Essen & Trinken

Journal Samstag, 10. September 2016 – möglicherweise abgeschwommen

Sonntag, 11. September 2016

Nach gutem und tiefem Ausschlafen Balkonkaffee – Bonus mit Schleifchen. Am Weißdornbusch vorm Balkon schlugen sich die Amseln mit den Beeren das Gefieder voll, Eichhörnchen schabten in der Kastanie Nüsse auf, dazu das Knurpseln der Miniermotten-fressenden Meisen.

Nach ausführlichem Bloggen ging ich auf eine kleine Einkaufsrunde für die Abendbrotgäste.

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Daheim schnell umgezogen, ab zum Schwimmen ins Schyrenbad. Am Eingang hing zu meiner großen Freude ein Zettel mit der Information, dass der letzte Öffnungstag nicht wie offiziell festgelegt der 12. September, sondern der 18. sein würde. Dann schaffe ich es vielleicht ein weiteres Mal, im Freien zu schwimmen.

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Ausgesprochen genussvolles Schwimmen, daher auch diesmal ein paar Bonusrunden, bis es 3,5 Kilometer waren. Sonnetanken und Frühstück (Quarktasche) auf Liegewiese.

Den Rückweg nahm ich wieder über den Südfriedhof und entdeckte auch diesmal Neues.

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Grab einer Frau mit eigener Leistung (bislang hatte ich – neben den Ordensschwestergräbern – nur Gemahlinnen, Töchter, Mütter, Großmütter gesehen, Berufsbezeichnung höchstens „Privatiersgattin“ oder „Braumeisterwitwe“). Den Wikipediaeintrag dazu bekam allerdings nicht Pauline Kolb, sondern Christiane von Preysing.

Den Nachmittag verbrachte ich mit gemütlichen Abendessensvorbereitungen. Ich hatte spanische Familiengerichte angekündigt, und so gab es zur Vorspeise Pulpo a la Gallega (ein non-recipe aus gekochtem Oktopus, gescheibeltem jungen Knoblauch, grünen Spitzpaprika, Petersilie, Zitronensaft, Olivenöl, Pimentón de la vera), Tortilla (von Herrn Kaltmamsell zubereitet) und Manchegokäse, als Hauptgericht Pollo en pepitoria, zum Nachtisch Flan.

Wohnung bisschen aufgeräumt, geduscht, dann kamen schon die Gäste.

Journal Sonntag, 4. September 2016 – Wasser aus der Isar

Montag, 5. September 2016

Gut und tief ausgeschlafen. Ich mag das sehr.
Gleich mal Brotteig geknetet, über die nächsten Stunden weitergeführt. (Dieses Rezept im Plötzblog, doppelte Menge.) Die Backüberwachung übernahm wieder Herr Kaltmamsell, denn ich wollte an die Isar zum Laufen.

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Das Brot ging nicht ganz so auf, wie es soll, ich hatte die Stückgare vermutlich zu früh beendet. Schmeckte zum Abendbrot aber sehr gut.

Dummerweise hatte ich das Isarinselfest vergessen, das mir ein direktes Radeln zum Friedensengeln verstellte; ich machte einige interessante Umwege.

Entdeckung im überraschend warmen Sonnenlicht: Herbstzeitlose – diese Verräterinnen hatten den Sommer offensichtlich bereits beendet.

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Da es unerwartet warm war, wurde ich unerwartet durstig. An einem klaren Fluss durstig bleiben zu müssen, erschien mir völlig absurd. Und so setzte ich endlich meinen Vorsatz für solche Fälle um: Ich kauerte mich an den Uferrand und trank zum ersten Mal aus der Isar, mit beiden Händen schöpfend. Denn wenn das Wasser der Isar Badequalität hat, heißt das ja wohl, dass es nicht sehr gefährlich sein kann, ein paar Schlücke daraus zu sich nehmen.

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Das Wasser schmeckte köstlich.

§

Daheim schloss ich mich ins Bad zu ausführlicher Körperpflege. Damit mal wieder alles zu Erledigende an Haar, Haut, Nägeln erledigt war. (Das Frauenzeitschriftenklischee vom Genuss eines Selbstpflegenachmittags will bei mir einfach nicht klappen.)

