Essen & Trinken

Journal Dienstag, 2. Dezember 2014 – “so’n Tier”

Mittwoch, 3. Dezember 2014

Nach dem morgendlichen Langhanteltraining vom Vorturner “so’n Tier” geheißen worden, als Begründung, warum er mich für die Kniehaltung bei den Liegestütz rügte: “Da is sie sonst so’n Tier, und dann macht’se Liegestütz in Schonhaltung.”
Habe ihm gestanden, dass ich wegen des eingeklemmten Nackennervs Angst habe, auf die Schnauze zu fliegen. Da nahm er seine Rüge zurück. Aber ich könne doch daheim ein bisschen üben?

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Bürotag.

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Spot the Christmas.

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(Selbstverständlich ist das ein gut getarntes Raumschiff, dass bei Bedarf aus seiner Halterung herausbricht und die Eingeweihten hinfort trägt. Wenn ich nur wüsste, wie ich mich um einen Platz bewerben könnte.)

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Aushäusiges Abendbrot mit einem Menschen aus dem Internet, danach noch ein Drink in einer rustikalen Hotelbar, die mich ein wenig daran erinnerte, wie wenig ich Skiurlaub vermisse (Skifahren selbst ist was anderes).

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Auf diesen Artikel wies mich der Mitbewohner hin. Ein englisches Paar tut, wovon ich seit Jahren träume: Sie klagen ihr Recht auf das britische Pendant zur eingetragenen Lebenspartnerschaft ein. Was ich nicht tun kann, weil ich halt schon verheiratet bin, und mich extra dafür scheiden zu lassen, fände ich albern.

“Couple launch legal challenge against ban on heterosexual civil partnerships
Rebecca Steinfeld and Charles Keidan launch judicial review after trying to hold ceremony at town hall and being turned away”

Meine Idee dahinter: Auf diesem Weg die wirkliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Ehen erreichen (um dann das gesamte herkömmliche Konzept Ehe neu zu verhandeln). Das britische Paar hingegen argumentiert anders, aber für mich gut nachvollziehbar:

They believe marriage represents a malign past. “We see ourselves as partners,” Steinfeld said, “and we are seeking a social institution that will express how we see each other. In terms of giving us legal rights and responsibilities, a civil partnership is almost identical to marriage.

“Our objection to marriage is partly to do with its history, a union in which women were exploited for their domestic and sexual services. There are still sexist trappings to weddings: there’s only space for the father to sign on the registry form.”

Keidan added: “It’s almost about the social expectations of marriage: the father giving away his daughter to the groom, hen and stag events, the virginal white dresses. That’s not the type of relationship we want.”

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“Colorandi causa” – Ich nehme hiermit jeder Juristin in meiner persönlichen Bekanntschaft übel, dass sie mir dieses so leicht einflechtbare Bröckerl Poser-Latein bislang vorenthalten haben.

Quelle:
Udo Vetter hat privaten Ärger mit der Polizei – “Gewisse Hybris”.

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Ich mache praktisch nie Hipsterwitze, weil sie zu einfach sind. Außerdem habe ich großen Respekt vor haltlosem Sich-zum-Hirschen-machen. Aber hierüber lachte ich dann doch:
“Selbst für HIPSTER gibt es Grenzen! 18 Fotos die zeigen, was deutlich ZU HIP ist!”

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Aus Anlass wies mich ein Twitterer auf diesen Kabarettausschnitt hin, eine höchste berechtigte kulinarische Ereiferung. Dass darin Hüschs “Bäcker von Beumelburg” zitiert werden, ist kein Zufall: Auch Hüsch konnte sich ja ähnlich kulinarisch ereifern, zum Beispiel in “Muscheln essen”.

via Felix M

Hier zum notfälligen Nachholen: Hanns Dieter Hüschs “Bäcker von Beumelburg” (eine schlanke Fassung, meine Aufnahme enthält deutlich mehr Erzählgirlanden, u.a. “Seht, da kommt Dietrich der Genscher!”).

Wenn Sie darauf achten wollen: Im Publikum neben Reinhard Mey unter anderem ein quietschjunger Günther Grünwald, der zu dieser Zeit vermutlich noch seinen Plattenladen in der Sauerstraße hatte.

