Journal Sonntag, 14. August 2016 – Sommertag im Chiemgau

Montag, 15. August 2016 um 10:03

Ein weiterer Sommertag; da der Spaß ja jeden Tag vorbei sein kann, steckte ich wieder Programm für zwei rein.

Zweites Mal sehr gut geschlafen in Folge – das ist wirklich schön. Nach Kaffee und Bloggen auf dem Balkon (Eichhörnchen!) spazierte ich zeitig zum Schyrenbad, wieder über den wundervollen Südfriedhof.

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Der neue Schwimmbikini bestand seinen ersten Einsatz, die Hose sitzt sogar besser als das alte Modell. Während ich meine Bahnen zog, dachte ich unter anderem nach über die Merkwürdigkeit vorgeschriebener Schwimmstile bei offiziellen Wettkämpfen. Beim schnellen Rennen ist das Ziel ja einfach, eine bestimmte Distanz in möglichst kurzer Zeit zurückzulegen. Aber beim Schwimmen gilt das nicht, die Form der Bewegung wird vorgeschrieben: Es heißt nicht einfach „200 Meter Schwimmen“, das wäre am ehesten Freistil. Sondern die 200 Meter müssen Kraul, Brust, Schmetterling, Rücken geschwommen werden. (Na gut, ich habe gerade gesehen, dass Gehen immer noch olympisch ist.)

Ich duschte und wusch mich gleich gründlich im Freibad, da ich nachmittags einen zweiten Sommertag vorhatte, legte mich dann noch ein halbes Stündchen in die Sonne.

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Zweites Sommertagsprogramm am Nachmittag: Meine Leserunde traf sich diesmal in der Sommerfrische, nämlich im Ferienhaus einer Mitlesenden am Chiemsee. Wir fuhren zusammen mit dem Bayernticket im gut besetzten Zug nach Salzburg.

Geredet wurde nebst Kaffee und Kuchen über Bachtyar Ali, Der letzte Granatapfel. In dem Roman erzählt Muzafari Subhdam, einst ein hochrangiger Peschmerga, nach 21 Jahren Einzelhaft in der Wüste befreit, seine Geschichte – und die der Suche nach seinem Sohn. Auf der Suche erzählen ihm wiederum Menschen Stück für Stück, was in den 21 Jahren seiner Abwesenheit geschehen ist. Durch diese Erklärungen entfaltet sich die ganze menschliche und politische Auswegslosigkeit der Lage im kurdischen Irak – wenn nicht sogar im gesamten Nahen Osten.

Ich war die einzige, der der Roman gefallen hatte; die anderen waren durch die Redundanz des manchmal formelhaften Erzählens gelangweilt oder abgestoßen von der toxic masculinity, die sowohl den Hintergrund des kriegerischen Gemetzels in den kurdischen Gebieten Iraks durchtränkt als auch den ausschließlich männlich geprägten Vordergrund, in dem es nur Freund oder Feind gibt, Schwarz oder Weiß, und in dem die Männer einander bei der nichtigsten Gereiztheit grausame Tode an den Hals wünschen. Frauen tauchen nur als mystische Gestalt, Sexspielzeug oder Kindsausträgerin auf.

Dennoch war ich fasziniert gewesen von der ganz ungewohnten Erzählweise, in der die Figuren nicht psychologisch motiviert sind, sondern durch mythische Topoi – die dann in formelhaft variierten Naturbildern geschildert werden. Und ich sah in den drei Saryasi drei Seiten der kriegerischen Auseinandersetzung, mit dem ersten Saryasi, dem „Marschall“, als einzige politisch vernünftige Gestalt.

Wir unterhielten uns recht lange darüber, ob die Erzählerstimme die Geschehnisse und die Kultur dahinter kommentierend berichtet oder lediglich konstatiert. Ich plädiere für eine Schilderung, die eine Einordnung dem Lesenden überlässt (was er und sie ja ohnehin tun). Als Europäer und Europäerinnen sind wir abgestoßen von einer Denkweise, die uns mittelalterlich erscheint; ob das kolonial bevormundend ist, will ich nicht beurteilen.