Über den Nachmittag verdunkelte sich der Himmel immer mehr, die Miniermotten-geplagten Kastanien raschelten im plötzlichen Wind. JAJAJAJA, dann herbstelt’s halt. Dazu guckten ich mit Besuch nach den Ergebnissen der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern inklusive Stellungnahmen der Parteivertreter und
-vertreterinnen. Allgemeine Niedergeschlagenheit in der Runde.

Am Samstag hatte ich nach Langem mal wieder Blumen gekauft, am Stand am Sendlinger Tor. Sie erfreuten mich das ganze Wochenende.

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Zum Nachtmahl bereitete Herr Kaltmamsell Shakshuka, der Besuch stellte als Nachtisch gebackene Milch.

Journal Donnerstag/Freitag/Samstag, 1./2./3. September 2016 – Sommer mit Besuch

Sonntag, 4. September 2016

Am Donnerstag um fünf aufgewacht, vor klopfendem Herzen und Ängstlichkeit nicht mehr eingeschlafen (nein, kein Anlass, reine Biochemie).

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Es regnete ein paar Mal am Tag, teilweise heftig – auch bei Sonne. Nach Feierabend auf dem Heimweg Einkäufe erledigt, das Nachtmahl bestand aus großen Mengen Salat und Frischgemüse aus Ernteanteil.

Besuchsvorbereitungen, denn spät nachts kamen liebe Urlaubsgäste aus Berlin (so Leute aus dem Internet) für eine Münchenwoche zu uns. Ich hielt mich mit Bügeln und Lesen wach. (The Vegetarian von Han Kang ausgelesen: Dicke Empfehlungen, Details nach dem Treffen meiner Leserunde.)

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Den Freitag hatte ich mir frei genommen, um Zeit für meine Gäste zu haben. In einem wundervollen Sommermorgen holte ich uns Frühstück, und über diesem saßen wir lange plaudernd.

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Da ich Kopfweh hatte und mich wacklig fühlte, knickte ich meine Schwimmpläne und schleppte den Besuch nachmittags an die Isar. Netterweise präsentierte sich München hier so, wie ich es als typisch verkaufe: Bunt, menschenreich, mit vielen Sonnenbrillen und Kinderwagen, in goldenem Sonnenlicht.

Zum Nachtmahl gab es Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat (nach Langem kochte ich mal wieder selbst), der Besuch hatte vom eigenen Spazieren bayerische Whiskys zum Probieren mitgebracht (gut!), Herr Kaltmamsell servierte zum Nachtisch Sticky Toffee Pudding.

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Meine Schwimmrunde holte ich am gestrigen Samstag nach. Nach Frühstückholen spazierte ich ins Schyrenbad.

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Ich hatte so viel Spaß im fast leeren Becken unter wolkigem Himmel, dass mir meine üblichen drei Kilometer zu wenig waren. Es wurden 600 Meter mehr, bei vollem Spaß.

Nachmittags Zwetschgendatschibacken und -essen, Brotteig angesetzt, Kunstgeschichte gelesen.
Den Abend verbrachten wir in milder Luft im Paulaner-Biergarten – in dem sich bei mir irgendwie kein echtes Biergartengefühl einstellen will. Vielleicht weil er doch recht übersichtlich ist? Weil man keine Familien mit eigener Brotzeit sieht? Weil das Personal vollverdirndelt und -verlederhost ist?

Journal Samstag, 27. August 2016 – Einkochen; ein Hochsommersamstag in drei Kapiteln

Sonntag, 28. August 2016

Der Samstag war ein Hochsommertag in drei Kapiteln. Nach Kaffee auf dem Balkon mit Bloggen ging ich kurz einkaufen – verlängerte die Runde aber willkürlich, um bei diesem wunderschönen Licht (und bereits beachtlicher Hitze) durch die Gegend zu spazieren.

