Essen & Trinken

Journal Mittwoch/Donnerstag, 20./21. April 2016 – Prince ist tot

Freitag, 22. April 2016

Mittwoch brach der Frühling mit Gewalt aus. Seltsamerweise sorgte genau der mit seinem strahlenden Himmelblau dafür, dass ich nach Feierabend keine Lust hatte, zum Sport zu radeln.

Warm war es nicht: Die Menschen zogen sich zwar ohne Umwege bis auf Hochsommerkleidung aus und saßen in Biergärten in der Sonne, doch ich war auf dem Rad um meine Jacke froh. Die frühe Heimkehr nutzte ich dafür, ein großes Stück weiter in H is for Hawk zu lesen. Gefällt mir sehr gut.

Nachtmahl aus der Ernteanteilkiste:

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Am Donnerstag niedergeschlagen, dagegen half auch kein morgendliches Crosstrainertstrampeln. Schweres Hadern mit dem Leben (as in es müssen). Wenn das Leben nicht dieses ganz bestimmte Sperma auf diese Eizelle hätte treffen lassen, müsste nicht ich es leben, sondern jemand anders. Ich halte es immer noch für eine Verwechslung, einen Irrtum, das es mich getroffen hat (stellen Sie sich bitte mich das Leben wegfuchtelnd vor).

In Sonne unter wolkenlosem Himmel mit Blick auf die Füße nach Hause gegangen. Rausgerissen aus meinem Hadern durch einen Frühlingsduft: Der Flieder vor der Feuerwehr im Westend blüht.

Einkäufe beim Verdi: Fisch, Obst, Joghurt. Vergeblich versucht, ein Päckchen abzuholen: Die Anweisung, es bei Abwesenheit vor meine Wohnungstür zu legen, war nicht befolgt worden, es landete in einem Geschäft. Das bei meiner Ankunft bereits geschlossen war. Laune knallschwarz.

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Twitter half mir beim Identifizieren des „zwei von denen“-Fischs: Wolfsbarsche. Dazu Ernteanteilmangold. Gebratener Fisch ist inzwischen für mich der Fastfoodtrick Nr. 1 geworden: von Heimkommen bis Servieren 30 Minuten.

Und dann die Nachricht, dass Prince tot ist. Den hatte ich in meiner Jugend fast selbst entdeckt (während ich mir zum Beispiel David Bowie erst als Studentin hatte zeigen lassen müssen). Die musikalischen Detailsensationen in der Musik von Prince verstand ich und freute mich daran, seine eigenwillige Musik gehörte zu meinem Lebensweg.

Jetzt ärgere ich mich, dass ich die Prince-Schallplatten, die ich vor ein paar Jahren mit meinen gesamten Schallplatten weggegeben habe, nicht vorher digitalisiert habe.

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Nochmal ganz einfach erklärt: Warum es eine bessere Reform des deutschen Sexualstrafrechts braucht, als bisher geplant:
„Wann heißt Nein endlich Nein?“

Es ist eine grundlegend falsche Wertung, wenn das Eigentum, aber auch etwa der Hausfrieden als schutzwürdiger angesehen werden als die sexuelle Selbstbestimmung. Wenn Sie die Wohnung einer Bekannten betreten, selbst wenn die Tür offen steht oder andere ein und aus gehen, dann brauchen Sie ihr Einverständnis. Wenn Sie wissen, dass sie es nicht möchte, machen Sie sich strafbar. Wenn es um ihren Körper und ihre sexuelle Selbstbestimmung geht, dann nicht. Das ist falsch.

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Am Dienstag gab’s Pulitzerpreise. The Marshall Project bekam einen davon. Diese Geschichte steht dahinter:
„An unbelievable story of rape“.

An 18-year-old said she was attacked at knifepoint. Then she said she made it up. That’s where our story begins.

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Als Kind wurde sie wegen ihre Hautfarbe gehänselt, als Erwachsene mit dem Tode bedroht. Mo Asumang über Rassismus in Deutschland, die AfD und enge Hosen.

„Ich bin Globuli für Nazis“.

Seltsame Überschrift, interessanter Artikel. Mo Asumang ist Filmemacherin und hat über rassistische Vereinigungen auf der halben Welt recherchiert.

