Ich bin gerne stark

Freitag, 15. August 2014 um 9:14

Das Wohnblockkinderrudel, in dem ich meine ersten sieben Lebensjahre verbrachte, verglich begeistert Muskeln, vor allem Oberarmmuskeln:
“Ich bin stärker als du!”
“Nein ich!”
“Fass mal an – meiner ist größer.”
“Nein meiner!”
Und dann musste ein Armdrücken oder eine kleine Rauferei zeigen, wer recht hatte.

Außerdem war ich von klein auf Team Pippi.

Wenn Sie mein Imponiergehabe kennen und meine Unfähigeit, mich durch Hilflosigkeitsposen attraktiv zu machen, wird es Sie nicht überraschen, dass ich gerne stark bin. Und schon immer war. Hat vermutlich ein wenig mit meinem enormen Autarkiebdürfnis zu tun.

Was mein Balzverhalten angeht: Es haben bislang immer die passenden Männer mit Bewunderung und glitzernden Augen auf meine Kraft reagiert.

Eben fiel mir ein Beleg ein:

1987_Kirkaldy

Das bin ich, damals noch Sopran 2, 19-jährig auf einer Chortournee in Schottland. Und was ich da hebe, ist ein Bass.

(Noch eine, die gerne stark ist, ist Frau Nessy. In “Animalische Anstrengung” macht sie sich kluge Gedanken, warum Frauen mit ihrer körperlichen Kraft ein Problem haben.)

die Kaltmamsell

Mehr Robin Williams

Mittwoch, 13. August 2014 um 8:04

Es ist eigenartig, wie viele Menschen von Herzen um Robin Williams trauern, weltweit.

Auch über meine eigene Trauer war ich erstaunt, ich kannte den Mann doch gar nicht. Doch zum einen verbinde ich mit seinem Werk sehr viele wichtige und prägende Phasen und Begleiter meines Lebens. Zum anderen schmerzt mich, dass Depressionen ihn umgebracht haben.

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Hier ein Nachruf, auf den Stephen Fry hinwies, der sich ja viel mit Gemütskrankheiten beschäftigt.
Send not to know macht sich Gedanken über die weltweite Trauer:

We came back to the same line: if Robin Williams could not make it, who could?
(…)
Depression is a bastard, and it is a thief. It is random and it does not discriminate. It takes the brilliant and the beautiful, the kind and the good, the funny and the clever. It does not give a shit how much you are adored or how much joy you give or how many prizes you win. It is no respecter of money or class or fame.

As the affection and grief roll round the internet, my friend and I say, as one: if only he knew how much he was loved. There is the silent, melancholy rider: it would have made no difference. Depression does not count blessings. Blessings, ironically, may make the sufferer feel even worse. How dare I be afflicted when I have all this?

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Die Welt hat Reaktionen von Williams’ Kollegen und Kolleginnen im Web gesammelt.

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In der FAZ: “Der Mann, der zu gut war für Hollywood”.

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In der Welt: “Gooood Niiiiiight, Robiiiiiin!

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Über Williams’ Tod und Depressionen in The Telegraph:
Robin Williams dies: depression is a cloak of lead, a toxic second skin“.

Robin Williams was depressed. He was so depressed he killed himself. Fame, adulation, money, love, commercial success meant nothing in the face of it. Like cancer, depression is an equal-opportunity killer. Unlike cancer its sufferers are too often greeted with a creeping sense of blame and suspicion, rather than compassion and horror. Links have been drawn regularly between creativity and depression. But as much as it suits the image of the tortured artist to manufacture such links, it is an erroneous and unhelpful comparison. It implies that there is an upside, that the payoff for wanting to die is being able to produce something immortal and creative. But there is no payoff. You create despite the vice and voices in your head, not because of it. There is no upside. There is, with luck and love and the right support, the chance that you will stay alive. There is the (much smaller) chance that you will stay alive with some degree of contentment. There is, all too often, the chance you won’t do either of these.

