Journal Sonntag, 26. Mai 2024 – Berlin 2, Potsdam und Einchecken zur re:publica

Montag, 27. Mai 2024 um 8:22

Sehr gut und auch lang geschlafen, die Sorge um das nicht wirklich kühlbare Schlafzimmer war unbegründet.

Beim Bloggen in Schlumpfklamotten und mit selbstgemachtem Milchkaffee (deshalb lieber Ferienwohnung) plagte mich allerdings böses Zwicken im Kreuz, ein Klappstuhl an wackligem Tisch ist einfach keine Rücken-freundliche Sitzgelegenheit. Ich zog sogar meine täglichen Bank- und Seitstützübungen durch, doch Reisenyogamatte auf blankem (wenn auch sicher schickem) Estrich war meinem Prinzessin-auf-der-Erbse-Körper für mehr Gymnastik oder Dehnen zu hart.

Wir ließen uns sehr viel Zeit, Plan war für den gestrigen sonnigen Tag ein erster Ausflug nach Potsdam, Ziel eher Orientierung als echte Besichtigung. Wir kamen dann auch erst gegen elf los.

Spiegel-Selfie im Treppenhaus eines Altbaus, eine Frau mit blauer Hose und weitem, gemusterten Oberteil, ein Mann mit Jeans und schwarzer Jacke

Vor dem Eingang zum Ferienwohnungshaus. Herr Kaltmamsell hält sich so seltsam, weil ich ihn gebeten hatte, sein Gesicht aus dem Schatten zu nehmen.

Sonnige Straße mit Links hohen Bäumen und rechts Altbaubalkonen

Draußen Berliner Frühsommer mit Lindenblütenduft.

Eine S-Bahn brachte uns nach Potsdam. Ich empfand es als winzigen Ausgleich für die Anreise-Verzögerung am Samstag, dass wir dabei sehr zähflüssigen Autoverkehr überholten, der parallel zu den Gleisen verlief.

In Potsdam sahen wir uns in der Baustellen-reichen Pracht-Innenstadt um. Im Holländischen Viertel gab’s in einer kleinen Rösterei Mittagscappuccino (mir etwas zu Milch-lastig) und für Herrn Kaltmamsell Cheesecake.

Wir mäanderten zum Schlosspark, die Sonne schien dann doch so heiß, dass wir dabei den Schatten suchten.

Durch grüne Blätter sieht man blauen Himmel und das Türmchen eines alten Gebäudes

In einem Laubengang kommt ein wenig Sonne herain, ein Mann fotografiert eine Frau mit Kind von hinten

Erste Orientierung im Park Sanssouci, auch hier möglichst viel im Schatten. Am Obeliskenportal war ich allerdings auf ein Gelände auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufmerksam geworden und wollte herausfinden, worum es sich handelte.

Frei stehende To aus rotem Stein mit viel Verzierung, dahinter Gewächshaus-Terrassen

Gewächshaus-Terrassen vor blauem Himmel, links ein altes, schlichtes Gebäude mit Turm

Es stellte sich als der mit viel Eigenintiative restaurierte Winzerberg heraus, lesen Sie gerne mal Hintergründe nach.

Wir spazierten zurück zum Museum BerniniBarberini. Bei Ankunft war ich allerdings schon so gesättigt mit Eindrücken, dass ich mir den Museumsbesuch nur kursorisch und zur ersten Orientierung vorstellen konnte. Als ich an der Kasse sah, dass der Eintritt 18 Euro pro Augenpaar kostete (weil Wochenende 2 Euro teurer als unter der Woche – joah, in München kosten die Pinakotheken am Sonntag nur 1 symbolischen Euro Eintritt, weil das der Tag ist, an dem Einheimische am ehesten Zeit dafür haben, aber you do you), war mir das für einen ersten Eindruck dann doch zu viel. Das Geld bekam das Café gegenüber, in dem ich gegen drei frühstückte: Ich teile mir mit Herrn Kaltmamsell einen Antipasti-Teller für zwei.

Holztisch vor enem steinernen Platz, darauf ein viereckiger Teller mit italienischen Gemüse-Antipasti, ein runder Teller mit Brot, links Hände mit Besteck

Das viele Gemüse in verschiedenen Zubereitungsarten (die kleinen roten Kügelchen stellten sich als sauer eingelegte Mikropaprika heraus) war genau das Richtige. Auch wenn es hart erkämpft war: Die Bedienung meinte auf meinen Wunsch hin, ach, die Antipasti seien wahrscheinlich schon aus, ließ sich aber dazu bewegen, in der Küche nachzufragen. Es reichte dann auch noch für zwei weitere Antipasti-Teller am Nebentisch.

Die Rückreise fuhren wir gleich bis zur Station Berlin, um am Vorabend des Starts für die re:publica einzuchecken. Das ging ganz fix, und wir liefen auch gleich einer alten Bekannten in die Arme: franziskript.

Schild an Lanyard mit Aufschrift „re:publica 24 Inés Gutiérrez“ und handgeschrieben „die Kaltmamsell"

Apropos unverwechselbare Online-Nicks: Ich komplettierte meinen re:publica-Anhänger, damit mich auch erkennen kann.

Wir spazierten noch eine Weile durch Kreuzberg, vages Ziel war ein Super- oder Drogeriemarkt, der auch am Sonntag geöffnet hat: Die Ferienwohnung stellt lediglich flüssige Handseife für jede Art von Körperreinigung zur Verfügung, sogar mir Kosmetik-Asketin ist das zu basic. Allerdings wurden wir nicht fündig (was geht mit Berlins angeblichem 24/7?), das mussten wir auf Montag verschieben.

