Archiv für Dezember 2018

Journal Donnerstag, 20. Dezember 2018 – Licht!

Freitag, 21. Dezember 2018

Für den Dezember zu mild. Wieder.

Da schau her, jetzt geht’s:
Gestern Vormittag war ich gerade noch im schwärzesten Dezember- und Arbeitspanikmodus, als irgendwas in mir ins Licht kippte. Es lag vielleicht daran, dass ich eine besonders angstbehaftete Tätigkeit hinter mich gebracht hatte, doch schlagartig schaffte ich, mich das Ganze nichts angehen zu lassen. Gut 50 Gehirn- und Seeleknoten lösten sich.

Und das obwohl sich gestern nach schleichenden Anfängen die Schmerzen in Luftröhre, Hals und Nebenhöhlen dann doch als aufziehende Erkältung manifestierten. Hey, seit dem Komplettausfall an Ostern hatte ich ja auch keine mehr gehabt.

Auf dem Heimweg im Biosupermarkt vergeblich Roggenvollkornmehl gesucht (ich setze gerade neuen Sauerteig an, mein alter wann dann doch endgültig durchgeschimmelt), Obst gekauft. Daheim das Mitbringessen für eine Freundesfeier Freitagabend zubereitet.

Zum Nachtmahl richtete ich Feldsalat aus Ernteanteil an, Herr Kaltmamsell überbuk im Ofen Auberginenscheiben.

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Ich bin immer noch nicht über den Tatortreiniger hinweg, dessen letzte Staffel gerade läuft:
– Dass das beste, was deutsches Fernsehen in den vergangenen 20 Jahren produziert hat, enden soll.1
– Dass „Drehbuch Mizzie Meyer“ dann doch kein Kollektiv ist, wie ich mir von Anfang an einredete, sondern eine einzelne, offensichtlich supergeniale Person, nämlich Ingrid Lausund, die noch dazu von derselben Geburtstadt ausgespuckt wurde wie ich.
„Diese Frau macht Schluss mit dem ‚Tatortreiniger'“.
Dass es in diesem schönen Porträt in der Welt über Ingrid Lausund heißt, sie habe die Themen der Folgen sehr genau recherchiert, wundert mich nicht: Immer wieder fragte ich mich, was bloß beim Sender schief gegangen war, dass da auf einmal der Alltag einer Rollifahrerin oder eines Jungmanagers bis ins Detail realistisch abgebildet wurde. Wo doch TV-Drehbuchführerscheine nur gegen die eidesstattliche Erklärung ausgegeben werden, dass man ausschließlich Vermutungen und Stereotype verwendet.

§

Der Spiegel hat entdeckt, dass einer seiner preisgekrönten Angestellten, Claas Relotius, Teile vieler seiner Reportagen und Interviews, manche sogar ganz erfunden hat. Seither wird in meinem Internet viel über Journalismus diskutiert und über ein paar grundsätzliche Probleme darin. Thomas Knüwer fasst in seinem Blog zusammen:
„Die Causa Relotius: Der Journalismus hat ein systemisches Problem und muss es endlich angehen“.

Ich habe beruflich ja auch meine Erfahrungen mit Spiegel-Berichterstattung gemacht, die sehr weit weg vom Augstein’schen „Sagen, was ist“ entfernt war. Zudem fiel mir während meiner Jahre in der Kommunikationsabteilung eines Dax-Konzerns besonders der Gegensatz zwischen Pressekonferenzen und Analystenkonferenzen auf, die zu Quartals- und Jahreszahlen kurz hintereinander abgehalten wurden: Die bei Banken und Aktionärsverbänden angestellten Analysten und Analystinnen wollten wirklich Hintergründe, Zusammenhänge, Zahlen, Daten haben (und brachten zum Teil selbst ganz erstaunliches Wissen mit, stellten Fragen zu Jahre alten Unternehmensankündigungen – „Was ist eigentlich aus dem geplanten Werk in Indien geworden?“). Die Fragen der Vertreterinnen und Vertreter der Presse dagegen ließen fast (!) immer erkennen, dass deren – möglichst zum Tage passende und möglichst verkaufbare – Geschichte längst stand, egal in welchem Verhältnis zur tatsächlichen Lage, und dass sie nur noch Zitate und Details dazu suchten. (Was mich keineswegs den Medien den Rücken hat kehren lassen, sondern gründliche und ergebnisoffene Recherche umso mehr schätzen.)

