Essen & Trinken

Journal Samstag, 14. März 2026 – Endlich wieder gut geschwommen

Sonntag, 15. März 2026

Mittelgute Nacht, die zu früh endete, mittendrinn nach Langem mal wieder von einem Krampf im Bein geweckt worden: Aufstehen und Yoga-Vorbeuge halfen.

Aufgestanden mit der schönen Aussicht, den ganzen Samstag nichts zu müssen (außer Nusszopfbacken und Schwimmen, weil mein Hirn das geplant hatte) – das brauchte ich so dringend, dass ich dafür sogar die Geburtstagsfeier eines lieben Menschen drangegeben hatte. Das Wetter sah gemischt aus, morgens Tendenz zu Sonne.

Erstmal kümmerte ich mich um den Nusszopf. Da ich eine faule Einkäuferin bin, hatte ich statt gemahlenen Haselnüssen gehackte verwendet – es hatte am einen Einkaufsort weder ganze, noch gemahlene Haselnüsse gegeben, selbst die eine Packung gehackter fand ich nur durch Zufall. Stellte sich als keine ideale Wahl heraus: Die Flüssigkeit der Füllung trat beim Backen aus.

Ansonsten gelang er aber gut.

Nach dem frühen Aufstehen war ich besonders früh startklar für meine Schwimmrunde. Mein Fahrrad ist immer noch platt, also nahm ich trotz attraktivem Wetter die U-Bahn zum Olympiabad.

Nach der vorherigen Schwimmschwäche und dem nächtlichen Krampf war ich etwas angespannt, wie es diesmal laufen würde. Doch ich wurde beschenkt: Der Körper machte problemlos mit, schon nach einigen Bahnen war klar, dass ich eine Freude haben würde. Meine gut 3.000 Meter waren schön und besänftigten mich, zumal ich immer wieder begleitet von Sonnenschein schwamm. Die innere Schwärze lichtete sich deutlich.

Zurück daheim gab es kurz nach eins nach einem Äpfelchen zum Frühstück reichlich Nusszopf.

Wenn man vernünftig rechtzeitig mit Essen aufhören könnte, wäre er ja nicht gelungen.

Ich spazierte nochmal raus: In der Innenstadt wollte ich nach einer Bürobluse suchen – in diesen Übergangswochen ohne Kälte oder Hitze mag ich in der Arbeit Baumwoll- oder Seidenblusen. Wichtiges Kriterium, das ein Anprobieren erforderte: Sie sollte Abnäher haben, um gut zu sitzen. Gerade geschnittene Hemden mag ich an mir nicht besonders, sie sehen leider nicht lässig, sondern unförmig aus, ich habe vorne unlässige Anatomie.

Nach einigem Umsehen in Einzelhersteller-Läden ohne Erfolg landete ich im Kaufhaus, im Kaufhof am Marienplatz. Hier konnte ich mir das Angebot zahlreicher Hersteller an einem Ort ansehen (Kaufhaus-Liebe), und tatsächlich fand ich eine Bluse, die mir gefiel und die passte. Auf dem Heimweg Lebensmittel-Einkäufe fürs Wochenende. Der Himmel war immer dunkler geworden, bei ersten Regentropfen kam ich nach Hause.

Nachmittag mit Zeitung- und Internetlesen, Blogger-Bücher-Übergabe an Besuch, eine letzte Folge Pilates.

Zum Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell nach einigem Hin- und Herplanen aus Ernteanteil-Karotten und -Kartoffeln eine Gemüsepfanne plus Zwiebel und Champignons, dazu gab es Dinkelkörner. Vorher gab es Jamón vom ganzen Bein, und ich holte das Glas Weißwein vom Freitagabend nach, einen verlässlichen Verdejo.

Nachtisch Schokolade, Herr Kaltmamsell taufte die Schachtel mit Süßigkeiten unsere “E-Kiste” – nach dem dort vorherrschenden Nutri-Score.

Im frühen Bett Start der Manuskript-Lektüre.

§

Mal wieder ein Selfie-Rückblick.

