Journal Samstag, 27. April 2024 – Zurück zum Sonnenschwumm

Sonntag, 28. April 2024 um 8:32

Früh, aber ausgeschlafen aufgewacht zur Ankündigung eines Sonnentags. Check auf dem Balkon ergab allerdings: Es war saukalt.

Ich bloggte also in aller Gemütlichkeit über Milchkaffee, Wasser, Tee, um der Luft die Chance zu geben, sich in der Sonne aufzuwärmen. Das klappte auch: Als ich nach zehn aufs Rad stieg, sorgfältig sonnengecremt, reichte meine Jeansjacke, ich brauchte keine Handschuhe für den Weg ins Dantebad: Dort wollte ich noch einmal im Freien schwimmen, bevor das Bad am Montag für Wartungen vor dem Sommerbetrieb für zwei Wochen schließt.

Die beiden Sportschwimmbahnen waren wieder recht voll, doch diese Bahnen sind ja im Dantebad deutlich breiter als im Olympiabad: Man kann in beide Richtungen überholen. Ich bekam einen Sommerschwumm in warmem Wasser und Sonnenschein. Der Körper machte gut mit, wenn auch mit ein wenig Anstrengung, ich legte auf meine 3.000 Meter noch 300 drauf.

Nachteil einer Sammelumkleide: Wenn ich in Unterwäsche wie bescheuert den zu Seite gelegten Kopf schüttle, um Wasser aus dem Ohr zu kriegen, ist mir das ein wenig peinlich. (Ansonsten bin ich nackt unter Frauen völlig unbefangen.)

Es war alles fürs Wochenende eingekauft, ich radelte auf direktem Wege heim – durch immer mehr Baustellen entlang der Dachauer Straße, Seidlstraße, Paul-Heyse-Straße, viel Platz ohne bleibt nicht mehr.

Frühstück um zwei: Apfel, Brot mit Butter und Marmelade, reichlich Marmorkuchen.

Wie steil die Sonne schon steht! Die Küche musste nicht durch Rollladen geschützt werden, jetzt erledigte das der Küchenbalkon über unserem.

Nach Wäscheaufhängen gab ich dem Futterkoma nach und legte mich zu einer kurzen Siesta hin.

Blick vom Bett aus Richtung Fenster, durch das man blauen Himmel, ein paar weiße Wolken und ergrünende Bäume sieht

Den Balkon saugte ich von den Sturmspuren der letzten beiden Wochen frei, es war gerade knapp warm genug, dass ich dort die Wochenend-Süddeutsche lesen konnte, immer wieder den Ausblick genießend, gestern freute ich mich ganz besonders am Wohnen in dieser wunderschönen Wohnung.

Yoga-Gymnastik – mit spürbarem Muskelkater in Oberarmen und oberem Rücken: Das konnte unmöglich schon vom Schwimmen sein, doch mir fiel keine andere Anstrengung am Vortag ein.

Abendbrot durfte ich machen: Aus Ernteanteil-Roter-Bete und Ernteanteil-Emmernudeln wurde mit Ernteanteil-Schnittknoblauch, Walnüssen und Joghurtsauce Nichtnudelsalat.

Herr Kaltmamsell dachte zum Glück daran, im letzten Abendlicht auf dem Balkon Ausschau zu halten: Nach kurzer Zeit sahen wir eine Fledermaus!

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Ein weiteres Blog wird 20: Das von Herrn Rau.

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Zwar hatte ich mich nicht wirklich gefragt, was aus Jeremy Clarkson geworden ist, dem Chef der britischen Fernseh-Show Top Gear, für den nur PS und Bubenstreiche zählten, der vegetarian als Schimpfwort verwendete und so tat, als könne er vor Testosteron kaum geradeaus laufen. Doch der Guardian-Artikel von Charlotte Edwardes, dessen Überschrift seine Bekehrung ankündigte, interessierte mich dann doch: Seine aktuelle Fernseh-Show heißt Clarkson’s Farm?
“‘Dismissing global warming? That was a joke’: Jeremy Clarkson on fury, farming and why he’s a changed man”.

“Well, what did I do for 25 years? I drove around corners shouting and achieved nothing. Nothing! And then you plant a field of mustard, which I did last year, and some of it grew. Not as much as I’d been hoping, but some. So you have a sense of achievement.”

Doch unterm Strich ist er offensichtlich immer noch jemand, dem es Freude bereitet, die Bauklötzchentürme von anderen umzuwerfen, die Welt immer wieder ein bisschen böser und gemeiner zu machen.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, FREITAG, 26. April 2024 – Winter adeeeeee

Samstag, 27. April 2024 um 8:34

Gut geschlafen, ich hatte nicht mal Herrn Kaltmamsell heimkommen gehört. Beim Klogang leuchtete mir der Mond aufs Bett, der Wecker klingelte zu klarem Morgengrauen.

