem Lebensunterhalt als Lehrerin, eigenem Auto, Reisen als Rentnerin. Andererseits ihr Leben lang ans Elternhaus gebunden, Pflegerin der alten Eltern, bei jeder Gelegenheit zu Haushaltshilfe der Schwesten abgerufen – was sie zwar immer mürrisch und wehklagend, aber dann doch erfüllte. Immer wieder betont März, wie wenig sie viele dieser Widersprüche nachvollziehen konnte, doch sie liebt ihre Tante dann halt doch so tief, dass sie sich damit zurechtfindet.

Ein Zeitzeugnis, allein schon durch die wunderbare Wiedergabe von Tante Martls Mundart, kein Roman, das natürlich wie Eigentum von Wolf Haas in der Erzählstimme auch ein Licht auf die Erzählerin wirft. Empfehlung.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 16. Januar 2025 – Donnerstag heißt Freitag in Sichtweite

Freitag, 17. Januar 2025 um 6:22

Gut geschlafen. Mal wieder war ich fasziniert von der Schafswolldecke, die sich nach einem nächtlichen Klogang überhaupt nicht warm anfühlt (mein Schlafzimmer ist kalt durch gekipptes Fenster), aber innerhalb von Sekunden wieder ausreichend wärmt, ohne dass ich schwitze. Ihr seltsames Format 120×180 Zentimeter (auch das Christkind fand im Handel keinen passenden Bezug) weist darauf hin, dass sie sehr alt ist und entweder Herr Kaltmamsell oder ich sie in die Ehe gebracht haben, wir können uns aber beide nicht daran erinnern.

Draußen war es düster, auf dem Weg in die Arbeit deuteten leicht matschige Schneereste auf Temperaturen wenig über Gefrierpunkt hin. Sehnsüchtige Gedanken an den Freitag, innere Durchhalteparolen. Beim Bavariapark stieg ich über die Reste eines toten Vogels – die ich dann doch so malerisch fand, dass ich umkehrte, um sie zu fotografieren (Foto hier, Achtung totes Tier).

Blick von oben auf eine Großstadt mit verschneiten Dächern in düsterem Licht, am Horizont erkennt man das verschneite Dach des Münchner Olympiastadions

Geordneter Arbeitsvormittag, Mittagscappuccino im Westend, die Wege schneetauend suppig mit reichlich Rollsplitt.

Nicht zu spätes Mittagssen, weil Termin: Quark mit Joghurt, Orangen.

Nachmittag mit Fortbildung und vielen, vielen Kleinigkeiten. Unter anderem lernte ich eine 16-Jährige näher kennen, die im Web so richtig aktiv ist, inklusive eigenem Content – es gibt sie also doch!

Auf dem Heimweg, nicht zu kalt, Aufstocken der Schokoladenvorräte beim Aldi.

Beim Abendessen war ich auf mich allein gestellt, Herr Kaltmamsell aß mit Freunden aushäusig. Ich nahm mir den eben geholten Ernteanteil vor. Während Herr Kaltmamsell elaborierte Zubereitungen entlang von Rezepten serviert (super!), tendiere ich für mich allein zu Putzen, Garen, Würzen. (Gestern während des Garens Yoga-Gymnastik.)

In einer gläsernen Auflaufform gestückelte Petersilienwurzel, Rote Beete, Karotten

In diesem Fall Rote Beete, Petersilienwurzel, Karotten mit Olivenöl, Knoblauchpfeffer, Thymian als Ofengemüse. Die Petersilienwurzel schmeckte sensationell aromatisch – manches Gemüse profitiert wirklich von Lagerung. Nachtisch reichlich Schokolade.

Ich las eine sehr nachvollziehbare Leseempfehlung für eine Autorin, deren Name mir auch etwas sagte, wunderte mich, dass ich noch nichts von ihr gelesen habe, wollte gleich mal konkrete Werke auf meine Wunschliste setzen – da sah ich, warum ich nichts von ihr gelesen habe: Nicht eines ihrer Werke ist als E-Book verfügbar. (Marie Luise Kaschnitz)

Doch in meinem Internet ist es meist eine gute Idee, diese Art Sorgen schriftlich und öffentlich zu beklagen: Weil sich dann nämlich hin und wieder jemand meldet und Abhilfe weiß. In diesem Fall war es der Link zu Open Library und zu den dort verfügbaren Scans von Kaschnitz’ Werken. Gleich mal ein Konto angelegt.

