Journal Samstag, 14. September 2019 – Ausgebremster Sonnentag

Sonntag, 15. September 2019 um 8:25

Zu den wachhaltenden Hüft-Bein-Schmerzen gesellte sich in der Nacht Kopfweh. Als es sich morgens auch mit Ibu nicht bekämpfen ließ, mir zudem übel wurde und ich ständig gähnte (erst seit dem BR-Artikel nehme ich letzteres als Symptom ernst, was ich mir sonst immer nur dachte), war klar: Migräne. Also Triptan-Spray, im Bett nochmal die Unterschenkelstufe an die beste Stelle geschoben und Schlaf gesucht.

Um elf war das Schlimmste vorbei, ich konnte aufstehen und traurig darüber werden, dass an diesem herrlichen Sonnentag halt kein letztes Freibadschwimmen stattfinden würde. Dafür war es nach elf auf dem Balkon warm genug für Morgenkaffee draußen.

Der Tag ging weiter ohne die Schwimmrunde (deren Ausfallen mich wirklich arg schmerzte): Erst mal Wäschewaschen.

Ich duschte mich und machte mich fertig für Einkäufe in der Stadt, suchte mit Freude nochmal sommerliche Kleidung aus (das dünne, gestrickte Leinenoberteil ist löchrig und schon mehrfach geflickt, nach diesem Einsatz muss ich es wegwerfen).

In der Sonne schlenderte ich durch die Sendlinger Straße (das Thermometer am Juwelier Fridrich zeigte im Schatten 23 Grad an), bog zum Rindermarkt ab.

An der Kasse vom Alten Peter stand eine lange Schlange (den alten Mann hinter mir, der “Scheiß Touristen!” knurrte, versuchte ich durch Blicke und “Ach, genga’S…” zu beschwichtigen), bei Zöttl gegenüber holte ich Laugenzöpferl zum Frühstück. Am Viktualienmarkt schaute ich bei einer Café-Bude vorbei, ob dort vielleicht noch ein Freund mit seiner Schwester beim allwöchentlichen Treffen stand (tat er nicht), und ging dann rüber ins Eataly, um Wein zu kaufen. Das alles wirklich langsam und bedächtig, da mich die Migräne noch benommen machte.

Rückweg übers Glockenbachviertel, wo ich beim Wimmer zusätzliche Semmeln (“Kernige”) fürs Frühstück kaufte. In den Auslagen aller Geschäfte hatte sich sich das drohende Oktoberfest niedergeschlagen, möglicherweise sind Skaterläden die einzigen Bekleidungsgeschäfte, deren Ware im Schaufenster nie angetrachtelt ist.
Ich mag Skaterläden.

Wieder war meine Zeitung nicht geliefert worden. Beim Frühstück las ich meine Twitter-Timeline der vorhergehenden 22 Stunden (es war mittlerweile nach drei Uhr), setzte mich dann zum Lesen auf den Balkon. Immer wieder wehte ein wenig Brise vorbei, ich steckte meine Nase hinein und atmete tief ein. Die Migräne-Benommenheit war durch eine post-migränale lyrische Milde abgelöst worden, die mich Licht und Anblicke besonders tief genießen ließ.

Die Kastanien leiden heuer so wenig unter der Miniermotte wie seit Jahren nicht.

Ich las für meine Leserunde Stephen Kings The Body, genau im passenden Moment die Passage:

September days always seemed to end much too soon, catching me by surprise – as if it was something inside my heart expected it to always be June, with daylight lingering in the sky until almost nine-thirty.

Gegen halb acht reichte das Licht wirklich nicht mehr zum Draußenlesen. Ich sah noch ein wenig den Fledermäusen zu.

Herr Kaltmamsell sorgte wieder für Abendessen: Es gab Orecchiette mit Broccoli und frischer roter Chilli (beides aus Ernteanteil), köstlich. Und viel Schokolade.

§

Kluges von Jutta Allmendinger über den notwendigen Wandel der Arbeitswelt:
“Sozialstaat 2.0”.

Kindheit und Jugend bereiten auf die Erwerbsarbeit vor, im Alter erholt man sich. Dieses männerorientierte Arbeitssystem ist überholt.

