Essen & Trinken

Journal Freitag/Samstag, 15./16. Juli 2016 – Gefühlshaushalt

Sonntag, 17. Juli 2016

Schlechter Nachtschlaf? Hormone? Gründe ungekannt, aber derzeit sehe ich meinen Gefühlen eher befremdet zu (ja, ich sehe denen in erster Linie zu, das ist ja mein Problem).

Die Welt fiebert fremden Männern beim Sporttreiben mit (aka Fußballeuropameisterschaft): Ich reagiere belästigt und genervt.

Die Welt spielt ein Spiel auf ihren Smartphones: Ich bin gerührt und begeistert.

Ich zerbreche beim Abspülen im Büro meine schöne Rosenthal-Bürotasse: Breche fast in Tränen aus. (Hinter mir ein lieber Nebenabteilungskollege aufmunternd: „Ist ja nicht schlimm! Hauptsache, Sie haben sich nicht verletzt!“ Diesmal entschied ich mich gegen Jovialtät, weil mein Herz wirklich schmerzte, und murmelte: „Das können Sie doch gar nicht wissen, ob das schlimm ist.“ Er völlig betroffen: „Oh… ich dachte… oh…“ Dann tat’s mir schon wieder leid.)

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Nach schlimmer Nacht auf Freitag (jetzt wird’s mir auch nachts schlecht und ich wache davon auf) erster Blick ins Internet: 84 Tote in Nizza, ein Irrer war mit einem Lkw durch die Menschenmenge gerast, die den 14. Juli gefeiert hatten. Genau auf der Promenade des Anglais, die ich vor einem halben Jahr noch entlanggejoggt bin.

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Freitagabends zum feinen Chinesen – zu Fuß, denn ich hatte dann doch das Pokémonspiel installiert. Das war nicht einfach gewesen, Download, Installation und Registrierung blieben über zwei Tage immer wieder hängen. Doch jetzt entdeckte ich Pokéstops im Klinikviertel und fing auf der Theresienwiese wilde Pokémons.

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Besonders köstlich war dieses Auberginengericht. Auf dem Foto oben sieht man die anderen beiden Gerichte, die wir bestellten: Doppelt gebratenen Schweinbauch mit schwarzen Bohnen und gedünstetes Grüngemüse. Dazu tranken wir einen halbtrockenen Riesling, der sehr gut passte.

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Auf dem Rückweg hatte das Pokémonsammeln bald ein Ende: Die App stürzte wieder ab. Herr Kaltmamsell sprang freundlicherweise auf dem Kaiser-Ludwig-Platz als wildes Taubsi ein.

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Ließ sich auch fangen und mit heim nehmen.
Auf dem Mäuerchen um die Alte Medizinbibliothek saßen in der Abenddämmerung auffallend viele Leute, die auf ihr Smarthphone schauten: Ein Pokéstop. (Und bessere Verbindung zum Server als ich.)

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Samstagmorgen schon wieder ein erster Blick auf die Zeitung, der ein „Ach du Scheiße“ hervorrief.

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In der Sondertagesschau um halb neun stand bereits fest, dass der Putsch gescheitert war.

Ich ging zum Schwimmen ins Schyrenbad – wieder zu Fuß und quer über den alten Südfriedhof, denn nun lief das Pokémonspiel wieder.

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Das Becken war unter bedecktem Himmel angenehm leer, ich schwamm mit Genuss. Der Rückweg ging schneller – die Pokémon-App klemmte beharrlich. Kleinere Lebensmitteleinkäufe unterwegs.

Daheim buk ich den Quarkstriezel von Frau Brüllen – wieder zickte die Trockenhefe, die sich schon bei der letzten Runde Bagels nicht wirklich kooperativ verhalten hatte.
Das Ergebnis war dennoch köstlich.

Ich las Zeitung und bügelte wieder ausführlich – erstaunlich, wie viel Wäsche allein die paar Tage Sommer ums vorherige Wochenende erzeugt hatten.