§

Irgendwas mit der Zukunft, die schon da ist, aber ungleich verteilt.
Kathrins Passigs Mutter (in ähnlichem Alter wie meine Eltern) und das Autofahren:
“Man kann jetzt also das Radio nicht mehr ausschalten. So habe ich mir den Fortschritt nicht vorgestellt!”

Und hier ein wichtiger und nützlicher Erfahrungsbericht von ihr:
“Ein Notrufarmband ist besser als kein Notrufarmband”.

§

Wenn ich den Gesichtsausdruck des Mädchens sehe, will ich zaubern können – um ihn zu erzeugen. SO VIEL LIEBE für Siegfried & Joy!

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 15. Januar 2025 – Aussicht auf Wahlhilfe-Einsatz

Donnerstag, 16. Januar 2025 um 6:24

Eher leichter Schlaf, in den frühesten Morgenstunden hörte ich Schneeräumfahrzeuge, doch beim Aufstehen sah ich weder Schnee noch Eis.

Das mit dem Schneefall änderte sich allerdings gegen halb sieben – gibt es vorausgreifendes Schneeräumen?

Erhöhter Blick auf eine nächtliche, verschneite Wohnstraße mit parkenden Autos

Auf dem Weg in die Arbeit ließ ich mich sachte einschneien, es war milder geworden.

Über den Vormittag schneite es immer wieder in verschiedener Flockengröße und -form. Die Arbeit am Schreibtisch war übersichtlich und gab mir Muße, immer wieder rauszuschauen.

Stark erhöhter Blick auf Stadtkulisse in Schneefall, im Vordergrund Bahngleise und ein Bürogebäude aus Sichtbeton

Und runter.

Mittagscappuccino bei Nachbars, der nasskalte Schneefall machte längere Märsche als bis zur Apotheke (Aciclovir-Nachschub) unattraktiv.

Zu meinen Tätigkeiten gehörte gestern eine Störungsmeldung an die Haustechnik. Das Ticket wurde geschlossen mit der Meldung: “Türklinke wurde aktualisiert.” Lustig.

Nachmittags Matschigkeitsgefühl: Das Lippenherpes war wohl doch ein Symptom für ein kämpfendes Immunsystem. Laune ebenfalls eher mittel.

Meinen Heimweg (von oben feinster Nieselregen, von unten Schneematsch) legte ich über das U-Bahnhof-Untergeschoß am Goetheplatz: Ich wollte mal wieder ein Automatenfoto für mein Langzeitprojekt aufnehmen, und am Dienstag unterm Hauptbahnhof waren die Automaten verschwunden gewesen. Allerdings auch unterm Goetheplatz, zu meiner Verdutzung. Hob meine Laune nicht gerade, ich werde systematisch Fotoautomaten suchen müssen.

Daheim wartete ein Brief des Münchner Kreisverwaltungsreferats auf mich: Ich bin für die Bundestagswahl am 23. Februar wieder zur Wahlhelferin berufen, wunschgemäß erstmals bei Briefwahl und zu meiner Erleichterung wieder als Schriftführerin (womit ich mich wohler fühle als mit der Funktion Wahlvorsteherin, selbst nur stellvertretend). Das freute mich sehr. Nach einer Einheit Yoga-Gymnastik (Dehnen und noch mehr Dehnen) und Brotzeitvorbereitung (Oraaaaaaaaangen!) meldete ich mich zur Schulung an (schbin “enger Wahlvorstand”, hihihi), erstmals zur Online-Variante.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell Käse (Feta) mit Käse (Appenzeller) überbacken, im Topf zudem Zwiebel, rote Paprika, Knoblauch, Dosentomaten, Chili – sehr gut, kann man Gästen in Portionsschälchen auch als Vorspeise servieren. Auch der Nachtisch war interessant: Herr Kaltmamsell hatte die Füllung der mehrmals gemachten Tahini-Tarte einzeln gerührt, um AgarAgar fürs Andicken zu testen. Funktionierte hervorragend.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Am 8. Februar demonstriere ich mit am Geschwister-Scholl-Platz unter dem Motto “Demokratie braucht dich”, organisiert von München ist bunt!

§

“Polizeikosten-Urteil: Folgen auch fürs Oktoberfest?”

Yes please.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 14. Januar 2025 – Vollmondgenuss

Mittwoch, 15. Januar 2025 um 6:06

Gestern kam ich schwer aus dem Bett, das ist für mich ungewohnt.

