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Journal Sonntag, 8. März 2026 – Wahlhilfe als Vorsteherin bei der Kommunalwahl, Teil 1

Montag, 9. März 2026

Trotz eh schon weniger Schlaf auch noch zu früh aufgewacht, wie erwartet bei der hohen Anspannung, eh schon egal.

Der Nußbaumpark erwacht.

Hier erreichte mich die erste Krankmeldung aus dem Wahlhilfeteam noch vor sieben, als ich auf dem Weg zum Wahllokal in der Grundschule an der Tumblingerstraße war, per SMS – ich antwortete umgehend mit der Bitte, sich beim Wahlamt krank zu melden, damit man Ersatz schicken konnte.

Ich war eine Minute nach sieben am Gebäude, und keine Minute zu früh, denn diesmal war es wieder ziemlich aufwändig, den Wahlraum zu finden (in diesem Gebäudekomplex waren sechs untergebracht), einzurichten und den komplizierten Weg dorthin auszuschildern. Mein großes Glück: Drei Team-Mitglieder im ersten Einsatz, die völlig eigen-initiativ zupackten und Lösungen fanden. Zum ersten Mal war ich es, die “Es ist acht Uhr. Die Wahl ist eröffnet.” ansagte (bisschen wie damals, als ich als Pub-Bedienung zum ersten Mal “Last orders!” ausrufen durfte). Und bis dahin hatten wir bereit einen Ablauf etabliert (anhand der Schulungsunterlagen), den wir an den ersten beiden Wählenden (“Sie sind unsere Trainingswähler!”) durchspielten und der zur Routine taugte.

Von vorne die Urnen für OB-Wahl (gelber Zettel), Stadtratswahl (grüne Tapete), Bezirksratswahl (weißer Zettel).

Bis zum Mittag war der Raum nie leer, aber nur zweimal mussten wir Wahl-Willige kurz Schlange stehen lassen. Schöne Überraschung in der Materialbox: Zwei Exemplare der Broschüre “Einfach verstehen. Die Kommunal-Wahlen in Bayern am 08. März 2026″ – das ganze in Einfacher Sprache erklärt.

Eigentlich ist Wählen ganz einfach.
Die Kommunal-Wahl ist etwas schwieriger.
Deshalb erklären wir Ihnen in Leichter Sprache: wie Sie richtig wählen.

Wie bislang jedesmal stellten sich die Mitglieder des Wahlteams beim Plaudern als höchst interessante Menschen heraus.

Bei Schichtwechsel erwies sich, dass die Krankmeldung vom Morgen in Wirklichkeit die zweite Krankmeldung war: Jemand aus der Nachmittagsschicht tauchte nicht auf. Ich blieb, bis ich sichergestellt hatte, dass alle notwendigen Stellen informiert waren – und hoffte, dass uns bis zum Auszählen am Abend Ersatz geschickt würde.

Hunger-schwindlig und durchgefroren (das Wahllokal war ein offensichtlich selten genutzter Container-Raum für Kunstunterricht) spazierte ich das kurze Stück nach Hause. Wie verabredet hatte Herr Kaltmamsell aus Ernteanteil-Sellerie Lasagne gekocht, die gab es um halb zwei – schmeckte besonders gut und wärmte. Kurz vor drei verabschiedete sich der Koch zum Wahlhelfen bei der Briefwahl in der Messe Riem.

Es war komplett unwahrscheinlich, dass ich es in den drei Stunden Pause bis zum Abend zu irgendeiner Form von Entspannung schaffen würde. Ich befasste mich also gleichmal mit den Modalitäten der abendlichen Auszählung. Kurz legte ich mich zu einem erfolgreichen cat nap hin, dann las ich ein wenig Internet, sprang immer wieder für Handgriffe auf, die mir den Abend erleichtern könnten. Die panische Anspannung blieb durchgehend.

Zurück zum Wahllokal mit Herrn Kaltmamsells Rad, mit dem ich nach Auszählen der Oberbürgermeisterwahl Unterlagen zur Bezirksdirektion fahren würde.