Abends briet uns Herr Kaltmamsell Merguez zum Mangold aus Ernteanteil, danach gab’s Eton Mess mit wahrscheinlich letzten Erdbeeren.

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Ich freue mich SO für Bov! Am Freitag kam Bov Bjergs neueste Buch als Leseexemplar bei mir an, gesammelte Lesebühnentexte. Herzlichen Dank, ich freue mich schon darauf.

In der Welt unterhält sich ein Nachbar von Bov mit ihm, was alles jetzt anders geworden ist für ihn:
„So ist er eben, der Prenzlauer Bjerg“.
(Ich weiß nicht, ob ich den Überschriftenredakteur hauen oder knutschen will.)

Wir sitzen am Hang, ein Jahr später. Hinterm Wedding ist die Sonne verschwunden. Bov sagt: „Klett bringt demnächst eine Schulbuchversion heraus, so richtig mit Zeilenzahlen an der Seite.“ Zwei andere Verlage sitzen an Erläuterungsbänden zum Buch. Im Oktober hat „Auerhaus“ Premiere am Deutschen Theater, bislang zwölf weitere Theater im Bundesgebiet folgen mit ihren Inszenierungen nach. Der Erfolg hat alle Vorstellungen aller Beteiligten gesprengt. Eine hymnische Besprechung folgte der nächsten, über Monate, im ZDF-Quartett war „Auerhaus“ das erste Buch, auf das sich alle Anwesenden einigen konnten, Buchhändler klagten über Nachschubprobleme.

Ich sage: „Jetzt musst du bloß noch die Filmrechte verkaufen.“ Hat er aber schon. Es gab vier oder fünf Angebote, zunächst wohl als Fernsehfilm geplant, aber Bov, der Drehbuch gelernt hat, ist heilfroh, dass sein Buch nicht durch die Mühle öffentlich-rechtlicher Entscheidungsträger und Meta-Entscheidungsträger muss. Verkauft hat man schließlich an Constantin Film.

Journal Dienstag, 12. Juli 2016 – #12von12

Mittwoch, 13. Juli 2016

Was #12von12 ist.

160712_01_Regenstrasse

Nachts hatte mich ein Gewitter aus ohnehin unruhigem Schlaf geweckt, der Sommer war erst mal vorbei. In den Räumen (Wohnung, Turnraum, Büros) stand noch die schwüle Luft des Vortags, aber draußen waren die Temperaturen abgesackt.

160712_03_Sportstudio

Ich kam noch vor sieben am Turnstudio an, musste ein paar Minuten aufs Öffnen warten.

160712_06_HotIron

So sieht mein Turnplatz für die Langhantelstunde aus. Da mir die Übungen vergangene Woche leicht gefallen waren, legte ich ein wenig Gewicht auf – das erst nach dem Aufwärmen auf die Stange geschoben wird, davor gibt es Übungen mit leerer Stange.

160712_08_Regenumhang

Auf dem Weg ins Büro regnete es kräftig, ich schwitzte unter dem Umhang ordentlich. Dass in dieser Kombination beim Warten an roten Ampeln meine Brille beschlägt, kann mich immer wieder überraschen.

160712_10_Mittagsschuessel

Eigentlich hatte ich mein Mittagessen am Schreibtisch fotografieren wollen, das aber vergessen: Zwei Brezen aus der Cafeteria, außerdem eine Schüssel Aprikosen und Pfirsiche mit Hüttenkäse.

160712_12_Bueroblick

Das Wetter blieb gestern den ganzen Tag düster und in verschiedenen Stärken regnerisch; mehr als oben gab der Blick aus meinem Bürofenster nicht her.

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Feierabend. Ich nahm wie meist auf dem Weg nach draußen die große Showtreppe des Bürogebäudes – so kam mein wieder notwendiger Regenumhang optimal zur Geltung.

