Fotos

Journal Karfreitag, 3. April 2026 – Lauf in Frühlingsfarben, das Glockenrätsel

Samstag, 4. April 2026

Gut und lang geschlafen, bei einem nächtlichen Aufwachen den Mond gegrüßt, der volle Kanne aufs Bett schien.

Zu Sonnenschein aufgestanden, wohlige Aussicht auf einen freien Tag.

Verdutzt war ich über das besonders heftige Geläute von der benachbarten Kirche St. Matthäus: Dass die evangelischen Glocken an Gründonnerstag nicht nach Rom fliegen, war mir schon klar, aber auch hier hatte ich gelesen, dass sie bis zur Osternacht verstummen würden.

Für gestern hatte ich ohnehin eine Laufrunde geplant, und die Sonne zog mich mit Macht raus. Ich nahm eine U-Bahn zum Odeonsplatz und freute mich sehr auf die Frühlingsfarben im Sonnenschein.

Ich brauchte gut 20 Minuten Traben, bis das Laufen mir Freude bereitete, die letzten 20 Minuten fühlten sich ebenfalls beschwerlich an (nach sehr Langem mal wieder starke Schmerzen im linken Vorderfuß) – aber die mittleren 60 Minuten waren echt super und ein Genuss.

Ich finde ja, zur Entwinterung der öffentlichen Brunnen sollte es ein eigenes Fest geben, gerne kurzfristig angesetzt – im Hofgarten entdeckte ich nämlich, dass sie wieder sprudeln.

Hin und wieder roch ich Bärlauch – diesen Geruch im Freien mag ich sogar. Den Geschmack wiederum finde ich scheußlich, jeder Vergleich mit Knoblauch beleidigt die Knolle.

Auf die Tram nach Hause musste ich nur kurz warten.

Frühstück um halb zwei: Mango mit ein wenig Joghurt, zwei Scones mit Butter – ich war den Scones beim Einkauf in einem Discounter begegnet und nahm sie sofort zum Testen mit. Na ja, doch sehr weit von selbst gebackenen entfernt, vor allem viel zu süß; ordnungsgemäß kommt die Süße ja von der roten Marmelade, mit der Scones gegessen werden.

Jetzt aber dann doch mal gebügelt, so viel war es doch gar nicht. Und tatsächlich kam ich in unter zwei Stunden durch, begleitet von Musik über Lautsprecher – ich wollte Herrn Kaltmamsell nach all den Kopfhörer-Jahren mal wieder daran teilhaben lassen, welche Musik ich eigentlich höre (und erhoffe mir das auch von ihm).

Lesen, Yoga, Nachtmahl – dafür hatte ich am Donnerstag Käse besorgt, außerdem gab es den ersten kleinen Kopf Salat aus Ernteanteil – noch aus Folientunnel statt Freiland, aber hochwillkommen (Zitronensaft-Olivenöl-Vinaigrette und plus Ruccola ebenfalls aus Ernteanteil).

Zum Nachtisch hatte Herr Kaltmamsell Kodafa in Einzelportionen gemacht.

Mal gestürzt, mal aus der Form – hm, war nicht so gut wie die große Version, aber jetzt wissen wir das, war den Versuch wert. Dann noch ein wenig Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen. Als die Glocken von St. Matthäus auch nach 22 Uhr, sonst letzter Uhrschlag bis 7 Uhr morgens, den einen oder anderen Schlag taten, schlief ich lieber mit geschlossenem Fenster und Ohrstöpseln: Entwedern man pflegt dort eine extrem individuelle Kar-Liturgie oder die Gemeinde hat ihre Technik nicht im Griff.

§

Antje Schrupp ungewöhnlich pessimistisch (auf Mastodon begründete sie das mit Karfreitag, sie ist ja unter anderem gläubige Christin):
“Zehn Jahre nach 2016: Warum ich mich nicht mehr empöre”.

Ich habe mich inzwischen mit der Erkenntnis abgefunden, dass Argumentieren in der Politik viel weniger hilft, als ich vor 2016 geglaubt habe. Populistische Dynamiken haben eine faktische Wirkmacht, der gegenüber sachliche Gegenargumente machtlos sind. Eine gute Politikanalyse muss das einkalkulieren, statt immer wieder erstaunt zu sein.

(…)

Ich glaube, wir müssen uns von zwei Illusionen verabschieden.

Erstens: dass die westlichen Gesellschaften wirklich so aufgeklärt, freiheitlich und feministisch sind, wie sie getan haben. In Wahrheit war das immer nur oberflächlich. Was wir als Fortschritt erlebt haben, war eigentlich nur ein Lippenbekenntnis, das in guten Zeiten wenig kostete. Jetzt ist die Maske gefallen.

