Archive for 2025

Journal Montag, 13. Oktober 2025 – Mühevolle Rückkehr ins Erwerbsleben

Dienstag, 14. Oktober 2025

Mittelunruhige Nacht, nur 15 Minuten vor Wecker aufgewacht, mit durchdringendem Da-muss-ich-halt-durch-Gefühl.

Arbeitsweg im ersten Tageslicht unter bedecktem Himmel, im Büro war während der ersten Stunde Arbeit künstliches Licht nötig – ein großer Sprung Richtung winterliche Düsterheit.

Es wird noch ein wenig dauern, bis ich wieder Vergnügen aus Abstrusitäten von Text-Versuchen ziehen kann, bis ich den Da-muss-ich-halt-durch-Modus wieder so weit ins Sein eingebaut habe, dass er nicht mehr so viel Lebenskraft kostet.

Arbeit unter Hochdruck, ich zwang mich aber auf einen Mittagscappuccino raus ins Westend – könnte allerdings nicht mal was übers Wetter sagen, außer dass es nicht regnete.

Mein Veranstaltungsauftritt lag genau auf meiner Essenszeit, ich schob vorher zwei Löffel Hüttenkäse zur Blutzuckerstützung ein. Der Auftritt verlief passabel, ich werde mein dickes Buch “Nicht reingucken, weil ich mich so schäme” nicht um weitere Kapitel ergänzen müssen.

Kurz vor drei gab’s Mittagessen in Form von restlichem Hüttenkäse und frischen Feigen, es waren allerdings bereits wieder so viele Aufgaben aufgelaufen, dass ich keine Zeit für Pause aufbrachte. Kopfweh aus Anspannung und Sorge bereits kurz nach drei. Erste eine Stunde später hatte ich die Zeit, eine Ibu dagegen zu nehmen (*wuisl wuisl*).

Wäre ich am Ende eines Wandertags, auch eines mit 35 Kilometern Strecke, so durch wie am Ende eines Arbeitstags: Ich gäbe das Wandern auf.

Auf dem Heimweg kaufte ich etwas Obst und Süßigkeiten im frisch umgebauten Edeka auf der Theresienhöhe (noch sehr verwirrend alles, ich war nicht die einzige Kundin mit Orientierungsschwierigkeiten), das freute mich.

Daheim eine Einheit Yoga, die mich halbwegs wieder zu mir selbst machte: Danach wollte ich nicht mehr alles anzünden, angefangen mit mir selbst.

Was mir ebenfalls das Gemüt aufgehellt hatte: Der Gedanke ans Abendessen. Herr Kaltmamsell plante, den ersten Ernteanteil-Grünkohl gleich mal norddeutsch mit Grützwurst zu servieren und tat das auch. Inzwischen hat er den Dreh raus, den Grünkohl so lange zu kochen, bis er sich nicht mehr beißt wie geschredderte Plastiktüte, und die Metzgerei Clasen am Rathaus ist eine verlässliche Quelle für Grützwurst. Das wurde ein hervorragendes Abendessen (für zwei gibt es zu dieser Art Grünkohl immer nur eine klassische Zutat, das nächste Mal halt Kassler oder Kochwurst oder Kartoffeln).

Nachtisch restlicher Apple Crumble und Schokolade. Abendunterhaltung eine Folge Mad Men, früh ins Bett zum Lesen.

Journal Sonntag, 12. Oktober 2025 – Schöne Herbstbuntheit, schlimme Arbeitswochenvorbereitung

Montag, 13. Oktober 2025

Etwas unruhige Nacht, mir saßen der drohende halbe Arbeitssonntag sowie der unabwendbare Arbeitsmontag als Alb auf der Brust. Ich zwang mich zu längerem Liegenbleiben als unter der Arbeitswoche.

Es tagte wie angekündigt zu Wolkenhimmel, aber Oktober ist ja der Monat, in dem buntes Laub jedes Wetter verschönt. Ich plante eine letzte Laufrunde vor Rückkehr in die Bewegungseinschränkung der Erwerbsarbeit. Die Route musste ich wieder Richtung Süden planen, da der gesamte Nordteil der Stadt vom gestrigen München-Marathon blockiert war.

Schon vor dem Loslaufen fuhr ich meinen Arbeits-Laptop hoch: Nach drei Wochen Pause würde er zahlreiche Updates starten, sie würden mehrere Anläufe brauchen – das konnte ich ja jetzt schon erledigen. Und so war es dann auch.

