Journal Samstag, 17. September 2016 – Laufen in Dauerregen

Sonntag, 18. September 2016 um 9:19

Wieder um 5 Uhr hochgeschreckt. Diesmal nahm ich eine Stunde Herzklopfen in Kauf, ich konnte danach ja ausschlafen.

Es regnete überzeugend und unaufhörlich. Das nahm mir die Lust auf einen allerallerletzten Schwumm im Schyrenbad, aber nicht den Bewegungsdrang – vor allem möglichst weg von Oktoberfestumtrieben.

Ich zog meine Laufwindjacke an, setzte eine Schirmmütze auf und nahm die U-Bahn zum Odeonsplatz. Plan war, vom Odeonsplatz über Hofgarten und Englischen Garten an die Isar zu traben.

Schon das U-Bahn-Ziel klappte nicht: Der Bahnhof Odeonsplatz wurde ohne Halt durchfahren, weil gestern zusätzlich zum Oktoberfeststart die Großdemo gegen Handelsabkommen die TTIP und CETA stattfand, und zwar genau da. Ich konnte also erst an der Universität aussteigen.

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Alle weiteren Fotos sind verschwommen, weil die Linse nass war.

Ich lief entspannt und nahezu schmerzfrei, freute mich an den menschenleeren Wegen. Allerdings lief ich länger als geplant: Die Straßenbahn vom Tivoli fuhr nicht (Großdemo), ich musste wieder zurück bis zum U-Bahnhof Universität. Dass ich sehr nass geworden war, machte gar nichts, denn mir war nicht kalt. Mich störte nur das Beschlagen meiner Brille.

Nachmittags Geburtstagskuchen für Herrn Kaltmamsell gebacken; er wünschte sich Zitronenkuchen, ich probierte ein neues Rezept aus.

Abend nahm ich den Fitnesstracker in Betrieb, den ich mir auf die Empfehlung eines Elektronikfachmanns dann doch zum Ausprobieren von sowas bestellt hatte: Xiaomi Mi Band 2. Einstellung und Kontoanlegen funktionierten problemlos, allerdings las ich gleich mal, dass das Gerätchen nicht wasserdicht genug fürs Schwimmen ist. Genau das war eigentlich mein zentraler Wunsch gewesen: ein Tracker, der alle Sportarten inklusive Schwimmen erfasst. Zudem habe ich bislang keinen Hinweis gefunden, dass man irgendeinen Sport manuell eingeben kann.

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Auf FAZ.net Neues zum alten Thema Essstörungen: Wenig überraschend nehmen sie zu, und die Patientinnen werden immer jünger.
„Hungerwahn“.

Die Ursachen von Anorexie waren und sind vielfältig, heutzutage scheinen aber immer mehr Trigger hinzu zu kommen.

Die vegane Modewelle greift wie eine Krake um sich, besonders unter jungen Menschen. „Das ist mittlerweile eine Jugendbewegung“, sagt Imgart. Leider, wie er findet. Denn vegane Ernährung und Essstörung – das liegt häufig nicht weit auseinander. Sein bayrischer Kollege Voderholzer macht die gleichen Erfahrungen. Nicht selten liege das vegane Essen im Vorfeld der Essstörung. Denn wer vegan isst, beschäftigt sich zwangsweise übermäßig mit seiner Ernährung, um herauszufinden, was er überhaupt noch essen darf. Die Ernährung wird immer einseitiger, auf immer weniger Nahrungsmittel beschränkt. Das Vegan-Essen kann zum Zwang werden; und Magersucht hat viel mit Zwängen zu tun. Und mit Verboten, die man sich selbst auferlegt: „Wir haben das äußere Korsett, das Frauen früher tragen mussten, durch ein inneres ersetzt“, meint Imgart dazu.

Anders als die Autorinnen interpretiere ich den Berufswunsch der meisten Erkrankten nicht als Bedürfnis, anderen zu helfen: Anorektikerinnen und Bulimikerinnen wollen deshalb zum größtenteil in die Ernährungsberatung gehen, um ihre Obsession nicht aufgeben zu müssen.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 16. September 2016 – Sex, Lies, and Videotape

Samstag, 17. September 2016 um 9:43

Diese Tage voll Angst, Herzklopfen, Machtlosigkeit und Zusammennehmen haben dazwischen ja auch Nächte. In denen das Zusammennehmen nicht mehr funktioniert, das Herzklopfen mich hochjagt. Mal um halb 4, um 4 Uhr, mal um 5.
Ich nehme es wie’s kommt, was bleibt mir übrig. Und so dachte ich mir Donnerstag schon beim Einschlafen (geht meist gut): Wenn ich wieder so früh hochschrecke, nutze ich die Zeit bis zur Arbeit einfach für Sport.
Was ich dann auch tat, ich holte mit Fitnessblender den Kraftsport vom Dienstag nach, zumindest Bauch und Rücken.