Zweitens: dass Menschen rational nach ihren Interessen handeln. Das tun sie nicht. Sie folgen Stimmungen, Zugehörigkeitsgefühlen, emotionalen Angeboten. Seit Corona denke ich, dass das keine moralische Schwäche ist, sondern schlicht, wie Menschen funktionieren. Eine Politik, die ausschließlich auf Aufklärung und rationale Argumentation setzt, muss unweigerlich verlieren.

§

Beruflich habe ich Parlamentarische Anfragen zu fürchten gelernt – ich habe erlebt, wie viele Kapazitäten die Datenrecherche dafür verschlingen kann und dass sie oft Unterstellungen ausdrücken sollen, nicht etwa Erkenntnisgewinn erzielen. Doch das Ergebnis dieser speziellen ist überraschend und wichtig (auch wenn, siehe oben, Fakten die Politik nur zu einem winzigen Teil leiten).
“Rentenalter und Lebenserwartung
Länger arbeiten, aber nicht länger leben?”

Das Rentenalter steigt derzeit schneller als die Lebenserwartung. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor.

(…)

Laut Statistik hatten 65-Jährige zuletzt Aussicht auf weitere 19,4 Lebensjahre. Dieser Mittelwert der Jahre 2022 bis 2024 lag nach einigen Schwankungen auf demselben Niveau wie zehn Jahre zuvor. Das gesetzliche Alter für eine abschlagsfreie Rente wurde hingegen seit 2012 schrittweise um mehr als ein Jahr angehoben. Auch der tatsächliche Rentenstart verschob sich binnen zehn Jahren im Schnitt um gut 1,3 Jahre nach hinten.

§

Die Cartoon-Serie “Foxes in love” hat immer wieder allerbeste Beziehungstipps, zum Beispiel hier.
(Und so entspannend Klischee-frei, allein schon dadurch, dass die beiden Figuren sich lediglich durch die Farben unterscheiden, nach denen sie auch heißen.)

Journal Gründonnerstag, 2. April 2026 – Bekleidungsdinge, Osterferienfeiern georgisch

Freitag, 3. April 2026

Ganz aufgewacht nach einem Traum, in dem ein 2010 verstorbener (ich musste sein Todesjahr nachschlagen – so lang ist das schon wieder her…) Freund der Familie vorkam: Wir machten uns ganz sachlich in denselben Räumen fertig zum Gang in die Arbeit. Beim Fast-Aufwachen während des Traums fiel mir mit Trauer auf, dass ich nie herausfinden konnte, wie dieser hübsche Mann alt aussah.

Zu Vollmond aufgestanden – und noch schnell zwischen den Zweigen kurz über den Hausdächern vor Untergang fotografiert, falls der ferienhabende Herr Kaltmamsell nicht rechtzeitig aufstehen würde (er hatte den Vollmond am Vorabend vergeblich gesucht, es war zu bewölkt).

Sah in Echt natürlich viel größer aus. Und wir haben schon wieder Baustellenleitungscontainer vor der Haustür stehen – zumindest ohne lärmige Baustelle.

Die Vollmondsichtung klappte aber: Als ich Licht unter Herrn Kaltmamsells Zimmertür sah, klopfte ich und zog ihn ohne viel Erklärung ans Fenster.

Hoffentlich vorerst letzte Winterausstattung für den Weg in die Arbeit.

Unterwegs begegnete ich einer selten gesehenen Grußbekanntschaft – die mir ganz außer der Reihe ein “Schöne Ostertage!” zurief.

Dieses Jahr keine große Magnolienpracht vor der Villa Wagner: Die Blüten wurden braun vom Frost, bevor sie die Chance zum Aufblühen hatten.

Emsiger Arbeitsvormittag; während ein Teil des Teams bereits in Osterurlaub waar, versuchte ein anderer, für diesen den Schreibtisch leer zu bekommen. Mittagscappuccino aus der Cafeteria, die Mittagspause nutzte ich für Käsekauf am Markt auf dem Georg-Freundorfer-Platz. Mittagessen nochmal Birnchen und Quark mit Leinsamenschrot.

