Essen & Trinken

Journal Freitag, 20. Mai 2016 – Führung durch Bath

Samstag, 21. Mai 2016

Eine Arbeitskollegin, die vor Kurzem erst in Bath studiert hat, hatte mich mit einer Liste Tipps für die Stadt versorgt – so umfassend, dass ich keinen Anlass für ausgiebige weitere Recherchen sah. Wir brachten unser Gepäck vom B&B (eggs florentine zum Frühstück, mmhhh!) über den Avon zum Abbey Hotel, wo ich zwei weitere Übernachtungen in Bath gebucht hatte.

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Zu diesen Tipps der Kollegin gehörte auch eine Stadtführung durch die Mayor of Bath Honorary Guides: Volltreffer. Die große Gruppe am Treffpunkt wurde geviertelt, jeder Teil aus etwa 20 Bathbesucherinnen und -besuchern zog mit einem Guide los, in unserem Fall war das die reizende Islay (gesprochen „Ayla“). Über zwei Stunden zeigte sie uns Häuser, Plätze, Straßen, Höfe und Winkel, erzählte viel über die Geschichte Baths, vor allem im 18. und 19. Jahrhundert.

Anschließend schlängelten wir uns zu einer weiteren Kolleginnenempfehlung durch.

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Kaffee im Colonna & Small’s – ein zeitgenössischer Kaffeeladen mit allen möglichen Zubereitungsarten ausgewählter Kaffeesorten, die vor allem durch „Fruchtigkeit“ glänzen und zu denen Zucker nicht mal angeboten wird. War ok, aber ich habe noch weit hin, bis ich nicht mehr meinen Cappuccino aus schwarz gerösteten Espressobohnen bevorzuge.

Ein Tipp von Katha auf Instagram führte uns zur Bäckerei Bertinet.

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Vergeblich aber suchten wir nach einer Quelle für Cotswold Gin, den wir in Painswick bekommen hatten. Man schickte uns von einer Spirituosenhandlung zur nächsten, wir hätten sogar Bath Gin bekommen, nicht aber Cotswold Gin.

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Sehr beeindruckt aber war ich von der Auslage eines örtlichen Metzgers – wie schade, dass wir keine Küche für die Zubereitung hatten. Wir spazierten weiter durch Bath.

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Als Abendessen gab es einen Berg gebratenes Rindfleisch sowie Dessert in The Herd.

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Nachtrag zu den Kniekissen: Zum einen fand ich in Bath Markets dieses.

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Genau damit werden die Kissen bestickt. Und „Tapisserie“ hatte ich immer für die englische Übersetzung von Gobelin gehalten – was nicht ganz stimmt. Kommentatorin saumselig erläuterte das ein wenig: Kein Gobelin.
Zum anderen weist Kommentatorin Frau Schmitt auf diese Information über die für Kirchenkissen übliche Stickerei hin.

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Auch sonst hatte ich genug Zeit, um im großen, schönen Hotelzimmer nichts zu tun. Also Internet zu lesen und anzuschauen.

Mit Bezahlbloggen habe ich mich nie sehr beschäftigt, weil es für mich aktiv nicht in Frage kommt und weil ich es zu langweilig zu lesen finde. (Menschen sind verschieden: Für andere mag es eine großartige Sache zu machen oder zu lesen sein – wunderbar, nur zu!)

Der Vortrag von Heather Armstrong dazu aber bereitete mir wirklich Gänsehaut: Worauf man sich beim Bezahlbloggen einlässt – und warum sie vergangenes Jahr damit aufhörte.

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Spät abends kam eine Doku über Queen im Fernsehen (über die Band, nicht über Ihre Majestät): „From Rags to Rhapsody“. Sehr spannend, unter anderem, weil 40 Jahre Interviewmaterial mit den Bandmitgliedern verarbeitet wurden.