(…)

Ist unsere sozialstaatliche Ordnung wirklich zu feiern? Wird sie nicht seit vielen Jahrzehnten künstlich am Leben erhalten, da wir uns scheuen, die Fundamente des bismarckschen Sozialstaats neu aufzustellen, zeitgemäße Leitplanken einzuziehen? Mindestens drei moderne Entwicklungen sprechen für eine solche Neuausrichtung: die Erwerbstätigkeit von Frauen, der technologische Wandel und die längere Lebenserwartung bei guter Gesundheit.

die Kaltmamsell

Journal Freitag, 13. September 2019 – Radeln unter Vollmond

Samstag, 14. September 2019 um 12:40

Die Nacht wieder auf der Seite Höllenritt, Erleichterung und zerstückelten Schlaf brachte die wieder aus Handtüchern und Kissen gebaute Stufe unter die Unterschenkel. Ich bin jetzt auf der Jagd nach einer der empfohlenen Anfasserinnen und arbeite die Liste ab (man ruft in der Branche vielleicht nicht gern zurück?).

Schon am Vorabend hatte ich mit Herrn Kaltmamsell nachgedacht, wie sich der angekündigte Spätsommerabend am Freitag würde nutzen lassen: Mir waren als Möglichkeiten eingefallen Schnitzelgarten, Grieche mit lauschigem Innenhof in Untersendling (beim Vorbeigehen entdeckt und gemerkt), Romans in Neuhausen mit seinem bezaubernden Außenbereich. Gestern Morgen wusste ich, was ich mir wünschte: Romans. Vormittags sicherte ich mir telefonisch einen Tisch.

Wie schon am Morgen zuvor war keine Zeitung geliefert worden, ich lieh mir für meine Mittagslektüre das Abteilungsexemplar aus.

Aus Logistikgründen trug ich ein ärmelloses Kleid: Ich hatte es vor Wochen schon einmal getragen, wollte es so nicht einwintern (Körperabrieb vergrößert angeblich die Mottengefahr). Nur so angetragen wollte ich es aber nicht bereits waschen und bügeln (Faulheit). Also war ich sehr dankbar, dass die Temperaturen eine letzte Möglichkeit boten. Danach kann das Kleid in die Wäsche, alle reinen Sommersachen sind dannn frisch gewaschen und können in ein paar Wochen in die Winterkiste verräumt werden.

Von draußen kam sonniger Sommergeruch durchs Bürofenster und machte mich regelrecht ekstatisch. Mittags stellte sich die kleine der beiden grünen Paprikas aus Ernteanteil als Chilli heraus – zum Glück nicht allzu scharf. Dazu Brot, Joghurt mit Latwerge.

Auf dem Heimweg ging ich bei der Bank vorbei. (Übrigens hat sich die Steuergeschichte mit der angeforderten “Einnahmenüberschussrechnung” geklärt: Herr Kaltmamsell hatte sich am Montag im Servicecenter des Finanzamts – jahaha, das gibt es – beraten lassen und weiß jetzt Bescheid. Auch ohne Verbiegen hätten wir dieses Jahr eigentlich weniger Steuern zahlen müssen. Dieses Jahr gehen noch ein paar zusätzliche Euros staatlicher Fördergelder auf uns, nächstes Jahr machen wir dann alles korrekt.)

In der Schillerstraße holte ich das Paket mit den in England bestellten Stiefeln ab. In diesem Computerschrauberladen (für diese Sorte Laden war die Gegend einst berühmt) und auf der Schillerstraße selbst hatte ich mein Wohnviertel wieder arg lieb: So viele verschiedene Menschen unterschiedlichster Herkünfte, im Laden versuchte mir der eindeutig nicht hiesige Ansprechpartner (hallo? das war ein osnabrücker Zungenschlag!) gleich noch seine Computerdienste anzutragen (“Wenn’Se mal irgendwelche Probleme haben…!”), an der einen Ecke wurde salaamt, an der nächsten merhabat, die vergangenen Jahre haben die Menschenmischung nochmal deutlich verändert. Ich muss mich anstrengen nachzuvollziehen, dass der Geschäftsführer eines anrainenden Hotels berichtet, so manche seiner Gäste (selbst von ganz woanders) fühlten sich dadurch verunsichert und bedroht – wenn ich ihnen nicht unterstellen will, dass sie bereits eine andere als ihre eigene weiße Hautfarbe als Bedrohung empfinden.

Daheim schnell ein wenig frisch gemacht, mit Herrn Kaltmamsell aufs Fahrrad gesetzt und Richtung Neuhausen aufgebrochen. Überall sahen wir, wie die Eichkätzchen gerade sehr wichtig unterwegs sind und Wintervorräte sammeln. Die Hackerbrücke war voll besetzt.

