Fotorückblick 2023

Samstag, 30. Dezember 2023 um 17:13

Joël ruft wieder zum Fotorückblick auf (zeige pro Monat zwei Fotos), hier sind meine für 2023.

Januar 2023

Jahresanfang auf dem Jungfraujoch.

Hofgarten.

Februar 2023

Grünes Fest

Ausflug nach Bonn zu einem Fest.

März 2023

Urlaub und Freundesbesuch in Goslar.

Einer von vielen Schwumms im Olympiabad.

April 2023

Großfamilienurlaub in Madrid.

Anschließend Großfamilienurlaub in der Provinz Segovia.
Das wichtigste Foto des Jahres kann ich nicht zeigen, denn es besteht nur aus Menschen, aus genau 23. Es ist ein Gruppenfoto vor einem Hauseingang in El Olmillo, in mehreren Reihen sieht man die Familie von Primo Pepe (drei Generationen) und meine (drei Generationen), alle lachend und gut sichtbar, ich bin das grinsende Honigkuchenpferd links hinten stehend in gelb-weißem Oberteil.

Mai 2023

Großbritannien zieht das mit der Monarchie weiter durch.

Ausflug nach Nierstein.

Juni 2023

Neuer Wanderrucksack.

Der späte Sommereinsatz kam mit großer Trockenheit, hier sichtbar am Rasen des Dantebads.

Juli 2023

Englandurlaub mit Wanderung auf dem Cotswold Way und seinen wundervollen Aussichten.

In Brighton mein erstes Bad im Ärmelkanal (Foto: Herr Kaltmamsell).

August 2023

Wandern zwischen Ammersee und Starnberger See.

Ausflug auf die Herren- und Fraueninsel im Chiemsee.

September 2023

Mit 56 meine erste 501.

Oktoberfestflucht in den Frankenwald.

Oktober 2023

Aufstehen gegen Rechts kurz vor der Bayerischen Landtagswahl.

Scheinbar endloser Sommer.

November 2023

Mit Schweizer Besuch im Botanischen Garten.

Schmerzhafter Theaterabend in den Kammerspielen.

Dezember 2023

Der große Schnee.

Berlin-Urlaub mit Herrn Kaltmamsell.

die Kaltmamsell

Bücher 2023

Samstag, 30. Dezember 2023 um 10:04

Das war ein sehr gutes Lesejahr mit vielen herausragenden Büchern. Der Untergang von Twitter führte vor allem in der ersten Jahreshälfte dazu, dass ich statt Internet sehr viel mehr Bücher las. Und es war das Jahr der autofiktionalen Literatur, so viel davon (unbeabsichtigt) hatte ich noch nie.

Statisitik:
Bücher von Autorinnen: 34
Bücher von Autoren: 18
(Der Rest Sammelbände.)
Von den 58 gelesenen aus der Münchner Stadtbibliothek ausgeliehen: 19

* markiert wieder eine Empfehlung, die anderen fand ich zumindest gut genug, sie zu Ende zu lesen.

1 – Candice Carty-Williams, Queenie

2 – Sayaka Murata, Ursula Gräfe (Übers.), Die Ladenhüterin*
Ein Plädoyer für Vielfalt und Toleranz mit unerwartetem Twist: Was, wenn die Andersartigkeit in dem dominierenden Bedürfnis besteht, im Dasein einer 24-Stunden-Supermarkt-Angestellten aufzugehen, mit den Regeln und der Identität dieses Markts zu verschmelzen?

3 – Gabrielle Zevin, Tomorrow, and Tomorrow, and Tomorrow*
Hier unten ausführlich besprochen, eines meiner Jahres-Highlights.

4 – Lisa Neun, Business Girl

5 – Claire Keegan, Foster

6 – Claire Keegan, Small things like these

7 – Mick Herron, Slow Horses*
Besprechung hier unten.

8 – Johanna Adorján, Ciao

9 – Zoë Beck, Das alte Kind*
Ausführliche Besprechung hier unten.

