Journal Donnerstag, 21. November 2019 – Da muss man durch

Freitag, 22. November 2019 um 6:39

Beim Kreuzen der Theresienwiese Möwen gehört. Ein Tag mit durchgehend starkem Humpeln, da half kein Beinaushängen an einer Treppenstufe.

Mittags Birchermuesli mit Joghurt und die Granatapfelkerne vom Vortag, nachmittags ein halber Eiweißriegel. Schlechte Laune wegen “so kann ich nicht arbeiten”, heftiges Zähnezusammenbeißen, weil ich keine Alternative weiß. Ich wünschte wirklich, ich wäre materiell genügsamer, das würde schon mal Alternativen eröffnen; leider macht mich der Zwang zum Pfennigfuchsen unglücklich.

Abends Reha-Sport. Progressive Muskelentspannung konnte mich natürlich nicht aus der Totalverkrampfung wegen Arbeitsumständen holen, verwandelte Stress lediglich in Niedergeschlagenheit. Zumindest (ZUMINDEST! Sie sehen, ich bemühte mich, Niedergeschlagenheit in Wut zu kanalisieren) war ein Trainer im Geräteraum, der mir Ersatzübungen für die wegen Schmerz unmöglichen geben konnte.

Spät durch die kalte, trockene Nacht nach Hause geradelt. Dort gab es den halben Zuckerhut aus Ernteanteil als Salat: Meyer-Zitronen-Tahini-Dressing (das ich nach dem Probieren mit Ahornsirup nachsüßte), Organgenstücke, Walnüsse. Sehr wohlschmeckend und schön viel. Nachtisch Schokolade.

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Sheila Mysorekar schreibt im Online-Magazin M der Gewerkschaft ver.di, Fachbereich 8 (Medien, Kunst, Industrie):
“Nazis muss man Nazis nennen”.

via @giardino

Nein, Menschen aus Einwandererfamilien sind nicht ‚überempfindlich’ – wir haben nur ein besseres Radar für die Drohungen, die von rechten Gruppen ausgehen. Weil sie uns als Erste treffen werden.

(…)

Aber auch „harmlose“ Formulierungen können den Rechtsextremen Vorschub leisten: Wir müssen erkennen, welchen Anstrich sich der Rassismus und der Faschismus heutzutage geben. Heute argumentiert niemand mehr biologisch. Heute sagt niemand mehr: „Afrikaner sind eine minderwertige Rasse“, sondern es heißt, „die unterschiedlichen Kulturkreise sind nicht kompatibel“ oder „im Islam herrschen archaische Werte, die mit den demokratischen Werten nicht übereinstimmen.“

Wir müssen erkennen, wie das gemeint ist. Kultureller Rassismus ist gesellschaftlich akzeptierter, folgt aber denselben Gesetzmäßigkeiten und der Logik von biologisch fundiertem Rassismus. Er läuft auf das Gleiche hinaus – dass bestimmte Gruppen von Menschen weniger wert sind als andere.

§

Diese Geschichte, die die Rheinische Post auf Twitter erzählte, geht seit zwei Tagen durch mein Internet, sie beginnt mit

Ein junger Mann aus einer Stadt am Niederrhein hat uns geschrieben. Er möchte, dass wir seinen Namen aus einem Artikel bei @rponline löschen.

Warum die Redaktion der Bitte nachkam, steht hier und ist bitter.

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Schon seit einigen Monaten habe ich das Online-Magazin Mit Vergnügen München im Feedreader. Auch wenn es sich um ein kommerzielles Projekt mit hauptsächlich PR-Beiträgen handelt (was völlig ok ist, ich wiederhole gerne: Das Internet ist groß genug für uns alle!), finde ich hier immer wieder informative redaktionelle Inhalte. Zum Beispiel:
“11 Münchner Instagram-Accounts, die die schönsten Seiten der Stadt zeigen”.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 20. November 2019 – Berufsradeln

Donnerstag, 21. November 2019 um 6:51

Mühsames Aufstehen, weil der letzte Schlafabschnitt vor Weckerklingeln nicht geklappt hatte.

Aber erst mal bin ich ja immer munter, also Kaffee, Umziehen, für 20 Minuten auf den Crosstrainer, Dehnen, Pflanzengießen. Auf dem Weg in die Arbeit erlebte ich dann etwas Techniktagebuch-würdiges.

Aus Arbeitsgünden war ich vor der Mittagspause nochmal mit dem Radl unterwegs, mochte das ganz gern: Es war immer noch nicht frostig, außerdem war es zwar hochneblig-düster, aber trocken.