Ein wundervoller Abend im Romans. Wir saßen so lauschig wie erhofft im schön möblierten Außengarten unter Kastanien und Schirmen. Ich hatte eigens eine frühe Uhrzeit gewählt, damit wir auch jetzt Mitte September noch das Abendlicht erlebten (das wären im Juli anderthalb Stunden später gewesen).

Als Vorspeise aß Herr Kaltmamsell Makrelentartar, ich eine Erbsen-Fenchel-Suppe.

Als Hauptgericht sieht man (mit etwas Anstrengung) auf meinem Teller eine Wolfsbarsch-Roulade in Salatblatt gegart, rechts einen gefüllten Artischockenboden, darüber Tomaten und Vongole, auf dem Teller oben Kaninchenkeule auf gegrillter Polenta mit Pfifferlingen und Kartoffel-Erbsenpüree. Schmeckte alles sehr gut, wenn uns auch die Teller zu unitalienisch überladen waren (das wären in Italien jeweils mehrere Gänge gewesen) – mindestens zwei Bestandteile hätte man in beiden Fällen weglassen können. Dazu hatte ich uns eine Flasche schlichten sardischen Vermentino bestellt.

Zum wiederholten Mal schaffte ich meine Portion nicht, ich fand auch keinen Dessertmagen sondern bestellte zum Abschluss nur Cynar. Auf meine Bitte ließ sich Herr Kaltmamsell einen Espresso kommen, damit ich daran riechen konnte.

Wundervolles Heimradeln unter klarem Nachthimmel mit Vollmond.

§

1. Es gibt einen Facebook-Kanal “Savage Paramedics” – das finde ich bereits großartig.

2. Sie haben eine “Tetris Challenge” ausgerufen. Hier gibt’s Bilder vom ausgepackten und sortierten Inhalt von Rettungs-, Polizei- und Feuerwehrwagen, inklusive Personal. Noch großartiger!

via Techniktagebuch-Redaktionschat

die Kaltmamsell

Journal Donnerstag, 12. September 2019 – Fragwürdiger Reha-Sport

Freitag, 13. September 2019 um 7:03

In drei Blöcken dann doch ganz gut geschlafen – was nicht absehbar war, als ich zunächst vor Schmerzen nicht einschlafen konnte und vor Wut um mein Bett sprang in der Hoffnung auf Lockerung der schmerzhaften Verklemmungen.

Nebenwirkung meines Humpelns, Watschelns, Eierns: mehr Schritte. Die Zahl auf dem Schrittzähler meines Telefons ist allein schon für den Weg zur Arbeit und zurück etwa 20 Prozent höher als bei unbelastetem Gehen. (Um den doofen Spruch meiner Freundin Gisi zu wiederholen, die ich fürs große Rosenfest leider nicht wiedergefunden habe: Jedes Ding hat zwei Schattenseiten.)

Mittags ein Zöttl-Laugenzöpferl und Dickmilch mit Latwerge (nur noch anderthalb Gläser bis zur nächsten Zwetschgenlieferung), Nachmittagssnack ein Eiweißriegel.

Pünktlicher Feierabend, um zur Nach-Reha zu gehen. Die Gymnastikrunde wieder verheerend: I’m not an expert, but1 – zum Aufwärmen für eine Gruppe Bandscheiben-Geschädigter und Hüftoperierter Jumping Jacks? Aber das war nur ein Blödsinn, zudem wurde weder hingeschaut noch korrigiert. Jajaja, ich gebe es an die Leitung weiter.

Die Maschinenrunde absolvierte ich wieder ein wenig schneller, indem ich die Pause zwischen den Sätzen etwas abkürzte. Aber insgesamt bezweifle ich weiter die Sinnhaftigkeit der Maßnahme bei einer Patientin (mir), die eine gut trainierte Muskulatur hat. Ich nehme sie halt als die eine Krafttrainingseinheit, die ich schon immer als Basis-Sportprogramm für die Woche einplane. Das einzige Gerät, das mir wirklich Neues bringt, ist ein Gestänge mit Wackelboden, in das ich mich mit den Füßen auf einer Linie voreinander stelle, um so einen Ball von der einen Hand in die anderen zu übergeben und wieder zurück: Das fällt mir so schwer, dass ich leicht vom Nutzen zu überzeugen bin.

Heimweg in wundervollem Abendlicht mit noch wundervollerer Spätsommerluft, angereichert durch die eine oder andere Herbstnote. Auf der Theresienwiese ist die Spannung vor dem Oktoberfest immer stärker spürbar, seit ein paar Tagen werden auch die Fahrgeschäfte aufgebaut. Noch acht Tage bis Armageddon.

