Archiv für September 2011

Oktoberfest im Sportstudio

Donnerstag, 22. September 2011

Was fällt Ihnen zum Oktoberfest ein? Ich nehme an, Ihre Assoziationskette beginnt irgendwo bei Bayern und hangelt sich über Bier, Dirndl, Ein Prosit bis in etwa Menschenmassen. Und nun raten Sie mal, was dem Fitnessstudio, dessen Mitglied ich bin, zum Oktoberfest einfällt1:
Für Auflösung hier klicken: (mehr …)

  1. Nachdem mir auch gestern eine Hamburgerin erzählte, dass ihre Heimat derzeit komplett bajuwarisiert ist und Oktoberfest feiert, bin ich bereit, Oktifest als ernst zu nehmende Konkurrenz für Halloween zu betrachten – alle Gegner des amerikanischen Kultuimperialismus sollten sich über diesen Exporterfolg freuen. []

Oktoberfasching

Dienstag, 20. September 2011

Noch vor wenigen Jahren schrieb die Traditionalistin Martini verzweifelt dagegen an:

Das Oktoberfest heisst Oktoberfest weil es im September in München stattfindet, und nicht im Februar in Köln oder Düsseldorf. Das ist übrigens auch der Grund, warum die Menschen ‚ein Prosit!‘ plärren und nicht etwa ‚Alaaf!‘ Ein Dirndl ist kein Clownkostüm sondern eine Tracht und steht für Bayern Berge Brauchtum. Wer davon nichts versteht ziehe sich bitte an wie sonst auch, es ist genug Bier für alle da, versprochen, man muss sich nicht als Bayer verkleiden.

Doch sie hatten schon damals verloren. Auch wenn sie heuer bellt:


Oktifest ist keineswegs „Bayern Berge Brauchtum“, sondern schlichtweg Party. Genauer gesagt Mottoparty, und das Motto lautet Bayern. Entsprechend kostümieren sich die Partyteilnehmer. Sehr wahrscheinlich leiden darunter die langjährigen Dirndlträgerinnen mehr als Oktifest-Hasserinnen wie ich (dank schlechtem Wetter hatte ich allerdings bislang ruhige Nächte). Zum Beispiel meine Schwägerin, die als gebürtige Ettingerin schon von Kindesbeinen an auf dem Oktoberfest durch das Tragen eines Dirndls stolz auf ihre ländliche Herkunft verwies. Heutzutage mag sie den schwarzen Brokat, aus dem in ihrem Heimatdorf die traditionelle Tracht hergestellt wird, nicht mehr in einem Oktoberfestbierzelt tragen: Er ist zu festlich.

Die Süddeutsche Zeitung hat ihre Chronistenpflicht ernst genommen und die Verkleidungstrends dieses Jahres untersucht:

“Das Oktoberfest kommt mir immer ein wenig wie ein Kostümball vor“, sagt Wetterich.
(…)
Modell Gina Daniela kostet (…) nur 19,90, große rote Blumen zieren das äußerst knappe Kleid – dennoch hat man auch bei Steindl so etwas wie eine Ehre. „Pornodirndl kommen mir hier nicht her, so was tragen nur die Aussis“, sagt der Verkäufer mit dem gezwirbelten Schnurrbart. Ansonsten ist fast alles erlaubt: Plastikschmuck, rote Tüllunterröcke, made in China. „Unsere Mädels sind direkt und ehrlich – und wollen auch so aussehen“, erklärt der Verkäufer. „Schließlich verkaufen wir Partydirndl.“

Vielleicht sollte ich mir endlich auch eines kaufen. Für den nächsten echten Faschingsball im Februar.

Nachtrag. Auf dem Weg in die Arbeit fiel mir eine weitere Parallele zum Fasching ein: Während der närrischen Tage im Herbst wird auch in konservativen Münchner Unternehmen die Oktoberfestverkleidung als Alternative zum Anzug akzeptiert.

Loblied auf scharfe Messer

Montag, 19. September 2011

Vom meinem Vater habe ich gelernt, Messer vor dem Einsatz praktisch immer zu schärfen, und zwar mit einem Wetzstahl, den er mir zusammen mit best bestückten Werkzeugkasten der Welt zum Auszug schenkte. Vermutlich wusste ich deshalb lange Zeit nicht, was wirklich scharfe Messer sind: Ich hielt das Ergebnis meiner Wetzerei irrtümlich für Schärfe.

In der Folge wunderte ich mich, dass ich am liebsten zu Messern mit Wellenschliff griff, um Tomaten, Zwiebeln, Paprikaschoten klein zu schneiden: Die normalen großen Messer, die Fernsehköche dafür verwendeten, eigneten sich in meiner Küche bei weitem nicht so gut.

Hellhörig wurde ich, als Hande – eine von mir sehr bewunderte Köchin – erzählte, dass sie ihre Messer regelmäßig zu einem professionellen Schleifer bringt. Und ein Mithelfen in ihrer Küche ergab tatsächlich einen deutlichen Unterschied im Schneideverhalten ihrer Messer.

