Journal Montag, 11. April 2016 – Ausbruch der Referenzkirsche

Dienstag, 12. April 2016 um 6:17

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Auf dem Weg in die Arbeit: Der Aufbau des Frühlingsfests dauert zwei Wochen (Aufbau Oktoberfest zwei Monate).

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Auf dem Weg nach Hause: Die Referenzkirschbäume sind voll in Blüten ausgebrochen.

Als Abendessen geplant waren Fleischpflanzerl (die ich noch nie nach Rezept gemacht habe, wie mir gerade auffällt, wo ich sogar für Pfannkuchen ein Rezept brauche). Doch schon auf dem Heimweg wünschte ich sie mir nicht klassisch bayrisch, sondern – meinem Wohnort im Bahnhofsviertel geschuldet? – orientalisch: Gewürzt nicht nur mit angedünsteter Zwiebel, sondern auch mit Knoblauch, Oregano, Harissa, zudem mit Schafskäse gefüllt. Dazu machte Herr Kaltmamsell ein noch orientalischeres Püree aus weißen Bohnen, Tahini, Knoblauch, Zitronensaft, Olivenöl.

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Es war ein sehr gutes Abendbrot.

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Auf kleinerdrei macht sich Barbara Gedanken darüber, welche Auswirkungen der Überfluss und die Geschenkeflut haben, unter der ihre kleinen Kinder begraben werden:
„Der Osterhase hat ein Fahrrad gebracht.“

Unter anderem weist sie darauf hin, wie groß ihre Entfernung zu Familien geworden ist, die in materiellem Mangel leben.
Diese Ungleichheit ist relevanter, als es auf den ersten Blick aussieht. Wissenschaftler haben schon lange herausgefunden, dass für die Zufriedenheit mit Gehalt und auch sonst mit materiellem Wohlstand gilt: Nicht der absolute Besitz gibt den Ausschlag, sondern der Wohlstand/das Gehalt im Vergleich zur Umgebung.

Wenn wir Alten (jetz lassen’S mich halt) krückstockfuchteln: „Mia ham ja nix g’habt!“, dann ist daran wichtig, das auch sonst niemand etwas hatte. Ein neues paar Schuhe war eine Investition, für Eis musste ich mein Taschengeld hernehmen, Restaurantbesuche waren für meine Eltern als Aspiranten auf ein eigenes Häusl nicht drin – aber so ging es allen. (Das Argument meiner Mutter, dass ich irgendetwas nicht gekauft bekam, von Eis bis Billigspielzeug, war übrigens keineswegs: „Dafür haben wir kein Geld.“, sondern: „Des braucht’s net.“)

Das hat sich mittlerweile völlig verändert: An derselben Klassenfahrt nehmen Schülerinnen teil, die eine Kreditkarte mitbekommen, damit sie bei Nichtgefallen der gebotenen Speisen Pizza bestellen können. Und gleichzeitig Schülerinnen, deren Eltern einen finanziellen Zuschuss beantragen mussten, damit sie überhaupt mitfahren konnten. Diese immer größer werdende Schere ist auf vielen Ebenen bedenklich.

Ich bin mit der Überzeugung aufgewachsen, dass der/diejenige viel Geld verdient, die klug ist und hart arbeitet und viel Geld verdient. Solange ich der Meinung war, dass das stimmt, konnte ich Ungerechtigkeiten, die ich gesehen habe, ganz gut verkraften. Je mehr ich sehe, dass der Zusammenhang zwischen harter Arbeit, großer Verantwortung und gutem Verdienst ein Fantasiegespinst ist, desto weniger komme ich damit klar – und desto schwieriger finde ich es, es meinen Kindern zu erklären.

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Bella hat eine worst case-Beerdigung erlebt. Und nutzt die Gelegenheit, vor dem bösesten Schnitzern zu diesem Anlass zu warnen.
„Kyrie eleison – Ableben mit Stil“.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 10. April 2016 – Letzte Tage

Montag, 11. April 2016 um 6:46

Nach langem Ausschlafen gemütliches Bloggen, außerdem ein schönes Telefonat mit meinem Vater, der inzwischen auf Reha ist. Und sich dort sehr langweilt: Der Mann ist ein Bewegungs- und Unternehmungswesen, stille Beschäftigung, am End‘ auch noch mit sich selbst, kann er gar nicht. Ich nehme an, er wird in den nächsten Tagen dafür sorgen, ein doppelt so dichtes Reha-Programm zu bekommen wie eigentlich vorgesehen.