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Ickstattstraße

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Unterer Anger

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Isartor Sendlinger Tor (ich habe immer noch nicht verinnerlicht, dass die Sendlinger Straße jetzt den Fußgängern vorbehalten ist und schlängle mich erst mal weiter durch die Touristen auf den Gehsteigen)

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Sonnenstraße – bei dieser Hitze sicher nicht die angenehmste Arbeit

Am karg bestückten Klenzemarkt (August halt) kaufte ich ausführlich Käse (bei dem Herrn, der immer höchst Österreichisch fragt: „Brauchen’S a Sackerl?“), unterwegs Laugenzöpferl, beim Body Shop Körpercreme, beim dm Spülmaschinenreiniger und Klopapier.

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Zweites Kapitel war nach dem Frühstück die Fahrt mit Herrn Kaltmamsell (ebenfalls Genossenschaftler) nach Schönbrunn (S-Bahn mit Fahrrad): Gestern kochten wir Kartoffelkombinatler und -kombinatlerinnen wieder Tomatensugo ein, der in den dunklen und Wurzelgemüse-lastigen Winterwochen den Ernteanteil bunter machen soll.

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Ich übernahm einen Posten in der Küche zum Gemüseschnippeln und zerteilte fünf Stunden lang Tomaten, Tomaten, Auberginen, Zucchini, Tomaten, Tomaten. Wie vergangenes Jahr war die Aktion bestens organisiert, Koch Wolfgang sorgte für Professionalität (und Kriegsgeschichten aus mehreren Jahrzehnten Kocherei), wir erzählten einander Geschichten und Gedanken. Und schwitzten ganz beachtlich in der Kombination Hochsommerhitze und Herdfeuer.

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Kapitel 3: Auf der Rückfahrt stiegen wir an der Station Hirschgarten aus und radelten rüber in selbigen. Abendessen in einem Münchenklischee.

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Im Hirschgarten muss man sich den Bierkrug selbst holen.

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Zu meiner großen Freude war ein Tisch direkt an der Tiershow frei.

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Wieder mal fiel mir auf, wie sehr ein Biergarten Bevölkerungsschichten mischt. Ich kenne wirklich niemanden in München, für den Biergartenbesuche nicht zum Sommer gehören. Oktoberfestverächter gibt es nicht nur mich, aber „Nee, Biergarten ist nichts für mich“ habe ich noch nie gehört. Entsprechend bunt ist dort das Bild. (Nur so als Tipp für Ethnologinnen auf der Suche nach einem Forschungsthema.)

Während es hier mit Einbruch der Dunkelheit spürbar kühler wurde, radelten wir in die Stadtmitte auch zurück in die Hitze. Aber keineswegs mit so schlaffeindlichen Graden, wie wir es aus dem Sommer 2015 kannten.

§

Maximilian Buddenbohm verlinkt einen lesenwerten Artikel über den Umstand, dass Expertentum inzwischen mehr als lästig denn als nützlich angesehen wird:

„Fachwissen:
Hört auf die Experten!“

(Die) Mehrheit mag sich nicht mehr belehren lassen von denen da oben. Und mit oben sind, anders als früher, nicht nur die Paläste gemeint, sondern immer öfter die Podien. Lieber als auf den Rat der Experten hört man jetzt auf Menschen, die Emotionen wecken, Ängste und Ressentiments. Die Abwägen als Zaudern abtun und Genauigkeit als Erbsenzählerei.

(…)

Das Problem des Experten ist (…), dass er auf die einfachen Fragen nach dem Weg aus der gesellschaftlichen Malaise keine einfachen Antworten hat.

(…)

Für jemanden, der um seine Zukunft fürchtet, klingt dieses Einerseits-andererseits-Gelaber schnell wie ein Nach-Ausreden-Suchen. Lavieren so nicht die Mächtigen, wenn man sie beim Lügen ertappt? Und ist der Experte nicht bloß ihre Marionette, die den Schlamassel entschuldigen soll?

Journal Sonntag, 21. August – Garmisch-München

Montag, 22. August 2016

In Garmisch hatte es über Nacht heftig geregnet, das Bergpanorama hing voller Wolken. Aber auch das kann Garmisch.

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An manchen Ecken schien die Zeit stehen geblieben.

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Wir sahen auch an der kleinen Rehaklinik vorbei, die meinen Vater ab Dienstag wieder in vollen Einsatz bringen soll.

