Journal Sonntag, 27. September 2026 – Prachtseptemberwetter

Montag, 28. September 2026 um 6:18

Gut und neun Stunden lang geschlafen, möglicherweise nur einmal von Klogang unterbrochen (allein schon dass ich das nicht so genau weiß, belegt die Tiefe des Schlafs). Aufgestanden zu strahlendem Sonnenschein.

Waschmaschine mit Bettwäsche gefüllt, Geschirrspüler ausgeräumt, Wasserfilter gewechselt, erst dann gab es Morgenmilchkaffee. Fürs Bloggen brauchte ich über zwei Stunden, weil ich am Vorabend nur die Fotos des Tages runtergeladen hatte – und den Tag sehr gerne festhalten und bebildern wollte. Doch an Sport plante ich eh eine Laufrunde an der Isar, für die wünschte ich mir etwas wärmere Luft als die neun Grad am Morgen und gab der Sonne noch ein wenig Zeit zum Heizen. Das frisch gefilterte Wasser nutzte ich für eine daheim seltene Kanne Tee: Milky Oolong.

Dann aber U-Bahn zum Odeonsplatz (vom Radeln hielt mich die Aussicht auf reichlich LALÜ! zum Oktoberfest ab).

Wundertätiger Isarlauf, an dessen Ende ich weniger Schmerzen spürte als am Anfang. Ich hatte eine U-Bahn zum Odeonsplatz genommen. Beim Loslaufen im Hofgarten schoss mir gleich mal ein Florett vom Kreuz bis ins rechte Knie. Oh nein! Ich blieb stehen, mobilisierte die Wirbelsäule, schüttelte mich kräftig aus und lief vorsichtig weiter. Langsam legten sich die Schmerzen, mein Gemüt hellte sich auf und ich genoss das Licht, die Farben, die Bewegung. Nach gut anderthalb Stunden war nur ein Pieksen über der rechten Pobacke geblieben, als ich dran rumknetete, war auch das weg. So kam ich sehr fröhlich auf 110 Minuten (laut iphone-App 16,5 Kilometer).

Hofgarten. Das schöne Wetter hatte viele Fans.

Hartnäckige Natur (schwer zu fotografieren: Auf dem längst abgebrochenen Weidenbaum sprießen nicht nur Weidenzweige, sondern rechts auch indisches Springkraut).

Schon wieder ist meine Freude übers aktuelle Wetter eingetrübt von Klimakatastrophe: Der Isarpegel war weiter gesunken, alle Wege waren so trocken, dass nach Passieren selbst noch so langsamer Radeln minutenlang eine Staubwolke bleibt. Und bei vielen Bäumen war auf den zweiten Blick klar, dass das nicht beginnende Herbstverfärbung war, sondern schon längere Trockenheitsverfärbung.

Zurück nahm ich Bus und U-Bahn, nachdem mir die Tram gerade davongefahren war. In der U-Bahn mir gegenüber ein blutjunges Pärchen kuschelnd, zur Musik aus geteiltem Kopfhörerpaar lautlose synchrone Tanzbewegungen. ❤️ ❤️ ❤️
Im Rischart im U-Bahnhof holte ich mir noch Frühstück.

Daheim knetete ich mich nach dem Schmerzschrecken vorsichtshalber mit der Faszienrolle durch, dann große Selbstreinigung.

Frühstück kurz nach zwei: Ernteanteiltomaten und ein ganzes Brot. Letzteres zumindest dem Geldwert nach: Die Riesenbreze vom Rischart (wir suchen doch nach den schönen Seiten des Oktoberfests) kostete 4,95 Euro.

Den Nachmittag über nahm ich wieder den trink- und badewilligen Vögelchen unseren Balkon weg. Internet- und Zeitunglesen. Zum ersten Mal im Jahr nahm ich fallende Kastanien von den beiden riesigen Bäumen vorm Balkon wahr, selbst dann allerdings wenige.

Es war mal wieder Bügeln nötig, dabei folgte ich einem Tipp zu einem SWR1-Interview mit der abgefahrenen Kunstexpertin und Anwältin Sasa Hanten:
“Die Kunst des Erbens”.
Sehr hörenswert auf vielerlei Ebenen, die Frau ist der Knaller. Unter anderem hörte ich zum ersten Mal jemanden darüber sprechen, wie großen Einfluss auf ihr Auswachsen hatte, dass ihre Familie über Generationen eben keine Flucht und Zerstörung oder andere tiefe Traumen durchmachen musste.

Und ich beobachtete, wie weit nach links der Sonnenuntergang bereits gerutscht war.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Ernteanteil-Rote-Bete als köstliches Risotto. Nachtisch restlicher Apple Crumble, außerdem Schokolade.

§

Vanessa bemerkt:

Die vergangenen zwei Wochen waren fantastisch: Ich habe das Leben eines westdeutschen Mannes in den 80ern geführt. Als ich von meinen Geschäftsreisen nach Hause kam, hatte der Reiseleiter geputzt, gesaugt, eingekauft, meine Wäsche gewaschen und gebügelt. Essen stand bereit. Auf der Reise hat ein Assistent mir lästige Dinge abgenommen und Teile des Gepäcks getragen.

Wäre das nicht mal ein schönes LARP? Die westdeutschen 70er/80er, nur andersrum?

§

Dinah Riese schreibt als linke Jüdin in der taz:
“Antisemitismus in der Linkspartei
Wollen wir nicht besser sein?”

via @ronensteinke

Darf ich als linke Jüdin von einer politischen Linken nicht erwarten, dass ihr Kampf gegen Menschenfeindlichkeit auch für mich ist?