Kleidungskauf steht bei mir derzeit unter keinem guten Stern: Sie erinnern sich an den hart erkämpften Online-Kauf einer Strickjacke? Das Paket steckt seit einer Woche in einem “Paketverteilungszentrum” fest. Zumindest meldete sich der Versender gestern mit einer Entschuldigungsmail, der ich vor allem entnahm: Sie haben das Problem auf dem Schirm.1

Da ich aber nicht in dieser Weise abergläubisch bin (sondern in anderer), bestellte ich gestern einen dunkelblauen Baumwollrock im Spanien, den ich mir seit einem Jahr wünsche und zu dem mir schon wieder neue Kombinationen einfielen. In diesem Fall wird es spannend, ob ich die richtige Größe auf der Umrechnungstabelle Europe/Germany/Italy/UK/USA erwischt habe – Nachmessen, wie auch dieses Mal, hatte in einem anderen Fall schonmal in die Irre geführt.

Recht pünktlicher Feierabend, die Luft war wie angekündigt milder geworden. Bei der Änderungsschneiderin holte ich meine geflickte Jeans ab, dann noch Einkäufe fürs Osterwochenende im Vollcorner.

Geflickte Jeans von außen.

Geflickte Jeans von innen. Ich kann mir vorstellen, dass das sehr gesellschaftsfähige Ergebnis auch davon abhing, dass ich gleich bei den ersten Auflösungserscheinungen einschritt und kein großes Loch entstehen ließ.

Fürs Abendessen war ich mit Herrn Kaltmamsell aushäusig verabredet, er hatte sich georgisches Essen gewünscht und im sendlinger Vazi reserviert. Ich hatte noch bequem Zeit für eine Yoga-Einheit, bevor wir uns zu Fuß auf den Weg dorthin machten.

Schon ein paar Meter die Implerstraße rein fühlt ich mich in einem völlig unbekannten Teil Münchens: Dieses Sendling kannte ich nicht, mochte es aber sofort – ich nahm mir gezielte Spaziergänge hier vor.

Als Wein zum Essen suchte ich einen Kakheti aus, der zu 100 Prozent aus der autochthonen Rkatsiteli-Trauben bestand: Entpuppte sich als dunkler Weißwein, kräftig, würzig und ganz unblumig. Da wir beide diesmal genug Hunger für eine Hauptspeise aufbringen wollten (bei fast allen bisherigen georgischen Essen waren wir bei Vorspeisen hängen geblieben), bestellten wir nur wenige Chinkali und ein kleines Imeruli Khatschapuri.

Beides schmackhaft.

Und so schafften wir noch (gegenüber) Chakapuli, also geschmortes Lamm mit Mirabellen und Estragon in Weißwein, sowie bei mir Chanachi, einen Lamm-Eintopf mit Tomate und Aubergine. Wir waren beide zufrieden. Und sehr voll.

Nach Hause nahmen wir die U-Bahn, daheim zur Abrundung des Mahls sehr wenig Schokolade.

§

Damit werde ich auf der re:publica auf einer Bühne sitzen:
“Mythos Blogosphäre – Wie war es damals wirklich?”

Ich befürchte ja, dass ich das Bloggen gar nicht nachträglich verkläre – sondern es vom ersten Moment der Entdeckung an verklärt habe.
Wenn sich bitte alle von damals ganz nach vorne setzten, damit wir winken können?

§

Falls Sie mal ein Beispiel brauchen: Es gibt zumindest einen Menschen auf der Welt, der gerne Sprachnachrichten bekommt.

§

Der wahrscheinlich lustigste Moment des Artemis-2-Starts.

  1. Wie man lange nur floskelhaft und metaphorisch sagte, was mittlerweile aber technisch zutrifft, weil Computerbildschirm. []

Journal Mittwoch, 1. April 2026 – Herausforderung Jeanskauf

Donnerstag, 2. April 2026

Wieder ein Monat geschafft, in der Arbeitswoche war allerdings erst Mittwoch. Auf den hatte ich eher durchwachsen geschlafen, unter anderem unterbrochen von einem Krampf in linkem Fuß und Unterschenkel.

Für den Weg in die Arbeit nochmal in die ganz dicke Winterjacke geschlüpft, Stirnband aufgesetzt, in dicke Handschuhe geschlüpft: War genau richtig.

Sehr emsiges und vertieftes Arbeiten, als ich nach drei Stunden den Kopf Richtung Fenster hob, war ich verdutzt: Blauer Himmel, Sonnenschein.

Dorthin ging ich hinaus auf meinen Mittagscappuccino, wusste aber schon vorher, dass es weiter scheißkalt sein würde (ab Donnerstagnachmittag sollen die Tagestemperaturen steigen).

