Mehr Menopausengedanken

Mittwoch, 18. Mai 2016 um 8:53

Die bisherige Diskussion ums Klimakterium (vielen Dank an alle, die ihre Erlebnisse, Gefühle und Gedanken dazu teilen) hat mir viele neue Aspekte eröffnet. Besonders viel Denkfutter hat mir der Text von Kitty Koma gegeben: „Rites de Passages.“

Zum Beispiel wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass ich die Menstruation je würde vermissen können. Fast jeder meiner Zyklen bringt fünf bis zehn Tage brutale Brustschmerzen, seit ich Mitte 20 bin, kommen ein paar Stunden Gebärmutterkrämpfe zu Beginn der Blutung dazu – die mich nicht völlig schachmatt setzen, aber unangenehm genug sind. Zudem hatte ich schon immer sehr starke Blutungen bis zu 1 XXL-Tampon pro 30 Minuten. (Gibt es eine offizielle Einheit für die Stärke von Menstruationsblutung? Ein Pendant zur Richterskala? Das reine Messen der Flüssigkeitsmenge ist ja eher unpraktikabel.) Das macht zum Beispiel an zwei Tagen im Monat Schwimmen indiskutabel, Tampon hin oder her. Mir fällt kein Detail daran ein, das ich mag und das ich vermissen könnte (ein englischer Euphemismus ist bezeichnenderweise the curse). Wie eine mal so passend twitterte: Könnte man nicht einfach jeden Monat eine Postkarte geschickt bekommen mit der Nachricht „Glückwunsch! Sie sind nicht schwanger“?

Da ich nie schwanger werden wollte, hadere ich vielleicht besonders damit. Es mag ja maßgeblich zum Siegeszug der menschlichen Spezies beigetragen haben, dass wir ganzjährig fruchtbar sind – die Nebenwirkung sind für Frauen ohne Kinderwunsch allerdings ein ganz schön hoher Preis. Dass man ohne Menstruation an Weiblichkeitsgefühl einbüßen könnte, darauf mussten mich erst Ihre Kommentare bringen. Denn auch wenn es mir schwer fiele, die Kriterien zu nennen, an denen ich meine Weiblichkeit festmache: Menstruation zähle ich sicher nicht dazu.

Herr Kaltmamsell, der sich beim Wandern meine Gedanken zum Thema anhört, merkte an, dass „den Männern“ die Menopause der Frauen egal sei. Doch erstens glaube ich nicht, dass ein Mann für „die Männer“ sprechen kann (ebenso wenig wie eine Frau für „die Frauen“), zweitens mag das so vielleicht sein – doch dann ist es nicht unbedingt gut so: Männer sollten sich zumindest so weit Gedanken dazu machen, wie es ein wichtiger Faktor für eine großen Teil der Gesellschaft verdient. (Zudem habe ich in Ihren Beiträgen da draußen auch die Erfahrung gelesen, für „die Männer“ gehörten Frauen durch die Menopause zum ignorierbaren Alteisen.)

Nebenbei ist mir auch klar geworden, dass ich gerade das Gesellschaftsverändernde des Mitmachwebs erlebe: Gedanken und Gefühle, mit denen Menschen sich allein, wenn nicht sogar abartig fühlten, weil sie vielleicht der Norm widersprachen, erweisen sich durchs öffentliche Aufschreiben als verbreitet – wenn auch weiterhin nicht die Norm.
Zum Beispiel gab es sicher schon immer Mütter, die mit ihrer Mutterschaft haderten, vielleicht sogar feststellen mussten, dass sie ihre Kinder nicht besonders mochten. Jede einzelne fühlte sich wie ein Monster, ein Irrtum der Natur. Doch weil Social Media diese Stimmen und Gefühle sichtbar machten, merkten sie, dass das nicht so war. Ein Buch wie Regretting Motherhood ist durch Social Media möglich geworden: Die Beiträge dort bewiesen, dass das ein Thema ist. (Und dass es sehr wahrscheinlich einen Markt für Bücher dazu gibt.)