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Nachtrag
Robin Williams’ Tochter Zelda dankt für die Anteilnahme.

die Kaltmamsell

Robin Williams ist tot

Dienstag, 12. August 2014 um 9:49

Robin Williams ist tot. Mein T.S. Garp, mein Adrian Cronauer, mein Mr. Keating, mein Doctor Carlisle, mein Parry, mein Peter Pan, mein Genie, mein Sean lebt nicht mehr. Wie traurig!

Seine Show Live at the Met habe ich so oft gehört (ein Studienfreund überspielte sie mir von Videoband auf Audiokassette, ich hatte ja keinen Fernseher), dass ich bis heute daraus zitiere (obwohl ich ehrlich gesagt immer noch nicht alles verstanden habe) – “Ballet dancers! Men wearing pants so tight you can see what religion they are!”

Erst mit den Jahren wurde mir klar, welcher Wissensfundus und welche Geschwindigkeit an Informationsverarbeitung erforderlich sind, um ein Stand-up-Schnellfeuer zu erzeugen, wie Robin Williams es tat (und welche Last das sein kann). Dass er ein großartiger Schauspieler war, wusste ich ja seit The World According to Garp. Wie furchtbar schade um ihn. Depression lies. Depression kills.1

Für jetzt gleich: Ein bisschen aus Live at the Met.

Und für heute Abend:

  1. Und wenn mir nochmal ein oder eine “Coach” daher kommt mit der Lehre, man müsse nur regelmäßig lächeln und schon helle sich die Stimmung auf, werde ich gewalttätig. []
die Kaltmamsell

Ein etwas längeres Wochenende

Montag, 11. August 2014 um 11:58

Die Bügelwäsche ist weg, Donna Tartts The Goldfinch ausgelesen, sogar zu zweimal Ausschlafen und einmal Mittagsschlaf hat es gereicht.

Nur mit dem Wetter habe ich mich wieder verschätzt. Der Samstag begann mit Badewetter.

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Also packte ich nach dem Fertigstellen der Aprikosentarte (Rezept ein wenig verbessert) Schwimm- und Badesachen, radelte damit zum Schyrenbad. Nur dass nach meinen 3.000 Metern der Himmel energisch bedeckt war und ich keinen Grund für längeren Aufenthalt fand. Am frühen Nachtmittag regnete es dann und kühlte so stark ab, dass ich zum Lesen Wollsocken und Strickjacke trug. Ein wenig warm wurde mir erst beim Bügeln.

§

Der Sonntag wiederum ließ sich bedeckt an – passendes Laufwetter. Doch bis ich nach Morgenkaffee, Bloggen und Internetlesen aufs Radl an die Isar stieg, war Sommer ausgebrochen. Der Lauf wurde wunderschön, doch ich hätte gerne Trinkwasser dabei gehabt.

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Erst habe ich sie fotografiert, die beiden Erdbeerchen, dann gegessen. Schmeckten nach überhaupt nichts.

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Zum anschließenden Frühstück backte der Mitbewohner Hefewaffeln. Herzlichen Dank für die wundervollen Rezepttipps!

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Das Backen dauerte deutlich länger als veranschlagt, doch frisch schmeckten sie wirklich köstlich. Abgekühlt weniger.
Die nächste Runde sind dann Rührteigwaffeln.

Tiefer Mittagsschlaf, den Nachmittag über auf dem Balkon The Goldfinch ausgelesen und genossen. Jetzt will ich aber erst mal wieder etwas Kürzeres lesen.

Abends eine Geschichte von 1990 aus der Autofabrik fürs Techniktagebuch umgearbeitet.
Am Vormittag hatte ich eine spürbare Zeit gebraucht herauszufinden, in welchem Jahr genau das war. In der Überzeugung, ich hätte alle Kontoauszüge meines Lebens aufgehoben, nämlich als historische Quellen, suchte ich erst mal dort – und stellte fest, dass ich die von vor 1994 irgendwann weggeworfen hatte. Aufschluss brachten meine Gehaltszettel: Die habe ich tatsächlich noch alle, alle.
(Ja, das könnte ich alles mal scannen und digital archivieren. Vielleicht an langen Winterabenden.)

die Kaltmamsell

Beifang aus dem Internet – 33

Sonntag, 10. August 2014 um 9:39

Ausgerechnet jetzt ist seine USA-Reise wohl gerade rum, doch Sie sollten durch seine instagram-Bilder blättern: ix in Amerika. Hier geht’s los. (Und an der Web-Version von instagram ist immer noch eine Menge zu verbessern.)

