Essen & Trinken

Journal Donnerstag, 9. März 2017 – Bezauberndes Westend

Freitag, 10. März 2017

Eine halbe Stunde früher aufgestanden, um Zeit für eine Runde Krafttraining im Wohnzimmer zu haben (nochmal das Programm vom Sonntag) – die ich kurz unterbrach, weil auf dem Balkon die Amsel energisch glucksend nach ihren Rosinen verlangte. Wenn man sie schon erzieht, muss man auch konsequent sein, nicht wahr?

Vielleicht habe ich ein Mittel gefunden gegen die Lästigkeit der PMS-Brustschmerzen: Erzeugung eines so heftigen Brustmuskelkaters (viele Liegestütze, ausführliches Bankdrücken mit 20 Kilo auf der Langhantel), dass nicht unterscheidbar ist, ob der Muskel oder das Bindegewebe weh tut. Clever or what?

Auf dem Fußweg in die Arbeit wurde der Nieselregen immer dichter, ich brauchte meinen Schirm.

Meinen Heimweg in der letzten Abenddämmerung ging ich in durchgehendem Amselgelärme: Anscheinend werden gerade die Reviere aufgeteilt.

Im Westend machte ich einen Abstecher in einen Tengelmann – und hatte das Gefühl, bei einer Familie ins Wohnzimmer zu platzen. In den Gängen halfen die jugendlichen Kunden den ganz alten, man lächelte einander an. Die emsige und sorgfältig hergerichtete Dame an der Kasse kannte wohl jeden: Mit dem etwas abgelebten Herrn diskutierte sie Partnerschaftsprobleme, mit dem Mann in Arbeitskleidung wechselte sie Grüße auf Griechisch, lobte gleich beim nächsten Kunden dessen überraschend gute Griechischkenntnisse, warf der Kollegin an der Nebenkasse Scherzworte zu. Das alles, ohne dass sie ihre Arbeit verzögerte.
Das Westend ist mir schon arg sympathisch. Schaun sie sich die Gegend zwischen Augustiner-Brauerei, Heimeranstraße, Theresienhöhe und Trappentreustraße an, bevor auch hier die Änderungsschneidereien, kleinen Metzger und vielsprachigen Obst- und Gemüseläden durch Cupcake-Cafés und Kinderklamottenboutiquen ersetzt werden. (Mittagessen bei Marietta!)

Gekauft hatte ich Abendessen: Herr Kaltmamsell verbrachte den Abend aushäusig, ich musste mich selbst versorgen. Lange überlegte ich, worauf ich Lust hatte: Nicht auf die ursprünglich vage geplanten Nudeln, weil ich mittags zwei dicke Scheiben Brot mit Avocadomatsch gegessen hatte. Auch nicht recht auf ein Eiergericht oder die Karotten aus Ernteanteil (von denen ich mittags zwei zum Brot gegessen hatte). Dann kam ich drauf: Erbseneintopf aus der Dose. Aß ich zu Studienzeiten gerne, ist bis heute eine Speise, die gerne aus der Dose kommen darf und so klassisch kommt, dass praktisch kein Mist drin ist. Gutes Abendessen.

Journal Montag/Dienstag, 6./7. März 2017 – Wie komme ich zu mehr Sport?

Mittwoch, 8. März 2017

Das Montagswetter war dann doch nicht so greislich wie angekündigt, ich kam trocken in die Arbeit und wieder heim.
Früh ins Bett, weil ich von der unruhigen Nacht (das wird in der Nacht vor ersten Arbeitstag nach Urlaub in diesem Leben wohl nicht mehr anders werden) erschöpft war.
Zum Abendbrot gab’s Bestell-Sushi, viel davon.

Dienstagmorgen zum Langhanteltraining. Es belastet mich, dass ich während der Arbeitswoche so wenig Bewegung bekomme. Zwar hoffe ich auf das abends längere Licht zur Sommerzeit, aber leider lässt mich mein Körper (Achillessehnen, Lws) nicht so oft dauerlaufen, wie es mein Geist bräuchte – mehr als einmal die Woche zahle ich mit bösen Schmerzen. Nach Feierabend auf den heimischen Crosstrainer? Dazu müsste ich mich mit so viel Energie zwingen, dass es den Spaß nicht aufwöge.