Zurück am Schreibtisch heftige Termin-Klöppelei (immer innere Stress-Totalverkrampfung zwischen Auftrag und erlösender Annahme des Terminvorschlags). Mittagessen: Birnchen (ich bin überrascht, wie gut derzeit die europäische Lagerware schmeckt), Quark mit Leinsamenschrot.

Plan für nach Feierabend: Jeanskauf. Ein besonderer Albtraum (oder gibt es Leute, für die der Kauf einer blauen Standard-Jeans entspannte Routine ist?), aber half ja nichts. Technically besitze ich drei Stück, aber:
– Meine Levis 501 (für die ich mindestens zehn Jahre Leben einkalkuliert hatte) musste bereits nach zweieinhalb Jahren zum Flicken, auf die ist kein Verlass.
Die vier Jahre alte Jeans vom Konen selig (*SCHLUCHZ*), Marke Angels, geht zwar noch durch, doch fühle ich mich derzeit in Skinny Jeans auf unattraktive Weise altmodisch.
– Die dunkelblaue Jeans von C.O.S., Anfang 2025 gekauft, entpuppte sich im Alltag als nicht etwa oversized wie geplant, sondern schlicht als zu groß und unförmig.
Ich brauchte also eine Jeans, tiefer Seufzer.

Nach Beratung mit einer Kollegin, an der ich eine besonders gut sitzende und offensichtlich neue Jeans bewundert hatte, ließ ich mich dann doch zum Bekleidungskaufhaus Breuninger schicken – das ich aus Trauer um seinen Vorläufer Konen bislang gemieden hatte. Leise Hoffnung, dass dort zumindest einige der früheren legendären Konen-Verkäuferinnen arbeiten würden.

U-Bahn zum Odeonsplatz, von dort zum ehemaligen Konen. Ich drehte eine Runde im 1. Stock bei der Damenbekleidung: Alles sortiert nach Herstellern, davon einige, die auch Jeans anzubieten schienen, für mich war es unmöglich, einen Überblick zu bekommen. Also bat ich eine Angestellte um Hilfe, brachte sie aber bereits mit meinem Wunsch in Schwierigkeiten, dass die Jeans nicht getragen aussehen sollte: Damit schieden 80 Prozent des Angebots aus, das sehr nach Second-Hand-Laden aussah (meine Überlegung neben ästhetischer Abneigung: Dieser Look ist ja nur durch abnutzende Behandlung zu erzielen, die Hose ist also bereits verschlissen und hält nicht so lange wie eine unabgenutzte). Ansonsten versicherte ich ihr, dass ich für alle Schnitte mit bequemer Beinweite offen sei und ließ mir Modelle in die Umkleide reichen.

Zum Beispiel war ich bereit, eine Barrel Jeans zu probieren – warum nicht, ich tendiere ja eher zu X-Beinen, warum nicht mal O-Beine simulieren? Ich schlüpfte rein. Ob der Bund nicht etwas weit sitze?, fragte ich die Fachfrau. Aber nein, beteuerte sie, dieser Hersteller schneide auf tiefen Bund. Erst als ich ihr vorführte, dass ich die Jeans ohne Öffnen von Knopf und Reißverschluss ausziehen konnte, ging sie eine kleinere Nummer holen. Was mein Vertrauen in ihre Fachkompetenz stark beschädigte. Ja, Barrel Jeans sieht lustig aus. Doch ich probierte auch andere Schnitte, selbst in diesem abgetragenen Look – nichts davon fühlte sich nach Einfach-eine-Jeans an.

Die Entscheidung auf Vertagen des Kaufs fiel aber, als ich auf die Preisschilder guckte: 250 oder 260 Euro für Jeans die aussahen, als hätte sie jemand bereits seit Jahren getragen? Entgeistert fand ich mich damit ab, eine echt uncoole alte Frau zu sein, aber das machte mich doch fassungslos. Ich dankte also für die Beratung, die mir zumindest klarer gemacht hatte, was ich mir vorstellte, und verließ den Laden hosenlos.

Auf dem Weg nach Hause schalt ich mich für meine Luxusweibchen-Anwandlungen: Jetzt wurde erst mal aufgetragen, was im ich im Schrank hatte! Man muss ja nicht immer gut aussehen!

Daheim ruhiges Yoga, Herr Kaltmamsell rettete mal wieder meine Laune mit wunderbarem Abendessen.

Auf meinen Wunsch gab es die jährliche Grie Soß, diesmal mit besonders aromatischen Kräutern (Herr Kaltmamsell hatte sie wieder auf dem Viktualienmarkt bekommen). Nachtisch Schokolade.