Vielschichtig ist der Roman auf jeden Fall. Ich empfehle ihn, weise aber auf die abweisenden Reaktionen meiner Mitleserinnen und Mitleser hin. Hier die Rezension von Stefan Weidner in der Sueddeutschen, die mich auf das Buch aufmerksam machte.

Wenn wir schon im Chiemgau und am See waren, wollte die eine Hälfte der Leserunde Baden gehen. Mir war nicht nach einer zweiten Wasserrunde, ich fuhr nur zum Gucken mit an den Langenbürgener See.

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Weiteres Programm: Gestern fand in Prien das jährliche Marktfest statt – das wollten wir sehen. Und zu sehen war einiges, die Straßen und Plätze um den Marktplatz standen voller Bierbänken, Bühnen, Ständen mit Speisen und Getränken. Das Ganze war angenehm schlicht und unkommerziell, hier feierten die Einheimischen und ließen es sich gut gehen, schnickschnackfrei. Zu essen gab es Bratwürste, Schweinsbraten, Leberkäs, Hendl (traditionell schlechte Aussichten für Vegetarierinnen), zu trinken Bier und Wein (plus Wirtshauscocktails an einer Bar), auf den drei Bühnen spielten eine volkstümliche Band, ein 30-köpfiges Blasorchester, eine Partyband. Die örtlichen Trachtenvereine zogen reihum und boten dar.

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Zum Beispiel die Goaßlschnoiza.

Rückfahrt nach München im überfüllten Meridian, Zugerprobte (ich) fanden Bodenplätze.

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Da ich schon berufsbedingt ein großer Fan von Serienbriefen bin

Wortschnittchen erzählt, wie sie den Nachlass ihres Manns bearbeitet und gibt Tipps.
„Nachlasssachen.“

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 13. August 2016 – Zurück zum Sommer: Wandern und Draußenessen

Sonntag, 14. August 2016 um 8:28

Und wieder sprang das Wetter über Nacht von saukalt mit Regen auf Hochsommer mit Hitze. Ein Glück ist die Meteorologie inzwischen so präzise geworden, dass man das mit dem Vorlauf von mindestens 24 Stunden weiß – der Samstag war also sommerlich geplant.

Nach Ausschlafen, Morgenkaffe und Bloggen machten Herr Kaltmamsell und ich uns fertig für einen kleinen Wanderspaziergang: Mit Frühstück setzten wir uns in eine S-Bahn nach Kirchseeon, um von dort über Egglburg und die Ebersberger Weiher nach Ebersberg zu gehen.

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Das Getreide war bereits geerntet, aber Heu wurde nochmal gemacht. Wir sahen viele Schwalben – die Jungen müsste ja jetzt alle aus dem Nest sein. Und einen Baum mit roten Mirabellen. Außerdem große thermiksegelnde Greifvögel und ein Reh, das vor uns über eine Wiese hüpfte.

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Egglburger Kirche und Egglburger See.

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In Ebersberg setzten wir erst mal je ein Pokémon in eine dortige Arena (überraschend lebhafte Pokémonlandschaft!). Mittagessen in einer Eisdiele am Rathausplatz, für mich Eiskaffee, der Mitwanderer bestellte einen Mozartbecher.

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Durchaus eine vollwertige Mahlzeit (ja, das sind Marzipanstücke und eine Mozartkugel).

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Für den Abend hatten wir einen Tisch im Romans reserviert. Das Essen ist dort ordentlich, vor allem aber sitzt man wunderschön draußen.

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Wir aßen Überraschungsmenü (das so überraschend ist, dass die Bedienung uns keinen konkreten Wein dazu empfehlen konnte, weil auch sie nicht wusste, was sie servieren würde): Garnelen mit Knoblauch und Salbei, mit Ricotta gefüllte Ravioli mit Tomate, Fischduett mit Pfifferlingen, Schokoladensouffle und Edbeeren.

