1000 Fragen 961-980

Freitag, 29. November 2019 um 14:16

Na, die beiden letzen Chargen werde ich ja wohl noch dieses Jahr schaffen, damit die 1000 Fragen aufgeräumt sind.

961. Wann hast du dich overdressed gefühlt?
Ich kann mich nicht erinnern. Das mag daran liegen, dass ich überhaupt kein Problem damit habe, deutlich festlicher oder förmlicher gekleidet zu sein als meine Umgebung. Allerdings ist mir schon passiert, dass ich funktional falsch gekleidet war, da ich nicht die nötigen Informationen bekommen hatte – das ist aber nicht overdressed.

962. Was machst du mit den Erinnerungen an deine Expartner?
Manchmal bedauern, dass sie verblassen.

963. Hast du schon einmal in einem Schloss geschlafen?
Ich glaube schon (wenn der Parador in Ávila als ein solches durchgeht).

964. Wofür schämst du dich?
Für so viel, dass es kurz vor alles ist.

965. Schreibst du Geburtstagskarten?
Wenn, dann zu Geschenken.

966. An welches ungeschriebene Gesetzt hältst du dich konsequent?
KEIN KNUSPER IN SCHOKOLADE!

967. Wann hast du zuletzt eine Wanderung gemacht?
Im August.

968. Kannst du dir für die Dinge, die dir Freude bereiten, mehr Zeit nehmen?
Ja.

969. Welche Klassiker hast du gelesen?
Sehr viele der englischsprachigen Literaturgeschichte, die meisten während meine Studiums der Englischen Literaturwissenschaft. Es ist mir zu mühsam, sie alle hier aufzulisten.

970. Welche Person aus deiner Grundschulzeit würdest du gern wiedersehen?
Bei einigen Mitschülerinnen und Mitschülern wüsste ich gerne, wie ihr Leben weiterverlaufen ist. Doch wirklich wiedersehen würde ich gerne meine damals sehr junge Erstklasslehrerin Frau Neugebauer.

971. Malst du dir manchmal aus, wie es wäre, berühmt zu sein?
Nein.

972. Welches Museum hast du in letzter Zeit besucht?
Schloss Clervaux in Luxemburg.

973. Experimentierst du gerne beim Kochen?
Eher ungern.

974. Wie wichtig sind Frauen in deinem Leben?
Sehr.

975. Machst du gern Komplimente?
Ja, ich denke nur nicht oft genug daran.

976. Wer ist dein Vorbild?
Niemand.

977. Wann hast du zuletzt einen Tag am Strand verbracht?
Einen ganzen Tag? Das ist so lange her, dass ich mich nicht daran erinnere.

978. An wem orientierst du dich?
Es gibt einige Frauen, die mich auf Ideen bringen (Neusprech: die mich inspirieren), aber orientieren tue ich mich an niemandem.

979. In welcher Hinsicht bist du immer noch ein bisschen naiv?
Ich habe immer noch nicht den Wunsch aufgegeben, Menschen möchten vernunftbasiert und zu ihrem mittel- und langfristig Besten entscheiden. Doch so ist der Mensch nicht.

980. Trägst du Schmuck, der für dich einen Erinnerungswert hat?
Ja.

Quelle: Flow-Magazin.

Zu den Fragen 941-960.
Zu den Fragen 981-1000.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 28. November 2019 – Ernteanteilpflichten

Freitag, 29. November 2019 um 6:11

Die Nacht war ein wenig besser; aber die nächtlichen Hüftschmerzen, die ich sonst nur auf Wanderurlauben hatte, sind jetzt wohl in jeder Nacht da.

Als ich mich zur Abfahrt bereit machte, merkte ich, dass es regnete. Das musste mir egal sein, ohne Fahrrad war der Tagesplan nicht zu schaffen. Ich wurde auch nur wenig nass, es war nicht sehr kalt.

Emsiger Arbeitstag. Mittags ein Butterbrot aus Selbstgebackenem (am Vorabend aufgetaut), Granatapfelkerne. Es regnete nur hin und wieder ein bisschen, nachmittags wurde es trocken. Das erleichterte mich, ich musste nämlich Herrn Kaltmamsell beim Abholen des Ernteanteils vertreten, er war beruflich verhindert. Also machte ich früher Feierabend und radelte zu unserem Verteilerpunkt in der Goethestraße (ein Agenturbüro im Obergeschoß). Die Kiste brachte ich nach Hause und hatte noch ein halbes Stündchen, bis ich zum Rehasport aufbrechen musste. Ich hatte großen Hunger und aß ein Brot mit Gänseschmalz, räumte ein wenig in der Wohnung, wusch schon mal den Feldsalat für mein Abendbrot.