Vor zehn Jahren:

Ich vermisse diese Brille.
Vor 20 Jahren:

Hier ging es mir vor allem um den lustigen Pony, den ich mir vom Friseur genau so gewünscht hatte.

§

Der Wiener Oberarzt Wolfgang Hagen erinnert sich:
“Am 13. März 2020 wurde der erste COVID-Kranke auf meiner Station aufgenommen.
Drei Tage später ging Österreich in den Lockdown.”

Gefragt wurde niemand von uns, ob wir überhaupt bereit wären, in einer Zeit, als das öffentliche Leben durch Panik und Lockdowns zum Stillstand kam, uns dem Virus beruflich auszusetzen. Trotzdem erschienen alle weiterhin zum Dienst. Vom medizinischen Personal und der Pflege bis zur Reinigungsbrigade machten alle einfach weiter, nur eben unter völlig anderen Bedingungen als zuvor. Der Weg ins Spital führte durch menschenleere Straßen, den Nachweis der „systemerhaltenden Tätigkeit“ in der Tasche.

Und vor allem, was mir am meisten bei der so genannten “Aufarbeitung” der Pandemie fehlt: Er gedenkt einiger der Tausende Toten.

Erst vergangenen Sonntag erfuhr ich, dass eine Mitwahlhelferin der Kommunalwahl 2020 am 15. März 2020 und damit am Anfang der Pandemie in den Tagen darauf an Corona erkrankte, Wahrscheinlichkeit der Ansteckung beim Wahlhelfen sehr hoch. Wir erinnern uns, dass es keine Masken gab? Dass noch nicht mal der Nutzen von Masken entdeckt war? Zum Glück kam diese Kollegin ohne schwere Symptome durch die Erkrankung und leidet unter keinen Folgen.

§

Ein wunderschönes Interview mit Siri Hustvedt über den Tod ihres Manns Paul Auster und ihre Trauer (€):
“Das Paradoxe an Trauer ist, dass man weiterhin liebt”.

Sie sagt darin so viele kluge Dinge, dass ich jetzt mehr von ihr lesen möchte (bislang nur einen ihrer Romane), eher sogar ihre Sachbücher.

Journal Freitag, 13. März 2026 – Im Schwarzen

Samstag, 14. März 2026

Kurz vor Wecker nach eigentlich reichlich Schlaf erschlagen aufgewacht. Wunderschöne Mondsichel hinter den kahlen Bäumen des benachbarten Parks, es tagte zu klarem Himmel.

Deshalb eigentlich schöner Marsch in die Arbeit durch überraschend kalte Luft: Am Boden glitzerte Frost.

Kaiser-Ludwig-Platz.

Ein Blick nach oben erwies: Einige Kastanienknospen sind schon ziemlich weit.

Doch ich fühlte mich erschöpft, elend und müde, außerdem lagen mir die Sardinen vom Vorabend immer noch quer im Magen.

Die Blüten im Büro-Atrium, morgens noch stumm, doch im Lauf des Nachmittags immer lauter.

Im Büro entdeckte ich die Morgenaufgaben, die ich mir am Vortag-Feierabend zurecht gelegt hatte – und sofort vergessen.

Ausufernde Korrekturarbeiten – wer nicht weiß, auf wie viele Details auch in Typografie bei Publikationen (dazu gehört auch PPT) zu achten ist, kann auch nicht den Aufwand des Überprüfens einschätzen. Wahrscheinlich (eigentlich hoffentlich) stirbt mit meiner Generation dieser Aufwand aus – weil’s eh niemand mehr merkt.

Die innere Schwärze so dominant, dass ich auf beiläufige Befindensfragen ehrlich “mir geht’s grad nicht so gut” antwortete – dafür muss erfahrungsgmäß einiges zusammenkommen (sagt der innere Beobachter, der nicht immer praktisch ist).