Zu Mittag gab es das Restl Buchweizen mit roter Paprika, Gurke und Petersilie, das ich mir am Vorabend angerichtet hatte, als Nachmittagssnack ein Stück schwarze Schokolade und eine Hand voll Nüsse. (Abends fiel mir ein, dass ich das Glas mit Granatapfelkernen vergessen hatte, das ich nachmittags hatte essen wollen. Hoffentlich war es ihm in der Schreibtischschublade nicht zu warm.)

Nachmittags rief der Gürtelmacher an: Gut zwei Monate nach Bestellung und Anzahlung war das Geburtstagsgeschenk für Herrn Kaltmamsell fertig, ein schwarzer Gürtel. Ich radelte nach Feierabend zum Abholen hin, blieb kurz angebunden, denn wir werden sicher nicht nochmal Geschäfte miteinander machen: Der handgefertigte Gürtel, den ich mir vor ein paar Jahren in Berlin hatte machen lassen, brauchte nach Wahl des Materials und der Schnalle nicht mal zwei Stunden, in denen ich Kaffeetrinken gehen konnte. Der Termin, den der Handwerker mir zum Anvisieren der Abholung angegeben hatte, war “zweite Oktoberfestwoche” gewesen. Ich hatte vor drei Wochen schon mal in seinem Laden vorbeigeschaut und mich nach dem Verbleib meiner Bestellung erkundigt, der Herr hatte die Verzögerung damit erklärt, dass er auf das Leder habe warten müssen und er jetzt zehn Gürtel zum Abarbeiten habe. Auch für zehn Gürtel finde ich drei Wochen Bearbeitung deutlich zu lange, den nächsten solchen lasse ich wieder in Berlin machen.

Aber die richig gute Nachricht: Die Theresienwiese ist wieder passierbar! Ich hatte schon morgens gesehen, dass der Bauzaun ums Gelände fort war und nahm den Weg über den Bavariapark (sah, dass vorm Verkehrsmuseum dieses Jahr ein Christkindlmarkt aufgebaut wird). Schon hege ich die Hoffnung, dass sich der Zustand meiner Hüfte vielleicht bald bessert und ich wieder morgens mit Blick auf Weite und Kollegin Bavaria in die Arbeit spazieren kann.

Fürs Abendessen sorgte ich, es gab Kaiserschmarrn.

Besonders gut schmeckte das Apfelmus von Denree, nämlich so intensiv nach frischen Äpfeln, dass ich bezweifelte, dass es gekocht war.

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Wer wie ich das Blog von Nicky Stich, Delicious Days, vermisst, freut sich wahrscheinlich wie ich, dass sie jetzt ein instagram hat, @nicky_deliciousdays (so sagt man nämlich “mein instagram” nicht etwa “mein instagram-Konto”).

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Auf Twitter einer Empfehlung gefolgt und diesen Vortrag über die Auswirkung des Klimawandels auf die Kunstgeschichte und des Steigens des Meeresspiegels auf Weltkulturerbe angesehen.

Ben Marzeion: Before the Deluge – the UNESCO World Heritage under Climate Change from KHI Florenz on Vimeo.

Viele hochspannende Details, darunter ein Praxistipp von Ben Marzeion, Professor für Klimageografie an der Uni Bremen: Wenn man ein Grundstück am Meer hat und einen Gletscher im Garten, sollte man zur Vermeidung von Versinken kontraintuitiverweise den Gletscher so schnell wie möglich ins Meer schmelzen, weil dadurch die Höhe des Grundstücks überm Meerespiegel steigt! (Es folgt die Erklärung, kurz: Druck von Gletscher auf Untergrund und Anziehungskraft Gletscher auf Meerwasser.)

Ich war auch deshalb fasziniert, weil ich erst kürzlich wieder auf einen Klimaskeptiker gestoßen bin: Viele, viele Fachrichtungen sind seit vielen Jahren damit beschäftigt, Lösungen für die Folgen des Klimawandels zu finden – sie sind längst über das “ob” hinaus, an dem sich die Klimaskeptiker abarbeiten. Als erste fallen mir Rückversicherer ein, die zu den ersten gehörten, die die Folgen des Klimawandels beschrieben und berechneten: Ihr Geschäft hängt davon ab, so etwas rechtzeitig zu erkennen, weil ihre Kundschaft von den Schäden bedroht ist und sich dagegen absichern muss. Dann fällt mir Weinanbau ein: In absehbarer Zeit, wenn nicht schon heute, sind die klassischen Rieslinganbaugebiete klimatisch nicht mehr für den Anbau von Riesling geeignet, Weinanbau generell wandert immer weiter nach Norden und ist in Europa bereits in Schweden gelandet. Und dann eben Archäologie und Kunstgeschichte: Schon heute ergreifen Museen Maßnahmen zur Absicherung, gibt es Projekte zum Schutz von Kulturschätzen.

