Journal Sonntag, 24. Dezember 2023 – Eisvogelsichtung als Weihnachtsgeschenk

Montag, 25. Dezember 2023 um 8:27

Unterbrochene Nacht: Chlorschnupfen hatte meine Nasenschleimhäute zuschwellen lassen, ich musste sie frei-sprayen. Bei dieser Gelegenheit hörte ich, dass der Sturmlärm deutlich abgenommen hatte, ich hoffte auf eine Risiko-arme Laufrunde (es hatte Warnungen vor Aufenthalt in der Nähe von Bäumen gegeben, explizit zum Beispiel an der Isar).

Vor der Kirche St. Matthäus parkten seit Freitag auch dieses Jahr viele Laster des Bayerischen Rundfunks, von hier wurde offensichtlich wieder der evangelischen Weihnachtsgottesdienst übertragen. (Ich war immer noch nie in der Kirche.)

Plan für gestern war eine Laufrunde, ich machte mich nicht zu spät fertig wegen weiterer Pläne, lief fast ab Haustür los Richtung Altem Südfriedhof (wegen Sturm geschlossen) und Wittelsbacherbrücke und von dort weiter nach Süden die Isar entlang. Doch: Der für nachmittags angekündigte Regen startete schon jetzt. Die erste halbe Stunde ab Wittelsbacherbrücke murmelte ich noch hin und wieder: “Jetzt hör halt auf.” Doch das tat er nicht, ich wurde gründlich nass. Und ging in Gedanken durch, ob es nicht doch einen Platz in unserer Wohnung gab, an dem man einen Crosstrainer möglichst wenig sichtbar platzieren könnte, um mich zum Ausleben meines Bewegungsdrangs etwas weniger abhängig vom Draußen zu machen.

Einziges Foto vom Lauf, zu rein dokumentarischen Zwecken, neben Greislichkeit hielt mich die Umständlichkeit ab, nasse Vlies-Fingerhandschuhe aus- und anzuziehen.

Ich hätte sogar nach einer Stunde abgebrochen und bei Thalkirchen eine U-Bahn zurück nach Hause genommen – doch auf der Anzeige sah ich, dass ich zu lange auf die nächste hätte warten müssen, bis dahin hätte ich, nass wie ich war, gefroren.

Allerdings wurde ich mit einem Highlight belohnt: Kurz nach der Aufnahme oben vorm Hinterbrühler See sah ich meinen ersten, ganz sicheren Eisvogel (vor vielen Jahren hatte ich direkt an der Isar aus dem Augenwinkel etwas sehr Blaues vorbeifliegen sehen), er flog von links auf einen Baum. Ich war über seine Proportionen überrascht, kleiner als erwartet und mit deutlich größerem Schnabelanteil. Zweite Belohnung: Auf den letzten 15 Minuten meiner gut anderthalbstündigen Runde hörte der Regen auf. Auch gestern wieder Begegnung mit sehr viel Schneebruch, so viele ganze Bäume einfach abgebrochen!

Beim Heimkommen zog ich noch vor der Wohnungstür die nassen Schuhe und Socken aus, Laune deutlich unfestlich. Ich fror zwar nicht, fühlte mich aber durchgekühlt und ließ mir zum Aufwärmen ein schnelles Bad ein.

Während ich in der Küche das Blaukraut für Montag fertigstellte und Kartoffeln für die abendliche Vorspeise kochte, kochte ich auch das Frühstück: Porridge.

Gab’s um halb zwei mit Orange, Sojajoghurt und Honig. Mittlerweile war der Sturmlärm zurückgekommen, hatte nochmal Regen mitgebracht. Ich jagte Herrn Kaltmamsell raus zum Brotholen und um herauszufinden, wie es mit unserem Christkindlsuchspaziergang aussah: Möglich. Ich wiederum stellte die Vorspeise fertig: Ensaladilla rusa mit selbstgemachter Majo (diesmal mehr Zitronensaft ausprobiert, wird viel weniger fest).

Um vier traten wir unseren Heilig-Abend-Spaziergang “Wir suchen das Christkind” an.

Da wegen Sturm und wegen noch nicht ganz aufgeräumtem Schneebruch die Nutzung des Alten Südfriedhofs immer noch zu riskant gewesen wäre, spielten die Bläser ihre Weihnachtsweisen auf dem Stephansplatz.

Wir sangen ein bissl mit, spazierten dann zur Reichenbachbrücke.

Nur hin und wieder spritzten uns Regentropfen an, der Wind war nicht beunruhigend stark. Wir legten unsere Runde über die Zweibrückenstraße, gingen dann die Reichenbachstraße entlang den Tramschienen bis nach Hause, immer Ausschau haltend nach festlichen Zimmern mit beleuchtetem Christbaum.

