Journal Donnerstag, 13. Juni 2024 – Früh- und Spätschicht

Freitag, 14. Juni 2024 um 6:11

Wecker auf Lerchenlauf-früh, weil ich um sieben in der Arbeit sein musste – ein Termin war vorzubereiten. Auf Erkältungssymptome konnte ich da wirklich nicht achten.

Herr Kaltmamsell hängt genauso in den Seilen wie ich, kommt mit dem fast blicklosen nebeneinander Herleben aber schlechter zurecht als ich. Hin und wieder bleiben wir auf unseren Gängen durch die Wohnung voreinander stehen und versprechen uns, dass wir uns am Freitagabend umeinander kümmern.

Wundervoller Weg in die Arbeit in schräger, goldener Morgensonne.

Modernes Gebäude in Sonne, dahinter blauer Himmel

In der Arbeit zackig losgelegt. (Weil ich ja eigentlich nicht Team-fähig bin, erledige ich Dinge gern allein; dann sollte ich mich doch bitte auch nicht hin und wieder ärgern, dass ich so viel ganz allein erledigen muss? Allerdings wäre gestern auch niemand zum Helfen dagewesen, weil jemand anders echt, echt ungünstig terminiert hatte.) (Ah, und während des eigentlichen zackigen Machens und Erledigens zu fragen, ob man, die Terminierer, helfen kann, ärgert eher.)

Alles gut in der Zeit geschafft, bis Mittag gewirbelt, innerlich mal wieder die “Seeräuber-Jenny” rauf und runter gesungen. Ich schaffte sogar einen Mittagscappuccino bei Nachbars.
Obwohl zusätzlich die Luft brannte. Obwohl ich zusätzlich gerade einen Jourdienst versah, in dem sehr viel los war. Ich war dabei geradezu verdächtig fokussiert.
(Ungute Erinnerungen an meine erste Agentur-Phase vor 25 Jahren, in der ich im Freundeskreis erzählte, wie toll es sei, so viel Spannendes zu tun haben, dass ich gar nicht dazu käme, über mich selbst nachzudenken. Andere mögen davon Flügel bekommen und fliegen, ich wurde verzweifelt depressiv.)

Mit meinem Mittagessen bereitete ich mir echte Freude: Ich hatte den Ernteanteil-Kohlrabus1 gestiftelt, mit Joghurt, viel gehackter Petersilie, Zitronensaft, etwas Sesamöl, Salz, Pfeffer, Sesamkörnern angemacht, außerdem im Büro die gerösteten Sonnenblumenkerne untergemischt, die von einer ausgiebigen Catering-Handarbeit mit Sonnenblumensemmeln übrig waren. Ausgesprochen köstlich.

Der Nachmittag ging lustig so weiter, nur ein Bereich (der, wegen dem ich schon um sieben da war), brauchte mein Zutun nicht mehr. Gleichzeitig lauerte die Erkältung darauf, doch noch so richtig auszubrechen.

Sonst passe ich ja schon auf, dass ich nicht über die gesetzliche Höchstgrenze von zehn Arbeitsstunden komme (was bei mir seit einiger Zeit echte und unangenehme Konsequenzen hätte), aber gestern musste ich halt noch Zeug zurückgeben, das andere brauchten.

Heimweg ohne Umwege (Jacke wäre nur fast nicht nötig gewesen), aber mit vollen Armen: Ich hatte einiges aus dem eigenen Haushalt in der Arbeit benötigt.

Zu Hause eine Runde Pilates, wieder mit überraschenden Übungen. Donnerstag war wieder Salattag, weil frisch geholter Ernteanteil. Ich machte den Kopfsalat mit Joghurtdressing an, eine zugekaufte Tomate lag auch noch rum und zwei Eier.

Aufsicht auf eine große Salatschüssel mit grünen Blättern, Tomatenspalten und Eiervierteln

Gutes Abendessen. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen – wie so oft voller Vorfreude auf den Milchkaffee am nächsten Morgen. Die Erkältung war nun wirklich da und startete ihre Rotzphase.

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Steuerung-Scrollrad.
Dass ich diese Funktion kenne (wenn auch durch ein Versehen entdeckt) und mittlerweile fast täglich zum Größerstellen von Website-Schriften verwende, ist ein deutliches Alterungssymptom.