Kurzer Schwärze-Exkurs: Beim Postwestfalen sah ich kürzlich ein Stöckchen (“Blogparade”) zum eigenen Vornamen – und ich merkte, dass ich derzeit nicht mal so weit in mich schauen will. (Kurzantwort: Inés passt schon. Konnte ja niemand die polnische Oma auf dem Schirm haben, die daraus “de Jinnes” machen würde.)
Eine üblicher Reflex auf Klage über dominante Düsternis ohne nachvollziehbaren Anlass ist ja: “Nimm dich halt selbst nicht so wichtig.” Glauben Sie mir: Nichts täte unsereine lieber, als sich selbst nicht so wichtig nehmen zu müssen, als sich endlich unbeschwert von sich selbt um alles andere zu kümmern zu können.

Stress-Kopfweh vom schieren Existierenmüssen. Weitergeackert, allerdings plus Angst, in diesem Zustand Fehler zu machen.

Wenn Sie sich vielleicht solche Schwarzstimmungsattacken vorstellen wie eine aufziehende schwere Erkältung: Ich spüre die massiven Symptome, bin aber nahezu hilflos. Raus an die Sonne? Schlafen? Fotos von niedlichen Tieren anschauen? (Also die Entsprechung zu Vitamin-C-Tabletten, Echinacea-Tropfen, Hühnerbrühe.)

Mittags ging ich auf einen echten Spaziergang raus in die weiterhin wolkenlose Frühlingssonne, also nicht auf einen Marsch um die Blöcke, sondern mit Zeit zum Gucken und Schnaufen. Ich steuerte den Bavariapark an. Das war schön und kam tatsächlich ein wenig an mich ran.

Die Bezeichnung “Brüllwürfel” kenne ich seit den 1990ern (hat tip zur legendären Wortschöpferin Gisi), doch in Wahrheit hat das Wort auf das Baustellenradio von Makita gewartet. Daraus ertönte auch ordnungsgemäß Speed Metal.

Mittagessen klappte: Äpfelchen aus Ernteanteil, geradezu Konfekt-artig köstlich, außerdem Mango mit Sojajoghurt und Leinsamenschrot.

Nachmittags musste ich mich zu Konzentration zwingen, um nicht nächste Woche von zu viel Liegengebliebenem überschwemmt zu werden. Zum Glück beruhigte sich die schwarze Flut ein wenig. Was blieb, war eine ungeheure Müdigkeit.

Nahezu pünktlicher Feierabend. Auf dem Heimweg wollte ich eigentlich noch Blumen einkaufen (Entsprechung Zinktabletten), doch ich war zu erschöpft, schaffte kein Aufraffen mehr. Eher stellte ich mir vor, wie ich mich einfach auf den Boden setzen würde und da bleiben. Daheim nach kurzer Begrüßung Herrn Kaltmamsells (der bereits fürs Abendessen in der Küche stand) und Erklärung (einen lieben Menschen mit der Schwärze belasten zu müssen, hilft auch nicht) ging ich einfach ins Bett.

Ein wenig konnte ich schlafen (blöd halt, dass genau zwischen halb sechs und halb sieben die Glocken der Kirche St. Matthäus ihre große Show haben), beim Aufstehen nach einer Stunde ging es mir besser.

Genug Energie für Freitagabendfeiern: Ich mixte uns Drinks (Rosita, Herr Kaltmamsell hatte etwas mit Campari bestellt), säbelt dazu am spanischen Schinken herum, holte die restlichen Antep-Pistazien aus dem Schrank. Erstmal gab es französische halbgetrocknete Pflaumen mit Speck gebraten (meine Bestellung), dann aus Ernteanteil-Kartoffeln Gnocchi (wieder wunderbar flaumig) mit Tomatensauce – sehr gut. Eine schlechte Überraschung war der Weißwein, den ich dazu rausgesucht hatt: Der Les Cigales blanc vom Château Duvivier schmeckte chemisch sprittig mit Lakritznoten, keine Spur von der Ankündigung “Bukett nach gelben, exotischen Früchten, grüne Banane, florale Noten nach Apfelblüten”. War er vielleicht einfach verdorben? Ich ließ ihn stehen.

Mehr Alkohol gab es zum Dessert: Gekaufter Schokopudding mit selbst eingemachten Armagnac-Zwetschgen. Dann noch ein Rollgriff in die Schokoladenkiste. Früh ins Bett zum Lesen, ich beendete Helga Schubert, Luft zum Leben (hm, hm).