Apropos festlich:

Diesjährige Weihnachtsdeko 1.

Weihnachtsdeko 2: Die Krippe aus der spannenden Kiste.

Weihnachtsdeko 3: Christbaum.

Jetzt aber ernsthaft Heilig Abend. Heizung volle Pulle, damit wir im feinen Blüschen/Hemd nicht froren, Herr Kaltmamsell startete seine Weihnachts-Playlist, wir tanzten sowohl Walzer als auch Foxtrott, zu Letzterem holte ich Herrn Kaltmamsell vom Garnelen-Pulen.

Klassischer Heilig Abend bei Kaltmamsells (an den Speisen ist lediglich klassisch, dass sie etwas Feines, Besonderes sind):

Eggnogg

Vorspeise ensaladilla rusa mit Riesling-Sekt von Buhl (Flaschengärung)

Hauptspeise Buttergarnelen nach Ottolenghi mit Fladenbrot und mehr Sekt.
An diesem Punkt wurden die Geschenke der Familie ausgepackt, große Freude.

Nachspeise (Herr Kaltmamsell kämpfte bereits mit Überfressung) englische Orangencreme. Keine Chance auf weitere weihnachtliche Süßigkeiten.

Auch wenn der Wind mitterweile deutliche weniger lärmte, erlebte ich zum ersten Mal, dass mich nach Tagen Dauerbeschallung diese Geräusche ganz schön nervten. Ich hoffte auf die vorhergesagte Windberuhigung samt Aufhellung.

die Kaltmamsell

Journal Samstag, 23. Dezember 2023 – Weihnachtshäuslichkeiten bei fortgesetztem Windlärm

Sonntag, 24. Dezember 2023 um 8:01

Ausgeschlafen, zu Sturmbrausen und -heulen aufgewacht (wird der Wind denn nicht irgendwann müde?), auch das Regenprasseln gegen die Scheiben hielt an.

Der arme Herr Kaltmamsell wachte mit Version 2.0 der Erkältung auf, die er doch gerade erst hinter sich gebracht hatte. Er nahm es mit Gleichmut. (Nicht fair!)

Nach dem Milchkaffee zu Bloggen brühte ich mir die wochenendliche Riesentasse Schwarztee auf – ich kann den malzig-duftigen English Classic vom Tee-Handelskontor Bremen warm empfehlen (sollten Sie zufällig denselben Teegeschmack haben wie ich).

Ich setzte das Wochenende wie geplant fort: Schwimmen im Olympiabad. Bei fortgesetzter Greislichkeit des Wetters nahm ich die U-Bahn raus ins Olympiazentrum. Die Schwimmbahnen waren wenig genutzt, dennoch wechselte ich nach 2.000 Metern, weil ich mit einem nur wenig langsamer schwimmenden Herrn nicht zurechtkam, außerdem eine Gruppe mit Schwimmgeräten loslegte. Derzeit schmerzt die LWS ja mal wieder um den ganzen Beckengürtel, gestern tat es bei einer Wende einen besonders heftigen Rumpler in der Lendenwirbelsäule, danach deutlich weniger Zwicken. Ich wünschte, sowas könnte ich gezielt herbeiführen (nicht dass ich es nicht versuchte). Das letzte Viertel strengte mich an, mag an der blockhart verspannten Nackenmuskulatur gelegen haben oder an fehlender Kondition.

Knatternde Flaggen im Olympiapark.

Zurück am Sendlinger Tor ging ich noch ein paar Lebensmittel besorgen, außerdem Frühstückssemmeln. Zu meiner Überraschung war der Christkindlmarkt bereits komplett abgebaut.

Frühstück um halb drei: Zwei Semmeln, Granatapfelkerne mit Sojajoghurt – und ich hatte mal wieder Lust auf eine große Tasse Filterkaffee.

Nach ein wenig Lesen ging ich in die Küche für Weihnachtliches: Ich setzte Blaukraut für den montäglichen Weihnachtsfeiertag bei Schwiegers zum Mitbringen an (eine alkoholfreie Version mit rotem Rumford-Kinderpunsch statt Port- und Rotwein), dann bereitete ich das Dessert für Heilig Abend zu, nämlich Englische Orangencreme. Dabei hörte ich Musik. Zum Beispiel diese, die ich über die Familiy Playlist der Bruderfamilie entdeckt hatte und die mir sehr gut gefällt, auch das Video dazu: Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi, “Der Anfang ist nah” (vielleicht für derzeit etwas Erbauliches).

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/vqRWMDv0r78?si=tlwdatg1Q6wwIyEt

Eine Runde Yoga-Gymnastik mit Schwerpunkt Schulterdehnung (also viel eagle arms), zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell auf meine Bitte den Schwarzkohl aus Ernteanteil mit Linsen und Ziegenkäse kombiniert.