Wundervolles Heimradeln durch Sommernacht.

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Einerseits ist es in Deutschland politisch gewünscht, dass ein immer höherer Anteil von Schulabgängern studiert. Andererseits wird das Lehr- und Forschungspersonal an den Universitäten völlig in der Luft gelassen. Eine gründliche Analyse und Anklageschrift:
„Exzellente Entqualifizierung: Das neue akademische Prekariat“.

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Vor allem wenn es um Sex geht: Nein heißt nein und nur ja heißt ja. Weil manche das anscheinend kompliziert finden, erklärt es jemand, die sich wirklich auskennt:
„An Essay On Consent, From A Woman Who Hosts Huge Sex Parties“.

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Ich weiß nicht mehr genau, wer mir Florence Foster Jenkins zu Beginn meines Studiums empfahl, woraufhin ich die CD The Glory (????) of the Human Voice bei Zweitausendeins bestellte. Doch ich hörte sie mit Begeisterung und verteilte Lieder daraus über so manche Mixkassette. Sehr interessant, wie Meryl Streep an die Darstellung der Dame für den Film heranging.

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Auch gestern fand ich einen Aspekt, der mir die olympischen Spiele interessant machte:
„Why do swimmers break more records than runners?“

Dass sich Schwimmtechnik in den vergangenen 30 Jahren fundamental geändert hat, sehe sogar ich als Laie (und dass beim Brustschwimmen die Technik der Profis immer weniger von Laien imitiert werden kann, weil sie eine Kraft erfordert, die selbst Lieschen 3-Mal-die-Woche-in-die-Muckibude Müller nicht hat). Aber es kommen noch äußere Faktoren hinzu. Sauspannend.

via @AnkeGroener

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 12. August 2016 – #12von12 und Beifang aus dem Internet

Samstag, 13. August 2016 um 9:31

Gestern war wieder #12von12, hier meine 12 Bilder von meinem 12. des Monats, einem ganz normalen Freitag.

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Tagesbeginn mit Milchkaffee und Bloggen. Hier sehen Sie die schönen neuen Vorhänge. Draußen regnete es kräftig.

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Wegen des Regens Arbeitsweg zu Fuß statt mit dem Fahrrad. Vorm Haus werden die Beeren jeden Tag ein wenig röter.

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Gemütliches Arbeiten. In der Post gestern auch der GV-Manager, das „Fachmagazin der Führungskräfte in Großgastronomie und Gemeinschaftsverpflegung“. Die deutschsprachige Fachzeitschriftenwelt hört nicht auf mich zu faszinieren.

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Nachdem ich das unterwegs besorgte Laugenzöpferl aus Hunger schon um 10 gegessen hatte, blieb mir als Mittagessen nur der (reichliche) Mangojoghurt, den ich mir morgens daheim zubereitet hatte.

Nach dem zeitigen Feierabend hatte ich eine Einkaufsrunde in der Innenstadt geplant (deshalb hatte ich ja das Rad mitnehmen wollen). Ich fuhr mit der U-Bahn zum Stachus. Im Untergeschoß kaufte ich beim Bodyshop Duschgel-Nachschub (3/4 Liter in der Geschmacksrichtung Olive, die Großpackung war gerade im Angebot), hinterm Karlstor mit drei Lockmodul-versehenen Pokéstops suchte ich im Elektroniksupermarkt eine mächtige Powerbank und wurde fündig.

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Obwohl ich nur 500 Meter entfernt wohne, bin ich hier so gut wie nie. Das Wetter blieb kalt und düster, zumindest trocken. Vielleicht fielen mir gerade deshalb die vielen Hijabs und Niqabs auf: Im Hochsommer bin ich die vielen arabischen Gäste im Münchner Straßenbild eigentlich gewohnt, doch der Tag sah eher nach November aus.

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Beim Kaut-Bullinger sah ich im Schaufenster eine launige Modelinie, die mich ein wenig verstörte. Außerdem ist das Model ganz falsch: Die Münchnerin trägt ihre Sonnenbrille vor allem als Haarreif, nicht als Augenschutz.

