Journal Montag, 8. Juli 2024 – Was soll schon sein an einem Montag

Dienstag, 9. Juli 2024 um 5:43

Eher unruhige Nacht, teils durch Außengeräusche gestört, teils durch sonstiges Aufwachen.

Die Wetter-App hatte sich wieder vom realen Wetter entkoppelt, der Regen draußen überraschte. Da für den weiteren Tagesverlauf Wärme angekündigt war, ging ich ohne Jacke aus dem Haus, fror dann auch nicht mal und wurde nur wenig angetröpfelt.

Gut gefüllter Arbeitsvormittag, Mittagscappucino bei Nachbars, Mittagessen Laugenzöpferl sowie Mango mit Sojajoghurt.

Über den Arbeitsnachmittag sah ich das Wetter draußen besser werden, nach Feierabend trat ich in einem angenehm warmen Sommertag.

Umfangreiche Einkäufe beim Vollcorner, daheim eine längere Runde Gymnastik.

Herr Kaltmamsell sorgte wieder fürs Nachtmahl, er verarbeitete eine große Rote Bete aus Ernteanteil zu Gemüse mit Apfel, Zwiebel, Schmand, gewürzt unter anderem mit Piment. Das schmeckte ausgezeichnet. Nachtisch Schokolade, vor zu viel aufgehört – super!

Früh ins Bett zum Lesen bei offenem Fenster, die Luft von draußen roch zum ersten Mal richtig nach Sommerabend.

die Kaltmamsell

Journal Sonntag, 7. Juli 2024 – Vergnügter Isarregenlauf und Ausdauerbügeln

Montag, 8. Juli 2024 um 6:25

Diesmal mittelguter Schlaf, aber davon genug. Ich zog den Rollladen zu dunklem Himmel und kühler Luft hoch, der Regen hatte aufgehört – vorläufig, bereits für den Vormittag war mehr Regen angekündigt.

Er setzte genau dann ein, als ich nach Bloggen und Milchkaffee kurz nach zehn das Haus für eine Laufrunde an der Isar verließ. War mir egal, ich hatte mich ausgerüstet.

Selfie einer Frau mit beiger Schirmmütze und Brille in einer modernen U-Bahn

U-Bahn nach Thalkirchen, dort regnete es sanft – so blieb das auch die ganze Laufrunde von 100 Minuten hindurch. Doch ich zog die Kapuze der Jacke über meine Schirmmütze und lief vergnügt bis Pullach und zurück: Mein Körper machte gestern ganz besonders gut mit, und der Regen war nicht so stark, dass er mich vom Rumgucken abhielt. Beeinträchtigt war ich lediglich auditiv: Die Kapuze über der Kappe raschelte so laut, dass ich sonst fast nichts hörte.

Für das schlechte Wetter waren überraschend viele weitere Läuferinnen und Läufer unterwegs; den meisten schien der Regen ebenfalls nichts auszumachen, die sahen keineswegs unglücklich drein.

Rechts kleine Hütte mit Graffiti, links Wehranlage mit Bäumen

Teich mit Wehranlage im Hintergrund, auf dem Wasser im Vordergrund erwachsene und junge Schwäne

Blick von oben auf einen verästelten Fluss, dazwischen Pfade, umgeben von Bäumen

Dunstiger Blick ins Tal, im Vordergrund eine nasse Sitzbank, umgeben von Bäumen, im Hintergrund Hügel

Feuchte Linse -> David-Hamilton-Filter.

Blick von der Bank aus ins regnerisch-neblige Isartal

Hydrant in hoch gewachsener Wiese vor Bäumen und regendunklem Himmel

Beim Kreuzen dieser hohen Wiese mit nackten Waden lernte ich: Auch nass stechen Brennnesseln, ich hatte noch lange etwas davon.

U-Bahn zurück nach Hause, dort ausgiebige Körperpflege (die durchgeweichte Haut meiner nassen Füße nutzte ich gleich mal für Fußpflege – nächste Woche soll es ein bis zwei Tage mit Sandalenwetter geben, dafür habe ich jetzt schöne Füße).

Frühstück kurz nach eins (wie so normale Leute am Sonntag): letzter Rest Rindfleisch von Freitagabend – köstlich, Joghurt und Quark mit Nektarinen.

