Archiv für Dezember 2025

Lieblings-Breviloquia* Dezember 2025

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Hier meine Lieblingströts von Mastodon – ich danke herzlich!

Auf Bluesky las ich zumindest am Monatsanfang ein wenig mit:

*siehe

Wie war das nochmal? Mein 2025

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Tägliches Journalbloggen hält aktuelle Details und Beobachtungen fest, doch Vergangenheit besteht ja aus größeren Bögen – und die gehen in Tagebüchern verloren. Auch beim Zurücklesen meiner Jahresendposts finde ich bislang nichts, was zumindest fürs Jahr erzählt, was so war: Ein standardisierter Fragebogen beantwortet das nicht. Deswegen ersetze ich dieses Jahr den Foto-Rückblick durch Monatszusammenfassungen.

Januar

  • Jahresstart mit einer absurd schönen Schneewanderung am Starnberger See mit Bruder und Schwägerin, Dreikönigstag bei den lieben Schwiegers mit mitgebrachtem Farsumagru.
  • Den zerstörerischen Arbeitsdruck in einem Alarmgespräch thematisiert: Es wird mir eine Verantwortlichkeit abgenommen.

Februar

  • Das Kino am Sendlinger Tor ist Vergangenheit.
  • Besuch einer Vorstellung des Anglistentheaters in Augsburg (eine Dracula-Adaption), wo Herr Kaltmamsell und ich studiert haben.
  • Eine Woche Urlaub in München mit auswärtigem Essen, einem Tag mit meiner Mutter und Besuch der Jugendstil-Ausstellung in der Kunsthalle, Ukulele-Konzert, Alter Pinakothek, Begeisterung über die neue Archäologische Staatssammlung, Demo “Demokratie braucht dich” auf der Theresienwiese.
  • Ein weiterer Schneespaziergang, diesmal an der Isar.
  • Trump schlägt mit der Abrissbirne durch die US-amerikanische Demokratie.
  • Wahlhilfe bei der Bundestagswahl als Schriftführerin, zum ersten Mal beim Briefwahlauszählen.

März

  • Besuch mit Freundin im Alpinen Museum. Bei der anschließenden Einkehr im Caffe Fausto den Espresso (gemahlen für die Herdkanne) mitgenommen, bei dem ich das ganze Jahr über blieb: Barista (mit 40 % Robusta, den brauche ich für UMPF).
  • Nach Langem mal wieder die Übertragung der Oscarverleihung gesehen.
  • Erste richtige Wanderung des Jahres in Sonne um Röhrmoos.
  • Abendeinladung mit mallorquinischem Essen bei uns.
  • Erster Wärme-Einbruch.
  • Die ersten beiden von mehreren Übernachtungsbesuchen der Nichte für eine Fortbildung.
  • Feier des Schwägerinnengeburtstags mit Party, Feiern des Papa-Geburtstags im Oberhaunstätter Kastaniengarten.
  • Erster Lerchenlauf des Jahres, ein voller Genuss.
  • Gemüse-Entdeckung Kohlröschen.
  • Vorerst letzte Veranstaltungsorganisation in der Arbeit, diese Runde “Workshops” ist abgeschlossen.
  • Die Trump-Regierung kürzt massiv Wissenschaftsgelder und bedrängt Universitäten; deutsche Medien erwarten offensichtlich als direkte und sofortige Folge ganze Schiffsladungen von US-Wissenschaftler*innen in Deutschland – und belegen damit ihre komplette Ahnungslosigkeit, wie Berufswissenschaft funktioniert.
  • Ich forsche sehr vorsichtig nach meiner polnischen Familiengeschichte.

April

  • Theaterbesuch im Volkstheater als Treffen mit Bekannten aus der Augsburger Zeit, erstmals Erzählungen über frische Großelternschaft.
  • Rückkehr der Kälte in Deutschland, zumindest bei uns ohne Frost und Bedrohung der Obstbaumblüte.
  • Es gibt eine neue Bundesregierung: CDU/CSU und SPD einigen sich auf einen Koalitionsvertrag, der neue Bundeskanzler heißt Friedrich Merz.
  • Wanderung von Herrsching nach Tutzing auf neuer Route.
  • Meine Empfindlichkeit gegenüber Martinshörnern führt erstmals zu einem echten Meltdown, Schauplatz Sonnenstraße.
  • Ich zeige Besuch aus der Schweiz die Archäologische Staatssammlung und genieße einen Freundinnennachmittag vorzeitig draußen.
  • Erstmals so hartnäckige Wadenprobleme (rechts) beim Joggen, dass ich einen Lauf abbrechen muss.
  • Ostersonntag klassisch polnisch bei meinen Eltern, Wetter wunderbar sonnig und spazier-geeignet.
  • Privatführung durch die Schatzkammer der Residenz – mit besonderer Expertise besonders bereichernd.
  • Wanderung Obst- und Kulturwanderweg Ratzinger Höhe.
  • Auf dem Frühlingsfest auf der Theresienwiese die kulinarische Entdeckung Langos.
  • Ein Stromausfall auf der iberischen Halbinsel erwischt auch Teile meiner Familie.

Mai

  • Mein Fahrrad mal wieder vom Schrauber überholen lassen.
  • Closure einer Restaurant-Historie mit Herr Kaltmamsell: Wir essen nochmal im mittlerweile mit zwei Sternen ausgezeichneten August in Augsburg, an einem herrlichen Sommerabend zunächst auf der Dachterrasse.
  • Eine kleine elektrische Cafetera gekauft für Übernachtungen in Hotelzimmern.
  • Abschied von Margot Friedländer – “man muss es doch wenigstens versuchen”.
  • Artikel anlässlich des 80. Jahrestags des Kriegsendes Zweiter Weltkrieg machen mir klar, dass es immer weitere Abgründe gibt.
  • Ich wandere von Wolfratshausen bis fast nach Hause.
  • Wasseralarm in unserem Bad: Der Hahn wird ausgewechselt.
  • Versuche in neuen Methoden der Balkonreinigung führen zu Recherchen in komplett unterschiedliche Abflusssysteme.
  • Weitere vorsichtige Recherchen in polnischer Familiengeschichte.
  • 32. Rosentag im Rue des Halles gefeiert.
  • Ich entdecke einen riesigen Laden mit griechischen Spezialitäten im Westend.
  • Berlin-Urlaub für ausgesprochen regnerische re:publica-Teilnahme: Ich gerate bei Anreise und Ankunft in Fußballfanmassen, treffe mich mit Offline- und Onlinefreundinnen, erlebte die bereicherndste Ausstellung des Jahres, nämlich Yoko Ono im Gropius-Bau.