§

Eine seltene Meldung von Lila aus Israel mit einem kleinen Ausschnitt Kriegs-Alltag:
“Die abenteuerliche Fahrt eines Landeis in die Großstadt und zurück”.

§

Interview aus der Serie Meisterstunde, geführt im Münchner Stadtteil Nymphenburg:
“Vergolderin Elke Gleim über’s Loslegen:
»Und dann fängst du an und merkst: Die Probleme, vor denen du Angst hattest, sind keine«”.

Journal Mittwoch, 11. März 2026 – Nichts, was eine Überschrift hergäbe

Donnerstag, 12. März 2026

Mittelgute Nacht, etwas zerstückelt, unter anderem von Brüllamseln.

Auf dem Weg in die Arbeit in milder Luft ein paar Regentropfen abgekriegt (es braucht dringend deutlich mehr Wasser von oben), an der Theresienwiese mit Regenbogen belohnt worden.

Wegen angekündigtem Trubel in meinem Büro zog ich Jobs mit Konzentrationsbedarf gleich mal vor.

Trubel stellte sich ein – blöderweise war aber ein weiterer Hochkonzentrations-Job dazugekommen. Ich musste kurz fauchen. Was allerdings nicht half, als ein Online-System ausstieg und ich den Job vorerst nicht abschließen konnte.

Der Himmel vorm Büro jetzt blau mit Schäfchenwolken, die Sonne herrlich – ich genoss meinen Marsch auf einen Mittagscappuccino im Westend.

Highlight des Tages: Meine Quittenfee überreichte mir vom imkernden Herrn Papa ein riesiges Glas Münchner Honig.

Zu Mittag gab es Quark mit Blutorange und Leinsamenschrot.

Emsiger Nachmittag, vorm Fenster gemischter Himmel, oft dramatisch, manchmal mit Regenschauern.

Heimweg über Besorgungen: Herpes-Salben-Nachschub in der Apotheke, Roggenvollkornbrot beim Bäcker Wimmer, Check beim Gebrauchtwarenhaus nach Tischuhren (nichts Ansprechendes), beim Aldi wollte ich vor allem die kleinen Billig-Schokoeier im Netz – gab es nicht (aber genug anderen Süßkram). Unterwegs sichtete ich die nächste Zündstufe Frühling: Blausterne. Es müsste kurz vor Schlüsselblumen sein.

Zu Hause packte ich nur schnell aus, ich war mit Herrn Kaltmamsell zum aushäusigen Abendessen verabredet: Wir gingen nochmal zu Honghong Ramen in der Müllerstraße.

Ich bestellte nochmal die hausgemachten Superbreitnudeln mit Auberginen und Tomate (die Nudeln liegen unter all dem Zeug), Herr Kaltmamsell hatte würziges Rind mit Tofu, wir waren beide zufrieden. Dazu je ein großes Glas Aloe-Vera-Drink, der mir wieder sehr gut schmeckte – doch daheim habe ich nie Lust darauf und kaufe es deshalb nie flaschenweise.

Schokolade zum Dessert gab es dann daheim. Im Fernsehen ließen wir My Big Fat Greek Wedding laufen, mit einer der besten Make-over-Episode der Filmgeschichte und meiner liebsten Kennenlernszene. (Der kann unmöglich SCHON 24 JAHRE ALT sein!)

§

Ich weiß ich weiß ich weiß, politische Aussagen sollen sich in erster Linie gut anhören und irgendwas emotional bewirken, die Faktenbasis ist nahezu irrelevant.
Doch gemäß dem Leitspruch “Aber man muss es doch wenigstens versuchen”: Bereits vor einem halben Jahr hat eines laut eigener Website “der größten integrierten Energieunternehmen in Deutschland und Europa”, nämlich EnBW, durchgerechnet:
“Mehr Kosten als Nutzen: Drei Gründe, warum Atomkraft keine wirtschaftliche Alternative ist”.

via @astielau

Journal Dienstag, 10. März 2026 – Langsames Runterkommen, irgendwie

Mittwoch, 11. März 2026

Gut geschlafen bis Weckerklingeln. Dennoch fühlte ich mich auf dem Weg in die Arbeit (knackig frisch, aber immer noch zu mild für die Jahrezeit) erschöpft und müde. Sofort grätschte die Gefühlspolizei ein: Aber jetzt ist doch das schlimme Wahlhelfen mit seiner Anspannung vorbei, außerdem hast du neun Stunden geschlafen, du darfst dich nicht erschöpft fühlen!

