Journal Samstag, 5. September 2026 – #WMDEDGT mit USA-Verwandtschaft in Augsburg

Sonntag, 6. September 2026 um 7:59

Wie an jedem fünften des Monats fragt Frau Brüllen wieder “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” und sammelt die Antworten unter #WMDEDGT, für diesen September hier.

Nach sehr frühem Einschlafen mittelgute Nacht, vor allem Alkohol-bedingt. Aber lang geschlafen. Draußen dunkle Wolken und ganz leichter Regen, der es noch nicht unter die Bäume geschafft hatte.

Vor allem anderen Katzenwäsche und Auftragen Östrogen-Gel meiner Hormonersatztherapie: Die Tagesplanung war von einem Treffen mit Teilen von Herrn Kaltmamsells US-amerikanischer Verwandtschaft bestimmt, davor wollte ich noch Laufen gehen, und nach eigentlicher Körperpflege nach Laufrunde wäre mir das zu spät und aus dem Rhythmus gewesen. Während das trocknete, zog ich mein Bett ab und startete eine Waschmaschinenrunde damit und mit den anderen angesammelten weißen Kleidungsstücken. Pflanzengießen, ich hinterlege die Erinnerung immer in meinem Handy-Kalender inklusive Spezifikationen zu den Pflanzen, die einen besonderen Gieß-Rhythmus haben.

Jetzt aber endlich Morgenmilchkaffee-Bereitung, Balkonkaffee. Die vorsichtshalber übergezogene Strickjacke legte ich bald ab, es war mild. Ich bloggte vor mich hin.

Ein heftigerer Regenschauer brachte einen deutlichen Temperatursturz. Ich setzte mich rein und plante meine Laufkleidung um. Doch bei meinem Start von der Haustür regnete es gerade nicht, der Regenradar zeigt auch eine längere Pause an: Ich band die leichte Regenjacke um den Bauch.

Es wurde ein schöner Lauf über Südfriedhof, Ostseite Isar entlang, Flaucher, Hinterbrühler See und zurück, erst nach dem Umkehren schlüpfte ich in Regentropfen in meine Jacke. Der Körper spielte gut mit, eine Ibu half ihm beim Kooperieren.

Nußbaumpark

Weiterhin Niedrigststand der Isar: Diese Mauer im Flussbett war mir neu.

Unter den Läufer*innen wurde einander angelächelt und gegrüßt, von einem Sportradler, der gerade irgendwas an seiner Ausrüstung richtete, hörte ich ein “Servus! Das sieht gut aus!” – äh, danke? Nach den ähnlichen Motivationsgrüßen am Undercliff Walk in Brighton frage ich mich jetzt aber: Ist das ein Ding? Wird es gerade in bestimmten Kreisen von Freizeitsportler*innen gutes Benehmen, einander auch außerhalb von Wettbewerben/Massenläufen Aufmunterndes zuzurufen?

Duschen, Fertigmachen, für Sandalen war es mir dann zu kühl.

Mit Herrn Kaltmamsell spazierte ich zum Münchner Gleisende, holte mir noch einen Mittagscappuccino, mit dem setzten wir uns in eine Regionalbahn nach Augsburg (ich las Wochenend-Zeitung auf meinem Handy; bis der Zeitungsausträger einen neuen Schlüssel zu unserem Haus bekommt, hatte ich mir den Online-Zugang freischalten lassen). Auch in diesem September nutzen Herrn Kaltmamsells Cousin und sein Mann die Sommerpause ihres Catering-Business in Florida, um die deutsche Verwandtschaft im Süden und in Berlin zu besuchen. Sie saßen bereits im Auto, mit dem Herr Schwieger uns vom Bahnhof Haustetter Straße abholte: Herzliches Wiedersehen, gut sahen die beiden aus.

Bei den Schwiegers saßen wir ein wenig zusammen, ließen uns vom Stand der Bemühungen erzählen, das Catering-Business zu verkaufen und sich zur Ruhe zu setzen – über das Alter Wohlverdienterruhestand ist der Cousin-Mann eigentlich längst hinaus. Es gab auch einen Programmpunkt für den Nachmittag: Textilmuseum Augsburg. Ich war erst einmal vor Jahren dort gewesen und hatte es in sehr guter Erinnerung.