Die zerbröselte Kante meines oberen Schneidezahns wurde mittlerweile renoviert, Karottenabbeißen geht wieder.

Wie geht man am Beginn zweier Urlaubswochen mit dem Wissen um, dass sie enden werden?

Gestern Abend war ich allein, wollte mich dringend ablenken. Ich erinnerte mich dran, dass ich den Film Sex, Lies, and Videotape schon sehr lange mal wieder sehen wollte. 1989 hatte er mich im Kino völlig umgehauen, ich denke sehr oft an den Film, habe viele Bilder davon im Kopf. Also sah ich ihn an.

Ich bleibe dabei: Einer der besten Filme meiner persönlichen Filmgeschichte, dieses kleine Kammerspiel, mit dem Steven Soderbergh sich damals auf die Landkarte des Kinos setzte. Das Drehbuch, die Dialoge (an einer Stelle sogar realistisch durcheinander), die Kamera (immer wieder sehr lange Einstellungen, die mir beim Gucken Zeit lassen, eine Szene zu füllen), die Schnitte (darunter ein bedeutungstragender Bruch mit Realismus): Alles so sorgfältig, aussagekräftig (wenn Konventionen auftauchen, dann um etwas damit zu machen), praktisch perfekt. Andie MacDowell kannte damals niemand, und sie spielt derart gut. Peter Gallagher habe ich hier kennengelernt – und kann ihn seither in keiner Rolle sehen, ohne das Anwaltarschloch John dazuzudenken. Laura San Giacomo und wie sie als Cynthia sagt „Ann. Bishop. Mullany.“ – habe ich seit 27 Jahren vor Augen. James Spader gab es bis damals für mich nicht, und er darf leise so atemberaubend spielen wie – ich müsste erst lang nachdenken, um Vergleichbares zu finden.

Zu quengeln hätte ich höchstens (beim ersten Sehen wie gestern), dass der Fernsehbildschirm im Film eindeutig nicht die Bilder zeigt, die die Videokamera aus der gezeigten Perspektive aufnehmen konnte. Schlucke ich als künstlerische Freiheit hinunter.

Das Gegenüberstellen zweier Arten von Erotik (großhirnlose Fleischeslust/neurotisch gefesseltes Verlangen), was alles nicht erklärt wird (z.B. Cynthia und Topfpflanzen), die Lebensphase meist Ende 20, in der Menschen sich eigentlich für einen grundsätzlichen Weg entschieden haben – und hier die Chance bekommen, ihren tatsächlich eigenen zu finden. Und dann der Zeithintergrund Ende der 80er mit seinen hochtaillierten Röcken und Jeans (Letztere gerade an Graham auffallend) und Blümchenkleidern, Cowboystiefel zum schwarzen engen kurzen Rock und nackten Beinen. Und dann konnte Soderbergh in seinem Erstling auch noch etwas, was die meisten bis ans Lebensende nicht schaffen: Den Film gut zu Ende bringen, in Bild, Timing und Ton.

Was ich völlig vergessen hatte, war die Musik von Cliff Martinez, die die Atmosphäre maßgeblich mit setzt – unter anderem weil sie überhaupt nicht das Erwartete ist.

Ich halte meine Empfehlung des Films überzeitlich aufrecht.
(Außerdem habe ich vom Abspann des Films das Wort „Barfly“ gelernt.)

Für den Guardian schwärmte Henry Barnes vergangenes Jahr:
„My favourite Cannes winner: sex, lies and videotape“.

There’s no such thing as filler in a Soderbergh film. Every shot says something.

Und hier eine zeitgenössische Rezension aus der Washington Post.

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Gestern Abend endete der Spätsommer auch in München, mit Sturzregen und Temperatursturz. In Hamburg waren seine letzten Tage wohl noch besonderer, weil ihnen kein wunderschöner August vorangegangen war. Maximilian Buddenbohm fängt sie großartig ein:
„Kippwoche“.