Für den Weg in die Arbeit schlüpfte ich nochmal in meinen Wintermantel, das Bild vor Augen, wie er mich auf dem Heimweg geöffnet umwehen würde.

Blumen am Straßenrand im Sonnenlicht

Wohnstraße mit Bäumen, links ein Wahlplakat mit der Schrift "DEINE STIMME FÜR MAß, MITTE UND FRIEDEN SPD"

Eigentlich ging‘s mir bei dieser Aufnahme in der Beethovenstraße ums Festhalten der typografischen Entscheidung für ẞ, doch versehentlich fing ich so das Winterende in meinem Viertel ein. (Interessante Diskussion in meiner Mastodon-Timeline über dieses ẞ, selbst tendiere ich dazu, lieber umzuformulieren, auch in Überschriften, damit solche Entscheidungen gar nicht erst nötig sind. Aber eine Grafikerin kann natürlich nicht zum Kunden gehen und um einen anderen Wahlslogan bitten, weil der sonst auf dem Plakat schlecht zu setzen ist.)

Volksfest auf der Theresienwiese, im Vordergrund Reihen von Zugmaschinen, im Hintergrund die Silhouette der Kirche St. Paul

Der Tag verlief zwar nicht so wolkenlos sonnig wie angekündigt, aber angenehm und entschieden nicht mehr winterlich. Für meinen Mittagscappuccino ging ich weiter, schon auf dem Rückweg konnte ich das mit dem offenen wehenden Mantel ausprobieren. Und danach immer wieder lange das Fenster in meinem Büro kippen.

Zu Mittag gab es Apfel, ein wenig Brot, Hüttenkäse.

Pünktlicher Feierabend, auf dem Heimweg Einkäufe fürs Wochenende im Vollcorner, auch der offene Wintermantel war zu warm.

Grünes Graffiti auf Betonwand, im Hintergrund Wohnblock

Zu Hause machte ich mich gleich ans Kuchenbacken (nach vielen Monaten mal wieder), es sollte fürs Wochenende Marmorkuchen geben.

Während er im Ofen war, turnte ich Yoga-Gymnastik. Zum Anstoßen aufs Wochenende mixte ich uns Rositas (Tequila, roter und weißer Wermuth, Campari).

Abgebildet ist, was der Text darunter erklärt

Authentisches Küchenstillleben: Frisch aus dem Ofen geholter Marmorkuchen auf Kuchengitter auf Küchentisch, dahinter ein Töpfchen Waldmeister, das Herr Kaltmamsell vor drei Wochen kaufte, auf dass es bis Mai für mehrere Maibowlen wachsen möge, das statt dessen aber eher stirbt und weniger wird, im Hintergrund Obstkorb mit Äpfeln, einer reifenden Mango, Zitrone, rechts ein vom Drinkmixen geleerter Eiswürfelbehälter, darauf Ofenhandschuhe, links unten neben dem Tisch sieht man die Ernteanteil-Abhol-Plastikkiste mit restlichen Kartoffeln.

Ein gedeckter Tisch, auf dem großen Glasteller was der Text darunter aufzählt

Klassisches Freitagabend-Nachtmahl mit Entrecôte, Ernteanteil-Spinat, ein wenig Ernteanteil-Ratatouille (nur wenig, weil es sich als stark gewürzt und zu dominant für diesen Teller erwies), Wurzelbrot, als Wein hatte ich einen südafrikanischen Owl Post geöffnet. Köstlich.

Zum Nachtisch schnitt ich den Marmorkuchen an, er schmeckte wundervoll.

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Sehr spannende Frage von der Münchner Stadtbibliothek auf Facebook:

Du kannst deine Erinnerungen löschen lassen nd ein Buch noch einmal "zum ersten Mal" lesen. Welches Buch wählst du?

Meine erste Idee: Friedrich Torbergs Tante Jolesch. Doch das funktioniert nicht, weil ich beim ersten Mal so jung war und die Lektüre so tiefen und weitereichenden Einfluss auf mein gesamtes Leben hatte. Vielleicht den ersten Band Harry Potter? Aber vielleicht machten die beeindruckendsten Bücher genau wegen des Lesezeitpunkts so großen Eindruck und ich sollte andersrum die Erinnerung an eine besonders enttäuschende Lektüre löschen? Und Moby Dick anfangen, als hätte ich’s nicht schon mal versucht? So schwierig!

Ach was: Ich entscheide mich für Douglas Adams, The Hitchhiker’s Guide to the Galaxy – es müsste großartig sein, wie bei gelöschter Erinnerung an die Lektüre plötzlich ein großer Teil von kulturellen Anspielungen Sinn ergibt.