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„Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter“ wurde mir als Denkaufgabe gestellt. Ich habe das mal ernst genommen, nicht einfach abgewunken, sondern bei Menschen nachgelesen, die solche Kalendersprüche ernst nehmen. Zum Beispiel „Glücksdetektiv“.

Der Haken: An meinem garantiert allerletzten Tag würde ich mich an mein Wohnzimmerfenster setzen und einfach rausschauen. Mir ginge es gut. Ich müsste endlich keine Pläne mehr machen und mir nicht mehr ausdenken, wie ich all die vielen Jahre Leben für alle Beteiligten möglichst schadlos, wenn nicht sogar bereichernd rumkriege. Ich müsste gar nichts mehr. Diesen innigen Wunsch und die große Erleichterung darüber, dass mein Leben endlich vorbei wäre, kalkulieren die Besinnungsfreundinnen und -freunde bei ihren Denkanstößen als Möglichkeit nicht ein. Manche finden das Leben halt nicht viel zu kurz.

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Herr Kaltmamsell buk einen Pastinakenkuchen nach einem nahöstlichen Rezept aus Spezialitäten der Welt köstlich wie noch nie, Gräfe und Unzer 1982. Neben gekochten, pürierten Pastinaken und Walnüssen kommt noch reichlich Butter rein, umkleidet wird das ganze ebenfalls mit gesüßter Butter.

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Schmeckt durchaus interessant und gut, der Gehalt eines Stücks bringt einen locker das Matterhorn rauf und wieder runter.

die Kaltmamsell

Journal Freitag/Samstag, 8./9. April 2016 – Wandern im Dachauer Land

Sonntag, 10. April 2016 um 10:39

Da alles darauf hinwies, dass ich wieder gesund war, legte ich am Freitagmorgen nach gutem Nachtschlaf eine Trainigsrunde Bauch und Rücken ein.

Auch der Fußmarsch in die Arbeit machte trotz Regentröpfeln Spaß, erst im Büro war ich dann doch etwas wacklig.

Das Arbeitstempo hatte sich wieder beruhigt, ich konnte pünktlich Schluss machen.

Nach Feierabend eine Runde Einkäufe, da Herr Kaltmamsell aushäusig war, dachte ich mir nur für mich ein Abendessen aus: Spaghetti mit Champignons in Sahnesoße (plus gedünstetem Zwiebelchen, dem Schnittknoblauch aus Ernteanteil und geriebenem Parmesan) – schmeckte wunderbar.

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Am Samstag war Wandern geplant. Auf dem Jakobsweg, das weiß ich von meinem Vater (der in letzter Zeit sehr viel von seiner Wanderung vor 14 Jahren erzählt) und aus den Berichten von Mini-Frau-Muttiafrikaanne, geht man etwa 30 Kilometer täglich. Das wollte ich dann zumindest mal probieren, als Training für den Wanderurlaub in England (wo allerdings 23 Kilometer die längste Tagesstrecke sein werden). Da ich sie mit Herrn Kaltmamsell gehen wollte, gab es nicht viel Terminauswahl: Die meisten Lehrer muss man fürs Wochenende ziemlich lang im Voraus reservieren, normalerweise arbeiten sie da. Nun war aber für diesen Samstag Kälte und Regen angesagt, morgens war auch genau dieses Wetter. Na gut, übten wir das halt auch gleich mal für England.

Wir fuhren mit der S-Bahn hinaus nach Altomünster. Der Plan war, von dort nach Markt Indersdorf zu wandern, nach einer Pause wieder zurück. Tatsächlich war es zum Glück nur grau und kalt, geregnet hat es unterwegs keinen Tropfen. Dafür waren wir auf der ganzen Strecke allein, in sieben Stunden begegneten uns nur ein Mal andere Wanderer.