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Chinas Werte
Kultur ist bloß ein Taschenspielertrick

Werte und Kultur in einem Land, das jahrzehntelang durch “Umerziehung” systematisch die Verbindung zu seiner Tradition kappte – hochinteressant. (Dass die im Westen so angesagte Traditionelle Chinesische Medizin, TCM, von Mao Zedong entwickelt wurde, wusste Sie aber?)

Alle offiziellen Verlautbarungen versäumen nicht, an die „fünftausend Jahre Kultur“ zu erinnern, an die China nach einer Phase der Demütigung wieder Anschluss gefunden habe. Diese behauptete Stärke wird gern in die Zukunft projiziert. Während die westlichen Länder immer noch an ihren alten Defekten herumlaborierten, bemerkte kürzlich Wang Genghua, ein Konfuzianismus-Experte der Pekinger Normal University, habe China aller Schwäche Lebewohl gesagt: „Es steht fest, dass China einen Weg für die Zivilisation der Menschheit herausfinden wird.“

Doch all diese Stellungnahmen betreffen nur eine „Kultur“ innerhalb eines abgeschirmten Sonderbereichs, in dem sich risikolos schwadronieren lässt. Sobald sich China zu einer Frage äußert, bei der die Kulturen und Ideen der Welt real und ernsthaft aufeinanderstoßen, ist es von einem tiefsitzenden Minderwertigkeitskomplex durchdrungen. In einem Grundsatzpapier des Zentralkomitees hatte es vergangenes Jahr geheißen: „Das Ziel bei der Verbreitung sogenannter universeller Werte ist, zu behaupten, dass das Wertesystem des Westens Zeit und Raum, Nation und Klasse überschreite und auf die gesamte Menschheit anwendbar sei“, um auf diese Weise „den essentiellen Unterschied zwischen dem westlichen Wertesystem und dem Wertesystem, das wir vertreten, zu verdunkeln“. Doch sowohl diese Verordnung als auch alle übrigen Verlautbarungen versäumen es, zu erklären, worin denn nun das chinesische Wertesystem in Abgrenzung zum westlichen besteht.

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Wie ergeht es eigentlich den UN-Soldaten, die die Weltgemeinschaft zum Schutz der Schwachen aussendet und die doch eigentlich das beste Image haben müssten, das Soldaten selbst in den Augen von Ostermarschieren haben können?

Wenn die Uniform sprechen könnte

Was empfindet ein UN-Soldat, der beim Morden zusehen muss? Wie in Ruanda, in Srebrenica oder der Zentral-afrikanischen Republik. Unsere Autorin ist mit einem Offizier verheiratet und gibt Seminare für die UN. Ihr haben sich viele der Soldaten anvertraut

Warnung: Sehr harter Tobak, nicht vor dem ersten Kaffee und dem Blick auf etwas Schönes lesen.

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Wer wie ich fast täglich an der Theresienwiese vorbei kommt, sieht das Grauen des Oktoberfest bereits seit Wochen dräuen. Doch selbst Freundinnen des Oktifestst haben Kummer, sie müssen mit der stetigen Verwandlung der Veranstaltung ins größte Kostümfest neben dem Karneval in Rio fertig werden.

Isabella Donnerhall ist eine solche Freundin und hat sich nochmal aufgerafft zu sammeln
“That’s not how you Oktoberfest”.
Wird kontinuierlich erweitert, freut sich über Zusendungen.

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Antje Schrupp ist zum Schluss gekommen, dass es viele Parallelen gibt zwischen
“Sexismus und Regen”.