Journal Donnerstag, 19. Mai 2016 – Cotwolds Tag 5 (Cold Ashton bis Bath)

Freitag, 20. Mai 2016

Der letzte Tag unseres Cotswold Ways. Einerseits war ich traurig, dass es schon vorbei ist mit Wandern durch paradiesische Landschaft. Andererseits fand mein Körper, besonders die rechte Hüfte mit dran hängendem Bein, dass jetzt aber auch mal gut war mit Laufen.

Es war eine kurze Endstrecke (gemessene 19 Kilometer mit zwei ausführlichen Pausen in gut sechs Stunden), wir trödelten sie mit viel Rumgucken ab.

Erst mal frühstückten wir aber in unserer kleinen Küche in der pitoresken Hill Farm hinter Cold Ashton. Unsere Gastgeberin hatte am Vorabend nach unseren Wünschen gefragt und Sausages, Ham, Mushrooms, Tomatoes, Toast und Eggs von benachbarten Hühnern bereitgestellt. Ich machte mir mit vorrätigen Haferflocken Porridge und kochte mir zwei Eier weich, die ich mit Toast aß. Herr Kaltmamsell briet sich ein ganzes English breakfast.

Nach herzlichem Abschied von unserer Gastgeberin (Hill Farm kann ich wirklich empfehlen) wanderten wir zum letzten Mal los – diesmal ohne uns wie an den vorhergehenden Tagen erst mal zu verlaufen. Schnell sahen wir auch, warum wir seit unserer Ankunft durchgehend Krähenlärm gehört hatten: In einer riesigen Pappel waren mindestens fünf Nester.

An einem Aussichtspunkt über Bath machten wir zur Halbzeit Pause, nochmal auf ein Pint in einem Pub in Weston kurz vor Bath (wo wir uns mit dem uralten Pub-Hund anfreundeten). In der letzten Stunde bis zu unserer Unterkunft regnete es überraschend noch mal oder wie Herr Kaltmamsell es formulierte: „English weather is making a point.“ Bis wir hinter Bath Abbey angekommen waren und auf den Bänken davor endlich unser Lunchpaket aßen, hatte es aber schon aufgehört.

Die letzte Unterkunft war ein klassisches B&B über den Avon rüber mit einigen Zimmern. Abends folgte ich einer Empfehlung einer Kollegin, die kürzlich in Bath studiert hat: Wir gingen ins The Salamander auf heimische Ales und Ciders, aßen je einen Pie dazu. Von Bath hatte ich gelesen, dass es derzeit als food capital Englands gehandelt werde. Das kann ich natürlich nicht beurteilen, doch als ich die zweite Runde Bier holte, bekam ich mit, wie ein Gast den Barman um Bierberatung bat: Er hätte gerne ein „lagerlike“ Ale. Schlechte Idee, der Herr fing sich einen Vortrag über die Unmöglichkeit solch eines Wunschs und über Bier im Allgemeinen ein.

Über eben diesem zweiten Pint seufzte ich und gestand, dass ich müde war und überhaupt keine Lust auf einen weiteren durchgebloggten Abend hatte. Woraufhin der Herr an meiner Seite, der sonst alles daran setzt, mir das Leben so leicht und schön wie möglich zu machen, meinte: Das gehe ja wohl gar nicht, woher solle er denn dann bitte morgen früh einen Blogpost zum Lesen über den Tag samt Bildern bekommen. Fast hätte er mir meinen Cider weggenommen, damit ich nicht noch müder wurde. Nun dann.

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Hill Farm ist das Gebäude ganz hinten.

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Blick rüber nach Bristol (viele Flugzeuge im Landeanflug über unseren Köpfen).

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Erster Blick auf Bath.

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Zum Wanderabschied eine Runde Regen.

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Langsam wurde es städtischer.

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Abendessen.

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Nieseldämmriger Heimweg über den Avon.

