Journal Sonntag, 28. Juni 2015 – Land- statt Stadtlauf

Montag, 29. Juni 2015 um 8:02

Bunter Himmel mit Wolkenlöchern, für Morgenkaffee auf dem Balkon weiterhin zu kühl.

Während die Münchner Massen stadtliefen (zu meiner Rührung ist in der Berichterstattung „der Wettergott“ quietschlebendig), radelte ich ins entgegengesetzte Eck Münchens zum Laufen nach Thalkirchen.

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Oben in Pullach begann gerade ein Dorffest.

Ich lief mühelos und schmerzfrei, erst am Nachmittag zahlte ich den Genuss mit Hüft- und Kreuzschmerzen. Aber der aufrechte Gang wird ohnehin überschätzt.

Lesen und Duolingspielen auf dem Balkon, als Nachtmahl 2/3 Ernteanteil, 1/3 Rind vom Herrmannsdorfer.

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die Kaltmamsell

Journal Samstag, 27. Juni 2015 – Abschlussball revisited

Sonntag, 28. Juni 2015 um 9:15

Grau war dieser Samstagmorgen und mild. Diesmal hatte ich mich so sehr auf Freibadschwimmen eingestellt, dass mich das Wetter nicht abhielt. Auch nicht, dass mich bereits beim Radeln zum Schyrenbad ein paar Regentropfen anspritzten.

Die beiden Schwimmbahnen waren entsprechend übersichtlich belegt, ich entschied mich für die mit zwei Vollneoprenschwimmern und ohne Rückenschwimmerinnen. Einer der beiden Neoprenanzüge überrundete mich bereits auf meinen ersten 500 Metern drei Mal – ich gebe zu, das demoralisiert selbst mich trotz komplettem Fehlen von Ehrgeiz. Zumal der Herr dieses Tempo die folgende Stunde meiner Schwimmrunde fast durchhielt und danach weiterschwamm. Selbst war ich gelassen und kraftvoll unterwegs, ich genoss die Ruhe.

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Von vergangener Woche waren viele Zeitungen ungelesen liegen geblieben, den Nachmittag nutzte ich zum Auflesen.

Abends begleitete ich Herrn Kaltmamsell zu einem Tanzkursabschlussball. Der Herr sorgt seit Jahren in der Schule, an der er unterrichtet, dafür, dass den achten Klassen Tanzkurse angeboten werden, und bis heute ist das Interesse daran rege.

Vieles ist wie vor 30 Jahren: Die Damen bekommen von ihren Herren Sträußchen überreicht, Eltern und erweiterte Verwandtschaft nehmen teil, die Kleidung ist festlich, ich bilde mir ein, dass auch der Nachwuchs Spaß an den Förmlichkeiten hat. Auch einen feierlichen Einzug der Paare in den Ballsaal gab es, allerdings war die Festmusik dazu Kirmestechno. Und die Plakate der ausrichtenden Tanzschule machten klar, dass deren Hauptgeschäft tänzerische Fitnessangebote sind, Gesellschaftstanz nur sehr am Rande – wahrscheinlich die einzige Chance, außerhalb von Großstädten zu überleben. Die Tanzeinlage bestätigten meinen Eindruck, den ich durch die Gespräche mit den FOS-Praktikanten und -Praktikantinnen im Job bekommen hatte: Wenn die jungen Leute (TM) heute „Tanzen“ als Hobby angeben, meinen sie HipHop/Breakdance.

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Wundervoller langer Spaziergang zurück zur S-Bahn über die Felder in kühler Sommernacht.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 25. Juni 2015 – Festmahl bei Marietta

Samstag, 27. Juni 2015 um 9:45

Mit der Haut meiner Lippen habe ich ja schon länger Schwierigkeiten. Anfang Mai traf mich eine besonders heftige Attacke mit blutig aufgesprungenen Lippen. Ich ließ mir von der freundlichen Nachbarschaftsapothekerin eine Wundsalbe verkaufen, die zunächst half. Doch dann gesellten sich vor drei Wochen entzündete Mundwinkel dazu, die sich über die Lippen ausbreiteten. Da war der Punkt erreicht, an dem ich mir nicht mehr einreden konnte, dass das nur ein kosmetisches Problem war.

