Journal Dienstag, 19. Mai 2020 – Spaziergang über den Westfriedhof
Mittwoch, 20. Mai 2020 um 8:21Nach sehr seltsamen Träumen traurig aufgewacht.
Nach Bloggen und Twitterlesen war die Tagesbeschäftigung Nr. 1: Kartoffelsalat fürs Abendessen zubereiten.
Dann bestieg ich mit Musik auf den Ohren den heimischen Crosstrainer, quietschte und knarzte darauf eine gute Stunde (ohne es zu hören, denn aus den Kopfhörern kam ja laute Musik – an einem Wochentags-Vormittag bereitet mir der Lärm des Crosstrainers kein schlechtes Gewissen, anders als morgens vor sieben, wenn ich aus Rücksicht auf die Nachbarn die Fenster geschlossen halte und versuche, möglichst unquietschig zu strampeln).
Kurze Einkaufsrunde, unter anderem besorgte ich gemischtes Hackfleisch.
Zum Frühstück ein Stück Quiche vom Sonntag. Ich bereitete Fleischpflanzerlteig, formte die Pflanzerl und stellte sie kalt: Nachmittags war ich mit einer Freundin verabredet, so war das Abendessen startklar.
Die Verabredung war auf dem Westfriedhof, ich radelte in weiterhin schönstem Sonnenwetter hinaus auf der Panoramaroute über Nymphenburger Straße und Gern. Am Rot-Kreuz-Platz herrschte Verkehrschaos aus Radlern und Fußgängern: Es ist bei weitem nicht genug Platz fürs Warten an den roten Ampeln vorgesehen, es wird in die Straßen gestanden.
Große Freude über das Treffen mit der Freundin, die ich lange (bereits vor Pandemie-Einschränkungen) nicht gesehen hatte. Über dem Austausch zu momentanen Lebensumständen spazierten wir über den überraschend weitläufigen und abwechslungsreichen Friedhof mit viel altem Baumbestand.
Ein ganzes Gräberfeld mit schönen Holzkreuzen.
Teil des überraschend großen islamischen Friedhofs.
In einem angrenzenden Gastgarten setzten wir uns zu meinem ersten geselliges Glaserl in der Gastronomie seit mindestens drei Monaten, seit Montag dürfen ja die Biergärten und die Außenbereiche der Münchner Gastronomie wieder öffnen, zumindest bis 20 Uhr. Corona-Umstände: Die Freundin hatte reserviert, die Tische standen weit auseinander, wir durften nur am Tisch die Mund-Nase-Masken ablegen, die Bedienung trug ihre durchgehend, wir mussten unsere Kontaktdaten (Name, Anschrift, Telefonnummer) und genaue Zeit des Aufenthalts hinterlegen, damit das Gesundheitsamt uns im Fall der Infektion eines Gasts benachrichtigen konnte. (Seit ein paar Monaten wird versucht, diese Aufgabe des Gesundheitsamts mit einer Tracing App auf Mobiltelefonen zu unterstützen, doch bislang haben Zuständigkeitswirrnisse, Diskussionen über Datenschutz-Grundlagen und zahlreiche offene Detailfragen die Umsetzung verhindert.)
Daheim war alles so präpariert, dass 20 Minuten nach Ankunft das Essen auf dem Tisch stand – und dann auch noch sehr gut schmeckte (vielleicht ein bisschen zu viel frischer Thymian in den Fleischpflanzerln).
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Vergangene Woche ging durch mein Internet eine Geschichte, mit der die Grundaussage von William Goldings Romans Lord of the Flies widerlegt wurde: Wie tatsächlich eine Gruppe Schüler auf eine Insel im Südpazifik verschlagen wurde und sie sich keineswegs automatisch in Wilde verwandelten.
Ich hatte schon beim ersten Lesen ein ungutes Gefühl: Warum tauchten die ehemaligen Schulbuben nur als Foto auf? Warum wurde so getan, als seien sie Produkte desselben Bildungssystem wie die Buben in Lord of the Flies, nämlich der grausamen und menschenfeindlichen britischen Privatschulen?
Meleika Gesa stammt wie die Buben in dem Artikel aus Tonga und nimmt die koloniale Haltung des Geschichtenerzählers auseinander:
“The real Tongan boys of ‘Ata were not the real Lord of the Flies.”
Cultural knowledge was absent from the article that went viral. The fact they were Tongan wasn’t emphasised in the sense that it wasn’t acknowledged that it held importance to the story or their survival. How can you be surprised that Pasifika people, specifically Tongan, can survive on an island?
Their story was used to uplift another – the captain who rescued them. How do you write a story about Tongan boys who survived being stranded on an island and at the same time barely mention them? Their story is told through a colonial lens, the familiar trope of the ‘noble savage’.
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Manchmal hilft Schabernack.
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Und wo wir schon bei Albernheiten sind: Der New Yorker Choreograph Quinn B Wharton hat daheim die ikonische Tanzszene aus Dirty Dancing nachgetanzt – ganz allein: “No one puts lamp in a corner.”























