Journal Dienstag, 26. August 2014 – Sportohrwurm

Mittwoch, 27. August 2014 um 6:40

Nach unruhigem Schlaf früh aufgestanden.
Die 17-seitige Küchenbestellliste durchgesehen: Die Geräte konnte ich ja im Web ansehen, bei allem Anderen muss ich der Küchenplanerin vertrauen – die Posten heißen zum Beispiel:

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Wange 5 cm für Unterschränke
allseitig Kantenbelegung
Wan/Riegel Ausführung KU5 Kunststoff 5cm
Wangen/Riegel Farbe 38 weiß

Und das ist einer der kurzen Posten. Unterzeichnet dem Mitbewohner zum Gegenzeichnen und Versenden dagelassen.

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Morgensport Langhanteltraining in Gruppe. Wegen ernsthaften Regens ging ich zu Fuß ins Sportstudio statt zu radeln, den Stechschritt verbuchte ich als Warm-up, um mich nicht zu ärgern.

Da ich eine Woche ausgesetzt hatte, ging ich nicht an mein bisheriges Limit mit den Gewichten.
Interessant: Beim Kreuzheben und für die Beinübungen habe ich am meisten Gewicht aller Teilnehmerinnen aufgeladen (und das Gefühl, da ginge noch was). Doch beim Gewicht fürs Bizepstraining bin ich im unteren Mittelfeld. Fürs Bankdrücken lade ich hingegen wieder auf.

Immer aber: Ich schwitze wie die Sau. Um nicht auf Boden und alles verwendete Gerät samt Matten zu tropfen, trage ich ein Stirntuch – sieht beeindruckend bescheuert aus, doch Sport ist meiner Meinung nach ohnehin eine Übung in Demut durch scheiße Aussehen.

Den ganzen Tag über hatte ich einen Ohrwurm durch die Musik zum Krafttraining (Turnstunden sind mein einziger Zugang zu aktueller Popmusik) (bevor ich sie als Untermalung von Fernsehwerbung höre.).

Schon in den ersten Takten verfalle ich innerlich ins Kreuzheben. Mit breitem Griff.

(Und bei diesem Stück von Depeche Mode spannt sich sofort mein Bizeps an.)

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Im Lauf des Tages wurde es doch noch sonnig und sogar wärmer. Der Wirt unter dem Büro deckte tapfer seinen Biergarten ein und lockte damit tatsächlich Gäste an.

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Auf dem Heimweg wieder dem Oktifestgrauen begegnet.

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Christiane Link schreibt, “Wie berufliche Inklusion funktionieren kann“.

Ich werde inzwischen sehr schnell sehr wütend bei diesem Thema. Die Blogleserei hat dazu geführt, dass mich inzwischen anspringt, wenn Barrierefreiheit auch dort vergessen wurde, wo sie wirklich pippieinfach mitzudenken wäre. Zum Beispiel bei einem Schulneubau oder bei der Gestaltung einer Jubiläumsausstellung.

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Meine derzeitige Lieblingsaltphilologin (die vorherige habe ich leider aus den Augen verloren) Mary Beard widersetzt sich dem allgegenwärtigen Geheule alter Feuilletonisten über die Verdummung der Jugend (TM):
“A level hype”.

The bottom line is that students now are no more or less smart than in “my day”, they are probably over all better taught, and although they know different things from what we knew, and although I would like the priorities of some of the exams to be differently targetted, I dont see any real evidence for “dumbing down”.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 25. August 2014 – sportfrei

Dienstag, 26. August 2014 um 6:24

Sportfreier Morgen – auch wenn ich wusste, dass ich an den letzten drei Tagen dieser Woche keinen Sport werde treiben können und eigentlich das Bedürfnis hatte, schon mal vorzusporteln. Doch ich hatte am Vorabend das ausführliche Schwimmen und Laufen des Wochenendes in den Knochen gespürt, das Schlagwort “Regenerationsphase” war vor meinem inneren Auge erschienen. (Irgendwas anderes flüsterte zwar “Regeneration Schmegeneration”, echte Sportlerinnen trainierten doch jeden Tag und das auch noch viel intensiver und länger als ich, aber die Vernunft schaltet rechtzeitig zu: Die haben auch andere Gene.)

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Der Himmel versuchte sich morgens in blau-weißen Rauten, mittags machte ich einen Spaziergang (in Jacke) mit ein wenig Sonnenschein.

Abends Treffen in der Volksküche zu Hausarbeitbesprechung mit Nachtmahl und Weißwein, heimgeradelt in leichtem Regen.

