Essen & Trinken

Journal Samstag, 27. Juni 2026 – Hitzebedingter Drinnen-Samstag mit Musik-Tipps

Sonntag, 28. Juni 2026

Eine sehr schlechte Nacht: Wach hielten mich Rippenschmerzen (bei Bewegung, irgendwann aber auch beim einfachen Daliegen auf dem Rücken), Geschrei im Park, in den frühesten Morgenstunden klingelte jemand bei uns (ich lauschte kurz: war unten am Tor, nicht an der Wohnungstür, also wohl keine Nachbarin – ich sah keinen Anlass aufzustehen, auch nicht Herr Kaltmamsell). Am erholsamsten fühlten sich die anderhalb Stunden Schlaf nach fünf an, und ich träumte auch noch von Kindheitsspanien, schön.

Was mir durch diese Nacht klar wurde: Schwimmengehen ließ ich besser bleiben. Vielleicht würden sich die blöden Rippen durch dieses “Schonen” und “Ruhe” wieder einkriegen, von denen man in alten Romanen hin und wieder liest. Also gemütliche Häuslichkeiten, Kruschen, Bloggen auf dem Balkon an Milchkaffee.

Noch vor neun fühlte sich die Luft von draußen warm statt kühlend an, ich sperrte sie und das Sonnenlicht aus.

Zu einer Einkaufsrunde wollte ich mich aber doch aufraffen, schon im Vorgriff auf Montag: Dienstagabend nehmen Herr Kaltmamsell und ich an der Generalversammlung unseres Kartoffelkombinats teil (verlegt vom bisherigen Sonntag in der Hoffnung auf mehr Interesse der Genossenschaftler*innen), wenn wir uns am Buffet beteiligen wollten, musste die Vorbereitung bei zwei Vollzeit-Arbeitstätigen langfristig durchgeplant werden. (Wir wollen vegetarische Empanada mitbringen, den Teig setze Montagmorgen ich an, die Fertigstellung übernimmt Montag nach der Schule Herr Kaltmamsell.)

Wie angekündigt und erwartet war es bereits vormittags brüllend heiß, besorgt sah ich auf meiner Einkaufsrunde die vielen Vorbereitungen des gestrigen CSD. Eine Folge der aktuellen Extremhitze: auffallend viele Menschen mit Regenschirmen als Sonnenschutz.

Wieder fühlten sich das Aufschließen der Haustür und das Betreten des kühlen Treppenhauses beim Heimkommen wie Rettung an. Das war’s definitiv mit draußen für den Tag. Ich verdunkelte die Wohnung gründlich.

Ab Mittagszeit unablässiger Hubschrauberlärm über Münchens Zentrum. Ich hoffe, die filmten den CSD nicht nur, sondern sprühten Wasser auf die armen Mäuse.

Zu Mittag gab’s Apfel, Orange, Aprikosen, Flachpfirsich mit Joghurt – obwohl mein Hunger-Bauchweh fast von Müdigkeit übertrumpft wurde, aber ich wusste, dass ich hungrig nicht schlafen kann. Zu einer ausgiebigen Siesta legte ich mich danach hin.

Im immer noch komplett abgedunkelten Wohnzimmer die Wochenendzeitung gelesen, halt mit Deckenlicht. Dann probierte ich Bügeln – ging überraschend gut, ich schwitzte nur wenig mehr als untätig sitzend.

Zum Nachtmahl wieder vor allem Gemüslichkeiten:

Frische Salzgürkchen sowie Kimchi aus Herrn Kaltmamsells Produktion, restlicher Fenchelsalat, außerdem Sardinen-Aufstrich mit Brot. Dazu den spritzigen Rosé by nature von Pittnauer aus Gols.
Nachtisch Eiscreme und Schokolade.

Die ARD sendete einen Brennpunkt (ja: haha) nach der Tagesschau zur Brutalhitze mit neuen deutschen Höchstwerten in der Allzeit-Temperaturmessung: Wissenschaftliche Experten (Mobilität, Gesundheit) gaben ihre Einschätzung, was dringend getan werden muss zum Schutz der Bevölkerung. Ich konnte schier die Tausenden Klimaaktivist*innen seit vielen Jahren fuchteln und “HABEN WIR DOCH GESAGT!” fluchen hören. Selbst amüsierte ich mich ehrlich darüber, dass platzende Autobahnbeläge ein Tempolimit erreichten, mit dem vernünftige Stimmen bislang nie durchkamen.

Später als sonst, aber an diesen langen Tagen immer noch bei mittelhellem Himmel ins Bett zum Lesenn, ich sah den sich füllenden Mond aus den Baumwipfeln des Parks vorm Schlafzimmerfenster steigen.

Für Sonntag hatte ich eine Unternehmungs-Idee, Herr Kaltmamsell war bereits darauf angesprungen. Freuen Sie sich schon auf den Bericht über: Kocherl-Wandern.

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Eva Wolfsangel ist eine respektierte und erfolgreiche Journalistin mit Fachgebiet IT. Sie belegt leider mit Beispielen aus eigener Erfahrung, wenn Sie schreibt:
“KI und das Ende des Journalismus”.

Manche Medien und Journalist:innen nutzen KI, um Informationen aus dem Netz zu scrapen, maschinell daraus Beiträge zu verfassen und als eigene auszugeben. Damit schaufelt sich die Branche ihr eigenes Grab.