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Es erfreute mich mehrere Stunden lang, das möchte ich teilen: Der Mastodon-Kanal @Asterix_Archiv postete ein paar meiner absoluten Liebligspanels (aus Asterix und Cleopatra, ohnehin einer der besten) – so viele entzückende Details!

  1. Na komm’Se, wer Latein hatte, sieht doch in “Kohlrabi” automatisch einen Plural, wodurch der einzelne – eben. [↩]
die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 12. Juni 2024 – Lerchenlauf mit Abschied vom Hochwasser

Donnerstag, 13. Juni 2024 um 5:56

Wieder vor dem extra-frühen Wecker aufgewacht, die Angstwelle lieber durch Aufstehen gebrochen.

Die Erkältungssymptome stagnierten auf sehr niedrigem Niveau, also Isarlauf (nach der Regel: wenn’s ohne Probleme geht, bin ich auch gesund genug). Der Himmel gemischtfarbig mit blauen Flecken dazwischen, allerdings war die Luft deutlich kälter als erwartet. Ich freute mich an dem massiv gesunkenen Pegel der Isar.

Bäume vor Fluss, der Boden unter ihnen schlammig

Hier war das Hochwasser.

Originelle Graffiti auf einer Hüttenwand unter Bäumen

Rechts Holzsteg, links Flusswasser unter Bäumen, im Hintergrund ein Haus

Noch floss die Isar an einigen Stellen, an denen sie nicht hingehört.

Blaue Blumen auf einer Wiese vor Fluss, am anderen Ufer Bäume und zwei Schornsteine

Blick auf eine Eisenbahnbrücke über einen Fluss, über die gerade eine Güterzug mit Containern fährt

Blick durch einen steinernen Brückenausschnitt auf Fluss und im Hintergrund zwei Kirchtürme

Bilder ohne Foto:
– Beim Tierpark lief mir eine Frau entgegen mit dickem, goldblonden Pferdeschwanz, der beim Joggen wie ein echter Pferdeschweif wippte und schwang.
– Ein Läufer, der Hundehalter und Hund sah, dabei bemerkte, dass die beiden wohl gerade Stillsitzen bei entgegenkommendem Läufer übten und dessen Gesicht in ein bezauberndes Lächeln glitt.

Mein Körper kam eher spät in einen entspannten Lauf, aber dann machte er umso mehr Spaß, am Ende der 70 Minuten lief ich auch mal bewusst ein wenig schneller. Kalt wurde mir auch in kurzen Ärmeln nicht bei der Bewegung, allerdings waren meine Arme und Hände abschließend so klamm, dass ich daheim meine Schuhbändel schier nicht auf bekam.

Hurtiges Duschen, Schminken, Anziehen, flotter Marsch in die Arbeit, jetzt war es bei aller Kühle richtig sonnig. Dort merkte ich schnell, dass Konzentration eher schwierig war. Also musste ich mich mit Methode Stubenfliege abfinden, bekam auch so ordentlich was weggeschafft.

Mittagscappuccino bei Nachbars, so viel Arbeit, dass ich mich ans Mittagessen erinnern musste (Apfel, Banane, eingeweichtes Muesli mit Sojajoghurt). Eine Zwangspause verschafften mir fehlschlagende System-Updates, die immer weitere Neustarts erforderten; ging ich halt beruflich Einkaufen.

Ab 16 Uhr spitzte ich die Ohren: Von meinem Arbeitsplatz aus war das Konzert auf der Theresienwiese überhaupt nicht zu hören, obwohl er nur geringfügig weiter davon entfernt liegt als meine Wohnung. Als ich dann endlich raus kam aus dem Büro und auf direktem Weg heimging, stellte sich allerdings heraus, dass die Musik insgesamt nicht entfernt so laut war wie der Soundcheck am Vortag: In der Wohnung hörte ich gar nichts.

Endlich wieder Gymnastik: Jetzt turnte ich die 45 Minuten Pilates, anstrengend aber wohltuend.

