Fotos

Journal Samstag, 18. April 2026 – Frühlings-Sonnenwanderung um die Loisach-Kochelsee-Moore

Sonntag, 19. April 2026

Früh aufgewacht, nicht ganz ausgeschlafen aufgestanden. Doch die frühe Stunde passte ganz gut: Herr Kaltmamsell und ich wollten das angekündigte schöne Wetter für einen Wandertag am Kochelsee nutzen. Da wir annahmen, dass auch sehr, sehr viele andere Menschen aus München das wollten, hofften wir auf leichtere Sitzplatzjagd in einem Zug schon um neun (Deutschlandticket ist super).

Die Tour ab Benediktbeuern scheint bei uns ein April-Ding zu sein: Beide Male, die wir hier schon gewandert sind (2019 und andersrum 2023) waren wir in derselben Jahreszeit auf die Idee gekommen. Wir ließen uns wieder von diesem GPS-Track leiten.

Die Hoffnung auf einfachere Sitzplatzjagd ging schonmal nicht auf: Zwar kann ich mit späteren Zügen nicht abgleichen, doch die Verbindung um neun war knallvoll, nur unser Einsteigen fast 15 Minuten vor Abfahrt verschaffte uns zwei Plätze in einem Vierersitz (den zwei andere Reisende etwas unwillig von ihren Wanderrucksäcken und -stöcken freiräumten). Kurz darauf waren auch die Stehplätze belegt. Zu Gleis 28, also zum Starnberger Bahnhof, waren wir außenrum an der Arnulfstraße geleitet worden: Die Bauarbeiten belegen jetzt den Bahnsteig im Inneren der Halle.

Einstündige und recht pünktliche Bahnfahrt nach Benediktbeuern; bis dahin hatte sich der Zug nur wenig geleert, die meisten wollten offensichtlich zum Zielbahnhof Kochel. Nach Wettererfühlen am Bahnsteig entschied ich mich, die Jacke wegzulassen: Bei dem herrlichen Wetter und in angenehmen Temperaturen brauchte ich sie den ganzen Tag nicht.

Im Hintergrund die Türme des Klosters Benediktbeuern, wo immer noch an den Schäden durch Sturm und Hagel Ende August 2023 gearbeitet wird. Im Vordergrund die historische Glashütte Joseph von Fraunhofers, die bereits fertigrepariert ist und wieder besichtigt werden kann.

Schon bald wurde mein erster Wunsch für die Wanderung erfüllt: Schwalben am Himmel und auf Stromleitungen, herzlich willkommen! Zwischen knallig ergrünenden Bäumen wanderten wir auf schönen Pfaden und landwirtschaftlichen Wegen Anhöhen hinauf, bekamen wunderbare Ansichten, dann steile Waldpfade hinab. Wie schon bei den vergangenen beiden Malen freute ich mich an den besonders hübschen Sumpfdotterblumen. Auf etwa der Hälfte der Strecke kreuzten wir wieder eine bewirtschaftete Kuhweide, diesmal hörten wir die Tiere lang vorher an ihren Glocken, sahen sie diesmal zwischen den hohen Bäumen eines Nadelwalds – Waldkühe.

Körperlich fühlten wir uns beide gelassen und fit, dennoch machten wir brav nach zwei Stunden Pause. Und kurz darauf nochmal, als wir nach Kochel reinkamen: Ich erinnerte mich an das Café im Schusterhaus und wollte dort gerne einen Cappuccino. Zwar hatte genau dieses Café mittlerweile geschlossen, doch gleich gegenüber gab es ein neues, Tiny Soul. Setzten wir uns halt dort auf einen Cappuccino.

Zurück ging es erst die Loisach entlang, von dort der sehr besondere Blick über die Loisach-Kochelsee-Moore. Gut vorbereitet waren wir auf das letzte Stück, das sehr, sehr lang über eine riesige, ebene Wiesenfläche führt, und auf dem es uns beim ersten Mal fad geworden war. Diesmal wappneten wir uns gegen die gefühlte Endlosigkeit – und schon war das Stück gar nicht mehr so lang. Zumal wir immer wieder riesige Milane am Himmel präsentiert bekamen.

Den Lainbach entlang gemächlich hoch.

Sumpfdotterblumen mit Aussicht. Sehr angenehm die ganze Wanderung entlang: kaum andere Menschen. Erst auf der zweiten Hälfte kamen uns andere Wandersleut entgegen, die Loisach entlang wurde vor allem Elektro-geradelt.

Blick aufs Moor.

Cappuccino in Kochel.

Offensichtlich schon sehr lang verbotene Durchfahrt.

Wunderschöne Blindschleiche, ca. 40 Zentimeter lang, die Herr Kaltmamsell entdeckte und deren Zeichnung mit Längsstreifen ich bewunderte.

Rückweg die Loisach entlang.

Das waren dann gut fünf Stunden mit zwei Pausen für knapp 19 Kilometer. Deutlich nach drei Uhr hatte auch ich Brotzeit-Appetit entwickelt: Auf einem Bankerl am Bahnhof aß ich meinen Apfel und löffelte das Glas Skyr mit Leinsamenschrot.

Unterwegs hatte ich beim Anblick besonderer Blumen endlich mal konsequenter die App Flora Incognita genutzt und folgende Blümchen kennengelernt:

Weiße Pestwurz

Kalk-Glocken-Enzian (im Loisach-Moor)

Rote Lichtnelke

Auch zurück war die Bahn voll, es standen allerdings deutlich weniger Menschen in den Gängen.