Wirklich überrascht und damit überzeugt hat mich dann aber ein zufälliges Erlebnis. Ich wurde in einer professionellen Küche gebeten, Brot zu schneiden (einer der wenigen Handgriffe, die ich mir auch unter den Augen eines Kochs mit Meisterbrief zutraue), und auf dem Scheindebrett lag ein normales großes Messer ohne Wellenschliff. Seufzend griff ich dazu und sah mich schon statt Scheiben 1a Knödelbrot säbeln. Bis die Klinge durch das knusprige Bauernweißbrot glitt wie durch die sprichwörtliche Butter – sie war halt höllenscharf.

Seither plante ich, alle großen Küchenmesser und alle Scheren zum professionellen Schleifen zu geben, schließlich fuhr ich oft mit der Straßenbahn an einer traditionellen Münchner Messerschleiferei vorbei: am Messerladen Dummer in der Müllerstraße1. In seinen Ferien brachte der Mitbewohner unsere Messer und Scheren dorthin – natürlich in zwei Lieferungen, damit genug Schneidewerkzeug in der Küche blieb. Das Ergebnis ist sensationell, wir lernen gerade, was wirklich scharfe Messer sind. Und sind vor Begeisterung fassungslos: Frisches Roggenbrot gibt es jetzt auch in unter-fingerdicken Scheiben, selbst die dicke türkische Petersilie hacke ich sekundenschnell, an Zwiebeln rutsche ich beim Würfeln nicht mehr ab.

Kostenaufwand: 10 Euro pro Messer und Schere – was zumindest im Fall meines allerersten Küchenmessers den Anschaffungspreis übersteigt. Dazu kommen die Kosten für zusätzliche Pflaster: Die ungewohnte Superschärfe hat bereits zu einigen kleinen Unfällen geführt.

  1. „und seit 2000 auch im Internet“ – die Website ist sehenswert []

Nerd-Groupies

Mittwoch, 14. September 2011

Uns dürfte es eigentlich gar nicht geben: Frauen, die sich von Nerds angezogen fühlen. Die die Ohren spitzen, wenn ein Mann in ihrer Gegenwart von Bubble Sort spricht und umgehend seine Nähe suchen. Die es charmant finden, dass jemand gleichzeitig ein wenig unbeholfen und sehr zurückhaltend im persönlichen Kontakt ist, aber beim Erklären des great vowel shift aufblüht. Es braucht einer nur das Wort Gleitkommazahlen fallen zu lassen, und ich finde ihn sexy.
(Vielleicht locken diese Begriffe ja Nerds auf meine Vorspeisenplatte? Putputput!)

Lange nahm ich an, dass ich eine Verirrung der Natur bin, ein Einzelfall. Doch im vergangenen Jahr lernte ich drei Frauen kennen, die mir in jeder Hinsicht zustimmten. Eine, mit der ich mittlerweile befreundet bin, regte ein Treffen mit Partner an: Wir wollten vergleichen, welche von uns beiden den nerdigeren Nerd an ihrer Seite hatte. Meiner Meinung nach habe ich gewonnen (ich bitte Sie: Ihrer arbeitet im Vertrieb – der kann sogar ganz unnerdig fremde Menschen anrufen!)

Typisch Groupie ist es unter anderem, dass wir uns für die Inhalte des individuellen Nerdtums nicht eigentlich interessieren. Zwar bekomme ich glänzende Augen, wenn mir ein Mann von seinen ersten Computern erzählt, die noch nicht mal Festplatten hatten, frage bei einer dieser Gelegenheiten sogar nach, was eine Festplatte im Computer eigentlich macht. Doch weiter verfolge ich das Thema nicht. Zwar habe ich bewiesen, dass ich 30-minütige Vorträge über das US-amerikanische Pulp-Verlagswesen der 30er und 40er Jahre konzentriert verfolgen kann, doch zu eigener Forschung reicht das Interesse nun doch nicht. Da aber all diese nerdigen Daten mit groupiehaft bewunderten Menschen zusammenhängen, bleiben die einen oder anderen ungewollt hängen. Was zum Beispiel zur Folge hatte, dass ich kürzlich am Kantinentisch einer Praktikantin den Hintergrund all der Superheldenfilme skizzieren konnte, die nächstes Jahr zum Kinostart von The Avengers führen. So, wie halt ein Schlagzeuger-Groupie schnell lernt, bei der Nennung des Herstellernamens Zildjien im Zusammenhang mit Becken anerkennend die Augenbrauen zu heben. Auch wenn sie selbst noch nie einen Schlag darauf getan hat und das auch nicht plant.

Nerd-Frauen begeistern mich sogar noch mehr (Leslie!) – nur dass ich halt geschlechtlich auf Männer gepolt bin.

