Essen & Trinken

Journal Donnerstag, 9. Oktober 2014 – der Wasserverkäufer

Freitag, 10. Oktober 2014

Um drei Uhr morgens von Hubschrauberlärm aufgewacht: Da würde doch nicht um diese Zeit einer auf dem Not-Not-Not-Landeplatz inmitten der Innenstadtkliniken landen müssen? Ich stand auf und sah hinaus: Nein, keine Absperrungen und Feuerwehrwagen hatten eine Landung vorbereitet. Doch ich hörte den Hubschrauber noch sehr lange sehr tief fliegen.

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Nochmal bei offenem Fenster crosstrainergestrampelt. Ein halbes Dutzend balgender Amseln beobachtet, ein quietschoranges Eichhörnchen gesehen.

In wundervoller Morgensonne in die Arbeit gelaufen.

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Eine Anregung von @midori aufgenommen: Sie hatte über eine App getwittert, die sie stündlich daran erinnert, eine Pause zu machen. Und diese nutzt sie, um mit dem Aufzug fünf Stockwerke hinunter zu fahren (nicht zu Fuß wegen Knie), um dann zu Fuß nach oben zu gehen. Zweites Obergeschoß bis drittes Untergeschoß ergibt auch in dem Gebäude, in dem ich arbeite, fünf Stockwerke, dafür sind meine Knie schon lange problemfrei und kann runterrennen. Viermal schaffte ich es über den Tag verteilt, aufzuspringen und das tatsächlich zu tun.

Am frühen Nachmittag riss ich mich zudem für einen kleinen Mittagspausenspaziergang los – und war völlig überrascht, in ernsthaft sommerliche Temperaturen zu geraten.

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Akquiseanruf von einem Wasserbottich-fürs-Büro-Verkäufer – allein die Vorstellung, in dieser 60-qm-Agentur auch noch Platz für einen Wasserturm finden zu müssen, erheiterte mich (selbst Serverschränkchen und Drucker finden nur im kleinen Besprechungszimmer Platz).

Nachdem er sein Sprücherl aufgesagt hatte, inklusive die Firma sei auch Mitglied im Verband deutscher Mineralbrunnen, erkundigte er sich nach meinem Interesse.

“Nein, ich habe kein Interesse. Das Münchner Leitungswasser ist ganz hervorragend und versorgt uns bestens.”

Wasserverkäufer: “Aber das kommt doch alles durch die Kläranlage!”
Vor Verblüffung über dieses Ausmaß an manipulativem Blödsinn musste ich herzhaft lachen.
Ich: “Nein, das ist Quellwasser – das müssten Sie doch wissen!”
WK: “Ich kann doch nicht alle Wasserquellen Deutschlands kennen.”
Ich: “Ach, schickt Sie der Verband der deutscher Mineralbrunnen nicht auf Fortbildungen?”

WK: “Dafür ist unser Wasser besonders gesund und aufbereitet!”
Ich: “Ah, LEBENDIGES Wasser!”
WK: “Was?”
Ich: “Da gibt’s doch so Kristallstengel, die man in die Wasserkrüge steckt, und dann wird das Wasser lebendig.”
Jetzt lachte der Anrufer herzlich.

Wir schieden als Freunde und wünschten einander einen schönen Tag.

(Dazwischen hatte ich ihn noch gefragt, ob er nicht eine Wasserverkostung deutscher Leitungswässer anbieten möchte, es gebe doch so Wassersommeliers. Aber außer mit “ja, da schmeckt man bestimmt Unterschiede” sprang er nicht darauf an. Dabei würde mich das wirklich mal interessieren.)

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Die heimlichen… nicht so heimlichen Weltherrscher:
“Grayson Perry: The rise and fall of Default Man
How did the straight, white, middle-class Default Man take control of our society – and how can he be dethroned?”

