Essen & Trinken

Journal Mittwoch, 10. August 2016 – Unaugustlich

Freitag, 12. August 2016

Der Sommer hatte sich erst mal gründlich verabschiedet.

Am Mittwoch regnete es praktisch durch. Mein heftiger Muselkater ermöglichte es mir zum Glück gerade noch, den Regenschirm auf Arbeits- und Heimweg zu halten, viel weiter hoch bekam ich die Arme nicht schmerzfrei.

Die neue Auszubildende, die Mitte September zu uns in die Abteilung kommt, stellte sich vor. Nachmittags verbrachte ich zwei Stunden in einem internen Interview, durch das ich eine Kollegin besser kennenlernte.

Ich setzte eine Recherche fort, für die mich eine Kollegin aus einer anderen Abteilung ins oberste Stockwerk des Bürogebäudes brachte: Ich hatte eine repräsentative Etage für Vorstandsempfänge erwartet – doch nein, dieses Hochhaus hat hier seinen Dachboden. Wäscheleinen hätten nicht deplaziert gewirkt.

Auf dem Heimweg wollte ich in einem Elektroniksupermarkt eine Powerbank kaufen, doch das Angebot war mir mit zwei Modellen, von denen ich noch nie gehört hatte, zu dünn.

Aus dem selbst gemachten Corned Beef war fürs Abendbrot Sandwichs geworden – ausgesprochen wohlschmeckend.

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Den gestrigen Donnerstag begann ich (nach meinem Morgenkaffee) mit Crosstrainer-Strampeln. Damit war ich für den Arbeitsweg gut aufgewärmt, die Temperaturen waren eindeutig Socken und warme Jacke. Zumindest blieb es den ganzen Tag trocken, sogar mit Sonne und gemischten Wolken.

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Den Abend verbrachte Herr Kaltmamsell aushäusig, hatte mir aber einen Salade niçoise in Einzelteilen vorbereitet, die ich als Nachtmahl nur noch zusammensetzen musste. Ich wusch Wäsche, las Internet und dann den irakisch-kurdischen Roman für meinen Lesekreis zu Ende.

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Der Deutsch-Brite Marcus Brown schreibt
„Geboren in Großbritannien. Made in Germany. Ein offener Brief an Innenminister Herr de Maizière.“

Das Antragsverfahren ist keine Gaudi, Herr Innenminister. Die doppelte Staatsbürgerschaft beantragt man nicht, weil man es kann, sondern weil man will. Das Antragsverfahren ist so gestaltet, dass man wirklich integriert sein muss. Nicht nur um den Pass zu bekommen, sondern weil es ein formeller Teil des Integrationsprozesses ist.

Ich war elf Jahre alt, als ich mitsamt meiner Familie die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt. Hätte es damals die Möglichkeit einer doppelten gegeben, hätten wir die sehr wahrscheinlich wahrgenommen, mein in Madrid geborener Vater und seine beiden Kinder – meiner Mutter wahrscheinlich nicht: Sie war vor der Eheschließung staatenlos gewesen (Mutter polnische Zwangsarbeiterin, nach dem Krieg ohne Papiere, sich nie um welche bemüht – fragen Sie nicht, es war kompliziert) und hatte durch die Heirat eines spanischen Staatsbürgers die spanische bekommen. Möglicherweise hätte ein bisschen spanische Staatsbürgerschaft meine Bindung an das Herkunftsland meines Vaters gestärkt, vielleicht auch nicht. Heute hätte ich die spanische Staatsbürgerschaft sehr wahrscheinlich auch als halbe aufgegeben, da mich zu wenig mit diesem Staat verbindet.

Doch ich kenne genügend Deutsche, die eine sehr enge Bindung an das Herkunftsland ihrer Eltern haben und durch die Wurzeln in zwei Staaten beide bereichern; was gegen deren doppelte Staatsbürgerschaft spricht, verstehe ich nicht. CSU-Politikerinnen und -Politiker bestehen ja auch darauf, sowohl in Bayern als auch in Deutschland verwurzelt zu sein.

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Schaut gut aus. Hier ein Drehbericht aus der Süddeutschen.

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Bilder, die mich zum Heulen bringen können:
„22 Amazing Photos Of Female Olympians Screaming Their Fucking Heads Off“.