Den konkreten Streit, auf den sie sich bezieht, habe ich nur vom Ignorieren mitbekommen, doch Antjes Gedanken treffen ohnehin übergreifend zu.

Sexismus ist wie Regen. Er ist einfach da, manchmal schwächer, manchmal stärker. Manchmal können wir uns irgendwo unterstellen, manchmal hört er vielleicht sogar für ne Weile auf. Manchmal kommt er aus heiterem Himmel und mit einer Gewalt, mit der wir nicht rechnen konnten. Aber, und das ist mein Punkt: Wenn es regnet, können wir nichts dagegen unternehmen. Jedenfalls nicht hier und jetzt, nicht in dieser Situation. Es ist schlichtweg nicht möglich. Wenn es regnet, dann regnet es.

Sexismus strukturiert die symbolische Ordnung, die uns umgibt, er lässt sich durch Argumentationen nicht wegkriegen. Sexismus ist eine Tatsache, keine Meinung. Feminismus bedeutet die Arbeit an dieser symbolischen Ordnung, und das funktioniert in der Tat hauptsächlich durch Sprache. Aber auf sehr vielen verschiedenen Ebenen, und es ist kompliziert. Es ist keine Frage der Logik, sondern eine der Kultur, tief verwurzelt, unsichtbar, normal. Es funktioniert nicht so, dass wir die sexistische Struktur unserer symbolischen Ordnung nur erst einmal lückenlos beweisen müssten, und dann geht sie weg. Für öffentliche Debatten über den Feminismus ist es wichtig, sich das ganz klar zu machen und sich jederzeit darüber bewusst zu sein. Und nicht, auch nicht ganz insgeheim in einem hinteren Winkel des Herzens, mit der Erwartung hineinzugehen, doch vielleicht überzeugende Argumente zu finden. Denn das führt unausweichlich zu der ohnmächtigen Erkenntnis, dass es hier halt nicht um Argumente geht, sondern um Macht.

§

Kunst wurde schon immer von Politik und Religion instrumentalisiert – aber auf die CIA wäre man vielleicht nicht sofort gekommen (selbst wenn man eben gerade Sweet Tooth von Ian McEwan gelesen hat, in dem es um die verdeckte Förderung von Schriftstellern durch den britischen Geheimdienst geht).
“Modern art was CIA ‘weapon’”.

“Regarding Abstract Expressionism, I’d love to be able to say that the CIA invented it just to see what happens in New York and downtown SoHo tomorrow!” he joked. “But I think that what we did really was to recognise the difference. It was recognised that Abstract Expressionism was the kind of art that made Socialist Realism look even more stylised and more rigid and confined than it was. And that relationship was exploited in some of the exhibitions.

Nachdrückliche Leseempfehlung: Fast jedes Detail ist überraschend und liest sich wie für einen mittelschlechten James-Bond-Film ausgedacht.

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Eine Professorin, die seit vielen Jahren in den USA lehrt, erläutert, wie sie während eines Forschungsprojekts in Deutschland die heutigen Geschlechterverhältnisse in der Wissenschaft erlebt hat.
“Warum willst du nicht hier bleiben? – Darum!”

Ich erinnerte mich an meinen US-amerikanischen Geschichtsprofessor in Gastprofessur an der Uni Augsburg, der den Semesteranfangsempfang des Uni-Präsidenten kommentierte: “It looked like a gay party: The only women were serving drinks.” Dann rechnete ich nach: Das ist jetzt 24 Jahre her. Schon damals fand ich den Umstand so empörend wie der Gastprofessor, heute bin ich geradezu mutlos, weil sich immer noch nichts geändert zu haben scheint.

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In eigener Sache: Letzthin stellten gewisse Twitterinnen fest, dass ihnen ein Schwimmblog fehlt. Nur wenige Themenideen weiter war auch schon ein neues Gemeinschaftsblog dazu geschaffen. Begrüßen Sie also
Die Freistilstaffel.