10 – Granta 161, Sister, Brother*
Hier unten besprochen.

11 – Franz Schiermeier, Beate Bidjanbeg (Hrsg.), Ludwigvorstadt. Reiseführer für Münchner*

12 – Granta 162, Definitive Narratives of Escape

13 – Claire North, Notes from the Burning Age

14 – Jana Thiele, Gebrauchsanweisung für den Harz

15 – Theresa Hannig, Pantopia*
Besprechung hier unten.

16 – Viet Thangh Ngyen, The Sympathizer

17 – Ewald Arenz, Alte Sorten*
Hier unten besprochen.

18 – Ewald Arenz, Der Duft von Schokolade*
Großer Genuss beim Lesen: Der Roman nimmt uns mit ins Wien Ende des 19. Jahrhunderts, wir folgen durchgehend und handwerklich konsequent der Perspektive des jungen August Liebeskind. Mit ihm treten wir am Anfang der Geschichte und am Ende von Liebeskinds Militärzeit hinaus in den Wiener Frühling – vor allen in dessen Düfte. Liebeskind, so stellt sich schnell heraus, hat einen weit überdurchschnittlichen Geruchssinn, und so begleiten wir eine sehr spezielle Wahrnehmung der Welt und ihrer Menschen.

Das ist der rote Faden, an den die Begegnung mit einer faszinierenden Frau geknüpft wird, der Einstieg ins Berufsleben, der Alltag in Wien. Arenz erzählt opulent – doch wie könnte er diesen Rausch an Wahrnehmung auch anders erzählen? Extrastern für meisterliche Informationsvermittlung, die mich die eine phantastische Komponente der Geschichte zunächst fast überlesen ließ. Aber auch ein Stern Abzug für das Ende des Romans, das ich als recht mühsam gedengelt und verbeult empfand.

19 – Almudena Grandes, Roberto de Hollanda (Übers.), Kleine Helden*
Besprechung hier im unteren Drittel.

20 – Jesse Simon, Berlin Typography*

21 – Rebecca Makkai, I have some questions for you

22 – Jennette McCurdy, I’m Glad My Mom Died

23 – Katja Berlin, Wofür Frauen sich rechtfertigen müssen

24 – Granta 136, Best of Young British Novelists 5

25 – Martin Arz, Streetart München*

26 – Francis Kirps, Die Mutationen

27 – Fang Fang, Michael Kahn-Ackermann (Übers.), Weiches Begräbnis*
Ausführlich besprochen hier.

28 – Marilynne Robinson, Jack

29 – Anne Rabe, Die Möglichkeit von Glück*
Hier unten ausführlich besprochen.
Ein weiteres Jahres-Highlight.

30 – Shelly Kupferberg, Isidor. Ein jüdisches Leben

31 – Benedict Wells, Vom Ende der Einsamkeit

32 – Josef Bierbichler, Mittelreich*
Besprechung hier unten.
Ebenfalls auf meiner Highlight-Liste.

33 – Delia Owens, Where the Crawdads Sing

34 – Julie Orringer, (Transatlantic) The Flight Portfolio

35 – Bov Bjerg, Der Vorweiner*
Hier besprochen.

36 – Granta 164, Last Notes

37 – Josephine Tey, The Daughter Of Time*
Hier besprochen.

38 – Melanie Raabe, Die Falle

39 – Daniela Dröscher, Lügen über meine Mutter*
Hier die Besprechung.

40 – Ewald Frie, Ein Hof und elf Geschwister*
Besprechung hier unten. Noch ein Jahres-Highlight.