Ebenso ist es mit Vielem anderen, ich hoffe auch mit dem Klimakterium.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 16. Mai 2016 – Cotswolds Tag 2 (Middleyard bis Wotton-under-Edge)

Dienstag, 17. Mai 2016 um 8:56

30 Kilometer auf und ab, oft ausgesprochen steil, sind auch mit drei Pausen und in gut acht Stunden anstrengend. Jetzt wissen wir das also.

Das Wetter passte auch gestern bestens zum Wandern: Sonne mit ein paar Wolken, milde Temperaturen. Wieder bekamen wir optimal ausgeschilderte Wege, zu den gesichteten Vögeln (in der Aufzählung vom Vortag fehlten Eichelhäher, Schwalben und Mauersegler) kamen ein graues Eichhörnchen, viele Schafe, Ziegen, wieder Kühe in allen Schattierungen. Fledermäuse allerdings nicht: Unser Abstecher zu Woodchester Mansion, wo man angeblich fünf verschiedene Fledermausarten sehen kann, war zwar wanderisch schön, doch die Mansion ist montags geschlossen. Wir guckten also nur von außen.

In Dursley kehrten wir in einem Pub ein und ließen uns je ein Pint Ale schmecken. So hatte ich mir das vorgestellt.

Diesmal begegneten wir auch anderen Wanderern, koordinierten zum Beispiel drei Herren, die an verschiedenen Stellen des Wegs aufeinander warteten (hatten sich für ein Teilstück zu Alternativen getrennt) und uns Botschaften mitgaben für den nächsten, den wir treffen würden. Mountainbiker waren fast keine unterwegs.

Das B&B, in dem wir in Wotton-under-Edge eingebucht waren, stellte sich als Eigenheim ohne Kennzeichnung heraus, in dem uns ein Zimmer mit Bad zugewiesen wurde. Begrüßt wurden wir auch von zwei Hunden, die ich ausgiebig streicheln konnte. Beim Buchen der Reise war uns hier ein home cooked dinner angeboten worden; da andere Abendessensmöglichkeiten eine weitere Wanderung erfordert hätten und weil wir neugierig waren, nahmen wir an. Zusammen mit unseren Gastgebern aßen wir also in einem Esszimmer mit Blick übers Tal eine Fasanenkasserole (mein zweites Mal Fasan, auch das erste Mal war in England gewesen) mit Kartoffelstampf, Karotten und jungem Brokkoli, zum Nachtisch Apfel-Brombeer-Pie mit flüssiger Sahne.

Wotton-under-Edge ist ein sehr lebendiges Städtchen mit etwa 6500 Einwohnern in den Cotswolds (unsere Gastgeber erzählten uns, dass es sogar ein Kino gibt), hat aber nur ein Hotel und zwei B&Bs (das andere gehört einer Freundin unserer Gastgeberin). Die Cotswolds scheinen ohnehin nicht wirklich touristisch erschlossen – möglicherweise hatte ich bei meinen Erwartungen zu sehr das Allgäu oder das Chiemgau im Hinterkopf, wo jedes Kuhkaff Pensionen hat und die seit den 50ern „Fremdenzimmer“ anbieten. Offensichtlich eine ganz andere Historie.

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Sonnige Aussicht beim Aufstehen.

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Full English Breakfast in Middleyard. An sich und in entsprechenden Cafés mag ich das ja, doch die fettarme, unknusprige Heimvariante ist dann doch nicht so das Meine.

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Zu Beginn der Wanderung: wilde Tiere.

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Schon gestern kamen wir an sowas vorbei, was unser Wanderführer als piggery eingezeichnet hatte. Da hier aber keine Schweine zu sehen sind, bin ich unschlüssig, was es sein soll.

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Wie auch am Sonntag: Immer wieder blühender (und entsprechend riechender) Bärlauch, soweit das Auge reicht.

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Woodchester Mansion, hübsch, aber zu.

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Hat man hier gerne oben drauf: Topographen.