Tatsächlich hatten wir auf Twitter nur ein wenig rumgealbert, irgendwann alberte ich:

Und so schnell schauten wir gar nicht, bis der zuvorkommende @dentaku sich erbot

Und es auch schon getan hatte und Zugänge verschickte. Danke, Thomas!

Schaun Sie sich die Freistilstaffel doch ein Weilchen an, und wenn sie Ihnen gefällt: Empfehlen Sie uns weiter!

die Kaltmamsell

Neues vom Munich Wildlife

Samstag, 9. August 2014 um 8:32

Am Donnerstagmorgen strampelte ich mal wieder auf dem heimischen Crosstrainer mit Blick aufs Draußen. Erst sah ich ein Eichhörnchen über den Wiesenstreifen vorm benachbarten Forschungsinstitut hoppeln, dann die kranke Krähe (zu ihr gleich mehr) herabsegeln. Doch wenige Minuten vor Ende meines Strampelstündchens die Sensation: Das graue Tier auf der Wiese war eindeutig ein Häschen! Es saß, schnupperte, hoppelte zum Metallzaun des Nachbargrundstücks, schnupperte wieder, hoppelte durch den Zaun. Mit dem Ruf “HÄSCHEN!” lief ich zum Mitbewohner, beide sahen wir aus einem anderen Fenster das Tier auf dem Nachbargrundstück, dann war es weg.

Jetzt werden Sie vielleicht sagen: Pah! Morgentau, Wiese, Häschen – das gehört doch fast zusammen! Doch wir befinden uns hier so mitten in München, wie es eine U-Bahn-Station vom Marienplatz entfernt nur sein kann. Und unter dem vielen und verschiedenen Getier, das ich über die Jahre hier gesehen habe (und ich schaue viel aus dem Fenster, glauben Sie mir, der Ausblick ist das Wichtigste und Schönste an dieser Wohnung), war noch nie ein Hase/Kaninchen.

Gestern Abend stand ich in der Dämmerung auf dem Balkon und genoss die warme und duftende Luft, als das Häschen wieder auftauchte. Diesmal holte der Mitbewohner seinen Superduperfotoapparat und erwischte es:

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Der kranken Krähe geht es eigentlich ganz gut. Würde eine Tierrettung auf die Kastanie klettern, um sie zu holen? Oder stundenlang unter der Kastanie warten, bis sie herabsegelt, um sie einzufangen? Ich habe den Eindruck, sie kommt besser zurecht, als ich zunächst vermutete. Jeden Tag sehe ich sie in der Kastanie vor dem Balkon sitzen, und wenn ich ihr Erdnüsse in Schale auf den Zaun davor lege, kommt sie inzwischen umgehend herunter (einmal hat ihr ein Eichhörnchen die Nüsse weggegessen, vielleicht hat sie daraus gelernt, dass sie schnell sein muss). Manchmal sehe ich sie über die umliegende Wiese schreiten. In den vier Wochen unserer Bekanntschaft nahm ich keine Verschlechterung ihres Zustands wahr. Eichhörnchen, Meisen, Tauben turnen zwar so nah um die Krähe herum, dass klar ist, wie wenig sie sie als Gefahr ernst nehmen. Doch sie scheint ganz gut auf sich aufpassen zu können.

Der Mitbewohner hat sogar mal eingefangen, wie sie vom Boden auf ihren Lieblingsast kommt.

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Die Miniermotten werden wohl nicht mehr verschwinden. Dieses Jahr haben sie die Kastanien vorm Balkon bislang mittelschwer zugerichtet:

140809_Kastanie

die Kaltmamsell

Beifang aus dem Internetz – 32

Dienstag, 5. August 2014 um 6:27

A bisserl viel vielleicht, dieses Mal?

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Rollstuhlfahrerin Christiane Link über ihre wilde Inklusion (das heißt wirklich so):
“Wie ich im Traum mein Abitur verlor”.