Today, in politically correct 21st-century Britain, you might think things would have changed but somehow the Great White Male has thrived and continues to colonise the high-status, high-earning, high-power roles (93 per cent of executive directors in the UK are white men; 77 per cent of parliament is male). The Great White Male’s combination of good education, manners, charm, confidence and sexual attractiveness (or “money”, as I like to call it) means he has a strong grip on the keys to power. Of course, the main reason he has those qualities in the first place is what he is, not what he has achieved. John Scalzi, in his blog Whatever, thought that being a straight white male was like playing the computer game called Life with the difficulty setting on “Easy”. If you are a Default Man you look like power.
(…)
In the course of making my documentary series about identity, Who Are You?, for Channel 4, the identity I found hardest to talk about, the most elusive, was Default Man’s. Somehow, his world-view, his take on society, now so overlaps with the dominant narrative that it is like a Death Star hiding behind the moon. We cannot unpick his thoughts and feelings from the “proper, right-thinking” attitudes of our society.
(…)
When we talk of identity, we often think of groups such as black Muslim lesbians in wheelchairs. This is because identity only seems to become an issue when it is challenged or under threat. Our classic Default Man is rarely under existential threat; consequently, his identity remains unexamined. It ambles along blithely, never having to stand up for its rights or to defend its homeland.
(…)
When I was at art college in the late Seventies/early Eighties, one of the slogans the feminists used was: “Objectivity is Male Subjectivity.” This brilliantly encapsulates how male power nestles in our very language, exerting influence at the most fundamental level. Men, especially Default Men, have put forward their biased, highly emotional views as somehow “rational”, more considered, more “calm down, dear”. Women and “exotic” minorities are framed as “passionate” or “emotional” as if they, the Default Men, had this unique ability to somehow look round the side of that most interior lens, the lens that is always distorted by our feelings. Default Man somehow had a dispassionate, empirical, objective vision of the world as a birthright, and everyone else was at the mercy of turbulent, uncontrolled feelings. That, of course, explained why the “others” often held views that were at such odds with their supposedly cool, analytic vision of the world.
(…)
One tactic that men use to disguise their subjectively restricted clothing choices is the justification of spurious function. As if they need a watch that splits lap times and works 300 feet underwater, or a Himalayan mountaineer’s jacket for a walk in the park. The rufty-tufty army/hunter camouflage pattern is now to boys as pink is to girls. Curiously, I think the real function of the sober business suit is not to look smart but as camouflage. A person in a grey suit is invisible, in the way burglars often wear hi-vis jackets to pass as unremarkable “workmen”. The business suit is the uniform of those who do the looking, the appraising. It rebuffs comment by its sheer ubiquity. Many office workers loathe dress-down Fridays because they can no longer hide behind a suit. They might have to expose something of their messy selves through their “casual” clothes.
(…)
The outcry against positive discrimination is the wail of someone who is having their privilege taken away. For talented black, female and working-class people to take their just place in the limited seats of power, some of those Default Men are going to have to give up their seats.

Perhaps Default Man needs to step down from some of his most celebrated roles. I’d happily watch a gay black James Bond and an all-female Top Gear, QI or Have I Got News for You.
(…)
Earlier this year, at the Being A Man festival at the Southbank Centre in London, I gave a talk on masculinity called: “Men, Sit Down for your Rights!”.

Das stützt ganz wunderbar Antje Schrupps zentrales Hinterfragen dieser Standards: Es geht nicht darum, Frauen in diesem Männersystem nach vorne zu bringen, sondern zu untersuchen, ob es Alternativen zu diesem System gibt, die automatisch Frauen enthalten.

Journal Montag/Dienstag, 6./7. Oktober 2014 – Mama wird 70

Mittwoch, 8. Oktober 2014

Meine Mutter wurde 70 – ein seltsames Gefühl. Möglicherweise sogar seltsamer als mein eigener 50. Geburtstag in knapp drei Jahren.

Meine Mutter war immer jung, allerhöchstens mal im mittleren Alter. Aber alt? Doch nicht meine Mutter!

Abends gab’s im Familienkreis Fondue, mit allen familientraditionellen Sößchen (große Feier mit Landhausmode ist am Freitag).

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Am nächsten Morgen viel zu früh am zentralsten Bahnhof meiner Geburtsstadt gestanden.