Juni

  • Wanderung Kirchseeon-Aying auf neuen Wegen.
  • Rauch von kanadischen Waldbränden sorgt für diesigen Himmel über München.
  • Ende der Beinhaarbeseitigung durch Warmwachs, die Fachfrau schüttete mir durch einmal zu oft Wartenlassen das Kraut aus.
  • Wundervoller Abend mit zahlreichen Genüssen mit Herrn Kaltmamsell im Dantler, Spaziergang bis fast daheim durch eine seelige Sommernacht.
  • Ich kaufe mir nach über zehn Jahren einen neuen Computer: ein MacBook Air.
  • Alleinige Würmwanderung von Gauting nach Süden auf neuen Wegen.
  • Besuch der Ausstellung japanischer Holzschnitte in der Bayerischen Staatsbibliothek, “Farben Japans”, die mich inklusive Katalog nachhaltig beeindruckt und beschäftigt.
  • Erste echte Hitzewelle des Sommers.

Juli

  • Wanderung mit Herrn Kaltmamsell von Possenhofen nach Gauting.
  • 30 Jahre Massaker von Srebrenica, das mir den Pazifismus ausgetrieben hat.
  • Fränkischer Abend bei Freunden (das Schäuferla!).
  • Besuch der Ausstellung von Tina Berning in einer sehr seltsamen Münchner Galerie.
  • Ziemlich verregneter und kühler Juli.
  • Die Nifften reisen zum zweiten Mal zusammen zur spanischen Verwandtschaft auf dem kastilischen Land.
  • Vergeblicher Versuch, mit meinem Vater und meinem Bruder (beide Fans) in die Mortadelo-y-Filemón-Ausstellung im Instituto Cervantes zu kommen (Ausstellungsraum anderweitig belegt).
  • Gescheiterter Wanderversuch mit Herrn Kaltmamsell am Starnberger See (linksrum über Berg), wegen zu heftigem Regen abgebrochen.
  • Erster Test meiner Elektronischen Patientenakte ePa, enttäuschenderweise nur ein paar PDFs drin.
  • Der viele Regen führt zu (mildem) Hochwasser an der Isar.

August

  • Verregneter Anfang der Sommerferien.
  • Wintergrillen bei meinen Eltern.
  • Ich entdecke für mich die TV-Serite Mad Men von 2007 (Original-Start).
  • Hochsommerrückkehr, unter anderem genutzt für echten Biergartenbesuch mit mitgebrachtem Essen (Flaucher) und einem traumhaften Sommerabend in der Rustikeria im Müller’schen Volksbad inklusive Heimspaziergang.
  • Meine vielen Lerchenläufe dieses Jahres (Isarlauf vor der Arbeit) finden ein Ende.
  • Wanderung Starnberg linksrum mit Freundin am Hochsommerende.
  • Eine Woche Urlaub in Wien, in das ich mich schockverliebe: Sommerwetter, 5. Bezirk, Tofu-Manufaktur, Rosebar Centrala, Weinberg-Wanderung inklusive Heurigem, Stadthallenbad, Kunsthistorisches Museum, Loos American Bar, Meiselmarkt, Jüdisches Museum, chinesisch-spanisches Essen, Wien Museum (zweimal), Meierei, Wurstelprater, Zentralfriedhof, Gasthaus Stern, Uhudler.

September

  • Meine Wohngegend am Nußbaumpark nähert sich leider immer mehr ihrem Ruf als “Glasscherbenviertel”.
  • Aufregung vor meiner diesjährigen Oktoberfestflucht: Sieben Tage Wandern des Southdown Ways, eine Woche Brighton, An- und Heimreise mit der Bahn – wie schon im Vorjahr bei meiner Mallorca-Reise stelle ich mich recht an.
  • Wanderung Tegernseer Höhenweg mit Herrn Kaltmamsell, hinter Gmund entdecken wir einen Käse-Automaten mit lokalen Produkten.
  • Ich probiere einen halben Haschkeks, mag die Wirkung (Verdumpfung) nicht: Leider keine Alternative zu Alkohol.
  • Die Freundschaft mit einer früheren Arbeitskollegin wiederbelebt – eine meiner besten Ideen des vergangenen Jahres.
  • Die Nifften ziehen in diesen Monaten von daheim aus: Zwei nach Berlin, eine nach Augsburg.
  • Restaurant-Entdeckung zu Herrn Kaltmamsells Geburtstag: Avin am Glockenbach.
  • Meine Mutter lässt sich operieren, vor Abreise nach England kann ich sie danach noch besuchen und mich beruhigen, dass es ihr gut geht.
  • England-Urlaub, Southdowns Way: Wanderstrecke meist sehr schön, vor allem aber acht Tage ohne einen Tropfen Regen, dafür viel Sonne immer von einer Seite. (Und nervigen Wind.) Unterkünfte von zweimal sensationell (Luxus-B&Bs) über ok (Landgasthöfe) oder unterwältigend (Kettenhotel) bis bestürzend (fensterloses Mini-Zimmer). Der Körper spielt problemlos mit, lediglich meine Füße überraschen mich mit komplett unmotivierten Blasen. Es geht mir fast immer gut.
    England-Urlaub, Brighton: Herrliches Wiedersehen – doch noch mehr als in der Vorwoche vermisse ich die Perspektive und Begleitung von Herrn Kaltmamsell; ich war seit Jahrzehnten nicht mehr ohne ihn im UK und merke erst jetzt, dass er unbedingt dazugehört.

