Essen & Trinken

Journal Donnerstag/Freitag, 20./21. Juli 2017 – Grünspecht und Einkaufswidrigkeiten

Samstag, 22. Juli 2017

Donnerstag auf dem Heimweg feuchtgeregnet worden, nach dem warmen Tag gar nicht unangenehm.

Vor dem Zu-Bett-Gehen wieder lange Fledermäuse geguckt.

Der Sänger der Band Linkin Park ist tot und große Teile meines Internets trauern. Ich musste erst mal nachhören, welche Musik diese Kapelle gemacht hat (aha, sowas hörte mein jüngerer Bruder viel), fand aber vor allem interessant, dass wieder Menschen vor allem deshalb bewegt waren, weil sie diese Band mit ihrer Jugend/ihrer Generation verbanden (wie andere wohl die Band Nirvana). Ich überlegte, welche Musik für mich als Heranwachsende emotional am wichtigsten war (einer Musikhör-„Generation“ anzugehören, habe ich nie geschafft). Mir fiel Beethoven ein, vielleicht noch Bach-Motetten. Doch bevor ich das geradezu Raddatz-schnöslig cool finden konnte, wurde mir klar, dass Musik für mein Heranwachsen wohl einfach keine Rolle spielte.

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Freitag im Morgengrauen entdeckte ich mit Herrn Kaltmamsell einen Specht in der Kastanie vorm Balkon, der ungewohnt aussah. Wir verfolgten ihn so lange mit Fernglas und Teleobjektiv über Wiese und Büsche, bis feststand: Ein Grünspecht!

(Fehlt unter den Stylingtipps der Frauengazetten: Morgensonne streckt.)

Der Tag wurde schwülheiß. Nach der Arbeit nahm ich eine S-Bahn zum Marienplatz für Einkäufe und tropfte. Die Einkäufe vermochten meine Grundlaune nicht zu heben:
– Die Bankfiliale, an der ich Geld abheben wollte, existiert nicht mehr.
– Der Müller hatte nicht alle Mehle, die ich wollte.
– An der Supermarktkasse standen die Kunden bis in die Mitte des Ladens, so dass ich noch in der Tür umgekehrte.
– Für die Wachauer Marillen verlangte man am Viktualienmarkt 14 (VIERZEHN) Euro das Kilo (und für französische Aprikosen acht), so dass ich doch lieber zum Obststandl am Rindermarkt ging, wo ich ein Kilo schöne französische Aprikosen für fünf Euro bekam.

Daheim schälte ich Mandeln für das samstägliche Backen von Aprikosentarte und schnitt das Sommergemüse des Ernteanteils für Ofengemüse zum Nachtmahl (nur eine Paprikaschote und frischen Basilikum mussten wir zukaufen).

Das gab es zu einem köstlichen Entrecôte, um das ich gebeten hatte, da ich Freitagabend irgendwie immer mehr mit edlem Rindfleisch aus der Pfanne verbinde. Herr Kaltmamsell hatte es besonders energisch scharf angebraten, nahezu die gesamte Wohnung war rauchvernebelt. Doch das Ergebnis schmeckte sensationell.

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Ich bin alt. Das merke ich unter anderem an meiner steigenden Irritation über komplett zerrissene Jeans als Neuware – gestern kam mir eine Frau entgegen, deren Hose wirklich in Fetzen an ihr hing. Aber gut, jede wie sie mag (tatsächlich war ich aber schon in den 80ern über die damalige Mode zerrissener Jeans irritiert – bin mir allerdings recht sicher, dass sie nicht so verkauft wurden, sondern Teenager die Risse noch mühevoll und im Schweiße eigener Hände selbst reinreißen mussten – mir ham ja nix g’habt!). Echte Verkaufschancen sehe ich hierfür:
„Used Look: Apple plant iPhone mit Kratzern und Displayrissen“.