Beim Wandern hatte ich meine Kappe nicht gebraucht, doch jetzt blendete mich die Sonne beim Zeitunglesen und ich nutzte ihren Schirm.

In München kauften wir auf dem Heimweg im Rewe Kleinigkeiten für aktuelle Ess-Ideen ein, trafen körperlich noch recht frisch zu Hause ein.

Ich setzte meine Körperpflegepläne um (Epilieren, Pediküre), entdeckte einen Hauch von Rot auf Nacken und Dekolleté – trotz LSF 50, aber es gab halt noch fast keinen Schattenschutz durch Blätter.

Zeit für Aperitiv:

Ich mixte uns Green Monkeys (wegen Sahnerest im Kühlschrank). Herr Kaltmamsell kochte als Nachtmahl die Ernteanteil-Karotten mit Einkorn, Feta und den vorhandenen Kräutern Dill sowie Korianer zu einer köstlichen Karottenpfanne. Dazu das Restl Rotwein vom Vorabend. Nachtisch Osterschokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, ich schloss Leon Engler, Botanik des Wahnsinns ab – bis zuletzt gern gelesen, aber bis zum Schluss mit konstantem Schreibwerkstattverdacht.

Journal Freitag, 17. April 2026 – Bulgarisches Abendessen daheim

Samstag, 18. April 2026

Diesmal war es nach Wecken tatsächlich endlich Freitag. Nachtschlaf eigentlich gut, doch bei milder Frühlingsluft schmerzt es besonders, wenn ich das Fenster mittendrin wegen Rumgebrülls im Park schließen muss.

Marsch in die Arbeit unter knallblauem Himmel und in zapfiger Frische. Die Theresienwiese wurde bereits deutlich beflohmarktet.

Plus Frühlingsfest.

Herr Kaltmamsell und ich würden allerdings auch dieses Jahr den Flohmarkt verpassen: Den einen Wochenendtag mit schönem Wetter, bevor das Abitur 2026 Herrn Kaltmamsell verschlingen würde mit vielen Wochen Durcharbeiten, wollten wir dann doch lieber für eine Wanderung nutzen.

Zu den Emsigkeiten des Arbeitsvormittags gehörte auch etwas, das ich mich erstmal vertrieb: Ich versuchte, mich eine Weile möglichst weit entfernt von meinem Arbeitsplatz aufzuhalten. Dadurch kam ich in ein Draußen, das bereits vor zehn warm genug für offenen Mantel und herrlich sonnig war.

Zweites Draußen für einen Mittagscappuccino, auch das sehr genossen.

Neben Freitagsfreude die Freude auf meinen Feierabend-Termin: FRISEUR! Ausnahmsweise wurde ich meinem Familienfriseur untreu: Ich wollte MWA (Mal Was Anderes), hatte aber keine eigenen Ideen und traute dem vertauten Friseur keine zu. Also ein abenteuerlustiger Termin in einem schicken, teuren Laden – ich kann mir Abenteuer ja leisten (gehe deshalb auch gern im ausländischen Urlaub zum Haareschneiden), weil ich unproblematisches, vor allem aber sehr schnell wachsendes Haar habe: Was soll schon passieren?

Was erstmal passierte: Anruf vom Friseur mit Bitte um Verschiebung um eine Stunde. Nee, so spät wollte ich es an einem Freitagabend nicht werden lassen, ich brauchte dringend Wochenende. Also neuer Termin nächsten Donnerstag, verwucherte ich halt eine weitere Woche. (Und denke mir ein weiteres Outfit für den Tag aus, das möglichst zu Ideen ermutigt – ich mache mir viele Gedanken vor Erstkontakt mit einem Haareschneider.) Zefix, meine Laune war gründlich ruiniert.

Also nach Feierabend nach Hause, wie für nach dem Friseurbesuch geplant mit Einkäufen in der Balkan-Bäckerei.

Die Gollierstraße weiterhin im Blütenrausch.

Daheim Herrn Kaltmamsell kurz angeknurrt, dann turnte ich die anstrengende 45-Minuten-Folge der Pilates-Woche, um an diesem Tag wenigstens IRGENDWAS geschafft zu haben. Die machte dann aber überraschend viel Spaß, wer rechnet mit sowas. Jetzt wollte ich nicht mehr ALLES anzünden (sondern nur noch mich selbst ein bisschen), nächste Maßnahme zum Runterkommen Alkohol.

In Form von Calvados-Tonic. (“Stell dich doch mal dekorativ zu den Drinks.”)

Fürs Nachtmahl hatte ich in einem kleinen Spezialitätenladen in der Schillerstraße Bulgarisches eingekauft:

Nämlich als Vorspeise ein Salätchen aus Paprika und Knoblauch, das ich mit bulgarischem Büffel-Feta ergänzte.
Dazu balkanesisches Brot und die letzte Flasche Lemberger-Merlot.
Hauptgang war ein geteiltes Entrecôte mit Ernteanteil-Spinat.

Außerdem hatte ich gestern Nachtisch in der Balkan-Bäckerei Adriatik besorgt: Ein Kokos-Törtchen (gefüllt mit Vanillecreme und dunkler Schokolade) sowie eine Creme-Schnitte. Beides überraschend wenig süß.

Früh ins Bett zum Lesen, wir waren beide sehr erledigt.