Journal Mittwoch, 18. Mai 2016 – Cotwolds Tag 4 (Old Sodbury bis Cold Ashton)

Donnerstag, 19. Mai 2016

Hier könnte eine Geschichte stehen von Wandern im strömenden Regen, von Bibbern vor Kälte und von Wanderstiefeln, aus denen man das Wasser gießen konnte – schließlich war ordentlich Regen angekündigt. Doch das englische Wetter ist unstet, man kann sich auf nichts verlassen, nicht mal auf angekündigten Regen. Zwar war es gestern wolkig und eher kühl, doch tatsächlich angeregnet wurden wir nur dreimal, und das eher kurz. Wir sahen sogar ein paar Mal Sonne. Zudem wieder Fasane, Feldlerchen, Distelfinken, Möwen (konstante Begleiter am Himmel) – und ein hochherrschaftliches House. Da die eigentliche Wanderstrecke übersichtlich kurz war, nahmen wir nämlich auf dem Weg Dyrham Park mit, ein Anwesen in der Hand des National Trust, dessen Äußeres für den Dreh von Remains of the Day verwendet wurde. Mit diesem Umweg und einer langen Pause waren wir für gemessene 23 Kilometer etwa sechseinhalb Stunden unterwegs.

Nur von Ferne erahnen konnten wir Dodington Park, das mittlerweile dem Staubsauger-Dyson gehört. Unser Hotelgastgeber hatte uns erzählt, dass Dyson zwar die öffentlichen Wege durch sein Grundstück weiterhin nutzen lässt1, zum Haus hin allerdings sichtschützende Bäume habe pflanzen lassen. Das ist aus Sicht des Besitzers völlig verständlich, ruiniert allerdings die sensationelle historisch unbegrenzte Lage der Häuser in weitläufiger Parklandschaft.

Eingekehrt sind wir gestern nur auf eine Tasse Tee in den schönen tea room von Dyrham Park. Vorher hatten wir mit Blick auf das Haus auf einem Baumstamm sitzend Brotzeit gemacht und das Lunchpaket unseres Gastgebers verzehrt.

Diesmal war unsere Unterkunft eine ehemalige Farm, die sehr geschmackvoll und modern zu einem B&B umgebaut war. Unsere Gastgeberin begrüßte uns herzlich und mit ausführlichen Informationen, das vorbereitete Abendessen machten wir uns in einer kleinen Gästeküche warm: Unsere Gastgeberin hatte uns liebevoll Salat (mit frischen Basilikumblättern und gerösteten Pinienkernen) und Dressing vorbereitet, außerdem örtliches Bier „Cotswold Way“ sowie Fish Pie und zum Nachtisch Sticky Toffee Pudding.

Abend über Bloggen und Livegucken der dritten Folge von Mary Beard’s Ultimate Rome auf BBC 2.

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Bei Regen starteten wir vom Old Sodbury House Hotel.

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In Old Sodbury gibt es sogar noch ein altes Telefonhäuschen – von außen heruntergekommen, von innen sauber und voll funktionstüchtig.

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Einem bestimmten Grad Idyll kann auch Regen nichts anhaben.

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Er macht das Idyll allerdings recht matschig. Meine Wanderstiefel waren bald doppelt so schwer wie beim Anziehen.

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Der öffentlich passierbare Teil von Dodington Park.

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Der erste von vielen Fasanen, die wir gestern sahen – diesen so nah, dass ich ihn sogar mit meinem Smartphone erwischte.

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In Tormarton guckten wir in die örtliche Kirche St. Mary Magdalene. Dort entdeckten wir, dass mit dreckigen Wanderschuhen gerechnet wurde.

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Und was kirchliche Dienstleistungen kosten, wenn es keine Kirchensteuer gibt. Taufen sind in einer missionierenden Religion natürlich kostenlos.

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Ein kleiner palate cleanser nach all dem Idyll: Die Cotywolds haben auch Hochspannungsleitungen, Windkraft und Autobahn.

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Dyrham Park konnten wir nur von außen besichtigen: Das Gebäude wird restauriert, nicht immer kann man ins Innere.