Rehasport begann mit einer Turneinheit in der Gruppe (freundliche, aufmerksame Trainerin), dann absolvierte ich meine Runde im Geräteraum ohne große Mühe. Auf dem Heimweg kurzer Stopp an der Bank.

Den Feldsalat richtete ich mit Birne und ein wenig Bergkäse an, schmeckte sehr gut. Herr Kaltmamsell kam spät und erschöpft heim, kurzer Austausch von Neuigkeiten, Essensplanung für Freitagabend.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 27. November 2019 – Schlafmangel

Donnerstag, 28. November 2019 um 6:29

Üble Schmerzensnacht, der längste Schlaf am Stück dauerte knapp drei Stunden. Im Moment setze ich meine Hoffnung auf den Termin nächste Woche bei einem anderen Orthopäden, der laut einer Kollegin nicht nur Bilder anschaut, ich bin wirklich erschöpft.

Arbeitstag mit Kopfweh aus Angst und Ärger. In Kombination mit der beschissenen Nacht hätte ich mich nachmittags sehr gerne eine Runde unter den Schreibtisch gelegt. Aber auch das ging vorbei.

Mittags grüne Spitzpaprika, ein Laugenzöpferl, Quark mit eingekochten roten Johannisbeeren.

In der Abenddämmerung den Krähenschwärmen mit besonders großer Sehnsucht hinterher geschaut. Auf dem Heimweg kurzer Abstecher zum Edeka Theresienhöhe, unter anderem Granatäpfel für Brotzeit mitgenommen.

Zum Abendessen zerteilte Herr Kaltmamsell das letzte Stück Ernteanteil, nämlich einen Hokaido, in Spalten und buk ihn im Ofen. Wir aßen ihn mit Käse und Butter, danach reichlich Süßigkeiten.

Ich nahm ein Erkältungsbad, dehnte, legte mich dann sofort ins Bett und las Kent Haruf, Plainsong – gefiel mir gleich wieder so gut wie Eventide, ist dennoch ein bisschen anders als der zweite Band der Trilogie.

§

Blicke über den Tellerrand mögen wir ja, gell? Wie wäre es mit einem Blick auf Gemälde von Herrschern außerhalb Europas? Zum Beispiel in Persien?
“Peek Into The Court: Stunning Qajar Portraits”.

via @Hystri_cidae

§

Web-Urgestein Anne Roth bloggt über ihren Online-Aktivismus in der Vergangenheit:
“20 Jahre Indymedia – Ein anderes Internet schien möglich”.

Open Publishing, die Möglichkeit, eigene Beobachtungen, Berichte, Meinungen einfach per Formular online zu veröffentlichen, hat die Welt der Medien auf den Kopf gestellt. Heute ist nichts selbstverständlicher, als spontan Bilder, Texte, Videoclips bei Facebook, YouTube, TikTok zu posten und per Twitter weit zu verteilen. Wer Ende der 90er etwas mitzuteilen hatte, brauchte dazu gute Beziehungen zur AStA- oder Lokalzeitung, sonst blieb nur der Leserbrief. Das war mit einem Schlag anders.

(…)

Überhaupt, die Kommentarfunktion.

Genau genommen ist sie ein einziges Missverständnis. Erfunden wurde die Kommentarfunktion, damit unter den veröffentlichten Inhalten von anderen ergänzt werden konnte, was fehlte oder anders gesehen wurde. Tatsächlich war sie auch bei Indymedia mehr oder weniger von Anfang an eine bunte Trollwiese: Beschimpfungen, Verleumdungen, rechte Hetze und persönliche Angriffe beschäftigten die (immer unbezahlt in der Freizeit aktiven) Moderationsteams weit mehr, als sich irgendwer ausgemalt hatte. Ein Versuch, das zu korrigieren, war die Umbenennung der Kommentare in «Ergänzungen», um deutlicher zu machen, dass hier zusätzliche Fakten gefragt waren, und weniger Meinung. Im nächsten Schritt wurden eingehende Kommentare unterteilt in inhaltliche Ergänzungen zum Text und andererseits – alles andere. Erstere wurden gut sichtbar zuerst dargestellt, alles andere blasser, kleiner und mit eingeklapptem Text darunter. Eine Lösung, die sich bedauerlicherweise sonst nirgends durchgesetzt hat, ich halte sie weiterhin für einen sehr sinnvollen Beitrag zu einer konstruktiven Diskussionskultur im Netz.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 26. November 2019 – Freier Tag mit Schwimmen, Öffi-Irrfahrt, Anfassen und Kochen

