Essen & Trinken

Journal Freitag, 2. Oktober 2026 – Oktoberfestflucht ins Homeoffice, Abendgäste

Samstag, 3. Oktober 2026

Guter Nachtschlaf, der Wecker unterbrach einen lebhaften Traum, in dem ich in der Arbeit gerade in ein neues Gebäude umzog. Lobby und Atrium aus glänzendem Holz boten so aufregende Ansichten, dass ich mit dem Fotografieren schier nicht hinterher kam. Wohnungsträume kenne ich ja und mag ich besonders, ich weiß noch nicht, was ich von Büroträumen halten soll – Hauptsache Architektur?

Morgenroutine durchbrochen, weil ich ja daheim arbeiten würde. Also richtete ich nach Morgentoilette und Ankleiden einen Arbeitsplatz am Schreibtisch von Herr Kaltmamsell ein – der mir sogar Arbeiten im Stehen ermöglicht. Und dachte fast rechtzeitig an doppelte dicke Socke und Wollpulli, weil Homeoffice heißt frieren.

Draußen tagte es wie angekündigt düster, bald verschwand auch die anfängliche Milde der Luft und ich schloss die Fenster.

Ebenfalls erwartet hatte ich die mehrfachen Neustarts, bis ich wirklich arbeitsfähig war: Ich nutzte sie wieder zum Brotbacken.

Die Situation im Mehlschrank hat sich übrigens verändert. Einen eigenen Mehlschrank haben wir, weil die eine Küche, die wir vor zwölf Jahren selbst einrichteten, vor dem Heinzkörper Platz für einen nur wenig tiefen Schrank bot – genau richtig für die vielen Mehlsorten einer abenteuerlustigen Brotbäckerin. Das war das einzige Küchenmöbel, das wir beim Umzug zwei Stockwerke nach oben mitnahmen: Diese bereits bestehende Küche bot dafür einen Winkel hinter der Tür.

Seit einigen WochenMonaten erschlugen Herr Kaltmamsell und ich in der Küche regelmäßig Mehlmotten. Herr Kaltmamsell hatte vergangenes Wochenende den Mut, das Verdrängen bleiben zu lassen und forschte nach der Ursache. Mit erwartbarem Ergebnis. Auf Mastodon fragte ich nach einer selbst erprobten Dauerlösung, die möglichst kein Umfüllen erforderte – und bekam viele, wunderbar hilfreiche Vorschläge.

Wir entschieden uns für das System von Mepal; auch den Tipp, in die Schränke Klebefallen zu hängen, setzte ich um.

Beim Arbeiten war mir dann gar nicht so kalt wie sonst immer, ich wechselte in eine leichte Jacke. Aus dem Düster wurde draußen ein wenig Regen, viel zu wenig. Aber die Geräuschkulisse war den ganzen Tag und den Abend von Oktoberfestfeiernden geprägt, ich sah mich in meiner Entscheidung für Homeoffice bestätigt.

Doch auch diesmal behagte mir das Arbeiten daheim überhaupt nicht. Dieses Einsickern von Arbeitsthemen, -sorgen, -mühen in mein heimisches Refugium und Rückzugsgebiet fühlt sich nach Vergiftung an.

Mittagscappuccino gab’s aus der heimischen Cafetera, für die eigentliche Mittagspause stempelte ich mich aus und ging auf eine Runde in die Innenstadt. Fast wäre ich wieder umgekehrt, weil mir eine Frau aus den ewigen Spenden-Akquise-Geschwadern am Sendlinger Tor die Laune verhagelte, genauer: Meine aggressiv unfreundliche Reaktion auf ihr fröhlich-munteres Angelaber verhagelte mir die Laune, so jemand will ich eigentlich wirklich, wirklich nicht sein – es gibt ja wohl weniger anständige Arten Geld zu verdienen als ihre. Was auch meine ungelenke Schluss-Aussage war.

Nach einer Weile Fußgängerzone-Laufen war ich zumindest so weit wiederhergestellt, dass ich meinen Vorsatz Blumenkauf (Dahlien) umsetzte – zur eigenen Erfreuung, als Deko für die Abendessensgäste und um mal wieder mit dem Blumenladen in unserer Straße Geschäfte zu machen. Dort bekam ich einen besonders schönen Strauß sowie ein ausführliches Gespräch mit der Inhaberin: Die deutlich nicht Deutsch-Muttersprachlerin erzählte, wie sie im Großmarkt immer bei den heimschen Anbauern kauft, so lange die Saison dauert, weil sie möchte, dass es die weiterhin gibt. Woraufhin ich ihr verriet, dass ich meine Dahlien ja woanders auch günstiger bekäme – aber ich bittegerne möchte, dass es weiterhin in meiner Straße einen Blumenladen gibt. Wir strahlten einander an, jetzt BFF.

Zu Mittag gab es Trauben, Birne, Apfel, außerdem Skyr mit Joghurt.

Am frühen Nachmittag kam Herr Kaltmamsell heim von Arbeit und Einkaufen. Er überließ mir seinen Schreibtisch weiterhin, denn jetzt hielt er sich in der Küche auf, um das Abendessen für die Gäste zu kochen – sich hin und wieder versichernd, dass ich damit zurechtkommen würde, wenn er viel zu viel zu essen machte.

Freitäglich pünktlich klappte ich den Arbeits-Laptop zu und verräumte mein Handwerkszeug. Mit dem Räumen machte ich dann gleich weiter. Gemütlich richtete ich die Wohnung für die Abendessengäste her, Arbeitskolleg*innen von Herrn Kaltmamsell: Tisch ausziehen und decken (Einmerker: Vom Christkind wünsche ich mir dann doch eine passende Tischdecke. Die viele Tischwäsche für den früheren runden/ovalen Tisch wird endlich weggegeben, aber eine Tischdecke für unausgezogenen, eine für ausgezogenen Tisch sollten wir wirklich haben), Papiernester (überraschend wenige) und andere Nester verstecken, ein bisschen staubsaugen.