Ab dann wurde es viel besser: Ersatz-Beisitzerin kam (zum ersten Mal hatte ich eine Wahlhelferlin zum zweiten Mal im Team, wir hatten bereits vor sechs Jahren bei der Kommunalwahl zusammengearbeitet), wir waren in Rekordzeit mit der OB-Wahl durch, u.a. weil es keine ungültigen oder diskussionsbedürftigen Stimmzettel gab, über die der Wahlvorstand einen Beschluss fassen und festhalten musste. Zum ersten Mal war ich es, die Wahlunterlagen in die für uns zuständige Bezirksdirektion brachte: Mitten in der Touristenmeile zwischen Isartor und Marienplatz liegt der unauffällige Eingang Tal 31, im 2. Stock freute man sich über die Anleitungs-gerecht sortierten und unterzeichneten Unterlagen (nicht nur ich, sondern auch die beiden Schriftführenden hatten diese Anleitungen gelesen).

Zurück im Wahllokal stimmten ebenfalls zum ersten Mal, seit ich mich erinnern kann, alle Gegensummen beim Zählen und Stapeln der Stadtratswahlzettel. Wir kamen mit allen weiteren Vorbereitungen glatt durch (sehr angenehmes Team), offizieller Cut war nach Auszählen der Stadtratswahlstimmen, auf denen nur ein Listenkreuz gesetzt war, und nach Durchzählen einzeln gekreuzelter Kandidat*innen plus Mischung von Beidem – am heutigen Montag starten wir mit der Zuordnung der Stimmen zu Kandidat*innen mit Zählhilfen. Ich war schon deutlich vor 22 Uhr daheim und aß zu Abend noch ein wenig Sellerielasagne und Schokolade. Das Ergebnis der Oberbürgermeisterwahl war schon veröffentlicht: Am 22. März gibt es eine Stichwahl zwischen dem Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) und dem Grünen-Kandidaten Dominik Krause, dann bin ich nochmal im Einsatz.

Kurz bevor ich völlig erledigt ins Bett kippte, kam Herr Kaltmamsell heim.

Journal Samstag, 7. März 2026 – Frühlingslauf und ein 80. Geburtstag

Sonntag, 8. März 2026

Recht gut geschlafen, mit nur kleinem Kater aufgewacht. Allerdings plagen mich derzeit wieder meine Zähne wie schon vor Weihnachten. Mag ja sein, dass ich sie nachts besonders stark knirsche / aufeinander presse, aber der “Stress”, den die Zahnärztin als Ursache vermutete, wird auf absehbare Jahre nicht weniger werden, ich hätte gerne eine Lösung. Nächste Woche eh Termin für Reinigung und Jahrescheck, wir müssen reden.

Ich freute mich auf einen Isarlauf, auch wenn ich um meine letzhin nicht verlässliche Fitness bangte. So oder so würde er in Sonne stattfinden. Doch es war kühl, ich schlüpfte in lange Hose, kurzärmliges Oberteil, Windjacke. Eine Tram brachte mich zum Tivoli, von dort lief ich nach Norden – zur Abwechslung auf der östlichen Isarseite hin und auf dem Hinweg den Isarkanal entlang.

Blick von der Kennedybrücke.

Ich hatte die Route am Stand der Blüte ausgerichtet – und daran, dass ich beim Laufen direkt am Wasser die Sonne im Rücken haben würde, dadurch nicht von ihrer Spiegelung im Wasser geblendet. Das zahlreiche Laufvolk war gekleidet von tiefem Winter bis Hochsommer, mir wurde auf dem Rückweg gegen die Sonne richtg warm, auf dem letzten Drittel war ich in kurzen Ärmeln mit Windjacke um den Bauch gewickelt unterwegs.

Durch den Routenwechsel lief ich zum ersten Mal am Poschinger Weiher vorbei.

Ich hatte Glück: Mein Körper machte den Spaß problemlos mit, fühlte sich erst beim Ausdehnen beansprucht und verklebt an.

Zum Frühstück gab es um halb zwei Quark mit Joghurt, Birnen, Blutorange, Leinsamenschrot.

Bis zur nachmittäglichen Zugfahrt nach Augsburg zu einem Familiengeburtstag befasste ich mich mit den Schulungsunterlagen zur Wahlhilfe am Sonntag. Ich nahm mir nur die Teile zu Aufbau und Wahlvorgängen vor (die komplexen Auszählmodalitäten wollte ich am Sonntag zwischen Frühschicht und Wahlende durcharbeiten) – allein da konnte man ja schon so viel falsch machen! Innig hoffte ich, dass zumindest der eine oder die andere aus meinem Wahlhilfeteam sich das alles gründlich angesehen haben würde.
Vor allem: All die Details, bei denen ich mir während der bisherigen Wahlhilfe-Einsätze denken konnte: Da kümmert sich schon wer drum – diese “wer” bin diesmal ich!

