Essen & Trinken

Heilig Abend 2011

Sonntag, 25. Dezember 2011

Ein grauer Tag, hin wieder regnete es. So richtig aber erst auf unserem Wir-suchen-das-Christkind-Spaziergang. Den Bläserchor auf dem Alten Südfriedhof hörten wir noch im Trockenen, doch dann wurde es immer nasser, bis wir über der Isar malerischen Graupelschwaden zusahen.

Und durch dieses Sauwetter hat es mir ein Kindle gebracht, das Christkind – also ein Christkindle. Sonst angenehme Nichtbelästigung in den Geschenkpapieren: Bücher von der Wunschliste, ein Lebkuchenformer.

Der provencalische Muscat entpuppte sich als Süßwein und passte praktisch überhaupt nicht zu den Riesengarnelen (einmal im Jahr) mit selbstgemachter Cocktailsoße auf Idiotenmajonesenbasis. Tja, da mussten wir alle durch. Dass es vorher schon ordentlich Egg Nogg gegeben hatte, erleicherte das Durchmüssen.

Zum Nachtisch hatten endlich die im Sommer produzierten Amarenakirschen aus deliciousdays Geschenkideen aus der Küche ihren Auftritt – zu Schokoladeneis.

Adventspaziergang 20121

Montag, 5. Dezember 2011

Der Familienspaziergang zum Advent führte in eine sehr nahe gelegene Gegend um meine Geburtsstadt, die ich gleichwohl seit vielen Jahren schon nicht mehr besucht hatte: zum Auwaldsee. In meiner Kindheit war das der zweite gut erschlossene Badesee nach dem Baggersee gewesen, jedoch nur ein Bruchteil so groß und auch sonst aus Gründen, an die ich mich nicht mehr recht erinnere, bei weitem nicht so attraktiv. Allerdings begegnete ich an diesem Auwaldsee zum ersten Mal dem Konzept Camping: Dort gab es nämlich einen Campingplatz mit angschlossenem Supermarkt.

Im trüb-milden Dezemberwetter gewann der See gestern nicht gerade an Anziehungskraft, zumal in deutlicher Hörweite die Autobahn vorbeibraust.

Der Kormoran war allerdings eine schöne Überraschung.

Zu Mittag war ein Tisch im Wirtshaus am Auwaldsee reserviert – einem legendären Lokal, von dessen Sommernachtsbällen ihrer Jugend meine Mutter heute noch schwärmt (ich habe selbstverständlich sofort deutsch 50er-Jahr-Filme und Lampions vor Augen).
Das Lokal ist sehr angenehm eingerichtet, die Speisekarte hat die Form eines Magazins (in dem es für meinen Geschmack zu viel pseudo-bayert, aber der Zielgruppe gefällt genau das), der Service war ausgesprochen kinderfreundlich, das Essen sehr gut. An den Eventcharakter der Darreichungsform gewöhnt man sich vermutlich mit der Zeit; mein hervorragender Pökelbraten von der Tageskarte zum Beispiel wurde in einem Spielzeug-Bratreindl serviert.

Zurück ins elterliche Haus. Plätzchen (Mutter), Lebkuchen (Schwägerin) und Stollen (ich) gab es schon auch zum heißen Apfel-Caipi (ein Höllengebräu aus Cidre, Apfelsaft, Rohrzucker und Cachaça – mir einen Tick zu süß). Doch die kulinarische Sensation war die Kiste Mandarinen, die meine Eltern bei einem Direktimporteur aus Italien vom Lieferwagen weg gekauft hatten: Mindestens drei verschiedene Sorten, alle mit knackig grünem Blattwerk, alle köstlich. Ich überfraß mich damit völlig – obwohl Mandarinen mich sonst gar nicht so anmachen.

Abends daheim in München backte ich die Kirsch-Quitten-Schnecken aus der Brigitte-Weihnachtsbeilage von vorletztem (?) Jahr, für die ich den Teig am Vorabend gemacht hatte. Tatsächlich schön fruchtig und frisch gebacken ganz wunderbar – ich fürchte allerdings, dass ihnen quarkteigtypisch die Lagerung nicht bekommt.

Durchbackenes Wochenende

Montag, 28. November 2011

Es fühlte sich gar nicht derart voll oder gar hektisch an, dieses Wochenende, aber jetzt beim Aufschreiben merke ich, wie reich es war. (Allerdings argwöhne ich, dass ich selbst von einem reinen Herumschildkröteln1 noch 50 Fotos heimbrächte.)

Das Wochenende begann, wie es sich gehört, am Freitagabend, den ich mit einer Freundin (doch, ich glaube, dass aus der ehemaligen Kollegin in wenigen gemeinsamen Abenden eine Freundin geworden ist) im Gesellschaftsraum verbrachte.

