Essen & Trinken

Journal Sonntag, 15. Januar 2015 – Dantons Brunch

Montag, 16. März 2015

Den zweiten Teil des wochenendlichen Partyhoppings trat ich an: Frühstück bei meinen Eltern, vorgegriffene Geburtstagsfeier für meinen Vater im elterlichen Freundeskreis.

Da ich nicht geschafft hatte, meinen Journalblogpost vor der Abfahrt des Zuges fertig zu stellen, nahm ich mein Macbook mit. Ich würde schon einen Weg finden, unterwegs ins Internet zu kommen. Genau dieses stellte sich sogar als besonders einfach heraus: In der WLAN-Auswahl wurde mir mein eigenes iphone als passwortgeschützter Hotspot angeboten; ein Klick darauf brachte mich online.

Meine Mutter hatte enorm aufgekocht, diese Frühstücke heißen im elterlichen Freundeskreis Brunch und ziehen sich bis in den späten Nachmittag.

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Noch im Ofen war bei dieser Aufnahme der Lauchflan. Nachmittags gab es Käsesahnetorte und Eclairs.

Ich unterhielt mich vor allem mit einer Elternfreundin, die über ihren Managermann auf mehreren Kontinenten gelebt hat und vom Brotbacken in Brasilien (in ihrer deutschen Mangerfamilienenklave war die Zutatenbeschaffung kein Problem) und Eierkaufen im China der 80er (Eierkartons unbekannt) erzählen konnte.

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Obwohl ich ein Mittwochsabo habe, lag der jüngste Theatertermin am gestrigen Sonntagabend: Büchners Dantons Tod. Die dreieinviertel Stunden Dauer ließen mich ein wenig schwanken, doch am End ging ich hin. Von Büchner hatte ich ja durchaus Spannendes gesehen, Dantons Tod kannte ich noch nicht. Als gleich am Anfang ein Hund mit auf die Bühne kam (die Herrschaften hinter mir unterhielten sich darüber, dass es sich um Frau Paulmanns Hund handle, davor habe sie einen Berner Sennenhund gehabt), freute ich mich: Was kann schon in einer Inszenierung mit Hund schiefgehen?

Es wurde ein sehr anstrengender Theaterabend. Das lag aber ganz klar am Stück: Da passiert ja nichts, es wird nur geredet, diskutiert auf der Bühne. Natur und Veränderung, welchen Preis darf die Weiterentwicklung der menschlichen Gesellschaft haben (ich fühlte mich an die späte Erklärung des Oberbösewichts in Kingsman erinnert), was haben Tugend und Verbrechen miteinander zu tun – wenn es sie überhaupt gibt, wo hört Revolution auf, wie weit darf man die eigenen Regeln zum höheren Gut dehnen. Alles interessante und wichtige Fragen, aber sie wären in einem Essay besser aufgehoben. Jaja, ich weiß: Das heißt Ideendrama und muss so. Aber ich ganz persönlich möchte von Theater etwas Anderes, vielleicht fehlt mir einfach das Germanistinnengen.

Und bei dreieinviertel Stunden hilft das sensationelle Ensemble auch nicht mehr. Sandra Hüller in ihrem kurzen Auftritt größtartig, Benny Claessens weckte mich mit seinen Ausführungen zur Guillotine kurz vor Ende nochmal richtig auf (er war nicht beim Verbeugen dabei, hoffentlich alles in Ordnung?).

Die Musik von Carl Friedrich Oesterhelt gefiel mir ganz ausgezeichnet (viele Anklänge an Michael Nyman), ich war immer erleichtert, wenn gespielt wurde. Der Hund tauchte leider gar nicht wirklich auf.

In der Pause ging ich hinauf in den Rang und machte Fotos aus einer für mich ungewohnten Bühnenperspektive.

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Aber jetzt kenne ich auch Dantons Tod.