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Zum Käsebrot hatte unsere B&B-Wirtin uns Capri Sonne ins Lunchpaket gepackt. Ich wurde schlagartig wieder elf. (Als ich meine Mutter vergeblich um so etwas anbettelte. Heute schmeckt es mir leider nicht mehr. Vielleicht kann es doch irgendwann zu spät für eine schöne Kindheit sein.)

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Landeskunde: So sieht heutzutage die Karte für Pub Food aus.

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Sehen Sie rechts ganz hinten den Turm auf dem Berg? Da waren wir auch.

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Und das war der Turm, das Tyndale Monument, das vielleicht weltweit größte Denkmal für einen Übersetzer.

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Auch ein Denkmal, bestehend aus eingemauerten Pinien und wechselnden Anlässen zugeeignet.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 15. Mai 2016 – Cotswolds Tag 1 (Painswick bis Middleyard)

Montag, 16. Mai 2016 um 8:59

Welpen! Kaninchen! Rehe! Kühe! Elstern! Es war ein tierreicher erster Wandertag. Dafür ganz schön pubarm: Der Cotswolds Way ist ausgesprochen gut ausgeschildert und führt von einem schönen Anblick zum nächsten. Was ihm allerdings ein wenig fehlt, sind Einkehrmöglichkeiten – besonders am Sonntag, wie wir gestern feststellten. Der eine von den drei im Reiseführer ausgewiesenen Pubs, zu dem wir mittags abseits des Wegs in einen Ort gegangen waren, hatte überraschend geschlossen. So kamen wir erst am Nachmittag zu einer Rast mit Sessel und Getränk, in einem Café.

Da das Wetter wunderschön war, sonnig und warm, nahmen wir gestern bei Alternativen immer die längere, folgten jedem Hinweis auf Sehenswürdigkeiten. So waren wir für gemessene 24 Kilometer mit zwei Pausen insgesamt gut sieben Stunden unterwegs – was allerdings auch an überraschend vielen Höhenmetern lag.

Eine Besonderheit von englischen Wanderwegen, die wir schon kannten: die vielen Gatter verschiedener Techniken, die es zu öffnen, zu passieren und zu schließen gab. Die häufigste Technik gestern war das kissing gate – als gute Touristen nahmen wir jedes als Gelegenheit für einen Kuss. Was einen passierenden Hundegassiführer zur Beschwerde brachte, er fühle sich jetzt aber ganz schön außen vor, er habe ja nur einen Hund zum Küssen dabei (der entzückende Zwergdackel wäre aber keine schlechte Wahl gewesen).

An Tieren sahen wir erst Kaninchen, dann das eine oder andere Reh im Wald ganz nah. Viele Vögel, von denen wir die häufigen Elstern, außerdem die Stare, Dohlen, Rotkehlchen, Amseln, Krähen, Meisen leicht identifizierten, die Feldlerchen brachte uns der Wanderführer bei, die Termik-segelnden Greifvögel blieben für uns aber nur ungefähr.

Dummerweise wachte ich mit einem Hackebeilchen im Gesicht senkrecht übers linke Auge auf – zumindest fühlte sich das Kopfweh so an, das im Grunde schon am Samstagnachmittag begonnen hatte. Ich kämpfte es zwar am Vormittag mit Ibu nieder, fühlte mich aber den größten Teil des Tages benommen.

Dabei begann der Tag mit einem wundervollen Frühstück im urigen Esszimmer des B&B.

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Zum full English und einer Kanne Tee gab es Besuch eines hinreißenden Welpen. Ich bat Herrn Kaltmamsell, ein Foto von mir mit dem schmusenden Hundebaby zu machen; jetzt weiß ich, warum es als ultimative fotografische Schwierigkeit gilt, schwarze Hunde aufzunehmen.

Nach unserem Abschied vom B&B sahen wir uns erst noch ein wenig in Painswick um. Vom Kirchturm war am Vorabend erstaunlich vielstimmiges Geläut geschallt. Jetzt lernten wir von Infotafeln: Ja, hier sind bell ringers am Werk (das Phänomen hatte ich im Buch Akenfield kennengelernt).