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Ich lerne auch weiterhin aus Blogs SO viel! Zum Beispiel über den Alltag mit Dysbastelie in elterlicher Funktion, leuchtendes Beispiel Vanessa Giese, die einen anspruchsvollen kindlichen Backwunsch erfüllen muss:

Meine Taktik war, mich ausreichend gut anzustellen, um es nicht zu enttäuschen, und gleichzeitig ausreichend schlecht, um kein zweites Mal gefragt zu werden. Ein Ritt auf der Rasierklinge!

“Krümelmonstermuffins, Meerschweinsocken und allerlei Ereignisse, dazu schönes Licht”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 15. April 2024 – Hoffentlich Abschied vom Schnee

Freitag, 26. April 2024 um 6:19

Vorteil des kurzen Theaterabends: Ich stand wie gewohnt auf und war auch noch munter.

Ein hoffentlich vorletztes Mal in Wintermantel, Mütze, Skifäustlingen auf den Arbeitsweg unter düsterem Himmel.

Der Vormittag enthielt unter anderem einen Online-Schulungstermin. Über die umfassende Unzuverlässigkeit der neuen Version von MS Teams wird ja auf allen Kanälen gezetert, unter anderem bei herzbruch: In diesem Fall wurde die Schulung irgendwann abgebrochen, weil Teilnehmende nicht reinkamen, die Schulungsgebenden rausflogen, die Präsentation einfror, die Aufzeichnung ständig stoppte. Es muss ein neuer Termin für die über 50 Betroffenen angesetzt werden, ich hoffe in Redmond schlackern irgendwem die Ohren ob des Zeterns und Fluchens auf dieser Seite des Atlantiks.

Noch ein Frier-Tag, und ich bemerkte: Ich bin eine Strickjackenkanten-vor-Brust-übereinander-schlag-und-Arme-davor-verschränk-Frau geworden (spanisches Erbe?). Um genau zu sein: Gestern trug ich dabei zwei Strickjacken übereinander, vielleicht grenzt mich das von der älteren spanischen Klischeehausfrau ab. (Schöne Gelegenheit daran zu erinnern, dass die spanische Bezeichnung für die klassische Damenstrickjacke, rebeca, wegen der Hauptfigur des gleichnamigen Hitchock-Films so heißt, hier ein Filmbild.)

Den ersten Anlauf zum Verlassen des Hauses für einen Mittagscappuccino brach ich ab: Dichtes Schnee- und Scheegrieselgestöber draußen. Zehn Minuten später ging’s wieder: Ich bekam meinen Cappuccino bei Nachbars.

Dann ging ich noch zum Bäcker und kaufte Wurzelbrot für die nächsten beiden Abendessen.

Sehr spätes Mittagessen wegen zahlreicher Plötzlichkeiten. Dann gab es ein Restl Muesli und reichlich Haferflocken eingeweicht mit Joghurt und die letzte Crowdfarming-Orange dieser Saison – sie duftete mich beim Schälen nochmal wunderbar an.

Nachmittags nochmal lustiges Wechseln zwischen Regen, Sonne, Graupel – tob dich ruhig nochmal aus, April, ab Freitag ist aber SCHLUSS.

Den Ernteanteil holte gestern ich ab, Herr Kaltmamsell war wegen Abiturs verhindert.

Vier Aufnahmen eines weißen Sprühmännchens

An der Ecke Bavariaring/Gollierstraße sah ich einen vierten Westend-Patron.

Zum Glück hatte sich das Wetter eingekriegt und ich kam trocken sowohl zum Verteilpunkt als auch heim.

Eine schöne Dehn-Runde Yoga-Gymnastik, dann machte ich den Ernteanteil-Salat an – dann doch mit Mandarinen-Olivenöl-Dressing, auf das geplante Tahini hatte ich keine so große Lust.

Große weiße Schale mit grünem Salat von oben

Alles meins! (Herr Kaltmamsell wegen Abendtermins aushäusig.) Dann gab’s noch frisches Wurzelbrot und Käse, besonders stolz war ich, dass ich mich beim köstlichen Brot beherrschte: So passte noch Schokolade hinterher.

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Jajaja, Notre-Dame war schon schlimmer, aber!
“Windmühlenflügel des Moulin Rouge abgebrochen”.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 24. April 2024 – Nora Abdel-Maksoud, Doping

Donnerstag, 25. April 2024 um 8:37

Es wurde wieder nur mühsam hell zu grauem Himmel. Zumindest blieb die Kälte vorerst niederschlagsfrei (noch zwei Tage, hielt ich mir vor Augen, am Freitag sollten die Temperaturen spürbar steigen).

Wieder in Winterkleidung in die Arbeit.

Trotz allem marschierte ich auf einen Mittagscappuccino ins Westend, die Bewegung tat auch bei leichtem Nieseln gut.

Mittagessen Pumpernickel mit Butter, eine Orange. Dazu Schneegestöber vorm Fenster. Die Bürojalousien wollten dennoch ständig runter, regelmäßiges Aufspringen, um sie davon abzuhalten.

