Essen & Trinken

Journal Freitag, 5. September 2014 – Wie viel Geld ist mir Körperpflege wert?

Samstag, 6. September 2014

Sehr früh aufgewacht. Beim Blick aus dem Fenster zunächst schmutzige Brille vermutet, aber nein: Das war Nebel da draußen.

Crosstrainergestrampelt, wie immer mit diesem Ausblick (dabei gesehen: knalloranges Eichhörnchen, dunkelbraunes Eichhörnchen)

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Nach dem Duschen eine fast volle Flasche Körperlotion weggeworfen.
Ich versuche ja weiterhin, meine Ausgaben zu reduzieren. Dabei merke ich interessanterweise, was mir wichtig ist. Dass ich mich innerlich gegen Discounter-Nahrungsmittel sperre, wusste ich schon vorher. Doch bislang hätte ich versichert, dass mir Körperpflegeprodukte ziemlich egal sind. Ich glaube eh nicht daran, dass teure Cremes für ewige Jugend sorgen (wirklich effektiv wären andere Gene und Meiden von UV-Licht – rückwirkend). Zudem stören mich meine Falten nicht mal – alles hart erlacht. (über die Warzeninvasion, die das Altern mit sich bringt, schweigt sich die Kosmetikindustrie aus – oder kenne ich lediglich nicht das PR-Wort, unter dem Flachwarzen laufen?) Also, so dachte ich, kann ich ja auch zum billigsten Angebot an Drogerieeigenmarken greifen.

Doch ich muss gestehen: Der durchdringend billige Geruch dieser Körperlotion, sehr an verdorbenes Parfum erinnernd, macht mich traurig. Sicher hatte ich vor dem Kauf den Deckel geöffnet und daran geschnuppert – nur dass sich dieser Geruch erst beim Eincremen entwickelt. Die schleimige Konsistenz mochte ich auch nicht, die hatte ich aber auch an etwas teureren Produkten erlebt (diese dennoch aufgebraucht, wenn sie gut rochen).
Im Gegensatz dazu genieße ich den Duft meiner Oliven-Körperbutter wirklich bei jedem Cremen – auch wenn in meiner Welt 16 Euro für 200 ml ganz schön happig sind. Ich werde sie mir künftig gönnen: Wohlgefühl statt Traurigkeit zu Beginn des Tages sind es mir wert.

Bei Duschgel und Shampoo spare ich durch Großpackungen. Auch hier ist mir der Geruch am wichtigsten: Er muss angenehm sein und weder zu süß noch zu SPOCHTLICH, damit sich sowohl der Mitbewohner als auch ich damit gerne säubern (Ziel: möglichst wenige Flaschen am Badewannenrand). Meine Anti-Gelbstich-Haarkur bekomme ich für wenig Geld und sie hält lange. Bei Zahnpasta und Zahnseide darf es auch das Billigste sein.

Weiters benutze ich Deodorant (mein Ideal effektiv und möglichst geruchsneutral gibt es zum Glück auch in Billig) und Gesichtscreme. Letztere gibt es erträglich riechend als Drogeriehausmarke, zu hohen Feiertagen leiste ich mir ein teureres Produkt, das richtig gut riecht und sich besonders gut beim Eincremen anfühlt (meist entdeckt durch Probepackungen) – auch das erfreut mich.

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Mittags traf eine E-Mail vom Mitbewohner ein: “Alles losgeworden.”
Ich jubelte hörbar und musste deshalb auch den Kolleginnen den Grund erklären. Seit Jahr und Tag steht in unserem Wohnzimmer meine ausgemusterte Stereoanlage, die ich gerne loswerden möchte, außerdem sind vom letztjährigen Schallplattenrauswurf noch ein paar Dutzend Exemplare übrig, die immer noch ein Schrankteil blockieren, das ich gerne für Tischwäsche nutzen würde. Der Mitbewohner hatte einen jungen Kollegen gefunden, der sich für Teile der Stereoanlage interessierte. Und der nahm gestern alles mit, inklusive der Schallplatten – hurra!

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Feierabends in milder Luft heimspaziert.

