Vorsichtige Versuche in der Disziplin “Hören auf den eigenen Körper”. Sie wissen: Wir haben ein fundamentales Kommunikationsproblem, mein Körper und ich – ich bestehe aber darauf, dass er angefangen hat. Sich außerdem furchtbar undeutlich ausdrückt und meinen Vorschlag ablehnt, das ganze schriftlich zu machen.
Vor ein paar Wochen habe ich beschlossen, ihm mal zuzuhören, zumindest was das akute Problem betrifft. So richtig zum Problem wurde es ja vor viereinhalb Jahren: Ich hatte beim Laufen Hüftschmerzen (ein paar Jahre davor auch schon, aber da waren sie von selbst wieder weggegangen). Doch zwei Orthopäden sagten: An der Hüfte ist nichts. Also schob ich das Problem auf den alten Bandscheibenvorfall.
Jetzt bin ich bereit, meinen Körper und sein damaliges Signal wieder ernst zu nehmen: Es ist die Hüfte, zefix. Wenn ich ihn richtig verstehe, sagt mir mein Körper: Es ist nichts kaputt, nur irgendwas fürchtlich verklemmt – so sehr, dass mittlerweile das gesamte Bewegungssystem in Mitleidenschaft gezogen ist.
Und damit gehe ich in den kommenden Wochen zu Anfasserinnen mit so unterschiedlichen Ausbildungshintergründen, dass ich sie als “Anfasserinnen” zusammenfasse. Wenn das nichts bringt, kann ich mich diesen (scheinbaren?) Körpersignalen ja wieder verschließen.
Gestern wollte ich eigentlich Schwimmen gehen. Doch so wie mein Körper mir vergangene Woche signalisiert hatte, dass er keine weite Strecken mehr gehen wollte, meinte er gestern, dass er für eine Schwimmrunde zu erschöpft war. (Die nächtliche Migräne-Attacke nach nur einem wirklich kleinen Glas Rotwein mag das unterstützt haben.) Vielleicht brauche ich wirklich mal eine echte Sportpause. Eine, die nicht durch einen Atemwegsinfekt erzwungen ist (während dem sich ein Körper ja auch nicht so richtig erholt, oder?). Auch wenn sich das wie eine Kapitulation anfühlt. Ich misstraue solchen Körpersignalen nach Ruhebedürfnis zutiefst, weil ich immer meine angeborene Faulheit und Trägkeit dahinter vermute, die es seit Kindertagen zu bekämpfen gilt – damals durch meine Eltern, seit ein paar Jahrzehnten durch mich.
Mittlerweile kann ich mir vorstellen: Wenn ich wirklich jemals wieder Wandern, Tanzen, vielleicht sogar Joggen will, braucht es erst mal eine Zäsur.
Jede pickt sich ja aus ärztlichen Anweisungen diejenige, die ihr ohnehin am nächsten kommt. Bewegung ist gut? Super, mache ich. Und überhöre vielleicht, dass bei akuten Beschwerden Bewegung nicht so gut ist?
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Gestern brach das Oktoberfest aus. Und ich fand auf Twitter endlich ein Framing, mit dem auch ich drüber hinweg komme.

Oktoberfest-Cosplayer.
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Herr Kaltmamsell machte sich vormittags nach Augsburg auf einen Krankenbesuch auf (und musste zum Bahnhof die U-Bahn nehmen, weil der Fußweg durch den Einzug der Wiesnwirte blockiert war). Ich spazierte/hinkte nach Wäschewaschen und -aufhängen zum Semmelholen.


Ein prachtvoller Sonnentag, der über den Nachmittag auch nochmal mild wurde.
Nach dem mittäglichen Frühstück setzte ich mich vor den Balkon und las Zoë Becks Brixton Hill.


Danach knapp zwei Stunden Bügeln, jetzt lag der Wäscheberg wieder auf Normalnull.
Abends war ich in Bogenhausen mit einer Freundin beim feinen Italiener verabredet: Martinelli. Ich radelte mit offener Jacke durch goldenes Sonnenlicht die Isar entlang und hinauf zum Effnerplatz, dann rüber nach Bogenhausen (und kam so ja doch hin und zurück zu einer guten Stunde Radeln, die andere bereits als sportliche Bewegung ansehen würden).

Auf der Max-Joseph-Brücke. Ich vermisse die Isar ohne meine Laufrunden schon sehr.

Weiß die Kunstwelt, dass wir diese Skulptur in München liebevoll “Strickliesl” nennen, und gibt es bereits Forschung zu Volksbenamsung von Kunst im öffentlichen Raum?
Im italienischen Restaurant aßen wir ein ausgesprochen köstliches Menü und wurde ungemein freundlich und herzlich umsorgt. Die angebotene Weinbegleitung (große Empfehlung der Freundin) versagte ich mir aus Angst vor Migräne – doch zu meiner großen Freude bot mir die Wirtin eine alkoholfreie Begleitung an: Ich bekam als Aperitiv Pfirsichpüree mit Bitter Lemon (statt Bellini), dann Apfelsäfte (von reinsortig Elstar über einen roten Apfelsaft bis zu einer Mischung mit Minze, alle aus Südtirol von Kohl), einmal Crodino, außerdem ein Ginger Ale mit Holunder.

Ein kaltes herbstliches Gemüsesüppchen mit Gemüsesorbet.

Lachsforelle mit Mango, Cocos, Zwiebel.

Carpaccio vom Wagyu-Rind mit Parmesancreme.

Spaghetti mit sensationeller Tomatensoße.

Seeteufel, Garnele, Pilznocke.

Obstsalat mit Basilikum-Sorbet.
Fürs Heimradeln noch vor Mitternacht knöpfte ich zwar meine Jeansjacke zu, brauchte aber weder das eingesteckte Halstuch noch die Handschuhe.
Sonst halte ich mich beim Radeln ja mit passiv-aggressiver Engstirnigkeit an die Verkehrsregeln, doch auf der anderen Seite der Kennedybrücke wusste ich wirklich nicht, wie ich regelgerecht an der Isar gen Süden hätte radeln können: Einen Radweg gibt es nur nach Norden oder in den Englischen Garten, zum Radweg auf der richtigen Straßenseite hätte ich zweimal zwei Autospuren mit Grünstreifen dazwischen überwinden müssen. Bei kürzeren Strecken schiebe ich mein Rad in solchen Situationen, diesmal gab ich auf und radelte auf dem linken Fahrradweg einige Minuten bis zur nächsten Ampel, die mich auf die korrekte Seite brachte. An dieser Stelle (wie an vielen anderen komplexeren Knotenpunkten) hat schlicht niemand für den Fahrradverkehr mitgedacht. 
die Kaltmamsell