Essen & Trinken

Journal Donnerstag/Freitag, 28./29. Januar 2016 – Faktenferne und Partylärm

Samstag, 30. Januar 2016

Am Donnerstag im Sonnenaufgang zu Fuß in die Arbeit. Die Theresienwiese konnte ich nicht ganz in Luftlinie kreuzen, weil mitten drin ein Stück Asphalt erneuert wird.

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Dieser minimale Umweg war allerdings sehr weit entfernt zu dem Weg, den meine Bewegungs-App mir unterstellte.

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In der Arbeit lernte ich durch Facebook-Kommentare und Anrufe, wie egal Menschen die einfachsten Fakten sind: Wer was wo gesagt hat zum Beispiel. Davor hatte ich vorausgesetzt, dass Menschen nur Aktionen angreifen, wenn sie sichergestellt haben, dass diese auch geschehen sind. Irrtum: Es wird nicht gelesen, nicht nachgedacht, sondern in einem Ausmaß rumgemeint, dass mir schwindlig ist.
Ich wundere mich über Entschlackungsgläubige? Das Ignorieren einfachster Alltagsfakten fängt schon weit vorher an. Unsereine mag scherzen: „Don’t confuse me with facts“. Doch eine große Anzahl Menschen ist anscheinend wirklich überzeugt, dass alles, was ihrem Bauchgefühl widerspricht, einfach gelogen ist.
Dass mich das erschüttern konnte, belegt, wie naiv ich immer noch bin.

Und doch fuchtle ich schon wieder mit den einfachsten Regeln sachlicher Argumentation herum: In der NZZ erklärt ein Kommentar von Karim Bschir
Die Regeln der Wissenschaft“.
Untertitel: „Wenn sich alternative Medizinpraktiker den Anschein von Wissenschaftlichkeit geben, indem sie ihr Vokabular jenem der Wissenschaft anverwandeln, ist Vorsicht geboten.“

Wer auch nur die geringste Ahnung von Wissenschaft hat, der weiss, dass diese keine absoluten Gewissheiten liefert.

(…)

Bevor wir anfangen, Evidenzen abzuwägen, gilt es zunächst einmal, zu klären, ob beide Seiten bereit sind, empirische Evidenz überhaupt als Argument zuzulassen.

via @RomanaGanzoni

Abends kochte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch und weil der Ernteanteil ein Stück Kürbis enthielt die Mac’n’Cheese aus Nicky Stichs Reisehunger. Während ich mich über die Einleitung zu dem Rezept so freute, dass ich sie verinstagramte

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(meine eigenen Rezepte müsste alle so anfangen), zweifelte Herr Kaltmamsell das eine oder andere Detail an dem Rezept an. Ich musste ihn zurechtweisen: „WENN DIE DAS SO HINGESCHRIEBEN HAT, WIRD SIE SICH WOHL WAS DABEI GEDACHT HABEN!“

Dazu passend: Margarete Stokowski lässt sich über die Detox-Welle aus. Ganz vernünftig:

Das Vermeiden von Stress ist die Grundhaltung. Das ist okay. Jede Gesellschaft hat ihre tröstenden Kulturtechniken. In Polen gibt es zum Beispiel Wodka.

Die ganze Kolumne:
„Oben und unten: Geil, Resignation!“

(Ich hab’s ja einfach: Mein Detox wird von den serienmäßig mit Körper gelieferten Nieren und Leber übernommen.)

Nach über einer Woche hatte ich mal wieder Lust auf Alkohol. In den Wochen davor hatte ich mir fast Sorgen gemacht, weil ich jeden Abend Lust auf ein Glas Wein gehabt hatte – irgendwie gehe ich davon aus, dass in jeder von uns eine Alkoholikerin lauert, die nur darauf wartet durchzubrechen. Doch da ich eben auch, eher selten, Phasen ohne jeden Hang zu Alkohol habe, stimmt das wohl nicht ganz.

Auf dem Heimweg hatte ich Zutaten für Mai Tai eingekauft, den gab’s abends reichlich.