Feierabend machte ich schon um halb vier: Ich hatte abends einen Theatertermin. Auf dem Heimweg wurde ich nochmal angegraupelt, jetzt war aber wirklich mal gut.

Straße mit Blick auf nassen Bürgersteig, rechts ein Stromkasten auf dessen Seite eine weiße Figur gesprüht ist

Das Männchen scheint der Westend-Patron zu sein.

Für mein Theaterabo hatte ich gestern Begleitung; wir trafen uns vor der Vorstellung zum Abendessen im Blauen Haus. Dort gab es Salätchen zur Vorspeise, dann ließ ich mir Tomate-Mozzarella-Ravioli mit brauner Butter servieren, die mir wunderbar schmeckten.

Gegeben wurde gestern in den Kammerspielen das frisch geschriebene Theaterstück (!) Doping von Nora Abdel-Maksoud, die auch Regie geführt hatte, angekündigt als “Komödie” – ich konnte mich nicht erinnern, in den Kammerspielen je eine “Komödie” gesehen zu haben und war ausgesprochen gespannt. Begleiterscheinung dieser raren Gattung: Nur gut anderthalb Stunden Spielzeit, das hatte ich ja seit der Intendanz von Johan Simons nicht mehr gehabt. Außerdem rar: Der Zuschauerraum war voll, sogar proppenvoll bis auf den letzten Platz, und das Publikum hörte sich ausgesprochen amüsierwillig an.

Doping startete mit voller und eher platter Breitseite: Dem Monolog eines FDP-Lokalpolitikers auf Sylt, erwartbaren Leistungsgesellschaftsstatements, Komik-Niveau eher Fernsehen. Mit brachialer Komik ging es auch weiter: Politiker scheitert gesundheitlich an seinen eigenen Standards, muss unbedingt für eine zentrale Wahlveranstaltung wieder funktionisfähig gemacht werden, wird in eine Geheimklinik gebracht. Das war gnadenlos immer weiter überdreht und durchgespielt, irgendwann ließ auch ich meine eher angespannten Augenbrauen sinken und mich amüsieren.

Vincent Redetzki als Jung-FDPler zeigte wunderbar die geistigen Verbiegungen, die ein Man-muss-nur-wollen-Idealist bei Kontrollverlust benötigt, um diese Ideologie aufrecht zu erhalten. Seinen Mentor spielte Stefan Merki und stand für die Verwechselbarkeit von Leistungsideal und Egoismus (und durfte die schöne Zusammenfassung des FDP-Wahlprogramms sagen: “Freiheit, Eigenverantwortung und: Wer soll das bezahlen?”). Şafak Şengül stellte seine ständig unterschätzte Tochter dar, die in ihrer Schlauheit unbeabsichtigte Absurditäten aus dem Neoliberalismus ihres Vaters kitzelt. Und dann hatten wir als Krankenhauspersonal Eva Bay als Pflegerin, die die Monologe zur Forderung von equal share für Frauen bekam, Wiebke Puls in der am meisten überdrehten Rolle des Chefarztes mit brutalem Waterkant-Akzent, den ich zuletzt im Ohnsorg-Theater als solch komisches Stilmittel gesehen hatte (ich bin alt). Bühnenbild eher keines, lediglich ein pinkfarbenes Dreivierteilrund als Wand, das hin- und hergefahren wurde.

Insgesamt schon eine Gaudi, die Absurdität und Destruktivität der aktuellen FDP-Ideologie in erwartbare Spitzen getrieben, gepredigt natürlich zum eh schon bekehrten Kammerspiel-Publikum. Der Abend hatte etwas von politischem Kabarett der Lach- und Schieß-Generation (schöne Erinnerung, ich bin – siehe oben – alt) (und dieselbe Erinnerung, sehe ich, hat Wolfgang Höbel im Spiegel, aber der ist halt auch alt).

Der Heimweg begann saukalt, ich gab meinem Frieren und der fehlenden Bewegungslust nach und nahm für die eine Station eine U-Bahn nach Hause.

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“The Evolution of Stupidity (and Octopus Intelligence)”.

via Buddenbohm

Dieser Artikel über Dummheit hat mir zum ersten Mal eine Definition von Intelligenz geboten, die mich (vorerst?) zufrieden stellt. Ich war bislang eher auf “denkt sehr schnell” ausgewichen. Aber hier (meine Umschreibung):
– Ignoranz ist das Fehlen von relevanten Daten/Informationen, die für die Lösung eines Problems erforderlich ist.
– Intelligenz ist das Ableiten einfacher Lösungen für komplexe Probleme. Mit Intelligenz helfen Informationen zur schnelleren Problemlösung. Problemlösung mit Intelligenz ist signifikant schneller als die mit reinem Ausprobieren.
– Dummheit ist die Anwendung einer Regel oder eines Gedankengebäudes, ohne dass Hinzufügen von Daten oder Informationen die Problemlösung verbessert. Extreme Dummheit ist in Problemlösung langsamer als reines Ausprobieren.