(…)

Wollen wir nicht besser sein? Ich kann mich nicht von ganzem Herzen über dieses Wahlergebnis freuen. Und doch hoffe ich, dass Grüne und SPD sich dem Druck nicht beugen. Dass die Linke sich zusammenreißt und klarmacht, dass für An­ti­se­mi­t*in­nen in ihren Reihen kein Platz ist. Und dass sie das auch durchsetzt. Dass Berlins nächste Regierende Bürgermeisterin Elif Eralp heißt. Ich hoffe es für diese Stadt, die nicht noch fünf Jahre unter einem CDU-Regierungschef verdient hat. Und ich hoffe es für mich und meine Familie, die wir in dieser Stadt nun mal leben.

§

Wenn Ballett-Rivalen einander in freier Wildbahn begegnen.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 26. September 2026 – Bayrischzeller Höhenweg mit Regionalbahn-Benimm und ein wenig Slapstick

Sonntag, 27. September 2026 um 9:57

Sehr unruhige Nacht: Alkohol, Draußenlärm, Kreuz- und Hüftschmerzen, Diesdas. Mal wieder fühlte sich die letzte Stunde des Ausschlafens am erholsamsten an.

Angekündigt war nochmal perfektes Wanderwetter mit Sonne, Windstille, milder Luft, das wollte ich nutzen. Nachdem mir vor einer Woche das etwas deutlichere Auf und Ab des Tegernseer Höhenwegs gefallen hatte, erinnerte ich mich an den Bayrischzeller Höhenweg, den ich vor Jahren zweimal mit Herrn Kaltmamsell gegangen war und dessen Profil ich ähnlich im Kopf hatte. Da
– ich mir das vorherige Bloggen ein wenig zu gemütlich gemacht hatte,
– die Fahrt nach Bayrischzell dann doch mit anderthalb Stunden etwas weiter war und
– sich herausstellte, dass diese Verbindung nur stündlich bedient wurde (ländlich Wohnende rollen Augen: das kennen sie von JEDER öffentlichen Verbindung),
– ich zudem bei zu erwartendem Wandervolk-Andrang frühzeitig für einen Sitzplatz am Zug sein wollte,
machte ich mich sehr zackig fertig dafür.

Wieder mit den festen Wanderstiefeln für einfacheres Steigen in unwegsamem Gelände – in meiner normalen Wanderbesockung (zwei Paar alte Baumwollsocken) statt dicken als solche verkauften Wandersocken fühlten sich meine Füße nicht eingesperrt an.

Der dreiteilige Zug nach Tegernsee, Lengries, Bayrischzell war bereits ziemlich voll – und die leeren Plätze wollte man mir nicht überlassen. Auf mein “Ist da noch frei?” hörte ich:

1. “Nein, der/die ist/sind grad auf dem Klo.” Nach dem dritten solchen wunderte ich mich über die ungeahnten Kapazitäten bayerischer Regionalbahn-Klos.

2. „Da kommen noch welche!“

Dieses Sitzplatzbelegen in Regionalbahnen finde ich hiermit eine Unsitte: Dass nur eine*r aus einer verabredeten Gruppe früh am Start-Bahnhof sein muss, der Rest trödelt herbei oder steigt an den späteren Halten zu? Ich lege mich fest: Das ist unfair. Anständig ist es, sich am Start-Gleis frühzeitig zu verabreden und gemeinsam nach Plätzen zu suchen. Oder man sitzt halt nicht als Gruppe zusammen, sondern gruppiert sich erst am Ziel.

Diesmal lohnte sich mein Stehenbleiben: Von vier „reservierten“ Sitzen zweier Vierer-Buchten wurde nur einer (!) bis Abfahrt tatsächlich besetzt – und zwar von einer „ach ich hatte ganz hinten Plätze für uns belegt“.

Der Zug wurde sogar noch sehr voll mit wenigen verbleibenden Stehplätzen, unter den Fahrgästen viele mit Fahrrad oder Hunden, Geräuschkulisse reichhaltig. Ich hatte eine interessante Fahrt, unter anderem durch die Gespräche einiger sehr alter Frauen neben mir.

Kurz vor Ankunft am Endbahnhof Bayrischzell war der Zug leer genug geworden, dass ich bequem zum Klo kam (und diese Zugklo-Variante dokumentierte – Regionalbahnen haben meist Rollstuhl-taugliche Klos als Allgemein-Klos).

In Bayrischzell packte ich gleichmal meine Jacke weg, es war mild genug für kurze Ärmel. Slapstick-Einlage, als ich mich neben einem Bruckerl über den Legerwaldgraben herunterbeugte, um meine Wanderstiefel neu zu binden (fühlten sich zu locker an): Die Wasserflasche rutschte aus der Rucksack-Halterung und purzelte ins Bachbett. Seufzen, erstmal band ich meine Stiefel zu Ende. Blick auf die Gesamtsituation ergab, dass ich von der gegenüberliegenden Seite des schmalen Grabens gut ans Bacherl kam, auf Steinen übers eh sehr niedrige Wasser an meine Flasche. Andere Wanderer hatten mein Malheur gesehen und boten ihre Stöcke als Hilfsmittel ab, doch die brauchte ich gar nicht.

Jetzt aber endlich WANDERN. Es wurde ein angenehme Runde mit den erinnerten schönen schmalen Aufstiegen über Steine und Wurzeln hauptsächlich im Wald, über bequeme Abstiege auf breiten Wirtschaftswegen (so mag ich es, unwegsame Abstiege nicht so sehr), über weite Blicke. Auch andere waren hier unterwegs, allgemeines “Servus!”, auch wenn ich die sonstigen Unterhaltungen in ganz anderen Sprachen hörte, freundliches Aneinander-Vorbeilassen.

