Oscarnacht 2015

Montag, 23. Februar 2015 um 2:30

Bühnenbild very 50s – I like.

Herr Cumberbatch in weißem DJ? Hm. Aber spielt beim Eingangssong mit – Neil Patrick Harris in einer sehr broadway Nummer unter Beteiligung von Anna Kendrick! Und mit Versuch von kritischen Tönen.

Uiui, der Witz über das Vermögen von Oprah kam nicht gut an (“diese Seite des Publikums steht für die eine Hälfte der Filmeinnahmen, die andere Hälfte ist Oprah”) – ihrer Reaktion nach vor allem nicht bei ihr.

Es folgt: Übertragungsausfall bei Pro7, über den Rest der Eröffnungsrede (DER ERÖFFNUNGSREDE!) kann ich nichts sagen.

Habe ich zumindest Zeit für eine Statusbeschreibung: Im Sessel vorm Fernseher, der eigens dafür gedreht wurde (sonst sitze ich beim Fernsehen am Esstisch), neben mir, auf einem eigens dafür bereit gestellten Tischchen, Gummibärchen, Salznüsschen und m&ms, auf einem eigenen holzschonenden Untersetzerchen eine Tasse Roibuschtee.

Mich selbst sehen Sie in bleigrauem Nickianzug, dazu ein langes, graues Unterziehshirt.

Zurück! Wo sehe ich den ersten Oscar?

Liam Neeson präsentiert die Nominees Grand Budapest Hotel und American Sniper.
Witz von Neil Patrick Harris über die Todesrate im Irak, verglichen mit den killings von Weinstein, uiuiui, macht er so weiter?

Dakota Johnson präsentiert nominierten Song – welchen? Eh nicht wichtig.

Erste Werbepause. Nicht genug um herauszufinden, was ich verpasst habe, Mist.

Erster Witztreffer, den ich mitbekommen habe: Oscars, auch genannt “The dependent spirit awards”.

Jennifer Lopez (die Ingenieurskunst hinter ihrem Ausschnitt beeindruckt mich wirklich) and Chris Pine: Costumes. Grand Budapest! Oh, der war so bezaubernd. Die Dame dankt besonders Wes Anderson. Ab einem bestimmten Alter hindert nicht mehr die Pflicht, Eltern und Lehrern zu danken.

Reese Witherspoon präsentiert Make-up: Noch einer für Grand Budapest!
Jetzt erst sehe ich, dass auf der Bühne ein bisschen Budapest Hotel steht, mit Lift Boys, schöne Idee. Wieder dickster Dank an Wes Anderson. Hier aber auch Dank an Familie.

Channing Tatum präsentiert “gifted stars of tomorrow” – ein erstes Mal oder war ich da bislang immer aufm Klo?

WAS? ICH HABE DEN NEBENDARSTELLEROSCAR VERPASST? Na, wenigstens an den richtigen: J.K. Simmons. Wann gab’s denn schon mal einen Übertragungsausfall, zefix?

Nicole Kidman und Chiwetel Ejiofor präsentieren Best foreign language film: Ida. Herr Pole macht Witze! (“I made a film about the need for silence and withdrawal and now I’m in the epicenter of noise and attention.”)
Überzieht ordentlich, lässt sich von Musik nicht stören.

Shirley Maclaine sieht großartig aus! Präsentiert Best Picture Nominierungen Boyhood, Theory of Everything, Birdman.

Marion Cotillard! Aber in einem furchtbaren Kleid, warum tut diese wundervolle Frau mir das an? Moment, ist das ein nominierter Song? Dem Kleid angemessen, brrr. Wohl aus Lego.

Kerry Washington and Jason Bateman: Best Life Action Short Film. The Phone Call. Kerry Washington wischt dem einen Preisträger vor der Rede ihren Lippenstiftabdruck vom Bussi von der Wange, wie süß!

Gleich noch Best Documentary Short – tolle Kleider auf der Bühne! Und die linke Dame ist wirklich sensationell gestylt. Das dritte Mal, dass jemand von der Bühne runtergespielt wird – ist die Redezeit kürzer geworden?