Als ich anfing bei BBC zu arbeiten, war das Erste, was mir auffiel, dass meine Kollegen überhaupt keine Berührungsängste hatten. Niemand stellte komische Fragen, alle fanden es völlig normal, eine rollstuhlfahrende Kollegin zu haben. Irgendwann habe ich dann komische Fragen gestellt. Ich wollte wissen, woher diese Normalität kommt, die ich so nicht gewohnt war.

Die Pointe lesen Sie bitte vor Ort.

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Auch die jungen Leute (TM) haben manchmal ein Leben in diesem Internet, in dem wir wohnen. Wir sind uns hoffentlich darüber klar, dass wir von diesem Leben ziemlich wenig wissen. Umso interessanter sind die Spuren:
Wie wir* ignorieren, was junge Menschen bei Facebook, Twitter und Youtube interessiert“.

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Richard C. Schneider berichtet jeden Tag mehrfach für unter anderem die ARD aus dem Gaza-Krieg. Dass er es sich nicht einfach macht, hatte ich vorausgesetzt. Doch wie schwierig dieses Berichten im Detail ist, musste er mir in diesem Artikel erst mal erzählen:
Über Gaza berichten
Gegen die Bilder ist unser Text machtlos”
.

Tatsächlich habe ich in den vergangenen Wochen aufgehört, aus den Bildern über Gaza/Israel oder aus der Ukraine irgendetwas zu schlussfolgern (außer die grundsätzlichen Manipulationsversuche). Mag ein Bild von mir aus mehr sagen als tausend Worte: Ich vertraue gerade in diesen Zusammenhängen inzwischen am ehesten Worten.

§

“Things on bike lanes” – Ein tumblr über “den ganz normalen Wahnsinn auf Hamburgs Radwegen”.

Wie oft hatte ich beim radelnden Umkurven durch München schon gedacht: ‘Zefix, das müsste man fotografieren und sammeln!’ Für Hamburg hat das tatsächlich jemand gemacht.

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Raul Krauthausen ist Macher, Unternehmer, Autor, Beweger, Aktivist, und das erfolgreich. Aber weil er zudem mit Rollstuhl und Assistenz lebt, darf er aus all dem bloß keinen materiellen Gewinn ziehen:
“Arbeit + Assistenz = Altersarmut”.

Diese Zusammenhänge sind mir nicht neu, doch sträubt mir jeder Fall die Haare.
Wir als Gesellschaft reiben diesen Menschen unverhohlen unter die Nase, dass sie ja wohl auf Kosten aller leben, die diese Unterstützung nicht nötig haben.

Ich denke an das rauschende “Nicht-Hochzeit”-Fest einer damaligen Freundin mit weit fortgeschrittener Nervenerkrankung, die in einer betreuten Wohnanlage lebte. Und die ihren voll berufstätigen Partner (E-Rolli-Fahrer) lieber nicht heiratete und auch nicht mit ihm zusammenzog, weil dadurch die staatliche Unterstützung halbiert worden wäre.

§

Ich fürchte, den meisten Hiesigen ist nicht klar, wie schwierig Frauen in den USA eine Abtreibung gemacht wird. Esquire (ausgerechnet Esquire!) portraitiert einen Arzt, der seine glänzende Karriere aufgab, um diesen Frauen wenigstens so weit zu helfen, wie er es als Gynäkologe legal kann – aus christlichen Motiven:
“The Abortion Ministry of Dr. Willie Parker”.

In Mississippi, there is only one clinic where a woman can go if she needs an abortion. The state is trying to close it down. At that clinic, there is a doctor who tends to the needs of these women, and he has to fly in from out of state to do it. There is no shutting him down.

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“How To Build A Ninja Gym Culture That Kicks Ass (While Riding A Dragon)”.

Na, so ganz wäre das nicht mein ideales Sportstudio – “vulgär” mag ich wirklich nicht beim Sport.