Ich stellte mir den Wecker früh und ging zu meiner Hausärztin. Die schloss eine Pilzinfektion aus und tippte auf Vitamin- und/oder Eisenmangel; eine Blutanalyse soll das klären. Wegen Wartens ohne Termin war der Vormittag fast herum, zum Isarlaufen kam ich nicht.

Denn: Mittags war ich verabredet, seit Wochen geplant. Ich hatte schon lange einmal ausführlich bei Marietta essen wollen, doch da das Lokal abends nicht geöffnet ist, geht das nur zum Mittagessen, und deshalb nur an einem freien Tag. Herr Kaltmamsell hatte seinen Arbeitstag so arrangiert, dass das gestern möglich war. Antipasto und Pasta teilten wir uns.

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Und dann noch Café und Grappa.

Jetzt war es früher Nachmittag, wir spazierten in der Sonne nach Hause. Wo ich, auch das war Teil meines Plans gewesen, ausführlich Siesta machte. Danach war ich immer noch nicht wieder nüchtern – ich hatte ganz vergessen, wie unangenehm diese lange Verdumpfung durch Alkohol tagsüber sein kann. Zur Tagesschau aber war ich wieder klar und entsprechend entsetzt über die drei Terroranschläge, zumal erst vorgestern die Postkarte der Bruderfamilie von ihrem Pfingsturlaub in Sousse eingetroffen war.

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Kathrin Passigs Abendauftritt in Hannover hat gleich mal eine Geschichte fürs Techniktagebuch abgeworfen:
„Das Kaninchen wird per NFC aus meinem Ohr gezogen“.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 25. Juni 2015 – beta vulgaris

Freitag, 26. Juni 2015 um 7:06

Überraschend früh, aber munter aufgewacht. Nachtisch für Abendeinladung zubereitet, bei offenem Fenster Crosstrainer gestrampelt statt Isarlauf, weil nur wenig Zeit vor 11-Uhr-Termin bei der Kosmetikerin. Sie machte mir zweieinhalb Stunden Füße und Gesicht schön, freute sich mit mir über den neuen Job.

Ein milder Tag mit Sonne und Wolken.

Einkaufen bei Verdi für den Abend, zu meiner Freude bekam ich Tintenfisch für pulpo a la gallega. Und weil der Ernteanteil viel Mangold enthalten hatte, gab es als Hauptgericht Coca de verdura – der Mangold ergänzt durch die Blätter der jungen Roten Beten aus dem Ernteanteil, die ja botanisch genauso beta vulgaris sind wie Mangold (und Zuckerrübe). Emsiges Kochen, schönes Abendessen mit Gast. Auch ihm konnten wir das Kaninchen auf der Wiese zeigen. Und ich weiß wieder eine Menge mehr über die Welt der Fußballschiedsrichter.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 24. Juni 2015 – Giddiness

Donnerstag, 25. Juni 2015 um 8:04

Eigentlich habe ich mich damit abgefunden, dass ich intensive Momente fast immer erst mal wegpacke und die dazugehörigen Emotionen mit zeitlichem Abstand fühle. Deshalb war ich überrascht, wie direkt und live ich den gestrigen Tag erlebte.

An meinem letzten halben Arbeitstag (die andere Hälfte hatte ich für eine Beerdigung im April genommen) hatte ich durchaus noch zu arbeiten, allerdings in erster Linie Aufräumarbeiten. Abschiedmails an die Geschäftspartner, von denen ich das Bedürfnis hatte mich zu verabschieden. Ob und wie meine Kündigung den Kunden berichtet worden war (Chefsache), wusste ich nicht, deshalb verschickte ich hier nichts. Übergabe und Erklärung von Aufgaben, letzte digitale Ablage, Finalisierung des Übergabedokuments. Mittags Abschied von den drei anwesenden Kollegen/Kolleginnen, Schlüssel zum Büro abgegeben, Müll mit runter genommen.