Zu viert besahen wir erst die Ausstellung Talbot Runhof im Obergeschoß, am interessantesten fand ich allerdings die Erinnerungen und Geschichten, die der Besuch damit assoziierte. An der sorgfältigen Präsentation gefiel mir besonders, dass einige Stoffe der ausgestellten Kleider zum Anfassen bereit standen.

Auch die Dauerausstellung zur langen Textil-Geschichte Augsburgs inklusive funktionsfähiger Orgininalmaschinen sahen wir uns an, die Musterbücher wieder ein besonderer Hingucker.

Ebenso der Museumsshop, in dem unter anderem textile Produkte der Originalmaschinen angeboten werden.

Mittlerweile war Herrn Kaltmamsells jüngerer Bruder dazugestoßen, mit ihm fuhren wir zurück zu Schwiegers. Dort Kaffeeundkuchen: Der erste Zwetschgendatschi der Saison war mit reichlich Sahne mein Frühstück.

Zum Abendessen fuhren wir raus ins Industriegebiet zu dem italienischen Lokal mit riesigem Außenbereich, das gerne für diese Zwecke genutzt wird. Ich freute mich über eine Gemüsepizza an Aperol Spritz, noch mehr aber über weitere Familiengeschichten und Austausch. Wir verabschiedeten Cousin und Mann vorerst, sie werden jetzt eine Woche in Spanien verbringen – ich hoffe auf ein weiteres Treffen vor ihrer Rückkehr nach USA.

Zug zurück nach München, darin viel hübsches Party-Volk. Daheim noch eine Runde Schokolade zum Nachtisch.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 4. September 2026 – Griechischer Abend daheim

Samstag, 5. September 2026 um 8:07

Die Nacht war ok, dennoch drückte mich am Morgen und Vormittag Müdigkeit gen Boden.

Die Luft draußen unter Wolken mild, wie schon am Abend zuvor roch sie herrlich nach Sommerabschied, aber noch fast ohne Herbst.

Nach der Zeitung sah ich erst gar nicht: Am Donnerstag hatte mich der Abo-Service der Süddeutschen mit der Information kontaktiert, dass ihr für die Zustellung ins Haus “kein Haustürschlüssel mehr zur Verfügung” stehe. Da sich am Schloss nichts geändert hat, wurde der Schlüssel wohl einfach verschmissen. Man bat mich für einen neuen Schlüssel um Kontakt zur Hausverwaltung. Mal wieder stehe ich vor der Entscheidung, ganz auf das (deutlich günstigere) Digital-Abo zu wechseln. Die Papier-Ausgabe leistete ich mir ja vor allem, um in der Mittagspause im Büro ein deutlich sichtbares Signal für *Bitte nicht stören, ich habe Pause* auf dem Schreibtisch zu haben, beim Online-Lesen im Urlaub vermisste ich eigentlich nichts. Ich verschob die Entscheidung und gab erstmal den Kontakt zur Hausverwaltung weiter (die seit ein paar Monaten eine in Stuttgart ist).

Im Büro einige Stunden hochkonzentrierte Termin- und Reiseplanung. Im Verlauf zeichnete sich bereits ab, dass ein dringender Spezialwunsch auf einem Irrtum basierte, aber dann plane ich halt nochmal neu, kriege ich ja alles bezahlt.

Mittagscappuccino aus der in-house Cafeteria, weil ich die eigentliche Mittagszeit für Einkäufe nutzte: Ich hatte mir fürs Abendessen von Herrn Kaltmamsell Lamm mit Kritharaki gewünscht, im unweit gelegenen großen Griechenladen Omilos besorgte ich dafür Käse Kefalotiri und dazu griechischen Weißwein.

Wie angekündigt war es unter jetzt wolkenlosem Himmel heiß geworden; auf dem Hinweg wärmte ich mich noch gerne in der Sonne von der Kühlschrankkälte des Büros, zurück war ich bereits um den kräftigen Wind froh.

Zu Mittag gabe es vom vorabendlichen Bulgursalat sowie zwei mehlige Plattpfirsiche.