Es gibt nicht den Nazi. So bunt wie unsere Gesellschaft ist auch die Welt der Rassisten. Es gibt Hassprediger, die zeigen wollten, dass sie mir jede Unflätigkeit an den Kopf schmeißen können. Andere trauen sich ein „Geh doch nach Afrika“, aber nicht, mich anzuschauen. Die Mitläufer ducken sich schnell weg bei persönlichen Begegnungen. Sie leben in einer Parallelwelt, in der niemand anders ist, denkt oder redet als sie selbst. Und dann stehe ich da, mich kann man nicht einfach zutexten mit „schlimmer Ausländer“, „blöder Flüchtling“. Ich bin das Hassbild.

Journal Dienstag, 19. April 2016 – Sieg über die Palette

Mittwoch, 20. April 2016

Morgens eine Runde Bauch- und Rückentraining vorm Fernseher. Zu Fuß trocken in die Arbeit.

Im Büro eine niedrigere Taktzahl als am Montag, aber ebenso vielfältige Tätigkeiten. So verwendete ich einen halben Tag und ca. 10 Telefonate darauf, das Woher, Wohin und Warum einer Palette voll Drucksachen zu recherchieren, die ein entfernter Standort an diese meine Abteilung geschickt hatte und die seit einer Woche im Weg stand. Sagen wir mal so: Ein wissenschaftlicher Aufsatz wird nicht aus den Ergebnissen, aber nächstes Jahr bekommen wir diese Palette nicht mehr geschickt.

Zum Abendessen traf ich mich mit Herrn Kaltmamsell bei einem vertrauenserweckend provinziell aussehenden Griechen in der Arbeitsnachbarschaft. Wir verbrachten einen Abend mit herzerfrischend freundlichem Service (den ich nicht hübsch nennen darf, sonst bekommt Herr Kaltmamsell wieder so komisch schmale Lippen und isst mir die Schokolade weg), Frittiertem und Gegrilltem sowie Kaffee helenikó. Zudem entdeckte ich einen interessanten Weißwein von der Insel Euböa, Avantis Estate Weiß, zitronig fruchtig:

160419_04_Hellas

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Ein Interview mit Lily Brett, von der ich Too many men sehr gern gelesen habe, in der Interviewreihe über erfolgreiche Frauen How did she get there:
„Lily Brett On The Ability To Love“.

Ganz besonders fiel mir diese Passage auf:

What did you want to be when you grew up?
(…) I think most of my plans consisted of plotting diets.

Oh, Schwester. Ich hatte als Kind auch keine Vorstellung, was ich mal werden wollte. Außer schlank.

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Mehr zu den wachsenden materiellen Unterschieden unter den Bewohnern Deutschlands und die Konsequenzen für den Lebensabend, mit großartiger Überschrift:
„Solche Menschen wie uns muss es doch auch geben“.

Wir als Gesellschaft brauchen Menschen, die saubermachen (seien es Metallspäne unter einer Maschine oder sei es Dreck in der Toilettenschüssel), Supermarktregale einräumen, Bio-Erdbeeren ernten – das sind alles durch und durch respektable Tätigkeiten. Treffend weist die Interviewte Susanne Neumann darauf hin, dass an diesem Umstand keine Forderung nach mehr Bildung etwas ändert: „Soll eine Reinigungskraft erst Abitur machen, damit sie den Schrubber schwingen kann?“

Der Schröder-Schaden wirkt immer noch nach. Als ich vor 35 Jahren angefangen habe zu arbeiten, gab es keine befristeten Arbeitsverträge. Da gab es eine sechsmonatige Probezeit, und dann ist man übernommen worden. Das hat sich vor etwa 15 Jahren verändert. In der Gebäudereinigung herrscht inzwischen moderner Sklavenhandel.

Nein, wie das gehen soll, dass man von jedem Vollzeitjob anständig leben kann,
dass jeder und jede nach Jahrzehnten Arbeit genug Rente für ein anständiges Leben bekommen,
das weiß ich auch nicht. Aber zumindest wird schon mal immer klarer, dass es nicht funktioniert, wie es derzeit läuft.

Journal Sonntag, 17. April 2016 – Spotlight

Montag, 18. April 2016

Ein konsequent verregneter Sonntag. Ich hatte mich eigentlich auf einen Isarlauf gefreut, doch nachdem ich morgens mit meinem Vater telefoniert hatte (immer noch auf Reha, ihm ist fad), regnete es weiter – das nahm mir die Lust aufs Laufen.