Kohlrabisalat für die Donnerstagsbrotzeit geschnippelt, ich werde jeden Genuss brauchen, den ich kriegen kann. Zum Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell zu den restlichen Linsen vom Dienstagabend Nudeln. War insgesamt ein bisschen trocken, etwas von dem köstlichen selbstgemachten Pesto machte die Mischung perfekt. Außerdem hatte er versucht, Stücke von der restlichen Polenta zu braten – war aber nicht fest genug. Schmeckte trotzdem. Nachtisch Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen, bei offenem Fenster brauchte ich eine Strickjacke, denn es kam reichlich kühl herein.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 11. Juni 2024 – Hochdruckbüro und Diskutieren für die Wissenschaft

Mittwoch, 12. Juni 2024 um 5:53

Guter Schlaf – bis mich um vier laute Gespräche vor dem Schlafzimmerfenster weckten und ich nicht wieder richtig einschlief.

Zu düsterem Himmel aufgestanden, es war deutlich kühler geworden. Wieder fühlte ich mich kränklich, erinnerte mich auch an Schwäche am Montag im Büro. Auf dem Fußmarsch in die Arbeit (der Kapuzenmantel war bei Nieselei eine gute Wahl) und über den Vormittag wurden die Erkältungssymptome stärker (Luftröhren- und Halsweh, brennende Haut) – aber nicht wirklich böse.

In der Arbeit Unruhe – wobei mir ganz recht ist, dass ich sie explizit erzählt bekommen muss, wenn die Leute vor allem von daheim aus arbeiten: Die Zeiten, in denen mit Vollbesetzung in Unruhephasen die Luft auf den Gängen brannte, wünsche ich mir wirklich nicht zurück.

Der Isarpegel schien endlich wirklich zurückzugehen, deutlich unter die Hochwassermeldestufe.

Mittagscappuccino bei Nachbars.

Eine Kaffeebar, über der Theke hängen Girlanden in der Farben der deutschen Nationalfahne

Meine Güte, erschreckt mich doch nicht so: Beim Betreten der Cafeteria hielt ich reflexartig die Luft an und war bereit, erste Folgen des Europawahlergebnisses zu erkennen. Zum Glück fiel mir schnell die hereinbrechende Männerfußball-Europameisterschaft ein.

Zu Mittag gab es eine große Mango mit Sojajoghurt.

Der Nachmittag wurde dann brutal mit einigen Hochdruckdingen gleichzeitig. Ich musste auch nochmal beruflich aus dem Haus, rannte fast. Noch ein Glück, dass ich spätestens um halb sieben daheim sein musste, sonst wäre es im Büro noch länger geworden.

Rückweg um die Theresienwiese mit Soundcheck für das Fan Fest Euro 2024 am Mittwoch (große Rührung, als eine Gitarre den Sound mit den ersten Akkorden von “Hells Bells” testete): Beim Heimkommen stellte ich fest, dass wir in anderthalb Kilometer Abstand zur Bühne locker mitsingen können werden. Bei geschlossenen Fenstern.
No na, dann weiß endlich auch ich, welche Musik Nelly Furtado und Ed Sheeran eigentlich machen.

Der Termin, zu dem ich daheim sein musste: Ich nahm an einem Versuch zu Diskussionskultur des „Lass uns reden“-Teams der Uni Mannheim teil. (Ich bin seit Jahren in einem Panel für wissenschaftliche Studien und werde immer wieder zu Umfragen angeschrieben – sehr super.)

Vor ein paar Wochen hatte es eine Online-Vorbefragung gegeben, einige Termine für Online-Diskussion zur Auswahl, der gestrige war der einzige nach Feierabend. Für die Diskussion bekam ich dann ein Pseudonym zugeteilt (ach, die seligen Zeiten der Nicks!), las eine Geschichte, an deren Ende es hieß: “Wie soll Sabine sich entscheiden?” Und dazu gab es eine Chat-Diskussion.

Eigentlich waren wir nach 20 Minuten durch, plänkelten noch ein wenig weiter, unter anderem fand ein*e Teilnehmer*in heraus, dass unsere Pseudonyme fast alle Namen von Sternen waren (<3). Ich hatte den Eindruck, dass der größte Unterschied nicht in Meinungen bestand, sondern in der Vertrautheit mit Chat-Diskussionen (strich sie sich ihren langen Internet-Bart).

Dass ich nebenbei frisch geknipste Nägel feilte, war sicher ok.

Zum Nachtmahl machte Herr Kaltmamsell währenddessen getrennt Linsen und Polenta (beide aus heimischem Anbau), das war genau das richtige Essen für den kalten Tag.