Halbwegs geordneter Arbeitsnachmittag, freitäglich pünktlicher Feierabend. Meinen Heimweg legte ich nochmal über den Stachus: Die Fotoautomatenfirma hatte mich freundlicherweise informiert, dass zumindest eines der beiden Geräte wieder benutzbar war.

Auf dem Weg nutzte ich Schatten, es war zwar nicht extrem, aber doch unangenehm heiß – ich genoss vor allem das Sommerlicht.

Fotoautomatenerfolg!

Im Bodyshop fragte ich nach Resten des diesjährigen Sommer-Specials “White Tea and Elderflower”, dessen Duft mir besonders gut gefallen hatte: Vom Duschgel hatte ich noch reichlich, doch die Körpercreme dazu würde nicht bis Ende Duschgel reichen, und ich mische ungern Düfte. Leider gab es keine Creme mehr, ich werde halt die fast neutral riechende Oliven-Creme kombinieren.

Zu Hause duftete es bereits wundervoll nach Abendessen, ich stellte den Wein kalt. Eine längere Runde Yoga geturnt, meine aktuell verschärften Kreuzschmerzen rechts überging ich einfach.

Jetzt aber Wochenend-Alkohol!

Herr Kaltmamsell hatte unter Verwendung eines neu eingetroffenen Birnenschnapps einen Daiquiry geschüttelt – gut!

Zum Essen öffnete ich einen kretischen Vidiano Zacharioudakis 2022 (ausgesucht, weil autochthone kretische Rebsorte), der uns gleich mit ganz eigenen Noten begeisterte: Kräuter und Mineralisches in der Nase, Röstaromen im Mund. Ich will herausfinden, in welchem griechischen Lokal in München man Weine ernst nimmt und ich mehr probieren kann (sollten Sie eines wissen, freue ich mich über Tipps an die Kontaktadresse links).

Zum Festhalten: So weit südlich geht derzeit schon wieder die Sonne unter – im Höchstsommer verschwindet sie erst nach Wanderung über das Gebäude rechts.

Herr Kaltmamsell hatte das Giouvetsi im Schnellkochttopf gemacht, es wurde mit würziger Sauce und zartem Lamm hervorragend.

Nachtisch zu viel Schokolade.

§

Erst hielt ich überhaupt für einen Scherz, dass Wolfgang Herrndorfs Blog Arbeit und Struktur verfilmt werden soll. Als dann noch jemand erwähnte, Herrndorf werde von Sandra Hüller gespielt, schmiss ich mich weg vor Lachen – das konnte nur Satire Marke Postillon sein.
Seit gestern lache ich nicht mehr.
“Biopic ‘Arbeit und Struktur’
Sandra Hüller spielt Wolfgang Herrndorf”

(Dabei hätte ich Hüller ja eher als Kathrin Passig gesehen EMOJI MIT SCHRÄG RAUSGESTRECKTER ZUNGE UND VERDREHTEN AUGEN)

§

Solche Überriech-Wesen wie ich wussten es schon immer, mussten aber durch Rüffel lernen, dass “alt” immer als Herabsetzung ankommt, und behielten fortan ihre Wahrnehmung bei sich.
“Do people really smell different as they get older? The truth behind ‘old person smell’”.

Baby-Fans schwärmen doch auch vom Baby-Geruch: Wenn Menschen am Lebensanfang erkennbar so riechen, dazwischen vom Raubtierkäfig-Odeur einiger Teeanger die Rede ist – liegt doch nur nahe, dass man auch alten Menschen die Lebensphase anriecht.

Experts say that we do smell different as we age. “It’s one of the most universal, least talked-about parts of being human,” says Dr Roya Javid, a dermatologist in Monterey, California. “It’s just biology, unfolding on schedule, the same way we grow taller, then our hair goes gray. Every single person on the planet goes through these same transitions.”

(…)

“Our skin is coated in a thin layer of natural oils called skin lipids. They keep skin soft, waterproof and protected,” she says. Those lipids are made up of fatty acids, and as we age, the fatty acids change in composition. At the same time, the skin’s ability to fight off every day wear-and-tear slows down. The oils are more exposed, and when they break down through oxidation, they release 2-nonenal.