Was menschliche Intelligenz in obigem Sinn laut dem Artikel von der unterscheidet, die wir an Tieren beobachten: Durch Aufzeichnung können wir Wissen und Erkenntnisse über viele Generationen kommunizieren, sie immer weiter verbessern. Tiere können immer nur von Lebenden lernen.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 23. April 2024 – Bitte erstmal keine Katastrophen

Mittwoch, 24. April 2024 um 6:34

Eine eher gute Nacht, in einer leichteren Schlafphase konnte ich wieder beobachten, wie unabhängig von Inhalten der Angst-Mechanismus funktioniert: Im Traum war ich gerade in Italien, dort in weitläufigen Markthallen mit wundervollen barocken Fresken-Decken. Besonders interessant fand ich die Stände, an denen live süßes Kleingebäck hergestellt wurde – ich freute mich, es ging mir gut. Gerade als ich alle gesehen hatte und zu dem attraktivsten zurückkehren wollte (er stellte Hefetaschen her, die mit einer schaumigen Creme gefüllt wurden), kroch die Angst in meine freudigen Gefühle. Ich war wach genug, um mich darüber lustig zu machen: Echt jetzt? Hier?

Das Draußen weiter nass und saukalt, auf meinem Marsch in die Arbeit (Wintermantel, Mütze, Ski-Fäustlinge) schneenieselte es.

Auf der Theresienwiese sah ich wie am Vormorgen hübsche Streifengänse beim Grasen. Die gehören eigentlich nach Indien und sind hierzulande “Gefangenschaftsflüchtlinge”; ich sehe sie seit mindestens zehn Jahren an Donau, Isar, im Englischen Garten. Diese Vogelkunde-Website spricht von 5-20 Brutpaaren in Deutschland – die müsste ich dann alle schonmal gesehen haben.

Mittags schreckte mich die Kälte ab, ich ging für meinen Mittagscappuccino nur bis zum Heimeranplatz selbst.

Mittagessen: Selbstgebackenes Brot mit Butter, Orange.

Wieder ein Tag des großen Frierens: Obwohl ich eh schon einen dicken Wollpulli überm Shirt trug, hatte ich bis zum Nachmittag kalte Hände und Nase. Dann hatte jemand wohl mein Zähneklappern gehört und Erbarmen, das Büro wurde wärmer.

Nach Feierabend in Kälte aber ohne Niederschläge nach Hause, unterwegs Einkäufe bei Aldi, Drogeriemarkt, Vollcorner. Daheim nur kurz ausgepackt: Unser Olivenöl aus Solidarischer Landwirtschaft auf Lesbos war angekommen, ich ging mit Herrn Kaltmamsell den halben Kilometer zur Abholstation, gemeinsam trugen wir unsere drei Kanister nach Hause.

Dort eine sportliche Einheit Yoga-Gymnastik.

Aus der großen Sellerieknolle aus Ernteanteil machte Herr Kaltmamsell zum Nachtmahl Sellerie-Lasagne – wunderbar sahnig und wärmend. Nachtisch Schokolade.

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Eine Folge Planet Wissen zu
“Kritische Infrastruktur – Wie sie in Deutschland geschützt wird”.

Sehenswert, nicht nur weil die hinreißende Berufs(Rang-)bezeichnung Oberfeldapotheker darin vorkommt.

Einer der Vorschläge zur Steigerung der Resilienz: Die Bevölkerung müsse mehr wissen über Verhalten und Gefahren im Katastrophenfall welcher Ursache auch immer. Das konkrete Beispiel, weil es bei der Flut im Ahrtal zu Toten geführt hatte: Bei Flut NICHT in die Tiefgarage gehen, um das Auto zu retten.

Aber es kam auch der Fall zur Sprache, dass alle Kommunikation ausfällt, dass es zum Beispiel wie bei der Flut im Ahrtal weder Internet, noch Mobilfunk, Telefon oder andere Kommunikationsmöglichkeiten gibt. Die Bevölkerung, so hieß es, müsse vorher wissen, wohin sie sich in diesem Fall für Informationen wendet. Meine innere Streberin ließ mich also gleich mal recherchieren, welche Stelle das für mich wäre. Doch die Webseite “Bevölkerungsschutz” der Stadt München kennt nichts dergleichen. Zumindest weiß ich jetzt, dass die 16 Schutzanlagen im Stadtgebiet, “darunter befinden sich Großschutzräume für bis zu 3.000 Personen” – 2007 aufgegeben wurden.
Ich bitte also darum, eine ernsthafte Katastrophe in München vorerst zu verschieben.