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“Die Hochzeitsfotografin
‘Würde es wirklich auffallen, wenn ich die Hochzeitsfotos, die ich vor zwei Wochen geschossen habe, mit den heutigen verwechsle?'”

Andererseits: Aber wenn’s die Beteiligten halt freut und die richtigen dran verdienen.

Für mich enthielt der Text viel Neues, ich habe nämlich den Anschluss an Hochzeitsstandards direkt nach dem Lokalzeitungsteil meines Volontariats verloren, also Ende der 80er. Damals waren die total individuellen Standards: Kleid wie explodierter Sahnebaiser (die Bräute nannten den Stil “Prinzessin”), Dauerwellenfrisur, Kopfschmuck mit einem Spitzreif in die Stirn. Immer wurde irgendwas gemeinschaftlich vom Brautpaar zersägt.

Klar, gewisse Ähnlichkeiten gab es wohl schon immer. Aber erst in den letzten Jahren hat sich ein ganz bestimmter Stil durchgesetzt. Ich nenne das mal den „Instagram-Pinterest“-Stil, den ich am ehesten als „vintage“ und „bohemian“ beschreiben würde. Also viele Pastellfarben, viel Holz und Selbstgebasteltes.

Aber sehr schön: Das Hochzeitsessen scheint seit den 80ern gleich geblieben. Schon damals wunderte ich mich, dass die Brautleute nicht das servieren ließen, was sie und ihre Freunde gerne aßen, sondern was sich laut Tante Trudi für Hochzeiten gehörte.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 19. November 2019 – Halt auch

Mittwoch, 20. November 2019 um 6:20

Ereignisloser Tag. Trockenes Radeln in die Arbeit, Wetter meist sonnig, Temperatur immer noch über Null.

Mittags Birnen und Mandarinen mit einem Stückchen Manchego, Nachmittagssnack ein halber Eiweißriegel.

Arbeit überschaubar und ohne Querschläger.

Heimradeln über Biosupermarkt, dort vor allem Obst und Gemüse für Brotzeit gekauft, außerdem Apfelmus und Eier für das Mittwochabendbrot.

Zum gestrigen Nachtmahl verarbeitete Herr Kaltmamsell den Rosenkohl aus Ernteanteil zu einem Pastagericht mit Orecchiette und etwas frische roter Chilli.

Während er Abendbrot kochte, schnippelte ich mir schon mal die Brotzeit für Mittwoch: ein Restl Buchweizen mit roter Paprika, Gurke und Petersilie.

Abendunterhaltung war die jüngste Folge Anstalt aus der Mediathek zu 30 Jahren Mauerfall. Für mich enthielt sie wenig Neues, doch ich war sehr angetan über die beiden Gäste von “Zärtlichkeiten mit Freunden”. Hier die extended version ihrer Nummer aus der Anstalt:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/6Bk88pJf2q4
die Kaltmamsell

Journal Montag, 18. November 2019 – Hadern mit Kajal und Roter Bete

Dienstag, 19. November 2019 um 6:55

Kurz nach fünf geweckt worden von Mauern-erschütterndem Husten im Hinterhof, auf den mein Schlafzimmerfenster raus geht. Ich hatte eh früher aufstehen wollen für etwas Morgensport: 20 Minuten Crosstrainer, Liegestütz (ächz!), Plank, eine Bauch-Übung.

Beim Schminken haderte ich wie öfter in letzter Zeit, nämlich seit ich den aktuellen dunkelgrünen Kajalstift in Betrieb genommen habe. Sein Vorgänger von Jade hatte über 15 Jahre gehalten, täglich malte ich mir das untere Innenlid damit grün und musste ihn doch nur etwa viermal im Jahr spitzen. Vor ein paar Jahren rechnete ich durch, dass ich mit drei weiteren solchen Stiften bis an mein Lebensende versorgt sein müsste und kaufte sie – allerdings war die Firma Jade mittlereweile von Maybelline übernommen worden: Der Eyeliner sah fast genauso aus wie der Vorgänger, das würde schon passen.