Viola Davis – eine der allerschönsten! Und in einem wundervollen Kleid in Hellrosa. Governor awards – so viele tolle Leute dort.

Neil Patrick Harris spielt böse auf die durchgehend weißen Nominierungen an, als er sich den britischen Darsteller von Martin Luther King, David Oyelowo, aus dem Publikum pickt und der Saal applaudiert: “NOW you like him!”

Gwyneth Paltrow in akzeptablem Kleid (man weiß bei ihr ja nie), nächster Song. Der tut wenigstens nicht weh.

Neil Patrick Harris spielt eine Szene Birdman – natürlich die Unterhosenszene. In Unterhose auf der Oscarbühne.
Die junge Dame kenne ich nicht (Margot ?), Miles Teller habe ich verstanden: Science and Technical Awards, Rückblick auf die extra Verleihung.

Sienna Miller und Chris Evans präsentieren Sound Mixing and Sound Editing. Sienna Miller ist ja Britin! (Kannte ich bislang nur aus Gofug.) Sound Mixing geht an Whiplash. Der zweite dafür, jetzt haben wir zweimal Grand Budapest Hotel und zweimal Whiplash. Sound Editing geht an American Sniper.

Jared Leto präsentiert im hellblauen Tux Nebenrollen weiblich, scherzt, dass vier Frauen nominiert seien, plus “according to Californian state law, Meryl Streep”. Ob Herr Leto traurig ist, dass 1/3 der jungen Männer in Berlin Mitte aussehen wie er? Nur in verschiedenen Haarfarben?
Patricia Arquette gewinnt, wie schön. Ihr Kleid sieht so großartig aus – hatten sie wirklich keine Zeit mehr, ihre Haare zu machen? Die noch weggebunden sind fürs Schminken?
YES! Sie brauchte offensichtlich die Zeit, um ihre Rede zu schreiben, in der sie atemlos für “equal rights” plädiert. Deal.

Josh Hutcherson kenne ich nicht. Der angekündigte nominierte Song ist mein Tipp für den nächsten Wiesnhit – SCHUNKEL! KLATSCH! (Das Mulletkleid ist grauenhaft.)

Visual Effects präsentiert von zwei weiteren Menschen, deren Namen ich nicht kenne, zumindest die Dame habe ich schon mal gesehen. Visual Effects: Interstellar, hoffentlich bloß eine Gnadengabe.

Kevin Hart und Anna Kendrick: Animated Short geht an Feast. Sympathische echte Menschen auf der Bühne – nach meiner Zählung die ersten.

Zoe Saldana, Dwayne Johnson: Animated Feature Film geht an Big Hero 6 – auf den freue ich mich.

Das Orchester sieht man gar nicht mehr, oder? Gibt es überhaupt noch ein Orchester? Irgendwann wanderte es vom Orchestergraben in die Balkone (aber es gehörte immer noch zur Eingangsrede, den Dirigenten zu begrüßen), kommt die Musik jetzt vom Band?

Gummibärchentüte zu einem Drittel weg, ein paar m&ms, zweite Riesentasse Tee.

Academy-Präsidentin, schnarch, aber in einem sehr schönen Kleid.

Chris Pratt und Felicity Jones präsentieren Production Design: Grand Budapest Hotel, yes!

Idris Elba und Jessica Chastain präsentieren Kamera: Welcher Film? Es wird nur der Gewinner genannt. Ah, Birdman! Wurde auch Zeit, und genau dieser ist sehr nachvollziehbar, Kamera war eine der Hauptrollen.

Meryl Streep kündigt die Trauerrolle an. So viele Gute. (Sie zählen Gabriel García Márquez zur Hollywood-Crowd? Waren das alles Academy Mitglieder?) Nachtrag: Hier die In Memoriam-Bildergalerie.

Naomi Watts und Benedict Cumberbatch präsentieren Schnitt: Whiplash. Ist das ein Kleid, das Frau Watson trägt? Oder schnell mit Sicherheitsnadeln aus Duschvorhang und Bikini zusammengeworfen? Die bislang emotionalste Rede.