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Mein Weihnachtsspot des Jahres 2018 ist gefunden:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/9N7XxUsTIaQ

  1. Als hätte ich auch nur die leiseste Ahnung von deutschem Fernsehen. []

Journal Mittwoch, 19. Dezember 2018 – Dezemberschwarz

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Uiuiui, der innere Dezember wird immer düsterer.
Ich würde mir ja gerne einreden, dass das gestern an den Bergen Brutalarbeit und an der wenigen verfügbaren Freizeit bis Januar liegt – aber ich weiß zu genau aus Erfahrung, dass es so oder so kein Entrinnen gibt.

Mittlerweile helfen auch die schönen Dezembererinnerungen nicht mehr, die ich in den vergangenen Jahren auf Reisen gesammelt habe, zum Beispiel in Rom. Sein müssen ist gerade wirklich schlimm, in meinem Kopf jagen sich vermeintliche und echte Verpflichtungen sowie die Planungen dazu, zusätzlich durcheinandergebracht durch wildes inneres Abwehrfuchteln, dazu verschiedene Farben des Selbsthasses (ein Textbaustein: „WORÜBER BESCHWERST DU DICH DENN? DU KANNST DICH DOCH BEIM BESTEN WILLEN ÜBER Ü-BER-HAUPT NICHTS BEKLAGEN!“ Ja, derzeit ist es der Selbsthass in Großbuchstaben, es gibt ja auch einen leise und böse zischenden).

Aber dass ich vor lauter Arbeit und Terminen nicht zum Twitterlesen (und Lesen der verlinkten Artikel) komme, schmerzt mich wirklich – noch bin ich also nicht bis zur Gefühllosigkeit innen ausgeschwärzt. Eine echte Stütze ist das Erbarmen, das mir Herr Kaltmamsell entgegen bringt.

In sehr schönem Vorsonenaufgang in die Arbeit gegangen – mit deutlich größeren Schritten als am Dienstag, als Theresienwiese und Theresienhöhe scheißglatt gewesen waren.

Blick mal in die Gegenrichtung von unterhalb der Bavaria.

Beim Korrekturlesen ertappte ich mich dabei, wie ich ein Emoticon in einen Kommentar an die Kollegin zeichnete.

Der Computer hat mir Zeichnen beigebracht!

Abends war ein Treffen bei uns daheim angesetzt – das sich kurzfristig zerschlug. In der momentanen Lage, innerlich und äußerlich, war mir das sehr recht.

Das Abendessen, das Herr Kaltmamsell vorbereitet hatte, gab es dann für uns zwei: Cremige Gemüsesuppe mit gerbratenem Mangold (mit Zitronenschale und -saft) und frittierten Kichererbsen.

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Die Nominierungen für die Goldene Blogger 2018 wurden gestern veröffentlicht (da sind einige meiner Favoriten dabei), ich habe mich bereits für die Preisverleihung angemeldet. Mitinitiator und Jurymitglied Thomas Knüwer berichtet Hintergründe und schätzt ein.

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Eine Studie der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) hat die Daten aus fünf Jahrgängen untersucht:
„Nur sechs Prozent aller Paare entscheiden sich für den Namen der Frau“.

via @ankegroener

Und jetzt versuchen Sie mich bitte zu überzeugen, dass es nicht der Gleichberechtigung schadet, wenn 75 Prozent aller Ehefrauen nach der Eheschließung nicht mehr auffindbar sind. („Aber ich kenne einen Mann / bin ein Mann, der den Namen seiner Frau angenommen hat!“ ist kein Argument – ok?)
Spannend wird es ja in ein paar Jahren, wenn zum Vergleich die Daten aus gleichgeschlechtlichen Eheschließungen vorliegen.

Journal Dienstag, 18. Dezember 2018 – Festhalten am Sonnenaufgang und an der kindness of strangers

Mittwoch, 19. Dezember 2018

Unter klarem Himmel in die Morgendämmerung in die Arbeit gelaufen. Vom Schreibtisch aus den Sonnenaufgang gesehen.

Viel Arbeit mit vielen Unterbrechungen, bis dann ein richtiger Berg Arbeit dazu kam. Eine weitere Weihnachtsfeier geschwänzt.