Ich guckte ins Kinoprogramm und entschied mich für eine Mittagsvorstellung Spotlight. Spannender Film, hervorragendes Drehbuch, wunderbare Schauspieler, einige Topoi des Genres nicht bedient – aber den Oscar für den Film verstehe ich nicht so recht. Sehr gut gefiel mir, dass die Mechanismen des Verschweigens transparent wurden, die bewussten wie die unbewussten. Und der kleine Einblick in die Denke seriöser Zeitungsarbeit (wo ist die Geschichte? wann ist warum der richtige Zeitpunkt, sie zu veröffentlichen?).

Daheim gebügelt – ohne Podcast nebenher, ich wollte den Film verarbeiten.

Die Wochenendezeitung gelesen. Zum ersten Mal über eine Todesanzeige in der SZ von dem Tod eines Menschen erfahren, mit dem ich mal viel zu tun hatte: Einer meiner früheren Agenturchefs ist gestorben, nicht viel älter als ich. Das tat mir sehr leid, ich verbinde viele heitere Erinnerungen mit ihm, von einer langen Autofahrt zur CeBIT, auf der er mir die kulinarischen Eigenheiten des jeweils passierten Landstrichs erzählte, bis zum Erlebnis perfekter Marillen- und Zwetschgenknödel bei ihm daheim (sein Geheimnis: große Mengen flüssiger Butter dazu). An Gespräche über PR, die uns eigentlich beruflich verband, erinnere ich mich nicht.

Zum Nachtmahl bereitete Herr Kaltmamsell spanischen Cocido, schließlich galt es den Sud aus den Resten des weihnachtsgeschenklichen Schinkens aufzubrauchen.

Journal Freitag/Samstag, 15./16. April 2016 – Theresienwiesenflohmarkt

Sonntag, 17. April 2016

Auf Freitag sauschlecht geschlafen, statt Frühsport eine halbe Stunde Schlaf drangehängt. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt bei Weckerklingeln den Wecker verstellt habe um weiterzusschlafen.

Mittags hatte ich mich in einem nur Schaufenster-großen neuen kleinen Café mit einer Kollegin zum Essen verabredet. Ich aß ein Stück Quiche, viel aufregender aber war die Lavendellimo (Cucumis) dazu: Die kann ich mir ausgezeichnet mit Gin als Longdrink vorstellen.

Abends traf sich meine kleine Leserunde. Wir sprachen über Tim O’Brien, July, July, die Geschichte einer College-Abschlussklasse Jahrgang 1969, die sich 2000 wiedertrifft. Ich mochte das Buch nicht, die Figuren und Lebensgeschichten kamen mir vor wie stereotype Versatzstücke aus Hollywoodfilmen, nicht wie echte Menschen. Das wurde nicht dadurch gerettet, dass 1969 und 2000 kapitelweise abwechseln und zum Schluss nochmal ganz große nicht-realistische Erzählgeschütze aufgefahren werden. Das letzte Drittel hatte ich eher überblätternd gelesen.

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Für Samstag war der Wecker gestellt: Theresienwiesenflohmarkt. Die ersten Platzreservierer hatte ich schon am Donnerstag auf meinem Arbeitsweg gesehen, beim Heimweg am Freitagabend war der Flohmarkt bereits zu 40 Prozent aufgebaut.

Samstagmorgen hatte ich eigentlich keine Lust (seit ein paar Tagen Schatten auf der Seele), doch ich hatte bestimmte unaufschiebbare Einkäufe dort geplant. Entgegen der Wettervorhersage war es sonnig, und tatsächlich fand ich auch etwas, sogar mehr, als ich erhofft hatte. Unter anderem schoss ich ein Schnäppchen an Sechziger-Abendkleid in ganz hellem Aqua – das sich daheim auch noch als wie angegossen passend erwies (= keine Ausgaben für die Änderungsschneiderei).

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Allerdings brauche ich dazu dringend Schmuck fürs Handgelenk – den ich ich nie trage, weil mich Gebämsel am Handknöchel wahnsinnig macht -, ein Armband, optimalerweise mit Amethysten. Und ein bis drei Runden im Solarium, damit meine nackten Arme perfekt dazu passen. Ein passendes Diadem würde ich auch nicht von der Bettkante schubsen, aber die bekommt man bekanntlich vererbt und dafür habe ich mir entschieden die falschen Vorfahren ausgesucht. Ein Foto des Gesamtoutfits gibts zu einem Anlass Ende April. Zum Glück habe ich nämlich überhaupt kein Problem damit, komplett overdressed zu Anlässen zu erscheinen, solange es bequem ist.