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In der Sendlinger Straße steuerte ich einen Laden an, in dem ich mir Ersatz für meinen Schwimmbikini erhoffte (kaum trägt man ihn jahrelang zum Schwimmen im Chlorwasser, reißen auch schon die Nähte und leiert der Stoff aus, tse). Ich hatte sehr gute Erfahrung mit der Kombination Bügel und Nackenband gemacht, schnell fand ich per Ausschluss (keine Polster, keine Träger) das eine Modell, das der Laden hatte, die Größe sah passend aus. Anprobiert: Passte. Eigentlich hatten Oberteil und Höschen in einem Eck ohne riesige Preisreduktionsschilder gehangen, doch an der Kasse wollte man statt der erwarteten 60 Euro nur 21,80 von mir – YAY!
Wieder ein Thema, an das ich die nächsten Jahre nicht mehr denken muss.

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Daheim machte sich Herr Kaltmamsell an die Zubereitung des Nachtmahls, ich machte uns Mint Juleps.

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Und weil wir so viel Minze und Mirabellen im Haus hatten, gabs anschließend noch Pimm’s.

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Das Nachtmahl war eine neue Shakshuka-Variante, nämlich mit Auberginen und Chorizo. Beides ging ein wenig unter, den Chorizo hätte man vielleicht anbraten sollen.

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Frau Mutti postete ein lustiges Kuss-Foto; ich versuchte es mit Herrn Kaltmamsell nachzustellen. Da müssen wir wohl noch etwas üben (das Fotografieren! Küssen klappt sehr gut!).

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Im Bett kehrte ich zurück zu Wilkie Collins‘ The Moonstone, dessen Lektüre ich unterbrochen hatte, um rechtzeitig für den Lesekreis Der letzte Granatapfel gelesen zu haben.

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So schade ich es finde, dass Katia Kelm ausgeknetet hat: Ihre Ölbilder mag ich arg gerne.
Gestern hat sie ihre neuesten aufs Blog gestellt; ich mag besonders das Badewannenbild und das letzte, frisch aufgewachte.

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Ein Experte feiert die deutsche Sprache statt sie zu Grabe zu tragen – welch eine Erleichterung.
„Hallo! Was geht? Alles gut!“

Der Artikel rühmt die Möglichkeit des präzisen Ausdrucks im Deutschen durch Legotechnik oder die Sprachökonomie („die Behauptung, das Deutsche lasse keine kurze Ausdrucksweise zu, ist schlicht falsch“). Man muss sie halt zu nutzen wissen.

Anderes Lob unter anderem:

Ein weniger geläufiger Vorzug ist die im deutschen Sprachgebrauch angelegte Nuancierung und Abtönung von Aufforderungen oder Fragen.

Ich kenne diese „Abtönung“ als „Modalpartikel“ – und sie zeichnen die Sprachbeherrschung der near nativeness aus. Ich erinnere mich noch zu gut an die irische Gaststudentin, die ich während meines Studiums beim Ausgehen kennenlernte und deren Deutsch nicht nur fast akzentfrei war, sondern auch genau diese Modelpartikel enthielt, korrekt eingesetzt. Die Dame beharrte darauf, dass sie zum ersten Mal in Deutschland sei, und das erst seit zwei Wochen; ich glaube ihr bis heute nicht.

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Wozu Unfälle gut sind: Schriftstellerisches Talent für die Schilderung derselben zurückbringen.
„Auf einer Skala von Eins bis Zehn“.

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„What I learned as a hired consultant to autodidact physicists“.

Sabine Hossenfelder ist Physikerin, „a research fellow at the Frankfurt Institute for Advanced Studies, with a special interest in the phenomenology of quantum gravity. Her writing has appeared in Forbes, Scientific American, and New Scientist, among others“. Um die einkommenslose Zeit zwischen Forschungsprojekten zu überbrücken, bot sie gegen Geld ihr Fachwissen interessierten Laien an – schließlich wissen sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen aus Zuschriften, wie viele davon es gibt:

I work in theoretical physics, specifically quantum gravity. In my field, we all get them: the emails from amateur physicists who are convinced that they have solved a big problem, normally without understanding the problem in the first place. Like many of my colleagues, I would reply with advice, references and lecture notes. And, like my colleagues, I noticed that the effort was futile. The gap was too large; these were people who lacked even the basic knowledge to work in the area they wanted to contribute to.