Mittwoch, 27. November 2019 um 6:27

Ein freier Tag also. Die Idee hatte ich anlässlich des Physio-Termins am Nachmittag: Anstatt mir die Zeit von der Arbeit abzuzwacken, konnte ich doch gleich den ganzen Tag abzwacken. Ich stellte mir den Wecker eine halbe Stunde später (konnte ich gut brauchen, das Einschlafen war arg schmerzgestört verlaufen), und da Herr Kaltmamsell nicht zur ersten Schulstunde antreten musste, konnte ich ihm dennoch Milchkaffee servieren.

Noch recht früh machte ich mich auf den Weg zum Dantebad, allerdings schonend mit der U-Bahn. Im Bad war kurz nach halb zehn anscheinend gerade Schichtwechsel, mit mir kamen sehr viele weitere Frauen in die Umkleide und die Duschen. Auch die Schwimmbahnen waren so gut besetzt wie am Samstag, ich musste oft überholen (achtete bei der Beschleunigung aber darauf, nur aus dem Oberkörper zu arbeiten und die Beine weiterhin nur Anemonen-sanft zu wedeln). Aber! Es kam immer wieder die Sonne raus, ich genoss die Luft. Anschließend Dehnen im benachbarten Sprudelbecken.

Auch jetzt geriet ich in einen Schichtwechsel, die Duschen waren sogar überbelegt, manche Frauen mussten warten.

Zum Frühstück steuerte ich das Café Puck an und ließ mir von der MVV-App eine Verbindung anzeigen. Doch gestern klappte das sonst so verlässliche System überhaupt nicht: Die genannte Straßenbahnlinie gab es wohl gar nicht, zweimal verstrich die angegebene (und an der Live-Anzeige angekündigte) Abfahrtzeit an der Haltestelle, ohne dass die Tram auftauchte – ich stand 20 Minuten herum (dass eine andere Linie mich ebenfalls an den Umsteigehalt gebracht hätte, verschwieg die App). Also schlug ich mich auf eigene Faust durch, verirrte mich an der vielspurigen Kreuzung Landsberger/Nymphenburger Straße auf der Suche nach der richtigen Bushaltestelle – und brauchte insgesamt über eine Stunde für eine Strecke, die ich mit dem Rad in nicht mal 20 Minuten zurückgelegt hätte. Meine Laune war nicht mehr sehr ferienhaft (zum Glück hatte ich meinen E-Book-Reader dabei und war mit Lektüre versorgt, sonst hätte ich wahrscheinlich aufgegeben und wäre heim gefahren).

Das Café Puck enttäuschte nicht, ich frühstückte ausgesprochen feudal.

Das da rechts unten ist eine monstermäßige Brioche, warm, schwer, butterduftend. Dazu gab es Hirschschinken, Bergkäse, Zimtquark, Ei, frisch gepressten Orangensaft (ich war so durstig, dass ich mich sofort darauf stürzte), Capuccino, Apfelschorle. Und die Süddeutsche des Tages.

Nicht ganz so gemütlich wie geplant nahm ich die U-Bahn nach Hause. Dort konnte ich gerade noch die nassen Schwimmsachen zum Trocknen aufhängen, bevor ich eine S-Bahn zur Anfasserin nahm. Unterwegs las ich Shulamit Lapid, Mirjam Pessler (Übers.), Lokalausgabe aus – überraschend, denn an sich war die Fortschrittsanzeige erst bei 91%: Mal wieder bestand der Rest aus Werbung und Leseproben. Das ärgert mich immer, auch in gedruckten Büchern: Meine Leseerwartung kommt so gerade bei einem Krimi völlig durcheinander; wenn scheinbar noch ein gutes Stück Buch übrig ist, rechne ich noch nicht mit einer Auflösung des Falls. Insgesamt war mir die Hauptfigur im Verlauf dieses israelischen Provinzkrimis, Lisi Badichi, doch noch ans Herz gewachsen. Ich mochte es, an meine Wochen in Israel erinnert zu werden, amüsierte mich auch über die originalgetreue Darstellung des Alltags einer Lokaljournalistin. Und ich war mir des Alters des Romans bewusst: Es gibt noch kein Internet (meine Güte, waren Rechechern ohne noch aufwendig!) und kein Handy, Lisi hat lediglich einen Piepser.