Oktober

  • Letzte Urlaubstage in Brighton, sogar mit einem Regentag. Erstmals Schwimmen im Außenbecken Sea Lanes (jetzt weiß ich, wie sich 19 Grad Wassertemperatur 1.500 Meter lang anfühlen). Die Rückreise deutlich anstrengender als der Hinweg, ich tue mich mit frühem Aufstehen so viel leichter als mit Fahrten bis spät in die Nacht.
  • Sehr gute Idee: Ich habe eine weitere Woche Urlaub nach dem Oktoberfest genommen. Darin kaufe ich mir unter anderem neue Wanderschuhe, mein ältestgedientes Paar war auf der letzten Etappe vor Eastbourne mit Spalt in der Sohle zu Müll geworden.
  • Wanderung entlang dem Tegernseer Höhenweg nochmal allein und in Sonnenschein wie in England.
  • Wanderung mit Herrn Kaltmamsell Starnbeger See linksrum.
  • Dieser Oktober ist der vor Herbstbuntheit sensationellste, an den ich mich erinnere: Auch gibt es genug Sonnentage, die das Herbstbunt ideal ausleuchteten.
  • In der Arbeit verliere ich die mühsam errungene Vertretung. Ich beschließe, das nicht mein Problem sein zu lassen.
  • Ungeplanter Einsatz meiner Zahnärztin, weil an einem oberen Schneidezahn die Kante bröselt.
  • Nachgeholtes Geburtstagsfeiern meiner Mutter mit Kirchweihgans in Bergen beim Klosterbräu (ihren Geburtstag selbst hatte sie noch auf Reha verbracht). Vom schlimmen Unfall der Schwägerin im eigenen Bad erfahren.
  • Ärger um die Corona-Impfung, die ich mir einfach jährlich abholen will: Es braucht wieder Recherchen und Tipps dafür, weil viele Hausarztpraxen sie allen verweigern, für die sie nicht explizit empfohlen wird.
  • Treffen in Garmisch mit einer schon immer Bloggerin auf Urlaub.
  • Jüdisches Neujahrskonzert des Jewish Chamber Orchestra Munich im Prinzregententheater, diesmal kommt eine Freundin mit, die wiederum eine Freundin requiriert hat.
  • Hin und wieder Nach-Feierabend-Schwumm im Dantebad.

November

  • Allerheiligenwanderung (Herr Kaltmamsell ist wieder beim Monstertöten) allein von Starnberg nach Herrsching.
  • Weitere der vielen Regenläufe des Jahres.
  • Extreme Sauer-Empfindlichkeit meiner Zähne, die sich über noch nie dagewesene Wochen zieht und mir den Genuss von fünf Kilos Crowdfarming-Granatäpfeln verwehrt.
  • Ein besonders köstlicher Abend in der Brasserie Colette mit Herrn Kaltmamsell.
  • Herr Kaltmamsell verarbeitete einen kompletten Schweinekopf.
  • Frühstücksverabredung mit liebem Besuch aus Erlangen aus dem Internet.
  • Ich kaufe mir die wahrscheinlich letzte weiße Bluse meines Lebens bei van Laack.
  • Mit Brüderchen und Schwägerin Hot-Pot-Essen im Choi.
  • Ich sorge bei meiner Bank dafür, dass ich mit dem Handy endlich über Apple Pay zahlen kann (es stellte sich heraus: dafür muss ich eine Kreditkarte beantragen).
  • Erstmals gegessen im Restaurant Waltz anlässlich Freundesbesuch aus der Schweiz.
  • Winzige Erkältung, deren Symptome mich drei Wochen lang nerven.
  • Früher erster Frost und erster Schnee.
  • Herr Kaltmamsell lädt Arbeitskolleg*innen zu uns zum Abendessen ein.
  • Teilnahme an der Bürgerversammlung, wie immer sehr lohnend und informativ.

Dezember

  • Freundesverabredung auf dem Christkindlmarkt, bis Ende schaffe ich es mit Herrn Kaltmamsell auch zweimal auf Bratwürscht am Sendlinger Tor. Nehme mir fürs nächste Jahr echte Christkindlmarkt-Erkundungen vor, mit Budenbeschau etc.
  • Katja Berlin tritt im Lustspielhaus auf und hat mich zu ihrer Show eingeladen – ich freue mich sehr und genieße.
  • Meyer Lemons dieses Jahr spät und nur auf dem Viktualienmarkt: Ich verarbeite eine zu Lemon Curd, eine gibt es als Whiskey Sour.
  • Meine erste Denkmalseröffnung: Auf dem Salvatorplatz steht jetzt das für die Familie Mann.
  • Das Verschwinden der Eisbachwelle nach einer routinemäßigen Reinigung des Kanals bewegt nicht nur München, sondern die ganze Nation. Zumindest medial.
  • Ich werde für die Kommunalwahl Anfang März zur Wahlvorsteherin berufen und fürchte mich ab sofort sehr davor.
  • In der Arbeit auch weiterhin Veranstaltungsorganisation, der neue Caterer stellt nur im Wagerl hin zum Abholen.
  • Mitte des Monats Beginn seltsamer Zahn-Unpässlichkeit, die ich vor den Weihnachtsferien noch von meiner Zahnärztin checken lasse, die aber nichts findet. In den Weihnachtsferien werden daraus echte Schmerzen, die aber von selbst wieder abklingen.
  • Weihnachtsferienfeiern mit Herrn Kaltmamsell im Blauen Haus.
  • Theaterbesuch im Marstall mit Freundin und anschließendem Einkehren in der Pfälzer Weinstube.
  • Adventspaziergang mit Familie zum Högnerhäusl mit Einkehren in Lenting.
  • Kalter Heilig Abend mit Wanderung am Auer Mühlbach zwischen Schneeflocken, seltsame Unpässlichkeiten bei mir.
  • Familienweihnacht bei meinen Eltern mit Weihnachtsgans und Familienkuschlichkeit, diesmal Unpässlichkeit bei meiner Mutter.
  • Freundinnenspaziergang durch den Westpark mit Einkehren in der Balkanbäckerei.
  • Mit Herrn Kaltmamsell die Sonderausstellung Gladiatoren in der Archäologischen Staatssammlung besucht.