Herr Kaltmamsell entdeckte den Vollmond an klarem Himmel im Osten sogar vor mir, bevor er in Fahrradkleidung (bei der knackigen Kälte bewunderte ich ihn) gegen 6:40 Uhr das Haus verließ.

Auf einem asphaltierten Platz steht eine oranger Hebebühnenwagen, die Hebebühne ist zu einer Lampe gehoben, dahinter eine Häuserzeile mit blauem Morgenhimmel, darin der Vollmond

Ich kriegte dann aber eine Zusatzportion Vollmond auf dem Weg ins Büro eine knappe Stunde später.

Geordneter Arbeitsvormittag; ich fand mich irgendwann in einer so entspannten Haltung, dass ich hochschreckte: WAS VERGESSE ICH GERADE?!

Für meinen Mittagscappuccino ging ich raus zum Nachfolger des Café Colombo (die ersten beiden Fotos auf dem Weg in die Arbeit aufgenommen):

Am Eck eines alten Hauses ein beleuchtetes kleines Café in der Morgendämmerung, rechts davor rote Sonnenschirme, eine Lastenradlerin fährt gerade nach links vorbei

Nahaufnahme des helltürkisen runden Leuchtschild des Cafés, auf dem "Nido" steht

An einem großen Schaufenster auf hölzernem Fensterbrett ein Tabelttchen mit einer Tasse Cappuccino und einem Glas Wasser, dahinter eine Edelstahl-Zuckerdose, vorm Fenster eine Altbau-Straße

Wir heißen jetzt Nido, Cappuccino gut.

Seit ein paar Tagen niese ich immer wieder körpererschütternd, doch da ich sonst keine Erkältungssymptome habe, machte ich mir keine Sorgen. Gestern beim Mittagessen (Äpfel, Mango und Orange mit Sojajoghurt) aber: Lippenherpes-Alarm! Nach fast drei Jahren Ruhe ganz eindeutige Bläschen, ich tupfte umgehend antivirale Salbe drauf (sowohl Büroschublade als auch Arbeitsrucksack sind ausgestattet).

Der Arbeitsnachmittag fühlte sich ein wenig gewurschtelt an, das machte aber nichts.

Feierabendplan: Neuer Badeanzug. Der alte fühlt sich reichlich ausgeleiert an, der als Ersatz gekaufte arg stramm (und scheuert unterm Arm). Im Sportsupermarkt Decathlon erhoffte ich mir eine Alternative – idealerweise den geträumten in Weiß-Lila-Grün, man wird ja wohl noch träumen dürfen. Also nahm ich eine U-Bahn zum Hauptbahnhof.

Im Decathlon hätte ich fast gelacht: Es gab genau ein (Ramsch-)Modell Badeanzug ohne Schaumstoffeinsätze im oberen Bereich – man verstand hier unter Schwimmsport offensichtlicht etwas völlig anderes als ich (und auch mit Einsätzen hingen da nur drei verschiedene Modelle).

Übliches Abendprogramm daheim: Yoga-Gymnastik (ganz schön anstrengend und mit einigem Umfallen), Häuslichkeiten, Brotzeitvorbereitung.

Zum Nachtmahl erfüllte mir Herr Kaltmamsell wieder einen Wunsch: Kürbis-Kichererbsen-Spinat-Kokos-Curry.

Aufsicht auf einen Esstisch, darauf ein schwarzer Eisentopf mit dem beschriebenen Curry, darüber ein leerer weißer tiefer Teller

So gut und wohltuend wie erhofft, ich aß eine Portion zu viel. Nachtisch reichlich Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Es hilft ja nichts, ich muss der Tatsache ins Auge sehen: Der sehr lang geschätzte Neil Geiman hat seinen Status und Einfluss wahrscheinlich über Jahrzehnte für sexualisierte Gewalt missbraucht:
“There Is No Safe Word
How the best-selling fantasy author Neil Gaiman hid the darkest parts of himself for decades.”

§

Ach verdammt: Die Metapher “Cargo Cult” war SO schön nützlich! (Um auszudrücken, dass sich der Erfolg eines Projekts nicht dadurch wiederholen lässt, dass man den äußerlichen und irrelevanten Rahmen nachbaut.) Und jetzt hat sie kein faktisches Fundament, ist sogar rassistisch.
“The origin of the cargo cult metaphor”.

via @kathrinpassig

(Dass es sich mit dem “Stockholm-Syndrom” ähnlich verhält, wussten Sie aber?)

die Kaltmamsell

Journal Montag, 13. Januar 2025 – Deniz Ohde, Streulicht

Dienstag, 14. Januar 2025 um 6:16

Wieder Mal hielt ich mich an Feierabend-Vorhaben (da reicht bereits ein Lebensmittel-Einkauf) und Wochenendplänen (Freitagssteak! Rotwein!) fest, um bei der Aussicht auf die Arbeitswoche mit vielen Unwägbarkeiten und vielem bereits feststehenden Druck nicht zu verzweifeln.
ABER! Ich hatte von einem hinreißenden Badeanzug in Weiß-Lila-Grün geträumt, perfekt schwimmtauglich.