(Ich würde wirklich echt ehrlich viel lieber schöne Geschichten über “KI”-Anwendungen verlinken – zum Beispiel diese über einen “Anrufmanager”. Schon wieder für mich nicht relevant, Telefonieren ist eine sehr seltene Anwendung meines Handys.)

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Beim Bügeln hörte ich wieder die Playlist mit aktueller deutschsprachiger Musik, die eine sehr bewanderte Freundin unter dem schönen Titel “Grundsolide Schlager” zusammengestellt hatte (schon ihre Mixtape-Titel vor 30 Jahren waren so schön). Besonders gefallen haben mir und seien deshalb weitergegeben:

1. Mine: Unfall

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https://youtu.be/68YHpI1-mN0?si=VLwVkjlG7jC7IS5j

Vor allem wegen des besonderen Schlagzeugs (die Texte von Mine mochte ich aber eh durchwegs).

2. Sorry3000: Hinterm Kreisel

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https://youtu.be/WFWNBcbplnA?si=xv8zxLJRKFanOmVk

Mich faszinieren am Text und seiner Erzählhaltung die scheinbare Naivität der Beschreibung, die Betonung von Respekt für Unterschiede (“Ich find’s schön, dass ihr euch damit wohlfühlt”), aber dann halt doch das Stehen zu nicht verhandelbaren Werten (“aber ihr wisst schon”).

3. Anna Buchegger: Wos i nit bin

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https://youtu.be/PwhBZfUH-EE?si=ChGkJvi8w6smcTbg

Wieder ein fasnizierender Text (an eine Schwester gerichtet?) – und wie schön, auf welchem Niveau es Musik in Dialekt gibt.

Journal Freitag, 26. Juni 2026 – Lindenblütenkleben und Too darn hot!

Samstag, 27. Juni 2026

In dieser Nacht störten die Sturzfolgen dann doch meinen Schlaf – allerdings schwer abzugrenzen vom zwickenden und bis ins rechte Knie stechenden LWS-Schmerz (KÖRPER!).

Die Lindenblüte ist fast vorbei, nur an der Nordwest-Ecke der Theresienwiese rieche ich sie noch.
Von den abgeworfenen Blüten auf dem Foto nahmen die Sohlen meiner Sandalen etwa ein Drittel mit: fest angepappt von Blattlauskleber.

Die Theresienwiese weiter verbaustellt und mit Absperrgittern versehen, diese aber an den wichtigsten Passagen noch nicht verschlossen.

Das Büro erleichternd temperiert, Arbeit vorhanden, aber machbar.

Irgendwas ritt mich mittags und ließ mich das Haus für einen Mittagscappuccino im Westend verlassen (ich verdächtige den Schrittzähler, aber ich wollte auch eine Postkarte einwerfen). Und siehe da: Jetzt fühlte sich der leichte Wind sogar noch erfrischend an. Im Schatten.

Total gestelltes Foto, so sitze ich nie beim Cappuccino-Trinken.

Zu Mittag gab es die erste Minigurke aus der Kartoffelkombinat-Gärtnerei (mit Salz, weil bei all dem Trinken Salz nicht vergessen!), Ernteanteil-Apfel (langsam nimmt der Geschmack der letztjährigen Ernte trotz phänomenaler Lagertechnik ab), Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Am Nachmittag erreichte mich ein Arbeitsauftrag, den ich sehr gern erfüllte: Erbeten war eine Aufstellung von Daten zu einem Thema, bei dem ich mich immer wieder lächerlich überstrukturiert fühle, weil das doch eh niemanden interessiert, solange alles läuft. Fast hätte ich Fanfaren geschmettert beim Rausziehen der Ordner.
Ich war mehrere Stunden konzentriert und sehr fröhlich beschäftigt. Auch hatte ich viele Ideen, wie man diese Daten zielführend nutzen könnte, aber das gehört bereits nicht mehr zu meiner Rolle als nur die Sekretärin.

Draußen war es wie angekündigt prügelheiß, aber ich musste ja nach Hause kommen. Wieder nutzte ich U-Bahnhöfe für ein geschätztes Fünftel meines Heimwegs, ging langsam, absolvierte Lebensmitteleinkäufe im Vollcorner und der Balkanbäckerei, schlug lieber einen Umweg, wenn ich dadurch Schatten abgreifen konnte. Auf dem letzten Viertel des Wegs erinnerte ich mich dennoch intensiv an die kleinen Kinder, die sich einfach auf den Gehweg setzen und sich weigern, auch nur einen Schritt weiter zu gehen – ich konnte diesen Impuls sehr stark fühlen.

Daheim musste ich mich erstmal sammeln. Fürs Abendessen hatte ich mich zuständig erklärt, hobelte Ernteanteil-Fenchel zu einem Salat mit Orangen, Kichererbsen, Zitronensaft, Olivenöl. Während dieser durchzog, turne ich Yoga – die blöden Rippenschmerzen vom Sturz waren dann doch stärker statt schwächer beworden und beeinträchtigten mich. Restliche Anrichtung des Abendessens:

Bei geschlossenen Fenstern und nach Westen herabgelassenen Rollläden gab es Netzmelone mit Jamón ibérico, Balkanbrot, Fenchelsalat – und vor allem dazu tinto de verano: Schon der erste Schluck transportierte mich ins Kastilien meiner Kindheits-Familienurlaube. Nachtisch Schokolade, die eine oder andere waren Kühlschrank-gekühlt.