Deshalb irritierte mich während des Studiums sehr, dass ich an einer jungen Kommilitonin Altmenschengeruch wahrnahm. Später erfuhr ich, dass sie wegen eines Herzleidens Medikamente nahm, die man üblicherweise erst im hohen Alter benötigt; leider erreichte sie dieses erst gar nicht, sondern starb früh.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 3. September 2026 – Indirekte Sprechakte und Cogito interruptus / Verlängerung der Lerchenlauf-Saison

Freitag, 4. September 2026 um 6:30

Confession time: Ich habe ein echtes Problem mit indirekten Sprechakten. Als indirekten Sprechakt bezeichnet man vereinfacht erklärt, einen

Sprechakt, bei dem die Sprecherintention (-absicht) nur indirekt und nicht wortwörtlich zum Ausdruck gebracht wird

Standardbeispiel, an dem uns das auch an der Uni in Sprachwissenschaft vermittelt wurde, wenn jemand sagt: “Es zieht.”, das aber in Wirklichkeit die Bitte ist, das Fenster zu schließen.1 Ich hoffe, das verstünde dann sogar ich, sonst aber komme ich meist nicht weiter als zu erkennen: Da sagt jemand gerade etwas anderes als auf der Wörtlichkeitsebene. Am schlimmsten ist das bei Fragen, denn ich bemerke, dass jetzt nicht eine Antwort auf die tatsächlich gestellte Frage erwartet wird, sondern auf etwas anderes (WAS???). Einfach fällt mir die Entschlüsselung noch, wenn die Situation im persönlichen Umgang auftritt und ich beim Absendenden eine klare Emotion erkenne. Ein zorniges “GEHT’S NOCH?” macht mir klar, dass ich Unmut ausgelöst habe, praktisch immer ist offensichtlich wodurch. Ein fröhliches “Na, alles klar?” erkenne ich als wohlwollenden Gruß. Dass mir bei indirekten Sprechakten in Form von Flirten allerdings jegliche Sensoren fehlen, habe ich hier erst kürzlich bekannt.

Doch vor allem schriftlich bin ich schnell und gründlich zu verunsichern, zumal wenn Fragen oder Handlungsaufforderungen nicht als solche formuliert werden. Erreicht mich “Habe zuletzt das Heft 1/2026 erhalten” als Kommentar eines Zeitschriften-Abonnenten, kann das alles von der Frage nach dem Erscheinen des nächsten Hefts bedeuten bis zur Bitte, die Datenbank auf korrekte Anschrift zu überprüfen – was ich alles nur vermuten und konstruieren kann. Oft ahne ich auch die Unterstellungen und Fehlannahmen hinter einer uneigentlichen Frage, kann mir aber nicht sicher sein und weiß, dass es den Kommunikationsfluss zu sehr stören würde, spräche ich meine Ahnungen zur Verifizierung aus.

Es gibt vermutlich zahllose psychologische und soziologische Erklärungen für die Wahl dieser uneigentlichen Kommunikation (und ich habe mir ja angelesen, dass es Kulturen gibt, in denen direkte Aussagen und Fragen sogar als ausgesprochen unhöflich gelten), mich bringt sie echt ehrlich an den zur Floskel gewordenen Rand der Verzweiflung.

Und erinnert mich gelockert assoziativ an Umberto Ecos “Cogito interruptus”. Eco führt diesen Begriff in einer gleichnamigen Buchrezension für Quindici von 1967 ein.

Cogito interruptus ist typisch für jene, die überall in der Welt Symbole sehen. So der Verrückte (der uns zum Beispiel ein Streichholzheftchen vor die Nase hält, uns lange und tief in die Augen blickt und schließlich bedeutungsvoll sagt: »Seht ihr, es sind genau sieben …«, in der Erwartung, daß wir den verborgenen Sinn dieses unwiderlegbaren Zeichens erfassen); so auch der Bewohner eines symbolischen Universums, dem jeder Gegenstand und jedes Ereignis zum Zeichen für etwas Überirdisches wird, das alle bereits vorhanden wissen und nur noch bestätigt sehen wollen.

Diese Form der Argumentation macht mich nämlich ebenso fertig wie indirekte Sprechakte: Wenn mir ein Fakt hingehalten wird – offensichtlich in der Erwartung, dass ich ihn genauso ins Thema einordne wie der Hinhaltende. Auch das funktioniert nur bei großer Vertrautheit und nach langem Abgleich von Argumenten, selbst dann mit Risiko des Missverstehens.

