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Journal Donnerstag, 12. März 2026 – Inneres Sonnig zu Grau, außen andersrum

Freitag, 13. März 2026

Noch früherer Wecker, nach eigentlich gutem, aber nicht genug Schlaf stand ich zu Regenrauschen auf.

Um 7:30 Uhr hatte ich meinen Termin bei der Zahnärztin, eine U-Bahn brachte mich hin (immer wieder schön, im morgendlichen Berufsverkehr mit Profis zu fahren: perfekt choreografiertes Einstiegs- und Ausstiegsballett), für die Fußwege benötigte ich einen Schirm.

Zahnreinigung: Endlich mal wieder unaufgefordert und sofort dickes Lob für meine Zahnpflege eingefangen. Die vertraute Zahnreinigerin hatte wie immer zu Anfang ein lila Färbemittel für Beläge aufgetragen – und drückte mir sogar stolz einen Spiegel in die Hand, um mir zu zeigen, wie wenig Lila man an meinen Zähnen sah. Na also, ich nehme die Triumphe, wo ich sie kriegen kann.

Mit der Zahnärztin sprach ich bei der Jahreskontrolle über meine anhaltenden Schmerzen. Sie fand auch diesmal keine Ursache, empfahl mir wieder, mich zu entspannen (im Scherz!), feilte aber meine Knirschschiene gegenüber vom Hauptschmerzzahn flacher, auf dass sie ihn nachts nicht drücken möge.

Diesmal besonders schön: Das Plaudern mit diesen beiden Begleiterinnen meiner Zahngesundheit seit so vielen Jahren, ich verließ die Praxis mit sehr sonnigem Befinden. Schirm brauchte ich dennoch.

Im Büro bremste ich meine Hektik wegen späterem Anfang, mein Posteingang machte mir das aber auch einfach. Also strukturiertes Abarbeiten, dabei entdeckte ich auch einen Fehler, den ich schon wieder gemacht hatte. Doch ich schaffte es, ihn zu echtem Lernen zu nutzen: Bei der Recherche, wie ich ihn ausgleichen konnte, fand ich nämlich eine grundlegende Lösung für ein schon lange lästiges Problem (das unter anderem wiederholt zu diesem Fehler geführt hatte). Euphorie!

Mittagscappuccino holte ich in der Cafeteria, zur eigentlichen Mittagszeit ging ich raus auf den Markt am Georg-Freundorfer-Platz, um Käse fürs Abendessen zu besorgen.

Als Mittagessen gab es später am Schreibtisch Trockenfeigen, eine Birne sowie Roggenvollkornbrot.

Emsiger Nachmittag mit problematischer Orga, aus äußeren Gründen war das Ergebnis nicht ideal und deshalb für mich unbefriedigend, Laune bereits wieder eingegraut.

Auf dem Boden des Atriums, an dem mein Büro liegt, ist ein Garten angepflanzt, mit eher übersichtlichem und eher mediterran wirkendem Grün. Seit ein paar Tagen fiel mir abends beim Vorbeigehen ein angenehmer süßer Duft daraus auf, gestern wurde seine Quelle sichtbar: Einige Exemplare einer typischen Büropflanzenart blühten in kleinen weißen Dolden, ihr Duft zog hinauf in alle Stockwerke – das hatte ich in den fast elf Jahren, die ich dort arbeite, noch nie erlebt.

Ein Manuskript ausgedruckt. Es ist mir eine ungeheure Ehre, es lesen zu dürfen. Und es war begleitet von einem sehr, sehr schmeichelhaften Kompliment.

Wegen verspätetem Arbeitsanfang und einem Querschuss, der mir die Laune weiter verhagelte, eher später Feierabend.

Unbesungene Büro-Kämpfe: Wer so ein Foto von sich machen kann, sieht sehr wenig auf dem Bildschirm, weil die Sonne sich in einer gläsernen Trennwand spiegelt, für die keinerlei Abschirmmöglichkeit vorgesehen ist.

Ich ging direkt nach Hause, jetzt zumindest ohne Regenwolken.

Schaut man einmal nicht hin, ist die Mangnolie vor der Edith-Haberland-Villa bereits kurz vorm Platzen.