Meine Pläne fürs Wochenende kalkulieren die Stunden nach Sonnenaufgang ein, zu anderen Zeiten habe ich nicht vor, die Wohnung zu verlassen. Irgendwelche Vorteile muss meine Lerchennatur ja haben, wenn ich schon nie Geschichten aus dem Nachtleben erzählen konnte und kann (kurze Ausnahmen bei Hochverliebtheit und zu Studienzeiten für Poker-Nächte).

Lesen im Bett (Schlafzimmertemperatur trotz aller Prävention über 26 Grad): Vivian Gornicks Fierce Attachments nahm mich mit in die 1980er Jahre und zu den jüdischen New-York-Bewohnerinnen, deren Mütter noch den Zweiten Weltkrieg erlebt hatten, in eine Wohnblock-Frauengemeinschaft mit sehr eigenen Regeln.

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Auf Mastodon sah ich über die Kommentare dazu die Lesungen zum Bachmannpreis vorbeifließen. Die Kommentare zu und Zitate aus Lena Schättes Text ließen mich aufhorchen, denn es geht ums extreme Dicksein. Ist dann auch ein sehr lesenwerter Text, hier das PDF:
“Was wir tragen”.

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UI! Die aktuelle Meisterstunde portraitiert den Mann, der meinen Bräter (den schönsten der Welt) gefertigt hat:
“Künstler Berthold Hoffmann über seine gusseisernen Kochgeräte:
“Die einfache Form bündelt Energie'”

Zusätzlich gibt es Fotos aus der Gießerei – und aus einem vergangenen Beruflseben weiß ich: Gießerei-Fotos sind immer Schmankerl; eines von damals habe ich drucken und rahmen lassen, es hängt in unserem Wohnungsflur.

(Ich hatte ganz vergessen, dass Berthold Hoffmann seinerzeit meinen verlinkten Original-Blogpost von 2008 sogar selbst kommentiert hatte. Achja – andere Blog- und andere Kommentierzeiten.)

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Der Film war nicht gut, aber interessant mittelmäßig.

Mit solchen Filmkritiken kann ich etwas anfangen, diese von Southpark über den Horrofilm Backrooms.

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Gardenwithjohnny goes Celeste Barber. Manche “Influencerinnen” sind ja bereits ihre eigene Parodie – danke! (Das nächste Mal aber im Kleidchen, bitte.)

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Um es mit der großen Naturphilosophin Ann Miller zu sagen (die meiner Erinnerung nach damit in diesem Blog bereits auftrat):
TOO! DARN! HOT!

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https://youtu.be/WS_YAKZH3lw?si=pjAuowD9JHB6xEJ2

Journal Montag, 22. Juni 2026 – Start in Hitzewoche

Dienstag, 23. Juni 2026

Start der Woche 6 vor Urlaub.

Als ich bereits kurz nach fünf aufwachte und ein Wiedereinschlafversuch in Angststrudeln landete, ließ ich die Nacht Nacht sein. Herr Kaltmamsell neben mir (geteiltes Bett, weil meines den Gast beherbergte) war ebenfalls schon munter, wir standen auf. Ab gestern werden die Tage wieder kürzer, zumindest Helligkeit versuche ich aus diesen übel heißen Tagen rauszuholen.

Der vorzeitige Start in den Morgen war mir ganz recht, denn ich hatte am Vortag den Journal-Post im Blog noch nicht mal begonnen. Nach Pflanzengießen setzte ich mich auf den angenehm kühl umwehten Balkon und bloggte los.

Auch auf dem Weg ins Büro fühlte sich das Draußen noch schön an.

Geordnet losgearbeitet, doch schnell stellte ich fest, dass ich ohne das Adrenalin von Querschüssen ganz schön müde war, durch das frühe Aufwachen und Aufstehen in den vergangenen Tagen fehlte mir dann doch Schlaf.

Wie mag dieses Heupferd wohl in den 13. Stock geraten sein, wo ich ihm bei meinem Treppengang begegnete?

Mittagsspaziergang um die Blöcke, im Schatten war es gut auszuhalten (Sonne sehr unangenehm).

Spätes Mittagessen, weil ich einen Job nicht unterbrechen wollte: Aprikosen, Nektarinen, Buttermilch.

Zu Feierabend besonders unauffälliger Aufbruch: Gestern feierte der Arbeitgeber seine Sommergeselligkeit (auf Basis von Mitgebrachtem und Selbstzahlen, er darf Mitarbeitende nicht einladen), für mich ein Spezial-Foltereck des Höllenfeuers, doch diesmal konnte ich für meine Abwesenheit sogar die Rechtfertigung Übernachtungsbesuch vorweisen – ich musste die Karte aber nur zweimal ziehen.

Heimweg in mittelunangenehmer Hitze über Einkäufe.

Zu Hause erneute Begrüßung von Übernachtungsbesuch, ich ließ mir die München-Eindrücke des Tages erzählen: Ja, die höchst hinderliche Verbaustellung der Münchner Innenstadt fällt auch Externen auf, wir Einheimischen stellen uns nicht nur an.

Herr Kaltmamsell hatte ein Festmahl zubereitet und servierte Rinderrippen auf selbsterfunden mexikanische Art mit Cornbread.

Sehr gutes Essen in wohltemperierter Wohnung, Austausch mit Gast bis frühe Müdigkeit.

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Vorreiterin im Kampf gegen tief verwurzeltes Unrecht: Nevenka Fernández war vor 25 Jahren in Spanien die erste Frau, die ihren Chef erfolgreich gegen sexuelle Belästigung verklagte.
“Vorkämpferin für Frauenrechte in Spanien
25 Jahre Schweigen”.