Schon am Montagabend hatte ich Gabriele Tergit, Käsebier erobert den Kurfürstendamm ausgelesen – endlich. Für den Roman hatte ich selten viel Zeit am Stück, er gefiel mir dennoch, aber er konnte mich so nicht fangen. Erstaunlich fand ich meine konstante Assoziation mit der Signa-Pleite, auch vor fast hundert Jahren bestand die Baubranche zu großen Teilen aus Halunken. Nächste Lektüre rechtzeitig frei in der Münchner Stadtbibliothek: Ulrike Draesner, Die Verwandelten. Ich begann im Bett zu lesen, und Draesners Erzählweise fing mich sofort, schon die Beschreibung der ICE-Fahrt, mit der der Roman beginnt:

Vor den Fenstern schwamm die Winternacht. Leise summend, fast lautlos glitt der ICE durch ihre Dunkelheit auf Hamburg zu, eine leuchtende, biegsame Stahlnadel, gezogen durch den Saum eines dunklen Kleides.

Doch das ist pragmatische Poesie, der Grundton ist lakonisch bis selbstironisch:

Wir, die Babyboomer, Generation Eigenschaftslos, schoben uns als Wählerbalken die Alterspyramide hinauf.

Ich musste mich mit Kraft losreißen, um nicht zu spät einzuschlafen: Der Mittwoch würde wieder Energie kosten.

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Kristian Köhntopp erklärt mir und meiner Altersgruppe in seinem Blog nachvollziehbar:
“Die Welt Deiner Kindheit existiert nicht mehr”.

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Immer eine entspannende Labsal: Der instagram-Kanal London Suburbia.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 10. Juni 2024 – Europawahlkater

Dienstag, 11. Juni 2024 um 6:20

Besonders tiefer und guter Schlaf, ich wachte kurz vor dem Weckerklingeln erfrischt auf.

Das Draußen allerdings regnerisch, das fand ich nicht so schön. Marsch in die Arbeit also unterm Regenschirm in leichtem Regen – zumindest in milder Luft. Banger Blick auf den Isarpegel: Achweh, schon wieder am Steigen. Bis in die Nacht bewegte er sich um die Meldestufe 1.

Am Arbeitsplatz geordnete Emsigkeit, ich packte sogar einen komplexen Job gelassen an, der schon am Donnerstag hereingeschneit war und den ich mit “Oh Gott oh Gott, nee” erstmal wegschob. Montäglich leere Bürogänge, die selten Anwesenden oft mit gefährlichem Kontaktsuch-Blick.

Als ich auf meinen Mittagscappuccino ins Westend marschierte, hatte der Regen aufgehört. Ich genoss Bewegung und Heißgetränk.

Zu Mittag gab es am Schreibtisch Pumpernickel mit Butter und zwei hervorragende Nektarinen.

Auch nachmittags war ich gut beschäftigt, durch Ungeplantes länger als eigentlich gewünscht. Über den Nachmittag war es richtig sonnig geworden, nach Feierabend brauchte ich keine Jacke mehr.

Auf dem Heimweg in Lindenblütenduft Einkäufe beim Vollcorner fürs Abendessen: Der Ernteanteil war so gut wie fort, auf meinen Vorschlag sollte es eine Schüssel bunten Salat geben.

Zu Hause hängte ich nach dem Auspacken erstmal Wäsche auf, machte mich fertig für eine Runde Pilates – aber das wurde nichts: Die eingemerkte neue Folge war mir mit 45 Minuten für die vorgerückte Zeit zu lang, und auf die Schnelle wollte mir auch nichts anderes ein- oder gefallen. Ich rollte meine Matte ungenutzt wieder ein und machte mich statt dessen in aller Ruhe ans Abendessen: Eisbergsalat (in lokaler Freiland- und Bioqualität schmeckt der sogar nach was; der Vererdung nach war sein Beet im Starkregen gelegen), Gurke, rote Spitzpaprika mit einem Joghurt-Schnittlauch-Dressing – wurde sehr gut. (Für die Dienstagsbrotzeit Mango mit Sojajoghurt vorbereitet.) Den Salat gab es mit einem Stück Tomaten-Focaccia, das ich beim Vollcorner mitgenommen hatte. Nachtisch Schokolade.

Weiterhin drückte mich die große dunkle Wolke der Europawahlergebnisse nieder.