Fein gemacht, Spaziergang zum Bahnsteig, Fahrt nach Augsburg in einem sehr vollen Zug. Wir trafen uns erst mit weiterer Familie bei den lieben Schwiegers, fuhren dann zu einem 80. Geburtstag nach Königsbrunn. Prosecco zum Anstoßen, wir freuten uns daran, wie heutzutage 80-Jährige aussehen und wie fit sie sind (der Jubilar war ja nicht der einzige solche im Raum). Erklärungen der familiären Beziehungen (der Jubilar ist der Ehemann der Schwester des Herrn Schwieger), herzhaft bodenständiges Essen: Ich hatte Lebernknödelsuppe, Rohkost vom Buffet, paniertes Fischfilet mit Kartoffelsalat und war sehr zufrieden.

Während der Nachtischbestellungen und ersten Espressos verabschiedeten sich Herr Kaltmamsell und ich schon wieder, um vor dem Wahlhilfetag nicht zu spät ins Bett zu kommen. Herr Schwieger brachte uns zum Bahnhalt Augsburg Haunstetter Straße, im Zug las ich Wochenend-Süddeutsche und versuchte nicht einzuschlafen – Schlafen vor eigentlichem Nachtschlaf wirkt sich bei mir verheerend aus und bringt alles durcheinander.

Nur eine gute Stunde später als sonst im Bett mit Hoffnung auf Turboschlaf bis Weckerklingeln um halb sechs.

§

Wie man anhand eines Buchstabens, nämlich dem W, die halbe westliche Zivilisation erklären kann.

Journal Freitag, 6. März 2026 – Hechtsprung* ins Wochenende

Samstag, 7. März 2026

Gut geschlafen, mit nur einem Aufstehen bis Weckerklingeln.

Wieder eine Styling-Idee gehabt, ausgehend von diesen Turnschuhen. Und ich freute mich, dass das extrem selten getragene Karneol-Collier so gut dazu passte.

Es wurde sonnig Tag, allerdings bis kurz vor frostig frisch beim Marsch in die Arbeit.

Überraschend zackiger Arbeitsvormittag, zum einen mit unerwarteter Freundlichkeit und Hilfe, zum anderen mit Ärger: Mit “Ist halt a bissl blöd” kann ich meinen Beißreflex unterdrücken, bei “Ist a bissl blöd UND achtlos/egoistisch” schaffe ich das nicht immer, gestern nur ganz knapp. Dazu kommt allerdings eine Grundgereiztheit bei Menschen, die gleich “kaputt!” oder “geht nicht!” rufen, ohne auch nur einen Versuch von Analyse oder Lösung unternommen zu haben.

Mitten im Schreiben einer E-Mail entdeckte ich, dass meine Tastatur auf Englisch umgestellt war (also unter anderem Y und Z vertauscht). Ich nahm an, dass ich ungeschickt irgendeine Tastenkombination erwischt hatte, mir fehlten Zeit und Neugier, Genaueres herauszufinden: Neustart des Computers brachte das in Ordnung.
Als im Lauf des Tages aber zwei der gestern spärlich vor Ort arbeitenden Kolleg*innen unvermittelt mit demselben Problem kämpften, war ich bereit, auch dafür den scheiß Copilot verantwortich zu machen.

Mittagscappuccino holte ich mir aus Zeitgründen in der Cafeteria, aber etwas später gönnte ich mir einen Marsch um ein paar Westend-Blöcke, in jetzt doch mildem Sonnenschein (offene Jacke!).

Mittagessen wurde spät, weil ein dringender Job dazwischengeflogen kam: Apfel, eingeweichtes Muesli mit Joghurt.

Danach ging’s grad so zackig weiter – unter anderem weil ich ja am Montag wegen Wahlhilfe, Teil 2 Urlaub habe und vorarbeiten musste. Ich erinnerte alle relevanten Stellen an meine Abwesenheit, mal sehen, ob das hängen bleibt.

Die Zusammenfassung der Schichteinteilung ans Wahlhilfeteam geschickt – per SMS (ich habe nur Telefonnummern). Vielleicht komme ich ja doch um Whatsapp herum. Meine Panik allerdings bereits im Stadium Ohrenrauschen.

Dennoch fast pünktlicher Feierabend, Heimweg wegen einer Erledigung über eine seltene Theresienwiesen-Kreuzung – die weite Fläche wurde ausgiebig besportelt und -spaziert.