Frau Physio ließ mich wieder auf ihrem Flur schaulaufen und war eigentlich ganz zufrieden mit der Entwicklung – in diesem Moment ging ich auch rund und hinkte nicht so heftig wie vorher am Tage. Diesmal nahm sie sich meinen zur rechten Hüfte gehörigen Fuß vor. Ich spürte, dass vor allen der Mittelfuß es nötig hatte, weil er knallhart war. Aber auch die Hüftmuskulatur bekam ihre kräftigen Hände zu spüren.

Anschließend hatte ich Einkäufe um den Marienplatz vor, fuhr also mit der S-Bahn bis dorthin durch (und sah als Aufklebern an den Fenstern zum ersten Mal Werbung für Mozillas Firefox). In der Papeterie des Ludwig Beck (danke für den Tipp!) sah ich mich gründlich bei den Notizbüchern um. Bindewerk wäre mir schon sehr sympathisch gewesen, doch in der reichlichen Auswahl gab es nur entweder ein Modell mit Haltegummi drumrum oder eines mit Einmerkeband – keines verfügte über beides (nur Kalender hätte es von Bindewerk mit meiner Idealausstattung gegeben). Meine Wahl fiel schließlich auf ein italienisches Modell von Castelli.

Im Kaufhof holte ich noch Strümpfe, Portwein und Süßigkeiten, bevor ich im Biosupermarkt Zutaten fürs Abendessen besorgte (leider kein frischer Spinat, aber ich war zu faul zu weiterer Suche, also gefrorener). Ich machte das vertraute Palak Paneer nach Germanabendbrot, dazu Naan nach einem neuen Rezept. Fürs Backen des Naan in der Pfanne  rekrutierte ich Herrn Kaltmamsell, um nicht in Hektik zu geraten.

Beides wurde ausgezeichnet, mit dem Naan war sogar der Herr zufrieden.

§

Es schrieb Direktorin Novemberregen.

Und erhielt als Antwort:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/zi8ShAosqzI

Wie großartig! Wie vielseitig einsetzbar!
(Norwegischer Humor also. Wieder was gelernt.)

die Kaltmamsell

Journal Montag, 25. November 2019 – Nebelnovember

Dienstag, 26. November 2019 um 7:25

Ein richtiger Nebeltag. Ich wachte zu sehr trüben Aussichten in den dunklen Morgen auf, die sich in der innersten Innenstadt bis zu meiner Abfahrt etwas lichteten. Doch die Theresienwiese war eine einzige Waschküche,1 und vor meinem Bürofenster sorgten den ganzen Tag gerade mal die winterlichen Saatkrähen für einen wirklichen Kontrast – alles andere war mit übertriebenem Weichzeichner verwischt. Das Heimradeln fühlte sich wie die Dampfwäsche bei der Kosmetikerin an, es war auch nicht sehr kalt.

Mittags die restlichen Linsen vom Linsen-mit-Spätzel-Mahl vom Freitagabend (die restlichen Spätzle, denn Spätzle macht Herr Kaltmamsell nie wenige, waren im Gefrierschrank geparkt), nachmittags ein Stück schwarze Schokolade.

Wenige Übergabegespräche, ich hatte mir den Dienstag freigenommen und freute mich sehr darauf.

Herr Kaltmamsell hatte aus dem Gansgerippe vor zwei Wochen Brühe gekocht, sie war die Basis für ein fleischloses Tom Kha Gai, in das der Pak Choi aus Ernteanteil kam, Chilis aus einem Blumenstrauß und zugekaufte Pilze. Als Aperitif machte ich uns Green Monkeys, weil noch Sahne da war. (Sie merken, wie unsere Speisen- und Einkaufsplanung funktioniert?)

Früh ins Bett zum Lesen.

§

Das Weinblog Chez Matze erzählt immer wieder von Besuchen in Weingegenden, wunderschön bebildert. Dieser hier bezauberte mich besonders:
“Die schönsten Weinberge an Saale und Unstrut”.

Wenn ich wieder Wandern kann (TFU TFU TFU), wünsche ich mir eine ausgedehnte Weinbergwanderung.