Sehr früh ins Bett zum Lesen.

§

Das aktuelle Magazin fluter hat das Thema “krank” – und wieder viele gute Texte dazu. Unter anderem:
“In der Regel”.

Vielleicht kann Periodenblut Krankheiten heilen.

Oder worüber ich mir nie Gedanken gemacht hatte:
“Das hat System”.

Damit Krankenhäuser abrechnen können, übersetzen Codierfachkräfte jede Diagnose und jede Behandlung in Codes. Die bestimmen auch, was als krank gilt und was nicht.

§

Der geschätzte Politik-Redakteur der Süddeutschen Ronen Steinke spricht im Interview über sein Buch Meinungsfreiheit und was sich aus seiner Sicht als Jurist derzeitig fehlentwickelt:
“Immer Ärger mit der Obrigkeit”.

§

Endlich nimmt die Forschung eines meiner Haupt-Ärgernisse im häuslichen Alltag ernst: Kalkreste durch Duschen. Ich bin immer noch der Überzeugung: Wenn das Abziehen von Kacheln und Duschwand nach dem Duschen länger dauert als das Duschen selbst, ist der menschliche Fortschritt irgendwo falsch abgebogen.
“Why Shower Screens Get Water Marks So Quickly”.

Die schlechte Nachricht: Es gibt noch keine echte Lösung.

Journal Dienstag, 31. März 2026 – Es wird erstmal nicht spannender

Mittwoch, 1. April 2026

Gut geschlafen, trotz nächtlicher Störung durch lautes Rufen vorm Schlafzimmerfenster.

Aufgestanden zu nassem Winterwetter, Marsch in die Arbeit in frostiger Luft und zwischen Schneefetzen auf Dächern und Wiesen – auch wenn der grüne Schleier in den Bäumen dichter wird und ich in den Schneefetzen Blümchen sah.

Im Büro vom frisch gestarteten Computer gleichmal die Info zu einer Änderung der Tagesplanung. Erster Job demnach, die Planung den neuen Umständen anzupassen.

Emsiger Vormittag, anstrengend wegen gleichzeitigen fast durchgehenden Telefonaten in meinem Büro. Ich riss mich los auf einen Mittagscappuccino im Westend, wurde in eisigem Wind nur leicht angegraupelt. (Ist gut jetzt.)

Die Perspektive des Mittagscappuccinos ist bislang sträflich unterrepräsentiert.

Zurück im Büro musste ich eine halbe Stunde zu dem durchgehenden Telefonat gegentelefonieren, ebenfalls anstrengend. Zu Mittag gab’s dann (gekauftes!) Kimchi mit deutlicher Ingwernote sowie Linsenreste vom Vorabend (mit roter Paprika und Spinat – Linsen funktionieren meiner Meinung nach fast immer auch kalt, wie ja überhaupt Hülsenfrüchte und Körndln).

Emsiger Nachmittag, darin aber auch ein schönes Gespräch, es wurde später als geplant.

Auf dem Heimweg lediglich ein Abstecher in den Drogeriemarkt. Die Luft war weiter winterlich, zumindest erwischte ich ein paar blasse Sonnenstrahlen und wurde weder angegraupelt noch
-geschneit.

Daheim Häuslichkeiten und Yoga. Außerdem erreichte mich die höchst erfreuliche Ankündigung eines München-Besuchs.

Herr Kaltmamsell hatte bereits am Montag den Jamón-Knochen vom Tier zu Brühe ausgekocht, darin garte er Kichererbsen und servierte die Suppe mit Nudeln und ausgelösten Schinkenresten.

Schmeckte hervorragend, ich genoss besonders den intensiven Kichererbsengeschmack. Nachtisch Schokolade.

Zur Abendunterhaltung folgte ich einem weiteren Tipp von Joël: Wir guckten in der arte-Mediathek eine Dokumentation über Shirley MacLaine.
Welch eine großartige Künstlerin – und welch ein beneidenswerter Charakter.

Journal Montag, 30. März 2026 – Aprilige Wetterturbulenzen

Dienstag, 31. März 2026

Eher unruhiger Schlaf, zudem zu früh aufgewacht. Es tagte zu Düster und Grau, mein Weg in die Arbeit war begleitet von schneidend eisigem Wind und ein paar Schneeflocken. Dabei als Ohrwurm “Sign of the times” von Harry Styles, das Sandra Hüller in Project Hail Mary singt – der Song ist so schlicht und eingängig, dass einmal Hören reichte. (Ich bekämpfte den Wurm, indem ich mir das Original anhörte – vergeblich, er blieb.)