Wir sahen immer wieder Rehe, einzeln, in Kleingruppen – plus dreimal Damwild im Gehege: zählt nicht, ist trotzdem niedlich. Mein Highlight aber war ein ein lustiger Hase: Wir waren gerade verhältnismäßig querfeldein unterwegs (die Wegbeschreibung im Büchel „Wandern mit dem MVV“ half nicht sehr, wir orientierten uns mehr an Markierungen und digitalen Landkarten), als wir vor uns die Rückseite eines großen, zimtfarbenen Hasen sahen, der gerade die Ohren spitzte. Und diese Ohren hatten weiß-schwarze Spitzen, ganz hinreißend. Er hoppelte ein paar Sprünge von uns weg, dann verschlang ihn scheinbar der Erdboden.

Wir sahen auch viele Vögel: Die ersten Schwalben des Jahres (!), Falken und Bussarde in der Luft, Amseln, Stare, Meisen, einen Dompfaff, Elstern, Spatzen, vielleicht einen Gelbspötter, vielleicht einen Fasan (ein huhngroßer Vogel mit ziegelrotem Körper und schwarzem Kopf am Feldrand, allerdings recht weit weg – vielleicht auch einfach ein entlaufenes Haushuhn), wir hörten viele unbekannte Vogelrufe.

Die Wanderung war sehr schön, wahrscheinlich ideal für dieses Wetter: Da sie hauptsächlich durch freies Land führte, ist sie nichts für heiße Sonnentage, bietet andererseits immer wieder weite Ausblicke über die sanften Hügel des Dachauer Lands (na gut, die wären bei klarem Wetter schöner gewesen). Nur der kleinste Teil führte uns über geteerte Wege, unsere robusten Wanderstiefel waren angemessenes Schuhwerk.

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Birgittenkloster Altomünster, das derzeit aufgelöst wird.

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Kreuzweg zum Kalvarienberg mit Hörstationen inklusive Erklärung der verwendeten Farbsymbolik (wir hörten mal rein).

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Herr Kaltmamsell: „Zahnspangen für Obstbäume?“

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Bei jeder Wanderung mindestens einen neuen Blumennamen lernen: Helfen Sie mir wieder bei der Bestimmung dieser Schönheit am Feldrand? (Blumen halten wenigstens still, wenn man sie zur Bestimmung fotografieren möchte. Im Gegensatz zu Vögelchen.)

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Albersbach mit vielen Schwalben (nicht im Bild). Das war bereits auf dem Rückweg. In Markt Indersdorf hatten wir in einem sympathischen Café etwas getrunken.

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Heppach.

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Abschließendes Einkehren in Altomünster. Dort gibt es sogar zwei Brauereien, den alteingesessenen Maierbräu und den reaktivierten Kapplerbräu. Wir entschieden uns dann für den Maierbräu, merke (laut Herrn Kaltmamsell): Nach einer Wanderung muss immer noch genug Energie übrig sein, nicht in den erstbesten Gasthof einkehren zu müssen.
Obwohl die Speisenkarte auch mit Ochsenbraten und Tafelspitz lockte, war mir mehr nach Brotzeit, unter anderem interessierte mich das Treberbrot, das laut Karte eigens für das Gasthaus gebacken wurde. Schmeckte sehr gut, ebenso wie die Biere (ich probierte das Dunkle und den unfiltrierten Zwickl). Selbst Wein wäre interessant gewesen: Die Karte schilderte ausführlich ein südtiroler Weingut, aus dem er kommt.

Ergebnis des Experiments: Nach 33 Kilometern und sieben Stunden Wanderung hatte ich dann doch eine Blase, wie erwartet an völlig unerwarteter Stelle (linke, große Zehe, unten innen), und schmerzende Druckstellen am oberen Stiefelrand. Wenig überraschende Erkenntnis: Eine springfluartige Menstruation wie seit über zehn Jahren nicht mehr ist schlecht mit einem Wandertag zu vereinbaren, ich machte auf meine alten Tage völlig neue Erfahrungen.
Doch wie es ist, einen Tag bei Regen zu wandern, werden wir in England herausfinden müssen.

