Journal Samstag, 18. März 2017 – Fast Nichtstun mit Tortenangst

Sonntag, 19. März 2017 um 8:13

Nachdem mir immer mehr Bewegungen weh tun, ich mich vor lauter Verspannungen schier nicht mehr drehen und wenden kann, beschloss ich eine Sportpause. Dabei half mir das Wetter mit Regen und Sturm, in das ich wirklich nicht raus wollte. Einen Tag Nichtstun, so dachte ich, würde doch wohl auch ich schaffen, gerade am Wochenende, gerade ohne Pflichten.

Doch dann telefonierte ich mit meiner Mutter zur sonntäglichen Papa-Geburtstagsfeier und sie erwähnte Tortenessen daheim am Nachmittag. Ich bot ihr an, eine Mokkatorte beizusteuern (in der Familie gelte ich wegen meiner jugendlichen Tortenbackbegeisterung als die Tortenbäckerin), sie nahm gerne an. Das war’s dann also mit dem Nichtstun.

Ich schrieb einen Einkaufszettel basierend auf diesem Rezept, stellte fest, dass die restlichen Mokkabohnen von der letzten solchen Backrunde nicht mal ein paar Jahre gehalten hatten, sondern zu Staub zerfallen waren (tse, keine Qualität mehr heutzutage), füllte eine Maschine mit Wäsche (wenn ich schon mal…) und machte mich in einer Regenpause auf den Weg. Ordentlich nassgeregnet wurde ich abschließend dennoch, doch bei diesem heftigen Wind hätte mir ein Schirm nicht genützt.

Beim Tortenbacken merkte ich, dass mir die jugendliche Unbefangenheit und Beherztheit, mit der ich mich seinerzeit selbst durch diffizilste Rezepte geschlagen hatte, längst abhanden gekommen ist. Ich fürchtete mich vor dem Wiener Boden (kein Backpulver! nur von auf Dampf geschlagenen Eiern getragen!), der zum Glück problemlos klappte. Ich fürchtete mich vor der Füllung mit eingekochtem Kaffeesirup und Gelatine (genug eingekocht? schon am Gelierpunkt?) und dann vor dem Zusammensetzen der Torte – das auch leicht daneben ging: Die Füllung war arg flüssig, die aufgesetzten Nougatscheibchen wollten davonschwimmen, das Ergebnis sieht sehr nach Kindergartenwerk aus.
Ich könnte ja beschließen, dass Torten auch gar nicht mehr zeitgemäß sind und mich auf rein Gebackenes beschränken.

Herr Kaltmamsell wiederum setzte seinen seit Wochen gehegten Plan um, Gulasch mit böhmischen Knödeln zu servieren. Als Gulaschrezept reichte ich ihm dieses Wiener Wirtshausgulasch an, das mich interessierte (er kaufte dafür zwei Beinscheiben), für die Knödel folgte er diesem Rezept. Das Ergebnis schmeckte großartig:

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Der Spaß an den Fotos von Merkels Besuch bei Trump ging fast durchgehend in diese Richtung, deshalb musste ich sehr an die These denken, die Till Räther vergangene Woche im SZ-Magazin aufgestellt hatte:

Seit Jahren haftet an Angela Merkel das spöttisch gemeinte M-Wort. In Wahrheit profitiert die Kanzlerin längst davon.

„Die Mutti aller Schlachten“.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 17. März 2017 – Frühlingsgewitter

Samstag, 18. März 2017 um 8:00

Auf dem Heimweg gestern von der Arbeit herrschte eine seltsame Stimmung. Es war sehr warm nach einem sonnigem Vormittag, aufziehenden Wolken am Nachmittag, ich sah viele Menschen auf der Straße in Hemdsärmeln. In den Vorgärten überschlugen sich die Frühlingsblumen: Immer noch Krokusse und Märzenbecher, aber auch Osterglocken, Blausterne, Traubenhyazinten.

Von allen Seiten bauten sich dunkelgraue Wolkentürme um Flecken von blauem Himmel auf, trieben Windstöße vor sich her, diese wiederum stürzten sich auf Laubhäufchen. Das Licht wurde fahl, vereinzelte dicke Tropfen malten dunkle Tropfen auf den Alphalt.