Wer viele Wochen nicht bügelt, muss das lange nachholen und steht zweieinhalb Stunden am Bügelbrett. Machte mir fast nichts aus, weil das Wetter eh schlecht war und ich offene Tabs weghören konnte, nämlich zwei verpasste Sessions von der re:publica.

Zum einen Carolin Emcke, “Queer Leben – Eine Intervention” (wie ich mich freue, dass sie sich auf der re:publica daheim zu fühlen scheint – ich erinnere mich noch gut an ihren ersten Auftritt, an ihre Aufregung, und dann ging gleich mal technisch was schief, und sie seufzte, genau deshalb sei sie bislang nie gekommen; dabei geht doch auf der re:publica um ganz Anderes):

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https://youtu.be/bMCoIE6mAao?si=6ACGEqlOV7gBj_Q3

Keine leichte Kost – aber Emcke macht es weder sich noch uns einfach. Und das ist gut so.
Ich lernte den Begriff “utopischer Vorgriff”: Wenn man so lebt, als sei die Gesellschaft schon dort, wo man sie hinhaben will. Das mache ich von Kindheit an gegen Frauen-Stereotypen.

Dann hörte ich zur Verarbeitung ein wenig Musik. Zweiter Vortrag, den ich mir wegen unbedingt eingemerkt hatte: Esra Karakaya, “Ich weiß nicht, wie du es siehst – aber zukunftsfähig ist das nicht”.

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https://youtu.be/4-n7TbLvLeE?si=r_ugRTyc3Y68_ywq

Esra schilderte eine bessere Zukunft der Medien in Deutschland.

Es blieb noch genug Zeit für eine Runde Gymnastik mit Gabi Fastner – die sich länger hinzog als geplant, weil unterwegs das Internet ausfiel. Ich musste erstmal eine Ersatzlösung finden, bis ich weiterturnen konnte. Es wurde der Handy-Bildschirm, mit dem ich die Einheit beendete. (Unkomfortabel.)

Herr Kaltmamsell servierte als Nachtmahl Ernteanteil-Zucchini-Spaghetti, sehr gut. Nachtisch 1 war die restliche misslungene Panna cotta.

Auf weißen Teller ein gestürzter weißer Pudding in drei Schichten, drumrum Erdbeersauce

Und ein Stück hervorragender Kirschkuchen, den Herrn Kaltmamsell von einem gestrigen Ausflug zu seinen Eltern mitgebracht hatte.

Das schönste am Tag aber war das Ergebnis des zweiten Durchgangs der Parlamentswahlen in Frankreich: Es wird keine rechtsextreme Regierung geben, statt dessen liegt die links-grüne Volksfront vorn – es ging dann wohl doch in erster Linie um Veränderung. Und die Wähler*innen sind vielleicht doch zur Besinnung gekommen, dass Rechtsextremismus die vielen Probleme im Land nicht lösen würde.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 6. Juli 2024 – Ein paar Stunden Hochsommer

Sonntag, 7. Juli 2024 um 8:12

Herrlich gut und über neun Stunden geschlafen – so erfrischt und ausgeruht hatte ich mich seit Langem nicht gefühlt.

Blick über einen Balkontisch hinaus über die Brüstung in blauen Himmel, Sonnenschein und leuchtend grüne Bäume, auf dem Tisch eine Tageszeitung, ein Glas Wasser, eine große Tasse Milchkaffee

Draußen wunderschöner Sommer, endlich wieder Balkonkaffee – ohne Bloggen, weil Herr Kaltmamsell vereinbarungsgemäß ein gründliches Back-up des Blogs laufen ließ. Ich las ein wenig Zeitung, kochte für den Abend Panna cotta, die sich Herr Kaltmamsell gewünscht hatte (ohne Nelken).

Dann konnte ich wieder an mein Blog, dazu Wasser und Tee. Ich freute mich auf Schwimmen und Sonnenbaden im Dantebad, hoffte, dass das Wetter bis dahin halten würde: Es waren bereits für den Nachmittag Gewitter angekündigt.

Erstes Radeln in kurzer Hose, mit Trägershirt und Sandalen echtes Hochsommer-Outfit. Die Schwimmbahnen im Dantebad waren ziemlich voll (aber immer noch kein Vergleich zur Menschensuppe im Schneckenbecken), mit der doppelten Breite und freundlichen Menschen konnte ich dennoch ruhig meine Bahnen ziehen. Der Sonnenschein hielt nahezu durchgehend, an meine 3.000 Meter anschließend legte ich mich nach kurzem Duschen und Sonnencremen auf die Wiese, Musik auf den Ohren.