Und tatsächlich wurde ihr Angebot in Anspruch genommen. Dabei lernte sie eine Menge.

A typical problem is that, in the absence of equations, they project literal meanings onto words such as ‘grains’ of space-time or particles ‘popping’ in and out of existence. Science writers should be more careful to point out when we are using metaphors. My clients read way too much into pictures, measuring every angle, scrutinising every colour, counting every dash. Illustrators should be more careful to point out what is relevant information and what is artistic freedom. But the most important lesson I’ve learned is that journalists are so successful at making physics seem not so complicated that many readers come away with the impression that they can easily do it themselves. How can we blame them for not knowing what it takes if we never tell them?

Meiner Überzeugung nach ist das ein großes Problem der heutigen Wissenschaftskommunikation: Im Bemühen, ihr Fach überhaupt erzählbar zu machen, vereinfachen und verbildlichen Expertinnen und Experten komplizierte Zusammenhänge so stark, dass sie wie Geschichten klingen – und sich scheinbar nicht mehr von den Geschichten und Mythen unterscheiden, die sich die Nicht- oder Pseudowissenschaft zur Erklärung physikalischer oder medizinischer Phänomene ausdenkt. Wieso sollten Laien diese Wissenschaftsg’schichterln für belastbarer halten als die Homöopathieg’schichterln?

Mittlerweile hat Hossenfelder ein Physikteam, mit dem sie die Anfragen neben ihrer eigentlichen Forschung beantwortet.

I still get the occasional joke from colleagues about my ‘crackpot consultant business’, but I’ve stopped thinking of our clients that way. They are driven by the same desire to understand nature and make a contribution to science as we are. They just weren’t lucky enough to get the required education early in life, and now they have a hard time figuring out where to even begin.

via @AndreasSchepers

Sabine Hossenfelder scheint ohnehin eine interessante Physikerin zu sein:
„Physicist Sabine Hossenfelder Fears Theorists, Lacking Data, May Succumb to ‚Wishful Thinking'“.

If you want to rely on non-empirical assessment, you have to make really sure that scientists’ judgment is as objective as humanly possible. And the environment in academia presently is absolutely unsuitable for this. You just can’t be sure how much sociology affects judgment. And no physicist I know makes any effort to consciously address cognitive biases, such as wishful thinking, loss aversion, or the use of aesthetic criteria. It’s just not something that they pay attention to because it’s never been necessary before.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 10. August 2016 – Unaugustlich

Freitag, 12. August 2016 um 7:16

Der Sommer hatte sich erst mal gründlich verabschiedet.

Am Mittwoch regnete es praktisch durch. Mein heftiger Muselkater ermöglichte es mir zum Glück gerade noch, den Regenschirm auf Arbeits- und Heimweg zu halten, viel weiter hoch bekam ich die Arme nicht schmerzfrei.

Die neue Auszubildende, die Mitte September zu uns in die Abteilung kommt, stellte sich vor. Nachmittags verbrachte ich zwei Stunden in einem internen Interview, durch das ich eine Kollegin besser kennenlernte.

Ich setzte eine Recherche fort, für die mich eine Kollegin aus einer anderen Abteilung ins oberste Stockwerk des Bürogebäudes brachte: Ich hatte eine repräsentative Etage für Vorstandsempfänge erwartet – doch nein, dieses Hochhaus hat hier seinen Dachboden. Wäscheleinen hätten nicht deplaziert gewirkt.

Auf dem Heimweg wollte ich in einem Elektroniksupermarkt eine Powerbank kaufen, doch das Angebot war mir mit zwei Modellen, von denen ich noch nie gehört hatte, zu dünn.