Spät eine U-Bahn zum Odeonsplatz genommen: Mir fehlte noch das eine oder andere Weihnachtsgeschenk – zumindest wusste ich, wonach ich suchte -, außerdem Geschenkpapier. Begegnung mit einem gestressten und egalen Verkäufer, dann aber mit einer ausgesprochen herzlichen und freundlichen Verkäuferin. Letzteres schaffte es tatsächlich, mir ein wenig rabenschwarzen Dezember vom Gemüt zu nehmen. (Solche Erlebnisse verstärken mein Bestreben, zu Fremden wirklich freundlich zu sein: Ein Gegenübergesicht dadurch ein wenig aufzuhellen, macht mich nämlich auch immer wieder froh.) Durch dichte Menschenmengen in milder Luft nach Hause.

Daheim hatte Herr Kaltmamsell auf meine Bitte Carbonara gekocht: Sie waren sehr gelungen, auch das eine Freude.

§

Schriftstellerin Sibylle Berg hat wieder bei einer Forscherin angerufen:
„Nerds retten die Welt
Folge 11: Gespräch mit Valerie M. Hudson, Professorin für Politikwissenschaft an der Bush School of Government and Public Service der Texas A&M University.“

Die Feministin Valerie M. Hudson forscht zu nationaler Sicherheit, sozialer Wissenschaftsmethodik und zu den Auswirkungen des gezielten Frauenmords (Femizid) auf die Gesellschaften.

Hudson berichtet unter anderem:

Als ich während der letzten Jahre des Kalten Krieges meinen Doktor in Sicherheitspolitik machte, hätten Sie alle Kurse des Programms besuchen können und dabei nicht einmal mitbekommen, dass es Frauen auf dem Planeten Erde gab. Das war eine völlig frauenlose Welt, in die ich da eingetaucht war. Auf meinem Lebensweg als Frau wurde mir klar, dass es sich hierbei um eine Karikatur handelte. Und ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass sich viele der Wurzeln dessen, was wir schätzen – Frieden, Freiheit, Demokratie –, aus der grundlegenden politischen Ordnung zwischen Männern und Frauen in der Gesellschaft ergeben. Man kann keinen Frieden auf der Welt haben, wenn es keinen Frieden zwischen Männern und Frauen gibt. Freiheit und Demokratie gibt es nicht, wenn Frauen unfrei sind und kein Mitspracherecht bei der Entscheidung über ihre eigenen Lebensräume haben.

Und sie gesteht:

Als ich anfing, diese Art von Forschung zu betreiben, gab es Zeiten, in denen ich die Tür zu meinem Büro schloss, auf den Boden fiel und einfach weinte.

1000 Fragen 501-520

Dienstag, 18. Dezember 2018

501. Lässt du dich gern überraschen, wenn du essen gehst?
Sehr gern.

502. Was war die beste Entscheidung deiner beruflichen Laufbahn?
Nicht das Angebot anzunehmen, mit 20 noch im Zeitungs- und Rundfunkvolontariat beim Radio zu bleiben, sondern die Ausbildung abzuschließen und dann zu studieren. (Das bizarrste Personalgespräch, das ich je hatte: Der Chef, der bis dahin nur auf mir herumgehackt hatte, jeden Tag aufs Neue, meinte – mit Blick fest auf der Tischplatte vor ihm – ich sei das größte Radiotalent, das ihm je begegnet sei, und er würde mich gern fest anstellen. Er habe bereits arrangiert, dass mein Volontariat dennoch als abgeschlossen angerechnet werde.) (Nachtrag: Ich scheine mich schon früh instinktiv von manipulativen Machtmenschen ferngehalten zu haben.)

503. Wie heißt deine Lieblingsblume?
Annegret?

504. Glaubst du, dass man dich hypnotisieren kann?
Nein. Aber das denkt vermutlich jede von sich.

505. Was musst du endlich wegwerfen?
Bergeweise Vorurteile.

506. Welche Stadt im Ausland würdest du gern besuchen?
Stockholm.

507. Trägst du häufig Lippenstift?
Ja.

508. Wie trinkst du deinen Kaffee am liebsten?
Mit Milch und Zucker.

509. Gehst du gelegentlich auf einem Friedhof spazieren?
Fast wöchentlich.

510. Wie viel gibst du maximal für eine gute Flasche Wein aus?
Bislang waren es maximal 30 Euro im Verkauf, im Restaurant glaube ich 70 Euro.