Die Gäste kamen, brachten Blumen, Wein, Süßigkeit als Gastgeschenke. Fröhliches Plaudern über Aperitiv (Negroni oder alkoholfreiem Campari Soda), dann servierte Herr Kaltmamsell als Vorspeise Zucchini auf Ricotta-Creme (dazu das Brot von mir), als Hauptspeisen Kichererbsen mit Spinat, Ottolenghi-Kürbiscreme, und wer mochte, bekam gebratenes Entrecôte – alles ganz hervorragend. Eine Enttäuschung war der Weißwein, den ich eigens für den Abend nachbestellt hatte: Der Ziereisen Grauer Burgunder 2022 war gekippt und oxidiert, ungenießbar – dabei hatte er nicht mal in unserem Kammerl gelagert. Ich kam nicht auf die Idee, eine weitere Flasche zu öffnen (hoffentlich ist nicht das ganze 6er-Kistlein verdorben), sondern wir hielten uns an den ebenfalls bereitgestellten roten Côtes du Rhône. Zum Nachtisch gab es von mir den Flan de queso und Trauben. Ich lernte freundliche und kennenlernenswerte Menschen kennen und einen Hund.

Noch vor Mitternacht waren wir wieder zu zweit und räumten noch eine Weile, um die erste Ladung Geschirrspüler starten zu können – und am nächsten Morgen nicht noch alles vor uns zu haben.

Journal Montag, 28. September 2026 – Seltsamer Septembersommer

Dienstag, 29. September 2026

Völlig zerhackte Nacht mit häufigem Aufwachen, ohne dass ich dafür Anlässe nennen könnte. Von draußen reichlich Oktoberfest-Gaudi-Lärm, auch noch um zwei Uhr: Die Baustelle statt Sperrung der Zufahrt zu den Kliniken ermöglicht den Oktoberfest-Radl-Rikschas jetzt die Durchfahrt vor unserem Haus, und sie fahren gerne mit lauter Musikbeschallung, möglichst weit weg von Oktoberfestmusik. Der Schlafmangel rächte sich über den Verlauf des Arbeitstags mit Müdigkeit.

Es wurde hell zu wolkenlosem Himmel über kalter Luft.

Schöner Weg in die Arbeit, ich schlug schon jetzt einen Bogen ums Oktoberfest.

Sonne von hinten, Mond von vorn – darin liegt ganz sicher eine tiefe Wahrheit.

Emsiger Arbeitsvormittag, darunter Vorbereitung des jährlichen Aufregungstermins (aber längst nicht mehr so Angst-belastet wie anfangs).

Das Wetter spielte Sommer, ich genoss meine sonnig wolkenlose Mittagsrunde um die Blöcke sehr, es war warm genug für Jackenlosigkeit.

Mittagessen: Apfel, außerdem Skyr mit Joghurt – und Citronat. Ich hatte die angebrochene Packung mit halb eingetrockneten Würfelchen aus der Kiste mit Backzutaten geangelt und das Citronat am Vorabend einerührt in der Hoffnung, dass es am nächsten Tag aufgeweicht sein würde. Nicht nur hatte das geklappt, die Gesamtmischung schmeckte auch ausgezeichnet fruchtig. Vielleicht ein wenig zu süß, bei geplantem Einsatz würde ich weniger Citronat nehmen.

Emsiger Nachmittag.

Der Heimweg war mit 26 Grad dann doch zu warm für September. Gründlicher Süßigkeiten-Einkauf, dann wieder im größeren Bogen um die Theresienwiese.

Nicht groß genug.

Daheim war die programmierte Waschmaschine noch nicht durch (Restzeitanzeige ungefähr so verlässlich wie bei Computer-Updates), ich erledigte schnell mal die ungeliebte Pediküre und bereitete das Yoga-Turnen vor, nach dem ich mich sehr sehnte (nochmal die Rücken-Folge vom Maddy Morrison).

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell die erste Ernteanteil-Lieferung Grünkohl zu Kale Chips verarbeitet, den Ernteanteil-Stangensellerie zu einem meiner Lieblingssalate mit Zucchini, Zitronensaft, Kapern, Feta.

Nachtisch Schokolade – und als erste Weihnachtssüßigkeit Stollen-Konfekt, das ich besonders mag.

Aufmunterung: Auch in diesen Weihnachtsferien reise ich mit Herrn Kaltmamsell für ein paar Tage nach Berlin. Auch diesmal mit Kabarettistischem Jahresrückblick – besonders spannend durch die neuen Ensemble-Mitglieder Ami Warning, Kirsten Fuchs. Zudem möchte ich diesmal endlich Linie 1 im Grips-Theater sehen, Sound meiner Jugend. Gestern Abend guckte ich alle gespeicherten Unterkunft-Tipps in Berlin durch – und endlich war mal das Appartment in Kreuzberg frei, das ich schon lang im Auge hatte.

Früh ins Bett zum Lesen, Terry Pratchett erfindet die besten Drachen.

§

Der Bayerische Rundfunk löst seinen Fundus zum Teil auf und versteigert ihn – auf dieser Website. Ach wäre ich doch in einer Lebenssituation, die mir den Bedarf eines Abendschau-Sofas bescherte. Sehr attraktiv auch dieses “Rentner Starter-Kit”. (Särge gäb’s auch).

Beistelltische, Stühle gleich Konvolut-weise, Kommoden, Kinderhocker – wenn Sie jemanden kennen, der gerade Einrichtung braucht?

via Heiko Bielinski

Aber auch: Ruderboot, Deko-Gemüse, Krippenfiguren, leere Filmdosen (viele), Küchenutensilien, Heizlüfter, Kinderwagen, Flugzeugsitze, Maskenspiegel, Leitern (die auch mal “Staffelei” heißen <3), Schlagbohrer, Drucke von Gemälden, Schaufensterpuppen, ein Streitwagen, Zapfsäulen.

§

Sarah Bosetti hält eine Laudatio auf Angela Merkel – als Satirikerin und Staatsbürgerin.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/LIMvUn_EjCY?si=8PrO8Kkoex8FIVXR

Journal Samstag, 26. September 2026 – Bayrischzeller Höhenweg mit Regionalbahn-Benimm und ein wenig Slapstick

Sonntag, 27. September 2026

Sehr unruhige Nacht: Alkohol, Draußenlärm, Kreuz- und Hüftschmerzen, Diesdas. Mal wieder fühlte sich die letzte Stunde des Ausschlafens am erholsamsten an.