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Dann bogen wir endlich in den Cotswold Way.

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Bei Stonehouse kamen wir an einem jungen, sehr weitläufigen Weinberg vorbei.

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Die letzten Meter mussten wir uns mit einem der Mountainbiker teilen, mit denen wir uns auf dem Weg arrangierten.

Diesmal war das B&B ein eingeschoßiger Neubau in einer Eigenheimgegend: Großes Zimmer mit eigener kleiner Terrasse, Badewanne und wunderbarer Aussicht. Nach der ausgiebigen Bewegung war uns beiden ausnahmsweise nach Vollbad. Abendessen war das Lunchpaket, das uns das vorherige B&B auf unsere Bestellung hin mitgegeben hatte: Zum einen hatte das kräftige Frühstück tatsächlich für den Tag gesättigt, zum anderen wussten wir, dass es in Middleyard am Sonntagabend keine Essensmöglichkeit als einen Chinese takeaway gab.

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Aber Sonnenuntergänge können sie da.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 14. Mai 2016 – München-Painswick

Sonntag, 15. Mai 2016 um 20:04

Gestern ging’s in den Wanderurlaub nach England (weiter unten komme ich zurück zur Menopause).

Der Vormittag war gefüllt mit Vorbereitung der Wohnung für meine Eltern, die unseren Urlaub wieder zu einem Münchenurlaub nutzen werden: Bettwäsche und Handtücher wechseln und waschen, Küche und Bad ein wenig putzen, Fahrräder mit Anweisungspapperln versehen, Briefkastenschlüssel bereit legen. Wir frühstückten noch, fuhren dann mit vielen anderen Kofferträgerinnen und Kofferträgern in der S-Bahn hinaus zum Flughafen, begleitet von Fußballfangesängen.

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Bye, bye Munich.

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Hello London.

Dann wurde es etwas kompliziert. Herr Kaltmamsell hatte perfekt durchgeplant, wie wir von London Heathrow nach Painswick in den Cotswolds kamen: Heathrow Express nach Paddington, Zug nach Swindon, umsteigen nach Stroud, Taxi für die letzten Kilometer nach Painswick – dort begann am Sonntag unsere fünftägige Wanderung entlang dem Cotswolds Way bis Bath.

Weil wir faul und total uncoole Reisende sind, hatten wir einen professionellen Anbieter mit der Organisation der Wanderung beauftragt: Unterkünfte waren bereits gebucht, Unterlagen mit Wegbeschreibungen und Karten hatten wir vor Wochen erhalten, unser Gepäck tragen wir beim Wandern nicht auf dem Rücken, sondern lassen es von Unterkunft zu Unterkunft fahren (für Letzteres führe ich hiermit die Ausrede an, dass wir nach dem Wandern noch ein paar Tage in Bath und dann eine Woche in Brighton verbringen werden – die Ausstattung dafür wollten wir wirklich nicht beim Wandern schleppen).

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In Painswick kamen wir gegen 20 Uhr an und stellten nur kurz unsere Koffer im B&B ab: Wenn wir noch Abendessen haben wollten, mussten wir uns sputen, denn die wenigen Lokale am Ort schlossen laut Infomaterial gegen 21 Uhr. Im Falcon Inn bekamen wir nicht nur einen Tisch (nach kurzem Warten, denn das Restaurant war an einem Samstagabend sehr gut besucht), sondern auch sehr herzlichen Service und zu essen.

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Ich gebe zu: Mein Türmchen (SO 2007) aus Frühkartoffel, Lachs und Spargel richtete ich als Erstes nebeneinander an, inklusive Hollandaise köstlich.

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Wir hatten an einer Tafel mit „Gin Menu“ einen heimischen Cotswolds Gin gesehen, den ließen wir uns als Dessert servieren.

Zurück im B&B (laut dem Landlord gebaut im 17. Jahrhundert) arrangierten wir uns mit dem en suite-Bad, das seinen Namen wirklich verdiente:

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Bitte achten Sie auch auf das beste Feature der sanitären Einrichtungen: EINE MISCHBATTERIE AM WASCHBECKEN!