Seit ein paar Tagen plagt mich wieder verstärktes Zahnleiden: Der Temperaturkorridor für Getränke, die die zwei bis drei Übelzähne oben nicht zum Jaulen bringen, ist derzeit wieder sehr schmal. Weniger Stress, jaja, hahaha.

Im Büro konnte ich in Ruhe Dinge wegarbeiten, die Flure und Zimmer lagen einsam (für mich Idealzustand).

Gegen Mittag schneeregnete es waagrecht, ich gab jede Hoffnung auf einen Draußenmarsch auf und holte mir Mittagscappuccino in der Cafeteria.

Zu Mittag gab es später Birne und Brot.

Während ich drinnen plante, abarbeitete, gegencheckte, koordinierte, spielte das Wetter draußen April.

Kurz nach dieser Aufnahme gab es heftige Graupel- und Schneeschauer.

Nach Feierabend ging ich (kalt!) zu einer bewährten Änderungsschneiderei: Meine 501-Jeans hatte bereits nach zweieinhalb Jahren gelegentlichem Tragen löchrig gescheuerte Innenseiten – so schnell will ich sie aber nicht aussortieren. Dann noch Lebensmitteleinkäufe im Vollcorner.

Daheim eine sportliche Folge Yoga, währenddessen wechselte das Licht im Wohnzimmer von Sonnendurchflutet zu nahezu Nachtdunkel, dann gewitterte es mit Schnee.

Köstliches Abendessen: Der Ernteanteil aus unserer Gärtnerei mit unbeheizten Gewächshäusern ist in seiner magersten Phase und war bereits weggegessen, auf meinen Wunsch kochte Herr Kaltmamsell Belugalinsen mit Blattspinat und roter Paprika – alles zugekauft. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, Siri Hustvedts The Summer Without Men liest sich überraschend süffig.

§

Mit Wolfgang Niedeckens Musik und vor allem Texten bin ich in prägbaren Jahren auch politisch groß geworden. Deshalb interessiert mich seine Haltung als 75-Jähriger in diesem Interview:
“Niedecken über Jahrzehnte in der Musik
‘Ich würde weiterhin verweigern“'”.

Wenn es einen BAP-Song von früher(TM) gibt, den ich besonders empfehle (trotz zitiertem N-Wort), dann wohl “Jupp” – inklusive Hintergrund, den meine Generation damals sofort erfasste, den jüngere aber wahrscheinlich erst recherchieren müssten. Eher poetisch als direkt politisch oder gar aktivistisch.

Und als Kernsatz von Niedeckens Texten identifiziere ich mich am meisten mit “Plant mich bloß nicht bei euch ein.” (Was man mir durchaus als Commitment-Problem auslegen darf.)

Journal Samstag, 28. März 2026 – Angewandert im Ampertal

Sonntag, 29. März 2026

Richtig gut und lang geschlafen, das war sehr schön.

Schön war beim Aufstehen auch das Wetter, wie vorhergesagt: Das traf sich gut, denn schon seit Langem war der gestrige Tag fürs Anwandern gebucht, auf Initiative von Herrn Kaltmamsell. Dass der Sonnenschein auf niedrige Temperaturen traf, konnten wir ja durch Kleidung ausgleichen. Wir hatten uns auf eine Strecke entlang der Amper hinter Fürstenfeldbruck geeinigt, die wir bereits kannten, aber schon viele Jahre nicht mehr gegangen waren. Gut 14 Kilometer einen Fluss entlang sollten ein guter Einstieg sein.

Interessant übrigens: Wenn ich oder Herr Kaltmamsell gegenüber Kolleg*innen unser Wandern erwähnen, wird nahezu immer von Bergwandern ausgegangen. So erstaunte ich im Wochenendplan-Smalltalk eine Kollegin: Es liege doch überall noch Schnee? Ist das vielleicht eine speziell Münchner (und Autobesitz-)Erscheinung?

Die Entscheidung für diese eher kurze Strecke ließ uns reichlich Zeit für den Aufbruch. Erstmal kochte ich aus Ernteanteil für den Abend Karottensalat mit Koriander, dann ging ich eine Runde Einkaufen, vor allem Schokolade.

Erst gegen elf machten wir uns wanderfertig, unter die superduper, aber ungefütterten Wanderjacken mehrere Schichten Langärmliges. Ich trug die im Vorjahr erworbenen neuen Wanderschuhe, obwohl die für komplizierteres Gelände gebaut sind, um sie weiter einzulaufen. Irritierenderweise verlor ich beim Gehen diesmal zunächst das Gefühl in den Zehen des linkes Fußes, hatte insgesamt ein Engegefühl bei den Zehen – obwohl ich schon mehrfach sehr bequem in den Stiefeln gelaufen war.