Auf dem Weg überlegte ich hin und her, ob die anstehende 45-Minuten-Folge Pilates mir eher gut tun würde, weil Bewegung, oder eher meine Gereiztheit verstärken, weil das Abendessen dadurch spät würde. Letztendlich entschied ich mich für Pilates, das sich allerdings nach Pflicht anfühlte.

Brotzeitvorbereitung (dabei ein Schüsselchen zerdeppert), Ernteanteil-Feldsalat angemacht, Käse, Brot, Sardinendosen angerichtet. Doch es wollte sich kein rechter Appetit einstellen, nach Sardinen und Feldsalat war er aufgebraucht. Abend abgebrochen, ins Bett zum Lesen.

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Eleanor Morton alias Craig führt Sie durch den Zauber von Schottland im Januar.

Journal Mittwoch, 11. März 2026 – Nichts, was eine Überschrift hergäbe

Donnerstag, 12. März 2026

Mittelgute Nacht, etwas zerstückelt, unter anderem von Brüllamseln.

Auf dem Weg in die Arbeit in milder Luft ein paar Regentropfen abgekriegt (es braucht dringend deutlich mehr Wasser von oben), an der Theresienwiese mit Regenbogen belohnt worden.

Wegen angekündigtem Trubel in meinem Büro zog ich Jobs mit Konzentrationsbedarf gleich mal vor.

Trubel stellte sich ein – blöderweise war aber ein weiterer Hochkonzentrations-Job dazugekommen. Ich musste kurz fauchen. Was allerdings nicht half, als ein Online-System ausstieg und ich den Job vorerst nicht abschließen konnte.

Der Himmel vorm Büro jetzt blau mit Schäfchenwolken, die Sonne herrlich – ich genoss meinen Marsch auf einen Mittagscappuccino im Westend.

Highlight des Tages: Meine Quittenfee überreichte mir vom imkernden Herrn Papa ein riesiges Glas Münchner Honig.

Zu Mittag gab es Quark mit Blutorange und Leinsamenschrot.

Emsiger Nachmittag, vorm Fenster gemischter Himmel, oft dramatisch, manchmal mit Regenschauern.

Heimweg über Besorgungen: Herpes-Salben-Nachschub in der Apotheke, Roggenvollkornbrot beim Bäcker Wimmer, Check beim Gebrauchtwarenhaus nach Tischuhren (nichts Ansprechendes), beim Aldi wollte ich vor allem die kleinen Billig-Schokoeier im Netz – gab es nicht (aber genug anderen Süßkram). Unterwegs sichtete ich die nächste Zündstufe Frühling: Blausterne. Es müsste kurz vor Schlüsselblumen sein.

Zu Hause packte ich nur schnell aus, ich war mit Herrn Kaltmamsell zum aushäusigen Abendessen verabredet: Wir gingen nochmal zu Honghong Ramen in der Müllerstraße.

Ich bestellte nochmal die hausgemachten Superbreitnudeln mit Auberginen und Tomate (die Nudeln liegen unter all dem Zeug), Herr Kaltmamsell hatte würziges Rind mit Tofu, wir waren beide zufrieden. Dazu je ein großes Glas Aloe-Vera-Drink, der mir wieder sehr gut schmeckte – doch daheim habe ich nie Lust darauf und kaufe es deshalb nie flaschenweise.

Schokolade zum Dessert gab es dann daheim. Im Fernsehen ließen wir My Big Fat Greek Wedding laufen, mit einer der besten Make-over-Episode der Filmgeschichte und meiner liebsten Kennenlernszene. (Der kann unmöglich SCHON 24 JAHRE ALT sein!)

§

Ich weiß ich weiß ich weiß, politische Aussagen sollen sich in erster Linie gut anhören und irgendwas emotional bewirken, die Faktenbasis ist nahezu irrelevant.
Doch gemäß dem Leitspruch “Aber man muss es doch wenigstens versuchen”: Bereits vor einem halben Jahr hat eines laut eigener Website “der größten integrierten Energieunternehmen in Deutschland und Europa”, nämlich EnBW, durchgerechnet:
“Mehr Kosten als Nutzen: Drei Gründe, warum Atomkraft keine wirtschaftliche Alternative ist”.

via @astielau

Journal Dienstag, 10. März 2026 – Langsames Runterkommen, irgendwie

Mittwoch, 11. März 2026

Gut geschlafen bis Weckerklingeln. Dennoch fühlte ich mich auf dem Weg in die Arbeit (knackig frisch, aber immer noch zu mild für die Jahrezeit) erschöpft und müde. Sofort grätschte die Gefühlspolizei ein: Aber jetzt ist doch das schlimme Wahlhelfen mit seiner Anspannung vorbei, außerdem hast du neun Stunden geschlafen, du darfst dich nicht erschöpft fühlen!

