Twitterlieblinge Januar 2016

Sonntag, 31. Januar 2016 um 19:35

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Anderer Leut‘ Twitterlieblinge wieder aufgereiht von Anne Schüssler.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 30. Januar 2016 – Draußen an der Isar

Sonntag, 31. Januar 2016 um 8:25

Endlich mal wieder ein Lauf an der Isar, die Schmerzen in meinen Beinen und Hüften hatten mich die vergangenen Wochen davon abgehalten. Und dann war auch noch das Wetter schön!

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Am gegenüber liegenden Isarufer sehen Sie links die Bebauung des ehemaligen Rodenstock-Geländes.

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Auch auf der Isar wurde Sport getrieben.

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§

Für meine Einkaufsrunde trug ich zum ersten Mal meine neuen goldenen Schnürschuhe. In dem Moment, indem ich sie bestellte, war mir klar geworden, dass das der Beginn eines neuen Lebensabschnitts war: Goldene Schnürschuhe werden ja fast unausweichlich gefolgt von Leopardenmusterblusen. Und sehr künstlich gefärbten Haaren, wahlweise in frechem Dunkelrot oder selbst gesträhntem Blond. Dazu ein klebriger, pinker Lippenstift. Aber da mir die Schuhe wirklich gut gefallen, wird sich der Rest wohl nicht umgehen lassen. Den pfiffigen Kurzhaarschnitt habe ich ja schon.

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Einkauf im knallvollen Eataly: Drei der cuatro quesoni für die abendliche Pizza, ein wenig Babyspinat, aber das Fleisch gefiel mir nicht genug, und die Artischocken sahen mir nicht frisch genug aus.

Ich ging zum Herrmannsdorfer für Fleisch, die Bratgockel fielen mir ins Auge. Als ich einen erbat, wurde ich gefragt, ob ich einen Herrmannsdorfer bevorzuge oder den eines Lieferanten. Ich fragte nach dem Unterschied und erfuhr, dass das Herrmannsdorfer Exemplar ein Zweinutzungshuhn ist. Das Projekt kenne ich ja, also entschied ich mich sofort für dieses, um nicht nur die Eier aus Zweinutzungszucht probiert zu haben (gibt es im Biosupermarkt), sondern auch das Fleisch. Ich bekam ausführlich von der Zucht erzählt und wurde in die Zubereitung eingewiesen – Details dazu morgen, wenn das Viech gegart und gegessen ist.

Weitere Einkäufe im Alnatura (Milchprodukte, Brot, Zitronen) und im Drogeriemarkt (Taschentücher, Kloreiniger, Strumpfhose).

§

Den Pizzateig zum Abendbrot machte ich wieder nach dem Rezept des Klassikers Die echte italienische Küche, drauf kamen große Mengen Käse (Fontina, Mozzarella, Gorgonzola, Parmesan) auf ein bisschen Tomatensoße (mit Wasser verdünntes Tomatenmark).

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Zu zweit aßen wird anderthalb davon.

§

Zu Antisemitismus könnte man leider täglich etwas verlinken. Es muss schon viel passieren, dass mein Hirn bei der Lektüre „Ach du Scheiße“ formuliert. Wie es mir gestern ging, als ich las:
„Eine Verschwörungstheorie namens ‚Pinkwashing'“.

Auf einer großen Konferenz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und Queeren in den USA werden jüdische Aktivisten aus Israel und Amerika mit Gewalt am Reden gehindert. Das Verdikt ihnen gegenüber lautet: Kollaboration mit einem »Apartheidstaat«, Rassismus, Kolonialismus – und »Pinkwashing«. Zu den Hintergründen eines absurden Theaters.

Der »Pinkwashing«-Vorwurf gehört zum Absurdesten, was der antiisraelische Aktivismus zu bieten hat, zumal mit ihm ein verschwörungstheoretischer Mechanismus bedient wird, der für den Antisemitismus charakteristisch ist: Gleich, was der jüdische Staat tut, es wird immer nur als Beleg für seine Schlechtigkeit gesehen. Räumt er Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern und Queeren nicht genügen Rechte ein, wird er der Homophobie geziehen. Gewährt er ihnen Rechte, dann tut er es lediglich, um die Muslime respektive die Palästinenser zu diskriminieren und sich selbst in ein besseres Licht zu rücken.