Ich lief von daheim los, über Alten Südfriedhof zur Wittelsbacherbrücke, über Flaucher nach Thalkirchen, zur Großhesseloher Brücke und auf der Ostseite der Isar weiter. Da ich bis hier noch keinem einzigen Mountainbiker begegnet war, traute ich mich nach Jahren mal wieder auf die Waldstrecke am Hang – und genoss sie sehr. Erst auf dem Rückweg dort kamen Mountainbiker – und dann gleich eine etwa 30-köpfige Gruppe, ich wusste gar nicht mehr wohin.

Doch gestern fühlte ich mich derart fit (eine Urlaubswoche mit zweimal Schwimmen, zweimal Wandern, zweimal Joggen ist halt ideal), dass ich nach Jahren wieder die zwei Stunden voll machte, und das mit Spaß und ohne Schmerzen. Herrlitsch!

Diejenigen, die am liebsten mit besonders vielen anderen Menschen laufen, waren ja beim München-Marathon verräumt, die Straßen und Wege angenehm spärlich genutzt. UND ALLES SO SCHÖN BUNT!

Die seltene Abzweigung nach links.

Noch Mountainbiker-frei.

Vor der Rückfahrt mit der U-Bahn kaufte ich noch Frühstückssemmeln.
„Meine Oma immer: ‚Wenn glücklich, alles Essen ist gesund.‘“
Die Bäckereiverkäuferin kürzte die Diskussion ab, ob nun Protein- oder Kürbiskernsemmeln gesünder sind (nicht von mir geführt!). (Ich lehne lediglich Lebensmittel ab, die “Protein-“irgendwas sind – in unserer Nahrung ist auch so genug Eiweiß.)

Daheim gab es nach Duschen und Streuselzubereitung für abends. Frühstück um halb zwei: Körnersemmeln mit Tegernseer Käse, frische Feigen.

Dann nochmal tief durchgeseufzt und ran ans Arbeits-Postfach.

Zwei Stunden später tauchte ich wieder daraus auf, fühlte mich zumindest auf diesen Ebenen für den Montag gewappnet, aber bereits wieder erledigt. Mittlerweile war es draußen richtig schön und sonnig geworden, ich hatte es erst durch das Blenden der Sonne mitbekommen. Willkommen zurück im Erwerbsarbeitsleben!

Musste ich noch meinen ungeschickt terminierten Auftritt auf einer montäglichen Veranstaltung vorbereiten. Daran machte ich mich nach einer kurzen Pause mit Papiermüllrunterbringen.
Insgesamt ein halber Arbeitstag Aufwand, selber schuld.

Mir war klar, dass ich für die vielen (NEUN!) Fünf-Tage-Arbeitswochen bis Weihnachten (verdammter Allerheiligenfeiertag an einem SAMSTAG!) dringend Termine brauche, auf die ich mich freuen kann. Im November gibt es seit gestern schonmal DREI mit Beteiligung sehr freuenswerter Menschen, für die kommende Woche bin ich Dienstagabend mit Herrn Kaltmamsell verabredet, bis nächsten Sonntag kann ich mich auf Familie und Kirchweihgans freuen.

Eine Runde Yoga, dann machte ich Apple Crumble aus Ernteanteil-Äpfeln mit Zitronenduft zum Nachtisch.

Aus dem Ernteanteil-Lauch hatte Herr Kaltmamsell Lauch-Käse-Suppe gekocht, zum ersten Mal mit Salsiccia statt Hackfleisch.

Passte hervorragend.
Zum Nachtisch gab es Apple Crumble mit flüssiger Sahne.

Abendunterhaltung eine Folge Mad Men – nach der ich dringend und so schnell wie möglich ins Bett musste: Ich fühlte mich so betrunken, als hätte ich eine halbe Flasche Wein intus (dabei hatte ich gar keinen Alkohol getrunken), also benommen, hatte Denk- und Gleichgewichtsprobleme.

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Recherche-Vorschlag bzw. ein Artikel, den ich gerne lesen würde:
All die Wie-es-gewesen-sein-wird-Texte am Anfang der Corona-Pandemie (die mich mit ihrem “Wir werden auf diese Zeit zurückblicken als XY” kolossal in ihrer Nutzlosigkeit nervten): Welche Aspekte haben sich mittlerweile bewahrheitet? Welche belegen in erster Linie welche falschen Prämissen?

§

Nicht der erste, nicht der einzige Artikel einer Journalistin über ihr Leben mit einem Demenz-kranken Elternteil, aber auch dieser auf vielen Ebenen informativ:
“Demenz und plötzlich ist alles anders
Als das Lachen verstummte”.

Unsere Autorin begleitet ihren demenzkranken Vater zwischen Pflegekrise, Sterbewunsch und der Frage, wie lang Abschiede sein können.