Es wurde Tag mit etwas Sonnenschein, der sich über die nächsten Stunden durchsetzte.

Im Büro schaffte ich es, mich ohne Hektik zu sortieren und die E-Mails vom Wochenende plus denen vom Montag geordnet und nach Priorität abzuarbeiten. Dazwischen Besprechung in größter Runde, ich konnte einen kurzen Hinweis auf Naturgesetze loswerden (was passiert, wenn man Dinge irgendwohin stellt – und was nicht). Ebenfalls dazwischen Teilnahme an Geselligkeit mit Gelegenheit zur Bestätigung, wie nicht ich das kann (intensiven Austausch von 0 auf 100 hingegen schon).

Dann wollte ich dringend raus ins sehr attraktive Wetter, ich marschierte durch echte Frühlingsluft ins Westend auf einen Mittagscappuccino.

Und mit offenem Mantel (aber Halstuch) zurück.

Später erkundigte ich mich nach dem vorläufigen Ergebnis der Münchner Stadtratswahl: Besonders freute ich mich, dass die Rosa Liste weiterhin mit einem Stadtrat vertreten ist, ich halte das weiterhin für wichtig – Glückwunsch, Bernd!

Am frühen Nachmittag und nach erfolgreichem Wegarbeiten der Dinge von oben stellte sich endlich sowas wie Euphorie über die geschaffte Wahlhilfe ein. Gleichzeitig erreichte ich den Punkt, an dem ich meine Nagelhäute nach Langem mal wieder bis aufs Blut gefieselt hatte. (Mittlerweile Verdacht, dass das bei mir die Funktion von Stimming hat, so wie früher Haaredrehen, das ich mir vor Jahren eisern abgewöhnte – bei kurzen Haaren tat ich das nämlich mit Stirnfransen und dafür sehr schiefem Kopf, was zu massiven Nackenschmerzen führte.)

Nach Feierabend ging ich in angenehmer Luft über Lebensmitteleinkäufe nach Hause. Dort eine halbe Stunde Pilates, anstrengend und gut.

Herr Kaltmamsell setzte ein Rezept um, das ich ihm als eine Möglichkeit zum Aufbrauchen der Ernteanteil-Karotten zugesteckt hatte (roh knabbern geht ja leider nicht -> Bauchweh):


Dinkel-Karotten-Salat. Er schmeckte ganz ausgezeichnet (die letzte Pastinake wurde mitverwertet), wird wieder gemacht. Nachtisch Schokolade.

Das Geld für den irre teuren Käse habe ich von Crowdfarming zurückbekommen, sie akzeptierten die Stornierung meiner Adoption aus eigener Initiative rückwirkend. Demnächst gehe ich also zum Tölzer Kasladen und haue die über hundert Euro dort auf den Kopf (“Ham’S net no an teiernen?”).

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Mal wieder Daniel Middle mit seinem Hula Hoop gefällig?
Ton bitte an!

Journal Sonntag, 8. März 2026 – Wahlhilfe als Vorsteherin bei der Kommunalwahl, Teil 1

Montag, 9. März 2026

Trotz eh schon weniger Schlaf auch noch zu früh aufgewacht, wie erwartet bei der hohen Anspannung, eh schon egal.

Der Nußbaumpark erwacht.

Hier erreichte mich die erste Krankmeldung aus dem Wahlhilfeteam noch vor sieben, als ich auf dem Weg zum Wahllokal in der Grundschule an der Tumblingerstraße war, per SMS – ich antwortete umgehend mit der Bitte, sich beim Wahlamt krank zu melden, damit man Ersatz schicken konnte.