Journal Samstag, 14. März 2015 – Agenten

Sonntag, 15. März 2015

Der Plan fürs Wochenende war gewesen:
Samstag Sport, Geschenke kaufen, Schwägerinnengeburtstagsfeier in Geburtsstadt, Übernachten bei Eltern, großes Sonntagsfrühstück mit Eltern anlässlich eines weiteren Geburtstags. Doch am Freitagabend blinkte der Anrufbeantworter mit einer Nachricht der Schwägerin: Sie war erkrankt und sagte die Feier ab. Also kein Partyhopping.

Ich begann den Morgen mit der Herstellung einer neuen Portion Banuschoko-Knuspermüsli nach Nicky Stichs Rezept aus Sweets, demnächst im hiesigen Rezeptteil.

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Wie mir am Montag die freundliche Dame an der Theaterkasse geraten hatte, wollte ich die Kammerspielkarte für meinen nächsten Termin wegen Urlaubsverhinderung telefonisch umtauschen. Nach 20 Minuten gab ich wegen kein Durchkommen auf – ich wollte eh an den Friedensengel zum Laufen radeln, da konnte ich ja über die Kammerspielkasse fahren.

Das tat ich also. Und besichtigte kurz die ca. 70 Meter lange Schlange auf der Maximilanstraße, die an dieser Kammerspielkasse anstand. Das erklärte natürlich die Unmöglichkeit des Telefonierens.

Auf dem Rückweg vom Lauf, 15 Minuten vor Ende der Öffnungszeiten, reichte die Schlange nur noch bis kurz auf den Gehweg (der große Kassenraum, so viel sah ich durch die Glasfront, war berstend voll). Das werde ich anders regeln müssen.

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Isarlauf erst ungewohnt leichtfüßig und schnell (ich laufe immer mit derselben subjektiven Anstrengung, je nach Verfassung führt das zu mehr oder weniger Tempo und Vergnügen) doch schon nach 30 Minuten begannen Wadenschmerzen. Da ich noch mehr als eine Stunde vor mir hatte, ignorierte ich diese und ließ sie wachsen. Erst in den letzten 20 Minuten beeinträchtigte das mein Vergnügen deutlich, daheim konnte ich nach Duschen und Ausruhen schier nicht mehr vom Frühstückstisch aufstehen.

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Um ins Kino und in den Film Kingsman zu kommen, musste ich auf einen hochkomischen Bewegungsablauf zurückgreifen. Aber ich schaffte es und genoss den Film sehr. Schon der Vorspann mit aus einer beschossenen Festung herauspurzelnden Buchstaben setzte den komischen Ton (geradezu Monty-Python-Ästhetik), dann wurde beherzt mit allen Topoi und Klischees der Agentenfilmgeschichte gespielt. Colin Firth trägt einfach jede gute Kleidung besser als jeder andere, Michael Caine spielte hinreißend Michael Caine, der Darsteller des jungen Protagonisten, Taron Egerton, war mir leider unsympathisch, dafür kann er ja nichts. Samuel L. Jackson konnte alle Agenten und Bösewichte durchblitzen lassen, die er in seiner Karriere bereits gespielt hat.

Wirklich übel nehme ich dem Film die schon wieder sehr wenigen Frauen (und das, wo das Spiel mit Agentenfilmklischees diese Tür weit aufhielt) und die letzte Hundeszene; ich bin sicher, wir hätten alle stimmiger gefunden, wäre sie in eine Anerkennung für Verweigerung blinden Befehlsgehorsams gedreht worden.

Ein wenig irritiert war ich, dass Stanley Tucci gar nicht Stanley Tucci war, sondern Merlin laut Abspann von einem Mark Strong gespielt wurde. Doch das sind tatsächlich zwei Verschiedene (via @frauxirah).

Davor bewarb die Kinowerbung sogar Autos mit Zombieapokalypse. Ich hoffe sehr, dass diese Werbemode bald zu Ende ist – wenn auch Babynahrung mit Zombies verkauft wird, sollte sie durchgespielt sein.

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Zum Nachtmahl gab es nach langer Pause mal wieder Tom Kha Gai und schmeckte köstlich.