Deshalb: Ihr Nachwuchsnerds da draußen, seid beruhigt! Ihr seid für eine ganze, selbst nicht unattraktive Bevölkerungsgruppe die allerattraktivsten.
Hier in den Kommentaren finden sich noch eine Menge weiterer Groupies von Nerds, die auf Englisch Geeks heißen – allerdings meist selbst geekiger Natur.

„A gentle reminder“

Dienstag, 13. September 2011

Warum die Fugly-Damen eine meiner liebsten Mode-Websites machen, was sie selbst immer berücksichtigen und was ich für generell gültig halte:

here is a gentle reminder: Please be thoughtful when writing about bodies that belong to other people, and while I know it can be difficult, we’d very much appreciate it if we could concentrate on the clothing rather than people’s weights — in either direction.

Zu diesem Bild. Und so lästere ich weiter nach Herzenslust über die komplett bescheuerte Sandalenmode 2011, die Robin-Hood-Stiefeln (so hießen die in den 80ern) einfach den Fußteil bis auf ein Zehenschnürl abschneidet, über den Gang, den Badeschlappen verursachen, über die pseudo-funktionale Monstrosität so genannter Trekking-Sandalen. Doch ob darin eine Spargelwade (mmh, lecker Spargel) oder Elefantenbeine (und wir alle mögen Elefanten) stecken, ist in keinem Fall Teil der Lästerei.

Misslungen

Samstag, 10. September 2011

Ich bin beeindruckt vom mit Abstand misslungensten Brot meiner persönlichen Backgeschichte.

So sollte es eigentlich aussehen. Dafür war es gleichzeitig das arbeitsreichste und hatte mich fast sieben Stunden beschäftigt. Aufgegangen ist es nur in der allerersten Runde vor dem zweiten Kneten, dann praktisch nicht mehr. Geklebt hat der Teig bei mir auch. Ein Rätsel.

Wired auf Deutsch

Freitag, 9. September 2011

„Das ist ja wie Schülerzeitung lesen“, sagte ich gestern Morgen zur Kollegin, „die meisten Leute kenne ich.“ Auf dem Weg in die Arbeit hatte ich mir am Münchner Hauptbahnhof die erste deutsche Wired geholt (mag jemand ein übriges GQ?) – eben weil ich die Entstehung des Magazins von ziemlich Nahem mitverfolgt hatte und ausgesprochen gespannt war.

Entsprechend ist mir praktisch keines der Themen neu – allerdings nicht unbedingt, weil ich die Genesis kannte, sondern weil das halt die aktuellen Themen in meiner Ecke des Internets und der Welt sind. Sehen Sie: Beruflich verfolge ich ja per Twitter, Blogs, sonstigen Onlinemedien auch Vermeldungen von Menschen, die seit Kurzem Internet- und Webexpertise als Kompetenz verkaufen. Doch bis heute tauchen Neuigkeiten fast immer deutlich früher (bis zu zwei Tagen) in meinen privaten Kanälen auf, also bei den Menschen, mit denen ich seit vielen Jahren privat Onlinekontakt habe.

Genau deshalb interessiert mich bei der Einschätzung der Markterfolgs am wenigsten das Feedback auf Wired aus meiner gewohnten Ecke des Internets. Dort kann das Magazin nicht anders denn als Mitgliederzeitschrift gelesen werden, und zwar von Mitglieder für Mitglieder. Natürlich interessieren mich die Meinungen der anderen Mitglieder schon auch, zum Beispiel die von ix – aber ich glaube nicht, dass sich daraus ein künftiges Potenzial des Projekts ablesen lässt. Sehr gespannt hingegen bin ich, wie die Gazette außerhalb dieser Ecke ankommt: Was halten die Menschen davon, von denen ich keine Ahnung habe? Zum Beispiel, fangen wir doch gleich mal damit an, die Leser von GQ? Ob es wohl eine Möglichkeit gibt, die Wired-Mitglieder aus Feedback und Reaktionen auszufiltern?

Mein persönlicher Mitglieder-Eindruck: Ansprechende Themen, die ich ja auch im Web mitverfolge, ansprechendes Layout – nur den Stil der Personenfotos (dunkel, starke Kontraste, erdige Töne, Instagramm-Ästhetik), die ich seit einigen Jahren aus der Modewerbung kenne, mag ich gar nicht. Da strampeln wir PR-Schicksen uns seit Jahren ab, journalistisches Fotomaterial übers Unternehmen zu erstellen, authentisch, glaubwürdig, dokumentarisch – und dann wirken die tatsächlich journalistischen Fotos wie aus dem hypergekünstelten Werbekosmos.
Für mich heißt das im Deutschen übrigens weiterhin Nerd (im Englischen wäre ich mit der Verwendung ähnlich vorsichtig wie mit der von Freak). Ich bin sogar ein Nerd-Groupie – eigener Eintrag dazu folgt.


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