Beim Auschecken war ich umschwirrt von Amateurradprofis in hochinteressanter und sehr teuer aussehender Kunstfaserkleidung von den Haarspitzen bis um die Füße, ihre Renngeräte unterm Arm.
Wir frühstückten mit Gepäck wieder bei Hoffmanns, diesmal wegen schlechten Wetters drinnen.

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Pralinenkauf beim Konditor Krönner – wir hörten mit, wie eine Fremdenführerin erzählte, dass dies hier das älteste Konditorengeschlecht Bayerns sei. Die Pralinen stellten sich nach dem Abendbrot als durchaus empfehlenswert heraus.

Diesmal nahmen wir den Bus raus in die Garmischer Klinik, um meinen Vater nochmal zu besuchen. Er ist weiterhin bester Dinge, fühlt sich gut versorgt – ihm fällt aber durchaus auf, dass selbst Schwesternschülerinnen manchmal die 12 Stunden Ruhe zwischen Schichten nicht einhalten: Personalmangel.

Bus zum Bahnhof, Zug heim nach München.

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Zuhause kruschen und räumen, die eine oder andere Stunde Bügeln. Dann brachte ich mal wieder ein Säckchen Urlaubskassenkleingeld zum Einzahlen, verlängerte den Heimweg, um über den frisch Regen-gewaschenen Südfriedhof Pokémon zu jagen. Über einen Pokéstop entdeckte ich ein Grabmal mit frischer Rose – so hieß der Stop.

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Das hier war mir aber schon vor Wochen und ohne Pokéstop aufgefallen.

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Das Abendessen bestritt wieder Herr Kaltmamsell. Er wagte sich nochmal an Spaghetti carbonara – und diesmal waren sie perfekt.

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§

Wie ist es eigentlich als Online-Redakteur im Lokalen? Michael Würz vom Zollern-Alb-Kurier schildert seine vergangenen beiden Jahre:
„Wie wir mit der Hetze fertig geworden sind“.

Da waren echte Heldinnen und Helden am Werk. Was mich unglaublich erleichtert:

Ich habe mir (…) die Mühe gemacht und auf alle Nachrichten und E-Mails sehr ausführlich geantwortet, erklärt, wann ich von der Auseinandersetzung erfahren habe, was ich dann getan habe, mit wem ich telefoniert habe. Warum es nicht sinnvoll ist, ungeprüfte Informationen zu verbreiten. Und dass eine halbe Stunde eine lange Zeit für jemanden ist, der auf eine Nachricht wartet, aber eine kurze für jemanden, der versucht, die Polizei ans Telefon zu kriegen, die gerade ihren größten Einsatz des Jahres zu koordinieren hat. Mit einigen der Leser hatte ich daraufhin längere Zeit Kontakt; sie zeigten ernsthaftes Interesse an der Arbeit unserer Redaktion, von der sie – teils jahrzehntelange treue Abonnenten – keine große Vorstellung hatten.

Das ist nicht vergnügungssteuerpflichtig, aber auch nicht – wie wir lange Zeit dachten – ein Kampf gegen Windmühlen. Im Gegenteil. Einige der Leser, die uns damals unterstellt hatten, ungefähr alles vertuschen zu wollen, melden sich heute regelmäßig auf der Facebookseite unserer Zeitung zu Wort und machen, wie wir scherzhaft sagen, einen guten Job. Wir beobachten mit Freude, wie sie nunmehr ihrerseits – nicht nur beim Flüchtlingsthema – anderen Lesern erklären, wie wir arbeiten, uns in Schutz nehmen und neuerdings sogar unsere Paywall verteidigen.

Bis dato hatte ich zu meiner Bestürzung annehmen müssen, dass sachliche Erklärungen völlig nutzlos seien. Sind sie wohl nicht immer, zum Glück.

via @spreeblick

Journal Freitag/Samstag, 19./20. August 2016 – Garmisch

Sonntag, 21. August 2016

Ich hatte mich am Freitag für nach Feierabend mit Herrn Kaltmamsell am Zug verabredet: Plan war, in Garmisch meinen Vater im Krankenhaus zu besuchen (neues Knie) und zu wandern. Allerdings war schlechtes Wetter vorhergesagt, wir würden flexibel sein müssen.