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Katrin Scheib schreibt aus Moskau die Geschichte eines besonderen Kochgeräts und einer Geschwisterliebe.
„Es steht ein Kasan im Rheinland“.

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Auf 3sat schilderte die Sendung scobel den immer deutlicheren Zusammenhang von familiärer Herkunft und Bildungschancen in Deutschland – besonders eindrücklich durch die Livezeichnungen von Skizzenblogger Claus Ast (bei ihm gibt’s Fotos vom Dreh)!

die Kaltmamsell

Beifang aus dem Internet

Freitag, 16. September 2016 um 5:53

Jetzt hat auch in Bayern das neue Schuljahr begonnen. Ich lese in kommerziellen Medien und in Blogs viel über den veränderten Tagesrhythmus, pädagogische Konzepte, Schulranzendesaster, andere Eltern (vor allem Elternabende), über die Einkaufslisten, die Schulen zum Schuljahresstart herausgeben.

Pia Ziefle befasst sich mit einem Aspekt, von dem ich sonst nicht lese: Was die Geldausgaben des Schulanfangs für Familien bedeuten, die finanziell gerade so über die Runden kommen. (Also wirklich gerade so, weit unter „Wir können uns dieses Jahr nur einmal drei Wochen Familienurlaub leisten.“)

„Bildung und Teilhabe“.

An Elternabenden habe ich in den letzten Jahren drei Gruppen Eltern erlebt: die einen, bei denen Geld keine Rolle spielt, weil sie genug davon haben. Die anderen, bei denen Geld keine Rolle spielt, weil sie sowieso keins haben. Und die dritte Gruppe, bei denen jeder Euro zählt, weil sie keine Hilfen (wie das Bildungs- und Teilhabepaket BuT, siehe ganz unten) bekommen und sämtliche Kosten alleine tragen müssen.

Und dann rechnet Pia jeden Euro vor, den sie übers Jahr und am Schulanfang für den Schulbesuch ihrer drei Kinder ausgeben muss.

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Andrea Diener, Fridtjof Küchemann und Julia Bähr analysieren für faz.net

Nicht nur Helene Fischer feiert mit modernem Schlager Erfolge. Warum sind diese Lieder so beliebt? Und warum ähneln sie einander so frappierend?

Absolute Burner-Überschrift:
„Dein ist die ganze Terz“.

Wie immer mit Musikbeispielen, und auch die dazugehörigen offiziellen Videos werden verglichen. Für mich ein höchst interessanter Einblick in eine Musikwelt, die mir so fremd ist wie die des Speed Metalls.

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Die BBC zeigt alles Ernstes im Fernsehen die Obduktion einer sehr dicken Frau als Motivation fürs Abnehmen. Laurie Pennie macht deutlich, auf wie vielen Ebenen das verabscheuenswürdig ist und welche Mechanismen hinter der Diskriminierung dicker Menschen stecken.
„Obesity: The Post Mortem shows why fat is still a feminist issue“.

I’ve been shy to speak up for the same reason that many of us are shy to speak up. I’m afraid of fat. I’ve spent a lifetime internalising the message that fat is evidence of personal failure. I spent years in eating disorder hell, starving away any hint of softness on my body, because however awful it felt to be weak and hungry, it was surely worse to be fat. Fat, particularly female fat, represented for me what it represents for so many of us — weakness, unabashed desire, the cardinal sin of non-conformity to the narrowing ideal of beauty that is part of the pageantry of female coercion in this society.

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Es gibt viele bedrohliche Anzeichen, dass wir uns zu einer postfaktischen Gesellschaft entwickeln. In den Kampagnen für den Brexit (und im Ergebnis der Abstimmung) wurde das schwindelerregend deutlich, unbeabsichtigt auf den Punkt gebracht von Brexit-Befürworter Michael Grove (ausgerechnet ehemaliger Bildungsminister): “I think people in this country have had enough of experts.”

Tom Nichols („a professor of national security affairs at the U.S. Naval War College and an adjunct at the Harvard Extension School“) legt dar, welche Haltungen und Gefühle die Basis dafür sind und worin das Verhängnis liegt.
„The Death Of Expertise“.

Rather, what I fear has died is any acknowledgement of expertise as anything that should alter our thoughts or change the way we live.