§

Freitagmorgen um 4 klopfte die Migräne an. Das ging leider gar nicht, weil an diesem Freitag in der Arbeit eine ganztägige Konferenz stattfand, die ich organisiert hatte. Wenn ich zum Triptan gegriffen hätte (und ganz so schlimm, fand ich, war’s ja gar nicht), wäre ich in schwer abbrechbaren Tiefschlaf gefallen. Ich stand also wie geplant um 6 Uhr auf, setzte mechanisch den Kaffee auf, ertrug nicht mal seinen Geruch, war zu nichts zu gebrauchen, stierte schaukelnd vor mich hin. Zumindest musste ich mich nicht erbrechen.

Eine halbe Stunde ging ich nochmal ins Bett, schubste mich dann ins Büro. Ich stattete die Konferenztische mit Unterlagen aus (der Raum war bis zum Abend davor belegt gewesen, ich konnte das erst am Konferenzmorgen erledigen), legte Tischschilder und Namensschilder bereit – und stellte fest, dass ein Namensschild fehlte. Nun können die bei mir in der Arbeit CD-gerecht nur mit einer ganz bestimmte Maschine gefertigt werden, die nur zwei Menschen in der Hauptabteilung bedienen können – und die waren so früh noch nicht da.

Ich informierte eine Kollegin, die an der Konferenz teilnahm, über die organisatorischen Hintergründe des Tages (wann wo Mittagessen, wie der anschließende Espresso, woher Kaffeepause), wartete die Herstellung des fehlenden Namensschilds ab, brachte es in den Konferenzraum, schickte eine Krankmeldung ab und fuhr endlich nach Hause ins Bett.

Als ich wieder aufwachte, bekam ich sogar noch eine Stunde von dem wundervoll sonnigen Tag mit, sah eine große Gruppe silbern schillernder Gänse weit oben am Himmel ziehen.
Aber mehr als Nachlesen der Twitter-Timeline, einiger darin verlinkter Artikel und des Techniktagebuch-Redaktionschats war nicht drin. Jetzt ist aber mal wieder gut mit Migräne, drei Attacken in zwei Monaten sind störend weit über meinem Durchschnitt.

Abends feierten kürzlich zugezogene Mieter eine Party – schon gleich ab acht ungewöhnlich laut für dieses Haus. Aber so ist das halt mit fröhlichen Festen: Man hört sie.

Um neun klingelte es, ich verstand über das Haustelefon nicht, wer das war und ging hinunter zur Haustür: Da standen drei sehr große junge Männer in blauen Overalls, mit Funkknöpfen im Ohr und „Polizei“ auf die Brust gestickt. Tatsächlich, sie waren wegen der Party gerufen worden, oh je. Sie fragten freundlich, ob ich wisse, wo die sei? „Ja.“ – Ich deutete hinter sie ans schwarze Brett des Hauses, an dem die Mieter per Aushang die Party angekündigt hatten. Ob ich mich gestört fühlte? Aber nein, beteuerte ich, der Geräuschpegel sei nur für dieses sonst ruhige Haus ungewöhnlich.
Die Herren gingen hinauf.
Es tat mir leid für die Partygastgeber: Wer da auch immer die Polizei geholt hatte, hatte sicher nicht den Anstand gehabt, erst mal selbst zu klingeln und um Ruhe zu bitten.
Verbuchen wir das also unter München: Wo die Leute wegen einer hörbaren Party schon vor 21 Uhr die Polizei holen.

Leiser wurde es deshalb auch nicht (völlig in Ordnung), zumal offensichtlich auf den Balkonen geraucht wurde und der Schall der begleitenden laut-fröhlichen Gespräche sich im Hinterhof verstärkte. Aber dagegen gibt es ja Ohropax.

§

Menschen fürs Putzen unserer Wohnung zu zahlen, bereitet mir immer noch ein leicht schlechtes Gewissen. Umso interessanter ist es zu erfahren, was vier solcher Reinigungskräfte über ihre Arbeitgeber und ihre Arbeit denken:
„Sie kennen unseren Schmutz. Kennen sie auch uns?“

Journal Donnerstag bis Sonntag, 21.-24. Januar 2016 – vorerst Winterende

Montag, 25. Januar 2016

Donnerstag entdeckte ich auf Twitter den Account Ravenmaster. Der twitternde Herr arbeitet für den Tower of London und ist für die sechs (plus zwei Reserve-) Raben zuständig, die seit der Viktorianik schon immer dort gehalten werden. Von denen postet er Bilder und Filmchen – an denen unter anderem schön sichtbar wird, wie groß der Unterschied zu Krähen ist.