Journal Samstag, 11. Oktober 2025 – Herbstwanderung am Starnberger See

Sonntag, 12. Oktober 2025

Schön lange geschlafen. Wir hatten Wanderpläne, aber keine Eile, also bloggte ich gemütlich, trank Kaffee, Wasser, Tee.

Unser Wanderziel war der Starnberger See, ich wollte nochmal mit Herrn Kaltmamsell die Runde linksrum über Berg und Bismarckturm Assenhausen machen. Das Wetter war wie vorhergesagt trocken und nicht kalt, ich hoffte sogar auf den einen oder anderen Sonnenstrahl.

Erstmal musste ich mich allerdings über die Süddeutsche ärgern:

Deren Anzeigenabteilung verkauft weiterhin diese aufgeklebten Postkarten, die entweder redaktionellen Text auf der Titelseite verdecken oder durch Entfernen redaktionellen Text der ersten beiden Seiten vernichten. Mag eine Juristin vielleicht eine Argumentationslinie finden, mit der das gegen die presserechtliche Trennung von Anzeige und redaktionellem Inhalt verstößt? Ich würde mich sehr freuen. (Und merke mir den Absender dieser konkreten Postkarte, um niemals auch nur versehentlich bei ihm zu kaufen.)

Die zerfetzte Zeitung steckte ich als Reiselektüre in meinen Wanderrucksack, als Jacke sollte die Fleece-Version reichen (tat sie).

Vom Stachus aus brachte uns eine S-Bahn nach Starnberg.

Dort erstmal sehr guten Cappuccino am italienischen Kiosk, Herr Kaltmamsell frühstückte Canolo.

Es wurde eine schöne Wanderung, erstmal anderthalb Stunden am östlichen Ufer entlang bis ans Ende von Leoni.

Dabei vorbei an einer schönen historischen Leuchtreklame.

So wertgeschätzt, dass sie kürzlich gemalt imitiert wurde.

Die Votivkapelle am Todesort Ludwig II.

Schöne Häuser in Leoni.

Wir stiegen hoch zum Bismarckturm, genossen die Kombination von blauem Himmel und herbstbuntem Laub.

Ausblick in die eine Richtung.

Ausblick auf den Starnberger See.

Bismarckturm von hinten.

Kurz vor zwei Pause und Brotzeit (ich hatte zwei Birnen dabei) auf einem Bankerl mit dieser Aussicht; wir sahen zu, wie zwei Pferde Gassi geführt wurden. Ohnehin gibt es in dieser Gegend immer mehr Pferdehöfe, wie überhaupt Pferdezucht und -haltung in Bayern deutlich ansteigen – wohl ein weiterer Versuch, irgendwie von Landwirtschaft zu leben. Kann ich auf eine daraus folgende Wiederbelebung der Pferdemetzgerei hoffen?

Zeitgenössische Volksfrömmigkeit.

Bei Martinsholzen war ich zuletzt falsch abgebogen; diesmal sah ich rechtzeitig auf den GPS-Track.

Zurück am See, nach viereinhalb Stunden Gehen immer noch frisch.

Unser Wanderziel (-> Das Ziel ist das Ziel.) war noch vor halb fünf der Tutzinger Hof in Starnberg mit seinem hervorragenden Brotzeitbrettl.

Wir bestellten diesmal nur eines, dazu aber eine Extraportion Obatzten, der hier mein liebster ist. Dazu gab es dunkles Bier. Alles sehr gut.

Zurück daheim servierte ich abends einige frische Feigen (an der Sonnenstraße am Standl gekauft) und Schokolade zu einer Folge Mad Men, außerdem Schnaps. Den trinken wir eigentlich beide sehr gern, haben (meist als Geschenke) auch eine Auswahl vorrätig, doch Einsatz ergibt sich eigentlich nur, wenn wir Gäste haben und ihn abschließend anbieten. Gestern schnapselten wir einfach allein, ich hatte Heuschnaps, Enzian, Limoncello aus elterlicher Produktion (nicht wirklich Schnaps, ich weiß).

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Damit’s nicht untergeht: Herr Kaltmamsell war so freundlich, das Rezept für seine hervorragenden Süßkartoffel-Mac-and-Cheese in meinem Rezeptblog zu hinterlegen.

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In der gestrigen Wochenend-Süddeutschen, dem unzerrissenen Teil, eine schöne Reportage über ein ikonisches Lied meiner Jugend, auch in meinen Kreisen als Geheimtipp durchgereicht: “Am Fenster” von City. Raphael Geier hat Toni Krahl, eines der vier Band-Mitglieder, auf Zypern besucht (€).
“Sieben Minuten für die Ewigkeit”.

Ein Freiheitsliedchen, über die Mauer nach Süden geflogen: Wie vier Typen aus Ostberlin ohne ihr Wissen in Griechenland zu Stars wurden …
… und warum „Am Fenster“ von „City“ dort immer noch ein Radio-Klassiker ist.