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Wie verlief der Büroalltag eigentlich vor EDV? Ich selbst habe das nicht mehr mitbekommen, denn mein Arbeitsleben begann 1986 in der Redaktion einer Tageszeitung bereits am Computer. Auch wenn noch einige riesige Schreibmaschinen herumstanden, die für das Tippen von Bildtexten und das Ausfüllen von Formularen benötigt wurden.
„Das analoge Büro“.

Welche zentrale Rolle Sekretärinnen damals hatten, war auch mir nicht bewusst. Nun frage ich mich, woher bitte das Klischee der unterbeschäftigten, Nägel feilenden Dame im Vorzimmer kommt, mit dem bis heute Sekretärinnenwitze gerissen werden.

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Stefan Mesch schreibt über seine Studienzeit in Hildesheim:
„Austeilen, Abgrenzen, Angstmachen, Einstecken. Fünf Jahre als Schreibschüler“.

Ich fand das hochinteressant, weil ein Einblick in eine mir völlig fremde Welt. Selbst die Außenseiterrolle Meschs, weil er nicht aus einer Bildungsschicht stammt, ist mir fremd: In meinem Geisteswissenschaft-Studium mischten sich die unterschiedlichen Herkünfte stärker.

In Stefan Meschs Blog gibt es eine Langversion der Erinnerungen (mit mehr Namen, u.a. seiner Dozenten und Dozentinnen):
„Sexismus im Studium, Sexismus an Schreibschulen: Kreatives Schreiben & Kulturjournalismus, Hildesheim“.

Journal Sonntag, 16. Juli 2017 – Allerbürgerlichster Sommersonntag

Montag, 17. Juli 2017

Blöd geschlafen, mit doofen Träumen.

Nach meinen Berechnungen haben die Renekloden Saison, am Samstag hatte ich Herrn Kaltmamsell gebeten, auf seiner Einkaufsrunde ein Kilo mitzunehmen. Er war erfolgreich gewesen, der Verkäufer, so erzählte er, habe ihn aber darauf hingewiesen, das seien die ersten. Nach Bloggen und der ersten Tasse Milchkaffee buk ich also Reneklodentarte.

Während dessen war die Waschmaschine mit Bettzeug durchgelaufen; da unser Wäschetrockner hartnäckig spinnt, drapierte ich die Teile über Wäscheständer und Stühle im Wohnzimmer – jetzt im Sommer ist das noch eine Lösung, aber wir werden uns wohl mit einer Neuanschaffung beschäftigten müssen (das Gerät ist älter als unsere Beziehung, haben wir zum Zusammenzug von meinen Schwiegereltern geerbt, als sie sich ein Kombigerät Waschmaschine/Trockner anschafften).

Der Tag war wie angekündigt strahlend sonnig und frisch, ich spazierte zu einer Schwimmrunde ins Schyrenbad. Die Bahnen waren erwartbar licht, ich zog mit Genuss meine 60 Bahnen.

Auf dem Rückweg besorgte ich Semmeln (die Handsemmeln vom Wimmer mag ich besonders gern) zum Frühstück gab es eine mit Schinken, danach ein Stück Tarte – sagen wir mal so: Ich hätte vielleicht auf reife Renekloden warten sollen, denn wie kommentierte Herr Kaltmamsell die Tarte zu Recht: „Da hätte man doch gleich Rhabarber nehmen können.“

Ich setzte mich in die wundervolle milde Sommerluft auf den Balkon zum Zeitunglesen, unterbrochen von viel Gucken: Am Meisenknödel Meisen und ein Buntspecht, in der Kastanie klopfte ein Kleiber, auf dem Rasen huschten Eichhörnchen, auf dem Balkonsims sahen Rotkehlchen und Buchfinken vorbei. Schönster Moment meiner Zeitungslektüre (SZ von diesem Wochenende):

Zum Abendessen servierte Herr Kaltmamsell Rinderrouladen mit Kartoffelpüree. Der Ernteanteil hatte rare mehlige Kartoffeln enthalten, die ich unbedingt als Püree essen wollte, der Rest kam drumrum.