Überraschenden Anruf erhalten, berufliche Alternative könnte sich auftun (mehr in einer Woche).

Bei eisigen Temperaturen nach Hause. Über den Anblick dieses Hauses freue ich mich jedes Mal.

Ich wurde mit köstlichem Garnelen-Kung Pao empfangen.

§

Nach der Erklärung von Frau Brüllen, warum Honig und Obst sicher nicht zuckerfrei sind (mein Zucker ist ja zu 100 Prozent aus Rüben, rein pflanzlich), erklärt Frau Rabe ebenso tief, aber verständlich, was der menschliche Stoffwechsel mit den verschiedenen Zuckern macht:
„Zucker macht Spaß“.

Mit dem wichtigen Fazit:

Glauben sie nix, was ihnen irgendwer als allein selig machend verkaufen will. Der Körper ist komplex.

Journal Sonntag, 5. März 2017 – WMDEDGT

Montag, 6. März 2017

„Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ fragt Frau Brüllen immer am 5. des Monats. Und sammelt die Antworten hier.

Ausgeschlafen bis nach sieben. Nickianzug angezogen, Cafetera gefüllt (hatte ich am Vorabend beim späten Heimkommen – nach! halb zwölf! – vergessen. Und hätte es vermutlich auch bei Erinnern nicht gemacht, weil Herr Kaltmamsell neben der Küche in meinem Bett schlief und ich ihn aufgeweckt hätte.)

Zu Milchkaffee Lebenslauf und Zeugnisdatei aktualisiert. Über den Samstag gebloggt.

Als ich der Amsel Rosinen auf die Balkonbrüstung legte (ich kann die Amseldamen nicht wirklich auseinander halten, aber wenn eine auf der Lehne des innersten Balkonstuhls sitzt und fragend ins Wohnzimmer schaut, frisst sie immer begeistert die Rosinen, die ich auslege – gerne schon die erste Rosine, bevor ich die letzte hingelegt habe), sah ich ein dunkelbraunes Eichhörnchen auf dem Geräteschuppen des Nachbargrundstücks herumlaufen.

Abstimmung des Tagesablaufs mit Herrn Kaltmamsell: Ich hatte beschlossen, keinen aushäusigen Sport zu treiben, wir entschieden uns auch gegen eine kleine Wandertour (Wetter war vormittags eh kalt und trüb), heute Häuslichkeiten.

Nach einer Katzenwäsche (Zähneputzen, Gesicht und Achseln entschweißen), zog ich hässliche Sportkleidung an (die, mit der ich nicht im Sportstudio auftauchen möchte) und strampelte 30 Minuten auf dem Crosstrainer. Danach 35 Minuten Krafttraining im Wohnzimmer vor dem Fernseher, ich probierte ein neues Programm bei Fitness Blender. Es brachte mich ganz schön ins Schnaufen und Schwitzen: Während mir bei manchen Fitness Blender-Programmen inzwischen 3-Kilo-Hanteln lieber wären, waren hier die 2 Kilo völlig ausreichend. Statt Dehnen rollte ich danach eine Runde auf der Blackroll (erwünschtes Weihnachtsgeschenk meines Bruders) – aua!

Duschen, die Haare wusch ich mir wie immer ca. einmal die Woche mit meinem teuren Lilashampoo vom Friseur, das ein Gilben meiner weißen Haare verhindern soll (und lila Verheerungen auf dem Duschvorhang anrichtet). Cremen, desodorieren, schminken, Haare trockenföhnen, anziehen.
Der Chlorschnupfen vom Freitag war wohl überwunden: Freitagabend hatte Herr Kaltmamsell noch gefragt: „Heute gar kein Chlorschnupfen?“, als meine Nase schlagartig komplett zuschwoll. Acht Stunden nach Kontakt kann das doch keine Überempfindlichkeit aufs Chlor mehr sein, sondern reine Renitenz des Körpers?