Das tut es leider nicht. Ich weiß nicht, ob es am Holz liegt, an der Mine oder am Spitzer: Ich muss mindestens wöchentlich nachspitzen, und zwar ziemlich lange, bis kein spitzer Holzsplitter um die Mine mehr mein Augenlicht gefährdet. Es könnte durchaus am Spitzer liegen: Ich bilde mir ein, dass mein ganzganz früherer (warum habe ich den eigentlich nicht mehr?) verhältnismäßig flach spitzte, so dass nur wenig Holz frei lag, also nicht wie ein Bleistiftspitzer. Deshalb hier eine explizite Bitte um Rat: Wissen Sie einen wirklich guten Kajalspitzer oder wissen einen wirklich guten (nicht zu hart, nicht zu weich) dunkelgrünen Kajal fürs Innenlid?

Radeln in die Arbeit, die Theresienwiese ist immer noch nicht passierbar. Das Wetter den ganzen Tag so strahlend sonnig, wie ich es mir fürs Wochenende gewünscht hätte, kühl, aber nicht frostig.

Mittagessen Rote Bete, die ich wirklich gern mag. Meine Liebe hat allerdings eine Einschränkung: ihre Farbe. Sie färbt so tückisch, dass ich sie eh nur mit Einweg-Gummihandschuhen verarbeite (die ich mehrfach benutze, bis sie Löcher bekommen), dass ich bei jedem Bissen wie ein Haftlmacher aufpasse. Und dann hatte ich nachmittags immer schmerzhaftere Blähungen – vertrage ich Rote Bete etwa nicht mehr?

Daheim machte ich mir Fencheltee, in unserem Kulturkreis gilt der ja als Blähungsbekämpfer (in anderen weiß man davon genauso wenig wie von Salbei gegen Halsweh). (Dass die Packung sechs Jahre überm Mindesthaltbarkeitsdatum war, tut der Wirkung ganz! sicher! keinen Abbruch.) Tatsächlich wurden die Blähschmerzen weniger, das wären sie aber vielleicht auch ohne den Tee.

Zum Abendessen aus Ernteanteil eine Lauch-Kartoffelsuppe, gefolgt von Schokolade.

Nach der Tagesschau schaltete ich den Fernseher aus, um Toni Morrisons Beloved auszulesen. Ja, definitiv Weltliteratur (mehr nach Besprechung in der Leserunde). Früh ins Bett.

§

Nächsten Mai wird der vermutlich wichtigste Reiseführer seit dem Hitchhiker’s Guide Through the Galaxy veröffentlicht: Kathrin Passig, Aleks Scholz, Handbuch für Zeitreisende: Von den Dinosauriern bis zum Fall der Mauer.

Ein bisschen habe ich hinter den Kulissen (also im Redaktions-Chat des Techniktagebuchs) die Recherchen der Entstehung mitbekommen (mein Input wurde grundsätzlich mit “albern” abgelehnt, es wird sich also um ein sehr, sehr ernsthaftes Buch handeln) (auf jeden Fall war wohl die Einhaltung der Naturgesetze ein großes Anliegen, pft).

§

Es kommt nicht nur mir so vor, als seien Taschen in Frauenkleidung, vor allem ihr Fehlen, ein Thema geworden:
“The History of Women’s Terrible Pockets”.

via @DJ7o9

“There’s definitely more of an awareness, and almost a political demand for pocket equality, on social media,” she says, citing an example of the dresses worn at the recent Oscars, in which women posed for photos “with a hand conspicuously in their pocket.”

(…)

I’m just one person reviewing gear and apparel, but I’ve started asking about pocket functionality when I accept products for review. I turn down a lot of clothing without them. If you’re an outdoor-industry designer reading this, hear our pleas: We want our clothes to help us go hands-free when we play outside. If it can’t fit a phone, you can do better.

§

Michael Chabon beschreibt im New Yorker, wie er – an der Seite seines sterbenden Vaters wachend – über Star Trek nachdenkt (Chabon ist einer der Autoren der neuen Serie Star Trek: Picard):
“The Final Frontier”.

Nach Daniel Mendelsohn noch ein Schriftsteller, der eine fiktionale Welt der Kunst verwendet, um anrührend die Beziehung zu seinem alten Vater zu beschreiben.

via @hotelmama

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 17. November 2019 – Diverses Lesen

Montag, 18. November 2019 um 6:14

Ausgeschlafen, nach dem zweiten Schmerz-Aufwachen um kurz vor zwei sogar tief und durch.