Angekündigt war nochmal perfektes Wanderwetter mit Sonne, Windstille, milder Luft, das wollte ich nutzen. Nachdem mir vor einer Woche das etwas deutlichere Auf und Ab des Tegernseer Höhenwegs gefallen hatte, erinnerte ich mich an den Bayrischzeller Höhenweg, den ich vor Jahren zweimal mit Herrn Kaltmamsell gegangen war und dessen Profil ich ähnlich im Kopf hatte. Da
– ich mir das vorherige Bloggen ein wenig zu gemütlich gemacht hatte,
– die Fahrt nach Bayrischzell dann doch mit anderthalb Stunden etwas weiter war und
– sich herausstellte, dass diese Verbindung nur stündlich bedient wurde (ländlich Wohnende rollen Augen: das kennen sie von JEDER öffentlichen Verbindung),
– ich zudem bei zu erwartendem Wandervolk-Andrang frühzeitig für einen Sitzplatz am Zug sein wollte,
machte ich mich sehr zackig fertig dafür.

Wieder mit den festen Wanderstiefeln für einfacheres Steigen in unwegsamem Gelände – in meiner normalen Wanderbesockung (zwei Paar alte Baumwollsocken) statt dicken als solche verkauften Wandersocken fühlten sich meine Füße nicht eingesperrt an.

Der dreiteilige Zug nach Tegernsee, Lengries, Bayrischzell war bereits ziemlich voll – und die leeren Plätze wollte man mir nicht überlassen. Auf mein “Ist da noch frei?” hörte ich:

1. “Nein, der/die ist/sind grad auf dem Klo.” Nach dem dritten solchen wunderte ich mich über die ungeahnten Kapazitäten bayerischer Regionalbahn-Klos.

2. „Da kommen noch welche!“

Dieses Sitzplatzbelegen in Regionalbahnen finde ich hiermit eine Unsitte: Dass nur eine*r aus einer verabredeten Gruppe früh am Start-Bahnhof sein muss, der Rest trödelt herbei oder steigt an den späteren Halten zu? Ich lege mich fest: Das ist unfair. Anständig ist es, sich am Start-Gleis frühzeitig zu verabreden und gemeinsam nach Plätzen zu suchen. Oder man sitzt halt nicht als Gruppe zusammen, sondern gruppiert sich erst am Ziel.

Diesmal lohnte sich mein Stehenbleiben: Von vier „reservierten“ Sitzen zweier Vierer-Buchten wurde nur einer (!) bis Abfahrt tatsächlich besetzt – und zwar von einer „ach ich hatte ganz hinten Plätze für uns belegt“.

Der Zug wurde sogar noch sehr voll mit wenigen verbleibenden Stehplätzen, unter den Fahrgästen viele mit Fahrrad oder Hunden, Geräuschkulisse reichhaltig. Ich hatte eine interessante Fahrt, unter anderem durch die Gespräche einiger sehr alter Frauen neben mir.

Kurz vor Ankunft am Endbahnhof Bayrischzell war der Zug leer genug geworden, dass ich bequem zum Klo kam (und diese Zugklo-Variante dokumentierte – Regionalbahnen haben meist Rollstuhl-taugliche Klos als Allgemein-Klos).

In Bayrischzell packte ich gleichmal meine Jacke weg, es war mild genug für kurze Ärmel. Slapstick-Einlage, als ich mich neben einem Bruckerl über den Legerwaldgraben herunterbeugte, um meine Wanderstiefel neu zu binden (fühlten sich zu locker an): Die Wasserflasche rutschte aus der Rucksack-Halterung und purzelte ins Bachbett. Seufzen, erstmal band ich meine Stiefel zu Ende. Blick auf die Gesamtsituation ergab, dass ich von der gegenüberliegenden Seite des schmalen Grabens gut ans Bacherl kam, auf Steinen übers eh sehr niedrige Wasser an meine Flasche. Andere Wanderer hatten mein Malheur gesehen und boten ihre Stöcke als Hilfsmittel ab, doch die brauchte ich gar nicht.

Jetzt aber endlich WANDERN. Es wurde ein angenehme Runde mit den erinnerten schönen schmalen Aufstiegen über Steine und Wurzeln hauptsächlich im Wald, über bequeme Abstiege auf breiten Wirtschaftswegen (so mag ich es, unwegsame Abstiege nicht so sehr), über weite Blicke. Auch andere waren hier unterwegs, allgemeines “Servus!”, auch wenn ich die sonstigen Unterhaltungen in ganz anderen Sprachen hörte, freundliches Aneinander-Vorbeilassen.

Sie haben eine Unterführung zum Kreuzen der vielbefahrenen Bundesstraße zum Wanderanfang gebaut: Herzlichen Dank für die zusätzliche Sicherheit – außerdem hätte die hiesige Jugend ja sonst gar keine Möglichkeit für Streetart, die ihnen nicht ein Donnerwetter der gesamten Nachbarschaft einbrockt.

So ging’s schonmal los, die Ausblicks-Malerizität des Tages war gesetzt.

Als “einfach”, wie in fast allen Wegbeschreibungen, würde ich die Strecke nun nicht bezeichnen: An dieser Stelle hangelte man sich mit einem Seil in der rechten Wand entlang – ich kenne einige geübte Wandersleut, die hier wegen Höhenangst gescheitert wären. Vielleicht gilt das Bewertungssystem aber Bergwanderungen, bei denen alles ohne Klettern “einfach” ist?

Dazwischen eine besonders hübsche Raupe als Filmchen bei instagram.

Von den passierten Almen war eine sogar noch in Betrieb:

Die Niederhofer-Alm war gut platziert für eine Pause und Brotzeit: Danach gab es auf dem Weg über anderthalb Stunden keine Gelegenheit mehr. Als für mich um halb zwei Pausenzeit war, nahm ich in Ermangelung eines Bankerls mit einem bequemen Stein in der Sonne Vorlieb.

Brotzeitstein rechts. Es gab Apfel, Feigen, eine dicke Scheibe französisches Landbrot.