(…)

The death of expertise is a rejection not only of knowledge, but of the ways in which we gain knowledge and learn about things. Fundamentally, it’s a rejection of science and rationality, which are the foundations of Western civilization itself. Yes, I said “Western civilization”: that paternalistic, racist, ethnocentric approach to knowledge that created the nuclear bomb, the Edsel, and New Coke, but which also keeps diabetics alive, lands mammoth airliners in the dark, and writes documents like the Charter of the United Nations.

(…)

And competence is sorely lacking in the public arena. People with strong views on going to war in other countries can barely find their own nation on a map; people who want to punish Congress for this or that law can’t name their own member of the House.

(…)

1. We can all stipulate: the expert isn’t always right.
2. But an expert is far more likely to be right than you are. On a question of factual interpretation or evaluation, it shouldn’t engender insecurity or anxiety to think that an expert’s view is likely to be better-informed than yours. (Because, likely, it is.)
3. Experts come in many flavors. Education enables it, but practitioners in a field acquire expertise through experience; usually the combination of the two is the mark of a true expert in a field. But if you have neither education nor experience, you might want to consider exactly what it is you’re bringing to the argument.
4. In any discussion, you have a positive obligation to learn at least enough to make the conversation possible. The University of Google doesn’t count. Remember: having a strong opinion about something isn’t the same as knowing something.
5. And yes, your political opinions have value. Of course they do: you’re a member of a democracy and what you want is as important as what any other voter wants. As a layman, however, your political analysis, has far less value, and probably isn’t — indeed, almost certainly isn’t — as good as you think it is.

via @vinoroma auf Facebook

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 13. September 2016 – Biergartenzauber

Mittwoch, 14. September 2016 um 7:07

Um 4 Uhr aufgewacht, eine Stunde liegen geblieben, dann doch aufgestanden.
Rumgetrödelt, bis ich zum Sport radeln konnte.
Dort kam ich dann doch nicht zu einer Stunde Langhanteltraining: Die Musikanlage machte keine Musik, zehn Minuten nach Beginn der Turnstunde wurde immer noch daran rumgefummelt. Also baute ich meine Geräte ab und stieg statt dessen für 50 Minuten auf den Crosstrainer. (Natürlich setzte genau in dem Moment die Musik ein, als ich den Turnraum verließ – aber selbst dann hätte die Übungsrunde sich durch die Verzögerung für mich zu lang hingezogen.)

Zu Mittag der gewohnte Austausch: „Ah was Gesundes!“ „Nee, der Pfirsich ist schon so alt, da ist sicher kein Vitamin mehr drin, nur noch Zucker.“

Hochkonzentriertes Korrekturlesen.

Nach Feierabend war ich mit Herr Kaltmamsell für ein weiteres Mal zu Spaziergang zum und Essen im Biergarten am Flaucher verabredet. Im Moment fühlt es sich zwar an, als würde der Sommer nie enden (ein großartiges Gefühl), aber das war wahrscheinlich dann doch eine Abschiedsvorstellung.

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Die Weißdornbeeren vorm Haus sind schon reichlich abgefressen (Amseln).

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Ich war erstaunt, wie viele Joggerinnen und Jogger an der Isar im Zappendusteren unterwegs sind (nur zwei davon mit Stirnlampen, und die zusammen) – selbst käme ich nie auf die Idee, weil ich im Dunklen über Wurzeln stolpern oder in Hundekacke treten würde.

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Xkcd zeichnet die Entwicklung der Erdtemperaturen, der Erde und des Menschen seit der letzten großen Eiszeit auf einem vertikalen Zeitstrahl.
„A Timeline of Earths‘ Average Temperature“.

When people say „the climate has changed before“, these are the kind of changes they’re talking about.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 11. September 2016 – Große Eichkätzchenshow

Montag, 12. September 2016 um 6:46

Nicht so lange geschlafen, wie wegen des späten Zu-Bett-Gehens erhofft, aber mit klarem Kopf aufgewacht.

Bloggen an Kaffee auf dem Balkon, großer Genuss.

Ein besonders albernes Eichhörnchen beobachtet, das minutenlang im Laub raschelte, das die Kastanien wegen des Mottenbefalls vorzeitig abgeworfen hatten. Ich stufte das erst als irgendwas Zielgerichtetes ein, doch sah dann, dass es einfach mit dem Laub spielte und Spaß an dem Geraschel hatte. Vorher hatte es wie ein Lämmlein auf der Wiese umhergesprungen, wild hin und her und vor und zurück.