Grafik mit Ergebnis der Europawahl im Münchner Stadbezirk 2: Große Verluste bei den Grünen

Selbst in der Villa Kunterbunt meines Münchner Stadtbezirks 2 hat die AfD Stimmen gewonnen, wenn auch nicht in dem Maß wie in ganz Deutschland. So viele Menschen, die sich offensichtlich eine ganz andere Gesellschaft wünschen als ich. Das muss ich wirklich erstmal verarbeiten.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 9. Juni 2024 – Europawahlhelfen

Montag, 10. Juni 2024 um 6:09

Recht gute Nacht, aber der Wecker klingelte halt um halb fünfsechs fürs Wahlhelfen.

Der schnelle Schluss-Check des bereits geschriebenen Blogposts scheiterte an Online-Unerreichbarkeit des Blogs; zum Glück war auch Herr Kaltmamsell wegen Arbeitsdruck früh wach und kümmerte sich als Blog-Heinzelmännchen. Ich finalisierte den Text offline und legte das Veröffentlichen in seine Hände. Klappte auch kurz vor meinem Verlassen des Hauses.

Mein gestriger Einsatzort war die nahe gelegene Grundschule in der Tumblingerstraße, die ich schon von vorherigem Wahlhelfen kannte: Die dortige Turnhalle teilte sich mein Wahlkreis mit einem weiteren, es waren ab sieben genügend Helferinnen für den Aufbau vor Ort (Tische/Wahlkabinen/Stühle/Wegweiser/Hinweisschilder).

Papier mit Aufschrift „Karton zum Abdecken der Wahlurne“

Erstmals stellte das Wahlamt einen designierten Pappadeckl zum Abdecken des Einwurfschlitzes an der Wahlurne bereit; meine Aufgabe als Stellvertretende Wahlvorsteherin war u.a. die Betätigung desselben.

Die vorhergehende Wahlhilfe war ja so anstrengend gewesen, dass ich vorübergehend die Lust verlor, mir dann aber für die wirklich einfach zu handhabende Europawahl nochmal einen Ruck gab. Das war eine hervorragende Idee: Super Team, super Zusammenarbeit, schön viele und bunte Wähler*innen, darunter zahlreiche quietschjunge Erstwähler*innen. Jetzt bin ich wieder hoch motiviert für die nächsten Wahlen: Ohne Wahlhilfe keine Wahlen keine Demokratie, ich stehe auf Demokratie, Wahlen müssen sein, Wahlhilfe ist mein Mindestmaß an Demokratie-Stütze.

Nach meiner Vormittagsschicht ging ich am Kaiser-Ludwig-Platz selber wählen (das Münchner Wahlamt hat inzwischen den Ablauf stark formalisiert, die Kolleg:innen in diesem Wahlraum machten alles exakt so wie wir), dann nach Hause. Herr Kaltmamsell sorgte für Mittagessen – er selbst war als gemeldeter Wahlhelfer stand by für eventuelle Ausfälle am Wahltag, wurde aber nicht benötigt. Es hatte ein Missverständnis in der Essensplanung gegeben, deshalb begann er erst bei meinem Eintreffen mit Kochen.

Gedeckter Tisch, im Vordergrund ein weißer Teller mit langen Nudeln, Speck und geriebenem Käse. im Hintergrund eine schwarze Pfanne mit langen Nudeln

Es gab Bucatini alla carbonara, wunderbar.

Den Nachmittag verbrachte ich mit Zeitunglesen, Brudertelefonat, einer sehr schönen Stabi-Einheit Pilates.

Auf dem Weg zurück zum Wahllokal zum Auszählen regneten mich ein paar Tropfen an, es war schwül. Das Team arbeitete auch in dieser Phase gut und flott zusammen, wir waren zeitig fertig (nur wenig nach dem anderen Wahllokal-Team im Raum).

Turnhallenwand mit Tür, links davon ein Basketball-Korb, darüber eine Uhr mit Zeigern auf 19:46 Uhr, rechts davon eine gelbe Tonne mit dem Wappen von München

So war ich tatsächlich schon zur Tagessschau daheim. Aus der ich dann niederschmetternde Nachrichten übers Wahlergebnis erfuhr. Ich will einfach nicht glauben, was sie über die Wähler*innen aussagen.

Zum Abendessen gab es Käse, Kiwi mit Sojajoghurt, Schokolade.