Zurück in der Ferienwohnung Lesen und Sandeln, bis es Zeit für die Abendbrotbereitung war: Ich kochte den gut Ferienwohnungs-kompatiblen Nicht-Nudelsalat mit frischem Gemüse.

Weißer Tisch, oben un unten weiße tiefe Teller, dazwischen eine Auflaufform mit Nudeln, roten und grünen Gemüsestücken

Lukullisch oder was. Es blieb sogar eine Portion für das Montagsfrühstück von Herrn Kaltmamsell übrig. Und wir hatten zum Nachtisch am Samstag Schokolade besorgt.

§

@jawl weist meiner Meinung nach zurecht darauf hin:

Screenshot von Mastodon: "Sylt-Nachgedanken: Ich habe Sorge, dass es zu praktisch ist, dass die Idioten wieder klar einer Gruppe angehören, noch dazu einer die wir eh alle unangenehm finden. Die Häme über die Namen und die über die Schulter gelegten Pullies fühlt sich ein klein wenig zu sehr nach Erleichterung darüber an, dass es niemand von uns war. Nicht die Freundin, nicht der nette Bürokollege. (1/2)"

Screenshot von Mastodon: "Aber ich glaube fest: Wir können Faschismus, Rassismus, Menschenhass nur dann besiegen, wenn wir uns unseren eigenen Anteilen stellen.
Wir sind in einer rassistischen Gesellschaft aufgewachsen, die Gedanken lauern aus alten Gewohnheiten irgendwo in uns.  Wenn wir das nicht akzeptieren und bekämpfen, sondern immer nur bei anderen sehen, werden wir überrascht sein, wo, wann  und wie leicht sie herausbrechen."

§

Wie der alte Internet-Kempe Markus Beckedahl die missratene CDU-Online-Umfrage zum Verbrenner-Verbot einordnet:
“Die CDU stolpert mal wieder durch den Online-Wahlkampf und scheitert an einer Umfrage.

Beim nächsten Mal hilft einfach mal die goldene Regel zu beachten: Mach einfach keine Online-Umfrage als Campaigning-Instrument, wenn Du nicht in der Lage bist, sie so abzusichern, dass man ohne Technik-Kenntnisse und nur mit wenigen Klicks nochmal wählen kann. Das wusste man schon 2005.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 25. Mai 2024 – Berlin 1, die lange Anreise und der georgische Abend

Sonntag, 26. Mai 2024 um 9:01

Mittelgut geschlafen, ein paar Mal mit seltsamen heftigen Rückenschmerzen auf Brustwirbelsäulenhöhe fast aufgewacht, jedenfalls genug um mich zu fragen, ob sich so ein Herzinfarkt anfühlt. Morgens war alles weg.

Gemütlicher Morgen, da unser Zug nach Berlin erst kurz vor zehn losfuhr. Ein wenig zu gemütlich, ich kam dann doch in Hektik beim abschließenden Kofferpacken.

Spiegelselfie Ganzkörper einer Frau mit weißer Jeansjacke und eines Mannes mit dunkler Jacke, vor ihnen zwei Koffer

Nach nicht mal zwei Stunden ICE-Fahrt kam bei Nürnberg die Durchsage der freundlichen und aufmerksamen Zugchefin: „Wegen eines Notarzteinsatzes am Gleis“ müsse ein großer Umweg gefahren werden, Ankunft am nächsten planmäßigen Halt Bamberg zwei Stunden später. Nun, dachte ich, dann spiele ich auch mal das Online-Fahrgastrechte-Formular durch. Ich holte mir erstmal im Speisewagen einen Mittagscappuccino (erstaunlich ok), wo sich vor der Theke bereits eine lange Schlange zu bilden begann.

Grün Landschaft vor blauem Himmel mit weißen Wolken, darin rechts eine Autobahnbrücke, darunter ein ICE

Und so fuhren wir unter buntwolkigem Himmel in satt grüner Landschaft nach Würzburg, wechselten die Richtung, fuhren auf dem Gleis, auf dem im Foto oben ein anderer ICE steht, weiter über Schweinfurt nach Bamberg. Stimmung ausgeglichen, sowohl Herr Kaltmamsell als auch ich hatten genug zu lesen dabei, Brotzeit um halb zwei war ein mitgebrachter Apfel und Pumpernickel mit Butter.

Zudem meldete sich die Vermieterin unserer Ferienwohnung: Diese würde wegen zu spät ausgezogener Vormieter erst später fertig, traf sich also eigentlich alles gut. Ich las die diesmal sehr interessante Wochenend-Süddeutsche, freute mich unter anderem über die schöne Geschichte zur EU auf der Seite Drei (“Können Sie mir Europa erklären?” €):

Man kann die EU alles fragen, ab morgens um acht. Ein Leichtes, sie zu finden, sogar in Furth im Wald. Hinein also ins Rathaus, durch das eiserne Gatter. Blaue Stühle weisen den Weg, europablau, vorbei am Bürgerbüro und am Gewerbeamt, am Trauzimmer und der Friedhofsverwaltung. Dem Blau nach bis ganz hinten, Zimmer 14. Dort sitzt Karin Stelzer schon an ihrem Besprechungstisch. Hat Kaffee gemacht und ihr Schild aufgestellt: Herzlich willkommen im Europabüro.