Zu Hause eine halbe Stunde Pilates, die Kreuz- und Hüftschmerzen derzeit nur wenig über Durchschnitt.

Zum Nachtmahl hatte ich mir von Herrn Kaltmamsell ein mächtiges Stück Rindfleisch aus der Pfanne gewünscht, dazu die Ernteanteil-Pastinaken. Als Aperitif rührte ich uns vorher Martinis – wir feierten das einzige Stückchen freies Wochenende.

Dazu arabische Nüsschen.

Ich bekam mein riesiges Rind in Form von T-Bone-Steak, die Pastinaken als Püree mit drüber Ernteanteil-Kresse – alles ganz wunderbar und befriedigend. Im Glas ein roter Côtes du Rhône. Nachtisch Schokolade, im Fernsehen ließen wir Fantomas von 1964 laufen (am stärksten verwurzelten ihn in meiner Wahrnehmung die deutschen Synchronstimmen in seiner Zeit) und recherchierten ein wenig der damaligen riesigen Welle von Geheimagentengeschichten hinterher (u.a. James Bond oder Mortadelo y Filemón).

Besonders früh ins Bett zum Lesen, schließlich ist Wochenende, und ich wollte rechtzeitig die einzige Ausschlaf-Möglichkeit beginnen.

*Wieso eigentlich ausgerechnet Hecht?

Journal Donnerstag, 5. März 2026 – Unter Epilierern

Freitag, 6. März 2026

Die eine Unterbrechung meines sonst guten Nachtschlafs wurde von einem Draußenbrüller verursacht, danach schlief ich aber trotz Anbranden von Angstwellen schnell wieder ein. Aufgestanden zu Nebel.

Selbsterheiterung per Styling – wieder funktionierte das.

Der Nebel verzog sich bereits auf meinem Weg ins Büro.
Ich arbeitete beherzt los und schaffte erste Dinge weg – wurde dann aber durch technische Probleme ausgebremst. Es dauerte ein paar Stunden, bis sie gelöst waren.

So kommen Retouren gerne mal bei mir an. Auch diesmal fand ich letztendlich heraus, an welche Anschrift das Paket ursprünglich gegangen war.

Der Himmel wolkenlos, die Sonne strahlend, ich freute mich auf einen Marsch zum Mittagscappuccino ins Westend. Den Umweg, mit dem ich liebäugelt hatte, strich ich allerdings nach dem Verlassen des Hauses: Es war zapfig kalt.

Sonnige Gollierstraße mal ganz ohne Blätter und Blüten.

Später gab es zu Mittag Apfel sowie eingeweichtes Muesli mit Joghurt – ich hatte aus praktischen Gründen zu einem anderen als meinem Lieblingsjoghurt von Andechser gegriffen, was sich als gut fürs Nacheichen herausstellte, weil er mir deutlich weniger schmeckte (schon ok, aber halt bei weitem nicht so erfreulich).

Nach Feierabend direkter Heimweg, denn auf mich wartete ein Gerätetest: Ich wollte mir ordentlich weh tun. Das Beinerasieren hatte mich nämlich auf die Dauer doch wieder genervt, ich hatte die Haare bereits wieder ein paar Wochen für andere Methoden der Entfernung wachsen lassen. Zwar hatte ich weitere Warmwachs-Enthaarungsorte in der Innenstadt gefunden (die mehrjährige Enthaarerin hatte mich verprellt, weil sie mich immer wieder trotz Termin lange warten ließ), doch der Zeitaufwand schreckte mich inzwischen ab. Da erinnerte ich mich, dass es doch Epiliermaschinchen gibt. Ein solches hatte ich vor vielen Jahrzehnten ausprobiert, erinnerte mich an viel Schmerz für wenig Haarentfernung – doch ich hielt es für ausgesprochen wahrscheinlich, dass sich die Technik weiterentwickelt hatte.

Testberichtlektüre brachte mich zur Geräteauswahl des Herstellers Braun, und am Mittwochabend war ich zum Angucken zum Saturn gegangen (wenn ich schon ein Geschäft in Laufweite habe!). Wieder fand ich die Gammligkeit des Ladens unangenehm und die Präsentation der Ware unübersichtlich: Beschreibungsschilder für nicht vorhandene Geräte, keine Infos zu den angebotenen, Preise standen auf keinem Produkt, kein Personal für Beratung zu sehen. Ich nahm mir ein Exemplar, das die gewünschten Funktionen auf der Schachtel aufführte und fragte an einer Theke nach dem Preis; den Scanner, mit dem der Angestellte ihn auslas, könnte man ja auch einfach der Kundschaft hinstellen. Der Preis war in Ordnung, ich kaufte einen Braun Silk-épil 7.