Und jetzt bin ich sehr gespannt, ob diese Zusammenfassung mir später nützlich erscheinen wird.

Journal Dienstag, 30. Dezember 2025 – Gladiatoren archäologisch

Mittwoch, 31. Dezember 2025

Bis fünf sehr guter Schlaf, dann aber schlief ich nicht wieder ein.

Gestern hatte ich sogar einen Termin: Friseur, diesmal für einen Zeitpunkt nach dem vorherigen Schnitt vereinbart, zu dem die Erfahrung berechnet hatte, dass ich erstmals den Wunsch nach einem neuen entwickeln würde. Traf ins Schwarze, seit ein paar Tagen wünschte sich mein Spiegelbild Kürzung.

Davor hatte ich noch Zeit für Einkäufe: Die Silvesterplanung hatte als Abendessen Unsichtbaren Salat ergeben, gestern sollte Herr Kaltmamsell Spinat mit roter Paprika und Erdnusssauce machen, für all das brauchte es Zutaten. Ich spazierte zum Süpermarket Verdi und besorgte dort, was sich dort besorgen ließ, also fast alles. Den Rest inklusive Zutaten fürs Neujahrsessen (Rinderrouladen) überließ ich Herrn Kaltmamsell.

Während er unterwegs war, kam aber der Anruf des lieben Friseurs: Er war erkrankt und musste unseren Termin absagen, der arme. Wirklich nicht schlimm, bei der aktuellen Mützenkälte ist Haareschön eh schwierig. Und wir konnten früher den zweiten Tagesplan angehen: Die Archäologische Staatssammlung zeigt derzeit eine Sonderausstellung zu Gladiatoren, die wollte ich sehen. Die Hollywoodfilme zum Thema, Spartacus, Gladiator kenne ich nicht, mein Wissen basiert auf lang vergangenem Lateinunterricht und natürlich auf Asterix als Gladiator (-> Zuckerpüppchen von Tifus).

Wir spazierten unter Hochnebelhimmel quer durch die Innenstadt und über Hofgarten dorthin, unterwegs gab es Mittagscappuccino. In der Luft gelangweilte Schneeflocken.

Mal wieder Besuch beim einzigen Spatzenvölkchen innerhalb des Münchner Altstadtrings, die in diesem einen Busch hinterm Rathaus wohnen, tschilp!

Die Sonderausstellung im Untergeschoß der Archäologischen Staatssammlung erklärt multimedial die Zeit, in der in Rom Gladiatorenkämpfe stattfanden, das Kolosseum, Struktur und Ausstattung der Kämpfe, Stellung und Leben der Gladiatoren. Dazu werden archäologische Fundstücke gezeigt (bildliche Darstellungen, Helme, ein Grabstein),1 der lokale Bezug ist die Nachbildung eines weiteren Amphitheaters, das 2003 in Künzing in Niederbayern entdeckt wurde und aus Holz bestand. Dazu viele Nachbildungen von Ausrüstung, wie schon in der Dauerausstellung einige eigens zum Anfassen und Ausprobieren.

Zudem Infos auf Tafeln, auf Bildschirmen zum Selbertippen, auf Videoleinwänden in Deutsch und Englisch.

Das Interessanteste aber: Ein Mann und eine Frau mit hochspezialisiertem Fachwissen (auch zu zeitgenössischem Nachspielen von Gladiatorenkämpfen) führten gerade eine Gruppe durch die Ausstellung. Mir ging schon das Herz auf, wie die beiden lateinische Begriffe aussprachen, nämlich in dem tiefen Bayrisch, das sie auch sonst sprachen: Genau so klang mein Lateinunterricht an einem oberbayerischen humanistischen Gymnasium Ende der 1970er, Anfang der 80er. Ich hielt mich einige Zeit in der Nähe der Gruppe auf, um Infos aufzuschnappen. (Wichtigstes Klugscheißer-Detail aus dieser Führung: Das ikonische Daumen hoch oder Daumen runter gab es nicht. Wenn ein Gladiator um Gnade bat, hob er den Zeigefinger. Und das Publikum bekundete sein Urteil durch Wedeln mit Taschentüchern.)

Auch zurück nach Hause gingen wir zu Fuß, war eh nur eine halbe Stunde. Kurz vor daheim erwischte uns ein Schwall harter Schneegrieselkörner.

Frühstück kurz nach halb drei: Orange, Persimon, außerdem Früchtebrot und Stollen – die Müsliriegel der Weihnachtszeit.

Den Nachmittag nahm ich mir gezielt, um endlich mal wieder ein paar Stunden am Stück Roman zu lesen, La storia von Elsa Morante, übersetzt von Hannelise Hinderberger ist wieder ein 620 Seiten dickes, zudem ungewöhnlich klein gedrucktes Buch.Es nahm mich mit ins Rom der 1940er, in die römische Variante des Zweiten Weltkriegs und der ersten Jahre danach mit vielen Alltagsdetails. Wenn der Roman 1974 erschien, wurde er keine 30 Jahre nach Ende des Kriegs geschrieben, die Erinnerung und die Geschichten waren noch lebendig. Ich kenne Rom nicht gut genug, um mich mit den Ortsangaben im Roman genau orientieren zu können, doch hatte ich zu einigem Bilder vor Augen.

Richtig hell wurde es draußen unter dem Hochnebel nie, Licht brauchte es noch vor vier.

Was schön war und ist: Das Böllerverbot innerhalb des Mittleren Rings wird wohl mehrheitlich beachtet, es hörte sich deutlich ruhiger an als auch schon mal um diese Zeit.