Was mich wiederum, Hölzchen -> Stöckchen, zur Empfehlung von Ecos Einteilung in Apokalyptiker und Integrierte bringt, wenn es um Neuerungen in Gesellschaft, Technik, allem geht. Die nämlich oft denselben Fakt jeweils für ihr komplett konträres Weltbild reklamieren. Ich bitte deshalb dazuzusagen, was der Fakt in einem konkreten Zusammenhang belegen soll.

(Wehmütige Erinnerung an die Zeiten, als ich mich mit Begeisterung und Konzentration durch sowas Dichtes wie Umberto Ecos Aufsätze fräste.)

§

Nach mittelguter Nacht zu frühem Wecker aufgestanden. Wie berechnet war es kurz vor halb sieben bei nahezu wolkenlosem Morgenhimmel hell genug für einen Risiko-armen Lauf an der Isar. Der Körper spielte einigermaßen mit, derzeit zwickt’s halt wieder arg im Kreuz und in den Hüften. Schöne 80 Minuten mit wundervollen Ansichten.

Wenn sie lautlos fliegen, sind sie auf dem Weg fort.

Neues unter der Brudermühlbrücke.

Leuchtpappel!

Vertrautes unter der Brudermühlbrücke.

Schabernack auf dem Alten Südfriedhof zum Abschluss (Besuch beim Chef, höhöhö). Mal wieder funktionierte das Motiv, das ich mir vorgestellt hatte, nicht so recht, ich sollte dann doch mal einen Selfie-Kurs bei der VHS belegen.

Zackige Körperpflege, kurze Abstimmung mit dem immer noch Ferien genießenden Herrn Kaltmamsell u.a. zu Ernteanteil-Abholung.

Mit U-Bahn-Beschleunigung stempelte ich um 08:43 Uhr ein, nicht mal eine Stunde später als im Durchschnitt. Hiermit sehe ich meine Lerchenlauf-Saison 2027 um einen Monat verlängert.

Emsiger Arbeitsvormittag, aber mit genügend Zeit für Mittagscappuccino auswärts. Eintrübung wegen fehlender Zeitungslektüre: Am dritten Tag in Folge war sie nicht geliefert worden.
Zu Mittag gab es Flachpfirsiche (mehlig nachgereift, ich erkläre die Saison für beendet) und Skyjolei.

Viel Work-around-Basteln, diesmal war es aus der Microsoft-Office-Suite Powerpoint, das mich im Stich ließ und die Notizseiten-Ansicht einer auszudruckenden Präsentation zerschoss, unreparierbar (mehr als eine Stunde versuchte ich es allerdings auch nicht). Ich behalf mich mit Zusammenpappen von Screenshots, um den Auftrag eines Papierausdrucks zu erfüllen.

Auf dem Heimweg holte also ich den Ernteanteil ab, Herr Kaltmamsell war auf Familientreffen. Er enthielt diesmal ein Riesenbündel Petersilie, zudem Tomaten, Gurke, Frühlingszwiebeln – ich plante Taboulé. Dafür übergoß ich daheim gleich mal Bulgur mit kochender Gemüsebrühe, bevor ich räumte und eine Runde Yoga turnte.

Tabloulé fertiggeschnippelt und angemacht, wurde ein gutes Abendessen, dazu etwas Käse. Nachtisch Schokolade.

Ins Bett zum ausdauernden Röhren einer Gebärenden durchs offene Fenster der benachbarten Klinik.

§

Abschied für immer von einer weiteren Ikone des Feminismus: Gloria Steinem wurde 9392 Jahre alt. Im Januar 1987 schrieb sie für Ms. über Dolly Parton, und das Magazin hat den Artikel neu veröffentlich:
“Dolly Parton’s Unique Feminist Power, as Told by Gloria Steinem”.

People who haven’t listened to Dolly Parton or to feminism may be surprised to learn that they go together. In fact, she has crossed musical class lines to bring work, real life, and strong women into a world of pop music usually dominated by unreal romance. She has used her business sense to bring other women and poor people along with her. And her flamboyant style has turned all the devalued symbols of womanliness to her own ends.