Doch zu den vielen Unternehmen, die ich gerne gründen würde, hätte ich auch nur die Spur Unternehmerinnentums im Blut, gehört eine Sportstudiokette. Und zwar eine, die rein auf Spaß basiert, auf Health at every size, auf dem Feiern von Vielfalt.
Dass Bewegung gut tut (schrieb sie und vermied eisern das wenig belastbare “gesund”), und das vor allem wenn sie Spaß macht, hält jeder seriösen Überprüfung stand. Das Ziel meiner imaginären Sportstudiokette wäre, dass Bewegung innerhalb kurzer Zeit auch denen Spaß macht, die sie zunächst gegen inneren Widerstand und aus reinen Vernunftgründen angefangen haben.

Niemandem würde dort unterstellt, sie müsse anders aussehen, schon gleich gar nicht “schlank”, “straff”, “getont” – am liebsten vermiede ich sogar das Wort “Fitness”. Kürzlich habe ich gehört, dass es in den USA inzwischen Summer Camps gibt, in denen jegliche Bemerkung über das Äußere untersagt ist. Klingt nach einer guten Regel für ein Sportstudio.

Eine Trainerin, die als Ziel setzt: 5 Kilo abnehmen – hat dort nichts verloren.
Sehr wohl eine Trainerin, die als Ziel setzt: 5 Kilo mehr heben, 10 Minuten länger rudern, diese eine saublöde Kraftmaschine ins Programm einbauen, die besonders anstrengt, eine Freundin zum Durchhalten motivieren.

Ich bin überzeugt, dass das auch als Geschäftsmodell belastbar ist. Die Fitnessstudiokette, in der meine Mutter alt geworden ist, scheint da gute Ansätze zu habe (Kontakt auf Anfrage). Zumindest geht nicht nur mein über 70-jähriger Vater inzwischen begeistert hin (schon immer bewegungsfreudig, aber eigentlich studiofeindlich), sondern auch meine zeitlebens sportferne Taufpatin (Ende 70) – unter anderem weil sie festgestellt hat, dass sie ihren Alterszucker durch Bewegung in den Griff bekommt und überhaupt keine Medikamente mehr braucht.

Die Sportstätte meiner Träume böte (mit Kooperationspartner) auch Gehirngymnastik an – von Expertinnen-Vorträgen (“Was Sie schon immer erklären wollten, aber niemanden interessiert hat.”) über Sprachkurse bis Podiumsdiskussionen (zum Beispiel zum Thema Bikinifigur).

Und sie wäre ernsthaft barrierefrei.

§

“Wie erkläre ich es meinem Kind?
Warum wir in Urlaub fahren”.

Ein Detail allerdings sollte man Kindern so lange wie möglich verheimlichen:
“Erwachsensein fühlt sich nämlich meistens an, als hörten die Hausaufgaben einfach nie auf.”

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“Why I’m Still a Butch Lesbian”.

Popular culture, and women themselves, often imply that I lack many of the most essential qualities of womanhood.
(…)
Ironically, one of the things I share with many women is my eagerness to point out all the ways in which I’m not like other women.

I mean, I’m masculine in all sorts of ways—I am ambitious, logical, aggressive, strong, and highly competitive. And I’m certainly not silly, frivolous, dainty, weak, or overly emotional … Oh dear. That’s where I run into a major problem, isn’t it? When I start listing traits of mine that I’d call masculine, they’re always positive. They’re points of pride. Whereas when I list traits I lack that I’d call feminine, they’re negatives. It seems I can’t consider my own masculinity or lack of femininity without relying on some of the worst and most pernicious sex-based stereotypes. This suggests to me that the enterprise itself is suspect.

Ich träume ja seit meiner Jugend sehr viel sehnsüchtiger von einem Frack als von einer großen Ballrobe. Ich bin überzeugt, dass ich darin großartig und attraktiv aussähe. Nur dass ich für einen Frack leider genauso wenig Verwendung habe wie für die große Robe.
Gleichzeitig trage ich sehr gerne Kleider und Röcke – das eine hat mit dem anderen vermutlich nichts zu tun.

§

Noch was zum Gucken:
“Too Cool! 54 ‘Colorized’ Photos From Last Century… The One Of Albert Einstein Will Blow You Away”.

§

Und was zum Hören und Gucken:

die Kaltmamsell