Essen & Trinken

Journal Mittwoch, 3. Juni 2026 – Ende der Drei-Tage-Arbeitswoche mit Regen

Donnerstag, 4. Juni 2026

Ein Mittwoch mit Aussicht auf langes Wochenende, also ein Freitag ehrenhalber – ich wurde in Unwilligkeit geweckt und freute mich auf die Aussicht Ausschlafen am Folgetag.

Das Draußen stimmte jetzt mit der Vorhersage überein: Es war sehr kühl, und der gemischt dunkelgraue Himmel machte die angekündigten Regenschauer wahrscheinlich. In die Arbeit kam ich fast trocken, erst auf den letzten 50 Metern erwischten mich Tropfen.

Sehr emsiges, aber geordnetes Losarbeiten – bis ein Querschuss mich in Hektik versetzte. Scharfsinn, Festbeißen und freigebige Kolleginnenhilfe führten unerwartet zügig zu einer Lösung: tiefe Erleichterung, zu oft brauche ich sowas echt nicht.

Marsch zu Mittagscappuccino in einer Regenpause – fast: Auf dem Hinweg bewarf mich der Himmel mit einigen dicken Regentropfen, auf dem Rückweg wurde ich kurz angesprüht.

Eher spätes Mittagessen: Apfel, Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot – von mehreren Querschüssen unterbrochen, zum Glück erst, als ich schon beim Skyr war, der sich schnell runterschlucken ließ, um ans Telefon zu gehen (ja, ich habe einen Job mit Telefonieren – und mich mittlerweile daran gewöhnt). Der Arbeitsnachmittag zog sich unangenehm.

Eher früher Heimweg, auf dem ich zunächst einen Regenschirm benötigte. Erstmal machte ich an der Änderungsschneiderei Halt: Man hatte einen Weg gefunden, den zu engen neuen Rock passend zu machen.

Ganz wunderbar, jetzt kann ich ihn endlich tragen – den jetzt besonders teuren Rock, der mich hoffentlich lehrt, im Zweifel immer eine Nummer größer zu bestellen (nein: gleich eine Auswahl an Größen zu bestellen und immer eine Rücksendung zu verursachen, ist für mich aus Umstands- und Umweltgründen keine Option).

Dann Einkauf im Weinladen (wieder eine Empfehlung eingefangen und umgesetzt – aber wenn sie doch bislang immer so super waren!) und in der Balkanbäckerei. Jetzt war die Regenphase wirklich vorbei, ich steckte den Schirm ein.

Daheim Yoga-Turnen, dann machte ich mich an die Zubereitung des Abendessens zur Feier des langen Wochenendes. Herr Kaltmamsell reichte als Aperitif Pimm’s an, dessen Existenz wir vorübergehend vergessen hatten, während ich zwei große Crowdfarming-Artischocken fürs Kochen zurichtete, Knoblauch-Majo anrichtete, Ernteanteil-Salat wusch, für den zweiten Gang damit ein Orangen-Haselnussmusdressing rührte.

Zur Artischocke öffnete ich unsere letzte Flasche Pouilly Fumé Elisa Jonathan Didier Pabiot 2022 – der mit seiner Mineralizität und Unblumigkeit ganz hervorragend zu den legendär schwer zu kombinierenden Artischocken passte. Auch der Salat schmeckte gut. Ich schaffte sogar noch Schokolade zum Nachtisch, war dann aber überfressen.

Ins Bett mit großer Freude auf Feiertag und Ausschlafen.

Journal Freitag, 29. Mai 2026 – Brieferinnerungen

Samstag, 30. Mai 2026

Guter Nachtschlaf, ich hätte gern mehr gehabt als bis Weckerklingeln.

Aus den in der ganzen Wohnung geöffneten Fenstern kam es bei wolkenlosem Himmel sehr kühl herein, zu kühl für Balkonkaffee. (Die Nächte mit niedrigen Temperaturen begrüße ich sehr, so können wir die Wohnung angenehm temperieren.)

Sommer-Theresienwiese mit Morgenschatten und Infrastruktur-Bauarbeiten fürs Oktoberfest.

Geordnetes Losarbeiten, erst kurz vor meinem Mittagscappuccino wurde es von mehreren Seiten komplex. Zu dem marschierte ich ins Westend.

Mittägliche Brotzeit: Plattpfirsiche, Aprikosen und Buttermilch – Sommer ist, wenn ich überhaupt auf die Idee komme, Buttermilch zu trinken und sie mir dann auch noch hervorragend schmeckt. (Neben Quark die zweite Speise, die ich aus den bösen Assoziationen meiner Diät-Kindheit befreien konnte und heute genieße. Knäckebrot hingegen mag ich einfach wirklich nicht.)

Am Nachmittag noch einiges weggeschafft, während es von draußen dann doch so warm hereinkam, dass ich das gekippte Bürofenster wieder schloss.

Nun aber endlich: Feierabend, Wochenende. Auf dem gemütlichen Heimweg noch Einkäufe beim Vollcorner, daheim schob ich in mein Yoga-Programm eine Folge Pilates, ich hatte das Bedürfnis nach etwas Sportlichem – wobei sich derzeit diese Art Pilates für “sportlich” am besten anfühlt, keine Sehnsucht nach Muskelausreizen und Schwitzen, lieber was Leichteres, dafür täglich.

Nächstes großes Bedürfnis: Alkohol. Schon seit Tagen freute ich mich auf Aperol Spritz.

Anstrengende Selbstauslöser-Akrobatik, dann halt ein extra-geselltes Foto (immer noch echter als KI-Kitsch).
Mein Glas war nach nicht mal 15 Minuten leer, ich genoss die Wirkung enorm.