Kurz darauf war der Weg energisch gesperrt, das sperrende Plakat warnte vor Forstarbeiten. Da ich nichts davon hörte und ja Wochenende war, nahm ich es nicht akut ernst und ging trotzdem weiter – ich hätte auch keine Umgehungsstrecke gewusst. Stellte sich heraus: Oh doch, da wurde mit riesigem, schweren Gerät forstgearbeitet, mehr als Wanderweg-breit. Verdutzt sah ich auf meinem Handy nach Ausweichmöglichkeiten (GPS ging, sonst mehrere Stunden kein Mobilfunkempfang), da hupte mich der Mann in der Führerkabine des Riesen-Geräts kurz an. Ich trat heran, grüßte, wurde nach meinem Ziel gefragt: “Bloß der Höhenweg…” Und bekam ein freundliches: “Na geh durch.” Dankeschön – mir ist völlig klar, dass bei solchen Waldarbeiten keine großen Kommunikationskampagnen einberechnet werden, die uns paar Wochenend-Ausflügler*innen berücksichtigen.

Erst nach einer halben Stunde Weg endete die Sperrung – noch energischer als die Gegenseite.

Jetzt ging es konsequent bergab, die letzte gute Stunde im engen Tal nach Bayrischzell.

Schon ein schöner Weg, aber halt auch eine gute Stunde parallel zur lauten Straße.

Insgesamt eine nette Wanderung, ganz hervorragend ausgeschildert – aber ich nahm mir vor, mich in der Gegend Schliersee-Bayrischzell nach Alternativen umzusehen.

Auf diesem letzten Stück hatte ich Lust, das Tempo nochmal anzuziehen, auch um mich im kühlen Tal warm zu gehen (Körper spielte gestern hervorragend mit) – was zufällig dazu führte, dass ich nach knapp fünf Stunden Wanderung genau beim Einfahren des Zugs zurück am Bahnhof eintraf: Ich hatte extra nicht auf den Fahrplan geschaut, sondern mich gezwungen, die Abfahrt halt zu nehmen, wie sie kam, aber mein Wandertempo NICHT davon ablenken zu lassen – dann hätte ich halt bis zu einer Stunde warten müssen.

Pflanzenlernen mit der App Flora Incognita:

Gewöhnlicher Fransenenzian

Deutscher Kranzenzian

Locker besetzte Rückfahrt.

Schliersee.

Ich war sehr müde, nickerte auch ein bisschen ein. Ausstieg wieder am Harras, U-Bahn zum Sendlinger Tor mit Oktoberfest-Cosplayer-Begleitung.

Daheim machte ich mich nach Auspacken an die Zubereitung des Nachtischs: Apple Crumble aus Elstar-Äpfeln vom Markt. Die Backzeit nutzte ich für eine Einheit Yoga: Die Rücken-Folge von Maddy Morrison.

Als Nachtmahl erfüllte mir Herr Kaltmamsell wieder einen Wunsch:

Chinesische Auberginen süß-sauer – köstlich. Nachtisch reichlich Apple Crumble mit flüssiger Sahne.

Journal Freitag, 25. September 2026 – Einerseits herrliches Wetter, andererseits Oktoberfest

Samstag, 26. September 2026

Trotz sehr frühem Start bis Weckerklingeln geschlafen. Freude bei Aussicht auf Freitagabend, bis dahin Zähnezusammenbeißen.

Sonniger, einstellig kalter Morgen. Freude über Outfit-Idee des Tages (außer Socken und Schuhen alles alter bis sehr alter Bestand).

Goldene Morgensonne verschönte meinen Arbeitsweg.

Überraschung am Bavariaring:

Schlange am Okoberfesteingang um 07:30 Uhr, aufgemacht wird um 10 Uhr. Ich begann mich bereits vor meinem Heimweg zu fürchten und beschloss, nächsten Freitag von daheim zu arbeiten.

Selbst einer Radlerin wurde die Durchfahrt den Bavariaring entlang vorm Eingang verweigert. Als sie protesierte, sie arbeite doch aber am Bavariaring, ließ man sie durch, aber mit dem Hinweis: “Auf eigene Gefahr!”
(Darf ich mich daran erheitern, dass die Security-Leute um die Theresienwiese zu 95 Prozent aus PoC bestehen, und zwar muslimisch und nordafrikanisch gelesenen – die bei Polizeikontrollen fast immer als erste rausgezogen werden?)

Der Arbeitstag gestaltete sich machbar, anstrengend war eher die menschliche Seite.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, weil mir Sonnenschein von wolkenlosem Himmel vor allem große Sehnsucht nach einem möglichst ausgedehnten Marsch um die Blöcke machte. Der war dann auch herrlich.

Mittagessen Birnen, Feigen, Hüttenkäse.

Auch am Nachmittag hatte ich noch zu tun, kam aber pünktlich raus.

Einkäufe beim Vollcorner, ab dann wurde der Heimweg nur fast so unangenehm wie befürchtet: Ich achtete natürlich vor allem auf die Leute, die VOM Oktoberfest kamen und außer Selbstkontrolle waren. Einer benötigte die gesamte Gehwegbreite an der Schwanthalerstraße fürs Vorwärtskommen, ich rannte schnell vorbei.

Fürs Abendessen war ich zuständig: Ich erledigte die Kutteln auf römische Art von unserer Kochliste, damit ich mir auch mal wieder spontan etwas anderes wünschen durfte (Herrn Kaltmamsells Augenbrauen sich bei diesen Wünschen nicht mehr sehr weit nach oben bewegten).

Während der letzten Gar-Phase gab’s zum Aperitiv und Wochenendfeiern Negroni mit arabischen Nüsschen.

Die Kutteln wurden leider gar nicht so, wie ich sie mir vorgestellt und in Erinnerung hatte, die Sauce eher gemüsig als sämig, ich hatte ein schlechtes Rezept erwischt.

Schmeckte ok, war halt nicht das, was ich angepeilt hatte. Dazu ein sizilianischer Gallo, dem wohl die Lagerung in unserem Kammerl über den heißen Sommer nicht gut getan hatte: Er schmeckte stark oxidiert und nach Sherry. Mei, hatte trotzdem entspannende Wirkung.

Nachtisch Schokolade, früh ins Bett, das der Vollmond beschien.