Sie haben eine Unterführung zum Kreuzen der vielbefahrenen Bundesstraße zum Wanderanfang gebaut: Herzlichen Dank für die zusätzliche Sicherheit – außerdem hätte die hiesige Jugend ja sonst gar keine Möglichkeit für Streetart, die ihnen nicht ein Donnerwetter der gesamten Nachbarschaft einbrockt.

So ging’s schonmal los, die Ausblicks-Malerizität des Tages war gesetzt.

Als “einfach”, wie in fast allen Wegbeschreibungen, würde ich die Strecke nun nicht bezeichnen: An dieser Stelle hangelte man sich mit einem Seil in der rechten Wand entlang – ich kenne einige geübte Wandersleut, die hier wegen Höhenangst gescheitert wären. Vielleicht gilt das Bewertungssystem aber Bergwanderungen, bei denen alles ohne Klettern “einfach” ist?

Dazwischen eine besonders hübsche Raupe als Filmchen bei instagram.

Von den passierten Almen war eine sogar noch in Betrieb:

Die Niederhofer-Alm war gut platziert für eine Pause und Brotzeit: Danach gab es auf dem Weg über anderthalb Stunden keine Gelegenheit mehr. Als für mich um halb zwei Pausenzeit war, nahm ich in Ermangelung eines Bankerls mit einem bequemen Stein in der Sonne Vorlieb.

Brotzeitstein rechts. Es gab Apfel, Feigen, eine dicke Scheibe französisches Landbrot.

Kurz darauf war der Weg energisch gesperrt, das sperrende Plakat warnte vor Forstarbeiten. Da ich nichts davon hörte und ja Wochenende war, nahm ich es nicht akut ernst und ging trotzdem weiter – ich hätte auch keine Umgehungsstrecke gewusst. Stellte sich heraus: Oh doch, da wurde mit riesigem, schweren Gerät forstgearbeitet, mehr als Wanderweg-breit. Verdutzt sah ich auf meinem Handy nach Ausweichmöglichkeiten (GPS ging, sonst mehrere Stunden kein Mobilfunkempfang), da hupte mich der Mann in der Führerkabine des Riesen-Geräts kurz an. Ich trat heran, grüßte, wurde nach meinem Ziel gefragt: “Bloß der Höhenweg…” Und bekam ein freundliches: “Na geh durch.” Dankeschön – mir ist völlig klar, dass bei solchen Waldarbeiten keine großen Kommunikationskampagnen einberechnet werden, die uns paar Wochenend-Ausflügler*innen berücksichtigen.

Erst nach einer halben Stunde Weg endete die Sperrung – noch energischer als die Gegenseite.

Jetzt ging es konsequent bergab, die letzte gute Stunde im engen Tal nach Bayrischzell.

Schon ein schöner Weg, aber halt auch eine gute Stunde parallel zur lauten Straße.

Insgesamt eine nette Wanderung, ganz hervorragend ausgeschildert – aber ich nahm mir vor, mich in der Gegend Schliersee-Bayrischzell nach Alternativen umzusehen.

Auf diesem letzten Stück hatte ich Lust, das Tempo nochmal anzuziehen, auch um mich im kühlen Tal warm zu gehen (Körper spielte gestern hervorragend mit) – was zufällig dazu führte, dass ich nach knapp fünf Stunden Wanderung genau beim Einfahren des Zugs zurück am Bahnhof eintraf: Ich hatte extra nicht auf den Fahrplan geschaut, sondern mich gezwungen, die Abfahrt halt zu nehmen, wie sie kam, aber mein Wandertempo NICHT davon ablenken zu lassen – dann hätte ich halt bis zu einer Stunde warten müssen.

Pflanzenlernen mit der App Flora Incognita:

Gewöhnlicher Fransenenzian

Deutscher Kranzenzian

Locker besetzte Rückfahrt.

Schliersee.

Ich war sehr müde, nickerte auch ein bisschen ein. Ausstieg wieder am Harras, U-Bahn zum Sendlinger Tor mit Oktoberfest-Cosplayer-Begleitung.

Daheim machte ich mich nach Auspacken an die Zubereitung des Nachtischs: Apple Crumble aus Elstar-Äpfeln vom Markt. Die Backzeit nutzte ich für eine Einheit Yoga: Die Rücken-Folge von Maddy Morrison.

Als Nachtmahl erfüllte mir Herr Kaltmamsell wieder einen Wunsch:

Chinesische Auberginen süß-sauer – köstlich. Nachtisch reichlich Apple Crumble mit flüssiger Sahne.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 25. September 2026 – Einerseits herrliches Wetter, andererseits Oktoberfest

Samstag, 26. September 2026 um 8:14

Trotz sehr frühem Start bis Weckerklingeln geschlafen. Freude bei Aussicht auf Freitagabend, bis dahin Zähnezusammenbeißen.

Sonniger, einstellig kalter Morgen. Freude über Outfit-Idee des Tages (außer Socken und Schuhen alles alter bis sehr alter Bestand).

Goldene Morgensonne verschönte meinen Arbeitsweg.

Überraschung am Bavariaring:

Schlange am Okoberfesteingang um 07:30 Uhr, aufgemacht wird um 10 Uhr. Ich begann mich bereits vor meinem Heimweg zu fürchten und beschloss, nächsten Freitag von daheim zu arbeiten.