Die EU, so geht eines der Klischees, ist schwer greifbar. Brüssel, die Europäische Kommission, ein Labyrinth aus Bürokratie. Dabei brauchen die Leute nur hereinzukommen. Jeden Morgen sitzt Karin Stelzer hier. Harrt der Fragen, die die Menschen an die Europäische Union haben. Vielleicht etwas in dieser Art: Wofür braucht’s die EU eigentlich, Frau Stelzer? Da lächelt sie und sagt: „Was wäre denn, wenn wir sie nicht hätten?“

Mit Herrn Kaltmamsell erinnerte ich mich an Zeiten einer viel kleineren damals noch EWG, zu der zum Beispiel Spanien nicht gehörte – mir will einfach nicht einfallen, warum man sich diese Zeiten zurückwünschen könnte, gar eine ganz ohne EU. Wobei es sehr viele Aspekte gibt, in denen sie meiner Meinunung nach weiterentwickelt und verbessert werden muss, unbenommen. (Gehen Sie bitte am 9. Juni wählen.)

Wir erreichten Berlin Hauptbahnhof fast zwei Stunden später als geplant, allerdings trafen wir in unserer Wohnung in Charlottenburg eine immer noch hektisch reinigende und sehr freundliche junge Frau an, die uns auf eine weitere halbe Stunde vertröstete.

Also trieben wir uns ein wenig um Savignyplatz und Ku’damm herum, kauften Lebensmittel für die komplett Lebensmittel-freie Ferienwohnungsküche (wir hatten schnell gecheckt) ein, also selbst Salz und Zucker. Es war sonnig und deutlich wärmer als in den vergangenen Tagen in München, und die Linden dufteten hier bereits intensiv.

Dann endlich richteten wir uns in der Ferienwohnung ein, ein gründliches Durchsuchen aller, aller (sehr schicker) Schränke brachte uns zu dem Zettelchen mit den handschriftlichen WLAN-Zugangsdaten, jetzt waren wir angekommen. (Und konnten gleich mal online das Fahrgastrechte-Formular bei der Bahn einreichen.)

Zum Abendessen waren wir mit einer Berliner Blogfreundin verabredet, ich hatte mir das georgische Salhino erbeten (in dem ich schon vergangenen Herbst gegessen hatte und das ich Herrn Kaltmamsell zeigen wollte). Auf dem Weg dorthin verwechselte ich auf dem Stadtplan (Google Maps) einmal so gründlich links und rechts, dass wir uns verliefen und zu spät kamen – ich hoffe, das ist nicht auch das Alter.

Große Wiedersehensfreude, viele neue Geschichten, köstliches georgisches Essen, Amphorenwein.

Nahaufnahme eines Weinflaschenetiketts, auf dem eine Amphore gezeichnet ist, Beschriftung Rkatsiteli Dry White Wine, im Hintergrund Innenraum Restaurant

Aufsicht auf drei Teller mit Soeisen: oben Fleischtücke in heller Sauce, in der Mitte eine Platte mit Klopsen Pasten, unten ein großer gelber Teigfladen

Von oben: Hühnerfleischstücke in Walnusssauce (kalt), in der Mitte Spinat-, Rote-Beete-, Auberginenvorspeisen, unten Khachapuri – mein georgischer Liebling mit Käsefüllung. Wir teilten uns auch noch Khinkali (gefüllte gedämpfte Teitaschen) und Geflügelleber in einer sehr dunkel eingeschmurgelten Tomatensauce. Zum Nachtisch ließ sich Herr Kaltmamsell die Torte Tapluri empfehlen und war sehr angetan.

Auf Tisch ein weißer Teller mit einem Stück heller Torte, die aus vielen Schichten Teig und Creme besteht, dahinter ein Tässchen mit Mokka

Während unserer Genüsse hatten mehrere Wolkenbrüche mit Gewitter herabgeregnet, als wir hinaus auf die nächtliche Straße traten, atmete sich die Luft wunderbar. Auf bereits wieder trockenen Straßen gingen wir zu unserer Ferienwohnung, in diesem Teil Berlins schlossen die Lokale auch Samstagnacht wie in München vor elf.

§

Wer in den vergangenen Wochen nicht unter einem Stein gelebt hat, musste die Medien-Welle mitbekommen, die durch eine scheinbar einfache Frage an ganz viele Frauen entstand: Würdest du im Wald lieber mit einem Bären festsitzen oder mit einem Mann? Sieben von acht Frauen entschieden sich für den Bären. Und davon fühlten sich wiederum sehr viele Männer beleidigt.

Die klügste Analyse des ganzen Sachverhalts las ich gestern von einer Frau, die sich immer wieder buchstäblich gegen Männer und für Bären entscheidet – nämlich indem sie mit dem Fahrrad durch die Wildnis reist: Laura Killingbeck.
“A Woman Who Left Society to Live With Bears Weighs in on ‘Man or Bear'”.

There is nothing wrong with men. Men are lovable people with the same capacity for empathy, agency, and growth as any other human on the gender spectrum. But when men are socialized to identify their humanness as masculinity and to associate masculinity with power, we get some real problems. These are the problems of patriarchy.

Patriarchy is often defined as a social system that is male-identified, male-dominated, and male-centered. It depends on a heteronormative gender binary that serves to divide and outsource human traits to different halves of the population.

In patriarchal societies, human traits associated with power and control are outsourced to men: domination, assertiveness, independence, decisiveness, and ambition are called masculine, and men are expected to conform to masculine traits.