Von Garmisch hatte ich nur vage Vorstellungen. Meine Besuche hatten sich in der Vergangenheit aufs örtliche Kino beschränkt (davon unten mehr), an den Rest hatte ich kaum Erinnerungen (gab es nicht gegenüber vom Kino eine Pizza Hut?).

Unterkunft hatte ich in der Altstadt gebucht; auf der Karte sah der Ort so übersichtlich aus, als könne kein Weg länger als 20 Minuten dauern. Ein Irrtum, wie sich herausstellen sollte. Schon vom Bahnhof (pünktliche Ankunft, allerdings in einem unklimatisierten Backofen) zum Marienplatz gingen wir 20 Minuten – durchgeschwitzt von der Bahnfahrt durchaus anstrengend.

Das Restaurant, dass ich vorher recherchiert hatte, war dann aber wirklich nah: Vaun.
Ich aß Kürbismousse mit Zwetschen, Staffelseerenke mit Kräutersaitlingen und Asiareis, dazu lernte ich Welschriesling aus der Steiermark, von Skoff. Schmeckte mir sehr gut, passte wunderbar zum Kürbis, ist nicht verwandt mit Riesling. (Was die Empfehlerin nicht wusste.)

Am Samstag ausgeschlafen, zu sonnigem Sommerwetter aufgewacht.

Dafür, dass ich aus Oberbayern komme, empfinde ich Alpen-hohe Berge schon als sehr exotisch. Na gut, aus dem nördlichsten Oberbayern. Tatsächlich konnte ich schier nicht mit BOAH!-Fotos aufhören.

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Zudem sieht Garmisch an jedem Eck wie ein 50er-Jahr-Film aus, statt der omnipräsenten Damen in Niquab erwartet man Peter Alexander mit Band auf einem Pferdewagen oder Heinz Erhardt an Pettycoat-Mädel. Vielleicht halt ein 50er-Film von Buñuel.

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Vor allem aber gibt es in Garmisch dieses Kino:

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Als ich Ende der 80er, Anfang der 90er in Augsburg studierte, waren amerikanische Streitkräfte in beachtlicher Stärke in Garmisch stationiert. Und für sie liefen in diesem Kino US-Filme nicht nur unsynchronisiert, sondern auch immer bereits zum US-Start. Regelmäßig packten wir das eine im Freundeskreis vorhandene Auto voll und fuhren auf zwei bis vier Filme nach Garmisch. Mit einer Pause für Pizza in der Pizza Hut gegenüber. Hier sah ich unter anderem Jurassic Park und Sliver.

Gestern frühstückten wir unter Obstbäumen im Garten des Hoffmanns.

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Doch langsam wurde ich unruhig: Wir wollten vor unserer Wanderung über Kochelbergalm und Partnachalm ja noch meinen Vater im Krankenhaus besuchen, und für den Nachmittag war ein Wetterumschwung angekündigt. Der Routenplaner von Google Maps gab trocken an, dass es zur Klinik zu Fuß knapp 4 Kilometer und eine gute dreiviertel Stunde waren. Wir hasteten los.

Tatsächlich wurde das erst mal ein kurzer Besuch: Mein Vater hatte um 11 Uhr einen Physiotermin, er konnte uns gerade noch versichern, dass es ihm gut ging. Wir verabredeten uns für nach dem Wandern.

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So eine Skischanze ist schon ein eher absurdes Sportgerät.

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Kochelbergalm mit Fischweiher (und Hühnern und mächtigen Gänsen und Schweinen).

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Mittagspause auf der Partnachalm: Ich hatte Spaghetti Bolognese, Herr Kaltmamsell abgebräunten Leberkäse mit Kartoffelsalat. Ich hoffe, wir haben den Kellner durch Anwesenheit, Hunger und den Wunsch zu zahlen nicht zu sehr belästigt.

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Verlass dich niemals auf ein Wörterbuch.

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Partnachklamm von oben.

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Wir üben Selfie. (Irgenwann klappte es besser.)

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Partnachklamm von drinnen.

Das Wetter schlug wie vorhergesagt um. Als wir kurz vor vier wieder in die Klinik kamen, hatten uns erste Regentropfen angespritzt.