Ich war eine Minute nach sieben am Gebäude, und keine Minute zu früh, denn diesmal war es wieder ziemlich aufwändig, den Wahlraum zu finden (in diesem Gebäudekomplex waren sechs untergebracht), einzurichten und den komplizierten Weg dorthin auszuschildern. Mein großes Glück: Drei Team-Mitglieder im ersten Einsatz, die völlig eigen-initiativ zupackten und Lösungen fanden. Zum ersten Mal war ich es, die “Es ist acht Uhr. Die Wahl ist eröffnet.” ansagte (bisschen wie damals, als ich als Pub-Bedienung zum ersten Mal “Last orders!” ausrufen durfte). Und bis dahin hatten wir bereit einen Ablauf etabliert (anhand der Schulungsunterlagen), den wir an den ersten beiden Wählenden (“Sie sind unsere Trainingswähler!”) durchspielten und der zur Routine taugte.

Von vorne die Urnen für OB-Wahl (gelber Zettel), Stadtratswahl (grüne Tapete), Bezirksratswahl (weißer Zettel).

Bis zum Mittag war der Raum nie leer, aber nur zweimal mussten wir Wahl-Willige kurz Schlange stehen lassen. Schöne Überraschung in der Materialbox: Zwei Exemplare der Broschüre “Einfach verstehen. Die Kommunal-Wahlen in Bayern am 08. März 2026″ – das ganze in Einfacher Sprache erklärt.

Eigentlich ist Wählen ganz einfach.
Die Kommunal-Wahl ist etwas schwieriger.
Deshalb erklären wir Ihnen in Leichter Sprache: wie Sie richtig wählen.

Wie bislang jedesmal stellten sich die Mitglieder des Wahlteams beim Plaudern als höchst interessante Menschen heraus.

Bei Schichtwechsel erwies sich, dass die Krankmeldung vom Morgen in Wirklichkeit die zweite Krankmeldung war: Jemand aus der Nachmittagsschicht tauchte nicht auf. Ich blieb, bis ich sichergestellt hatte, dass alle notwendigen Stellen informiert waren – und hoffte, dass uns bis zum Auszählen am Abend Ersatz geschickt würde.

Hunger-schwindlig und durchgefroren (das Wahllokal war ein offensichtlich selten genutzter Container-Raum für Kunstunterricht) spazierte ich das kurze Stück nach Hause. Wie verabredet hatte Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil-Sellerie Lasagne gekocht, die gab es um halb zwei – schmeckte besonders gut und wärmte. Kurz vor drei verabschiedete sich der Koch zum Wahlhelfen bei der Briefwahl in der Messe Riem.

Es war komplett unwahrscheinlich, dass ich es in den drei Stunden Pause bis zum Abend zu irgendeiner Form von Entspannung schaffen würde. Ich befasste mich also gleichmal mit den Modalitäten der abendlichen Auszählung. Kurz legte ich mich zu einem erfolgreichen cat nap hin, dann las ich ein wenig Internet, sprang immer wieder für Handgriffe auf, die mir den Abend erleichtern könnten. Die panische Anspannung blieb durchgehend.

Zurück zum Wahllokal mit Herrn Kaltmamsells Rad, mit dem ich nach Auszählen der Oberbürgermeisterwahl Unterlagen zur Bezirksdirektion fahren würde.

Ab dann wurde es viel besser: Ersatz-Beisitzerin kam (zum ersten Mal hatte ich eine Wahlhelferlin zum zweiten Mal im Team, wir hatten bereits vor sechs Jahren bei der Kommunalwahl zusammengearbeitet), wir waren in Rekordzeit mit der OB-Wahl durch, u.a. weil es keine ungültigen oder diskussionsbedürftigen Stimmzettel gab, über die der Wahlvorstand einen Beschluss fassen und festhalten musste. Zum ersten Mal war ich es, die Wahlunterlagen in die für uns zuständige Bezirksdirektion brachte: Mitten in der Touristenmeile zwischen Isartor und Marienplatz liegt der unauffällige Eingang Tal 31, im 2. Stock freute man sich über die Anleitungs-gerecht sortierten und unterzeichneten Unterlagen (nicht nur ich, sondern auch die beiden Schriftführenden hatten diese Anleitungen gelesen).