Gestern Morgen lud ich das Gerät auf, nach Heimkehr probierte ich es aus: Den Zupf-Schmerz kenne ich ja inzwischen von Jahrzehnten Wachsenthaarung, der machte mir also nichts mehr aus. Und das Zupf-Ergebnis überzeugte mich völlig, glatte Beine sogar an den schwierigen Knien: Ab sofort bin ich Epiliererin.

Eine halbe Stunde Pilates tat gut, als Abendessen hatte ich mir den frisch geholten Ernteanteil-Lauch als Linsengericht gewünscht. Das bekam ich und genoss es. Zum Nachtisch hatte Herr Kaltmamsell Kokosmilch als Milchreis aufgebraucht, servierte ihn mit restlichem polnischen Apfelkompott. Schokolade passte noch gut hinterher.

Im Fernsehen ließen wir wie eigentlich immer donnerstags quer im Bayerischen Rundfunk laufen – und zu meiner Freude tauchte in einer Augsburger Straßenumfrage einer meiner besten damaligen Studienfreunde auf: Das Altern und die Falten stehen ihm gut! (Hat wie ich auch mal beim Lokalradio gearbeitet, aus selbst erlebtem Leid wahrscheinlich denselben Eid geleistet wie ich: Bei Straßenumfragen immer mitmachen, wenn man angesprochen wird.)

Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre: Helga Schubert, Luft zum Leben.

§

Amanda Böhm über eine spezielle Art der Überforderung:
“Wenn der Vater stirbt
Die Trauer in der Nudelpackung”.

Die Trauer fängt an, sich wie eine Zeitbombe anzufühlen. Wir wissen: Trauer ist etwas, was man möglichst schnell überwindet. Der Sonderurlaub, der nahen Angehörigen bei einem Todesfall zusteht, beträgt in der Regel zwei Tage. Weil wir Angst haben, das Zeitfenster, in dem wir trauern dürfen, zu verpassen, geben wir uns also Mühe, schnell traurig zu sein. Aber es gelingt uns nicht.

§

Laurie Penny kommentiert die Schlüsse aus den Epstein Files:
“Temporarily Embarrassed Sex Criminals”.
Ich brauchte eine Weile, bis ich mich zum Lesen überwinden konnte; mittlerweile schaue ich aus Selbstschutz über die Berichterstattung hinweg, doch schließlich wollte ich ihre Gedanken wissen. Und provokanterweise beginnt sie mit

Almost every man on earth has more in common with Jeffrey Epstein’s victims than he does with any of the guests.

Meine Übersetzung: Fast jeder Mann auf dieser Erde hat mehr mit den Opfern von Jeffrey Epstein gemeinsam als mit irgendeinem seiner Gäste.
Denn Laurie Penny ist überzeugt: Nein, so sind nicht die Männer.

What larks! What naughty fellows we are! That sad spasms of sycophancy, the pathetic glee at their own daring. Wink, wink, nudge, nudge, bring your girls. Reassuring themselves that this is what all men would do if they were only rich and brilliant like them.

Enough money and power to solve the world’s problems and they choose to solve the apparently primal injustice of having to pretend women are people.

What I find most pernicious is the notion that this sort of repulsive behaviour makes all men brothers. I’m watching men in my own networks talking about the Epstein Files and feeling disgusted with themselves- as if their masculinity makes them somehow complicit. As if they too, but for an accident of wealth, might find themselves frolicing with underage sex slaves on a private jet, as if there is an untameable animal inside every man, an animal that is fundamentally dangerous and fundamentally blameless. He can’t help himself. He’s hungry and scared. It’s in his nature. Let’s just get a girl in to scrub the blood off the sectional.

This is the logic of modern patriarchy. And it’s wrong.

(…)

Accurately describing patriarchy means admitting that most men aren’t patriarchs and never will be. A mumbling white boy with ratty dreadlocks on TikTok spaffing out dire reggae dirges about the holiness of patriarchy by a rock in bumblefuck nowhere was never supposed to be one of the system’s winners. If he was, he would have more clean shirts.

Patriarchy does not mean the rule of men.

