Essen & Trinken

Journal Samstag, 1. November 2014 – Schwimmen und Lesen

Sonntag, 2. November 2014

Papierlektüre zum Morgenkaffee. Das jüngste SZ-Magazin hatte ein Philipp-Lahm-Interview zum Titelthema gemacht. Ja, ich weiß, dass das ein berühmter deutscher Fußballspieler ist, das gehört zur Allgemeinbildung. Obwohl mich das Thema überhaupt nicht interessierte, las ich rein: Gut gemachte Geschichten zeichnen sich ja dadurch aus, mich für ein Thema zu interessieren. Bis zur Hälfte drangeblieben bin ich allerdings aus Faszination an den spektakulär bescheuerten Fragen:

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Länderspiel in Februar 2004 gegen Kroatien? Ihre erste Ballberührung in der Nationalmannschaft war ein Fehlpass.
(…)
Versuchen Fußballspieler, sich vor jedem Spiel eine perfekte oder besonders schöne Spielsituation in Gedächtnis zu rufen, um sich so wie beim autogenen Training aufzubauen?
(…)
Bei der EM 2012 hat Bastian Schweinsteiger1 bemängelt, nicht alle Ersatzspieler hätten mitgefiebert. Spricht so etwas der Kapitän an oder macht das der Trainer?

Wenn das rauskommt, wenn man Fußballkundige Interviews mit Fußballstars führen lässt, bitte ich fürs nächste Mal um so fußballferne Interviewende wie möglich. (Meine Kontaktdaten stehen hier.)

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Das Wetter war so wundervoll, dass ich meine geplante Schwimmrunde nicht im Drinnen drehen wollte. Die Freibäder sind natürlich schon lange geschlossen, doch München bietet ja den Luxus eines Winterfreibads, sogar mit 50-Meter-Becken: Das Dantebad. Gestern war mir das die 7,80 Euro Eintrittsgeld wert. Da das Buch von Laura Waco, das ist zuletzt las, zum größten Teil in exakt dieser Gegend spielt (Borstei, Dantebad), hatte ich eh in letzter Zeit oft daran gedacht.

Das Hinradeln war wundervoll, doch dann folgten 75 Minuten Kampfschwimmen. Das Dantebad widmet eine seiner drei Schwimmerbahnen den Rückenschwimmern, also hatte ich angenommen, die anderen beiden Bahnen seien frei von Rückenschwimmerinnen. Irrtum: 50 Prozent schwammen Rücken, außerdem war ständig Schwimmspielzeug im Einsatz. Ein scharfkantiges Handpaddel auf der Nachbarbahn schrammte mir einen roten Striemen in den Oberschenkel.

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Im sonnigen Wohnzimmer Laura Waco, Von Zuhause wird nichts erzählt für meine Leserunde fertig gelesen.

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Schaufensterbummel zur blauen Stunde durch die Sendlinger Straße und die Theatinerstraße – alle paar Jahre habe ich Lust darauf. Aber eben nur alle paar Jahre, und so kenne ich die Shoppinggegend östlich von meiner Wohnung wenig. Ich sah Geschäfte ihre Schließung ankündigen, von deren Existenz ich nicht mal wusste, obwohl ich nur 500 Meter entfernt wohne.

Die Touristen saßen auch bei Dunkelheit noch tapfer in den Straßencafés auf dem Marienplatz und der Theatinerstraße.

Dass so viele Menschen vor dem geschlossenen Apple Schtore rumlungerten – stehend, auf dem Boden sitzend oder kauernd – und mit ihren Smartphone beschäftigt waren: Gibt’s da ein offenes W-LAN? (Ich war ohne Telefon unterwegs und konnte nicht nachsehen.)

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Mir ist schon klar, dass vier Tage Strohsingleleben sich nicht mit dauerhaftem Alleinleben vergleichen lassen. Aber die Erklärung fürs Niekochen “ach, für mich allein habe ich keine Lust” fällt mir schon schwer zu verstehen. Vielleicht liegt der Unterschied in der großen Freude, die mir ganz persönlich gutes Essen bereitet? Und die Niekocherinnen nicht kennen?

Zum Nachschwimmfrühstück bereitete ich mir Guacamole zu (beim Verdi war ich an einer reifen Avocado vorbeigekommen), dazu gab’s das letzte Eck des Mittwoch aufgetauten Viertels Frankenlaib von letztem Sonntag, außerdem Kaymak (also streichfähige Sahne, gerne verglichen mit clotted cream) mit Apfelmarmelade. Der Kaymak von Gazi enthält allerlei Stabilisatoren, kennt jemand einen Hersteller, der darauf verzichtet?