Journal Freitag, 10. Oktober 2025 – Über letzten Urlaubstag frei verfügt (“If you like Piña Colada”)

Samstag, 11. Oktober 2025

Normales Freitagaufwachen: Bei Weckerklingeln Freude aufs Ausschlafen am Wochenende, ich werde mich am Montag zumindest darin nicht groß umstellen müssen. (Beim Gedanken an Montag aber schon seit Tagen leichte Übelkeit, weil er gleich mal einen anstrengenden und mit Nervosität verbundenen Termin bereit hält, den ich Sonntagnachmittag gründlich vorbereiten muss – diese sehr schlechte Planung war mir erst in der Woche vor Urlaub aufgefallen.)

Beim Aufstehen sah ich definitiv Sterne am Himmel, doch es tagte zu geschlossener Wolkendecke, die sich als Hochnebel herausstellte.

Den gestrigen letzten Urlaubstag nutzte ich zu einer weiteren Schwimmrunde im Olympiabad.

Dort wenig Aussicht, aber die Bahnen waren wie erhofft wenig beschwommen.

Danach U-Bahn-Fahrt (Deutschlandticket ist super) ans andere Ende der Stadt:

Im Fausto in der Kraemer’schen Kunstmühle gab es Mittagscappuccino, und ich ließ mir ein Kilo Bohnen der Sorte Barista für die Cafetera mahlen (diese Mischung enthält auch kräftigenden Robusta).

Templerorden im Herbst (wieder eine lange Schlange vor der Lebensmittelausgabe).

Mein nächstes Ziel war der Ostbahnhof. Die MVG-App schlug mir eine recht kurze Busfahrt dorthin vor – erst dadurch merkte ich, dass das ja gar nicht so weit war. Vom Bus aus war mein Blick ab Tegernseer Landstraße ein wenig desorientiert, bis mir klar wurde, dass ich durch das Neubaugebiet an der Welfenstraße fuhr.

Unterm Ostbahnhof nutzte ich den Fotoautomaten für mein Projekt:

Deppenmotiv diesmal in anderer Pose.

Wenn ich schon mal da war, kaufte ich im nahe gelegenen Mitte Meer Spanisches ein, unter anderem für Herrn Kaltmamsell Fischbrühwürfel.

Um zwei gab es daheim zum Frühstück ein dickes Käsebrot aus Selbstgebackenem sowie eine Banane, ich las die gestrige Zeitung aus.

Dann doch kein Museum. Ich hatte die Pinakothek der Moderne angepeilt, dort die Ausstellung “100 Jahre, 100 Objekte”, doch als ich fertiggefrühstück hatte, war es schon halb drei, ich hatte das Gefühl, mich für einen Ausstellungsbesuch bis zum Museumsschließen um sechs hetzen zu müssen. Statt dessen eine kleine Siesta, weil mir die Augen zufielen. Den Nachmittag vertrödelte ich mit Lesen, abgeschlossen durch eine Folge Yoga.

Reichhaltiges Abendessen: Erst gab es Piña Coladas.1 Back to the roots, damit unter anderem hat vor über 30 Jahren unsere Cocktailerei begonnen. Vor Monaten fiel er uns wieder ein, schwierig war die Beschaffung der gesüßten Cream of Coconut: Sie war in Läden nicht mehr zu finden, überall gab es nur richtige Kokosmilch oder Kokosfett. Herr Kaltmamsell bestellte schließlich im Internet. Ananassaft und weißer Rum hingegen waren einfach zu bekommen. Doch seither warteten wir auf eine passende Gelegenheit, dieser Cocktail ist schließlich eine ganze Mahlzeit.

Das Schirmchen dazu (und eventuell einen Schnitz Ananas) müssen Sie sich vorstellen. Ja, sehr sättigend, sehr süß.

Der Ernteanteil hatte Süßkartoffeln gebracht, die bislang schmackhafteste Zubereitung war Mac and Cheese, also kochte Herr Kaltmamsell dieses.

Ganz, ganz großartig, allein deshalb freue ich mich immer, wenn der Ernteanteil Süßkartoffeln ankündigt. Nachtisch Schokolade.

§

Markus Beckedahl (dessen Newsletter Digitalpolitik ich empfehle, hier abonnierbar) erläuterte in einer Keynote Ende September:
“Jenseits von Big Tech: Digitale Souveränität als Schlüssel für Nachhaltigkeit und Demokratie”.

Ein wirklich zentrales Thema unserer Gegenwart und vor allem Zukunft:

Wenn Anbieter zugleich Infrastruktur sind, Marktplatz, Schiedsrichter und Gesetzesberater – dann ist die Demokratie nicht mehr Schiedsrichterin.
Dann ist sie Zuschauerin.