§

Wieder jemand nutzt die Bahn mal außerhalb Deutschlands und erkennt dabei die positiven Seiten der Deutschen Bahn:
“Mit Bahn und Bus in Finnland unterwegs”.
(Jajaja, Verlässlichkeit wäre dennoch sehr, sehr schön.)

§

Dafür mag ich Krautreporter und zahle für mein Abo: Dass sich die Redaktion immer wieder blind weitergereichte Medien-Aussagen genauer ansieht und mit verfügbaren aktuellen Daten abgleicht. In diesem Fall die oft erhobene Behauptung: KI verringert die Anzahl von Arbeitsplätzen und vergrößert Arbeitslosigkeit. Für Sie als Geschenk:
“KI klaut dir erst mal nicht den Job”.
(Was sich aber durchaus belegen lässt: KI verändert die Arbeitswelt und vergrößtert gesellschaftliche Ungleichheit.)

§

In der gestrigen Süddeutschen eine großartige Folge “Reden wir über Geld” (jede Antwort Gold): Juristin und Kunst-Bewerterin Sasa Hanten (€).
“‘Eine Kunstsammlung ist keine gute Anlageidee'”.

Es geht los mit:

SZ: Sasa Hanten, reden wir über Geld. In Frankfurt steht das berühmte Euro-Zeichen vor der ehemaligen EZB-Zentrale. Sie haben die Skulptur mal Ihre „Jugendsünde“ genannt. Waren Sie jung und brauchten das Geld?

Sasa Hanten: Ich sage ja immer: Ich war jung und hatte das Geld. Ne, der Künstler der Skulptur, Ottmar Hörl, hatte das Angebot, zur Bargeldeinführung des Euro eine Skulptur zu machen. Ich war jung, in einer Kanzlei angestellt und mein Chef meinte: „Ich habe keine Ahnung von Kunst, ich muss mich da auf dich verlassen.“ Also habe ich Hörl vertreten.

Und was war die Sünde?

Meine Jugendsünde war, dass ich mir dabei eine kleine Unverschämtheit geleistet habe. Die bezog sich auf die Zeit, die das Ding da stehen sollte, 90 Tage. Für Künstler hört es sich nach sehr viel Geld an, wenn sie für ein öffentliches Projekt einen Auftrag erhalten. Aber viele verstehen den Unterschied zwischen brutto und netto nicht. Wenn man die Euro-Skulptur richtig kalkuliert hat, inklusive Handwerker, Auf- und Abbau, war alles sehr aufwendig. Ich habe mir gedacht: Den Abbau sparen wir uns. Und dann habe ich eben gespielt.

Gespielt?

Ja, spielen ist für mich etwas Positives. Ich habe in den Vertrag eine Klausel geschrieben, dass die Stadt nach den 90 Tagen Eigentümerin wird. Die meisten Leute lesen keine Verträge durch und vor allem Männer gehen oft davon aus, dass alles zu ihrem Vorteil ausgeht. Nach 90 Tagen hat jemand von der Stadt angerufen, wir sollen die Skulptur abbauen lassen. Da habe ich gesagt: „Die gehört uns doch gar nicht.“ Das gab mehrere Runden der Empörung, ich hatte Herzklopfen bis zum Hals. Aber ich habe es durchgesetzt.

Journal Donnerstag, 24. September 2026 – Der Oktoberfestdruck steigt

Freitag, 25. September 2026

Zu überraschend milden Temperaturen, aber bedecktem Himmel aufgestanden. (Und mit überraschenden LWS-Schmerzen, Ibu gleich zum Frühstück.)

In der Arbeit Arbeit, mein inneres Maulen legte sich bei einer Recherche und Nahezu-kreativ-Aufgabe, die ich mir auf gestern gelegt hatte.

Mittags raus auf einen Cappuccino, in ein paar Regentropfen kaufte ich auf dem Rückweg auf dem Markt Äpfel. Zwei davon gab es später als Mittagessen (SO! gut) dann noch SkyJoLei.

Nachmittags arbeitete ich weiter an der guten Aufgabe.

Heimweg mit größerem Bogen ums Oktoberfest, diesmal auch mit Bögen um einige entgegenkommende Betrunkene, deren Torkeln ihren Weg unberechenbar machte. Das nahende Wochenende zeigte sich in deutlich mehr Menschen, auch auf den Wegen zwischen Öffentlichen Verkehrsmitteln Richtung Theresienwiese.

Oktoberfest-Verkleidung unterliegt natürlich genauso Trends wie jede andere Bekleidung, dieses Jahr habe ich mangels Flucht nach Langem mal wieder die Gelegenheit, sie zu verfolgen. Während in den Vorjahren mal Hütchen die Damen-Köpfe überm Dirndl zierten, mal Kunstblumenkränze (das war verstörend: Almabtrieb-Assoziationen), trägt die modische Oktoberfest-Cosplayerin heuer zum Dirndl (tendeziell Samt und Spitze) recht konsequent Stiefeletten. Halbschuh-Trend zum Dirndl: Slingback-Pumps.

In der Landwehrstraße Einkäufe für den Freitagabend beim Süpermarket Verdi und im Laden mit arabischen Nüsschen.

Daheim verabschiedete ich noch Herrn Kaltmamsell, der abends einen Berufstermin hatte. Dann turnte ich Yoga, mit nur einem Schmerzensschrei (nach linkem Seitstütz im T bei Rückkehr in Plank). Zum Nachtmahl verarbeitete ich den Ernteanteil-Radicchio mit frischen Feigen, Tegernseer Camembert (mit quarkigem Kern, wunderbar) und gerösteten Walnüssen.

Sehr, sehr gut. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, vor lauter Müdigkeit aber gleich Lichtaus ohne Lesen.

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Frau BIG PHARMA Brüllen nahm sich die Zeit zu erklärbärn, und zwar ihren Job, der zwischen Wirkstoffentwicklung und Verkäuflichkeit an sowie Wirkung bei Patient*innen liegt. Darin unter anderem: In wie viel Vorleistung ein Pharma-Unternehmen geht, ohne bereits zu 100 Prozent zu wissen, ob die Wirksamkeit überhaupt wasserdicht bestätigt wird.