Zurück im Wahllokal stimmten ebenfalls zum ersten Mal, seit ich mich erinnern kann, alle Gegensummen beim Zählen und Stapeln der Stadtratswahlzettel. Wir kamen mit allen weiteren Vorbereitungen glatt durch (sehr angenehmes Team), offizieller Cut war nach Auszählen der Stadtratswahlstimmen, auf denen nur ein Listenkreuz gesetzt war, und nach Durchzählen einzeln gekreuzelter Kandidat*innen plus Mischung von Beidem – am heutigen Montag starten wir mit der Zuordnung der Stimmen zu Kandidat*innen mit Zählhilfen. Ich war schon deutlich vor 22 Uhr daheim und aß zu Abend noch ein wenig Sellerielasagne und Schokolade. Das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl war schon veröffentlicht: Am 22. März gibt es eine Stichwahl zwischen dem Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) und dem Grünen-Kandidaten Dominik Krause, dann bin ich nochmal im Einsatz.

Kurz bevor ich völlig erledigt ins Bett kippte, kam Herr Kaltmamsell heim.

Journal Samstag, 7. März 2026 – Frühlingslauf und ein 80. Geburtstag

Sonntag, 8. März 2026

Recht gut geschlafen, mit nur kleinem Kater aufgewacht. Allerdings plagen mich derzeit wieder meine Zähne wie schon vor Weihnachten. Mag ja sein, dass ich sie nachts besonders stark knirsche / aufeinander presse, aber der “Stress”, den die Zahnärztin als Ursache vermutete, wird auf absehbare Jahre nicht weniger werden, ich hätte gerne eine Lösung. Nächste Woche eh Termin für Reinigung und Jahrescheck, wir müssen reden.

Ich freute mich auf einen Isarlauf, auch wenn ich um meine letzhin nicht verlässliche Fitness bangte. So oder so würde er in Sonne stattfinden. Doch es war kühl, ich schlüpfte in lange Hose, kurzärmliges Oberteil, Windjacke. Eine Tram brachte mich zum Tivoli, von dort lief ich nach Norden – zur Abwechslung auf der östlichen Isarseite hin und auf dem Hinweg den Isarkanal entlang.

Blick von der Kennedybrücke.

Ich hatte die Route am Stand der Blüte ausgerichtet – und daran, dass ich beim Laufen direkt am Wasser die Sonne im Rücken haben würde, dadurch nicht von ihrer Spiegelung im Wasser geblendet. Das zahlreiche Laufvolk war gekleidet von tiefem Winter bis Hochsommer, mir wurde auf dem Rückweg gegen die Sonne richtg warm, auf dem letzten Drittel war ich in kurzen Ärmeln mit Windjacke um den Bauch gewickelt unterwegs.

Durch den Routenwechsel lief ich zum ersten Mal am Poschinger Weiher vorbei.

Ich hatte Glück: Mein Körper machte den Spaß problemlos mit, fühlte sich erst beim Ausdehnen beansprucht und verklebt an.

Zum Frühstück gab es um halb zwei Quark mit Joghurt, Birnen, Blutorange, Leinsamenschrot.

Bis zur nachmittäglichen Zugfahrt nach Augsburg zu einem Familiengeburtstag befasste ich mich mit den Schulungsunterlagen zur Wahlhilfe am Sonntag. Ich nahm mir nur die Teile zu Aufbau und Wahlvorgängen vor (die komplexen Auszählmodalitäten wollte ich am Sonntag zwischen Frühschicht und Wahlende durcharbeiten) – allein da konnte man ja schon so viel falsch machen! Innig hoffte ich, dass zumindest der eine oder die andere aus meinem Wahlhilfeteam sich das alles gründlich angesehen haben würde.
Vor allem: All die Details, bei denen ich mir während der bisherigen Wahlhilfe-Einsätze denken konnte: Da kümmert sich schon wer drum – diese “wer” bin diesmal ich!

Fein gemacht, Spaziergang zum Bahnsteig, Fahrt nach Augsburg in einem sehr vollen Zug. Wir trafen uns erst mit weiterer Familie bei den lieben Schwiegers, fuhren dann zu einem 80. Geburtstag nach Königsbrunn. Prosecco zum Anstoßen, wir freuten uns daran, wie heutzutage 80-Jährige aussehen und wie fit sie sind (der Jubilar war ja nicht der einzige solche im Raum). Erklärungen der familiären Beziehungen (der Jubilar ist der Ehemann der Schwester des Herrn Schwieger), herzhaft bodenständiges Essen: Ich hatte Lebernknödelsuppe, Rohkost vom Buffet, paniertes Fischfilet mit Kartoffelsalat und war sehr zufrieden.