Freibadwiese, im Hintergrund wenige Menschen, einige alte Bäume, der Rand eines Schwimmbeckens, dahinter eine betonierte Tribüne und ein Betonleuchter

Nackte Beine auf rotem Handtuch längs aus der Perspektive der Beinbesitzerin

Freibadfotos bei Freibadwetter schwierig, wenn man niemanden ungefragt erkennbar mitfotografieren möchte.

Nach einer Stunde hatte ich genug UV-Strahlung getankt. Heimradeln über Espressobohnen- und Semmeleinkäufe in Schwabing, in der Sonne war es knapp unter zu heiß. Aber die Farben! Das Sommerlicht!

Die riesige und sehr dicht befahrene Kreuzung Dachauer Straße (dreispurige Straße plus Abfahrten, Geh- und Radwege auf beiden Seiten, in der Mitte Trambahntrasse) Landshuter Allee (Abfahrten von der Überführung über die Kreuzung, Geh- und Radwege) ums Ecke vom Dantebad ist seit Monaten eine Baustelle mit immer wieder neuer und spannender Wegführung erzwungen durch Trennwände. Gestern auf dem Rückweg waren alle Ampeln ausgefallen, und ich bildete mir ein, dass dadurch die Verkehrsteilnehmenden endlich aufeinander achteten: Die Autos fuhren Schritttempo, ließen einander in Gruppen vorbei, Fußgänger*innen gaben Radeln Tipps, wie sie durchs Labyrinth auf den gegenüberliegende Straße kamen, Kinderwagenschiebende wurden zu Bordsteinabsenkungen gelotst. Insgesamt aber eine eher bizarre Szenerie.

Frühstück daheim deutlich nach drei: Körnersemmel, Pfirsich mit Joghurt. Dann erst Duschen und weitere Körperpflege. Als ich frisch und fertig ins Wohnzimmer kam, zeichnete sich bereits deutlich ab, dass das Wetter nicht für den ersehnten Biergartenbesuch halten würde (Steckerlfisch im Hirschgarten).

Blick über Balkonbrüstung in Bäume, dahinter deutlich dunkelgrauer Himmel

Keine halbe Stunde nach dem Foto stürmte und regnete es.

Blick über Balkonbrüstung in Bäume, die von Wind und heftigem Regen geschüttelt werden

Restlicher Nachmittag mit Zeitunglesen – und langsamem Kleidungs-Aufrüsten, für kurze Hose und Träger-Shirt wurde es immer deutlicher zu kalt.

Statt Steckerlfisch gab es als Nachtmahl ein Ernteanteil-Karotten-Thaicurry von Herrn Kaltmamsell, ich schnippelte dazu als Salat Tomaten, Ernteanteilgurke, eine Karotte (roh vertrage ich sie ja nicht so gut), süße Zwiebel, mischte die restlichen Salatblätter unter. Aperitif Calvados-Tonic, Nachtisch mit pürierten Erdbeeren Panna cotta – die mir leider misslungen war: Die Gelatine hatte sich abgesetzt. Muss ich beim nächsten Versuch also die Mischung wieder unter Rühren abkühlen lassen, bevor ich sie in die Förmchen gieße (zumindest glaube ich mich zu erinnern, dass das früher mein Trick war).

Im Bett begann ich meine nächste Lektüre, diese wieder aus der Münchner Stadtbibliothek: Fang Fang, Michael Kahn-Ackermann (Übers.), Glänzende Aussicht. Mir hatte ihr Weiches Begräbnis ja sehr gut gefallen, jetzt nahm ich mir den Roman 1987 vor, den ersten großen Erfolg der chinesischen Autorin.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 5. Juli 2024 – #WMDEDGT

Samstag, 6. Juli 2024 um 9:46

Frau Brüllen fragt, “Was machst Du eigentlich den ganzen Tag?” und schart für den 5. des Monats wieder Tagebuchblogger*innen um sich unter dem Hashtag #WMDEDGT: Hier die Ausbeute für Juli 2024.