Morgenhimmel über Hochhäusern, darin der Mond

Fast-Vollmond riesig über der Theresienwiese (das untere Licht) (in Echt natürlich VIEL größer).

Übers Wochenende war wieder gearbeitet worden, ich musste mich am Schreibtisch nach Öffnen meines Postfachs erstmal orientieren. Besprechungen, Wegarbeiten.

Sehr erhöhter Blick auf eine Stadt, vorne moderne Bürohäuser und Bahngleise, darüber blauer Himmel und Sonnenschein

Ich nahm mir aber Zeit, durch klaren Sonnenschein und Kälte zu einem Mittagscappuccino (teurer geworden) ins Westend zu gehen.

Mittagessen: Orangen (ich brauche bald eine Pause), Roggenvollkornbrot.

Am Nachmittag heftig weitergearbeitet; es wurde bereits dunkel, als ich erstmals in Welt- und private Nachrichten sah.

Auf dem knackig kalten Heimweg kurzer Lebensmitteleinkauf beim Vollcorner.

Daheim erwarteten mich Crowdfarming-Avocados – aber zwei Kisten, zwei Liefertermine waren kurzerhand zusammengelegt worden. 5 Kilo Avocados überfordern mich wirklich: Ich kündigte die Adoption des Baums, werde künftig einzelne Kisten bei Bedarf bestellen. Denn Wegwerfenmüssen ist genau das Gegenteil meiner Unterstützung von Crowdfarming.

Gereizte Stimmung, diesmal half mir die Yoga-Gymnastik nicht raus. Brotzeit vorbereitet, fürs Abendessen Endiviensalat mit Orangen(…)saft-Tahini-Dressing. Außerdem gab es einen Rest Lasagne vom Vorabend. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen: Ursula März, Tante Martl – “Roman” genannt, doch die Geschichte der tatsächlichen Patentante der Autorin, ich wüsste gerne, warum sie das Buch “Roman” genannt hat.

§

Deniz Ohde, Streulicht.

Eine junge Frau erzählt, wie sie zur Hochzeit ihrer einst besten Freundin nochmal in ihre deutsche Heimatgegend kommt, Industrierand einer großen Stadt, in die heruntergekommene Arbeiter-Wohnung, in der sie groß geworden ist, in der nur noch ihr Vater lebt. Sie erzählt, wie es war, dort groß zu werden, nahezu unsichtbar als schüchternes Mädchen, das schon äußerlich nicht zu den anderen passte, wohl das Erbe ihrer türkischen Mutter. Aber alles sehend, wahrnehmend, und von so vielem davon niedergedrückt, klein gemacht. Nicht mal ihre Eltern können etwas mit ihr anfangen.

In einem ganz eigenen, spröden Tonfall und oft fragmentarisch erzählt diese Frau, deren Namen wir nie erfahren, der zu ihrer Ausgegrenzheit gehörte. Ohne Lamento, eher stoisch klingt sie in ihrer trostlosen Chancenlosigkeit, aus der sie sich spät und auch nur zum Teil und vorübergehend wegboxt – denn ihr fällt ja doch nichts ein, was als Ziel eines Kämpfens taugt.

Folgerichtig ist das keine Aufsteigerinnen-, keine Befreiungsgeschichte, und es gibt auch kein Happy End. Die Geschichte endet halt dort, wo sie endet. Und könnte in viele Richtungen weitergehen. Das fand ich alles sehr gut und überzeugend gemacht.

Falls jemand nach dem Gesellschaftsklassen-Gegenteil von Christian Krachts Faserland sucht: Bitteschön.

(Aber jetzt brauchte ich wirklich mal wieder was Heiteres.)

§

Das Landgericht Köln hat entschieden, dass Dubai-Schokolade in Dubai hergestellt sein muss.

Ich sehe schwarz für mein Malaga-Eis. Und erst für Mars-Riegel!

die Kaltmamsell