Und um auch diese Lücke zu füllen: Hanns Dieter Hüsch, “Muscheln essen”, allerdings nur Ton (es kommen darin auch Burt Lancaster und die Medici vor).

Journal Samstag/Sonntag, 29./30. November 2014 – Internetgäste

Montag, 1. Dezember 2014

Samstagvormittag mein Fahrrad endlich zum Schrauber gebracht. Nachdem der Plan ja nicht geklappt hatte, es Donnerstag in der Mittagspause abzugeben, um es am Samstag wiederholen zu können (der Laden ist winzig und hat keinen Platz für Lagerung, besteht also auf umgehender Abholung), werde ich jetzt eine Lösung finden müssen, es am Dienstag abzuholen (Montag ist ebenfalls geschlossen).

Vorbereitung für die kleine Dinnerparty am Abend: Ein paar Leute aus dem Internet zu Gast.

Unter grauem Novemberhimmel gemütliche Einkäufe am Viktualienmarkt sowie in der Kaufhof-Feinkostabteilung, beim Bäcker und im Body Shop.

Daheim den Nachtisch zubereitet: Parmesan-Bavaroise mit Roségelee (das schönste Wort des abendlichen Menüs) aus Sebastian Dickhauts Ich koche. Die Reaktionen der Esser und Esserinnen waren durchwachsen. Wir kamen zum Schluss, dass sich das Gericht besser als herzhafte Vorspeise eignet: Also die Bavaroise ohne Zucker (die Vanille wiederum machte sich sehr gut zum Parmesan), das Roségelee kann bleiben.

Nachmittags um zwei mit dem Hauptgang begonnen: Astrids legendäre Ochsenbackerl in Portwein-Schokoladensoße. Nachdem sie beim ersten Versuch nicht ganz die gewünschte Zartheit erreicht hatten, legte ich anderthalb Stunden Garzeit drauf – genau richtig. Dazu gab’s frische Spätzle, die der Mitbewohner ins Wasser hobelte.

Als Vorspeise hatte ich mir eine bayerische Fischsuppe ausgedacht: Fisch- und Gemüsefond, ein paar getrocknete Steinpilze mitgekocht, darin Zanderstücke und Grießnockerl, darüber ein bissl Schnittlauch. Funktionierte gut.

Schöner Abend in ausgesprochen angenehmer Gesellschaft (drei davon Thomasse, hihihi). Ich sage Ihnen: Im Internet gibt’s großartige Leute.

Nachdem alle weg waren, ließ ich den Abend räumend und spülend ausklingen.

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Sonntag erst mal Brot gebacken: Der Mitbewohner wollte einem ebenfalls Brot backenden Kollegen ein Probierstück mitbringen, ich entschied mich für den gut haltbaren 7-Pfünder. Das Holen aus dem Ofen übergab ich dem Mitbewohner, um mit seinem Rentnerrad zum Schwimmen zu radeln.

Ganz schön anstrengend, so ein Rentnerradl mit tiefem Einstieg, der Sattel so nah am Lenker, dass ich meinen Po bis fast dahinter schob, um mich halbwegs wohl zu fühlen. Trotz der niedrigen Temperaturen kam ich reichlich ins Schwitzen. Um am Olympiabad hiervor zu stehen:

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Mein Gejammer auf Twitter ergab die Information, dass mir wohl Stefan Raab in die Quere gekommen war. Ich hatte nicht genug Energie und Lust, weiter ins Dantebad zu radeln, sonder fuhr heim.

Wasser um mich rum holte ich mir halt durch Vollbad in der Badewanne.

Das Brot war wunderbar geworden.

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Den Nachmittag mit dem Bloggen von Lieblingstweets und mit Bügeln verbracht.

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Mich letzthin mit jemandem aus ähnlich international zusammengewürfelter Familie wie meine darüber unterhalten, wie bescheuert wir das Wort “Migrationshintergrund” finden. ICH habe doch keinen Migrationshintergrund, mein bisheriges Leben spielte in einem Radius von 70 Kilometern. Mein Vater hat einen, der ist von Madrid nach Bayern ausgewandert. Aber Kollegin K. hatte einen, die musste sich als Oberhauserin in München zurecht finden.