Aus dem selbst gemachten Corned Beef war fürs Abendbrot Sandwichs geworden – ausgesprochen wohlschmeckend.

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Den gestrigen Donnerstag begann ich (nach meinem Morgenkaffee) mit Crosstrainer-Strampeln. Damit war ich für den Arbeitsweg gut aufgewärmt, die Temperaturen waren eindeutig Socken und warme Jacke. Zumindest blieb es den ganzen Tag trocken, sogar mit Sonne und gemischten Wolken.

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Den Abend verbrachte Herr Kaltmamsell aushäusig, hatte mir aber einen Salade niçoise in Einzelteilen vorbereitet, die ich als Nachtmahl nur noch zusammensetzen musste. Ich wusch Wäsche, las Internet und dann den irakisch-kurdischen Roman für meinen Lesekreis zu Ende.

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Der Deutsch-Brite Marcus Brown schreibt
„Geboren in Großbritannien. Made in Germany. Ein offener Brief an Innenminister Herr de Maizière.“

Das Antragsverfahren ist keine Gaudi, Herr Innenminister. Die doppelte Staatsbürgerschaft beantragt man nicht, weil man es kann, sondern weil man will. Das Antragsverfahren ist so gestaltet, dass man wirklich integriert sein muss. Nicht nur um den Pass zu bekommen, sondern weil es ein formeller Teil des Integrationsprozesses ist.

Ich war elf Jahre alt, als ich mitsamt meiner Familie die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt. Hätte es damals die Möglichkeit einer doppelten gegeben, hätten wir die sehr wahrscheinlich wahrgenommen, mein in Madrid geborener Vater und seine beiden Kinder – meiner Mutter wahrscheinlich nicht: Sie war vor der Eheschließung staatenlos gewesen (Mutter polnische Zwangsarbeiterin, nach dem Krieg ohne Papiere, sich nie um welche bemüht – fragen Sie nicht, es war kompliziert) und hatte durch die Heirat eines spanischen Staatsbürgers die spanische bekommen. Möglicherweise hätte ein bisschen spanische Staatsbürgerschaft meine Bindung an das Herkunftsland meines Vaters gestärkt, vielleicht auch nicht. Heute hätte ich die spanische Staatsbürgerschaft sehr wahrscheinlich auch als halbe aufgegeben, da mich zu wenig mit diesem Staat verbindet.

Doch ich kenne genügend Deutsche, die eine sehr enge Bindung an das Herkunftsland ihrer Eltern haben und durch die Wurzeln in zwei Staaten beide bereichern; was gegen deren doppelte Staatsbürgerschaft spricht, verstehe ich nicht. CSU-Politikerinnen und -Politiker bestehen ja auch darauf, sowohl in Bayern als auch in Deutschland verwurzelt zu sein.

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Schaut gut aus. Hier ein Drehbericht aus der Süddeutschen.

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Bilder, die mich zum Heulen bringen können:
„22 Amazing Photos Of Female Olympians Screaming Their Fucking Heads Off“.

Vielleicht interessiere ich mich ja doch ein bisschen für die olympischen Spiele.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 9. August 2016 – Irgendwas mit Langhanteln

Mittwoch, 10. August 2016 um 7:04

Gestern nahm ich wieder in Kauf, recht spät in die Arbeit zu kommen – um frühmorgens Langhantel-trainieren zu können. Ich hatte mich schon tagelang darauf gefreut, ließ mich auch nicht vom Landregen abhalten.