Es wurde Tag mit etwas Sonnenschein, der sich über die nächsten Stunden durchsetzte.

Im Büro schaffte ich es, mich ohne Hektik zu sortieren und die E-Mails vom Wochenende plus denen vom Montag geordnet und nach Priorität abzuarbeiten. Dazwischen Besprechung in größter Runde, ich konnte einen kurzen Hinweis auf Naturgesetze loswerden (was passiert, wenn man Dinge irgendwohin stellt – und was nicht). Ebenfalls dazwischen Teilnahme an Geselligkeit mit Gelegenheit zur Bestätigung, wie nicht ich das kann (intensiven Austausch von 0 auf 100 hingegen schon).

Dann wollte ich dringend raus ins sehr attraktive Wetter, ich marschierte durch echte Frühlingsluft ins Westend auf einen Mittagscappuccino.

Und mit offenem Mantel (aber Halstuch) zurück.

Später erkundigte ich mich nach dem vorläufigen Ergebnis der Münchner Stadtratswahl: Besonders freute ich mich, dass die Rosa Liste weiterhin mit einem Stadtrat vertreten ist, ich halte das weiterhin für wichtig – Glückwunsch, Bernd!

Am frühen Nachmittag und nach erfolgreichem Wegarbeiten der Dinge von oben stellte sich endlich sowas wie Euphorie über die geschaffte Wahlhilfe ein. Gleichzeitig erreichte ich den Punkt, an dem ich meine Nagelhäute nach Langem mal wieder bis aufs Blut gefieselt hatte. (Mittlerweile Verdacht, dass das bei mir die Funktion von Stimming hat, so wie früher Haaredrehen, das ich mir vor Jahren eisern abgewöhnte – bei kurzen Haaren tat ich das nämlich mit Stirnfransen und dafür sehr schiefem Kopf, was zu massiven Nackenschmerzen führte.)

Nach Feierabend ging ich in angenehmer Luft über Lebensmitteleinkäufe nach Hause. Dort eine halbe Stunde Pilates, anstrengend und gut.

Herr Kaltmamsell setzte ein Rezept um, das ich ihm als eine Möglichkeit zum Aufbrauchen der Ernteanteil-Karotten zugesteckt hatte (roh knabbern geht ja leider nicht -> Bauchweh):


Dinkel-Karotten-Salat. Er schmeckte ganz ausgezeichnet (die letzte Pastinake wurde mitverwertet), wird wieder gemacht. Nachtisch Schokolade.

Das Geld für den irre teuren Käse habe ich von Crowdfarming zurückbekommen, sie akzeptierten die Stornierung meiner Adoption aus eigener Initiative rückwirkend. Demnächst gehe ich also zum Tölzer Kasladen und haue die über hundert Euro dort auf den Kopf (“Ham’S net no an teiernen?”).

§

Mal wieder Daniel Middle mit seinem Hula Hoop gefällig?
Ton bitte an!

Journal Sonntag, 1. März 2026 – Häuslicher Sonntag im Trüben

Montag, 2. März 2026

Gut geschlafen, aber einmal zu oft durch Aufwachen unterbrochen und zu früh zu Ende.

Ein trüber Tag, doch ich freute mich sehr auf eine Laufrunde. Aber erstmal bloggte ich, las die Mastodon-Timeline nach und wartete ab, bis die morgens eingeschaltete Waschmaschinenladung durchgelaufen war.

Die Luft fühlte sich nur wenig mild an, ich nahm eine U-Bahn nach Thalkirchen. Schon bald nach Loslaufen Richtung Süden merkte ich, dass es kühler war als erwartet und dass Handschuhe eine gute Idee gewesen wären. Der Körper machte gut mit, ich hatte ausführlich vorgedehnt und mobilisiert (vor allem weil ich recht lang auf die U-Bahn warten musste). Das endete allerdings vor Ende meiner Laufrunde, dann wurde es anstrengend. Und ich musste über den Rest des Tages mit Schmerzen und Steifigkeit zahlen.