Die Frage ist: Wollen wir unsere digitale Zukunft abhängig machen von Akteuren, deren politischen Kurs wir nicht teilen – und die wir nicht wählen können? Wenn die Antwort Nein lautet – dann braucht es eine andere Architektur.

Markus erläutert die verschiedenen Aspekte – echt ehrlich nicht sehr technisch.

  1. Schnell fiel mir ein, warum ich den Song “If you like Piña Colada” so präsent hatte, der offiziell “Escape” heißt und der eigentlich ziemlich traurig ist: Auf dem Crosstrainer gehörte er zu meinen Lieblingen, weil sein Tempo und Rhythmus perfekt zum Aufwärmen waren, und ich hatte ihn zur Hand, weil er zum Soundtrack von Guardians of the Galaxy gehört, den ich besitze. []

Journal Donnerstag, 9. Oktober 2025 – Feinstregen-Gammel- und Haushaltstag

Freitag, 10. Oktober 2025

Nachdem ich am Mittwoch noch kaum fassen konnte, wie viel Urlaub vor mir lag (erst Mittwoch!), schlug dieses Gefühl beim gestrigen Weckerklingeln übergangslos in “Oh nein, schon Donnerstag!” um.

Pläne: kein Sport (na ja, ein bisschen Yoga), Brotbacken, Ernteanteil holen, Bügeln, irgendwann dazwischen vielleicht Museumsbesuch. Und wenn ich das Brotbacken richtig berechnet hatte, ein Mittagscappuccino bei Einkaufsründchen.

Fürs Brotbacken hatte ich am Vortag bereits die nötigen Schritte getan: Es sollte Schwäbisches Kartoffelbrot geben, und weil das nun wirklich zu meinen Standard-Rezepten gehört, hielt ich es in meinem Rezepte-Blog fest.

Erst durch meine Verwunderung übers späte Hellwerden bemerkte ich den düster bedeckten Himmel – die Wahl des Mittwochs als Wandertag stellte sich als genau richtig heraus.

Ich genoss es sehr, eigentlich nichts zu tun zu haben, im Vorbeigehen hier mal an einer Zimmerpflanze rumzupusseln, dort etwas wegzuräumen, woanders etwas umzurücken.

Während das Brot im Ofen war, turnte ich Yoga und betrieb späte Morgentoilette. Nachdem ich es rausholte, ging auch ich raus auf Besorgungs- und Besichtigungsrunde – Weg nicht nach kürzester Strecke, sondern nach Neugier geplant.

Draußen dann Regen, aber mit so feinen Tröpfchen, dass Herr Kaltmamsell und ich ihn zu “Gischt” erklären würden – und so feinen, dass der Regenradar sie nicht als Regengebiet erkannt hatte und bis auf Weiteres Regenfreiheit prognostierte. Mit meinem Kapuzenmantel war ich genau richtig gekleidet.

Für den Mittagscappuccino sah ich mir den zweiten Münchner Ableger des Berliner The Barn an. Ich erinnere mich gut, wie mich vor fast 15 Jahren eine Espresso-Connoisseurin in Berlin zum ersten Laden lotste (Auguststraße?), weit vor dem Boom der Speciality Coffee Cafés war er ein Geheimtipp. Daraus ist mittlerweile ein weltumspannendes Imperium geworden, vergangenes Jahr staunte ich über die Filiale in Palma de Mallorca.

Guter Cappuccino, das Wasser dazu in Pseudo-Milchflasche definitiv überkandidelt.

Mein Spaziergang führte mich durchs Glockenbachviertel, quer über den Alten Südfriedhof, über Goetheplatz und Mozartstraße zur Theresienwiese.

Nature is healing.

Weiteres Naturschauspiel an der Theresienwiese: Auch in München geht der Trend zum Mikrohund, und ich beobachtete, wie sich einem solchen, der gerade unangeleint Gassi geführt wurde, aus einem Krähen-Quartett eine Krähe näherte – in einer Geschwindigkeit, die überaus interessiert wirkte und auch einen Angriff einkalkulierte. Die Besitzerin schritt hektisch ein.
Wenn ein Tier, und das fiel mir in diesem Moment auf, nicht mal so groß ist wie eine gewöhnliche Münchner Ratte, birgt sein Aufenthalt im Freien also durchaus Risiken.

Lebensmitteleinkäufe im Vollcorner.

Bügeln, Kapitel 1 (ich erleichterte mir die Überwindung durch Aufteilen): Es wird wieder kalt, ich umbügle wieder immer mehr und größere Löcher in Herrn Kaltmamsells Unter-Shirts – aber noch überwiegt die Textilfläche die Auslassungen.