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Zum Nachtmahl teilte ich mir mit dem Mitbewohner ein mächtiges Porterhousesteak, davor servierte er Kale Chips aus dem Federkohl des Ernteanteils, der auch die Ofenkartöffelchen zum Steak lieferte. Als ich den Teller Chips eingeschnauft hatte (so gut!), bemerkte der Mitbewohner: “Das waren acht Bleche.” Er gab aber zu, nachmittags bereits eine kleine Portion gegessen zu haben.

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Zweite Folge von Mary Beards Meet the Romans angeschaut: Insulae! Klos! Kneipen!

Journal Dienstag, 2. September 2014 – Essen im Bahnhofsviertel

Mittwoch, 3. September 2014

Beim Gewichtaufladen fürs morgendliche Langhanteltraining in der Gruppe dachte ich mir: Warum nicht mal bis an die Grenzen gehen? Schließlich kann ich ja aufhören, wenn es mir zu viel wird.
(Ahahaha, Sie sehen hier, wie wenig ich mich kenne: “aufhören, wenn es mir zu viel wird”? Ahahaha!)

Irgendwie ging es natürlich, und warum ich ausgerechnet bei den Bizepsübungen immer schwächle, verstehe ich einfach nicht.

Aber als mir in der Mittagspause beim Heben der Teetasse immer noch der Arm zitterte, war ich beeindruckt.

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Arbeit.

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Abends wollte ich mit dem Mitbewohner Pizzaessen gehen, auf eine Twitterempfehlung in L’Osteria im Künstlerhaus. Man hatte den Mitbewohner nicht reservieren lassen: Wir sollten einfach vorbeikommen, hatte es geheißen, da sei schon Platz.

Als wir kurz vor 19 Uhr ankamen, stand die Schlange von Hungrigen, die solch einen Platz wollten, bis draußen. Aber ich bin mir ohnehin nicht sicher, ob ich in dem Lärm, der aus dem knallvollen Gastraum klang, entspannt gewesen wäre.

Also verfolgten wir unser Projekt “Essen im Bahnhofsviertel” weiter und ließen uns auf eine Pizza in einem Lokal gegenüber vom nördlichen Hauptbahnhof nieder, Ca’d’Oro. Der Service war sehr nett und ebenso wie das gesamte Restaurant auf internationale Besucher ausgerichtet. Die Pizza war in Ordnung (im Schälchen frisches Pesto als “Dip” – ich wusste nicht recht, wie ich das anwenden sollte).

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Um uns herum hörte ich Portugiesisch, Englisch, eine slawische Sprache, Arabisch – ich mag das.

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Es gibt einige gesellschaftliche Argumentationsreflexe, die im besten Fall amüsant, im schlechteren vergiftend sind. Amüsant finde ich, dass beim Stichwort “Karotten” unweigerlich irgendwer innerhalb von Sekunden darauf hinweist, dass man die ja mit Öl essen muss, damit der menschliche Körper das Vitamin A aufnehmen kann. Und zwar irgendwer, der sich sonst bei keinem einzigen Nahrungsmittel der Welt Gedanken über die Nutzbarkeit enthaltener Nährstoffe macht. Aber das, das wissen sie alle und sind stolz darauf.

Ein anderer Reflex amüsiert mich kein bisschen: Dick ist demnach ungesund. Die Mädchenmannschaft spießt das auf:
“Fett am Strand. Ist das nicht voll ungesund?!”

Viel spannender finde ich den Umstand, dass sofort das Thema Gesundheit aufkommt, wenn es um dicke Menschen geht. Ganz aktuell wurde wieder viel über Gesundheit diskutiert, als sich zahlreiche dicke_fette Menschen stolz in ihren Bikinis fotografierten und das Foto mit dem Hashtag #Fatkini online stellten. Grundlage für solche Diskussionen ist sicherlich die diskursive Verstrickung von Dicksein mit Krank­heiten, aber da steckt noch mehr dahinter. Ich glaube: Glückliche fette Menschen, die ihre Körper mögen, sprengen eindeutig den gesellschaftlichen Rahmen dessen, wie dicke Menschen sein und sich fühlen sollen.

(Auch wenn mir “hegemonial” ein etwas zu schweres Geschütz in diesem Zusammenhang ist – der Begriff scheint in den vergangenen Jahren an Gewicht zu verlieren und ein Synonym für übergriffig oder diskriminierend zu werden. So wie “dekonstruieren” inzwischen zum Synonym für destruieren oder einfach nur hinterfragen verramscht wurde. Im Diskurs. Beim Paradigmenwechsel. Je nach Narrativ.)