Während der Nachtischbestellungen und ersten Espressos verabschiedeten sich Herr Kaltmamsell und ich schon wieder, um vor dem Wahlhilfetag nicht zu spät ins Bett zu kommen. Herr Schwieger brachte uns zum Bahnhalt Augsburg Haunstetter Straße, im Zug las ich Wochenend-Süddeutsche und versuchte nicht einzuschlafen – Schlafen vor eigentlichem Nachtschlaf wirkt sich bei mir verheerend aus und bringt alles durcheinander.

Nur eine gute Stunde später als sonst im Bett mit Hoffnung auf Turboschlaf bis Weckerklingeln um halb sechs.

§

Wie man anhand eines Buchstabens, nämlich dem W, die halbe westliche Zivilisation erklären kann.

Journal Freitag, 6. März 2026 – Hechtsprung* ins Wochenende

Samstag, 7. März 2026

Gut geschlafen, mit nur einem Aufstehen bis Weckerklingeln.

Wieder eine Styling-Idee gehabt, ausgehend von diesen Turnschuhen. Und ich freute mich, dass das extrem selten getragene Karneol-Collier so gut dazu passte.

Es wurde sonnig Tag, allerdings bis kurz vor frostig frisch beim Marsch in die Arbeit.

Überraschend zackiger Arbeitsvormittag, zum einen mit unerwarteter Freundlichkeit und Hilfe, zum anderen mit Ärger: Mit “Ist halt a bissl blöd” kann ich meinen Beißreflex unterdrücken, bei “Ist a bissl blöd UND achtlos/egoistisch” schaffe ich das nicht immer, gestern nur ganz knapp. Dazu kommt allerdings eine Grundgereiztheit bei Menschen, die gleich “kaputt!” oder “geht nicht!” rufen, ohne auch nur einen Versuch von Analyse oder Lösung unternommen zu haben.

Mitten im Schreiben einer E-Mail entdeckte ich, dass meine Tastatur auf Englisch umgestellt war (also unter anderem Y und Z vertauscht). Ich nahm an, dass ich ungeschickt irgendeine Tastenkombination erwischt hatte, mir fehlten Zeit und Neugier, Genaueres herauszufinden: Neustart des Computers brachte das in Ordnung.
Als im Lauf des Tages aber zwei der gestern spärlich vor Ort arbeitenden Kolleg*innen unvermittelt mit demselben Problem kämpften, war ich bereit, auch dafür den scheiß Copilot verantwortich zu machen.

Mittagscappuccino holte ich mir aus Zeitgründen in der Cafeteria, aber etwas später gönnte ich mir einen Marsch um ein paar Westend-Blöcke, in jetzt doch mildem Sonnenschein (offene Jacke!).

Mittagessen wurde spät, weil ein dringender Job dazwischengeflogen kam: Apfel, eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Danach ging’s grad so zackig weiter – unter anderem weil ich ja am Montag wegen Wahlhilfe, Teil 2 Urlaub habe und vorarbeiten musste. Ich erinnerte alle relevanten Stellen an meine Abwesenheit, mal sehen, ob das hängen bleibt.

Die Zusammenfassung der Schichteinteilung ans Wahlhilfeteam geschickt – per SMS (ich habe nur Telefonnummern). Vielleicht komme ich ja doch um Whatsapp herum. Meine Panik allerdings bereits im Stadium Ohrenrauschen.

Dennoch fast pünktlicher Feierabend, Heimweg wegen einer Erledigung über eine seltene Theresienwiesen-Kreuzung – die weite Fläche wurde ausgiebig besportelt und -spaziert.

Zu Hause eine halbe Stunde Pilates, die Kreuz- und Hüftschmerzen derzeit nur wenig über Durchschnitt.

Zum Nachtmahl hatte ich mir von Herrn Kaltmamsell ein mächtiges Stück Rindfleisch aus der Pfanne gewünscht, dazu die Ernteanteil-Pastinaken. Als Aperitif rührte ich uns vorher Martinis – wir feierten das einzige Stückchen freies Wochenende.

Dazu arabische Nüsschen.