Selbst einer Radlerin wurde die Durchfahrt den Bavariaring entlang vorm Eingang verweigert. Als sie protesierte, sie arbeite doch aber am Bavariaring, ließ man sie durch, aber mit dem Hinweis: “Auf eigene Gefahr!”
(Darf ich mich daran erheitern, dass die Security-Leute um die Theresienwiese zu 95 Prozent aus PoC bestehen, und zwar muslimisch und nordafrikanisch gelesenen – die bei Polizeikontrollen fast immer als erste rausgezogen werden?)

Der Arbeitstag gestaltete sich machbar, anstrengend war eher die menschliche Seite.

Mittagscappuccino aus der Cafeteria, weil mir Sonnenschein von wolkenlosem Himmel vor allem große Sehnsucht nach einem möglichst ausgedehnten Marsch um die Blöcke machte. Der war dann auch herrlich.

Mittagessen Birnen, Feigen, Hüttenkäse.

Auch am Nachmittag hatte ich noch zu tun, kam aber pünktlich raus.

Einkäufe beim Vollcorner, ab dann wurde der Heimweg nur fast so unangenehm wie befürchtet: Ich achtete natürlich vor allem auf die Leute, die VOM Oktoberfest kamen und außer Selbstkontrolle waren. Einer benötigte die gesamte Gehwegbreite an der Schwanthalerstraße fürs Vorwärtskommen, ich rannte schnell vorbei.

Fürs Abendessen war ich zuständig: Ich erledigte die Kutteln auf römische Art von unserer Kochliste, damit ich mir auch mal wieder spontan etwas anderes wünschen durfte (Herrn Kaltmamsells Augenbrauen sich bei diesen Wünschen nicht mehr sehr weit nach oben bewegten).

Während der letzten Gar-Phase gab’s zum Aperitiv und Wochenendfeiern Negroni mit arabischen Nüsschen.

Die Kutteln wurden leider gar nicht so, wie ich sie mir vorgestellt und in Erinnerung hatte, die Sauce eher gemüsig als sämig, ich hatte ein schlechtes Rezept erwischt.

Schmeckte ok, war halt nicht das, was ich angepeilt hatte. Dazu ein sizilianischer Gallo, dem wohl die Lagerung in unserem Kammerl über den heißen Sommer nicht gut getan hatte: Er schmeckte stark oxidiert und nach Sherry. Mei, hatte trotzdem entspannende Wirkung.

Nachtisch Schokolade, früh ins Bett, das der Vollmond beschien.

§

Wieder jemand nutzt die Bahn mal außerhalb Deutschlands und erkennt dabei die positiven Seiten der Deutschen Bahn:
“Mit Bahn und Bus in Finnland unterwegs”.
(Jajaja, Verlässlichkeit wäre dennoch sehr, sehr schön.)

§

Dafür mag ich Krautreporter und zahle für mein Abo: Dass sich die Redaktion immer wieder blind weitergereichte Medien-Aussagen genauer ansieht und mit verfügbaren aktuellen Daten abgleicht. In diesem Fall die oft erhobene Behauptung: KI verringert die Anzahl von Arbeitsplätzen und vergrößert Arbeitslosigkeit. Für Sie als Geschenk:
“KI klaut dir erst mal nicht den Job”.
(Was sich aber durchaus belegen lässt: KI verändert die Arbeitswelt und vergrößtert gesellschaftliche Ungleichheit.)

§

In der gestrigen Süddeutschen eine großartige Folge “Reden wir über Geld” (jede Antwort Gold): Juristin und Kunst-Bewerterin Sasa Hanten (€).
“‘Eine Kunstsammlung ist keine gute Anlageidee'”.

Es geht los mit:

SZ: Sasa Hanten, reden wir über Geld. In Frankfurt steht das berühmte Euro-Zeichen vor der ehemaligen EZB-Zentrale. Sie haben die Skulptur mal Ihre „Jugendsünde“ genannt. Waren Sie jung und brauchten das Geld?

Sasa Hanten: Ich sage ja immer: Ich war jung und hatte das Geld. Ne, der Künstler der Skulptur, Ottmar Hörl, hatte das Angebot, zur Bargeldeinführung des Euro eine Skulptur zu machen. Ich war jung, in einer Kanzlei angestellt und mein Chef meinte: „Ich habe keine Ahnung von Kunst, ich muss mich da auf dich verlassen.“ Also habe ich Hörl vertreten.

Und was war die Sünde?

Meine Jugendsünde war, dass ich mir dabei eine kleine Unverschämtheit geleistet habe. Die bezog sich auf die Zeit, die das Ding da stehen sollte, 90 Tage. Für Künstler hört es sich nach sehr viel Geld an, wenn sie für ein öffentliches Projekt einen Auftrag erhalten. Aber viele verstehen den Unterschied zwischen brutto und netto nicht. Wenn man die Euro-Skulptur richtig kalkuliert hat, inklusive Handwerker, Auf- und Abbau, war alles sehr aufwendig. Ich habe mir gedacht: Den Abbau sparen wir uns. Und dann habe ich eben gespielt.

Gespielt?

Ja, spielen ist für mich etwas Positives. Ich habe in den Vertrag eine Klausel geschrieben, dass die Stadt nach den 90 Tagen Eigentümerin wird. Die meisten Leute lesen keine Verträge durch und vor allem Männer gehen oft davon aus, dass alles zu ihrem Vorteil ausgeht. Nach 90 Tagen hat jemand von der Stadt angerufen, wir sollen die Skulptur abbauen lassen. Da habe ich gesagt: „Die gehört uns doch gar nicht.“ Das gab mehrere Runden der Empörung, ich hatte Herzklopfen bis zum Hals. Aber ich habe es durchgesetzt.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 24. September 2026 – Der Oktoberfestdruck steigt

Freitag, 25. September 2026 um 6:21

Zu überraschend milden Temperaturen, aber bedecktem Himmel aufgestanden. (Und mit überraschenden LWS-Schmerzen, Ibu gleich zum Frühstück.)