Und dann höre ich von einem mir nahestehenden Lehrer, dass das Ausschlag gebende wohl ist, ob es im Elternhaus einen Deutsch Muttersprachler / eine Deutsch Muttersprachlerin gibt oder nicht. Dieses Kriterium wirke sich am deutlichsten auf die Bildungskarriere aus. Warum nehmen wir dann nicht dieses statt des blöden “Migrationshintergrunds”?

Das würde auch die Probleme der Kollegin mit ruhrpottischem Migrationshintergrund erklären: Ihre Eltern waren keine Deutsch Muttersprachler, sie sprachen Pott (u.a. völlig andere Grammatik).

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In unserer reichen Gesellschaft gibt es eine immer größere Gruppe Armer mit Arbeit: Das Dienstleistungsproletariat, Konsequenz einer menschenverachtenden Kostenoptimierung der Lehrbetriebswirtschaft. Die brandeins hat ein Interview dazu veröffentlicht:

“Die Unsichtbaren

Zwölf Prozent der Arbeitnehmer gehören in Deutschland zum sogenannten Dienstleistungsproletariat. Ein Gespräch mit dem Sozialwissenschaftler Philipp Staab über die Entwertung von Qualifikationen, fehlenden Berufsstolz und kleine Racheakte.”

Einfache Dienstleistungsarbeit steht unter hartem Rationalisierungsdruck. Wenn durch Technik rationalisiert wird, etwa durch Selbstzahlkassen bei Ikea oder durch Selbstbedienungsautomaten, wird Arbeit, die früher Beschäftigte verrichteten, auf Maschinen oder Kunden übertragen. Sie wird dadurch standardisiert. In einem Discount-Supermarkt oder bei Unternehmen wie H&M oder Zara gehört Kundenberatung beispielsweise nicht mehr zum Arbeitsprofil der Beschäftigten. Es reicht, wenn die Regale gefüllt und die Böden sauber sind. Die Leute brauchen keine Kenntnisse über Produkte, keine spezifischen Fähigkeiten mehr. Die einfachen Tätigkeiten, die übrig bleiben, werden universalisiert, jeder Mitarbeiter ist für alles zuständig: Ware aus dem Lager holen, einräumen, putzen. Standardisierung, Universalisierung und letztlich die Verdichtung von Arbeit sind wirkungsvolle Instrumente zur Rationalisierung einfacher Dienstleistungsarbeit.

(…)

Eine der besten Eingruppierungen für einfache Dienstleistungen im Supermarkt ist die der Kassiererin, laut Tarifvertrag eine qualifizierte Tätigkeit. Also versuchen Supermärkte, ihre Kassiersysteme so zu vereinfachen, dass sie jeder bedienen kann, und stellen keine Kassiererinnen mehr ein. Ein anderes Beispiel für Universalisierung und Verdichtung von Arbeit: Früher wurde in der Gebäudereinigung detailliert vereinbart, was genau die Reinigungskraft zu tun hatte. Heute bieten die Unternehmen dem Kunden, zum Beispiel einem Bürokomplex-Betreiber, pauschal an, für adäquate Sauberkeit zu sorgen – was das ist, liegt im Auge des Betrachters. Besondere Ansprüche muss die Reinigungskraft auffangen, etwa wenn die Räume besonders stark verschmutzt sind, ohne dass sie deshalb mehr Stunden bezahlt bekäme. Verantwortung wird nach unten durchgereicht. Weil Fensterreinigung tariflich höher eingestuft ist, sagt man, wir brauchen keine Fensterreiniger. Die Fenster werden nach Bedarf von den einfachen Reinigungskräften, die jetzt für alles zuständig sind, mit übernommen.

Jetzt verstehe ich auch die eigenartige Arbeitsweise der Reinigungskräfte in dem letzten Großraumbüro, in dem ich arbeitete: Mir war nie klar, was hier eigentlich gereinigt wurde. Ich unterhielt mich zwar immer wieder mit den Putzleuten, aber halt small talk, ich wollte sie ja nicht aushorchen.

Richtig gefährlich wird diese Entwertung der Reinigungstätigkeiten (und ich habe als Schülerin in Putzjobs noch beeindruckend kenntnisreiche Reinigungsfachkräfte kennengelernt) natürlich in Krankenhäusern.