Ich bekam mein riesiges Rind in Form von T-Bone-Steak, die Pastinaken als Püree mit drüber Ernteanteil-Kresse – alles ganz wunderbar und befriedigend. Im Glas ein roter Côtes du Rhône. Nachtisch Schokolade, im Fernsehen ließen wir Fantomas von 1964 laufen (am stärksten verwurzelten ihn in meiner Wahrnehmung die deutschen Synchronstimmen in seiner Zeit) und recherchierten ein wenig der damaligen riesigen Welle von Geheimagentengeschichten hinterher (u.a. James Bond oder Mortadelo y Filemón).

Besonders früh ins Bett zum Lesen, schließlich ist Wochenende, und ich wollte rechtzeitig die einzige Ausschlaf-Möglichkeit beginnen.

*Wieso eigentlich ausgerechnet Hecht?

Journal Donnerstag, 5. März 2026 – Unter Epilierern

Freitag, 6. März 2026

Die eine Unterbrechung meines sonst guten Nachtschlafs wurde von einem Draußenbrüller verursacht, danach schlief ich aber trotz Anbranden von Angstwellen schnell wieder ein. Aufgestanden zu Nebel.

Selbsterheiterung per Styling – wieder funktionierte das.

Der Nebel verzog sich bereits auf meinem Weg ins Büro.
Ich arbeitete beherzt los und schaffte erste Dinge weg – wurde dann aber durch technische Probleme ausgebremst. Es dauerte ein paar Stunden, bis sie gelöst waren.

So kommen Retouren gerne mal bei mir an. Auch diesmal fand ich letztendlich heraus, an welche Anschrift das Paket ursprünglich gegangen war.

Der Himmel wolkenlos, die Sonne strahlend, ich freute mich auf einen Marsch zum Mittagscappuccino ins Westend. Den Umweg, mit dem ich liebäugelt hatte, strich ich allerdings nach dem Verlassen des Hauses: Es war zapfig kalt.

Sonnige Gollierstraße mal ganz ohne Blätter und Blüten.

Später gab es zu Mittag Apfel sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt – ich hatte aus praktischen Gründen zu einem anderen als meinem Lieblingsjoghurt von Andechser gegriffen, was sich als gut fürs Nacheichen herausstellte, weil er mir deutlich weniger schmeckte (schon ok, aber halt bei weitem nicht so erfreulich).

Nach Feierabend direkter Heimweg, denn auf mich wartete ein Gerätetest: Ich wollte mir ordentlich weh tun. Das Beinerasieren hatte mich nämlich auf die Dauer doch wieder genervt, ich hatte die Haare bereits wieder ein paar Wochen für andere Methoden der Entfernung wachsen lassen. Zwar hatte ich weitere Warmwachs-Enthaarungsorte in der Innenstadt gefunden (die mehrjährige Enthaarerin hatte mich verprellt, weil sie mich immer wieder trotz Termin lange warten ließ), doch der Zeitaufwand schreckte mich inzwischen ab. Da erinnerte ich mich, dass es doch Epiliermaschinchen gibt. Ein solches hatte ich vor vielen Jahrzehnten ausprobiert, erinnerte mich an viel Schmerz für wenig Haarentfernung – doch ich hielt es für ausgesprochen wahrscheinlich, dass sich die Technik weiterentwickelt hatte.

Testberichtlektüre brachte mich zur Geräteauswahl des Herstellers Braun, und am Mittwochabend war ich zum Angucken zum Saturn gegangen (wenn ich schon ein Geschäft in Laufweite habe!). Wieder fand ich die Gammligkeit des Ladens unangenehm und die Präsentation der Ware unübersichtlich: Beschreibungsschilder für nicht vorhandene Geräte, keine Infos zu den angebotenen, Preise standen auf keinem Produkt, kein Personal für Beratung zu sehen. Ich nahm mir ein Exemplar, das die gewünschten Funktionen auf der Schachtel aufführte und fragte an einer Theke nach dem Preis; den Scanner, mit dem der Angestellte ihn auslas, könnte man ja auch einfach der Kundschaft hinstellen. Der Preis war in Ordnung, ich kaufte einen Braun Silk-épil 7.

Gestern Morgen lud ich das Gerät auf, nach Heimkehr probierte ich es aus: Den Zupf-Schmerz kenne ich ja inzwischen von Jahrzehnten Wachsenthaarung, der machte mir also nichts mehr aus. Und das Zupf-Ergebnis überzeugte mich völlig, glatte Beine sogar an den schwierigen Knien: Ab sofort bin ich Epiliererin.