Zum Nachtmahl erfüllte mir Herr Kaltmamsell den Wunsch nach Glasnudelsalat mit Shrimps, Sojahack und frischen asiatischen Kräutern, ein weiterer Genuss.

Zum Nachtisch hatte er Eton Mess vorbereitet, endlich kam ein Teil der eingefrorenen Eiweiße weg. Dann noch Schokolade.

Endlich dachte ich mal wieder daran, in der Dämmerung nach Fledermäusen Ausschau zu halten: Ich sah reichlich und freute mich daran.

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Aktuelle Botanik nach Flora Incognita:

In der Anglerstraße wuchs an einem Verkehrsschild die Knäuel-Glockenblume; ähnlich wie bei vielen anderen auffallenden Blümchen im Rinnstein und in sonstigen Weges-Ritzen der Anglerstraße halte ich sie für einen Gefangenschaftsflüchtling aus den darüberliegenden Balkonen.

Der Anblick des Natternkopfs ist mir vertraut, wächst viel in der Stadt; jetzt weiß ich auch, wie er heißt.

§

Maximilian Buddenbohm erinnert ans Briefeschreiben:
“Anmerkungen zum Briefzeitalter”.

Und tritt damit eine Erinnterungsflut los: Ich war viele Jahre lang eine rege Briefeschreiberin. (Und gehörte schon damals zu einer leicht exzentrischen Randgruppe.) (Wie später als Bloggerin.)

Bereits Briefe, vermute ich nachträglich, waren für mich wie später Blogs ein Blick in die Welt anderer Menschen. So begann mein Briefeschreiben auch Generations-typisch im frühen Teenager-Alter mit zwei Brieffreundschaften über Kontaktanzeigen in der Jugendzeitschrift Stafette (DIE GIBT’S NOCH!), eine mit einem Buben in Ägypten (auf Englisch?), eine mit einem Mädchen in der DDR, ähnlicher Grad der Exotik. Das war aber erstmal die Sorte Austausch, bei der praktisch jeder Brief mit der Entschuldigung fürs lange Nichtschreiben begann.

Richtig los ging’s nach dem Abitur, als meine Freundin Veronika für ein Jahr nach England zog, als Au-pair nach Manchester. Sie bastelte die Briefumgschläge meist selbst aus Hochglanzseiten der dortigen Modemagazine. Ich erinnere mich auch an den regen Briefwechsel mit der ersten großen Liebe. Und dann zu Studienzeiten mit den Freundinnen an anderen Studienorten, am intensivsten war der Briefverkehr zwischen meinem Wohnort Augsburg und Regensburg. Hätten wir nicht auch telefonieren können? Taten wir schon auch (wobei Telefonieren teuer war), doch das Schreiben, das Briefeschreiben war einfach eine eigene Kommunikationsform. Oft lagen andere Papiere bei, Zeitungsauschnitte zum Beispiel.

Finanzielle Vorteile standen sicher im Vordergrund, wenn ein Freund, eine Freundin zum Auslandsstudienjahr weit weg war: Wir hielten Kontakt mit Briefen, wussten ganz genau, wie viele Seiten welchen Papiers innerhalb der günstigsten Portoklasse lagen. Ohne dieses Kriterium war die Wahl des Briefpapiers immer eine eigene Überlegung, ich müsste jetzt noch Bestände von damals haben.

Aber das dauerte! Mit meinem Uni-Freund Frank in Augsburg eröffnete ich während meines Studienjahrs in Wales (1991/92) eine zweite Brieflinie, denn jeder Brief brauchte eine Woche in eine Richtung, und nur alle zwei Wochen etwas von ihm lesen zu bekommen, war mir zu wenig. Es entstand eine eigene literarische Form, denn die beiden Linien trennten wir sauber inhaltlich. Wahrscheinlich schrieb ich in diesem Auslandsjahr wöchentlich vier bis fünf Briefe, auch den Kontakt zu meiner Familie hielt ich ja brieflich. Später mit Herrn Kaltmamsell: Wenn wir nicht am selben Ort wohnten (Reisen, Ferienjobs), schrieben wir einander Briefe.

Ich kann mir vorstellen, dass ich meine Fertigkeiten im schriftlichen Ausdruck mindestens so viel durch Briefeschreiben erworben habe wie durchs journalistische Schreiben – zumal ich unter anderem mit Sprachkünstler*innen korrespondierte, von denen ich lernte. Zu Weihnachten 1992 ließ ich mir eine eigene Kiste für erhaltene Briefe schenken (Foto hier rechts oben). Erst vor wenigen Jahren sortierte ich diese gesammelten Briefe (ungelesen) und lagerte sie gebündelt im Keller ab.

So war die neue Technik E-Mail, die ich gleich bei meiner Rückkehr nach Deutschland 1992 entdeckte (Mail-Programm auf Floppy Disk, mit der ich für jedes Senden und Empfangen an die Internetrechner drüben an der Augsburger Mathe-Fakultät ging), hochwillkommen: Damit kamen Briefe SOFORT an! In den ersten Jahren druckte ich noch alle aus und legte sie ab, Briefe waren richtig nur auf Papier.

Sicher bin ich, dass ich mein jüngstes Briefpapier im Mai 2012 in Venedig gekauft habe. Wann ich den letzten handschriftlichen Brief verfasste, weiß ich nicht; wahrscheinlich ist das länger als die Buddenbohm’schen 20 Jahre her.

In meinem Keller steht eine eigene, gut verklebebandelte Kiste mit Liebesbriefen.