§

Freitagmorgen absolvierte ich im heimischen Wohnzimmer eine halbe Stunde Krafttraining, dann holte ich mir bei der Hausärztin ein neues Rezept für Migränemittel ab. Dass ich es mit dem unwillkürlichen Gedanken „main Schaaaaatz!“ entgegennahm, beweist mir mehr als manch anderes, wie schlimm die großen Migräneattacken für mich sind und welchen Horror ich davor habe, jemals wieder ohne Medikament eine ungeschützt und ganz durchleben zu müssen.

Nach Feierabend Treffen mit meiner Leserunde zu Richard Yates‘ Cold Spring Harbour: Hatte uns allen gefallen, aber kaum jemand fand es so besonders gut wie ich. Ich hatte die scheinbar nüchterne Sprache gemocht, mit der Yates den Figuren Raum zur Entfaltung gibt, die fast tragische Unausweichlichkeit der zwischenmenschlichen Mechanismen in den frühen 40ern an der amerikanischen Ostküste. Ich hatte mich oft an Jane Austen erinnert gefühlt: Der formalisierte gesellschaftliche Umgang, der schlimme Probleme unter den Teppich kehrt, die extrem wenigen Optionen, die das Leben Frauen ließ, Selbstbetrug als Lebenserhaltungsmaßnahme.

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Samstag den schlimmsten Eisregen verschlafen, der in den frühen Morgenstunden München überzog. Für den Vormittag hatte ich mir eine 45-Minuten-Folge bei Fitnessblender ausgesucht, auch die gefiel mir gut: Die Übungen werden sorgfältig erklärt und gezeigt, die Stimmung ist ruhig und freundlich.

Nach einer Einkaufsrunde bereitete ich Dorschbrot zu. Ich habe das Rezept von einer Studienfreundin: Sie hatte eine kleine Gruppe Freunde damals nach München in die Neuhausener Altbauwohnung ihrer Eltern eingeladen (wir wohnten und studierten ja in Augsburg) und dort Familienrezepte serviert. Wir kochten ohnehin oft füreinander: Wo unsere wilden Altersgenossen Nächte in Discos verbrachten, trafen wir uns zum gemeinsamen Essen. Dorschbrot scheint etwas sehr Spezielles zu sein, nicht mal Google kannte es. Das ändert sich hiermit, ich habe das Rezept aufgeschrieben.

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Bis Sonntag war der Winter fast verschwunden, die Temperaturen stiegen in deutliche Plus-Regionen. Ich radelte vormittags zu einer Hüpfstunde am Ostbahnhof, verbrachte den Nachmittag über Ostfriesentee und Kuchen mit Kunstgeschichtegesprächen.

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Der Blogger Kurzhaarschnitt hat die Geschichte seiner Frau aufgeschrieben und schildert bedrückend nachvollziehbar das juristische Dilemma und die Folgen von sexuellem Missbrauch in der Kindheit:
„Meine Frau und ich. Eine Liebesgeschichte mit bitterem Beigeschmack. Und Happy End.“

Auch bemerkenswert ist die Geschichte wegen ihres Trigger Warnings, das den Sinn solch eines Hinweises erklärt:

Liebe Leserinnen und Leser, Smartphones und Laptops ermöglichen uns, Texte wie diesen jederzeit und überall zu lesen, ob nun zu Hause, an der Arbeit in der Pause, im Wartezimmer beim Arzt oder, oder, oder. Jedoch gibt es Momente, in denen aus verschiedenen Gründen die Konfrontation mit manchen Themen für einige Menschen ein Problem darstellen kann. Damit Sie eine Chance haben, zu entscheiden, ob Sie diesen Text zu diesem Zeitpunkt lesen wollen/können, möchte ich Sie an dieser Stelle darauf hinweisen, dass er se*uellen M*ssbr*uch thematisiert.