Was nachträglich nochmal erklärt, warum man die Corona-Impstoffe nicht so einfach mal in den armen Ländern produzieren lassen konnte, die sie dringend benötigten.
(Außerdem assoziiere ich, seit ich mich beruflich mit Massenfertigung in der Industrie beschäftige, so manche großartige Entwicklung bis zum Prototypen oder Möbel-Entwürfe, bei denen ich erstmal denke: “Super! Und JETZT bringt das mal in Serie.”)

§

Bislang ging ich davon aus, dass “Protein” in der Lebensmittel-Industrie halt das “KI” in der Technik ist: Wenn man’s aufs Produkt draufschreiben kann, verkauft sich’s besser. Doch bei näherer Betrachtung sind die Marketing-Mechanismen dahinter doch ganz interessant: Wie kam es eigentlich zu diesem Hype?

Wie alles in der Ernährungsforschung mit ihren vielfältigen methodischen Fallstricken ist es halt kompliziert:
“Der Protein-Irrtum: Forscher warnen vor Folgen für den Stoffwechsel”.

Auch diese Überschrift führt übrigens in die Irre und ist dem überdurchschnittlich gründlichen Artikel (er verlinkt sogar die Originalstudie !!111!) nicht angemessen. Damit Sie den wichtigen letzten Absatz nicht übersehen, zitiere ich ihn hier:

Zudem handelt es sich bei der Arbeit um eine Übersichtsarbeit, also um die Zusammenschau vorhandener Studien und nicht um neue Experimente. Wie sich eine dauerhaft eiweißarme Ernährung auf die menschliche Lebenserwartung auswirkt, ist schlicht nicht untersucht. Und so kommt Dudley Lamming nur zu einer zurückhaltenden Handlungsempfehlung: “Wir müssen Proteinempfehlungen wahrscheinlich nicht nur nach dem Alter personalisieren, sondern auch danach, wie körperlich aktiv Menschen sind.”

Hervorhebung von mir.

Dabei habe ich selbst eine Zeit lang auf Eiweiß-reiche Ernährung geachtet: In den 1990er trieb ich sehr viel Sport, fast täglich mehrere Stunden in einem Fitnessstudio Aerobics und Krafttraining (Gymnastik). Irgendwann hatte ich Schmerzen am Ende der Trainigseinheit oder kurz danach, sie fühlten sich an wie Muskelkater – doch das konnte zeitlich nicht hinhauen (Muskelkater eher 12 bis 24 Stunden nach Belastung), außerdem war ich doch super trainiert. Als ich die Chef-Trainerin darauf ansprach, die mich ja täglich turnen sah, fragte sie, wie viel Eiweiß ich denn zu mir nähme. Nein, bei so viel Sport reiche Alltags-Eiweiß nicht, meine Schmerzen rührten sehr wahrscheinlich von Eiweißmangel. Also holte ich mir hin und wieder an der Fitnessstudio-Theke einen Eiweiß-Drink und nahm an die Uni zur Brotzeit Quark und Hüttenkäse mit. Das funktionierte.

§

Ausführlicher Satire-Thread über die Auswirkungen der Berliner Wahlergebnisse (leider nur für eingeloggte Bluesky-Accounts sichtbar).

Journal Mittwoch, 23. September 2026 – Geschichten aus dem Dantebad

Donnerstag, 24. September 2026

Ein Traum brachte mich derart auf, dass ich alle Kraft benötigte mich davon zu überzeugen, dass das EIN TRAUM! war.
Nämlich: Am Ende einer Einladung bei uns daheim hatten Gäste Herrn Kaltmamsell und mir ein großes Sportgerät plus eingepacktem Zubehör geschenkt. Ich war in Hektik, weil ich zum Flughafen musste um zu verreisen, nahm ich das Geschenk einfach zusätzlich zu meinem Gepäck mit. Und dann saß ich am Flughafen zwischen fünf großen Gepäckstücken, wusste aber, dass ich nur zwei einchecken durfte, musste den Rest also irgendwie loswerden, als erstes fiel mir mein Vater ein, der es abholen konnte, von Ingolstadt aus war es ja nicht weit, doch vor lauter Aufgebrachtheit (ging weit über Aufgeregtheit hinaus) schaffte ich es nicht mal, auf meinem Handy Apps zu schließen, um an die Telefonier-Funktion ranzukommen, ich wurde immer hektischer und verzweifelter – und wachte davon endlich genug auf, um mich einzufangen: Das ist ein Traum! Du musst keine Lösung finden! Das ist nicht echt!
So heftig emotional war schon lang kein Traum mehr gewesen.

Tatsächlich schaffte ich es auch, noch ein wenig einzuschlafen vor früher gestelltem Wecker, stand aber reichlich durch den Wind auf. Dennoch kam ich gut los für meine Schwimmpläne. Draußen war es wie angekündigt scheißkalt (erste Handschuh-Gedanken), kurz vor sieben sah ich die ersten Atemwölkchen der Saison. Unterwegs erkannte ich einen Mann wieder, der bislang noch jedes Mal mit derselben U-Bahn wie ich zum Westfriedhof fuhr, von dort wie ich zum Dantebad ging – ob er das wohl an jedem Montag, Mittwoch, Freitag tut? Auf meiner Schwimmbahn identifzierte ich niemandem, als den ich ihn vermutet hätte.

Über dem Schwimmbecken lag dicker Dampf, das Wasser war auf Wintertemperatur hochgeheizt. Das empfand ich erstmal als zu warm, dann aber ging es – zumal ich die prophylaktische Ibu vergessen hatte und auf die heilende Wirkung der Wasserwärme setzte.

Die Sonne ging golden auf, bereits sehr herbstlich weit rechts und niedrig, aber zu wolkenlos blauem Himmel, und bestrahlte die erste Ahnung von Herbstlaub. Diesmal brauchte ich keine Pinkelpause, das werde ich alles ins soachwarme Wasser geschwitzt haben. Doch mein Gemüt kam aus dem Mittelgrau nicht recht heraus, die sensationell kitschigen Anblicke links und rechts beim Luftholen kamen nicht richtig bei ihm an.