In der späten Abenddämmerung standen wir wieder am Wohnzimmerfenster und guckten Fledermäuse. Es kann doch wohl nicht sein, dass die all die 18 Jahre, die wir hier wohnen, schon herumflatterten und wir sei einfach nie bemerkt haben?

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Weil wir’s gerade von Flattertieren haben:
Sascha Lobo ist einem Ziegenmelker begegnet (Neid!).

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Felix und Katia haben in Schottland Urlaub gemacht (kann es sein, dass Wandern die mittlerweile dominante Urlaubsform in meinem Blogdorf ist?), Katia erzählt von
„Mary und Alan“.

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Journal Samstag, 15. Juli 2017 – Maisinger Schlucht

Sonntag, 16. Juli 2017

Der sehr beruflich sehr beschäftigte Herr Kaltmamsell machte sich frei für einen Wandertag. Den Vormittag nutzte er noch zum Arbeiten, während ich die letzten Reste Preis für die Weine am Vorabend zahlte (Migräne, nicht allzu schlimm).

Es war kühl, und das Wolkendrama am Himmel drohte immer wieder mit Regen: In der S-Bahn raus nach Starnberg saßen nur dünn versprengt Wandersleut.

Wir nahmen wieder diese Strecke, in saftigster, grüner Sommerlandschaft, und blieben trocken. Doch auch hier wird der Wanderweg inzwischen von Sportradlern übernommen, zum Teil unterstützt von Elektroantrieb: Gedankenverlorenes Gehen war nicht möglich, da wir immer wieder schnell ausweichen mussten. Diesmal lernte ich aber, dass mich etwas noch mehr erschreckt als das Geräusch der Reifen sich schnell von hinten nähernder Mountainbikes: Sich schnell von hinten nähernder Pferdegalopp.

Am Maisinger See setzten wir uns mit einer geteilten Radlerhalben des Maisinger Seehofs auf eine der Bierbänke an der Uferböschung und guckten Wasserglitzern, Gänse, Lachmöwen (die in Wirklichkeit Filzstiftmöwen heißen, aber vielleicht wäre es unhöflich sie darauf hinzuweisen). An einem bereits hell-reifen Getreidefeld vor Pöcking blieben wir stehen, um den Mehlschwalben zuzusehen: Mindestens zwei Dutzend von ihnen jagten ganz dicht über die Halme hinweg; es sah aus, als flögen sie im Feld. Vom Prinzenweg aus sahen wir kurz vor Starnberg drei beeindruckend große Bussarde auf einer Thermik kreisen und immer tiefer kommen. (Wir waren zunächst nicht sicher, ob es nicht doch vielleicht Habichte waren, doch Herr Kaltmamsell schlug daheim nach: Es konnten gar keine Habichte gewesen sein, weil die Ansitzjäger sind und nicht auf Thermik kreisend nach Beute Ausschau halten.)

Einkehrziel in Starnberg war das Wirtshaus im Tutzinger Hof, dessen Brotzeitplatte ich in allerbester Erinnerung hatte.

Nebenher gewannen wir zu zweit einen Fünfer-Raid der im Sitzen erreichbaren Pokémon-Arena.

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Emma Watson interviews Margaret Atwood about The Handmaid’s Tale.

Watson: I’m really interested in how you came to be this person that believed in her own perspective and opinion.

Atwood: You mean not easily frightened?

Watson: Yes! That’s exactly what I mean.