§

Vielen Dank für all ihre Berichte und Informationen zu den Wechseljahren – das hat mir schon jetzt sehr viel Einblick verschafft. Unter anderem wie unterschiedlich das Klimakterium verlaufen kann. Es gibt ja auch Menschen, die durch die Pubertät nahezu unbemerkt gleiten; ich hingegen habe unter großen Qualen pubertiert. Vielleicht habe ich dadurch bei der Menopause etwas gut?

Möglicherweise komme ich um die Hitzewellen herum – einfach, weil ich schon immer sehr stark geschwitzt habe. Wie bei meinem Vater beginnt bei mir der Schweiß bereits nach geringer körperlicher Betätigung zu rinnen, auch nachts schwitze ich seit Kinderzeiten oft sehr. Das hat sich in den vergangenen Jahren nicht geändert. Geändert hat sich allerdings, dass ich stinke. Seit etwa sechs Jahren bemerke ich an mir selbst unangenehmen Schweißgeruch, ob nach leichtem oder starkem Schwitzen. Ich habe mittlerweile im Büro und in mancher Handtasche Deos platziert, um dazwischen auf ein Klo gehen zu können, mir kurz die Achseln zu waschen und zu desodorieren. Verbinde ich vielleicht deshalb mit Frauen um die 50 besonders starke, schwere Parfums? Weil sie Ähnliches erleben und vorsichtshalber drüberduften?
Dass mir grundsätzlich wärmer wäre als früher, habe ich bislang nicht festgestellt.

Mit depressiven Schüben kämpfe ich seit meinen Endzwanzigern – auch da hoffe ich auf ausgleichende Gnade der Biologie. Die Schlafstörungen der vergangenen Jahre sind zwar nicht schlimm, doch für mich, die ich vorher immer problemlos in den Schlaf fliehen konnte, sehr ungewöhnlich. Das mag tatsächlich der Wechsel sein.

Vielen Dank auch auf den Hinweis zu einer Blutuntersuchung auf Hormone. Da meine Schilddrüse und auch alle anderen Blutwerte bei mir sensationell gut sind, sollte diese aussagekräftig sein.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 13. Mai 2016 – Menopausenbloggen

Samstag, 14. Mai 2016 um 8:06

Seit ein paar Jahren scherze ich mit Frau Indica, dass aus uns Bloggerinnen der anderthalbten Stunde (vorher war Melody, vorher war antville) dereinst die erste Generation Menopausenbloggerinnen wird. Die Zeit des Scherzens ist vorüber, der Moment und die Lücke sind da.

Bewusst wurde mir das durch einen Post der eigentlich Foodbloggerin Kerstin Rodgers aka MsMarmite Lover:
„Menopausal in Canada“.

I’m going to write about the excellent food and the exhilarating travel and all that stuff don’t you worry. But what I really want to write about is my menopause.
Nobody ever talks about the menopause. Except me. I talk about it literally all the time. I just spent a week in New York telling EVERYONE I’m menopausal, to my daughter’s eye-rolling embarrassment.

Kerstin schreibt über ihre Hitzewallungen (was ist das bitte für ein Wort?), das sprunghafte Altern, Schlafstörungen, ihre Kommentatorinnen berichten über geistige Aussetzer und Gewichtszunahme. Zu meinem großen Schrecken aber auch darüber, dass diese Wechseljahrsymptome schon mit Mitte 30 auftauchen können und sich dann über 20 Jahre lang hinziehen. Prost Mahlzeit!

Ich hoffe, dass das Thema vermehrt in Journalblogs auftaucht. Im Mitschreib-Internet wird über Pubertät erzählt, also den Einstieg in die biologische Fruchtbarkeit des Menschen. Aber Erfahrungen mit ihrem Ende muss man schon suchen. So viele Menschen haben sich aufgehoben und informiert gefühlt, nicht mehr allein, weil andere über ihre Elternschaft oder ihre Krebserkrankungen schrieben. Könnte das mit dem Klimakterium nicht ähnlich sein?