Vorbereitungen des Arbeits-Montags, draußen regnete es sich ein.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 8. Juni 2024 – Schwimmen in Sonne, Demo mit Regenspritzern

Sonntag, 9. Juni 2024 um 6:40

In der Nacht dreimal wach geworden, aber dazwischen gut geschlafen, außerdem auch lang genug.

Draußen begrüßte mich ein herrlicher Sonnenmorgen, aber auf dem Balkon war es um sieben definitiv noch zu kalt für Morgenkaffee (völlig in Ordnung).

Wärmer wurde es nach und nach. Als ich nach Milchkaffee, Wasser, Tee startklar fürs Radeln zum Schwimmen war, brauchte ich schon keine Jacke mehr. Ich war um zehn so früh dran, dass der Verkehr mich noch entspannt radeln ließ, ich genoss die Luft und die Lindendüfte.

Die Schwimmbahnen im Dantebad waren angenehm übersichtlich beschwommen, ich konnte nach Herzenslust durchziehen. Die Sonne schien, der Himmel blaute mit nur wenigen Wolken, noch war die Belästigung durch Frittenfettdunst minimal, statt dessen roch ich Lindenblüten. 3.300 Meter gingen spielend.

Auf dem Rückweg blieb das Radel-Vergnügen aus: Zu wenige und zu schmale Radwege für zu viele E-Roller und Fahrräder (die dann auch noch ratschend nebeneinander Überholen unmöglich machten), hupende Autos – in München fühle ich mich auf dem Rad immer weniger sicher. Dann hing an der angefahrenen Bäckerei auch noch ein Schild “vorübergehend geschlossen”, ich musste einen Umweg radeln.

Daheim nach dem Auspacken kurz nach eins Frühstück: Körnersemmeln (die Kernigen vom Wimmer sind weiterhin meine Favoriten), Nektarine und Pfirsich (beide hervorragend). Die Folge war komplettes Fresskoma, ich legte mich kurz hin.

Ein wenig Zeitunglesen auf dem Balkon, dann der nächste Programmpunkt: Demo gegen Rechtsextremismus auf dem Königsplatz. Ich spazierte allein hin, denn Herr Kaltmamsell musste arbeiten. Kaum angekommen traf ich auf eine langjährige Internet-Bekanntschaft; wir blieben die Demo über zusammen stehen.

Neklassizistisches Gebäude, dafür demonstrierende Menschen

Die Veranstalter sprachen von 25.000 Teilnehmenden, das schien mir dann doch arg viel. Aber meherer Tausend waren es wohl schon.

Die Stars der Demo auf der Bühne waren die “Omas gegen rechts”: Ca. 30 Frau hoch kamen sie auf die Bühne, sangen, hielten eine aufgeregte Rede – wurden enorm bejubelt. Es regnete hin und wieder ein bisschen, machte nicht mal richtig nass.

Aber die Luft kühlte spürbar ab, auf dem Weg nach Hause fröstelte mich in meinem Sommerkleid. Zu Hause hatte ich noch Zeit für Hausaufgaben: Wahlunterlagen für Sonntag durchgehen. Danach fühlte ich mich sicherer und ruhiger.

Bei dieser Gelegenheit zwei Hinweise:
1. Fotografier- und Filmverbot bei der Stimmabgabe
Wenn wir bemerken, dass Sie in der Wahlkabine fotografieren, DÜRFEN wir Ihren Stimmzettel NICHT annehmen. Sie müssen dann den Stimmzettel zerreißen und bekommen einen neuen.
BITTE fotografieren/filmen Sie nicht hinter der Sichtblende.
2. Wenn Sie vergessen haben, Ihre Briefwahlunterlagen einzuwerfen: Macht nichts, das können Sie bis morgen 18 Uhr an Sonderbriefkästen machen (Adressen finden Sie online).
Oder Sie gehen mit dem Wahlschein (!) darin morgen live wählen (also nicht mit ihrer Wahlbenachrichtigung).
Was NICHT geht: Briefwahlunterlagen in die Wahlurne werfen.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell auf meinen Wunsch Moussaka mit Champignons, Skyr und braunen Bohnen zubereitet.