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Ich radelte an die Isar, Wittelsbacherbrücke, zu einem weiteren Sommerlauf. Es war warm, aber nicht heiß, ich mied Schatten und genoss den Sonnenschein (bildete mir ein, die körpereigene Produktion von Vitamin D geradezu zu spüren).

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Meinen Durst stillte ich hier an der Marienklausenbrücke.

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Nach dem Duschen frühstückte ich einen Rest Oktopussalat und holte mir bei der Eisdiele ums Eck einen Amarenabecher (Erinnerungsflash, wie ich zu Studentinnenzeiten im ersten verliebten Sommer mit Herrn Kaltmamsell zum Frühstücken in die Eisdiele ging – verwegen!).

Zeitunglesen auf dem Balkon, allerdings ziemlich unkonzentriert, weil mich die kontinuierliche Eichkätzchen-Show ablenkte. Ich wüsste ja gerne ihre Laute einzuordnen: Das Tschecken und Glucksen, dass sich immer ein wenig echauffiert anhört, scheint nicht der Kommunikation untereinander zu dienen – ich höre es vor allem, wenn sonst keine anderen Artgenossen in der Nähe sind.

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15 Jahre nach der Zerstörung des World Trade Centers durch Terroristen. Tom Junod schreibt für den Esquire über den eigenartigen Umgang mit bestimmten Fotos des Anschlags.
„The Falling Man“.

Sehr ausführlich und sehr nachdenklich. Allerdings schrieben gestern Nacht in meiner Twittertimeline einige kritische Stimmen über den Artikel.

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§

Wirklich ärgerlich: Es gibt keine gesetzliche Krankenkasse, bei der man nicht automatisch für Paramedizin mitzahlt.
„Krankenkassen kassieren Millionen für Schischi“.

Selbst wenn ich als gesetzlich Versicherter an nichts anderem interessiert bin als Schulmedizin – also all jenen Heilmethoden, Behandlungen und Medikamenten, deren Wirksamkeit „ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind“ und die Kassen laut Sozialgesetzbuch in jedem Fall vom Pflichtbeitrag bezahlen müssen – ich habe keine Abwahlmöglichkeit.
Stattdessen muss ich, wie rund 50 Millionen Mitglieder bundesweit, bei jeder Kasse obligatorisch mit meinem Zusatzbeitrag Leistungen für andere Versicherte bezahlen, deren medizinische Wirksamkeit nicht erwiesen ist.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 10. September 2016 – möglicherweise abgeschwommen

Sonntag, 11. September 2016 um 8:56

Nach gutem und tiefem Ausschlafen Balkonkaffee – Bonus mit Schleifchen. Am Weißdornbusch vorm Balkon schlugen sich die Amseln mit den Beeren das Gefieder voll, Eichhörnchen schabten in der Kastanie Nüsse auf, dazu das Knurpseln der Miniermotten-fressenden Meisen.

Nach ausführlichem Bloggen ging ich auf eine kleine Einkaufsrunde für die Abendbrotgäste.

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Daheim schnell umgezogen, ab zum Schwimmen ins Schyrenbad. Am Eingang hing zu meiner großen Freude ein Zettel mit der Information, dass der letzte Öffnungstag nicht wie offiziell festgelegt der 12. September, sondern der 18. sein würde. Dann schaffe ich es vielleicht ein weiteres Mal, im Freien zu schwimmen.

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Ausgesprochen genussvolles Schwimmen, daher auch diesmal ein paar Bonusrunden, bis es 3,5 Kilometer waren. Sonnetanken und Frühstück (Quarktasche) auf Liegewiese.

Den Rückweg nahm ich wieder über den Südfriedhof und entdeckte auch diesmal Neues.

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Grab einer Frau mit eigener Leistung (bislang hatte ich – neben den Ordensschwestergräbern – nur Gemahlinnen, Töchter, Mütter, Großmütter gesehen, Berufsbezeichnung höchstens „Privatiersgattin“ oder „Braumeisterwitwe“). Den Wikipediaeintrag dazu bekam allerdings nicht Pauline Kolb, sondern Christiane von Preysing.