Das Ergebnis schmeckte deutlich interessanter, als es das schlichte Rezept (und das Aussehen) vermuten hätte lassen, Schwarz-/Grünkohl haben halt doch einen komplexen Eigengeschmack. Zum Nachtisch holte sich Herr Kaltmamsell Panettone, ich die Kiste mit Schokolade.

Weitere Lektüre in Alan Rickmans Tagebüchern. Ich lernte, dass er für den siebten Harry-Potter-Roman genauso vor Waterstone’s anstehen musste wie alle anderen – dass also nicht etwa die Schauspieler*innen der Verfilmung den automatisch zugeschickt bekamen. Doch er wusste zumindest seine Rolle in der Verfilmung einzusetzen.

Zu anhaltendem Sturmbrausen ins Bett.

§

Maximilian Buddenbohm wurde von böser Krankheit ins Bett geworfen, das bringt bei ihm Vieles durcheinander. Zum Beispiel die Einkaufsprozesse in seiner Familie, die sonst ganz bei ihm liegen. Im Fall von Herrn Kaltmamsell und mir, wird mir jetzt klar, hat sich über die Jahre eine Spezialisierung entwickelt.

Gemeinsam genutzte Körperpflegeprodukte zum Beispiel (also für Reinigung von Körper, Händen, Haar, Zähnen, zudem Deo) besorge ich, für den seltenen Fall, dass er dazu gezwungen ist, hat Herr Kaltmamsell mittlerweile Fotos der schon lang nicht mehr wechselnden Produkte auf seinem Handy. Außerdem hat es sich ergeben, dass ich für Tafelobst sowie Milch und nicht einsatzspezifische Milchprodukte zuständig bin. Herr Kaltmamsell wiederum kümmert sich um die Lebensmittel, die er und manchmal auch ich als Zutaten fürs Kochen benötigen – und die überlasse ich tatsächlich ihm, denn wenn es das spezifische notierte Produkt nicht gibt (z.B. Grüne Linsen), kann ich nicht beurteilen, eine wie aufwändige Suche nach genau diesem angebracht ist oder ob es ersetzt werden kann. Gutes Beispiel am Freitag, an dem ich ausnahmsweise allein die gemeinsame Einkaufsliste (App Remember the Milk) leerkaufte: “Toast, wenig” war ein Posten darauf, und mir fiel nichts ein, wofür wir den brauchen könnten. Ich besorgte eine kleine Packung klassischen Golden Toast (entschied mich also gegen Sandwichtoast) beim Edeka und erfuhr später daheim, dass Herr Kaltmamsell einfach Lust darauf hatte. Wer konnte denn damit rechnen?

Um den/die andere nicht in Zwickmühlen zu bringen oder weil Notierer*in sehr genaue Wünsche/Vorstellungen hat, markieren wir aber oft Posten der Einkaufsliste mit unseren Namen, machen also klar: Besorge ich. (Ohne Einkaufsliste bin ich möglicherweise noch nie Lebensmittelkaufen gegangen, zu Zeiten von Alleinversorgung standen zumindest die Muss-Posten darauf.)

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 22. Dezember 2023 – Jahresfeierabend im Sturm

Samstag, 23. Dezember 2023 um 8:29

Wieder eine gute Nacht, hätte gern länger dauern dürfen.

Draußen weiter lauter Wind, als auch noch hörbar Regen einsetzte, war klar, dass ein Schirm nur als Sporteinheit fungieren würde -> Einsatz Kapuze. Mit der kam ich gut in die Arbeit, es regnete nichtmal durchgehend auf dem Weg. Deutlichstes Zeichen für Verweihnachtung der Stadt: Viele freie Parkplätze im Westend.

Meines war bis Mittag das einzige besetzte Büro auf dem Stockwerk, ich hatte aber noch ordentlich zu tun.

Es regnete immer wieder heftig – deshalb auch kein Mittagscappuccino: In dem 90-Minuten-Fenster dafür wollte ich ganz sicher nicht raus ins Regenprasseln. Zum Abschluss des Arbeitsjahrs also nochmal schlimmer Automatencappuccino.

Mittagessen: Joghurt mit getrockneten (über Nacht darin eingeweichten) Feigen.

Noch bei deutlichem Tageslicht machte ich Schluss: Schreibtisch noch sauberer aufräumen als eh immer zu Feierabend, Licht aus, ausstempeln.

Ich hatte Einkäufe zu erledigen und ja Zeit: Edeka, Drogeriemarkt, Vollcorner, Süpermarket, ein Nussladen in der Landwehrstraße, in dem ich Herrn Kaltmamsells und meine libanesischen Lieblings-Mischnüsse entdeckt hatte. Es war viel Schlangestehens, doch ich freute mich über die fröhliche Atmosphäre unterm Personal aller besuchten Läden (im Vollcorner wurde ich nach dem Grund für mein Schmunzeln gefragte und erklärte es).