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Ausführliche Hintergrundgeschichte im New Yorker über Anonymus:
“The Masked Avengers. How Anonymous incited online vigilantism from Tunisia to Ferguson.”

Auf meiner ersten re:publica sah ich den Vortrag der zitierten Anthropologin Gabriella Coleman darüber (ist noch online nachzugucken), und war sehr beeindruckt – wie ich überhaupt die anthropologische Perspektive auf das Internet sehr interessant und hilfreich finde.

Journal Samstag, 30. August 2014 – Niederländisch-deutsche Hochzeit

Sonntag, 31. August 2014

Vor wenigen Wochen fand ich durch einen Cartoon den Schlüssel zum Verständnis des Konzepts Hochzeit: Cake.

Was ich gestern aufs Wundervollste verifizieren konnte:

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Angefangen hatte das Ganze allerdings ordnungsgemäß auf dem Oldenburger Standesamt. Das Besondere1: Die Trauung war zweisprachig, da die eine Braut Niederländerin ist, die andere Deutsche. Und so stand im knallvollen Trausaal neben dem großen Tisch der Standesbeamtin ein beider Sprachen mächtiger Hochzeitsgast und übersetzte für die niederländischen Freunde und Verwandten.

Der größte Teil der Hochzeitsgesellschaft spazierte dann quer durch die Fußgängerzone zum Empfang, das Brautpaar radelte (begleitet vom radelnden Teil der Hochzeitsgesellschaft).

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Das große abendliche Fest feierten wir im Landhaus Etzhorn – eine großartige Location.

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Dort passierte einiges. Unter anderem stockte ich meinen claim to fame auf: An meinem Tisch saß ein Gast, die schon mal mit Margaret Atwood Obst geschält hatte (und bei der Erwähnung meines Studienorts Augsburg als Erstes ans dortige Institut für Kanada-Studien dachte). Und eine Comicforscherin ließ sich von mir zu ihrem Habilitationsprojekt über The Yellow Kid ausfragen (ich traue mich nicht einen Wikipediaartikel zu verlinken, da sie unter anderem über die weit verbreiteten Fehlannahmen augengerollt hatte).

Es war der niederländische Brautvater, der den Elefanten im Raum bei den Stoßzähnen packte: Seine Ansprache (diesmal von der Trauzeugin ins Deutsche übersetzt) drehte sich um die Ungerechtigkeit, dass das Brautpaar sich nicht hatte kirchlich trauen lassen dürfen, weil es das gleiche Geschlecht hat. Als er energisch erklärte, dass dann eben er und die Brautmutter hiermit das Brautpaar und seinen Bund für Leben segneten, hatte nicht nur ich Wasser in den Augen.
Schon zuvor auf dem Standesamt hatte die trauende Beamtin die Illusion zerstört, dass das halt eine Heirat war, Punkt aus: Als es an den offiziellen Teil ging, hatte sie pflichtgemäß von “eingetragener Lebenspartnerschaft” gesprochen statt von Ehe, damit der Akt auch galt. Ich nehme an, dass ich auch hier nicht allein war, als das einen kleinen Wutknoten in meinem Bauch auslöste.

Sehr viel heiterer: Nach mindestens 35 Jahren Pause spielte ich mal wieder Reise nach Jerusalem. Der gute Zweck dahinter: Wer ausschied, bekam eine Aufgabe für das kommende Jahr, das Brautpaar zu beglücken.

Auch das mit den Sprachen kriegten wir irgendwie hin: Spätnachts unterhielt ich mich wild zu Abba tanzend mit der niederländischen Brautmutter (sie spricht kein Deutsch, ich kein Niederländisch). Sie äußerte sich beseelt, wie großartig alle ihre vier erwachsenen Kinder geraten seien. Ich fragte, ob das ihr Verdienst sei oder sie einfach Glück gehabt habe. Keines von beidem, meine sie – das sei einfach das Ergebnis von viel Liebe.2

Neu verliebt habe ich mich gestern auch: In diesen sensationellen Cremant, ausgeschenkt aus Magnumflaschen.