Journal Donnerstag, 28. Mai 2026 – Lerchenlauf mit Hausmeistergefühlen

Freitag, 29. Mai 2026

Wecker auf sehr früh, weil ich eine Laufrunde vor der Arbeit plante. Bis dreiviertel vier schlief ich auch gut, nach Fensterschließen wegen Gaudi im Park aber nicht mehr wieder ein: Mich überschwemmte eine Angstwelle nach der nächsten, inklusive donnerndem Herzschlag, keine meiner sonstigen Ablenkungen funktionierte (Happy Place, aufmerksamer Gedankenrundgang durch frühere Wohnungen). Dann war das halt so, mir fielen sogar ein paar Arbeitsideen ein, ich wartete auf den Wecker um 5:15 Uhr.

Es hatte über Nacht abgekühlt, die Luft war herrlich, die Sonne beschien sommerbunte Farben, der Körper spielte gut mit – aber müde war ich halt schon.

Meine innere Hausmeisterin hatte den starken Drang, ein Schul-gestaltetes Arbeitsblatt in dieses Zelt zu schieben:

1. Skizziere die Struktur des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Flaucher.
2. Erkläre die Herkunft des Bezeichnung “Flaucher” und die historische Entwicklung des Gebiets.
3. Was sind deiner Ansicht nach die Gründe für das Zeltverbot hier?
4. Welches sind die wahrscheinlichsten Auswirkungen deiner Missachtung dieses Verbots?

(Wer spicken möchte, hier der ausführliche Wikipedia-Eintrag.)

Besonders schön sah in diesem Licht der Alte Südfriedhof aus.

Zackige Körpflege mit Ausprobieren geschenktes Bodyshop-Duschgel (so viele Jahre Seife statt Duschgel verwendet, dass ich das Gefühl für die adäquate Menge verloren hatte – ich bekam mich nur mit Unmengen Wasser entgelt), Beschleunigung des Arbeitswegs mit zwei Stationen U-Bahn.

Geordneter Arbeitsvormittag, ich setzte die Ideen aus der Nacht in E-Mails um.

Mittags spazierte ich auf den Markt und kaufte Käse (mein idealer Sommertag mit milder Temperatur Mitte 20, Sonne, frischer Brise), Mittagscappuccino in der Cafeteria.
Späteres Mittagessen: Plattpfirsiche, Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Am Nachmittag bekam ich manche Komplikationen überraschend schnell gelöst, andere entfalteten ihre tatsächliche Kompliziertheit erst durch meine Nachfragen. Aber nichts scheiterte wirklich.
An einer Geselligkeit teilgenommen, aber zurück an den Schreibtisch verschwunden, bevor mein Unbehagen in Peinlichkeiten umschlug.

Direkter Heimweg in einem weiterhin perfekten Sommertag, ich spürte die Sonne gern auf der Haut. Aber die Belastung durch Arbeitsthemen wollte einfach nicht verfliegen, ich war sehr bedrückt.

Daheim setzte ich zum vierten Mal das Epiliergerät ein, spätestens jetzt hat es sich amortisiert.

Herr Kaltmamsell hatte den Ernteanteil geholt, er enthielt einen herrlichen Kopf Salat aus dem Freiland – die Blätter waren stabil genug für das Tahini-Dressing, mit dem ich ihn zum Abendessen anmachte, wachsweiche Eier dazu. Zweiter Gang reichlich Käse vom Markt. Nachtisch erstmal Erdbeeren, dann Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Der Erfinder der baskischen tarta de queso, Santiago Rivera, Wirt von La Viña in San Sebastián, geht in Rente und erzählt, wie alles begann und warum sein Käsekuchen solch ein Erfolg wurde. Wie immer bei kulinarischer Geschichte spielt der historische politische Hintergrund eine große Rolle.
“He Invented the Basque Cheesecake. He Prefers Chocolate.”

via @joel.lu
(Hier die spanische Version des Artikels.)

Nearly 40 years ago, Mr. Rivera, then a young and floppy-haired barman, used his days off to experiment with recipes, including for a version of a New York-style cheesecake.

In his tests, he stripped the cheesecake of its bottom crust to save time and counter-space in a tiny kitchen, and cooked it at a higher temperature to give it a scorched, caramel-colored top. His father, despite losing his sight, nevertheless observed the satisfaction his son’s concoction brought to customers.

“‘Santi, don’t ever stop making this cheesecake,’” Mr. Rivera recalled his father telling him.

In the ensuing years, a dessert that had no roots in Spain’s northern Basque Country somehow became one of the region’s culinary calling cards. Similar cheesecakes started appearing on counters around the city and would-be usurpers now make versions topped with candy bars.

Endlich sagt’s mal jemand: Käsekuchen ist eigentlich extrem unspanisch. Es gibt traditionell nichts Vergleichbares in der spanischen Küche, die an Milchprodukten nur Milch und Käse verwendet (in der Patisserie halt Sahne). Macht ja nichts.

The domestic terrorism that had long marred Spain’s Basque Country abated. San Sebastián — with its pintxo bars and spectacular seaside — became a magnet for foodies and foreign chefs. Mr. Rivera said the mix of tourism, marketing and universally available ingredients — supermarket cream cheese, eggs, sugar, some flour — led the cheesecake’s reputation to spread across borders and cultures.

Mittlerweile produziert eine eigene Bäckerei täglich 500 original La Viña-Käsekuchen.

Journal Freitag, 22. Mai 2026 – Start Freibadsaison, Start Balkonabendessen

Samstag, 23. Mai 2026

Letzter eigentlicher Urlaubstag (aber vor langem Pfingstwochenende), dennoch mit Weckerwecken, denn ich wollte Herrn Kaltmamsell endlich wieder vor seiner Arbeit Milchkaffee servieren. Und mir von ihm den Rücken fürs Schwimmen im Dantebad eincremen lassen, win win.