Frühstück um halb zwei: Apfel, Birne, einige Scheiben frisches Kartoffelbrot mit Käse/Butter.

Die Ernteanteil-Abholung übernahm ich, wenn ich schon Zeit hatte: Erster Grünkohl!

Bügeln, Kapitel 2 und Ende, ich nützte es zum Musikhören.

Weitere Tüchtigkeit: Aus dem Keller holte ich die Kiste mit Winterschuhen, tauschte diese gegen Sommerschuhe. Meine Kleidung hat immer noch gesamt Platz im Schrank – allerdings wird es darin spürbar enger. Ich nähere mich einem erneuten Kleidungskauf-Moratorium; vor über zehn Jahren verschaffte mir ein solches über mehrere Jahre endlich Luft im Schrank bis zur Erreichung des Ziels, Winter- oder Sommerkleidung nicht in der anderen Jahrezeit im Keller lagern zu müssen. Das möchte ich gerne beibehalten.

Zum Nachtmahl verarbeitete ich den Ernteanteil-Salat: Den Radicchio Castelfranco (hellgrün statt dunkellila, dafür lila gesprenkelt) gab es mit Balsamico-Dressing und Birne. Außerdem Käse aus England und vom Tegernsee mit frischem Kartoffelbrot. Nachtisch Schokolade.

Gemeinsame Abendunterhaltung eine Folge Mad Men, im Bett noch Lektüre von Tonio Schachinger, Nicht wie ihr – das mir sehr gut gefällt: Das Leben eines österreichischen Fußballprofis und Nationalspielers aus seiner eigenen Perspektive, viel schönes Wienerisch, viele Aspekte seines “Migrationshintergrunds”, darunter Gedanken über ein bekanntes Phänomen.

Journal Mittwoch, 8. Oktober 2025 – Am Tegernsee kann man auch wandern

Donnerstag, 9. Oktober 2025

Wandertag also. Nach guter Nacht stand ich zu vielversprechendem Himmel auf.

Es wurde richtig sonnig, entgegen der Vorhersage einer geschlossenen Wolkendecke. Und schon wusste ich nicht recht, was ich für meine Wanderung entlang dem Tegernseer Höhenweg anziehen sollte, vorhergesagte Höchsttemperatur 16 Grad. Ich entschied mich für ein langärmliges Sport-Shirt und meine Superduper-Wanderjacke, vorsichtshalber band ich mir noch ein Nickitücherl um den Hals.

Zum Bahnhof brach ich recht früh auf: Herr Kaltmamsell hatte uns fürs Abendessen einen Tisch reserviert, ich wollte mit genügend Sicherheitsabstand zurück daheim sein. (Deutschlandticket ist super.)

Wandertag war es überraschenderweise auch für echte Schulklassen (Herr Kaltmamsell klagt hin und wieder, dass er das mit seinen Klassen schon seit vielen Jahren nicht mehr machen kann): Die Bahn war berstend voll, unter anderem mit mehreren Schulklassen, als weitere Überraschung auch mit weiteren Wandergruppen (durchaus nicht nur im Rentenalter – haben die alle Urlaub?).

Auch in meinem Zielort Gmund schien die Sonne von nahezu wolkenlos blauem Himmel – damit hatte ich anhand der Wettervorhersage wirklich nicht rechnen können. Ich vermisste eine Sonnebrille, öffnete schon bald meine Jacke, auf dem zweiten Teil des Höhenwegs band ich sie mir um den Bauch.

Erstmal steuerte ich den Käse-Automaten an, den wir bei der jünsten Wanderung hier entdeckt hatten, ich wollte Nachschub besorgen.

Der Automat wurde gerade nachgefüllt, ich kam ins Gespräch mit der Nachfüllerin – und erfuhr viel spannenden Hintergrund. Hiermit sei empfohlen: Käse von der Naturkäserei Tegernseer Land aus dem Automaten in Gmund am Anfang des Tegernseer Höhenwegs (solange der Automat noch was hergibt, denn dann haben diese Sorten saisonale Pause – wie jeder handwerklich erstellte Käse), bringen Sie Bargeld mit. Neben dem Weissacher vom letzten Mal (schmeckte besonders gut zu Tomate, die Nachfüllerin empfahl auch Pfannenbraten) ließ ich mir einen Blauberger mit Edelschimmel aus dem Automaten. Diese Käserei, so fand ich daheim heraus, ist eine Genossenschaft – wir mögen Genossenschaften.

Es blieb sonnig, ich wanderte fröhlich – und konnte mein Wetterglück auch diesmal schier nicht fassen.