Doch dann stand kein Hot-Iron-Trainer vorne, sondern jemand, der meinte, er sei dafür nicht ausgebildet, wir würden jetzt halt anders langhanteln. Da ahnte ich bereits Unruhe, denn: Der festgelegte Übungs- und Bewegungsablauf der Hot Iron-Franchise ermöglicht mir in Kombination mit meinem Trainingsstand zu beurteilen, für welche Übung ich wie viel Gewicht auflade. Wenn ein Trainer lediglich breite Squats ankündigt, weiß ich nicht, wie viele oder wie schnell sie sein werden. Und bei Oberkörperübungen fehlt mir zudem die Information, ob das die einzige Übung für diesen Muskel sein wird und ich ihn völlig erschöpfen kann oder ob ich ihn später nochmal brauchen werde – und sei es zur Unterstützung fürs Training eines anderen Muskels – und besser Reserven behalte. Ergebnis: Ich schwenkte bei einigen Übungen mittendrin auf eine Alternative, weil ich dafür viel zu viel Gewicht auf der Hantel hatte, mein Schultergürtel war beim abschließenden (!) Hantelstoßen über Kopf gefährlich ausgepowert. Beim Radeln zur Arbeit in Konsequenz so kraftlos, dass ich mich schier nicht auf dem Fahrradlenker aufstützen konnte, und der Muskelkater in Po, Brust, Trizeps setzte bereits am Abend ein.

Radeln durch den Regen ist übrigens nicht halb so romantisch wie es sich zunächst anhört. (Fluchte sie.)

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Nach Feierabend nutzte ich eine Schalteröffnung bis 18 Uhr, um ein Girokonto bei einer Genossenschaftsbank zu eröffnen. Ich erfuhr unter anderem, dass ich nicht die einzige bin, die die Sparkasse durch ihre neue Struktur von Kontoführungsgebühren endgültig vergrault hat.

Die Beraterin konnte auch meine letzte Sorge ausräumen: Wohin künftig mit dem Kleingeld unserer Urlaubskasse? Ihr Kollegin hob wortlos eine durchsichtige Plastiktüte mit Münzen hoch: So, erklärte sie mir dann, könne ich unser Kleingeld abgeben. Es werde eingeschickt, gezählt und dann gutgeschrieben.

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Herr Kaltmamsell kocht ja gerne Abenteuerliches. Als ich also bei David Lebovitz eine Anleitung für selbst gemachtes Corned Beef entdeckte, sah ich darin genau das Richtige für den Herrn. Jetzt in seinen Sommerferien nahm er sich die Zeit dafür. Seit einer guten Woche pökelte das Rindfleisch in unserem Kühlschrank vor sich hin (das Salz hatte Herr Kaltmamsell online besorgt), gestern wurde es gekocht und serviert. Es schmeckte großartig, feinwürzig durch Piment, Zimt, Nelken, Senfkörner, und unglaublich mürbe. Ich hoffe, das bleibt nicht das letzte Mal.

Zum Nachtisch bekam ich Berry Pie (mit Mirabellen, Him- und Brombeeren sowie Rumkirschen), ebenfalls nach einem Rezept von David Lebovitz, ebenfalls köstlich.

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Kathrin Passig verbringt einen Sommerabend mit Freunden am Berliner Dom:
„Nachts schlafen die Pokémon doch“.

Ich sage, ich sei schon lange nicht mehr so froh gewesen, dass meine Eltern mir nichts mehr zu sagen haben.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 8. August 2016 – Hochsommerspaziergang im Rock

Dienstag, 9. August 2016 um 6:27

Wir bekamen einen weiteren Sommertag geschenkt. Herr Kaltmamsell, der in seinen Sommerferien auf mehrere Tage Kochpläne fürs Abendessen hat, ließ sich schnell zu einem abendlichen Biergartenbesuch überreden. Wir spazierten an den Flaucher, quer über den Südfriedhof und dann die Isar entlang.

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Im Flaucherbiergarten war ziemlich Betrieb: Ein freier Tisch war zwar einfach zu finden, doch die Schlange an Getränke- und Speisenausgabe länglich. Bei uns gab es Wurschtsalat und Obatzten mit Riesenbreze zu Radlermaß.

Rückweg noch im Hellen, doch die Tage werden schon wieder schnell kürzer.

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Am Wochenende waren die Bandelettes eingetroffen, die ich auf Handes Empfehlung in USA bestellt hatte.