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Wie funktioniert eigentlich das internationale Bücherproduktions- und Verkaufsgeschäft?

Denn: Gestern war Tag des Buches, und alle Verweise darauf meinten offensichtlich gedruckte Papierbücher. Muss es wirklich Papier und gedruckt sein, um gefeiert zu werden? Entfernen sich Papierbuchbesitz und Bücherlesen nicht seit vielen Jahren voneinander? Ich bin eine Leseratte, seit ich lesen kann, und feiere das Lesen – aber bitte zwingt mich nicht, dafür in meiner Wohnung Papierbücher anzuhäufen! (Oder auch nur das Ding Buch irgendwo abzuholen und zurückzubringen.) Ich bin sicher, dass es noch lange Papierbücher geben wird, schätze ja selbst besonders schöne Druck- und Bindearbeiten. Doch es ist Zeit, das Rühmen und Fördern des Bücherlesens an heutige Medienformen anzupassen.

Spannender Hintergrund: Als 2022 Penguin Random House den Verlag Simon & Schuster kaufen wollte, gab es ein kartellrechtliches Verfahren, das diese Übernahme letztendlich verbot, weil sie zu einem Monopol geführt hätte. In diesem Verfahren kamen sehr viele Zahlen und Fakten an die Öffentlichkeit, die Elle Griffin für diese Zusammenfassung über den Stand des Geschäfts mit Büchern nutzte:
“No one buys books”.

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Noch ein Foto mit englischen Schauspieler*innen, dieses aus den 1990ern.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 22. April 2024 – Montagmontag mit mehr Schnee

Dienstag, 23. April 2024 um 6:24

Unruhige Nacht, ich machte mir um alles Sorgen, sogar um meine Träume: Ich entdeckte den Münchner Ableger eines feinen Restaurants, in dem ich kürzlich in Hamburg ganz ausgezeichnet gegessen hatte und freute mich. Doch dann begann ich zu grübeln: Wann bitteschön war ich kürzlich in Hamburg? Mir fiel kein Anlass ein, keine Reise. Das konnte doch wohl nicht sein, dass ich schon derart vergesslich geworden war? Etc. etc.

Beim Schminken den Lidstrich ordentlich vermasselt. Blöderweise bin ich schon lang aus dem Alter raus, in dem ich behaupten konnte: “Das hat man jetzt so.” (Später den exakt passenden Cartoon von Giselle Dekel gefunden.)

Schon beim nächtlichen Klogang hatte ich es draußen schneien sehen. Ich zog nochmal meinen Wintermantel und eine Wollmütze raus, steckte vorsichtshalber einen Thermorolli fürs Büro ein, sollte ich im Winterkleid ohne frieren. Und auf dem letzten Stück meines Arbeitswegs begann es dann auch wieder zu schneien, in kleinen Januar-Flocken.

Die Bürogänge auf meinem Stockwerk noch leerer als sonst an Montagen: Die Hannover Messe zog viele Präsenzen ab. Mein Vormittag war dennoch emsig. Für den Mittagscappuccino ging ich nur zu Nachbars, allerdings vor allem wegen der Kälte und allgemeinen Greislichkeit draußen.

Zu Mittag gab es eine Scheibe selbstgebackenes Brot, Mango mit Sojajoghurt.

Was mir aus gegebenem Anlass klar wurde: Von Natur aus reagiere ich auf unerwartetes Nicht-Funktionieren mit Ärger und Wut (hat sich seit Kleinkindtagen nicht geändert, sorry, Herr Kaltmamsell), dann bestenfalls Nachdenken. In der Arbeit ist daraus seit einigen Jahren schiere Angst geworden. Warum nur?

Dann aber: Gutes Flurgespräch, ich kam mit neuen Posten für meine Leseliste raus.

Nach Feierabend war es trocken, aber immer noch saukalt. Ich marschierte zu Besorgungen in die Innenstadt (also noch innerer, als ich wohne). Bei den derzeitigen Temperaturen reichten Fingerhandschuhe nicht, ich werde wieder die gefütterten Fäustlinge rauskramen müssen.

Daheim Häuslichkeiten. Herr Kaltmamsell war aushäusig, ich hatte den Auftrag, Ernteanteil-Kartoffeln zu dezimieren, also plante ich als Abendessen Pellkartoffeln mit Käse und Butter. Während die Kartoffeln kochten, gab es eine Runde Yoga-Gymnastik: Nacken- und Schulterdehnung.

Nach Kartoffeln, Käse, Butter passte gar nicht mal so viel Schokolade hinterher.

Früh ins Bett zum Lesen, eine zusätzliche Decke aufs Sommerbett gelegt, um bei zumindest gekippten Fenster schlafen zu können.