511. Wie würdest du deinen Kleidungsstil beschreiben?
Sorgfältig.

512. Was ist wahr geworden, wovon du als Teenager geträumt hast?
Ich esse so viel Schokolade, wie ich will.

513. In welchem Meer bist du zuletzt geschwommen?
Im Atlantik vor der nordspanischen Küste.

514. Kochst du oft Fertiggerichte?
Nein.

515. Wo fühlst du dich geborgen?
In einem fesselnden Buch.

516. Was ist dein Schönheitsgeheimnis?
Mich nicht um meine Schönheit zu scheren.

517. Bist du manchmal streng mit dir?
Ja. Aber nicht oft genug.

518. Welche Geschichte wird schon seit Jahren immer wieder in deiner Familie erzählt?
Anders als in der Familie von Herrn Kaltmamsell gibt es in meiner keine solchen fast schon rituell wiederholten Geschichten. Doch meine Mutter erzählt immer wieder gerne, wie sie als junges Mädchen und Schwimm-Autodidaktin ein Wettschwimmen gegen eine renommierte Vereinsschwimmerin gewann.

519. Wann bist du zuletzt den ganzen Tag an der frischen Luft gewesen?
An einen so richtig ganzen Tag kann ich mich nicht erinnern. Selbst auf Wanderurlauben habe ich die Abende drinnen verbracht.

520. Wie schön schreibst du noch mit der Hand?
Zumindest mittelschön, weil ich es sehr viel (und gern) tue.

Quelle: Flow-Magazin.

Zu den Fragen 481-500.
Zu den Fragen 521-540.

Journal Montag, 17. Dezember 2018 – Warten auf den Endspurt

Dienstag, 18. Dezember 2018

Morgens im innerlich Trüben und äußerlich Nebligen in die Arbeit marschiert, in Schneestiefeln auf frostigem Boden. Über den Tag rutschten die Temperaturen leicht über Null, auf dem Weg nach Hause war der Boden nass. Es erstaunte mich, wie deutlich ich die ganz leichte Milde spürte.

Viel Arbeit, aber überschaubar.

Umweg über einen Edeka, um Lebensmittel unter anderem für Brotzeiten der Woche zu besorgen. Große Schmerzen beim Gehen (die Bandscheiben schickten Schwerterstiche in Hüfte und Bein), daheim nach Langem mal wieder Ibu genommen.

Herr Kaltmamsell briet zum Abendbrot Chinakohl, Kartoffeln und Halloumi, zum Nachtisch gab’s einen Teller Plätzchen.

Immer noch Vorfreude auf Januar.

§

Ein sehr schöner Text:
„Vielleicht hat das Leben keinen Sinn
Nur sagen darf man es nicht. Sonst schicken einem die Leute gleich Kalendersprüche“.

Ich kann mich mit dem beschriebenen Sohn indentifizieren, obwohl mich von außen ganz sicher niemand als socially awkward beschreiben würde – ich bin’s ja erst spät geworden und hatte vorher genug Zeit zum Üben der erwarteten Gesten der Geselligkeit. Aber ich erinnere mich noch sehr gut an den Moment, in dem ich abends nicht mit (interessanten, sympathischen) Gleichaltrigen ausging, es war in Spanien, ich hatte gerade mein Auslandsstudienjahr in Wales beendet, weil ich so sehr viel mehr Sehnsucht nach einem Abend im Hotelzimmer mit einem Buch hatte. Dieser Moment war besonders, weil ich erstmals nicht das Gefühl hatte, dadurch irgendetwas zu verpassen.

Journal Sonntag, 16. Dezember 2018 – Draußen grau, drinnen werkelt die Hausfrau

Montag, 17. Dezember 2018

Nicht so lange geschlafen, wie ich es nach der späten Heimkehr erwartet hätte. Während ich beim Morgenkaffee ausführlich bloggte, begann es zu schneien, klassischer und hoffnungsloser Winterschneefall in grauem Licht. Doch das war nur eine kurze Episode, bald war es wieder einfach nur grau.

Schwimmen auch für diesen Sonntag abgeblasen, weil ich mal kurz meine Pläne für den Tag durchging und sonst in Hetzerei geraten wäre.

Erst mal Unterkunft Ende Januar in Berlin angefragt, mich gefreut, dass das klappt. Unterkunft in Brighton für die Faschingsferien recherchiert, eine schöne Ferienwohnung gefunden, über ein ganz offizielles Ferienwohnungsportal.

Mandeln gemahlen, geduscht, Porridge und Chai gekocht, Herrn Kaltmamsell und mir serviert.

Der Nachmittag bestand aus verschränktem Plätzchenbacken und Bügeln. Das Ergebnis war neben einer Portion Bügelwäsche weniger:

Brombeerbusserl rechts (ich vermisse Nickys Blog immer noch sehr) und Bethmännchen.