§

Altphilologie-Professorin Mary Beard verlinkt in passendem Zusammenhang einen Aufsatz, den sie 2012 für The New York Review of Books geschrieben hat:
„Do the Classics Have a Future?“

Eine ausgezeichnete Bestandsaufnahme, die heute sicher genauso gilt. Nicht nur untersucht sie die Beweggründe für die Untergangsbeschwörungen zu Latein und Griechisch. Sie nimmt sich auch die üblichen Argumente für die Erhaltungswürdigkeit vor:

Latin certainly teaches you about language and how language works, and the fact that it is “dead” can be quite liberating: I’m forever grateful that you don’t have to learn how to ask for a pizza in it, or the directions to the cathedral. But honestly, if you want to learn French, you’d frankly be better off doing that, not starting with some other language first. There is really only one good reason for learning Latin, and that is that you want to read what is written in it.

Einer der Schlüsse, zu denen sie kommt: Nein, es muss nicht jeder Griechisch und Latein können – aber es sollten genug Leute übrig sein, die es können und die man fragen kann.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag/Freitag, 28./29. Januar 2016 – Faktenferne und Partylärm

Samstag, 30. Januar 2016 um 9:11

Am Donnerstag im Sonnenaufgang zu Fuß in die Arbeit. Die Theresienwiese konnte ich nicht ganz in Luftlinie kreuzen, weil mitten drin ein Stück Asphalt erneuert wird.

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Dieser minimale Umweg war allerdings sehr weit entfernt zu dem Weg, den meine Bewegungs-App mir unterstellte.

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In der Arbeit lernte ich durch Facebook-Kommentare und Anrufe, wie egal Menschen die einfachsten Fakten sind: Wer was wo gesagt hat zum Beispiel. Davor hatte ich vorausgesetzt, dass Menschen nur Aktionen angreifen, wenn sie sichergestellt haben, dass diese auch geschehen sind. Irrtum: Es wird nicht gelesen, nicht nachgedacht, sondern in einem Ausmaß rumgemeint, dass mir schwindlig ist.
Ich wundere mich über Entschlackungsgläubige? Das Ignorieren einfachster Alltagsfakten fängt schon weit vorher an. Unsereine mag scherzen: „Don’t confuse me with facts“. Doch eine große Anzahl Menschen ist anscheinend wirklich überzeugt, dass alles, was ihrem Bauchgefühl widerspricht, einfach gelogen ist.
Dass mich das erschüttern konnte, belegt, wie naiv ich immer noch bin.

Und doch fuchtle ich schon wieder mit den einfachsten Regeln sachlicher Argumentation herum: In der NZZ erklärt ein Kommentar von Karim Bschir
Die Regeln der Wissenschaft“.
Untertitel: „Wenn sich alternative Medizinpraktiker den Anschein von Wissenschaftlichkeit geben, indem sie ihr Vokabular jenem der Wissenschaft anverwandeln, ist Vorsicht geboten.“

Wer auch nur die geringste Ahnung von Wissenschaft hat, der weiss, dass diese keine absoluten Gewissheiten liefert.

(…)

Bevor wir anfangen, Evidenzen abzuwägen, gilt es zunächst einmal, zu klären, ob beide Seiten bereit sind, empirische Evidenz überhaupt als Argument zuzulassen.

via @RomanaGanzoni

Abends kochte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch und weil der Ernteanteil ein Stück Kürbis enthielt die Mac’n’Cheese aus Nicky Stichs Reisehunger. Während ich mich über die Einleitung zu dem Rezept so freute, dass ich sie verinstagramte

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(meine eigenen Rezepte müsste alle so anfangen), zweifelte Herr Kaltmamsell das eine oder andere Detail an dem Rezept an. Ich musste ihn zurechtweisen: „WENN DIE DAS SO HINGESCHRIEBEN HAT, WIRD SIE SICH WOHL WAS DABEI GEDACHT HABEN!“

Dazu passend: Margarete Stokowski lässt sich über die Detox-Welle aus. Ganz vernünftig:

Das Vermeiden von Stress ist die Grundhaltung. Das ist okay. Jede Gesellschaft hat ihre tröstenden Kulturtechniken. In Polen gibt es zum Beispiel Wodka.

Die ganze Kolumne:
„Oben und unten: Geil, Resignation!“

(Ich hab’s ja einfach: Mein Detox wird von den serienmäßig mit Körper gelieferten Nieren und Leber übernommen.)