160712_18_Abendnudeln

Herr Kaltmamsell war aushäusig, und auf dem Heimweg wollte ich nass und in Regenumhang nirgends zum Einkaufen stehenbleiben – es gab also Nudeln mit Tomatensugo (selbst eingekocht im Kartoffelkombinat), schwarzen Oliven und Parmesan. Gut!

160712_21_Abschminken

Meine Twittertimeline wird weiterhin von dem VR-Handy-Spiel PokémonGO dominiert – bis ich mal kapiert hatte, wovon die Leute reden! Das kommt davon, wenn man überhaupt keine elektronischen Spiele spielt, nie. Aber was nicht ist, kann ja: Ich probierte aus, ob ich mich auch mit der Kamera meines Telefons als Spiegel abschminken kann. Ja, geht. (Schminken ist was Anderes.)

160712_27_Schimmeltarte

Großes Ärgernis: Beim Ausräumen des Geschirrspülers wunderte ich mich über die Abwesenheit der Tarteform. Ich war davon ausgegangen, dass Herr Kaltmamsell das restliche Viertel gegessen hatte. Ein Blick in den Backofen ergab: Nein, wir hatten den Kuchenrest beide vergessen. Und jetzt musste ich ihn wegwerfen. Der Schmerz darüber machte mir klar, dass wir inzwischen tatsächlich praktisch nie Lebensmittel wegwerfen: Selbst aus Karottengrün wird Pesto, nicht essbare Gemüseschalen, -blätter, -stängel sammeln wir in einer Tüte im Gefrierschrank zum Auskochen als Brühe. Eingekauft wird fast ausschließlich für bereits geplanten Einsatz oder um Vorhandenes herumgeplant. Und wir sind sehr unempfänglich für Mindesthaltbarkeitsangaben: Riecht ok, ist schimmelfrei, bewegt sich nicht – wird gegessen.

160712_31_Ernteanteil

Letzter Check vor Zuklappen des Rechners: Woraus wird der Ernteanteil am Mittwoch bestehen?

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„Wieso sind Sie so dick, wo Sie doch so hübsch sind?“

Anke Gröner wird unverschämt angesprochen – lässt sich aber auf ein Gespräch ein. Davor allein habe ich schon höchsten Respekt. Und sie findet dabei viel über sich heraus.

Ich muss mir immer wieder bewusst machen, dass sich da draußen in puncto Dünnheitsdiktat praktisch nichts geändert hat – da mag ich noch so erleichtert in einer Umgebung leben und denken, in der der Wahnsinn dahinter entlarvt ist.

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Zurück zu Pokémon Go und seine mögliche Auswirkungen (nein, nicht in erster Linie „WIR WERDEN ALL STERBEN!1!!“) – dieser Artikel hat mich ernsthaft dafür interessiert.
„AR is an MMO“.

Wobei AR augmented reality heißt und MMO massively multiplayer online (game). Hier schreibt ein Experte, der deutlich erfahrener im Spielen ist und gründlicher kritisch denkt als die reflexartigen „Aber Datenschutz!“-Rufer.

Journal Samstag, 9. Juli 2016 – Kochen, Backen, Essen

Sonntag, 10. Juli 2016

Ich wachte wacklig auf – wie schon ein paar Mal vergangene Woche war mir schwindlig, ich fühlte mich schwach, wurde manchmal von Übelkeitswellen erfasst. In der Arbeit bedeutet das Zusammennehmen und Anstrengung, am ersten ganz freien Wochenende seit Langem konnte ich mich gehen lassen. Also blies ich meine Schwimmpläne ab.

In aller Gemütlichkeit mahlte ich die am Vorabend geschälten Mandeln und buk neben Frühstückskaffee und Internetlesen eine Aprikosentarte.

160709_01_Aprikosentarte

(Ungefiltert: Die Früchte waren wirklich so knallfarben.)
Bis ich sie aus dem Ofen holte, war ich gereinigt und angezogen.