Nach einer guten Stunde war ich am Ende des nördlichen Tegernseer Höhenwegs in Tegernsee.

Mittagscappuccino am Bahnhof.

Brotzeit machte ich um halb zwei auf einem Bankerl am See am Rand von Rottach-Egern: Ernteanteil-Äpfelchen (super!) und eine Nussschnecke.

Nach knapp viereinhalb Stunden und etwa 16,5 Kilometern war ich wieder am Tegernseer Bahnhof. Erst kurz davor sah ich nach Rückfahrten, ging eh alle halbe Stunde ein Zug. Außer. Außer es fällt einer aus, wie in diesem Fall. Nun, ich hatte genug zu lesen dabei, das Wetter war weiterhin stabil, las ich also bis zur Rückfahrt 50 Minuten auf einer Bank am Bahngleis.

Der reservierte Abenbrottisch stand im Lokal Prygoshin im nördlichen Bahnhofsviertel: Auch wenn der Name es nicht vermuten lässt, hatte Herr Kaltmamsell auf der dortigen Speisekarte Arepas entdeckt, südamerikanische gefüllte Maisfladen. Die hatte er schonmal selbst zubereitet, wollte sie aber professionell gemacht probieren.

Wir tranken beide MargaritasCaipirinhas (sehr gut! und ich hatte mitten unter der Woche Lust auf Alkohol gehabt, wahrscheinlich ein Urlaubs-Symptom), die Arepa von Herrn Kaltmamsell und meine Cachapa (eine andere Art von Maisfladen, eher Pfannkuchen-groß) schmeckten gut und sättigten.

Und ich saß mit Blick aufs legendäre Café Kosmos.

Zurück daheim gab’s zum Nachtisch Trifle und Schokolade.

Ich sah nach, warum ein Lokal mit venezolanischen Spezialitäten solch einen russisch klingenden Namen trug – und stieß auf ein SZ-Interview von 2023 mit dem Wirt Michael Frimpong und die kuriose Geschichte dazu (€):
“Wenn die Bar wie der russische Söldner-Chef heißt”.

Weil hinter Bezahlschranke, hier die Kurzfassung: Namensgeber ist der “belgisch-russische Chemie-Nobelpreisträger, Schriftsteller und Philosoph Ilya Prigogine, gesprochen wie Prigoschin”, weil Frimpong dessen Buch “Order Out of Chaos” so gut gefiel. Der schon vorher Pech mit Namensideen für sein Restaurant hatte:

Wir hatten das Lokal 2017 übernommen, und weil im Freundeskreis einige zu dem Zeitpunkt Onkel geworden waren, hatte ich die Idee, den Namen “Onkelz” zu nehmen.

Die Folgen können Sie sich denken.

§

Morgens nutzte ich eine Gelegenheit, Goggles “KI”-Funktion zu verwenden: Ich wollte herausfinden, worum es sich eigentlich bei dieser Skulptur am Isarwerkkanal in Thalkirchen handelte.

Und so befragte ich Google Lens (das mir bei Produktsuchen, also Schuhen, Kleidung, anhand von Fotos schon nützlich war). Das Ergebnis:

Sie wurde 1987 aufgestellt und zeigt Sisyphos, wie er einen Felsblock den Berg hinaufdrückt.

unweit der Brudermühlbrücke

und

Die Figur besteht aus Bronze und der Fels aus Stein.

waren offensichtlich falsch, den angeblichen Künstler “Peter H. Mette” fand ich nirgends, also ging ich den Quellen nach.

Google hatte sich nach eigenen Angaben auf der Website Stadtgeschichte München bedient. Und hier stand mit Links und Foto, dass es sich um die Skulptur “Die gebändigte Kraft” von Peter Winter-Heidingsfeld handelte, übergeben 1920. Nur falls Sie dazu neigen, bei Google-Suchen die “KI”-Zusammenfassungen, die seit einiger Zeit ganz oben erscheinen, ernst zu nehmen.

Ich zitiere aus dem Interview mit Informatikprofessorin Katharina Zweig, das die Süddeutsche am Montag veröffentlichte (€):

Sprachmodelle wurden mit vielen Texten darauf trainiert, das nächste Wort vorherzusagen, das in einem bestimmten Kontext wahrscheinlich ist. Sie sind nicht so konstruiert worden, dass sie irgendetwas wissen. Wenn sie vorher sehr viele Sätze gelesen haben, die alle korrekt sind, kann die Maschine eine Variante von diesem Satz erschaffen, die inhaltlich korrekt ist. Genauso gut kann der Satz völlig in die Hose gehen.