Frühstück um halb eins: Bagelsemmel mit Frischkäse und Gorgonzola (am Vortag hatte ich dick Butter und Gorgonzola kombiniert – das war dann selbst mir zu viel Fett auf einen Schlag), Bananenquark. Obwohl ich den Quark gesüßt hatte, schmeckte die noch harte Banane in dem ganzen am süßesten – das gefielt mir nicht, also goss ich noch ordentlich Ahornsirup darüber – und dachte dabei sehr an die wunderbaren Ausführungen von Frau Dr. Chemikerin Brüllen, warum es chemisch gesehen Blödsinn ist, Obst, Apfelkraut oder Trockenfrüchte als Alternativen zu Zucker einzuordnen:
„Sweet talkin woman“.

Erste Runde Korrekturlesen einer kunstgeschichtlichen Hausarbeit.

Ich verließ das Haus zu einem Schaufensterbummel durch die Altstadt. Es war sonnig geworden, aber kühl geblieben.

Mit den Schaufenstern hatte ich Pech: Sehr viele davon wurden gerade (für die Frühjahrsware?) umdekoriert und zeigten keine Produkte. Ich schlenderte die Sendlinger Straße über den Marienplatz bis zum Odeonsplatz, guckte mir bei Nymphenburger Porzellan schlichte Kuchenteller fur 360 Euro das Stück an. (Ein Nymphenburger Service kauft man doch nicht neu – das erbt man doch?) Über Oper und Dallmayr spazierte ich zurück zur Sendlinger Straße, über die Hackenstraße zurück nach Hause.

Dort Basteln an beruflicher Alternative.
Zweite Runde Korrekturlesen, Absenden an Autorin.

Ich öffnete fürs Abendbrot eine Flasche Weißwein (spanischen Verdejo), goss mir gleich mal ein Glas ein. Herr Kaltmamsell hatte den abgegessenen Jamón-Knochen ausgekocht (Brühe für Cocido und andere spanische Eintöpfe), ich fieselte das restliche Fleisch von den Knochen.

Während Herr Kaltmamsell das Nachtmahl zubereitete (Gerstotto mit Karotten, Pastinaken, Tomatensugo – alles aus Ernteanteil, außerdem Waldorfsalat, ebenfalls hauptsächlich aus Ernteanteil), entwickelte ich Pokémon: 1. Durchgehen des Bestands mit Auflisten der zu entwickelnden, 2. Zünden eines Glückseis und Entwickeln, 3. Aufräumen (= zum Professor schicken) der überzähligen Pokémon.

Nachtmahl zu Tagesschau, Internetlesen zum Schweizer Tatort, hier stand ich aber bereits immer wieder auf, um die Wohnung für den Putzmann aufzuräumen und meinen ersten Arbeitstag nach den Ferien vorzubereiten.

Zähneputzen und -seideln, ins Bett gegen dreiviertel zehn. Dort Beißschiene eingeschoben und noch eine halbe Stunde Hare with the Amber Eyes gelesen.

Journal Samstag, 4. März 2017 – Bagelfail und Moonlight

Sonntag, 5. März 2017

Gestern gab’s ordentlich Frühlingsvorschuss: Über den Tag wurde es immer wärmer, in der letzten Abenddämmerung spazierte ich zu meiner Kinoverabredung in lauer Luft.

Morgens hatte ich Bagels gebacken – oder sowas Ähnliches. Sie waren zu stark gegangen und fielen beim Kochen zusammen:

Wahrscheinlich war die erste Gehzeit am Vortag zu lang gewesen, zwei Stunden hätten gereicht (ich war zu spät von der Mühlenführung heim gekommen). Die zweite Charge kochte ich lieber nicht, wurden halt Bagelsemmeln.

Nach einer Einkaufsrunde radelte ich zum Friedensengel für eine Laufrunde.

Mal wieder in der Streetart Gallery unterm Friedensengel vorbeigeschaut.

§

Abends im Cinema Moonlight. Gefiel mir gut, überraschend leise und langsam gefilmt. Auch hier viel Kammerspiel (basiert ja auch auf einem Theaterstück, In Moonlight Black Boys Look Blue von Tarell Alvin McCraney), inklusive Verfremdungseffekten unter anderem durch unrealistische Filter und Kamerfahrten im ersten Drittel, durch den Einsatz der Musik und die Besetzung der Hauptfigur in den drei Episoden – nur durch die Handlung wird klar, dass es sich um denselben jungen Mann handeln soll. Die Coming of age-Geschichte der Hauptperson (es tauchen auch weiterhin fast nur Buben in dieser Lebensphase in Filmen auf) kann vor allem deswegen so neu wirken, weil sie gegen die über Jahrzehnte gefestigten Stereotypen dieser Gesellschaftsschicht arbeitet. A. O. Scott drückt es in der New York Times so aus: (It) „evokes clichés of African-American masculinity in order to shatter them“.