Bei dieser Gelegenheit fiel mir auf, wie sehr ich mich zum einen an diese Technik gewöhnt habe, die ich hauptsächlich aus dem angloamerikanischen Raum kenne: Dass vor einem Text auf Themen hingewiesen wird, die manchen Menschen zu nahe gehen könnten. Und wie sinnvoll das aus genau den oben genannten Gründen ist. In deutschen Medien habe ich über diese Entwicklung noch nie sachlich gelesen; wenn überhaupt, taucht sie ins Lächerliche überzogen auf. Als Beispiel für Zwang zu etwas, was bescheuerterweise als political correctness diffamiert wird.

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Meine Geburtsstadt hat einen Imagefilm veröffentlicht und geschafft, kein einziges Auto darin vorkommen zu lassen – eine Meisterleistung.

Übrigens sieht ein Hopfengarten nach der Ernte keineswegs so aus wie der, durch den im Filmchen der Pferdewagen (ROFL) rollt: Statt grün und bewachsen ist er nach der Ernte nackig, denn die Pflanze wird vom „Roreißa“ (Hinunterreißer) mitsamt dem Draht, an dem sie hochgewachsen ist, auf dem Boden befördert. Zumindest scheint sich diese Stadt ihrer Wirklichkeit genug zu schämen, dass sie sie im Imagefilm lieber gar nicht erst vorkommen lässt.

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Journal Montag, 18. Januar 2016 – Büroturbulenzen

Dienstag, 19. Januar 2016

Seit einigen Wochen schlafe ich nicht eigentlich schlecht, aber unerfreulich: Mein Schlaf ist leicht, ich träume viel und Unangenehmes, meist wache ich davon bedrückt auf. Auf gestern hatte ich mit Ohrenstöpseln geschlafen, damit mich Müllabfuhr und Schneeräumfahrzeuge nicht vorzeitig weckten. Zumindest das funktionierte.

Ich plante, trotz verschneiter Straßen und Wege abends zum Sport zu fahren, radelte also in die Arbeit (mit Öffentlichen wären genau diese Strecken umständlich gewesen). Es kam dann anders: In der Arbeit ging es hoch her, Reisen waren abzusagen, umzuplanen, neu anzulegen, abzurechnen, außerdem hatte mich ein wichtiger Informationsfluss nicht erreicht und ich musste eine rechtzeitige Abgabe retten. Nein, dabei wird es nie eine Rolle spielen, dass ich nichts dafür kann: Wenn etwas in meinem Bereich vor die Wand zu fahren droht, werfe ich mich ganzer Kraft (und Panik) in die Rettung. Dass die Situation entstanden war, weil jemand ebenso konsequent mit „mir egal“ und „nicht zuständig“ arbeitet, bedrückte mich zusätzlich: Erfahrungsgemäß ist bei Erwachsenen an dieser Grundeinstellung nichts zu ändern.

Das und eine düstere Großwetterlage im Büro verdarben mir den Appetit, ich brachte nur einen Kanten Brot herunter. Erst spät radelte ich mit ungenutztem Sportrucksack nach Hause, immer noch so daneben, dass ich fast eine grün gewordene Ampel verpasst hätte (Entschuldigung, rücksichtsvolles links abbiegendes Auto, danke fürs Nichthupen).

Während Herr Kaltmamsell die Kartoffeln fürs Abendessen kochte, schnitt und knabberte ich am Jamón.

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In der einen Woche seit Anschneiden ist er ganz schön geschmolzen; mittlerweile kann ich mir gut vorstellen, dass wir den schaffen.

Nachtmahl war Matjes – Sie müssen mir einfach glauben, dass er unter diesem Berg an Zwiebeln, Dill und Äpfeln liegt. Schmeckte ausgezeichnet.

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Danach Schokoerdnüsse und -rosinen, während ich die Twittertimeline und den Techniktagebuchchat des Tages nachlas.

Journal Sonntag, 17. Januar 2016 – Tatsächlich Schnee. Und Zimtschnecken

Montag, 18. Januar 2016

Den ganzen Vormittag über füllte sich instagram mit Schneebildern.

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In München schneite es den Tag über immer wieder ein wenig, die Vogelfutterstelle auf unserem Balkon war sehr gut besucht.

Seit Monaten wünschte sich Herr Kaltmamsell die Zimtschnecken von Katharina Seiser, die ich unerklärlicherweise seit Jahren nicht mehr gebacken habe. Gestern endlich dann doch.