Daheim gab es Ernteanteilsalat (bereits von Herrn Kaltmamsell gewaschen) mit Tahinidressing (von mir – auch wenn Herr Kaltmamsell der eindeutig bessere Koch ist: Salat kann ich besser). Danach große Mengen Schokolade (derzeit haben mich die Tüten mit Miniversionen von Schokoriegeln von Mars über Twix bis Bounty).

In der Post war die nächste Ladung als Schöffin zu einer Amtsgerichtsverhandlung im Oktober, ich freute mich.

Fürs Techniktagebuch schrieb ich noch ein modernes Büroabenteuer auf:
“Mein Schreibtisch hat Bluetooth”.

§

Gestern viel verlinkt in meinem Internet: Ein Aufsatz im Spiegel.
“Sohn eines NS-Verbrechers über AfD-Rhetorik
Da spricht ja mein Vater!”

Wir Deutschen wurden durch unsere Massenverbrechen während des “Dritten Reiches” zu einem auserwählten Volk: Wir wissen genau, dass mangelnde Zivilcourage, fehlendes Mitgefühl und verabscheute Toleranz zu Diktatur und Vernichtungslagern führen. Dennoch berauschen sich bestimmt so manche AfD-Sympathisanten – auch dank Gaulands Verkürzung der zwölfjährigen Massenmordorgie zum “Vogelschiss” – wieder an Tiraden, die mein Vater vorformulierte. Der schrieb ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkriegs: “Ich glaube an den Deutschen Geist. Er wird uns emporheben aus diesem Elend, in das uns der verrohte, sinnlos aufgehetzte Pöbel stürzen wird. Bei Gott, dieser Mob wird einmal leicht zur Ordnung gebracht werden. Nur durch die Diktatur wird Deutschland gerettet werden.”

(…)

Nur Demokratie kann Menschlichkeit garantieren.

§

Ein Hintergrundartikel des Bayerischen Rundfunks zum Forschungsstand und zu Mythen:
“Nein, Migräne sind nicht nur starke Kopfschmerzen”.

via @Holgi

§

Die (inzwischen ehemalige) Notaufnahmeschwester besucht eine greise Bekannte im Krankenhaus und macht sich so ihre Gedanken über den letzten Abschnitt eines langen Lebens:
“Der Rest ist Gnade”.

  1. Eigentlich wird geraten, Sätze nicht zu beenden, die man so anfängt, gell. []
die Kaltmamsell

1000 Fragen 941-960

Donnerstag, 12. September 2019 um 6:45

941. Hast du schon einmal alte Möbel aufgearbeitet?
JA! ÜBERRASCHUNG!
Und zwar hatte ich 1987 in Eichstätt einen Tisch vor einem Haus stehen sehen, das gerade abgerissen wurde, so einen klassischen alten und nicht besonders hübschen Küchentisch mit Holzbeinen und Resopalplatte. Und weil ich kurz nach dem Auszug beim meinen Eltern eh einen brauchte, fragte ich nach, ob ich den haben könnte. Die Holzbeine bemalte ich dann dick mit weißem Lack. Das Resultat sah sehr unprofessionell aus.

942. Wie heißt dein Lieblingsfilm auf Youtube?
Menschen haben Lieblingsfilme auf YouTube? Ich nicht.

943. Was tust du, wenn du traurig bist?
Weniger lachen, beim Gehen auf den Boden gucken, Menschen meiden.

944. Was ist das Wichtigste, das du von deinen Eltern gelernt hast?
Schwimmen und Radfahren.
Tischmanieren und Rücksicht auf andere.
Deutsch und Spanisch.

945. Verhandelst du häufig mir dir selbst?
Nein.

946. Auf welchem Gebiet sind Frauen besser als Männer?
Schwangerschaft und Gebären.

947. Auf welchem Gebiet sind Männer besser als Frauen?
Stehpinkeln.

948. Auf einer Skala von eins bis zehn: Wie gesund ernährst du dich?
(Sie ahnen es:) Könnte ich bitte eine Definition von “gesund” haben?
Ich esse, was mir schmeckt. Das wird von Menschen, die das eigentlich überhaupt nichts angeht, oft mit “oh, gesund!” kommentiert. Wenn die von derselben Definition wie das populärpsychologische Magazin ausgehen, aus dem diese Fragen stammen, liegt das also wahrscheinlich auf der Skala bei etwa acht. Minus all der Alkohol – sagen wir fünf?