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Zwei Tage lang brutal viel Arbeit – was in diesem kleinen Büro unter anderem dazu führt, dass ich mich neun Stunden praktisch überhaupt nicht bewege und nur sitze, außer aufs Klo zu gehen oder Wasser zu holen. Ich weiß nicht, wann ich mich zuletzt stundenlang so wenig bewegt habe. Bei Filmmarathons im Kino (3 x Back to the Future, 24 Stunden Star Trek)?

Vorm Fenster wurde über die zwei Tage das Oktifest 2 abgebaut. Jetzt nervt uns wieder die Laubbläserin statt Hossa!, Du kannst nicht immer 17 sein, Skiiiiifoan!

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Zumindest gestern konnte ich mittags kurz raus und einkaufen und wurde von einem sonnigen, sehr warmen Tag überrascht. Weather 2014 – you’re drunk.

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Jedes einzelne Bild, jedes einzelne GIF ein Treffer (mein Liebling ist 19.):
“25 Things That Happen When You Talk About Feminism On The Internet”.

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Angela Leinen hat den neuesten Roman von Paulo Coelho gelesen und beschreibt ihn nachvollziehbar anhand der Leitfrage: Warum sind Coelhos Bücher so erfolgreich?
“Lebenshilfe, als Belletristik getarnt”.

Interessantes Recherchenebenergebnis (und ewiger Streipunkt unter Übersetzerinnen):

Die Informationen über das politische System der Schweiz, die Coelho in “Untreue” eingebaut hat, waren im Original übrigens völlig falsch und wurden erst nach Übersetzung ins Deutsche vom Lektorat korrigiert.

Journal Sonntag, 5. Oktober 2014 – grauer Herbst

Montag, 6. Oktober 2014

Ein weiterer grauer Tag unter Hochnebel oder Wolken, ich weiß es nicht genau und es ist mir auch egal. Grau halt. Jetzt hatten wir hier unten im Süden schon keinen Sommer, dann sind es schon wieder die nördlichen Deutschen, die einen goldenen Herbst bekommen – und auch noch die Stirn besitzen, darüber zu mäkeln.

Zumindest hielt sich die Kälte in Grenzen: Als ich am späten Morgen zu einer Stepaerobicstunde an den Ostbahnhof radelte, brauchte ich noch keine Handschuhe.

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Meine Nachmittagsverabredung wurde abgesagt, also legte ich mich nach dem Frühstück (Käsesemmel, Melone, Apfelkuchen) zu einer Siesta hin.

Die Entdeckung des Himmels von Harry Mulisch (übersetzt von Martina den Hertog-Vogt) ausgelesen. Ich mochte das dicke Buch sehr, es ließ sich gut kapitelweise abends lesen, und obwohl ich für mich ungewöhnliche fünf Wochen dafür brauchte, verlor ich nie den Faden, freute mich im Gegenteil jeden Abend auf eine Wiederbegegnung mit Geschichte und Figuren. Ohne Schwanken ins Bücherregal gestellt, wohin inzwischen nur noch Bücher kommen, die ich ganz sicher nochmal lesen werde, oder in denen ich nachblättern werde.

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Widerwillig mittelgroße Mengen gebügelt, musste halt sein. Das Umräumen Sommer-/Winterkleidung auf nächstes Wochenende verschoben.

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Zum Nachtmahl bereitete der Mitbewohner im Römertopf Hirschgulasch, dazu gab es die restlichen Semmelnknödeln von gestern in Scheiben gebraten. Geschmack ganz hervorragend, das Gulasch hätte möglicherweise 30 bis 60 Minuten länger als im Rezept gebraucht (Ira König, Römertopf), wir kauten kräftig.

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Für den Nachtisch hatte der Herr ein indisches Eis Kulfi gemacht, das er schon lange mal ausprobieren wollte – schmeckte hervorragend.

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Abends zeigte arte Singin’ in the rain (deutsch damals als Du sollst mein Glücksstern sein in den Kinos) – einer meiner großen MGM-Lieblinge. Da der Mitbewohner den Film seit Kindheit liebt und gerne Dialogzeilen der deutschen Synchronfassung zitiert, freue inzwischen auch ich mich auf “Ich kannnich liem!”. An Kostümen finde ich die der Herren sogar bemerkenswerter als die der Damen (obwohl es eine Modenschau-Tanznummer gibt) – der muskulös-gedrungene Gene Kelly war sicher nicht einfach auszustatten.
Viele großartige Tanznummern (Cyd Charisse!).