If feminism means each of us finding our unique power, and helping other women do the same, Dolly Parton certainly has done both.

  1. Wer mehr zur Spreachakttheorie von Austin wissen möchte, bitte hier klicken. []
die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 2. September 2026 – Existenzlinderungen

Donnerstag, 3. September 2026 um 5:55

Gute Nacht, wenige Minuten vor Weckerklingeln aufgewacht, dennoch war ich am Vormittag bleiern müde.

Wolkenloser Morgen, doch bald zog der Himmel zu.

Emsiger Vormittag, ich freute mich über den Marsch in kühler, frischer Luft auf einen Mittagscappuccino.

Mittagessen einmal durch den Obstkorb: Banane, Feigen, Flachpfirsiche, Mangos. Und ein paar Nüsse als Substanz in der Hoffnung, dass die Sättigung anhält. Funktionierte ganz gut, ich bekam erst nach Stunden wieder Hunger. Nachmittag dennoch mit immer weiter sinkender Stimmung.

Auf dem Heimweg Phantasien von Selbstauflösung, einfach ins Nichts, in Luft (die habe ich seit Kindertagen). Was gemeinerweise halt nicht geht.

Einkäufe beim Vollcorner. Zu Hause nur kurzes Auspacken und Waschmaschinefüllen, fürs Abendessen war ich mit Herrn Kaltmamsell aushäusig verabredet: Wir fuhren mit der Tram zum Müller’schen Volksbad in die Rustikeria.

Zu meiner Erleichterung bekamen wir auch ohne Reservierung einen Platz (ich hätte aber einen Plan B gehabt).

Es gab Drinks (ich erinnerte mich, dass ich hier die alkoholfreien besonders mochte) und schwer auszusprechende Schiacciata.

Für mich mit Grillgemüse und Mozzarella, ganz hervorragend. Das und die Erzählungen von Herrn Kaltmamsells Überlegungen zu seinen kürzlichen Lektüren (Ilias, Odyssee, Terry Pratchett) versöhnten mich ein wenig mit dem Existierenmüssen.

Dazu Aussicht.

Tram nach Hause, dort zum Nachtisch Schokolade.

Ins Bett mit Laufplänen für den nächsten Morgen: Wenn ich nach Lerchenschwumm um kurz vor halb zehn in die Arbeit kommen kann, geht doch noch eine Laufrunde spät genug für genügend Morgenlicht. Mal sehen, wann mich das an den Schreibtisch lässt, derzeit dürfte morgens nichts anbrennen.

§

Die Recherchen der Tagesschau-Redaktion ergeben: Bundeskanzler (!) Friedrich Merz hat hauptsächlich Schmarrn geredet:
“Das Interview mit Merz im Faktencheck”.

Das Schlimme ist: Ich vermute bei Merz weniger Manipulationsabsicht als echte Unkenntnis. Mein Bild von ihm: Er liest so gut wie keine Unterlagen und Informationen aus erster Hand, sondern verlässt sich auf das vage Reporting seiner Entourage. Doch wenn es stimmt (leider lässt sich das belegen), dass Wahlentscheidungen und politische Ansichten mehrheitlich eh nicht auf Fakten fußen, macht Merz ja auch nichts falsch.

§

Der ADFC führt wieder seinen Fahrradklima-Test durch, “Wie fahrradfreundlich ist dein Ort?”: Je mehr Radler*innen daran teilnehmen, desto aussagekräftiger, diesmal mit Extra-Befragung von Jugendlichen – vielleicht mögen Sie auch?

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 1. September 2026 – Ich weiß ja nicht

Mittwoch, 2. September 2026 um 6:15

September, ich weiß ja nicht. Ist ein bisschen Wundertüte: Es kann noch Sommer drinstecken, aber auch scheißkalter, nasser, windiger Herbst. Über mir Münchnerin hängt als Damoklesschwert der Beginn von Armageddon aka des Oktoberfests Ende September.