Nachdem ich schon wieder fast durchgehend im Wohnzimmer fror mit zwei Heizkörpern auf VOLLE PULLE bei geschlossener Wohnzimmertür zum Rest der Wohnung, angezogen mit Thermorolli, Kashmir-Hoodie, Wolljacke, zwei Paar dicken Wollsocken, holte ich doch mal meinen alten Digitalwecker mit Temperturanzeige rüber und maß (nicht geeicht) die Lufttemperatur: Yoah, 19 Grad waren nicht wirklich kuschlig.
Es hat wohl doch Auswirkungen, dass die Wohnungen über und unter uns meist dunkel und leer sind – und wahrscheinlich nur minimal beheizt. Die ersten Jahre in diesem Haus wohnten wir unter einer alten Dame, die wohl bis zum Anschlag durchheizte (und sehr laut mit ihrem ebenso lauten Fernseher sprach, das war lustig); als sie ins Pflegeheim kam, merkten wir das deutlich an erhöhtem Heizbedarf in unserem damaligen Wohnzimmer.

Vor dem Abendessen dehnte und kräftigte ich mich mit einer Runde Yoga, die mir nach dem langen Lesesitzen besonders gut tat.

Nachtmahl wie geplant Spinat mit roter Paprika und Erdnusssauce, davor snackte ich sauer eingelegte Gurken (gekauft) und sauer eingelegtes Blaukraut (von Herrn Kaltmamsell aus einem halben Ernteanteil-Blaukraut), danach gab es Stollen und Schokolade.

Ins Bett ging ich zu Mondsichel am klaren Himmel – nachts konnte er mir nun auch gestohlen bleiben.

  1. Grabsteine auch in diesem Fall eine zentrale Quelle für Fakten und Details des Gladiatorenlebens; ich bin inzwischen sicher, dass der Lateinunterricht für mich viel fesselnder gewesen wäre, hätte man mir das Lesenkönnen von lateinischen Grabsteinen in ganz Europa als Karotte vor die Nase gehängt. []

Bücher 2025

Dienstag, 30. Dezember 2025

Nach Bücherzahl ein eher schwaches Jahr. Irgendwie dauerte die Lektüre vieler Bücher unerwartet lange – mir ist allerdings nicht klar, ob ich besonders viele dicke Bücher erwischt habe oder besonders abgelenkt war. Als Pflicht oder Leistung habe ich Bücherlesen nie empfunden: Romanelesen gehört zu den liebsten Beschäftigungen in meinem Leben. Wenn ich in einem Jahr viel Lektüre hatte, freute ich mich über die reiche Leseerfahrung. Wenn ich in einem Jahr wenig hatte, vermisse ich diese Erfahrung.

Erstmal Statistik:

Empfehlungen sind wieder mit * markiert.

1 – Deniz Ohde, Streulicht*
Hier besprochen.

2 – Ursula März, Tante Martl*
Genaueres hier.

3 – Marie Luise Kaschnitz, Das dicke Kind und andere Erzählungen*
Etwas mehr dazu hier.

4 – Nils Minkmar, Montaignes Katze

5 – Florian Gleibs, Shalom Kitchen

6 – Adolf Muschg, Nicht mein Leben

7 – Paula Fürstenberg, Weltalltage*
Einer meiner Favoriten des Jahres, Details hier.

8 – Zsuzsa Bánk, Der Schwimmer

9 – Rebecca F. Kuang, Yellowface

10- Granta 170, Winners

11 – Betty Smith, A Tree Grows in Brooklyn*
Ein weiterer Jahresfavorit, hier erklärt.

12 – Markus Pfeifer, Springweg brennt*
Hier der Grund meiner Empfehlung.

13 – Sigrid Nunez, The last of her kind

14 – Jenny Erpenbeck, Aller Tage Abend*
Hier besprochen.

15 – Jeanette Winterson, Oranges Are Not The Only Fruit

16 – Granta 171, Dead Friends

17 – Stephan Thome, Pflaumenregen*

18 – Lena Christ, Die Rumplhanni*

19 – Chloe Dalton, Raising Hare*
Genaueres hier.

20 – Dinçer Güçyeter, Unser Deutschlandmärchen*
Hier besprochen.

21 – Becky Chambers, The Long Way to a Small, Angry Planet*
Hier unten mehr dazu.

22 – Barbara Kingsolver, Demon Copperhead

23 – Isabel Bogdan, Wohnverwandtschaften

24 – Thomas Tabery, Kevin Schumacher-Shoji (Hrsg.), Farben Japans*
Der Katalog zur Ausstellung Farben Japans in der Bayerischen Staatsbibliothek in München 27. März bis 6. Juli 2025 liefert den Hintergrund zum Thema, zur Sammlung und zur Ausstellung, für den bei einem Besuch der Ausstellung selbst nicht genug Zeit ist: Wie kommt die Stabi zu einem solch großen Bestand an japanischen Holzschnitten? Was ist die Geschichte dieser Kunstform in Japan? Welche Techniken und Marktmechanismen stehen dahinter? Worin bestehen die Hauptthemen und was sagt das über die Gesellschaft Japans zur Entstehungszeit aus?
Das Niveau der Erklärungen ist durchaus gehoben, es wird einiges vorausgesetzt. Doch auch wenn man, wie ich, nahezu komplett blank ans Thema herangeht, erschließt es sich aus den Texten und den vielen Abbildungen. Mir wurde die Tür zu einer weiteren faszinierenden Welt geöffnet.
Abzug für den windigen Umschlag – auch wenn ich den Kostendruck dahinter erahne.

25 – Granta 172, Badlands

26 – Grete Weil, Tramhalte Beethovenstraat*
Mehr dazu hier.

(27 – Jasmin Schreiber, Marianengraben)

28 – Jenny Erpenbeck, Heimsuchung*
Mein Buch des Jahres, hier ausführlicher besprochen.