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Journal Mittwoch/Donnerstag, 11./12. März 2015 – Alltagsroutine plus Kaninchen

Freitag, 13. März 2015

Zwei Tage, deren Erzählen mir das Gesicht einschlafen lässt.

Mittwochmorgen mit Crosstrainer (dabei vorm Fenster gesehen: Maus, Baumläufer, Eichhörnchen), zu Fuß in die Arbeit, Arbeit, nebenbei viel Spaß im Techniktagebuch-Redaktionschat, Wetter morgens nass, tagsüber gemischt, abends Posteleinsalat aus Ernteanteil, Sahnejoghurt angesetzt.

Donnerstagmorgen mit Basteln an Arbeitszukunft zur Sportpause, zwei Kaninchen vor dem Haus beobachtet (Verwunderung über den Haustechniker gegenüber, der von seinem Souterrainbüro aus die Kaninchen direkt vor der Nase hat, aber nach kurzem entdeckenden Blick woanders hinschaut), zu Fuß in die Arbeit, auf dem Weg dorthin Laugenzopf für die Brotzeit geholt, Arbeit mit nach fast drei Wochen verschieden verursachter Abwesenheit wieder anwesendem Chef, draußen kalt und grau, abends diverse Rüben aus Ernteanteil aus dem Ofen.

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Es liegt in der Natur der Sache, dass Sie hier nicht lesen, worüber ich absichtlich nichts schreibe. Aber auf manches, das hier nicht auftaucht, bin ich ganz schön stolz.

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Terry Pratchett ist tot – auch wenn seine schwere Krankheit lange bekannt war, schmerzt das.

Andrea Diener ruft ihm im FAZnet nach:
“Zum Tod von Terry Pratchett. KOMMEN SIE BITTE MIT, SIR”.

Neil Gaiman verweist auf Twitter auf den Artikel, den er vergangenen September über Pratchett geschrieben hatte:
“Neil Gaiman: ‘Terry Pratchett isn’t jolly. He’s angry’”.

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Pruuust! Klar haben Sie als Impffeindin und Wissenschaftsleugner alle Möglichkeiten der Meinungsfreiheit. Aber: Don’t mess with deutsche Bürokratie.
“Masern-Prozess: Impfgegner muss 100 000 Euro zahlen”.

Das Verfahren vor dem Ravensburger Landgericht dreht sich um die Frage, ob das Masern-Virus überhaupt existiert. Der Biologe Stefan Lanka hatte im Internet demjenigen ein Preisgeld versprochen, der die Existenz des Erregers nachweist. Das Gericht entschied, dass der Beweis geführt worden sei.

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Habe wieder einen vor Stolz roten Kopf: Der Freitag schreibt über das Techniktagebuchbuch.
“Avant la lettre. Wie Kathrin Passigs E-Book ‘Techniktagebuch’ die alte Bücherlogik auf den Kopf stellt”.

(Jetzt werden Sie darauf hinweisen, dass ich doch selbst zugegeben habe, an der Erstellung des Buchbuches selbst überhaupt keinen Anteil gehabt zu haben. Das ist völlig richtig. Stolzesröte ist eine seltsame Sache.)

Wir nicken immer voller Respekt, wenn der Name „Kathrin Passig“ fällt. Wir lesen ihre Texte, wir hören ihre Vorträge und verfolgen ihre Projekte, wenn wir auf klare und kluge Weise über den Stand der Dinge in der Netzkultur belehrt werden wollen. Allein an ihrer Performance lässt sich lernen, was es heißt, unter den medialen Bedingungen der Gegenwart intellektuell zu sein.

Es ist nicht das schlechteste Freizeitvergnügen, anhimmelnd zu Kathrin Passigs Füssen herumzulungern.

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Warum man für einen Job in einer Pariser Konditorei Japanisch braucht.
“Kitchen Rhythm. A Year in a Parisian Pâtisserie”.