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  1. Schrieb die Frau, die zuletzt vor neun Jahren auf einer Hochzeit war und keine Ahnung von aktuellen Normen und Protokoll hat. []
  2. Es besteht allerdings die Möglichkeit, dass ihre begeisterte Geste und ihre Worte in Wirklichkeit der schönen Deko des Festsaales gegolten hatten und dass das niederländische Wort, dass ich als “Liebe” interpretiert hatte, tatsächlich “Orga-Team” bedeutet. Damit wäre die Begebenheit als herzerfrischende Hochzeitsgeschichte leider hinfällig. []

Journal Freitag, 29. August 2014 – Oldenburg

Samstag, 30. August 2014

Nach Langem mal wieder richtig tief, gut und durch geschlafen, wirklich erfrischt aufgewacht. Beim Morgenkaffee umwuselt vom aufgeregten Mitbewohner: “Wie? Du nimmst dir sogar noch Zeit für Kaffee??!!” Damit scherzte er zwar, aber vor Reisen ist er tatsächlich sehr unruhig (“Bei Inlandszügen muss man nur eine Stunde vorher da sein, richtig?”).

Unspektakuläre Bahnfahrt nach Oldenburg: Mit ICE nach Bremen, dort Umsteigen in Regionalbahn. Am Vortag hatte ich umfassend Süßkram als Proviant eingekauft, von Gummiteilen über Kaubonbons bis zu diversen Keksen, wir erreichten den Oldenburger Bahnhof also innerlich angemessen vollverklebt.

Die Ankunft im Hotel erwies sich als ausgesprochen erfreulich.

Angereist waren wir zwar zu einer samstäglichen Hochzeit, doch gestern war in Oldenburg erst mal Stadtfest (keine Sorge: Ich war schon zweimal davor in Oldenburg gewesen, das war nicht mein erster Eindruck). Ich war von allen Seiten gewarnt und bedauert worden, doch abgehärtet von und als Einstimmung zum Oktifest wollte ich das schon sehen.

Die Party beginnt erst abends richtig: Als ich mit dem Mitbewohner am späten Nachmittag durch die Fußgängerzone spazierte, wurde an vielen Stellen erst noch aufgebaut. Dennoch bekam der Mitbewohner bereits Pommes frites mit Erdnusssoße, ich lernte, dass die “Krakauer” die an den Wurstständen gebraten angeboten wurde, unsere süddeutsche “Rote Bratwurst” ist – eine kleine Enttäuschung, weil eine gebratene süddeutsche Krakauer wirklich exotisch gewesen wäre.

Sensationell fand ich allerdings die Stände mit der Aufschrift “Partybowle”.

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Auch hier probierte ich, und zwar das Erdbeermilchfarbene, das als “Erdbeer Colada (mit Rum)” angeboten wurde. Schmeckte wie Erdbeerkaba mit einem Hauch Alkohol.

Ebenfalls anziehend exotisch fand ich den Stand, der “Käsespieße” anbot, zudem Camembert, Mozzarella-Sticks und Dreiecke Feta, alles dick paniert und in Fett rausgebacken, serviert mit einer Soße nach Wahl, darunter mit Käsesoße. Ich entschied mich für einen Rosenkohl-Käse-Spieß mit Knoblauchsoße.

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Zu meiner großen Überraschung schmeckte der Käse nach überhaupt nichts, zog aber adrette Fäden. Das kann ich nur damit erklären, dass es sich um Gastro-Blockmozzarella handelte. Für Käsegeschmack hätte ich mich also für die Käsesoße entscheiden müssen.

Vor Einsetzen des großen Saufbetriebs fand ich die Atmosphäre des Stadtfests durchaus charmant (geht mir mir dem Oktifest ja ähnlich).

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(Von der tatsächlichen Bedeutung des Worts lassen wir uns doch wohl nicht unseren Kalauer verderben?)

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Abends über Drinks erstes Treffen mit dem Brautpaar, dessen niederländischer Verwandtschaft und Kolleginnen. Ich wurde als Kategorie “aus dem Internet” vorgestellt und freute mich sehr daran.

Erste Beobachtungen zum Umstand, dass ich als Bayerin überhaupt kein Niederländisch kann und im besten Fall verstehe, worum es geht, die Niederlande-nah aufgewachsenen wiederum keinen Zugang zum Schwyzerdütsch haben (verstehe ich, wenn auch mit einer halben Sekunde Verzögerung). Zudem erste Gespräche über aktuelle Themen in der englischen Literaturwissenschaft.