In der Arbeit Arbeit, mein inneres Maulen legte sich bei einer Recherche und Nahezu-kreativ-Aufgabe, die ich mir auf gestern gelegt hatte.

Mittags raus auf einen Cappuccino, in ein paar Regentropfen kaufte ich auf dem Rückweg auf dem Markt Äpfel. Zwei davon gab es später als Mittagessen (SO! gut) dann noch SkyJoLei.

Nachmittags arbeitete ich weiter an der guten Aufgabe.

Heimweg mit größerem Bogen ums Oktoberfest, diesmal auch mit Bögen um einige entgegenkommende Betrunkene, deren Torkeln ihren Weg unberechenbar machte. Das nahende Wochenende zeigte sich in deutlich mehr Menschen, auch auf den Wegen zwischen Öffentlichen Verkehrsmitteln Richtung Theresienwiese.

Oktoberfest-Verkleidung unterliegt natürlich genauso Trends wie jede andere Bekleidung, dieses Jahr habe ich mangels Flucht nach Langem mal wieder die Gelegenheit, sie zu verfolgen. Während in den Vorjahren mal Hütchen die Damen-Köpfe überm Dirndl zierten, mal Kunstblumenkränze (das war verstörend: Almabtrieb-Assoziationen), trägt die modische Oktoberfest-Cosplayerin heuer zum Dirndl (tendeziell Samt und Spitze) recht konsequent Stiefeletten. Halbschuh-Trend zum Dirndl: Slingback-Pumps.

In der Landwehrstraße Einkäufe für den Freitagabend beim Süpermarket Verdi und im Laden mit arabischen Nüsschen.

Daheim verabschiedete ich noch Herrn Kaltmamsell, der abends einen Berufstermin hatte. Dann turnte ich Yoga, mit nur einem Schmerzensschrei (nach linkem Seitstütz im T bei Rückkehr in Plank). Zum Nachtmahl verarbeitete ich den Ernteanteil-Radicchio mit frischen Feigen, Tegernseer Camembert (mit quarkigem Kern, wunderbar) und gerösteten Walnüssen.

Sehr, sehr gut. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, vor lauter Müdigkeit aber gleich Lichtaus ohne Lesen.

§

Frau BIG PHARMA Brüllen nahm sich die Zeit zu erklärbärn, und zwar ihren Job, der zwischen Wirkstoffentwicklung und Verkäuflichkeit an sowie Wirkung bei Patient*innen liegt. Darin unter anderem: In wie viel Vorleistung ein Pharma-Unternehmen geht, ohne bereits zu 100 Prozent zu wissen, ob die Wirksamkeit überhaupt wasserdicht bestätigt wird.

Was nachträglich nochmal erklärt, warum man die Corona-Impstoffe nicht so einfach mal in den armen Ländern produzieren lassen konnte, die sie dringend benötigten.
(Außerdem assoziiere ich, seit ich mich beruflich mit Massenfertigung in der Industrie beschäftige, so manche großartige Entwicklung bis zum Prototypen oder Möbel-Entwürfe, bei denen ich erstmal denke: “Super! Und JETZT bringt das mal in Serie.”)

§

Bislang ging ich davon aus, dass “Protein” in der Lebensmittel-Industrie halt das “KI” in der Technik ist: Wenn man’s aufs Produkt draufschreiben kann, verkauft sich’s besser. Doch bei näherer Betrachtung sind die Marketing-Mechanismen dahinter doch ganz interessant: Wie kam es eigentlich zu diesem Hype?

Wie alles in der Ernährungsforschung mit ihren vielfältigen methodischen Fallstricken ist es halt kompliziert:
“Der Protein-Irrtum: Forscher warnen vor Folgen für den Stoffwechsel”.

Auch diese Überschrift führt übrigens in die Irre und ist dem überdurchschnittlich gründlichen Artikel (er verlinkt sogar die Originalstudie !!111!) nicht angemessen. Damit Sie den wichtigen letzten Absatz nicht übersehen, zitiere ich ihn hier:

Zudem handelt es sich bei der Arbeit um eine Übersichtsarbeit, also um die Zusammenschau vorhandener Studien und nicht um neue Experimente. Wie sich eine dauerhaft eiweißarme Ernährung auf die menschliche Lebenserwartung auswirkt, ist schlicht nicht untersucht. Und so kommt Dudley Lamming nur zu einer zurückhaltenden Handlungsempfehlung: “Wir müssen Proteinempfehlungen wahrscheinlich nicht nur nach dem Alter personalisieren, sondern auch danach, wie körperlich aktiv Menschen sind.”

Hervorhebung von mir.

Dabei habe ich selbst eine Zeit lang auf Eiweiß-reiche Ernährung geachtet: In den 1990er trieb ich sehr viel Sport, fast täglich mehrere Stunden in einem Fitnessstudio Aerobics und Krafttraining (Gymnastik). Irgendwann hatte ich Schmerzen am Ende der Trainigseinheit oder kurz danach, sie fühlten sich an wie Muskelkater – doch das konnte zeitlich nicht hinhauen (Muskelkater eher 12 bis 24 Stunden nach Belastung), außerdem war ich doch super trainiert. Als ich die Chef-Trainerin darauf ansprach, die mich ja täglich turnen sah, fragte sie, wie viel Eiweiß ich denn zu mir nähme. Nein, bei so viel Sport reiche Alltags-Eiweiß nicht, meine Schmerzen rührten sehr wahrscheinlich von Eiweißmangel. Also holte ich mir hin und wieder an der Fitnessstudio-Theke einen Eiweiß-Drink und nahm an die Uni zur Brotzeit Quark und Hüttenkäse mit. Das funktionierte.