Ein wenig haben Regen und Schnee der jüngsten Zeit die Isar aufgefüllt.

Da hat jemand Fledermäuse aber wirklich sehr lieb: Auf diesem kleinen Abschnitt am Isarhochufer vor Pullach sah ich mindestens zwei Dutzend solcher Häuschen.

Bei diesem trüben Wetter wurde das Alpenpanorama gar nicht erst aufgebaut.

Floßlände.

Thalkirchen kurz vor der U-Bahn.

Daheim ausführliche Körperpflege, kurz nach zwei gab es zum Frühstück Birnchen (eine ohne und eine mit Geschmack) und zwei Körnersemmeln mit Butter und Marmelade.

Ich wurde steinmüde, und weil Sonntag war, ich zudem erwachsen bin und meine Zeit frei einteilen kann – legte ich mich zu einer Siesta hin. Ich schlief sofort ein.

Unspektakulärer restlicher Sonntag: Gelbe Bete aus Ernteanteil gekocht und Salat daraus bereitet, Wochenend-Süddeutsche gelesen (weite Teile hatten sich durch den kriegerischen Angriff am Samstag von USA und Israel auf Iran und die Gegenschläge auf Israel und Golfstaaten sensationell überholt), gebügelt – mehr als erwartet, es nervte mich wie schon lang nicht mehr. Vor dem Abendessen war gerade noch Zeit für Briefwahl.

Ächz jetzt beim Stadtratwählen (80 Sitze, also 80 Stimmen), viel, viel Ächz nächstes Wochenende beim Auszählen.

Zum Nachtmahl schmorte Herr Kaltmamsell die Ingolstädter Beinscheiben und kochte die einzig passenden Nudeln dazu.

Das Fleisch hatte noch etwas zu viel Biss (hatte aber zwei Stunden geschmort), schmeckte aber gut, auch die Gelben Bete. Nachtisch Schokolade, während die Tagessschau aufzählte, welche Golfstaaten Teil dieser nächsten kriegerischen Eskalation geworden waren.

Im Bett las ich noch Granta 174, Therapy, eine sehr unentschlossene Bearbeitung des Themas (u.a. werden Psychotherapie und Psychoanalyse gleichgesetzt – meistens), möglicherweise wieder eines, das Herausgeber Thomas Meany eigentlich doof findet.

Journal Samstag, 28. Februar 2026 – Familie in Schön

Sonntag, 1. März 2026

Gutes Bett im Gästezimmer meiner Eltern, trotz ein paar Mal Aufwachen schlief ich darin gut und lang.

Na also: Echt Ingolstädter Nebel – der sich allerdings schon bald auflöste und Platz machte für einen sonnigen und milden Tag.

Meine Eltern waren bereits emsig mit Vorbereitungen beschäftigt: Um zehn sollte die Bruderfamilie eintreffen für ein Gesamtfamilienfrühstück, wobei Frühstück als Einladung in den Kreisen meiner Eltern schon seit vielen Jahren immer “Brunch” genannt wird.

Selfie im schönen Gästezimmer meiner Eltern, das einst das Zimmer meines Bruders war (aus meinem wurde Mutters Näh- und Bügelzimmer, bietet aber eine weitere Schlafgelegenheit).

Ich nutzte die Zeit vor dem großen Frühstück für einen Abstecher zur nahe gelegenen Metzgerei, um fürs Sonntagessen Rinderbeinscheiben einzukaufen, an den Ingolstädter Ausfallstraßen gibt es noch mehr Metzgereien als in der Münchner Innenstadt (dort aber geballt am Viktualienmarkt).