Bloggen und Kaffee, Twitterlesen. Draußen war es wieder Hochnebel-grau. Ich setzte die Roten Bete aus Ernteanteil zum Kochen auf, während ich mich für ein wenig Sport umkleidete. Wieder nur magere 20 Minuten Crosstrainer-Strampeln.
Adduktoren und Hüftbeuger gedehnt.

Nach dem Duschen holte ich Semmeln – nur für mich, Herr Kaltmamsell war zu seinen Eltern nach Augsburg gefahren. Ich brauchte einen Regenschirm.

Beim Frühstück (Semmeln, ein Schälchen Cocido-Brühe) wurde es eine Weile heller, der Regen hatte den Hochnebel weggewaschen.

Zeitunglesen mit einer Kanne Tee. Als Herr Kaltmamsell heim kam, machte ich Apple Crumble aus Ernteanteil-Äpfel, die Streusel mit gemahlenen Mandeln gepimpt. Während des Backens bügelte ich ein wenig, damit nicht wieder ein unangenehmer Berg entstand. Dazu hörte ich den eben gekauften Soundtrack von Last Christmas – der besteht zwar nur aus original George Michael (ich hatte auf die Cover-Versionen aus dem Film gehofft), aber jetzt habe ich halt ein Best of George Michael in meiner Mediathek.

Aus den Roten Beten wurde mit Joghurt und Gewürzen eine Brotzeit für die Arbeit.

Nachmittags-Snack Apple Crumble mit flüssiger Sahne. Dann las ich in Beloved endlich mal an einem größeren Stück, bin immer noch sehr beeindruckt.

Zum Abendessen briet Herr Kaltmamsell uns Kartoffeln in Gänse- und Rinderfett, das in den vergangenen Wochen angefallen war.

Entspannungsbad vor dem Schlafengehen.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 16. November 2019 – Last Christmas

Sonntag, 17. November 2019 um 8:46

Sehr schlechte Nacht, Piekseschmerzen bis in die Zehen des rechten Beins, immer wieder musste ich Muskulatur ums Hüftgelenk durch Druck lösen oder mich im Stehen ausschütteln, um wenigstens ein Stück schlafen zu können. Aber: Trotz Sekt und Wein am Vorabend KEINE Migräne! Insgesamt frisch aufgewacht.

Über dem ersten Morgenkaffee füllte ich die aktuelle Umfrage der Uni Marburg zu regionalem Grammatikgebrauch in Deutschland aus – vielleicht mögen Sie ja auch?

Herr Kaltmamsell ging ein wenig Laufen und brachte Semmeln mit. Als der Besuch aufstand, gab es damit noch ein Stündchen Frühstücksplauderei. Nachdem wir uns verabschiedet hatten, genehmigte ich mir eine Runde Sport: Faszienrolle und Igelball, 20 Minuten Crosstrainer (praktisch schmerzfrei), Liegestütz (sehr anstrengend, ich kümmere mich seit Monaten zu wenig darum), Plank, Bauchübungen unter Umgehung des Hüftbeugers.

Zum Frühstück aß ich restliche Semmeln und machte mich dann auf eine Einkaufsrunde: Kaffeebohnen Christmas Blend vom Starbucks (ist eine Weihnachtsroutine geworden, don’t @ me), beim Basitsch Obst und Milchprodukte – wenn ich schon mal da war, auch Citronat und Orangeat für Stollen (ich erinnerte mich, dass diese beiden Produkte in Bio-Qualität in den vergangenen Jahren sehr früh ausverkauft waren).

Gehen war sehr mühsam, das letzte Stück nach Hause legte ich in Trippelschritten zurück.

Aufräumen, Internetlesen mit Gewürzspekulatius. Unter dem Hochnebel des Tages war es so duster, dass ich nachmittags im Flur das Licht anschalten wollte – nur um festzustellen, dass es bereits an war.

Ich hatte eine Nachmittagsvorstellung der Originalfassung von Last Christmas gefunden und kaufte online gleich eine Karte in der Mitte meiner Idealreihe 6 im Cinema. Nachdem meine Hüfte mir offensichtlich das viele Gehen vom Freitag übel nahm, ließ ich brav das Fahrrad stehen und nahm die U-Bahn ins Kino.

Dass der Film in nur wenigen Münchner Kinos läuft und das Kino gestern Nachmittag fast leer war, lag wohl nicht nur an der mageren Vermarktung (ohne den Hinweis von Joël hätte ich gar nichts mitgekriegt): Er floppt.