Wie erwartet schwer eingeschlafen, unruhig geschlafen, zudem aber auch viel zu früh aufgewacht – das Wochenende wird das rausreißen müssen. Ich fühlte mich nur leicht dumpf, wusste aber, dass mich der Schlafmangel am Vormittag einholen würde.

Das Wetter hatte die Vorhersagen nicht gelesen, war statt sommerlich deutlich düster und kühl, ich griff wieder zu langen Hosen, zu geschlossenen Schuhen und zu Jacke. Auf dem Weg in die Arbeit wurde ich sogar feuchtgeregnet.

Handy-Screenshot mit Anzeige "16 Grad" und Sonnensymbol

Was die App behauptete.

Blick auf hohes modernes Bürogebäude vor dunkelgrauem Himmel

Wie’s vorm Bürofenster aussah.

Auf den Gängen und Fluren freitägliche Homeoffice-Ruhe, so ließ sich gut arbeiten. Morgen-Routine: Rechner starten, Tasche auspacken (Brotzeit, Zeitung), Wasser für Tee aufsetzen, in Rechner einloggen, Tee kochen.

Beim Arbeiten merke ich immer deutlicher die Nachteile der kaputten Suchmaschinen. Bis vor kurzem dienten mir Google-Suchen auch bei der Einschätzung, wie gebräuchlich ein Fachbegriff ist und in welchem Kontext er verwendet wird. Wenn ich jetzt für einen Begriff sehr wenige Treffer bekomme, kann das auch bedeuten, dass Websites, auf denen er vorkommt, vom aktuellen Such-Algorithmus schlicht als irrelevant eingestuft werden. Es ist verheerend. Jetzt erst wird mir bewusst, für wie viele Zwecke ich Google genutzt habe, die gar nicht vorgesehen waren.

Normal emsige Arbeit, ließ sich auch mit Schlafmangel gut bewerkstelligen.

In der Challenge “Wie skurril kann ein Beschaffungsprozess werden?” wurde eine neue Benchmark erreicht: Ein Formular, mit dem ich durch Unterschrift versichern muss, dass ich die Regeln für das Ausfüllen eines älteren, weiterhin verpflichtenden Formulars kenne.

Mittagscappuccino im Westend, jetzt ließ sich endlich die Sonne sehen, wenn auch nur phasenweise und mit frischem Wind.
Zu Mittag gab es ein großes Stück Empanada vom Vorabend.

Nachmittags Routineaufgaben, ich konnte pünktlich Feierabend machen. Allerdings kämpfte ich jetzt mit Schwindel, die Einkäufe beim Vollcorner waren mühsam. Aber ich freute mich an Wärme und Sonne.

Gymnastik war daheim bei anhaltender Wackeligkeit wenig attraktiv, statt dessen kümmerte ich mich ausführlich um Finger- und Zehennägel, es war höchste Zeit. Das dauerte so lang, dass fast schon Zeit für Abendessenszubereitung war, ich setzte mich nur kurz zum Ausruhen hin.

Zum dritten Mal in Folge und innerhalb weniger Wochen teilte mir ein Online-Anbieter nach Kauf mit, dass die bestellte Ware doch nicht verfügbar war. Hmpf. Diesmal war es ein Sonderangebots-Bikini mit Neckholder, wie ich sie beim Draußenschwimmen bevorzuge – ich hatte gezielt nach einem Back-up für meinen derzeitigen einzigen gesucht.

Fürs Nachtmahl, freitäglich eigentlich traditionelle Kuh auf Wiese (gebratenes Rindfleisch mit Salat), machte ich eine Weinentdeckung der jüngsten Verkostung auf:

Stilglas mit dunklem, leicht trüben Weißwein, dahinter eine Weinflasche, dahinter Geschirrschrank

Gsellmann aus Gols hat einen Traminer, spontanvergoren und im Eichenfass sowie in Amphore ausgebaut, der echt abgefahren, aber wirklich fein schmeckt: Teerose in der Nase, dann trocken und aromatisch im Mund.

Eine große, dicke Scheibe rohes Rindfleisch mit Fettrand auf weißem Einwickelpapier

Ich hatte mir Côte de Boeuf gewünscht, Herr Kaltmamsell hatte beim Eisenreich am Viktualienmarkt ein sehr schönes gefunden.