949. Wofür hast du dich in letzter Zeit entschuldigt?
Dass ich Mühe bereitet statt erleichtert habe.

950. Wie wirst du gelegentlich scherzhaft genannt?
Hase.
(Woraufhin ich immer Hasenzähne mache, was ihm jedesmal das Gesicht angewidert verzieht. Und so, meine Damen und Herren, sieht wahre Liebe aus.)

951. Kommst du eher mit Gefühlsmenschen oder mit Kopfmenschen klar?
Mein gefühlsmäßiger Eindruck ist, dass ich vernunftbasierte Aussagen besser nachvollziehen kann.

952. Auf wen warst du in letzter Zeit eifersüchtig?
Ich bin sehr, sehr selten eifersüchtig. Das letzte Mal liegt viele Jahre zurück, in letzter Zeit auf niemanden.

953. Hat dir schon einmal jemand einen Antrag gemacht?
Was für einen Antrag?
Bei Heiratsantrag gehen die Erinnungen auseinander. Jemand behauptet, er sei es gewesen, der gesagt habe: “Dann lass uns das doch machen.” Ich behaupte, das sei ich gewesen. Beide sind wir uns einig, dass das möglicherweise gar nicht unter Heiratsantrag fällt.
Also möglicherweise nein.

954. Wann reißt dir der Geduldsfaden?
Mehrfach am Tag. Ich setze viel daran, dass das nur innerlich passiert und es niemand mitbekommt.

955. Was würdest du diesem einen Querkopf gern noch sagen?
(wirft sich weinend über die Tastatur) WELCHER? QUERKOPF?

956. Bist du Optimist, Pessimist oder Realist?
Realistin.

957. Welches selbst gemachte Dessert ist immer ein Erfolg?
Keines, denn es gibt immer jemanden, der es grundsätzlich nicht mag.

958. Wer spielt eine wichtige Nebenrolle in deinem Leben?
Die Barista in der Firmen-Cafeteria.

959. Welches Ereignis hat dich stark beeindruckt?
Gestern war Jahrestag: Der Terroranschlag auf das World Trade Center in New York.

960. Bist du reif für eine Veränderung?
Ja, meistens.

Quelle: Flow-Magazin.

Zu den Fragen 921-940.
Zu den Fragen 961-980.

die Kaltmamsell

Journal Mittwoch, 11. September 2019 – Nochmal nackte Beine

Donnerstag, 12. September 2019 um 6:31

Bis vier tief und fest durchgeschlafen – doch nach dem Klogang wegen Schmerzen nicht mehr schlafen können. Ich hielt mich am ersten Teil fest.

Nochmal nackte Beine und Rock, es war ein milder Tag angekündigt. Ich fror nicht auf dem Humpelweg in die Arbeit.

Mittags frische Feigen mit Dickmilch und eine Scheibe selbst gebackenes Brot.

Der September zeigte, was er lichtmäßig drauf hat und beleuchtet mir den Heimweg. In einem kleinen Westend-Feinkostladen kaufte ich Nektarinen, Rosé-Trauben und eingelegte Oliven.

Hopfen als Fassadengrün bis zum Balkon im zweiten Stock.

Herr Kaltmamsell machte auf meine Bitte Polenta mit Spinat und Champignons nach diesem Rezept.

Schmeckte sehr gut – und ich freute mich, mal mit einem Foodblog Bekanntschaft zu machen, das bis an die Grenze der Satire einen Blogpost mit sinnlosen Fotos (in diesem Fall dasselbe Motiv aus neun ähnlichen Perspektiven) und albernem Text in die Länge zieht – bis endlich das Rezept kommt (es gibt allerdings ganz am Anfang einen Knopf “Springe zum Rezept”). Herr Kaltmamsell bereitete die Polenta mit Milch und Butter zu, der Spinat und die Pilze passten ganz hervorragend dazu.

§

Die Schriftstellerin und frühere DDR-Spitzensportlerin Ines Geipel floh 1989 über Ungarn nach Westdeutschland. Sie macht sich große Sorgen über die Entwicklung in Ostdeutschland. Die Neue Zürcher Zeitung hat sie interviewt:
“‘Die AfD schafft es, dass sich der Osten ein weiteres Mal abhandenkommt’, sagt die Autorin Ines Geipel”.

via @ankegroener

§

Der große Lebensfotograf Robert Frank ist tot. Möglicherweise haben er und die Fotografien seiner Art auch Literatur verändert: Seither werden Anblicke und Augenblicke in Romanen oft beschrieben, wie sie auf seinen Fotos gestgehalten, ge-frame-t sind. (Nur so eine Idee, ich müsste nach Beispielen suchen.) Im New Yorker schreibt Peter Schjeldahl:
“The Shock of Robert Frank’s ‘The Americans'”.

die Kaltmamsell

Journal Dienstag, 10. September 2019 – Kann weg

Mittwoch, 11. September 2019 um 6:37

Nacht nicht mehr ganz so schlimm, diesmal hatte ich mir schon eine Stufe aus Decken und Handtüchern zurechtgebaut, die ich unter die Unterschenkel schieben konnte, und einen Wärmegürtel umgelegt.

