Die großen Gefühle ums große Fest warfen mich weiter umher: Nun musste ich Absagen in letzter Minute und deshalb aus traurigen Gründen verarbeiten.
Samstagvormittag holte ich das Outfit fürs Fest ab, spazierte damit durch einen sonnigen Tag. Während dessen hatten unsere formidablen Festorganisatorinnen unser Sofa abgeholt, es spielte auf dem Fest eine Rolle.
Treffen mit der Fotografin des großen Fests. Wie ich es bei ersten physischen Treffen mit Bloggerinnen gewohnt bin, waren wir innerhalb von drei Sätzen beim Eingemachten. Und ich erfuhr, dass Smilla bald unter neuer Adresse weiterbloggen wird, hurra!
Daheim Frühstück und Zeitunglesen in verhältnismäßiger innerer Ruhe.
Ab 16 Uhr machte ich mich fertig.


Das Outfit meiner Träume seit vielen Jahren: Ich wusste, dass mir ein Frack ausgezeichnet stehen würde (nein, das ist nicht hochnäsig, sondern nüchtern) – doch zu welcher Gelegenheit kann man bitte Frack tragen? Nicht mal bei den Oscars trägt man White Tie, und meine Aussichten auf einen Nobelpreis sind, seien wir realistisch, verschwindend gering. DAS war die Gelegenheit. Jacke, Hose, Weste hatte ich geliehen; ein Damenmodell fand ich nicht, doch hatte ich bereits mehrfach gute Erfahrungen mit Herrenkleidung gemacht. Man vermaß mich und orderte die am nächsten kommenden Herrengrößen (jeden Bestandteil einzeln), Jackenärmel und Hosenbeine wurden auf die passende Länge hochgesteckt. Das Frackhemd ließ ich mir maßschneidern: Das gedenke ich durchaus im Alltag zu tragen.
Wie ich es mir seit Jahren vorgestellt hatte, feierten wir im Foyer der Alten Kongresshalle und ließen uns jetzt mit einem Taxi hinbringen. Die Zeit bis zum Eintreffen der ersten Gäste (eingeladen hatten wir für 18 Uhr, die ersten waren schon eine halbe Stunde vorher da) nutzten wir, um uns umzusehen, uns mit den hilfreichen Menschen hinter den Kulissen bekannt zu machen, uns von den Organisatorinnen beruhigen zu lassen – und Smilla erste Fotos machen zu lassen:


Fotos oben (zwei): Smilla Dankert.