Oder sind Wechseljahre ein Tabu? Ich kenne durchaus den leicht raunenden Tonfall, mit dem Frauen „in einem bestimmten Alter“ genannt werden, die Verlegenheit, mit der diese sich entschuldigen, weil sie bei normalen Bürotemperaturen in ärmelfreiem Oberteil am Schreibtisch sitzen und das Fenster öffnen. Doch selbst ernsthafte Diskussionen über die Einnahme von Hormonen als Gegenmittel habe ich bislang nur ganz am Rand meines Blickfelds mitbekommen.

Und die derbe und unkonventionelle TV-Miniserie Klimawechsel, die Doris Dörrie 2010 ums Klimakterium machte, steht ja bis heute allein auf weiter Dings.

Wie also bekomme ich mit, was so alles zu den Wechseljahren gehört (haben sie vielleicht bei mir auch schon mit 40 begonnen?), was ich erwarten kann (geht am End‘ meine Berufslebenskrise auf ihr Konto?), was noch in der Norm ist, ab wann ich mir Sorgen machen sollte (meine seit fast zehn Jahren brennenden und blätternden Lippen?), woran man überhaupt das Einsetzen der Wechseljahre festmacht (mein Zyklus ist immer noch 27-29 Tage lang, Beschwerden und Blutungsstärke schwanken, wie halt seit Menarche) – wenn nicht mehr Frauen diese Details in ihre Alltagsschilderungen einbauen?

Oder fände ich all dies gar in Frauengazetten, die ich seit Jahrzehnten ignoriere?

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 12. Mai 2016 – #12von12

Freitag, 13. Mai 2016 um 7:16

Den 12. des Monats mit 12 Bildern dokumentiert.

Der Morgen war mild genug, dass ich erst einmal auf den Balkon trat um zu schnuppern.

160512_01_Meisenknoedel

Das Nahrungsangebot da draußen ist für Vögel wohl immer noch nicht allzu groß, die Meisenknödel sind meist schon nach drei Tagen weggefressen.

160512_03_Kueche

Mit Herrn Kaltmamsell die Küchenschublade vor der Wasseruhr ausgebaut (geht überraschend einfach), damit der angekündigte Ableser rankam.

160512_06_Training

Für ein wenig Bauch- und Rückentraining nach über zwei Wochen Pause war ich eigens früher aufgestanden. Dass sich nach langen Monaten Ruhe mal wieder mein eingeklemmter Nackennerv meldete und Schmerzen im linken Arm bereitete, ignorierte ich dabei.
Dummerweise wurden diese Schmerzen über den Tag immer heftiger, abends beim Heimradeln ächzte ich bereits, und zu Hause nahm ich schleunigst ein Ibu – das schnell half.

160512_10_Typoliebe

Auf dem Arbeitsweg kam ich am Ende der Heimeranstraße an einem wunderschönes Schild vorbei.

160512_11_Buerogesang

Morgens im Büro wurde gerade sauber gemacht. Ich hörte die Kollegin im Stockwerk über meinem über ihrem Staubsauger beherzt singen.

160512_13_Mittagessen

Mittagessen am Schreibtisch über Zeitung.

160512_14_Snack

Am späteren Nachmittag hatte ich wieder Hunger, den die beiden Orangen, die ich noch dabei hatte, nicht ganz stillten. Also aß ich Reste aus der Schreibtischschublade.

160512_16_Regenumhang

Es hatte nachmittags zu regnen begonnen, fürs Heimradeln brauchte ich meinen schmucken Regenumhang.

160512_17_Kastanie

Die Kastanien vorm Balkon stehen in voller Blüte.

160512_18_Spinatsalat

Zum Abendessen gab es Spinat aus Ernteanteil zu Salat verarbeitet mit Kichererbsen und Feta.

160512_20_Nachtisch

Zum Nachtisch Billigschokoladen.

160512_22_Waesche

Die vorletzte Maschine Wäsche vor dem Urlaub gewaschen und aufgehängt (Badteppich ist im Trockner).