Nachricht von der Deutschen Bahn über Rückzahlung wegen 65 Minuten Verspätung: 7,15 Euro – damit ist fast die Brotzeit auf der Rückreise drin.

Als ich, bereits aufbruchfertig, im angekündigten strahlenden Sonnenschein Altglas zur Tonne brachte, grüßte ich einen Bauarbeiter, der wohl zur Baustelle im Hinterhaus gehörte (wo eine Wohnung anscheinend komplett entkernt wird, der Dauer der Arbeiten und dem Bauschutt in den Containern nach zu schließen), bekam eine launige Antwort. Als wir uns bei meinem tatsächlichen Aufbruch gleich nochmal begegneten, fragt er, ob ich neu eingezogen sei, er habe mich ja noch nie gesehen. Ich lachte und erklärte, dass ich Urlaub hätte und sonst halt während seiner Arbeitszeit auf der Baustelle selbst in der Arbeit sei.

Radeln zum Dantebad in der Sonne begann erstmal schön mit einmal kurz Robinienduft, doch schon bald schlug der Werktagsverkehr zu: Ich war noch nicht mal 500 Meter unterwegs, als ich wegen eines LALÜs direkt neben mir und zwei Straßenzüge lang abspringen musste, um mir die Ohren zuzuhalten. Nach weiteren 300 Metern Vollbremsung, weil eine telefonierende Frau mit gefülltem Kinderwagen auf den Radweg scherte. An Ampelkreuzung 3 und 5 weitere Vollbremsungen, um nicht von einem rechtsabbiegenden Auto / Lieferwagen vom Radl geholt zu werden. Da war ich dann bereits durch mit den Nerven, Teilnahme am Münchner Straßenverkehr auf dem Rad künftig wieder nur an Sonn- und Feiertagen.

ABER! Im Dantebad war es herrlich. Wie erwartet wenig los, das 50-Meter Becken wenig frequentiert, ich schwamm gut mit nur leisester Ahnung, dass Waden- und Fußkrämpfe im Bereich des Möglichen lagen. Dennoch widerstand ich der Versuchung, auf die 3.000 Meter weitere draufzulegen (auch weil ich in den nächsten drei Tagen mehr Bewegung plane).

Aus den anfangs angezeigten 20 Grad Lufttemperatur waren am Ende meiner Schwimmrunde 23 geworden, ideal für ein kleines Sonnenbad nach nochmaligem Eincremen.

Dabei hörte ich Musik: Meine Berliner Freundin aus der Musikbranche hatte mir Links zu zweien ihrer Spotify-Playlists geschickt – und mir dadurch einen ganz speziellen Zugang zu neuer Musik verschafft. Das wird ein herrlicher Musik-Sommer! Im Hintergrund hörte ich eine Gruppe Teenager, die wohl gerade den gestrigen Start der Pfingstferien mit einem Freibadbesuch feierten – alterstypische Geräusche der rührenden Art.

Auf dem Heimweg verschreckte mich der Verkehr zum Glück nicht weiter, ich stieg an einer Bäckerei ab für Frühstückssemmeln. Die gab es mit Butter und Münchner Honig aus Kolleginnenvatershand (semsationell aromatisch).

Jetzt machte ich mich auf eine Runde Lebensmitteleinkäufe fürs Wochenende.

Plan war das Eröffnen der Balkon-Abendessen-Saison mit wie immer Salade niçoise, dazu stellte ich mir aus Wir2liebenWein einen mal anderen Rosé von Pittnauer vor. Bekam ich auch, doch als ich Salade niçoise als Ziel fallen ließ, bekam ich gleich eine zusätzliche, ganz gezielte Empfehlung – anders als in Buchhandlungen nehme ich die im Weinladen gerne an.

Nächste Draußenrunde: Erdbeeren und Friseurtermin holen. Die jüngste Friseur-Katastrophe war bereits nach vier Wochen rausgewachsen und brauchte dringend einen Haarschnitt. Doch der liebe Nachbarschaftsfriseur war feierabends ausgebucht und macht demnächst Urlaub, ich werde weitere vier Wochen durchhalten müssen.

Zeitunglesen auf dem Balkon, eine Runde Pilates mit Gabi Fastner, dann öffnete ich den Wein zum Abendessen:

Nittnaus Zorra 2004 (Zweigelt und Blaufränkisch). Oh ja, der gefiel mir schonmal sehr gut, entwickelte sich im Glas mit der Luft unglaublich vielfältig. Und tatsächlich passte er zur Salade hervorragend.

Für die Salade niçoise hatte Herr Kaltmamsell Dosensardinen statt Thunfisch verwendet, die Tomaten schmeckten bereits sehr gut, insgesamt ein Gedicht. Nachtisch Erdbeeren mit Sahne und danach noch Schokolade. Wir saßen lange auf dem Balkon und erzählten einander, fast bis es dunkel wurde.

§

Mal wieder ein Das-ist-MEIN-Internet-Moment: Victoria bat um einen Näh-/Flicktipp für ihre Leinenhose.

Es folgen wirklich praktische Tipps inklusive einer Stich-Anleitung aus Satzzeichen.

(Aber im selben Internet gibt es halt auch dieses – wobei: Ein bissl lustig ist es schon.)

