Essen & Trinken

Journal Samstag, 7. April 2018 – Anwandern im Norden von Oberschleißheim

Sonntag, 8. April 2018

So lustig, mein Körper! Für die Nacht auf Samstag überraschte er mich mit einer weiteren Migräne, fünf Tage nach der jüngsten – und überraschend weil nach fünf völlig alkoholfreien Tagen! Wieder kam ich nicht sofort drauf, dass die berstenden Kopfschmerzen um drei Uhr früh Migräne sein könnten und nahm erst mal eine Aspirin. Als die Schmerzen um sechs aber zum Heulen schlimm wurden (Migränikerinnen kennen die Übersprungshandlungen Oberkörperschaukeln, „OhGottohGott“-Wimmern und Kreiselaufen, die uns in diesen Situationen die biologische Nähe zu Haushühnern vor Augen führen? Und die wir wiederholen, auch wenn sie in der Vergangenheit bewiesenermaßen noch nie etwas gebracht haben?), griff ich doch wieder zum Triptan.

Der besorgte Herr Kaltmamsell flüsterte mir noch zu, dass wir die Wanderung gerne auf Sonntag verschieben könnten, dann schlief ich ein paar Stunden komatös.

(Und dann auch noch die Lächerlichkeit dieser Beschwerden: Kein Virus, keine Nervenhüllen-fressende Autoimmunaggression, kein Bein-ab, keine bösartige Wucherung, kein Gift, keine Blutströme – einfach nur Schmerz-und-Elend-JETZT!)

Wandern gingen wir dann doch noch, allerdings hatte ich die geplanten Erledigungen des Samstagvormittags von Bettzeugwaschen bis Hosenkauf verschlafen. Migräne führt ja im Nachgang gerne zu Scheißegal, im besten Fall entspanntem, im gestrigen Fall in dunkelgrauer Hilflosigkeit.

Mittlerweile habe ich Erfahrung mit Wandern in Aprilsonne und cremte mich gründlich mit 30-faktoriger Sonnenmilch ein – einmal Anwandern ohne Sonnenbrand! Die S-Bahn brachte uns mittags nach Oberschleißheim (Herr Kaltmamsell hatte Käsebrezen eingesteckt, zum Glück reichte mein Appetit mittlerweise dafür, so dass ich eine Wandergrundlage in den Magen bekam). Dort gingen wir erst mal auf Straßen grob Richtung Norden ins Riedmoos. Wanderer Lohn war gleich mal der Anblick eines Sprungs Rehe auf den Feldern.

Industriell bewirtschaftete Felder waren ohnehin das, was wir am meisten sahen, „-moos“ ist halt flach. Kaum Vögel (einmal von Fern ein Falke), nur zwei Sorten Schmetterlinge – das ist kein Lebensraum, der auf Vielfalt ausgelegt ist.

Wir kamen durch Einfamilienhausdörfer, deren Doppel- bis Dreifachgaragen in der Größe der halben Wohnfläche Zeugnis gaben von fehlender Infrastruktur, in der man selbst zum Semmelholen ein Auto braucht. (Bloß Spaß, hier fährt natürlich niemand 10 Kilometer zum nächsten handwerklichen Bäcker: Man hat die tschechischen Tiefkühl-Teiglinge vom Discounter-Großeinkauf in der Gerfriere, die man zum Frühstück aufbackt.)

In Haimhausen machten wir an der Amper entlang einen Abstecher zum Schloss. Darin die private „Bavarian International School“ – aber wir haben ja keine Klassengesellschaft?

Was es ebenfalls in Haimhausen gab: Eine Eisdiele! Drumrum saßen Menschen an Tischen in der Sonne und löffelten aus beeindruckenden Eisbechern, wir reihten uns in die Schlange des Straßenverkaufs. Gutes erstes Eis der Saison!

Übers Inhausermoos gingen wir zurück nach Süden und zum Unterschleißheimer See (uns radelten Menschen in Badelatschen und mit Badematten entgegen). Am Ortseingang Unterschleißheim entdeckte ich die Brauerei der Crew Republic: Da sind die!

Nach viereinhalb Stunden gemütlicher Wanderung waren wir an der Waldwirtschaft Bergl, die wir uns zum Einkehren ausgesucht hatte.