Einkaufsrunde mit Herrn Kaltmamsell. Wir spazierten zum Eataly. Da ich den Laden noch nie so leer gesehen hatte (gegen 12 Uhr nur ein paar versprengte Touristen), sah ich mich diesmal wirklich gründlich um. Im Einkaufskorb landeten allerdings wieder Guanciale, Schinkenabschnitte, Käse – die Speisen fürs Wochenende waren bereits geplant. Auf dem Rückweg Besorgungen im Biosuper- und im Drogeriemarkt.

Da der jüngste Ernteanteil eine junge gelbe und eine junge grüne Zucchini enthalten hatte, probierte ich zum Mittagessen den erst jüngst auf Twitter gelobten Zucchinisalat von 2010 aus, hier Ankes Rezept. Schmeckte wirklich sehr gut.

160709_03_Zucchinisalat

Auf Twitter enspann sich eine Diskussion über das Hobeln der Zucchini: In meinem Fall hatte Herr Kaltmamsell das mit einem Gurkenhobel übernommen – ich hatte mir beim letzten Mal ordentlich in einen Nagel gesäbelt. Mein Kartoffelschälmesser ist nämlich von diesem Typus (Prägung aus dem Elternhaus, anders kann ich’s nicht) und nicht von diesem – damit geht kein Dünnhobeln.

Als zweiten Gang gab’s gerade abgekühlte Aprikosentarte.

160709_05_Aprikosentarte

Ja, mit frisch selbst geschälten und gemahlenen Mandeln schmeckt sie besser.

Nach ausführlicher Siesta (das sonnige Wetter draußen rief Erinnerungen an Spanienurlaube meiner Kindheit hervor und die damaligen Siestas) kochte und buk ich die Bagels, die ich am Vorabend angesetzt und geformt hatte. Ich hatte mich ein wenig gesorgt, weil sie kaum aufgegangen waren, doch das Ergebnis war tatsächlich perfekt: kleinporige, aromatische und gummige Bagels.

Zeitunglesen auf dem Balkon, dann ging ich bei schmissiger Musik den Bügelberg an: Ich hatte morgens gewaschen, einige schwierig zu glättende Leinenstücke hatten genau den idealen Trockengrad.

Abendessen bereitete Herr Kaltmamsell zu: Er verarbeitete Blumenkohl aus Ernteanteil und Kartoffeln zu einem elaborierten Curry, Aloo Gobi.

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Dieser Aromenreichtum war der perfekte Weg, mir Blumenkohl unterzujubeln. Wobei ich gar kein so großes Problem mit zubereitetem Blumenkohl auf dem Teller habe wie mit der Zubereitungsphase, genauer: mit dem Geruch von kochendem Blumenkohl. Doch selbst dieser wird bei Aloo Gobi vom Duft der Gewürze überdeckt. Dazu tranken wir Gin&Tonic.

Journal Freitag, 8. Juli 2016 – Rosé am Balkon

Samstag, 9. Juli 2016

Noch ein Sommertag, ich meckere ja schon gar nicht mehr. Zumal er wieder nur schön warm, aber nicht heiß war.

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Nochmal Theresienwiese, wie sie ihrem Namen gerecht wird.

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Früher so:
BOAH! ICH HAB EINE IDEE! UND JETZT BEGEISTERE ICH SO LANGE RUM, BIS ICH SIE UMSETZEN DARF!

Heute so:
Hoppla. Mir ist gerade eingefallen, wie man das lösen könnte. Oh je, und das würde auch gleich noch ein paar andere Probleme mit lösen. Aber was das wieder für Kämpfe werden. Und so viel Arbeit!

Wenn das vielleicht bloß das Klimakterium ist, darf ich auf eine Rückkehr des Früher hoffen? Irgendwann?

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Ich hatte wieder fünf Tage auf Alkohol verzichtet, um mir zu beweisen, dass ich kein Alkoholproblem habe. Gestern Abend gab es als Aperitiv erst mal Gin&Tonic – OH GOTT, WAR DER GUT! Nein, ich meine keineswegs nur den Geschmack, ich meine durchaus die Instantbeschwipsung nach dem ersten Schluck. Darf ich einfach Alkoholikerin sein, ohne ein Alkoholproblem zu haben? Ginge das?