Wir spazierten zur S-Bahn am Stachus, ich holte mir unterwegs einen Mittagscappuccino. Durch sonnige, aber winterkahle Landschaft ließen wir uns nach Schöngeising fahren. Dieser S-Bahn-Halt liegt recht weit außerhalb des Orts, den wir erstmal durchquerten, um dann die Amper entlang rechtsseitig nach Fürstenfeldbruck zu gehen. Die Temperaturen waren gnädig mit uns, wir brauchten weder Mütze noch Handschuhe.

Wir sahen Frühlingsblümelein von Traubenhyazinthen über Veilchen und Buschwindröschen bis Schlüsselblumen, waren uns letztendlich aber einig, dass diese Route als Wanderung uns nicht reizvoll genug war, sich eher als Jogging-Strecke eignete.

Altes Forsthaus Schöngeising.

Auf einem Bankerl beim Kloster Fürstenfeld gab es kurz nach zwei Brotzeit: Birne und selbstgebackenes Brot aus der Gefriere.

Zurück wanderten wir auf der anderen Seite der Amper.

Beide waren wir nicht wirklich auf der Fitness-Höhe: Nicht mal vier Stunden Wanderung einen Fluss entlang machten uns so fertig wie sonst nur Ganztagestouren mit viel Auf und Ab. Wir erreichten den Bahnhalt Schöngeising ordentlich erledigt und mit schweren Füßen.

Zurück in München entschieden wir uns auf dem Heimweg dennoch für ein kleines Abenteuer: Wir gingen endlich mal in der Sonnenstraße in einen Mix Markt. Die Supermärkte dieser Kette fallen mir seit einigen Jahren auf, scheinen auf den ersten Blick osteuropäischen Lebensmittelvorlieben entgegen zu kommen. Aber richtig umgesehen hatte ich mich in noch keinem. Das holten wir gestern nach.

Ergebnis: Ja, sehr interessant, ja, osteurpäische Produkte, vor allem russische und polnische. Hier bekommen wir unter anderem künftig Kwas für Okroschka (mindestens zehn verschiedene im Angebot), außerdem wird Herr Kaltmamsell mindestens ein Abendessen aus dem reichhaltigen Sortiment gefrorener Teigtaschen zusammenstellen, von georgischen Chinkali bis russischen Pelmeni. Auch die Metzgertheke wirkte attraktiv, bereits überwältigend das meterlange Angebot an geräuchertem Fisch. Zudem werde ich dringend die offen und einzelnen bunt eingewickelten Süßigkeiten probieren wollen, gestern nahm ich nur eine Packung gefülltes Kleingebäck mit.

Zu Hause ruhten wir uns ein wenig aus, bevor ich eine Folge Yoga turnte: Gestern war eine halbe Stunde ruhiges Dehnen dran, das passte perfekt. Wir hatten beide sehr große Lust auf Alkohol, ich öffnete eine Flasche roten Côtes du Rhône, sehr entspannend.

Zu Abend gab es neben dem Karottensalat Ingolstädter Bauernwürscht aus der Gefriere mit selbstgebackenem Brot. Nachtisch Schokolade – eventuell ein bisschen zu viel.

Sehr früh ins Bett zum Lesen, frühes Lichtaus wegen Erledigtsein.

§

Die ganz alte Blogwelt trauert um einen weiteren der ihren: Chris Kurbjuhn ist gestorben, die angekündigte Blogpause und raren Posts ließen bereits befürchten, dass seine Krebserkrankung zurückgekehrt war. Ich profitierte immer wieder von seinen Kulinarik-Tipps, und einmal ganz handfest von einem Päckchen Ahle Wurst, das er mir nach Rücksprache zu Demonstrationszwecken schickte, um mich die Bandbreite dieser Spezialität schmecken zu lassen.

Journal Freitag, 27. März 2026 – Wochenausklang mit Aprilwetter

Samstag, 28. März 2026

Sehr gut geschlafen, hätte aber trotz zeitigem Lichtaus länger als bis Weckerklingeln sein dürfen.

Das Draußen trocken, doch der Weg in die Arbeit bitter kalt; ich hatte mit dem Griff zum Wintermantel richtig gelegen, darunter trug ich nochmal ein winterliches Wollkleid. In der Luft vereinzelte Schneeflocken. (Ist ja auch erst März!)