Kurz nach zehn klingelte die Bruderfamilie, und jetzt gab es reichlich Gelegenheit für Austausch über Wurst, Semmeln und Brezen, Blätterteigsternen, Lachs, Fleischsalat, weichen und harten Eiern, Hummus, frischem Obst und Gemüse (ich bedauerte sehr, dass es meinem Appetit ein paar Stunden zu früh für all das war). Die liebe Schwägerin testete eine neue Hörgerättechnik mit Extra-Aufnahmekästchen auf dem von ihr entfernten Teil des Tisches (funktionierte nur mittel), von den Nifften weiß ich jetzt unter anderem Details von Umzugsplänen nach Würzburg, Auszugsplänen in Ingolstadt, mittelfristigen Berufsplänen in Berlin, langfristigen Ausbildungsplänen in Berlin, aktueller Berufstätigkeit. Außerdem leidenschaftliche Diskussion, ob die aktuelle Tyopgrafie-Verwendung des Stadttheaters Ingolstadt besonders geschickt oder besonders furchtbar ist, es gab MEINUNGEN.

Mein Vater wiederum erzählte aufgehängt am vorhergehenden Theaterabend ein weiteres Bisschen aus seiner ersten Zeit als Gastarbeiter in Nürnberg und Ingolstadt, nahm auch das Fotoalbum mit Bildern davon in die Hand.

Der fast skulpturale Treppenturm des elterlichen Reihenhauses.

Um halb zwei nahm ich mit Herrn Kaltmamsell eine Regionalbahn zurück nach München, aus dem Frühstücksangebot hatte ich mir eine Semmel mit Schinken belegt und einen Apfel eingesteckt, denn jetzt hatte ich Hunger und Appetit: Brotzeit auf der Zugfahrt. Nach Ankunft erledigt ich noch ein paar Lebebensmittel-Einkäufe.

Erst um vier schloss ich den Blogpost über Freitag ab und veröffentlichte ihn: Bitte nicht verpassen, denn ich empfehle darin ein sehr superes Theaterstück. Beim Schreiben und später beim Zusammenstellen der Lieblings-Microblogging-Posts vom Februar ließ ich die Musik von Sezen Aksu dazu laufen und freute mich sehr daran.

Familienmysterien: Die Nichte hielt mir gestern ein goldenes Armkettchen hin und fragte, ob ich es wiederhaben wolle. Meine Mutter, also ihre Großmutter, habe es ihr gegeben mit der Erklärung, mein italienischer Onkel habe es mir geschenkt, ich hätte es aber nicht gewollt.

Ich htte das Kettchen noch nie im Leben gesehen, der italienische Onkel ist vor mindestens 15 Jahren gestorben. Es gefällt mir, nur macht mich Handgelenksschmuck eigentlich wahnsinnig. Der gestrige Test über mehrere Stunden funktionierte allerdings ganz gut.

Schließlich rief ich meine Mutter doch an und fragte sie nach dem Hintergrund: Den Schmuck hatte mir mein italienischer Onkel (die Schwester meiner Mutter hatte sehr jung nach Italien geheiratet) über meine Eltern geschenkt, als ich im Grundschulalter war. Meine Mutter fand ihn unpassend für ein kleines Mädchen und hielt den Schmuck ohnehin nicht für echt (ist aber gestempelt), hatte ihn dann wohl gut 50 Jahre vergessen und erst kürzlich wiederentdeckt. Ich merkte, wie ich mir umgehend eine Erinnerung dazu baute – die unwahrscheinlich ist: Meine Mutter erwähnte ein zweites Goldkettchen von diesem Onkel, zart und aus Gold und Süßwasserperlen, das ich in sehr wohl in meiner Schmuckschatulle habe. Allerdings hätte ich nicht sagen können, woher es stammt, nur dass ich es als Kind bekommen hatte.

Vor dem Abendessen eine halbe Stunde Pilates, tat sehr gut.

Herr Kaltmamsell bereitete zum Nachtmahl aus Ernteanteil-Kartoffeln spanische Tortilla und schnitt den ganzen edlen Jamón Pata negra an, den er von meinen Eltern zu Weihnachten bekommen hatte, ich schüttelte als Aperitif Cosmopolitans und öffnete zur Tortilla eine Flasche unseres Lieblings-Tempranillos Dehesa La Granja aus Castilla y León. Nachtisch Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir den Klassiker Das Wirtshaus im Spessart laufen.