Wäre es für viele Unternehmen nicht klüger, auf Kundenkontakt, Service sowie selbstbewusste und kompetente Mitarbeiter zu setzen?
Kunden, die sich in Boutiquen beraten lassen, akzeptieren höhere Preise. Aber das große Wachstum sehen wir bei Discount-Supermärkten oder Ketten wie H&M, die genau solche Rationalisierungsstrategien anwenden. Deren Kunden sind längst daran gewöhnt, nicht beraten zu werden.

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Der Advent hat begonnen, die Jahrezeit der Wohltätigkeit: Die, die haben, geben denen, die nicht haben – einfach herzerwärmend. Oder einfach nur wärmend.

Journal Freitag, 28. November 2014 – U-Bahn-Fahren mit Profis / O’zapft is

Samstag, 29. November 2014

Eine ganz kleine, helle Spinne, die während meiner morgendlichen Bloggerei mit Karacho über die oberste Reihe der Tastatur rannte, dann zum Tischrand, um sich von dort geschossartig auf den Boden abzuseilen. Wer ko, der ko.

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Wie ich es genieße, mit Profipassagieren U-Bahn zu fahren. Nach sehr Langem war ich mitten im Berufsverkehr unterwegs. Und wo zu anderen Uhrzeiten Grant, Schieben, Dummheit und Stolpern herrschen, lief kurz vor acht alles nach einer perfekten Choreographie.

Viele Menschen standen am Bahnsteig, die einfahrende U-Bahn war dicht besetzt. Als sich die Türen öffneten, bildete sich eine breite Gasse am Bahnsteig, aussteigende Passagiere kamen schnell und ungehindert voran. Hinter ihnen schloss sich die einsteigende Menge zu einem Strom, der selbstverständlich auf die freien Sitzplätze und in die Gänge floss – keiner und keine wurde zum Pfropf an den Türen. Als am nächsten Halt Sitzplätze frei wurden, rutschten die Nebensitzenden umgehend so nach, dass sie schnell nachbesetzt werden konnten.

An der Münchner Freiheit machte ich mich zum Aufstehen bereit; es genügt eine kleine Bewegung, und die Umstehenden rückten zur Seite – weiterhin vertieft in Buch, Smartphone, Zeitschrift. Ich konnte schnell und ungehindert aussteigen.

Auch die Rolltreppe war stark frequentiert; hier half das eherne Münchner Gesetz “rechts stehen, links gehen”.

Bereits zwei Stunden später waren nur noch Dilettanten unterwegs. Wenn sich die Türen öffneten, machten sie einen Schritt in die U-Bahn und blieben stehen – ein wirkungsvoller Pfropf. Eine Gangsteherin wollte aussteigen: Die Umstehenden versteinerten zu Kreidefelsen. Sie musste die Ellbogen ausfahren, um es raus zu schaffen.

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Ich hatte einen Termin zur Zahnreinigung. Da ich mich mit dem Personal dieser Praxis sehr gut verstehe (wir sind zusammen durch meine Zahnimplantierung gegangen), stehen Behandlung und Gespräch etwa im zeitlichen Verhältnis 1:1. Das führte auch an den Rand des Slapsticks. Mit der Zahnpflegerin tauschte ich mich als Erstes intensiv über unser beider Laufleidenschaft aus (sie hatte mich irgendwann in der Nähe ihrer Wohnung an der Isar laufen sehen und mich darauf angesprochen). Doch danach während der Behandlung fielen ihr immer wieder neue Aspekte und Fragen ein – für meine Antworten entfernte sie einfach kurz den Sauger.

Wie es anschließend mit der Zahnärztin weiterging, habe ich im Techniktagebuch aufgeschrieben.

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Zum Abendessen mit dem Mitbewohner auf den Christkindlmarkt am Sendlinger Tor gegangen (das Menü: Fränkische Bratwurst, Glühwein, Pommes mit Majo, Reiberdatschi mit Apfelmus, Jagertee). Auf dem gleichnamigen Platz standen immer noch ein halbes Dutzend Polizeibusse, darin Polizisten und Polizistinnen. Ich fragte mich, ob die sich nicht langweilen? Der Mitbewohner äußerte sich überzeugt, dass sie zum Zeitvertreib Bibi-Blocksberg-Kassetten dabei haben.