Auf dem kurz vor mitternächtlichen Heimweg ins Hotel nochmal das Straßenfest gequert, die Stimmung war gerade an der Schwelle direkt vor Tanz in Paaren zu italienischen Evergreens, live und inbrünstig geschmettert, hinüber zu zahlreichen Hochtrunkenen, denen man besser mal in großem Bogen ausweicht.

Journal Sonntag, 24. August 2014 – neues Brot und später Lauf

Montag, 25. August 2014

Ausschlafen dauerte bis deutlich nach sieben, untermalt von Regenrauschen.
Ich hatte am Vortag Vorteig für das Dunkle Bauernbrot (no knead) von Lutz angesetzt, jetzt ging’s an die nächsten Schritte. Das Anstellgut war schon recht alt gewesen, entsprechend wenig hatte sich in den 20 Stunden Vorteiggehen getan. Ich plante, im Gesamtteig mit ein wenig Hefe nachzuhelfen – doch im Kühlschrank war keine. Musste ich mich also auf die Triebkraft des Sauerteigs verlassen.

Zu meiner Erleichterung ging der Laib im Ofen auf.

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Wie sich beim Anschneiden allerdings herausstellte, sehr ungleichmäßig.

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Geschmeckt hat das Brot ausgezeichnet. Das nächste Mal also mit aufgefrischtem Anstellgut und Maschinenkneten.

Am Samstag hatte der Mitbewohner einen kleinen Laib Bauernbrot von einem durchaus guten Münchner Bäcker mitgebracht (Münchner Freiheit) – eine Enttäuschung. Ich fürchte, bei Roggenbroten ist mir mittlerweile das selbst gebackene das liebste. Weizensauerteigbrot vom guten Bäcker schätze ich aber. Noch.

Nebenher bloggte ich für die Freistilstaffel, die Vorspeisenplatte und das Techniktagebuch, las Internet.

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Das Brotbacken hatte so lange gedauert, dass ich erst um eins rauskam zu meinem Isarlauf. Der Regen hatte sich im Lauf des Vormittags beruhigt und Platz gemacht für blauen Himmel mit ordentlich Wind, der immer wieder andere Wolkenformen übers Firmament trieb. Die Luft war frisch und sauber, noch riecht es trotz der niedrigen Temperaturen nicht wirklich nach Herbst. Und das Licht ist ganz eindeutig augustern.

Ich radelte zum Friedensengel und ließ mein Fahrrad dort stehen, lief auf der Westseite bis Unterföhring, auf der Ostseite zurück – leichtfüßig und problemlos.

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Nach Duschen und Essen (frisches Brot mit Butter, Mango-Banane-Feigen-Salat, Chocolate Chip Cookies) las ich eine spannende Hausarbeit über die Abtei Frauenchiemsee Korrektur – wissen Sie, ich lasse ja studieren.

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Abends testkochte der Mitbewohner ein weiteres Rezept aus einem anstehenden befreundeten Kochbuch. Uns beiden waren einige Details des Rezepts wegen widersprüchlicher Angaben nicht ganz klar (dazu ist die Testkocherei ja gedacht: Unklarheiten aufzuspüren und zu beseitigen), doch das Ergebnis schmeckte und nährte.

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Ein frischer Polizeiruf im Fernsehen, nicht nur mit dem verehrten Matthias Brandt, den ich mir in allem ansehe, sondern auch mit einer Schauspielerin, der ich regelmäßig mit offenem Mund auf der Bühne der Kammerspiele zuschaue: Sandra Hüller. Das Drehbuch mit seinen geradezu realistischen Dialogen ließ beide aufs Ergötzlichste von der Leine. Die Süddeutsche hat mit Sandra Hüller über diesen Polizeiruf gesprochen.1 Eine kluge Besprechung gibt es bei der Zeit.

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Im Bett ein weiteres Kapitel aus Pia Ziefles ganz frischem neuen Roman gelesen, Länger als sonst ist nicht für immer. Pia hatte mir das Buch geschickt – ich bin sehr gerührt und erfreut.

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Nicht gebügelt, nicht die Wochenendzeitung gelesen.