Gegen 18 Uhr war das Gewitter fertig gebaut, es brach mit heftigem Wind und Sturzregen aus. Für die kommenden Tage sind kühle Temperaturen und Regen angekündigt.

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Beim @HerdyShepherd hat das diesjährige Lammen begonnen.

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Ging durch mein Internet, ist wirklich sehr lesenswert in seiner ganzen Ausführlichkeit: Wie UK sich auf den irgendwann eintretenden Tod der Königin vorbereitet.
„‚London Bridge is down‘: the secret plan for the days after the Queen’s death“.

Viele interessante und teilweise überraschende Details, zum Beispiel dass die aufwändige Beerdigungszeremonie mit anderen Hofzeremoniellen in England erst Ende des 19. Jahrhunderts entstand:

For a long time, the art of royal spectacle was for other, weaker peoples: Italians, Russians, and Habsburgs. British ritual occasions were a mess. At the funeral of Princess Charlotte, in 1817, the undertakers were drunk. Ten years later, St George’s Chapel was so cold during the burial of the Duke of York that George Canning, the foreign secretary, contracted rheumatic fever and the bishop of London died. “We never saw so motley, so rude, so ill-managed a body of persons,” reported the Times on the funeral of George IV, in 1830. Victoria’s coronation a few years later was nothing to write home about. The clergy got lost in the words; the singing was awful; and the royal jewellers made the coronation ring for the wrong finger. “Some nations have a gift for ceremonial,” the Marquess of Salisbury wrote in 1860. “In England the case is exactly the reverse.”

What we think of as the ancient rituals of the monarchy were mainly crafted in the late 19th century, towards the end of Victoria’s reign. Courtiers, politicians and constitutional theorists such as Walter Bagehot worried about the dismal sight of the Empress of India trooping around Windsor in her donkey cart. If the crown was going to give up its executive authority, it would have to inspire loyalty and awe by other means – and theatre was part of the answer. “The more democratic we get,” wrote Bagehot in 1867, “the more we shall get to like state and show.”

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Manche Kinder sind wirklich schwer einzuschüchtern. Unter anderem das von Modeste.
„Schwimmen“.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 16. März 2017 – Zehnjähriges Hüpfjubiläum

Freitag, 17. März 2017 um 6:34

Auch dieses Jahr haben Blogurgesteine Anke Gröner und Felix Schwenzel ihre Geburtstage auf den gestrigen meines Vaters gelegt. Der allerdings wurde 75 (gefeiert wird am Wochenende).

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Vergangene Woche hatte ich einen Brief von meinem Sportstudio bekommen: Glückwunsch zur zehnjährigen Mitgliedschaft, ich könne mir die goldene Mitgliedskarte abholen, Gutscheine und Geschenke. Also ging ich gestern ausnahmsweise nach der Arbeit zum Sport, zu Studiobüroöffnungszeiten.

Ich bekam Karte, Gutscheine und eine Wander-taugliche Wasserflasche, freute mich – und fühlte mich alt. Die Studioleiterin gab es schon vor 16 Jahren zu meiner ersten Mitgliedschaft (während der Jahre Arbeitstätigkeit in Augsburg gibt es eine Lücke), ich habe Wasserschäden in einem Studio, Brand in anderem Studio, Gerätewechsel, wechselnde Vorturnerinnen und Vorturner sowie wandelnde Hüpfmoden und -kleidung miterlebt.

Gestern strampelte ich auf dem Crosstrainer mit Blick aufs Abendrot überm Starnberger Flügelbahnhof, machte bei einer halben Stunde intensiver Stepaerobic mit. Vorm Heimgehen ließ ich mir zur Feier des Tages einen Eiweißdrink mixen – schmeckt immer noch nicht wirklich.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 15. März 2017 – Ein Tag für Kaiserschmarrn

Donnerstag, 16. März 2017 um 6:47

Vom Wetter nicht viel mitbekommen, auf dem Fußweg zur Arbeit und Heim war es aber mild genug für bares Haupt und bare Hände.