Terrence Howard darf alleine die nächsten Filmnominierungen vorstellen: Whiplash, Imitation Game und Selma. Er ist ein bissl auseinander, der Herr Howard, schubst fast das Mikro um.

Jennifer Aniston (mittelgutes Kleid) und David Oyelowo (mittelguter Anzug) präsentieren Best Documentary: Citizen Four. !!.

Nächster Werbeblock von Neil Patrick Harris angekündigt mit: “And to counterbalance the search for truth and justice.”

Octavia Spencer (lovely colour!) kündigt noch einen Song an. Für mich seit vielen Jahren die verzichtenswerteste Oscarkategorie. Er ist aus Selma und gibt dem Publikum zumindest eine Gelegenheit, das Thema per gesammeltem Aufstehen zu würdigen.

Jetzt wird endlich erklärt, wo das Orchester ist: In einem anderen Gebäude!

Idina Menzell und John Travolta räumen die Songs auf – davor elaborierte Witze über Travoltas Missgeschick beim Aussprechen ihres Namens letztes Jahr, den Oscar bekommt “Glory” aus Selma. Ihm haben sie sogar Selbstironie reingeschrieben, steht ihm gut. Dankesrede verweist darauf, dass heutzutage in USA mehr African Americans inhaftiert sind, als jemals gleichzeitig Sklaven waren.

Scarlett Johansson – stunning! Praktisch jede sieht besser aus mit kurzen Haaren, Farbe und Form des Kleides sind der Hammer.

50 Jahre Sound of Music! Riesige Zusammenschau aus dem Film und danach, äh, Medley-Nachgesang von äh, Lady Gaga. Die zumindest nur Julie Andrews imitiert und sich nicht am Material vergeht. Wow, die kann aber singen! Jetzt bekommt wohl auch Deutschland mit, welche zentrale Rolle der Film in anglo-amerikanischer Kultur spielt. Dass sie ihm ein gefühltes Viertel der Oscar-Show zugestehen, hat auch mich überrascht. Inklusive Standing Ovations nach dem Medley.

Jetzt Julie Andrews selbst – wie glorios! (Allerdings hätte ich so gerne gesehen, wie ihr Gesicht in Alt aussieht statt in Operiert. Nun: Ihr Gesicht, ihre Entscheidung.) Sie präsentiert Filmmusik. YESYESYES! Alexandre Desplat für The Grand Budapest Hotel. Das wurde aber auch Zeit. Somit haben wir zudem den verpflichtenden französischen Akzent auf der Bühne.

Eddie Murphy (den gibt’s noch?) präsentiert Originaldrehbuch: Birdman! Definitiv nachvollziehbar. Nun auch hispanic Akzent. Michael Keaton kaut im Publikum aggressiv Kaugummi – er hat hoffentlich eine medizinische Ausrede für dieses Flegelbenehmen. Auf der Bühne wird auch noch “toda la Argentina” gedankt, na gut.

Oprah Winfrey – finde ich einfach wunderschön. Präsentiert adaptiertes Drehbuch: The Imitation Game, freut mich. Und der Herr spricht sehr emotional und persönlich allen Mut zu, die jetzt glauben, sie könnten nie dazugehören.

Ben Affleck steht für den Regie-Oscar auf der Bühne: Birdman, hätte ich nicht gedacht. Wenn überhaupt, hätte ich auf Linklater oder Anderson gewettet. Zeigt, wie wenig Ahnung ich habe.

Cate Blanchett ist SO schön, präsentiert beste Hauptdarsteller: Eddie Redmayne. Wirklich? Sticht die Behindertenkarte immer noch unschlagbar? Michael Keaton oder Benedict Cumberbatch hätte ich erheblich einfacher verstanden. Sehr emotionale Rede. Sollte mich Herr Kaltmamsell jemals als partner in crime bezeichnen, werde ich ihn töten müssen. Death by cliché.