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Ilse war in Kopenhagen und hat darüber gebloggt.
Kopenhagen, zum Ersten
Am Meer
Das Louisiana
Tourismus in Kopenhagen

Klar war, ich würde mich in den ersten Stunden wie ein Depp fühlen – ich kenne das vom Tourismus. Mir tun immer diese armen Leute Leid die in der Hauptbahnhofgegend rumirren mit ihren Rollkoffern und denken, “Ach so, das ist also München”. Weil, das ist es natürlich nicht.

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Heartbreaking ist der richtige Ausdruck: Wie Shai Agassi die mögliche Zukunft einer individuellen Mobilität in den Sand setzte.
A Broken Place: The Spectacular Failure of the Startup that was going to Change the World”.

Ich habe Agassi auf dem DLD 2008 vortragen sehen – ich war von seiner Idee hingerissen.

Journal Samstag, 4. Oktober 2014 – Waldpilze und Apfelkuchen

Sonntag, 5. Oktober 2014

Wusste Sie, dass riesiger Spaß an einer Krafttrainingsstunde keineswegs Muskelkater verhindert? Ach, wussten Sie? Mich konnte auch gestern wieder überraschen, dass die Schenkelvorder-, -innen- und -rückseite sowie Brust-, Schulter- und obere Rückenmuskulatur deutlich spürbar waren.

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Und zwar so spürbar, dass ich mir vernünftig sportfrei nahm und statt dessen mit dem Mitbewohner Einkaufen ging: Im örtlichen Attinger nach Haushaltwaren gesucht (der heißt hier Kustermann, aber aus irgendeinem Grund entfällt uns beiden regelmäßig der Name – der Mitbewohner ist in Augsburg aufgewachsen, ich habe dort studiert, und der Haushaltswaren- und Geschirrladen war dort der Attinger, so sehr, dass er zumindest in der Generation des Mitbewohners ein Synonym für diese Art von Geschäften war). Ich brauchte einen neuen Dichtungsring für meine kleine Cafetera; letzte Woche hatte ich mir nach Langem mal wieder damit meinen Morgenkaffee gemacht, und der hatte scheußlich geschmeckt. Gründliches Auseinandernehmen der Kanne hatte gezeigt, dass der Dichtungsring bereits ausgesprochen unappetitlich war. Der AttingerKustermann verkauft diese Dichtungsringe einzeln (für apothekenhafte 2,20 Euro – ¿tiene música?), und wir wollen ja den lokalen Handel unterstützen. Außerdem standen auf der Einkaufsliste Besteckkasten (check) und Abtropfgitter (das wird komplizierter).

Davor allerdings noch ein Schreck, als bei Nachfrage im Herstellergeschäft das Geschenk zu Mutters 70. Geburtstag nun doch nicht rechtzeitig fertig zu werden drohte – spontane Farbumentscheidung wendete das ab.

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Auf dem Viktualienmarkt holten wir beim Wild- und Geflügelhändler Hirschgulasch und Wildschweinsalami, frühstückten in der nebengelegenen Pferdemetzgerei Würschtl und kauften nach Sichtung des Angebots gemischte Waldpilze. Plus einen einzelnen prächtigen Steinpilz, den mir der Verkäufer mit Scherzen und Wimpernklimpern erfolgreich andrehte.

Restliche Einkäufe im Basitsch am Viktualienmarkt – nachdem ich in den vergangenen Monaten hauptsächlich im näher gelegenen neuen Alnatura einkaufe, hatte ich bereits vergessen, wie elitär die Kundschaft in diesem konkreten Laden ist. Kein Wunder, dass mein allererster Besuch dort zu einem Blogpost führte.

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Bayramınız mübarek olsun
(Wenn ich das nicht korrekt copyandpasted habe, blamiere ich mich ziemlich – ist aber trotzdem von Herzen.)