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Erst war’s das Wetter, dann waren’s die Termine – gestern gab es mit großer Verzögerung endlich Salade niçoise auf dem Balkon. Mit Rosé (Erdbeer, Vanille).

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Die nächste britische Regierung wird von einer Frau geleitet werden.
Aber, wie Laurie Penny schmerzlich genau kommentiert:

This is the feminist revolution in the same way that the Charge of the Light Brigade was a military triumph.

(Gnihihi.)

„A Tory leadership race between two women is not a feminist revolution“.

The truth is that women are not, in fact, magic. Women are, in fact, people, and people who happen to be female are no less complicated and unpredictable than those who happen to be male. Women have just as much capacity to be venal, petty and egomaniacal as men do, although they are less likely to be indulged in such behaviour. Women have just as much potential for crashing incompetence as men, although female mediocrity is far less frequently rewarded with jobs in government.

Journal Dienstag, 5. Juli 2016 – WMDEDGT

Mittwoch, 6. Juli 2016

Gesundheitswarnung: Es handelt sich möglicherweise um den langweiligsten 5. der Bloggosphäre, Lesen birgt das Risiko von Gehirn- bis Atemlähmung. WMDEDGT ist die Antwort auf Frau Brüllens Frage: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“

Ich hatte mir den Wecker auf 5:40 Uhr gestellt, denn ich wollte nach Monaten mal wieder vor der Arbeit zum Langhanteltraining ins Sportstudio – um den Preis, dass ich dann erst kurz nach 9 Uhr im Büro sein würde (erwartet werde ich kurz nach 8). Diesen Dienstag hatte ich mir dafür ausgesucht, weil er der erste im Quartal war: Neues Quartal heißt neues Programm heißt es wird alles erklärt und eher langsam gemacht.

Nach dem Aufstehen sofort Milchkaffee gekocht: Herr Kaltmamsell musste schon vor halb sieben aus dem Haus und hatte sich eigentlich für den Morgenkaffee abgemeldet, das hätte mich geschmerzt.

Meinen Milchkaffee getrunken, Katzenwäsche, angezogen, durch Sommermorgen ins Sportstudio geradelt, dort großes Hallo bei den lange nicht gesehenen Mitturnerinnen und Angestellten. Ich zog mich um, baute Step, Langhantel, Gewichtscheiben, Gymnastikmatte im Turnraum auf, setzte mich dann noch für 20 Minuten ans Rudergerät. Turnstunde: Ich hatte schon wieder vergessen, wie ermüdend lange bei Hot Iron die Umbaupausen zwischen den Übungen sind; nach den flotten Übungsabfolgen bei Fitnessblender hatte ich das Gefühl, ein Halbstundenprogramm auf 60 Minuten auszubreiten.

Der Vorturner überzog, weil er fünf Minuten zu spät angefangen hatte, dadurch pressierte es mir noch mehr: Nach dem Duschen desodorierte ich mich lediglich und zog mich sofort an, radelte ungeschminkt, ungecremt und mit nassen Haaren in die Arbeit.

Das Schminken holte ich im Büro nach, während mein Teewasser heiß wurde: Gestern machte ich mir nur eine große Tasse Schwarztee statt der gewohnten Kanne Grüntee oder Verbene.

Kurze Morgenrunde, dann organisierte ich im Auftrag, bereitete den Aussand der Mitarbeiterzeitschrift vor, beantwortete Presseanfragen aus dem Postfach und am Telefon (ich habe derzeit den entsprechenden Dienst, der im Presseteam zweiwöchentlich wechselt). Für meine Konzeptidee recherchierte ich im Haus – und sah mehr als je den Bedarf nach meinem Konzept. Darüber telefonierte ich zudem mit einem Experten, den mir meine kleinen Internetfreunde vermittelt hatten: Da meine Idee meine zugewiesenen Kompetenzen komplett übersteigt, kann ich in dieser Phase nach draußen keine offiziellen Wege gehen.