§

Ausführlicher Satire-Thread über die Auswirkungen der Berliner Wahlergebnisse (leider nur für eingeloggte Bluesky-Accounts sichtbar).

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 23. September 2026 – Geschichten aus dem Dantebad

Donnerstag, 24. September 2026 um 6:25

Ein Traum brachte mich derart auf, dass ich alle Kraft benötigte mich davon zu überzeugen, dass das EIN TRAUM! war.
Nämlich: Am Ende einer Einladung bei uns daheim hatten Gäste Herrn Kaltmamsell und mir ein großes Sportgerät plus eingepacktem Zubehör geschenkt. Ich war in Hektik, weil ich zum Flughafen musste um zu verreisen, nahm ich das Geschenk einfach zusätzlich zu meinem Gepäck mit. Und dann saß ich am Flughafen zwischen fünf großen Gepäckstücken, wusste aber, dass ich nur zwei einchecken durfte, musste den Rest also irgendwie loswerden, als erstes fiel mir mein Vater ein, der es abholen konnte, von Ingolstadt aus war es ja nicht weit, doch vor lauter Aufgebrachtheit (ging weit über Aufgeregtheit hinaus) schaffte ich es nicht mal, auf meinem Handy Apps zu schließen, um an die Telefonier-Funktion ranzukommen, ich wurde immer hektischer und verzweifelter – und wachte davon endlich genug auf, um mich einzufangen: Das ist ein Traum! Du musst keine Lösung finden! Das ist nicht echt!
So heftig emotional war schon lang kein Traum mehr gewesen.

Tatsächlich schaffte ich es auch, noch ein wenig einzuschlafen vor früher gestelltem Wecker, stand aber reichlich durch den Wind auf. Dennoch kam ich gut los für meine Schwimmpläne. Draußen war es wie angekündigt scheißkalt (erste Handschuh-Gedanken), kurz vor sieben sah ich die ersten Atemwölkchen der Saison. Unterwegs erkannte ich einen Mann wieder, der bislang noch jedes Mal mit derselben U-Bahn wie ich zum Westfriedhof fuhr, von dort wie ich zum Dantebad ging – ob er das wohl an jedem Montag, Mittwoch, Freitag tut? Auf meiner Schwimmbahn identifzierte ich niemandem, als den ich ihn vermutet hätte.

Über dem Schwimmbecken lag dicker Dampf, das Wasser war auf Wintertemperatur hochgeheizt. Das empfand ich erstmal als zu warm, dann aber ging es – zumal ich die prophylaktische Ibu vergessen hatte und auf die heilende Wirkung der Wasserwärme setzte.

Die Sonne ging golden auf, bereits sehr herbstlich weit rechts und niedrig, aber zu wolkenlos blauem Himmel, und bestrahlte die erste Ahnung von Herbstlaub. Diesmal brauchte ich keine Pinkelpause, das werde ich alles ins soachwarme Wasser geschwitzt haben. Doch mein Gemüt kam aus dem Mittelgrau nicht recht heraus, die sensationell kitschigen Anblicke links und rechts beim Luftholen kamen nicht richtig bei ihm an.

Wieder schwamm ich neue Rekordzeit, diesmal könnte ich aber nicht beschwören, ob ich mich nicht doch einfach verzählt habe.

Große Liebe für Sammelumkleiden.
Während ich in Unterwäsche (wegen Nachschwitzen) im Spiegelbereich der Sammelumkleide Haare föhnte, hörte ich aus dem Gang bei der Eingangstür: “Oh nein, das geht wirklich kaputt. Ich brauch eine Goldschmiedin.”
Sofort aus dem hinteren Gang: “Ich bin Goldschmiedin.”
Eine Frau in blauem Sport-Bikini und oranger Bademütze ging rüber zum Türgang, ich hörte Beratung zu Löten versus Schmieden (es ging um ein Armkettchen).

Weiterer Female Locker Room Talk: “Die größte Bedrohung für das Patriarchat ist eine Frau, die sich völlig in Ordnung findet.”

Und DANN war da noch die Frau in der Umkleide, die beim Eincremen ihrer Beine melodiös vor sich hin summte.

Für alle Fälle zum Mitschreiben: Der Widerstand wird von Damen-Sammelumkleiden aus organisiert werden. Was Schwimmbewegung und Sonnenschein nicht geschafft hatten, bewirkte jetzt dieses entzückende Menscheln: Mein Gemüt wurde hell, ich freute mich wirklich am Tag.

Homerstraße, hinter mir der Eingang zum Dantebad.

Die U-Bahn-Fahrt in die Arbeit wurde zwischen Hauptbahnhof und Theresienwiese besonders interessant: Reichlich Oktoberfest-Bedienungen, wie ich auf dem Weg in die Arbeit. Allerdings deutlich anders ausgestattet.

In der Arbeit wurde es emsig, ich hatte die seltene Gelegenheit, eine hochgeschaukelte, scheinbar komplexe Angelegenheit durch Bodenständigkeit und einfach Machen über die Ziellinie zu bringen (habe ich mich gerade als “unkompliziert” bezeichnet?).

Drumrum Gewirbel und Querschüsse, erst spät kam ich raus auf meinen Mittagscappuccino – diesen Marsch wollte ich in weiterhin sensationellem Sonnenschein mit lediglich etwas Wärme unbedingt haben. Und er war herrlich.

Zu Mittag gab es Birnen sowie Skyjolei.