160512_25_Nageloel

Vor dem Schlafen benutzte ich mal wieder das Anny Nagelöl, das mir hier im Blog gegen fitzelnde Nagelhäute empfohlen worden war. Vor Ostern hatte ich es einige Wochen täglich aufgetragen und einmassiert (und einige Bücher mit unschönen Ölspuren versehen) – keinerlei Wirkung, die Nagelhaut blieb hart und fitzelbar. Vielleicht besteht es dann doch aus snake oil?

§

„Ethisch korrekt Klamotten kaufen ist nicht schwer
Hört auf mit dem Gejammer.“

Das Wichtigste aus dem Artikel als Kurzfassung:
1. Mal nichts kaufen.
2. Deine Kleider gut behandeln.
3. Second-Hand einkaufen.
4. Die beste Qualität einkaufen, die dein Budget hergibt.

Punkt 4. ist möglicherweise am kompliziertesten, denn wer weiß schon noch, woran man hochwertige Kleidung und Verarbeitung erkennt?

§

Eine Vogelgesangsuhr des Nabus:
„Morgens ein Konzert erleben
Stellen Sie Ihren Wecker nach den Piepmätzen!“

Krähen fehlen (sind ja auch Singvögel), und die Amseln vor meinem Schlafzimmer brüllen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Na gut, zwischen 1 und 2 Uhr morgens habe ich sie noch nie gehört.

§

Ein Sohn von Woody Allen, Ronan Farrow, ist Journalist. Jetzt meldete er sich im Hollywood Reporter zu den Missbrauchsvorwürfen seiner Schwester Dylan:
„My Father, Woody Allen, and the Danger of Questions Unasked“.

That kind of silence isn’t just wrong. It’s dangerous. It sends a message to victims that it’s not worth the anguish of coming forward. It sends a message about who we are as a society, what we’ll overlook, who we’ll ignore, who matters and who doesn’t.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 10. Mai 2016 – Arbeit und Internetlesen

Mittwoch, 11. Mai 2016 um 6:46

Wieder sehr viel und lange Arbeit. Gestern gehörte zu meinen Aufgaben, Termine für Vorstellungsgespräche mit Bewerbern und Bewerberinnen zu vereinbaren. Ein seltsames Gefühl, es ist gerade mal ein Jahr her, dass ich auf der anderen Seite saß.

Das schöne Wetter hielt noch ein wenig, der für abends angekündigte Regen blieb aus.

§

Abends holte ich weiter Teile der re:publica nach, die parallel zu den von mir besuchten Vorträgen stattgefunden hatten. Zum einen den Vortrag von Journelle: „Das Internet hat mich dick gemacht.“

Zum anderen las ich den Vortrag von Moritz Hoffmann und Charlotte Jahnz: „‚Meine Oma ist kein Mythos‘ – Warum die Facebook-Kommentarspalte die Geisteswissenschaften rettet“. Die beiden hatten sich angesehen, welches Geschichtsverständnis man aus Facebook-Kommentaren zu zwei besonders heiklen historischen Themen ableiten kann, zur Bombardierung Dresdens nämlich und zum Mythos Trümmerfrauen.

§

Schöne Geschichte in Bild und Wort: Was ist eigentlich aus den britischen Punks der 70er geworden?
„Never mind the bus pass: punks look back at their wildest days“.

§

Auf der Suche nach Laurie Pennys Gedanken zu weiblichen Robotern bin ich auf ihren Aufsatz im New Statesman gestoßen:
„Why do we give robots female names? Because we don’t want to consider their feelings“.

This makes sense when you consider that a great deal of the work that we are anticipating may one day be done by robots is currently done by women and girls, for low pay or no pay at all.

(…)

Right now, as we’re anticipating the creation of AIs to serve our intimate needs, organise our diaries and care for us, and to do it all for free and without complaint, it’s easy to see how many designers might be more comfortable with those entities having the voices and faces of women. If they were designed male, users might be tempted to treat them as equals, to acknowledge them as human in some way, perhaps even offer them an entry-level salary and a cheeky drink after work.

die Kaltmamsell