(…)

The central reason why fewer women travel alone is our fear of male violence and sexual assault. Actually, the most common question I get about my travels is some version of, “Aren’t you afraid to bike/hike/travel alone as a woman?” By naming my gender, the implication is clear. What people really mean is, “Aren’t you afraid of men?”

Laura Killingbeck schreibt (meine Übersetzung): Der Hauptgrund, warum weniger Frauen allein reisen als Männer, ist unsere Angst vor männlicher Gewalt und sexuellen Angriffen. Das ist tatsächlich die häufigste Frage, die mir in verschiedener Form über meine Reisen gestellt wird: “Hast du keine Angst, allein als Frau zur radeln/wandern/reisen?” Die Erwähnung meines Geschlechts macht klar, was die Leute eigentlich meinen: “Hast du keine Angst vor Männern?”

Allermeistens nicht, antwortet sie und geht dann auch hier in Details, die jede Frau kennt, die aber vielen nicht bewusst sind:

When I’m alone in the backcountry and come across a man, I feel a very low level of vigilance. Depending on the situation, I might even be happy to see him. He’s a fellow human! Maybe we’ll be friends! I’m likely to smile genuinely and say hello.

I don’t feel afraid, but I am aware. As we chat, my intuition absorbs a thousand things at once. His body language. His tone. How he looks at me and interacts. Most of the time, this produces an increased sense of security. Most men are friendly, respect my boundaries, and don’t want to hurt me. Most of the time, I feel very safe around men.

But not all the time. Sometimes, my intuition absorbs things that increase my level of vigilance. My awareness shifts into closer observation, and I look for signs of danger. Nothing is wrong, but it could go wrong very quickly.

It could be something he says. Maybe he makes a comment about my body or my appearance. Or he asks if I’m carrying a weapon and then presses for details about where I’m camping that night. Sometimes, it’s a shift in his tone, a leer, the way he puts his body in my space. But, usually, it’s a combination of things, a totality of behaviors that add up to a singular reality: this man is either not aware that he’s making me uncomfortable, or he doesn’t care. Either way, this is the danger zone. Even if he has no intention of harming me, the outcome of that intention is no longer possible for me to assess or predict.

In this moment, my mind snaps into a single, crystalline point of focus. My intuition rises to the surface of my skin. I become a creature of exquisite perception. The world is a matrix of emotional data: visceral, clear, direct.

I need to get away from the man. But I need to do it in a way that doesn’t anger him. This is the tricky bit. Men who lack social awareness or empathy often also lack other skills in emotional management. And usually, what men in these situations actually want is closeness. They’re trying to get closer to me, physically or emotionally, in the only way they know how. That combination of poor emotional skillsets and a desire to get closer is exactly what puts me in danger.

If I deny his attempts at closeness by leaving or setting a boundary, he could feel frustrated, rejected, or ashamed. If he doesn’t know how to recognize or manage those feelings, he’s likely to experience them as anger. And then I’m a solo woman stuck in a forest with an angry man, which is exactly what women are most afraid of.

There’s no time to think, so I operate on instinct. My task is ridiculously complex. I need to deescalate any signs of aggression, guide the man into a state of emotional balance, and exit the situation safely, all at once. This process requires all of my attention, energy, and intellect. It’s really hard.

I’ve been in this position so many times that it exhausts me just to write about it. Sometimes, it’s not that I’m afraid of men; I’m just really, really tired.

Das erklärt auch die wütenden Reaktionen mancher Männer auf die Bär-oder-Mann-Frage:

It’s frustrating when you don’t know how to get that closeness. And it’s lonely. The angry men in this debate are very lonely men.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 24. Mai 2024 – Nachgefeierter Rosentag

Samstag, 25. Mai 2024 um 8:30

Wieder mit Ohrstöpsel tief und gut geschlafen.

Der Tag startete hell, ich eine letzte Waschmaschine vor Berlinreise – noch gab es Urlaubsvorfreude allerdings nur in sehr kurzen Blitzen, ansonsten fühlte sich die Reise wie eine weitere zu erledigende Aufgabe an. Ich erhoffte mir Entspannung von der abendlichen Verabredung zum Essen.

Ich hatte einen ruhigen Arbeitstag erwartet, das stellte sich schnell als Irrtum heraus, weil Querschüsse. Dennoch riss ich mich für einen Cappuccino los und marschierte zackig zum Notting Hill auf der Theresienhöhe.

Auf ener dunklen Theke am schmalen Fenster eine dunkle Tasse mit Cappuccino, durchs Fenster sieht man Blättergrün und eine Straße

Zu Mittag gab es Äpfelchen und eingeweichtes Muesli mit Joghurt. Es folgte ein Arbeitsnachmittag mit ziemlich Druck, ein paar Sachen mussten noch vor der Urlaubswoche fertig werden – und wenn, wie sich erwies, das nicht möglich war, mussten sie übergeben werden. Blöderweise werde ich im Urlaub in meine Berufs-E-Mails sehen müssen.

Pünktlicher Feierabend. Auf dem Heimweg (gemischter Himmel mit Sonne, es war herrlich Maien-warm, perfekt für Jackenlosigkeit) holte ich eine Bestellung ab, zu Hause finalisierte ich mein re:publica-Programm.

Ausgedruckte Blätter mit Text in Tabellen

Auch wenn ich vor Ort die re:publica-App nutzen werde, habe ich so einen Überblick über die Sessions, die mich am meisten interessieren – wie’s halt so ist, sind das gerne mal bis zu vier gleichzeitig.