§

Kathrin Passig seziert in einer Kolume für die Frankfurter Rundschau wieder eine weit verbreitete Haltung zu Technik, nämlich die Annahme, es gebe einen übertriebenen und damit schädlichen Technikeinsatz
“Technik ohne Seil”.

Was wir überhaupt als Techniknutzung wahrnehmen und diskutieren, ist meistens der Umgang mit den Neuerungen der vergangenen paar Jahre. Mit den ersten Aufzügen fuhr man nur aufwärts und nahm bergab die Treppe. Auch im Ende der 1920er Jahre erbauten „Karstadt“ am Berliner Hermannplatz fuhren die Rolltreppen tagsüber nur nach oben. Der Rückweg musste zu Fuß zurückgelegt werden – eine perfekt ausgewogene Techniknutzung, aber eine schon lange von niemandem mehr vorgeschlagene.

§

Ganz was anderes: Stichwort “Nazikeule” und der Vorwurf, der Begriff “Nazi” werde inflationär verwendet. Sie ist nicht frisch, aber ich fand diese Definition von Martin Lindner sehr hilfreich:
“Was ist ein Nazi?”

(Meine erste Begegnung mit einem Etherpad, Winken zu Martin Lindner.)

  1. Ist das überhaupt noch ein sinnvoller Vergleich? Selbst ich kenne Waschküchendunst ja nur noch, weil meine polnische Großmutter darauf beharrte, ihre Bettwäsche auszukochen, und zwar in einem gemauerten Zuber im Keller ihres Wohnblocks, in dem sie schwitzend mit einem hölzernen Paddel rührte. []
die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 24. November 2019 – Erster Stollen

Montag, 25. November 2019 um 6:47

Mittel-unruhige Nacht, mit Kopfschmerzen aufgewacht und Migräne befürchtet. Ließ sich aber mit Ibu, Kaffee und nochmal kurz Hinlegen vertreiben. Dass es doch eher Migräne gewesen war, verriet mir das Hochgefühl über das Verschwinden der Schmerzen.

Herr Kaltmamsell brachte von seiner (für meine Dimensionen) kleinen Laufrunde Semmeln mit, wir saßen frühstückend und plaudernd mit Bruder und Schwägerin zusammen, bis sie zu einem Mittagstermin in heimatlicher Gegend aufbrechen mussten.

Lust auf Sport: Crosstrainer. Eigentlich hätte ich laut Frau Physio mittlerweile sogar 25 Minuten lang strampeln dürfen, doch bereits nach 20 Minuten hätte ich über den Hüftschmerz hinweg weitermachen müssen. Wäre natürlich gegangen, ging ja viele Jahre – hat mir aber sehr wahrscheinlich meine derzeitigen Probleme eingebrockt. Danach Dehnen und zwei Runden Bankstütz.

Ich wollte den Stollen gestern möglichst komplett fertiggestellt haben, also inklusive Puderzuckerschicht nach vollständigem Auskühlen samt Einwickeln in Alufolie, also machte ich die ersten Schritte bereits vor dem mittäglichen Duschen.

Während der Stollenteig ging, gab es Frühstück – unter anderem mit Honig von Schwägerins Schwester, sehr andächtig.

Stollenbacken, Twitterlesen, Zeitunglesen.

Es war schon weit vor fünf dunkel, ich wollte aber noch eine Runde raus – um herauszufinden, wie’s draußen roch. Es war recht kühl geworden, doch ich kam ohne Mütze aus. Es roch nach wenig, gerade mal nach Herbstlaub auf dem Boden. An allen Plätzen standen bereits die Buden der Christkindlmärkte. Ich spazierte über den Gärtnerplatz zum Isartor, über den schlafenden Viktualienmarkt zurück.

Zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell ein Curry mit Lamm gekocht, dazu gab es Couscous, ich machte den Nachbarin-Salat an (mit mal einem ganz anderen Dressing, nämlich Vinaigrette auf Basis Honig-Balsam-Essig und Sonnenblumenöl).

Telefonat mit meiner Mutter (alles in Ordnung), ein Resterl Tatort im Fernsehen.