Das Wetter greislich bis supergreislich mit Sturm, ich brauchte meine Kapuze gegen den Regen und war froh heimzukommen.

Die Weihnachtsferien gingen schon mal angemessen los: Mit Nichtstun. Ich las das SZ-Magazin, schaute mir dann ein Internet-Fundstück an: Jenny Draper ist eine Londoner Stadtführerin und kennt sich wirklich, wirklich aus. Auf YouTube zeigt sie einen ausführlichen Geschichts- und Literatur-Check:
“How Accurate Is ‘The Muppet Christmas Carol’?”

via @daszeiserl

Ich kenne den Film ja nahezu auswendig (na gut: Ich kann alle Lieder mitsingen) und fand diese Analyse superspannend (u.a.: die Kostüme inklusive die der Muppets sind bis in viele kleine Details historisch korrekt), lernte außerdem eine Menge über das, was ich für “typisch englische Weihnachten” gehalten hatte.

Danach ging ich den Abend an: Eine Folge Yoga-Gymnastik (auch von der wurde mir nicht so richtig warm, gestern war Frier-Tag, Herrn Kaltmamsell ging es ebenso), dann Weihnachtsferienfeiern. Ich rührte uns Manhattans, dazu gab es Nüsschen. Zum Nachtmahl putzte ich den Ernteanteil-Rosenkohl, Herr Kaltmamsell briet ihn in der Pfanne, aromatisiert mit Muskatnuss und geriebener Zitronenschale, dazu gab’s kleine Kalbskoteletts.

Und einen österreichischen Chardonnay, jetzt war mir wirklich warm. Nachtisch reichlich Weihnachtsplätzchen.

Herr Kaltmamsell hatte die Familienkrippe aus dem Keller geholt. Sehr dekorativ – am interessantesten daran finde ich nämlich die Kiste.

Ins Bett zum fortgesetztem Heulen, Brausen und Pfeifen des Winds.

§

Die Schweizer Bahn SBB wird ja immer wieder als vorbildlich in Europa angeführt und bei der wachsenden Verwahrlosung der Deutschen Bahn von Medien um Tipps gebeten. Die Expert*innen dort verweisen dann immer seriös auf das viel kleinere Schienennetz, mit dem sie arbeiten – haben aber doch kürzlich die Zahl der grenzüberschreitenden Verbindungen aus Deutschland über Basel hinaus reduziert: Sie sind so oft und so lang verspätet, dass sie die Abläufe in der Schweiz massiv beeinträchtigen. Und jetzt bieten Sie wohl auch offiziell den deutschen Kolleg*innen Rat an. Unter anderem

“Ein ICE mit 360 ist attraktiv für wenige. Ein Doppelstockzug mit 250, der oft und pünktlich fährt, ist attraktiv für viele.”

“So will die Schweiz der Deutschen Bahn helfen”.

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 21. Dezember 2023 – Brausender Sturm

Freitag, 22. Dezember 2023 um 6:31

Ich gönnte mir eine halbe Stunde mehr Schlaf nach dem späten Abend, schlief auch bis zum Weckerklingeln.

Es brauste der Wind und brachte unsere Kunststoff-Fensterrahmen zum Knarzen.

Auf dem Weg in die Arbeit blieb ich trocken. Der Wind schüttelte hängen gebliebene Schneebruch-Äste aus den kahlen Bäumen.

Im Büro hatte ich noch so richtig was zu tun – nix Brennendes, aber Angelegenheiten, die in vielerei Hinsicht besser noch dieses Jahr bearbeitet werden sollten. Die wichtigste davon schickte ich ab, der Ball liegt jetzt bei jemand an… (hahaha, nie im Leben würde ich mir diese Abgedroschenheit erlauben).

Ab vormittags Schwindel, hatte ich so stark schon lang nicht mehr. Ich zwang mich trotzdem zu einem Marsch raus in die frische Luft auf einen Mittagscappuccino.

Mittagessen selbst gebackenes Brot (auch nach Tagen noch gut) mit Frischkäse, Clementine.

Nachmittags mehr weggeschafft, mehr Schwindel. Letzterer nahm mir die Motivation zu rechtzeitigem Feierabend. Die zusätzlich getrübt wurde durch tosenden Wind und Regen.

Als ich es dann doch rausschaffte, regnete es zum Glück gerade nicht. Ich schleppte mich zu nur wenigen Einkäufe (vorbei am Schild, dass Tollwood gestern wegen Sturm geschlossen war), aber darunter mal wieder Blumen. Die versorgte ich daheim schnell, um mich vor dem Abendessen noch ein wenig hinzulegen. Erntshafte Gedankenspiele von komplettem Ausfallenlassen aller Feierei, Wiedereinstieg in die Welt erst am 1. Januar zum Neujahrslauf an der Isar.