Dieselbe Scheibe Fleisch dunkel und kross gebraten auf einem weißen Schneidebrett, im Hintergrund eine tiefe, schwarze Eisenpfanne

Gedeckter Tisch mit Stroh-Sets, zwei Glastellern mit Tranchen Rindfleisch, dazwischen eine weiße Schüssel mit grünem Salat

Dazu gab’s Ernteanteil-Salat mit Zitronensaft-Vinaigrette und süßer Zwiebel. Schmeckte alles hervorragend, der Wein passte auch zum Salat, vom Trumm Fleisch blieb nur wenig übrig (ich durfte den Knochen abnagen – wir sind eine Knochennag-Familie im Gegensatz zu der von Herrn Kaltmamsell).

Die Platz-Sets sind neu: Ich hatte sie über eine instagram-Werbung für Kleidung bei einem spanischen Shop entdeckt, der in Spanien produzierte Produkte anbietet – und sie erinnerten mich sehr an spanische Bast-Sets meiner Kindheit, die meine Mutter schön gefunden hatte. Hier ging die Bestellung dann doch gut, nachdem die erste Rückmeldung gelautet hatte, es gebe die Sets nur noch in Blau (indiskutabel, diese Farbe war die einzig korrekte). Doch nachdem ich meine Bestellung storniert hatte, wurden sie mir dann doch wie gewünscht bestätigt, ich bestellte erneut (und für günstiger). Erwähnenswert: Die runden Untersetzer sind eigentlich Brotteller, in besagtem spanischen Shop gibt es eine große Auswahl Brotteller – für spanische Privathaushalte offensichtlich sinnvoll, weil es wohl bis heute zu allem Brot gibt.

Nachtisch Schokolade. Ich war sehr, sehr müde, versuchte mich aber bis nach neun wach zu halten – eigentlich nur, weil mir Schlafengehen am hellichten Tag komisch vorkam.

Von draußen drang seit Stunden Baustellen-Lärm herein; er klang, als würde eine Straße weiter gleichzeitig ein Haus abgerissen und eine aufgerissene Straße aufgefüllt und festgerüttelt. Als würde jemand gleichzeitig mit Spundwänden Mikado spielen. Und das in der Freitagnacht. Ich griff wieder zu Ohrstöpseln, musste dennoch das Fenster schließen, denn ich wollte wirklich, wirklich schlafen.

§

Gestern las ich Dana von Suffrin, Otto aus.

Mir gefiel der Roman gut, in dem eine junge Frau als Ich versucht, das Leben ihres sterbenden Vaters Otto aufzuschreiben, die Geschichte ihrer wirren und seltsamen Familie – in der sich die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert, auch die Europas spiegelt (der Vater ist ein Jude aus Siebenbürgen). Sie beginnt in der Gegenwart in einem Münchner Krankenhaus, von dort geht es in Erinnerungen und in wirren Dialogen mit ihrem Vater hin und her – irgendwie schafft sie es ganz ungeordnet dann doch.

Es gibt keine eigentliche Handlung nach diesem Anfang im Krankenhaus, wo sie ihren Partner kennenlernt – der Roman liest sich ein wenig wie ein Werkstattbericht über das Schreiben dieses Buchs. Doch das machte nichts, denn es gibt einige interessante Figuren, denen man nahe kommt, und mir gefiel, wie viel München drin ist (Olympiastadt, Isar, Trudering). Immer wieder schreibt die Erzählerin schöne Beobachtungen auf:

Ganz am Schluss ein Hadern mit dem Festhalten von vielleicht doch nur Oberflächlichem (passt gut zum heutigen #WMDEDGT):

Mittransportiert werden Informationen, wie jüdischer Alltag heute in Deutschland aussehen kann, säkular, zwischen allen Stühlen.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 4. Juli 2024 – Wochentagsgäste

Freitag, 5. Juli 2024 um 6:34

Richtig gut geschlafen, nur wenig zu früh aufgewacht.

Erste Vorbereitungen für die Abendessenseinladung, auf dem Weg in die Arbeit war es sehr frisch. Das blieb auch im Büro so, bis ich trotz langer Ärmel und Hosenbeine zur Jacke griff: In Juli-Hitze begrüße ich ja dieses Nord-Ost-Büro, in Juli-Kälte nicht so.

Aber: Endlich wieder eine Arbeitsphase, in der ich mich nicht gehetzt fühlte, sondern auch mal interne Infos nachlesen konnte.