Überrascht war ich, dass weniger Stände den Flohmarkt bildeten als in den Jahren davor.

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Herr Kaltmamsell (dem ich geschafft hatte zu sagen, dass gerade alles sehr traurig ist, Morgensonne und Frühling hin oder her) passte auf mich auf, übernahm die Einkäufe und schickte mich zum Schwimmen. Eigentlich ist ja das Ritual, dass wir nach dem Theresienwiesenflohmarkt auf dem Frühlingsfest eine Bratwurst frühstücken.

Auf dem Weg zum Schwimmen füllte ich Kaffeevorräte auf (und freute mich auf die Aussicht, dass das nächste Vorratauffüllen in Brighton stattfinden wird). Schwimmen im Olympiabad war erst anstrengend, dann aber immer besser. Derzeit plagen mich ja böse Hüftschmerzen, die diesmal die Knie gleich mitnehmen. Schwimmen war erstaunlich gut dagegen. Ein wenig Abschied vom Olympiabad genommen, im Mai schließt es erst mal für Renovierungen – dachte ich, doch beim Gegencheck stellte ich fest, dass der Schwimmbetrieb schon nach drei Wochen Schließung wieder aufgenommen wird.

Daheim Frühstück und Siesta.

Ich hatte noch gemahlenen Mohn aufzubrauchen und wollte ihn mit Äpfeln kombinieren: Dieses Rezept stellte sich als ideal heraus. (Leider kann ich seit einiger Zeit nicht mehr auf Blogspot-Blogs kommentieren, mit keiner der angebotenen Methoden, sonst hätte ich mich vor Ort bedankt.) Statt weit importiertem Rohrzucker nehme ich allerdings immer heimischen Rübenzucker. Schließlich kenne ich aus meiner Kindheit in einer Zuckerrübengegend noch die eigenen Schienen für Rübenwaggons (mittlerweile alle verschwunden oder zu Radwegen umgebaut), zu Studienzeiten wohnte eine Freundin in Regensburg in Sicht- und Riechweite einer Südzuckerfabrik, also habe ich dazu durchaus eine persönliche Beziehung. Und überhaupt ist chemisch gesehen Kristallzucker gleich Kristallzucker.
Die in den Zutaten angegeben Zimt (ich nahm 1 gestrichenen Teel.) und gemahlenen Ingwer (1/2 Teel.) mischte ich unters Mehl (sie tauchen in der Zubereitung nicht auf).

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Das Ergebnis war ausgesprochen köstlich: Saftiger Mohnrührkuchen mit Apfelstücken und hin und wieder Mandelstückknurpsel.

Zum Abendbrot backte ich Coca de verdura, gestern überließ Herr Kaltmamsell wegen Arbeitsüberlastung die Küche ausnahmsweise mir. Mangold und Petersilie dafür kamen aus Ernteanteil.

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Von mir aus sieht der neue kanadische Premierminister Trudeau auch gut aus: Ich finde es respektlos, in politischen Zusammenhängen darauf herumzureiten. Kann es sein, dass die Berichterstattung damit seine wirklich fortschrittliche Politik kleinmachen möchte? Indem sie diese lediglich als Dekoration eines dekorativen Menschen darstellt? Bloß weil diese Art der Berichterstattung bei Frauen in der Politik nerviger Standard ist, wird sie nicht angenehmer, wenn ein Mann das Ziel ist. Herr Trudeau scheint sich ebenfalls unterschätzt zu fühlen:
„Handsome Canadian Prime Minister Justin Trudeau Gives Passable Off-the-Cuff Lecture on Quantum Computing“.

Und ich hoffe sehr, sehr, dass die ständige Wiederholung von hot und handsome im Text dazu satirisch ist.

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Nachschlag zu der Guardian-Auswertung seiner Online-Kommentare: Wie geht es der Frau, die die Spitzenreiterin als Ziel von Beleidigungen und Angriffen ist?
„Insults and rape threats. Writers shouldn’t have to deal with this“.