Matthew McConaughey (die Schreibung habe ich schon mal vorsorglich aus Wikipedia kopiert). Der wiederum schaut erwartbar schrecklich aus. Weibliche Hauptrolle (ursprünglicher Verschreiber “weinliche” – yes, it helps): Julianne Moore. Jetzt wünscht sie sich, sie hätte sich für das andere Kleid entschieden, das weniger aussieht, als sollte man es erst mal schuppen und die Zusammenhaltebänder entfernen.

Lahme Zaubernummer von Neil Patrick Harris: Er öffnet seine am Anfang der Show eingeschlossenen Oscar-Vorhersagen – die natürlich alle zutreffen.

Sean Penn kommt zur Musik von Dances with Wolves auf die Bühne. Warum?
Wir hatten auch schon am Anfang und mit genauso wenig Zusammenhang Musik aus Chitty Chitty Bang Bang. Warum?
Der Oscar für besten Film geht an Birdman! Ok, einverstanden.

Mal sehen, ob etwas von der Show selbst hängen bleibt. Der Presenter in Unterhose vielleicht?
Ich mache jetzt Kaffee und gehe dann in die Arbeit. Nachdem das letztes Jahr so gut geklappt hat, habe ich auch dieses Jahr der Kollegin den freien Nach-Oscar-Tag überlassen.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 22. Februar 2015 – nochmal Schnee

Sonntag, 22. Februar 2015 um 21:45

(Noch schnell vor dem Schlafengehen gepostet, damit es kein Durcheinander mit der Oscarnacht gibt.)

Gut und ausgeschlafen, dann aber dieser Anblick.

150222_01_Schnee

Beachten Sie bitte auch, dass die Bäume links im Hintergrund verschwunden sind: Große Abholzung vergangene Woche, da wird wohl angebaut.

§

Fahrt nach Augsburg.

150222_07_Schnee

Dort Familienessen beim Italiener mit erstaunlich guten Spaghettini mit Kürbis und Perlhuhn.

150222_08_Luciano

§

Mein Körper überlegte sich, ob er vielleicht krank werden will. Beginnende Halsschmerzen, doch das Ziehen an allen Ecken und Ende sowie die Zittrigkeit hätten sowohl dem mittlerweile ungewohnten Isarlauf geschuldet sein können oder einem Infekt.

§

Naomi Alderman, die Entwicklerin der App Zombie Run, die sogar Herrn Kaltmamsell zum Laufen gebracht hat, schreibt:
“There’s No Morality in Exercise:
I’m a Fat Person and Made a Successful Fitness App”.

Sehr Awww! und mit wundervollen Illustrationen.

When we came to make Zombies, Run!, I deliberately put a line in the very first mission, when you, Runner Five, are just arriving at Abel Township, the tiny, shivering remnant of humanity left after the zombie apocalypse. I had one of the characters say: “If you can move above a slow shamble, we can use you.” Why? Because I am so sick and tired of the best and nicest exercise-based treats being reserved for people who are already in peak physical shape, and I’m sick of the notion that having fun while exercising is something you have to earn; that, until you look a certain way, moving ought to be boring and unpleasant if not outright painful. Your body is there right now. You did not have to earn a thing. It is a gift. You are a hero every time you step out of your front door to do some exercise.

(Zombie Run ist von Naomi Alderman?! DER Naomi Alderman?!)

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 21. Februar 2015 – Bowling

Sonntag, 22. Februar 2015 um 9:57

Zweiter Isarlauf dieses Jahres, diesmal radelte ich zum Friedensengel und lief von dort los – auf einer deutlich matschigeren und glatteren Strecke, als ich es nach den beiden trockenen Wochen erwartet hätte.

150221_01_Isarlauf

150221_02_Isarlauf

150221_07_Isarlauf

150221_09_Isarlauf

150221_11_Isarlauf

150221_13_Isarlauf

§

Ein zweites Rezept aus Nickys Reisehunger ausprobiert: Nuss-Tahini-Schnecken.

150221_Tahinischnecken

Sehr wohlschmeckend. Aber weil ja Fastenzeit ist, hörte ich nach drei Schnecken auf.
Na ja, eine Stunde später nach der vierten.