Und zum Abendbrot schnippelte ich mir Ofengemüse, dazu Couscous und Feta. Die zweite Hälfte nehme ich mir Montag als Brotzeit mit in die Arbeit.

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Allerdings gebe ich zu: Lebte ich dauerhaft allein, probierte ich wahrscheinlich seltener neue Rezepte aus. Und lernte dadurch weniger dazu.

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Zum Ofengemüse gab’s Tagesschau und den Schrecken, Recht gehabt zu haben:
Letzte Woche hatte ich dem wehrlosen Werkstudenten (natürlich kann ich mir auch als Sekretärin nicht die PR-Kriegsgeschichten verkneifen) Vorträge über die möglichen Auswirkungen des Veranstaltungstitels “Hooligans gegen Salafisten” gehalten: Auch wenn an den Krawallen und Attacken vergangenes Wochenende kein Salafist weit und breit beteiligt war, würde es irgendwann heißen, es habe sich um Gewalt zwischen Rechten und Salafisten gehandelt.

Dass das so schnell passieren würde, hätte ich nicht prognostiziert.
Schon gestern zitierte die 20-Uhr-Tagesschau in einem Beitrag über Bundespräsident Gauck eben diesen Herrn in indirekter Rede, er sei besorgt über “Straßenschlachten zwischen Salafisten und Hooligans”. Da waren keine Salafisten!

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Bizarritäten: HilliKnixibix twitterte

Capture

Und schlagartig fiel mir ein, wie ich vor längerer Zeit in der Umkleide des Olympiabads beim Haarefönen ein kleines, unauffälliges Fotoshooting beobachtet hatte und noch dachte: “Wenn’s nicht extrem unwahrscheinlich wäre, hielte ich die abgelichtete Dame für Frau Almsick.” Sie war’s wohl tatsächlich.

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Am Fernsehprogramm hängen geblieben, weil Pro7 überraschend Alice in Wonderland von Tim Burton zeigte und ich den endlich nachholen konnte. Gefiel mir, enttäuscht war ich allerdings von der Musik: Danny Elfman hatte wohl keine Lust und klaute lediglich ein bisschen von sich selbst.

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Die New York Times portraitiert Menschen, die in einer Ebola-Station in Liberia arbeiten. Heldentum ist ein belasteter Begriff, hier aber vielleicht doch mal angebracht.
“Braving Ebola. Portraits of those who labor and those who survived at an Ebola treatment center in rural Liberia.”

  1. Ja, ich weiß, dass auch dieser ein berühmter deutscher Fußballspieler ist. []

Journal Freitag, 31. Oktober 2014 – Tintenfischtag

Samstag, 1. November 2014

Etwas benommenes Aufwachen sorgte dafür, dass mein Stündchen morgentliches Crosstrainerstrampeln wie im Flug verging, weil meine Gedanken sonstwohin spazierten.

In der Mittagspause in der Sonne zur Schusterin geradelt, um neu besohlte Winterschuhe abzuholen (ein verfeiertagter Samstag ist schon eher unpraktisch): Die semipermeable Sohle meiner Geox-Stiefel hatte nach ein paar Jahren Semipermeabilität zu Durchlässigkeit in beide Richtungen gewechselt und mir bei Regen und Schnee die Socken durchnässt.

Luxuriöser #saddesklunch: Ich hatte mir am Vorabend nochmal beim Verdi Pulpo geholt (ein Prachtstück von nahezu einem Kilo) und zubereitet, zur Brotzeit grüne Spitzpaprika und ein paar Nudeln untergemischt.

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Den Rest gab’s zum Abendbrot, frisch gekochte Kartoffeln untergemischt.

Ich hatte fast schon vergessen, dass mich allein getrunkener Alkohol (bin gerade Strohsingle) doppelt so schnell betrunken macht – ein Glas Weißwein genügte.

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Andrea Diener ist für die FAZ in Tokyo U-Bahn gefahren und schreibt über die unterschiedlichen Stadtviertel entlang der Ginza-Linie:
“Großstadtblues
Schlafen können wir in der U-Bahn”.

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Das nächste Titelblatt des New Yorker spielt in München.