Guter Schweinsbraten, schöne Lage. Zum S-Bahnhof Oberschleißheim waren’s dann durch den Wald nur noch 20 Minuten.

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Pia Ziefle (Suna) macht einen Buchladen auf!
„Die Grundversorgerinnen
Literarisches Quartett um Schriftstellerin Pia Ziefle eröffnet neuen Buchladen in Mössingen“.

Zum Geschäftsrisiko als Buchhändlerin sagt sie als Autorin: „Ich kann nicht tief fallen.“

Journal Freitag, 6. April 2018 – Wochenausklangsschlemmerei

Samstag, 7. April 2018

Gestern war dann richtig Frühling: Büsche und Bäume grünten und blühten, die Sonne schien, die Vögel tirillierte, doch die Temperaturen um die 15 Grad verlangten nach Jacke und Schal – luden aber zum Herumsitzen in der Sonne ein, die Straßencafés waren voll.

Ich machte freitäglich früh Feierabend und spazierte über Obsteinkäufe beim Verdi heim.

Die Referenzmagnolie tut ihre Pflicht. (Sie haben schon auch eine Referenzmagnolie, oder? Oder eher eine Referenzforsythie? In meiner Kindheit und Jugend stand meine Referenzmagnolie auf meinem Schulweg zum Reuchlin-Gymnasium neben der Schule Auf der Schanz, die ich mit dem Fahrrad passierte. An ihr hatte meine Mutter mir auch beigebracht, was eine Magnolie ist und wie sie duftet.)

Daheim gab’s als Aperitif eine spanische Meeresfrüchtedose (Chipirones rellenos), auf Alkohol hatte ich immer noch keine Lust bis hin zu leichtem Ekel davor.

Mit Herrn Kaltmamsell plante ich die samstägliche Wanderung, es geht nach Oberschleißheim.

Der Herr servierte zum Nachtmahl Kuh (Entrecôte) auf Wiese (Asiasalate aus Ernteanteil), zum Nachtisch probierten wir eine neue Sorte Ben&Jerry’s-Eis, das ich kürzlich mitgebracht hatte: Birthday Cake. Ich fand sie weniger schlimm, als ich befürchtet hatte (fluffig, wenig Interessantes drin), der Esser an meiner Seite fand sie weniger aufregend, als er erhofft hatte. Aber das wissen wir jetzt.

Die vergangenen Abende hatte ich in der Dämmerung immer wieder zum Nebengebäude gelinst, gestern sah ich, worauf ich gehofft hatte: eine Fledermaus flatterte übers Dach als Silhouette in den Abendhimmel. Es gibt also auch dieses Jahr welche.

Wieder sehr früh müde gewesen und Schlafen gegangen.

Journal Ostersonntag, 1. April 2018 – Bettruhe und Oster-Paella

Montag, 2. April 2018

Jetzt war ich aber wirklich krank. Und nachdem ich mich vor drei Monaten brutal erkältet zum Weihnachtsessen geschleppt hatte, sagte ich diesmal ab: Statt polnischem Osterfrühstück bei meinen Eltern gab’s Bettruhe. Geschmeckt hätte ich eh nicht viel.

Nach Milchkaffee und Bloggen schickte ich also Herrn Kaltmamsell mit dem Osterzopf zu meinen Eltern und ging zurück ins Bett.

Wo ich bis 17 Uhr tief schlief, unterbrochen nur von einem Klogang und ein wenig Wassertrinken. Wahrscheinlich hätte ich noch länger geschlafen, doch ich stand (ohne Mühe) für die Abendgäste auf – Gäste auszuladen, auch noch so kurzfristig, ist für mich der so ziemlich größte Affront und damit die allerallerletzte Option.

Es ging dann auch wirklich: Wohnung ein wenig räumen und reinigen, Tisch decken, duschen und anziehen, Vorspeise vorbereiten (Radiccio mit Balsamicodressing und Roquefort) – die Hauptspeise würde ohnehin Herr Kaltmamsell zubereiten. Er hatte das Ganze nämlich angezettelt mit seinem Wunsch, selbst mal Paella zu machen: Wir hatten Oster-Paella ausgerufen und zwei Freunde dazugeladen (die eine monumentale Flasche selbst gemachten Eierlikör mitbrachten, der noch viel Freude bereiten wird).