Und diesmal stelle sich sofort das Gefühl von NEU! VORWÄRTS! HURRA! ein, inklusive giddiness. Ich schlenderte im milden Sonnenschein die Bayerstraße zum Stachus, besorgte im Kaufhaus Socken, schlenderte die Sonnenstraße weiter – noch ein paar Einkäufe im Drogeriemarkt. Daheim stillte ich meinen Hunger mit Resten der vorabendlichen Einladung. Zur Feier des Urlaubsnachmittags Siesta, dann Küche geräumt, Ernteanteil abgeholt.

Mittlerweile war das ein richtiger Frühsommertag geworden. Ich ging zu Fuß das halbe Stündchen zu den Museumslichtspielen, um Spy zu sehen – in München war es ziemlich schwierig, den Film unsynchronisiert zu erwischen. Ich bekam ausgezeichnete Unterhaltung: Schönes Drehbuch (viel Gaudi auch im Hintergrund) von Melissa McCarthy bin ich eh schwer begeistert, und sie macht das großartig – darf neben superbescheuert auch richtig toll aussehen (ich will dieses schwarze Abendkleid!). Eine Entdeckung war für mich Miranda Hart als McCarthys side kick, und bei Jude Law habe ich schon länger den Verdacht, dass man ihn mal ihn einer richtig komischen Rolle besetzen sollte.

Auch zurück nach Hause spazierte ich, superentspannt und mit leichtem Herzen.

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Daheim war Herr Kaltmamsell, frugales Nachtmahl.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 23. Juni 2015 – holpriger Endspurt

Mittwoch, 24. Juni 2015 um 7:16

Nach einer Regennacht mit Energie aufgewacht, beim Radeln zum Krafttrainig kurz und heftig angeregnet worden.

Vorletzter Arbeitstag. Büroschubladenkrams (Apirin, Deo, Nagelfeile, NadelundFaden) und Haushalt (Tasse, Teekanne, Wasserkaraffe und -glas) hatte ich weitgehend bereits heimgeschafft.

In der Büroküche die Cafetera samt frisch hochgelaufenem Morgenkaffee umgekippt. Nach Beseitigung der Sauerei keine Zeit für Neuaufsetzen, statt dessen das spanische Familienrezept: Instantespressopulver in heißer Milch aufgelöst (überraschenderweise besser als was man in so manchen Münchner Lokal als „Capucchino“ hingestellt bekommt).

Ein letzter Analyseauftrag bescherte viele Stunden konzentrierter Arbeit. Überraschung: Nach einer Woche leerem Briefkasten kam wieder Post. Nach deren Abschluss Auftrag und finaler Ablage von Unterlagen wollte ich mich gerade an die Abschiedsmail an Dienstleisterkontakte machen, als das Internet ausfiel. Die Hotlines von M-net waren auch nach einer halben Stunde alle besetzt, also ging die einzig verbliebene Kollegin nach Haus, um dort weiterzuarbeiten (Firma hat alle Inhalte in der Cloud, ohne Internet kein Arbeiten). Ich kam irgendwann auf die Idee, die Hotline per Handy anzuwählen: Tatsächlich, auch das Telefon war ausgefallen (was ist aus der guten alten toten Leitung geworden, mit der man das früher schnell feststellte? Freizeichen vor und Besetztzeichen nach Nummernwahl deute ich nicht als Störung). Pünktlich zu Feierabend ging das Internet wieder – und ich sofort nach Hause, denn ich erwartete Gäste.

Über den Tag war es immer wieder sonnig gewesen, doch windig und sehr kühl. Das Wetterorakel vor dem Bürofenster hatte nur ein paar Tische gedeckt.

Zu Gast kamen zwei Nachbarn von weit oben aus dem Haus, Herr Kaltmamsell hatte Ottolenghi-Salate und auf meinen Wunsch sein sensationelles Chicken Tikka Masala gekocht. Wir hatten einen schönen Abend, konnten den Nachbarn bei ihrer Ankunft sogar das Kaninchen auf der Wiese vorm Haus zeigen, das zu einem seltenen Besuch da war.