Mittagscappuccino bei Nachbars. Mittagessen eingeweichtes Muesli mit Joghurt, einige Pfirsiche und Nektarinen.

Feierabend gestern gleich nach Kernzeit-Ende um 15 Uhr, ich wollte ja Gäste bekochen. Also marschierte ich auf direktem Weg nach Hause.

Die Linden wollen dieses Jahr in München gar nicht mehr aufhören zu blühen, auch sechs Wochen nach den ersten Düften rieche ich sie noch. Kein subjektiver Eindruck, las ich gestern im Lokalteil der Süddeutschen (€):
“Linden blühen besonders stark:
‘Ende Juli können Allergiker wieder aufatmen'”.

Ich machte mich an die Zubereitung einer Empanada mit Spinat-Paprika-Füllung (diesmal wieder mit Blattspinat).

Grüner Salatkopf von oben

Dazu gab es Teile dieses Salats aus Ernteanteil, den Herr Kaltmamsell später mitbrachte, mit Tomate und süßer Zwiebel (wieder bei Verdi gefunden). Dazwischen geriet ich dann doch ein wenig ins Hetzen mit dem Herrichten der Wohnung auf Gästefeinheit, doch ich wurde exakt zum Klingeln des ersten Gastes um sechs fertig.

Meine beiden Gäste waren frühere Mitschülerinnen, die ebenfalls in München wohnen; nach einem Klassentreffen vor fast drei Jahren hatten wir losen Kontakt aufgenommen. Einer davon begegne ich alle paar Monate, weil sie in der Nähe wohnt – zuletzt, weil wir an derselben Adresse als Wahlhelferinnen eingesetzt waren. Geplant war ein Abendessen auf dem Balkon gewesen, doch dafür war das Wetter wirklich nicht geeignet. Eine brachte Wein mit, eine Nachtisch, nach ausführlicher Besichtigung unserer Wohnung (mit Bewunderung an genau den richtigen Stellen) gab es zum Aperitif Erdbeer-GinTonic, dann Empanada und Salat begleitet von einem frischen Verdejo aus dem spanischen Rueda, abschließend sahnigen Beeren-Quark. (Herr Kaltmamsell hatte Hallo gesagt, sich dann in sein Zimmer zurückgezogen.)

Vor allem aber gab es Gespräche mit zwei sehr umtriebigen Frauen, deren Leben nach paralleler Schulausbildung am humanistischen Gymnasium völlig anders verlaufen war als meines: Eine ist selbständige Unternehmerin in einer fachlichen Nische, von deren Existenz ich ohne sie nicht mal wüsste, die andere arbeitet an verantwortungsvoller Stelle bei der Stadt München, eine kümmert sich viel um ihre greisen Eltern und die Familien ihrer beiden Schwestern, die andere hat zwei mittlerweile erwachsene Söhne und startet gerade privat eine neue Lebensphase. Beim Abschied bekam ich ein Sterbebildchen von einer Trauerfeier, an der ich selbst nicht hatte teilnehmen können (ja, wir sind in diesem Alter): Eine Frau, mir der wir gemeinsam viele Jahre Chor gesungen hatten, war jung gestorben.

Es wurde deutlich später als ich vorausgesehen hatte, ich kam erst nach elf ins Bett und wusste, dass ich nach so viel sozialer Interaktion kaum schnell oder dann tief schlafen würde. Machte nichts, ist ja die Ausnahme.

§

Ute Vogel hat an einem Seminar über Kochbücher und ihre Aussagekraft in der Geschichte teilgenommen und ausführlich darüber gebloggt – schon an den sich wandelnden Titelbildern von Kochbüchern lassen sich viele gesellschaftliche Veränderungen ablesen:
“Rückblick Seminarteilnahme: Kochbücher und Zeitgeschichte”.

Und da ist ja noch nicht mal darauf eingegangen, wer eigentlich Kochbücher schreibt – ich denke da an den Wandel der vergangenen Jahrzehnte, mit dem immer häufiger Leute aus dem Internet (Blogger*innen, YouTuberinnen, instagram-Publizist*innen) und Einwander*innen Kochbücher schreiben und gut verkaufen.

§

Apropos: Ich liebe wissenschaftlich orientiertes Kochen. Nachdem ich auf diese Weise auf standard.at bereits zu dem sehr guten Rezept für Mohnnudeln kam, sieht das hier nach einer heißen Spur Richtung wunderbarem Kaiserschmarrn aus.
“Die Suche nach dem perfekten Kaiserschmarrn”.