Nach über einer Woche hatte ich mal wieder Lust auf Alkohol. In den Wochen davor hatte ich mir fast Sorgen gemacht, weil ich jeden Abend Lust auf ein Glas Wein gehabt hatte – irgendwie gehe ich davon aus, dass in jeder von uns eine Alkoholikerin lauert, die nur darauf wartet durchzubrechen. Doch da ich eben auch, eher selten, Phasen ohne jeden Hang zu Alkohol habe, stimmt das wohl nicht ganz.

Auf dem Heimweg hatte ich Zutaten für Mai Tai eingekauft, den gab’s abends reichlich.

§

Freitagmorgen um 4 klopfte die Migräne an. Das ging leider gar nicht, weil an diesem Freitag in der Arbeit eine ganztägige Konferenz stattfand, die ich organisiert hatte. Wenn ich zum Triptan gegriffen hätte (und ganz so schlimm, fand ich, war’s ja gar nicht), wäre ich in schwer abbrechbaren Tiefschlaf gefallen. Ich stand also wie geplant um 6 Uhr auf, setzte mechanisch den Kaffee auf, ertrug nicht mal seinen Geruch, war zu nichts zu gebrauchen, stierte schaukelnd vor mich hin. Zumindest musste ich mich nicht erbrechen.

Eine halbe Stunde ging ich nochmal ins Bett, schubste mich dann ins Büro. Ich stattete die Konferenztische mit Unterlagen aus (der Raum war bis zum Abend davor belegt gewesen, ich konnte das erst am Konferenzmorgen erledigen), legte Tischschilder und Namensschilder bereit – und stellte fest, dass ein Namensschild fehlte. Nun können die bei mir in der Arbeit CD-gerecht nur mit einer ganz bestimmte Maschine gefertigt werden, die nur zwei Menschen in der Hauptabteilung bedienen können – und die waren so früh noch nicht da.

Ich informierte eine Kollegin, die an der Konferenz teilnahm, über die organisatorischen Hintergründe des Tages (wann wo Mittagessen, wie der anschließende Espresso, woher Kaffeepause), wartete die Herstellung des fehlenden Namensschilds ab, brachte es in den Konferenzraum, schickte eine Krankmeldung ab und fuhr endlich nach Hause ins Bett.

Als ich wieder aufwachte, bekam ich sogar noch eine Stunde von dem wundervoll sonnigen Tag mit, sah eine große Gruppe silbern schillernder Gänse weit oben am Himmel ziehen.
Aber mehr als Nachlesen der Twitter-Timeline, einiger darin verlinkter Artikel und des Techniktagebuch-Redaktionschats war nicht drin. Jetzt ist aber mal wieder gut mit Migräne, drei Attacken in zwei Monaten sind störend weit über meinem Durchschnitt.

Abends feierten kürzlich zugezogene Mieter eine Party – schon gleich ab acht ungewöhnlich laut für dieses Haus. Aber so ist das halt mit fröhlichen Festen: Man hört sie.

Um neun klingelte es, ich verstand über das Haustelefon nicht, wer das war und ging hinunter zur Haustür: Da standen drei sehr große junge Männer in blauen Overalls, mit Funkknöpfen im Ohr und „Polizei“ auf die Brust gestickt. Tatsächlich, sie waren wegen der Party gerufen worden, oh je. Sie fragten freundlich, ob ich wisse, wo die sei? „Ja.“ – Ich deutete hinter sie ans schwarze Brett des Hauses, an dem die Mieter per Aushang die Party angekündigt hatten. Ob ich mich gestört fühlte? Aber nein, beteuerte ich, der Geräuschpegel sei nur für dieses sonst ruhige Haus ungewöhnlich.
Die Herren gingen hinauf.
Es tat mir leid für die Partygastgeber: Wer da auch immer die Polizei geholt hatte, hatte sicher nicht den Anstand gehabt, erst mal selbst zu klingeln und um Ruhe zu bitten.
Verbuchen wir das also unter München: Wo die Leute wegen einer hörbaren Party schon vor 21 Uhr die Polizei holen.

Leiser wurde es deshalb auch nicht (völlig in Ordnung), zumal offensichtlich auf den Balkonen geraucht wurde und der Schall der begleitenden laut-fröhlichen Gespräche sich im Hinterhof verstärkte. Aber dagegen gibt es ja Ohropax.