§

Die Kriminalstatistik der Polizei selbst berichtet über die Arbeit der Polizei, nicht über den Stand von Kriminalität – ich halte es für ratsam, das zu beachten. Markus Reuter erklärt das bei netzpolitik.org genauer:
“Mit Vorsicht zu genießen”.

In der PKS werden mutmaßliche Straftaten erfasst, welche die Polizei an die Staatsanwaltschaften weitergibt. Ob diese dann die Verfahren einstellen und ob jemand verurteilt wird, erfahren wir aus dieser Statistik nicht. Wir erfahren auch nicht, ob die Steigerung einer Kriminalitätsart darauf beruht, dass die Polizei ihren Schwerpunkt verlagert hat, die Ermittlungsmethoden besser wurden, das Dunkelfeld sich aufhellt oder Menschen bereitwilliger Straftaten anzeigen.

§

Meinem Eindruck nach gibt es kaum einen Film, der seit Entstehung so detailliert auseinandergenommen wurde wie North by Northwest von 1959, deutsch Der unsichtbare Dritte.1 Hier eine unglaublich tiefe und ausführliche Analyse von Cary Grants Kleidung (innerhalb der Handlung nur ein Outfit, tatsächlich aber mehrere):
“The Famous North By Northwest Glen Check Suit”.

Unter anderem belegt Matt Spaiser (der in seinem Blog sonst über Anzüge in Bond-Filmen schreibt), dass Cary Grant einfach seine Privatkleidung mitbrachte.

Ein wirklich gut sitzender Anzug an wem auch immer ist heutzutage eine absolute Rarität – ich genieße den Anblick jedesmal sehr.

§

Na komm’Se, wir alle brauchen ein Lichtlein am Ende des Tunnels. Auch wenn es vielleicht ein entgegenkommender Zug ist.
Oder die Aussicht auf die Nachfolge von Space Balls.

  1. Die Star Wars-Reihe spielt nicht mit. []

Journal Montag, 13. April 2026 – Bomben-April-Frühling, wie anders andere Menschen sein können

Dienstag, 14. April 2026

Ja super, diesmal hätte ich locker noch über Weckerklingeln hinaus gut geschlafen – wenn mein Körper das bitte künftig aufs Wochenende legen würde?

Erst als es hell wurde, sah man, wie dunkel es war. Aber nicht zu kalt, vor allem kam ich trocken in die Arbeit.

Geordnet machbarer Arbeitsvormittag, Zeit für und Lust auf einen Mittagscappuccino im Westend.

Die Gollierstraße in schönster Blütenpracht, auch wenn es düster und kühl blieb. Als Gegenstück zum sensationellen leuchtenden Oktoberherbst 2025 bekommen wir jetzt einen sensationellen blühenden Aprilfrühling.

Zu Mittag gab es reichlich Orangen, außerdem Skyr mit Joghurt und Leinsamenschrot.

Machbar emsiger Arbeitsnachmittag, es wurde nicht zu spät.

Auf dem Heimweg Milch und Joghurt eingekauft, daheim Häuslichkeiten, dann Yoga.

An einem ganz gewöhnlichen Montag hatte Herr Kaltmamsell festliche Italienische Dim-Sum-Dampfnudeln gemacht, köstlich. Nachtisch Osterschokolade.

Für den Brighton-Urlaub im August buchte ich gestern die Hin- und Rüchreise, beides über Paris – ich verstehe immer noch nicht, warum die Angestellte im Münchner DB-Reisezentrum mich vergangenes Jahr zurück über Brüssel mit einem weiteren Umstieg mitten in der Nacht in Köln schickte. 685 Euro für zwei Personen, Fliegen hätte mit der Extragebühr für Gepäcktransport (pro Koffer 110 Euro?!) auch nicht weniger gekostet.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Lidia Yuknavitch, Chronology of Water ausgelesen, bis zum Schluss erstaunt, wie weit weg von mir jemand anders sein kann. Und das ganz echt ehrlich in keiner wertenden Art: Wie völlig anders in praktisch jedem Aspekt jemand wahrnehmen, verarbeiten, fühlen, einordnen, wünschen, sich ausleben kann. Selbst was Lidia über Schreiben und Kreativität schreibt: Nein, ist bei mir anders. Oder über’s Schwimmen, siehe Buchtitel, das ja etwas Verbindendes darstellen könnte: Lidia ist durch und durch geprägt durchs Wettkampfschwimmen, auch da kommen wir nicht zusammen. Immer wieder betont die Erzählerin das Angebot oder die Hoffnung, dass sich jemand in ihrer Geschichte wiederfindet, die durch ihr tiefes Gefühl von Außenseiterinnentum geprägt ist, und sich dadurch als Teil einer Gemeinschaft fühlt. Und auch darin spürte ich vor allem: Uuuuhh, nein, bitte keine Gemeinschaft, und schon gar nicht diese. (Dabei scheint gerade das hervorragend funktioniert zu haben, schließlich wurde das Buch ein Bestseller, auch in vielen Übersetzungen.) Für mich waren diese Memoiren unterm Strich eine wirklich bereichernde Lektüre, ich lernte Neues kennen.

§

Der Lokalteil der Süddeutschen hat meine Coffee Bro’s in der Gollierstraße mit dem besten Cappuccino im Westend portraitiert!
“Die Kaffee-Nerds erobern München”.

Das im Hintergrund des Fotos muss aber ihre Rösterei sein, das Café für meinen Mittagscappuccino ist es nicht. (Und weiterhin echt sorry, dass ich mit dem Filterkaffee nichts anfangen kann.)