§

“My Life as a Child Chef”.

via @ankegroener

Ungewöhnliche Geschichte einer Kindheits- und Jugendleidenschaft für Restaurantküche, die eben nicht in professionellen Gelderwerb mündete.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 23. November 2019 – Mein erstes Mal Hot Pot

Sonntag, 24. November 2019 um 15:23

Das angekündigte Wetter lautete strahlender Sonnenschein, also legte ich meine Schwimmrunde ins Dantebad, um im Freien zu schwimmen. Nur hatte das Wetter das Memo nicht bekommen. Nicht dass es greislich gewesen wäre, aber strahlender Sonnenschein war das nicht.

Sehr spät im Jahr läuten Heckenbuche und Lärche die letzte Farbphase des Herbsts ein. Ohnehin scheint es mir, als hängten heuer die Blätter besonders lange an den Bäumen – nächsten Sonntag ist ja schon erster Advent.

Ich machte mein Schlafzimmer Besuchs-fertig: Mein Bruder und seine Frau hatten sich zur Übernachtung nach einem Fest in der Nähe angekündigt, ich freute mich auf sie.

Zum Dantebad wählte ich die Panorama-Strecke, also über Hackerbrücke, Nymphenburger Straße, Gern; leichte Mütze und Fingerhandschuhe genügten. Im Bad selbst war gut schwimmen; Zwicken in der Hüfte erinnerte mich daran, dass ich die Beine besser wirklich locker schlug und nicht mit Spannung. Brav wieder nur 2.000 Meter geschwommen, trotz großer Lust auf mehr (unter Ignorieren des Hüft-Protests).

Auf dem Heimweg kurzer Stopp an einem Bäcker am Weg. Dort legte ich Mütze und Handschuhe in den Fahrradkorb, es war so mild geworden, dass es sie nicht brauchte.

Als spätes Frühstück gab es Semmeln und Salat aus restlichem Ernteanteil-Zuckerhut (wir bekamen am Freitag zusätzlich zum Erntenanteil von einer verreisenden Nachbarin einen Kopf Salat geschenkt und jemand in diesem Haushalt, der nicht ich ist, wurde unruhig, wann denn all der Salat gegessen werden sollte).

Bruder und Schwägerin kamen, ließen nur kurz ihre Sachen da und machten sich auf eine kleine Einkaufsrunde in der Innenstadt. Später bekamen sie einfach einen Wohnungsschlüssel für möglichst eigenbestimmtes Kommen und Gehen.

Abends waren auch Herr Kaltmamsell und ich verabredet, nämlich mit zwei Freunden zum Hot-Pot-Essen im Chois.

Der Gastraum ist schlicht und schön eingerichtet, es herrschte angeregter Trubel mit vor allem jungen und vielfältigen Publikum. Unsere Freunde kannten das Lokal und konnten uns die Modalitäten erklären: Man wählt aus einem Sortiment Brühen aus (wir nahmen drei verschiedene), die in Töpfen auf den Tisch gestellt und mit Gasflamme heiß gehalten werden, außerdem Zutaten, die man darin gart. Für einen Pauschalpreis kann man zweieinhalb Stunden lang aus dem Angebot bestellen, pro Bestellrunden und pro Gast bis zu drei Zutaten aus den Kategorien Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Gemüse, Nudeln (Exklusiveres wie Jakobsmuscheln kostet Aufpreis). Nach frühestens 15 Minuten kann man eine neue Bestellrunde beginnen. Das Ganze, auch die Getränkebestellung, funktioniert über ein Tablet für den ganzen Tisch.

Bild: Herr Kaltmamsell.

Wir aßen viel und lange, schwitzten, saßen bis nach Mitternacht noch über Cocktails zusammen. Gesprächsthema war unter anderem der kürzliche Segelurlaub der Freunde um karibische Inseln – und der Vergleich der sonntäglichen Stollenbackpläne, die der eine Freund und ich teilten: Der Freund hat inzwischen so viele Freunde und Familie zu versorgen, dass er in der ersten Runde zehn Stück backt und vergangenes Jahr keiner für ihn und seinen Mann übrig blieb. Ich wiederum habe dieses Jahr die Stollen für die italienische Verwandtschaft gestrichen, nachdem sie in der vergangenen Runde vier Monate bis zur Empfängerin gebraucht hatten und steinhart eingetroffen waren. (Ich zudem die Freude über Stollen von deutscher Verwandtschaft wohl ein wenig überschätzt hatte.)

Gemütlicher Spaziergang nach Hause, zum einen um die immer noch eher milde Luft zu genießen, zum anderen weil schnelleres Gehen mir Schmerzen bereitete.

die Kaltmamsell