Vielleicht interessiere ich mich ja doch ein bisschen für die olympischen Spiele.

Journal Dienstag, 9. August 2016 – Irgendwas mit Langhanteln

Mittwoch, 10. August 2016

Gestern nahm ich wieder in Kauf, recht spät in die Arbeit zu kommen – um frühmorgens Langhantel-trainieren zu können. Ich hatte mich schon tagelang darauf gefreut, ließ mich auch nicht vom Landregen abhalten.

Doch dann stand kein Hot-Iron-Trainer vorne, sondern jemand, der meinte, er sei dafür nicht ausgebildet, wir würden jetzt halt anders langhanteln. Da ahnte ich bereits Unruhe, denn: Der festgelegte Übungs- und Bewegungsablauf der Hot Iron-Franchise ermöglicht mir in Kombination mit meinem Trainingsstand zu beurteilen, für welche Übung ich wie viel Gewicht auflade. Wenn ein Trainer lediglich breite Squats ankündigt, weiß ich nicht, wie viele oder wie schnell sie sein werden. Und bei Oberkörperübungen fehlt mir zudem die Information, ob das die einzige Übung für diesen Muskel sein wird und ich ihn völlig erschöpfen kann oder ob ich ihn später nochmal brauchen werde – und sei es zur Unterstützung fürs Training eines anderen Muskels – und besser Reserven behalte. Ergebnis: Ich schwenkte bei einigen Übungen mittendrin auf eine Alternative, weil ich dafür viel zu viel Gewicht auf der Hantel hatte, mein Schultergürtel war beim abschließenden (!) Hantelstoßen über Kopf gefährlich ausgepowert. Beim Radeln zur Arbeit in Konsequenz so kraftlos, dass ich mich schier nicht auf dem Fahrradlenker aufstützen konnte, und der Muskelkater in Po, Brust, Trizeps setzte bereits am Abend ein.

Radeln durch den Regen ist übrigens nicht halb so romantisch wie es sich zunächst anhört. (Fluchte sie.)

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Nach Feierabend nutzte ich eine Schalteröffnung bis 18 Uhr, um ein Girokonto bei einer Genossenschaftsbank zu eröffnen. Ich erfuhr unter anderem, dass ich nicht die einzige bin, die die Sparkasse durch ihre neue Struktur von Kontoführungsgebühren endgültig vergrault hat.

Die Beraterin konnte auch meine letzte Sorge ausräumen: Wohin künftig mit dem Kleingeld unserer Urlaubskasse? Ihr Kollegin hob wortlos eine durchsichtige Plastiktüte mit Münzen hoch: So, erklärte sie mir dann, könne ich unser Kleingeld abgeben. Es werde eingeschickt, gezählt und dann gutgeschrieben.

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Herr Kaltmamsell kocht ja gerne Abenteuerliches. Als ich also bei David Lebovitz eine Anleitung für selbst gemachtes Corned Beef entdeckte, sah ich darin genau das Richtige für den Herrn. Jetzt in seinen Sommerferien nahm er sich die Zeit dafür. Seit einer guten Woche pökelte das Rindfleisch in unserem Kühlschrank vor sich hin (das Salz hatte Herr Kaltmamsell online besorgt), gestern wurde es gekocht und serviert. Es schmeckte großartig, feinwürzig durch Piment, Zimt, Nelken, Senfkörner, und unglaublich mürbe. Ich hoffe, das bleibt nicht das letzte Mal.

Zum Nachtisch bekam ich Berry Pie (mit Mirabellen, Him- und Brombeeren sowie Rumkirschen), ebenfalls nach einem Rezept von David Lebovitz, ebenfalls köstlich.

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Kathrin Passig verbringt einen Sommerabend mit Freunden am Berliner Dom:
„Nachts schlafen die Pokémon doch“.

Ich sage, ich sei schon lange nicht mehr so froh gewesen, dass meine Eltern mir nichts mehr zu sagen haben.

Journal Sonntag, 7. August 2016 – Angrillen

Montag, 8. August 2016

Das erste Grillen heuer ganz schön spät im Jahr, das lag aber nur zum Teil an mir und meinen mangelnden eigenen Grillmöglichkeiten. Vor allem hatte das erratische Sommerwetter mittelfristige Planungen zerschossen.