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Zeit für eine Pause.

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Ich trinke hier gerade so gerne Tee (im tea room von Dyrham Park mit Milch zum Selbstzapfen), dass ich meinen gewohnten Milchkaffee gar nicht vermisse.

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Typisch public footpath.

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Cold Ashton

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Die offene Tür führt in unser Zimmer des B&B.

  1. Es ist auch ziemlich schwierig, das zu verbieten, wie Konstantin auf London Leben schön erklärt. Und so stiefelten wir auch gestern einmal so richtig quer durch jemandes Garten, mitten durch Felder, quer über Kuh- und Schafweiden waren wir immer wieder unterwegs. []

Journal Dienstag, 17. Mai 2016 – Cotswolds Tag 3 (Wotton-under-Edge bis Old Sodbury)

Mittwoch, 18. Mai 2016

Es war der Tag der Fasane: Nachdem unsere Gastgeberin uns am Vorabend Fasan serviert hatte, prognostizierte sie, dass wir in den nächsten Tagen auch lebendige würden sehen können – und all so geschah es. Vielleicht hat sie ja den Cotswold-Way-Verein angerufen und welche bestellt, wir sahen sieben Stück entlang unserem gestrigen Weg.

Morgens war ich erstaunt, dass wir beide immer noch keinen Muskelkater hatten – am Vortag waren einige wirklich anstrengende Passagen dabei gewesen, vor allem beim steil bergab Gehen hatte meine Oberschenkel ordentlich gebrannt.

Nach dem Frühstück sahen wir uns erst mal in Wotton-under-Edge um (überraschenderweise „Wuttn“ ausgesprochen): Eine lebendige zentrale Einkaufsstraße mit kleinen Läden von Bäckerei und Metzger über Cafés bis Friseur und Musikinstrumente. In der Kirche St. Mary verbrachten wir einige Zeit: Ich war vor allem fasziniert von den handbestickten Kniekissen (Gobelin?), die an jedem Platz hingen.

Hinter Wotton-under-Edge gingen wir einen Bach entlang und passierten eine große Gruppe Kinder in Gummistiefeln (Schulklasse?), die von drei Frauen angeleitet verschiedene Untersuchungen am Bach anstellten. Herr Kaltmamsell erspähte auf einem Klemmbrett die Überschrift „River Study“, sah nach einem sehr spannenden Projekt aus.

Einige Zeit später kamen wir an einer Gruppe Menschen vorbei, die gerade eine der dry stone walls zwischen Weg und Feld reparierte. Wir grüßten und bekamen ein Magazin in die Hand gedrückt: den Cotswold Lion. Ein jovialer alter Herr erklärte dazu, dass sie eine Freiwilligengruppe vom Cotswold Conservation-Verein seien, die sich darum kümmern, dass Mauern repariert werden, Hinweisschilder erneuert, Wege passierbar gehalten. Wir scherzten ein wenig hin und her, ich dankte ihm sehr herzlich für sein Engagement, das mir diesen Urlaub so angenehm macht.

Regen bekamen wir auch ab: Schon mittags verdüsterte sich der Himmel immer mehr, bald mussten wir uns gegen ein paar Regentropfen schützen. Auch deshalb beschlossen wir, unser Lunchpaket für den Abend aufzuheben und statt dessen in einem Pub Pause zu machen und zu Mittag zu essen: Im nahe gelegenen Hawkesbury Upton war auch eines empfohlen, das sich als perfekt herausstellte.

Danach kamen wir nochmal in einen heftigeren Schauer, doch auch der ging bald vorbei. Kleine Übung für den Mittwoch, da soll es durchregnen. Von den letzten beiden Stunden der Wanderung habe ich keine eigenen Fotos, weil meinem Smartphone der Strom ausging (und auch die Powerbank leer war, die mich in den Tagen davor gerettet hatte). Deshalb musste ich die Länge der gestrigen Strecke schätzen: In den acht Stunden mit einer guten Stunde Mittagspause haben wir vermutlich 26 Kilometer zurückgelegt.