Selbst fand ich mich durchaus gut unterhalten von der Geschichte Kates, der jungen Frau in London, die so gerne als Sängerin Erfolg hätte, in einem altmodischen Laden für Weihnachtsdeko arbeitet, und ihr Leben so gar nicht im Griff hat, dass sie wieder bei ihren Eltern unterkommen muss. Das Ganze nicht auf realistischer Ebene von Gesellschaftsportrait oder -kritik, sondern vor der Kulisse eines angekitschten Ideal-Londons mit lieben Obdachlosen, Engels-Chören beim Verlieben, pointenreichen Dialogen. Ein Weihnachtsklassiker wird der Film aber schon deshalb nicht, weil er auf die überraschende Auflösung hinaus läuft, wer der charmante junge Mann in Wirklichkeit ist, der Kate zu einem neuen Blick aufs Leben verhilft (ich hatte zum Glück keine Ahnung und konnte tatsächlich überrascht werden).

Das Interessante fand ich die höchst gemischte Schauspielertruppe, die in vieler Hinsicht die bunte Realität von Londons Einwandererwelt abbildet, inklusive Fremdenfeindlichkeit nach Brexit-Votum und Abgrenzung zwischen den Einwanderer-Communities. Dabei umgeht die Rollenbesetzung mit den verschiedenen Ethnien Stereotypen – am ehesten entspricht noch die kroatische Mutter der Protagonistin einem Klischee.

Der Guardian fand den Film furchtbar (“a grisly, sub-Richard Curtis festive pudding”) , ich konnte eher noch die Besprechung im Spiegel von Hannah Pilarczyk nachvollziehen: “Was das Herz begehrt.”

Zum Nachtmahl gab es den restlichen Cocido vom Vortag und Schokolade, davor Moscow Mule – ich mag im Moment Drinks mit Ginger Beer ganz besonders.

§

Ingenieurin und Ozeanografin Derya Akkaynak hat ein Verfahren entwickelt, wie sich unter Wasser Fotos aufnehmen lassen, die die tatsächlich Farbigkeit wiedergeben, also ohne die Farbverzerrung, die durch die Lichtbrechung im Wasser entsteht (mit Filmchen!) – ein riesen Vorteil für die Forschung:
“Sea-thru Brings Clarity to Underwater Photos”.

§

Im Techniktagebuch schildert Mia Culpa liebevoll, wie sie ihre alte Mutter mit ihrem Smartphone vertraut macht, Stück für Stück und meist telefonisch:
“Das erste Smartphone meiner Mutter”.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 15. November 2019 – Besuch aus Oldenburg

Samstag, 16. November 2019 um 12:47

Früher Wecker, um morgens meine 20 Minuten auf dem Crosstrainer zu strampeln. Ich merkte wieder, wie unglaublich gut mir das in meiner arg gestressten Lage tat, ohne die Beschränkung von Frau Physio hätte ich mich sicher eine Stunde freigestrampelt, ohne Rücksicht auf körperliche Verluste.

Mit dem Fahrrad ins Büro. Mittags rote Paprika und Gurke, Hüttenkäse mit Latwerge. Ich schaffte es tatsächlich, so früh wie geplant Feierabend zu machen: Der Besuch einer Freundin aus Oldenburg war ausreichend Antrieb. Auf dem Heimweg nur ein kurzer Abstecher zur Bank, dann daheim die Freundin in die Arme schließen.

Wir gingen ein Stück spazieren (kühl aber trocken) über Alten Südfriedhof an die Isar und über die Fraunhoferstraße, Sendlinger Straße, Sonnenstraße zurück, sahen uns unterwegs ausführlich unter den schönen Dingen beim Radspieler um (ein Tipp für Münchenbesuchende, der ziemlich sicher nicht im Lonely Planet steht: Allein die Räume sind einen Blick wert – und nicht vergessen, die Zimmerdecken anzusehen!).

Herr Kaltmamsell hatte während unseres Spaziergangs das Abendessen gekocht: Der Besuch hatte sich Cocido gewünscht (bester Besuch mit konkreten Essenswünschen!). In der Küche stehend gab es erst mal Rieslingsekt, zum Cocido kastilischen Rotwein – und Gespräche bis weit nach Mitternacht (Herr Kaltmamsell schlief schon bald völlig erschöpft auf einem Sessel ein, worauf ich ihn ins Bett schickte). Es wurden Amsterdampläne gemacht.

Ins Bett mit jammernder Hüfte.

die Kaltmamsell