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Benedict Cumberbatch über Sherlock und Sex. (Oh doch: Das wollen Sie lesen.)
“Benedict Cumberbatch Talks Sex & Sherlock
Ever wondered what Sherlock would be like in bed? Wonder no more”

via @UteWeber

Journal Dienstag, 28. Oktober 2014 – Pärchen auf Profilfotos

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Zum ersten Mal diese Saison wieder die Warnweste zum morgendlichen Radeln übergezogen.

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Kraftttraining bei einem bislang unbekannten Vertretungsvorturner, dessen Stunde mir gut gefiel: Er war sehr gut vorbereitet, gab präzise Anweisungen zum richtigen Zeitpunkt, hatte die Gruppe jederzeit im Blick (es gibt durchaus Vorturner und Vorturnerinnen, die 60 Minuten nur mit sich beschäftigt sind), korrigierte geschickt und fokussiert.

Zum ersten Mal erlebte ich, dass ein Vorturner oder eine Vorturnerin mich für die Haltungskorrektur bei einer Übung explizit fragte, ob er mich anfassen darf. Es genügte eine Sekunde Geste, Blick, “darf ich?” – vorbildlich.

Dass der Herr anfangs erst mal fünf Minuten mit der Musikanlage kämpfte – mei. Bei solch einem Kampf barmen mich besonders Aushilfskräfte: Ist die Anspannung vor einer völlig unbekannten Gruppe, die jemand anderen gewöhnt ist und erwartet hat, sicher ohnehin groß genug.

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Bislang fand ich es lediglich merkwürdig, wenn Menschen als Profilbild auf Social-Media-Plattformen Aufnahmen von sich mit Partner/Partnerin verwenden. Seit gestern habe ich auch sachliche Argumente dagegen: Ich sollte einem Ansprechpartner (oder einer Ansprechpartnerin) in Indonesien antworten und wollte herausfinden, wer das ist. Oder auch nur, was an dem zweiteiligen Namen Vor- und Nachname ist. Auf Facebook gab es einen exakt übereinstimmenden Eintrag – mit einem Heteropaar als Profilbild. Wem von beiden gehörten wohl der Account und der Name?
Ich entschloss mich zur international anerkannten Kapitulationsgeste und schrieb den Menschen mit beiden Namen an (“Hello Erstername Zweitername”).
Ebenfalls gestern lernte ich, dass es in Indonesien Menschen mit nur einem Namen gibt – ich hatte zur Verifizierung eine Kopie des Passes vorliegen.

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Abends mit dem Mitbewohner eine weitere Pizzeria ausprobiert: Wo viele Jahre ein kleines französisches Restaurant war, ist jetzt The Italian Shot. War mir beim Vorbeiradeln sympathisch, weil auf dem selbstgemacht aussehenden Schild lediglich “Pizza & Bar” steht, den genauen Namen des Lokals entnahmen wir erst dem Kassenzettel. Mir schmeckte die Pizza mit Schinken, Feigen, Walnüssen, Ziegenkäse, Ruccola gut (hieß “Sicilian Shepherd”), das Glas Primitivo sogar ausgezeichnet (wenn auch seine Temperatur auf die nahende Glühweinsaison hinwies).

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Die Einrichtung ist ein weiterer Schritt in Richtung Prenzlauerbergisierung des Glockenbachviertels, die ich versuche, so neutral wie möglich zu registrieren. So war unser Tischgespräch auch die Berliner Art des Prätentiösen im Vergleich zur Müncher Art: Der Münchner, so behaupte ich, ist offen und vordergründig prätentiös – wenn der angeben will, dann MERKT MAN DAS! Das Prenzlauerbergberlin ist hermetisch prätentiös, sein Angeben ist codiert und richtet sich nur an einen winzigen, als Peergroup anerkannten Kreis, der Metzgerkacheln an der Wand und abgeschlagene Milchkanne auf dem Tresen entziffern kann.
(Wie wir Sortierungen und Schubladisierungen lieben!)

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Haarsträubende Geschichte wird Kinofilm, Folge unzählbar:
Sehr erfolgreicher, kommerzieller Maler war gar keiner: Die Bilder hatte alle seine Frau angefertigt.
“The big-eyed children: the extraordinary story of an epic art fraud
In the 1960s, Walter Keane was feted for his sentimental portraits that sold by the million. But in fact, his wife Margaret was the artist, working in virtual slavery to maintain his success. She tells her story, now the subject of a Tim Burton biopic”

via @journelle

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Die Idee, dass man nicht in erster Linie Frauen beibringen sollte, wie sie sich vor Vergewaltigung schützen, sondern Männern beibringen, nicht zu vergewaltigen, sollte nicht revolutionär klingen.
Und doch ist es ungewöhnlich und berichtenswert, dass in Oxford alle Colleges “Sexual Consent Workshops” veranstalten:
“What I learned in a sexual consent class at Oxford”.