Abendessen war Feldsalat aus Ernteanteil (von mir zubereitet), die aktuell nachgereiften Avocados als Guacamole. Nachtisch reichlich Weihnachtsplätzchen. In der Tagesschau Berichte über Sturm “Zoltan”, im Norden Deutschlands noch viel heftiger als bei uns.

Früh ins Bett zum Lesen. Alan Rickman schreibt leider nichts darüber, wie er an die Rolle in Galaxy Quest kam. Seine Notizen über den Dreh verraten lediglich, dass das Drehbuch unterwegs geschrieben wurde und welche Kolleg*innen er für doof hält – er merkt nicht mal, wie deutlich der Film den Filmschauspieleralltag spiegelt, über den er regelmäßig mault.

§

In meinem Gymnasialjahrgang gehen gerade wieder Weihnachts-Mails rum (die Runde umfasst nicht nur die, mit denen ich bis zum Abitur 1986 in einer Klasse war, sondern seit dem ersten Abiturtreffen 1996 viele weitere Weggefährt*innen ), wie seit Jahrzehnten angestoßen von einem früheren Mitschüler, von dem ich es nicht erwartet hätte. Manche erzählen von ihrem vergangenen Jahr, und einer der Mit-Abiturienten schickte den Link zu einer BR-Doku, die über seinen Arbeitsplatz gefilmt wurde.
“Vierzehnheiligen · Wallfahrtsort im Wandel”.

Er ist der Franziskaner-Pater Maximilian – zu Abi-Zeiten noch “da Waggi” – und hat sich über die Jahre in sein Ingolstädter Oberbayerisch einen fränkischen Akzent eingefangen! In meinen Schulgeschichten taucht er als derjenige auf, der im Griechisch Leistungskurs am verzweifeltsten mit dem Skandieren von Hexametern kämpfte.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 20. Dezember 2023 – Weihnachtsfernes “Erst Mittwoch?!”

Donnerstag, 21. Dezember 2023 um 6:52

Mit einer 2 am Beginn des Datums fühlten sich Dezember sonst immer schwer weihnachtlich an, das stellte sich in diesem Jahr nicht ein. Weil mitten in einer elend langen Arbeitswoche (erst Mittwoch?!).

Als ich nach dem Aufstehen das Schlafzimmerfenster von Kipp zum Lüften ganz öffnete, war es draußen noch trocken. Doch schon als ich mich zu Milchkaffee setzte, tropfte und rauschte der Regen. Beim Verlassen des Hauses rannte eine winzige, kugelige Maus vor mir in eine Hecke – wenn dieser Lächel-Reflex nicht mehr funktioniert, muss ich stationär.

Meine Wetter-App zeigte hartnäckig “Dunst” an, ich ging in energischem Regen unterm Schirm in die Arbeit. Dort verbrachte ich die erste halbe Stunde mit Hardware-Problemen; bevor ich mich an den IT-Service wende, möchte ich ja immer alles selbst ausprobiert haben, was mir irgendwie einfällt. Ich hatte nach Überprüfung aller Stecker, mehrfachen Neustarts und Versuchen mit Kolleginnen-Hardware schon begonnen, das Ticket zu schreiben – als nach Aus- und Einstecken eines weiteren Steckers dann doch alles funktionierte.

Kurzgetakteter Vormittag. Wetter weiter sehr ungemütlich, raus ging ich nur auf einen Mittagscappuccino zu Nachbars.

Derzeit habe ich wieder Appetitprobleme. Aber als ich mich spät zum Mittagessen überredete, schmeckte es ja doch: Reste Rote Bete mit Linsen, Äpfelchen, Clementinchen.

Nachmittags legte ich eine erstaunliche Produktivität hin, wurde gelobt, habe jetzt zudem Aussicht auf eine neue Chefin ab April.

Bei Feierabend war es immer noch erst Mittwoch. Ich ging auf direkten Weg nach Hause, brauchte gerade keinen Schirm.

Zum Abendessen war ich aushäusig verabredet, vorher nahm ich mir noch Zeit für eine Runde Yoga-Gymnastik. Wir trafen uns in der Goldmarie. Ich hatte ja einmal im Sommer dort draußen gegessen, diesmal saßen wir im schönen, historisch aussehenden Gastraum, der sanft und schlicht renoviert worden war.