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Das erste Mal den neuen Backofen genutzt: Gedeckter Apfelkuchen mit einem Haselnussmürbteig (dass sich der deutlich höhere Preis für die gemahlenen Nüsse im Basitsch lohnte – ja mei, ich war samstagsfaul, außerdem zahlte der Mitbewohner – merkte ich am betörenden Nussduft des Teigs beim Kneten). Der Ofen wird sensationell schnell heiß, und ich werde mich schon noch daran gewöhnen, dass ich die Innenbeleuchtung immer extra anschalten muss – spart ja auch Strom.

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Zum Nachtmahl gemischte Rahmpilze mit Semmelnknödeln, dazu ein gallicischer weißer Gaba do Xil, aus der autochtonen Traube Godello – passte mit seiner Frische und Mineralität nicht wirklich zu den Pilzen, aber ich hatte ihn halt endlich probieren wollen.

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Ein neues Themenblog von zwei lange und hoch geschätzen Bloggerinnen!
Das Gärtnerinnenblog.

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Antje Schrupp macht sich Gedanken und erklärt, warum Debatten unter Femnistinnen oft anders und schmerzhafter sind als andere öffentliche Debatten:
“Die schmerzhaften Debatten unter Feministinnen”.

Wir leben in einer Kultur, in der die übliche Reaktion auf Kritik ist, erstmal alles abzustreiten und nur ja keine Zugeständnisse zu machen (eventuell landet man ja auch noch vor Gericht, und da wäre das ganz schlecht, wenn man vorher schon Zweifel an der eigenen Unschuld geäußert hätte). Die übliche Reaktion auf Kritik ist, die Schuld der Gegenseite zuzuweisen, entrüstet zu tun, die Muskeln spielen zu lassen. Erst mal sehen, wer der Stärkere ist.

Auch wir Feministinnen sind von dieser Kultur geprägt, auch wir haben die Regeln der herrschenden symbolischen Ordnung internalisiert, sie ist auch ein Teil unserer Routine.

Doch diese Ordnung, diese Kultur ist schlecht. Sie verhindert, dass Menschen etwas dazu lernen. Sie verhindert, dass neue Ideen sich verbreiten, selbst wenn sie gut sind. Sie führt dazu, dass Kritik allzu häufig eine Spirale aus Rechtfertigungen und Schuldzuweisungen auslöst, die sich immer weiter aufschaukelt.

Journal Freitag, 3. Oktober 2014 – um den Eggelburger See

Samstag, 4. Oktober 2014

Feiertag!

Die Meteorologie hatte schönes Wetter vorhergesagt (Wandern!), allerdings erst nach Auflösung von Hochnebel – das war an den Tagen davor ab frühem Nachmittag gewesen.

Also nutzte ich den grauen Vormittag für eine Stunde Langhanteltraining in der Gruppe im Sportstudio. Ich hatte große Freude daran (ein letztes Mal mit der inzwischen durchgenudelten Musik der vergangenen drei Monate) – bis es ans Bankdrücken ging. Mein linker Arm ist jetzt wegen Nackenwirbelnerveinzwickung so deutlich schwächer als der rechte, dass ich die Übung abbrechen musste: Der linke Arm sackte einfach weg. Ich konnte ihn auch die folgenden Stunden vor Zittern fast nicht heben. Jetzt bin ich ernstlich besorgt – wie kann ich mit diesem Ausfall sinnvoll den Oberkörper krafttrainieren? Zumal der Neurochirurg damals gesagt hatte, die Taubheit im Arm könne von selbst wieder verschwinden, Kraftverlust aber bleibe. Werde mal mit den Trainerinnen sprechen.

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Auf dem Heimweg vom Studio besorgte ich im Verkaufsgeschoss unterm Hauptbahnhof Semmeln, zum Gabelfrühstück gab es gebratenen Tatsoi mit Rührei. Der Tatsoi aus dem Ernteanteil schmeckte ein wenig spinatig, ein wenig mangoldig, insgesamt aber vielschichtiger – wieder ein neuer Liebling, auf den ich von allein nicht gekommen wäre.

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Das Wandern hatte eher Spaziergangformat, mit dem Mitbewohner fuhr ich mal wieder nach Kirchseeon, um über den Egelburger See nach Ebersberg zu wandern.