Da im Ernteanteil des Kartoffelkombinats Apfelkompott angekündigt war, machte ich uns zum Abendessen Kaiserschmarrn – der ganz ausgezeichnet gelang (Notiz fürs nächste Mal: Eischnee vorsichtig unterheben, nur bei Stufe 6/7 in der Pfanne langsam backen).

Und das vom Kombinat selbst eingekochte Apfelkompott war köstlich.

Wenn Sie sich fürs Kartoffelkombinat interessieren und noch nicht Mitglied der Genossenschaft sind, mögen Sie sich vielleicht unsere neue, werdende Gärtnerei ansehen? Am Sonntag, 26. März, gibt es eine Hofführung, bei der Sie alles fragen können, was Sie schon immer über das Kartoffelkombinat wissen wollten. Wir sind am Wachsen und freuen uns über neue Genossenschaftshaushalte!

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Im Bett Friedrich Dürrenmatts Der Verdacht angefangen. Herr Kaltmamsell liest mit einer Klasse gerade Der Richter und sein Henker, da bekam ich Lust, nach 30 Jahren nochmal den Folgeroman zu lesen. Es ist sehr spannend, eine wie andere Leserin ich in dieser Zeit geworden bin: Zum Beispiel waren mir als 19-jähriger die vielen Helvetismen überhaupt nicht aufgefallen („Der Kommissär versorgte die Zeitschrift in seiner Nachttischschublade…“).

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 14. März 2017 – Ich bleibe

Mittwoch, 15. März 2017 um 6:47

Morgens zum Langhantel-Krafttraining. Ein wenig Schwierigkeiten, weil durch den beengten Nackennerv wieder die linke Schulter-Arm-Seite schwächer ist.

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Berufliche Entscheidung getroffen: Ich bleibe. Und arbeite an inneren Distanz und Wurschtigkeit. Die Verhältnisse werden sich nicht ändern, also muss ich meine Haltung dazu ändern.

Theresienwiese zu Feierabend.

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Abendessen.
Das ist einer meiner Alleinessensstandards, und erst gestern fiel mir auf, dass er doch eher speziell ist: Ein lauwarmes Pastagericht, das keine Kultur vorsieht. Vielleicht ist es für andere sogar widerlich. Es entstand während meiner Studienzeiten auf dieser Basis:
1) Ich lehne Nudelsalat ab.
2) Ich liebe den Geschmack von Majonese.
3) Ich mag Nudeln.
4) Ich mag Tomaten, Gurken, Paprika.
Irgendwann wurde daraus eine Mahlzeit aus frisch gekochten Nudeln, während deren Garzeit ich in einer großen (weil es darf ruhig viel sein, so lange es gut schmeckt) Schüssel viel Joghurt mit ein zwei Löffeln Majo, Salz und Pfeffer verrührte, frische Tomaten/Paprika/Gurke/Stangensellerie (was halt gerade da war oder worauf ich Lust hatte, immer aber Tomate) reinschnippelte. Und dann die Nudeln untermischte. Das ist auf KEI-NEN FALL Nudelsalat.

Herr Kaltmamsell kehrte von einer Dienstreise zurück, große Freude.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 13. März 2017 – Klappehalten

Dienstag, 14. März 2017 um 5:52

Übung im Klappehalten: Nichtposten von Erkenntnissen.

Wie unterschiedlich Ziele sind: I wish I could keep quiet.

via @nja

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Das jüngste SZ-Magazin war ein Frauenheft zum Thema Mutter. Viele gute Geschichten drin (einige abgeschlossen durch den Hinweis, dass im nächsten Heft die Vaterseite davon gezeigt wird).

Hängen geblieben ist mir unter anderem die Geschichte über die Elefantenkuh Bibi, online kostenlos nachzulesen.
„Wie Bibi zum Problemelefanten wurde“.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 12. März 2017 – #12von12

Montag, 13. März 2017 um 6:43

Das ist #12von12.

Ein nahezu prototypischer Sonntag in meinem Leben außerhalb des Sommers.

1 – Gleich nach dem Aufstehen zog ich mein Bett ab und steckte die Überzüge mit anderer heller Wäsche in die Waschmaschine.

