Journal Sonntag, 28. Dezember 2014 – Die Wolken von Sils Maria

Montag, 29. Dezember 2014 um 9:01

Ich wollte es immer noch nicht recht glauben, dass ich! krank sein sollte und trat trotz schmerzender Luftröhre zu Stepaerobic an. Zumindest radelte ich nicht zum Ostbahnhof, sondern nahm die S-Bahn. Doch was soll ich Ihnen sagen: Sportbedingt heftigeres Atmen verstärkt die Atemschmerzen, wer hätte das gedacht. Ich hielt die Stunde dennoch durch (DASWERDENWIRJAWOHLMALSEHEN!), strich aber den Plan, anschließend die Ausdauergeräte des Studios zu nutzen.

141228_3_Studioblick

Auf der Heimfahrt in der S-Bahn setzte sich zwischen zwei Halten eine weißhaarige Frau (WF) mit dramatischer Geste mir gegenüber:

WF: „Wissen Sie, warum ich mich zu Ihnen gesetzt habe?“
KM: „Weil ich die schönere Mütze trage?“

WF: „Das auch. Aber wegen etwas viel Wichtigerem. Wollen Sie’s wissen?“
KM: „Aber ja!“
WF: „Weil die da hinten alle so.“ Sie blickte nach unten, wo ihre Hand einen unsichtbaren Smartphone-förmigen Gegenstand umschloss.
KM: „Oh, ich habe meines gerade weggesteckt. Möchten Sie es ausborgen?“
WF, unbeeindruckt: „Alle so,“ sie wiederholt die Geste, „schrecklich! Keiner spricht mehr miteinander!“
KM: „Früher haben alle Bücher oder Zeitung gelesen.“
WF: „Ja, Büüücher! Das lese ich auch gerne.“
KM, im Aufstehen, weil die Bahn gerade in meiner Umsteigestation einfuhr: „Statt miteinander zu sprechen. Sie schlechter Mensch.“

§

Das Rote-Bete-Gratin, das ich mittags servierte, schmeckte sehr eigenartig, obwohl die Knollen aus dem Garten von Elternfreunden kamen, mein Tischgenosse schmeckte nichts Eigenartiges. Dann doch bereits schnupfenverzerrte Sinne? Panettone und Erhard-Lebkuchen (gutes Weihnachtsgeschenk!) am Nachmittag fielen mir nicht negativ auf.

§

Mit Freund Die Wolken von Sils Maria gesehen, weil Anke Gröner ihn so innig empfohlen hatte und weil Juliette Binoche. Gefiel mir sehr gut, zum einen aus den von Anke angeführten Gründen, zum anderen wegen vieler ungewöhnlicher Elemente. So besteht ein großer Teil des Films aus Szenen, in denen Schauspielerin Maria mit ihrer Assistentin ein Theaterstück einstudiert; der völlig unmarkierte Wechsel zwischen Theatertext und Filmhandlung erzeugt eine eigenartige dritte Ebene, möglich durch beeindruckende Vorstellungen von Binoche und Kristen Stewart. Zudem mochte ich den Realismus in der Charakterzeichnung von Maria und ihrer Assistentin, in Kleidung, Inneneinrichtung des Hauses in Sils Maria.

§

Früh ins Bett praktisch ohne Stimme und mal besser keinen Plänen für den nächsten Tag.

die Kaltmamsell

4 Kommentare zu „Journal Sonntag, 28. Dezember 2014 – Die Wolken von Sils Maria

  1. ilse meint:

    Erhol dich gut! Vielleicht kannst du die erzwungene Ruhe genießen.

  2. Kirsten meint:

    Gute Besserung! Aber bitte keinen Sport while krank. Im besten Fall dauert sonst die Erkältung doppelt so lang, im schlimmsten Fall wird was Fieseres draus.

  3. vered meint:

    Gute Besserung wünsche auch ich, und nachher einen Erholungsaufenthalt in der reinen Luft von Sils Maria.

  4. Sebastian meint:

    Hin- und hergerissen zwischen WF und KM (Chor: „Da haben Sie recht“ „Und da haben jetzt Sie Recht“) und schließlich einfach hingerissen über dieses Screwball-Pingpong. Aber dass alle, die in der SBahn ins Handy schauen, da früher in Zeitung und Bücher geschaut haben? Ah geh…

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