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Wenn Sie auf Twitter unterwegs sind: Folgen Sie doch der ZDF-Reporterin Nicole Diekmann. Sie ist derzeit wieder im Nahen Osten im Einsatz und vermittelt durch ihre Tweets ein wenig Ortsnähe verbunden mit Berufsnähe.

Auch sonst twittert Nicole Diekmann meist aus spannenden Gegenden, zum Beispiel aus Moskau. Dass man sie auch mal zu so etwas Ends-Ödem wie der Fußball-WM schickt, lässt sich insgesamt verschmerzen. Und selbst von dort kam amüsant Informatives:

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 24. August 2014 – neues Brot und später Lauf

Montag, 25. August 2014 um 7:56

Ausschlafen dauerte bis deutlich nach sieben, untermalt von Regenrauschen.
Ich hatte am Vortag Vorteig für das Dunkle Bauernbrot (no knead) von Lutz angesetzt, jetzt ging’s an die nächsten Schritte. Das Anstellgut war schon recht alt gewesen, entsprechend wenig hatte sich in den 20 Stunden Vorteiggehen getan. Ich plante, im Gesamtteig mit ein wenig Hefe nachzuhelfen – doch im Kühlschrank war keine. Musste ich mich also auf die Triebkraft des Sauerteigs verlassen.

Zu meiner Erleichterung ging der Laib im Ofen auf.

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Wie sich beim Anschneiden allerdings herausstellte, sehr ungleichmäßig.

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Geschmeckt hat das Brot ausgezeichnet. Das nächste Mal also mit aufgefrischtem Anstellgut und Maschinenkneten.

Am Samstag hatte der Mitbewohner einen kleinen Laib Bauernbrot von einem durchaus guten Münchner Bäcker mitgebracht (Münchner Freiheit) – eine Enttäuschung. Ich fürchte, bei Roggenbroten ist mir mittlerweile das selbst gebackene das liebste. Weizensauerteigbrot vom guten Bäcker schätze ich aber. Noch.

Nebenher bloggte ich für die Freistilstaffel, die Vorspeisenplatte und das Techniktagebuch, las Internet.

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Das Brotbacken hatte so lange gedauert, dass ich erst um eins rauskam zu meinem Isarlauf. Der Regen hatte sich im Lauf des Vormittags beruhigt und Platz gemacht für blauen Himmel mit ordentlich Wind, der immer wieder andere Wolkenformen übers Firmament trieb. Die Luft war frisch und sauber, noch riecht es trotz der niedrigen Temperaturen nicht wirklich nach Herbst. Und das Licht ist ganz eindeutig augustern.

Ich radelte zum Friedensengel und ließ mein Fahrrad dort stehen, lief auf der Westseite bis Unterföhring, auf der Ostseite zurück – leichtfüßig und problemlos.

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Nach Duschen und Essen (frisches Brot mit Butter, Mango-Banane-Feigen-Salat, Chocolate Chip Cookies) las ich eine spannende Hausarbeit über die Abtei Frauenchiemsee Korrektur – wissen Sie, ich lasse ja studieren.

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Abends testkochte der Mitbewohner ein weiteres Rezept aus einem anstehenden befreundeten Kochbuch. Uns beiden waren einige Details des Rezepts wegen widersprüchlicher Angaben nicht ganz klar (dazu ist die Testkocherei ja gedacht: Unklarheiten aufzuspüren und zu beseitigen), doch das Ergebnis schmeckte und nährte.

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Ein frischer Polizeiruf im Fernsehen, nicht nur mit dem verehrten Matthias Brandt, den ich mir in allem ansehe, sondern auch mit einer Schauspielerin, der ich regelmäßig mit offenem Mund auf der Bühne der Kammerspiele zuschaue: Sandra Hüller. Das Drehbuch mit seinen geradezu realistischen Dialogen ließ beide aufs Ergötzlichste von der Leine. Die Süddeutsche hat mit Sandra Hüller über diesen Polizeiruf gesprochen.1 Eine kluge Besprechung gibt es bei der Zeit.

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Im Bett ein weiteres Kapitel aus Pia Ziefles ganz frischem neuen Roman gelesen, Länger als sonst ist nicht für immer. Pia hatte mir das Buch geschickt – ich bin sehr gerührt und erfreut.

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Nicht gebügelt, nicht die Wochenendzeitung gelesen.

  1. Eben dort entdeckt: Hinter einem dezenten Link unterm Artikel erklärt die Süddeutsche ihre Interpretation des Leistungsschutzrechts – was und wieviel darf man zitieren? []
die Kaltmamsell

Bloggeburtstag

Sonntag, 24. August 2014 um 22:07

Heute wird die Vorspeisenplatte elf Jahre alt.