§

Abends Geburtstagsfeier mit fast ausschließlich Offline-Freunden im Bavaria Bowling. Es müsste nach meiner Zählung das dritte Mal gewesen sein, dass ich überhaupt bowlte, und es war ein Heidenspaß.

150221_Bowling_9

(Dazu lief gerade Nik Kershaw, “The riddle”.)

Der Laden ist ohnehin eine Zeitreise in die 80er, wie ich sie sogar selbst erlebte. Ein anderer Bowlinggast hatte Geburtstag, und schon erklang “Happy Birthday” von Stevie Wonder – wie zu meinen Tanzschulzeiten! Die Getränkekarte bot auch Rüscherl an, die Muster der Polsterstühle erinnerten mich an Eisdielen meiner Jugend, und unter den zahllosen Schriftarten auf Printmaterial innen und außen (es handelt sich möglicherweise um ein Typografiemuseum in Nebenfunktion) waren auch einige, die ich zuletzt in Verbindung mit diesem Getränk gesehen hatte.

Die Bowlingbahn schien ein richtiger Nachbarschaftstreff zu sein: Nach 22 Uhr sprach der DJ (!) beim Strike-Wettbewerb (!) zwischen den Bahnen praktisch jeden mit Namen an.

§

Andere fühlen sich angesichts von gewachsenen oder erwachsenen Kindern alt – das passiert mir nie. Ich bin durchaus überrascht, wenn die piepsige Kindergarten-Natalie kurz vorm Bachelor steht, das Sabberbaby Tobias schon in die Schule kommt, setze das aber nie in Bezug zu mir. Wo ich hysterisch werde, ist bei der Tatsache, dass Lettermans bescheuerte Oscarnummer “Uma” – “Oprah” SCHON ZWANZIG JAHRE HER IST!

Vanity Fair erzählt die ganze Oscarnacht 1995 nach, mit Bildern (da gab’s Ellen Barkin und Julia Ormond noch! ich vermisse beide sehr):
“The Oscars 20 Years Ago: Live-Blogging the 1995 Academy Awards”.

Wow, das war ein verdammt gutes Filmjahr.
Und ich liebte Sarah Jessica Parker noch für Miami Rhapsody.
“After the little clip reel, Jamie Lee says congrats to ‘all the men and not one woman’ who won.” – Sie war einfach schon immer der Hit.

§

Prinzessinnenreporter retten den Online-Journalismus“.

§

Basiert auf denselben Erkenntnissen wie der Washington Post-Artikel gestern, ist aber pointierter – und auf YOUTUBE!
“The Science of Anti-Vaccination”.

via @DonnerBella

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 20. Februar 2015 – nicht nur Krönchenrichten

Samstag, 21. Februar 2015 um 15:54

Morgens beim Crosstrainerstrampeln zwei Kaninchen gesehen. Der Anblick ist immer noch neu und sensationell, an die Niedlichkeit von Eichhörnchen kommen sie aber nicht ran.

Eine Menge über Altstadt, Neustadt, Vorstadt im Mittelalter gelernt.

Noch eine Absage.
Ich konzentriere mich so stark aufs Aufstehen, Krönchenrichten, Weitermachen, dass ich vergesse, mir dazwischen auch mal Zeit für Heulen, Zähneknirschen und Verletztsein zuzugestehen. Die große Schlotter überfällt mich entsprechend in den seltsamsten Momenten, zum Beispiel beim Pizzabacken für Gäste.

Abends in der 2DF-Mediathek die letzten beiden Folgen Schuld angeschaut, die waren wieder ganz ausgezeichnet. “DNA” mit dem deutlich besseren Drehbuch, das Hintergründe und Informationen sehr geschickt mit Details erzählte.

§

Kluge Gedanken über menschliche Denkstrukturen in der Washington Post:
“Why science is so hard to believe”.