For all the progress women have made, there’s always an online comment section or forum somewhere to remind us that, when given anonymity and a keyboard, some men will use the opportunity to harass and threaten.

(…)

Because the harassment doesn’t begin and end on the Guardian website – being on social media has become, for better or worse, part of being a writer online. And the things you publish for one site have a ripple effect across all of your various social media profiles. It’s a workplace harassment issue that doesn’t stop at the workplace.

(…)

I’ve been writing online long enough to not attach my value as a person or writer to strangers’ opinions, but it would be a lie to say that the cumulative impact of being derided daily isn’t damaging. It is. It’s changed who I am on a fundamental level. And though I’d still like to think of myself as an optimistic person, being called a “cunt” or “whore” every day for a decade leaves its mark.

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Welche unerwarteten Folgen ein Handyverbot bei Veranstaltungen haben kann:
„Es ändert sich nichts: Keine Mobiltelefone an geheimen und gefährdeten Orten!“

Journal Dienstag, 12. April 2016 – #12von12

Mittwoch, 13. April 2016

Es war der 12. des Monats, den man in diesem Spiel mit 12 Fotos dokumentiert.

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Morgens eine Runde Krafttraining mit Fitnessblender. Hatte beim zweiten Versuch tatsächlich nur leichten Muskelkater hinterlassen, war auch gestern wieder fordernd, aber spaßig.

160412_03_Regenumhang

Es regnete morgens kräftig, wollte auch einfach nicht aufhören. Meine Tagesplanung hing davon ab, dass ich mit dem Rad unterwegs war – blieb nur der schmucke Regenumhang.

160412_04_Morgenrunde

Am Dienstag trifft sich die Abteilung um 9:30 Uhr zu einer kurzen Morgenrunde. Jemand gab einen Überblick über die Medienberichterstattung, die Anwesenden erzählten einander Termine.

160412_06_Korrekturlesen

Korrekturlesen gehörte gestern zu meinen Tätigkeiten.

160412_08_Bueroblick

Nachmittags hatte sich das Wetter beruhigt. Es wurde sogar richtig sonnig.

160412_10_Drahtesel

Wegen eines schnellen Auftrags dazwischen wurde es dann doch knapp für meine feierabendliche Verabredung: Geschwind schwang sich die Pedalritterin auf ihren Drahtesel, um in die Blumenstraße zu strampeln.

160412_13_Beute

Nämlich holte ich mit Herrn Kaltmamsell den Federstoff für unsere neuen Wohnzimmervorhänge.

160412_16_Dehnen

Seit einigen Woche fühlen sich die Muskeln in meinem Rücken und in meinen Seiten immer wieder komisch zu kurz an (ich denke immer an Christian Buddenbrook und seine zu kurzen Nerven). Gestern raffte ich mich endlich zu einer Dehnübung auf, die mir eine Physiotherapeutin gezeigt hat und die sich genau richtig anfühlte. Fotografiert von Herrn Kaltmamsell.

160412_19_Kaeseschlacht

Zum Abendbrot hatte ich beim Basitsch Käse besorgt, Paprikaschoten und Birnen, dazu öffnete ich unsere letzte Flasche spanischen Gewürztraminer von Enate. Ich fand, er passte gut, Herr Kaltmamsell war nicht überzeugt.

160412_21_Nachtisch

Nachtisch waren Schokonüsse: Links die von Piasten, rechts m&m – diese weniger süß, dafür mit unangenehm dicker Kruste.

160412_23_Waschmaschine

Vor dem Zu-Bett-Gehen eine Maschine dunkle Wäsche so programmiert, dass sie am nächsten Morgen beim Aufstehen aufhängbar fertig sein müsste.

160412_26_Nachthupferl

Mit dem Altern wird der Nachttisch immer voller. Seit einem Jahr liegt auch eine Knirschschiene darauf. Erst seit ich sie verwende, glaube ich meiner Zahnärztin, dass ich nachts im Schlaf knirsche – auf den Fremdkörper bemerke ich das Zubeißen.

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Eine Folge des Genozids in Ruanda:
„Das Frauenwunderland“.