Wofür sie bis heute büßt. Hören wir bitte nicht auf darüber zu sprechen, warum nur ein Bruchteil der Opfer sich wehrt oder gar an die Öffentlichkeit geht:

„Dass ich darüber gesprochen habe, hat mich gerettet“, erklärte die junge Frau nach dem Urteil, das sich schnell als Pyrrhussieg erweisen sollte. Denn der gerichtliche Erfolg war ihre soziale Niederlage. Ein Großteil der Bevölkerung der Kleinstadt drehte ihr den Rücken zu, feindete die couragierte Frau an. Der Fall spaltete eine ganze Region. Arbeit zu finden war für Fernández in Spanien fortan unmöglich. Sie musste gehen. Erst nach England, dann nach Irland, wo sie bis heute lebt.

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Am Sonntag war ich auf der Bahnfahrt doch noch zum Zeitunglesen gekommen. Ich hatte mir das SZ-Magazin vom Freitag für eine ruhige Minute aufgehoben: Die Titelgeschichte des deutschen Schriftstellers Navid Kermani würde mich sehr wahrscheinlich ziemlich mitnehmen, die konnte ich nicht mal kurz dazwischen weglesen. Und so war es dann auch (€):
“Der vergessene Bürgerkrieg im Sudan”.

Laut den Vereinten Nationen die derzeit größte humanitäre Katastrophe weltweit (und das bei einer großen Auswahl). Was den Artikel besonders lesenswert macht: Kermani kennt den Sudan von einer vorherigen Reise im Frieden als Student und hatte bereits ein Bild und Hintergrundwissen.

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Sophie Duvernoy hat Die Effingers von Gabriele Tergit (das mir sehr gut gefiel) ins Englische übersetzt. Für die London Review of Books hat Michael Hofmann den epischen Familienroman besprochen, mit lesenswerten Beobachtungen:
“Let me count the geese”.

Journal Samstag, 20. Juni 2026 – Langsames Einstellen auf lange Hitze

Sonntag, 21. Juni 2026

Nicht so lange geschlafen, wie ich mir nach dem späten Einschlafen gewünscht hatte, dafür hatte ich mehr vom Morgen.

Und konnte nach Morgenkaffee und Häuslichkeiten früher als sonst zum Schwimmen aufbrechen, denn ich fürchtete mich vor Hitze und Menschenmassen.

Obwohl ich deutlich vor zehn ankam, stand an der Kasse die längste Schlange, die ich bislang am Dantebad erlebt habe. (Mochte mit der Einzelbesetzung zu tun haben, an Freibadtagen gibt es sonst eine weitere Kasse außen am Gebäude.) Ich spazierte mit meiner Bäderkarte an all den vor allem Familien mit kleineren Kindern vorbei, an denen wie im Ali-Mitgutsch-Wimmelbuch meines kleinen Bruders viel aufgeblasenes Badegetier und sonstige sichtbare Freibadausstattung hing.

Im Sportbecken war bereits sehr viel los, doch es wurde ein schönes Schwimmen: lauter freundliche Leute auf der Bahn, dann geht’s. Markante Schwimmfigur gestern, die ich immer wieder sehe: Schwarzer Ganzkörper-Anzug und Badehaube, an den Händen große Paddel, darin schwimmt sie bäuchlings, wobei bei jedem Zug die Beine fast geschlossen einmal abgeknickt werden, die Arme schräg nach unten einmal das Wasser umrühren. Sie kommt damit so langsam voran, dass ich sie oft überhole und mich jedesmal an der Eigenwilligkeit der Fortbewegung freue.

Ein Stündchen Sonnenbaden auf der noch überwiegend grünen Liegewiese. Die Hitze war mit Kappe gut aushaltbar, auf den Ohren hatte ich Thomas Newmans Musik zum Film Road to Perdition, den mir kürzlich eine überraschende Nachwuchs-Filmmusik-Kennerin empfohlen hatte.

Heimradeln über Semmelkauf war dann allerdings bereits an der Grenze zu unangenehm, sobald ich in die Sonne geriet.

Frühstück kurz nach zwei: Vollkornsemmeln mit Butter und Tomatenscheiben – Sommerfrühstück!

Außerdem aß ich eine der roten Aprikosen, die ich beim Lidl gekauft hatte: Sensationell! Ich verließ das Haus nochmal, um beim nächstgelegenen Lidl Nachschub zu besorgen. Da draußen war es wirklich, wirklich heiß, nicht schön.

Zurück daheim fühlte ich mich sehr wacklig und müde, ich legte mich aufs Sofa und schlief richtig ein.

Zeitunglesen, Häuslichkeiten, eine Runde Yoga.

Zum Nachtmahl gab es Hitzeessen, Co-Produktion von Herr Kaltmamsell und mir:

Tomaten-Nektarinen-Salat mit Burrata und Basilikum (Salz, Pfeffer, Olivenöl), dazu Toskana-Brot, im Glas Rosé aus Gols, Pittis Koenig (Blaufränkisch, St.Laurent), der hervorragend passte.

Nachtisch Schokolade.

Als ich ins Bett ging, war in der Wohnung die Temperatur immer noch angenehm, draußen viel zu warm. Nachdem für die nächsten Tage ähnliches Wetter angekündigt ist, sehe ich eine Woche mit geschlossenen Fenstern auf uns zukommen.