Unsere Unterkunft in Old Sodbury ist ein kleines Hotel in einem alten Gebäude an der Schnellstraße, möglicherweise waren wir die einzigen Gäste. Geräumiges Zimmer, geräumiges Bad mit Wanne. Wieder war für mich ein Vollbad genau das Richtige. Zum Abendbrot holten wir unsere Käsebrote und den fruit cake heraus, den uns die Zimmerwirtin in Wotton eingepackt hatte – wunderbar. Dazu guckte Herr Kaltmamsell Fernsehen, ich bloggte.

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Die Einkaufsstraße von Wotton-under-Edge.

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Der Lardy Cake in der Auslage der Bäckerei erinnerte mich an das Rezept dafür, das ich noch ungetestet daheim habe.

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Die Kirche St. Mary in Wotton-under-Edge von außen.

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Und von innen. Es folgen ausgewählte Gobelinkissen, manche deutlich kirchlich:

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Manche sind so irgendwie dazwischen:

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Bei anderen ist der kirchliche Bezug sehr erklärungsbedürftig:

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Aber für Knie sind sicher alle bequem.

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Schüler beim Flussforschen.

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Eine kissing gate – von denen es gestern definitiv zu wenige gab.

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Das ist ja wohl mal EIN HOHLWEG! Herr Kaltmamsell begann von Tolkiens Konzept guter und böser Wälder zu erzählen.

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Einer der sieben Fasane, denen wir gestern begegneten, fotografiert von Herrn Kaltmamsell mit mächtigem Teleobjektiv.

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Ich fand ein Bündel wunderhübscher Federn und schmückte meinen Hut damit. Auf Twitter erfuhr ich, dass das sehr wahrscheinlich Fasanenfedern sind. Überraschung.

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Regen. Und ein weiteres absurdes monument auf einem Hügel, dieses für einen General Sumerset.

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Pub food! Ich hatte als kleines Tagesgericht einen faggot mit gravy, Erbsen und Pommes, Herr Kaltmamsell Cottage Pie mit ähnlichem drumrum. Wir sind auf dem Foto beide bei unserem zweiten Getränk: Ich hatte nach einem Pint Ale (Dursley Donkey) lieber mal eine Cola (Urlaubsgetränk), Herr Kaltmamsell wagte sich nach einem Pint Cider an eines mit Ale – nachdem ich ihm versprochen hatte, dass er die nächsten Stunden betrunken würde hinter mir her stapfen können.

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Samma: Den Bärlauch machen die doch da zur Deko hin.

Journal Samstag, 14. Mai 2016 – München-Painswick

Sonntag, 15. Mai 2016

Gestern ging’s in den Wanderurlaub nach England (weiter unten komme ich zurück zur Menopause).

Der Vormittag war gefüllt mit Vorbereitung der Wohnung für meine Eltern, die unseren Urlaub wieder zu einem Münchenurlaub nutzen werden: Bettwäsche und Handtücher wechseln und waschen, Küche und Bad ein wenig putzen, Fahrräder mit Anweisungspapperln versehen, Briefkastenschlüssel bereit legen. Wir frühstückten noch, fuhren dann mit vielen anderen Kofferträgerinnen und Kofferträgern in der S-Bahn hinaus zum Flughafen, begleitet von Fußballfangesängen.

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Bye, bye Munich.

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Hello London.

Dann wurde es etwas kompliziert. Herr Kaltmamsell hatte perfekt durchgeplant, wie wir von London Heathrow nach Painswick in den Cotswolds kamen: Heathrow Express nach Paddington, Zug nach Swindon, umsteigen nach Stroud, Taxi für die letzten Kilometer nach Painswick – dort begann am Sonntag unsere fünftägige Wanderung entlang dem Cotswolds Way bis Bath.