Ich hatte eine blümchenäugige Jubelgeschichte befürchtet, doch Autorin Barbara Achermann stellt auch skeptische Fragen und gibt zu, wo eine Einschätzung nicht möglich ist. Guter Artikel.

via @antjeschrupp

Journal Sonntag, 10. April 2016 – Letzte Tage

Montag, 11. April 2016

Nach langem Ausschlafen gemütliches Bloggen, außerdem ein schönes Telefonat mit meinem Vater, der inzwischen auf Reha ist. Und sich dort sehr langweilt: Der Mann ist ein Bewegungs- und Unternehmungswesen, stille Beschäftigung, am End‘ auch noch mit sich selbst, kann er gar nicht. Ich nehme an, er wird in den nächsten Tagen dafür sorgen, ein doppelt so dichtes Reha-Programm zu bekommen wie eigentlich vorgesehen.

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„Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter“ wurde mir als Denkaufgabe gestellt. Ich habe das mal ernst genommen, nicht einfach abgewunken, sondern bei Menschen nachgelesen, die solche Kalendersprüche ernst nehmen. Zum Beispiel „Glücksdetektiv“.

Der Haken: An meinem garantiert allerletzten Tag würde ich mich an mein Wohnzimmerfenster setzen und einfach rausschauen. Mir ginge es gut. Ich müsste endlich keine Pläne mehr machen und mir nicht mehr ausdenken, wie ich all die vielen Jahre Leben für alle Beteiligten möglichst schadlos, wenn nicht sogar bereichernd rumkriege. Ich müsste gar nichts mehr. Diesen innigen Wunsch und die große Erleichterung darüber, dass mein Leben endlich vorbei wäre, kalkulieren die Besinnungsfreundinnen und -freunde bei ihren Denkanstößen als Möglichkeit nicht ein. Manche finden das Leben halt nicht viel zu kurz.

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Herr Kaltmamsell buk einen Pastinakenkuchen nach einem nahöstlichen Rezept aus Spezialitäten der Welt köstlich wie noch nie, Gräfe und Unzer 1982. Neben gekochten, pürierten Pastinaken und Walnüssen kommt noch reichlich Butter rein, umkleidet wird das ganze ebenfalls mit gesüßter Butter.

160410_15_Pastinakenkuchen

Schmeckt durchaus interessant und gut, der Gehalt eines Stücks bringt einen locker das Matterhorn rauf und wieder runter.

Journal Freitag/Samstag, 8./9. April 2016 – Wandern im Dachauer Land

Sonntag, 10. April 2016

Da alles darauf hinwies, dass ich wieder gesund war, legte ich am Freitagmorgen nach gutem Nachtschlaf eine Trainigsrunde Bauch und Rücken ein.

Auch der Fußmarsch in die Arbeit machte trotz Regentröpfeln Spaß, erst im Büro war ich dann doch etwas wacklig.

Das Arbeitstempo hatte sich wieder beruhigt, ich konnte pünktlich Schluss machen.

Nach Feierabend eine Runde Einkäufe, da Herr Kaltmamsell aushäusig war, dachte ich mir nur für mich ein Abendessen aus: Spaghetti mit Champignons in Sahnesoße (plus gedünstetem Zwiebelchen, dem Schnittknoblauch aus Ernteanteil und geriebenem Parmesan) – schmeckte wunderbar.

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Am Samstag war Wandern geplant. Auf dem Jakobsweg, das weiß ich von meinem Vater (der in letzter Zeit sehr viel von seiner Wanderung vor 14 Jahren erzählt) und aus den Berichten von Mini-Frau-Muttiafrikaanne, geht man etwa 30 Kilometer täglich. Das wollte ich dann zumindest mal probieren, als Training für den Wanderurlaub in England (wo allerdings 23 Kilometer die längste Tagesstrecke sein werden). Da ich sie mit Herrn Kaltmamsell gehen wollte, gab es nicht viel Terminauswahl: Die meisten Lehrer muss man fürs Wochenende ziemlich lang im Voraus reservieren, normalerweise arbeiten sie da. Nun war aber für diesen Samstag Kälte und Regen angesagt, morgens war auch genau dieses Wetter. Na gut, übten wir das halt auch gleich mal für England.

Wir fuhren mit der S-Bahn hinaus nach Altomünster. Der Plan war, von dort nach Markt Indersdorf zu wandern, nach einer Pause wieder zurück. Tatsächlich war es zum Glück nur grau und kalt, geregnet hat es unterwegs keinen Tropfen. Dafür waren wir auf der ganzen Strecke allein, in sieben Stunden begegneten uns nur ein Mal andere Wanderer.