Auch hier erleichternderweise kein Happy End, es bleibt halt schwierig.

(Dass der Oscar-prämierte Mahershala Ali sowie Janelle Monáe sowohl im Oscar-nominierten Hidden Figures als auch in Moonlight zentrale Figuren spielen, fand ich seltsam: Ich kann nicht glauben, dass es so wenige herausragende schwarze Schauspielerinnen und Schauspieler gibt. Nennen wir es den Tatort-Effekt: Auch dort scheint immer dasselbe Personal engagiert zu werden, als gäbe es nur eine kleine Auswahl.)

§

Da schau her: Es geht überall so zu. Jo Lendle über das heikle Thema Bürokaffee:
„’Ohne meine zimtfarbene Crema kann ich nicht leben‘.“

(Mir fehlte ja die Stimme des Betriebsrat bei der ganzen Sache. Und die der Compliance-Abteilung.)

§

Lassen Sie uns weiterdiskutieren, diesmal anlässlich der Verleihung des „Goldenen Zaunpfahls“ für das bescheuertste gegenderte Produkt. Antje Schrupp:
„Gegen den Geschlechterblödsinn“.

Viele meinen, da könnten wir doch ironisch zwinkernd drüberstehen. Ist doch witzig gemeint! Lach mal, du Feministin, mach dich locker!

Diese Gleichgültigkeit ist unangebracht. Wer so argumentiert, überschätzt nämlich grandios die Fähigkeit des menschlichen Bewusstseins, sich gegen ständige subtile Beeinflussung abzuschotten.

(…)

Oder stellen Sie sich mal das vor: Sie stehen vor einem Regal und haben die Auswahl zwischen verschiedenen Tütensuppen, nämlich Brokkolisuppe für Menschen mit Englischkenntnissen und Erbsensuppe für Menschen ohne Englischkenntnisse. Was tun Sie? Sie überlegen unwillkürlich, ob Sie eigentlich Englisch können. Anstatt, wie es vernünftig wäre, darüber nachzudenken, ob Sie lieber Brokkoli oder lieber Erbsen mögen. Und genauso geht es einem Kind, das zwischen einem blauen Handwerkskasten für Jungen und einer rosa Puppenküche für Mädchen wählen soll: Es denkt nicht darüber nach, ob es lieber mit einem Handwerkskasten oder mit einer Puppenküche spielen möchte. Sondern darüber, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist.

Das ist für die anstehende Entscheidung aber genauso egal wie der Umstand, ob man Englisch spricht oder nicht für die Auswahl einer Suppe.

Dazu passt auch der Aufsatz von dasnuf:
„Alle sollen Prinzessin sein dürfen“.

Wenn man das Hashtag #goldenerZaunpfahl auf Twitter filtert, stößt man immer wieder auf Frauen, die sinngemäß sagen: „Na und? Ich liebe Prinzessinnen! Ich möchte eben Prinzessin sein. Warum könnt ihr mir das nicht lassen?“

Diese Frauen möchte ich gerne ein bisschen zärtlich schütteln und ich frage mich: Wann werden sie es verstehen?
Wann werden sie verstehen, dass niemand ihnen das Prinzessinsein nehmen will (also ich zumindest nicht) – sondern, dass eine bestimmtes Prinzessinnen-Stereotyp erst dann ein Problem ist, wenn es die einzige Wahl, die einzige Phantasie, das einzige Vorbild für aufwachsende Mädchen ist.