Die Freundin erzählte vom Forschen in Venedig, wir tauschten Familien- und Berufsinformationen aus. Und aßen: Ein wenig sehr gutes Weißbrot mit Kürbiskernbutter, als Vorspeise hatte ich gebratene Puntarelle mit Pinienkernen und Mozzarella, als Hauptgericht Saibling mit Mangold und Kartoffelstampf – schmeckte alles ausgezeichnet. Auf den Wein dazu hatte ich mich den ganzen Tag gefreut: Rosi Schuster Gemischter Satz Aus den Dörfern, Burgenland – den hatte ich bei meinem ersten Besuch entdeckt und sehr gemocht.

Nicht zu spät spazierte ich durch angenehme Nachtluft mit wenig Tröpfeln nach Hause.

§

Gestern gelernt: Man muss einen Umzug auch im selben Haus mit gleichbleibender Adresse im Einwohnermeldeamt melden. (Sie erinnern sich an die Anfrage des Bürgerbüros?)

§

Statt vier Microblogging-Plattformen zu bedienen (so viele “Da! Guck mal!”-Momente habe nicht mal ich), breite ich mich weiterhin nur auf Mastodon aus und habe in meinem Profil bei den anderen (X, Bluesky, Threads) lediglich hinterlegt: “(mehr Posts auf https://fnordon.de/@kaltmamsell)”. Das halte ich für fair. Übrigens habe ich gerade zwei Invite Codes für Bluesky, melden Sie sich einfach bei Interesse.

§

Jetzt aber mit Gewalt weihnachtlich.

via @kid37

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 19. Dezember 2023 – Ertragene und gemiedene Geselligkeiten

Mittwoch, 20. Dezember 2023 um 6:24

Nahezu durchgeschlafen, ich wachte erst um fünf zum Klogang auf. Und schlief dann bis zum Weckerklingeln nochmal ein.

Jetzt leuchtet er endlich, der Stern oben im Turm von St. Matthäus.

In die Arbeit fuhr ich unter wolkenlosem Himmel mit dem Rad: Ich hatte vor zehn Tagen nochmal einen Anlauf unternommen, online einen der als frei angebotenen Termine für die dritte FSME-Impfung in der Hightech-Hausarztpraxenkette nach Feierabend zu buchen – der keine 24 Stunden nach Onlinebuchung (da kann mir niemand mit Akutpatienten und Personalausfall durch Krankheit als Erklärung kommen) auf gestern Mittag verlegt worden war. Diesmal hatte ich mit einer E-Mail mit Betreff “Beschwerde” reagiert und mich beschwert, doch nach einer wirklich glaubhaft entschuldigenden Antwort hattte ich ein schlechtes Gewissen wegen meiner Ungeduld.

Um 8:35 Uhr klingelte gestern mein Handy: Die Praxis sagte den Termin ab, ob es auch am Donnerstag ginge. Fortschritt: Ich hatte diesmal nicht kommentarlos einen geänderten Termin zugeschickt bekommen. Immer noch Missstand: Ich komme einfach nicht zu diesem allerletzten Kontakt mit der Hausarztkette (hatte geplant, bei dieser Gelegenheit auch Rezepte für meine beiden chronischen Medikamente zu holen und mir dadurch mindestens ein halbes Jahr Zeit für die Suche nach einer Nachfolge-Praxis zu verschaffen). Nächster Terminversuch in der ersten Januarwoche, da habe ich noch frei, meine Hoffnungen sind überschaubar. Und ich war eine Weile durch empörtes Schnauben von der Arbeit abgelenkt.1

Anstrengender Arbeitsvormittag, ich musste Dinge weiterbringen, zu denen mich niemand drängt, für die sonst niemand verantwortlich ist, die nicht so richtig Spaß machen, für die ich andere brauche (die ich zum Teil noch nicht mal gefunden habe), die noch nicht brennen – die der Abteilung aber mittelfristig ungeheuer um die Ohren fliegen, wenn ich sie nicht vor Weihnachten halbwegs abstimmungsreif abgeschlossen habe. Gleichzeitg schüttle ich den Kopf darüber, dass ich mich so anstelle. (Um mit der großen novemberregen zu sprechen: “Entschuldigung, ich bin beim Schreiben kurz eingeschlafen, weil mich diese Kryptik langweilt.”)

Außerdem Menschliches, das verhinderte, dass ich über Mittag auch ohne Arzttermin raus in die Sonne gekommen wäre – nicht nur zeitlich, sondern auch energetisch: Von zu vielen runtergeschluckten, weil komplett unangebrachten Widerworten bekomme ich Kopfweh. Ich sag doch, dass ich Geselligkeiten nicht vor allem wegen der anderen Menschen meide, sondern weil ich mich dabei nicht ertrage.

Am späteren Mittag dann doch genug Appetit, die mitgenommenen Avocados und die Scheibe selbstgebackenes Brot zu essen.