§

Menschen fürs Putzen unserer Wohnung zu zahlen, bereitet mir immer noch ein leicht schlechtes Gewissen. Umso interessanter ist es zu erfahren, was vier solcher Reinigungskräfte über ihre Arbeitgeber und ihre Arbeit denken:
„Sie kennen unseren Schmutz. Kennen sie auch uns?“

die Kaltmamsell

Journal Dienstag/Mittwoch, 26./27. Januar 2016 – Erstes Amselflöten

Donnerstag, 28. Januar 2016 um 6:26

Die zweite Runde Indesignlernen begann am Dienstag erst um 9 Uhr und gleich bei mir ums Eck, damit hatte ich Zeit für eine knappe Stunde Frühsport vor dem Fernseher.

In der Schulung wieder viel gelernt, gleichzeitig das Gefühl, nicht mal zehn Prozent davon anschließend auch zu wissen.

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Technikmuseum vorm Schulungsraum.

Abends wurde ich endlich einen Großteil meiner Haare los; die drei Wochen davor hatte ich wegen gefühlter Überwucherung die Tage bis zum Friseurtermin gezählt. Jetzt habe ich wieder einen Haarschnitt, der in drei bis vier Wochen nach Judi Dench aussehen wird.

§

In der Nacht zum Mittwoch einige Male Panikwachwerden wegen offener Aufgaben im Büro – nichts davon bei Tageslicht brenzlig, aber darum kümmert sich das Schlaf-Ich ja nicht. Morgens durch die offene Schlafzimmertür von Ferne aber deutlich die erste Amsel der Saison frühlingsflöten gehört.

Früh durch milde Luft in die Arbeit geradelt. Alles bequem abgearbeitet. Eigentlich hatte ich für abends Sportzeug dabei, doch am Nachmittag fühlte ich mich nicht nach Sport: ein wenig Kopfweh, Zittrigkeit.

Statt dessen ruhigen Abend daheim mit Salat und Gemüse aus Ernteanteil. Dem beiliegenden Briefchen entnommen, dass ein Anbauexperiment mit Schwarzwurzeln missglückt ist und es dieses Jahr im Kartoffelkombinat keinen geben wird – hurra! (Wir sind ihn schon immer losgeworden, meist an Arbeitskolleginnen und -kollegen, aber es war halt immer eine Mühe.)

§

Elf Volontärinnen am Badischen Landesmuseum Karlsruhe durften selbst eine Ausstellung gestalten und entschieden sich dafür, die Ausstellungsgeschichte hinter den Exponaten in den Mittelpunkt zu stellen:

Wie kommen Objekte eigentlich ins Museum? Durch welche Länder sind sie gereist, bevor sie in der Vitrine oder im Depot landen? Und welche Menschen waren an ihrer Odyssee beteiligt?

Das Ergebnis:
„‚OMG!‘ – Ein Ausstellungsprojekt in Karlsruhe“.

Klingt nach einer großartigen Idee, zumal die meisten Ausstellungsstücke aus dem Depot kamen.

via @ankegroener

die Kaltmamsell

Journal Montag, 25. Januar 2016 – Software lernen

Dienstag, 26. Januar 2016 um 6:51

Gestern bekam ich zum ersten Mal im Leben eine Software systematisch beigebracht, zumindest den Einstieg: Indesign. Ich genoss es sehr, mal wieder unterrichtet zu werden und zu lernen.
Zwar habe ich in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach an Workshops teilgenommen, die neu eingeführte Systeme vorstellten (z.B. SharePoint oder Redaktionssysteme), doch sonst habe ich im Grunde alles, was ich daheim und im Büro am Computer so tue, selbst herausgefunden.

Doch Indesign, das stellte ich schnell fest, setzt zum einen Grundwissen zu Layout und Grafik voraus – das deutlich über meine Kenntnisse aus der Tageszeitung hinaus geht. Zum anderen folgt es einer eigenen Benutzerlogik, die sich nicht einfach so herausfinden lässt. Vielleicht aber bin ich auch einfach alt und langsam geworden. So verbrachte ich den Tag in einem nüchternen Schulungsraum mit vier anderen Schülerinnen und einem Dozenten, der mal Schriftsetzer gelernt hatte. Ein wenig umdenken musste ich beim Rechner: Ich lernte an einem stationärer Mac. Sonst fällt mir das Wechseln zwischen MacBook daheim und Windowsrechner in der Arbeit leicht: Laptop und Touchpad sind Mac, großer Bildschirm und Mouse sind Windows. Doch nun arbeitete ich mit Mouse und musste trotzdem die Uhrzeit rechts oben statt unten suchen, über die Befehlstaste jedesmal nachdenken.