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Die Situation der neuen Küche: Sie piepst!
Fürs Techniktagebuch habe ich Details aufgeschrieben.

Journal Donnerstag, 27. November 2014 – Radlschrauberjagd

Freitag, 28. November 2014

Ein konsequent nebliger Tag. Jetzt ist aber wieder gut.

Stündchen auf dem Crosstrainer, Bürotag.

Mittags radelte ich zu meinem Radlschrauber, auf dass er nun bitte mein Radl winterfest mache (Achter aus Felgen entfernen, Gangschaltung checken) und die Vorderbremse repariere, der eines der beiden Seile gerissen ist. Da der Schrauberladen am Montag geschlossen ist, sonst um 10 und damit eine Stunde nach meinem Arbeitsbeginn öffnet, um 18 Uhr schließt, also zu meinem frühesten Arbeitsende, blieb mir nur die Mittagspause. Doch ich auch das klappte nicht: Von 13 bis 14 Uhr ist ebenfalls geschlossen. Ich werde nicht drumrum kommen, den Mitbewohner zu schicken.

Nach Feierabend in der Haustür des Bürohauses einem Bewohner mit Fahrrad begegnet. Angesichts der Plastikkiste auf seinem Gepäckständer gefragt: “Ernteanteil?” Als er bejahte: “Kartoffelkombinat?” Jawohl, er war ein Co-Genossenschaftler. Dem ich gleich mal erzählen konnte, dass ich eben einen Tweet gesehen hatte, laut dem gute Aussichten auf eine neue Gärtnerei bestehen.

Zum Nachtmahl Postelein und Kresse als Salat, Topinambur und Kartoffeln als sahniger Gratin, Lende und Rib-Eye-Steak aus der Pfanne – alles vom Mitbewohner zubereitet und sehr köstlich (das alte SZ-Magazin liegt noch rum, weil ich etwas daraus zitieren will).

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Max arbeitet in einer großen Firma. Die Firma hat zehn Abteilungen und sechs Dependancen in ganz Deutschland. Jede dieser zehn Abteilungen hat eine Abteilungsleiterin. Die Dependancen haben ebenfalls je eine Leiterin.

Frau Nessy spielt durch, was ich seit meiner Kindheit gerne mache: Gewohnte Szenarien mit vertauschten Geschlechtern.
“Max Mustermann wundert sich”.

(Kommentare besser meiden, dort haben sich die ewig gleichen Scheingegenargumenten eingenistet, u.a.: Frauen drücken sich vor harten Berufen / also in meiner Firma gibt es diese Ungerechtigkeit nicht.)

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Für UK hatte ich ja letzthin auf die Studie der London School of Economics and Political Science hingewiesen. Jetzt findet die Bertlesmann-Stiftung im Auftrag der Stiftung vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die Stiftung vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der der Bertelsmann-Stiftung dasselbe für Deutschland heraus:
“Zuwanderung entlastet deutschen Sozialstaat”.

Jeder Ausländer zahle pro Jahr durchschnittlich 3.300 Euro mehr Steuern und Sozialabgaben als er an staatlichen Leistungen erhalte. Das Plus pro Kopf sei in den vergangenen zehn Jahren um über die Hälfte gestiegen.

Die Rechnung sei dabei noch vorsichtig, heißt es in der Studie, da nur Menschen ohne deutschen Pass berücksichtigt wurden. Erfasse man auch Migranten mit deutscher Staatsangehörigkeit, so “würde der fiskalische Nutzen mit großer Wahrscheinlichkeit noch höher ausfallen, da dieser Personenkreis im Durchschnitt ökonomisch erfolgreicher ist als die Gruppe der Ausländer”.

Hier die Studie selbst als PDF.

Zwei Drittel der Deutschen sind laut einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung davon überzeugt, dass Zuwanderung nach Deutschland zulasten der Sozialsysteme erfolgt. Die Frage steht also im Raum: Sind Ausländer tatsächlich eine Belastung für den deutschen Sozialstaat?