Journal Donnerstag, 21. Mai 2026 – 33. Rosentag japanisch

Freitag, 22. Mai 2026

Gut- und ausgeschlafen, sehr angenehm. Erster Handgriff morgens am Rechner: Ausfüllen des Fahrgastrechteformulars der Deutschen Bahn, ein wenig Rückerstattung des (ohnehin niedrigen Superspar-) Fahrpreises sollte drin sein.

Bloggen an Milchkaffee und Wasser, dann stieg ich in Laufkleidung. Mein erster Weg führte aber zum Nachbarschafts-Blumenladen, denn 21. Mai ist Rosentag (seine Geschichte, meine Geschichte).

Nein, dieses Vase funktioniert nicht mehr.

Später vaste ich um (der Rand der idealen Vase wäre allerdings sieben Zentimeter niedriger).

Keine Lust auf Radeln, zumal das bedingt, dass ich meinen Lauf an derselben Stelle beenden muss, an der ich ihn starte. Also zwei Stationen U-Bahn bis Odeonsplatz. Am Marienplatz stiegen zwei Polizisten zu, über und über mit Ausstattung behängt, die in meinen Augen nach Kampfausstattung aussah. Da half auch das Lächeln des einen nicht: In solcher Gegenwart fühle ich mich nicht sicherer, sondern bedroht. Der gute alte bayerische Polizist in klar erkennbarer grüner Uniform, diese aber als einzige sichtbare Waffe, hatte da ganz andere Wirkung. Selbst wenn er grantelte. Der neue Phänotyp strahlt auf mich nur Gewalt aus.

Auf Mastodon meinte dazu jemand aber:

Daran halte ich mich künftig fest.
Interessanterweise äußerten sich auf Mastodon aber auch viele, die sich durch diese Präsenz tatsächlich beschützt und sicherer fühlen, die die Polizisten in den vorherigen Uniformen als schwach, wenn nicht sogar lächerlich empfanden. Jetzt muss ich nachdenken, worin die Unterschiede, wahrscheinlich in der Selbstdefinition bestehen.

Schöner Lauf durch den touristischsten Teil des Englischen Gartens an die Isar, von dort nach Norden und zurück bis Tivoli. Nachts hatte es genug geregnet, um den Boden ein wenig federnder zu machen – doch der niedrige Wasserstand ist weiterhin besorgniserregend. Der Körper spielte gut mit, signalisierte lediglich jenseits der 90 Minuten Laufdauer (diesmal sah ich auf die Uhr), dass jetzt gut war, vor allem die Waden.

Was ich bei meinen Wochenend-Läufen nie zu sehen bekomme: Im Hofgarten wurde gegeärtnert.

Robinienblüte startklar, aber noch ohne Duft.

Unterwegs hatte ich Spaß mit der Pflanzenbestimmungs-App Flora Incognita und ließ mir Blümchen am Wegesrand bestimmen:

Wiesen-Salbei (hatte ich bislang Rittersporn genannt)

Akeleiblättrige Wiesenraute (fiel mir zum ersten Mal auf)

Pyrenäen-Storchschnabel (vertrauter Anblick, aber was macht ein Pyrenäen-Kraut an der Isar?)

Zottiger Klappertopf (sehr vertraut, auch in Parkanlagen – aber mit dem Namen nehmen die mich auf den Arm, oder?)

Diesmal guckte ich auch Blumen nach, die ich gut kenne. Zum Beispiel die gute alte Butterblume.

Um zu lernen, dass Profis sie Scharfer Hahnenfuß nennen. Kann man wenigstens sagen: “Die Butterblume ist die Blüte des Scharfen Hahnenfußes”?

Eine Tram brachte mich nach Hause, ich stieg aber einen Halt früher aus, um Frühstückssemmeln zu besorgen. Meine Lieblingssorte sah ich schon von fern als noch vorrätig, doch dann wurde meine Bestellung abgewürgt: Keine Kartenzahlung möglich, technische Probleme. Enttäuschend, dann folgte ich halt meinem anderen Frühstücksgelüst Erdbeeren. Die ich im Supermarkt ebenfalls ins Regal zurückstellen musste: Nur Barzahlung möglich, technische Probleme. Beim Laufen habe ich halt nur mein Handy dabei, empfinde es als sehr bequem, dass ich damit auch bezahlen kann. Eigentlich. Nun war ich sehr enttäuscht, fürs Frühstück um halb drei (nach Duschen eh schon spät, deswegen kein neuer Einkaufsversuch mit Bargeld) griff ich auf Kühlschrankvorräte zurück. Gab es halt wieder Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot – schmeckt mir schon, ist aber in erster Linie funktionale Hungerbekämpfung.

Herr Kaltmamsell hatte auf meine Bitte eine Plastikhülle von Hemdenreinigung aufbewahrt: In die hängte ich Wintermantel und -jacke, beides kam in den Keller – jetzt habe ich ausreichend Platz im Schrank für meine (zu vielen) Sommerklamotten.

Beim Ankleiden für den festlichen Abend musste ich mir eine Dummheit gestehen: Der blaue Sommerrock, den ich mir aus Spanien habe schicken lassen, ist einfach zu eng. Die Rumrechnerei mit den Größen (EU/Deutschland) war geraten gewesen, und als der Rock ankam, kniff sein Bund. Doch Zurückschicken/Umtausch war mir zu umständlich, also redete ich mir ein, dass er halt lediglich nicht ganz bequem sein würde und bügelte ihn auf. Gestern erwies sich beim ersten Tragen: Nein, geht nicht. Letzte Chance Änderungsschneiderin, vielleicht hat sie einen Erweiterungstrick auf Lager.