Wieder schwamm ich neue Rekordzeit, diesmal könnte ich aber nicht beschwören, ob ich mich nicht doch einfach verzählt habe.

Große Liebe für Sammelumkleiden.
Während ich in Unterwäsche (wegen Nachschwitzen) im Spiegelbereich der Sammelumkleide Haare föhnte, hörte ich aus dem Gang bei der Eingangstür: “Oh nein, das geht wirklich kaputt. Ich brauch eine Goldschmiedin.”
Sofort aus dem hinteren Gang: “Ich bin Goldschmiedin.”
Eine Frau in blauem Sport-Bikini und oranger Bademütze ging rüber zum Türgang, ich hörte Beratung zu Löten versus Schmieden (es ging um ein Armkettchen).

Weiterer Female Locker Room Talk: “Die größte Bedrohung für das Patriarchat ist eine Frau, die sich völlig in Ordnung findet.”

Und DANN war da noch die Frau in der Umkleide, die beim Eincremen ihrer Beine melodiös vor sich hin summte.

Für alle Fälle zum Mitschreiben: Der Widerstand wird von Damen-Sammelumkleiden aus organisiert werden. Was Schwimmbewegung und Sonnenschein nicht geschafft hatten, bewirkte jetzt dieses entzückende Menscheln: Mein Gemüt wurde hell, ich freute mich wirklich am Tag.

Homerstraße, hinter mir der Eingang zum Dantebad.

Die U-Bahn-Fahrt in die Arbeit wurde zwischen Hauptbahnhof und Theresienwiese besonders interessant: Reichlich Oktoberfest-Bedienungen, wie ich auf dem Weg in die Arbeit. Allerdings deutlich anders ausgestattet.

In der Arbeit wurde es emsig, ich hatte die seltene Gelegenheit, eine hochgeschaukelte, scheinbar komplexe Angelegenheit durch Bodenständigkeit und einfach Machen über die Ziellinie zu bringen (habe ich mich gerade als “unkompliziert” bezeichnet?).

Drumrum Gewirbel und Querschüsse, erst spät kam ich raus auf meinen Mittagscappuccino – diesen Marsch wollte ich in weiterhin sensationellem Sonnenschein mit lediglich etwas Wärme unbedingt haben. Und er war herrlich.

Zu Mittag gab es Birnen sowie Skyjolei.

Ruhigerer Nachmittag, draußen lachte weiter die Sonne.

Heimweg direkt, also über den Bavariaring – von dem mich Oktoberfest-Sicherheitskräfte scheuchten, weil er hier nur als Zugang zum Oktoberfest fungierte. Aber ich musste nur einen kleinen Umweg laufen.

Daheim holte ich lediglich Herrn Kaltmamsell ab: Wir waren zu einem Abendessen im Weißen Bräuhaus verabredet, das wir seit Jahren auf der Liste haben.

Nämlich deswegen. Das Weiße Bräuhaus ist für seine Innereienküche berühmt, unter anderem wird hier laut einigen Quellen Montag bis Mittwoch gebackenes Kuheuter angeboten. Nach dem musste wir allerdings fragen, es stand nicht auf der Speisekarte. Die ausgesprochen rustikale Kellnerin stritt auch erstmal ab, dass es das gebe, ließ sich aber übereden, in der Küche nachzufragen. Und da hatten wir es. Schmeckte gut, aber wenig besonders (anders als Leber, Niere, Milz, Lunge). Wir hatten noch Platz für einen geteilten Kaiserschmarrn, der sehr deftig und reichlich karamellisiert war.

Nach Hause in nahezu milder Luft.

§

Senta Berger (<3 <3 <3) kürzlich in der Talk-Runde “Kölner Treff” – bezaubernd und mit interessanten Aussagen übers Altwerden.

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https://youtu.be/FRfex-ex6j0?si=1GVfWfEcYKm3DMCu

Journal Samstag, 19. September 2026 – Verschiedene Oktoberfestwunder, vor allem aber Wandern am Tegernsee

Sonntag, 20. September 2026

Ausgeschlafen, parallel zum Bloggen Kuchen gebacken, nämlich Zwetschgenkuchen aus den sauren Früchten vom Markt.

Dem Oktoberfest-Start wollte ich sehr gern durch eine Wanderung ausweichen, und zwar den Tegernseer Höhenweg ab Gmund und über Galaun, wie beim letzten Mal. Doch diesmal wanderte ich die Tour ohne Herrn Kaltmamsell, der weiterhin orthopädisch unpässlich ist.

Mit den festeren, neuen Wanderstiefeln: Zum einen, um sie weiter einzulaufen, zum anderen stellte ich mir gerade für steile Passagen harte Sohlen nützlich vor. (Für Wanderstöcke bin ich ja leider zu blöd.) Es war herrliches Wetter mit Höchsttemperaturen wenig über 20 Grad angekündigt. An sich hatte ich ja kalten Regensturm fürs erste Oktoberfest-Wochenende bestellt, aber wenn ich den nicht kriegte, war perfektes September-Wanderwetter das Nächstbeste.

Allerdings hing bis gestern morgen in der Luft, ob ich statt Wandern nicht eine Kaffee-Verabredung mit einer Durchreisenden haben würde. Doch als WhatsApp still blieb, machte ich mich fertig – sogar besonders zackig, weil ich nach dem Kuchenbacken die Chance sah, einen früheren Zug zu erwischen. Schminken ließ ich einfach weg; nicht dass ich mich ungeschminkt unansehnlich fühle oder so, es gehört lediglich zu meinem Draußen-Ich. (Gerade bei Gesprächen über plastische Chirurgie oder weniger invasive Eingriffe mit Ziel Verjüngung des Äußeren merke ich: Ich bin dermaßen einverstanden damit, wie ich aussehe und dass man mir mein Alter ansieht, dass ich zu zweifeln beginne, ob ich mich in unserer Gesellschaft überhaupt als Frau bezeichnen darf.)

Überraschung über ein weiteres Oktoberfestwunder auf dem Weg zu meinem Zug am Starnberger Flügelbahnhof: Die breite Passage in der Bahnhofshalle wurde wiedereröffnet. Jetzt sorge ich mich weniger um die Oktoberfest-Menschenmassen dort.