Und jetzt leben wir wieder mit einem Tier in der Küche.

Journal Dienstag, 24. Februar 2026 – Wärmerer Regen

Mittwoch, 25. Februar 2026

Bis kurz vor vier tief und fest geschlafen, doch dann war meine Nase wieder zugeschwollen, und mit Mundatmung konnte ich nicht wieder einschlafen. Dabei ging mir durch den Kopf, wie lange ich das mitmachen soll, bis ein Besuch beim Hausarzt sinnvoll wird (davor waren die Schleimhäute Sonntagnachmittag beim Filmgucken plötzlich komplett zugeschwollen). In der Nacht zum Dienstag halfen Aufstehen und Klogang, danach war ein Nasenloch frei genug. Erste vorsichtige Recherchen legen nahe, dass es sich schlicht um eine weitere Alterungserscheinung handelt. Vielleicht erstmal zur Apothekerin damit. (Altwerden ist schon eine Unverschämtheit.)

Ich stand zu energischem Regenprasseln auf. Die Prognosen zeigten eine Pause frühestens am Abend an, daran richtete ich meine Kleidungswahl aus, außerdem schlüpfte ich für den Arbeitsweg in Gummistiefel (ganz schön stolz darauf, dass ich zum wiederholten Mal daran gedacht hatte und mit trockenen Füßen im Büro eintraf).

Dass das die dritte schlechte Nacht in Folge gewesen war, merkte ich am Vormittag an großer Müdigkeit. Die Unlust, für meinen Mittagscappuccino das Haus zu verlassen, lag allerdings recht sicher an dem weiterhin energischen Regen. Ich holte mir einen in der Cafeteria, bekam ihn sogar heiß.

Zu Mittag gab es Äpfelchen, Orange, Quark mit Leinsamenschrot.

Weil ich auf der (neuen) Website meines Radl-Schraubers den Hinweis gefunden hatte, zur Reparatur könnten Fahrräder nur bis 16 Uhr abgegeben werden, Ausnahmen bitte telefonisch klären, rief ich dort für eine solche Ausnahme an. Um von einer Band-Ansage zu erfahren, dass der Laden bis 10. März geschlossen ist, diese Info hatte es nicht auf die Website geschafft. Ich werde für den Wahltag Herrn Kaltmamsell um sein Fahrrad bitten müssen.

Heftiger Arbeitsnachmittag, der mich völlig erledigt in den späten Feierabend entließ. Der Regen war deutlich schwächer geworden, für einige Abschnitte meines Heimwegs klappte ich den Schirm sogar zu.

Zu Hause turnte ich eine Abschlussfolge Yoga mit Adriene, also ohne Ansagen, nur mit Hinschauen. Ich genoss vor allem die Dehnungen.

Basis des Nachtmahls von Herrn Kaltmamsell waren Petersilienwurzeln aus Ernteanteil, es gab sie mit Chorizo (ganz klar: englisches Rezept) in einem Sherry-Sößchen.

Schmeckte sehr gut! Nachtisch Schokolade.

Abendunterhaltung eine Doku aus der arte-Mediathek über Peter Falk als Columbo:
“Peter Falk versus Columbo”.

Viel gelernt, unter anderem über John Cassavetes und dass die Regie bei der ersten Serien-Folge Columbo (nicht die Pilotfolge) Steven Spielberg führte.

§

Mir ist klar, dass sich gefestigte Menschenbilder auch nicht durch Fakten aufweichen lassen, weise dennoch auf sie hin:
“Studie: Mythos vom ‘arbeitsunwilligen Arbeitslosen’ dient als Legitimation für Sozialkürzungen”.

Zugleich weisen große Teile der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten nach Darstellung der Forschenden strukturelle Vermittlungshemmnisse auf. 44 Prozent sind von mindestens einem statistisch erfassten Hemmnis betroffen, weitere 44 Prozent von mehreren gleichzeitig. Hierzu zählten Langzeitarbeitslosigkeit, fehlende Berufsabschlüsse, gesundheitliche Einschränkungen, höheres Alter oder familiäre Sorgeverpflichtungen.