Besonders freute mich die Idee, Avokado mit Blaubeeren zu kombinieren – schmeckte genial. Ebenfalls hervorragend: Christstollen-Piccata auf Linsen als Hauptgericht (letztes Bild).
Allerdings war ich meist von den Köstlichkeiten abgelenkt, da die Unterhaltung mit meinem Gegenüber zu spannend war. Ich bilde mir ja auf wenig in meinem Leben etwas ein, aber was ich wirklich zu können scheine, ist, großartige Menschen kennenzulernen. (Muss eine kleine gerührte Pause einlegen.)

Suppe zum Selbstflambieren.

Samstagmorgen ein neues Brot ausprobiert: Brot mit Schmalz. Ist mir gelungen (ich hätte allerdings die Wasserschale früher entfernen müssen), schmeckt auch gut – aber derzeit sind mir kräftige Roggenbrote oder großporige Weizenbrote lieber.

Zum Adventeinstieg hatte ich mir Stollen- und Lebkuchenbacken vorgenommen, also jahreszeitliches staple food2. Die zwei Stollen (einen für meine Eltern, einen für uns) machte ich wieder nach dem inzwischen bewährten Rezept von Bäcker Süppke (meine Mutter führt mit ihrem Exemplar mittlerweile einen Feldzug gegen den anscheinend omnipräsenten Stollen einer Freundin, der sich durch besondere Trockenheit auszeichnet – was manche ja schätzen).

Das Rezept für Elisenlebkuchen verwende ich im dritten Jahr: Der Geschmack ist unübertroffen, nur fand ich die Lebkuchen bislang einen Tick zu trocken. Nach eingehendem Nachdenken darüber, was welche Zutat im Teig so tut, beschloss ich die Eiermenge zu reduzieren. Bingo! Jetzt sind sie perfekt. Was ich dabei auch gelernt habe: Mandeln und Nüsse lassen sich im Standmixer unserer Kenwood-Küchenmaschine gut portionsweise mahlen. Hatte meine Schwiegermutter mir schon lang geraten, jetzt habe ich es endlich verifiziert – und streiche meinen Wunsch nach einem Nussmühlenaufsatz für die Maschine. (Hier geht’s zum Rezept.)

Den Knaller des Samstagabends aber zündete der Mitbewohner: Köstliche Schweinshaxe vom Herrmannsdorfer.

Sonntagmittag in milden Lüften und Sonne zum gemütlichen Schwimmen ins leere Olympiabad inklusive anschließendem Spaziergang durch und am Olympiapark.

Es fühlte sich nicht nur warm an, es war tatsächlich 13 Grad warm um 14 Uhr am Sendlinger-Tor-Platz.

Dennoch abends ein erster Besuch auf dem Christkindlmarkt am Sendlinger Tor: Gebratene Regensburger spezial und Pommes mit Majo.

  1. Leider bislang nur auf Papier: Das wunderbare Interview mit Gerhard Polt im jüngsten Süddeutschen Magazin. Nachtrag: Jetzt ist es online! []
  2. Werde nie den Redaktionsplan einer Frauenzeitschrift vergessen, der „Stable Food“ vorsah – Augen auf bei der Fremdsprachenwahl. []

Schöner Montagabend

Dienstag, 22. November 2011

Mit köstlichster Cocktailbegleitung hier die Köpfe heiß geredet. Sie können sich freuen: Weltrettung steht unmittelbar bevor.

Da es doch weit später als meine wochentägliche Schlafenszeit wurde, plante ich ein späteres Wecken – vergeblich, da ich die Müllabfuhr nicht informiert hatte und diese wie üblich am Dienstagmorgen um 6 die Mülltonnen aus dem Kabuff unter meinem Schlafzimmerfenster holte.
Sollte die Weltrettung also auf sich warten lassen, liegt das allein an meiner Übermüdung.

Mal wieder Kleckerkuchen

Montag, 14. November 2011

Wenn ich mich recht entsinne, kam meine Mutter eines Tages mit diesem Rezept von einem Kaffeekränzchen heim – die Gastgeberin hatte es aus ihrer schlesischen Familie. Im Original gehört deshalb ein Hefeboden unter den Kuchen, doch wir stellten schnell fest, dass der Kuchen damit am nächsten Tag nicht mehr so gut schmeckte. Und da die Zubereitung doch etwas Zeit kostet (allein für das Bekleckern sollte man 30 bis 45 Minuten einkalkulieren), machten wir ihn gerne schon am Tag vor dem Servieren. Die Lösung der Familie Kaltmamsell: Der Mürbteigboden des klassischen Käsekuchens von Blech.

Hier steht das Rezept.