29 – T. Kingfisher, Nettle and Bone*
Mehr dazu hier unten.

30 – Francisco Ibáñez, Mortadelo y Filemón #53 En Alemania*
Details dazu hier.

31 – Ottessa Moshfegh, Eileen

32 – Caroline Peters, Ein anderes Leben

33 – Jens Notroff, Staub, Steine, Scherben*
Ein wirklich empfehlenswerter und gut lesbarer kurzer Einblick in Stand und Praxis der Archäologie – besser und freundlicher kann man beides kaum vermitteln. Jens Notroff nimmt uns mit auf Ausgrabungen, an denen er als Archäologe beteiligt war und erzählt die Schritte, die dafür nötig sind, wo sie historisch herkommen und wie sie sich im Lauf der Zeit verändert haben, die äußeren Bedingungen von Ausgrabungen, die Werkzeuge und Technik, die dafür verwendet werden – alte und neue. Außerdem erfahren wir, was mit dem Entdeckten anschließend passiert. Besonders charmant fand ich die Einblicke in typische Marotten von Archäolog*innen – und freute mich mit Notroff darüber, dass er einen Beruf hat, bei dessen Nennung viele mit “Ach, das wollte ich auch mal werden!” reagieren: Wer sonst erlebt das wohl?

34 – Hervé Le Tellier, Romy und Jürgen Ritte (Übers.), Die Anomalie

35 – Gaea Schoeters, Lisa Mensing (Übers.), Trophäe*
Gewagt, verstörend, manchmal zweifelte ich an der deutschen Übersetzung (Verwendungen von Wörtern, die ich an dieser Stelle nicht erwartet hätte und die ein wenig schief hingen – das mag aber im niederländischen Original exakt genauso sein).
Viele explizite Referenzen an Hemingway – doch ohne kann eine Westlerin eh nicht an Großwildjagd denken.

36 – Tonio Schachinger, Nicht wie ihr*

37 – Hertha Hurnaus, Gabriele Kaiser, Maik Nowotny (Hrsg.), Maschinenräume. Hinter der Kulisse der Wiener Ringstraße*
Eine großartige Idee, die nicht-öffentlichen Räume hinter den berühmtesten Gebäuden an der Wiener Ringstraße zu zeigen, unter den Bildern besonders atemberaubend die riesigen Säle unter den Dächern, und zu erklären, wie sie konstruiert und betrieben wurden. Die Aufsätze dazu berichten die Geschichte der Bebauung an der Ringstraße und erklären die Ingenieurskunst der Betriebsräume: Ich hatte mir tatsächlich noch nie Gedanken über die Belüftung eines Museums, Parlaments oder Theaters gemacht und lernte wundervolle Begriffe wie “Luftbrunnen”. Allen ans Herz gelegt, die sich für Wien, europäische Baukunst des 19. Jahrhunderts oder auch nur ungewöhnliche Architekturfotografie interessieren.

38 – Michaela Murgia, Julika Brandestini (Übers.), Accabadora

39 – Vicki Baum, Hotel Shanghai*
Hier ausführlich besprochen.

40 – Granta 173, India*
Hier etwas mehr.

41 – John Steinbeck, Travels with Charley*

42 – Elsa Morante, Hannelise Hinderberger (Übers.), La Storia*

Journal Montag, 29. Dezember 2025 – Ferientag mit Schwimmen und Nebelspaziergang

Dienstag, 30. Dezember 2025

Recht guter Nachtschlaf, beendet von Weckerklingeln, denn ich hatte Pläne.

Hell wurde es auch gestern zu grauem Licht unter Hochnebel.

Ich hängte die Wäsche ab, wendete die Jeans auf rechts (Jeans wasche ich immer auf links, diese hatte ich wegen starker Verknitterung beim Waschen noch nass gebügelt) – und sah dieses.

Es war das erste Waschen dieser Hose überhaupt, und ich hatte sie einheitlich grau gekauft.
Ich überlege noch, ob ich mir die Aufregung einer Reklamation im Laden antue. Kassenzettel habe ich nicht mehr, aber das Kaufdatum kann ich einfach rekonstruieren, und ich habe mit Karte gezahlt.

Plan 1: Schwimmen. Ich nahm eine U-Bahn zum Olympiabad.

Diesmal waren die Bahnen beschwommen wie an einem durchschnittlichen Samstag, doch wir kamen gut miteinander zurecht, und im Mittelteil waren wir einige hundert Meter lang nur zu zweit. Meine 3.000 Meter fühlten sich leicht an, ich genoss das elegante Gleiten durchs Wasser.

Auf den U-Bahn-Fahrten las ich Zeitung. Zu Hause Häuslichkeiten, zum Frühstück um eins gab es Birne und Banane, außerdem eine Scheibe selbstgebackenes Brot mit dem letzten Meyer Lemon Curd.

Plan 2: Treffen mit Freundin zu Spaziergang durch den Westpark. Ich hatte den Ort vorgeschlagen, weil man beim Durchqueren des Parks von West nach Ost sowie weiter bis zur Theresienhöhe mitten in der Stadt eine Verkehrsinfrastruktur kennenlernt, die nur auf den Fuß- und Radverkehr ausgerichtet ist; hörte man die mehrspurigen Straßen drumrum und drunterdurch nicht hin und wieder, könnte man ihre Existenz vergessen.

Wir trafen uns am U-Bahnhof und starteten unterm Rosengarten.

Es war nicht zu kalt, wir waren beide warm eingepackt, und mehr als das Licht auf den Fotos gab es halt unterm Hochnebel nicht. In den Gesprächen tauschten wir unter anderem Geschichten über junge Leute(TM) aus, die Vieles sehr viel richtiger als wir machen und uns Hoffnung und Zuversicht geben.

Einkehren wollte ich auf der Theresienhöhe in meinem Mittagscappuccino-Café Notting Hill – doch das war geschlossen. Also weiter zu etwas richtig Lokalem: die Balkan-Bäckerei Adriatik hat auch ein paar Tische. Und, wie sich herausstellte, guten Kaffee zum Balkan-Hefegebäck (ich aß eine Schnecke mit weißem Käse, wunderbar).