Gestern aber passte es. Meine Eltern hatten Herrn Kaltmamsell und mich Mitte der Woche für Sonntag zum Grillen eingeladen, gestern stand ich zu strahlendem Sonnenschein auf.

Zugfahrt durch satteste Hochsommerlandschaft, Heimatgefühle beim Anblick der Hopfengärten kurz vor der Ernte. Als eine amerikanisch klingende Mitreisende bemerkte: „I’ve never seen hops before“, wurde mir mal wieder die Exotik dieser Landschaft klar, global gesehen.

Ich war schon gespannt gewesen auf die Pokémonlage im elterlichen nördlichen Ingolstadt (das Spiel legt eine aufregende zweite Ebene über alle Geografie).

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Würde mich nicht wundern, wenn dieses Bild bald als Icon für „Besuch bei Eltern“ fungieren könnte. Ein paar Taubsis und Rattfratze gab es dann aber doch zu fangen.

Schwiegerelterns kamen auch zu Tisch, wir schlemmten Garnelen, Lammkoteletts, Auberginen, Rindersteak, Zucchini, Knoblauchbrot, Dorade, Tomaten, Schweinebauch – großartig.

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Ein Autor des schweizer Magazin schreibt aus Washingtons Suburbia:
„Das Böse lauert überall“.

Amerikas Vorstadtstrassen sind wie leer gefegt, weil Eltern ihre Kinder nicht mehr allein vor die Tür lassen, aus Angst, verhaftet zu werden. Vertrauen ist das grösste Tabu, Paranoia oberste Pflicht. In den USA grassiert die Furcht vor allem und jedem.

Ich finde die Beobachtungen sehr interessant – möchte aber bitte keine Zivilisationsuntergangsprognosen daraus ableiten. Ja, unsere Kindheit war völlig anders. In den ländlichen oder nicht-weißen USA ist es sie auch.

Kinder aus ärmeren Familien sind durchaus auf der Strasse, in Schwarzenvierteln von D.C., Chicago oder Baltimore etwa klettern sie ohne Aufsicht auf Gerüste und Bäume, weil die Eltern keine Zeit haben, sich um sie zu kümmern. Weil sie arbeiten und abends zu müde sind. Angst zu haben und teilzunehmen an der nationalen Panik ist ein Privileg und gehört auf die Liste von Christian Landers hervorragendem Blog: «Stuff White People Like».

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Oh doch, man kann mich für Profisport interessieren. Die New York Times hat ein wunderbares Multimedia-Feature über die Turnerin Simone Biles gemacht:
„Simone Biles – Gymnastics“.

Die artistische Körperbeherrschung und Kraft von Kunstturnerinnen fasziniert mich seit meiner Kindheit, und diese Frau ist atemberaubend.

Journal Mittwoch, 3. August 2016 – Klinikfrei und Haarschnitt wie vor 30 Jahren

Donnerstag, 4. August 2016

Ich hatte mir den Tag frei genommen, dennoch klingelte der Wecker vor sechs. Der Zweck des Urlaubstags war, in die Ambulanz der Dermatologie am hiesigen Uniklinikum zu gehen. Dort gibt es für gesetzlich versicherte Patienten keine Termine, am Telefon war mir beschieden worden: „Sie müssen halt um halb acht kommen und schaun, ob sie drankommen.“

Ich hab‘ da nämlich was chronisches Dermatologisches. Das bekomme ich seit 30 Jahren mit Salben ganz gut in den Griff, aber alle paar Jahre gehe ich damit in die Uniklinik, um nachzufragen, ob die Forschung vielleicht doch Heilung gefunden hat. Vor sechs Jahren gab es nichts Neues – gestern allerdings auch nicht. Zumindest bekam ich Mitleid („Oh, das sieht schlimm aus.“) und am Ende der vier Stunden, die ich meist mit Warten verbracht hatte, Rezepte für weitere Salben.