Journal Freitag, 19. Juni 2026 – Vorgezogenes Sonnwendfeiern, diesmal bei Hitze

Samstag, 20. Juni 2026

Sommerhitze heißt: Balkonkaffee an Werktag.

Arbeitsweg in Hochsommerkleidung, noch war es angenehm frisch in der Morgensonne.

GUTE Neuigkeiten! An der Theresienwiese (Ostseite, bei der Beethovenstraße) gibt es jetzt einen Trinkwasserbrunnen. An den vorherigen Morgen hatte ich Menschen daran trinken und sich kühlen sehen, gestern diesen Hund.

Überm Westend schrillten Mauersegler-Schwärme, zum ersten Mal nahm ich wahr, dass es auch Varianten des schlichten SCHRILL! gibt, nahezu melodiös.

Mein Styling-Kompliment an eine fremde Frau lief diesmal ins Leere: Ich sah zu spät, dass die Passantin ihre Ohren mit Kopfhörern verschlossen hatte, meine Geste und Worte führten lediglich zu einem verwirrtem Blick.

Überraschend emsiger Vormittag, aber nach einer Besprechung fand ich Zeit für einen Mittagscappuccino im Westend: Weg in der Hitze immer schön im Schatten und nicht zu schnell.

Mein Büro lies sich mit geschlossenem Fenster und offener Tür ins luftige Atrium gut temperieren, dennoch begann um die Mittagszeit massiver Schwindel. Dagegen konnte ich eh nichts machen, also versuchte ich es mit Ignorieren.
Mittagessen Quark mit Joghurt und Leinsamenschrot, außerdem Banane und Aprikosen.

Überfallartig emsiger Nachmittag, das lenkte mich zumindest vom Schwindel ab.

Pünktlicher Feierabend, sehr gemächlicher Heimweg über nötigste Einkäufe. Zum zweiten Mal in einer Woche sprachen mich amerikanische Missionare an (sehe ich als kosmischen Ausgleich für das Missionarsunheil, das meine angestammte katholische Religion historisch begangen hat): Diese waren Mormonen mit dem Buch Mormon in der Hand, Einstiegsfrage, ob ich dieses Buch kenne. Wie immer blieb ich freundlich, beendete das kurze Gespräch dann aber doch mit einem ehrlichen: “Es freut mich für Sie, dass sie etwas erfunden haben, das Sie glücklich macht, weiterhin alles Gute.”

Zu Hause nach Abkühlen eine Folge Yoga – in Adrienes letzem 30-Tage-Programm “Flow” sind sie mir mit 15 bis 23 Minuten wirklich zu kurz: So wenig bewege ich mich nicht, dass die sich nach Wirkung anfühlen.

Für den Abend war ich mit Herrn Kaltmamsell zum leicht vorgezogenen Sonnwend-Essen verabredet, im Romans mit weiterhin einem der schönsten Gastgärten eines Restaurants in München. Diesmal mussten wir keine Regenströme befürchten, sondern die große Hitze. Irgendwas ist immer, Wetter können wir halt nicht kontrollieren, und das erleichtert mich sogar.

Dritter Einsatz der Hochzeitsschuhe von 2024. Wir brachen so rechtzeitig auf, dass ich langsam gehen konnte.

U-Bahn nach Neuhausen. Mit uns trafen noch viele, viele weitere Gäste ein, die ebenfalls um sieben reserviert hatten. Ich machte mich auf lange Wartezeiten für alles gefasst, doch das freundliche Personal hatte den Ansturm gut im Griff.

Zwei verschiedene Spritz als Aperitif (meiner mit Sarti), als Vorspeise hatte ich von der Tageskarte (-tafel) einen Ziegenkäse-Cheesecake mit Lachs und Kaviar gewählt.

War gut – aber wie eigentlich das meiste auf der Speisekarte nicht so richtig italienisch. Hauptsache gut. Als Wein hatte ich mir schon vorher mal wieder einen Vermentino gewünscht und bestellte einen sardischen solchen. Der Alkohol tat mir sehr gut. Mit seiner Entspannung konnte ich Herrn Kaltmamsell ein wenig von der vergangenen Woche erzählen, ließ mir von ihm Details seiner berichten.

Als Hauptgang ließ sich Herr Kaltmamsell hausgemachte Ravioli mit Kabeljau-Füllung servieren, ich Lammkoteletts mit Kartoffel-Provolone-Plätzchen und Spinat.

Zu meiner Erleichterung sank die Temperatur deutlich und wurde lediglich angenehm warm. Es ließ sich hervorragend aushalten, ich vermisste meinen vergessenen Fächer nicht. Sogar auf Dessert hatte ich noch Lust und überredete Herrn Kaltmamsell, mich zu begleiten: Schokoküchlein mit flüssigem Kern (Foto vergessen). Jetzt war ich aber wirklich sehr voll.

Daheim war die Wohnung weiterhin schön kühl, wir ließen Fenster und Türen nach draußen zu, Ausnahme Fenster in den kühlen Innenhof.

Journal Mittwoch, 17. Juni 2026 – David Hockney und wenn ich malen könnte

Donnerstag, 18. Juni 2026

Der Wecker klingelte extrafrüh, ich plante einen Lerchenlauf. Für den verließ ich kurz nach sechs das Haus, lief angenehm leicht in feuchten Sommermorgendüften (es hatte nachts geregnet), bekam endlich mal wieder den Laufgenuss, wegen dem ich das doch eigentlich mache.