Den Nachmittag verbrachte ich mit gemütlichen Abendessensvorbereitungen. Ich hatte spanische Familiengerichte angekündigt, und so gab es zur Vorspeise Pulpo a la Gallega (ein non-recipe aus gekochtem Oktopus, gescheibeltem jungen Knoblauch, grünen Spitzpaprika, Petersilie, Zitronensaft, Olivenöl, Pimentón de la vera), Tortilla (von Herrn Kaltmamsell zubereitet) und Manchegokäse, als Hauptgericht Pollo en pepitoria, zum Nachtisch Flan.

Wohnung bisschen aufgeräumt, geduscht, dann kamen schon die Gäste.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 9. September 2016 – Bonussommer und Blogblasen

Samstag, 10. September 2016 um 9:11

Da ich dieses Jahr nach dem schlechten Anlauf eigentlich gar keinen echten Sommer erwartet hatte, empfinde ich jeden sommerlichen Tag als Bonus. Jetzt im September als Bonus mit Schleifchen.

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Auf dem Fußweg in die Arbeit war es bereits überraschend warm.

Eine Chance zur Reduzierung meiner Sommerkleidung schwindet gerade: Bis vor wenigen Wochen waren zahlreiche Sommerröcke über lange Zeit unbequem eng (da mein Lebenswandel sich nicht verändert hatte, schob ich das auf Hormone). Na gut, dachte ich, dann werden die halt aussortiert.
Doch als ich einem davon vor zwei Wochen eine Abschiedsvorstellung gönnen wollte, war er gar nicht mehr zu eng – genauso wenig wie die anderen Aussortierkandidaten. Da mein Lebenswandel sich in den Wochen davor genauso wenig verändert hatte, schiebe ich auch das auf die Hormone. Sieht so aus, als bräuchte ich noch länger ein Sortiment in drei Kleidergrößen, um für jede Phase passende Kleidung zur Verfügung zu haben.

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Bloggerin Lina Mallon seufzt übers Bloggen:
„Wie lange will ich das eigentlich noch machen?“

Für mich mal wieder ein Blick in eine völlig andere Blogwelt. Sehr schmunzeln musste ich über

Da draußen kaufen Bloggerinnen der ersten Stunde verzweifelt Likes, nur um noch irgendwie relevant am Markt zu bleiben.

Wann mag Lina Mallon wohl diese erste Stunde des Bloggens angesetzt haben? 2010, als Traffic-Seminare für Blogger zum erfolgreichen Geschäftsmodell wurden? Dann lese ich aber zahlreiche prähistorische Blogs. Denn: Muss Melody (*1996) Likes kaufen? (Glückwunsch zum Zwanzigsten!) Chilli und Ciabatta (*2002)? Anke Gröner (*2002)? Stattkatze (*2001 – to be verified)? Sehr unwahrscheinlich.

Aber das erinnert mich daran, dass es da draußen hermetisch abgeschnittene Blogwelten gibt, die Bloggen nicht anders denn als Marktelement kennen. Das ist auch völlig in Ordnung.
Wir alle erleben ja regelmäßig kommerzielle Anfrager, erkennbar an der Verwendung von Wörtern wie „Influencer“ und „Reichweite“, die sich offensichtlich nicht vorstellen können, dass ein Blog mit all seinem Aufwand und Herzblut einfach Ausdruck persönlichen Gestaltungswillens und Mitteilungsbedürfnisses ist – kein Geschäftsmodell. Für das genauso wenig eine geldwerte Gegenleistung erwartet wird wie für das Gestalten der eigenen Wohnzimmereinrichtung (und wenn es Menschen gibt, die von ihren Besuchern Eintritt für die Nutzung ihres mit viel Geld und Mühe eingerichteten Wohnzimmers verlangen, will ich es bitte nicht wissen).

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Stevan Paul war auf Einladung des Goethe-Instituts in São Paulo und hat dort auch ausführlich gegessen:
Paulsen und die 14 Kellner der Shaolin
(meine Überschrift – Sie werden schnell verstehen, woher sie kommt)

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Musik!

Aus angeheiratet familiären Gründen (und wegen der Biermösl Blosn) habe ich Dudelsack ja schon in so mancher Musikart erlebt. Doch Jazz war mir neu.

Das ist Gunhild Carling, „a Swedish jazz musician and multiinstrumentalist“.

via Thomas Jungbluth auf Facebook

die Kaltmamsell