Dieses Blog ist nicht mehr wegzudenkender Bestandteil meines Lebens geworden – inklusive seiner Leserinnen und Leser. Ich bin sehr dankbar, wie sorgsam und wohlgesonnen Sie alle mit diesem Blog umgehen.

Ich glaube zu beobachten, dass das Bloggen immer weiter an Bedeutung verliert, die es ohnehin nie groß hatte. Viele einstige Funktionen wurden von Diensten wie Twitter, Facebook, Instagram, Pinterest übernommen. Lehrer berichten, dass heutige Schüler wieder (oder immer noch?) verblüfft sind, dass jeder und jede auch so einfach ins Internet reinschreiben kann – selbst kämen nur die wenigsten auf die Idee.

Für mich ist mein Blog mit den Jahren immer mehr Nachschlagewerk fürs eigene Leben geworden, sehr praktisch.

Anlass für eine neue Runde Tagebuchbloggen, ich versuche wieder einen Monat Chronik.

die Kaltmamsell

Beifang aus dem Internet – 34

Sonntag, 24. August 2014 um 11:10

Vor fünf Jahren erfreute mich Kathrin Passigs Artikel “Standardsituationen der Technologiekritik”, auf der darauffolgenden re:publica ihr Vortrag zum Gegenstück des Technologieoptimismus’. Jetzt hat sie eine Aktualisierung veröffentlicht:
“Neue Technologien, alte Reflexe”.

2009 habe ich einen Artikel über falsche Vorhersagen geschrieben. Er heißt wie das Buch, in dem er Anfang 2013 abgedruckt wurde: „Standardsituationen der Technologiekritik“. Es war ein leidlich lustiger Text, der bis heute oft zitiert wird. Leider ist er ganz falsch. Das ist noch ein bisschen ungünstiger, weil das Buch gerade erst erschienen ist. Es ist eine Essaysammlung, und jetzt gehen die Leute davon aus, dass der Text meine aktuelle Meinung wiedergibt, was nicht stimmt. Technikoptimisten mögen den Text, weil er Skeptiker blöd aussehen lässt. Es ist immer schön, wenn irgendwas andere Leute blöd aussehen lässt. Man kann sich ganz leicht über Vorhersagen im Allgemeinen lustig machen und in diese Falle bin ich hineingetappt. Man findet jede Menge falscher Vorhersagen und durch das Internet ist es noch leichter geworden. Aber dass es diese ganzen falschen Vorhersagen gibt, beweist an sich noch überhaupt nichts.

Hilfreich sind vor allem die Folgerungen, die Kathrin Passig aus ihren Irrtümern zieht.
Bei mir war die lehrreiche Erfahrung übrigens die völlige Fehleinschätzung von SMS: Hallo? Schreiben auf dem Telefon? Wo doch immer weniger Leute überhaupt schreiben! Und dann auch noch derart unanatomisch mit dem Daumen? Dieses SMS-Zeugs wird verschwinden, bevor auch nur mehr als die expertigsten Experten davon gehört haben.
Seither, so bilde ich mir zumindest ein, bin ich vorsichtig mit wegwerfenden Prognosen über neue Erscheinungen.
Das ist genau der Punkt, der mich an manchem dafür bezahlten Publizisten verzweifeln lässt: Jeder irrt sich mal kolossal. Doch selbst nach belegbaren Fehleinschätzungen von der Zuverlässigkeit der eigenen Einschätzungsreflexe auszugehen, kann ich nur als Dummheit ansehen.

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Andrea Diener war in Brighton – hach! Und sie hat dort fotografiert und darüber geschrieben – HACH!
“Unter Briten in Brighton. Pretty eccentric!”

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Nach zehn Jahren Schweigen schreibt sie nun selbst, wie es ist, Monica Lewinsky zu sein – vor allem ganz offensichtlich eine bemerkenswert kluge Frau, die den Schandmäulern in vielerlei Hinsicht überlegen ist:
“Shame and Survival”.

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Ein DAX-Personalvorstand analysiert, warum in den vergangenen Jahren so viele von den wenigen Frauen gescheitert sind, die in echte Machtpositionen bei Großunternehmen kamen:
“Wenn Frauen scheitern, ist das ein Privatproblem”.

Jeder Statistiker weiß, dass systemisch irgendetwas schiefläuft, wenn acht von insgesamt 17 weiblichen Vorständen nach nicht mal der Hälfte ihrer Vorstandsperiode ausscheiden. Neueste Studien zeigen, dass weibliche Vorstände durchschnittlich nach etwa drei Jahren aus ihrem Amt scheiden, während Männer acht Jahre verweilen – und damit fast drei Mal so lang. Ein mit Einzelfällen nicht erklärbares Muster.