Vor der Abendverabredung turnte ich nochmal Pilates mit Gabi Fastner, die erste Folge eines Sieben-Tage-Programms. Gefiel mir wieder sehr gut: sorgfälig erklärte Übungen, von denen mir fast alle neu waren, deren Wirkung ich aber immer verstand, ruhige Ausstrahlung.

Umziehen fürs Abendessen: Ich hatte einen Tisch in der Brasserie Colette reserviert. Wir entschieden uns für das Menü Rinderfilet Wellington und baten um Weinbegleitung. Und ich traute mich, Leitungswasser zu bestellen – was mir eigentlich immer am liebsten wäre, nach meiner Erfahrung aber nur Restaurants der obersten Klasse anbieten. Dabei müsste es doch auch für das Lokal eine Erleichterung sein, mit weniger zugelieferten und abzuholenden Flaschen zu hantieren; ich kann nur eine enorme Gewinnspanne vermuten.

Auf einem Restauranttisch eine Schale mit viel Pistazie, darauf Litschi, dahinter gefüllte Wein- und Wassergläser

Nach einem Glas Rosé-Cremant als Aperitif (und Brot mit Salzbutter sowie einem Glas Cornichons) gab es Garnele Marocain – ein Klassiker des Hauses, der mich mit seinen vielen Pistazien überraschte, die ganz ausgezeichnet zur Majonaise und den panierten Garnelen passten. Dazu ein leichter Sauvignon Blanc.

Teller mit einem Tintenfisch-Arm auf hellem Püree und mit dunkler Sauce sowie einem Salat-Schnitz

Auch der Pulpo ist ein Standard auf der Karte des Hauses. Er hatte mir einen Tick zu viel Biss, doch der Geschmack war sehr gut, auch das Topinambur-Püree und der sehr fein abgeschmeckte Salat mit Birne. Im Glas ein kräftigerer Chablis.

Auf dem Teller ein Stück Fleisch in Gemüse- und Teigmantel auf zweierlei Saucen, dahinter ein Glas mit ein wenig Rotwein

Der Namen-gebende Hauptgang war dann ein wenig enttäuschend: Alles schmeckte brutal würzig einheitlich umami, das Fleisch hatte kaum eine Chance – und Rinderfilet mag ich vielleicht doch lieber mürbe als fest. Vor allem im Vergleich zu den sonst oft überraschend differenziert schmeckenden Gerichten, die ich hier zu schätzen gelernt habe, war das unerwartet. Der Wein dazu passte sehr gut, ein Grenache.

Teller mit aufgestellten rosa Gebäckscheiben, Erdbeerwürfeln, rosa Eiscreme, Waldmeisterblättern

Der Nachtisch dann wieder gewohnt vielfältig: Selbst mir Macaron-Verächterin gefiel das Zusammenspiel aus Mandelgebäck, Erdbeeren und Waldmeister.

Dazu Gespräche unter anderem über unser Kennenlernen – hier wurde schließlich der Rosentag nachgefeiert – und dass wir uns eigentlich nicht mehr recht erinnern, warum wir uns in den/die andere verliebten. Es ist halt doch irgendwas mit Magie und Glück – unter anderem dem Glück, dass die anfänglich empfundene Kompatibilität und Zuneigung auch anhielt: Zunächst über das genauere Kennenlernen, bei dem ja menschliche Seiten auftauchen können, mit denen man wirklich nicht zurecht kommt. Und dann über die lange Zeit der Veränderungen von Person und Umständen.

Nach zwei Espressos spazierten wir durch Milde und viel Nachtvolk draußen heim – kurz darauf brachen Gewitter und heftiger Regen los.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 23. Mai 2024 – Eigentlich interessanter Tag, aber mit wenig Erzählenswertem

Freitag, 24. Mai 2024 um 6:26

Sehr gut geschlafen – mit Ohrstöpseln. Ich hatte vage einen Morgenlauf geplant, aber den Wecker nicht früher gestellt: Nur wenn ich von selbst früher aufwachte, würde ich das nutzen. War dann halt nicht so.

Straße im Gegenlicht strahlender Sonne, links und rechts Bäume, oben blauer Himmel

Dabei war das Morgenlicht wundervoll, ich bewunderte es auf dem Weg in die Arbeit. Dort geordnete Emsigkeit, ich kam in einigen Dingen große Schritte weiter.
Und ich nahm mir die Zeit für einen Mittagscappuccino im Westend.

Blick auf eine breiten Fensterbank mit Cappuccino und Beinen in hellen Schuhen und in blau-weiß gestreiftem Rock

Mittagessen waren zwei Bananen, dazu eingeweichtes Muesli mit Joghurt. Bekanntschaft mit einem neuen und ziemlich frisch gemachten Mitmenschen, der so geartet war, dass ich nicht weglief. Vielleicht lag’s an den roten Haaren, mit denen man mich leicht kriegt.

Emsiger Nachmittag. Gegen Feierabend wurde der Himmel sehr, sehr dunkel, der Regenradar zeigte Dunkelblau mit lila Flecken (Gewitter) für die Zeit meines Heimwegs an. Und diesmal hatte das Wetter mitgelesen: Ich verließ das Büro unterm Schirm bei leichtem Regen, der auf meinem Weg durchs Westend stärker wurde. Bei Wir2liebenWein deckte ich mich mit einigen Flaschen aus Gols ein und ließ mir von einer Weinmesse mit auch englischen Weinen erzählen (errang mir das Versprechen, Importeure englischer Weine weitergereicht zu bekommen). Als ich rauskam, hatte der Regen nochmal zugelegt.