Den ganzen Tag über allein im Zweierbüro: Die Bürogenossin hatte einen freien Tag, die Auszubildende, die ich betreue, war krank.

Mittags Gurke aus Ernteanteil, Brot und spanischen Käse zur Lektüre der Süddeutschen Zeitung – Sorge über das weitere Abrutschen des Vereinigten Königreichs ins Chaos.

Nachmittags bastelte ich an der Präsentation meiner Konteptidee, noch fehlt mir ein zündender Einstieg, der die Umsetzung der Idee fürs entscheidende Publikum von Anfang an ersehnenswert macht. Soll ich einfach mit ein paar Folien voller Bilder von niedlichen Tieren einsteigen? Von Quokkas vielleicht?

Daneben ambulante Bitten erfüllt. Mich zum wiederholten Mal gefragt, ob mittlerweile wirklich nur noch die erste Zeile von E-Mails gelesen wird.
(Ich bitte um Verteileraktualisierung:
„Herr Dingens hat die Organisation verlassen.
Bitte schicken Sie Ihre Post künftig an Frau Dingensa“.
Antwort:
„Hat Herr Dingens denn einen Nachfolger, den wir in unseren Verteiler aufnehmen können?“)

Um 18 Uhr das Büro verlassen, durch Sommerabend heimgeradelt. Herr Kaltmamsell war beruflich unterwegs, also kochte das Abendessen ich: Krautsuppe aus Österreich vegetarisch mit Spitzkraut aus Ernteanteil. Während des Essens (Nachtisch: Schokoladeneis aus dem Gefrierschrank) ließ ich mir von der Geschäftsreise erzählen, las ein wenig Internet, guckte Tagesschau. Dann setzte ich mich auf den Balkon und las Henry James‘ What Maisie knew – bis zum Treffen meiner Leserunde will ich zumindest genug darüber wissen, dass ich die Unterhaltung der anderen mitdenken kann.

Nicht weit nach zehn ins Bett und weitergelesen, zum Schlafen die Ohren mit Ohropax verschlossen, weil die Nachbarn über uns Balkongäste hatten.

§


Journal Montag, 4. Juli 2016 – Brotzeit fürs Team

Dienstag, 5. Juli 2016

Gestern jährte sich mein erster Arbeitstag beim jetzigen Arbeitgeber. Ich belud morgens Rucksack, Kuriertasche und Fahrradkorb, radelte unter bedecktem Himmel vorsichtig ins Büro. Nach der Morgenrunde stellte ich in die „Lounge“:
– Brot
– Hummus
– Käsecreme (wie ich den völlig misslungenen Obatzten nannte)
– Chocolate Cookies
– Kokoskonfekt

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(In der roten Dose: Butterkekse, die eine Kollegin von ihrem Bretagne-Urlaub mitgebracht hatte.)

Dann schickte ich eine Mail ans Team, in der ich für die freundliche Aufnahme dankte und zum Essen einlud.
Es wurde gegessen und sich gefreut, alles nach Plan.

Abends war ich für den Fall von Biergartenwetter im Schnitzelgarten verabredet. Das Wetter war tatsächlich noch Biergarten-tauglich geworden, ich verbrachte den Abend draußen.

§

Es stimmt, was die Imkerin des Kartoffelkombinats schreibt: Im Juni hat man den Eindruck, dass alle Bäume in München Linden sind. Es duftet nun schon die dritte Woche lang, ich genieße das sehr. Dabei sind Linden wohl nicht die idealen Stadtbäume – was zur Frage führt: Was sind eigentlich ideale Stadtbäume?
„Stadtökologie
Bäumchen, wechsle dich“.