Ein Blick auf die Fakten schafft hier Klarheit. Die vorliegende Studie von Holger Bonin vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) belegt, dass Ausländer den Sozialstaat entlasten, das heißt, sie tragen mehr zu den öffentlichen Haushalten bei, als sie von diesen in Form von Transferleistungen empfangen. Rechnet man alle Sozialtransfers inklusive der Ausgaben für Bildung und Bildungsförderung, die die 6,6 Mio. in Deutschland lebenden Ausländerinnen und Ausländer 2012 erhalten haben, gegen die Steuern und Abgaben, die diese Gruppe im gleichen Jahr dem Staat überwiesen hat, bleibt dem Staat ein Nettogewinn von 3.300 Euro pro Kopf. 22 Mrd. Euro haben Ausländer im Jahr 2012 insgesamt beigetragen; Deutschland profitiert finanziell also beachtlich von seiner ausländischen Wohnbevölkerung.

(…)

Geht diese positive Rechnung ebenfalls auf, wenn man berücksichtigt, dass die bei uns lebenden Ausländer älter werden und damit künftig mehr Sozialtransfers in Anspruch nehmen sowie weniger Steuern und Beiträge zahlen werden? Um diese Frage zu beantworten, hat das ZEW Generationenbilanzen berechnet, die für jeden Geburtsjahrgang die bei unveränderten wirtschaftlichen und fiskalpolitischen Rahmenbedingungen noch bis an das Lebensende anfallenden Steuern, Beiträge und Transfers aufaddieren.
Im Ergebnis bleibt für die 2012 in Deutschland lebenden Ausländer das Bild auch bei dieser vorausschauenden Generationenrechnung positiv. Durchschnittlich werden sie in ihrem Leben pro Kopf 22.300 Euro mehr an den Staat überweisen, als sie an Transfers von diesem erhalten. In Summe wird der Sozialstaat demnach in einer Größenordnung von 147,9 Mrd. Euro von den hier bereits lebenden Ausländern profitieren.

Damit die Regierungsparteien der letzten Jahre nicht auf die Idee kommen, das als ihren Erfolg zu verbuchen:

Doch es wäre falsch, diese Momentaufnahme als Ergebnis einer rechtlich und kulturell klug gestalteten und konzeptionell langfristig ausgerichteten deutschen Migrationspolitik zu interpretieren. Vielmehr profitieren wir momentan von den ökonomischen Krisen anderer, vor allem südeuropäischer Industrieländer. Wenn Deutschland aber dauerhaft ein begehrtes Zielland für qualifizierte Einwanderer werden will, muss es auch für Fachkräfte aus Drittstaaten attraktiv werden und dafür seine gesamte Migrationsarchitektur konzeptionell neu überdenken.

(…)

Eine moderne Migrationspolitik muss Zuwanderer gewinnen, hier halten und zu selbstbestimmten Mitbürgern machen – unabhängig davon, ob sie als Hochqualifizierte, Familiennachzügler oder Flüchtlinge ins Land kommen.

Amen.

Journal Sonntag, 24. November 2014 – Nebellauf

Montag, 24. November 2014

Wieder genüsslich ausgeschlafen und munter erwacht.

Nach einem Samstag in glorioser Sonne legte sich München gestern in Nebel – sehr ungewöhnlich. Und weil das so ungewöhnlich ist, hatte ich umso mehr Lust auf einen Lauf an der Isar, und zwar Thalkirchen-Pullach und zurück.

Eines der merkwürdigeren Beimchen im deutschen Schilderwald.

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Frühstück um drei Uhr nachmittags war dann Hühnereintopf.

Zweite Runde Stollen gebacken. (Kitty Koma hat sehr schöne Familiengeschichten zum Stollenbacken.)
Der neuen Küche hinterher geräumt. Ein bissl braucht’s noch. Zumindest habe ich mir von meiner Mutter schon ein paar Deko-Ideen geholt.

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Dass ich auch in düsterster Stimmung auf Schönheit anspringe (vor allem visuell und gustatorisch), kommt mir vor wie der Atemreflex meines Gemüts: Da mag ein Teil verzweifelt die Luft anhalten, um einfach bloß nicht sein zu müssen – ein anderer Teil zieht immer wieder und genauso verzweifelt die Reißleine.
(Nicht wegen aktuell, fühle mich gerade Durchschnitt.)