Ab nachmittags im Innenhof Weihnachtsfeier des Standorts, ich freute mich für die Feiermöger, schon auch über die fröhliche Geräuschkulisse im Gebäude, als so viele gleichzeitig nach draußen zogen.

Bei mir am Schreibtisch reichlich Emsigkeit, es wurde eher spät.

Mit dem Radl (grrrr!) zu ein paar Einkäufen; ich radelte die Autoverkehr-verstopfte Schwanthalerstraße runter, beobachtete waghalsige Manöver anderer Radler um die bis zu dreispurigen Autos herum. Mir wurde bewusst, wie viel weniger ich mich mit anderen Verkehrsteilnehmenden auseinandersetzen muss, wenn ich zu Fuß unterwegs bin: Solange ich mich an grundlegende Verkehrsregeln halte wie die, nur bei Grün über Straßen zu gehen, kann ich fast durchgehend meinen Gedanken nachhängen und gelassen interessiert rumgucken.

Daheim Yoga-Gymnastik (mal wieder Mady Morrison), zum Nachtmahl hatte Herr Kaltmamsell aus dem Ernteanteil-Kürbis das wunderbare Curry aus Immer schon vegan von Katharina Seiser zubereitet, dazu statt Roti Naanbrot.

Früh ins Bett zum Lesen von Alan Rickmanns Tagebuch. Das Buch hat viele Fußnoten (Rickman erwähnt ja ständig irgendwelche erklärungsbedürftigen Namen), und diese überzeugen mich davon, dass E-Books auch weiterhin von der Print-Industrie produziert werden, die damit jeden und jede vom E-Book-Lesen abbringen will. Ein Klicken/Tipper auf die Fußnotenziffer führt nämlich keineswegs zur Fußnote, sondern im besten Fall auf irgendeine Seite in der Nähe. Ebenso ungefähr ist der Sprung beim Tipper zurück. Dabei kann selbst mein low-tech Blog Fußnoten, die sich beim Mouse-over in einem kleinen Kästchen auf der Seite als Overlay öffnen – erzählt mir nicht, das sei bei E-Books zu aufwändig.

§

Sessellift-Volkssingen – was für eine wundervolle Idee!
via @cucinaaufreisen

  1. Sehen Sie: Wie unglaublich praktisch so ein Blog ist! Könnte ich mich nicht hier aufregen, müsste ich mir jemanden in meiner Atemluft-Umgebung suchen, sie mit diesen Nichtigkeiten belästigen, sie aufhalten, ihnen vielleicht die Laune eintrüben. Sie hier wiederum sind freiwillig hergekommen, und wenn Sie das Thema nicht interessiert, lesen Sie es einfach nicht. []
die Kaltmamsell

Journal Montag, 18. Dezember 2023 – Sonnenschein und Lektüren

Dienstag, 19. Dezember 2023 um 6:25

Die Tageshelle verschiebt sich derzeit, morgens auf meinem Marsch in die Arbeit war der wolkenlose Himmel von der aufgehenden Sonne unterm Horizont bereits überraschend beleuchtet. Ich sah die Krähenschwärme über und auf der Theresienwiese deutlich: Rabenkrähen, keine Saatkrähen (bin ich in diesem Winter noch fast gar nicht begegnet), die weiterhin ungewohnte Laute von sich geben, unter anderem ein schnarrendes Gurren.

Emsiger Montagvormittag inklusive Besprechungen. Das Draußen weiter wolkenlos und sonnig, ich wollte mittags dringend raus. Tat ich dann auch, erst zum Briefkasten (die liebe Familie auf dem kastilischen Dorf bekommt Fotoabzüge und eine Weihnachtskarte), dann zu einem Cappuccino. In die lange Schlange am Café Colombo wollte ich mich nicht einreihen, ich marschierte weiter zum Stray. Guter Cappuccino.

Mittagessen zurück am Schreibtisch: Selbstgebackenes Brot, Clementinen.

Eher später Feierabend, die klare Winterluft draußen roch herrlich. Einkäufe bei Drogeriemarkt und im Vollcorner.

Daheim Häuslichkeiten. Für meine Yoga-Gymnastikrunde griff ich eine alte Empfehlung hier aus den Kommentaren auf und turnte eine halbe Stunde zackiges Yang Yoga – mir wurde ordentlich warm.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die Roten Bete aus Ernteanteil als Linsen(YAY!)gericht, schmeckte. Nachtisch Weihnachtsplätzchen.

Abendunterhaltung John Olivers Last Week Tonight über Elon Musk – nichts Neues.

Früh ins Bett zum Lesen. Ich bin in Alan Rickmans Tagebüchern im Jahr 1996 angekommen, und es wird immer klarer, wie sehr er in Galaxy Quest als er selbst besetzt wurde. Das ahnten wir schon 1999, als der Film rauskam, Rickman macht sich auch durchaus über diese Seite an sich lustig. Ich bin schon ungeheuer gespannt, ob und was er über die Rolle notiert.