Die David-Hockney-Doku ging mir weiter durch den Kopf. Meine Gedanken kreisten um die zentrale Funktion, die Umsetzung von Wahrnehmung für Hockney hatte (darauf wies in der Doku Kurator Andrew Wilson von Tate Britain hin, im Gegensatz zum anderen Geschwurbel auf der Basis von Hockneys eigenen Aussagen). Hockneys Bilder versuchen seine Wahrnehmung wiederzugeben, vor allem seine visuelle Wahrnehmung – und nein: Das ist keineswegs Anliegen aller Künstler*innen. Manche setzen etwas um, was sie vor ihrem inneren Auge, in ihrer Vorstellung haben. Manche arbeiten eher prozesshaft und wissen selbst nicht, was das Ergebnis sein wird. Wieder andere starten mit Einzelelementen, Gegegenständen, Material, das sie zu einem Ergebnis kombinieren. Plus unzählige andere Ansätze als das Ziel, Wahrnehmung wiederzugeben.

Zum Beispiel die Linien des Sonnenlichts im Wasser gebrochen auf dem Boden eines Swimming Pools. Hockneys Pool-Bilder waren seine ersten Werke, die ich kennenlernte. Herr Kaltmamsell und ich arbeiteten Anfang der 1990er beide als Hiwis an der Augsburger Uni am Lehrstuhl für Englische Literaturwissenschaft. Wir waren noch kein Paar, als der heutige Herr Kaltmamsell mich während eines gemeinsamen Hiwi-Dienstes in die Uni-Bibliothek bat, nur zwei Büro-Gänge vom Lehrstuhl entfernt: Er wolle mir etwas zeigen. Dieses etwas stellte sich als Bildbände von David Hockney heraus, er wollte mich auf die Pool-Bilder hinweisen (hier eines der berühmtesten, “Portrait of an Artist (Pool with Two Figures)”). Ich war sofort gefangen (und sehr beeindruckt von Herrn Kaltmamsell), vor allem von den Linien, die das Sonnenlicht auf den Boden des Pools warf: Erst durch die Wahrnehmung ihrer unvergleichlichen Schönheit und deren Abbildung sah auch ich sie – und denke jetzt bei jedem Schwumm mit sonnenglitzerndem Schwimmbeckenboden an Hockney.

Oder wie Andrew Wilson bemerkte: Als er zum ersten Mal nach Los Angeles und diese Gegend Kaliforniens reiste, habe er das Gefühl gehabt, durch Bilder von David Hockney zu fahren. Hockney hatte die Essenz dieser Anblicke wahrgenommen und in seinen Kalifornien-Bildern umgesetzt.

Das Umwerfende dabei: Mit seiner Kunst geht David Hockney weit darüber hinaus, was Fotografie einfangen kann. Am besten sieht man das an seinen Kunstwerken, die er aus Fotos zusammengebaut hat, zum Beispiel an diesem Portrait von Billy Wilder, das die Wahrnehmung des Menschen deutlich präziser einfängt, als das ein konventionelles Foto von ihm könnte. Obwohl Hockney im Zweidimensionalen bleibt, hält das Porträt auch Bewegung fest.
Ähnliches gilt für Hockneys Doppel-Porträts, zum Beispiel dieses von Christopher Isherwood and Don Bachardy: Neben visuellen Wahrnehmungen transportieren sie auch die Wahrnehmung von Gefühlen, der Beziehung zwischen den beiden Portraitierten (die allerdings wiederum bei der Betrachterin andere sein könnten als beim Maler).

Und als ich so in den Isarauen vor mich hin trabte und darüber nachdachte, begann ich mir nach Jahrzehnten wieder zu wünschen, ich könnte malen. Denn das Wahrnehmen samt Bedürfnis, dieses festzuhalten und anderen zu zeigen – das kenne ich sehr gut. Ich versuche es halt mit unbeholfenen Handy-Fotos. Jetzt wurde mir bewusst, wie vieles von meiner Wahrnehmung ich beim Fotografieren weglassen muss oder ich nie die Chance habe festzuhalten, weil es bis zum Zücken des Handy längst vorbei ist. Oder wie oft das Foto überhaupt nicht wiedergibt, was ich eigentlich sah. Bislang fand ich mich halt damit ab, dass sich manches nicht einfangen lässt – oder machte mir Vorwürfe, weil ich immer zu faul war, mich ernsthaft mit Fotografie zu beschäftigen.

Malerei gäbe mir die Chance, das innerlich festgehaltene Bild zu äußern oder den Schwerpunkt meiner Wahrnehmung, das, was mich hinsehen ließ, in den Vordergrund zu stellen – viel mehr als jedes Foto. Zum Beispiel beim Wandern vergangenen Samstag der Sonnen-beschienene Mückenschwarm im Wald vor einem Stück blauem Himmel mit Wolken (der mich umgehend stehenbleiben und nach dem Mückenspray kramen ließ): Keine Chance, das in ein Foto zu bannen. Aber malen könnte man das, ich dachte an David Hockneys Yorkshire-Bilder (hier ein Beispiel aus seinem Sketch Book).

Ein Beispiel von meinem gestrigen Lauf:

Könnte ich malen, stellte ich die Beziehung zwischen den Pastelltönen an der jungen Frau und den Fassaden heraus, verschöbe die Frau ein wenig nach links. (Nein, sowas mit Prompts eine Maschine machen zu lassen, ist nicht dasselbe.)