Ruhigerer Nachmittag, draußen lachte weiter die Sonne.

Heimweg direkt, also über den Bavariaring – von dem mich Oktoberfest-Sicherheitskräfte scheuchten, weil er hier nur als Zugang zum Oktoberfest fungierte. Aber ich musste nur einen kleinen Umweg laufen.

Daheim holte ich lediglich Herrn Kaltmamsell ab: Wir waren zu einem Abendessen im Weißen Bräuhaus verabredet, das wir seit Jahren auf der Liste haben.

Nämlich deswegen. Das Weiße Bräuhaus ist für seine Innereienküche berühmt, unter anderem wird hier laut einigen Quellen Montag bis Mittwoch gebackenes Kuheuter angeboten. Nach dem musste wir allerdings fragen, es stand nicht auf der Speisekarte. Die ausgesprochen rustikale Kellnerin stritt auch erstmal ab, dass es das gebe, ließ sich aber übereden, in der Küche nachzufragen. Und da hatten wir es. Schmeckte gut, aber wenig besonders (anders als Leber, Niere, Milz, Lunge). Wir hatten noch Platz für einen geteilten Kaiserschmarrn, der sehr deftig und reichlich karamellisiert war.

Nach Hause in nahezu milder Luft.

§

Senta Berger (<3 <3 <3) kürzlich in der Talk-Runde “Kölner Treff” – bezaubernd und mit interessanten Aussagen übers Altwerden.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/FRfex-ex6j0?si=1GVfWfEcYKm3DMCu

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 22. September 2026 – Wirklich ereignisloser Arbeitstag

Mittwoch, 23. September 2026 um 6:02

Ein Post, der definitiv in die Kategorie Gehen-Sie-weiter-es-gibt-nichts-zu-sehen fällt.

Recht gute Nacht, allerdings haben sich die LWS-Beschwerden in (niedrigen) Dauerschmerz verwandelt. Nachdem ich eh geplant hatte, meinen täglichen Bankstütz um die (zum Jaulen schmerzhaften) Seitstützen zu kürzen, beschloss ich jetzt, dass Aussetzen besser tun könnte als Durchziehen mit Gewalt (GEHT DOCH!).

Der Morgen war zapfig frisch, ich stellte auf den Winter-Lüft-Rhythmus um: Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad nach Duschen immer nur einige Minuten. Für den Weg in die Arbeit kam zum leichten Janker ein Stoff-Schal.

Mittel turbulenter Arbeitsvormittag, darin aber schönes Menschliches, u.a. Gespräch über verschiedene Typen Wünsche und Ziele beim Reisen: entlang Touristen-Hotspots vs. Neugier auf Leben und Alltag in fremden Ländern (Menschen sind verschieden). Außerdem wurde mir ein Sizilien-Reiseführer geliehen für nächstes Jahr.

Mittags raus auf einen Mittagscappuccino, es war weiterhin kalt. Am anmarschierten Ort stand eine lange Schlange, also drehte ich lediglich eine Runde und holte mir den Cappuccino in der Cafeteria des Bürohauses.

Dann erstmal eine längere Besprechung, das Mittagessen verspätete sich. Es gab jungen Kohlrabi aus Ernteanteil (roher Kohlrabi hat seine Geschichte als Diät-Schulpause meiner Kindheit längst hinter sich gelassen und schmeckt mir wirklich sehr gut), Bananen, Feigen, Nüsse. Ein paar Stunden später musste ich allerdings erkennen, dass rohe Kohlrabi ähnliche Auswirkungen haben wie rohe Karotten: Bauchweh. Ach meia.

Den Arbeitsnachmittag überstanden. Auf dem Heimweg (schon sonnig, aber weiterhin kalt) Drogerie-Einkäufe sowie ein Balkanbrot fürs Abendessen.

Zu Hause Waschmaschine gefüllt und eingeschaltet, Schwimmzeugtasche für den Lerchenschwumm am nächsten Tag gepackt (ich fange gleich mal mit dem Dantebad-Gönnen zu Winterpreisen an), Brotzeit-Vorbereitung, eine kurze Folge Yoga mit ruhigen Dehnungen, dabei hin und wieder LWS-Jaulen – ich nähere mich dem Ende des 30-Tage-Programms “Move” von Adriene.

Zum Nachtmahl griff sich Herr Kaltmamsell den zweiten Ernteanteil-Kohlrabi und servierte ihn tonnato (sehr gut). Außerdem gab es Käse und Brot.

Nachtisch Schokolade.

Wäscheaufhängen, früh ins Bett zum Lesen, Vorfreude aufs Schwimmen, Sorgen über LWS-Schmerzen.

§

Dass die Sonnenstrahlen an einem bestimmten Datum in einer bestimmten, magischen Weise durchscheinen: Kennen wir von antiken oder sogar prähistorischen Bauwerken – und sei es durch Hollywoodfilme, die daraus Enthüllungseffekte drechseln. Gestern war Equinox, also Tages- und Nachtgleiche, und ich lernte, dass man an diesem Tag im modernen Chicago diesen Effekt sieht – wie an anderen Daten in anderen amerikanischen Städten, magisch oder nicht.
“What the equinox ‘henge’ effect tells us about U.S. cities”.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 21. September 2026 – Einblick in die Zahnchirurgie

Dienstag, 22. September 2026 um 6:39

Änderung im Montagmorgen-Rhythmus: Termin beim Zahn-Chirurgen um 8 Uhr (Beratung wegen Implantat für den abtrünnigen Zahn im Oberkiefer). Wie angekündigt hatte der Regen der Nacht aufgehört, aber es war Langhosen-und-Janker-kalt (in diesem Wärmungsgrad besitze ich nur Janker, die für mich perfekten Herbstjacken, und fürchtete bereits, in Vertrachtelungs-Ruch zu geraten).