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“Warum Kleidung heute schneller kaputtgeht als früher”.
via @kid37

Finde ich sehr spannend, weil es in technische Details der industriellen Kleidungsproduktion geht. Denn rein anekdotisch: Von meinen allerersten H&M-Einkäufen vor über 30 Jahren habe ich immer noch Teile im Schrank. Damals schon billig, die Verarbeitung sieht nicht besser aus als heute (einfache Nähte, keine Stoffzugabe), doch sie haben ihre Form behalten – was mögen die damals wohl besser gemacht haben?

Oder Wollpullover: Ich sehe neu weder am Preis noch am Äußeren, nach wie oft Tragen er abgenutzt aussieht (-> Pilling). Aber meine selbstgestrickten Wollpullis sind auch nach Jahrzehnten noch wie neu. (Ich sollte Stücke aus edler Wolle nur noch in Läden mit Inhaberin kaufen – der ich das Stück um die Ohren hauen kann, wenn es nach zweimal Tragen wie ein Putzlumpen aussieht.)

Der Artikel verweist vor allem aufs Material: U.a. Faserlänge der verwendeten Baumwolle, Geschwindigkeit der Verarbeitung. Keine Chance, das dem Produkt anzusehen.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 21. April 2024 – Isarlauf: Von Trägershirt zu Handschuhen in 7 Tagen

Montag, 22. April 2024 um 6:29

Diese Nacht etwas unruhiger, Arbeits-Ängste verhinderten tiefen Schlaf.

Aufgewacht zu saukalter Düsternis draußen. Erstmal heizte ich den Backofen auf zum Brotbacken.

Kleiner Brotlaib, oben aufgerissen, auf Abkühlgitter

Hm, auch beim wiederholten Versuch wollte es mir nicht so großporig wie gewünscht gelingen.

Um zehn machte ich mich fertig für einen Isarlauf: Eine Woche nach Trägershirt, Sonnencreme, Sonnenbrille schlüpfte ich in meine Winterausstattung mit langer Hose, langem Shirt, Winterjacke und Handschuhen. Die Winterjacke, die ich seit etwa 15 Jahren habe, ging beim Packen kaputt – na ja, der Reißverschluss der einen Tasche, der aber gründlich. Mal sehen, ob sie es damit nach langem Gebrauch und eigentlich nicht mehr Passen in die Wegwerfzone schafft. Oder ob ich entscheide, dass eine verschließbare Tasche an einer Laufjacke eigentlich reicht. (Zumal ich auf die Schnelle online auch keine in dieser Kombination Vorderseite regenabweisend Hardshell, Rückseite Fleece als Ersatz fand.)

Ich nahm eine U-Bahn zum Odeonsplatz und lief über den Hofgarten und Englischen Garten zum Tivoli und an die Isar. An der Baustelle Unterföhring waren die Isarwege weiterhin beidseitig gesperrt, ich kehrte um und lief denselben Weg bis zum Odeonsplatz zurück.

Mein Körper machte wunderbar mit, ich sah die ersten Schwalben am Föhringer Wehr, und der angekündigte Regen, gegen den ich eine Schirmmütze trug, dauerte nur zehn Minuten gegen Ende und war nicht stark – wunderbar.

Reihen frühlingsgrüner Bäume leuchten in Sonnenschein, der Himmel darüber dunkel, links sieht man ein wenig den Pavillon des Hofgartens, zwischen den Bäumen in der Ferne eine Joggerin

Im Vorergrund eine Parkbank von hinten, vor ihr Bäume, dazwischen sieht man hinaus auf den Fluss, ganz am Ende ein Gebäude

Blick nach oben in einen Fliederbusch mit rosa Blüten, dahinter ein Baum mit noch wenigen Blättern, der Himmel voll dunkler Wolken

Blick von einer Brücke auf einen Fluss, rechts und links hellgrüne Bäume, im Hintergrund eine Brückenbaustelle

Weg sperrende Baustelle von der Emmeramsbrücke aus.

Angeschnittene Brücke über Fluss vom linken Ufer aus, auf dem Brückenpfeiler Graffiti eines grünen Gesichts mit heraushängender Zunge

Parkansicht mit Wiese im Vordergrund

Blick über den Englischen Garten, Wiesen im Vordergrund, ganz im Hintergrund die Silhouette von München, darüber dunkelgrauer Himmel

Der Unterschied zwischen mir und Streetfotograf*innen (neben nahezu komplett fehlender Fachkenntnis bei mir): Die gehen raus auf Fotojagd, suchen nach dem besten Motiv, Licht und Winkel. Ich bin draußen und sehe etwas, das ich festhalten möchte, und zwar möglichst genau in der Perspektive und Beleuchtung, wegen derer es mir auffiel.
Was allerdings immer wieder durch den natürlichen Zoom des Auges erschwert wird: Auf dem Kamera-Display ist das, was ich festhalten möchte, gerne mal kaum zu finden.