Der Zug war voll, aber nicht übervoll, im Zugteil zum Tegernsee musste niemand stehen. Ich bekam eine Auseinandersetzung mit, weil Passagiere Sitze reservierten für Leute, die auf der Strecke zusteigen würden; ein anderer Passagier akzeptierte das nicht und setzte sich auf einen dieser Plätze: In der Regionalbahn gebe es keine Reservierungsmöglichkeit, wer zuerst komme, habe halt einen Sitzplatz. (Ich schwanke in meiner Meinung dazu.)

Ankunft im Idyll Gmund.

So lang vom Bruckerl geschaut, bis ich eine Forelle entdeckte – und was für eine mächtige!

Gelassenes Loswandern, tiefe Atemzüge in herrlicher Luft. Für die Strecke brauche ich inzwischen keine Beschreibung oder Schilder. Es waren viele weitere Wanderer unterwegs, ganze Familien, außerdem reichlich Elektro-Radler*innen.

Hinter Gmund lautes Muhen: Die Rinder rechts von der Straße muhten laut zu den kleineren Rindern links – die allerdings völlig ungerührt waren.

Erstes Ziel: Der Käseautomat. Ich kaufte einen Camembert und ein Stück – *checks Kühlschrank* – Hirschberger.

Mittagscappucino und Klobesuch am Bahnhof Tegernsee.

In ruhigem Tempo wanderte ich weiter, zweigte vom Höhenweg nach links hoch Richtung Galaun.

Dieser Weg war sehr ruhig: Über eine halbe Stunde davon sah und hörte ich keinen anderen Menschen. Jetzt kam ich richtig zur Ruhe und intensiven Wanderfreude, war tief dankbar für die Körpertüchtigkeit, die mir das ermöglichte – ich werde sie nie als selbstverständlich empfinden.

Kleine Eintrübung: In den festen Wanderstiefeln wurden meine Zehen immer wieder taub, fühlten sich beengt an, schmerzten dann auch. Was mir ein Rätsel ist, nachdem ich sie doch vor dem Kauf doch so gründlich getestet hatte.

Das Berggasthaus Riederstein am Galaun war gut besucht, beim Abstieg zurück zum Tegernseer Höhenweg begegnete ich auch regelmäßig anderen Wandersleuten.

Die markante Silhouette des Wallbergs. Zu weit oben, um auf dem Foto sichtbar zu sein: Zwei Dutzend Paraglider, die wie ein Stubenfliegeschwarm den Gipfel umkreisten.

Kurz vor halb drei setzte ich mich auf ein Bankerl zur Brotzeit: ein riesiger, köstlicher Apfel, ein Stück von Herrn Kaltmamsells Geburtstags-Marmorkuchen.

Dooferweise endet diese Wanderung mit einer Stunde die viel befahrene Uferstraße entlang (darauf eine Protzauto-Dichte wie auf der Münchner Leopoldstraße), vor dem nächsten Mal suche ich intensiver nach einer alternativen Strecke. Zwar gibt es außer im Winter auch eine Wasserverbindung per Fähre von Rottach-Egern nach Tegernsee, doch ich wollte halt gehen.

Wallberg, Rottach-Egern, Tegernsee, Kaltmamsell.

Durchaus verstörend diesmal oben auf dem Höhenweg: Zweimal musste ich meine Ohren wegen LALÜ! zuhalten. Auch das der Verkehrssituation zwischen Rottach-Egern und Tegernsee geschuldet: Da gibt es nur die eine Straße, die gerade mal so Platz hat zwischen Berg und See.

Sehr auffällig: Meine LWS muckte überhaupt nicht, an keiner Stelle, bei keiner Bewegung. Gehen -> gut. Aber halt auch Sitzen -> schlecht: Schon nach einer halben Stunde im Zug (wunderbares Timing, er fuhr elf Minuten nach meiner Ankunft am Bahnhof ab, genug Zeit, um noch bequem einen Sitzplatz zu bekommen) stach es wieder böse vom Kreuz bis ins Bein. Hin und wieder muss ich aber sitzen!

Strecken-Statistik: Gut fünf Stunden mit zwei Pausen, laut Schrittzähler gut 17 Kilometer und mehr als 100 Stockwerke.

Angenehme Zugfahrt zurück, gegenüber saßen eine Frau und ein Mann in Wanderkleidung, nur wenig älter als ich, und unterhielten sich freundlich, zugewandt, interessiert, tief und lang verbunden, waren aber ganz klar kein Paar – so dass mir zum einen das Herz aufging, ich sie zum anderen als liebende Geschwister einsortierte. Und gern gewusst hätte, ob ich richtig lag, doch eine Nachfrage wäre viel zu aufdringlich gewesen.

Nächstes Oktoberfestwunder: Die Baustellen-Unterbrechung der U6 war aufgehoben. Ich konnte schon am Harras aussteigen und eine U-Bahn heim zum Sendlinger Tor nehmen (darin überraschend wenig Oktoberfest-Cosplayer*innen, vielleicht hat sich die Wiedereröffnung der U-Bahn-Linie noch nicht rumgesprochen). Ich kam streichfähig entspannt zurück, Ausruhen auf dem sonnigen Balkon.

Zum Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell den Spaghettikürbis aus Ernteanteil, er testete ein Rezept mit Speck-Sahne-Sauce (das ich nie “Carbonara” nennen würde, drohendes Einreiseverbot nach Italien).

Und siehe da: Damit hat der geschmacksneutrale, lediglich als Textur interessante Kürbis meiner Ansicht nach seine Bestimmung gefunden, er ist das perfekte Gegengewicht zur schweren Sauce. Künftig also kein Augenrollen mehr, wenn der Ernteanteil Spaghettikürbis bringt. Als Wein öffnete ich den letzten Rosé im Bestand, Pittnauer Dogma – weiterhin ein Liebling.

Beim Lesen im Bett ließ ich das Fenster noch offen, ließ die Geräusche von Oktoberfest-Passant*innen herein, die Musik-Bedudelung der Rikschas. Zum Schlafen musste ich das Fenster natürlich schließen. Dieses Jahr kann ich ja dann herausfinden, ob Oktoberfest die Brüllerei im Park verstärkt oder mindert. All for science.