Sound is so important in baking. White chocolate squares clink like Scrabble tiles. Properly tempered chocolate makes a slight crack when you bite through the shell to a yielding ganache, as all the molecules have been neatly lined up — a different guilty pleasure altogether from the cottony thunk of a cheap candy bar. There is a perfect word in Japanese for the thin chocolate sheets we use for decoration, pakipaki, the sound they make when snapped into shards.

Journal Dienstag, 10. März 2015 – Heimat aufgemischt

Mittwoch, 11. März 2015

Radeln in den Anfang des Sonnenaufgangs, doch noch ganz schön frostig. Vor allem roch das Draußen noch deutlich nach Winter.

Beim morgendlichen Langhanteltraining störte der Muskelkater in den Oberschenkeln (vom Laufen am Sonntag?) nur kurz. Jetzt kommt wieder die Zeit, in der mir die übers Quartal selbe Musik danach den ganzen Tag im Kopf dudelt.

Vormittags kam der externe Sys-Admin ins Büro – ging mit einer deutlich längeren Arbeitsliste raus als er hereingekommen war.

Der Wirt des Lokals unterm Büro hat sofort wieder seine Rolle als Wetterfrosch eingenommen: Wenn er draußen deckt, wird der Nachmittag sonnig. Und also geschah es. Ab 11 Uhr war der Biergarten bestens besucht (brrrr).

Abendessen mal wieder beim Uiguren, wieder mal ausgezeichnet und umgeben von buntestem Volk und fernen Sprachen.

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Ich wohne schon arg gerne im südlichen Bahnhofsviertel (wie die Münchner Verwaltung es wohl zusammenfasst). Möglicherweise kann das Vertraute mir nur Heimat sein, wenn es regelmäßig aufgemischt wird, wenn es mir immer etwas zu entdecken bietet.

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Sehr viel Liebe für diesen Herrn: Auch dieses Jahr verbrachte der britische Komiker Richard Herring den Weltfrauentag vor Twitter. Er informierte jeden und jede Quengleridioten, wann es denn bitte auch einen Weltmännertag gebe, dass es längst einen gibt: 19. November.
“Richard Herring tirelessly spends International Women’s Day fighting sexism”.

Journal Sonntag, 8. März 2015 – Bussarde an der Isar

Montag, 9. März 2015

Kokosmakronen nach David Lebovitz gebacken – ist mein Standardrezept zur Eiweißverwertung geworden. Ich friere übrige Eiweiße in kleinen Schraubgläsern ein, beschrifte sie mit Anzahl und Gesamtgewicht der Eiweiße. Letzteres nicht immer, was ich jedes Mal bereue.
Hier ist das Rezept; wer Kokos mag, wird diese Makronen lieben – näher an Bounty kommen keine.

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Isarlauf: Wittelsbacherbrücke – Großhesseloher Brücke und zurück. Bemerkt, dass eine Läuferin immer wieder etwas ratlos stehen blieb, sich ein wenig an mir orientierte. Als sie mich ein weiteres Mal überholte, sprach sie mich lachend an: Wir würden uns wahrscheinlich noch mehrfach so begegnen, sie kenne sich nämlich hier nicht aus. Ich fragte sie, wohin sie denn wolle und empfahl ihr ein paar schöne Routen. Laufend tauschten wir noch unsere Freude über das wundervolle Wetter aus und trabten jede ihrer Wege. Schöne Begegnung.

Zwei Bussarde gesehen: Den ersten am Flugbild vermutet, den zweiten erst gehört, dann gesehen. Daheim am Ruf verifiziert, dass das Bussarde waren, keine Habichte.

Richtig mild war es auch heute nicht (ist ja auch völlig in Ordnung, nicht wieder von 2 auf 20 Grad springen, einfach langsam so weitermachen), ich staunte über die Läuferinnen in kurzen Hosen und ärmellosen Hemden.

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Am sonnigen Fenster Fred Vargas’ Im Schatten des Palazzo Farnese gelesen (übersetzt von Tobias Scheffel): Ziemlich überspannt geschrieben, doch der Krimi spielte in Rom, und dort fast ausschließlich an Orten, die ich kenne und liebe.