Kurz nach sechs hatte ich endlich Feierabend (ich sehne mich nach Ferien) und las die Wochenend-Süddeutsche sowie liegen gebliebene Zeitungen von Wochen. Ich merkte, dass ich keinen einzigen Schritt vor die Tür gesetzt hatte.

Zum Abendessen Reste und ein Schüsselchen tscherkessisches Hühnchen (pulled chicken mit Walnüssen), das Herr Kaltmamsell mal ausprobieren wollte. Schmeckte gut!

Abends Polizeiruf im Fernsehen geguckt, weil die Suedeutsche ihn als letzten mit Matthias Brandt angekündigt hatte und als Abrechnung mit Krimidrehbuchklischees. Brandt verehre ich eh, und als Hanns von Meuffels fand ich ihn immer besonders gut. Ich kam auf meine Kosten, lachte mehrfach über die Spitzen gegen Informationsvermittlung in Fernsehkrimis mittels Pseudo-Dialoge.

Journal Samstag, 15. Dezember 2018 – Kälte, Chai, Schneeflocken, Schäuferl und die heilsame Wirkung einer Freundesrunde

Sonntag, 16. Dezember 2018

Ausgeschlafen.

Nachdem ich für weitere Weihnachtsbäckerei drei Packungen Mandeln blanchiert und geschält hatte, war es halb zehn und unter Schneehimmel immer noch so dunkel, dass man überall in der Wohnung Lampenlicht brauchte. Es sah nicht danach aus, als würde es noch spürbar heller (sind wir im Berliner Winter oder was?), ich machte mich auf zum Laufen.

U-Bahn zur Universität, von dort durch den Englischen Garten an die Isar. Es fühlte sich saukalt an, obwohl die Apothekenthermometer Temperaturen nur wenig unter dem Gefrierpunkt anzeigten. Dass das stimmte, merkte ich beim Laufen: Erst wenn’s deutlich unter Null kalt wird, schmerzen meine Bronchien.

Diese Kiesbänke liegen in dem niedrigen Wasserstand nun schon seit so vielen Monaten frei, dass sie zuwachsen.

Das Laufen ging gut, mich plagten keine Schmerzen. Allerdings hatte ich gestern einen sehr dummen Tag: Manchmal ist man physisch einfach nicht gut in Form, manchmal geht es mir so halt auch mit dem Hirn. So sah ich am Boden der klaren, niedrigen Isar einen Gullideckel und brauchte peinlich viele Momente, bis ich vom Grübeln, welche Funktion ein Gulli in einem Flussbett haben könnte, auf die Idee kam, dass jemand halt einen Gullideckel in die Isar geworfen hat. Das sind die Momente, in denen ich mich frage, wie ich es überhaupt durchs Abitur geschafft habe.

Auf dem Heimweg beim Umsteigen am U-Bahnhof Giselastraße Semmeln zum Frühstück gekauft.

Kuriosität: Auf beiden U-Bahn-Fahrten hin und zurück wurde meine Fahrkarte kontrolliert – vom selben jungen Mann. Beim zweiten Mal grüßte ich ihn lachend und er winkte freundlich sofort ab, als ich wieder nach meiner Tageskarte kramte: „Hab‘ ich schon gesehen.“

Zum Frühstück kochte ich aus dem Chai-Gewürz, das mir eine liebe Kollegin mitgebracht hatte, Chai. Meine wiederholte Frage nach Mengen und Zubereitungsart hatte sie hartnäckig lediglich mit: „Boil it!“ beantwortet. Ich recherchierte natürlich (so kann ich nicht arbeiten! ich brauche präzise Angaben!) und stieß auf diesen schönen Blogpost:
„How to Make [the best] Chai [ever]“.

Autorin Tanvi gibt nicht nur ihr Familienrezept weiter, sondern erzählt auch die Ursprünge von Chai (die Briten waren’s mal wieder) sowie ein bisschen wissenschaftlichen Geschmackshintergrund.

Das war schon mal nicht schlecht, das nächste Mal nehme ich aber auf die 200 ml Wasser und 200 ml Milch nur einen Teelöffel Tee und nur einen gestrichenen Teelöffel Gewürz. Die zwei Teelöffel Zucker können so bleiben. Boil it!

Kleine Einkaufsrunde. Fast hätte ich auch eine Plätzchendose gekauft, die ich vergangene Woche im Vorbeigehen gesehen hatte. Aber bei näherer Begutachtung war sie mir doch zu windig und schlecht verarbeitet für 20 Euro.