In den ersten Job am Schreibtisch war ich gleich mal so vertieft, dass meine erste große Tasse Tee abkühlte.

Gestern hatten wir sehr laute Handwerker im Haus – laut wirklich die Handwerker, ihr Rufen/Gespräch hallte nahezu pausenlos durchs Atrium, an dem mein Büro liegt; das eigentliche Handwerk hörte man am eher dezentem Klopfen, Akkuschrauber-Surren, Ratschenratschen.

Ich wagte mich auf einen Mittagscappuccino raus, bekam lediglich auf dem Rückweg ein paar Schneeflocken ab.
Der Minimal-Schneefall hielt noch eine ganze Weile an.

Dazwischen aber immer wieder Sonne, der April übte schonmal.

Zu Mittag gab es eine Birne sowie Hüttenkäse mit Leinsamenschrot. Langsam ist selbst mir mit meinen appetitarmen Arbeitstagen nach Abwechslung, ich sollte mir wieder mal angemachtes Gemüse zur Brotzeit mitnehmen.

Superpünktlicher Feierabend, weil ich wirklich durch war. Ich nahm U-Bahnen zum Candidplatz, um zur Kraemer’schen Kunstmühle zu spazieren und im Caffe Fausto Espresso einzukaufen – ich mag diesen Ort. Von dort setzte ich mich in einen Bus Richtung Viktualienmarkt: Auf der Suche nach Spumante von Ferrari hatte ich einen Hinweis auf Eataly entdeckt. Allerdings führten die nur Spezialausgaben dieser Kellerei im Trentinto und nicht den Brot-und-Butter-Spumante. Wenn ich schonmal bei Eataly war – entdeckte ich, dass es auch den früher großen Bereich mit Venchi-Schokolade nicht mehr gibt.

Daheim eine Folge Yoga mit Adriene, bevor ernsthaft ins Wochenende gerutscht wurde. Als Aperitif wünschte ich mir seit Tagen Calvados-Tonic, nachmittags hatte Herr Kaltmamsell (der gestern auch in die Osterferien rutschte) Käse-Crispy-Chilli-Kekse gebacken (Rezept aus geheimer Quelle): Hervorragend.

Als Nachtmahl gab es Kuh auf Wiese:

Sehr gutes Entrecôte mit wunderbarem Ernteanteil-Spinat, dazu öffnete ich eine Flasche Weißwein aus der Pfalz: Pflüger Vom Lebensturm, eine Cuvée 75% Riesling, 25% Gewürztraminer, letzterer dominierte überraschenderweise. Nachtisch Schokolade – die Kiste lichtet sich besorgniserregend, es braucht Nachschub noch vor Ostern.

Im Bett neue Lektüre: Siri Hustvedt, The Summer Without Men.

§

Vanessa schildert eine Anmache am Bahnhof und wie sie der Angemachten zur Seite stand. (In solchen Fällen können das nur wir Frauen.)

Ich wurde beim Lesen mal wieder sturzwütend: WIE KANN IRGENDJEMAND ANNEHMEN, DASS DIESE ANMACHE ANGEBRACHT SEIN KÖNNTE?!
mAN DarF jA NIcHt mAL MEhR KOmPliMEnTe mACheN?!
Eine Frau steht wartend in der Öffentlichkeit rum. Sie möchten Kontakt aufnehmen? Wie würden Sie das bei einem ganz normalen Menschen tun? Vermutlich mit Danebenstellen, irgendwann seufzen und eine Bemerkung machen in Richtung “Dauert heute aber wieder lang…” An der Reaktion sehen Sie dann schon, ob der Kontakt erwünscht wird.
ABER MIT DER BEMERKUNG, SIE SEI SEXY??!! WIE KOMPLETT HIRNVERBRANNT UND ENTKOPPELT VON ALLEM MENSCHLICHEN MUSS EIN MANN DAFÜR SEIN?!
Das ist keine Kontaktaufnahme, sondern Grenzüberschreitung und Bedrohung, eine reine, brutale Machtgeste, einfach weil er kann.
iST DOcH niX PAssIeRt?!
In einer Welt, in der viele Frauen jederzeit auf solche Bedrohung gefasst sein müssen, können sie sich nie unbefangen bewegen.

(Zur Erleichterung schildert Vanessa in diesem Blogpost auch eine herzerwärmende Begegnung.)

§

Eine Folge Maithink X über Long Covid und ME / CFS, die auch von Betroffenen empfohlen wird:
“Long Covid & ME/CFS – Blackbox der Pandemie”.