(Obwohl zwei Zeitungen und zwei Magazine aufzulesen gewesen wären. Ich kann nämlich auch mal mein Pflichtgefühl mit Füßen treten!)

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Abendessen von Germanabendbrot inspiriert: Empire Roast Chicken. (Das ich hartnäckig “Entire Roast Chicken” verlese.) Es war köstlich.

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“Is It Sexist to Judge a Cookbook by Its Pictures?”

Tatsächlich geht es nämlich um die Mechanismen von Kochbüchern: Wie funktionieren sie heutzutage tatsächlich und wie nicht. Nein, es der Schlüssel sind eben nicht in erster Linie gut nachkochbare Rezepte.

Their persistence as a form of media is tremendously interesting. The internet — and its staggering wealth of free recipes — has essentially obviated the need for anyone to pay to be told how to cook a chicken breast, so it’s up to a cookbook to be more.
(…)
In the age of the free internet recipe, in order for a cookbook to sell in the bookstore it has to sell something to the reader first; more often than not, what the reader is being sold is a fantasy. Those fantasies may be anchored in the recipes, but they’re compounded and expanded upon by the everything-else: the photography, the layout, the type, the paper weight, the headnotes, the sidebars, the narrative. Whether it’s telling a tale of a pristine domestic ideal (being an effortless, elegant weeknight cook in the mold of Ina Garten or Nigel Slater) or one of high-concept alternate reality (running a spotless professional kitchen staffed by a full brigade de cuisine; being a noodle vendor at the Bangkok night market), a successful cookbook is, first and foremost, a storybook, a spun yarn into which the reader can project himself.

Anlass des Essays ist ein Streit um die Bewertung zweier Kochbücher und die Frage, welcher Blick sexistisch ist. Ich habe tatsächlich selten sowas Kluges über Kochbücher gelesen.

Journal Samstag, 7. März 2015 – Käsekuchen an Kleid

Sonntag, 8. März 2015

Plan für den Tag war gewesen: Kuchenbacken, Bloggen, Isarlauf, Kuchenfrühstück, irgendeine weitere Lustbarkeit im Draußen.

Doch ich wachte vor Morgengrauen mit sprengenden Kopfschmerzen auf (zum Glück ohne Übelkeit, wohl keine Migräne) – als hätte man mir soeben gewaltsam ein Borg-Auge eingesetzt.1 Ein Aspirin zeigte auch nach 45 Minuten noch keine Wirkung, das hinterhergeworfene Ibu dämpfte die Schmerzen zumindest genug, mich nochmal schlafen zu lassen. Um 9 Uhr wachte ich völlig gerädert auf. Der Tag war zerschossen, an Lauferei nicht zu denken.

Kuchenbacken allerdings ging in diesem Zustand problemlos. Ich testete den Käsekuchen des Hauses Buddenbohm. Diesem Rezept sieht ja wohl jeder an, dass das Ergebnis nur an schönem Kleid serviert werden darf.

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(Fotos: Herr Kaltmamsell)

Das Besondere an diesem Käsekuchen: Durch die Zugabe von 1/4 l Milch zur Füllung und dem untergehobenen Eischnee ist er von fast Soufflé-artiger Fluffigkeit.

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Ins strahlend sonnige Draußen wollte ich aber unbedingt, spazierte also um die Theresienwiese. Auf dem Weg dorthin: Endlich die frühlingshafte Herde Krokanten.

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Auf der Theresienwiese herrschte geradezu Getümmel, auch wenn es bei aller Sonne noch empfindlich frisch war.

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Übrigens ist mir eine laterale Folge meiner Diätkarriere eingefallen: Ich komme sehr lange ohne Nahrung aus (bei ausreichend Flüssigkeit). Bis mir mal vor Hunger schwindelig und schwach wird, muss eine ganz schön lange Zeit vergehen. Ich bin einfach trainiert darin zu hungern.
Könnte in der Zombieapokalypse noch ein Trumpf werden.