Broaching the subject with new Oxford students has provoked an almost universal choreography of dismissive jerks and sighs, rolling of eyes, and exasperated tutting.

“Isn’t sex ed for schoolchildren?” they ask me, rhetorically. And “surely if someone is monstrous enough to want to rape someone, they won’t also be reasonable enough to be talked out of it?”. And also, “how can you ‘teach’ someone not to rape?”

Their questions played on my mind: what chance did a bunch of well-meaning students have of turning the tide of sexual violence, armed with only pamphlets, whiteboard markers and clipboards?

Journal Wochenende 25./26. Oktober 2014 – Mitbewohners Gäste

Montag, 27. Oktober 2014

Der Samstagvormittag gehörte dem Zubereiten der Schokoholics Pralinentarte aus Nicole Stichs Sweets und einem ausführlichen Einkauf bei Verdi: Der Mitbewohner hatte sich für den Abend Gäste eingeladen, und die sollten Tintenfischsalat bekommen, mit Lammhack gefüllte Quitten (aus Ottolenghis Jerusalem) sowie die Schokoladentarte mit Papaya.

Wechsel der Jahreszeitenkleidung heißt immer: Aufbügeln. Diesmal ergänzt von einem eh schon vorhandenen Bügelberg, zusammen eine mit Podcasts erträgliche Samstagnachmittagsbeschäftigung.

Nach Langem mal wieder Brotbacken geplant, die ersten Stufen der dreistufigen Sauerteigführung für einen Frankenlaib getätigt.

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Das Abendessen war köstlich. Der Tintenfisch hatte einen Tick zu viel Biss (ist mir allerdings so lieber als total labbrig), das Untermischen von Kartoffelwürfeln war ein einmaliger Versuch (macht das Gericht pomfig), das Quittengericht war aromatisch und scharf, die Tarte genau so schokoladig wie erhofft.

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Zum ersten Mal erlebt, dass sich jemand in kleiner geselliger Runde fast konsequent in den Blick auf sein Smartphone zurückzog.

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Sonntägliches Aufstehen in Dämmerung, vom Balkon aus gleich mal zwei Kaninchen gesehen.

Der Mitbewohner hatte nach der Sommerpause den Meisenknödel aufgehängt, der Balkon belebte sich innerhalb kürzester Zeit – inklusive Amseln auf dem Balkonsims, die sich wohl daran erinnerten, dass wo Meisenknödel, da auch Rosinen für sie (den ganzen Sommer über hatte ich sie nicht auf dem Balkon gesehen). Diese Erinnerung gleich mal durch Rosinenausstreuen aufgefrischt.

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Brotteig weitergeführt, zum Milchkaffee über Annes Wizoreks Buch geschrieben.

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Der Mitbewohner übernahm das Formen und Verladen des Teiglings ins Gärkörbchen für die Stückgare sowie das rechtzeitige Vorheizen des Ofens, damit ich Laufen gehen konnte. Nach einem ziemlich regnerischen Samstag schien die Sonne, ich genoss das Draußensein (Wasserstand der Isar überraschend hoch), war aber durch meine leichte Erkältung ein wenig am Schnaufen gehindert.

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Das Brot wurde ganz hervorragend im neuen Ofen.

Nachmittags das goldene Herbstlicht genossen und Zeitung gelesen.

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Zum Nachtmahl Ossobucco aus der Lameng, weil keine Karotten im Haus waren, dafür aber eine kleine Sellerieknolle und Tomatensaucenreste weg mussten.

Journal Donnerstag, 23. Oktober 2014 – Begegnung beim Friseur

Freitag, 24. Oktober 2014

Das Wetter war weiterhin greislich, fast den ganzen Tag regnete es. Und es war kalt geworden, ich trug Handschuhe auf dem Fußweg in die Arbeit.

Im Büro war ich den ganzen Tag allein: Chef und eine Kollegin hatten Urlaub, zwei Kolleginnen arbeiteten von Zuhause aus, der Praktikant war immer noch krank. Es war so viel zu tun, dass das nicht auffiel. Mittags holte ich mir schnell Käse und ein paar Tomaten aus dem Supermarkt.