Hier würde ich die Elemente verdichten, die Stadt-Silhouette und den Badenden zusammenrücken – weil DAS meine eigentliche Wahrnehmung war: Mitten in der Stadt, von einer Brücke sichtbar und vor einer sehr städtischen Kulissen ein nackter Männeroberkörper im Fluss.

Ein Element meiner Wahrnehmung bei beiden Motiven: Ich finde sie lustig! Und Humor ist etwas, was ich auch in Hockney Werk sehe – was meiner Meinung nach in den Nachrufen auf ihn viel zu wenig Raum einnimmt.1

Weitere Wahrnehmungen auf meiner Runde, nicht alle sah ich automatisch mit David-Hockney-Filter (so wie ich vor einem Jahr nach Besuch der Ausstellung japanischer Holzschnitte alles mit Holzschnitt-Filter sah).

Ich beendete meine Laufrunde inspiriert und fröhlich. Schnelles Duschen und Fertigmachen, Arbeitsweg mit U-Bahn-Unterstützung.

Im Büro geordnetes Wegarbeiten, das war eine schöne Abwechslung. Mittagscappuccino im Westend, sehr komisches Wetter: Die Hitzewelle kündigte sich bereits an, doch noch waren die Temperaturen angenehm, lediglich drückte die Luft bereits wie in Hitze.

Wie schon am Montag ein Kompliment für mein Outfit bekommen – von einer völlig fremden entgegenkommenden Passantin. Das freute mich – und bestärkte mich darin, das auch weiterhin selbst zu tun.

Zu Mittag gab es Hüttenkäse mit Leinsamenschrot, außerdem Aprikosen und Nektarinen: Am Montag unreif eingekauft, jetzt waren sie perfekt nachgereift.

Arbeitsamer Nachmittag, das Fenster nach draußen schloss ich lieber gegen dieses seltsame Drücken. Ich fühlte mich müde und konzentrierte mich nur schwer; da bei meinen gestrigen Aufgaben Fehler sehr peinlich wären, checkte ich alles dreimal.

Nach Feierabend holte ich ein UPS-Paket in einem kleinen Laden an der Landwehrstraße ab, in dem ich vor lauter auf dem Boden verstreuter und überall wild gestapelter Ware nicht mal bis an die Theke kam. Aber hey! Das Paket wurde nach einer Weile gefunden.

Zum Nachtmahl war ich mit Herrn Kaltmamsell zu einem weiteren Versuch Schnitzelgarten verabredet. Und wir hatten Glück: Es gab genug freie Tische, niemand stand Schlange.

Zu einem alkoholfreien Weißbier gab es hervorragende Pommes, sehr gutes Cordonbleu mit Gorgonzola-Füllung. Und es blieb genug übrig für ein reichliches Frühstück für Herrn Kaltmamsell.

Zurück daheim zum Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, bei noch hellem Himmel zum Schlafen gelegt.

  1. Es ist hoffentlich klar, dass ich nicht versuche, mich mit David Hockney zu vergleichen? []

Journal Montag, 15. Juni 2026 – Beifang aus dem Internetz

Dienstag, 16. Juni 2026

Woche 7 bis Urlaub.

Der Tag startete sehr kühl, aber sonnig, für den Weg in die Arbeit schlüpfte ich in eine warme Jacke.

Auf der Theresienwiese wird immer noch sehr viel baugearbeitet. Das nährt meine Hoffnung, dass sie nicht wieder bereits Ende Juni für den Oktoberfestaufbau gesperrt wird – weil die Bauarbeiten dann noch nicht abgeschlossen sind.

Am Schreibtisch emsig losgearbeitet, übers Wochenende hatten sich Pläne und Wünsche geändert.

Mitten am Vormittag massiver Querschuss in Form von großem Durcheinander, das ich klären musste. Oder zumindest erklären, ich hatte schnell den begründeten Verdacht, dass jemand entgegen meinen umfangreichen und fundierten Warnungen massiven Mist gebaut hatte. Es folgte das Abwägen, wie stark ich mich für Rettung ins Zeug werfen würde: Einander gegenüber standen Lerneffekt für Mistbauende durch Gegen-die-Wand-fahren-lassen und das Schlamassel, in das Unschuldige ohne meine Rettung geraten würden. Sie kennen das.

Diese Aufregung, die bereits nach ersten Recherchen in Abgründe führte, versuchte ich mit einem Marsch um die Blöcke wegzulaufen. In herrlichem Sonnenlicht ohne Hitze sorgte sie für so viel Antrieb, dass ich Treppenstufen nach oben geradezu flog.

Zu Mittag gab es Quark mit Joghurt, Leinsamenschrot, Nektarinen.

Arbeitsnachmittag mit Fortsetzung des Vormittags-Durcheinanders, ich fühlte mich sehr unwohl.

Heimweg ohne Umwege in herrlicher Luft und Sonne mit Wind ohne Hitze.

Daheim setzte ich eine Idee um: Apple Crisp mit Steinobst statt Äpfeln, und zwar mit (absichtlich) recht harten Aprikosen und Nektarinen. Und wenn ich schon am Experimentieren war, nahm ich Herrn Kaltmamsells Hinweis auf den Rest Mohnzucker von den Kartoffelnudeln auf, den ich unter das Crisp mischte.

Während der Nachtisch im Ofen garte, turnte ich eine kurze Dehn-Folge Yoga.

Herr Kaltmamsell hatte den ersten Ernteanteil-Blumenkohl seit langem auf meinen Wunsch als Aloo Gobi zubereitet, mindestens so großartig wie erinnert. Dann war der Apricot Crisp genug abgekühlt, um als Dessert serviert zu werden.