Atwood [laughs]: Okay, so Emma, I grew up in the woods. It gives you a different viewpoint; I was improperly socialized. I think if I’d grown up in a small town or if I’d been sent to a girls’ boarding school when I was four, as some of my acquaintances were, things would be somewhat different. But as it is I am frightened of three things—thunderstorms, forest fires and bears…. I was once told by someone who was teaching me to drive when I that he could not continue with it because I didn’t have enough fear. [Laughs]

Journal Freitag, 14. Juli 2017 – Ein Abend im Broeding

Samstag, 15. Juli 2017

Wenn in der Zyklus-App bereits Tag 39 angezählt ist und seit 10 Tagen PMS tobt, sind sogar die Gebärmutterkrämpfe zur Menstruation akzeptiert, Hauptsache es ist wieder rum. Zum 50. Geburtstag wünsche ich mir übrigens Menopause, falls jemand fragt.

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Endlich mal wieder fine dining mit Herrn Kaltmamsell, im Lieblingsrestaurant Broeding. Wie schon bei den letzten beiden Sommerbesuchen schafften wir nicht, den malerischen Innenhof zu nutzen: Den ganzen Tag über war es kühl gewesen, abends regnete es immer wieder kräftig.

Unser Menü. Als Aperitiv ein Glas Schilcher Frizzante Rosé.

Gruß aus der Küche: Besonders köstlicher Octopus auf Papayasalat mit Wildkräutern und einem Soja-Sesam-Sößchen.

Zur Vorspeise (ich mochte besonders die knusprige Leber) bekamen wir einen fränkischen Wein eingeschenkt: Ein Silvaner Eigenart von Max Müller aus dem Holzfass – sehr interessant.

Die kalte Melonensuppe wurde begleitet von einem Tement Gelben Muskateller Steinbach 2015 – überraschend kräftig für die Rebsorte und ein großer Freund der schönen Schärfe.

Zum Fischgang (schöner Lachs, die Bete hätte ich weggelassen) gab’s einen österreichischen Riesling Loimer Seberg 2015 aus dem Kamptal – und einen Hinweis des Sommeliers, dass den Deutschen möglicherweise ihre Rieslingtradition verloren geht: Der Klimawandel macht die klassischen Rieslinggebiete zu warm, die Zukunft des deutschen Rieslings liegt möglicherweise auf Sylt.

Der Fleischgang (wunderbarer Hirsch wieder vom Jäger unterm Schloss Neuschwanstein) bekam einen Rotwein zur Seite gestellt: Cuvee Rote Erde Muhr-van der Niepoort 2013 aus dem Carnutum – mein Weinfavorit des Abends, auch wenn der noch das eine oder andere Jahr Lagerung vertragen würde. Ich mag diese leichteren facettenreichen Roten aus Österreich sehr.

Einen Tokaji Kikelet Késői Szüretelésű Spätlese 2009 zum Käsegang, wir bekamen die korrekte Aussprache der dominierenden Rebsorte Hárslevelü vorgesagt.

Vordessert hervorragendes Cashewnussmus (bitte fünfmal schnell hintereinander sagen), Dessert besonders köstliches Kirschparfait mit Ananas und Beeren (selbst ich als Dessert-Skeptikerin war begeistert), dazu eine Heinrich Beerenauslese von 2010 – da ich bislang den Burgenländer Heinrich nicht als Anbieter von Süßweinen kannte, ließ ich mir erklären, dass dieser Wein aus dem verheerenden Jahrgang 2010 aus der Not geboren war, als über die Lagen Salzberg und Gabarinza die Edelfäule kam. Er schmeckte mir hervorragend.

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Und dann kam er doch: Der Moment, in dem ich bedauerte, keine gefragte Influenzerin zu sein. Was hätte ich nicht alles mit einer Flasche Flüssigwaschmittel angestellt!
Na gut, das wäre natürlich auch mein Ende als Influenzerin gewesen.

Journal Montag/Dienstag, 10./11. Juli 2017 – Neues Krafttraining

Mittwoch, 12. Juli 2017

Montag also für den Arbeitsweg wieder um die Theresienwiese herum gelaufen.