Weil wir faul und total uncoole Reisende sind, hatten wir einen professionellen Anbieter mit der Organisation der Wanderung beauftragt: Unterkünfte waren bereits gebucht, Unterlagen mit Wegbeschreibungen und Karten hatten wir vor Wochen erhalten, unser Gepäck tragen wir beim Wandern nicht auf dem Rücken, sondern lassen es von Unterkunft zu Unterkunft fahren (für Letzteres führe ich hiermit die Ausrede an, dass wir nach dem Wandern noch ein paar Tage in Bath und dann eine Woche in Brighton verbringen werden – die Ausstattung dafür wollten wir wirklich nicht beim Wandern schleppen).

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In Painswick kamen wir gegen 20 Uhr an und stellten nur kurz unsere Koffer im B&B ab: Wenn wir noch Abendessen haben wollten, mussten wir uns sputen, denn die wenigen Lokale am Ort schlossen laut Infomaterial gegen 21 Uhr. Im Falcon Inn bekamen wir nicht nur einen Tisch (nach kurzem Warten, denn das Restaurant war an einem Samstagabend sehr gut besucht), sondern auch sehr herzlichen Service und zu essen.

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Ich gebe zu: Mein Türmchen (SO 2007) aus Frühkartoffel, Lachs und Spargel richtete ich als Erstes nebeneinander an, inklusive Hollandaise köstlich.

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Wir hatten an einer Tafel mit „Gin Menu“ einen heimischen Cotswolds Gin gesehen, den ließen wir uns als Dessert servieren.

Zurück im B&B (laut dem Landlord gebaut im 17. Jahrhundert) arrangierten wir uns mit dem en suite-Bad, das seinen Namen wirklich verdiente:

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Bitte achten Sie auch auf das beste Feature der sanitären Einrichtungen: EINE MISCHBATTERIE AM WASCHBECKEN!

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Vielen Dank für all ihre Berichte und Informationen zu den Wechseljahren – das hat mir schon jetzt sehr viel Einblick verschafft. Unter anderem wie unterschiedlich das Klimakterium verlaufen kann. Es gibt ja auch Menschen, die durch die Pubertät nahezu unbemerkt gleiten; ich hingegen habe unter großen Qualen pubertiert. Vielleicht habe ich dadurch bei der Menopause etwas gut?

Möglicherweise komme ich um die Hitzewellen herum – einfach, weil ich schon immer sehr stark geschwitzt habe. Wie bei meinem Vater beginnt bei mir der Schweiß bereits nach geringer körperlicher Betätigung zu rinnen, auch nachts schwitze ich seit Kinderzeiten oft sehr. Das hat sich in den vergangenen Jahren nicht geändert. Geändert hat sich allerdings, dass ich stinke. Seit etwa sechs Jahren bemerke ich an mir selbst unangenehmen Schweißgeruch, ob nach leichtem oder starkem Schwitzen. Ich habe mittlerweile im Büro und in mancher Handtasche Deos platziert, um dazwischen auf ein Klo gehen zu können, mir kurz die Achseln zu waschen und zu desodorieren. Verbinde ich vielleicht deshalb mit Frauen um die 50 besonders starke, schwere Parfums? Weil sie Ähnliches erleben und vorsichtshalber drüberduften?
Dass mir grundsätzlich wärmer wäre als früher, habe ich bislang nicht festgestellt.

Mit depressiven Schüben kämpfe ich seit meinen Endzwanzigern – auch da hoffe ich auf ausgleichende Gnade der Biologie. Die Schlafstörungen der vergangenen Jahre sind zwar nicht schlimm, doch für mich, die ich vorher immer problemlos in den Schlaf fliehen konnte, sehr ungewöhnlich. Das mag tatsächlich der Wechsel sein.

Vielen Dank auch auf den Hinweis zu einer Blutuntersuchung auf Hormone. Da meine Schilddrüse und auch alle anderen Blutwerte bei mir sensationell gut sind, sollte diese aussagekräftig sein.