Ich fand alles sehr spannend und bin gespannt, wie viel davon tatsächlich von den zwei Tagen (heute geht’s weiter) hängenbleiben wird. Anwenden werde ich diese Kenntnisse in erste Linie für Textbearbeitung und Korrekturen in indd-Dateien.

Das Wetter war gestern glorios, der strahlende Sonnenschein und die Wärme ließen mich an Fasching Ende Februar denken, den ich in München mehrfach so sonnig erlebt habe.

Da die Schulung kurz nach fünf zu Ende war und ich nur zehn Fußminuten nach Hause hatte, kam ich früh heim und konnte noch ausführlich Zeitung und Internet lesen.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag bis Sonntag, 21.-24. Januar 2016 – vorerst Winterende

Montag, 25. Januar 2016 um 7:36

Donnerstag entdeckte ich auf Twitter den Account Ravenmaster. Der twitternde Herr arbeitet für den Tower of London und ist für die sechs (plus zwei Reserve-) Raben zuständig, die seit der Viktorianik schon immer dort gehalten werden. Von denen postet er Bilder und Filmchen – an denen unter anderem schön sichtbar wird, wie groß der Unterschied zu Krähen ist.

§

Freitagmorgen absolvierte ich im heimischen Wohnzimmer eine halbe Stunde Krafttraining, dann holte ich mir bei der Hausärztin ein neues Rezept für Migränemittel ab. Dass ich es mit dem unwillkürlichen Gedanken „main Schaaaaatz!“ entgegennahm, beweist mir mehr als manch anderes, wie schlimm die großen Migräneattacken für mich sind und welchen Horror ich davor habe, jemals wieder ohne Medikament eine ungeschützt und ganz durchleben zu müssen.

Nach Feierabend Treffen mit meiner Leserunde zu Richard Yates‘ Cold Spring Harbour: Hatte uns allen gefallen, aber kaum jemand fand es so besonders gut wie ich. Ich hatte die scheinbar nüchterne Sprache gemocht, mit der Yates den Figuren Raum zur Entfaltung gibt, die fast tragische Unausweichlichkeit der zwischenmenschlichen Mechanismen in den frühen 40ern an der amerikanischen Ostküste. Ich hatte mich oft an Jane Austen erinnert gefühlt: Der formalisierte gesellschaftliche Umgang, der schlimme Probleme unter den Teppich kehrt, die extrem wenigen Optionen, die das Leben Frauen ließ, Selbstbetrug als Lebenserhaltungsmaßnahme.

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Samstag den schlimmsten Eisregen verschlafen, der in den frühen Morgenstunden München überzog. Für den Vormittag hatte ich mir eine 45-Minuten-Folge bei Fitnessblender ausgesucht, auch die gefiel mir gut: Die Übungen werden sorgfältig erklärt und gezeigt, die Stimmung ist ruhig und freundlich.

Nach einer Einkaufsrunde bereitete ich Dorschbrot zu. Ich habe das Rezept von einer Studienfreundin: Sie hatte eine kleine Gruppe Freunde damals nach München in die Neuhausener Altbauwohnung ihrer Eltern eingeladen (wir wohnten und studierten ja in Augsburg) und dort Familienrezepte serviert. Wir kochten ohnehin oft füreinander: Wo unsere wilden Altersgenossen Nächte in Discos verbrachten, trafen wir uns zum gemeinsamen Essen. Dorschbrot scheint etwas sehr Spezielles zu sein, nicht mal Google kannte es. Das ändert sich hiermit, ich habe das Rezept aufgeschrieben.

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Bis Sonntag war der Winter fast verschwunden, die Temperaturen stiegen in deutliche Plus-Regionen. Ich radelte vormittags zu einer Hüpfstunde am Ostbahnhof, verbrachte den Nachmittag über Ostfriesentee und Kuchen mit Kunstgeschichtegesprächen.