41 – Tobias Meilicke, Cornelius Strobel (Hrsg.), Aufgeheizt. Verschwörungserzählungen rund um die Klimakrise*

42 – Tobias Rüther, Wolfgang Herrndorf. Eine Biographie
Ich hatte über dieses Buch nichts geschrieben, weil ich damit haderte und das immer noch tue. Zwar kannte ich Herrndorf selbst nicht, kenne aber einige aus seinem beschriebenen und zitierten Umfeld. Und ich zog beim Lesen sehr bald die Schultern sehr weit hoch. In seinem Blog Arbeit und Struktur erlebte ich Herrndorf als sehr privaten Menschen, Rüthers Recherchen fühlten sich beim Lesen übergriffig an. Denn wir Blogger*innen wissen: Dass jemand schriftlich etwas von sich preisgibt, berechtigt in keiner Weise dazu, in sein/ihr Leben einzudringen. Rüthers arbeitete sich offensichtlich durch die Unterhaltungen im Online-Forum “Wir höflichen Paparazzi” (Ursuppe des Mitmach-Webs), bekam wohl auch Einblick in Chats – das fühlte (!) sich für mich sehr nach Schlüssellochguck-Journalismus an. Auch weil neben vielen Details in Herrndorfs Leben zwangsläufig auch die involvierten anderen Personen exponiert wurden.
Über diese gefühlte und unangenehme Grenzüberschreitung kam ich bei der Lektüre nicht hinweg – auch wenn meiner Vernunft klar ist, dass sie zumal bei einem verstorbenen Autor zur Forschung gehört.

43 – Jenny Erpenbeck, Geschichte vom alten Kind*
Hier unten besprochen.

44 – Eva Biringer, Unabhängig – Vom Trinken und Loslassen

45 – Sigrid Nunez, A Feather on the Breath of God*
Besprechung hier unten.

46 – Patrick deWitt, The Librarianist

47 – Fatma Aydemir, Dschinns*
Es ist so wunderbar, wie vielfältig deutsche Migrationsliteratur in den vergangenen 15 Jahren geworden ist. Aydemir platziert ihre Geschichte vom Gastarbeiter, der am Tag der Erfüllung seines Lebenstraums (eigene Wohnung in Istanbul) stirbt, und seiner Familie in den 1980ern und 1990ern – und macht allein dadurch klar, wie anders die Migrationswirklichkeit damals war. Das Set-up “Familienmitglieder treffen sich zur Beerdigung” ist ein klassisches, mit dem der Hintergrund der einzelnen Personen erzählt werden kann. Das macht Fatma Aydemit auch sprachlich sehr gelungen und nachvollziehbar.

48 – Helen Rebanks, The Farmer’s Wife: My Life in Days

49 – Paula Hawkins, The Girl on the Train

50 – Teresa Präauer, Kochen im falschen Jahrhundert

51 – Karsten Dusse, Achtsam morden*
Hier unten besprochen.

52 – Zadie Smith, The Fraud

53 – Roger Diederen, Nerina Santorius, Carlos Alonso Pérez-Fajardo (Hrsg.), Mythos Spanien. Ignacio Zuloaga

54 – Vicky Baum, Menschen im Hotel*
Besprechung hier.

55 – Grete Weil, Der Weg zur Grenze*
Besprechung dieses Jahres-Highlights hier.

56 – Robert Seethaler, Ein ganzes Leben

57 – Alan Taylor (ed.), Madly, Deeply. The Alan Rickman Diaries

58 – Ottfried Preußler, Der Engel mit der Pudelmütze*

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 29. Dezember 2023 – Berlin 3 mit Frühstück in Neukölln und Show im Friedrichstadtpalast

Samstag, 30. Dezember 2023 um 9:51

Wieder lang geschlafen, es fühlte sich sehr nach Urlaub an.

Den Morgencappuccino tranken wir im Café des Literaturhauses (noch teurer, holla). Im Vorbeigehen sahen wir, dass hier im Viertel Käsekuchen San Sebastián angeboten wird.

Wir hatten eine Frühstücksverabredung in Neukölln und bis dahin reichlich Zeit. Also nahmen wir eine U-Bahn bis in die Nähe und gingen den Rest zu Fuß. Das Wetter war weiterhin viel zu mild für die Jahrezeit, doch jetzt zeigte der Himmel das Grau, das ich vom Berliner Winter kenne.

Am Neuköllner Schifffahrtskanal Treffen mit Freundin, ausführliche Gespräche, dazu Cappuccino und Frühstück, Joghurt mit Obst und Granola schaffte um eins auch ich.