Wochenreport

Sonntag, 6. November 2011

Dienstag
Den ganzen Allerheiligen-Feiertag um die Abendveranstaltung herum geplant: Ich hatte Gäste zum Ganserlessen. Also Dessert zubereitet (Honig-Walnuss-Parfait, serviert mit Zwetschgenzeugs), Gänsefüllung aus Quitte, Stangensellerie und Maroni erstellt, Gans bratfertig gemacht. Dann nutzte ich das Feiertagsprogramm meines Fitnessstudios, das einen der raren 60-minütigen Stepaerobic-Kurse enthielt (sonst mittlerweile nur 30 oder 45 Minuten lang).
Am frühen Nachmittag schob ich die Gans in den Ofen, wo sie (fünfeinhalb Kilo schwer) bei 120 Grad fast sieben Stunden garen sollte, alle 30 Minuten mit Brühe übergossen.
Den Beilagenwirsing hatte ich schon am Montagabend zubereitet, um ihn zum Essen ordnungsgemäß aufwärmen zu können. Den Teig des Serviettenknödels (Rezept aus dem Bayerischen Kochbuch) stellte ich nachmittags fertig, bevor ich den Tisch deckte. Geräuchteren Saibling für die Vorspeise filetiert.
Dann kamen die Gäste und veranstalteten eine ausgesprochen vergnügliche Dinner Party. Die dürfen wiederkommen.

Mittwoch
Viel zu früh aufgewacht, herumgeräumt, dem Hamburgbesuch an einem eigens dafür genommenen Urlaubstag ein wenig München gezeigt.
Dankbar akzeptiert, dass die Dame schon nachmittags wegen Kränklichkeit wieder ins Bett wollte, da ich mich alles andere als fit fühlte. Daheim rumgeräumt, beim anschließenden Hinsetzen gemerkt, wie unfit ich wirklich war. Deshalb die Eröffnung meiner Kammerspielsaison doch spontan verschoben und früh ins Bett gegangen.

Donnerstag
Völlig wiederhergestellt und frisch gearbeitet, und zwar so richtig und mit Ergebnissen.
Abends eine Runde Gestrampel im Sportstudio. Zum Nachtmahl die letzten Reste der Einladung (an so einer riesigen Gans ist dann doch gar nicht so furchtbar viel Fleisch), zudem Feldsalat und Austernpilze aus der regionalen Biokiste.

Freitag
Schon wieder so richtig gearbeitet. Am Feierabend erst in die Muckibude, dann zur Freitagsküche ins Hukodi: Eine ganz wundervolle Sache mit köstlichen Speisen inklusive Erklärungen des Kochs und Veranstalters Sebastian Dickhaut (Offenlegung: Mit dem ich auch befreundet sein wollte, könnte er nicht kochen.). Und zumindest bei dieser Gelegenheit mit ausgesprochen kennenlernenswerten Essgesellen (darunter ein Viktualienmarkt-Standler).

Vorspeise Lompemois de luxe (des is Hessisch)

Hauptspeise Daube vom Hirsch

Samstag
Amsterdam von Ian McEwan ausgelesen – dafür gab’s 1998 ‘nen Booker Prize? Für diese leichtgewichtige Flughafenlektüre?
Geschwankt, was mir wohl besser tut: Sportlos faulenzen oder schwimmen? Allein schon der Umstand, dass ich ob des sensationell schönen Wetters mit dem Fahrrad zum Olympiabad fahren konnte, brachte mich zum Schwimmen. Auf dem Rückweg ein bisschen Einkaufen, daheim Brotteig angesetzt (dafür), noch eine Runde eingekauft, Karottenkuchen gebacken. Beim Brotbacken schon wieder halb gescheitert (Teig zu flüssig, ging nicht richtig auf – dank meiner Brotfeen aus dem Internet weiß ich, dass ich wahrscheinlich meine Sauerteige auffrischen muss), Lektüre des nächsten Buchs begonnen.

Sonntag
Luxuriöser Isarlauf nach zwei Wochen Pause (Rückengeschichten, die meine Hausärztin vom Laufen abraten ließen – auch wenn es meiner Lendenwirbelsäule nach dem Laufen noch nie schlechter ging) in immer besserem Wetter. UND: Seit Samstag fahren meine wichtigsten Tramlinien wieder wie gewohnt, die Bauarbeiten in der Müllerstraße sind (hoffentlich jetzt für spürbar viele Jahre) abgeschlossen. Ich kann meine Lauferei also wieder völlig flexibel planen.

Und jetzt müssen Sie durch ganz, ganz viele Bilder von diesem Lauf.

Alte Parkbanksitzerin, als ich vorbeilaufe: „Mei, vo dene Jogger is ma aa nirgends sicher.“ Ich so: „Vo dene Grantler aa ned.“ (Natürlich nicht, ist mir selbstverständlich erst zehn Schritte weiter eingefallen.)