Zur Feier des gestrigen Rosentages hatte ich in einem japanisch(ischen) Restaurant im Westend reserviert: Koji in der Parkstraße. Dorthin geführt hatte mich meine (vergebliche) Suche nach einem japanischen Restaurant in München, dessen Karte nicht um Sushi herum gebaut war: Vor Jahrzehnten hatte es in Augsburg einen edlen Japaner gegeben, dessen Menü an einem Küchen-Karree vor den Augen der Gäste zubereitet wurde, fein abgestimmt von Gang zu Gang in Texturen, Zutaten, Geschmäckern, optischer Komposition – wie es auch seither Japan-Reisende von Menüs im Land selbst berichten. Den gibt es auch in Augsburg nicht mehr, und in München fand ich nichts Derartiges. Also wurde es “Fusion” im Koji, hier wurde zumindest ein Menü des Hauses und aus dem Moment ohne Sushi angeboten.

Besonders freute ich mich über die Begleitung mit Sake, ausführlich erklärt. Hier als Aperitif Sparkling Sake mit Eiswürfeln, gut und überraschend.

Wir aßen Fisch-lastig und sehr gut. Die verschiedenen Sakes waren sehr interessant und schmeckten mir alle, als mein Sake-Liebling erwies sich Takasago Junmai Daiginjo Omachi: Er war uns als ein traditioneller vorgestellt worden, und als ich dem (freundlichen und aufmerksamen) Kellner meine Begeisterung kundtat, wies er fein lächelnd darauf hin, dass das auch sein hochwertigster sei – sofort fühlte ich mich als Sake-Obercheckerin.

Nicht zu später Heimweg in letztem Tageslicht und unter Mauersegler-Schrillen, der tapfere und sehr erschöpfte Herr Kaltmamsell hatte sehr gut durchgehalten.

Ich war sogar noch munter genug (Sake macht deutlich weniger betrunken als Wein-Begleitung) für Start einer neuen Lektüre: Louise Erdrich, The Sentence.

Journal Dienstag, 19. Mai 2026 – Berlin 6: 2. Tag re:publica plus Ausstellung

Mittwoch, 20. Mai 2026

Ein wenig hatte ich mich zeitlich verschätzt: Zur ersten re:publica-Session, “Reden wir noch oder canceln wir schon?” mit Igor Levit, Jouanna Hassoun, Johannes Volkmann und moderiert von Deutsche-Welle-Redakteur*innen Jennifer Wilton und Jaafar Abdul karim kam ich zwei Minuten zu spät.

Unterschätzt hatte ich zum einen, wie lange ich für den Einlass aufs Gelände schlangestehen musste: mehr als 15 Minuten (ich notiere das zum Merken für eventuelle nächste Male). Zum anderen wurde ich auf meinem – wieder sensationell sonnig frühlingshaften – Marsch zur Station charmant aufgehalten. Am Rolandufer überholte ich ein Quintett junger Burschen, die auf US-Englisch miteinander plänkelten. Aus diesem Plänkeln erahnte ich bereits, was dann als Ansprache von hinten kam: “Entschuldigung!” Die Burschen wollten ihr Deutsch üben. Ich ließ mich darauf ein, sie waren auch zu niedlich, aber viel hatten sie noch nicht zu bieten. Bis ich ihnen dann doch beibringen musste: “Ich möchte nicht unhöflich sein – I don’t want to be impolite – but I am in a hurry.”

Da drüben am Märkischen Ufer lag das Restaurant-Schiff, auf dem ich am Freitag zuvor so gut gegessen hatte; es sind die beiden rechts vor der Brücke.

Diese erste Session war eine Bereicherung: Die Teilnehmenden sprachen wirklich miteinander, auch wenn manchmal spürbar die Luft brannte wegen gegenteiliger Ansichten, deren Äußerung offensichtlich reflexartige Unterstellungen erzeugte. Aber die drei Diskutand*innen wollten sehr zeigen, wie Reden statt Canceln geht (selbstverständlich wurde um eine Definition von “Canceln” gerungen – ohne eindeutiges Ergebnis): Sie differenzierten, klärten, hakten nach. Und mit CDU-MdB Johannes Volkmann würde ich mich sehr gern ausführlich unterhalten um herauszufinden, worin unsere Ansichten sich in Wirklichkeit unterscheiden. (Außerdem kann ich jetzt nachvollziehen, warum Pianist Igor Levit ein so gefragter Diskussionsteilnehmer ist: Er formuliert nicht nur zuhörenswert, sondern stellt auch kluge Bezüge her.)

Ich eilte in einen anderen Saal für “Der Innovations-Maschinenraum Deutschlands: 11 Pioniere live auf einer Bühne”, in erster Linie aus beruflichem Interesse. Die Pitches waren alle extrem dicht und kurz, ich weiß nicht, ob irgendeine der hochtechnischen Innovationen wirklich verstanden wurde und ankam – relevanter war eigentlich der Rahmen, den Alexandra-Gwyn Paetz vom Bundesforschungsministerium (bei der Fotoafnahme oben bereits weitergeeilt) und Jeanne Rubner als Vize-Präsidentin der Technischen Universität München (oben ganz rechts) spannten – aber das erzähle ich in der Arbeit.

Jetzt machte ich eine re:publica-Pause: Ich wollte ohnehin unbedingt die Ausstellung “Der Holocaust – Was wussten die Deutschen?” im Dokumentationszentrum Topografie des Terrors sehen und hatte auf meinem Fußmarsch zur Station entdeckt, dass sie fast auf dem Weg und nur 15 Fußminuten von der re:publica entfernt lag. Dorthin spazierte ich also, mit kurzem Abstecher für Mittagscappuccino.

Eine ganz ausgezeichnete Aufbereitung des Themas: Sauber und akribisch anhand von Quellen befasst sich die Ausstellung in drei Kapiteln damit.