Nach Abschied ins neue Jahr schöner Spaziergang nach Hause, dort war Herr Kaltmamsell geschäftig: In der Mitte der vier Putzmann-losen Wochen hatte er sich erboten, zumindest mal durchzusaugen – hochwillkommen.

Die nächsten Stunden arbeitete ich an einem weiteren Jahres-Rückblick: Bücher 2025, kommt später am Tag.

Eine Einheit Yoga mit Öffnung Schultergürtel, schließlich will ich diese Woche nochmal schwimmen.

Als Nachtmahl servierte Herr Kaltmamsell die letzten Ernteanteil-Karotten als Curry mit Reis. Davor ein Schüsselchen Kimchi (SO gut!), danach restlichen Apple Crumble und Schokolade.

Früh ins Bett zum Lesen.

Jahresrückblick 2025

Montag, 29. Dezember 2025

Die am häufigsten geherzten Fotos auf instagram. Auffallend: die Herzen waren 2025 weniger als die Jahre davor – ich glaube nicht, dass meine Fotos schlechter wurden, meiner ist halt definitiv kein Account, wie ihn instagram im aktuellen Geschäftsmodell vorsieht und deshalb per Algorithmus unterstützt. Unter anderem geht es nicht um gute Fotos wie zu Anfangszeiten. Und ich bin immer noch auf instagram (obwohl Big Bad Tech), weil ich darüber Kontakte pflege, die ich nirgendwo sonst antreffe. Mir wäre ja auch lieber, wenn die alle statt dessen bloggten.
Ich lerne aus diesen Favoriten: instagram priorisiert Selfies/Menschenbilder.

Zugenommen oder abgenommen?
Wohl gleich geblieben. “Wohl”, denn ich besitze seit vielen Jahren keine Waage: Das ist für mich (!) die beste self care; ich bitte auch bei ärztlichem Wiegen, mir das Ergebnis nicht zu sagen. In meiner Vergangenheit gibt es eine lange, unheilvolle Dysmorphie, damit verbunden ein hohes Risiko für obsessives Verhalten bei diesem Thema, Wurzeln in Diät und Kalorienzählen ab früher Kindheit. Inzwischen habe ich mir fast echte Gelassenheit erarbeitet, wenn ein vertrautes Kleidungsstück mal enger zu sitzen scheint: In den vergangenen Jahren gab sich das immer von allein, ohne dass ich etwas an meinem Lebenswandel änderte. Überhaupt: Ein so cooles Verhältnis wie derzeit hatte ich mein ganzes Leben noch nicht zu meiner Figur. (Wobei ganz sicher hilft, dass sie sich derzeit auf der schlanken Seite befindet. Was in der Vergangenheit allerdings keine Garantie bedeutete.)

Haare länger oder kürzer?
Etwa gleich kurz, je nach dem, wie lange der letzte Friseurbesuch her ist.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Wahrscheinlich gleich, zur Investition in eine Bildschirmbrille konnte ich mich aber immer noch nicht aufraffen.

Mehr bewegt oder weniger?
Gefühlt etwas mehr, diesmal checkte ich aber meinen Bewegungstracker gründlich. Ergebnis:
Durchschnittliche Schrittzahl täglich: 19.449 (2024: 17.677)
Durchschnittliche Strecke täglich: 12,4 km (2024: 11,2 km)
Durchschnittliche Treppenstufenzahl täglich: 38 (2024: 24)

Die Schwimm-Auswertung ist anstrengender, weil ich alles einzeln zusammenzählen muss: 2025 war ich 52 Mal (2024: 50 Mal).

Also insgesamt mehr Bewegung! Was natürlich auch daran lag, dass ich das ganze Jahr weder richtig krank noch verletzt war.

Und schon muss ich aufpassen, das nicht automatisch zur Benchmark zu machen, die es 2026 zu übertreffen gilt. Als ich auf der Familienweihnacht darüber sprach, dass ich Italienisch am besten in einem Sprachurlaub in Italien lernen würde und man mich darauf hinwies, dass sich dafür doch meine Oktoberfestflucht 2026 ideal eignet, war mein Reflex nicht “super Idee” (was es tatsächlich ist, ich werde dem nachgehen), sondern: “Aber meine Wanderschritte!” Diese Trackerei ist für mich (!) einfach nicht gut.

Öfter oder seltener krank gewesen?
Noch seltener als in den Jahren davor eh schon.

Mehr Kohle oder weniger.
Etwa gleich, etwas mehr Tariflohn, etwas weniger Einnahmen über VG Wort.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Weniger, weil keine Rentenpunkte gekauft.

Der hirnrissigste Plan?
Das Durchhalten mit Leben könnte irgendwann nicht mehr die Hauptenergie abziehen.

Die gefährlichste Unternehmung?
Auch weiterhin nichts.

Die teuerste Anschaffung?
Ein MacBook Air.

Das leckerste Essen?
Ich beschränke mich mal auf ein Gericht, das mein Liebling war: Der Teller mit Maispüree, roter Paprika, Sonnenblumenkernen im Wiener Rosebar Centrala.

Der interessanteste Wein?
Châteauneuf du Pape La Bastide Saint Dominique in der Brasserie Colette.

Das beeindruckenste Buch?
Jenny Erpenbeck, Heimsuchung.

Das enttäuschendste Buch?
Hervé Le Tellier, Romy und Jürgen Ritte (Übers.), Die Anomalie – einfach weil ich mir so viel mehr davon versprochen hatte.

Der ergreifendste Film?
So wenig Film gesehen, dass es nicht güldet – sogar noch mehr über Film gesehen.

Die beste Musik?
Rosalia – aber auch dieses Jahr nicht aussagekräftig, weil ich so wenig Musik gehört habe.