Journal Sonntag, 12. April 2026 – Frühlingsschönheit mit Nieselfilter

Montag, 13. April 2026

Wegen Über-Erschöpfung schlecht eingeschlafen, dann auch noch zu früh aufgewacht: Ich fühle mich dann doch beleidigt, wenn mein Körper das Wochenende nicht zum Ausschlafen nutzt. Benommener Morgen.

Das Draußen wie vorhergesagt düster und kühl, doch die aktuellen Temperatursprünge des Wetters sind auch drinnen anstrengend: Von T-Shirt und Schlappen bei ausgeschalteter Heizung am Samstag zu gestern Heizung plus Strickjacke und dicken Wollsocken. So bloggte ich über Milchkaffee, Wasser, Ingwertee, las die Mastodon-Timeline der Nacht hinterher.

Trotz Müdigkeit blieb die Freude auf einen Isarlauf. Jetzt wieder mit langer Hose und Lauf-Hoodie nahm ich eine U-Bahn nach Thalkirchen und lief von dort nach Süden. Fast die gesamten gut 100 Minuten herrschte feinster Nieselregen (Gischt), trotz Schirmmütze war meine Brille bald betropft.

Mein Körper benahm sich (nach ausführlichen Vordehnen und Faszienrollen daheim) anständig und gönnte mir Bewegungsfreude. Was mich zudem begeisterte: Bei richtigem Frühling beeinträchtigt nicht mal Gischt die schönen Ansichten, verändert sie lediglich. Außerdem hielt das Wetter die Menschen fern: Alle Wege erfreulich leer.

Na gut, Weitblick von der Großhesseloher Brücke war aus.

Wegen Regen auch keine Alpenkette am Horizont.

Geruchs-Internet gibt’s noch nicht, zu diesem Bild müssen Sie sich den intensiven Duft von frisch geschnittenem Holz halt vorstellen.

Mehr Freude, als direkt bei meiner Ankunft im U-Bahnhof eine Bahn einfuhr, die mich nach Hause brachte.

Frühstück kurz nach halb zwei: Orangen mit Skyr, Joghurt, Leinsamenschrot, außerdem ein Stück Baguette vom Vortag mit Butter und Marmelade.

Regensonntagnachmittag mit Zeitunglesen, ein wenig Bügeln, Romanlesen, Yoga. Dann machten sich Herr Kaltmamsell und ich nochmal an Ravioliherstellung: Der Hartweizengries musste weg, außerdem wollten wir die Erkenntnisse der Vorwoche umsetzen, zum Beispiel erhöhten wir die Füllungsmenge etwas (wir verwendeten ein paar Polpette von den Meatball Sandwiches) und walzten den Teig nicht ganz so dünn aus.

Es gab die Ravioli in zwei Gängen:

1. in Brodo (Müllsuppe),

2. mit etwas Butter und Parmesan. Beides sehr gut. Nachtisch Königsbrunner Pralinen (Ostergeschenk von den lieben Schwiegers) und Osterschokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

Journal Samstag, 11. April 2026 – Eltern-Power und Besuch aus dem Internet

Sonntag, 12. April 2026

Eigentlich gut geschlafen, aber zu früh von einer Angstwelle geweckt worden.

Ich möchte mich hiermit über die geringe Akku-Leistung meiner elektrischen Zahnbürste echauffieren, und zwar seit Kauf: Die Ladung reicht nur für fünf Tage, also zehnmal Putzen (Herr Kaltmamsell hat ein eigenes Gerät), gleichzeitig dauert das Laden zehn Stunden. Eine Stunde Laden für einmal Zähneputzen finde ich zu viel.

Statt Wochenend-Gesandel hatte ich gestern Programm: Gestern waren meine Eltern so nett anzureisen und mir bei ein paar Häuslichkeiten zur Hand zu gehen – die ich ohne sie zwar auch geschafft hätte, aber mit ihnen halt so viel besser. Also frühes Fertigmachen und kurze Einkäufe in einem Sonnenlicht und unter blauem Himmel, die den angekündigten Frühsommertag versprachen.

Häuslichkeit 1: Vor gut zwei Jahren hatte ich sechs Drucke von Giselle Dekel gekauft, vergangenes Jahr rahmen lassen, jetzt sollten sie endlich an die Wand, für die ich sie vorgesehen hatte. Auf die Unterstützung meiner Eltern hatte ich gewartet, weil meine Mutter für die konkrete Hängung den Deko-Blick und Einrichtungsgeschmack hat, die mir komplett fehlen, mein Vater wiederum verfügt über die lebenslange Routine und das Geschick, die Bilder sauber und sicher aufzuhängen (was passiert, wenn ich es selbst mache, sieht man an der Wand neben der Küchentür) – die vorgesehene Wand machte unter anderem die Notwendigkeit von Hohlraumdübeln wahrscheinlich.

Also vermaßen und ordneten wir gemeinsam, Herr Kaltmamsell und mein Vater bohrten, hämmerten, hängten an Haken auf.

So sauber und befriedigend hätte ich das ganz sicher nicht hinbekommen.

Häuslichkeit 2: Parallel nutzte ich den grünen Daumen und die lebenslange Erfahrung meiner Mutter in Pflanzenpflege, nämlich zum Umtopfen der zu Monstermaßen gewachsenen Efeutute, die den Geschirrschrank im Wohnzimmer verschlang. Ich kenne die Pflanze seit Auszug aus dem Elternhaus und weiß, dass sie auf jede Veränderung ausgesprochen beleidigt reagiert, mir war klar, dass sie nach so etwas Existenziellem wie Umtopfen mindestens ein Drittel ihrer Blätter abwerfen würde – doch die Situation würde nicht von allein besser. Und allein schon für das Herunterholen des Dschungels brauchte ich mindestens zwei paar zusätzliche Hände.