Ab 18 Uhr kamen sie dann: All die wundervollen Menschen aus den vergangenen 25 Jahren, die wir zusammenbringen wollten und die die folgenden Stunden zum Ereignis machten – ein Saal voller Ehrengäste, die mit uns feierten, dass wir seit über 25 Jahren ein Paar sind.
(Und jetzt die große Enthüllung: In Wirklichkeit war das der 26. Rosentag. Vergangenes Jahr, zum 25. Jahrestag, hatte es einfach nicht gepasst: Es wurde viele andere große Familienfeste gefeiert, die Alte Kongresshalle war zu keinem der Wunschtermine frei – da beschlossen wir, dass man das 25. auch ein Jahr später feiern kann.)
Erst wurde gegessen. Wir hatten unsere Gäste nach Themen gruppiert, manche davon waren als Gesprächsanlässe gedacht. Auf Twitter wurde verglichen.
Ich sprach mit Menschen, die ich viel zu lang nicht mehr gesehen hatte, nahm vertraute Menschen in die Arme, sah, wie Menschen einander kennenlernten, sorgte dafür, dass Menschen sich trafen, deren Treffen ich mir lange gewünscht hatte.
Ich ließ mir versichern, dass Speisen und Getränke schmeckten (die Pasta aus dem Parmesanleib war die erhoffte Sensation, ebenso der live aufgeschnittene Serranoschinken) – selbst hatte ich an sich gar keinen Appetit, aß aber vernünftigerweise: ein paar sehr gute Vorspeisen, einen Teller Spargel mit Butter (die mit Zitronenschale aromatisiert war – sehr gute Idee), freute mich darüber, dass die ausgesuchten Speisen auch in der größeren Dimension so gut schmeckten, wie wir es beim Probeessen erlebt hatten. Mit Alkohol hielt ich mich bis auf Begrüßungssekt und einem Gin Tonic weit nach Mitternacht zurück.
Nach dem Essen gab es im Erdgeschoß Cocktails und Tanz. Dass ich im Frack ziemlich schwitzen würde, hatte ich eingerechnet – ein Frack hat keine ablegbaren Teile.
Bilder, wie das Fest von draußen aussah:
von @tommdidomm
von @joel_lux
von @dentaku
Über die Stunden erwies sich, dass meine Idee aufgegangen war, mein Wunsch sich erfüllte: All diese Menschen zusammenzubringen, an einem Ort, ihnen einen Rahmen und einen Raum dafür zu bieten, einander zu finden.
Es war schon drei Uhr durch, und hinter uns wurde bereits seit einer Weile zusammengeräumt, als sich die letzten Gäste verabschiedeten (manche hatten das in den Stunden davor mehrfach erfolglos versucht und wurden von der geschickten Musikauswahl des DJs immer wieder zurück auf die Tanzfläche gezogen oder von einem anderen Gast in ein doch noch zu interessantes Gespräch verwickelt).
Organisatorin Franziska fuhr uns nach Hause, mit dem ersten Korb Geschenke – denn zwar hatten wir in der Einladung beteuert, dass das Kommen der Gäste Geschenk genug war, aber unterschätzt, welch großartige Geschenkideen und -wünsche großartige Gäste nunmal haben. Was uns dann halt doch unerwartet sehr freute. Um einen guten Wunsch von @hakansurat abzuwandeln: Möge jeder so wunderbare Gäste haben, wie sie uns beschert wurden.
Kurz vor vier im Bett. Nicht viel geschlafen, weil aufgekratzt mit Adrenalin bis zum Anschlag, zudem Schmerzen von hohen Schuhen und Tanz.
Am Sonntag hatten wir eh den Wecker gestellt: Zum einen wurden uns morgens Sofa und die restlichen Geschenke sowie von uns gestellte Deko gebracht (überlegen Sie sich gut, ob Sie ins Eventmanagement gehen wollen: geschlafen wird da offensichtlich eher nicht). Zum anderen hatten wir beim Abschied die Gäste zu uns eingeladen: Open House.
Und wieder kamen sie, angereiste Familie und sonstige Gäste, bis zum späten Nachmittag. Wir hatten restlichen Käse vom Fest eingepackt, außerdem war unter den Geschenken eine entzückende personalisierte Buttercremetorte gewesen, die wir servieren konnten.

Das kannte ich von Familienfeiern des Herrn Kaltmamsell: Das Fest am nächsten Tag ausschleichen lassen. Eine hervorragend Sache, so konnte ich langsam herunterkommen, sah Leute wieder, konnte das eine oder andere Gespräch nachholen, für das auf dem Fest keine Gelegenheit war.
Gegen vier wurde das letzte Gastkind aus dem Mittagsschlaf geholt, es leerte sich die Wohnung.
Europagewählt hatte ich schon per Brief, also räumte ich ein wenig, las das große Fest und seine Folgen im Internet nach. (Ein weiteres schönes Detail: Internetmenschen hatten Internet-ferneren erklärt, was es mit diesem Bloggen auf sich hatte.)
Unter anderem entdeckte ich, dass eine der Gastgeschenkrosen auf große Fahrt gegangen war.
Wattig benebelt im Kopf, wuschig im Herzen von all der Liebe gingen Herr Kaltmamsell und ich noch ein wenig raus in die frische Luft, von der man so viel Gutes hört, vor allem im gestrigen schönen Wetter.

Ach guck, die Robinienblüte ist kurz vorm Duften.
Auf dem Südfriedhof sahen wir schönes Licht, Eichkätzchen, dazu Amseln und Buchfinken beim Baden, eine Mönchsgrasmücke beim Singen (die sind LAUT).
Daheim noch ein Snack, Mauersegler und Fledermäuse beobachten, Ergebnisse der Europawahl gucken – dann doch recht früh ins Bett.
Ein Jahr später schrieb ich auf, wie es überhaupt zu diesem Fest gekommen war. 
die Kaltmamsell