Bis dahin war ich beeindruckt von der ausgeklügelten Organisation der Patientenmengen inklusive durchwegs freundlichem und herzlichen Personal: Der große Wartebereich zur Patientenaufnahme mit Nummernziehen war bereits um halb acht zu zwei Dritteln besetzt. Es gab drei Kabäuschen für diese Aufnahme, die Nummern wurden mit Hinweis auf die Kabäuschennummer über einen Bildschirm aufgerufen, auf dem dazwischen Morgenfernsehen lief, tonlos. Um eine Ecke der Wartebereich für ein Dutzend durchnummerierte Behandlungszimmer, auch hier wurde die eingangs verteilte Nummer aufgerufen, wieder über einen Fernsehbildschirm. In diesem Bereich wartete ich am längsten. Die behandelnde Ärztin verwies mich nach kurzem Gespräch zu den Spezialisten im Haus. Dort war der Gang ein kleinerer Wartebereich ohne Nummern, erst mal musste ich meine Akte in einem Büro abgeben, damit man von mir wusste. Aufgerufen wurde ich mit meinem Namen („Habe ich den richtig ausgesprochen?“) von einer Ärztin.

Was mich insgesamt verwundert: Warum waren all die anderen Patientinnen und Patienten da? Ich komme wie beschrieben alle paar Jahre aus wissenschaftlicher Neugier, doch sonst ginge ich zu einer niedergelassenen Dermatologin. Was bewegte die Dutzende anderer Menschen in den Wartebereichen, sich statt dessen an die Ambulanz einer Klinik zu wenden?

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Für Frühsport war nun keine Zeit mehr (ich hatte mit dem Plan einer Schwimmrunde gespielt), ich war mittags mit Herrn Kaltmamsell bei Marietta verabredet. Wir spazierten Pokémon-fangend durch sonnige Hitze.

Zeit für einen Besuch bei Marietta zu haben, macht einen Tag zum Festtag: Wir ließen es krachen.

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Salat mit Oktopus für ihn, mit gebratenen Steinpilzen für mich.

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Pasta mit Salsicia gegenüber, bei mir mit schwarzen Trüffeln. Über den Daumen: In den gebratenen Steinpilzen und meinen Nudeln waren ca. ein halbes Packerl Butter. Köstlich.

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Ich spazierte zur Bank, weil ich endlich mit meinen Konten und meinem Geld in ein anständiges Institut wechseln möchte, aber auch anständige Banken haben die meisten Nachmittage geschlossen. Also doch erst mal alles online.

Ein Stündchen Siesta, die sich als ein paar Meter zu tief herausstellte: Ich kam daraus kaum wieder ins Wache zurück.

Noch auf der abendlichen Radfahrt zum Friseur war ich völlig benommen.

Als Ziel des Haarschnitts hatte ich mir das Thema 80er-Popper ausgedacht und historische Fotos aus dem Web mitgebracht (Pinterest ist hier die beste Fundgrube). Noch müssen meine Haare dafür etwas wachsen, doch mein gestern abschließendes Spiegelbild rief sofort Erinnerungen hervor.

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(Es war mal wieder Zeit für ein Automatenbild.)

Jetzt habe ich einen Haarschnitt, den ich zuletzt vor 30 Jahren trug – als ich mir nach dem Abitur die langen Haare abschneiden ließ (in Echt ist die Ähnlichkeit noch größer):

1986 erstmals kurze Haare

Zum Nachtmahl Salat aus frisch abgeholtem Ernteanteil – mit den ersten Tomaten des Jahres, hurra!

Journal Freitag, 29. Juli 2016 – Niedlichkeit und Lesestoff

Samstag, 30. Juli 2016

Früh mit dem Rad in die Arbeit, weil ich mit der Auszubildenden verabredet war.

Oberchefinnentochterwelpe machte Station in meinem Büro und erfüllte seine Niedlichkeitspflichten.

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Feierabend um vier, auf dem Heimweg noch Obst für in den tinto de verano gekauft, denn es war sommerlich. Allerdings überforderte es mich, dass ich schon um fünf daheim war: Zu früh fürs Abendessen, doch andere Pläne und Wünsche für den Abend hatte ich nicht. Ich las ein bisschen Zeitung, bis ich beschloss, dass es dann halt schon früher Abend war und Herrn Kaltmamsell zum Bereiten von Nachtmahl und Drinks trieb.

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Es gab getoastete Sandwiches, das Cordon bleu des kleinen Mannes.