Orientiert hatte Herr Kaltmamsell sich an unserem Familienrezept. Allerdings hatte er vormittags beim Osterfrühstück meine Eltern nach Details befragt und festgestellt, dass sie inzwischen das eine oder andere anders machen. Mit dem Ergebnis äußerten sich alle zufrieden – ich zählte nicht, weil ich krankheitsbedingt nicht viel schmeckte und mir außerdem eh nichts aus Paella mache (there: I said it.).

Für den Nachtisch war wieder ich zuständig: Torta de Santiago.

Ein nordspanischer Klassiker, ich hatte dieses Rezept verwendet. Der Namenstag des Heiligen Jakob ist zwar im Juli, doch ich erfand mir flugs auf der Basis der Mehlfreiheit einen Bezug zu Pessach und damit über Bande zu Ostern. Religionen machen sowas seit Jahrtausenden.

Die Torta ist mit ihren Zutaten Mandelmehl, Eiern, Zucker, Zitronenschale, die lediglich verrührt werden, die denkbar simpelste Sache. Doch die Spanier (TM) neigen ja zu einer kultischen Überhöhung ihrer typischen Gerichte, und so kann man auch ein solches Longread-Tamtam um diesen supereinfachen Kuchen machen (16 Arbeitsschritte).

Ich reichte Schlagsahne dazu, weil ich das Bedürfnis nach einem Gegenpol zur reinen Mandelsüße hatte. Das nächste Mal vielleicht eher eingekochtes säuerliches Obst (Kirschen?).
Ins Glas kam eine Kuriosität aus unserem Barschrank (eher -regal):

(Foto nachgeholt) Ein Freund meines Vaters löst Teile seiner Brandy-Sammlung auf, die er über Jahrzehnte zusammengetragen hat, und mein Vater hatte diese Flasche an mich weitergereicht. Der Brandy Gran Reserva Constitución aus Murcia von der Destillerie Bernal ist 70 Jahre gereift und wirklich etwas ganz Besonderes. (Leider war der Korken trotz sehr vorsichtigem Öffnen zerbröselt.)

Journal Karfreitag, 30. März 2018 – Langweilige Kränklichkeiten

Samstag, 31. März 2018

Früh aufgewacht. Draußen war es kalt und grau, meine angegriffenen Bronchien ließen es ratsam erscheinen, das Sportprogramm lieber drinnen zu absolvieren: Ich stellte mich mit Musik auf den Crosstrainer. Vorm Fenster sah ich Eichhörnchen, Meisen, wahrscheinlich ein Paar Distelfinken, Kleiber – und Passanten, die unsere Hofeinfahrt für einen Durchgang zur Parallelstraße hielten.

Um die Mittagszeit kam die Sonne heraus, auf dem Balkon sah ich ein Rotkehlchen, das ich inzwischen schon aus dem Augenwinkel an der eleganten Silhouette erkenne. Ich blanchierte und schälte Mandeln für einen sonntäglichen Nachtisch.

Die Sonne lockte mich dann doch ins Freie, das überraschend mild war – die Wettervorhersage hatte Föhn angekündigt. Bevor ich sie noch sah, wehte mich schon ihr Duft an: Veilchen.

Jetzt erkläre ich den Frühling endgültig für angebrochen.

Am Hauptbahnhof holte ich mir beim Rischart ein Stück Apfelkuchen, das ich daheim aß. Ich habe diese Saison bei Weitem nicht genug Apfelkuchen gemacht.

Lesen im sonnendurchfluteten Wohnzimmer – bevor die Bäume Laub ansetzen, scheint sie so frühlingsschräg noch schmerzlich blendend herein. Zum Nachtmahl machte ich mir Salat aus Ernteanteil-Spinat und Spaghetti mit selbst eingekochtem Tomatensugo – Herr Kaltmamsell war aushäusig.

Leider zogen über den Nachmittag meine Nebenhöhlen schmerzhaft zu; ich hielt mit Nasendusche gegen, doch ich fürchte, auch durch die Rotzerei muss ich ein weiteres Mal.