We live in an age when all manner of scientific knowledge — from the safety of fluoride and vaccines to the reality of climate change — faces organized and often furious opposition. Empowered by their own sources of information and their own interpretations of research, doubters have declared war on the consensus of experts. There are so many of these controversies these days, you’d think a diabolical agency had put something in the water to make people argumentative.
(…)
In this bewildering world we have to decide what to believe and how to act on that. In principle, that’s what science is for. “Science is not a body of facts,” says geophysicist Marcia McNutt, who once headed the U.S. Geological Survey and is now editor of Science, the prestigious journal. “Science is a method for deciding whether what we choose to believe has a basis in the laws of nature or not.”
(…)
We have trouble digesting randomness; our brains crave pattern and meaning.

Even for scientists, the scientific method is a hard discipline. They, too, are vulnerable to confirmation bias — the tendency to look for and see only evidence that confirms what they already believe.
(…)
Science appeals to our rational brain, but our beliefs are motivated largely by emotion, and the biggest motivation is remaining tight with our peers.
(…)
In science it’s not a sin to change your mind when the evidence demands it. For some people, the tribe is more important than the truth; for the best scientists, the truth is more important than the tribe.

§

Umso interessanter: Der wackere Kampf, den die Community Manager der Stiftung Warentest gestern auf Facebook fochten. Der Artikel hieß “Masern in Deutschland. Was Sie jetzt wissen müssen”, es folgten die vorhersehbaren Attacken der Impffeinde – und die Community Manager nahmen sich jeden einzelnen davon vor. Ganz, ganz großartig.

§

Jetzt geht’s ja dann doch an Oscarvorbereitungen, gell.
“Feast on the Best Food Moments From the Year’s Best Picture Nominees”.

via @missesdelicious

Meine eigene Speisenfolge für die Oscarnacht ist noch komplett offen.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 19. Februar 2015 – Lesenreden mit Pizza

Freitag, 20. Februar 2015 um 6:49

Morgens Bloggen statt Sport, zudem Pizzateig für die abendliche Leserunde bei mir angesetzt.

Bereits am Vormittag lichtete sich der kalte Hochnebel zu einem sonnigen, wenn auch weiterhin recht frischen Tag. Die Schneeinseln auf Straßen und Wiesen schmelzen nur zentimeterweise.

Abendliche Leserunde zu Uhlys Königreich der Dämmerung. Wir mochten den Roman, waren uns einig, dass Uhly fast alle Fallen vermieden hat, die das Thema Fiktionalisierung von Judenverfolgung und Nachkriegszeit aufstellt. Mir gefielen die sperrige Erzählstruktur, die die Aufmerksamkeit aufrecht erhält (Kapitel setzen immer wieder überraschend neu an, Erzählstränge wechseln ab, aber nicht unbedingt auf derselben Zeitebene), der historische Hintergrund (wenn auch in seiner Detailverliebtheit manchmal an Wikipedialiteratur grenzend), das Erbarmen für alle Figuren. Lediglich die Pathologisierung des SS-Monsters stieß mir auf: Der Nazihorror wurde eben nicht von Psychopathen ermöglicht, sondern von ganz normalen Spießern und Spießerinnen.

Den Mitlesenden war das Buch zu lang. Obwohl auch ich fand, dass die abschließende Berlinepisode gut streichbar gewesen wäre, stimmte ich nicht zu. Leseempfehlung.

(Beim Pizzaservieren passierte mir zum ersten Mal, dass ein Gast an Gluten erkrankt war und ihr Teller leer blieb. Ich konnte nur rasch ein Schälchen Nüsse füllen. Ich merke mir: Künftig immer etwas ohne Gluten und Laktose bereit halten. Fleischlose Alternativen verstehen sich ja inzwischen von selbst.)

§

Fotos von Kühen am Strand.
“Portraits of South African cows on the daily pilgrimage to the beach”.

Ich misstraue zwar den 19. Jahrhundert-Tropenhelm-Anklängen von “Rimmer, who spent his youth in the Eastern Cape, explains that the Xhosa people have a deeply felt spiritual reverence for their cattle”, aber wenn man dasselbe von bayerischen Almerinnen sagen darf (that the Allgäu people have a deeply felt spiritual reverence for their cattle), und dabei die mir so vertrauten Bilder Kuh auf Almwiese sowie Almabtrieb vor Augen hat, geht’s wieder.

via @TravellerSam

§

Viele wundervolle Fotos und ein Bericht von “Schneechaos in Istanbul”.