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Viel \o/ im Techniktagebuch-Redaktionschat: Kathrin Passig unterhält sich am Donnerstag in Hannover mit Rainald Grebe, auf einer Bühne und möglicherweise auch übers Techniktagebuch (dann stricke ich mir daraus aber einen claim to fame, der sich gewaschen hat).

die Kaltmamsell

Journal Montag, 22. Juni 2015 – Schulsporterinnerungen

Dienstag, 23. Juni 2015 um 6:25

Sehr gut geschlafen, Kaffee, Crosstrainer.
In milderen Temperaturen in die Arbeit gegangen.

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QI des Tages: Habe erfahren, dass den Abiturienten und Abiturientinnen des Margarete-Steiff-Gymnasiums in Giengen an der Brenz zu ihrem Abiturzeugnis jeweils ein Steiff-Bär überreicht wird – sondergestaltet nach dem Abiturmotto des Jahrgangs. Der oder die Jahrgangsbeste bekommt ihn in Riesig. Bin völlig begeistert.
(Und verwundert, dass ich keine Fotoserien finde.)

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Schule und Sport: In meinem Eck des Internets wird gerade heftig diskutiert, ob eine Abschaffung der Bundesjugendspiele wünschenswert ist. Dabei lerne ich, wie viel anders als ich viele diese Veranstaltung erlebt haben.

Für mich war Schulsport nichts Schlimmes, musste man halt rumkriegen. Wie eine Erdkundestunde, bloß mit Raumwechsel und Umziehen. Ich mogelte mich mit möglichst wenig Aufwand durch und kooperierte brav, damit die Stunde sich nicht zu mühsam dahinschleppte.

Wir hatten im Jahrgang zwei klare Sportasse, ein großes Mittelfeld, und zwei sehr unsportliche Mitschülerinnen, eine davon dick und groß sowie mit einer motorischen Störung. Natürlich kann es sein, dass ich mir meine Erinnerung zurechtkuratiere, doch ich bilde mir ein, dass niemand gehänselt oder abgewertet wurde. Die beiden Sportasse waren etablierte Mannschaftsführerinnen, und es war klar, dass die beiden Unsportlichen gerecht auf beide Mannschaften verteilt würden. Sehr deutlich habe ich aber vor Augen, welche Pein und welches Unbehagen die beiden Mädchen ausstrahlten. Ich bilde mir ein, dass bei den Mitschülerinnen Mitgefühl überwog, weil einfach völlig klar war, dass keine der beiden auch bei noch so großer Anstrengung jemals sportliche Leistung erbringen würde.

Im Eifer eines Volleyballgefechts wurden sie wahrscheinlich schon mal von Mannschaftskameradinnen angeschnauzt, wenn sie einen Punktverlust verursachten – wie jede andere auch.

Bundesjugendspiele waren vor allem ein Tag unterrichtsfrei; ich kann mich weder an Leistungsdruck erinnern noch an Enttäuschung, wenn der eigene 75-Zentimeter-Hopser so gar nicht zum inneren Bild von Weitsprung passen wollte. Die 11. Klassen waren als Schiedsrichter eingeteilt – DAS war lustig. Oder der Trupp, der beim 100-Meter-Lauf auf halber Strecke Brotzeit machte, mit Picknickkorb und Tischdecke (vermutlich nicht mein Jahrgang, wir waren zu brav für sowas). Einmal hatte eine Sportlehrerin mit uns Mittelstuflerinnen einen großflächigen, einfachen Formationstanz übers Spielfeld eingeübt; ich erinnere mich vor allem an die Sensation, dass Big-Band-Musik über den Sportplatz schallte.

Ausgelacht wurde ganz sicher niemand. Wenn überhaupt, mussten sich die verstecken, die sich wirklich anstrengen wollten. Wobei – ich erinnere mich an einen Spitzenlauf einer unserer Sportasse: Mit einer Ansage in die Richtung, ihr sei langweilig, sie werde die Lehrer jetzt ein bissl schocken, raste sie ihre 400 Meter weg. Wir schütteten uns anschließend alle aus vor Lachen.

Wenn eine Schule oder Klasse aber eine gehässige, bösartige Umgebung ist, in der auf Einzelnen herumgehackt wird, wird eine Abschaffung der Bundesjugendspiel nichts daran ändern.

die Kaltmamsell