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Ich höre und kenne ja so gut wie keine zeitgenössische Musik, aber dem Namen Amanda Palmer und ihrer Musik bin selbst ich schon begegnet – und nur in positivem Zusammenhang.

Ich ahne, warum sie so gemocht wird. Und über diese Rede von 2013 und das Bitten werde ich noch eine Weile nachdenken müssen.

via swissmiss

Journal Donnerstag, 29. März 2018 – M.R. Carey, The girl with all the gifts

Freitag, 30. März 2018

Letztes Jahr sah ich im Kino einen Trailer um ein interessantes schwarzes Kind und flüsterte dem neben mir sitzenden Herrn Kaltmamsell zu: „Den will ich sehen.“ Doch der winkte ab: „Zombiefilm. Ich habe die Romanvorlage daheim.“ So hatte der Trailer gar nicht ausgesehen. Das ganze Zombiedings interessiert mich ja nicht, doch als kürzlich mein Blick auf dem Roman in unserem Bücherregal fiel, zog mich der Titel an: The girl with all the gifts. Und so bekam ich meine erste Zombiegeschichte – die ich auch noch empfehle.

Gefesselt war ich von der ersten Seite an: Wir lernen das Kind Melanie kennen. Sie und andere Kinder leben in kleinen, stark gesicherten und fensterlosen Gefängniszellen, aus denen sie jeden Morgen von drei Soldaten abgeholt werden. Die Soldaten fixieren sie dazu an Händen, Füßen und Kopf an Rollstühlen und rollen sie in ein fensterloses Schulzimmer, in dem sie von durchwechselnden Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet werden. Melanies mit Abstand liebste Lehrerin ist Miss Justineau, weil sie von der am meisten lernt – und Melanie lernt schwindelerregend schnell.

Wie es zu dieser ungewöhnlichen Unterrichtssituation kommt, erzählen die ersten Kapitel: Wir befinden uns in einem postapokalyptischen England, der größte Teil er Menschheit wurde von einem Pilz befallen, der ihnen alle Menschlichkeit nahm und sie zu hungries machte, nur auf das Fressen anderer Menschen ausgerichtet. Wilder politischer Aktionismus direkt nach Ausbruch der Epidemie hat zu weiteren Verheerungen geführt, die Leben nur in wenigen Gebieten möglich machen. Hier wird unter anderem auch die Wirkungsweise des Pilzes wissenschaftlich erforscht.

Doch der Kreis der handelnden Personen, um die sich die Kapitel zunächst abwechselnd drehen, wird immer kleiner: Fünf Hauptfiguren müssen fliehen. Auf ihrer Reise wird klarer, was eigentlich passiert ist, in welcher Welt sie leben, was das Besondere an Melanie ist – und wie es nach Ende des Buchs weitergehen wird: Selten habe ich einen so gut gemachten Romanschluss gelesen.

Warum die Geschichte mich angesprochen hat: Ich mag das Motiv verkanntes Genie, ich lese gerne über tiefe Freundschaft und Loyalität, es gibt viele Referenzen auf die Antike (übersetzen Sie den Buchtitel mal ins Griechische). Zudem ist die Entwicklung der Hauptfigur faszinierend: Man kann den Kampf einer 10-/11-jährigen mit erwachenden Urinstinkten, mit Kontrollverlust, mit eigener Macht, Liebe und Selbsterkenntnis ganz wunderbar als Coming-of-age-Geschichte lesen.

Wenn ich eine einzige Kritik an dem sonst handwerklich hervorragend gemachten Roman habe, dann ein paar Längen: 50 Seiten weniger hätten dem Rhythmus des zweiten Teils gut getan.

Jetzt hat mir Herr Kaltmamsell natürlich I am legend von Richard Matheson aus dem Jahr 1954 hingelegt: „Dann solltest du den auch gelesen haben.“ Na gut – so lange mich niemand zwingt, The night of the living dead anzusehen.

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Es ist weiterhin kühl, am gestrigen Gründonnerstag mit einer Mischung aus Regen und Sonne. Den Heimweg von der Arbeit verlängerte ich auf eine Stunde, um mich ein wenig durchzupusten.