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Der Blogger Kurzhaarschnitt hat die Geschichte seiner Frau aufgeschrieben und schildert bedrückend nachvollziehbar das juristische Dilemma und die Folgen von sexuellem Missbrauch in der Kindheit:
„Meine Frau und ich. Eine Liebesgeschichte mit bitterem Beigeschmack. Und Happy End.“

Auch bemerkenswert ist die Geschichte wegen ihres Trigger Warnings, das den Sinn solch eines Hinweises erklärt:

Liebe Leserinnen und Leser, Smartphones und Laptops ermöglichen uns, Texte wie diesen jederzeit und überall zu lesen, ob nun zu Hause, an der Arbeit in der Pause, im Wartezimmer beim Arzt oder, oder, oder. Jedoch gibt es Momente, in denen aus verschiedenen Gründen die Konfrontation mit manchen Themen für einige Menschen ein Problem darstellen kann. Damit Sie eine Chance haben, zu entscheiden, ob Sie diesen Text zu diesem Zeitpunkt lesen wollen/können, möchte ich Sie an dieser Stelle darauf hinweisen, dass er se*uellen M*ssbr*uch thematisiert.

Bei dieser Gelegenheit fiel mir auf, wie sehr ich mich zum einen an diese Technik gewöhnt habe, die ich hauptsächlich aus dem angloamerikanischen Raum kenne: Dass vor einem Text auf Themen hingewiesen wird, die manchen Menschen zu nahe gehen könnten. Und wie sinnvoll das aus genau den oben genannten Gründen ist. In deutschen Medien habe ich über diese Entwicklung noch nie sachlich gelesen; wenn überhaupt, taucht sie ins Lächerliche überzogen auf. Als Beispiel für Zwang zu etwas, was bescheuerterweise als political correctness diffamiert wird.

§

Meine Geburtsstadt hat einen Imagefilm veröffentlicht und geschafft, kein einziges Auto darin vorkommen zu lassen – eine Meisterleistung.

Übrigens sieht ein Hopfengarten nach der Ernte keineswegs so aus wie der, durch den im Filmchen der Pferdewagen (ROFL) rollt: Statt grün und bewachsen ist er nach der Ernte nackig, denn die Pflanze wird vom „Roreißa“ (Hinunterreißer) mitsamt dem Draht, an dem sie hochgewachsen ist, auf dem Boden befördert. Zumindest scheint sich diese Stadt ihrer Wirklichkeit genug zu schämen, dass sie sie im Imagefilm lieber gar nicht erst vorkommen lässt.

§

die Kaltmamsell

14 Fragen geklaut

Freitag, 22. Januar 2016 um 6:28

Dieses Stöckchen ist besonders schön, deshalb habe ich es mir einfach bei Anke abgegriffen.

1. Wie hast Du Deinen ersten Korb erlebt? (receiving)
Peinlich berührt. Der Herr war ehrlich verzweifelt, dass er sich nicht in mich verlieben konnte. Wo ich ihn doch so fasziniere.

2. Wie hast Du Deinen ersten Korb erlebt? (giving)
Peinlich berührt. Ich sah zum ersten Mal diesen tiefen verliebten Blick bis in die Seele und wusste, dass der gleich von einem Kuss gefolgt würde. Was ich durch ein fröhliches „Also dann, bis nächste Woche!“ und Aussteigen aus dem Auto verhinderte. (Laute Fröhlichkeit ist ein wirkungsvolles Distanzierungsmittel – trust me.)

3. Wenn Du nochmal zurück könntest, worum würdest Du Deine erste Grundschullehrerin (m/w) bitten?
Dass sie mich auch in der 2. Klasse unterrichtet (was natürlich nicht in ihrem Einfluss lag). Die junge Lehrerin in der 1. Grundschulklasse hatte Erzählungen zufolge ihren Spaß an mir und meiner Impulsivität, meinen Ideen, meiner Umtriebigkeit. Ich erinnere mich nur vage an ihre kurzen, dunklen Locken. Sehr gut erinnere ich mich an die Qual der 2. Klasse: Diese Lehrerin setzte alles daran, mich zu zähmen und zu zügeln – unter anderem, in dem sie mich anwies, meine Hände auf den Tisch zu legen und mein Lineal darüberlegte: damit ich still hielt. Sie war dann aber laut meiner Mutter ehrlich erschüttert, als sie ihr erzählte, wie viel Angst ich vor ihr hätte. Des hätt’s net braucht.