Und weil mich Leser und Leserinnen hier immer wieder fragen, wie ich denn beim Dauerlauf einen Fotoapparat mit mir führe: Ganz einfach (große Hände nützen).

(Fotos by Mitbewohner)

Festgestellt, dass der Karottenkuchen noch besser schmeckt, als ich ihn in Erinnerung gehabt hatte.

Camilla Macphersons Am Tag und in der Nacht ausgelesen (Details im morgigen Posting), ein bisschen Hausmusik mit dem Mitbewohner gemacht.

Der Wahn der Bissfestigkeit

Montag, 17. Oktober 2011

Unser regionale Biokiste erfreute uns bei der jüngsten Lieferung mit einem wunderschönen Wirsingkopf. Er sollte unser Samstagessen werden. Ich mag Wirsing sehr gerne, in seiner süßlich-herzhaften Pomfigkeit gehört er für mich als Herbst- und Winterspeise in eine Reihe mit dicken Eintöpfen.

Im Web sah ich mich nach einer Zubereitungsweise für den Wirsing um – und war bald verblüfft: Hier wurde kurz angebraten und „ca. 10 Minuten gedünstet“, dort hieß es nach dem Blanchieren „5-10 Min. dünsten“ oder man schlug gleich ein kurzes Erhitzen im Wok vor. Ich weiß ja nicht, wie und wo all diese Online-Köche groß geworden sind. Doch wenn ich an Wirsing denken, sehe ich vor mir einen Brei mit Bröckerln, der eine karamellige Note hat, am besten mindestens einmal aufgewärmt. Bestimmte Geschmacksnoten, die ich sehr gerne mag, lassen sich halt erst aus Kohlgemüse holen, wenn es ziemlich lange erhitzt wurde.

Ich kann mir das nur mit der grassierenden Knackigkeitsmode bei Gemüse erklären. Lange dachte ich, nur meine Mutter hätte den Tick, Grünzeug und Hitze möglichst wenig in Kontakt kommen zu lassen. Besonders schlimm fand ich das schon immer bei grünen Bohnen. Meine Mutter serviert sie bis heute, nachdem sie diese dem heißen Wasser offensichtlich lediglich vorgestellt hat: „Heißes Wasser, grüne Bohnen. Grüne Bohnen, heißes Wasser.“ Und sie schwärmt, wenn diese Bohnen anschließend beim Beißen dieselben Geräusche erzeugen wie Karottenstifte. Meine Mutter versucht sogar mehlige Kartoffeln „mit Biss“ zu servieren – statt mit der ihnen angemessenen wolkig zerfallenden Mehligkeit.

In den letzten Jahren scheint die persönliche Vorliebe meiner Mutter Mainstream geworden zu sein. Mittlerweile schaffen es auch Unternehmenskantinen, Rosenkohl in einer quietschenden Festigkeit zu servieren, für die der Engländer das Wort crunchy erfunden hat. Der Brokkoli, der beim Italiener die Saltimbocca begleiten soll, springt vor Lebensfreude schier selbst vom Teller.
Was kommt als Nächstes: Knackiger Rahmspinat? Bissfeste Tomatensoße?

Es hat lange genug gedauert, bis ich gegartes Gemüse nicht nur scherzhaft eingefordert habe, sondern ungehalten. Ich hatte nämlich ein schlechtes Gewissen, denn schließlich tötet doch langes Garen all die Vitamine. Mittlerweile aber bin ich überzeugt, dass die Nahrungsauswahl in unserer Gesellschaft auch inklusive weichem Gemüse groß genug ist, dass aller Nährstoffbedarf gedeckt wird. Zudem will will ja nicht jedes Gemüse weichgegart: Frische Erbsen dürfen beim Beißen druchaus ein wenig Widerstand bieten.

Aber wenn ich Rohkost will, bestelle ich Rohkost.

(Den Wirsing schnitten wir in Streifen. Dann ließen wir in einem großen Topf klein geschnittenen Bauchspeck aus, brieten darin ein gehacktes Zwiebelchen an. Der Wirsing kam dazu und wurde rundum angebraten – dazu brauchte es etwas mehr Fett, wir nahmen vom Gänseschmalz, das wir seit letztem Weihnachten aufbrauchen. Mit einer Tasse Gemüsebrühe angegossen, schmurgelte der Wirsing 40 Minuten leise bei geschlossenem Topfdeckel. Dann würzten wir ihn mit Salz, Pfeffer, Thymian und gossen ordentlich Sahne an. Einige Paar Debreziner kamen mit in den Topf, alles zusammen garte nochmal 15 Minuten mit Deckel. Und selbst dann war der Wirsing noch nicht komplett zu Brei gekocht.)