Die Pflanze hatte sich den Blumentopf bereits völlig einverleibt und ihn zu Teilen umwurzelt, meine Mutter brauchte ein großes Küchenmesser, um sie davon zu trennen. Und sie überzeugte mich, sie umzusiedeln, von Geschirrschrank zu Bücherschrank. Ich stimmte auch deshalb zu, um alle existenziellen Veränderungen auf einmal umzusetzen, damit ich die Efeutute nicht zweimal stressen musste.

Aber wir werden Nägel auf dem Schrank brauchen, um sie einzuhegen (bis sie nach einem sehr wahrscheinlichen Blätterabwurf weniger Platz braucht).

Weitere Pflanzen-Aktionen: Einpflanzen von Weißlilien-Ablegern, Tausch der Balkon-Feige: Die Bayern-Feige hat sich in den vier Wochen seit Abstellen auf unserem Balkon überhaupt nicht verändert, meine Mutter möchte sie der verkaufenden Gärtnerei vorstellen. Der als Zweitfeige vorgesehene Baum, den meine Eltern mir gestern schenkten, nimmt erstmal ihren Platz ein.

Wir waren selbst mit Aufräumen und etwas Putzen unerwartet schnell fertig, es gab als Brotzeit die vorbereiteten Meatball Sandwiches (stelle ich in meine Rezept-Ecke ein, sobald ich ein passables Foto davon aufnehmen konnte).

Meine Eltern machten sich auf den Rückweg nach Ingolstadt, ich revanchierte mich zumindest ein bisschen mit einem Gürtel-Einsatz: Meine Mutter hatte mir einen roten Gürtel dagelassen, dessen Leder über viele Jahre Tragen zerfallen war – ich wusste eine Möglichkeit, ihm mit einem neuen Riemen zu einem zweiten Leben zu verhelfen.

Dazu ging ich nochmal raus in die Wärme, die wie angekündigt Frühlingstemperturen mit Karacho um zehn Grad überholte und sich mal kurz an die 20 Grad machte. Über den Sendlinger-Tor-Platz schallte schon von Weitem “El Condor Pasa”-Panflöte – ZACK! fühlte ich mich wieder wie 23 und in der Augsburger Fußgängerzone.

Volltreffer bei Leder Baumann in der Herzog-Wilhelm-Straße:

Es gab genau einen Lederriemen in Rot, doch der hatte exakt die perfekte Farbe und Breite.

Jetzt sandelte ich ein paar Stunden mit Zeitunglesen, Internetlesen bei offener Balkontür, Fenster- und Balkongucken, einer Runde Yoga.

Für die Chronik: Stand der Kastanien vorm Haus.

Für den Abend hatten wir eine weitere hoch erfreuliche Verabredung: Eine meiner kleinen Freundinnen aus dem Internet war mit Partner in der Stadt und schenkte Herrn Kaltmamsell und mir den Samstagabend. Wir waren zum Abendessen verabredet, da die Besucher in unserer Nähe untergekommen waren, holten sie uns ab.

Große Wiedersehensfreude, tiefes Glück, welche Begegnungen und Verbindungen mir das Bloggen seit Jahrzehnten ermöglicht. Wir bekamen Süßes aus dem Spanischen Früchtehaus mitgebracht, zeigten unsere Wohnung her, mussten uns losreißen, um unsere Restaurant-Reservierung nicht zu sehr zu reißen. Gebucht hatte ich nach Abstimmung mit den Mitessenden im Hot-Pot-Lokal Chois in Fußweite.

Und dort verbrachten wir einen wunderbaren Abend mit vielen Geschichten, unter anderem aus dem kürzlich abgeschlossenen Berufsleben der beiden und wie sich die Zeit seither entwickelt hat. Wer sich für so Vieles und die dazugehörigen Menschen so von Herzen interessiert, hat halt Interessantes zu erzählen. Dazu gab es spannendes Essen zum Eintunken in vier verschiedene Brühen, wir hatten Spaß und aßen gut. Allerdings war ich ausgesprochen erledigt und konnte den Abend nicht so lang werden lassen, wie ich es mir gewünscht hätte. Wir spazierten mit den beiden zum U-Bahnhof Goetheplatz und schickten sie in ihr Hotel.

§

Exzellenter Journalismus, der ein “Huch – hatte ich mir noch nie Gedanken drüber gemacht” auslöst: Annette Ramelsberger über den gefährlichen Umstand, dass die wichtigsten Gerichtsprozesse derzeit weit draußen in schier nicht erreichbaren Gebäuden verhandelt werden (€):
“Ausgerechnet die Gerichtsprozesse, in denen die Wehrhaftigkeit der Demokratie verhandelt wird, finden immer öfter ganz weit draußen statt. Dort, wo es niemand mehr mitbekommt.”

Das Abschieben eines Gerichtes hinaus ins Nirgendwo ist nicht nur ein ästhetisches Problem. Es geht um Sichtbarkeit, Transparenz, auch um Autorität. Um den Respekt vor den Regeln, die sich eine Gesellschaft, ein Staat gegeben hat.