It does not mean all men and boys in charge of all women and girls, forever. It doesn’t even imply a binary system. Patriarchy means the rule of fathers.

Of patriarchs. Of a small number of rich old men with a monopoly on violence, in charge of absolutely everyone else.

§

Wie entsetzlich langweilig der Job des Münchner Oberbürgermeisters ist – aus dem Singspiel im diesjährigen Nockherberg-Starkbieranstich:
“Das blöde Glockenspiel”.

Journal Dienstag, 3. März 2026 – Schwimm-Enttäuschung

Mittwoch, 4. März 2026

Trotz Aufgekratztheit schnell eingeschlafen, bis halb sechs durchgeschlafen, das war schön.

Aufgestanden zu Vollmond.

Zackiges Finalisieren des Blogposts, sonst lese ich ja morgens nur noch gegen. Optimistisch packte ich Schwimmzeug ein: Die umliegenden Wochenenden sind so verplant, dass ich darin keine Zeit zum Schwimmen finde, doch ich sehnte mich sehr danach – ich hoffte auf eine Runde gestern nach Feierabend.

Im Büro ebenfalls zackiges Wegarbeiten, bevor mich die dienstags immer hohe Präsenzbesetzung der Büros daran hindern würde. (Allgemeines Seufzen, zu wie viel weniger Arbeit man in Präsenz komme im Vergleich zu Homeoffice, doch wenn ich dann empfehle, die entvölkerten Mon- und Freitage für Präsenzarbeit zu nutzen, um auch vor Ort viel zu schaffen, heißt es: Aber da treffen man doch niemanden.) Gestern war der Trubel sogar so hoch, dass ich dann doch mal mit künftig Homeoffice an Dienstagen liebäugle.

Veränderungen sind ja so eine Sache: Manche oder zu viele lösen bei mir Gereiztheit aus, weil sie Energie und Umstellungen erfordern, die sich unnötig anfühlen. Zu wenige können aber Langeweile verursachen. Gerade richtig finde ich Veränderungen wie Bürowechsel oder aktuell, dass die Abteilungspost, für die ich zuständig bin, in mein Büro gebracht wird und nicht wie die Jahre zuvor ins Azubi-Büro (wenn sie da ist, erledigt die Azubi für Büromanagement die Post unter meiner Anleitung). Noch muss ich jedesmal umdenken, und ich stelle fest, dass mich das munter macht.

Mittagscappuccino im Westend, auf dem Weg lief ich gegen einen dichten Strom fröhlicher Schüler*innen: Feueralarm der Mittelschule Ridlerstraße, der Sammelort scheint ein wenig außerhalb zu liegen (als ich mich dem Schulgebäude näherte, hörte ich etwas Alarm-ähnliches). Die Luft kühl, das Licht seltsam fahl – da erinnerte ich mich an die Ankündigung von Saharastaub, er war tatsächlich angekommen.

Spätes Mittagessen wegen einer Besprechung um die Zeit: Birnchen (jetzt waren alle nachgereift), Quark mit Leinsamenschrot.

Der Arbeitsnachmittag gestaltete sich bei aller Emsigkeit so, dass die erhoffte Schwimmrunde tatsächlich wahrscheinlich wurde. Und so machte ich ganz pünktlich Feierabend und fuhr mit der U-Bahn zum Dantebad.

Ich kam sogar noch zu Sonnenschein ins Becken. Leider war ich gar nicht fit, das Kraulen fühlte sich sehr anstrengend an. Doch wenn ich es schon bis dahin geschafft hatte, schaufelte ich meine 3.000 Meter auch durch – zumal ich nur einmal den winzigsten Ansatz von Krampf hatte (linke große Zehe).

Daheim war Herr Kaltmamsell schon mit der Zubereitung des Abendessens beschäftigt.

Aus restlichen Ernteanteil-Kartoffeln gab es Reiberdatschi, dazu das gewürzte polnische Apfelkompott aus Wien (gut!). Nachtisch Schokolade. Weiterer Versuch, einen sehr geschätzten Kulinarik-Newsletter auf Bezahl-Version umzustellen – mal sehen, ob das geklappt hat.

Zum Abschluss des Tages und gegen Wahlhilfe-Unruhe nochmal schnell ins Wahlhelfer-Portal geschaut (“schnell” – HAHAHA, so schnell halt, wie eine Anmeldung über Bayern-ID mit zwei Geräten, drei Oberflächen und dem Personalausweise geht; mich wundert, dass sich überhaupt jemand zur Wahlhilfe meldet): Zu meiner Erleichterung wurde der Beisitzer ersetzt, der plötzlich doch keine Zeit hatte.