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In Ebersberg sahen wir uns nach einem Wirthaus um. Die Alte Post am zentralen Marienplatz sah genau nach sowas aus, ebenerdig, niedrige Decke, fast vergessen unmodern eingerichtet. Wir waren die einzigen Gäste, bestellten lokales helles Bier vom Faß und Cordon Bleu vom Schwein. Wir bekamen ein ausgesprochen wohlschmeckendes Forstinger Bier (wenn ich schon mal eine zweite Halbe mag!), und gutes Fleisch mit einer der Säulen der deutschen Gasthauskultur: dem kleinen gem Salat (auch wenn die beiden Scheiben rote Bete in Wellenschliff fehlten, wie auf Instagram richtig bemerkt wurde).

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Der Mittagesser hat ein Gemüsekochbuch geschrieben, das jetzt auf dem Markt kommt:
Jetzt! Gemüse

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Es ist unter den knapp 12.800 Kochbüchern, die der Herr inzwischen geschrieben hat, unter anderem deshalb besonders erwähnenswert, weil der Mitbewohner und ich dafür probegekocht haben.1

Außerdem ist es ein schönes Buch, und es enthält gute Rezepte für Snacks, Beilagen, Hauptgerichte und Eingemachtes.

Wer sich jetzt fragt: Warum noch ein Gemüsebuch? Warum nicht gleich vegan? Und warum eigentlich nicht bei seinem Hausverlag? Die mögen vielleicht dieses Interview mit Sebastian Dickhaut lesen, in dem er darauf antwortet:
“’Ich mag’s, wenn es rasant losgeht’”.

(Über Frauen mit hässlichen Füßen reden wir aber nochmal, Sebastian.)

  1. Ich bin inzwischen sicher, dass ich selbst nie ein Buch schreiben werde. Macht nichts, wirklich. Dass es inzwischen eine Reihe Bücher gibt, die mich dankend erwähnen, finde ich aber ganz bezaubernd. []

Wie mir der Dallmayr einmal Kaffee schenkte

Freitag, 3. Oktober 2014

Mittwochabend lag ein Päckchen daheim, adressiert an mich als Bloggerin, von Dallmayr. (Die betreuende PR-Agentur hat sich mittlerweile entschuldigt, dass das Paket ohne vorherige Absprache gesendet wurde: “technischer Fehler in der Datenbank”.)

Drin war Kaffee, in kleinen Portiönchen. Ach wie nett, dachte ich, da hat ein Blogger-Relations-Mensch mitbekommen, dass ich mangels Küche nach löslichem Ersatz sucht. Aber nein, das war kein löslicher Kaffe, sondern normales Kaffeepulver, nur halt ganz wenig davon einzeln in Aludöschen verpackt.

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Ein Anschreiben informierte mich, dass die Döschen für spezielle Kaffemaschinen (“® *” – “*Markenzeichen eines Drittunternehmens”) gedacht sind. So eine besitze ich nicht – hat die wirklich dermaßen jede, dass man blind Zubehör dafür verschicken kann? (Beigelegt war auch ein Dallmayr-USB-Stick – ein Hinweis auf einen geplanten Einstieg ins Elektronikgeschäft?)

Nun gut, Kaffepulver ist Kaffepulver, und das von Dallmayr soll ja besonders gut sein, sieht man doch in der Fernsehwerbung mit diesen hübschen Frauen in weißen Schürzen, zu denen der flotte Anzugmünchner im mittleren Alter geht, der offensichtlich oben im Literaturhaus wohnt, lässt sich nämlich am Blick aus seinem Fenster auf die Theatinerkirche erkennen. Und einem geschenkten Araberhengst schaut man nicht auf die Darreichungsform.

Dann befüllte ich heute halt meine Cafetera damit. War weniger aufwändig, als ich befürchtet hatte, die Dinger lassen sich mit dem Daumennagel öffnen. Und ich bin sicher, das haben Sie sich schon immer gefragt: Um die 6-Espressotassen-Bialetti zu füllen, braucht man fünf Kapselinhalte.

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Der Cappuccino aus der Sorte Indian Sundara schmeckte hervorragend. Danke, Dallmayr!