„Justice must not only be done, but must also be seen to be done.“ Ein Satz, der dem Lord Chief Justice Gordon Hewart zugeschrieben wird, dem obersten Richter von England und Wales in den 1920er-Jahren. Frei übersetzt heißt das: Es reicht nicht, dass Recht gesprochen wird. Die Leute müssen das auch mitkriegen. Sonst zweifeln sie nämlich am Recht und der Gerechtigkeit.

Journal Freitag, 10. April 2026 – Vorbereitungen Wochenende und Urlaub

Samstag, 11. April 2026

Gut und tief geschlafen, ohne Wecker hätte das noch viel länger angehalten.

Düsterer Marsch in die Arbeit in milder Luft, aber einer dunkelgrauen Wolkenwand entgegen; der Schirm in der Hand wirkte als Talisman bis zum Bürogebäude: Es regnete erst später.

Genug zu tun am Schreibtisch, aber nicht zu viel: So mögen wir das vor allem am Freitag. Auch die noch leereren Gänge und Büros als freitags üblich begrüßte ich.

Keine Lust auf Mittagscappuccino, aber auf Draußenluft. In der es allerdings um die Mittagszeit energisch regnete (der Bauer braucht den…).
Dann halt nur kurz und mit Schirm auf eine Erledigung raus.

Zu Mittag gab es reichlich Orangen sowie Skyr, dem ich doch nochmal eine Chance gebe, weil er im Angebot war, mit Leinsamenschrot.

August-Urlaub mit Herrn Kaltmamsell in Brighton angegangen: Ich wollte gern mit ihm in dem Apartment wohnen, in dem ich mich vergangenen Herbst so wohl gefühlt hatte, doch der Preis pro Nacht war auf einmal mehr als doppelt so hoch. Stellte sich heraus: Wir platzen mal wieder in Brightons Pride-Woche. Nachdem wir den Initial-Schrecken überwunden hatten, beschlossen wir:
1. Mia ham’s ja.
2. NOCH mehr wundervoll bunte Menschen in Brighton!
3. Federboas einpacken.
Und so buchte ich.

Pünktlicher Feierabend, auf direktem Weg nach Hause. Es war ziemlich kalt geworden, doch ich kam trocken heim.

Tapferer Kastaniensprössling bei der Villa Wagner.

Nach Ankunft wie geplant umgehend Kochen für Samstag: Ich hatte mich an die Meatball Sandwiches von David Lebovitz erinnernt, die uns begeistert hatten, die ich aber seit Jahren nicht mehr gemacht hatte: Die Hilfsaktion meiner Eltern am Samstag war ein willkommener Anlass für eine Wiederholung (Tomatensauce vielleicht einen Tick zu scharf geworden).

Das verschob unser Nachtmahl ein wenig, weil ich die Küche belegte, aber dann buk Herr Kaltmamsell panierten Käse und koreanische Teigtaschen, briet Ernteanteil-Kohlröschen, während ich Ernteanteil-Salat (plus Radieserl-Blättern, Kresse, Petersilienresten) mit Orangensaft-Haselnussmusdressing anmachte, zudem weitere Crowdfarming-Orangen auspresste (wir verbrauchen sie hektisch immer knapp der nächsten matschigen Stelle hinterher) für den Drink zum Wochenendfeiern: Wodka-Orange.

Nachtisch Osterschokolade.

Früh ins Bett zum Lesen: Lidia Yuknavitch, The Chronology of Water besteht aus so viel Alkohol, sonstigen Drogen und Sex, dass einer bei der Lektüre die Lust auf alles davon vergehen kann.

§

WERBUNG!1

Kleinere Konzerte gehen ja oft unter – in München ärgere ich mich regelmäßig darüber, Interessantes wegen Nichtwissen verpasst zu haben. Das wird in Berlin ähnlich sein, deshalb.
Der Berliner Kammerchor Jeunesse singt am 25.4. und 26.4. in der Berliner Malzfabrik zwei sehr abgefahrene Konzerte: Sie sind eine Games Show, in der das Publikum unter anderem Stimmblöcke des Chors aus- und einschalten kann. Ich weiß davon, weil ein Verwandter beteiligt ist.
Hiermit weitergegeben.

§

Geständnis: Diesen Krautreporter-Artikel hätte ich fast ohne Lesen bereits auf Basis der Überschrift empfohlen – weil allein schon diese Überschrift dem wenig hinterfragten Anspruch widerspricht, dass alles, was Inhalt des Schulunterrichts ist, einen nachweisbaren Nutzen in jedem späteren Erwerbsleben haben muss. (Hat eigentlich schon mal ein Politiker Bildungs-Controlling gefordert? Zumindest einer von der FDP?)

Zum Glück stellte sich der Text selbst dann als sogar noch besser heraus, deshalb schenke ich ihn Ihnen:
“Es ist gut, dass du in der Schule Dinge lernst, die du nicht brauchst”.

Wie nutzlos etwas ist, ist außerdem oft eine Frage des Zeithorizonts: Allgemeinbildung ist eine Lebensversicherung gegen eine unbekannte Zukunft. Schule muss breite Grundlagen legen, weil niemand mit zwölf Jahren weiß, welche Berufe, Probleme oder Technologien mit 30 wichtig sein werden. Du wirst mit Anfang 30 jeden Tag mit KI arbeiten, aber nie wieder Code schreiben, obwohl dir Informatikunterricht als der heiße Scheiß für deine Zukunft verkauft wurde.