§

War an mir vorbeigegangen (Tagesschau verpasst): Am Mittwoch wurde der erste Gleichwertigkeitsbericht der Bundesregierung veröffentlicht.

Auf Bluesky greift Jens Südekum ein paar Details heraus (er ist Professor für International Economics an der Uni Düsseldorf).
Besonders interessant finde auch ich:

Viele Menschen in Ostdeutschland scheinen also absolut gesehen zufrieden zu sein, gehen aber gleichzeitig davon aus, dass es ihnen viel schlechter geht als den Menschen anderswo.

(Wer mag diesen falschen Eindruck wohl schüren?)

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 3. Juli 2024 – Wirklich langweiliger Blogpost

Donnerstag, 4. Juli 2024 um 6:09

Der nächtliche Schlaf wurde mehrfach gestört durch Draußengeräusche. Es wundert mich wirklich, dass Menschen sich in Autos setzen und damit in die Innenstadt fahren, nur um hier zu hupen. Ich habe ja selbst viele komische Gefühle und Impulse, aber dorthin kann ich mich nicht denken und fühlen. Dann wachte ich auch noch eine Stunde zu früh auf.

Draußen war es regnerisch und kühl, beim Bloggen fühlte ich mich mittelschwer verkatert. Ich hoffte auf Erfrischung durch den Marsch ins Büro (dicke Jeans und Jacke unter Regenschirm), doch dort hing ich ebenfalls verkatert, dumpfhirnig und mit trockenen Augen vor meinem Bildschirm – in Kombination mit kurz getakteten Aufgaben und Terminen besonders schlecht.

Inhaltlich war der Arbeitstag durchaus etwas Besonderes und spannend, aber das geht Sie nichts an. Deshalb muss ich Sie leider langweilen.

Nach einer Online-Infoveranstaltung schnappte ich mir wieder den Regenschirm und ging ins Westend auf einen Cappuccino.

Mittagessen: Reife Plattpfirsiche (-> innerliche Vollverklebung wie nach einer halben Tüte Gummbärchen), Hüttenkäse.

Den Nachmittag über war ich gut beschäftigt, zwang mich aber zu halbwegs pünktlichem Feierabend (manchmal kann man nämlich wirklich etwas auch noch am nächsten Tag erledigen). Auf dem Heimweg Einkäufe beim Verdi: Am Donnerstagabend werde ich zwei Gäste bekochen, und damit das selbst nach sehr frühem Feierabend klappt, kaufte ich schon alle Zutaten ein.

Daheim aus selbem Grund eine Runde halbschariges Staubsaugen und -wischen (Sie erinnern sich an den ausgefallenen Putzmann?) und rumliegendes Zeug verstecken (“aufräumen”), dann nahm ich mir endlich mal wieder Zeit für Gymnastik – war aber für echten Genuss zu gereizt.

Das Nachtmahl kauften wir extern: Ich hatte bei Servus Habibi bestellt, Herr Kaltmamsell ging Abholen. Dann gab es zu nordafrikanischem Fladenbrot hervorragendes Hummus, außerdem Labneh (noch ein Frischkäse, diesen liebe ich wegen seiner Cremigkeit und Säure), fluffige Falaffel, Grillgemüse, gebratenes Hühnchenfleisch, Tomaten-Gurken-Salat – sehr gut, und es blieb genug übrig für Herrn Kaltmamsells Brotzeit. Nachtisch waren erstmal reife Pfirsiche und Nektarinen, die weg mussten. Dann Schokolade.

§

Der Bayerische Rundfunk berichtet über sich selbst in wichtiger Angelegenheit:
“Wie wir bei BR24 mit Hasskommentaren umgehen.”

Seit drei Jahren können Medienhäuser in Bayern Hass und Hetze einer offiziellen Stelle als “Prüfbitte” melden.

Seitdem wurden rund 651 Prüfbitten eingereicht, davon 172 vom BR (Stand: 7. Februar). In 523 Fällen wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, weil der Anfangsverdacht einer Straftat gegeben war.