  1. Eben dort entdeckt: Hinter einem dezenten Link unterm Artikel erklärt die Süddeutsche ihre Interpretation des Leistungsschutzrechts – was und wieviel darf man zitieren? []

Wirklich langes Wochenende

Montag, 18. August 2014

Dank dem katholischen Feiertag Mariä Himmelfahrt (wir erinnern uns: immer direkt vor Mariä Einschulung) dauerte dieses Wochenende drei Tage lang.

Zur Feier des Wochenendes gab es am Donnerstagabend ein köstliches Nachtmahl:

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Die beiden hübschen Tintenfische vor der Zubreitung:

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Auf den feiertäglichen Isarlauf freute ich mich sehr, doch gerade als ich losradeln wollte, begann es energisch zu regnen. Ich verschob den Lauf um eine halbe Stunde und trat ihn mit Regenjacke an – die dann auf den Wegen zwischen Wittelsbacherbrücke und Großhesselohe weniger Nässe abhalten als mich wärmen musste. Egal, ich trabte praktisch schmerzfrei und genoss den Lauf sehr.

Für den Abend hatte ich fest geplant, noch ein möglicherweise letztes Mal den Schnitzelgarten zu besuchen. Tatsächlich blieb das Wetter trocken, doch als ich ums Häusereck in den Biergarten bog (wegen der Kälte halt in dicken Socken, Jacke und Schal), war da kein Biergartenbetrieb. Und mochte das ersatzweise Essen im Vietnamesen gegenüber noch so gut sein – ich war auf Schnitzelgarten eingestellt gewesen und enttäuscht.

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Am Samstag hatte ich mich zum Ernteeinsatz im Kartoffelkombinat gemeldet, genauer in Sigis Gärtnerei, die die Hauptquelle für unser Gemüse ist.
Hintergrund: Auch dieses Jahr wird die große Schwemme an Gemüse zentral eingekocht (Tomatensugo, eingelegte Gurken), um unsere Gemüsekisten in den mageren und rübenlastigen Wintermonaten bunter zu machen. Die Einkochtage liegen organisationsbedingt in der Arbeitswoche, deshalb kann ich zu meinem großen Bedauern nicht mitkochen. Aber am Samstag dafür ernten, das kann ich.

Wir waren ein gutes Dutzend Helfer und Helferinnen draußen in Eschenried (später erfuhr ich, dass noch nie so viele an einem Mitgärtnersamstag dabei waren), einer der Gärtner erklärte uns fröhlich und geduldig, was zu tun war. Dann fuhr er die leeren Kisten (und eine Waage und Getränke) mit dem Traktor zum Gewächshaus mit unseren Tomaten. In dem Moment, in dem der Bulldog ansprang, wurde ich wieder ein neunjähriges Kind: BULLDOG! (So hießen Traktoren in meiner Kindheit, im Süddeutschen wohl bis heute.) Ich erkundigte mich sofort, wie oft mal wohl mitgärtnern muss, bis man mal Bulldogfahren darf, und tatsächlich erzählte eine regelmäßige Mitgärtnerin, dass sie zumindest schon mal mitfahren durfte. BULLDOG!

Wir ernteten fünf verschiedene Sorten Tomaten und bekamen davon leuchtend grüne Finger. Zwischen diesen Stauden wuchsen wunderschöne Auberginen und beeindruckende Artischockenbüsche, eine Mitgärtnerin holte sich eine Tüte voll von dem Franzosenkraut, das überall in Gewächshaus wucherte: Sie kocht es wie Spinat und prophezeite ihm eine ähnliche Karriere vom Unkraut zum Modegemüse wie sie die Rauke hatte.

Weil wir in nur einer Stunde die angepeilten 500 Kilo Tomaten zum Einkochen beisammen hatten (sogar deutlich mehr), ernteten wir auch noch Schlangenkurken (pieksige Angelegenheit). Mit ein paar anderen ließ ich mich zum Küchendienst bitten, nach dem Mitgärtnern wird zusammen gegessen: Pellkartoffeln, frisch gekochte Tomatensoße mit Kräutern, Tomatensalat, Gurkensalat, Ruccolasalat, dazu Mojo (Sigi zerstieß frische große Chilis und Zwiebelwürfelchen mit Salz, rührte weißen Essig unter – köstlich) und ein Salatsößchen. Bei Essen erfuhr ich, wie der Stand des Gärtnerns ist: Zu nass, eigentlich würde jetzt Spinat gepflanzt, doch der würde absaufen. Zu kühl, das Gemüse reift deutlich langsamer als sonst um diese Jahreszeit.