In der zahnchirurgischen Praxis lernte ich einen freundlichen Herrn Professor kennen, außerdem Bayern-3-Beschallung: Selbst irgendeine Radio-Beschallung von Arztpraxen ist mir sei vielen, vielen Jahren nicht mehr begegnet (wird man als Arztpraxis eigentlich an den Werbeeinnahmen beiteiligt? Ich musst zwei Blöcke ertragen und weiß jetzt, dass es sowohl die ultranervige Muesli- als auch die für Autofenster-Reparatur noch gibt). Außerdem bekam ich eine schicke 3D-Aufnahme meines Oberkiefers: Ich gehe davon aus, dass das Gerät, das da um meinen Kopf herumkreiste, mich notfalls auch gebeamt hätte.

Kleiner Triumph: Ich wurde nach aktueller Erkältung gefragt, denn meine linke Nebenhöhle sei entzündet (Prof. Dent. deutete auf eine Schleimhaut, die dreimal so dick war wie rechts). Das ist die Nebenhöhle, die ich seit Jahrzehnten u.a. wegen Schmerzen für chronisch entzündet halte, was aber mehrere HNO-Ärzt*innen nach Ultraschall-Untersuchung bestritten.

Nächste Woche nächster Termin, danach kenne ich die Kosten für den Luxus-Zahn. Nächstes Jahre werde ich 60, ich könnte ja mal wieder feiern. Und wo andere sich gemeinschaftlich ein Gravel-Bike oder eine Profi-Espressomaschine schenken lassen, könnte ich für das Implantat sammeln – viel mehr altersgemäßes Geschenk geht ja wohl nicht. Wenn noch was übrig ist: Zuschuss zur nächsten Gleitsichtbrille.

Ich fürchte ja schon, dass dieses Foyer der Arztpraxis in irgendeiner Form im Kostenvoranschlag auftauchen wird.

Ins Büro kam ich eine gute Stunde später als sonst, und diesmal war ich vermisst worden: Technische Turbulenzen, ich hätte für einen Dienst einspringen sollen – jetzt halt mit Verspätung.

Technisch und menschlich turbulent ging’s weiter, dennoch rannte ich mittags raus auf eine Runde um die Blöcke und Obsteinkäufe.

Der Postillon hat keine Chance mehr.

Die Sonne schien blass, wärmte zumindest genug für Jackenöffnen.

Zu Mittag gab es Feigen, Apfel, SkyrJoghurtLeinsamenschrot.

Der Nachmittag ging ähnlich weiter, allerdings war mir mehr atmen möglich. Kurz vor Feierabend ungewöhnlicher Zwischenhunger, den ich mit gemischten Nüssen stillte: Ich wusste, dass ich nicht zu Yoga kommen würde, brauchte also keinen leeren Magen.

Heimweg mit kurzem Einkaufsstopp beim Vollcorner. Ich wich mit nur einem kleinen Haken von meiner sonstigen Route ab, um den dichtesten Oktoberfestmassen zu entkommen; wie berechnet waren sie an einem Montag nicht zu arg.

Zum Nachtmahl waren Herr Kaltmamsell und ich mit der US-Verwandtschaft auf Europa-Besuch verabredet: An ihrem letzten Abend vor Rückflug nach Florida wollten wir Herrn Kusin und Mann sehr gerne nochmal sehen.

Wir trafen uns am Stachus, von unseren Gaststätten-Angeboten wählten die Gäste das nächstliegende: Traditionell deutsche chinesische Küche im Shanghai über der Sonnenstraße. Wir aßen gut, vor allem ließen wir uns von den Erlebnissen der beiden in Madrid und Córdoba erzählen: Hotels (aus der Perspektive zweier alter Gastro-Hasen immer besonders interessant), Kunst, Sehenswürdigkeiten, Stimmung, Menschen, Essen – sie waren begeistert. Nicht allzu späte herzliche Umarmungen zum Abschied.

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Lukas Rietzschel, Sanditz

Zu diesem Roman, 2026 veröffentlicht, möchte ich doch noch das eine oder andere festhalten, ich empfehle ihn nämlich.
Wieder ein Roman, der die letzten Jahre der DDR erzählt und den Übergang in die Bundesrepublik bis fast in die Gegenwart. Doch Rietzschel ist erst 1994 geboren, kennt diesen Umbruch also nicht aus Selbsterleben – das schafft eine spezielle Art von literarischer Verarbeitung, die ich als künstlerisch freier empfinde als wenn erst die eigene Belastung überwunden werden muss. Doch Rietzschel ist auch Sachse, in einer Umgebung geboren und groß geworden, in der die Zeit der Romanhandlung lebendig ist.

Diese Handlung springt zwischen den 1980ern und 2020ern, nimmt kapitelweise auch Jahre und Phasen dazwischen mit. Wir lernen viele Mitglieder der Familie Wenzel kennen, in DDR-Zeiten protestantischen Untergrund, Stasi-Repressionen, schwule Liebe und als stärksten Gegenwartsbezug aktive Teilnahme am Krieg in der Ukraine (mit furchtbaren menschlichen Grässlichkeiten).

Über allem liegt drückend die Last des Lebenmüssens, sich irgendwie durchwurschteln, sich nicht verlieren – die Bezeichnung “Gesellschaftsroman” scheint mir passend. Ich empfand diese Welt als durch und durch glaubwürdig, gewann viele der Figuren lieb.

die Kaltmamsell