Beim Abendessen überlegte ich mit Herrn Kaltmamsell, warum Google nicht die Fakten in seiner Quelle genannt hatte. Wir konnten nur raten: Weil sie sich nicht gut lasen? Kein so schöner Text waren wie zusammengesetzte Fragmente viel vagerer und weniger passender Quellen?

Will heißen: Werkzeuge wie ChatGPT sind verlässlich, wenn es um Sprachliches geht (deswegen eine wunderbare Hilfe bei Formulierungen und Zusammenfassungen) – die darin enthaltenen Fakten müssen immer überprüft werden. (Sonst siehe “Deloitte muss Australien Geld zurückgeben, weil Bericht voller KI-Halluzinationen war”.)

Journal Dienstag, 7. Oktober 2025 – Grauer Himmel und bunte Auen an der Isar

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Gut geschlafen, doch die Aufwachzahl pro Nacht pendelt sich in den letzten Wochen bei drei ein (jahrzehntelang war das einmal pro Nacht zum Pieseln – ich trinke halt wirklich viel).

Der Tag startete dunkelgrau düster, doch es waren mehr Regenpausen als Regenfälle angesagt: Ich plante einen Isarlauf.

Davor aber buk ich seit Jahrzehnten mal wieder Biskuit: Ich wollte Trifle machen, hatte am Montag auf die Schnelle keinen fertigen Obstkuchenboden gefunden (ist auch wirklich nicht die Saison dafür) und berechnet, dass Selbermachen weniger Aufwand bedeutete als weitere Suche. Zudem konnte ich ihn so passend dünn backen.

Zum Laufen hatte ich mir die Strecke Thalkirchen nach Süden ausgesucht, eine U-Bahn brachte mich hin. Schönes Laufen auf leichten Füßen (die angenehm federnden Schuhen schätzte ich nach den beiden Läufen mit dem Vorläufermodell umso mehr), die Isarauen bunteten überraschend energisch gegen das Grau des Himmels an. Es waren sehr wenige Menschen unterwegs, mit fast allen tauschte ich Gruß oder Lächeln.

Das Freibad Maria Einsiedel auf dem Weg in den Winterschlaf.

Isarwerkkanal

Pullach

Hinterbrühler See

Erst während der letzten 15 Minuten signalisierte mein Körper (LWS-Muskeln, Hüftbeuger) mit schmerzhafter Anspannung, dass jetzt aber mal genug war.

Zurück daheim kümmerte ich mich erstmal ums Trifle (hier mein Standardrezept, diesmal hatte ich Erdbeer-Jelly aus England und verwendete dazu Erdbeer-Kompott): Biskuitböden ausstechen (ich bildete mir Einzelportionen ein), Kompott verteilen, Jelly drübergießen.

Biskuit ist die Teigart, die ich am wenigsten gern esse – ich war etwas ratlos, was ich mit diesem Rest machen sollte. Schließlich schnitt ich ihn in Streifen zum Trocknen: für Tiramisu?

Nach dem Duschen kochte ich gleich weiter: Ich wünschte mir zum Frühstück kurz nach eins Porridge. Hineingeschnippelt die letzten getrockneten Wanderfeigen, dazu Joghurt und Hagebuttenmarmelade – immer wieder erstaunlich, wie sehr in dieser Form ein Tässchen Haferflocken sättigen kann.

Einkaufsrunde in mehrere Drogerien; jetzt war der Tag so hell geworden, dass ich einmal sogar kurz meinen Schatten sah. Aus den 9 Grad am Montagnachmittag (Thermometer am Juwelier Fridrich in der Sendlinger Straße) waren 15 Grad geworden (Marien-Apotheke).

Gammel-Nachmittag mit Mieteabwohnen, Zeitunglesen und Internetlesen, unterbrochen von Handgriffen am Trifle. Ich war nicht sicher gewesen, ob ein ganzer Tag reichen würde (Wackelpudding und Pudding müssen ja nacheinander fest werden), aber es klappte: Abends würde es Trifle geben.

Eine Runde Yoga, ein paar Häuslichkeiten, Vorbereitung des Mittwochs: Ich plante einen Wandertag.

Zum Nachtmahl kümmerte sich Herr Kaltmamsell um Ernteanteil-Wirsing und -Kartoffeln: Ich hatte um ein Curry gebeten, er servierte ein ganz hervorragendes von der saucenfreien Sorte, gewürzt mit Koriander und Kreuzkümmel unter Beteiligung frischer Chilis, angerösteter Zwiebeln und Knoblauchs.

Und mir war das Trifle gelungen, die Idee mit dem Erdbeerkompott hatte ich aus dem Fertig-Trifle aus der Kühltheke von Waitrose.

Ein wenig Schokolade passte noch hinterher, Abendunterhaltung eine Folge Mad Men.