Und hier zum Mitsingen:


Journal Freitag, 3. Februar 2017 – Eskalapatie

Samstag, 4. März 2017

Wer Eskalapatie1 nicht kennt, kennt wahrscheinlich auch weder Othelloweit2 noch Esamusawasa3. Hat also nie Volkslieder und/oder Chor gesungen.4
Egal.5

Gestern konnte Herr Kaltmamsell endlich den Punkt „Mühlenführung“ von seiner Erinnerungsliste löschen, den ich ihn vor Jahren darauf zu setzen gebeten hatte. (Es hat sich in diesem Hause eingebürgert, dass er sich aufschreibt, was ich ihm mit „Erinnere mich doch, dass ich…“ zurufe. Vor Jahren war das „… dass ich an einem freien Tag die freitägliche Führung durch die Hofbräuhaus Kunstmühle mitmachen will.“)

Er kam sogar mit.
Wir waren eine 15-köpfige Gruppe inklusive vier Kindern, auf die besonders eingegangen wurde.

Am längsten verweilten wir im Walzboden, in dem die acht alten Walzmaschinen aus dem Jahr 1921 (ich hätte sie „Mühlen“ genannt) mit je vier Metallwalzen für die insgesamt 16 Mühlgänge standen. Wie zu Krabats Zeiten muss der Müller sie selbst reparieren können.
Im Hintergrund sieht man den Mehl-Paternoster für den Abtransport zum Sieben.

Verarbeitet wird hier nur Weizen.

Kontrollanzeigen alt und hochmodern – letztere hinter der Steinmühle für Spezialschrot:

Mitarbeiterin Heidi – ja, sie ist für die Mäuse zuständig.

Zum nächsten Mahlgang führen Rohre in andere Stockwerke.

Die Mehltüten werden mit einer Handmaschine zugenäht (und ich öffne sie immer erst mal an der falschen Seite, von der aus ich sie nicht mit einem Zug aufribbeln kann).

Besonders stolz ist die Mühle auf ihr Farina Tipo OO: Nach eigenen Aussagen backen 70 Münchner Pizzerien mit der Mischung aus drei Weichweizensorten. Auch sonst ist Müller Blum wohl dahinter, die letzten Münchner Kleinbäcker als Kunden zu halten oder zu gewinnen. Der Weizen wird eigenen Angaben zufolge von Landwirten aus dem Umland geliefert.

Aufregend: Die Rutsche, auf der die Mehlsäcke zur Verladung transportiert werden.

Freude zum Abschluss: Lutz Geißlers Brotbackbücher in der Auslage des Mühlenladens.

Die Roggenmehle im Mühlenladen sind zwar zugekauft (außer dem in der Steinmühle gemahlenen Roggenvollkornmehl, das so grob ist, dass ich es als Roggenschrot einsetze), aber wenigstens kriege ich hier fast alle Typen, die ich zum Brotbacken brauche.

Fall es noch nicht implizit klar geworden ist: Große Empfehlung dieser Mühlenführung – so mitten in einer Großstadt und mit dieser Geschichte ist der Betrieb wirklich etwas ganz Besonderes. Auch als Tipp für Münchenurlauber: Wenn Sie mal Freitagnachmittag in München sind, schaun Sie sich das an.

Als der freundliche Führer erklärte, dass es auf dem Walzboden bei laufenden Maschinen viel zu laut wäre, um ihn zu verstehen, fiel mir ein, dass ich vor 30 Jahren als Volontärin einen Radiobeitrag über die damals letzte Mühle in Ingolstadt gemacht habe, über die Schaumühle. Vielleicht mögen Sie sich die zwei Minuten ja anhören – tut mir leid, lauter habe ich’s nicht (und seien Sie gnädig mit den vielen Anfängerfehlern).

§

Schon davor war der gestrige ein sehr schöner Tag gewesen: Ich war morgens zum Schwimmen ins Olympiabad geradelt, hatte mich anschließend mit Herrn Kaltmamsell zum Mittagessen bei Marietta getroffen.

§

Sehr schöne Geschichte als Dokufilm auf Facebook:
„How one woman is fighting food waste in Denmark.“

Es sollte mehr Kochbücher zur Verwendung von Resten oder nicht mehr frischen Zutaten geben. Wer kochen kann, wirft sicher viel weniger weg als Leute, die auf Vorproduziertes angewiesen sind. Doch auch diesen Umgang mit Lebensmitteln kann man doch lernen.