Das Bayerische Fernsehen zeigte abends einen Zusammenschnitt der Gala zum 60. Geburtstag der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Die Zeit der Lach- und Schieß, die ich am besten kenne, ist die mit Henning Venske und Rainer Basedow – umso mehr freute ich mich über deren Auftritte. Aufnahmen aus den Anfangsjahren der Lach- und Schieß (und des FC Schmiere) wurden eingespielt, Josef Hader werde ich mir dringend doch mal solo ansehen müssen. Dass als einzige Frau Luise Kinseher auf die Bühne kam (neben Caroline Ebner im aktuellen Ensemble), wurde zwar thematisiert, war deshalb aber nicht weniger bitter.

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Ich weiß, Sie kommen hierher zum Lesen, weil ich immer einen Erfolgstipp auf Lager habe, 100-prozentige Durchschlaggarantie.

Hier mal wieder Tipps für Frauen in Führungspositionen.
„9 Non-Threatening Leadership Strategies for Women“.

Besonders wichtig zum Beispiel:

When you hear a sexist comment, the awkward laugh is key. Practice your awkward laugh at home, with your friends and family, and in the mirror. Make sure you sound truly delighted even as your soul is dying inside.

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Oh doch, ich spiele immer noch Pokémon. Noch allerdings im Rahmen meines Telefons.

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Manche beschäftigen sich damit, wie Astrophysiker kommunizieren sollten, wenn sie außerirdisches Leben entdecken.

Andere wiederum damit, ob Außerirdische zum Judentum konvertieren können.

via @AndreasSchepers

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Laurie Penny hat in den USA nicht nur den Parteitag der Republikaner besucht, sondern in den vergangenen Tagen auch den der Demokraten. Hier ihre zusammenfassende Analyse:
„American Horror Story“.

I went backstage at the biggest political show on earth- and found America telling stories about itself.

Ich möchte schon wieder am liebsten den ganzen Artikel hier reinkopieren: Laurie schreibt einfach so großartig. Allerdings weiß ich, wie gefährlich gute Schreibe und Pointen in einer politischen Analyse sein können – vor allem, wenn sie meiner Meinung entspricht. Sie können analytische Fehler verdecken. In Lauries Fall bin ich aber sicher, dass sie die Grundstrukturen richtig erfasst hat.

American politicians know that they are in showbusiness and generally have the terrifying teeth and hair to prove it, although a few of them get to be character actors. The conventions are the press matinee. Sequins, sparkles, wild promises, your favourite celebrities, pizza costs seven dollars a slice, the stadium is lit, balloons fall like platitudes from the rafters, the camera zooms in on the delegates weeping with joy.

It’s all designed to make you feel good. The question is – what kind of good do you want to feel?

Donald Trump makes you feel good like a line of cocaine or an adulterous orgasm makes you feel good. His puffed-up pridemongering appeals to the cowed, craving animal inside every citizen that wants to vote for cake today and fuck the other guy. Why? Because it feels good, and because so little else does.

But the Democrats? They make you feel good.

They make you feel worthy, and pure, and moral, or at least like you could be all those things if you tried. They make you feel like you’re a good person for trying. They make you feel like liberalism is a position that makes sense. Everyone wants to believe that they are a good person. Americans want to believe it more, perhaps, than the rest of us, because their nation has done and continues to do some very bad things both in the world and to its own people in the name of a dream that is still a nightmare for millions.

(…)

Lying is wrong, but party politics is a project of public mythmaking and manipulation so enormous that it crushes the concept of falsehood. In the writer’s room of US politics, the scriptwriters have move beyond lies to the management of truth, the creation of a master story that can explain all the other stories, sweep them up, make us want to turn the page, knowing we can never truly choose our own adventure.

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Susanne Englmayer hat über Tango geschrieben, was da passiert und was eben nicht:
„Tango ist möglich“.

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Herzerfrischung gestern: Der Blick auf dem Ausland auf den Umgang hier in Deutschland mit den Anschlägen der vergangenen Wochen.
„How Germans handle terror
Pure reason“.

Große Liebe für den Bildtext. (Auch wenn wir hier alle wissen, dass der Economist so manche Hysterie hierzulande schlicht ausblendet.)

Journal Montag, 25. Juli 2016 – Rabenschwarzer Tag

Dienstag, 26. Juli 2016

Der Morgen begann mit der Nachricht, dass in der Nacht zuvor in Ansbach der erste Selbtmordanschlag in Deutschland verübt worden war.