Journal Sonntag/Montag, 8./9. Mai 2016 – Sommervorbereitungen

Dienstag, 10. Mai 2016

Sonntag war Häuslichkeit und Familie. Vormittags säuberte ich den Balkon und die Balkonmöbel vom Winterdreck, so richtig gründlich:
– steinerne Balkonbrüstung mit Bürste abschrubben, mehrfach
– Kachelblenden am Balkonboden abschrubben
– Boden mit viel Spülwasser abschrubben
– Boden dreimal mit klarem Wasser wischen
– Balkonmöbel mit Schwamm und Spülwasser reinigen

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Ich hätte auch ein Vorher-Foto machen sollen.

Nachmittags fuhr ich mit Herrn Kaltmamsell durch sonnendurchflutete Landschaft zur Schwiegerfamilie: Kaffee und Kuchen. Dazu gab es Erzählungen von deren Madeira-Urlaub.

Zurück zu Hause Bügeln mit Radiounterhaltung, ich war einer Empfehlung zum Hessischen Rundfunk gefolgt: „Stützstrümpfe für die Alte Tante – Wie kommt die SPD wieder auf die Beine?“ Sehr witzig und umfassend, leider auch ziemlich deprimierend.

Winterkleidung und -schuhe nehmen nur noch eine Umzugskiste ein, die ich abends in den Keller trug. Ich bin meinem Ziel der Kleiderreduzierung auf eine Schrankfüllung für alles wieder ein bisschen näher. Doch es wird wohl noch ein paar Jahre Neukaufverbot dauern, bis ich nicht mehr mit brutalem Quetschen schummeln muss.

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Auch am gestrigen Montag hielt das wunderbare Wetter, allerdings konnte ich es wegen Arbeitslast mehr als zehn Stunden nur von innen betrachten. Ich habe mir für die Woche vor dem Wandern Sportpause verordnet, vor allem will ich meine chronisch entzündeten Achillessehnen schonen. Das bedeutete unter anderem Fahrradfahren statt Marsch ins Büro.
Nachdem es am Tag vor meinem Urlaub vor zehn Tagen noch geschneit hatte, war ich am Tag nach meinem Urlaub mit Rock und nackten Beinen unterwegs.

Morgens hatte ich Pizzateig angesetzt, abends buk ich Pizza mit Champignons und Artischocken.

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Vor ein paar Wochen haben Herr Kaltmamsell und ich begonnen, auch Krähen auf unserem Balkon zu füttern, mit Erdnüssen in Schale. Die Hoffnung, dass sie dann nicht regelmäßig versuchen, den Meisenknödel aus seinem Netz zu holen, hat sich dadurch nur mittel erfüllt, doch wir können sie ein wenig beobachten. Zwar wusste ich schon vorher, wie schlau Krähen sind, aber auf dem Balkon zeigt sich das an überraschenden Details. Und sei es nur, dass sie uns durch die Fenster wahrnehmen, wenn wir im Wohnzimmer sind und dann dem Balkon fern bleiben. Die anderen Vögel können nicht weiter als bis zur Balkongrenze denken: Wenn wir dort nicht sind, existieren wir für sie nicht und können sie ausgiebig vom Wohnzimmer aus beobachten.

Diese Krähe (Dohle?) scheint es sogar zu schaffen, Menschen um Wasser aus einer Wasserflasche anzubetteln: „This wild Crow was so thirsty that it got the courage to ask humans for help. It knew where the water was.“

Journal Donnerstag, 5. Mai 2016 – WMDEDGT in Berlin

Freitag, 6. Mai 2016

(Was die Abkürzung im Titel bedeutet.)

Aufs Ausschlafen gefreut, aber schon vor sechs aufgewacht. Um halb sieben gab ich die Hoffnung auf, wieder einschlafen zu können.