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Schaun Sie mal, wer hier im Filmchen „Taste Escape“ die Rolle von Wein für Rom erklärt! (Pst, es ist Hande aka vinoroma.) (Nein, ihre Stimme klingt nicht immer so, die Ärmste!)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch/Donnerstag, 6./7. April 2016 – Von Vollgas zu Vollbremse

Freitag, 8. April 2016 um 9:39

Gegenüber einfachen Erklärungen nach dem Muster psychische Ursache -> somatischer Effekt bin ich misstrauisch: Sowohl Psyche als auch Soma sind dafür zu komplexe Systeme. Schon gleich gar, wenn das zeitgenössische „Stress“ als Ursache angeführt wird. Aber es ist halt schon verführerisch, als Trigger der gestrigen Vollbremsung durch Migräne die Synapsenhöchstleistung am Vortag anzunehmen: Elf Stunden Höllenritt an Konzentration und Hirnanstrengung.

Die am Dienstag weggefuchtelte Reiseorga für acht Menschen blieb dann doch an mir hängen, genau so viel komplexer und mit immer neuen Hindernissen und Entscheidungen wie befürchtet. Dazu kam eine erwartete Reiseorga (Messeunterkünfte), die genauso wenig glatt lief. Einarbeitung einer neuen Hilfskraft, Anweisung einer Auszubildenden. Zahlreiche externe und interne Anfrage zu allem Möglichen, an mich und die Menschen, deren Telefone auf mich umgeschaltet waren. Endkorrektur deutscher und englischer Texte. Terminvereinbarungen. Letztes Brandlöschen für eine Web-Konferenz, deren Vorbereitungen bis zu diesem Punkt eine erkrankte Kollegin erledigt hatte (ohne dass ich Zeit für gründliche Recherche gehabt hätte, was bisher geschehen war). Bis zum eigentlichen Feierabend rettete mich nur, dass ich eine Umschaltung meines Telefons auf Anrufbeantworter versehentlich anderthalb Stunden lang nicht wieder rausgenommen hatte – so konnte ich zumindest diese Zeit lang ohne telefonische Unterbrechung durch all das oben ackern.

Nach eigentlichem Feierabend (pünktliches Gehen, um zum Sport zu kommen, hatte ich schon lange gestrichen): Plötzliche Notwendigkeit, dass Chefin am Donnerstag verreiste, Abfahrt frühmorgens. Also nochmal alle Konzentration zusammengekratzt, um dieses vorschriftengerecht und zuverlässig zu organisieren.

Als ich nach sieben auf meinem Fahrrad nach Hause saß, war ich entsprechend erledigt. Ich bat Herrn Kaltmamsell um Änderung der Abendessenspläne (Mittwoch ist Ernteanteiltag ist Salat zum Nachtmahl): Ob wir statt dessen Pizzaessen gehen könnten?
Die Pizza mit Fontina, Champignon und gerösteten Paprika, dazu ein Glas Vermentino im Viva Maria war genau das, was ich zum Runterkommen brauchte.

Doch schon in der Nacht zum Donnerstag wachte ich immer wieder wegen Schmerz im Kopf und Angst im Bauch auf. Ich folgte zwar dem Weckerklingeln und machte Kaffee, doch allein schon dessen Geruch verstärkte die Übelkeit. Obwohl ich morgens dringend etwas im Büro zu erledigen hatte, sah ich ein: Es ging nicht. Ich schickte einer Kollegin eine Mail mit der dringenden Sache und meldete mich krank. Wachsende Übelkeit machte mir klar: Hier zog gerade eine Migräne die Bremse. Ich griff zu meinem Triptan und fiel bald in Komaschlaf. Fünf Stunden später kam ich wieder zu Bewusstsein, checkte zur Beruhigung meine Arbeitsmail, schlief weiter. Am Nachmittag war alles vorbei, ich hatte Hunger und Appetit, war wieder bei mir.

Klingt nach wirklich einfacher Ursache-Wirkung-Verknüpfung, nur dass ich auch schon in wirklich ruhigen Zeiten Migräneattacken hatte. Ich werd’s halt weiter nehmen müssen, wie’s kommt.

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Schöne kleine Bundeswehrgeschichte:
„Ablösung auf der ‚Homburg‘: Von Kommandantin zu Kommandantin“.