Gedeckter Tisch, in der Mitte eine Auflaufform, die zu einem Drittel leer ist, unten auf dem Teller Auflauf aus Auberginen, Sauce, Kartoffeln, braunen Bohnen

Schmeckte gut, ich mochte die Bohnen, Auberginen, den Bechamel-Deckel – doch zum einen waren die Champignons überflüssig, und zu anderen schmeckte sie uns beiden dann nicht so großartig wie der enorme Aufwand. Wenn vegetarische Mousska, dann lieber die von Delia Smith mit Linsen. Dazu gab es restliche Maibowle, danach Schokolade.

§

Ein Interview auf tagesschau.de mit Europa-Expertin Thu Nguyen, stellvertretende Direktorin des Jacques Delors Centre – falls Sie doch noch einen Stupser brauchen, heute wählen zu gehen.
“Europawahlen 2024, ‘Macht einen Unterschied, wer im Parlament sitzt'”.

Die Europawahl ist extrem wichtig. Auf europäischer Ebene werden Themen entschieden, die Deutschland allein gar nicht lösen kann – sei es bei Klimaschutz, Migration, Verbraucherschutz oder Bürgerrechten.

Ich habe mir zu den Europawahlen verschiedene Studien und Umfragen angeschaut – und in Deutschland werden Bundestagsentscheidungen für viel wichtiger gehalten als Entscheidungen des Europäischen Parlaments. Laut der Bundesregierung gehen jedoch zwei Drittel der deutschen Gesetze auf Gesetze der EU zurück.

Es ist einfach noch nicht in der breiteren Bevölkerung angekommen, welche und wie viele Gesetze tatsächlich auf europäischer Ebene erlassen werden. Und dafür kommt es darauf an, wer im EU-Parlament sitzt.

Was nichts daran ändert, dass viele Mechanismen der EU meiner Ansicht nach reformiert gehören. Was durch Nichtwählen sicher nicht geschieht.

Nochmal Ngyen:

Es macht einen Unterschied, wer im Europaparlament sitzt. Es macht einen Unterschied, wer die Kommissionspräsidentin ist. Es macht gerade bei diesen großen Themen wie Klima, Migration, Bürgerrechten, Verbraucherschutz einen Riesenunterschied, ob wir ein progressives Parlament haben oder nicht.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 7. Juni 2024 – Herrlicher Lerchenlauf mit Idee, weiter hoher Isarpegel

Samstag, 8. Juni 2024 um 8:04

Diese Woche war so voll, dass ich mich daran erinnern musste, dass Freitag und gleich Wochenende war: Der Vormittag fühlte sich wie ein Mittwoch der nächsten Woche an.

Dennoch gönnte ich mir das Lerchen-Privileg eines Isarlaufs vor Büro und damit einen 40 Minuten späteren Arbeitsanfang als gewöhnlich. Den besonders frühen Wecker brauchte ich nicht mal, weil ich um fünf in eine Angstphase glitt und die Nacht gerne beendete. (Bei geschlossenem Fenster: Auch Silikon-Ohrstöpsel führen zu schuppiger, juckender Haut im Gehörgang – meine Ohren wollen atmen.)

Bis ich unter gemischtem Himmel vors Hoftor trat, war ich wirklich munter und freute mich auf die Isar. Die Luft war kühl und atmete sich wundervoll mit einer Mischung aus Nässe von den Regenschauern der Nacht und Blütendüften (allen voran von den Linden). Ich lief am Fluss immer wieder mit ausgebreiteten Armen über die leeren Wege, es war gar zu schön.

Wenige Tiersichtungen, einmal Gänsesäger auf Wellen, einmal Stockenten, die auf der überschwemmten Uferwiese grasten.

Asphaltierter WEg zwischen hohen Bäumen an einem Bach

Westermühlbach

Ein uralter, zerknautschter, als solcher fast nicht mehr erkennbarer Fußball auf dem Boden

Selbst auf meiner Laufrunde werde ich von Fußball belästigt!

Graffiti-bemalte Hausecke, darauf auch "wogra-m.de"

Breiter Fluss im Gegenlicht von tiefer Sonne zwischen Wolken, an den Rändern Bäume, im Hintergrund ganz klein ein Turm

Breiter Fluss von Brücke aus im Gegenlicht von tiefer Sonne zwischen Wolken, an den Rändern Bäume, im Hintergrund links Kirchtürme

Blick auf Fluss vom überschwemmten Ufer aus, Himmel dahinter blau mit weißen Wolken, zwei weiße Schlote

Blick vom überschwemmten Ufer aus den Fluss entlang, blauer Himmel spiegelt sich im Wasser, in der Ferne Dunst über Wasser vor grünen Bäumen

Blick zwischen Bäumen hinaus auf einen Holzsteg

Zu meiner Überraschung und Freude war der Flauchersteg nicht mehr gesperrt.