Aufgeschnittener Brotlaib mit einigen Scheiben davor

Frühstück gegen zwei: Selbstgebackenes Brot (Geschmack gut, Kruste etwas zu hart) mit Marktbutter und italienischem gekochten Schinken, Orange.

Draußen mischten sich immer mehr Schneeflocken in den Regen. Und es soll noch kälter werden – mal sehen, ob wir in unserer Gegend Bayerns dieses Jahr Kirschen, Zwetschgen, Äpfel bekommen.

Nachmittag mit Lesereien, unter anderem las ich Ruth Klüger, Katastrophen. Über deutsche Literatur aus. Sie schreibt diese literaturwissenschaftlichen Aufsätze so gut, dass ich mitdenken konnte und wollte, selbst wenn ich die Primärwerke nicht gelesen hatte. In zwei der Texte ging es um Lessings Nathan; da Herr Kaltmamsell das Stück gern und oft in der Schule verwendet, konnte ich mich mit ihm dazu austauschen.

Yoga-Gymnastik gestern angenehme Dehnungen, genau das Richtige nach der langen Laufrunde.

Weißer tiefer Teller auf grünem Set, darin Karottenscheiben, Linsen, Petersilie

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Ernteanteil-Karotten als Türkische Karotten mit Linsen, sehr gut.

Herr Kaltmamsell hatte auch Nachtisch gekocht: Er wollte endlich mal Grieß-Flammerie ausprobieren. Nicht so formschön, aber gut. Dann gab es als Nach-Dessert noch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, neue Lektüre ist Louise Erdrich, The Night Watchman – als gekauftes E-Book, gab’s nicht in der Stadtbibliothek. Zwar wusste ich nicht mehr, wie das Buch auf die Leseliste kam, die ich seit vielen Jahren bei Amazon führe, um mich an Impulskäufen zu hindern. Ich wusste auch nicht mehr, worum es ging. Doch ich vertraue meinem früheren Ich, dass es gute Gründe hatte – und bin bislang noch nie von ihm enttäuscht worden. (Erstes Hineinlesen ergab: Der Roman spielt in den 1950er Jahren in einem US-amerikanischen Indianer-Reservat, der titelgebende Nachtwächter ist Thomas Wazhashk, Vorsitzender des Stammesrats im Turtle-Montain-Reservat, außerdem Wachmann einer Fabrik. Er kämpft gegen die damals angestrebte völlige Assimilation der First Nations.)

§

Heute bin ich siebenunddreißig und hier höre ich auf, sonst würde ich noch länger erzählen, zum Beispiel von Männern in Anzügen, die mich korrigieren, belehren und belächeln oder auf das Sofa klopfen und “Setz dich her zu mir” sagen, oder von diesem einen Mann, der letzten Sommer im Gebüsch masturbiert hat, aber dieses Mal habe ich ihn angeschrien, dieses Mal habe ich ihn so laut angeschrien, dass er das Weite gesucht hat, und ich hab nicht gezittert, ich habe mich nicht gefürchtet, weil eine Freundin bei mir war, und wir haben ihn ausgelacht, diesen kleinen ärmlichen Mann. Ich könnte noch länger erzählen, und ich würde mir wünschen, dass ich es nicht müsste, dass ich davon nie wieder erzählen müsste. Ich erzähle es, weil ich mit jedem Gespräch, das ich mit anderen Frauen führe, jedes Mal wieder aufs Neue überrascht bin, jedes Mal wieder bemerke, dass all das nicht nur ich erlebt habe, dass wir auf so vielen Ebenen uns geschämt und kleingemacht haben, wie sehr wir gelernt haben, nett zu sein, nicht aufzufallen, nicht unangenehm zu sein, die Straßenseite zu wechseln, nicht zu laut zu lachen, nicht zu sehr aus der Rolle zu fallen, dass es wehtut.

Ich bin dieser Geschichten müde, ich willwillwill, dass sie weniger werden, dass sie einfach (eINfAcH) nicht mehr passieren. Und möchte am liebsten wegsehen. Aber da sind sie, und sie müssen erzählt werden, damit keine denkt, “ich hätte ja nicht” und “wäre ich halt nur” – und wenn Sie wie ich das schlichte Glück haben, dass Sie das als Frau nicht von klein auf erleben mussten und ihr ganzes Leben darauf ausrichten, dann seien Sie verdammt nochmal solidarisch mit Frauen wie Tanja Raich.
“Sexualisierte Gewalt im Alltag:
Dieses Mal habe ich ihn angeschrien”.

§

Der Ruf nach “Aufarbeitung” der Pandemie-Schutzmaßnahmen gegen Corona irritiert mich: Wären nicht eine saubere Analyse und Auswertung nützlicher? Auch @narkosedoc ist irritiert; auf Bluesky zählt er auf, was tatsächlich einer Aufarbeitung bedarf.

die Kaltmamsell