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Sie als Menschen mit einem normalen Verhältnis zu Kindern werden das nicht merken, aber: Sie tendieren dazu, Kinder nicht als Personen zu zählen. Wenn Sie von jemandem sagen: “Der müsste ja sonst allein dahin kommen”, kann “allein” durchaus bedeuten, dass er seine beiden Kinder dabei hat.

Ich werde mir heute eine Zugfahrkarte nach Italien besorgen. (Und künftig dieses “allein” bei Menschen mit Kindern vorsichtshalber immer genauer definieren lassen.)

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“Two Ideas of Israel-Palestine”. – beide überspitzt und zugespitzt, dennoch repräsentativ. Man kann kaum besser darstellen, warum die Lage im Nahen Osten so hoffnungslos ist.

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Frau Mutti hatte die Handwerker am Dach und an der Fassade. Großräumig. Auf rheinhessisch. Im Gärtnerinnenblog sind die dokumentierenden Tweets zusammengefasst:
“Eine Handwerker-Soap in 5 Akten – Akt 1: ‘Tach! Mir wolle des Gerüst Uffbaue!'”
Alla.

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Gestern raketete (doch, das ist ein Wort) Sam Cristoforetti zur ISS. Vielleicht mögen Sie ihr auf Twitter folgen: @AstroSamantha

Interessante Details zum Alltag in Schwerelosigkeit hier:
“An astronaut reveals what life in space is really like”.

Was ich mich allerdings fragte: Wie menstruieren Astronautinnen in Schwerelosigkeit?
Falls Sie das ebenfalls wissen wollen, hier ist die Antwort:
“How do female astronauts menstruate in space?”

Journal Samstag, 22. November 2014 – Hihnebriehe

Sonntag, 23. November 2014

Nach wohligem Ausschlafen den ersten Teil der dieswöchigen StepStone-Ernte bearbeitet.

Auf dem Klenzemarkt ein Suppenhuhn besorgt. Während des 20-minütigen Anstehens am Fleischwagen genug Zeit gehabt, mir über die neumodischen Gereiztheiten in Zeiten industriellen Effizienzwahns Gedanken zu machen: Ob die einkaufende Köchin auch vor 100 Jahren schon genervt war, wenn die Kundin drei vor ihr erst in dem Moment ihre Einkaufswünsche bedenkt, in dem sie an der Reihe ist? Statt während des langen Anstehens ihre Order optimal vorzubereiten? Andererseits hätte vor 100 Jahren wohl nicht eine einzelne Verkäuferin den gesamten Samstagsansturm bewältigen müssen. Oder?

Erstbesuch in der neuen Basitschfiliale in der Müllerstraße, die ich viele Jahre lang habe entstehen sehen. Sehr originelle Regalaufteilung, die ich erst noch werde lernen müssen.

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Hihnebriehe aufgesetzt. Das Stollenbacken zwei Stunden verschoben, um im wundervollen Sonnenschein auf dem Wohnzimmersessel Freitagszeitung hinterherzulesen. Als die Sonne kurz nach vier hinter den umliegenden Häuserdächern verschwand, Stollen gebacken. Dabei reichlich fotografiert, um mein Stollenrezept als Bildergeschichte nachzuerzählen.

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Zum Abendessen Hühnereintopf.

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“Men try sex toys for the first time” – keine Angst, völlig SFW (safe for work), und sehr lustig.
(Auf keinen Fall die Kommentare lesen.)

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Süßes Tierbild des Tages:
“one of these is not like the otters.”
(Wie zum Teufel mag es dazu gekommen sein? Und wie ging es weiter? Oder dann doch einfach einkopiert?)

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“Warum manche Leute lieber Ampelfrauen wollen”.

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Aus der Harvard Business Review:
“Rethink What You ‘Know’ About High-Achieving Women”.

The 50th anniversary of the admission of women to Harvard Business School’s MBA program inspired us to find out—specifically, to learn what HBS graduates had to say about work and family and how their experiences, attitudes, and decisions might shed light on prevailing controversies.

We trained our analytical lens on these graduates for two reasons. First, attending a top-tier business school is a reasonable indication of high levels of achievement, talent, ambition, and promise, and by looking at men and women who graduated from the same school, we had a level playing field for gender comparisons. Second, HBS graduates are trained to assume leadership positions, so their attitudes and experiences—interesting in their own right—shape the policies, practices, and unwritten rules of their organizations.