Aus dem grauen Himmel regnete es mittlerweile auch hin und wieder. Wir ließen uns den Stand des Fahrradstraßenausbaus in der Gegend zeigen.

Von der U-Bahn-Station Rathaus Neukölln nahmen wir U-Bahnen zurück nach Charlottenburg, verbrachten den Nachmittag bis zum abendlichen Ausgehen mit Lesen im Hotel.

Schon beim Kofferpacken in München, eigentlich vorher beim Überlegen, was ich mitnehmen würde, hatte ich festgestellt, dass ich keinerlei Abendgarderobe für Nicht-Sommer besitze. Eine Weile spielte ich mit dem Gedanken, aus dem reichen dezemberlichen Angebot an Glitzerkleidung etwas zu kaufen, ein Pailettenkleid zu Beispiel, entschied mich aber aus Nachhaltigkeitsgründen (komm, wegen dem einen Mal) dagegen. Gestern Abend sah ich also eher nach Büro aus als nach Show im Friedrichstadtpalast.

Doch als ich mich vor Ort im Publikum umsah, erinnerte ich mich daran, dass winterliche Abendgarderobe ja nicht nur aus Glitzerkleidern besteht und nahm mir vor, mir wenigstens eine Abendjacke zuzulegen (grüner Samt?), die ich dann mit einer (noch zu kaufenden) Stoffhose kombinieren könnte.

Die Show “Falling in Love” war großartig wie erhofft. Immer neue atemberaubende Kostüme (diesmal wieder von Jean Paul Gaultier entworfen), wunderschöne Menschen, die bezaubernd tanzten und sangen, auf der größten Bühne der Welt wurde alles an technischem Schnickschnack vorgeführt, inklusive Bad in Kristallen und mehrfachen Wasser-Einlagen, dazwischen drei akrobatische Nummern (wer hätte gedacht, dass man aus Trampolinen und Reckstangen so viel rausholen kann?). Thema der vagen Show-Geschichte auch diesmal Liebe, Vielfalt, Toleranz.

Auf die Reihe hatte ich mich besonders gefreut – und bekam noch viel mehr geboten als erhofft: Sie war diesmal eingebettet in eine ungewöhnliche Choreografie (das Vorbild des Anfangs mit Armen finde ich gerade nicht: ein französischer Choreograf hat sie für eine Rollstuhlfahrer*innengruppe erfunden) und einfach atemberaubend.

Weiteres Highlight zum Schluss: Statt einer Diskokugel wurde ein riesiger, unregelmäßig geschliffener Kristall über der Bühne herabgelassen und angestrahlt – ganz neue Effekte, weitere Atemberaubung.

Eigentlich hatten wir geplant, am Spreeufer ein Lokal für einen Happen Abendessen zu suchen, doch es regnete energisch. So nahmen wir gleich eine S-Bahn zurück zum Bahnhof Zoo, gingen in der Nähe in einen indischen Schnellimbiss. Zwar hatte ich immer noch keinen Hunger (da hilft vermutlich die konsequente Reiseverstopfung), wollte aber verhindern, dass er nachts auftauchen und mich vom Schlafen abhalten würde. Das Dhal mit Reis schmeckte dann auch sehr gut.

§

Eben diese wundevolle Reihe des Friedrichstadtpalasts hat kürzlich ein Jahrhundertfoto mit Margot Friedländer aufgenommen, hier die Entstehung.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
https://youtu.be/_rzBRSSvdVU?si=n-D5sH3o28xCoUAN

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“Ich verstehe total, dass es unterschiedliche Sichtweisen geben kann, möchte aber, dass meine vorherrscht.”
Quelle.

(Kommt ins Kästchen zu “Ich bin überrascht und enttäuscht”.)