Ich hatte den Teig schon am Samstagabend geknetet (mit nur 30 Gramm Hefe statt der angegebenen 42 Gramm eines ganzen Würfels), dann in den Kühlschrank gestellt. Hefegebäck schmeckt frisch einfach am allerbesten, idealerweise warm. Da ich aber am Sonntagvormittag zum Sport wollte, hätte ich für frische Zimtschnecken schon um sechs aufstehen müssen – oder den Teig eben schon am Vorabend kneten.

Das klappte wie gewohnt gut: Teig eine Stunde vor Weiterverarbeitung aus dem Kühlschrank geholt, dann Rezept fertiggearbeitet. Diesmal drückte ich die Schnecken auf dem Blech ein wenig flach.

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Ich radelte zum Ostbahnhof zu einer Stunde Aerobic und einer Stunde Gymnastik auf Wackelpolster. Die Straßen waren meist geräumt, die Fahrradwege eher nicht, also radelte ich im lichten Sonntagsverkehr auf der Straße.

Nach dem Turnen las ich den ganzen Nachmittag Internet, Zeitung und Buch, begleitet von Essen: Zimtschnecken (sehr gut), süße, knackige Äpfel, frisch gesäbelten Jamón, dann wieder Zimtschnecken und Äpfel. Bis es Zeit fürs Abendessen war (Reste vom Vortag). Vor komplettem Überfressen schaffte ich es, einige Zimtschnecken einzufrieren.

Abends im Fernsehen den Polizeiruf angesehen, weil die mit Matthias Brandt bislang immer herausragend gewesen waren. So auch dieser.

§

Als Münchnerin wache ich streng über die Regel für Rolltreppen in den hiesigen Bahnhöfen öffentlicher Verkehrsmittel: Rechts stehen, links gehen. Stellt sich heraus, dass das in richtigen Großstädten mit Menschenmassen vielleicht doch nicht die ideale Regel ist.
„The tube at a standstill: why TfL stopped people walking up the escalators“.

In London zum Beispiel hat man ausgerechnet, dass es an einiges Stellen theoretisch viel praktischer wäre, wenn auf den Stufen doppelt gestanden würde. Doch: Wie findet man das praktisch heraus?

In the execution of their own daily miracles, London’s commuters have learned to withstand vast and unpredictable challenges: track closures; signal failures; engineering works. And they have developed a thick skin. But on that particular Friday, the 11,000 of them who got off at Holborn station between 8.30 and 9.30am faced an unusually severe provocation. As they turned into the concourse at the bottom of the station’s main route out and looked up, they saw something frankly outrageous: on the escalators just ahead of them, dozens of people were standing on the left.

We might be bad at dancing and expressing our feelings, but say this for the British: when we settle on a convention of public order, we bloody well stick to it. We wait in line. We leave the last biscuit. And when we take the escalator, we stand on the right. The left is reserved for people in a hurry.

(…)

Last month, as (Harrison) stood on the concourse with all those good ideas up her sleeve and watched the trial unfold, she was a little unprepared for the intensity of the reaction, let alone for the interest of newspapers such as Denmark’s Politiken or the Washington Post. During the three weeks of the Holborn project, those who disapproved of the idea voiced their opinions with alacrity, as a preliminary internal report diligently records.

In München allerdings geht es ja nicht um Menschenmassen (allermeistens). Außerdem heißt es selbst in dem Artikel: „In lots of places, with short escalators or minimal congestion, this doesn’t much matter.“ Puh.

Journal Freitag/Samstag, 15./16. Januar 2016 – The Big Short

Sonntag, 17. Januar 2016

In den frühen Morgenstunden des Freitags erwischte mich eine Migräne. Ich konnte sie mit meinem Triptan-Nasenspray vor dem großen Kotzen brechen, brauchte aber Schlaf. Um nicht zu spät in die Arbeit zu kommen, ließ ich Kaffee und Schminken aus, nahm das Fahrrad (vorsichtiges Radeln, denn es hatte geschneit, die Radwege waren zum Teil vereist). Bis zum Abend war ich einigermaßen wiederhergestellt.