“Propaganda” beleuchtet, was das NS-Regime über die Verfolgung und Ermordung der Jüdinnen und Juden öffentlich bekannt gab. “Hinweise im Alltag” rückt Gerüchte und inoffizielle Nachrichten über die Massenmorde in den Blick. “Vom Puzzleteil zum Bild” zeigt, wie einzelne Personen Informationen zusammenfügten, um sich ein Gesamtbild zu verschaffen.

Die Quellen sind die Exponate der Ausstellung und belegen: Niemand konnte nichts gewusst haben.

Was zur Frage führte:

Auch darauf werden Antworten gesucht, wird um Antworten gerungen.

Wenn ich schonmal da war, sah ich mich auch im Außenbereich des Dokumentationszentrums um, dessen Inneres ich mit Herrn Kaltmamsell Ende 2024 besichtigt hatte – allerdings nur kursorisch.

Auf dem Rückweg zur re:publica machte ich um halb zwei Mittagspause im Mendelssohn-Bartoldy-Park (Berlin hat SO viel schöne kleine und große Parks) und aß Apfel sowie Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Zurück auf dem Veranstaltungsgelände traf ich weitere meiner kleinen Internetfreund*innen, riss mich aber rechtzeitig los für: “Onlinehandel, Stadtzentren und nachhaltiger Konsum – Wie passt das alles zusammen?”

Lisa Frien-Kossolobow und Jan Gimkiewicz vom Umweltbundesamt berichteten über Pilotprojekte dazu – durchaus herzerfrischend.

Ich machte weiter mit “Das skaliert nicht!”: Vor allem der Lokaljournalismus (im Panel u.a. Marc Rath, Chefredakteur Mitteldeutsche Zeitung und Magdeburger Volksstimme) versucht, echte Nähe zu den Menschen im Zeitungsgebiet herzustellen mit Hilfe von vielen kleinen, originellen Aktionen (u.a. regelmäßige Redaktionstage im Hauptbahnhof, ein Redakteur fährt mit einer Elektro-Schwalbe über die Dörfer, ein Stand in einer Plattenbausiedlung), das hörte sich überzeugend und vielversprechend an.

Als ich mich in die Session “How-to Aufhören: Ein Gespräch über bessere Enden im Arbeitsleben” setzte, wusste ich noch nicht, dass es meine letzte des Tages sein würde: Ich war elend müde und konnte mich nicht darauf konzentrieren. Umso attraktiver erschien mir ein Heimweg zu Fuß in der immer noch herrlichen und eher frischen Frühlingsluft. Ich bin erwachsen und kann machen was ich will, also machte ich das – ich war einfach over capacity. (Schade, ich erinnere mich an re:publicas, auf denen ich viel aufnahmefähiger war.)

Ich nahm nochmal einen anderen Weg, kreuzte dabei die Zossener Brücke, kam am legendären Prinzenbad vorbei,

entdeckte Berliner Wanderwege

und ließ mir von der App Flora incognita diese ungewöhnliche und hübsche Blume in der Grünanlage um die Kirche St. Thomas bestimmen: Dolden-Milchstern, ganz bezaubernd.

In der Unterkunft nur kurzes Bilderrunterladen und -sortieren, dann folgte ich einer Empfehlung zum Abendessen in ein italienisches Hotelrestaurant.

Das zum einen wusste, dass italienische Restaurants außerhalb von Italien bitteschön mit rot-weiß-karierten Tischdecken arbeiten, zum anderen einen hervorragenden Spargel-Spinat-Salat servierte. Die anschließenden “Spaghetti Carbonara” waren weder Spaghetti noch Carbonara, sondern Linguine (wahrscheinlich aus eigener Herstellung) in Käsesauce mit Speck, aber schmackhaft und sättigend. Dazu genehmigte ich mir ein Glas Vermentino. Zurück in der Unterkunft gab es noch Schokolade.

Im Hinterkopf arbeiteten bereits die Pläne für die Rückreise am Mittwoch, wird ein langer Tag.

§

Auch Initiator Alexander Matzkeit hat über unsere Session zum “Mythos Blogosphäre” gebloggt – der halt für uns Zeitzeug*innen kein Mythos war (und ich kann mich erinnern, wie irritiert ich mich vor vielen Jahren auf Twitter äußerte, dass Sascha Lobo auf einer Veranstaltung als “Blogger” vorgestellt wurde: Er musste mich selbst auf seine Beteiligung an der Riesenmaschine hinweisen, die ich eher als Online-Magazin wahrgenommen hatte denn als Blog).

Journal Freitag, 15. Mai 2026 – Berlin 2: Take your aunt to work day

Samstag, 16. Mai 2026

Mittelgute Nacht, ich schwitzte sehr – zum Glück ist das Bett breit genug, dass ich mich zwischendrin von der verschwitzten Seite weglegen konnte.

Verdutzung beim (nahezu) ersten Handgriff nach Aufstehen: Auch die kleinere der zwei Induktionsherdplatten akzeptierte meine mitgebrachte Cafetera nicht als ausreichend große Fläche. Ich musste mit einem größeren Topf arbeiten, in den ich sie stellte.

Sonniges Wetter, ich freute mich auf Marsch zu TOP 1: Verwandtschaft, die für eine Bundestagsabgeordnete arbeitet, hatte sich bereit erklärt, mir ihren Arbeitsplatz zu zeigen – und alles, was dazu gehört.

Touri-Pflichten erfüllen.