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 28. Dezember 2023 – Berlin 2 mit Naturkundemuseum, Kabarettistischem Jahresrückblick und Gemüseküche

Freitag, 29. Dezember 2023 um 9:41

Sehr lang ausgeschlafen. Da wir ja im Urlaub waren, bloggte ich erst mal in aller Ruhe, bevor wir aus dem Haus auf einen Cappuccino gingen (4,40 Euro für einen kleinen Cappuccino in einem ganz normalen Frühstückscafé – mein Eindruck verstärkt sich, dass die Berliner Gastro-Preise die in München mittlerweile überholt haben).

Der Himmel war schon wieder hauptsächlich blau, die Luft mild – nicht mal der Berliner Winter ist, was er mal war. Für den Nachmittag hatten wir Kabarett-Karten, bis dahin noch Zeit: Wir fuhren ins Naturkundemuseum.

Wir verbrachten zwei sehr interessante Stunden in dem Museum, in dem ich zuletzt vor fast 20 Jahren gewesen war. Das größte aufgebaute Saurierskelett, das eines Brachiosaurus, ist einfach der Hammer (ausgegraben 1909 und 1913 am Tendaguru, einem Hügel in der Lindi-Region im heutigen Tansania). Die alten Schaukästen mit Mineralien sahen noch aus, wie ich sie in Erinnerung hatte, allerdings wurden einige Stücke mit blauen Schildern und Zusatzerklärungen hervorgehoben – eine gute Idee, denn sonst fällt mir auch nichts ein, wie man eine Mineraliensammlung besser präsentieren könnte.

Allerdings war es sehr voll, davon zu meiner Überraschung zwei Drittel Kinder. Familien picknickten vor Exponaten, Kinder lagen quer über Schaukästen und machten sie unlesbar, insgesamt sorgten sie für einen durchaus Stress-bereitenden Lärmpegel. Dennoch habe ich viel gesehen und gelernt, unter anderem über die Digitalisierung der Insektenbestände.

Gegen zwei kehrten wir in einem nahe gelegenen Café ein, ich frühstückte einen weiteren Cappuccino und eine Focaccia mit reichlich Käse.

Karten hatten wir für die Nachmittags-Vorstellung des Kabarettistischen Jahresrückblicks 2023 – endlich mal live.

Dort hin gingen wir bei dem schönen Wetter zu Fuß.

Zum Glück waren andere Leute auch dorthin unterwegs und ich konnte ihnen folgen, sonst hätte ich vermutlich das Theater im dritten Hinterhof, ersten Stock ohne Ausschilderung nicht gefunden. Ich hatte den Andrang unterschätzt, bei freier Platzwahl waren wir froh, 20 Minuten vor Start des Stücks im nicht eben kleinen Zuschauerraum überhaupt noch zwei Plätze nebeneinander zu bekommen.

Die Show selbst war großartig. Sie startete mit einer Barbie-Nummer (Bov Bjerg ist der ganz links) – die wohl durch Verkleidung von 4/5 der Besetzung als Frauen von dem Umstand ablenken sollte, dass die Truppe seit 1997 nur aus Männern besteht. (Spass, aber ich könnte mir Katja Berlin hervorragend als Teil dieser Bande vorstellen.)

Es ging unter anderem um Berlin und seinen Bürgermeister (neben der ehemaligen Bürgermeisterin Franziska Giffey stand auch der regierende, Kai Wegner, auf der Bühne), auch Habeck moderierte, oder versuchte es zumindest, besungen wurde unter anderem ein AfD-Parteitag, lokaler Fußball. Bov Bjerg las einen Text um Neukölln und die dortigen verschiedenen Sorten Männer mit Bärten, arbeitete geschickt und unter Umgehung aller Fettnäpfe das Problem des vielschichtigten Miteinanders um den 7.10. dort ein. Außerdem gab er als Schwabe vom Dienst in einer Nummer den Jogi Löw, der in der aktuellen Lage zum Schluss kam: “Die Rettung des deutschen Fußballs liegt im Basketball.”