Als Bayerin wiederum verbinde ich mit dem Monat aber auch den Beginn eines neuen Schuljahrs (diesen Rhythmus mag ich mir lebendig gehalten haben, weil ich mein Leben seit Jahrzehnten mit einem Lehrer teile), fühle in mir noch die damalige Gymnasiastin zwar mit spanischer Urlaubsbräune von Sommerferien, aber in warmer Kleidung. Die Tage werden zügig kürzer, daran mag ich überhaupt nichts. Uneingeschränkt gut heiße ich allerdings dieses (meine Füße und Hüften wollen sofort in ChaCha ausbrechen):

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https://youtu.be/Gs069dndIYk?si=9U2vmx4krTysyWZ4

§

Recht gute Nacht, auch wenn mich ein Arbeitsproblem beschäftigte. In einer Halbwachphase fiel mir dafür zumindest eine temporäre Lösung ein, Erleichterung.

Wieder ein sonniger Tag, es waren Temperaturen weit unter Hitze angekündigt. Entsprechend genussvoller Marsch in die Arbeit.

Die Bedrückung durch das Arbeitsproblem wurde mir nach Hochfahren des Rechners durch eine Krankmeldung erstmal genommen. Schlagartige Entspannung.

Einiges weggeschafft, raus auf einen Mittagscappuccino im Westend – überrascht von der immer noch frischen Luft.

Spätes Mittagessen, weil Termin auf meinem eigentlichen Slot: Karotte, Banane, Feigen, Skyjolei. Diesmal meldete sich die rohe Karotte ab Nachmittag dann doch wieder mit Bauchweh, Mist. Passte zu meiner Gesamtlaune, Exitistieren ist derzeit wieder besonders lästig.

Nach Feierabend marschierte ich in angenehmen Temperaturen zu den Fotoautomaten unterm Stachus für eine Fortsetzung meines Fotoprojekts. Und wurde jäh ausgebremst: Beide Automaten out of order, davon einer ganz stumm und dunkel, der andere scheiterte an der Bezahlfunktion. Ach meia. Ja, ich schickte eine E-Mail mit dieser Information an den Aufsteller. (Ich war ja schon als Studentin diejenige, die bei Dysfunktion des Fotokopierers in der Bibliothek nicht nur Kommiliton*innen Bescheid gab, sondern auch der Haustechnik.)

Daheim knurrend eine Einheit Yoga geturnt, besänftigender wirkte dann das gute Abendessen: Herr Kaltmamsell servierte die Ernteanteil-Zucchini gebraten auf Ricotta mit gerösteten Haselnüssen und die restlichen Ernteanteil-Karotten als Ofen-Fritten. Nachtisch viel Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, die aktuelle Lektüre, Sanditz, auch nicht gerade ein Sonnenstrahl, sondern eine weitere Variante DDR- und Post-DDR-Tristesse.

§

Lilly Schröder macht sich Gedanken, warum der Vergewaltigungsprozess um Frank S., der “größte Vergewaltigungsprozess, der je vor einem Berliner Gericht verhandelt wurde”, so wenig öffentliche Aufmerksamkeit bekommt:
“Keine Heldin, keine Empörung”.

Dass im Fall von Frank S. keines der Opfer öffentlich in Erscheinung tritt, hat vermutlich auch mit Scham und Stigmatisierung zu tun. Denn der 68-jährige Elektriker S., der sich mal als Polizist, mal als Hubschrauberpilot ausgab, lernte die Frauen auf Onlinedatingplattformen kennen, mit einigen führte er eine Beziehung. Während Gisèle Pelicot und Collien Fernandes die „perfekten Opfer“ für einen Massenaufschrei darstellten, weil ihnen zweifellos keine Mitschuld zugeschoben werden konnte, greift bei den Opfern von Frank S. leichter das misogyne Victim-Blaming-Narrativ: Warum waren die Frauen überhaupt auf diesen Plattformen? Warum haben sie sich auf solch eine gefährliche Situation eingelassen?

(…)

Frank S. erfüllt das Täterklischee geradezu perfekt: ein fremder Mann aus dem Internet, der sich als Serienvergewaltiger entpuppt. Das Problem: Die Täter sind meist keine Monster. In der Regel sind es die eigenen Partner, Ex-Partner, Brüder, Väter.