Gut!

Als Abendunterhaltung sahen wir eine arte-Doku über den eben verstorbenen David Hockney (dessen Werk in Herrn Kaltmamsells und meiner Beziehung eine Rolle spielt und das wir beide sehr mögen).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/xt0llOfXP6c?si=Z8PMkKq4W3KitfnJ

Ich erfuhr einiges, musste aber mehrfach Augen rollen bei den wilden Interpretationen des französischen Kurators (ich finde nachträglich nicht heraus, wie der hieß, alle Suchmaschinen kaputt) – die er fast nie an irgendwas in den Bildern festmachen konnte. Und warum eine Doku “Der Maler des Pop” heißt, um von Anfang an und konsequent zu betonen, dass David Hockney nicht zu Pop Art gehört, will mir auch nicht eingehen.

Nachtrag: Auf Mastodon half jemand, der französische Schwurbel-Kurator ist Didier Ottinger vom Centre Pompidou.

§

Verheerungen der “KI”: Ich glaube gute Fotos nicht mehr, die ich online sehe. Als fotografisch präsentierte Bilder, die mir positiv auffallen, lösen zwar als Erstes immer noch ein “Boah, gutes Foto!” aus, mittlerweile aber sofort gefolgt von Misstrauen: Ist das wirklich ein Foto oder ein Maschinen-erzeugtes Bild? In meinen Social-Media-Quellen hängt das stark vom absendenen Konto ab: Nur wenn darauf NIE künstlich generierte Bilder auftauchen, vertraue ich der Aufnahme. Wenn jemand bereits Maschinen-erzeugte Bilder veröffentlicht hat, halte ich Verfälschung bei allen für möglich. Das fühlt sich nicht schön an.

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Vielleicht wird das auf meine alten Tage doch noch was mit mir und Lyrik. Kürzlich frage ich Herrn Kaltmamsell, woher die zu Tode zitierte Goethe-Zeile “Edel sei der Mensch, hilfreich und gut” eigentlich komme, erwischte den Deutschlehrer und Studiendirektor damit derart mittemang in seiner Kernkompetenz, mit der er, wie sich erwies, das Gesamtgedicht regelmäßig im Unterricht bespricht, dass er vor lauter Nicht-wissen-wo-anfangen noch Luft holte, als ich das Gedicht “Das Göttliche” von Johann Wolfgang von Goethe bereits selbst gefunden hatte.

Woraufhin zunächst der gewohnte Ablauf begann: Ich las, kapierte nichts, war unwillig, was das alles bitteschön sollte, begriff passagenweise nicht mal die grammatische Struktur der Sätze. Doch dann las ich von Anfang an nochmal laut, machte ebenfalls laut “Hä? Wer ist jetzt auf einmal ‘Sein’?” – und allein schon das Aussprechen setzte in meinem Lyrik-blockierenden Gehirn Erkenntnisprozesse in Gang. Bis ich Stück für Stück und weiter laut lesend den Eindruck bekam, das Gedicht zu erfassen – wobei der anwesende Deutschlehrer lediglich auf das entsprechende “Hä?” Bemerkungen zur wackligen Religiosität der deutschen Klassik beisteuerte. Das war schön.

Was schon immer eher ging, war zugängliche Kleinkunst-Lyrik, also zum Beispiel Robert Gernhard, Erich Kästner – oder Hanns Dieter Hüsch. Gestern stieß mich @goncourt auf sein Gedicht “Bedenkt”, dass Hüsch hier 1979 vorträgt:

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https://youtu.be/4EWZPQ6VF3A?si=ozUe_rxJkeeTbU4d

(War der mal jung!)

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Wie ich einmal etwas über Penis-Tätowierungen lernte.

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Botaniker Michael Rzanny vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie gehört seit der Gründung zum Team von “Flora Incognita”, der beliebtesten App zur Pflanzenbestimmung im deutschsprachigen Raum. Christian Schwägerl hat ihn für Riffreporter besucht:
“Pflanzenbestimmung per App: Wie genau funktioniert eigentlich Flora Incognita?”

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Am Sonntagabend stolperten wir im Bayerischen Fernsehen in eine ältere Folge von Unter unserem Himmel:
“Erdäpfelsterz und Baunkerl · Einfache Kartoffelspeisen”.

Und blieben wie so oft bei diesen Heimat-Dokus hochinteressiert hängen. Vorgeblich geht es um Kartoffelgerichte in Niederbayern, die sind durchaus interessant und inspirierend. Doch die eigentliche Faszination liegt in dem Miterzählten, in der Kittelschürze, der Hotelübernahme der beiden Töchter, dem gar nicht alten Forstarbeiter, der im Bauwagen wohnt ohne Elektrizität und fließend Wasser, nur Bioprodukte für seinen Kartoffel-Sterz verwendet (und so tief Dialekt spricht, dass ich ihn gerademal so verstand, aber begeistert viele Aussprachen wiederholte, zum Beisiel “Ähpfl” für Erdäpfel). Eine sanfte Doku, in der die Filmenden sichtbar sind (so mag ich das), die dennoch in erster Linie ihren sehr unterschiedlichen Protagonist*innen Raum gibt. Ich hätte sie älter geschätzt als Erstsendung 2021, aber – hier bitte selbst einen Scherz über die Vorgestrigkeit Niederbayerns einfügen.