Morgens war es angenehm kühl, auf dem Heimweg allerdings wieder schweißtreibend. Auf dem Rückweg Einkäufe im Supermarkt, das Regal mit Schokonüssen so leer wie schon letzte Woche (gab es Ernteausfälle bei Erdnüssen?).

Zum Abendbrot Ingolstädter Bauernwürscht, die meine Mutter auf meinen Wunsch bei ihrem jüngsten Besuch mitgebracht hatte.

Vielleicht raffe ich mich endlich mal auf, dieser lokalen Spezialität hinterher zu recherchieren (nein, Bauernwürscht sind nicht identisch mit Pfälzern oder Regensburgern). Dazu eine Scheibe altmodisches Mischbrot, wie es bei meiner Oma Standard war – die Porung war in meiner Erinnerung allerdings gleichmäßiger.

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Dienstagmorgen also Iron Cross. Tatsächlich was ganz Anderes, der Ansatz ähnelte dem des Kiesertrainings: Wenige Wiederholungen, je drei Sätze, möglichst hohe Gewichte, Muskel völlig erschöpfen. (Hot Iron geht Richtung Kraft-Ausdauer.) Ich lud mir vorsichtshalber nur die Gewichte der Vorwoche auf, war aber nie an meiner Grenze – nächste Woche lege ich auf. Netto wird allerdings ziemlich wenig gesportelt, und am Ende fühlte ich mich weniger rundumtrainiert als bei Hot Iron. (So sehe ich dabei übrigens aus.)

Beim Arbeiten fiel mir auf, dass ich Ziffern anders schreibe als in der Schule gelernt: die Eins nämlich englisch nur als Strich, die Sieben deutsch. Während meines Auslandsstudienjahrs in Wales hatte ich gelernt, dass es so international die wenigsten Missverständnisse gibt: Im englischsprachigen Raum hat die Sieben handschriftlich keinen Strich in der Mitte, die Eins keinen Anstrich oben. Das führte dazu, dass meine deutsch Eins mit Anstrich gerne mal als Sieben gelesen wurde.

Abends beim Friseur wieder ein Pfund Wolle rausschneiden lassen, sehr angenehm.

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Meine Twitter-Timeline (Web) besteht mittlerweile aus gezählten 43% Likes anderer Leute: Seit dem jüngsten Update schiebt Twitter sie mir ohne Zutun einfach rein. Gerne mal handelt sich um Schnipsel aus Konversationen, was sie für mich komplett sinnlos macht.

Für die unchronologische Timeline gab es wenigstens ein Opt-Out, aber jetzt bin ich hilflos. Ich fange an Leute zu verstehen, die Accounts blocken, die ihnen lediglich egal sind: Damit sie deren Tweets nicht durch Likes in die Timeline bekommen.

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Die Süddeutsche hat sich eine Seite des Schulalltags genauer angesehen:
„Digitalisierung der Schulen endet mit Elektroschrott“.

Was schon vor vielen Jahren klar war: IT-Unternehmen könnten sich nicht durch Spende von Geräten beliebt machen, sondern durch das Spenden eines oder einer Admin. „Systembetreuer“? Bitte unterhalten Sie sich mal mit einer Lehrkraft, die diesen Job hatte. Nach den Geschichten werden Sie sich fragen, ob denn auch der Hausmeisterjob an Schulen von Lehrkräften abgedeckt wird, gegen Verminderung der Unterrichtsstunden.

Was der Mathelehrer beschreibt, ist nur eine Krux von vielen, wenn es um Digitalisierung von Schulen geht: Das Projekt bleibt an den Lehrkräften hängen, fünf Milliarden hin oder her. Man kann die Schulen mit noch so vielen Tablets bewerfen – wenn die Lehrer nicht für digitalen Unterricht geschult werden, endet die Schuldigitalisierung in Elektroschrott und Kabelsalat. Schulen brauchen bei der Systembetreuung professionelle Unterstützung.