Journal Montag, 2. März 2026 – Tiefenverspannt

Dienstag, 3. März 2026

Beim Aufstehen (nach eher guter Nacht) fühlte sich mein Körper so zerschlagen an, als wäre ich am Sonntag einen Marathon gelaufen (was ich eh nie tun werde, aber so stelle ich mir die Folgen vor – einer der Gründe, warum ich das nie tun werde): Kreuz, Hüften, Beinrückseiten, Achillessehnen, Füße waren anscheinend alle in verklebte Faszien gewickelt und schmerzten. Ich sah einen Bürotag mit viel Tisch-hoch und Tisch-runter vor mir.

Es tagte viel freundlicher als am Sonntag, die Luft beim Marsch in die Arbeit allerdings knackig frisch.

Im Arbeits-Postfach lediglich eine größere Überraschung, die war problemlos und flott weggearbeitet.

Launeaufhellung hatte ich per Strumpfhose sichergestellt (und neue Turnschuhe, ich hatte mir nach zwei Jahren Zögern dann doch silberne bestellt).

Geordneter Vormittag, Platz für Mittagscappuccino an einem Ort im Westend, an dem die Betreiber gewechselt hatten: Aus Fika war das vegane A Littel West geworden.

Cappuccino also mit Hafermilch, für meinen Geschmack zu Milch-lastig. Sehr angenehm aber der Marsch hin und zurück.

Zu Mittag gab es Birnchen, Nüsse, restlichen Gelbe-Bete-Salat vom Sonntag. Und einen Schreck, als es rechts in der Oberlippe bitzelte: umgehender Griff zur frischen Tube Herpes-Salbe in der Büroschublade.

Die regelmäßige Beteuerung in meinem Arbeitsumfeld, etwas sei “kein Hexenwerk” setzt doch eigentlich voraus, dass es hier auch Hexenwerke gibt; die sähe ich jetzt gerne endlich mal, welche sind das denn? Suchen im Intranet und auf verschiedenen Laufwerken blieb erfolglos, ich fand nicht mal eine Ansprechperson fürs Thema Hexenwerk.

Neues altes Goldkettchen an Handgelenk im Einsatz: Bislang nicht unangehm, vielleicht ist es einfach zierlich genug. Die Rücken- und Hüftgürtelprobleme waren gut erträglich, ich fühlte mich lediglich tiefenverspannt. (Inklusive Geist mit seiner Panik vor der Wahlhilfe am Sonntag und Montag.)

Nach Feierabend spazierte ich zu einer Abendessen-Verabredung in die Maxvorstadt, ich traf mich mit Freundin im Café Puck (ganz selten, dass ich da abends hinging). Den einstündigen Weg genoss ich in nicht allzu milder Luft (Handschuhe!) und dem Vollmond am klaren Himmel entgegen ganz besonders – was auch bedeutet, dass Schuhe, die mir solche Strecken nicht ermöglichen, immer weiter nach hinten im Schrank rücken und neu gar nicht mehr gekauft werden.

Ich aß einen Teller voll Falaffel, Hummus, Krautsalat mit Pitta, trank dazu zwei alkoholfreie Weißbiere, vor allem aber tauschte ich mich aus über Leben im Privaten und in der Welt. Wir endeten mit den Aussichten auf unsere Urlaube dieses Jahr und einer noch undatierten Verabredung zum Wandern.

U-Bahn nach Hause, schnelle Vorbereitungen für den nächsten Arbeitstag.

§

Sichtbares Altern und der Umgang damit sind gerade bei Frauen ein heikles Thema.
Hier ein Plädoyer, “sie sieht 20 Jahre jünger aus!” als Kompliment zu hinterfragen.
Selbst gehöre ich ja auch zu den Frauen, die ganz echt ehrlich nicht schlimm finden, so alt auszusehen, wie sie sind (Körpertüchtigkeit anderes Thema, siehe oben).
Aber ich stelle mich auch vor die Frauen, denen jugendliches Aussehen weit nach jeglicher Jugend wichtig ist: Ja, einerseits sind sie wahrscheinlich vom schädlichen Jugend-Kult unserer Gesellschaft geprägt, aber ich möchte bittegerne, dass sie ihr Aussehen selbst entscheiden dürften. Wie die Dame in dem Reel ja selbst sagt: Wir altern sehr unterschiedlich – das gehört für mich zu den Unterschieden, es lebe die Vielfalt.
Das Interview mit Ildikó von Kürthy über das Altern in der Wochenend-Süddeutschen (€) brach ich ab, als sie ihr eigenes Jugendlich-Ich mit Partys, teurem und aufwändigem Styling, sexueller Attraktivität als allgemeingültig prämittierte.1 Nein, cariño, die ersten Jahrzehnte als erwachsene Frau können auch ganz andere Schwerpunkte haben.