Das beste Theater?
Es war nichts wirklich Herausragendes dabei, am besten gefiel mir noch Die Nashörner am Volkstheater.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Planen und mich verrückt machen.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
Draußen sein, auswärts essen mit Herrn Kaltmamsell.

Vorherrschendes Gefühl 2025?
Sind wir schon daha?

2025 zum ersten Mal getan?
Kohlröschen gegessen, Joggen wegen Wadenproblemen abgebrochen, mich mit japanischen Holzschnitten beschäftigt, Cannabis konsumiert.

2025 nach langer Zeit wieder getan?
Mich an meine polnische Famiiliengeschichte gewagt, im August in Augsburg gegessen, Englandaufenthalt ohne Herrn Kaltmamsell.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Schlimm kranke Freundinnen, schlimm kranke Verwandte, Unbeeinflussbarkeiten in der Arbeit.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Ich bin da.

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Es kommt mir vor, als hätte ich dieses Jahr überhaupt keine Geschenkideen gehabt – das ist bitter.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Beistand, unbeirrbar.

2025 war mit 1 Wort…?
Durchgehalten.

Worauf ich mich 2026 freue
Gemeinsamer Theaterbesuch in Ingolstadt Ende Februar, Sommer.

Sonderausgabe: “What we do not care much about in 2026”.

Journal Sonntag, 28. Dezember 2025 – Fast missglücktes Brot, Nebellauf

Montag, 29. Dezember 2025

Wieder erst vom 7-Uhr-Läuten geweckt worden, diesmal nach einer überdurchschnittlich guten Nacht. Allerdings hatte mich Chlorschnupfen einmal zum Nasenspray greifen lassen.

Erstmal nächster Schritt Idiotenbrot (aber mit reichlich bemehltem Gärkörbchen, und eine ganze Stunde muss der Ofen nun wirklich nicht vorheizen, um einen gusseisernen Topf heiß zu bekommen), dann erst Café con leche für Herrn Kaltmamsell und mich.

Es tagte zu Hochnebel; als das Brot im Ofen war, erschien es noch möglich, dass er wegsinken würde.

Als das Brot aus dem Ofen war, sah es leicht missglückt aus:

Ich vermute Übergare, ich hatte frische Hefe verwendet und davon eventuell ein Gramm zu viel.

Telefonat mit Mutter (fühlt sich wieder ok), die Sonne aus Ingolstadt schicken wollte (was soll denn das bitte, dass der Himmel in München trüber und nebliger ist als im Nebelloch Ingolstadt?). Doch während meines Laufs ab Haustür über Alten Südfriedhof an die Isar nach Süden wurde aus Hochnebel lediglich zeitweise Nebel-Nebel.

Das Laufen machte Spaß, und nach einer halben Stunde kam ich so richtig in die fröhliche Leichtigkeit, für die ich immer dankbar bin. In Thalkirchen entschied ich mich, weiter nach Süden zu laufen und zurück nur bis zum U-Bahnhof Thalkirchen. Es war frostig, aber nicht unangenehm kalt – lediglich kalt genug, die Mountainbiker fernzuhalten, also traute ich mich, auf den Pfad hinter der Großhesseloher Brücke in die Isarauen abzubiegen.

Vor der Großhesseloher Brücke.

Ein Stück dahinter nach links abgebogen.

Abenteuer!

Aber es blieb neblig.

Auf dem Hinterbrühler See hatte es schon gefroren.

Viel <3<3<3 für den Läufer, der mich auf meinem letzten Stück überholte und offensichtlich zur Musik in seinen altmodischen Kopfhörern ein wenig mitbrummte. Drei Brummer reichten zur Identifikation des Stücks – sofortiger Ohrwurm.

Am Thalkirchner U-Bahnhof stellte sich heraus, dass ich schon wieder deutlich über 1:50 Stunden gelaufen war, ich hatte eigentlich weniger angepeilt. Ging aber problemlos (erst am Nachmittag machte mein Körper mir mit Hüft- und LWS-Steifheit klar, dass er nach dieser Einheit lieber keine Gymnastik wollte).

Frühstück kurz nach zwei: Kimchi, Birne, selbstgebackenes Brot mit Butter und Marmelade.

Anschnitt mittel-ok, zumindest hatte das Brot nicht den befürchteten Wasserrand.

Kurz vor drei kam die Sonne endlich durch – genau in der Position, in der sie mich von Südwesten blendete.

Den Nachmittag verbrachte ich mit Rücklesen im Blog für Jahresrückblick (und ein bisschen Wäscheaufhängen), und ich machte fürs Abenddessert Apple Crumble (seit einer Woche geplant).

Ich hatte zum Aperitif wieder Lust auf einen Drink und rührte uns Negronis.

Zum Nachtmahl kochte Herr Kaltmamsell eine Misosuppe mit übrigen Champignons und Stangensellerie – sehr gut. Von mir kam ein wenig restlicher Endiviensalat mit Joghurtdressing, außerdem der Apple Crumble zum Dessert. Abschließend noch ein wenig Schokolade.

Im Fernsehen ließen wir die aktuelle Folge Kitchen Impossible laufen: mit Jamie Oliver. Den ich ja in erster Linie von seinen Kochbüchern kenne, die Show habe ich nie gesehen, die ihn berühmt gemacht hat. Schon interessant, aber wie alle diese “Challenges” viel zu breit künstlich ausgewalzt: Nur halb so oft der Kamera erzählt, wie aufgeregt man ist etc., würde reichen.

§

Eine kleine Weihnachtsgeschichte, sehr britisch: Chloe Fox beschreibt, wie sie dieses Jahr in Wiltshire, Südwest-England, ihren ersten Buchladen eröffnet hat.
“I opened a bookshop. It was the best, worst thing I’ve ever done”.

Herzlichen Glückwunsch und danke für die vielen praktischen Details! Hoffentlich erfahre ich in fünf Jahren, wie dieses Abenteuer weitergegangen ist. (Ich musste natürlich an Pia Ziefle denken und ihren Buchladen in Mössingen.)