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Fußweg durch graue Schwüle in die Arbeit, wo ich gestern und heute zwei Schülerpraktikantinnen betreue. Solchen Praktikantinnen erkläre ich zunächst immer anhand einer Präsentation, was die Kommunikationsabteilung eigentlich macht. Aus meiner Nebenbemerkung, dass die arbeitgebende Organisation noch nie von einer Frau geleitet wurde, entspann sich eine Unterhaltung mit den beiden über Feminismus. Zu meiner Erleichterung schien ihnen bewusst, dass noch viel zu tun ist.

Als ich die jungen Frauen mit einem Arbeitsauftrag versorgt hatte, fiel mich meine Twittertimeline mit einer Vermisstenanzeige an: Johannes Korten, den ich als langjährigen Bewohner des Webs und Berufskommunikator der GLS-Bank kannte (allerdings nicht persönlich), hatte einen Abschiedsbrief in seinem Blog und bei Twitter hinterlassen und war verschwunden. Große Bestürzung. Am Nachmittag berichtete die Bochumer Polizei, dass er tot war; auf verschiedenen Blogs erschienen Nachrufe.

Nun war ich endgültig durch den Wind und schwankte zwischen dem Befremden, dass Korten in seinen Schritt so viele Menschen mit hineingezogen hat durch den öffentlichen Abschiedsbrief und seinen Tweet – und dem Schmerz des Wissens, dass keine Liebe und keine Anerkennung der Welt gegen die große Lüge der Depression ankommen. Mir ist schon klar, dass in der finalen Phase einer Depression die Meisterschaft des Menschen in kognitiver Dissonanz dazu führt, dass er die Rücksichtslosigkeit seinen Angehörigen gegenüber wegerklärt mit der Überzeugung, sie seien ohne ihn besser dran. Doch den eigenen Suizid in einem öffentlichen Blog zu verlautbaren ist schon ein extra starkes Stück wegerklärter Rücksichtslosigkeit. (Ich merke, dass derzeit die Wut überwiegt. Wo ich doch weiß, dass der Auslöser dieser Wut Teil einer Krankheit ist.)

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Kurz bevor ich Feierabend hatte machen wollen, begann ein Sturzregen, der sogar Hagel mitbrachte. Ich wartete eine Stunde, bis der Regen aufhörte, krempelte die Beine meiner weißen Sommerhose hoch (Spritzer!) und ging heim, mit einem kleinen Umweg über den Süpermarket Verdi für Obstkauf. Impulskauf: Johannisbrotsirup, den ich beim Vorbeilaufen in einem Regal sah – kenne ich noch nicht, bin gespannt.

Herr Kaltmamsell hatte typisch deutsches Abendbrot angerichtet (Radi geraspelt mit Sahne und Kümmel ist sehr gut!). Wir unterhielten uns über die schlimmen Dinge der vergangenen Tage.

Journal Sonntag, 24. Juli 2016 – Heimreise

Montag, 25. Juli 2016

Mit nur dem leisesten Kater aufgewacht. Duschen, Bloggen, Packen, Fahrt zum Bahnhof. Dort trank ich Morgenkaffee und holte mir Proviant für die Heimreise, unter anderem einen Streuselfladen, der für mich typisch Berlin ist: Ein ungeheuer mächtiges Süßgebäck mit saftigem Hefeteig drunter und mehreren Zentimeter fetten, vanillinigen Streuseln drüber. Sättigt auf der Reise von Berlin bis hinter Bozen.

Beim Einsteigen in den ICE Slapstickeinlage, als eine Vielzahl großbekofferter Reisender (Ferienbeginn!) einer umgekehrten Wagenreihung hinterherhetzte.

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Ereignislose Rückfahrt, unter anderem durch ein hochsommerlich abgeerntetes Sachsen. Wie schon auf der Hinfahrt war der ICE perfekt temperiert und pünktlich. Ich sah viel aus dem Fenster, hörte Musik, las in Wilkie Collins‘ Moonstone, nickte immer wieder ein.

München empfing mich mit unerwarteter Sonnigkeit und Hitze, doch die Wohnung war kühl.

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Zum Nachtmahl verwandelte Herr Kaltmamsell die Ernteanteil-Aubergine in ein Sechuan-Gericht. Wir erzählten einander unsere vergangenen Tage; Herr Kaltmamsell hatte mindestens so viele Verabredungen gehabt wie ich.