Und im verlinkten Artikel der Kieler Nachrichten findet sich diese bezaubernde Information:

Mit Hinweis auf die Schwangerschaft der scheidenden Kommandantin wurde auch die Anzugsordnung aufgelöst – Inka von Puttkamer durfte das Kommando im etwas bequemeren Parka übergeben.

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Bezaubernd finde ich auch diese Idee, mit Überlappung zu herrlich meschugge:

via @vinoroma

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„Wo ist die coole ‚muslimische‘ Jugend hin?“

via @kittykoma

Wie schwer es zu sein scheint, Menschen als Individuen anzunehmen, sich für ihre Widersprüchlichkeit zu interessieren. Die Frauen mit kurdischen und türkischen Eltern, die ich näher kennengelernt habe, passten alle nicht in Klischees, mit Hijab oder ohne.

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Aus dem Techniktagbuch:
„Mit dem Fahrrad im Zug ins Silicon Valley“.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 5. April 2016 – WMDEDGT

Mittwoch, 6. April 2016 um 7:22

Frau Brüllen möchte wissen: Was machst du eigentlich den ganzen Tag?

Ich hatte vom Arbeitszeugnis des Ex-Arbeitgebers geträumt: Im Traum hatte ich es handgeschrieben in einem billigen Briefumschlag bekommen, das Ganze sah aus, als sei es ein paar Tage in einer Hosentasche transportiert worden.
Über dem Morgenkaffee schickte ich dann nochmal meine Bitte um Arbeitszeugnis an den Ex-Chef ab, samt dem Entwurf (perfekt getextet und formatiert), den ich ihm an meinem letzten Arbeitstag hinterlassen hatte: Zwei E-Mail-Adressen waren gebounct, die dritte hatte ich von einer Ex-Kollegin. (Seht ihr: Dafür ist Linkedln gut.)

Ich absolvierte nochmal die Turboeinheit Kraftsport, die mir vergangenen Freitag einen Megamuskelkater bereitet hatte: 1. Das wollen wir doch mal sehen. 2. Lag der Muskelkater wirklich an den Übungen oder hatte ein Infekt oder irgendwas mit Stoffwechsel mich anfällig gemacht? Ich schwitzte wieder reichlich.

Zu Fuß in die Arbeit, ohne Jacke und in Sonnenschein. Im Büro kochte ich mir eine Kanne Grüntee, versorgte die Azubi mit Arbeit. Gesamtabteilungsmorgenrunde mit Gelächter. Besprechung mit Chefin zu meinem Aufgabenprofil, da kommen dann doch zwei Seiten in Stichpunkten heraus. Und gleich mal ein paar weitere konkrete Aufträge.

Beim Test der großen organisationsübergreifenden Web-Konferenz mitgespielt, die erstmals am Donnerstag stattfinden soll. Mal wieder das Wunder eines IT-Experten erlebt, der an meinem Rechner irgendwie ein technisches Problem löste, aber anschließend nicht sagen konnte, wie er das geschafft hatte. (Ich habe mir aber schon mal erklären lassen, dass die meist einfach mehr oder weniger systematisch alle Knöpfe durchprobieren – bis einer das gewünschte Ergebnis erzielt.)

Zur Mittagspause gab es am Schreibtisch Laugenzopf, Karotte, Hüttenkäse mit Orange. Auf meinem Computerbildschirm lief weiter der Konferenztest inklusive Ton, ich las dazu die aktuelle Süddeutsche. Nachtrag: In dieser Ausgabe besprach Burkhard Müller Irvings „Avenue of Mysteries“ (erscheint gerade deutsch) und nannt ihn ein „Ärgernis“. Aus denselben Gründen wie ich.

Am Nachmittag unter anderem Reiseorganisation, Jobs für Auszubildende geplant, Korrekturlesen, Presseanfragen beantwortet, fuchtelnd eine Reiseorganisation abgewehrt, für die ich echt nicht zuständig bin, Einsatzpläne aufgezeichnet, Versand der Mitarbeiterzeitschrift organisiert, Telefonate für Chefin angenommen, Erweiterung meiner Krankmeldungsberechtigungen beantragt.

Dann doch Urlaub für die re:publica bekommen. Die lange Unsicherheit hatte mir bereits den größten Teil der gewohnten Vorfreude genommen.