§

Füttert die Wildvögel! Vor allem wenn ihr ländlich wohnt!
„‚Die kleinen Vögel verhungern'“.

§

Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr ist Arrival mein Filmfavorit des vergangenen Jahres.

Hier ein ausführlicher und ganz großartiger Überblick über den wissenschaftlichen Hintergrund des Films, inklusive zahlreichen Interviews. (Achtung Spoiler!)
„The Science of ARRIVAL“.

via @alexmazkeit

  1. Die ersten drei Wörter des Volkslieds „Es klappert die Mühle“. []
  2. Anfang von „Oh Täler weit, oh Höhen. []
  3. Nicht ganz Volkslied: Aus Das weiße Rössl das Lied „Es muss was Wunderbares sein…“ []
  4. Falls Sie sich schon immer gefragt haben, woher die Leute kommen, die „zum Bleistift“ lustig finden. []
  5. Ich bin sicher, ohne Auerhaus hätte ich das nicht geschrieben. []

Journal Donnerstag, 2. März 2017 – Tierbabys in Hellabrunn

Freitag, 3. März 2017

Ein Zoobesuch gehörte zu den Plänen der Ferienwoche: Da im Münchner Tierpark Hellabrunn gerade ein Eisbärbaby zu bestaunen ist, sehe ich an den Wochenenden beim Vorbeijoggen Schlangen an den Kassen – ein Wochentag sollte einen ruhigeren Besuch ermöglichen. Und so war es dann auch.

Der Tag war gemischtwolkig und windig, angenehmerweise überwog am Nachmittag die Sonne.

Wir sagten den Giraffen hallo, sahen den Wölfen zu. Als wir bereits weitergegangen waren und meinen speziellen Freund, den Ameisenbären besucht hatten (aus der Tierbestandsliste weiß ich, dass es derzeit nur einen gibt), hörten wir hinter uns Wolfsgeheul – wie ich es aus Filmen kenne. Und tatsächlich: Die drei Wölfe des Geheges sangen ein minutenlanges Ständchen. Zum einen im phänotypischen Geheul:

Abschließend aber auch in lustigem Koloratur-Wechselgesang, wie ich es in Filmen noch nie gehört habe.

Wir sahen nach, ob bei den Lemuren noch alles in Ordnung ist: kein Grund zur Sorge.

Sehr gespannt war ich aufs renovierte und umgebaute Elephantenhaus. Schon in Kindertagen war es ein zentraler Anziehungspunkt meiner Tierparkbesuche gewesen, dort hatte ich bei Vorführungen eine Menge über Elephanten gelernt. Sechs Jahre lang war es wegen Bauarbeiten geschlossen, erst im Oktober 2016 wieder eröffnet.

Bei dem dann doch schönen Wetter genossen Löwen und der Rote Panda die Sonne.

Überraschung im Pinguinhaus: Auch hier gab es Nachwuchs.

Der Zugang zum kleinen Eisbären war perfekt organisiert, mit Einlass und Auslass sowie Sicherheitspersonal, das die Besucher und Besucherinnen lenkte. Tatsächlich war die Eisbärin gerade mit ihrem Jungen im Außenbereich, wir bekamen ein paar Minuten große Niedlichkeit. (Fotos gibt es hier auf der Tierpark-Website.)

Pflichtprogrammpunkt eines Zoobesuchs:

Genau so leicht trocken und suboptimal gehören Pommes im Zoo und im Freibad.

Abschied mit Pelikanen.

UND ich bekam endlich auch Krokanten zu sehen, in Gelb und in Lila, die heilige Trias der Frühlingsboten ist komplett.

Es war noch genug vom Tag übrig, dass ich ausführlich lesen und das Abendbrot zubereiten konnte.

§

Ein kleiner Hinweis, warum es anstrengend sein kann, sowohl polnische als auch spanische Vorfahren zu haben: Eine Szene aus dem EU-Parlament.

Diese Beobachtung des polnischen Abgeordneten ging dem Austausch voran.

(Ich sehe bereits Gehalt-Battles vor mir: Wenn ich entdecke, dass ein männlicher Kollege für dieselbe Tätigkeit mehr verdient, muss ich ihn nur zum Wettrennen und zu einer Schachpartie herausfordern. Gewinne ich beides, muss der Arbeitgeber mir genauso viel zahlen wie ihm.)