Abends Friseurtermin. Als ich hereinkam, sah ich im Wartebereich eine Bloggerin sitzen, die sogar eher selten in München ist. Wir kannten uns schon vorher persönlich, ich freute mich sehr über die Begegnung, und wir hatten sogar noch ein Viertelstündchen zum Plaudern.
Die Haare sind jetzt wieder angemessen KURZ!

Aus dem Spinat des Ernteanteils bereitete der Mitbewohner zum Nachtmahl Pizza und erlebte Abenteuer mit dem jetzt ja deutlich höher heizbaren, neuen Backofen (u.a. ist das Backpapier nicht auf diese hohen Temperaturen ausgelegt und zerfällt zu Asche). Die Pizza war köstlich.

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Computerwissenschaften, Informatik, Programmieren – typische Männerdinge, zumindest will es das Stereotyp so. Interessanterweise war das vor den Achtzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts durchaus anders: Der Anteil von Frauen in Computerwissenschaften an US-amerikanischen Universitäten stieg sogar steiler als ihr Anteil in Rechtswissenschaften. Warum hörte das auf?
“What Happened To Women In Computer Science?”

(Tipp: PCs)

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Morgens herzlich gelacht, noch vor dem Duschen:
“Das Servicedesk und ich”.

Unterschätzen Sie nie den IT-Fachbegriff “IRGENDWIE”. (Und Hartnäckigkeit.)

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Apropos Stachelschwein: Hier knapp drei Minuten, in denen einer aufs Allerniedlichste Kürbis frisst. Mit Niedlichgeräuschen.

via @anneschuessler

Journal Sonntag, 19. Oktober 2014 – Sonniges Isartal

Montag, 20. Oktober 2014

Die Morgenbrötchen gelangen auch beim zweiten Mal nicht so recht: Der Teig war wieder kaum aufgegangen, und die Semmeln wurden zu dunkel. Nächstes Mal deutlich längere Stockgare? Das eigentlich Aufregende war die erste Nutzung des Dampfeinstoßes im neuen Ofen. Die Programmierung war ein wenig kompliziert – ich bin halt Computerbildschirme gewohnt, auf denen ich jederzeit einen Überblick über meine Eingaben habe. Doch das Bedampfen funktionierte.

Dafür klappte mein Plan, diesen angekündigten letzten Spätsommertag nochmal für eine Wanderung zu nutzen. Ich fuhr nach Icking, um über das Isarhochufer nach Wolfratshausen zu spazieren, untenrum im Isartal und übers Ickinger Wehr zurück. Ich hatte Glück: Trotz Lokführerstreik kam ich reibungslos nach Icking.

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Bussarde hörte ich und sah sie bis zu dritt auf Thermik fliegen. Nicht gefasst war ich allerdings auf Lamas.

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In Wolfratshausen machte ich ein Päuschen bei Cappuccino und Apfelschorle, um mich herum Paare und Familien beim Kirchweihessen.

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Das Ickinger Wehr.

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Der Heimweg war dann eher länglich: Fast eine Stunde wartete ich am Ickinger S-Bahnhof, bis eine unbestreikte Bahn mich zurück nach München brachte. Ich hatte die halbe Wochenendezeitung als Lektüre dabei: So eine Zeitung ist ja anders als ein Buch eine flexibel lange Lektüre, Ziehharmonika-artig – im Alltag durchblättert, Überschriften gecheckt, selektiv gelesen, werden mit steigender Not immer mehr der Artikel gelesen; irgendwann locken auch Biowetter und Impressum zum Lesen.

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Abends Fleischpflanzerl (spontaner Einfall: mit Feta gefüllt). Ich wollte, dass alle gleichzeitig fertig wurden und benutzte zwei Pfannen. Die zweite Pfanne stellte sich als untauglich heraus, sie produzierte Fleischpflanzerlgröstl. Dazu aus dem Ofen Butternutkürbisscheiben.

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Ein Dominik-Graf-Polizeiruf: Nach der positiven Überraschung vom Vorabend nun eine Enttäuschung, die reichlichen Anspielungen an Guttenberg rissen das nicht raus. Das gute Drehbuch stammte von Sathyan Ramesh, das gestrige von Günter Schütter. Werde ich mir merken, beide Namen.