  1. Ich komme wohl doch nach meiner polnischen Oma, die so leidenschaftlich gerne ihre zahlreichen Wehwehchen beschrieb, dass sie dabei geradezu poetisch wurde. []

Journal Freitag, 6. März 2015 – Sonne und Diätgedanken

Samstag, 7. März 2015

Crosstrainerstrampeln in einen sonnigen Morgen hinein.

Berufszukünftliche Mittagsverabredung bei Marietta. Dort war ich ja schon sehr lange nicht mehr gewesen, dazwischen nur zum Agentur-2015-Kickoff-Essen im Januar. Kaum öffnete ich die Tür, rief Marietta schon durchs Lokal: “Schau mal, Rico, wer da ist!” Ich war sehr gerührt und betreten, aß ausgezeichnete frittierte Artischocken auf Salat.
Und musste darüber wieder meinen Vortrag halten, dass ich die Stellung des Autos und der Automobilindustrie in unserer Gesellschaft für böse sowie schädlich erachte und nicht mittrage. Schon gar nicht beruflich.

Vorm Bürofenster die Verheißung eines sonnigen Wochenendes.

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Auf dem Heimweg Malerizität.

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Abends nochmal Artischocken, diesmal als Vorspeise ganz zum Blätterzupfen mit Aioli. Danach Jakobsmuscheln auf Safrannudeln.

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Nein, ich habe das Thema Diätterror und Idealkörper immer noch nicht hinter mir gelassen, werde ich vermutlich bis an mein Lebensende nicht.
Zum einen, weil es zu meinen frühesten Prägungen gehört. Sie erinnern sich vielleicht: Ich wurde auf die erste Diät gesetzt, als ich drei war, von da an regelmäßig, bis ich mein Elternhaus verließ – in der Teenagerzeit internalisiert genug, dass ich selbst die Initiative ergriff. Ich hielt mich als Jugendliche und junge Frau mit Kleidergröße 40 ernsthaft für richtig dick, also nicht bloß “es könnte ein bisschen weniger sein”, sondern so richtig mit Alison Moyet als Rollenvorbild für dicke Schönheit und dem halb-spaßigen Plan, eine Boutique für Dickenmode zu eröffnen. Ich bin schon froh, dass ich auf den meisten Ebenen meines Bewusstseins gelöscht habe, dass mein Körper in seiner Veranlagung minderwertig und falsch ist.
Zum anderen weil die Ideologie Dünner-ist-immer-besser / Dick-ist-minderwertig als Dauerbeschuss des Marketings auf mich einprasselt. Die einfach nicht stimmt.

Deshalb ein weiteres Mal:
“Why Do Dieters Gain Their Weight Back?”

Nachdem sie daran erinnert hat, dass 95% allen Gewichtsverlusts nicht auch nur mittelfristig von Dauer ist (und dennoch den Menschen die Schuld dafür gegeben wird, nicht der Methode oder dem Ziel), schreibt Ragen:

Consider this:

Your body doesn’t understand that there is a certain size and shape that brings with it an increased social capital. Your body can’t imagine a situation in which it is hungry and there is food, but you won’t feed it. And so when your body is hungry but you ignore it, it assumes that there is no food available. Your body is like “No problem, I’ve evolved to survive famine let me just get those systems online. I’ll just get started lowering our metabolism.” (In my mind your body talks like JARVIS from the Ironman movies, but that’s neither here nor there I suppose.)

In the meantime, you go run on a treadmill. Your body now thinks that there is a famine and you have to run from bears. But your body is like “No problem, I’ve got this.” So it lowers your metabolism even more, drops calorically expensive “extra” muscle, floods the body with hunger hormones (since, what with the famine and the running from bears, it wants to make sure that you don’t forget to eat) and it holds back hormones that tell you that you are full. Basically, your body is hard at work doing everything it can to lower the amount of food that you need to live and store as much food as it can.