Daheim Weihnachtsbäckerei: Schneeflocken nach Frau Mutti.

Eine sehr kuriose Teigkonsistenz durch Stärke/Puderzucker, an die ich mich erst gewöhnen musste.

Abends war ich mit Herrn Kaltmamsell bei lieben Freunden eingeladen: Es gab direkt importiertes fränkisches Schäuferl, zubereitet vom fränkischen Gastgeber. Außerdem war uns die Verkostung einer Wermuth-Entdeckung angekündigt worden, worauf ich sofort beschloss, meine eigene Wermuth-Entdeckung vom Meatingroom-Abendessen mitzubringen – zum Danebenprobieren. Zum Besorgen war ich ja am Freitagabend eigens nach Haidhausen gefahren.

Allerdings stolrperte ich dann über meine Tagesdummheit. Zum einen kamen wir gehörig zu spät zum Essen – ich hatte uns in die falsche U-Bahn gesetzt (weil ich nur einmal auf die Anzeige der nächsten U-Bahnen geschaut hatte und die einfahrende U-Bahn selbst nicht gecheckt) und das erst auf weit fortgeschrittener Fahrt gemerkt. Zum anderen stellte ich fest, dass die angekündigte Wermuth-Entdeckung mit meiner identisch war. Die lieben Freunde wären keine lieben Freunde, wenn sie mir das eine oder das andere irgendwie übel genommen hätten, außerdem war die Tischrunde solch eine fröhliche, dass ich schnell vergaß, mich über mich zu ärgern.

Wir bekamen nach wundervoller Maronisuppe sensationelles Schäuferl – die Kruste habe ich auch in Restaurants noch nie so perfekt rösch gegessen. Dazu vielfältigste Gespräche, in denen ich unter anderem Unangenehmes über die Münchner Ausländerbehörden erfuhr, einen Briten als neuen deutschen Landsmann begrüßte, Gepflogenheiten griechischer Expats in München zu Ostern lernte, große Lust auf Silvester in Athen bekam (zu Mitternacht tuten alle Schiffe in Priäus!), wir uns Gedanken über den Einfluss von Herkunft auf individuellen Charakter machten. (Ich möchte die Antwort auf Frage 394. ergänzen: den von P (griechisch).)

§

Sehr bewegt hat mich diese Geschichte auf Zeit onlie über ein muslimisches Seelsorgetelefon.
„Bin ich reif für die Ehe? Ist der Islam zu groß für mich? Was trieb meine Schwester zum IS?“

via Readonmydear

§

Ein flammender, fachlich fundierter und sehr unterhaltsam zu lesender Text der Juramama:
„Raus aus meinem Uterus. Der § 219a und seine Freunde.“

Man stelle sich mal ein staatliches Programm vor, das an die verpflichtende Konfliktberatung für ungewollt Schwangere ein Antragsrecht auf finanzielle Absicherung knüpfen würde. Ein Programm, dass diese Frauen mit 1500 Euro monatlich bei der Kinderaufzucht staatlich unterstützt, wenn sie das Kind nach einer Beratung dann tatsächlich bekommen. Freilich zusätzlich zum rentenrelevanten Erwerbseinkommen.

(…)

Es gibt kein einziges Gesetz in Deutschland, das exklusiv in den Körper von Männern eingreift.

Kein Gesetz „schützt“ den Mann vor etwas, zu dem sein männlicher Körper biologisch exklusiv in der Lage ist. Kein Gesetz knüpft eine Entscheidung über etwas, was nur ein männlicher Körper kann, an Strafbarkeiten oder Beratungen.

Inklusive Ausflug in die Rechtsgeschichte der Abtreibung, eng verbunden mit der Rechtsgeschichte unehelicher Schwangerschaften und Kinder.

via @widenka

Der Fairness halber weise ich auf eine argumentative Unsauberkeit hin: Bloß weil etwas nachweisbar bis vor Kurzem nicht bedacht wurde (ab wann ist die befruchtete Eizelle ein Mensch?), muss es nicht irrelevant sein. Auf die Antwort müssen wir uns als Gesellschaft halt einigen.

§

In der Reihe „Militärs mit Humor“ (ahem…): der diesjährige Weihnachtsgruß der niederländischen Marine (bis zum Schluss gucken).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/xwlSSYaghoA

via @AugenGeradeaus (eh klar)


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