Wir sahen immer wieder Rehe, einzeln, in Kleingruppen – plus dreimal Damwild im Gehege: zählt nicht, ist trotzdem niedlich. Mein Highlight aber war ein ein lustiger Hase: Wir waren gerade verhältnismäßig querfeldein unterwegs (die Wegbeschreibung im Büchel „Wandern mit dem MVV“ half nicht sehr, wir orientierten uns mehr an Markierungen und digitalen Landkarten), als wir vor uns die Rückseite eines großen, zimtfarbenen Hasen sahen, der gerade die Ohren spitzte. Und diese Ohren hatten weiß-schwarze Spitzen, ganz hinreißend. Er hoppelte ein paar Sprünge von uns weg, dann verschlang ihn scheinbar der Erdboden.

Wir sahen auch viele Vögel: Die ersten Schwalben des Jahres (!), Falken und Bussarde in der Luft, Amseln, Stare, Meisen, einen Dompfaff, Elstern, Spatzen, vielleicht einen Gelbspötter, vielleicht einen Fasan (ein huhngroßer Vogel mit ziegelrotem Körper und schwarzem Kopf am Feldrand, allerdings recht weit weg – vielleicht auch einfach ein entlaufenes Haushuhn), wir hörten viele unbekannte Vogelrufe.

Die Wanderung war sehr schön, wahrscheinlich ideal für dieses Wetter: Da sie hauptsächlich durch freies Land führte, ist sie nichts für heiße Sonnentage, bietet andererseits immer wieder weite Ausblicke über die sanften Hügel des Dachauer Lands (na gut, die wären bei klarem Wetter schöner gewesen). Nur der kleinste Teil führte uns über geteerte Wege, unsere robusten Wanderstiefel waren angemessenes Schuhwerk.

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Birgittenkloster Altomünster, das derzeit aufgelöst wird.

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Kreuzweg zum Kalvarienberg mit Hörstationen inklusive Erklärung der verwendeten Farbsymbolik (wir hörten mal rein).

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Herr Kaltmamsell: „Zahnspangen für Obstbäume?“

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Bei jeder Wanderung mindestens einen neuen Blumennamen lernen: Helfen Sie mir wieder bei der Bestimmung dieser Schönheit am Feldrand? (Blumen halten wenigstens still, wenn man sie zur Bestimmung fotografieren möchte. Im Gegensatz zu Vögelchen.)

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Albersbach mit vielen Schwalben (nicht im Bild). Das war bereits auf dem Rückweg. In Markt Indersdorf hatten wir in einem sympathischen Café etwas getrunken.

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Heppach.

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Abschließendes Einkehren in Altomünster. Dort gibt es sogar zwei Brauereien, den alteingesessenen Maierbräu und den reaktivierten Kapplerbräu. Wir entschieden uns dann für den Maierbräu, merke (laut Herrn Kaltmamsell): Nach einer Wanderung muss immer noch genug Energie übrig sein, nicht in den erstbesten Gasthof einkehren zu müssen.
Obwohl die Speisenkarte auch mit Ochsenbraten und Tafelspitz lockte, war mir mehr nach Brotzeit, unter anderem interessierte mich das Treberbrot, das laut Karte eigens für das Gasthaus gebacken wurde. Schmeckte sehr gut, ebenso wie die Biere (ich probierte das Dunkle und den unfiltrierten Zwickl). Selbst Wein wäre interessant gewesen: Die Karte schilderte ausführlich ein südtiroler Weingut, aus dem er kommt.

Ergebnis des Experiments: Nach 33 Kilometern und sieben Stunden Wanderung hatte ich dann doch eine Blase, wie erwartet an völlig unerwarteter Stelle (linke, große Zehe, unten innen), und schmerzende Druckstellen am oberen Stiefelrand. Wenig überraschende Erkenntnis: Eine springfluartige Menstruation wie seit über zehn Jahren nicht mehr ist schlecht mit einem Wandertag zu vereinbaren, ich machte auf meine alten Tage völlig neue Erfahrungen.
Doch wie es ist, einen Tag bei Regen zu wandern, werden wir in England herausfinden müssen.

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Schaun Sie mal, wer hier im Filmchen „Taste Escape“ die Rolle von Wein für Rom erklärt! (Pst, es ist Hande aka vinoroma.) (Nein, ihre Stimme klingt nicht immer so, die Ärmste!)