Ich bin ja immer noch in Berlin zu Gast, also ist selbst der Start in den Tag ein anderer als daheim. Nämlich trank ich erst mal einen halben Liter Wasser, dann ging ich ins Bad zur Morgentoilette: Zähne bürsteln und seideln, Duschen mit Haarewaschen (braucht’s bei der derzeitigen Länge nur jeden zweiten Tag, wenn ich keinen Sport treibe, weil sich die Haare beim Schlafen kaum verlegen), eincremen, Haare föhnen, Augen schminken. Ich zog mich an, setzte Espresso auf, traute mich, den vollelektrifizierten Nespresso-MilchschäumerundHeizer der Gastgeberin auszuprobieren: Macht sehr, sehr viel Schaum, bis die Milch auch heiß ist.

Mit Milchkaffee und einem weiteren Glas Wasser setzte ich mich an mein Laptop, winselte Herrn Kaltmamsell per E-Mail mit einem kleinen Heimwehanfall an, bloggte gründlich, sah mir Meggie Smith bei Graham Norton an.

Gegen zehn Uhr tauchte meine Gastgeberin auf. Da mir sehr kalt war (ich saß im Mantel und mit zwei Paar Socken am Schreibtisch – ich werde doch nicht krank werden?), draußen aber die Sonne schien, verabschiedete ich mich bald zu einem Spaziergang in den Park. Ich marschierte zum Treptower Park, holte mir dort an der S-Bahn eine Käsesemmel und ein Streuselteil, setzte mich damit zum Frühstück in die Sonne am Sowjetischen Ehrenmal.

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Als Niederlassung zum Lesen wollte ich lieber in den Halbschatten. Ich fand eine perfekte Bank mit Rückenlehne am Karpfenteich – Bänke stehen in diesem Park erstaunlich wenige, man sitzt eher auf Beton oder auf Wiese.

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Ein paar Stunden las ich zu Discostampfbeschallung von irgendwo im Park Granta 135, hätte das auch gerne noch weiter getan, doch dann setzte sich eine alte Dame zu mir, die sich unterhalten wollte. Davor hatten sich hin und wieder schon auch Menschen auf die Bank gesetzt, doch mich angemessen ignoriert. Diese Dame lies nicht locker, immer wieder neue Fragen zu stellen, auch wenn ich mit Finger auf der Lesestelle aufblickte und nach freundlicher, knapper Antwort weiterlas. Da ich nicht unfreundlich werden wollte, mich diese konkrete Dame aber nicht genug für eine Unterhaltung interessierte (ich hatte gerade eine besonders reizvolle Geschichte angefangen), packte ich mein Zeug und brach auf („Ich wollte Sie jetzt aber nicht hier vertreiben!“).

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Das Wetter war weiterhin sensationell, die Sonne beschien die um die Wette blühenden Bäume, gleichzeitig ging ein angenehmer Wind. Ich meanderte mit weiten Umwegen zu meiner Unterkunft.

Die Stunden bis zur Abendverabredung verbrachte ich mit Internetlesen und -gucken, unter anderem holte ich den viel empfohlenen und wirklich empfehlenswerten re:publica-Vortrag von Kübra Gümüşay nach, „Organisierte Liebe“.

Zum Nachtmahl war ich im May am Ufer verabredet. Ich hatte einen höchst anregenden Abend mit herzlichem Service, wunderbarem Essen (Maischolle!) und köstlichen Getränken (der Galgantlikör und der Hollunderlikör der Preußischen Spirituosenmanufaktur kommen sowas von auf meine Wunschliste!).

Dummerweise stellte sich auf dem Heimweg heraus, dass das, was ich am frühen Abend für Brummschädel durch zu viel Sonne gehalten hatte, dann doch eine Migräne im Anflug gewesen war. Die sich jetzt mit Kraft auf mich stürzte. Mit einer Dosis Triptan in die Nase ging ich schnell ins Bett und wartete darauf, dass das Medikament endlich wirken möge.