(…)

Lebensweltbezug heißt deshalb vielleicht, dass du lernst, was dich interessiert. Aber nicht, dass du nur noch lernst, was im Alltag später (eventuell) mal eine Rolle spielen wird. Du wirst in der elften Klasse lernen, wie man eine Steuererklärung macht, weil deine Erdkundelehrerin das für wichtig hält. Die Steuererklärung ist das Paradebeispiel für alltagsnahen Unterricht. Lass dir sagen: Es werden nach deinem Abi zehn Jahre vergehen, bis du deine erste Steuererklärung machen musst. Du wirst absolut nichts mehr von dem wissen, was du in der Schule darüber gelernt hast.

(…)

Die vielleicht wichtigste Funktion fast aller Dinge, die du in der Schule so lernst, ist Metakognition – die Fähigkeit, das eigene Denken zu beobachten. Wann verstehst du etwas wirklich, wann bildest du dir das nur ein? Wo bleibst du hängen, und warum? Wie lernst du am besten? Diese Fähigkeiten entwickelst du nicht, indem du Dinge lernst, die dir leichtfallen. Du entwickelst sie, indem du an Stoff arbeitest, der dich herausfordert. Wenn du dich durch „Kabale und Liebe“ quälst, trainierst du, mit Nicht-Verstehen umzugehen. Das ist eine der nützlichsten Fähigkeiten, die es gibt. Als Erwachsener greifst du praktisch immer beim Lesen von Zeitungsartikeln oder politischen Schriften wie Koalitionsverträgen auf diese Kompetenzen zurück.

Mal wieder hat tip zu meinem damals ganz jungen Altgriechisch-Lehrer Herrn Nusser, der uns als Antwort auf die regelmäßige Frage “Und wozu brauchst du das?” empfahl: “Schule bildet. Schule bildet nicht aus.”
Dabei behaupte ich bis heute, dass ich in keinem Schulfach mehr für mein späteres Leben gelernt habe als in Altgriechisch.
Hat tip auch zum Gymnasiallehrer Herrn Kaltmamsell, der gerne darauf hinweist, man brauche Bildung, um Witze zu verstehen.

Ich empfehle sogar noch mehr die Lektüre der im Artikel verlinkten Festrede von Peter Bieri 2005 an der Pädagogischen Hochschule Bern (unter anderem als sprachliches und rhetorisches Vorbild):
“Wie es wäre, gebildet zu sein”.
(Die mir allerdings die Illusion nimmt, Self Egalness könnte mich weiterbringen.)
Dafür verzeihe ich Bieri sogar den mäßigen Roman Nachtzug nach Lissabon, unter dem Pseudonym Pascal Mercier veröffentlicht.

  1. Von Herzen und nicht von Geld, eh. []

Journal Donnerstag, 9. April 2026 – Keine neue Strickjacke, Hinterfragen von Self Love

Freitag, 10. April 2026

Sehr gut geschlafen, der Wecker weckte mich aus tiefen Träumen (die sich um Berufsdinge drehten, das bräuchte es wirklich nicht).

Der Himmel tagte mit Wolkenschleier, auf dem Weg in die Arbeit war es sehr frisch. Die Grünanlagen um die Theresienwiese sahen ausgesprochen bunt aus: Die Mülleimer darin waren an den sonnigen Tagen davor wahrscheinlich rege genutzt worden, und sie sind oben offen ohne Krähenschutz. Die Krähen waren das begeisterte Schwarze zwischen dem bunten, von ihnen verstreuten Müll.

Außerdem endlich: Der Beweis, dass auch dieses Jahr zum Frühlingsfest ein Theresienwiesen-Flohmarkt stattfinden wird (18. April), das Fehlen der Bodenmarkierungen hatte mich bereits zweifeln lassen.

Am Schreibtisch legte ich mit Tempo los, um einen Konzentrationsjob abzuschließen, der ab Zweitbelegung meines Büros mit nahezu durchgehenden Telefonaten nicht mehr möglich sein würde (ich war am Mittwoch dafür bereits für zwei Stunden in ein leeres Büro umgezogen). Das klappte.

Später erwies sich meine Hast als unnötig: Die Zweitbelegung arbeitete gestern von daheim, das entspannte mich deutlich. (Gestern informierte man mich auch, dass eine Lösung gefunden worden war.) Allerdings fühlte ich mich trotz all dieser Faktoren kränklich und unfit mit leichtem Kopfweh.

Mal wieder raus (kühl und bewölkt, aber mit Frühling in der Luft) auf einen Mittagscappuccino, dabei erlebte ich Sich-alt-fühlen für Fortgeschrittene: Ich brauchte den Barista, um die versehentlich eingeschaltete Handy-Taschenlampe auszustellen. (Wo ist die vielbeklagte Unsichtbarkeit postmenopausaler Frauen, wenn man sie mal Not hat?)

Zu Mittag gab es Apfel, Orange (sehr gut!) und gekauften Linsensalat.

Erträglich emsiger Nachtmittag, nicht zu später Feierabend. Unterwegs bog ich nochmal in den Bio-Supermarkt Vollcorner ab: Mir war eine angemessene Brotzeit für Samstag eingefallen, wenn meine Eltern anreisen, um uns bei ein paar lange liegengebliebenen häuslichen Dingen zu helfen – dafür kaufte ich ein.

Andere Magnolien, diese in der Lessingstraße.