Davon wurde in 147 Fällen Anklage erhoben oder der Erlass eines Strafbefehls beantragt, von denen bereits 91 Verfahren rechtskräftig sind – davon 27, die auf Prüfbitten des BR zurückgehen. In diesen Verfahren wurden Geldstrafen zwischen 20 und 150 Tagessätzen sowie Freiheitsstrafen (mit Bewährung) zwischen drei und acht Monaten verhängt. Rechtskräftige Freisprüche gibt es bislang nicht. In 270 Fällen wurden die Verfahren eingestellt. Das passiert beispielsweise, wenn ein Täter nicht ermittelt werden kann, eine Geldauflage gezahlt wird oder wegen geringer Schuld. Mit 89 Prozent ist die Aufklärungsquote insgesamt sehr gut.

Es werden zahlreiche konkrete Beispiele genannt, Begründungen des Gerichts für die Verurteilung: Belohnung/Billigung von Straftaten, Volksverhetzung, Öffentliche Aufforderung zu Straftaten – “Voll mit Lkw drüber fahren ohne nachzudenken” über Klimaaktivist*innen wird zu meiner Beruhigung nicht als Scherz aufgefasst.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 2. Juli 2024 – Arbeitswiedereinstieg anstrengend für Hirn und Gemüt

Mittwoch, 3. Juli 2024 um 6:03

Trotz des Risikos, am letzten Urlaubstag nicht schonmal die Arbeits-E-Mails zu bearbeiten, schlief ich gut.

Es regnete nicht mehr, die Luft war kühl. Weg in die Arbeit also in den nächsten Monaten um die Theresienwiese herum.

Zackig sehr viel sortiert und weggearbeitet, abgestimmt, geklärt, außerdem aus guter Erziehung an Geselligkeit teilgenommen.

München ist, wenn auf dem Weg zum Mittagscappuccino bei Nachbars eine Krähe mit Breze im Schnabel über dich hinweg fliegt.

Gegen Mittag hatte ich dann auch langsam einen Überblick. Als Brotzeit gab es eine restliche Körnersemmel vom Vortag, außerdem Nektarinen mit Skyr. Schon am Vorabend war ich dem Geheimnis von Skyr nachgegangen, der für mich wie weichgerührter Magerquark schmeckt. Ich hatte das schonmal recherchiert, aber gleich wieder vergessen, vielleicht behalte ich es durch Aufschreiben: Tatsächlich ist auch Quark ein Frischkäse, kann mit Lab gesäuert werden, muss aber nicht. Bei der Säuerung trennt sich die Milch in Eiweiß und Molke. Man lässt die Molke abtropfen – habe ich früher manchmal selbst gemacht, indem ich die Milch sauer werden ließ, vor allem wenn ich festen, krümeligen Quark haben wollte. Frischkäse wird genauso hergestellt, bei beiden Produkten (und bei Skyr, ebenfalls ein Quark/Frischkäse) kann man halt am Fett- und am Wassergehalt drehen, durch Zusetzen von Sahne und durch die Abtropfzeit oder durch Pressen.1 Viel interessanter finde ich, warum Mozzarella und Ricotta, beides ebenfalls Frischkäse, so deutlich anders sind.

Der Nachmittag wurde wegen einer stark verlängerten Besprechung zackiger als geplant, zumal er ein klares Ende hatte: Eine weitere Geselligkeit. Auch die brachte ich hinter mich, ohne dass ich nächtliches Gedankenkarussell befürchten musste, welchen Scheiß ich diesmal wieder von mir gegeben hatte. Gelernt: Bei abendlichen Draußen-Aufenthalten in München derzeit lieber mal immer Mückenspray dabei haben.

Marsch nach Hause unter bedrohlich dunklen Wolken, ich bekam aber nur ganz wenige Regentropfen ab. Daheim wartete Herr Kaltmamsell mit dem Abendessen auf mich: Er hatte sich aus dem Ernteanteil-Kohlrabi, restlichem Mascarpone vom Vorabend ein Spaghettigericht mit Zitronenschale, gerösteten Mandelblättern und Zitronenthymian ausgedacht.

Weißer Teller auf grünem Set, darin das eben beschriebene Gericht

Exquisit!

  1. Kein Link zu Quellen, weil ich diese scheinbar schlichte Information aus Bröckchen von verschiedenen Websites zusammenklauben musste. Von denen es erstmal die immer mehr Maschinen-generierten auszusortieren galt, die rein für SEO und Bannerschaltung gebaut werden. []
die Kaltmamsell