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Nein, daran werde ich mich nie gewöhnen, dagegen werde ich nie abstumpfen:
“Brutale Drohungen im Internet. Hetze gegen Genderforscherinnen”.

Die jetzige Vorsitzende der FG Gender, die Arbeitssoziologin Susanne Völker von der Universität Köln, hält die Aggression für einen Ausdruck sozialer Verunsicherung. „Arbeit wird prekärer, die eigene Position fraglich“, sagt Völker. „Da fragen sich einige: Kann ich noch Familienernährer sein? Was bin ich sonst? Wissen wir noch, was Männer und Frauen zu tun haben?“ Völker sieht keine „Massenstimmung“ gegen die Gender Studies. Doch einzelne – „überwiegend Männer“ – trügen ihre Unsicherheit über die Geschlechterfrage aus. Völker spricht, in Anlehnung an den Göttinger Soziologen Berthold Vogel, von der „nervösen Mitte“.

Diese Verunsicherung ist auch innerhalb der Wissenschaft spürbar. Männliche Kollegen hätten das Gefühl, keine Stellen mehr zu bekommen, weil überall Gender-Studies-Lehrstühle eingerichtet würden, sagt Hark. In der Statistik spiegelt sich das nicht wider: Harks Stelle ist die einzige in Deutschland mit der ausschließlichen Denomination Gender Studies. 160 weitere Professuren haben einen Genderschwerpunkt innerhalb ihrer Disziplin, doch das sind nur 0,4 Prozent aller Professuren. „Dass die Gender Studies etwas erreicht haben, wird schon als Angriff gewertet“, sagt Susanne Völker.

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Schön, wenn eine Analyse der Zeitungszukunft aus einer Printredaktion kommt und trotzdem nicht die üblichen Reflexe wiederholt:
“Zeitungskrise. In eigener Sache”.

Zeitungen waren schnell, billig und ein Massenmedium. Ihren größten Triumph (was nicht mit der größten Auflage identisch ist) erlebten sie an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert. „Damals waren Zeitungen einfach cool“, sagt der Bamberger Kommunikationswissenschaftler Rudolf Stöber.

Weil damals endlich fast alle Menschen in Deutschland lesen und schreiben konnten, wurden Zeitungen zum billigen Kommunikationsmittel für jedermann (man bekam sie für ein paar wenige Pfennige); sie enthielten zudem das Versprechen des sozialen Aufstiegs. Wer sich ein Zeitungsabonnement leisten konnte, der hatte es geschafft und konnte sich sehen lassen. Man muss sich das so vorstellen wie heute das iPhone und iPad (oder vor ein paar Jahren den Blackberry), Statussymbole, mit denen man Coolness und Zugehörigkeit zu den angesagten Kreisen signalisiert.

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Falls Ihnen aufgefallen ist, wie viel häufiger ich FAZ-Artikel verlinke als die der Süddeutschen Zeitung, obwohl ich doch Print-Abonnentin der Süddeutschen bin: Die SZ stellt deutlich weniger frei verfügbar online, ermöglicht es immer noch nicht mal, für einzelne Artikel zu bezahlen, besteht weiter auf dem atavistischen Abomodell auch online. Der Preis dafür: Erheblich weniger Teil der Debatte zu sein.

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Eine Journalistin recherchiert die Kosten für Hygieneprodukte für Frauen und postet dazu eine Frage bei Twitter. Wieder muss sie die Reaktionen einfach nur zitieren, um geradezu hysterischen Sexismus zu dokumentieren:
“What happens when a female writer asks a question on Twitter about women’s health”.

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Ich gestehe: Die Probleme in Ferguson habe ich lediglich aus dem Augenwinkeln verfolgt – das war mir in all dem Krieg, Mord und Totschlag, die derzeit die Nachrichten dominieren, eine Krise zu viel.

Möglicherweise reicht es ja auch, die Zusammenfassung von John Oliver zu sehen, um das Thema zu erfassen.

die Kaltmamsell

Schwimmen durch München: Sommerbad Georgenschwaige

Sonntag, 24. August 2014 um 9:37

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Gestern war ich am Nordrand Schwabings nochmal zum Schwimmen im Freien (HARRRRR!). Details bei der Freistilstaffel.

die Kaltmamsell

1989-1994 Audioversionen von Videos

Dienstag, 19. August 2014 um 19:06

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Was es damit auf sich hat, steht im Techniktagebuch.

die Kaltmamsell