Wie erbeten empfing mich Herr Kaltmamsell mit Griesoß, inzwischen hier klassisches Gründonnerstagessen – ohne interessanten Wein, der Infekt hat mir die Lust auf Alkohol genommen (ich hatte einen spanischen Sauvignon Blanc dazu probieren wollen).

Journal Sonntag, 25. März 2018 – Palmsonntag mit kühler Sonne

Montag, 26. März 2018

Palmsonntag. Während vergangenes Jahr die Palmkätzchen zu diesem Feiertag längst verblüht waren, gab es sie heuer noch nicht zu sehen.

Den Morgen mit Brotbacken verbracht, der Teig für meine Geiersthaler Sonne wurde diesmal arg weich. Und dann kam der Ofentrieb recht spät, man sieht es der Krume an (große Löcher oben).

Geschmeckt hat es trotzdem.

Raus zum Laufen. Es war schön sonnig und mit vielen Pokémon (Sonderaktion Bisasam). Die Kleidung anderer Joggerinnen und Jogger reichte von kurze Hose mit nackten Beinen und kurzen Ärmeln bis Schal und Anorak. Ich trug etwas dazwischen und war durchaus froh über meine leichte Mütze, Handschuhe brauchte ich aber nicht.

Der Muskelkater nach dem samstäglichen Intensivprogramm war interessant. Beim Aufstehen lediglich ein wenig Ziehen im Schultergürtel und in den hinteren Oberschenkeln, ich sah also kein Hindernis für meinen Isarlauf. Am Nachmittag dann doch interessante Dinge in Nacken und Po, zum ersten Mal auch Muskelkater in den Unterarmen. Am wenigsten spürte ich meinen Bauch, obwohl dem 15 Minuten Übungen gewidmet waren. Irgendwas mache ich falsch.

Nachmittags Bügeln, dazu die Musik aus Call me by your name. Pokémonentwickeln, nach Monaten endlich aufs nächste Level gekommen.

Für die letzten drei Level werde ich Jahre brauchen.
Aus Jux Fingernägel farbig lackiert (lila), habe ich zuletzt vor etwa 20 Jahren gemacht.

Abends servierte Herr Kaltmamsell ausgesprochen köstliche Rindsrouladen mit Kartoffelbrei – ein richtiges Sonntagsessen.

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Kluge Gedanken von Jens Scholz, wer in Wirklichkeit die kleinen Händler kaputt macht:
„Nicht Amazon macht den Traditionshandel kaputt, sondern Leute wie ich, und ich bin kein Millennial“.

Ein bisschen gehöre ich auch dazu, auch für mich ist Einkaufen kein Erlebnis und „Shoppen“ kein Hobby. Wirklich gern kaufe ich Lebensmittel ein, tatsächlich sogar die alltäglichen – weil ich dazu nirgends hinfahren muss, sondern einige Supermärkte und Süpermarkets auf meinem Heimweg von der Arbeit liegen, ich mit ein wenig Umweg an zwei Biomärkten vorbei komme. Aber der Einkauf von Kleidung oder gar Schuhen ist mir im Offline sehr zuwider. Meine Kleidung kommt deshalb meist aus dem Internet, Schuhe muss ich leider meist in Läden suchen.

Journal Samstag, 24. März 2018 – Wochenendsport im Wohnzimmer

Sonntag, 25. März 2018

Sonne! Wie angekündigt bekamen wir einen strahlend sonnigen Frühlingstag, an dem allerdings ein empfindlich kalter Wind pfiff.

Zum Ausleben meines Bewegungsdrangs räumte ich das Wohnzimmer frei. Eigentlich hatte ich vorgehabt, wieder beim MTV zu turnen, doch die Aussicht auf ähnlich langweiliges Angebot wie die vergangenen beiden Wochen hielten mich ab. Und da war mir eine Übungsrunde auf Fitnessblender eingefallen: „1000 Calorie Workout Video – At Home HIIT Cardio, Strength, and Abs Workout to Burn 1000 Calories“.

Eingemerkt hatte ich diese Programm schon vor zwei Jahren; mich reizten weniger die behaupteten 1000 Kalorien Verbrauch (ich glaube ja nicht an Kalorien), sondern die 90 Minuten Rundumtraining.