2 – Auf dem Weg zum Turnen im Sportstudio. Am Wasserstand der Isar und an der milchigen Farbe ihres Wassers sieht man: In den Alpen hat die Schneeschmelze eingesetzt.

3 – Blick aus der Sportstudioumkleide: Herrlichstes Sonntagswetter.

4 – Vor der halben Stunde Krafttraining in Kleingruppe reservierte ich im Turnsaal für das anschließende Stepaerobic meinen Lieblingsplatz: Hier muss ich am wenigsten von mir im Spiegel sehen.

5 – Auf dem Heimweg entdeckte ich, dass jemand an der Muffathalle seit Jahren Primeltöpfe ausgewildert haben muss (wenn Sie genau hinsehen, finden Sie die Büschel bis kurz vors Gebäude).

6/7 – Ich spazierte noch ein wenig an der Muffathalle vorbei: In München ist selbst Graffiti hübsch.

8 – Zu den beiden vorherigen und zu diesem Bild von St. Lukas müssen Sie sich Lärm vorstellen: Das Wasser aus den Schleusen war höllisch laut.

9 – Zum Frühstück erst mal Far Breton. Schon beim Schneiden merkte ich, dass ich die Form hätte fetten müssen – aber beim ersten Mal halte ich mich sklavisch ans Rezept, und wenn dort nichts von Fetten steht, mache ich das auch nicht. Die Masse war überraschend fest, fast schon gummig. Aber Kuchen mit eingeweichten Trockenpflaumen schmeckt immer gut. Allerdings steht jetzt noch die Einweichflüssigkeit aus schwarzem Tee und Rum herum – die ist doch wohl nicht zum Wegkippen gedacht?

10 – Stillleben mit Bügelwäsche.
Und bei Stilleben ist natürlich jeder Gegenstand allegorisch:
– Die Narzissen stehen für den anbrechenden Frühling.
– Die Rosinen dahinter (die stecken in dem Plastiktütchen und warten darauf, an die Amseln verfüttert zu werden) für Vergänglichkeit – besonders weil sie in einer Obstschale liegen, die ich von meiner vor elf Jahren verstorbenen polnischen Oma geerbt habe, so dass sie gleichzeitig für Fürsorglichkeit und Kontinuität stehen.
– Das Glas der Tischplatte (Reflexion!) für stille Einkehr (achten Sie auf den bedeutsamen Sprung!).
– Die Bügelwäsche für den ewigen Kreislauf des Lebens und für die zwei Stunden Bügeln, die der Aufnahme des Fotos folgten.

11 – Für mein montägliches Abendessen Kartoffelsuppe aufgesetzt – Herr Kaltmamsell wird außer Haus sein, ich muss mich selbst versorgen. Und da ich meist sehr hungrig heimkomme und dann nicht erst lang kochen will, kochte ich vor.

12 – Am Ende des Tages (!) vergaß ich, ein Foto von mir beim Lesen vor Einschlafen aufzunehmen.

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Vielen Dank für die Tipps zu ernsthaften Wäscheläden in der Münchner Innenstadt, die Sie mir per E-Mail und hier in den Kommentaren genannt haben! Jetzt ist mir nicht mehr bang vor der Zukunft ohne Treml.

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Ich weiß nicht, ob es erleichternd ist oder zum Haareraufen, dass die Digitalisierung der Gesellschaft nie schneller gehen wird, als sich menschliche Befindlichkeiten verändern lassen: Kristin schildert im Techniktagebuch das mühsame Eröffnen eines Bankkontos per Smartphone:
„Mobile only ist im Kommen“.

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Sehr schöne Gedanken bei Maximilien Buddenbohm über Punk – und was man als Siebzehnjähriger vom Auflehnen gegen die Gesellschaft weiß:
„Ist das noch Punk?“

(Dummerweise fallen mir bei „hat sich konsequent totgesoffen“ nur Männer ein, die ihre Partnerinnen und Kinder damit in ein nie endendes Elend gestoßen haben. Aber das ist echtem Punk ja egal.)

die Kaltmamsell