4. Zahnseide oder Munddusche?
Zahnseide. Vor zwei Jahren hat meine großartige Zahnärztin mich davon überzeugt, inzwischen habe ich gelesen, dass man bei knapper Zeit eher auf Bürsteln als aufs Seideln verzichten soll. Was ich nachvollziehen kann, wenn ich mir ansehe, was die Zahnseide jeden Tag nach der elektrischen Bürste so rausholt, und wie viel weniger Zahnstein jetzt bei der Zahnreinigung in der Praxis zu entfernen ist.

5. Notlüge oder bittere Wahrheit?
Die Wahrheit so ausdünnen, dass sie nicht mehr bitter wirkt. Vorher weiträuming dafür sorgen, nie überhaupt in die Situation zu kommen. Wegrennen. Oder ablenken: „Da! Schau! Die Büffel paaren sich!“ (Ich sollte in die PR gehen.)

6. Hütchenspiel oder Skat?
Skat. Kann ich nicht, würde ich mir aber, vor die Wahl oben gestellt, beibringen lassen. Pokern hat mir immer viel Spaß gemacht.

7. Musical oder Oper?
Beides eher nicht, und wenn unbedingt: nur Stücke, die ich schon kenne und die ich mitsummen kann. Bis vor 20 Jahren ging ich in Opern und in Musicals, jetzt kann ich ihnen nichts mehr abgewinnen.

8. Nachschlag oder Nachtisch?
Daheim eher Nachtisch, in Restaurants lieber eine Vorspeise. Was daran liegt, dass daheim der Nachtisch meist aus Schokolade besteht und Restaurantnachtisch mir meist zu kompliziert ist (wenn man mir bitte einfach ein Stück wirklich aromatisches Obst anböte?).

9. Wenn Du eine Sache an Deinem Körper ändern könntest, welche wäre das?
Das weiß ich sofort: Meine schief miteinander verwachsenen untersten drei Lendenwirbel tauschte ich gerne gegen gerade Normwirbel ein. Die meisten Probleme, die ich beim Sport oder sonst mit Bewegungen habe, resultieren aus dieser angeborenen Eigenheit – ich habe den Verdacht, dass auch meine Migräne damit zu tun hat. Die Verwachsung verhalf mir zwar schon mit 19 zur ersten Krankengymnastik und zur Bekanntschaft mit wechselnden orthopädischen Bewegungslehren seither. Aber dieses Wissen gäbe ich gerne dran.

10. Wenn Du eine Sache an Deinem Charakter ändern könntest, welche wäre das?
Meine regelmäßigen Anfälle an Gehässigkeit – die ich mit kalter Gänsehaut auf dem Kopf sogar körperlich spüre.

11. Wenn Dir ein bedingungsloses Grundeinkommen ermöglichen würde, Dich – anstatt zu arbeiten – einer Aufgabe zu widmen – welche wäre das?
Es fällt mir sehr schwer, mich auf diese Prämisse einzulassen. Auch wenn ich generell das bedingungslose Grundeinkommen überlegenswert finde: Mein übergroßes Autarkiebedürfnis würde es mir sehr wahrscheinlich unmöglich machen, meinen Lebensunterhalt mit diesem Geschenk zu bestreiten. Ich würde mich als vermutlich der Aufgabe widmen, ohne dieses bedingungslose Grundeinkommen auszukommen.

12. Deine größte irrationale Angst ist …?
Zu versagen. Immer. Bei allem.

13. Gibt es einen Film, den Du immer wieder gucken kannst?
Es gibt sehr viele, die ich gerne nochmal sähe. Doch tatsächlich ist es Love Actually, den habe ich wohl mittlerweile am häufigsten gesehen.

14. Wie stehst Du zu Deinen Füßen?
Ich beobachte mit Sorge die Schmerzen, die mit ihrem Altern verbunden sind. Das Senken, Spreizen und Knicken lässt sich nicht völlig wegtherapieren, also kann ich immer kürzere Zeit mit hohen Absätzen laufen, werden meine Zehen beim Sport taub, plagen mich schmerzende Achillessehnen. Aber noch kann ich so weit damit gehen und wandern, wie ich will – ich hoffe, das bleibt noch lange so.

die Kaltmamsell