Der Mix aus politischem Kabarett und Musiknummern (eigentlich auch politisch) erinnerte mich an die besten Zeiten der Lach- und Schießgesellschaft mit Dieter Hildebrandt, ich wurde bestens unterhalten und angeregt. Außerdem traf ich einen Arbeitskollegen, der einzige in Berlin ansässige, mit dem ich regelmäßig zu tun habe (und der seit Beginn dieses Kabarettistischen Jahresrückblicks jedes Jahr hingeht).

Fürs Abendessen hatten wir im fußläufig gelegenen Brlo Brwhouse reserviert, Herr Kaltmamsell war von meinem Bericht der dortigen Gemüseküche sehr angetan gewesen (und arbeitet seit meiner Schilderung einer Ofen-gegrillten Sellerieknolle an einer Nachahmung). Das Bestellsystem dort: Man wählt aus einer jahreszeitlichen und übersichtlichen Karte ein Hauptgericht aus, eine Beilage, ein “Topping”.

Mein Hauptgericht waren Bete (Gelb im Stück, rot drunter püriert, dabei unter anderem geröstete Haselnüsse und ein Mandel-Crumble, das fast schon marzipanig schmeckte), gerösteter Rosenkohl, mixed Pickles – hervorragend. Herr Kaltmamsell hatte Blumenkohl aus dem Ofen mit Parmesan und Pilzen, Kartoffelpü mit schwarzem Knoblauch, Essiggurken. Es schmeckte uns alles ausgezeichnet. Dazu gab es ausgefallene Biere: Während ich ein Pale Ale und ein Blurry Vision (ein IPA) probierte, beides wunderbar vielschichtig, hatte Herr Kaltmamsell einen sehr dunklen Rye Wine und ein fast cremiges Stout namens Baltic Porter.

Rückfahrt ab Gleisdreieck mit der U1, wie schon auf der Hinfahrt mit Musikbegleitung in meinem Kopf.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 27. Dezember 2023 – Start Berlin-Urlaub mit Frühstück und Weinbar

Donnerstag, 28. Dezember 2023 um 10:04

Früh für den Zug aufgestanden, der kurz vor acht am Hauptbahnhof losfahren und uns in nicht mal vier Stunden nach Berlin bringen sollte. So rechtzeitig aufgebrochen, dass genug Zeit für Morgencappuccino am Bahnhof blieb.

Schon bei Eintreffen am Bahnsteig stabilisierte sich mein Weltbild, das nach vier pünktlichen RB-Fahrten und einer ICE-Verbindung, die auch zwei Monate nach Buchung noch existierte, gewackelt hatte: „Wegen verspäteter Bereitstellung“ 15 Minuten Verspätung. Daraus wurde eine 30 Minuten verspätete Abfahrt (Zuführer: „Die haben in München wieder nicht genügend Züge.“), zum Glück mit Gleiswechsel nur an den Bahnsteig gegenüber, aber die Wagenreihenfolge war innerhalb von zehn Minuten drei Mal geändert worden -> Slapstick!

Man muss die Deutsche Bahn einfach als riesigen Abenteuerspielplatz begreifen.

Der Tag vor den Fenstern des ICE war hell bis sonnig, auf den Wiesen und Feldern stand das Wasser, bereits bestehende Gewässer waren über alle möglichen Ufer getreten.

Mit 40 Minuten Verspätung trafen wir am Berliner Hauptbahnhof ein, auch davor Sonne – und Herr Kaltmamsell, den ich vor dem unerbittlichen Bleihimmel des Berliner Winters gewarnt hatte, glaubte mir mal wieder kein Wort. Der Weg zum Hotel war nicht weit vom Bahnhof Zoologischer Garten, zu meiner Überraschung war unser Zimmer bereits beziehbar.

Und zwar ein sehr schönes Zimmer.

Mein Hirn hatte bereits Pläne gemacht, ich schlug ein Frühstück um zwei im nahe gelegenen 24-Stunden-Frühstückslokal Benedict vor. Auch Herr Kaltmamsell hatte Lust darauf, und nach einer Warte-Spazierrunde von 20 Minuten bekamen wir auch einen Tisch (keine Reservierungen möglich).