Journal Mittwoch, 1. März 2017 – Gibt es korrekte und falsche Sprache?

Donnerstag, 2. März 2017

Ausgeschlafen, in Armen aufgewacht.

Vor meiner Frühstücksverabredung hatte ich noch Zeit für ein Stündchen Sport (Crosstrainer, Upper Body and Core Workout). Ich hatte fürs Treffen mit einer weltberühmten Foodbloggerin im Café Glockenspiel reserviert – zum Glück, ich hätte nicht so viele Leute erwartet.

Wir hatte ganz entzückende Profi-Bedienungen: Davon leite ich ja inzwischen anständige Bezahlung und arbeitnehmerfreundliche Arbeitsbedingungen ab, ich weiß, wie gesucht in München gutes Gastropersonal ist. Stundenlanges bereicherndes Gespräch, allerdings auch diesmal die aktuellen politischen und gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit nicht gelöst.

Da Herr Kaltmamsell verabredet war, holte ich spätnachmittags die Kiste mit Ernteanteil des Kartoffelkombinats.

Aus Kartoffeln der Vorwoche und Quark mit Schnittlauch dieser Woche wurde mein Abendbrot.

§

Ein kleines Juwel aus der Lexikografie, mal wieder bei Merriam Webster:
„How to Be a Reasonable Prescriptivist“.

Something that really burns my proverbial biscuits is the musty insistence that dictionaries are the guardians and gatekeepers of the language, and when we enter a word into the Most Sacred Tomes of Webster, we lend it legitimacy. We’re putting our Seal of Approval on its unchecked use, which will eventually kill English.

(…)

Most modern usage dictionaries will give you a little historical overview of a contested use, and then will offer advice on how (or whether) to use it. You will be surprised to discover that many thinking prescriptivists disagree in their advice, or pass judgment on uses that are so common, no one knows they are not supposed to be using that word that way (e.g., “above” as a noun, as in “all of the above”).

Das funktioniert fürs Deutsche nicht, weil es nicht das deutsche Wörterbuch gibt. Am ehesten Bibelcharakter wird noch dem Duden zugeschrieben (das Grimm’sche Wörterbuch kennen praktisch nur Fachleute, es ist keine allgemeine Referenz), der bis zur Reform der deutschen Rechtschreibung von 1996 maßgebend für die amtliche Rechtschreibung in Deutschland war. 2013 findet man die explizite Aussage einer Duden-Sprecherin, dass die Aufgabe des Dudens deskriptiv ist: „Wir machen die Sprache nicht, wir bilden sie objektiv ab.“

Weswegen man heutzutage auch den Apostroph-Genitiv darin findet (wirft sich schluchzend über ihre Tastatur). Und dann gibt es halt die launigen (und komplett unreflektiert präskriptiven) Dativ ist dem Genitiv sein Tod-Kolumnen. Doch Sprache
– lebt
– ist nicht logisch
– verändert sich kontinuierlich.
Selbstverständlich macht es dennoch (deswegen?) Spaß, sich über besseren vs. weniger guten Stil zu streiten. Was etwas anderes ist als Zank über korrekt vs. falsch.

Im Englischen bin ich Tochter des DCE, und in den jüngsten Ausgaben schätzte ich sehr die Statistiken zur Verbreitung bestimmter Wörter. Für mich als Nicht-Muttersprachlerin war es sehr nützlich nachlesen zu können, welche Bezeichnung für dieselbe Erscheinung üblicher war. So was wünsche ich mir schon sehr fürs Deutsche. (Und ich bin sicher, Deutschlernerinnen tun das auch.)

§

Hochspannender Hintergrundbericht im New Yorker von der Oscarverleihung, nämlich aus dem Presseraum:
„Scenes from the Oscar-night implosion“.

Beste Passage:

In the back corner was my favorite part of the press room: the librarians’ table, where the Academy librarians are on hand to answer questions. Under a sign that said “reference,” a librarian named Lucia Schultz had a thick binder of Oscar history and another of credits for the nominated films.

Es gibt sowas wie Academy librarians!

via @ankegroener