Tageslicht begann bereits erschreckend spät. Ich watschelte wieder zu Fuß in die Arbeit, dort viel solche, zerschossen durch technische Kämpfe, die aber kurz vor Feierabend mit einem Triumph endeten: Nach Wochen habe ich wieder einen Telefonapparat.

Interessante Bekleidungssituation auf der Straße bei kurz unter 20 Grad: Viele Menschen im Wintermantel aus Tuch und in Anoraks – zeitgenössische Mode oder Verschwinden der “Übergangs”-Kleidung?

Mittags Linsen mit Mangold vom Wochenende, zwei Pfirsiche. Nachmittagssnack Quark mit einer Marajuca.

Der Tag war sonnig geworden, geradezu mild. Ich genoss den Spaziergang nach Hause.

Dort gab es die restlichen Kartoffeln aus Ernteanteil mit dem zweiten Teil Käse, zudem Schokolade.

§

Ein Schnippselchen Peter Ustinov auf Twitter, das alles raußreißt:
“Peter Ustinov recalling an encounter with Queen Mary is as good as you might expect”.

die Kaltmamsell

Journal Montag, 9. September 2019 – Gehetzter Wochenanfang

Dienstag, 10. September 2019 um 6:48

Sehr schlechte Nacht, ich fand keine Haltung, in der Hüfte, Knie, Schienbein nicht schmerzten. Erleichterung, als endlich der Wecker klingelte.

Draußen regnete es weiter, allerdings nachlassend. Ich eierte zu Fuß unterm Schirm in die Arbeit. Dort dichtes Programm inklusive Querschlägern, ich kam nicht mal zu einer richtigen Mittagspause (Tomaten, Gurke und eine Scheibe Brot).

Früher Aufbruch wegen Termins beim MRT. Dort keine Neuigkeiten, die Verschlechterung meiner Beschwerden lassen sich nicht mit einer Verschlimmerung des Bandscheibenvorfalls erklären.

Auf dem Heimweg brauchte ich keinen Schirm mehr, es kam sogar die Sonne heraus. In Absprache mit Herrn Kaltmamsell besorgte ich zum Nachtmahl einen Runde Käse beim Vollcorner. “Ein bisschen” habe ich bei Käse einfach nicht im Programm.

Daheim öffnete ich dazu eine Flasche Grassl Sankt Laurent Alte Reben 2015; besondere Weine brauchen als besonderen Anlass, dass man genau darauf Lust hat.

§

Der WDR berichtet über einen unangekündigten Besuch von Kanzlerin Merkel in einem persischen Restaurant in Chemnitz, dessen Besitzer von Nazis überfallen worden war. Ich war berührt von seinem Appell an Einwanderer, Chemnitz nicht zu verlassen, die Stadt nicht den Nazis zu überlassen.

§

Es wird einen weiteren Terminator-Film geben – mit Linda Hamilton! Ich werde nie vergessen, wie ich seinerzeit 1991 mit meinem besuchenden Bruder in Swansea Terminator 2 – Judgement Day sah – und den Mund nicht mehr zubekam, weil ich noch nie solch eine Frauenfigur gesehen hatte (allerdings hatte ich auch keine Erfahrung mit Action-Filmen).

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https://youtu.be/oxy8udgWRmo

Die New York Times hat Hamilton daheim in New Orleans besucht:
“Linda Hamilton Fled Hollywood, but ‘Terminator’ Still Found Her”.

Hamilton trained in the desert with Green Berets, while doctors put her on a regimen of supplements and bioidentical hormones to build muscle. “I had a true village of experts trying to get the most out of this body,” she said, though vanity wasn’t the mission. “I don’t think there’s going to be one person who comes up to me who says, ‘You look so great for your age.’ I threw that into the Mississippi River, because that’s not what this is about. I want people to see me and go, ‘Oh my God, she got so old!’”

die Kaltmamsell