(Unter uns Pastorentöchtern würde mich allerdings die Produkt- und Marketingstrategie dahinter interessieren: Als elitär und hochklassig platziert sich ja die Kapselerfindungsfirma selbst schon. Zielt das Dallmayprodukt wirklich darauf ab, hier Marktanteile abzugraben? Andererseits: Mit Kaffee ist Dallmayr bislang ja eine Discounter- und Supermarktmarke, überhaupt nicht passend zum überragenden Feinkostangebot und Niveau im Münchner Haupthaus. Soll sich das durch die Kapseln ändern?)

Journal Donnerstag, 2. Oktober 2014 – weiterackern

Freitag, 3. Oktober 2014

Wecker zwar auf FrühgenugfürFrühsport gestellt, dann aber doch statt Crosstrainerstrampeln die Zeit genutzt um zu Bloggen, auf Twitter herumzualbern und ein überraschend aufwändiges Formular auszufüllen.

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Zu Fuß in die Arbeit, bereits um halb neun kamen mir viele Menschengruppen in Oktoberfestverkleidung und mit offenen Bierflaschen in der Hand entgegen.

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Auch gestern enorm viel und dichte Arbeit, keine Mittagspause (hat aber auch damit zu tun, dass eine deutliche Verlängerung meines Arbeitstags in den Abend meine allerletzte Eskalationsstufe ist, da ich mich gegen Abend sehr schlecht konzentrieren kann und sehr, sehr heim will) – zumindest musste ich kein zweites Mal aufs Oktifest, auf das Chef und Kolleginnen mittags die besuchende US-Kollegin ausführten.

Über den Tag wurde das Wetter immer schöner und sonniger, dennoch musste ich immer wieder für Viertelstunden das Fenster schließen, wenn Partymusik und Würstelbratgeruch des Oktifests 2 vorm Bürofenster allzu übelkeitserregend hereindrangen.

Zwei Menschen auf dem Weg zur Theresienwiese gesehen, die Narrenkappen mit Schellen trugen – über diesen weiteren kleinen Moment der Wahrheit gefreut.

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Nach Feierabend über einen großen Oktifestumgehungsbogen nach Giesing geradelt. Abendlicher Ratsch in wundervoller Dämmerung mit Freund auf Bürgersteigbank, an der sich immer wieder passierende Nachbarn beteiligten. Austausch von Oktoberfestabwehrtaktiken, der Australier in seinen verschiedenen Ausformungen, u.a. als airbnb-Gast, warum auch heute noch Leica und Zeiss auf japanischen Kameras stehen darf, dass derzeit im Arbeitsleben #allebekloppt sind, das Profil bestimmter Kinderhorte.

So sehr ich die Dörflichkeit sonst fliehe: Hin und wieder als Gast an einer solchen teilzuhaben, mag ich sehr gerne.

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Mit enormem Hunger heimgekommen (Mitbewohner unterwegs), dennoch ein schnelles Nudelgericht geschafft (ohne mich bis zur Fertigstellung bereits mit einer halben Packung Kekse druckgesättigt zu haben): Frische grüne Paprika und eine Selleriestange (Ernteanteil) geschnipselt, mit schnell eingeweichten getrockneten Steinpilzen in ein paar Löffel Joghurt und ein Löffel Majo gerührt, heiße kurze Nudeln untergemischt – ergibt lauwarmes Gericht. Womit ich das Problem gelöst hatte, dass das Gemüse sonst kühlschrankkalt gewesen wäre, was ich nur im heißesten Hochsommer mag.

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Verfolge seit Monaten aus der Ferne (also über Facebook), wie eine Bekannte in USA ihre viel zu früh geborenen Zwillinge im Krankenhaus bemuttert. Und bin bedrückt vom Gedanken, dass sie zusätzlich zur Sorge um ihre Babys sehr wahrscheinlich pleite oder hoch verschuldet ist, wenn sie die Kleinen endlich heimnehmen kann. Unser örtliches Gesundheitssystem ist wirklich eine große zivilisatorische Errungenschaft (heißt ja nicht, dass man daran nicht noch einiges verbessern könnte).