Die Aufwärmphase verlängerte ich: Mein persönlicher Puls möchte über längere Zeit und langsam hochgeschraubt werden, sonst protestiert mein System mit rotem Kopf und Schwindel. Zudem machte ich längere Pausen (die Fitnessblender-Programme sind immer recht zackig und im Grunde Nettozeit an Übungen, immer wieder wird darauf hingewiesen, dass man jederzeit mit der Pausentaste unterbrechen darf): Trinken, Wäsche aus der Waschmaschine holen, mehr Wasser. So kam ich auf über 100 Minuten Sport. Der HIIT-Teil war angenehm anstrengend, beim Krafttraining musste ich allerdings zweimal aussetzen, weil mir vom schnellen Wechsel zwischen Bewegung in Bodenlage und aufrechter Haltung innerhalb einer Übung schlecht wurde.

Jetzt bin ich sehr gespannt, ob die Prognose des Vorturnerpaares Daniel und Kelli stimmt, dass ich am Folgetag unter einem Ganzkörpermuskelkater leiden werde.

Nachdenken über meine Geburtsstadt (caveat: Ich habe ein unerklärlicherweise aber extrem emotional gestörtes Verhältnis zu Ingolstadt und bin deshalb die denkbar am wenigsten glaubwürdige Quelle für Beurteilungen aller Art.): Ihr Zentrum ist vielleicht das perfekte Beispiel für das Gegenteil von Gentrifizierung. Wo mal Handwerk, Metzgereien, kleine Läden und Gastronomie waren, sind jetzt Versicherungsbüros, Immobilienmakler, im besten Fall noch Arztpraxen. Ich weiß verlässlich, dass in der Innenstadt Menschen wohnen, doch das ist eine Parallelgesellschaft. „Angesagte Wohngegenden“ bestehen aus Einfamilienhäusern mit Dreifachgaragen. (Mag nicht der entflohene Ingolstädter Roman Deininger von der SZ, der zum Bundesliga-Aufstieg der örtlichen Männerfußballmannschaft diesen hinreißend treffenden Artikel über seine Geburtsstadt geschrieben hatte (€), diesen Aspekt mal aufarbeiten? Nebenbei: Kennen Sie diesen Artikel von Deininger vom letzten Jahr über jetzt Ministerpräsident Söder?)

Kleine Einkaufsrunde auf dem Klenzemarkt, dann den Raumduft „Rührkuchen“ erzeugt.

Treffen mit Freundin in Café auf einen Aperó, gemischte Nachrichten aus der akademischen Welt. (Was ganz anderes: Mag mir jemand diesen Teppich schenken? Respektive aus USA mitbringen?)

Zum Abendessen fand Herr Kaltmamsell heraus, wie Suppe aus lila Karotten aussieht.

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Die Medien sind voll von Warnungen und Analysen zu Facebook, weil eine eingebundene App von Cambridge Analytica die Daten einer Umfrage auf Facebook und Profildaten von Nutzern und deren Kontakten für gezielte politische Werbung genutzt hatte. Dieser konkrete Datenmissbrauch will mich nicht so recht erschüttern – vielleicht weil ich immer schon wusste, dass meine bei Facebook hinterlegten Daten und Verbindungen praktisch öffentlich sind. Und dass Facebook alle meine Bewegungen im Web trackt, solange ich nicht ausgeloggt bin (wer loggt sich bitte nach jedem Facebook-Besuch aus?). Das finde ich durchaus nicht gut, aber anderes beunruhigt mich viel mehr.

Nämlich zum Beispiel, dass die Bayerische Staatsregierung die Befugnisse der Polizei massiv ausweiten will. Sie führt mal kurz die Kategorie „drohende Gefahr“ ein und setzt in diesen Fällen unter anderem Bürgerrechte wie Post- und Telekommunikationsgeheimnis außer Kraft.

Marie Bröckling dazu auf netzpolitik.org:
„Ab Sommer in Bayern: Das härteste Polizeigesetz seit 1945“.

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Noch lebt Katrin Scheib in Russland und berichtet (ihre fünf Jahre dort neigen sich dem Ende zu). Zum Beispiel:
„Wie ich einmal Gesangsunterricht auf Russisch nahm“.