(…)

Es fühlt sich an, als hätten wir als Gesellschaft hingenommen: Männer vergewaltigen halt Frauen. Boys will be boys. Nur ist das nicht zu akzeptieren, denn „die Vergewaltigung ist Bürgerkrieg“, wie Virginie Despentes schreibt. „Sie ist die politische Organisation, durch die ein Geschlecht dem anderen erklärt: Ich habe alle Rechte über dich, ich zwinge dich, dich unterlegen, schuldig und entwürdigt zu fühlen.“ Das ist eine Realität, die wir niemals hinnehmen dürfen.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 31. August 2026 – Rückkehr der rohen Karotte

Dienstag, 1. September 2026 um 6:20

Wow, welch turbulente Nacht. Diesmal brauchte ich nicht mal äußere Einflüsse: Wüste Träume und die Samba im Bauch, die Radieserln, Frühlingszwiebeln und Schnittlauch aus Okroschka tanzten, reichten völlig. Als der Wecker klingelte, war ich einerseits froh um das Ende der Nacht, andererseits völlig benommen.

Ich stand zu nassen Straßen auf, aber zu milder Luft.

Unerwartet zackiger Arbeitsvormittag. Ich schaffte es dennoch mittags auf einen Marsch um die Blöcke, jetzt war die leicht windige Luft unter wenigen Schäfchenwolken am blauen Himmel perfekt für tiefes Durchschnaufen.

Zu Mittag gab es nochmal rohe Karotte (RISIKO!), dann restliches Wassermelönchen und Skyjolei. Wieder kein Bauchweh von der rohen Karotte – vielleicht war das nur eine mehrjährige Phase? Es würde mich sehr freuen, denn ich esse sie wirklich gerne.

Highlight des Arbeitstags: Neue Kopfhörer. Ich benutzte immer noch die allerersten, die noch vor Corona bei der Umstellung auf Computer-Telefonie verteilt wurden (und habe das Naturell von Schlachtrössern, die jedes Equipment bis zum letzten Hansaplast-Flicken benutzen – wobei ich darauf echt nicht stolz bin, sondern mich immer mehr wie eine Plastiktüten-bügelnde Greisin fühle). Jetzt bröselte der Schaumstoff am einzigen Hörer, und nachdem meine Recherchen ergeben hatten, dass der Schaumstoff-Überzieher nicht auswechselbar war (geplante Obsoleszenz!), bestellte ich halt neue Kopfhörer. Seit gestern telefoniere und höre ich STEREO! Mal sehen, ob die bis zur Rente halten – oder ich irgendwann noch KABELLOSE erlebe.

Währenddessen verfolgte Herr Kaltmamsell das angekündigte DHL-Auto, das meinen Pulli nochmal geladen hatte, zum Teil auch in Echt und zu Fuß. Mit Erfolg, er passte den Wagen vor unserem Haus ab! Und jetzt weiß ein weiterer Paketbote, dass es an unserem Eingang Klingeln an ZWEI Seiten der Tür gibt.

Nach Feierabend genoss ich die wunderbare Spätsommerluft und die Sonne. Auf dem Weg nach Hause stockte ich bei Aldi unsere Schokoladenvorräte auf. Gründlich.

Daheim eine angenehme Runde Yoga, langsam löste sich meine zur Faust geballte Hüftgegend.

Lesen auf dem Balkon bis zum Abendessen: In der Münchner Stadtbibliothel war ein bestelltes Buch verfügbar (Lukas Rietzschel, Sanditz), wie praktisch, dass ich gerade ein Literatur-Magazin las, das ich zwischen zwei Texten einfach unterbrechen konnte.

Fürs Nachtmahl war Herr Kaltmamsell wieder einer Bitte von mir gefolgt und hatte ein Rindergulasch im Schnellkochtopf zubereitet.

Ganz hervorragend!

Nachtisch sehr viel Schokolade.

Im Bett Start der neuen Lektüre; Sanditz überraschte mich mit einem nicht-realistisch erzählten Beginn.

die Kaltmamsell

Lieblings-Breviloquia* August 2026

Montag, 31. August 2026 um 16:51

Etwas ausgedünnt diesmal, was an meiner lückenhaften Beobachtung wegen Urlaubs liegt.

Hier von Mastodon:

Und zu anderen Plattformen kam ich erst gar nicht.

*siehe

die Kaltmamsell