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Unglaublich, was die Medizin heute kann. Mein Vater stand bereits zwei Tage nach der OP wieder auf eigenen Beinen (unterstützt von Krücken, na gut).

Der Regen war stärker geworden. Doch Herr Kaltmamsell wies darauf hin, dass wir jetzt in geschützter Umgebung testen konnten, wie regendicht unsere Wanderjacken und -hosen tatsächlich waren – wir gingen die knappe Stunde zu Fuß zum Hotel. (Ergebnis: Nach einer halben Stunde Starkregen wird man auch innen nass.)

Und Abendessen gab es aus Nostalgiegründen gegenüber vom Garmischer Kino: in der Pizza Hut. Cheese Crust ist möglicherweise eine der akzeptableren Erfindungen der Nahrungsmittelindustrie.

Journal Mittwoch/Donnerstag, 17./18. August 2016 – Bankgeschäfte und Beifang aus dem Internet

Freitag, 19. August 2016

Jetzt hebt er dann doch die Hand zum Abschied, der Sommer. Gestern regnete es mehrfach kräftig, war den ganzen Tag düster und bedeckt.

Mittwochmorgen eine halbe Stunde Gymnastik für Bauch und Rücken, fühlte sich anstrengend an.

Mittwochabend nahm ich einen weiteren Schritt meines Kontowechsels in Angriff und schwitzte eine Stunde über der Auflistung aller Stellen, mit denen ich per Lastschrift oder Dauerauftrag in Verbindung stehe. Bankgeschäfte sind halt wirklich keine Routine für mich.

Anschließend gab es zum Nachtmahl Ernteanteil.

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Salat mit Gurken und Tomaten (und einer zugekauften milden Zwiebel), gebratene Zucchinischeiben.

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Am gestrigen Donnerstagmorgen eine Runde Crosstrainerstrampeln – ich komme sonst diese Woche nicht mehr zu Ausdauersport.

Für meine Radlfahrten erwischte ich zum Glück immer Regenpausen. Nach Feierabend Termin in meiner künftigen Bank; jetzt fehlen nur noch wenige Schritte, bis ich nicht mehr an das Thema denken muss.

Zum Nachtmahl mehr Ernteanteil.

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Gebratener Mangold – inklusive dem Grün der roten Beete, die botanisch dieselbe Pflanze ist. Dazu in Schweineschmalz gebratene Bratkartoffeln.
(Zum Nachtisch müssen Sie sich immer Schokolade, Schokonüsse, Fruchtgummi etc. vorstellen.)

Wieder früh ins Bett, um dort noch eine Stunde zu lesen.

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Die erfolgreiche US-Komikerin und Autorin Sara Benincasa reagiert auf die anonyme Frage: „Why did you gain so much weight?“
„Why Am I So Fat?
A man wrote to me to ask why I gained weight. Here’s my response.“

First things first, thank you for not threatening to rape me! I get rape threats because I’m a woman on the Internet.

via @misscaro

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Eine schöne Bahngeschichte bei Spon, Gegengift zu einer dort kürzlich veröffentlichten Bahnnöhlgeschichte.
„Würzburg-Hamburg: Bahn-Mitarbeiter können auch nett sein – und wie“.

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Carolin Emcke hat die Festspielrede zur Eröffnung der Ruhrtriennale 2016 gehalten:
„Vom Übersetzen“.

Selten hatte ich so wenig Zutrauen zu öffentlichen Reden als Instrumenten der Verständigung wie in diesen finsteren Zeiten.

Wann hat das begonnen, dass ungefiltert und hemmungslos jede innere Unanständigkeit heraus gepoltert werden darf, ganz gleich wie verletzend, ganz gleich wie schamlos, ganz gleich wie falsch?

Doch dann spricht sie über Aufklärung und über Anstand. Ihre Rede endet mit einem Appell für saubere Hosen.

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Bedrückend und sehr informativ:
„Leben mit einer Angststörung
Kontrolle, Kontrolle, Kontrolle“

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„Die Schwimmerin, die über ihre Periode spricht, zeigt, wie sehr wir uns nach Normalität sehnen“.