Herr Kaltmamsell nahm Shakshuka und war sehr zufrieden damit, ich eine Kürbis-Frittata mit Salat (der weiße Blob links daneben war Sauerrahm mit Scharf und Tomate), ebenfalls sehr gut und vor allem mit den warmen Semmelchen aus der eigenen Bäckerei sehr reichlich. Und wir wurden freundlich und fürsorglich bedient (und auch nachmittags konsequent mit “Guten Morgen” gegrüßt, offensichtlich Anweisung).

Aus meinen Vorschlägen für den Nachmittag (ich hatte keine Präferenz) wählte Herr Kaltmamsell das nächst gelegene Ziel: KaDeWe, dort vor allem das Feinkoststockwerk. Der Weg dorthin war dann doch länger als geplant, weil wir ihn zweimal liefen: Ich stellte beim Betreten des Kaufhauses fest, dass ich meine Tasche (mit allem) im Benedict vergessen hatte. Erst im Gasthaus erschrak ich darüber, als der Restaurantchef nachsah und mit der Auskunft zurückkam, meine Tasche sei da nicht. Doch ich sprach die Bedienung, die bei uns abkassiert hatte, direkt an, und die hatte die Tasche gefunden und in Sicherheit gebracht.

Jetzt aber KaDe We – und es erwies sich die Wichtigkeit meiner Regel, nie satt einkaufen zu gehen: So satt, wie wir waren, verließen wir das Lebensmittel-Stockwerk ohne auch nur eine einzige Leckerei, es war nichts attraktiv genug.

Ausruhen im Hotelzimmer mit Lesen. Unsere fortdauernde Sattheit bestimmte auch das Abendprogramm: Statt das geplante Bistro steuerten wir eine Weinbar an, die aus berufenem Mund empfohlen worden war, die Freundschaft in der Mittelstraße.

Dort tranken wir Weine (einen Wiener Rosé, einen Beaujolais) und vesperten, Herr Kaltmamsell den Toast des Hauses, ich Brot mit Kürbisbutter und reichlich Beinschinken.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 26. Dezember 2023 – 2. Weihnachtsfeiertag mit Familie andere Seite

Mittwoch, 27. Dezember 2023 um 6:22

Wie egal ein Wochentag über die Weihnachtsphase ist.

Vom Wecker aufgeweckt in der Hoffnung, vor die Tage ohne Sportmöglichkeite eine Laufrunde einzubauen. Das klappte dann auch: Ich war schnell mit Bloggen und Mastodon-Lektüre durch, das Wetter draußen trocken, hell und mild.

Und es wurde ein ganz wunderbarer Lauf. Durch den Alten Südfriedhof konnte ich immer noch nicht, doch so früh war es ab Wittelsbacherbrücke noch herrlich einsam, Boden und Luft lauffreundlich. Ich lief leicht, sah Vögelein.

Die 70 Minuten taten richtig gut.

Gestern nahmen wir einen pünktlichen Zug nach Ingolstadt: Dort Weihnachten feiern mit meiner Familie, alle rechtzeitig gesundet, außerdem reisten die lieben Schwiegers an.

Es gab Pilzcremesuppe, dann Hirschrücken mit Kürbis-Kartoffel-Stampf, Pastinaken, Roter Bete – ganz wunderbar.

Dazu ein richtig schöner Christbaum und, das Beste, vergnügliche Gespräche mit der Familie. Beim Nachtisch Zimttorte passte ich, auch wenn sie sehr gut aussah.

Wieder im Abendlicht fuhren wir zurück nach München – schon wieder pünktlich. Ich war bereits davor misstrauisch, denn unser vor zwei Monaten gebuchter ICE nach Berlin stand weiter als existent und ohne jegliche Einschränkungen im Fahrplan und auf den digitalen Tickets. Und jetzt vier Fahrten ohne die geringsten Probleme: Wovon versucht die Bahn da gerade abzulenken?