Brotkauf in der Balkan-Bäckerei, mit dem Brot unterm Schirm ans Herz gedrückt ging ich heim – in immer stärkerem Regen. Und Gewitter, das direkt über mir blitzte und gleichzeitig donnerte. Ich hielt mich besonders nah an Ampeln und Gebäuden: Der Wein in meinem Rucksack war definitiv zu edel für Glühwein durch Blitzeinschlag.

Daheim packte ich aus und legte die nassesten Sachen ab. Dann folgte ich Ihren Pilates-Tipps (danke!) zu Gabi Fastner und turnte eine 30-Minuten-Folge. Sie gefiel mir sehr gut, viele Bewegungen und Haltungen waren mir neu.

Auf meinen Wunsch (schon wieder) gab’s Shakshuka! (Ernteanteil pausiert wegen Urlaub, Knoblauch kein Problem, weil ich am Freitag das Büro für mich allein habe.)

Gedeckter Tisch mit einer Pfanne voll roter Sauce, in der Eier gestockt sind, mit einem Fladenbrot, einem Glas Tahini, zwei weißen Tellern

Ein großer Genuss. Dann Schokolade.

Endlich kam ich dazu, mir mein re:publica-Programm zusammenzustellen, zumindest im ersten Schritt: Sichtung der Speaker, Festhalten von interessanten Panels/Vorträgen in je einer Liste pro Konferenztag. Den Preis für den besten Titel bekommt bereits
Transformation is my daily business – Was meine Wechseljahre mit besserem Change Management zu tun haben“.

§

Ich gratuliere uns allen in Deutschland zum Grundgesetz. Herzlich.

Das muss gefeiert werden – doch der eine und die andere lästern, wie wenig glamourös und enthusiastisch diese Feiern bei uns sind. Was geht mit Bällen, Feuerwerk, Nationalfeiertag? Nein. Und die Begründung lieferte gestern ganz wunderbar die Satiresendung quer: Hören Sie bitte König Ludwig II. am Ende dieses Beitrags zu.

Denn die Verfassung und die Demokratie müssen nicht begeistern, damit sie wirken.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 22. Mai 2024 – Aus dem Pelz geschnitten

Donnerstag, 23. Mai 2024 um 6:19

Nachtschlaf wieder gestört durch laute Unterhaltung auf der Straße. Als ich diesmal irgendwann nachsah, parkte ein Kleinwagen mitten auf der Straße vor der Absperrung zu den Kliniken (also der Absperrung, die die Straße eigentlich zu einer ruhigen macht, weil sie Durchgangsverkehr verhindert), junge Menschen drumrum (ich erinnerte mich vage, herzliche Begrüßungen gehört zu haben), einer saß auf der Kante des offenen Kofferraums und zog Schuhe an. Ein Rätsel, denken Sie sich gerne eine Geschichte dazu aus. Mir war sie egal, ich schloss wieder das Fenster. Wenn ich nachts Frischluft haben möchte, müsst ich wohl wieder zu Ohropax greifen – sehr unwillig, denn die Abstinenz hatte das mutmaßliche Ekzem in den Gehörgängen komplett verschwinden lassen.

Mit Hilfe von Herrn Kaltmamsell schaffte ich es über Morgenkaffee, für den bevorstehenen Berlin-Urlaub mein Süddeutsche-Abo auf digital umzustellen. Ich brauchte Hilfe, denn auf meiner Abo-Site produzierten sowohl der Link “Urlaub” als auch der zum Kontaktformular lediglich endloses Lade-Rödeln, seit Sonntag. Es war dann der Tipp von Herrn Kaltmamsell “Probier mal einen anderen Browser”, der zum Erfolg führte: Die Website der Süddeutschen ist ein derart gefräßiges Cookiemonster, dass diese Funktionen mittlerweile im Sicherheits-betonten Firefox nicht mehr gehen – sie sollten sich schämen.

Wetter grau und kühl, aber trocken, auf dem Weg in die Arbeit sah ich sogar Himmelblau durch die Wolken lugen.

In der Arbeit ging es geordnet los, ich konnte mir Zeit nehmen für einen Mittags-Cappuccino bei Nachbars und sowas wie eine Mittagspause (Apfel, Banane, Sahnequark). Aber dann wurde es wieder turbulent, ich musste auf ein offensichtlich nicht ernst gemeintes “Hast du kurz Zeit?” mit einem scharfen “Nein!” reagieren.

Fast pünktlicher Feierabend, denn ich hatte einen ersehnten Friseur-Termin: Ich musste dringend aus meiner Wolle rausgeschnitten werden. Das klappte auch zu meiner Zufriedenheit, dauerte allerdings doppelt so lang wie veranschlagt. Unter anderem weil eine Azubi den “Kopfhaut-Test” eines Haarpflegemittel-Herstellers an mir durchführte (ich ließ sie, weil großes Herz für Azubi). Ergebnis: Völlig normale Kopfhaut, völlig normales Haar, die junge Frau schien ein wenig verunsichert. Die empfohlenen Pflegeprodukte ganz speziell für mich fielen dann allerdings bei der Frage “Gibt es die auch ohne Plastikflasche?” durch (erwartungsgemäß).

Unerwartet spät ging ich also zum Bahnhof, um mal wieder ein Automatenfoto für mein Projekt aufzunehmen.