§

Auf Samstag hatte es ernsthafter geschneit. Als ich nach langem Schlaf aufstand, schneite es immer noch. Das sah sehr nach einer Schwimmrunde im Dantebad aus, mit Schneeflockenkitzeln auf den Armen.

Doch beim Morgenkaffee missfielen mir die Aussicht auf den Hinweg und die Materialschlacht in der Umkleide immer mehr. Ich ließ das Schwimmen bleiben. Statt dessen folgte ich dem Tipp von jongleurin und probierte fitnessblender.com aus. Ich klickte an Ausstattung Hanteln an, als Trainingsschwerpunkt Total Body, mittleren Schwierigkeitsgrad und als Trainingslänge 20 bis 30 Minuten. Unter den Treffern suchte ich mir dieses Training aus (auch hier muss ich über „fat loss“ hinwegsehen). Anleitungsgemäß wärmte ich mich selbst auf und turnte dann die acht Übungen jeweils drei Runden lang mit. Gefielen mir gut, waren machbar, ich schwitzte ordentlich. Vielen Dank für den Tipp, das sieht nach Zukunft aus.
Allerdings werde ich mir dann doch eine Turnmatte besorgen: Nur Handtuch auf Parkett ist bei manchen Bodenübungen arg hart (z.B. Brücke: schmerzende Hals- und Brustwirbel).

Nachmittag spazierte ich ums Eck ins Kino: The Big Short (Trailer). Ein kleiner Film um eine große Sauerei, sah nach schmalem Budget und genau nicht großem Hollywoodkino aus. Zwar hieß es auch hier „nach einer wahren Begebenheit“, doch der Film erzählte herrlich gebrochen. Immer wieder sprachen die Figuren in die Kamera, zum Beispiel um darauf hinzuweisen, dass einer der hilfreichen Zufälle in der Handlung in Wirklichkeit gar nicht so passiert war. Es geht um die Subprime-Blase, die die US-amerikanische Wirtschaft in die Krise stürzte, mit ihr weite Teile der Weltwirtschaft – da werden fachliche Details schon mal kompliziert. Doch da sie für die Handlung essenziell sind, werden sie kurz außerhalb der Handlung freundlich und anschaulich erklärt – von echten Menschen wie vom Koch Anthony Bourdin oder dem Disney-Star Selena Gomez.
Ich schließe mich dem Urteil von SZ-Rezensenten Jörg Hentzschel an (auch wenn der Einstieg in seine Besprechung nicht stimmt: Nein, das knurrt nicht Brad Pitt, das steht als eingeblendetes Zitat auf der Leinwand – gibt es als Pendant zu voice over den Ausdruck write over? – zumindest nicht in der englischen Originalversion). Empfehlung.

Gestern vor zehn Jahren starb meine polnische Oma. Ich hatte meiner Familie ein Treffen aus diesem Anlass vorgeschlagen, doch die zog nicht recht. Also gedachte ich ihrer abends nur zusammen mit Herrn Kaltmamsell und mit einem Abendessen nach Omarezepten: Schweinhals aus dem Ofen (lässt sich vielleicht durch Ablöschen mit Bier verfeinern) und Kopytka.

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Journal Montag, 11. Januar 2016 – David Bowie ist tot

Dienstag, 12. Januar 2016

Regnerischer Morgen, düsterer Himmel. Über der Theresienwiese versuchte sich dennoch ein Sonnenaufgang.

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Es war dann ein instagram-Bild, das mich bei der Ankunft im Büro über den Tod von David Bowie informierte, für die Öffentlichkeit völlig überraschend. Das tat mir sehr leid.

Ein Tag voller dicht gedrängter Arbeit, ich hatte erst abends Zeit, den einen oder anderen der zahllosen Bowie-Links in meinem Internet anzuklicken (zum Beispiel diese scheinbar konventionelle Beweis, wie witzig Herr Bowie sein konnte, 2006 in der BBC-Serie Extras).

Nach dem Abendessen (Herr Kaltmamsell hatte ein Graupotto aus Ernteanteilgerste und Ernteanteilsugo gekocht) auf Cocktails ins Auroom. Entdeckung des Abends: Drunken Rabbit auf Ginbasis mit Karottensirup, Ingwer, Cocosmilch.