Eine halbe Stunde Pilates tat gut, als Abendessen hatte ich mir den frisch geholten Ernteanteil-Lauch als Linsengericht gewünscht. Das bekam ich und genoss es. Zum Nachtisch hatte Herr Kaltmamsell Kokosmilch als Milchreis aufgebraucht, servierte ihn mit restlichem polnischen Apfelkompott. Schokolade passte noch gut hinterher.

Im Fernsehen ließen wir wie eigentlich immer donnerstags quer im Bayerischen Rundfunk laufen – und zu meiner Freude tauchte in einer Augsburger Straßenumfrage einer meiner besten damaligen Studienfreunde auf: Das Altern und die Falten stehen ihm gut! (Hat wie ich auch mal beim Lokalradio gearbeitet, aus selbst erlebtem Leid wahrscheinlich denselben Eid geleistet wie ich: Bei Straßenumfragen immer mitmachen, wenn man angesprochen wird.)

Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre: Helga Schubert, Luft zum Leben.

§

Amanda Böhm über eine spezielle Art der Überforderung:
“Wenn der Vater stirbt
Die Trauer in der Nudelpackung”.

Die Trauer fängt an, sich wie eine Zeitbombe anzufühlen. Wir wissen: Trauer ist etwas, was man möglichst schnell überwindet. Der Sonderurlaub, der nahen Angehörigen bei einem Todesfall zusteht, beträgt in der Regel zwei Tage. Weil wir Angst haben, das Zeitfenster, in dem wir trauern dürfen, zu verpassen, geben wir uns also Mühe, schnell traurig zu sein. Aber es gelingt uns nicht.

§

Laurie Penny kommentiert die Schlüsse aus den Epstein Files:
“Temporarily Embarrassed Sex Criminals”.
Ich brauchte eine Weile, bis ich mich zum Lesen überwinden konnte; mittlerweile schaue ich aus Selbstschutz über die Berichterstattung hinweg, doch schließlich wollte ich ihre Gedanken wissen. Und provokanterweise beginnt sie mit

Almost every man on earth has more in common with Jeffrey Epstein’s victims than he does with any of the guests.

Meine Übersetzung: Fast jeder Mann auf dieser Erde hat mehr mit den Opfern von Jeffrey Epstein gemeinsam als mit irgendeinem seiner Gäste.
Denn Laurie Penny ist überzeugt: Nein, so sind nicht die Männer.

What larks! What naughty fellows we are! That sad spasms of sycophancy, the pathetic glee at their own daring. Wink, wink, nudge, nudge, bring your girls. Reassuring themselves that this is what all men would do if they were only rich and brilliant like them.

Enough money and power to solve the world’s problems and they choose to solve the apparently primal injustice of having to pretend women are people.

What I find most pernicious is the notion that this sort of repulsive behaviour makes all men brothers. I’m watching men in my own networks talking about the Epstein Files and feeling disgusted with themselves- as if their masculinity makes them somehow complicit. As if they too, but for an accident of wealth, might find themselves frolicing with underage sex slaves on a private jet, as if there is an untameable animal inside every man, an animal that is fundamentally dangerous and fundamentally blameless. He can’t help himself. He’s hungry and scared. It’s in his nature. Let’s just get a girl in to scrub the blood off the sectional.

This is the logic of modern patriarchy. And it’s wrong.

(…)

Accurately describing patriarchy means admitting that most men aren’t patriarchs and never will be. A mumbling white boy with ratty dreadlocks on TikTok spaffing out dire reggae dirges about the holiness of patriarchy by a rock in bumblefuck nowhere was never supposed to be one of the system’s winners. If he was, he would have more clean shirts.

Patriarchy does not mean the rule of men.

It does not mean all men and boys in charge of all women and girls, forever. It doesn’t even imply a binary system. Patriarchy means the rule of fathers.

Of patriarchs. Of a small number of rich old men with a monopoly on violence, in charge of absolutely everyone else.

§

Wie entsetzlich langweilig der Job des Münchner Oberbürgermeisters ist – aus dem Singspiel im diesjährigen Nockherberg-Starkbieranstich:
“Das blöde Glockenspiel”.