Vier kleine Fotos eines Gesichts mit buntem Rahmen auf einem Abzug

Noch ein Abstecher in einen Drogeriemarkt, ich kam gerade mal zur Abendessenszeit heim – nix war’s mit Gymnastik (Herr Kaltmamsell hätte durchaus auf mich gewartet, aber ich war hungrig). Der Ernteanteil-Pakchoy wurde auf meinen Wunsch ein vietnamesisches Gericht.

Glasteller mit (von zwölf Uhr) ReisGlasnudeln, Limettenschnitz, Sojahack, Packchoy-Streifen, drüber Erdnusskerne und Kräuter

Reisnudeln, scharfes Soja-Hack, viele Kräuter – sehr gut. Danach Schokolade.

Abendlicht, über Parkbäumen ein orange angestrahlter Kirchturm

§

Wenn Sie die Verschwörungsgruppe um Prinz Reuß immer noch für g’spinnerte Renter*innen halten, empfehle ich Ihnen die Gerichtsberichterstattung in der Süddeutschen von Annette Ramelsberger und Benedikt Warmbrunn (€): Sie schildern einige der “Tausende Indizien, Mitschnitte von Telefonaten, Observationsfotos von ihren Treffen, Kopien ihrer Chats”. Abgründe.
“Auf sein Kommando”.

§

Die AfD hat’s zu John Oliver geschafft.

§

HAHAHAHA!
“Münchner Essiggurke geht viral”.
(Waren die Influencer-Hefeschnecken in der Sendlinger Straße grad aus?)

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 21. Mai 2024 – 31. Rosentag, diesmal ungefeiert

Mittwoch, 22. Mai 2024 um 6:16

Für diesen Dienstag war Regen angekündigt, was meine spezielle und recht auf Kante genähnte Tagesplanung gefährdete, die auf Radfahren für Schnelligkeit und Flexibilität basierte. Ich wachte nach guter Nacht auf zu – Regenrauschen.

Also plante ich komplett neu ohne Fahrrad; auch wenn es auf meinem dann doch Fußweg in die Arbeit gerade trocken war, drohten den ganzen Tag über Schauer, und ich wollte wirklich kein Durchnässen riskieren, weil keine Zeit für Trocknung/Umziehen war.

Im Büro gleich mal Start mit Vollgas, auf den anderen Seiten zahlreicher Schnittstellen war Pfingsten durchgearbeitet worden. Ich galoppierte durch den Vormittag, fing Querschüsse auf, reichte Dinge durch. Gegen halb zwölf verabschiedete ich mich in eine längere Mittagspause: Mit der Beschleunigung durch zwei Stationen U-Bahn-Fahrt lief ich zum Blumenladen meines Vertrauens, der tatsächlich 31 riesige rote Rosen herangeschafft hatte – auch wenn, wie Herr Blumer am Freitag betont hatte, die Anlieferung an einem Tag direkt nach Wochenende plus Feiertag nicht einfach gewesen war. Nächstes Jahr legen wir den Rosentag nicht direkt hinter das Pfingst-Wochenende.

Mit dem von Jahr zu Jahr volleren Arm Rosen eilte ich heim, um Herrn Kaltmamsell alles Gute zum Rosentag zu wünschen, ihn zu herzen und zu küssen und ihm die Rosen zu überreichen.

Mann mit Brille, in Jeans und grünem Pulli, der einen Strauß riesiger roter Rosen im Arm hält

Hintergrund: Seine Geschichte, meine Geschichte.

Das Feiern hatten wir auf Freitagabend verschoben, weil Herr Kaltmamsell an diesem Abend eigentlich schon gebucht war. (Was sich irgendwann als Verwechslung erwies.)

Wieder mit U-Bahn-Hilfe eilte ich zurück ins Büro (jetzt brauchte ich auch meinen Schirm), dort ging es munter weiter mit Besprechungen und dringenden Erledigungen. Zum Mittagessen (Apfel, eingeweichtes Muesli mit Joghurt) kam ich erst um halb drei, und das auch nur hastig beim Korrekturlesen reingeschaufelt.

Feierabend wurde spät. Auf dem Heimweg (Schirm gegen Tröpfelregen) Einkäufe beim Vollcorner.

Ich freute mich auf eine Runde Gymnastik. Dafür probierte ich Pilates bei Fitness Blender aus. Hm, diese gute halbe Stunde war mir doch ein wenig zu hektisch, das Tempo ging ja schon Richtung Cardio-Training. Aber vielen Dank für Ihre Tipps, die probiere ich noch durch. Bislang sehe ich noch keinen Vorteil gegenüber Yoga-Gymnastik oder herkömmlichem Krafttraining.

Nachtmahl kam von Herrn Kaltmamsell, es bestand unter anderem aus Resten: Ernteanteil-Kartoffeln hatte er zu Gnocchi verarbeitet, einen Teil fror er nicht ein, sondern kochte ihn und servierte ihn mit Butter und Salbei. Als nächsten Gang gab es übersichtliche Reste von den samstäglichen Rinderrippchen gebraten mit Zwiebel und Ei. Und dann noch ein wenig Käse.

Zum Nachtisch hatte ich Erdbeeren mitgebracht, danach war noch Platz für Süßigkeiten. Leider war ich viel zu erledigt und abgelenkt, um in die jährlichen nostalgischen Erinnerungen an den Ursprung des Rosentags zu gleiten, hatte auch keine Lust auf Alkohol, um darauf anzustoßen – ich entschuldigte mich bei Herrn Kaltmamsell und bat um Verschiebung auf Freitag.

Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre: Gabriele Tergit, Käsebier erobert den Kurfürstendamm, diesmal wieder ein Kauf. Früh morgens hatte ich mein Bett abgezogen und gewaschen – doch zum ersten Mal hatte ein ganzer Tag nicht fürs Trocknen gereicht: Eine Ecke des Überzugs war noch deutlich klamm, zum Glück ist die Decke groß genug, dass ich sie am entlegenen Ende platzieren konnte.

die Kaltmamsell

Journal Pfingstmontag, 20. Mai 2024 – Sonnige Maienwanderung nach Aying

Dienstag, 21. Mai 2024 um 6:25

Guter und langer Schlaf.

Eines der seltenen Male, dass mir Bloggen die Tagespläne durchkreuzt: Bis ich nach Spülmaschine-Ausräumen und Wäsche-Aufhängen den ausführlichen und viel bebilderten Blogpost fertiggestellt hatte, waren zwei Stunden vergangenen, es blieb keine Zeit mehr für die geplante Gymnastik vor Wanderung.

Denn wandern wollte ich in diesem herrlich sonnigen, aber bei Weitem nicht heißen Maienwetter mit Herrn Kaltmamsell von Kirchseeon nach Aying, das hatten wir schon ein paar Mal gemacht.

Anfahrt mit einmal Umsteigen in Trudering, an diesem Wochenende war wieder S-Bahn-Stammstrecke für den Bau der zweiten solchen gesperrt.

Weg in hohem Laubwald, durch den Sonne leuchtet

Von Kirchseeon aus bogen wir gegen zwölf gleich mal in wundervollen Wald. Doch bald stellten wir fest, dass wir schon hier falsch abgebogen sein mussten, wir waren nicht mehr auf dem GPS-markierten Weg. Nun gut, die ursprüngliche Wanderung aus dem Büchlein Wandern mit dem MVV hatte ja nie durchgehend geklappt, vor Schlacht mussten wir immer auf Straßen ausweichen. Herr Kaltmamsell lotste uns also in einem Bogen nach Moosach, dann folgten wir eine Weile der gewohnten Route, umgingen aber das Straßenstück weiträumig im Wald.

In einem sehr feuchten Waldstück war ich froh drum, dass seit einer besonders vermückten Wanderung das Schnackenschutzspray in meinem Wanderrucksack wohnt: Nach einer ersten Attacke besprühte ich mich damit rundum, bis ich glänzte – Schluss mit Stecherei.

Am Himmel immer wieder Bussarde, Milane, Falken. Auf dem Boden Kühe, ein Schaf.

Blauer Himmel über soniger Landschaft mit schmalem asphaltiertem Weg

Schöne, sonnige Landschaft mit Brise.

Wanderer von hinten, der auf einem schmalen Pfad durch eine schattige Wiese geht, davor ein sonniges Stück, dahinter Wald

Waldwege auch mal schmal.

Dorf aus Häusern mit roten Dächern unter knallblauem Himmel

Niederseeon.

Wald mit Wladweg, der eine einzige riesige Pfütze ist, links Wanderer

Manchmal kamen wir auch an unpassierbare Wege, schließlich hatte es in den vergangenen Tagen mehrfach geregnet. Nach zweieinhalb Stunden wollte ich Brotzeitpause machen, doch das einzige Bankerl, an dem wir vorbeikamen, war bereits besetzt – und die Herrschaften sahen aus, als hätten sie es sich gerade erst richtig gemütlich gemacht. Es wurden also drei Stunden und drei Uhr, bis wir in Kastenseeon an der Straße eine schattige Sitzgelegenheit fanden. Ich aß einen Apfel (aus Ernteanteil ein Granny Smith aus heimischem Bio-Anbau – ich war überrascht, dass die bei uns angebaut werden, und dann auch noch schmecken) und eine Breze – wollte nicht zu viel essen, um meinen Appetit beim abschließenden Einkehren zu erhalten.

Der gewohnte Weg von Lindach nach Aying war energisch gesperrt: Er sei wegen Wiederherstellungsarbeiten unpassierbar. Da wir dieses Stück durch den Wald gut kennen, beschlossen wir ihn dennoch zu gehen: Bei Unpassierbarkiet würden wir einfach in den Wald ausweichen. Doch der gesamte Weg war frei und fertig wiederhergestellt, keine Spur von Arbeiten; vielleicht hatte man vergessen, die Sperrung aufzuheben.

Straße, die zwischen Hecken auf eine Zwiebelturmkirche zuführt, rechts ein moderner Brauereiturm

Ankunft in Aying. Der Biergarten war auch kurz vor fünf gut besucht. Gestern sah das Brotzeitbrettl so aus.

Auf einem Tisch ein Holzbrett mit Wurst, auf beiden Seiten kleine weiße Teller mit Brot

Da schon beim letzten Mal kein Presssack dabei gewesen war, bestellten wir diesen einzeln.

Viereckiger weißer Teller, auf dem strahlenförmig halbe Scheiben weißer und roter Presssack liegen

Zum Vergleich: Das Brotzeitbrettl im selben Lokal 2018:

Und 2021:

Reibungslose Heimfahrt, diesmal direkt bis Stachus. Daheim noch zum Nachtisch Schokolade.

Joseph Roth, Hiob ausgelesen – hat mir sehr gut gefallen, mehr folgt.

die Kaltmamsell