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Am Sonntag trug ich sie für den Heimweg, gestern den ganzen Tag unterm Rock; auf dem Fußweg von der Arbeit nach Hause ging ich sogar eigens in der der heißen Sonne. Großartig! Hande hat tatsächlich nicht zu viel versprochen: Innerhalb kürzester Zeit bemerkte ich die Bänder nicht mehr, konnte aber trotz Schwitzen einen Rock tragen und damit weite Strecken zu Fuß gehen, ohne dass meine Beine scheuerten. Meine (immer schon sehr schlanke) Mutter hatte die Bänder am Sonntag beim gemeinsamen Werkeln bemerkt und mich darauf angesprochen: Sie sah den Nutzen ebenfalls sofort und will sich im Sanitätshaus danach erkundigen. (Nur zur Sicherheit: Die in den vergangenen Jahren in Frauengazetten anscheinend ersehnte thigh gap ist eine Sache des Knochenbaus, nicht von Fitness.)

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 7. August 2016 – Angrillen

Montag, 8. August 2016 um 6:49

Das erste Grillen heuer ganz schön spät im Jahr, das lag aber nur zum Teil an mir und meinen mangelnden eigenen Grillmöglichkeiten. Vor allem hatte das erratische Sommerwetter mittelfristige Planungen zerschossen.

Gestern aber passte es. Meine Eltern hatten Herrn Kaltmamsell und mich Mitte der Woche für Sonntag zum Grillen eingeladen, gestern stand ich zu strahlendem Sonnenschein auf.

Zugfahrt durch satteste Hochsommerlandschaft, Heimatgefühle beim Anblick der Hopfengärten kurz vor der Ernte. Als eine amerikanisch klingende Mitreisende bemerkte: „I’ve never seen hops before“, wurde mir mal wieder die Exotik dieser Landschaft klar, global gesehen.

Ich war schon gespannt gewesen auf die Pokémonlage im elterlichen nördlichen Ingolstadt (das Spiel legt eine aufregende zweite Ebene über alle Geografie).

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Würde mich nicht wundern, wenn dieses Bild bald als Icon für „Besuch bei Eltern“ fungieren könnte. Ein paar Taubsis und Rattfratze gab es dann aber doch zu fangen.

Schwiegerelterns kamen auch zu Tisch, wir schlemmten Garnelen, Lammkoteletts, Auberginen, Rindersteak, Zucchini, Knoblauchbrot, Dorade, Tomaten, Schweinebauch – großartig.

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Ein Autor des schweizer Magazin schreibt aus Washingtons Suburbia:
„Das Böse lauert überall“.

Amerikas Vorstadtstrassen sind wie leer gefegt, weil Eltern ihre Kinder nicht mehr allein vor die Tür lassen, aus Angst, verhaftet zu werden. Vertrauen ist das grösste Tabu, Paranoia oberste Pflicht. In den USA grassiert die Furcht vor allem und jedem.

Ich finde die Beobachtungen sehr interessant – möchte aber bitte keine Zivilisationsuntergangsprognosen daraus ableiten. Ja, unsere Kindheit war völlig anders. In den ländlichen oder nicht-weißen USA ist es sie auch.

Kinder aus ärmeren Familien sind durchaus auf der Strasse, in Schwarzenvierteln von D.C., Chicago oder Baltimore etwa klettern sie ohne Aufsicht auf Gerüste und Bäume, weil die Eltern keine Zeit haben, sich um sie zu kümmern. Weil sie arbeiten und abends zu müde sind. Angst zu haben und teilzunehmen an der nationalen Panik ist ein Privileg und gehört auf die Liste von Christian Landers hervorragendem Blog: «Stuff White People Like».

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Oh doch, man kann mich für Profisport interessieren. Die New York Times hat ein wunderbares Multimedia-Feature über die Turnerin Simone Biles gemacht:
„Simone Biles – Gymnastics“.

Die artistische Körperbeherrschung und Kraft von Kunstturnerinnen fasziniert mich seit meiner Kindheit, und diese Frau ist atemberaubend.

die Kaltmamsell