Daheim erste Pack-Handgriffe, eine Runde Yoga-Gymnastik, dann richtete ich Abendbrot an: Spanischer Crowdfarming-Käse, aus den letzten Crowdfarming-Avocados bereitete ich mit einer rosa Grapefruit einen Salat. Danach teilte ich mir mit Herrn Kaltmamsell die letzte Orangencreme, außerdem gab es reichlich Weihnachtsplätzchen.

Im Bett Alan Taylor (ed.), Madly, Deeply. The Alan Rickman Diaries ausgelesen, durchaus interessiert bis zum Ende, muss aber nicht.

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Kürzlich haben Sie vielleicht auch die Schlagzeilen gelesen: Laut Polizeistatistik würden immer mehr Jugendliche gewalttätig. Bent Freiwald hat sich die Zahlen für Krautreporter genauer angesehen. Er kommt zu einer Überschrift, die deutlich weniger Klicks erzeugt (ich darf Ihnen den Artikel schenken):
“Die Jugend von heute: Immer weniger gewalttätige Jugendliche”.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 25. Dezember 2023 – 1. Weihnachtsfeiertag mit Familie eine Seite

Dienstag, 26. Dezember 2023 um 7:26

Etwas unruhige Nacht, der Alkohol. Draußen nur noch wenig Wind, es wurde zu dem angekündigten sonnigen Tag hell.

In Ruhe gebloggt, Milchkaffee und Tee getrunken. Dann Fertigmachen zur Familienverabredung in bei Augsburg.

Der Zug ging pünktlich und kam pünktlich an, in Augsburg wurden wir abgeholt und zu Schwiegers gefahren. Dort trafen nach und nach die fast vollständige Familie von Seiten Herrn Kaltmamsells ein, es gab einen Krankheitsausfall.

Anstoßen mit alkoholfreiem Sekt, Umzug an die große Tafel. Dort gab es bei heiteren Gesprächen
– Rinderboullion mit Flädle
– vegane Paté (erstellt von Herrn Kaltmamsell) mit Brot
– Entenbrust mit Kartoffelknödeln und Blaukraut (Letzteres hatte ich mitbringen dürfen)
– Walnuss- und Salzkaramelleis

Ich freute mich über das gute Essen, noch mehr aber über das Wiedersehen mit teils lang vermissten Familienmitgliedern. Jetzt bin ich zumindest über eine berufliche Weiterentwicklungen auf neuestem Stand. Und Geschenke bekamen wir auch noch!

Bei Tagesende wurden wir zurück zum Bahnhof Haustetter Straße gefahren.

Auch die Rückfahrt ereignislos. Daheim Häuslichkeiten, dann eine Runde Yoga-Gymnastik.

Vorbereitungen für unseren Berlinurlaub ab Mittwoch. Zum Glück hatte ich bereits in der ersten Reisevorfreude nach Buchung Lokale und Wege recherchiert, denn seither hatte ich das Thema aus den Augen verloren. Jetzt konnte ich auf die Recherche zurückgreifen, damit planen, reservieren.

Wer sich am Weihnachtsmittag nicht überfrisst, hat für Abendessen richtig Hunger! Es gab den Rest ensaladilla rusa, je eine Portion Orangencreme, reichlich Panettone.

Im Fernsehen ließen wir die Verfilmung von Der Name der Rose laufen um zu checken, wie gut der sich gehalten hatte (ich schaffte nur die erste Stunde, dann zu müde): Hatte er sich durchaus, doch einerseits war ich überrascht, dass auch im Film der Anfang dick gepackt mit anstrengenden historischen Informationen ist (wie die ersten 100 Seiten des Romans, durch die man erstmal durch muss), das hatte ich bei Veröffentlichung nicht bemerkt. Andererseits sah ich erst jetzt die oft sehr plumpe Kamera und Maske.

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Katatonik hat Wim Wenders Film über den Arbeitsalltags eines Toilettenreinigers in Tokyo, Perfect Days, angesehen und schreibt ihre Reflexionen als frühere Tokyo-Bewohnerin auf:
“Wim Wenders, Perfect Days (Japan 2023, 123 min.)”.

die Kaltmamsell