Journal Samstag, 18. Oktober 2014 – nochmal Spätsommer

Sonntag, 19. Oktober 2014

Selbst das wenige Außenlicht, das es nur sehr indirekt mit Nordfenster und zu zwei Dritteln herabgelassenem Rollladen in mein Schlafzimmer schaffte, war beim Aufwachen um sieben unverwechselbar: Es kündigte einen strahlenden Sonnentag an. Nach einem Morgenkaffee radelte ich zur Luitpoldbrücke, um von dort meinen Isarlauf nach Unterföhring und zurück zu starten. Ein traumhafter Lauf in der Sonne – von der Leinthalerbrücke aus sah ich nach Süden deutlich den Wendelstein -, körperlich unbelastet.

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In lustiger Kleidung Einkaufen gegangen, vorbei an vielen, vielen Menschen in Straßencafés.

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Nachmittags merkte ich, dass ich nach dem Freitagabend über französischem Essen mit einer Freundin nicht ganz genug geschlafen hatte und legte mich zu einer Siesta hin – in den letzten Jahren habe ich sehr selten dieses Bedürfnis, freue mich umso mehr, ihm nachgeben zu können.

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Zeitunglesen im sonnigen Wohnzimmer. Die neue SZ am Wochenende macht einen sehr guten Eindruck. Ausführliche Wochenendzeitungen habe ich ja Anfang der 90er während meines Auslandsjahrs in Großbritannien kennengelernt und schätzte es dort sehr – mit weniger als drei Wochenendblättern kam ich sonntags nie vom Morgenschwimmen zurück ins Student House. Doch seither haben sich meine Lesegewohnheiten sehr verändert; mal sehen, wie sich das auf das Lesen dieses neuen Formats auswirkt.

Allerdings wünschte ich, ich hätte das Streiflicht nicht angeschaut: Mit launigen Stereotypen über Internetnutzer, die kein wirkliches Leben haben, wurde die Hetzjagd gegen Anita Sarkeesian lächerlich gemacht, die ja nur der jüngste Auswuchs von Terror gegen Feministinnen ist:

Viel zu befürchten hat Frau Sarkeesian aber nicht. Wer ihr etwas antun wollte, müsste die virtuelle Welt verlassen. Doch wer so tief darin lebt, hat längst vergessen, wo eigentlich der Ausgang war.

Ernsthaft? Ja, die Süddeutsche ist stolz auf ihre interne Meinungspluralität. Aber da ich weiß, wie viele Menschen in der Redaktion inzwischen das Internet kennen, es klug nutzen, darin leben, wundert mich schon sehr, dass es immer noch keine Filter gibt, die das Rausplärren solch geballter Ignoranz verhindern. Das Streiflicht, bezeichnenderweise nicht namentlich gekennzeichnet, steht wie keine andere Rubrik für die Zeitung. Dieser vorgestrige Blödsinn macht das ganze Blatt lächerlich.

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Den späten Nachmittag in der Küche verbracht:

Apfelschlangerl nach Katharina Seiser gebacken. Gelernt: Pink Lady ist kein guter Kuchenapfel (war mir vor Jahren mal empfohlen worden, hatte ich deshalb ausprobiert, wird aber leider gummig hart), anderthalb Kilo Äpfel sind zu viel Füllung, die Rolle platzte im Ofen auf.

Neuen Joghurt angesetzt, derzeit esse ich pro Woche mindestens ein Kilo.

Morgenbrötchen nach Lutz Geißler angesetzt.

Zum Nachtmahl Kartoffel-Kohlrabi-Eintopf gekocht. In jüngster Zeit entdecke ich die klassische Einbrenn als Geschmacksgeber für Gemüsegerichte und -suppen. Sie scheint mir der zeitgenössischen Alltagsküche völlig abhanden gekommen zu sein, nachdem sie in der Generation meiner Mutter an fast alles kam. Vielleicht hat Letzteres zu Ersterem geführt?

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Abends im Fernsehen in den Dominik-Graf-Krimi “Reiche Leichen” reingeschnuppert – und angenehm überrascht hängen geblieben: Überdurchschnittlich gutes Drehbuch, vor allem sehr schöne Dialoge, unpeinliche bis gute Schauspielkunst, Andreas Giebel strahlt genau die grundmenschliche Wärme aus, die es für seine Rolle brauchte. Aus der Schönheit des Starnberger Sees genau richtig viel gemacht, ohne Kitschgrenzen zu reißen.