Journal Samstag, 9. Januar 2016 – Mehrgängiges nahöstliches Menü für zwei

Sonntag, 10. Januar 2016

Auf diesen Samstag hatte ich mich gefreut: Vor ein paar Wochen hatte ich die Idee, nach Jahren mal wieder ausführlich nur für Herrn Kaltmamsell zu kochen, ein Abendessen in mehreren Gängen. Ich entschied mich für ein nahöstliches Menü, als Hauptgang zum ersten Mal Harira, die mir in Tel Aviv sehr gut geschmeckt hatte.

Außerdem hatte ich rechtzeitig mit dem Ansetzen des Vorteigs für das große Bauernbrot aus dem Plötzblog begonnen: Ein Brot, das die Anweisung „und 3-4 Tage bei 3-5°C im Kühlschrank lagern“ enthält, bäckt man nicht spontan – fürs Anrühren des Roggensauerteigs hatte ich sogar Herrn Kaltmamsell am Freitagnachmittag um Hilfe bitten müssen, da ich zur erforderlichen Zeit in der Arbeit war.

Mir stand also ein ganzer glückseliger Tag in der Küche bevor. Zumal das Wetter regnerisch und greislich war.

§

Eine Unterbrechung war Shred Level 3. Vorsorglich hatte ich mich mehr als fünf Minuten aufgewärmt und meinen Puls schon mal erhöht, dennoch war das Programm für mich fast nicht machbar. Das mag daran liegen, dass es mir keinerlei Freude bereitet, um Luft zu ringen, vor Schwindel Sterne zu sehen, echte Schmerzen zu haben – vielleicht unterscheiden sich Bewegungsbegeisterte in diesem Punkt grundsätzlich. Ich habe nichts dagegen, wenn Muskeln brennen und es zieht, wenn ich meinen Puls hin und wieder bis zum roten Kopf bringe. Aber Leiden genieße ich nicht, es macht mich böse. Und ich fühle mich danach nicht gut, sondern wütend.

Die wenigen Male, die mich ein Isarlauf so anstrengt, dass ich fast keinen Spaß daran habe, muntere ich mich nicht mit „Quäl dich! Nur so kommst du weiter!“ auf, sondern mit: „Ach, notfalls kannst du das letzte Stück ja spazieren. Ist auch schön.“ Was ich dann doch noch nie getan habe.

Nach dem Shred-Gehetze strampelte ich noch auf dem Crosstrainer, unterbrochen von Brotbackhandgriffen (Temperatur senken, Dampf ablassen).

§

Abends hörte ich in der Küche während der Zubereitung der letzten beiden Vorspeisen BBC 1 – ich hatte Lust auf Radiomusik, die später Aerobicmusik würde. Ich geriet in die „Dancefloor Charts“, die gefühlt immer noch klingen wie während meines Jahrs in Wales vor 25 Jahren. Und dann hörte ich auch noch einen Nachrichtensprecher mit so brutalem walisischen Akzent, wie ihn meine Barmaid-Kolleginnen im Duke of York sprachen: Das transportierte mich endgültig in die Vergangenheit, ich tanzte an der Arbeitsfläche.
Belehrung: Der Bezeichnung „BBC-English“ für received pronunciation ist schon lange überholt. Wie sehr, zeigte dieser Nachrichtensprecher.

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Als Aperitif reichte ich frisch gepressten Grapefruitsaft mit Wodka.
Es gab als Vorspeise Vorspeisen:

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Und zwar:

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Bulgursalat

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Tsatsiki (ich habe den Nahen Osten seeehr frei interpretiert)

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Karottensalat mit Koriander, frei nach diesem Rezept.

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Salat nach Freundeskreis-der-80er-Rezept: Türkische Paprika aus dem Glas, Zwiebeln, schwarze Oliven, Feta, Olivenöl.

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Baba Ganoush (Auberginenpuree mit Tahini)

Dazu stilbrüchig das Bauernbrot, das sehr gut schmeckte, aber einen Fehler hatte (Luftschicht unter der Kruste oben).

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Zur Harira (sehr gut! aber ich glaube, statt Rinderfond tut es auch Wasser) gab es einen israelischen Barkan Pinot Noir.

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Nachtisch, vielleicht hätte die Zuckerkruste dicker sein können.