Es wurde im Büro später als geplant. Als ich das Gebäude mit einem Gruß des herzlichen Nachtpförtners verließ, hatte der Himmel sich bewölkt. Eine Jacke brauchte ich aber immer noch nicht, zumal mir beim Marschieren eh warm wird.

Auf dem Heimweg beim Verdi Obst und gewürzte Oliven gekauft, im Drogeriemarkt Waschmittel, Magnesiumtabletten, Klopapier.

Daheim Nachricht vom Ex-Arbeitgeber: Er habe das Zeugnis in die Post gegeben. Mal sehen, ob das auch so ist.

Von Herrn Kaltmamsell zubereitete Pfefferleber mit grünen Bohnen zum Abendbrot (im Fernsehen lief dazu Columbo auf ZDFneo), zum Nachtisch viel Osterschokolade (im Fernsehen die Tagesschau). Diesmal schaffte ich es, noch vor Eintreten der Übelkeit aufzuhören. Dafür legte ich ein paar Mandarinen nach.

Früh ins Bett, um dort noch Tim O’Brien, July, July zu lesen

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Die Panama Papers dominieren weiter die mediale Berichterstattung. Mashable beantwortete mir die Frage, warum einige renommierte Redaktionen, die ich dort erwartet hatte, nicht Teil des Rechercheprojekts sind:
„400 reporters kept the Panama Papers secret for a year. Here’s how they pulled it off.“

As for why those organizations aren’t a part of the project, Walker said that openness to collaboration was essential to the project. Each partner was required to share any relevant or important discovery among all the other outlets, she added.

Some media organizations are more comfortable with this kind of sharing that others, which Walker noted can be understandable based on each newsroom’s own privacy concerns.

Einladung an Aluhutträger: Wenn 400 Menschen ein Jahr lang dicht hielten – dann konnte man die Mondlandung vielleicht doch faken?

Ich war ja vor allem beeindruckt, wie unaufgeregt die Meldung Sonntagabend in der Tagesschau lief. Der Tonfall hätte gepasst zu: „In Donauhausen begann heute der 27. Katholikentag. Unter den Rednern des feierlichen Eröffnungsgottesdienstes war neben Piepst Johannes Humblius III. auch der evangelische Religionsführer Mayer.“ Es dauerte mindestens 20 Sekunden in diese Meldung hinein, bis mein Hirn langsam ein „Whhhhaaaaat…?“ formulierte.

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Auch bei sueddeutsche.de ein paar interessante Antworten zum Hintergrund des Rechercheprojekts:
„Häufige Fragen zu Panama Papers – und Antworten“.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 4. April 2016 – Frühlingsschlendern

Dienstag, 5. April 2016 um 6:13

Ein wunderschöner, sonniger Frühlingstag.

Im Büro bekam ich eine neue Auszubildende unter die Fittiche, auch sonst war gut viel Arbeit.

Den Heimweg schlenderte ich, es gab so viel zu sehen.

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Biergärten, die bereits voll waren (für einen ersten Besuch des Schnitzelgartens allerdingszu kühl).

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Kastanien, die einander an Geschwindigkeit des Blätterwuchs übertrafen.

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Meine Referenzmagnolie blüht (die Zierkirschen brauchen noch).

Herr Kaltmamsell kochte wieder Abendessen: Da wir noch Kartoffeln und Steckrübe aus unserem letztwöchigen Ernteanteil hatten, gab es Hamburg National aus Stevan Pauls Deutschland vegetarisch – nicht wirklich vegetarisch, weil mit vorhandener Rinderbrühe aufgegossen, aber überraschend wohlschmeckend. Ungewohnt und interessant durch die vielen Gewürze und Kräuter: Piment und Kümmel, frisches Bohnenkraut, frischer Dill und Majoran.

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die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 3. April 2016 – Sonnenbrand aus der neuen Gärtnerei

Montag, 4. April 2016 um 7:01

Bis in den Morgen lauter Träume, in denen ich mich ärgern musste. Braucht kein Mensch.

„Taube auf dem Baum gelandet!“, rief Herr Kaltmamsell überm Morgenkaffee. Das war bemerkenswert, denn zwar gibt es hier schon auch hin und wieder Tauben, doch nicht auf unseren Kastanien, sondern auf dem Boden oder den Balkonen. Es war auch keine gewöhnliche Stadttaube.