Ein Schulleiter wird konkret:

Franz Vogl kennt das Problem gut. Er leitet das Oskar-Maria-Graf-Gymnasium in Neufahrn, nördlich von München. Dort treibt er die Digitalisierung seit Jahren voran. Das Gymnasium ist eine von 38 Schulen deutschlandweit, die in einem Arbeitskreis die Voraussetzungen für digitale Bildung herausarbeiten. Mit immer mehr Hardware für die Schulen sei es nicht getan, meint Vogl, man müsse die Strukturen insgesamt verändern:
„Ich brauche ein Wlan-Netz, das die zu Recht hohen Anforderungen in Sachen Datenschutz an Schulen erfüllt; ich brauche ein schulinternes Netz für meine Computerräume und Tablets; ich brauche ein Verwaltungsnetz, das physisch vom Rest getrennt sein muss; dazu kommen noch weitere Zugänge von außen, die bereitgestellt und überwacht werden müssen. Jede mittelständische Firma hat für solche Aufgaben eine IT-Abteilung – aber an einem Gymnasium soll das ein Lehrer neben seinem normalen Job leisten? Das ist völlig utopisch“, sagt Schulleiter Vogl.

Journal Samstag, 8. Juli 2017 – Hochsommersamstag mit Gewitter

Sonntag, 9. Juli 2017

Früh aufgewacht, was mir allerdings gut in die Tagesplanung passte, weil ich vor der angekündigten großen Hitze und den deshalb erwartbaren Menschenmengen Schwimmen gehen wollte.

Überm Morgenkaffee auf dem Balkon endlich den Mittelteil des Spaniensommerurlaubs gebucht, zumindest die Unterkunft. An- und Abreise müssten mit Bus und Zug ohne Probleme abzudecken sein. (Wir haben beide gemerkt, dass Mietauto für uns wirklich die allernötigste Notlösung wäre.)

Beim Nachlesen meienr Twittertimeline beobachtete ich befremdet die Eskalationen in Hamburg um den G20-Gipfel, von Polizei, Randalierern und Kommentaren. Fühlte mich sehr rentnerisch, weil ich mich beim Gedanken „Offensichtlich geht’s uns zu gut“ ertappte. Und die PRlerin in mir weiß, dass durch die Bilder (sehr schöner Artikel über ihre Rolle in der Wochenend-SZ – gegen Geld) gerade die G20-Gäste aus repressiven Staatssystemen Argumente gegen die offene, demokratische Gesellschaft mit heim nahmen.

Einkaufsrunde für Lebensmittel. Während es auf meinem Balkon noch angenehm frisch gewesen war (in der Nacht davor hatte es gewittert und geregnet), schlug die Sonne draußen bereits wieder mit der Hitzekeule zu.

Zu Fuß ins Schyrenbad. Angenehme Schwimmrunde, die Schmerzen in linker Schulter bis in den Arm ließen sich aushalten, allerdings merkte ich, dass ich durch den eingeklemmten Nerv deutlich langsamer bin. Gut eingecremt und mit Musik auf den Ohren ein Sonnen- und Wolkenbad genommen (mehr Wolken in allen Farben als Sonne). Ich dachte daran, dass sich sonnen auf Spanisch tomar el sol heißt, die Sonne einnehmen, wie tomar algo etwas essen, etwas trinken heißt. So fühlte es sich nämlich an, wenn die Sonne mal wieder richtig herauskam und mir auf die Haut prallte: Als söge meine Haut sie auf.

Nussschnecke zum Frühstück. Am Himmel zwei große Möwen, dazwischen eine Krähe, die sie ärgerte. Wenige Male quer über dieses Eck der Liegewiese laut schnarrend eine Wacholderdrossel.
Einmal segelte eine wunderschöne Seifenblase über mich hinweg. Ich sah mich um: Ein junger Mann blies für ein ganz kleines Kind Seifenblasen, das sie mit höchstem Vergnügen jagte.