An Tagen wie heute wirkt das alte Istanbul plötzlich wieder wie hingezaubert an all die mystischen Orte, die wir von tausend Schwarzweißfotos kennen.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 18. Februar 2015 – Sonderseiten

Donnerstag, 19. Februar 2015 um 10:26

Nach unruhiger Nacht morgens Crosstrainer (Eichhörnchen vor dem Fenster), tagsüber ruhige Arbeit, abends Feldsalat aus Ernteanteil und frische Scones, damit wir endlich die von Herrn Kaltmamsell selbst hergestellte Clotted Cream probieren konnten (gut!).

Radeln durch kalten Nebel nach Haidhausen (der ganze Tag war hochnebelgrau gewesen), dort Treffen mit Freundin über Cocktails.

§

Aufgeregt über den Start des Techniktagebuchbuchs. Besonders bezaubernd finde ich die Ansammlung an Vorwörtern. Oder Nachwörtern. Vielleicht Zwischenwörtern? Weswegen sie sehr bald “Vornachzwischenwort” hießen. Die können Sie auch gesammelt lesen.

Unter anderem ist mir durch das Beobachten der anderen bei ihrer Arbeit am Techniktagebuchbuch (die zugehörigen Auszüge aus dem Techniktagebuchredaktionschat werden möglicherweise irgendwann gesondert veröffentlicht) nun auch sehr bewusst geworden, dass keiner so recht weiß, was bitte ein E-Book ist. Denn einige Dinge, die wir uns von der elektronischen Form statt Papier erhofft hatten, gingen nicht.
Seit ich ein Kindle (bitte immer schwäbisch aussprechen) habe, hege ich ja den wachsenden Verdacht, dass die E-Book-Technik von der Papierlobby gesteuert wird: Keine mir bekannte Technik ist so hartnäckig userunfreundlich wie diese. (Na gut: Von SAP höre ich Ähnliches.)

Mario Sixtus versuchte schon vergangenes Jahr vergeblich, E-Book-Offizielle auf eine praktikable Definition festzunageln:
“Das Phantom namens Ebook”.

§

Deprimierende Geschichte eines chief political commentator1 des britischen Telegraph:
“Why I have resigned from the Telegraph”.
(Hier Stephen Frys Kommentar zum lahmen Dementi.)

Ich weiß, dass derzeit in Deutschland die Enthüllungen von Sebastian Heiser diskutiert werden – doch daran überrascht mich eher die Überraschung. “Sonderseiten” hatte man mir während meines Zeitungsvolontariats als nicht wirklich journalistisch beigebracht; die Sachtexte, mit denen Anzeigen akquiriert wurden, sollten durchaus fachlich belastbar sein, aber auf keinen Fall konfrontativ. Von PR-Seite kenne ich Sonderseiten in Tageszeitungen als den Ort, an dem man Kundentexte (gerne auch erfundene Interviews) zuliefert; wenn sie sachlich genug verfasst sind, werden sie praktisch ohne Änderung verwendet. Manchmal kostet die Veröffentlichung Geld (deutlich weniger als Anzeigen), manchmal nicht. (Als PR-Maßnahme ist das wegen vager Glaubwürdigkeit durchaus umstritten.)
Erst aus dem Artikel von Heiser erfuhr ich, dass die Süddeutsche einen anderen Anspruch an ihre Sonderseiten erhebt.

  1. Verzeihung, die Aufgabenverteilung in einer Redaktion ist im angloamerikanischen Sprachraum so anders als im deutschen, dass jeder Übersetzungsversuch scheitert. []
die Kaltmamsell

EXtrablatt! EXtrablatt! Das Techniktagebuchbuch!