Beim Zurückradeln zur S-Bahn-Station Karlsfeld regnete es, und im Regen macht mir das Radeln auch mit schützendem Umhang keinen rechten Spaß.

Nachtmahl wurde genau das Richtige für kalte Abende: Kaiserschmarrn.

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(Ja, diese Portion essen wir zu zweit.)

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Am Sonntag endlich ernsthafter Sonnenschein: Ich radelte ins Schyrenbad zum Schwimmen und fotografierte ausgiebig.

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Nachmittags wurde daraus eine Bahnenvorstellung im Schwimmblog Freistilstaffel und ein kleiner Text über den Schwimmbeckenfahrstuhl für das Techniktagebuch.

Hätte der Mitbewohner es nicht zum Termin erklärt, wäre ich sicher wieder nicht ins Kino gegangen. So aber spazierten wir ins Cinema und sahen Lucy. Hmja. Scarlett Johannsson darf nur in den ersten zehn Minuten des Films schauspielen, und das Ganze ist insgesamt dann doch eher schwach auf der Storybrust. Optisch sind gerade mal die Collagen aus Dokubildern originell.

Viel lustiger: Auf dem Weg zum Kino fotografierte ich im Bahnhofsviertel endlich die Werbung für den Luftkurort Bad Angel, der bekanntlich zusammen mit Bad Hausen und Bad Bank zu den wichtigsten und traditionsreichsten Kurbädern Bayerns gehört.

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Abends dann doch noch in den SCHNITZELGARTEN! Dicke Socken und Schal brauchte ich nicht, aber die Tage sind bereits wieder deutlich kürzer.

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Ein etwas längeres Wochenende

Montag, 11. August 2014

Die Bügelwäsche ist weg, Donna Tartts The Goldfinch ausgelesen, sogar zu zweimal Ausschlafen und einmal Mittagsschlaf hat es gereicht.

Nur mit dem Wetter habe ich mich wieder verschätzt. Der Samstag begann mit Badewetter.

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Also packte ich nach dem Fertigstellen der Aprikosentarte (Rezept ein wenig verbessert) Schwimm- und Badesachen, radelte damit zum Schyrenbad. Nur dass nach meinen 3.000 Metern der Himmel energisch bedeckt war und ich keinen Grund für längeren Aufenthalt fand. Am frühen Nachtmittag regnete es dann und kühlte so stark ab, dass ich zum Lesen Wollsocken und Strickjacke trug. Ein wenig warm wurde mir erst beim Bügeln.

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Der Sonntag wiederum ließ sich bedeckt an – passendes Laufwetter. Doch bis ich nach Morgenkaffee, Bloggen und Internetlesen aufs Radl an die Isar stieg, war Sommer ausgebrochen. Der Lauf wurde wunderschön, doch ich hätte gerne Trinkwasser dabei gehabt.

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Erst habe ich sie fotografiert, die beiden Erdbeerchen, dann gegessen. Schmeckten nach überhaupt nichts.

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Zum anschließenden Frühstück backte der Mitbewohner Hefewaffeln. Herzlichen Dank für die wundervollen Rezepttipps!

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Das Backen dauerte deutlich länger als veranschlagt, doch frisch schmeckten sie wirklich köstlich. Abgekühlt weniger.
Die nächste Runde sind dann Rührteigwaffeln.

Tiefer Mittagsschlaf, den Nachmittag über auf dem Balkon The Goldfinch ausgelesen und genossen. Jetzt will ich aber erst mal wieder etwas Kürzeres lesen.

Abends eine Geschichte von 1990 aus der Autofabrik fürs Techniktagebuch umgearbeitet.
Am Vormittag hatte ich eine spürbare Zeit gebraucht herauszufinden, in welchem Jahr genau das war. In der Überzeugung, ich hätte alle Kontoauszüge meines Lebens aufgehoben, nämlich als historische Quellen, suchte ich erst mal dort – und stellte fest, dass ich die von vor 1994 irgendwann weggeworfen hatte. Aufschluss brachten meine Gehaltszettel: Die habe ich tatsächlich noch alle, alle.
(Ja, das könnte ich alles mal scannen und digital archivieren. Vielleicht an langen Winterabenden.)