Journal Dienstag, 28. Januar 2020 – Beifang aus dem Internetz
Mittwoch, 29. Januar 2020 um 6:45Morgens eine Runde Dehnen für die Hüfte – und auch mal wieder für den ewig Verspannungs-bedrohten Schultergürtel.
Mit dem Rad durch angenehme Luft in die Arbeit; der Tag war düster, es regnete immer wieder ein wenig.
Mittags eine rote Paprika (ich weiß, aber sie waren am Montag im Biosupermarkt auch noch im Angebot!) und ein Stück Käse, nachmittags zwei Orangen mit Quark. Wenn beim Orangenschälen die Fingerkuppen brennen, hat man die Nägel vielleich doch einen Tick zu kurz geschnitten.
Das Arbeitstag wurde länger als geplant, weil doch noch jemand etwas von mir brauchte.
Daheim servierte Herr Kaltmamsell die Reste des Ernteanteils: Karotten, Kohlrabi, Lauch, gewürzt und gekocht. Dazu machte er eine Socca: Fladen aus Kichererbsenmehl aus dem Ofen. Nachtisch Vanilleeis mit Eierlikör.
Sehr früh ins Bett, ich war elendiglich müde.
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Die Süddeutsche hat zum Stand des Schöffenamts recherchiert. Auch ich hatte vor Jahren mitbekommen, dass rechte Kräfte zur Besetzung dieser Ehrenämter mit Schlüsselfunktion aufgerufen hätten und weiß, dass die formalen Voraussetzungen für eine Bewerbung sehr gering sind. Deshalb beantwortet der Artikel viele Fragen, die ich mir seither stellte und schildert tatsächliche Vorfälle:
“Wie sich Gerichte gegen rechte Schöffen wehren können”.
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In UK zeigt BBC Two eine neue Doku-Serie mit Mary Beard: Shock of the Nude. Darin bietet die Altphilologin und Historkerin nach all den Jahrhunderten des male gaze eine weibliche Perspektive an. Der Guardian hat mit Beard gesprochen:
“From fig leaves to pinups: Mary Beard on the evolution of the nude”.
Sehr schön allein schon im Englischen die unterscheidenden Bezeichnungen naked und nude. Aber bitter, wie Mary Beard inzwischen Beschimpfungen auf Twitter bereits vorweg nimmt.
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Weil die Brutalität in Serpentinen in mir weiter nachhallt (hier ein Gespräch des BR mit Bov Bjerg): Anlässlich des Mordes an einer Familie in Baden-Württemberg mutmaßlich durch ein 26-jähriges Familienmitglied spricht die Süddeutsche mit dem Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, über Gewalt in der Familie.
“Morde an Verwandten:
‘Es gab fast immer massive Gewalt'”.
Wir haben in Deutschland einen drastischen Rückgang von vollendeten Morden. Seit der Wiedervereinigung sind diese Taten um 63 Prozent zurückgegangen. Seit den fünfziger Jahren ist zugleich das massive Verprügeln von Kindern von 20 Prozent auf vier Prozent gesunken. Menschen, die in ihrer Familie ständig geschlagen wurden, werden im Schnitt sechsmal so oft mehrfache Gewalttäter wie diejenigen, die gewaltfrei und liebevoll erzogen wurden.
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Aus Anlass wies mich eine Twitterin auf einen Artikel von 2018 hin. Gunter Dueck (der auf solche Analysen spezialisiert ist) schildert den bis heute üblichen Führungsstil in Unternehmen:
“Unfähig & Unwillig? Prügeln! Fähig & Willig? Stark prügeln!”
Die Ausgangssituation, die Dueck darin durchspielt, entlarvt allerdings die eigentliche Ursache dieser Mechanismen:
Nun kommt ein Befehl von oben: „Die Umsatzziele für dieses Quartal werden um zehn Prozent angehoben, damit ein Projektfehlschlag an anderer Stelle kompensiert werden kann.“
Solange immer wieder diese Art fataler Befehle von oben kommen (weil: Shareholder Value, weil: Kapitalismus, weil: Diktator mit miesem Charakter an der Unternehmensspitze), wird sich daran nichts ändern.