Journal Sonntag, 3. Juli 2016 – Donna Tartt, The Secret History

Montag, 4. Juli 2016

Gleich nach dem Aufstehen Donna Tartts The Secret History weiter- und dann ausgelesen. Ich war sehr gefangen (was erst mal nichts heißen muss, außer dass es mich nicht durch schlechte Sprache, durch Klischees oder Unwahrscheinlichkeiten aus der Spannung riss) von dem Roman über sechs Altphilologie-Studenten an einem Ostküsten-College – die einen der ihren ermorden, damit beginnt die Geschichte. Erzählt wird sie von einem weiteren der sechs, einem Kalifornier aus einfachen Verhältnissen.

Mir gefiel besonders gut, wie vage Donna Tartt die zeitliche Verortung lässt. Wir bekommen zwar immer wieder recht klare Zeitbezüge, aber sie passen nicht zusammen. Mal könnten wir in den 50ern sein (der Rom-Aufenthalt von Henry und Bunny rief bei mir durchwegs Bilder aus The Talented Mr. Ripley hervor), dann wieder heißt es beim Anruf bei einer Fluglinie, dass dort in einem Computer nachgesehen wird. Doch niemand von den Studenten scheint einen Computer zu benutzen, nur ein paar mechanische Schreibmaschinen werden erwähnt. Im Kino laufen sowohl Stummfilme also auch typische Muster der 70er. Zum Telefonieren geht der Ich-Erzähler in eine Telefonzelle, doch eine Kommilitonin ist mit ihrer Kunst im ausgehenden 20. Jahrhundert angesiedelt.

Der äußere Mittelpunkt der Gruppe sind die Griechischstunden bei Julian, einer heiter-schillernden Figur Lehrerfigur, an der ich mir immer wieder eine Toga wegdenken musste (weitere zeitliche Verwirrung: George Orwell wird mit einer Einschätzung seines Charakters zitiert). Die Gruppe befasst sich so intensiv nicht nur mit griechischer Mythologie und Philosophie, sondern auch mit der Sprache, dass sie sich draußen darin unterhalten kann – als Geheimsprache unter ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen.

Und meine Güte: wird da gesoffen, geraucht, gedrogt! Während ich bei der Lektüre von Tartts The Goldfinch noch sehr beeindruckt war, welche Drogenkenntnisse die Autorin sich anrecherchiert hatte, dachte ich mir bei dieser Wiederholung: Da kennt sich aber jemand richtig gut mit Drogen aus.

Die Geschichte ist ausgezeichnet konstruiert. Der Bogen, den die Enthüllung am Anfang spannt, wird etwa in der Mitte geschlossen – dennoch ist der Rest nicht weniger aufregend. Der Roman ist getränkt in westlicher Literatur aus 2000 Jahren, in deren Bildern, Mythen, Zitaten. Ein wenig augegerollt habe ich innerlich lediglich bei der Beschreibung der Obsession des Erzählers mit der einzigen Frau in der Studentengruppe: Sie ähnelte für meinen Geschmack zu sehr der Obsession von Theodore mit Pippa in The Goldfinch.

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Währenddessen Brot gebacken.

Das Wetter war kühl, Wolken und Sonne wechselten sich ab – ideales Laufwetter. Herr Kaltmamsell übernahm wieder das Brotrausholen aus dem Ofen, ich nahm eine U-Bahn zum Odeonsplatz, weil ich nach dem Monopteros in Renovierung sehen wollte.

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Er ist inzwischen nur noch von Paravents umstellt. (Davor eine Sportgruppe, die sich nach chinesisch klingenden Anweisungen aus einem Lautsprecher bewegte.)

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Es war ein ganz wunderbarer Lauf.

Den ganzen Nachmittag über buk ich Kokosmakronen und Chocolate Chip Cookies, bereitete Hummus und Obatzta zu. Denn: Ich gebe am Montag meinen Kolleginnen und Kollegen zu meinem Einjährigen einen aus.

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Was Fußball mit meiner Twittertimeline anrichtet, Teil 2.

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Auch sonst bestand die Timeline stundenlang zu 99% aus Fußball, und das, wo ich die entsprechenden Hashtags bereits weggefiltert hatte. Nächstes Jahr muss ich unbedingt mit #tddl17 zurückschießen.