Das mit mir und der neuen Strickjacke soll wohl wirklich nicht sein: Nach der Nachricht, es gebe Schwierigkeiten bei der Auslieferung vom Paketzentrum, wurde ich gestern über die Erstattung des Kaufpreises informiert. Ich hätte wirklich, wirklich gerne diese Strickjacke gekauft. Na gut, vielleicht begegnet mir in den nächsten Jahren nochmal eine, die mir gefällt.

Daheim Häuslichkeiten und dann doch die nächste Folge Yoga, jetzt wieder reibungslos vom Haus-eigenen Server. Allerdings erinnerte ich mich schnell, dass diese Folge mit dem Titel “Self Love” diejenige ist, die bei mir umgehend zu Self Loathing führt, weil meinem Körper bereits die erste, sehr lang andauernde Haltung mit Beinen im Z unmöglich ist und Schmerzen bereitet. Ich wich auf Schneidersitz aus und brach eh nach zwei Dritteln und entschieden zu viel Besinnlichkeitsgeplapper ab.

Ich zweifle grundsätzlich an, dass hartes Arbeiten an Self Love wirklich das ideale Ziel für alle Menschen ist, es klingt immer so anstrengend. Selbst stelle ich mir Self Egalness deutlich angenehmer und entspannter vor – ja, einfach keine heftigen Gefühle sich selbst gegenüber, das wäre schön. (Wurden nicht ganze Religionen erfunden, um zu Self Egalness zu kommen?)

Herr Kaltmamsell sorgte wieder für Erfreuung per Abendessen:

Ein Rest Grie Soß, außerdem Saubohnen, zudem Ernteanteil-Pastinaken aus dem Ofen mit Parmesan – sehr gut. Nachtisch reichlich Osterschokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Was mich nostalgisch macht: Blog-Kommenatorinnen, die versuchen, manuell und individuell Werbe-Links zu ihrem Business zu posten. Vielleicht die letzte Online-Gruppe, die Blogs noch für relevant hält?

§

Marketing-Aktion von Iceland Air: Gesucht wird der/die schlechteste Fotograf*in der Welt – um zu beweisen, dass Island so schön ist, dass selbst sie hier großartige Foto machen können.
“We want to prove that even the worst photographer can take great photos of Iceland. Is that you?”
(Ich glaube, der Wettbewerb würde besser funktionieren, wenn man andere vorschlagen müsste: Meiner Erfahrung nach merken viele grottige Fotograf*innen ihre Grottigkeit nicht.)

Was mich zu Island-Klischees bringt und zum isländischen Roman Eden von Auður Ava Ólafsdóttir1 – aus dem ein ähnlicher Humor spricht. Die isländische Kleinstsprachen-Linguistin Alba, Hauptfigur und Ich-Erzählerin des Romans, sitzt am Anfang im Flugzeug nach Reykjavík und telefoniert mit ihrem Vater – der so ziemlich als erstes fragt, welche gemeinsamen Bekannten mit ihr fliegen. Klischee 1: Die isländische Bevölkerung ist mit nicht mal 400.000 Menschen so übersichtlich, dass wirklich jede jeden kennt. Dieses Motiv ist einer der lustigen Hintergründe der Handlung. Weitere Klischees: Das Wetter ist durchgehend unwirtlich, die Natur malerisch, aber schroff und abweisend, alle mischen sich ins Leben von allen anderen ein, alle Isländer*innen lesen ungeheuer viele Bücher, die Hälfte schreibt auch welche, vor allem Island-Krimis.

Die Handlung: Alba arbeitet nicht nur akademisch, sondern auch als Lektorin/Korrektorin für isländische Literatur – die sie als eher mittelklassig beschreibt. Von einer Erbschaft kauft sich Alba ein recht heruntergekommenes Haus auf dem Land, zieht aus der Stadt dorthin, pflanzt Bäume. Wo eh schon alle alles über sie wissen.

Ich las den kurzen und kompakten Roman durchaus gern, interessierte mich für die Personen – und sah mein Island-Bild bestätigt: Über diese Insel lese und gucke ich lieber, als dass ich sie besuchen möchte.

§

Novemberregen fasst schön zusammen, warum ich mich in der Frauen-Sammelumkleide des Dantebads wohl und entspannt fühle: Es ist die Grundatmosphäre.
“8. April 2026 – 13. Arbeitstag vor Urlaub”.

Wenn verschiedene Menschen sich auf relativ beengtem Raum mit wenig Abstellfläche halbnackt und häufig nass auf rutschigem Boden begegnen, halte ich die freundliche Haltung generell für eine vorausschauende Wahl.

Auch wenn im Dantebad die Freundlichkeit nicht bis zum Austausch von Pflegeprodukten geht, der Körperzustand allerdings durchaus häufig bis ganznackt.

§

Technik, die Leben rettet:
Automobilhersteller Škoda hat eine Fahrradklingel entwickelt, die auch Active Noise Cancelling nicht filtern kann.

§

Der Zauber der re:publica ist für mich untrennbar von der äußeren Gestaltung: Sie drückt jedesmal eine Aufmerksamkeit und Zugewandtheit aus, die ich nirgendwo anders erlebe. Einer der Schöpfer, Mathias Lücking, ist jetzt gestorben, auf der re:publica-Website schreibt Gestalterin Tanja Häusler über ihn:
“Erinnerung an Mathias Lücking”.

Oh ja, an den “2 km langen Ausdruck von Moby Dick, der sich durch die gesamte Station schlängelt”, denke auch ich immer noch.

  1. Diesen diakritisch komplettverseuchten Namen copy-and-paste ich natürlich jedesmal. []