At the end of this process your body is biologically different than it was when you started. Your body has now turned into a weight gaining, fat storing, weight maintaining machine, biologically different than a body that has never dieted, and likely with a new set point weight – higher than your original weight – that your body is trying to maintain because it now is worried that there will be another famine and bear situation. Bodies are still biologically different even a year or more after someone stops dieting.

In meiner Übersetzung:

Bedenken Sie:

Ihr Körper versteht nicht, dass eine bestimmte Konfektionsgröße und Form Ihre Stellung in der Gesellschaft deutlich verbessern. Ihr Körper kann sich keinen Umstand vorstellen, in dem er hungrig ist, es genug zu essen gibt, aber Sie ihm nichts geben. Wenn Ihr Körper also Hunger hat und Sie das ignorieren, nimmt er an, dass es keine Nahrung gibt. Die Reaktion Ihres Körpers: “Kein Problem, die Evolution hat dafür gesorgt, dass ich Hungersnöte überstehen kann; ich fahre gleich mal die entsprechenden Systeme hoch. Als erstes verlangsame ich unseren Stoffwechsel.” (In meinem Kopf spricht Ihr Körper wie JARVIS aus den Ironman-Filmen, aber das ist vermutlich nicht besonders wichtig.)

Und dann steigen Sie aufs Laufband. Jetzt glaubt Ihr Körper, dass nicht nur eine Hungersnot herrscht, sondern Sie auch noch vor Bären davonlaufen müssen. Die Reaktion Ihres Körpers: “Alles klar, kein Problem.” Er verlangsamt den Stoffwechsel nochmal, baut überflüssige Muskulatur ab, die nur unnötig Kalorien verbraucht, flutet das System mit Hungerhormonen (bei all dieser Hungersnot und dem Weglaufen vor Bären sollen Sie ja bitte nicht vergessen zu essen) und er reduziert die Hormone, die Ihnen signalisieren, dass Sie satt sind. Kurz: Ihr Körper setzt alles daran, dass Sie mit möglichst wenig Nahrung auskommen und möglichst viel davon speichern.

Am Ende dieses Prozesses ist Ihr Körper biologisch ein anderer als am Anfang. Ihr Körper ist jetzt eine gewichtserhöhende, fettspeichernde, gewichtserhaltende Maschine, biologisch deutlich unterscheidbar von einem Körper, der nie Diät gehalten hat. Sehr wahrscheinlich hat der Körper jetzt ein anderes Zielgewicht, nämlich höher als das Ausgangsgewicht, und das versucht er zu halten, denn nun bereitet er sich auf die nächste Hungersnot und die nächste Bärengefahr vor. Biologisch sind Körper auch ein Jahr nach einer Diät noch durch diese Erfahrung geprägt.

Also hauptsächlich zur Erinnerung für meine Selbsthassphasen, wenn mal wieder eine Hose kneift: Größe 36/38 hielt ich lediglich ca. zehn Jahre, indem ich fast täglich Hunger litt; sei es dass ich hungrig zu Bett ging (wenn ich davon aufwachte, schnell ein Stückchen Käse aß) oder eine Mahlzeit trotz Hunger hinausschob. Und indem ich regelmäßig andere Lebensmittel aß, als ich eigentlich wollte: Dünn Frischkäse statt dick Butter, Süßstoff statt Honig, Wasser statt Milch (Kakao), Magerjoghurt statt Vollfett- oder gar Sahnejoghurt, Joghurt statt Öl (Salatdressing) etc.pp.weitere Details entnehmen Sie jedem beliebigen Frauenzeitschriftsdiätratgeber.

Auch deswegen bin ich den Tränen nahe, wenn ich so etwas lese:
“After People Tried To Body-Shame This Guy Dancing At A Concert Something Amazing Happened”.

Update der Dancing-Man-Geschichte:
“Everybody dance: Pharrell and Moby to join #DancingMan at LA party”.
Ich nehme an, die Geschichte ist hier noch lang nicht zu Ende.