Blick hinaus auf einen Steg aus Brettern mit Brüstung, der sich über braunes Wasser windet, im Hintergrund Bäume

Blick auf schäumenden Fluss im gegenlicht, im Vordergrund Stangen von brüstung, im Hintergrund die Silhouetten von Bäumen

Blick auf schäumenden Fluss zwischen Bäumen, am untere Rand steht im Schatten ein Mann

Selbst Hundegassiführer*innen waren gestern Morgen rar.

Unbefestigter Weg in altem Friedhof, Licht von Morgensonne

Das letzte Stück durch den Alten Südfriedhof.

Ich lief mit leichtem Herz, und mir wuchs eine super Idee, nennen wir sie doch einfach Tagtraum. So fing es an: Ich würde sehr gerne mal mit Elfriede Jelinek über Marieluise Fleißer sprechen – ich weiß, dass sie die Fleißer sehr schätzt, sie sogar mal besucht hat. Dann fiel mir ein, dass auch Herta Müller Marieluise Fleißer schätzt. Am allerliebsten, so dachte ich dann weiter, wäre ich dabei, wenn sich Herta Müller mit Elfriede Jelinek über Marieluise Fleißer unterhält. In meinem Wohnzimmer. Was ich als Podcast verarbeiten würde. Das stellte ich mir dann im Detail vor. Ich würde auch Kuchen backen.

Daheim flinke Körperpflege, unter jetzt immer düstererem Himmel marschierte ich ins Büro.

In der Arbeit geordnetes Wegschaffen, ich fühlte mich nützlich. Mittagscappuccino bei Nachbars: In den Salongschleichern, die ich fürs Büro eingesteckt hatte (Arbeitsweg in Turnschuhen), schmerzte die rechte untere Ferse wieder ausgesprochen unangenehm und nahm mir den Antrieb für einen weiteren Weg. Zu Mittag gab es einen Apfel und Pumpernickel mit Butter.

Weiteres Wegackern. Ab 15 Uhr fuhr ich ein paar innere Systeme runter und arbeitete nur noch weitgehend Hirnloses (z.B. Datenbank-Töckeln). Einmal am Nachmittag und dann kurz nach meiner Heimkehr (Einkäufe im Lidl und Vollcorner) gab es sehr kurze, heftige Gewitter mit je einem Regenduscher – auf dem Regenradar sah das lustig aus:

Screenshot vom Regenradar, der fast nur genau über München einen dunkelblauen mit lila Fleck zeigt

Der Isarpegel wollte auch weiterhin nicht unter Meldestufe 1 sinken.

Zu Hause turne ich eine halbe Stunde Pilates (nochmal “Entspannt mit Pilates”), bereitete den Ernteanteil-Salat fürs Abendessen vor, dann gab es sogar auf dem Balkon die Maibowle, die wir für den Samstag davor angesetzt hatten (den aromatierten Weißwein hatten wir Vakuum-verplöppelt, als unsere Gäste wegen Wasser im Keller ausfielen). Drei Mauersegler flitzten ein paar Mal schrillend ganz nah ums Hauseck.

Blick über Balkonbrüstung hinaus in Bäume, durch die sich die Sonne bricht

Die Wochen mit dem höchsten Sonnenstand des Jahres: Sie schafft es bis weit übers Nebengebäude.

Nachtmahl: Von Herrn Kaltmamsell ein Creme-Süppchen aus der Mairübe im Ernteanteil, der Salat mit klassischer Vinaigrette, darin ganz junger Knoblauch aus Ernteanteil, mit zugekauften Tomaten, dann allgäuer Käse vom Markt. Nachtisch Schokolade.

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Vielleicht mögen Sie sich zur Europawahl durch den
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Welche Parteien und sonstigen politischen Vereinigungen denken in Sachen Klimawandel und Nachhaltigkeit wie ich?

Es tauchen auch EU-Umweltthemen auf, die Ihnen vielleicht nicht präsent waren.
(Dahinter stehen Scientists for Future.)

die Kaltmamsell