Die Daten weisen deutlich darauf hin, dass die beliebte Erklärung für den geringen Frauenanteil in Machtpositionen, Frauen würden sich bewusst dagegen entscheiden (“opting out“), haltlos ist.

Journal Freitag, 21. November 2014 – Rezeptpoetik

Samstag, 22. November 2014

Den Abend damit verbracht, nach einer Unterkunft in Rom zu suchen: Mitte Dezember heiratet eine italienische Kusine in der Nähe von San Marino, ich fahre mit meinen Eltern hin und bleibe anschließend noch eine Woche in Rom. Apartment in Trastevere gebucht.

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Eine schöne Liste von Jochen Schmidt, was für ihn nach 1989 neu war:
“Was habe ich nach der Wende lernen müssen?”

Für Westgeld bekam man nicht nur Schallplatten, Aufkleber und Luftschokolade, sondern man benutzte es auch, um Milch, Butter und Zwiebeln zu kaufen, dabei hätte man dafür ja auch weiterhin Ostgeld verwenden können.

Gibt es irgendwo eine Liste einer Westdeutschen, was sie nach der Wende lernen musste? Und was sagt es uns, dass nicht?

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Eine hoch löbliche Anleitung von Sabine Schlimm zum Rezepteschreiben:
“Rezepte schreiben: Eine Anleitung in 10 Geboten”.

Vieles davon ist natürlich persönlicher Gewichtung geschuldet.
Ich gebe zum Beispiel nie die Portionszahl an, weil das zum Subjektivsten überhaupt zu gehören scheint: Mit dem Mitbewohner verzehre ich fast immer zu zweit Mahlzeiten, die im Rezept für vier Personen angegeben sind.
Vielleicht sollte ich das in Zukunft einfach genau so subjektiv machen: “Eine Mahlzeit für Mitbewohner und mich”, “Zwei Portionen plus Reste für Brotzeit” – aber ob das einer Leserin hilft?

Auch Zubereitungszeit scheint mir schwer festzulegen: Die Zeiten, die ich in offiziellen Rezepten finde, stimmen nie mit meinen überein. Ich brauche immer länger, bis zum Doppelten der angegebenen Zeit – und halte mich nicht für sehr langsam.

Mein Ideal ist die Gestaltung, die ich im legendären Plätzchenbackbuch von Olli Leeb kennenlernte. Schon der 15-jährigen Kaltmamsell fiel auf, wie anders als andere Rezepte diese aussahen – da hatte sich offensichtlich jemand gründlich Gedanken gemacht (brauchte dafür allerdings ein fast quadratisches Format):

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Allein durch den Satzspiegel braucht es keine Doppelung von Zutatenliste und Zutatennennung bei der Verarbeitung. Zudem wird der Irrtum vermieden, eine Zutat ganz zu verwenden (z.B. Butter), die in Wirklichkeit für zwei verschiedene Arbeitsschritte nötig ist (z.B. Einrühren und Anbraten).

Lediglich das nützliche Sternchen für “braucht Vorbereitungszeit” habe ich nicht übernommen – und muss immer wieder kurzfristig umplanen, weil ich für die geplante Mahlzeit bereits vor Stunden oder gar am Vortag etwas einlegen / marinieren / einweichen hätte müssen. Sollte ich einführen.

Was ich hingegen sehr gerne mache und für eine bezaubernde Freiheit von Blogrezepten halte: Unerwartetes betonen. Das habe ich bei Katharina Seiser gelernt, die “kein Knoblauch” in ihr Caponata-Rezept schrieb, oder warnte “(nicht schrecken, teig ist weich!)”.

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Und nun noch etwas Musik zum Wochenende.

Wurde gestern in einer Twitterunterhaltung zitiert, und ich stellte fest, dass ich es noch komplett auswendig kann (intensive Erinnerung an meine damalige Freundin Gisi, die nicht nur die Rodgau Monotones, sondern auch Die Erste Allgemeine Verunsicherung sowie Qualtinger und Hüsch für alle Lebenslagen parat hatte):

Abgefahrenes Halligalli via @fraudiener – auch in den 60ern gab es bereits Bollywood.