Donnerstag, 19. Februar 2015 um 7:25

Hier die offizielle Ankündigung von Kathrin Passig:

— Anfang der offiziellen Ankündigung —

Das Techniktagebuch hat Geburtstag! Die Idee ist ein paar Tage älter, nämlich vom 7. Februar 2014, aber das Blog wird heute genau ein Jahr alt. In diesem Jahr haben knapp 100 Autoren insgesamt 1730 Beiträge geschrieben, die dank der Tumblr’schen Rückdatierungsfunktion bis ins Jahr 1956 zurückreichen.

Zur Feier dieses Anlasses gibt es das Techniktagebuch jetzt auch als, wie der Name schon nahelegt: Buch. Die Meinungen in der Techniktagebuchredaktion reichten von “hurra Buch” über “warum nicht” bis zu “verstehe nicht, was das soll” und “Hey! Ich hab da noch eine viel bessere Idee! Man bräuchte ein Format, in dem alle Beiträge einzeln angezeigt werden, so irgendwie im Internet, und wo man sie dann auf ganz verschiedene Weisen sortieren kann!” Auf jeden Fall sei es “als Performance zum Medienwandel von unschätzbarem Wert”.

Wie dieses Buch erzeugt wurde, ist ein Thema für einen noch zu verfassenden Beitrag. Clay Shirky schrieb 2012, Publishing sei “not a job anymore. That’s a button. There’s a button that says “publish,” and when you press it, it’s done.” Ich möchte an dieser Stelle nur festhalten, dass das für E-Books noch nicht gilt und ich einige Wochen lang ganz schön viele Knöpfe drücken musste.

Das Titelbild wurde von der Zufallsshirtmaschine erzeugt, die dabei weniger murrte als ein Grafiker, zu dem man sagt “könnten wir bitte noch mal 500 neue Entwürfe haben?”

Techniktagebuchbuch

Viele weitere Knöpfe mussten bei der feschen Firma Sobooks gedrückt werden, die das Buch zum Download anbietet. Und zwar für Leute, die alles lesen wollen oder fürchten, dass das Internet demnächst abbrennt, in einer kostenlosen Komplettversion (als PDF, EPUB und MOBI). Internetausdrucker brauchen drei Packungen Druckerpapier, denn die PDF-Version hat über 2000 Seiten.

“Über 2000 Seiten”, hören wir die Leserinnen und Leser sagen, “wer soll denn das lesen!” Deshalb gibt es eine “Best of Techniktagebuch”-Version mit nur 347 Seiten im Sobooks*-, EPUB- und .mobi-Format, aber kostenpflichtig (1,99 €). Wer mehr bezahlt, bekommt also weniger Text, dafür mehr Lebenszeit geschenkt. Auch bei Amazon kann man die Kurzfassung kaufen, dort ist sie einen Euro teurer als bei Sobooks, einfach nur so. An der Executive Summary Edition (Tweetlänge, 29,99 €) arbeiten wir noch.

* Lesen im Browser, das nächste große Ding.

— Ende der offiziellen Ankündigung —

Hier nochmal die Links zum Buch:

Bei Sobooks https://sobooks.de/books/wir-hatten-ja-nix-ein-techniktagebuch-best-of#
Beim Amazon http://www.amazon.de/gp/product/B00TREM814
Beim Goodreads https://www.goodreads.com/book/show/24968377-wir-hatten-ja-nix-ein-techniktagebuch (Kommentar aus dem Techniktagebuchredaktionschat, André Spiegel: “Problem wird sein, dass die einzigen Leute, die deutsche Bücher bei Goodreads bewerten, alle Techniktagebuch-Autoren sein dürften, und die dürfen jetzt nicht.”)

Da ich die ganze Arbeit andere habe machen lassen (zu 95 Prozent nämlich Kathrin Passig), wissen jetzt andere, wie man ein E-Book macht und veröffentlicht. Sollten Sie also irgendwelche Probleme beim Laden oder Lesen haben: Fragen Sie mich nicht. (Sie können sie allerdings in die Kommentare schreiben, ich reiche sie eventuell weiter.)

die Kaltmamsell