§

Niemand, der oder die hier liest, sollen sagen können, das hätten sie nicht gewusst (dieser Volkskultur-Newsletter ist definitv mein Liebling): Das Kulturrefarat München lädt ein zu einem Maultrommelworkshop am 14. März, hier der Link zur Anmeldung.
(Mit Jean-Jacques Rammerl an der Tenorsaubladern, nehme ich an.)

  1. WOHL gibt’s dieses Wort! []

Journal Sonntag, 1. März 2026 – Häuslicher Sonntag im Trüben

Montag, 2. März 2026

Gut geschlafen, aber einmal zu oft durch Aufwachen unterbrochen und zu früh zu Ende.

Ein trüber Tag, doch ich freute mich sehr auf eine Laufrunde. Aber erstmal bloggte ich, las die Mastodon-Timeline nach und wartete ab, bis die morgens eingeschaltete Waschmaschinenladung durchgelaufen war.

Die Luft fühlte sich nur wenig mild an, ich nahm eine U-Bahn nach Thalkirchen. Schon bald nach Loslaufen Richtung Süden merkte ich, dass es kühler war als erwartet und dass Handschuhe eine gute Idee gewesen wären. Der Körper machte gut mit, ich hatte ausführlich vorgedehnt und mobilisiert (vor allem weil ich recht lang auf die U-Bahn warten musste). Das endete allerdings vor Ende meiner Laufrunde, dann wurde es anstrengend. Und ich musste über den Rest des Tages mit Schmerzen und Steifigkeit zahlen.

Ein wenig haben Regen und Schnee der jüngsten Zeit die Isar aufgefüllt.

Da hat jemand Fledermäuse aber wirklich sehr lieb: Auf diesem kleinen Abschnitt am Isarhochufer vor Pullach sah ich mindestens zwei Dutzend solcher Häuschen.

Bei diesem trüben Wetter wurde das Alpenpanorama gar nicht erst aufgebaut.

Floßlände.

Thalkirchen kurz vor der U-Bahn.

Daheim ausführliche Körperpflege, kurz nach zwei gab es zum Frühstück Birnchen (eine ohne und eine mit Geschmack) und zwei Körnersemmeln mit Butter und Marmelade.

Ich wurde steinmüde, und weil Sonntag war, ich zudem erwachsen bin und meine Zeit frei einteilen kann – legte ich mich zu einer Siesta hin. Ich schlief sofort ein.

Unspektakulärer restlicher Sonntag: Gelbe Bete aus Ernteanteil gekocht und Salat daraus bereitet, Wochenend-Süddeutsche gelesen (weite Teile hatten sich durch den kriegerischen Angriff am Samstag von USA und Israel auf Iran und die Gegenschläge auf Israel und Golfstaaten sensationell überholt), gebügelt – mehr als erwartet, es nervte mich wie schon lang nicht mehr. Vor dem Abendessen war gerade noch Zeit für Briefwahl.

Ächz jetzt beim Stadtratwählen (80 Sitze, also 80 Stimmen), viel, viel Ächz nächstes Wochenende beim Auszählen.

Zum Nachtmahl schmorte Herr Kaltmamsell die Ingolstädter Beinscheiben und kochte die einzig passenden Nudeln dazu.

Das Fleisch hatte noch etwas zu viel Biss (hatte aber zwei Stunden geschmort), schmeckte aber gut, auch die Gelben Bete. Nachtisch Schokolade, während die Tagessschau aufzählte, welche Golfstaaten Teil dieser nächsten kriegerischen Eskalation geworden waren.

Im Bett las ich noch Granta 174, Therapy, eine sehr unentschlossene Bearbeitung des Themas (u.a. werden Psychotherapie und Psychoanalyse gleichgesetzt – meistens), möglicherweise wieder eines, das Herausgeber Thomas Meany eigentlich doof findet.