Rückweg über den Postkartenanblick von Wittelsbacherbrücke, Westermühlbach, Südfriedhof.

Ich kann’s immer wieder schier nicht fassen, dass dieses Idyll nur zehn Minuten zu Fuß von meiner Innenstadtwohnung entfernt liegt.

Eine Stunde, nachdem ich heimgekommen war, brach ein Gewitter mit Regen aus. Von da an gewitterte und regnete es immer wieder bis in die Nacht. Ich bereitete Kartoffelsalat für Abendessen (Kartoffeln und Gurke aus Ernteanteil), las Zeitung. Zum Kartoffelsalat gab’s abends bayerische Fleischpflanzerl; ich hatte mit dem Gedanken gespielt, sie orientalisch zu würzen und mit Feta zu füllen, mich dann aber dagegen entschieden.

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Am meisten herumgereicht wurde in meiner Twitter-Timeline dieses Merkel-Putin-GIF. Viel besser aber finde ich den erweiterten Ausschnitt mit Vorgeschichte (der mich daran erinnere, dass die Frau promovierte Physikerin ist).

Völlig nebensächlich, aber ein Kichern wert:
„Donald Trump ‚has trouble finding hotel room at G20 summit'“.

Journal Samstag, 1. Juli 2017 – Torte für Mutters Freundin

Sonntag, 2. Juli 2017

Nicht mal auf schlechtes Wetter ist Verlass. Da ich bei bedecktem Himmel zum Freibadschwumm aufbrach, ließ ich mir den Rücken nicht eincremen. Doch schon als ich durch den Südfriedhof spazierte (eine Gruppe gar nicht mal junger Menschen grüßend, die sich offensichtlich zu einem Raid zusammengeschlossen hatten und gerade in einer Arena kämpften), schien vor allem die Sonne. So begrüßte ich beim Schwimmen jeden Schatten auf dem Beckenboden, der die Gefahr eines Sonnenbrands minderte. Ein wenig rot war ich abends aber doch. Das Schwimmen selbst genoss ich, bei kühlen Temperaturen und Wind waren nur wirklich Schwimmwillige auf den Bahnen.

Auf dem Heimweg Wolkendrama über der Isar.

Nachmittags kamen meine Mutter und eine Freundin zu Tee und Torte vorbei: Sie hatten Karten für das Musical Sister Act im Deutschen Theater am Abend, waren mit einem Bus angereist und verbrachten die Stunden vor der Vorstellung wegen Gehbeschränkung der Freundin bei uns statt mit einem Bummel durch München. Ich begleitete sie noch zum Deutschen Theater und weiß jetzt, dass man von uns aus zu Fuß selbst mit Krücken und Pausen nur zehn Minuten braucht.

Die Hugo-Torte schmeckte richtig gut nach Prosecco, Hollundersirup und Limettenschale, allerdings kann die Angabe „Springform mit 24cm Durchmesser“ nicht stimmen: Ich hatte nach Überfliegen der Zutaten vorsichtshalber eine 26cm-Form genommen, und die war randvoll geworden. (Im Hintergrund ein Teil der Leckereien, die ich zudem vom syrischen Konditor geholt hatte.)

Ich freute mich sehr, diese liebe Freundin meiner Mutter zu Gast zu haben: Sie kennen sich seit mindestens 35 Jahren, ich war als Jugendliche Gast bei großen Feiern in ihrem Haus, sah sie regelmäßig bei Festen meiner Eltern – aber dass Freunde der Eltern auch deren Kinder besuchen, ist ja sehr ungewöhnlich.

An dem Pimm’s, den ich den Damen noch zur Einstimmung aufs Musical servierte, beteiligte ich mich nicht: Ich war abends auf Cocktails verabredet. Auch hier sehr angenehme Stunden, ich unterhielt mich sogar über Fußball.