Wir trafen uns am Eingang zum Bürogebäude, hier erster Ausweis- und Security-Check (ich war natürlich angemeldet). Und der erste Schwung hochinteressanter Alltagsinformationen aus der Arbeit für eine Spitzenpolitikerin. Ich bekam sogar Bundestags-Merchandise! (NIEMAND erinnert sich an die Parole KEINE WEITEREN STOFFTASCHEN – es gibt klare Prioritäten.) Da dieses Bürogebäude nicht mit dem restlichen Gebäudekomplex des Bundestags durch unterirdischen Gang verbunden ist, gingen wir obenrum. Das hieß auch: Nochmaliger Eingang mit nochmaligem Ausweis- und Security-Check (super sweetes Personal!).

Die Verwandtschaft war gründlich vorbereitet und erzählte zu praktisch allem und jedem Eck, Gebäude, Gang, Raum, Kunstwerk “Fun Facts”, Hintergründe, Anekdoten, Geschichte – ich glaube, da arbeitet jemand gern hier und ist sich der Tragweite bewusst.

Das Gebäude, in dem die Verwandtschaft arbeitet – diese Variante 1930er-Architektur kriegt mich immer wieder.

Die Architektur bot immer wieder beeindruckende Aus-, Runter-, Rüber-, Überblicke. (Und die Verwandtschaft hat einen Sinn dafür und führte an die entsprechenden Guck-Punkte.)

Ja, schon auch Gefängnisgang-Assoziationen – Verbindung ist wohl der Transparenz-Wunsch.
Die Leere auf den Fluren erklärt sich zum einen damit, dass keine Sitzungswoche war, zum anderen damit, dass sich viele den Brückentag frei genommen hatten.

Eines der wenigen historischen Gebäude, die in den Gesamtkomplex integriert sind.

In einem der vielen unterirdischen Verbindungsgänge, dieser gleichzeitig Kunst am Bau.

Links der Garten der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, rechts die Terrasse, auf der die Sommer-Interviews stattfinden.

Lesesaal der Bibliothek des Deutschen Bundestags.

Hier wird wohl auch getanzt.

Links der Kindergarten des Bundestags (wusste die Verwandtschaft alles auswendig!).

Die Ausschusssäle.

An vielen Stellen Kunst, die wäre einen eigenen Besuch wert.

Bibliothek der Parlamentsprotokolle im Reichstag.

Im Reichstagsgebäude taten es mir besonders die Türklinken an. (Sollte ich nochmal die Gelegenheit zu einem Besuch haben, folge ich der Empfehlung der Verwandtschaft, die Klos in den verschiedenen Gebäuden zu besichtigen, weil auch diese wohl sorgfältig und sehr unterschiedlich gestaltet sind.)

Fraktionssaal der Linken, Otto-Wels-Saal, unter dem linken Turm des Reichstags mit Deutschlandflagge.

Austausch über den städtebaulichen Charakter des Regierungsviertels zwischen Sicherheitsbedürfnis und Volksnähe. Verwandtschaft erzählte einerseits von viel Security und Kameras, wenig Einladung zum Aufenthalt, dann wieder von Social-Media-Geschäftsleuten, die die teils sensationellen Perspektiven und Locations als Dreh-Orte nutzen, oder von regelmäßigen Tanztreffs direkt vor den Glaswänden, hinter denen sich die Sitzungssäle der Bundestagsausschüsse befinden (einen durfte ich von innen sehen).

Über drei Stunden waren wir unterwegs gewesen, als die reichhaltige Führung in der Kantine des Bundestags endete – und mit einem großen Teller gebratener Zucchini, Ofen-Süßkartoffeln, Hummus; die Verwandtschaft erklärte sich mit dem veganen Angebot der Kantine sehr zufrieden. Jetzt war auch Gelegenheit zu mehr Austausch über Befinden und Pläne. Rundum viel Liebe.

Nachdem sich unsere Wege trennten, erledigte ich TOP 2: Nachkauf des japanischen Mamecha-Tees (im gleichnamigen Laden), den ich vor einem Jahr über eine Freundin kennengelernt hatte und sehr schätze. Klar könnte ich den auch online bestellen, so fühlt es sich aber besser an. Weg dorthin durch viele Menschen in Mitte, die Geschäfte und Cafés waren seit meinem letzten Besuch noch einen Tick schicker geworden.

Auch zurück zur Unterkunft spazierte ich, das Wetter war weiterhin angenehm, wenn sich auch der Himmel bewölkte.

Dort eine Runde Ausruhen (haha = Bilder runterladen und schon mal bloggen). Bevor ich mich zu meiner Abendverabredung aufmachte, TOP 3: Die Einheimische hatte ein Restaurant in echter Fußweite von meiner Unterkunft vorgeschlagen, das Spree Fumée – auf einem Schiff im Historischen Hafen Berlin. Eigentliche Idee war Abendessen unter freiem Himmel mit Touri-Blick auf der Terrasse gewesen, doch die kühle Luft wehte uns ins Innere des Schiffs – ausgesprochen schöne Umgebung.

Foto: Ute Schirmack

Ich suchte mir einen der besonders angepriesenen Cocktails aus, meine Verabredung und ich teilten uns die Zusammenstellung des Hauses für zwei – plus Klebreis und ein paar Grillspieße, ebenfalls Spezialität des Hauses.

Foto: Ute Schirmack

Schmeckte alles wirklich liebevoll zubereitet und gut. War allerdings nur der Hintergrund für Austausch von aktuellem Leben, kürzlichen Entwicklungen (die mich durchaus besorgt zurückließen), was dieses Jahr sonst noch geplant ist.

Erst bei fast ganz dunkler Nacht spazierte ich zurück in meine Unterkunft.