§

Ach, in dieses Wespennest habe ich schon lang nicht mehr gestochen, nicht dass es einstaubt: in den abgrundtiefen Blödsinn Homöopathie.
Martha Gill schreibt im Guardian über den Umstand, dass der englische König Charles einen Homöopathen beschäftigt:
“King Charles has appointed a homeopath. Why do the elite put their faith in snake oil?”

Dr Michael Dixon has championed such things as “thought field therapy”, “Christian healing” and an Indian herbal cure “ultra-diluted” with alcohol, which claims to kill breast cancer cells. Methods like these might be “unfashionable”, he once wrote in an article submitted to the Journal of the Royal Society of Medicine, but they should not be ignored.

Homeopaths are fond of calling their ideas “unfashionable”, as if by some inverse law of popularity this makes them more likely to be correct. But in fact homeopathy is surprisingly fashionable for all the good it doesn’t do.

(…)

Why is homeopathy so useless and yet still so prevalent? Part of the explanation must be that it has always found champions in elite circles. In the mid 19th century, dozens of homeopaths served as personal physicians to monarchs around the world – including in Britain, where the first royal homeopathic doctor was a son of the Duchess of Devonshire.

(…)

The royals are no longer the fashion influencers they once were. But another bunch of homeopath-advocating elites have risen to take their place: celebrities such as Helena Bonham Carter, David Beckham, Jude Law, Jennifer Aniston, Chris Martin and Cindy Crawford. They continue to spread the word.

But why? These are not people who want for education, and nor are those who follow their advice: the typical user of homeopathy is affluent and middle class. Why are kings, movie stars and the rich so susceptible to this snake oil?

Two factors, I think, are at play. The first is that elites tend to overestimate the value of their instincts. King Charles and Cindy Crawford spend their time surrounded by suck-ups. They are themselves exceptions to the rules that govern others. If a gut feeling leads them to “thought field therapy”, rather than modern medicine, they might be more inclined to believe it.

And the second is something first observed by Charles Percy Snow in his famous remarks about the “two cultures” in the west. Ignorance of literature and the arts will exclude you from “highly educated” circles, but it is perfectly acceptable to have no grasp of basic science – the second law of thermodynamics, for example, or how to define “acceleration”. Combine overconfidence and an ignorance of science and you get an aristocracy convinced that crushed bees and aconite are the answer to their problems.

Übersetzte Zusammenfassung von Gills Antwort auf die Frage, warum ausgerechnet Eliten (früher Hochadel, heute Berühmtheiten aus Film, Musik, Social Media) die seit ihrer Erfindung belegbar nicht wirksame1 Homöopathie promoten? Zum einen weil diese Eliten dazu neigen, ihren Instinkt zu überschätzen (schließlich sind sie meist von Speichellecker*innen umgeben, die ihnen in allem recht geben). Zum anderen weil in unserer Gesellschaft das Fehlen einfachster naturwissenschaftlicher Kenntnisse nicht als Makel gilt.

§

Und dann fand ich gestern gleich noch das passende Gegenstück, wenn auch aus einem anderen Fachgebiet: Basisfakten zum Klimawandel, die in der Wissenschaft unumstritten sind (unter besonderer Berücksichtigung des Klimawandels in Deutschland).

Sechs Organisationen, darunter die Helmholtz-Klima-Initiative, haben daher ein Papier zu dem heute in der Klimaforschung unumstrittenen Wissen veröffentlicht – von seinen naturwissenschaftlichen Grundlagen, den Folgen in Deutschland und auf der ganzen Welt bis hin zu den in Paris vereinbarten Zielen.

Hier geht’s zur Website mit dem Download-Link:
“Was wir heute übers Klima wissen”.

Die vielfältigen Forschungen haben natürliche Ursachen für den aktuellen, sehr steilen Temperaturanstieg seit Beginn der Industrialisierung ausgeschlossen.
Er ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft nur durch die menschengemachte Verstärkung des Treibhauseffekts erklärbar.

(…)

Die Temperatur nahe der Erdoberfläche hat sich gegenüber der vorindustriellen Zeit im globalen Mittel bereits um über 1,1°C erhöht. Ein solches Temperaturniveau gab es laut den verfügbaren paläoklimatischen Daten noch nie während der vergangenen 2.000 Jahre und sehr wahrscheinlich auch nie während der gegenwärtigen Warmzeit (dem Holozän), die vor knapp 12.000 Jahren begann – also noch nie im Laufe der Geschichte des modernen Menschen.

  1. Ganz korrekt: belegbar nicht wirksamer als Placebos []
die Kaltmamsell