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Sondern eine Wildtaube, eine Ringeltaube.

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Es war sonnig und warm, dennoch zog ich mich zum Laufen viel zu warm an. Diese heftigen Temperatursprünge der vergangenen Jahre habe ich immer noch nicht verinnerlicht. Meine Jacke trug ich schon bald in der Hand (ärmellos, daher nicht um die Hüfte bindbar). Trotz immer noch heftigem Muskelkater lief ich gut, sah grillende Menschen, hörte Hunde mit heftigem PLONTSCH in die Isar springen, erspähte zwei Wasseramseln, sah viel Lerchensporn, Schuppenwurz, Veilchen, Huflattich, Taubnesseln, Buschwindröschen, die Bäume brachen ebenfalls bereits in Blüten aus.

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Nach Mittag packten Herr Kaltmamsell und ich unsere Fahrräder in die S-Bahn, raus nach Mammendorf, denn: Unser Kartoffelkombinat hat vielleicht eine neue, dauerhafte Bleibe. Derzeit sind wir ja in Schönbrunn beheimatet, doch vor einigen Monaten stellte sich überraschenderweise heraus, dass ein Wettbewerb ausgeschrieben wird für ein komplett neues Konzept der gesamten Kloster- und Dorfanlage – ob die Gärtnerei ein Teil davon sein wird, ist völlig offen. Also machte sich der Vorstand nach nur einem Jahr erneut auf die Suche nach einem Gemüsehof.

Gefunden hat er zwar keinen Gemüsehof, aber wahrscheinlich eine Möglichkeit, ein Ziel der Genossenschaft früher zu erreichen als geplant: Den Kauf einer eigenen Gärtnerei. Nur dass die Anlage derzeit noch keine Gärtnerei ist, sondern eine Baumschule. Sie würde erst in eine Gärtnerei umgewandelt werden. Gestern nahm ich einen der Termine für uns Genossenschaftlerinnen wahr, die Baumschule zu besichtigen und mich über den Stand der Dinge sowie der Planung zu informieren.

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Das Gelände ist weitläufig und mit S-Bahn und Fahrrad gut zu erreichen.

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Gewächshäuser gibt es zum Teil auch noch.

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Drumrum ist außer Aussicht praktisch nix.
Nicht da ist natürlich auch die Ausstattung, die ein Gemüsehof im Gegensatz zu einer Baumschule braucht, zum Beispiel Lagermöglichkeiten für Gemüse. Übernähmen wir die Anlage, wäre das eine gewaltige Unternehmung für das Leitungs- und Orga-Team, doch alle machten den Eindruck, als hätten sie richtig Lust darauf. Bodenproben wurden bereits analysiert, erste Pläne – auch für die Finanzierung – stehen. Wie im Kartoffelkombinat gewohnt, wurden alle verfügbaren Informationen transparent und bereitwillig weitergegeben, inklusive offener Fragen.

Beschlossen kann solch ein Kauf natürlich nur von der gesamten Genossenschaft werden. Sollte das klappen, werden wir uns schneller vergrößern als bisher geplant, die große Anlage rechnet sich nur mit deutlich mehr Haushalten. Schon jetzt sind noch ein paar Plätze im Kartoffelkombinat frei, auch ohne die neue Gärtnerei. Wenn Sie interessiert sind, zum Beispiel weil es Ihnen um mehr als nur gutes Gemüse aus der Region geht, bitte hier weiterlesen.

Auch wenn ich darauf achtete, auf dem Rundgang und bei den Diskussionen an verschiedenen Stellen den Schatten zu suchen, war das eindeutig ein Hauch Sonnenbrandrot im Nacken, den ich heimbrachte.

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Zum Nachtmahl breitete Herr Kaltmamsell Grü Soß mit Kartoffeln und Eiern, die geballte Ladung Frühlingskräuter in Nase und Mund. Vielleicht probiere ich mal eine pürierte Version aus, doch ich genieße sehr, in der gehackten Soß die einzelnen Kräuter voneinander unterscheiden zu können.

die Kaltmamsell